Babylon 5: Episode 1.22 – Chrysalis

— Ganz am Ende dieses Blogposts findet Ihr eine Übersicht aller bisherigen „Babylon 5“-Blogposts! —

Neuigkeiten von B5-Schöpfer J. Michael Straczynski und aus dem „Babylon 5“-Universum

Seit meinem letzten „Babylon 5“-Blogpost ist natürlich so einiges passiert. Wie ihr wahrscheinlich wisst, ist seitdem die komplette zweite Staffel von „Sense8“ bei Netflix erschienen – und die Serie kurz danach abgesetzt worden. 😦 Die Fans haben nicht locker gelassen und Netflix lautstark dazu aufgefordert, die von JMS und den Wachowskis ursprünglich auf fünf Staffeln angelegte Serie doch noch weiterzuführen. Einen kleinen, aber beachtenswerten Erfolg konnte die #RenewSense8-Kampagne immerhin verbuchen: Irgendwann im nächsten Jahr wird es ein zweistündiges Special geben, welches die noch offenen Handlungsfäden der Serie abschließt.
Auf der San Diego Comic Con hat JMS auch dieses Jahr wieder ein eigenes Panel gehabt, in dem er die Fans über den aktuellen Stand seiner Projekte informiert hat. Unter anderem arbeitet er gerade an einem Roman, die Vorproduktion zur Verfilmung seiner Comicserie „Rising Stars“ ist angelaufen und er will immer noch einen „Babylon 5“-Kinofilm drehen, hat aber Angst, dass die Marke umso uninteressanter wird, je mehr Zeit verstreicht. Eine kurze Zusammenfassung seiner wichtigsten Aussagen könnt ihr euch hier durchlesen. Es ist zudem in den letzten Jahren fast schon zur Tradition geworden, dass JMS auf diesen Panels auch äußerst Persönliches aus seinem Leben erzählt. Auch diesbezüglich hat er dieses Mal nicht enttäuscht. Er hatte einige sehr bewegende Dinge aus seiner Kindheit und Jugend zu berichten, die mich zu einem noch größeren Fan und Bewunderer von ihm gemacht haben. Gleichzeitig erklären sie ein bisschen, warum JMS in der Branche bisweilen einen Ruf als Sturkopf hat und man manchmal hört, mit ihm arbeite es sich nicht leicht zusammen. In einem weiteren Panel gab JMS allen Nachwuchsautoren hilfreiche Tipps fürs Schreiben von Drehbüchern, Romanen und Comics und berichtete von seinen eigenen Erfahrungen aus der Branche. Eine Zusammenfassung könnt ihr euch hier durchlesen.
Am 16. Juni verstarb leider erneut ein Darsteller aus „Babylon 5“: Stephen Furst, den wir alle als Vir Cotto kennen, erlag den Komplikationen, die im Zusammenhang mit seiner langjährigen Diabetes-Erkrankung entstanden. Er wurde nur 63 Jahre alt. Neben seiner Rolle in „Babylon 5“ war er vor allem als Flounder in „National Lampoon’s Animal House“ bekannt. Außerdem führte er bei drei Folgen von „Babylon 5“ Regie.
Auch der langjährige ausführende Produzent von „Babylon 5“, Douglas Netter, verstarb am 8. Mai im stolzen Alter von 95 Jahren. In der Episode, die ich unten bespreche, bekommt man ihn kurz zu sehen (siehe „Hinter den Kulissen-Fakten“).

Und nun zur Episode, um die es in diesem Blogpost geht – dem Finale der ersten Staffel. 🙂


Episode 1.22 „Chrysalis“ („Chrysalis“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 26.10.1994 (USA), 17.12.1995 (Deutschland)

„Chrysalis“ bildet den Abschluss der ersten Staffel von „Babylon 5“. Die Folge stellt eine der wichtigsten und sicherlich auch besten Episoden der Staffel dar, wartet mit mehreren Cliffhangern auf und lässt den Zuschauer mit zahlreichen offenen Fragen zurück.

„Alles wie gehabt“, denkt man sich in den ersten Minuten der Episode noch. Diese beginnt nämlich mit einem Streit zwischen Londo und G’Kar vor den versammelten Ratsmitgliedern. Genau wie in der ersten Folge geht es dabei um ein Stück Weltraum – genauer gesagt Quadrant 37 – das beide Völker für sich beanspruchen, das aber momentan einen Außenposten der Narn beherbergt.
Auch als Garibaldi in der daran anschließenden Szene einem sterbenden Informanten gerade noch die Worte „They’re gonna kill him…“ entlocken kann, reißt einen das noch nicht unbedingt vom Hocker. Wahrscheinlich werden es wieder ein paar Kleinkriminelle auf den Commander oder einen anderen Stationsbewohner abgesehen haben, denkt man sich zu diesem Zeitpunkt. Auch so etwas haben wir ja bereits mehrmals erlebt.

Doch nach der Titelsequenz werden im weiteren Verlauf der Folge viele der Erwartungen des Zuschauers über den Haufen geworfen – und ebenso zahlreiche Entwicklungen und Gegebenheiten, die im Verlauf der Staffel etabliert worden waren. Der Präsident ist tot, Botschafterin Delenn steckt in einem Kokon, Londo Mollari hat sich endgültig auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen und Sicherheitschef Garibaldi liegt im Koma. Dass Commander Sinclair seiner Freundin Catherine Sakai einen Heiratsantrag gemacht hat, wird angesichts dieser Ereignisse zur Nebensache.

Beginnen wir mal mit der Handlung um den Tod des Präsidenten.  Michael Garibaldi hat zunächst keine Ahnung, in was für eine große Sache er seine Nase dieses Mal hineinsteckt. Am Anfang ist es schön zu sehen, dass er sich um seinen Informanten, Petrov, sorgt. Mit diesem kann er sich offenbar identifizieren, da auch Garibaldis eigene Vergangenheit alles andere als blitzsauber ist. Deshalb versucht er Leuten eine Chance zu geben, die seiner Meinung nach eine zweite (oder dritte, vierte,…) Chance verdient haben, genau so wie Sinclair ihm mit dem Posten auf Babylon 5 noch einmal eine Chance gegeben hat. Doch Petrov stirbt und Garibaldi hat von ihm nur erfahren, dass irgendjemand umgebracht werden soll.
Dass es sich dabei um den Erdpräsidenten handeln könnte, deutet die Serie an, indem sie gleich danach zum ISN-Bericht über die „goodwill tour“ von Präsident Santiago schneidet (wir erinnern uns: dieser war in der allerersten Folge ins Amt gewählt worden). Beginnend beim Mars will Santiago mit der EarthForce One mehrere Kolonien besuchen und soll schließlich am Neujahrstag, dem 1.1.2259, auf Io eine Rede über die Beziehung der Menschen zu fremden Völkern halten. (Das Schiff des Präsidenten haben wir bereits in „Survivors“ zu sehen bekommen.) Später in der Episode erfahren wir zudem, dass Vizepräsident Morgan Clark (Gary McGurk) dieser Reise aufgrund einer angeblichen Vireninfektion für eine Weile fernbleibt.
Bei seinen Nachforschungen stößt Garibaldi auf einen Mann namens Devereaux (Edward Conery), der sich aber nicht von ihm nicht einschüchtern lässt. Devereaux wird in Gewahrsahm genommen, entkommt aber aus seiner Gefngniszelle, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass es sich hier nicht nur um eine Angelegenheit unter Kleinkriminellen handelt und Deveraux Unterstützer unter den Sicherheitskräften der Station hat.
Als Garibalid schließlich einige Frachtcontainer ausfindig macht, in denen Störsender an Bord Bord der Station geschmuggelt worden sind, zieht er aus der dort eingestellten Frequenz die richtige Schlussfolgerung: jemand will den Präsidenten umbringen! Doch kurz darauf stellt sich ihm Deveraux in den Weg – und noch viel wichtiger: hinterrücks wird Garibaldi von einem seiner eigenen Leute erschossen, der für die Verschwörer arbeitet. Dabei handelt es sich glaube ich um Garibaldis Stellvertreter, den wir schon in einigen anderen Folgen gesehen haben. Gespielt wird er von Macauly Bruton, dessen Name ja schon ein wenig nach „Brutus“ klingt. 😉
Garibaldi kann sich anschließend schwerverletzt in einen Aufzug schleppen, wird auf einer Silvesterfeier entdeckt und ins Medlab gebracht. Dort kann er Sinclair zwar noch mitteilen, dass es jemand auf den Präsidenten abgesehen hat, doch es ist zu spät: Sinclair und alle anderen ISN-Zuschauer müssen mitansehen, wie die EarthForce One mit Präsident Luis Santiago an Bord explodiert. Aufgrund der gestörten Kommunikationskanäle gelingt es Sinclair nicht, vorher noch eine Warnung zu senden. Mit der Bewachung des im Koma liegenden Garibaldi beauftragt er ausgerechnet dessen Stellvertreter…
Dieser wiederum beseitigt später ein paar lose Enden und bringt Deveraux um. Im Gespräch mit einer Senatorin von der Erde versucht Sinclair die Regierung vergeblich davon zu überzeugen, dass die Explosion des Raumschiffs des Präsidenten kein Unfall war. Doch er hat keinerlei Beweise für seine Anschuldigungen. Schließlich wird Vizepräsident Clark zum Nachfolger von Santiago ernannt und legt an Bord der EarthForce Two den Amtseid ab.
Genau wie die anderen Handlungsstränge der Episode ist die Ermordung von Santiago und der Amtsantritt von Clark wegweisend für die Zukunft der Serie: Nicht nur ist Clark ein korrupter Politiker, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Seine Politik ist auch eine völlig andere als die seines Vorgängers. In seiner ersten Rede teilt er der Erdbevölkerung mit, die Erde werde sich von nun an wieder mehr um ihre eigenen Probleme kümmern. Das hat mich beim Anschauen diese Mal stark an die Antrittsrede von Donald Trump erinnert, in der dieser die Botschaft „America First“ kundtat. (Überhaupt wird im weiteren Verlauf der Serie noch einiges an aktuelle politische Entwicklungen erinnern.)
Von dieser Entwicklung gibt es jedenfalls kein Zurück; Clark ist nun Präsident, der politsche Kurs der Erdregierung ändert sicht damit stark und auch Babylon 5 und seine Bewohner werden davon betroffen sein.

