Rezension: „It Was Fifty Years Ago Today! The Beatles: Sgt. Pepper & Beyond“

Es gilt immer noch als das einflussreichste Album der Musikgeschichte: „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles. Dieses Jahr wurde das 50-jährige Jubiläum des Albums mit dem Erscheinen einer erstmals völlig neu abgemischten Version gefeiert, dank der man das legendäre Werk nun in einer ganz neuen, frischen Weise genießen kann.

Bl-ray: "It Was Fifty Years Ago Today"

Aber nicht nur von offizieller Seite kommen zum Jubiläum Neuveröffentlichungen, auch andere wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. So kommt am 20. Oktober der Dokumentarfilm „It Was Fifty Years Ago Today! The Beatles: Sgt. Pepper & Beyond“ als DVD und Blu-ray in den Handel. Wie der Titel schon sagt, versucht Regisseur Alan G. Parker darin, ein Bild der Beatles im Zeitraum um die Veröffentlichung von „Sgt. Pepper“ zu zeichnen. So jedenfalls könnte man wohlwollend beschreiben, worum es in dem Film geht. Tatsächlich besteht dieser nämlich aus einer ziemlich wahllosen Aneinanderreihung von Interviews und Aufnahmen, die halt alle irgendwie mit den Beatles in den Jahren 1966 bis 1968 zu tun haben. Um die Entstehung und Rezeption des legendären Albums geht es dabei zwar bisweilen auch, aber generell bekommt man beim Anschauen eher den Eindruck, dass Parker ganz einfach all die (oft nicht besonders interessanten oder tiefgehenden) Informationen, die er seinen Interviewpartnern entlocken konnte, in eine halbwegs sinnvolle Reihenfolge bringen und daraus eben irgendwie einen Film machen wollte.

Bereits die Auswahl dieser Interviewpartner zeigt, dass es sich hier nicht gerade um eine Beatles-Doku allererster Klasse handelt. Musikexperten, Kulturkritiker und dergleichen sucht man vergebens; auch neue Interviews mit den noch lebenden Bandmitgliedern fehlen. Stattdessen darf unter anderem Ringos Vorgänger in der Band, Pete Best,  fröhlich in die Kamera grinsen und erzählen, wie froh und stolz er ist, auch einmal ein Beatle gewesen zu sein. Das war er für kurze Zeit zwar tatsächlich, aber nun einmal ganz bestimmt nicht mehr während der Entstehung von „Sgt. Pepper“. Der Informationsgehalt seiner Beiträge hält sich dementsprechend in engen Grenzen. Unter den weiteren Personen, die Parker vor seine Kamera bekommen hat, befinden sich unter an derem die Schwester von George Harrisons Frau sowie die frühere Sekretärin des Beatles-Fanclubs. Die eine oder andere interessante Anekdote springt dabei zwar schon heraus, oftmals scheint Parker aber leider viel zu verliebt in sein eigenes Material zu sein und hätte viel mehr kürzen und einzelne Redebeiträge stärker zusammenschneiden müssen, um sein Publikum nicht zu ermüden.

Die interessantesten Teile des Films sind dementsprechend stets die Originalaufnahmen aus den 1960er Jahren, darunter zahlreiche Interviews mit den Fab Four, die immer wieder zum Schmunzeln einladen. Doch wer sich nicht gerade erst seit gestern mit den Beatles beschäftigt, wird auch dabei nur noch wenig Neues finden. Thematisch ist „Fifty Years Ago Today“ wie bereits erwähnt ziemlich unfokussiert. Der Film beleuchtet zu Beginn die Umbrüche, denen sich die Band nach der Veröffentlichung von „Revolver“ und ihrer – wie sich heraus stellen sollte – letzten Konzerttournee ausgesetzt sah. Im Mittelteil beschäftigt sich Parker zwar dann schon mit dem „Sgt. Pepper“-Album, fördert dabei aber kaum neue Einsichten zutage, sondern arbeitet nacheinander einige Standardthemen (wie z.B. die Entstehung des Plattencovers) ab, lässt aber viele wichtige und interessante Aspekte einfach weg. Schließlich springt der Film zu den Erlebnissen der Beatles mit dem indischen Maharishi und dem Tod ihres Managers Brian Epstein. Die Frage ist nur, warum – schließlich hat das wenig bis gar nichts mit „Sgt. Pepper“ zu tun. Der Film zerfasert in seiner zweiten Hälfte immer mehr, bis er schließlich ganz zum Schluss doch plötzlich wieder zum „Sgt. Pepper“-Album zurückkehrt.

Insgesamt kann ich „It Was Fifty Years Ago Today“ überhaupt nicht empfehlen. Die Dokumentation wirkt lieblos und bringt nicht nur Beatles-Kennern keine neuen Erkenntnisse, sondern ist auch für Neulinge ungeeignet. Zu willkürlich werden die Schwerpunkte gesetzt, zu uninteressant sind zum Teil die Interviewpartner und deren Aussagen. Aber den vielleicht größten Schwachpunkt dieser Dokumentation habe ich noch gar nicht erwähnt: Die Filmemacher haben nämlich keine Erlaubnis für die Nutzung der Beatles-Lieder erhalten! Man hört also in dieser Beatles-Dokumentation kein einziges Beatles-Lied, was die Besprechung des Albums natürlich noch zusätzlich erschwert. Auch Musikvideos oder Auftritte der Band sind dementsprechend so gut wie gar nicht in den Film eingebunden.

Meine Empfehlung lautet daher: Besorgt euch die Neuauflage von „Sgt. Pepper“ und hört sie euch auf einer guten Anlage oder mit hochwertigen Kopfhörern an. Das bringt ein Vielfaches an Erleuchtung als es dieser nutzlose Film tut.

© Studio Hamburg Enterprises

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