Filmfest München 2019: „Maggie“ & „Los Tiburones“

Heute hat das 37. Filmfest München begonnen und ich nehme das mal zum Anlass, endlich diesen vernachlässigten Blog zu reaktivieren. Während des Filmfestes wird es also von mir hier ein paar Beiträge geben; hoffentlich werde ich auch danach wieder regelmäßig bloggen.

Mein Filmfest ging heute mit einem Fehlstart los. Ich wollte mir nämlich um 9 Uhr in der Früh den Eröffnungsfilm „The Art of Self-Defense“ in der Pressevorführung anschauen. Gewohnheitsmäßig bin ich dafür ins City/Atelier-Kino an der Sonnenstraße gefahren, das von meiner Wohnung so schnell erreichbar ist und wo die meisten der Pressevorstellungen stattfinden. Aber eben nur die meisten! Kurz vor meiner Ankunft musste ich bei einem Blick ins Programm nämlich feststellen, dass genau diese eine Vorstellung im Festivalzentrum im Gasteig stattfand. Dort noch rechtzeitig zum Filmbeginn hin zu kommen, war leider nicjt nicht mehr möglich. Also bin ich erst einmal wieder nach Hause gefahren.

Dort habe ich als Akkreditierter von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, mir einige der Filmfest-Filme zu Hause per Stream anzuschauen. Mit dem Laptop auf dem Bett liegend habe ich so den koreanischen Independent-Film „Maggie“ von Ok-seop Yi gesehen. Ein richtiges Kinoerlebnis ist das natürlich nicht und ich habe mich immer wieder durch mein Smartphone ablenken lassen, was mir im Kino nie passieren würde.

Maggie - SzenenbildIn „Maggie“ geht es um eine junge Krankenschwester (Ju-young Lee), die Grund zu der Annahme hat, dass sie und ihr Freund auf dem plötzlich im Krankenhaus aufgetauchten Röntgenbild zu sehen sind, das ein Paar beim Sex zeigt. Als wäre dies nicht schon absurd genug, taucht auch noch ein die Geschichte erzählender Wels auf, der in einem Aquarium im Krankenhaus lebt. Und dann beginnen sich über die gesamte Stadt verteilt riesige Sinklöcher zu bilden…

Wie das alles genau zusammen hängt, will ich hier gar nicht verraten. Ich könnte es auch gar nicht, denn wie so oft im asiatischen Kino wird in „Maggie“ nichts zu Ende erklärt. Der Film vermittelt stattdessen Stimmungsbilder und Gefühle – Einsamkeit, die Sehnsucht nach Nähe und Verbindung und mehr. Die eigentliche Geschichte ist gar nicht so wichtig. Dass der Film dadurch keine wirklich greifbare Handlung hat und man sich viel selbst zusammenreimen bzw. dazu denken muss, mag den einen oder anderen abschrecken. Gleichzeitig macht es den Film aber auch leichter zugänglich, sofern man bereit ist, sich auf diese Erzählweise einzulassen.

Abends ging es dann endlich richtig los für mich. Um 18 Uhr stand in der Hochschule für Film und Fernsehen die Vorführung des argentinischen Independentfilms „Los Tiburones“ an. Der Saal war nur sehr spärlich besucht, vielleicht waren viele Münchner einfach noch nicht in Filmfest-Stimmung. Im Mittelpunkt des Regiedebüts von Lucía Garibaldi steht die 14-jährige Rosina (Romina Bentancur), die mit ihrer Familie in einem Dorf in Uruguay lebt. An der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsensein ist sie von Sex und allen anderen Dingen, die das Leben der Erwachsenen ausmachen, ebenso fasziniert wie eingeschüchtert. Ein etwas schmierig wirkender Typ, der für Rosinas Vater arbeitet, versucht sich Los Tiburones - Szenenbildimmer wieder plump an sie heran zu machen. Er scheint damit Erfolg zu haben, doch wohl nur, weil es Rosina an anderen Optionen mangelt und ihre Neugier auf das faszinierende Unbekannte zu groß ist. Schließlich sind da noch die titelgebenden Haie, die Rosina im Meer gesichtet haben will.

Genau eine Szene gibt es in „Los Tiburones“ die stark an Steven Spielberg erinnert. Darin beschließen die am Strand zusammen stehenden Dorfbewohner, den Hai zu jagen und zu töten. Ansonsten nimmt dieser Handlungsstrang gar keinen so großen Raum ein, wie man glauben könnte. Womöglich ist der Hai hier gar kein Hai, sondern vielmehr ein Symbol für all das, was Rosina im Kopf herumgeht – Erwachsenwerden, Männer, Sex,… Genau wie diese ihr größtenteils noch unbekannten Seiten des Lebens ist nämlich auch der Hai faszinierend und furchteinflößend zugleich.

Im Gesicht der Hauptdarstellerin spiegeln sich den ganzen Film über ihre Reaktionen auf die Ereignisse um sie herum. Allzu viel passiert auch in diesem Film nicht, aber immerhin passt er mit seinen glühend heißen Bildern von Sonne, Strand und Meer bestens zur Stimmung, die auch auf Deutschlands sonnigstem Filmfestival herrscht.

„Maggie“ wird noch dreimal auf dem Filmfest gezeigt: am 3., 4. und 5. Juli. „Los Tiburones“ läuft noch zweimal, am 4. und 6. Juli.

 

Copyright Bilder: Filmfest München

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