Auch Londo Mollari trifft in dieser Episode eine folgenschwere Entscheidung, die seine weitere Laufbahn entscheidend beeinflussen wird: Im oben schon erwähnten Streit mit den Narn um den Außenposten in Quadrant 37 kommt ihm unerwartet der zwielichtige Mr. Morden (Ed Wasser) zu Hilfe. Dieser hatte ihm bereits in „Signs and Portents“ einen großen Gefallen getan, scheinbar ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Mordens Hilfsbereitschaft macht Mollari misstrauisch, doch die Antwort, die Morden gibt, als er ihn darauf anspricht, sollte ihn eigentlich noch misstrauischer machen: Mollari müsse erst einmal gar keinen Preis für die Gefallen zahlen, sagt Morden. Irgendwann in der Zukunft aber würden er und seine Verbündeten auf Mollari zukommen und von ihm eine Gegenleistung erwarten. Das klingt zunächst vielleicht zu schön um wahr zu sein, bei näherer Betrachtung ähnelt es aber den Strukturen in der Mafia. (In einem der „Babylon 5“-Podcasts, die ich regelmäßig höre, wird Mr. Morden dementsprechend auch als „space mob“ bezeichnet.)
Londo nimmt Mordens Angebot jedenfalls an, ohne genau zu wissen, wie ihm dieser eigentlich helfen will und wer seine mysteriösen Verbündeten sind. Nachdem der Narn-Außenposten in Quadrant 37 schließlich restlos zerstört worden ist, steigt Londos Ansehen bei seiner eigenen Regierung natürlich enorm. Londo selbst aber ist entgeistert darüber, dass Morden zehntausend Narn hat ermorden lassen. Allerspätestens an diesem Punkt müsste er einsehen, dass er sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen hat. Ob es davon noch ein Zurück gibt, werden die kommenden Staffeln zeigen.
Dass Mr. Morden absolut nichts Gutes im Schilde führt, unterstreicht jedenfalls seine letzte Szene in dieser Episode. Darin sieht man ihn in einem Quartier mit zwei unbekannten Wesen sprechen. Es wird klar, dass Morden mit einer fremden Macht zusammenarbeitet und dass er Londo Mollari für deren Zwecke manipuliert.

Commander Sinclair versucht unterdessen im Streit zwischen Londo und G’Kar zu vermitteln. Keiner der beiden will nachgeben und G’Kar ist immer noch von tiefem Hass auf die Centauri erfüllt, die seinen Planeten verwüstet und sein Volk versklavt haben. Nach der Zerstörung des Außenpostens ist G’Kar verständlicherweise am Boden zerstört, zieht aber eine richtige Schlussfolgerung: Keines der bekannten Völker kann dafür verantwortlich sein. Die Centauri mögen zwar die größten Feinde der Narn sein, doch auch sie haben nicht die militärische Stärke, um so einen Schlag durchzuführen. Es muss also noch eine unbekannte und äußerst mächtige Partei existieren.
Am Ende der Episode hat G’Kar die Station verlassen, um diesbezüglich weitere Nachforschungen anzustellen. Er stimmt Sinclair in seiner Einschätzung zu, dass sie alle an einer Weggabelung stünden und große Veränderungen auf sie zukommen.

Auch für Minbari-Botschafterin Delenn ist diese Episode der Beginn großer Veränderungen. Wohl nirgends ist dies so offensichtlich wie in ihrem Fall, denn sie befindet sich am Ende der Folge tatsächlich in einem Kokon, einer Chrysalis. Als wer oder was sie diese wieder verlassen wird, wissen wird noch nicht. Ich weiß noch, wie ich mir nach der deutschen Erstausstrahlung der Folge darüber den Kopf zerbrochen habe. 😉
Die ganze Staffel über haben wir Delenn immer wieder ein seltsames Gebilde zusammensetzen sehen (z.B. in „Signs and Portents“), bei dem nicht klar war, ob es sich um ein Geschicklichkeitsspiel, ein Kunstobjekt oder etwas ganz anderes handelt. Nun ist klar: Es handelt sich um die Vorrichtung, welche die Chrysalis erzeugt. Die Gründe für Delenns Handeln liegen allerdings noch vollkommen im Dunkeln. Lennier stellt in ihrem Auftrag Botschafter Kosh eine (uns unbekannte) Frage, die dieser mit „ja“ beantwortet. Daraufhin sucht Delenn Kosh selbst auf, der für sie seinen Schutzanzug öffnet und ihr seine wahre Gestalt zeigt (auch das bekommen wir nicht zu sehen). Dies scheint eine Vermutung Delenns zu bestätigen, was sie wiederum in ihrem Vorhaben bestärkt, sich in einen Kokon zu begeben und einer Transformation zu unterziehen. (Dass sie schon länger über diesen Schritt nachdenkt, zeigt die Tatsache, dass in der letzten Folge die junge Thelepatin Alisa in Delenns Gedanken zufällig auf das Wort „Chrysalis“ gestolpert war.)
Bevor sie das tut, besucht sie noch Sinclair, der aber gerade keine Zeit für sie hat. Sie zeigt ihm das dreieckige Triluminarium, welches bei der Befragung Sinclairs durch die Minbari während der Schlacht um die Erde zum Einsatz kam (davon haben wir bereits in „And the Sky Full of Stars“ erfahren). Mit dem Versprechen, ihm die ganze Wahrheit zu erzählen, bittet sie ihn, sie später in ihrem Quartier zu besuchen. Sinclair hat also endlich die Chance, zu erfahren was es mit der „Lücke in seinem Gedächtnis“ auf sich hat. Doch weil er in dieser Folge genug andere Dinge um die Ohren hat, vergisst er Delenn aufzusuchen. Als Kosh ihn schließlich daran erinnert, ist es zu spät: Delenn steckt bereits im Kokon. Das Triluminarium dient Delenn schließlich auch als letztes Bauteil ihrer Maschine, mit deren Hilfe sie sich verpuppt.
Delenns Geschichte enthält hier so viele Unbekannte, dass man als Zuschauer nur abwarten kann. Die kommenden Episoden werden zeigen, was aus ihr wird und was ihr Handeln zu bedeuten hat.

Commander Sinclair hat also im Verlauf dieser Episode alle Hände voll zu tun; an eine Silvesterfeier kann er nicht einmal einen Gedanken verschwenden. Delenn verspricht ihm verblüffende Enthüllungen, sein Sicherheitschef wird schwer verletzt, der Präsident getötet und Londo und G’Kar liegen wie gewohnt miteinander im Clinch. Doch immerhin eines verspricht Sinclairs Leben Stabilität zu verleihen: seine Beziehung zu Catherine Sakai (Julia Nickson). Die beiden kennen sich seit etwa 15 Jahren und haben es nun trotz ihrer zeitraubenden Jobs geschafft, so etwas wie eine funktionierende Beziehung aufzubauen. Also macht Sinclair seiner Catherine einen Heiratsantrag – dumm nur, dass die Chemie zwischen den Schauspielern so gar nicht stimmt. (Im Audiokommentar spricht JMS von der „feurigen“ Catherine Sakai, was ich beim besten Willen nicht erkennen kann.)
Garibaldi und Ivanova werden als Trauzeugen rekrutiert (Ivanova bekommt leider die ganze Folge über kaum mehr zu tun), ansonsten dürfte Sinclair aber in dieser Episode über ziemlich wenig Gedanken an seine Verlobung verschwenden. Am Ende liegt er erschöpft in Catherines Armen und stellt fest: „Nothing is the same anymore.“ Er hat ja keine Ahnung, wie recht er hat…

JMS hat „Chrysalis“ als eine Folge bezeichnet, die weniger ein Finale darstellt als vielmehr eben nur den Abschluss des ersten Kapitels der „Babylon 5“-Geschichte. Dementsprechend erhalten wir hier auch kaum Antworten und es wird nichts zum Abschluss gebracht. Stattdessen gibt es Andeutungen, Cliffhanger und viele offene Fragen. Die erste Staffel besteht zum Großteil aus in sich abgeschlossenen Episoden, aber das Finale weist wie wohl keine andere Episode der Staffel schon darauf hin, dass JMS in größeren Handlungsbogen denkt.
Dass die Folge um die Silvesternacht herum aufgebaut ist, ist übrigens kein Zufall: Jede der fünf Staffeln von „Babylon 5“ erzählt ein Jahr der Serienhandlung. Mit „Chrysalis“ ist das Jahr 2258 abgeschlossen, die Geschichte allerdings hat gerade erst so richtig begonnen. Wie formuliert es Kosh doch am Ende treffend: „And so it begins…“

 

Highlight der Episode: „Chrysalis“ ist nicht arm an Höhepunkten, aber beim ersten Anschauen war der größte WTF-Moment für mich Delenn in ihrem Kokon. Ich konnte mir damals beim besten Willen nicht vorstellen, wo das hinführen sollte…

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

Ich habe eigentlich alles Wichtige oben im Text schon erwähnt, aber ich fasse noch einmal zusammen:

  • Präsident Santiago ist tot, sein Vize Morgan Clark wurde zum Nachfolger ernannt und verfolgt eine gänzlich andere Politik als sein Vorgänger.
  • Michael Garibaldi liegt im Koma.
  • Delenn steckt in einem Kokon. Wir wissen nicht warum oder was aus ihr werden wird.
  • Commander Sinclair und Catherine Sakai haben sich verlobt.
  • Londo Mollari ist einen Pakt mit dem Teufel eingegangen: Ohne die wahren Motive (oder die Verbündeten) von Mr. Morden zu kennen, hat er diesen das Problem um Quadrant 37 „lösen“ lassen.
  • G’Kar hat erkannt, dass es in der Galaxis eine ungeheuer mächtige, unbekannte Macht geben muss und hat die Station verlassen, um Nachforschungen anzustellen.

(Weitere) Fragen:

  • Wer bzw. welche Gruppierung steckt hinter dem Anschlag auf die Earth Force One? War Vizepräsident Clark tatsächlich krank – oder hatte er etwas mit der Explosion der EarthForce One zu tun und hat das Schiff deshalb verlassen?
  • Welche Frage hat Lennier in Delenns Auftrag an Botschafter Kosh gestellt?Was sieht Delenn, als Kosh sich ihr zeigt? Warum fühlt sie sich dadurch in ihrer Entscheidung bestätigt, sich in den Kokon zu begeben? Warum konnte sie nicht noch ein wenig mit dem Beginn ihrer Transformation warten? Sie hätte mit Sinclair sprechen können, nachdem sich die Lage auf der Station beruhigt hat und sich dann erst in den Kokon begeben können.
  • Warum lässt die Frau, die Garibaldi im Lift liegen sieht, eigentlich sofort einen Schrei los? Während einer rauschenden Silvesterparty jemanden am Boden liegen zu sehen, sollte doch gar nicht so ungewöhnlich sein.
  • Wer oder was sind die Wesen, mit denen sich Morden in seinem Quartier unterhält? Arbeitet er für sie oder sie für ihn? Welche Ziele verfolgen sie und welche Rolle soll Londo Mollari dabei spielen?

Weitere interessante Punkte:

  • Dank der mehrmaligen Datumseinblendungen und der in der Episode gezeigten Silvesterfeier wissen wir, dass die gezeigten Ereignisse im Zeitraum vom 30.12.2258 bis zum 1.1.2259 spielen.
  • Einmal mehr werden wir in dieser Folge Zeuge von G’Kars Vorliebe für menschliche Frauen. Die Szene, in der drei Frauen sein Schlafzimmer verlassen, nachdem Na’Toth zuvor noch Sinclair mitgeteilt hatte, der Botschafter sei äußerst beschäftigt, ist herrlich.
  • Die Imperatoren der Centauri können nach ihrem Tod zu Göttern erhoben werden. Aktuell befinden sich um die 50 Götter im Centauri-Pantheon.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Die Episode wurde bei ihrer Erstausstrahlung in den USA über zwei Monate nach der vorhergehenden Episode gesendet. Bereits eine Woche später ging es mit der zweiten Staffel weiter.
  • Auf dem Foto, welches Präsident Santiago zeigt, ist tatsächlich Douglas Netter zu sehen, einer der Produzenten der Serie.
  • Für Ed Wasser war diese Folge der erste Auftritt in seiner Rolle als Mr. Morden. Obwohl dieser zum ersten Mal in „Signs and Portents“ zu sehen ist, wurde das Staffelfinale vorher gefilmt (als zwölfte der 22 Episoden), damit man genug Zeit hatte, die aufwändigen Effekte fertig zu stellen.
  • Für die Szene, in der Präsident Clark an Bord der EarthForce Two eingeschworen wird, orientierte man sich an Fotos, auf denen zu sehen ist, wie Lyndon B. Johnson nach der Ermordung von John F. Kennedy an Bord der Air Force One seinen Amtseid ablegt. Zufälligerweise wurde die Szene sogar am Jahrestag dieses Ereignisses gefilmt.
  • Eigentlich hätte Laurel Takashima (Ivanovas Vorgängerin im Pilotfilm) diejenige Person sein sollen, die Garibaldi in den Rücken schießt. Doch nachdem die Schauspielerin Tamlyn Tomita für die Serie nicht zurückkehrte, teilte JMS die eigentlich für ihre Figur gedachte Verräter-Handlung auf mehrere andere Charaktere auf.
  • Für die Szene, in der G’Kar im Morgenmantel zu sehen ist, musste das Makeup von Schauspieler Andreas Katsulas auf dessen Brust und Unterarme ausgedehnt werden. Das war nicht nur äußerst zeitraubend, sondern die anschließende Entfernung auch besonders schmerzhaft.
  • Die Szene, in der Londo den Garten betritt, um dort Mr. Morden zu treffen, enthielt bei der Erstaustrahlung der Episode einen Fehler. Man hatte aus Versehen eine unfertige Version an den Fernsehsender geschickt, so dass statt des CGI-Hintergrundes ein Teil der Studiokulissen zu sehen war, inklusive eines „Exit“-Zeichens, an dem Londo vorbeigeht. Bei allen nachfolgenden Ausstrahlungen und auf den DVDs wurde der Fehler korrigiert. Mit der CGI-Ansicht des Gartens waren die Macher der Serie dennoch nicht zufrieden und er taucht in dieser Form in der Serie nie wieder auf.
  • Gleiches gilt für das Set des „Dark Star“-Nachtclubs. Der Platz wurde ab der zweiten Staffel für andere Kulissen verwendet.

Zitate:

Londo: „I think I’ll stick my head in the station’s fusion reactor. It would be quicker, and I suspect after a while I might even come to enjoy it.“
Vir: „Ambassador, why don’t you-“
Londo: „But this, this is like being nibbled to death by… What are those Earth creatures called? Feathers, long bill, webbed feet, go ‚quack‘?“
Vir:
„Cats.“
Londo:
„Cats. Like being nibbled to death by cats.“

Morden: „My associates believe that you’re a person of great potential, trapped in a position where your skills are unseen and unappreciated. They’d like to change that.“
Londo: „Yes, I’ve heard this before. And I have stopped listening. There comes a time when you look into the mirror and you realise that what you see is all that you will ever be. Then you accept it, or you kill yourself… or you stop looking into mirrors. No, nothing can be changed.“
Morden: „Then nothing’s lost by trying.“

Londo: „Is something wrong with your hearing?“
Vir: „No. Just for a moment I thought I’d entered an alternate universe.“

„If you let your anger cloud your judgment, it’ll destroy you.“ (Sinclair zu G’Kar)

„It is important that we move on to create the world that Luis Santiago would have wanted for his children, my children, and for posterity yet to come. We will begin by focusing more on the needs of our own people to sustain them through this difficult time and prepare them for the tasks ahead.“ (aus der Antrittsrede des soeben eingeschworenen Präsidenten Morgan Clark)

„And so it begins.“ (Kosh zu Sinclair)

„Nothing is the same anymore.“ (Sinclair zu Catherine Sakai)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch wird der Auftakt zur zweiten Staffel sein, „Points of Departure“. Ich verspreche euch, dass ich mir nicht wieder elf Monate Zeit dafür lassen werde…


Übersicht über die Blogposts zu den Episoden der ersten Staffel

Nachdem ich meine Besprechungen der ersten Staffel nun endlich beendet habe, poste ich hier noch eine Übersicht all meiner bisherigen „Babylon 5“-Blogposts. Einfach auf die entsprechende Episode klicken und ihr kommt zum Blogpost. 🙂 Die Reihenfolge entspricht der von JMS empfohlenen Episodenreihenfolge und weicht gerade in der ersten Staffel deutlich von der Reihenfolge auf den DVDs ab. (Dort wo die Reihenfolge abweicht, habe ich die Episodentitel fett markiert.)

„Babylon 5“ – Die Science-Fiction-Kultserie (Einführung)
„Babylon 5“-Podcasts
(noch nicht erwähnt habe ich den einzigen deutschsprachigen B5-Podcast, „Der graue Rat“!)
The Gathering (Die Zusammenkunft – Pilotfilm)

1.01    Midnight on the Firing Line (Ragesh 3)                                

1.02    Soul Hunter (Der Seelenjäger)
1.03    Born to the Purple (Die Purpurdaten)
1.04    Infection (Ein unheimlicher Fund)
1.05    The Parliament of Dreams (Angriff auf G’Kar)                               
1.06    Mind War (Die Macht des Geistes)
1.07    The War Prayer (Angriff auf die Außerirdischen)
1.08    And The Sky Full Of Stars (Gefangen im Cybernetz)
1.09    Deathwalker (Die Todesbringerin)                                                    
1.10    Believers (Die Gläubigen)
1.11    Survivors (Ein Wiedersehen mit Folgen)
1.12    By Any Means Necessary (Mit allen Mitteln…)
1.13    Signs and Portents (Visionen des Schreckens)
1.15    Grail (Der Gral)
1.16    Eyes (Die Untersuchung)
1.18    A Voice in the Wilderness – Part 1 (Angriff der Aliens – Teil 1)
1.19    A Voice in the Wilderness – Part 2 (Angriff der Aliens – Teil 2)
1.20    Babylon Squared (Verloren in der Zeit)
1.21    The Quality of Mercy (Die Heilerin)
1.14    TKO (Im Ring des Blutes)
1.17     Legacies (Krieger wider Willen)  
                                                                    
1.22    Chrysalis (Chrysalis)

Advertisements

Das war 2016 – Mein persönlicher Film- und Serien-Jahresrückblick

Zum letzten (und bisher einzigen) Mal habe ich hier im Blog 2013 einen Jahresrückblick geschrieben. 2016 habe ich es endlich mal wieder (auf den letzten Drücker) geschafft!
Wie auch schon 2013 werde ich hier zusammenfassen, welche besonders guten und schlechten Filme und TV-Serien ich dieses Jahr gesehen habe – ganz egal, ob es sich dabei um neue oder schon ältere Veröffentlichungen handelt.

Die besten neuen Filme

Beginnen wir mal mit den neuen, also in diesem Jahr veröffentlichten Filmen. Da fällt es mir leicht, meine „Top 3“ zusammen zu stellen (aber nicht leicht, sie in eine Reihenfolge zu bringen). „Room“ („Raum“) kam bereits im Frühjahr ins Kino und ich habe den Film seitdem nicht noch einmal gesehen, aber weil ich zwischenzeitlich das Hörbuch zu Emma Donoghues Romanvorlage gehört habe, sind mir die Geschichte und die Figuren immer noch sehr präsent. Lenny Abrahamsons Film um einen Jungen, der gemeinsam mit seiner Mutter jahrelang von einem Entführer gefangen gehalten wird und vollkommen von der Außenwelt abgeschottet aufwächst, ist ein kleines Wunderwerk. Denn trotz dieser düster und depressiv klingenden Ausgangssituation ist der Film das genaue Gegenteil von düster: „Room“ ist ein hoffnungsvoller Film, was nicht zuletzt an den hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller Brie Larson (die dafür einen Oscar gewann) und des siebenjährigen Jacob Tremblay liegt. Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch einmal anschauen. Aufgrund einer sehr persönlichen Beziehung, die ich zu der Geschichte habe, könnte er sogar zu einem meiner Lieblingsfilme werden!

Ein weiterer äußerst emotionaler Filmhöhepunkt war dieses Jahr ganz klar „Closet Monster“ von Stephen Dunn. Das Spielfilmdebüt des jungen kanadischen jungen kanadischen Regisseurs strotzt nur so vor kreativen Einfällen und ist in seiner Ausführung so gelungen, dass man gar nicht glauben mag, dass da jemand seinen ersten Kinofilm inszeniert hat! Und natürlich gibt es in keinem anderen Film einen Hamster, der von Isabella Rossellini gesprochen wird! 😉 (Hier könnt ihr meine Filmkritik auf filmszene.de lesen.)

Dass es wie bereits 2015 ein deutscher Film ganz weit nach oben in meiner Top-Ten-Liste schaffen würde, hätte ich nicht erwartet (schon allein, weil ich nicht besonders viele deutsche Filme anschaue). An „Toni Erdmann“ führte in diesem Jahr aber nicht nur kein Weg vorbei, sondern der Film wird seinem Ruf auch wirklich gerecht! Auf so eine Geschichte, in der ein von seiner Tochter entfremdeter Vater dieser über den Umweg einer erfundenen Persönlichkeit wieder näher zu kommen versucht, muss man erst einmal kommen. Aber selbst dann hätte noch eine Menge schiefgehen können, zum Beispiel wenn Regisseurin Maren Ade den Stoff als platte Komödie inszeniert und zur Vorlage für lauter dämliche Witze genommen hätte. Hat sie aber natürlich nicht. Das Endergebnis ist einfach nur großartig – ein Film wie kein anderer. Ein Bekannter von mir hat „Toni Erdmann“ allerdings mit „Borat“ verglichen und ich muss zugeben, dass er damit nicht ganz unrecht hat. Trotzdem handelt es sich um zwei sehr verschiedene Filme, vor allem wohl deshalb, weil Ade die Figuren und Situationen in ihrem Film nie um der bloßen Provokation willen oder für einen billigen Lacher eskalieren lässt. (Meine ausführliche Filmkritik könnt ihr hier lesen.)

Weitere Filmhighlights waren dieses Jahr für micht „Everybody Wants Some!!“ von Richard Linklater (nach dem Kinobesuch bin ich singend und tanzend durch die Straßen gelaufen) und „The Girl With All The Gifts“, ein schauspielerisch wie atmosphärisch extrem gut gemachter Zombiefilm, den ich auf dem Fantasy Filmfest gesehen habe (regulärer Kinostart wird im Februar sein). Auch „Arrival“ von Denis Villeneuve gehört ganz klar zu den besten neuen Filmen von 2016. Nicht nur Science-Fiction-Fans sollten hier definitv einen Blick riskieren.

Das waren die sechs besten, neuen Filme, die ich 2016 gesehen habe. Es gab aber natürlich noch eine Reihe weiterer guter bis sehr guter, die erwähnenswert sind. Da wäre zum Beispiel die Dokumentation „The Hunting Ground“ über sexuellen Missbrauch an US-Universitäten (verfügbar auf Netflix). Auch Jeff Nichols‘ Mystery-Drama „Midnight Special“ hat mir gut gefallen und ich muss ihn definitiv noch einmal anschauen.
Marvel hat dieses Jahr mit dem dritten „Captain America“-Film „Civil War“ einen Volltreffer hingelegt – ich habe mich blendend unterhalten gefühlt, aber einen Großteil des Films schon lange wieder vergessen.

Der neue Tim Burton-Film „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ („Die Insel der besonderen Kinder“) hat mir gut gefallen, auch wenn er wohl nicht zu den großen Meisterwerken des Regisseurs zählt. Als Beatles-Fan fand ich auch Ron Howard’s Dokumentation „Eight Days A Week“ sehr schön, aber man muss den Beatles natürlich schon grundsätzlich etwas abgewinnen können, um hier auf seine Kosten zu kommen (aber wer kann das bitteschön nicht?).

Zumindest von der Form her interessant fand ich „Der Nachtmahr“, allerdings liefen all die inszenierungstechnischen Tricksereien dabei irgendwie ins Leere, sodass der Film mehr versprach als er letztendlich einlösen konnte. Gegen Jahresende schließlich hat mich der neue Disney-Animationsfilm „Moana“ (in Deutschland „Vaiana“) gut amüsiert. Und auch das diesjähriger „Star Wars“-Abenteuer „Rogue One“ fand ich als großer Fan der Sternensaga trotz einiger Schwachstellen doch ziemlich gelungen.

Auch auf dem Filmfest München habe ich dieses Jahr wieder viele tolle (und auch ein paar nicht so tolle) Filme gesehen, über die ich größtenteils gebloggt habe. Ein paar davon habe ich hier schon genannt, hinzuzufügen wären aber zum Beispiel noch „Ein deutsches Leben“, „Oleg Y Las Raras Artes“ und „Die letzte Sau“.

Was ich sonst noch für tolle Filme angeschaut habe

Neben diesen Neustarts gab es jedoch auch ziemlich viele ältere Filme, die ich 2016 nachgeholt habe. M. Night Shyamalan hat 2015 mit „The Visit“ endlich mal wieder einen spannenden und gelungenen Film abgeliefert. Aber auch die Österreicher können Horror! Das haben vor zwei Jahren Severin Fiala und Veronika Franz mit der Genre-Perle „Ich seh ich seh“ bewiesen, die ich ebenfalls dieses Jahr gesehen habe und wirklich sehr empfehlen kann!

Noch besser fand ich „Nightcrawler“, in dem Jake Gyllenhaal vor zwei Jahren als ehrgeiziger TV-Journalist zu sehen war. Ein fantastisches Stück Kino, ein bitterböser Blick auf die harte Medien- und Journalismusbranche und ein grandioser Soundtrack! Auch „Love Steaks“ hat mich begeistert. Die deutsche Low Budget-Produktion hat vor einigen Jahren auf mehreren Festivals für Aufsehen gesorgt; nun habe ich sie auch endlich gesehen und war begeistert von der Unmittelbarkeit und Natürlichkeit dieser etwas anderen (oder vielleicht einfach nur kino-untypischen und realistischen?) Liebesgeschichte. Auch Wim Wenders Dokumentation „The Salt of the Earth“ über den Fotografen Sebastião Salgado fand ich sehr beeindruckend. Und wenn ich schon bei deutschen Filmen bin: Auch die Komödie „Wir sind die Neuen“ hat mich positiv überrascht, weil hier das Aufeinandertreffen der Generationen wirklich mit Witz behandelt wird und die Schauspieler sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

Als großer David Bowie-Fan war 2016 natürlich kein gutes Jahr für mich; „The Man Who Fell to Earth“ („Der Mann, der vom Himmel fiel“) habe ich erst nach Bowies Tod zum ersten Mal gesehen – und muss den Film auf jeden Fall irgendwann noch einmal anschauen. Weitere Kultfilme, die ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, waren „The Exorcist“ („Der Exorzist“), „Thelma & Louise“, „Interview with the Vampire“ („Interview mit einem Vampir“) und „Zoolander“ (Teil zwei habe ich einige Tage später angeschaut). Nachdem ich die „Godfather“-Trilogie zum Geburtstag bekommen hatte, habe ich außerdem mehrere Abende damit verbracht, mir mal wieder Francis Ford Coppolas Saga einer italo-amerikanischen Familie zu Gemüte zu führen. Würden Mario Puzos Romane heute verfilmt werden, dann würde man daraus wahrscheinlich eine TV-Serie machen, also habe ich mir die Filme häppchenweise in feierabendfreundlichen Blöcken von 60 bis 90 Minuten über mehrere Abende verteilt angeschaut. Auch die „Alien“-Filme habe ich mir dieses Jahr mal wieder alle angeschaut, und zwar gleich mehrfach: Teil 1 bis 3 habe ich sowohl in der Kinofassung als auch in den auf den Blu-rays enthaltenen längeren Schnittfassungen angeschaut. Bei „Alien: Resurrection“ habe ich es allerdings bei der Kinofassung belassen, da ich mir diesen Murks nicht noch einmal antun wollte.

Die schlechtesten Filme des Jahres

Wie jedes Jahr gab es auch 2016 ein paar Filme, über die ich mich richtig geärgert habe. Ganz oben auf der Liste steht „Independence Day: Resurgence“. Ganz ehrlich, ich hätte die zehn Euro, die ich hier für den Kinobesuch ausgegeben habe, lieber verbrennen und dann dabei zuschauen sollen. Das wäre unterhaltsamer gewesen als diese völlig uninspirierte, vor Klischees nur so strotzende Fortsetzung von Roland Emmerichs Science Fiction-Klassiker. Dicht dahinter folgt „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Es ist mir unbegreiflich, warum Zack Snyder immer noch riesige Budgets anvertraut werden, wo doch jedes Mal so ein Murks dabei herauskommt. (Halt, ich verstehe es doch: seine Filme spielen das Geld – und sogar noch mehr! – nämlich tatsächlich wieder ein. Unbegreiflich!) Auch die zweite Comicverfilmung aus dem DC-Universum, „Suicide Squad“, fand ich grottenschlecht. Ich kenne mich mit Comics zwar kaum aus, aber bei Marvel schaffen sie es immerhin, unterhaltsame Filme rauszuhauen!

Wobei es zumindest einen Marvel-Film gab, den ich dieses Jahr auch ziemlich schlecht fand: „X-Men: Apocalpyse“. Der gehört zwar nicht zum „Marvel Cinematic Universe“ von Disney, aber gerade weil die beiden vorherigen „X-Men“-Filme so großartig waren, hatte ich mir einen würdigen Abschluss dieser Trilogie gewünscht. Weitere Filmgurken aus 2016 waren „Die 5. Welle“ und „London Has Fallen“. Bei letzterem war mir das eigentlich schon vorher klar, schließlich war auch schon Teil 1 nur leidlich unterhaltsam. Ich schaue mir solche Filme wohl nur an, um sie dann am Jahresende auf meine Flop-Liste setzen zu können… 😉 Auch bei Duncan Jones Videospielverfilming „Warcraft: The Beginning“ habe ich nach etwa einer Viertelstunde geistig abgeschaltet und darauf gehofft, dass es bald vorbei ist. Schade, denn ich bin ein großer Fan seiner ersten beiden Filme „Moon“ und „Source Code“. Dass die neue „Ben Hur“-Verfilmung einfach nur überflüssig sein würde, war mir natürlich auch schon vorher klar. Angeschaut (und darüber geschrieben) habe ich den Film trotzdem.

…und noch mehr schlechte Filme

Als hätte 2016 nicht schon genug schlechte Filme hervorgebracht, habe ich mir zusätzlich auch noch einige ältere Filmgurken reingezogen. Das ging Anfang des Jahres los mit Cameron Crowes „Aloha“. Ich bin ja wirklich ein großer Fan von Crowe und zähle mit „Almost Famous“ und „Vanilla Sky“ zwei seiner Werke zu meinen Lieblingsfilmen, aber was er mit „Aloha“ abgeliefert hat, ist einfach so was von langweilig, uninspiriert und voller Klischees, dass man sich fragt, ob da wirklich noch derselbe Autor und Regisseur am Werk war. Schade! Josh Tranks „Fantastic Four“-Verfilmung von 2015 war auch nicht besser, konnte mich aber immerhin mit unfreiwilliger Komik unterhalten. Auch in diesem Fall kann man aber nur sagen: schade, dass nichts Besseres dabei herausgekommen ist. „Chronicle“ wird wohl Tranks bester Superheldenfilm bleiben…

Auch richtig schlecht fand ich Disneys Realversion von bzw. Parallelgeschichte zu „Dornröschen“, „Maleficent“. Schrecklich gelangweilt habe ich mich bei Angelina Jolies „By the Sea“ und „Kingsman“ fand ich extrem dämlich. Dass mich auch die „Hunger Games“ mit „Mockingjay: Teil 2“ nicht mehr begeistern konnten, hat mich nach dem extrem handlungsarmen dritten Film nicht mehr überrascht. Der bei weitem schlechteste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe, war jedoch der Weinachts-Grusel „Krampus“. So etwas kommt also dabei heraus, wenn sich die Amerikaner an für sie wohl total exotisch anmutenden mitteleuropäischen Schreckgestalten abarbeiten! Cultural appropriation mal anders…

Mein Serienjahr

Ich habe 2016 zwar knapp 200 neue, alte und teils auch altbekannte Filme angeschaut, aber es hätten noch wesentlich mehr sein können, wenn es nicht so viele gute TV-Serien gäbe. Dass „Hannibal“ ein vorzeitiges Ende gefunden hat, ist für mich eine mittelschwere Katastrophe. Bryan Fullers Neuverfilmung der Romane von Thomas Harris gehört für mich zu den besten Fernsehserien überhaupt und ich hoffe sehr, dass er es doch noch irgendwie schaffen wird, eine Fortsetzung in Form einer Miniserie für irgendeine Streamingplattform zu produzieren.

Das beste Fernsehen scheint inzwischen ja sowieso auf Netflix & Co. stattzufinden. „Jessica Jones“ war für mich der bislang beste Beitrag zum filmischen Marveluniversum und auch die beiden „Daredevil“-Staffeln fand ich toll. Sehr gut unterhalten hat mich dieses Jahr auf Netflix auch die zweite Staffel von „Grace and Frankie“. Darin geht es zwar um Figuren, die mehr als doppelt so alt sind wie ich, aber wenn sie von so grandiosen Schauspielern wie Jane Fonda oder Martin Sheen gespielt werden, dann macht das auch dann riesigen Spaß, wenn man sich nicht mit allen Problemen der Figuren identifizieren kann.

Mit „Downton Abbey“ fand dieses Jahr eine meiner Lieblingsserien ihr Ende. Auch hier sind es vor allem die erstklassigen Darsteller, die das meist doch recht banale Soap-Geschehen sehenswert machen. Bei „Stranger Things“ wiederum stimmte das Gesamtpaket aus Schauspielern, Mystery-Handlung und gekonnt reproduzierter Achtziger-Jahre-Atmosphäre. Ich bin schon gespannt auf Staffel zwei! Eine weitere Staffel von „Heroes Reborn“ wird es dagegen nicht geben, was aber kein großer Verlust ist. Tim Krings Superhelden-Ensemblesoap „Heroes“ war in ihrer ersten Staffel 2006 noch revolutionär und verdammt gut, danach ging es aber leider immer weiter bergab. Der Neuaufguss „Heroes Reborn“ hätte toll werden können, aber leider hat man dabei die Schwächen der späteren „Heroes“-Staffeln nicht ausgemerzt, sondern sie nur noch verstärkt.

Richtig, richtig gut dagegen ist „Bates Motel“. Man hätte es von einem „Psycho“-Prequel nicht unbedingt erwartet, aber der auf fünf Staffeln angelegten Serie ist es tatsächlich gelungen, die Hintergründe von Norman Bates und seiner Mutter interessant und plausibel zu beleuchten. Die Staffeln drei und vier habe ich dieses Jahr hier im Blog besprochen. Weniger begeistert war ich von Woody Allens erster „Fernsehserie“ „Crisis in Six Scenes“. Ich habe „Fernsehserie“ hier bewusst in Anführungszeichen geschrieben, denn eigentlich handelt es sich dabei nur um einen in sechs Teile aufgespaltenen Film. Die jeweils 22 Minuten langen, auf Amazon Video verfügbaren Folgen bieten typischen, größtenteils recht altbackenen Woody Allen-Humor. Darunter sind zwar hin und wieder wirklich gelungene, lustige Momente, doch zu Allens besseren Werken gehört dieser „Serienfilm“ bestimmt nicht. (Außerdem verdient sich „Crisis in Six Scenes“ den Preis für den unkreativsten Titel des Jahres. Hat da jemand aus Versehen den Arbeitstitel der Serie stehen lassen!?)

Im Herbst habe ich mir die letzten Folgen von „Mad Men“ angeschaut und wurde nicht enttäuscht. Die Serie hat ihr durchgehend hohes Niveau halten können und ein nicht spektakuläres, aber angemessenes und passendes Ende gefunden. Neu angefangen habe ich dagegen mit „Scream“. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Slasherfilmreihe und es gelingt ihr recht erfolgreich, die aus den Filmen bekannte Metaeben (z.B. in Form von Diskussionen über die Regeln des Slasher-Genres) ins Fernsehen zu übertragen. Natürlich handelt es sich dabei um Unterhaltung mit nicht allzu viel Tiefgang, aber für zwischendurch eignet sich die Serie allemal. Staffel zwei habe ich auch schon angeschaut.

Eines meiner Serienlangzeitprojekte ist Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Vor ein paar Jahren habe ich mit der ersten Staffel angefangen und lasse mir zwischen den Staffeln immer ziemlich viel Zeit. Mittlerweile habe ich sechs Staffeln geschafft (und drei Staffeln von „Angel“, das ich parallel anschaue), aber erst bis zur fünften Staffel gebloggt. Ich werde demnächst mit dem Anschauen der letzten Staffel anfangen und hoffentlich auch noch einen Blogpost über Staffel sechs schreiben, aber so begeistert wie zu Beginn bin ich von der Serie nicht mehr.

Nach wie vor begeistert bin ich aber natürlich von meiner Lieblingsserie „Babylon 5“. Seit ich vor ein paar Jahren einen einführenden Überblick über J. Michael Straczynskis revolutionäre Science Fiction-Saga geschrieben habe, blogge ich in unregelmäßigen Abständen über jede einzelne Folge. Immerhin bis zur vorletzten Episode der ersten Staffel habe ich es 2016 geschafft; weitere Blogposts werden definitiv folgen, ich hatte nur in den letzten Monaten zu wenig Zeit dazu. Ebenfalls noch nicht gebloggt habe ich über Straczynskis neue Serie „Sense8“, die er zusammen mit den Wachowski-Schwestern realisiert hat. Die 2015 gestartete Netflix-Serie wurde vor einer Woche endlich mit einem Christmas Special fortgesetzt und soll im Mai eine zweite Staffel spendiert bekommen. Ich bin schon sehr gespannt, da ich „Sense8“ für eine der wichtigsten gegenwärtigen Serien halte!

Weiterhin habe ich dieses Jahr die zweite Staffel von „True Detective“ angeschaut (nicht so mein Fall) und mir endlich die Miniserie „Top of the Lake“ angesehen (schon viel eher mein Fall – und wenn mir jemand gesagt hätte, diese düstere und deprimierende Serie sei die dritte Staffel von „True Detective“, hätte ich das sofort geglaubt). Neben der zweiten Staffel von „The Newsroom“ (ich liebe Aaron Sorkins Dialoge!) habe ich mir auch die erste Staffel von „The Extant“ angeschaut (interessant, leider gibt es ja nur eine weitere Staffel).

Mit der Science Fiction-Anthologieserie „Black Mirror“ habe ich zumindest schon angefangen und bin davon sehr angetan. Auch „Devious Maids“ von „Desperate Housewives“-Schöpfer Marc Cherry habe ich begonnen zu gucken und war zumindest ein paar Tage lang süchtig danach, das hat sich also schnell wieder gelegt. Ich weiß also nicht, ob ich das weiter anschauen werde. Ach ja, bevor ich’s vergesse: ich habe dieses Jahr auch wieder ein bisschen „Star Trek“ geguckt, genauer gesagt die zweite Staffel von „Enterprise“. Ich freue mich schon auf die neue „Star Trek“-Serie, die im Mai starten wird!

Schließlich gab es dieses Jahr natürlich auch ein paar Serien, die ich anzuschauen begonnen habe, die aber nicht so ganz meinen Geschmack getroffen haben. Darunter waren „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“, „Penny Dreadful“ und „Ascension“. Auch von „The Expanse“ habe ich bislang nur zwei Folgen gesehen, die mich vor allem verwirrt haben. Bei „Luke Cage“ bin ich noch nicht über Episode 1 hinaus gekommen, die ich eigentlich nicht so toll fand. Da mir aber die anderen Marvel-Serien bei Netflix so gut gefallen haben, werde ich vielleicht doch irgendwann weitersehen. „Masters of Sex“ wollte ich schon lange sehen und habe 2016 endlich damit begonnen. Eigentlich ist die Serie ziemlich gut, aber der Funke wollte dann doch nicht überspringen. Manchmal wäre es vielleicht doch besser, nicht aus jedem Thema gleich eine Serie zu machen. Ein „Masters of Sex“-Film wäre jedenfalls sehr viel schneller zu konsumieren gewesen.

Was alle an „Mr. Robot“ so toll finden, habe ich noch nicht verstanden und hier auch nach drei oder vier Folgen erstmal Schluss gemacht. Die Serie ist zwar gut gemacht, bietet aber meiner Meinung nach nicht viel Neues. Es geht mal wieder um einen unsicheren männlichen Protagonisten, der seine Gefühle schlecht ausdrücken kann und sich im Umgang mit anderen Menschen schwertut. Das kennen wir inzwischen schon zu Genüge aus anderen Serien (Sherlock, „Dexter“).

Falls Ihr diesen Text tatsächlich bis hierhin gelesen haben solltet, wünsche ich euch an dieser Stelle ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2017! Möge es uns viele tolle neue Filme und Serien bringen. 🙂

Babylon 5 – Episode 1.17: „Legacies“

Neuigkeiten von B5-Schöpfer J. Michael Straczynski

Bevor ich zur Besprechung der Episode komme, will ich hier kurz alle Neuigkeiten zusammenfassen, die es über „Babylon 5“ und alle anderen Projekte von JMS gibt. Seit meinem letzten Blogpost ist da einiges zusammengekommen.

JMS war im Juli auf der San Diego Comic Con zu Gast, wo er seine Fans in einem einstündigen Panel auf den neuesten Stand brachte. Eine Zusammenfassung könnt ihr euch hier durchlesen, ich greife mal die wichtigsten Punkte heraus:

  • JMS nannte den Grund dafür, warum er über die letzten Jahre immer weniger Comics geschrieben hatte – aufgrund einer Augenkrankheit verschlechterte sich seine Sehkraft dramatisch. Inzwischen hat er sich einer Operation unterzogen und sieht besser als je zuvor, aus dem Comicgeschäft will er sich aber trotzdem ganz zurückziehen, weil er sich auf andere Dinge konzentrieren will (u.a. das Schreiben von Romanen). Das Ganze könnt ihr ausführlicher und in den Worten von JMS auch hier lesen.
  • Seine Comicreihe „Rising Stars“ wird verfilmt. JMS arbeitet zurzeit am Drehbuch; bei entsprechendem Erfolg soll der Film natürlich ein ganzes Filmfranchise begründen.
  • Sein Comic „Midnight Nation“ wiederum soll als Vorlage für eine Fernsehserie dienen. JMS hat vor, die ganze erste Staffel selbst zu schreiben.
  • „Sense8“ wird kurz vor Weihnachten mit einem Christmas Special fortgesetzt; Anfang 2017 soll dann die „richtige“ zweite Staffel auf Netflix veröffentlicht werden. (Inzwischen gibt es Gerüchte, dass Netflix die Serie abgesetzt haben soll. Die zweite Staffel wurde so weit ich weiß bereits komplett gefilmt und wird damit wohl auf jeden Fall noch veröffentlicht. Ich hoffe auf jeden Fall, dass an diesen Gerüchten nichts dran ist!)
  • In Bezug auf den „Babylon 5“-Kinofilm, den JMS vor zwei Jahren angekündigt hatte, gab es keine konkreten Neuigkeiten. Darauf angesprochen sagte er, dass er zunächst noch weitere TV-Serien produzieren und mindestens einen weiteren Film schreiben will. Davon erhofft er sich, dass potentielle Investoren ihm schließlich ihr Vertrauen schenken, sodass er 100 Millionen Dollar für einen B5-Film zusammenbekommt (Warner Bros. ist ja bekanntlich und unverständlicherweise überhaupt nicht mehr an „Babylon 5“ interessiert…).

Ein Video des Panels könnt ihr euch hier anschauen:

Für „House of Speak Easy“ hat JMS auf die für ihn typische, humorvolle Weise einen Fragebogen ausgefüllt. Das Ergebnis ist lesenwert. 🙂 Der Anlass dafür ist eine Veranstaltung am 20.9. in New York, bei der JMS anscheinend einen Vortrag halten wird. (Falls ihr da gerade in New York sein solltet: Tickets gibt’s hier – ich erwarte danach selbstverständlich einen Bericht von euch!)

Zum Schluss noch eine äußerst traurige Nachricht, die ihr sicherlich schon mitbekommen habt: Jerry Doyle, der in „Babylon 5“ Michael Garibaldi gespielt hat, ist am 27.7. verstorben, elf Tage nach seinem 60. Geburtstag. Erneut ist damit einer der Hauptdarsteller der Serie viel zu früh von uns gegangen. Inzwischen ist bekannt geworden, dass die Todesursache chronischer Alkoholismus war. Angesichts der Tatsache, dass Doyles Figur in „Babylon 5“ ebenfalls ein Alkoholproblem hatte, ist dies besonders tragisch (Michael Garibaldis Alkoholismus wurde in der Serie bereits mehrmals thematisiert, vor allem in „Survivors“). Einen Nachruf von JMS könnt ihr hier lesen.

 


Nun aber weiter zur Besprechung der Episode. Ich halte mich an die von JMS empfohlene Reihenfolge (die ihr ganz am Ende des Blogpost zu „Signs and Portents“ einsehen könnt). Dementsprechend ist jetzt Episode 1.17 an der Reihe, die so die vorletzte Folge der ersten Staffel bildet.

Episode 1.17 „Legacies“ („Krieger wider Willen“)

Drehbuch: D.C. Fontana, Regie: Bruce Seth Green
Erstausstrahlung: 20.07.1994 (USA), 26.11.1995 (Deutschland)

„Legacies“ wurde genau wie „The War Prayer“ von Dorothy Catherine Fontana geschrieben, deren bekannteste Arbeiten die Drehbücher sind, die sie zur klassischen „Star Trek“-Serie beigesteuert hat. Bei den beiden Konflikten, die das Gerüst der Episode bilden, steht für die beteiligten Parteien jeweils vor allem emotional viel auf dem Spiel.
Beginnen wir mal mit dem unwichtigeren und auch weniger spannenden Konflikt. Die Telepathin Talia Winters (Andrea Thompson) und Susan Ivanova (Claudia Christian) entdecken auf dem Zocalo ein 14-jähriges Mädchen, das Talia zufolge gerade eine „Bewusstseinsexplsion“ (englisch: „mind burst“) erlitten hat. Sie bringen das Mädchen, das auf den Namen Alisa Beldon hört und dessen Eltern verstorben sind, zu Dr. Franklin ins Medlab. Dort erläutert Talia, dass Alisa (Grace Una) offenbar eine starke Telepathin ist, deren Kräfte sich erst vor kurzem manifestiert haben müssen. Weil Alisa im Umgang mit ihren telepathischen Fähikeiten noch völlig untrainiert ist, kann sie die ständig auf sie einprasselnden Gedankenfetzen anderer Lebewesen noch nicht ablocken – daher ihr Zusammenbruch auf dem Zocalo. Nach Talias Ansicht gibt es für dieses Problem jedoch eine ganz einfache Lösung: Alisa soll dem PsiCorps beitreten, was ihr nicht nur eine kostenlose Ausbildung und Wohnung einbringen wird, sondern eben auch das Training ihrer telepathischen Fähigkeiten und einen lebenslangen, sicheren Arbeitsplatz.
Dass Ivanova sofort gegen Talias Vorhaben ist, überrascht nicht. Seit der ersten Folge wissen wir, dass Susan für das PsiCorps sowie seine Mitglieder und Methoden nur Hass und Verachtung übrig hat. Ihre Beziehung zu Talia war bislang eine äußerst kühle, da Susan allen Mitgliedern des PsiCorps grundsätzlich misstraut. Wir erinnern uns: Susans Mutter war eine Telepathin, weigerte sich jedoch, dem Corps beizutreten. Daraufhin wurde sie zur Einnahme von Medikamenten gezwungen, um ihre telepathischen Fähigkeiten zu unterdrücken. Sie begann, unter starken Nebenwirkungen und Depressionen zu leiden und brachte sich schließlich im Alter von 45 Jahren um, als Susan noch ein Kind war.
Als Susan Commander Sinclair um Unterstützung im Konflikt um Alisas Zukunft bittet, signalisiert er ihr, dass er ihrer Entscheidung vertraut und vollkommen hinter ihr steht. Er befasst sich jedoch nicht näher mit der Angelegenheit, wahrscheinlich weil er gerade in viel größeren Schwierigkeiten steckt (dazu unten mehr). Während also Talia Alisa die Vorteile einer Mitgliedschaft im PsiCorps darlegt, erzählt Ivanova ihr von ihrer Mutter und davon, dass die Absichten des Corps nicht immer so edel sind, wie das Corps es gern darstellt. Vor die Wahl gestellt, entweder dem Corps beizutreten oder ihre Fähigkeit mit Medikamenten zu unterdrücken, erkundigt sich Alisa nach weiteren Optionen. Also lässt Ivanova sie mit Vertretern der anderen Spezies sprechen. Als einzige Spezies ohne Telepathen sind die Narn stets besonders interessiert an entsprechendem Genmaterial (dies wurde im Pilotfilm in einer Szene zwischen G’Kar und der damaligen Stationstelepathin Lyta Alexander verdeutlicht – Stichwort „Erregungsschwelle“ 😉 ). G’Kars Assistentin Na’Toth (Julie Caitlin Brown) macht Alisa zwar ein verlockendes Angebot, doch als das Mädchen in Na’Toths Gedanken blickt, reagiert sie auf den Kontakt mit einem so fremden, außerirdischen Bewusstsein verstört.
Als nächstes statten Alisa und Ivanova Botschafterin Delenn einen Besuch ab. Auch deren Angebot hört sich gut an, gilt es doch bei den Minbari als höchste Ehre, der Gesellschaft zu dienen, indem man seine Talente zur Verfügung stellt. Das Treffen wird jedoch abrupt abgekürzt, als Talia unabsichtlich in Delenns Gedanken blickt und dort zwei Entdeckungen macht (auch dazu gleich mehr). Am Ende der Episode entscheidet sich das Mädchen dennoch dafür, nach Minbar zu gehen, sehr zur Erleichterung Ivanovas. Auf Delenns Wunsch hin soll Alisa dort zur Annäherung zwischen Minbari und Menschen und zum besseren gegenseitigen Verständnis beider Völker beizutragen. Das ist auch dringend nötig, da zwischen den beiden Völkern auch über zehn Jahre nach dem Ende des Krieges noch Hass und Vorurteile an der Tagesordnung sind. Zumindest zwischen Talia Winters und Susan Ivanova hat Alisa aber schon ein wenig den Abbau von Vorurteilen und die gegenseitige Annäherung bewirkt. Die beiden gestehen sich nämlich am Ende des Handlungsstrangs, dass sie sich unhöflich verhalten und stur auf den jeweils eigenen Standpunkt beharrt haben. Talia lädt Susan sogar auf einen Drink ein, womit wir ein gutes Beispiel dafür hätten, dass Figuren und Beziehungen in „Babylon 5“ niemals statisch sind (wie es im Fernsehen in den Neunzigern noch meistens der Fall war). Wer weiß also, wohin sich die Beziehung der beiden noch entwickeln wird?
Im Großen und Ganzen gefällt mir dieser Handlungsstrang. Er entwickelt die Beziehung zwischen Talia und Susan weiter und verdeutlicht die Rolle, die Telepathen sowohl bei den Menschen als auch in verschiedenen außerirdischen Kulturen spielen. All das gelingt gut. Ganz und gar unglaubwürdig ist allerdings das Schauspiel der jungen Darstellerin, die Alisa Beldon spielt. Hätte man eine passendere Schauspielerin gefunden, dann hätte das diese Storyline (und damit die Episode an sich) um einiges aufgewertet. Konseqzenzen für die Zukunft hat sie – abgesehen von der Beziehung Talia-Ivanova – allerdings sowieso nicht. Dabei hätte ich gerne gesehen, wie Alisa auf Minbar arbeitet und welche Probleme sie dort löst. Da sie von Grace Una hier aber so schlecht gespielt wurde, ist es vielleicht besser so, dass man sie nie in die Serie zurückgeholt hat.

Kommen wir also zum anderen Handlungsstrang, der nicht nur den besseren Gaststar aufzuweisen hat, sondern auch weit mehr Bedeutung für zukünftige Entwicklungen in der Serie. Der Minbari-Krieger Neroon (John Vickery) besucht die Station und hat eine Leiche im Gepäck. Dabei handelt es sich um den Körper von Branmer, der im Krieg gegen die Menschen den Angriff auf die Erde angeführt hat. Nach seinem Tod soll seine Leiche nun einem alten Brauch folgend noch einmal möglichst vielen Minbari präsentiert werden, weswegen Neroon damit quasi auf Tour durch alle Minbari-Kolonien geht und auch auf Babylon 5 Station macht. Commander Sinclair, der einer der ganz wenigen Überlebenden der Schlacht um die Erde ist, hat seine Schwierigkeiten damit. Weil er als Diplomat aber von der Notwendigkeit von Annäherung und gegenseitigem Verständnis überzeugt ist, will er der Zeremonie beiwohnen, bei der Branmers Leiche gezeigt werden soll.
Wie wir bald erfahren, sind sich allerdings die Minbari selbst untereinander alles andere als einig, was den Umgang mit Branmers Leiche und sein Vermächtnis betrifft. Delenn erklärt, dass eine derartige Präsentation des Leichnams äußerst ungewöhnlich ist. Zwar handelt es sich dabei um eine große Ehre, aber auch um einen Brauch der Kriegerkaste, mit der Delenn als Angehörige der religiösen Kaste immer wieder in Auseinandersetzungen gerät. Später erzählt sie weiterhin, dass Branmer ursprünglich ebenfalls ein Mitglied der religiösen Kaste war und erst im „heiligen Krieg“ der Minbari gegen die Erde unfreiwillig in die Rolle des Anführers und Kriegshelds geriet. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum Delenn so sehr gegen die Verehrung Branmers als Krieger ist. Mit dieser Uneinigkeit haben wir ein weiteres Beispiel dafür, dass auch die Alienrassen in „Babylon 5“ nicht homogen sind. Sie bestehen jeweils aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Kasten usw. und sind damit genauso vielfältig wie die Menschheit.
Als sich kurz nach Beginn der Zeremonie herausstellt, dass Branmers Leichnam verschwunden ist, droht Neroon den Menschen mit einem erneuten Krieg. Doch Delenn erinnert ihn daran, dass nicht ein Clan allein die Politik der Minbari bestimmen sollte. Wie wir aber später erfahren, macht sich Delenn genau dieser Tat schuldig; sie ist für das Verschwinden von Branmers Leichnam verantwortlich! Statt den Dialog mit der Kriegerkaste zu suchen, um zu einem Kompromiss zu kommen, setzt sie sich über einfach über Neroon hinweg und lässt Branmers Leiche verschwinden und einäschern. Das zeigt, dass das Verhältnis zwischen den beiden Kasten äußerst angespannt ist. Aber auch zwischen Menschen und Minbari sind alte Feindbilder und Hass noch tief verwurzelt. Sinclair tut sich wie gesagt schwer damit, Neroon auf Babylon 5 zu empfangen. Doch es gelingt ihm, seine persönlichen Gefühle außen vor zu lassen und ganz im Sinne der Ziele von Babylon 5 offen für einen Dialog zu sein. Neroon stellt seine Verachtung für die Menschen offen zur Schau und äußert seine Wut darüber, dass die Kriegerkaste kurz vor dem Sieg zur Kapitulation gezwungen wurde. John Vickery macht in dieser Gastrolle eine hervorragende Figur und man kann sich jetzt schon auf alle zukünftigen Episoden freuen, in denen Neroon auftauchen wird.
Als wäre es nicht schon empörend genug, dass Delenn einen Leichnam hat stehlen lassen und ihre persönlichen Wünsche über die einer ganzen Kaste gestellt hat, geht sie sogar noch weiter und lenkt den Verdacht auf ein vollkommen unbeteiligtes und unschuldiges Volk: die Pak’ma’ra. Als Aasfresser haben sie naturgemäß ein Interesse an totem Fleisch. Als vor einem Pak’ma’ra-Quartier ein Fetzen von Branmers Kleidung gefunden wird, wirkt das verdächtig. Dass aber Garibaldi anschließend die Mägen aller Pak’ma’ra auf der Station auspumpen lässt und damit die Mitglieder einer gesamten Spezies unter Generalverdacht stellt, sollte für den Botschafter der Pak’ma’ra ein Anlass zu einer ordentlichen Beschwerde bei Sinclair sein.
Aber auch Neroon verhält sich alles andere als vorbildlich. Er durchwühlt Sinclairs Quartier und greift den Commander an. In diesem Fall hat sich Garibaldi allerdings mal kompetent verhalten und das Quartier bereits zuvor durchsuchen lassen. Kurz danach werden er und Sinclair ohnehin von Alisa auf die richtige Spur gebracht und können Delenn dabei ertappen, wie sie eine Urne mit Branmers Asche nach Minbar schicken will. Die Gründe für ihr Handeln wurden oben schon angedeutet: Als eine von drei Minbari, die die religiöse Kaste im grauen Rat repräsentieren, ist Delenn dagegen, dass Branmer als Krieger verehrt wird. Sie war eng mit ihm befreundet und ist sich sicher, dass er dies nicht gewollt hätte. Dass Delenns Tat nun aufgeflogen ist, kann angesichts der ohnehin schon bestehenden Spannungen zwischen den Kasten nichts Gutes bedeuten. Widerwillig gesteht sie Neroon ihre Tat. Als Rechtfertigung wirft sie ihm vor, er hätte nur im eigenen Interesse und gegen Branmers Willen gehandelt, was angesichts ihrer mit niemandem außerhalb ihrer Kaste abgesprochenen Tat ziemlich scheinheilig wirkt. Noch dazu muss sich der stolze Krieger Neroon nun wieder einmal dem Befehl des grauen Rates (und dem Wunsch Delenns) beugen und sich öffentlich hinter die Aussage stellen, dass Branmers sterbliche Überreste „transformiert“ wurden. Das Verschwinden des Leichnams soll also als religiöses Wunder verkauft werden. Um die Kluft zwischen den beiden Kasten nicht noch weiter zu vergrößern, stimmt Neroon zu. Zusätzlich muss er sich bei Sinclair entschuldigen, was zu einer wirklich schönen Szene führt, in der sie sich gegenseitig ihres Respekts für den anderen versichern. Das lässt hoffen, dass sich die einst verfeindeten Völker tatsächlich auf einem stetigen Weg der gegenseitigen Annäherung befinden.

Nachdem alles geregelt ist, fliegen sowohl Neroon als auch Alisa wieder ab. Für beide geht es nach Minbar. Neroon ist immer noch voller Hass und Vorurteile für die Menschen, hat aber zumindest schon einmal Respekt für Sinclair gewonnen. Alisa ist noch jung und offen für neue Einflüsse und Erfahrungen. Womöglich werden es erst Angehörige ihrer Generation – die keine bzw. kaum Erinnerungen an den Krieg haben – sein, die den Hass hinter sich lassen und offen auf den früheren Feind zugehen können.
Je mehr ich so über diese Episode nachdenke und darüber schreibe, umso mehr gefällt sie mir. Die Beziehung zwischen Menschen und Minbari ist von zentraler Bedeutung für die Serie. Beim ersten Anschauen mag die Episode belanglos erscheinen, doch tatsächlich werden hier entscheidende Weichen für zukünftige Ereignisse gestellt und es findet auch etwas „foreshadowing“ statt. Nicht zuletzt hat Neroon hier seinen ersten Auftritt, der zu den interessantesten Nebenfiguren in „Babylon 5“ gehört. Hätte man nur eine bessere Schauspielerin für die junge Alisa gefunden, dann hätte aus dieser soliden Folge eine sehr gute werden können.

 

Highlight der Episode: Die letzte gemeinsame Szene von Sinclair und Neroon. Nicht nur, weil sie beispielhaft für die Annäherung zweier bislang verfeindeter Völker steht, sondern auch, weil sie ein wegweisendes, legendäres Zitat von Neroon enthält. Das jetzt schon genau zu erklären, käme allerdings einem riesigen Spoiler gleich!

Londo/G’Kar-Moment: Beide kommen in dieser Episode leider nicht vor.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • In der Kultur der Minbari gilt es als ein Zeichen von Respekt, dem Gegner mit aktivierten Waffen (in diesem Fall „open gunports“) gegenüber zu treten. Das sollte man definitiv wissen, sonst kann das für so manches Missverständnis sorgen…
  • Talia und Ivanova sind sich etwas näher gekommen und haben festgestellt, dass sie trotz einiger Differenzen eigentlich ganz gut miteinander auskommen.
  • Die überraschende Kapitulation der Minbari kurz vor ihrem Sieg über die Streitkräfte der Erde wurde von der religiösen Kaste befohlen. Die Kriegerkaste hatte diesem Befehl zu gehorchen. Doch was war der Grund dafür?

Sonstige Fragen:

  • Wie heißt der Saal, in dem Branmers Leiche aufgebahrt werden und wo dann die Zeremonie stattfinden sollte? Sehen wir diesen Raum im Lauf der Serie noch einmal wieder? Ich kann mich gerade ehrlich nicht erinnern.
  • Als Delenn Sinclair in ihrem Quartier empfängt, setzt sie ihre Arbeit an einem scheinbar aus bunten Glasscheiben bestehenden Gebilde fort. Wir haben sie bereits mehrmals beim Bau dieses Gebildes beobachten können (z.B. in „Signs and Portents“). Worum handelt es sich dabei? Ist es nur ein Geschicklichkeitsspiel?
  • Woher weiß Talia, dass Alisa eine P-10 ist? Hat sie irgendwie Alisas telepathische Fähigkeiten getestet? (Die Skala geht übrigens bis P-12, Alisa ist also eine sehr starke Telepathin.)
  • Delenn erzählt Sinclair am Ende der Folge, sie habe in Alisa eine gewisse Unsicherheit gespürt, als diese kurzzeitig telepathischen Kontakt mit ihr aufnahm. Soweit wir wissen, verfügt Delenn selbst nicht über telepathische Fähigkeiten. Wie kam es also dazu, dass nicht nur Alisa in Delenns Gedanken blicken konnte, sondern auch Delenn in Alisas? Liegt der Grund dafür in Alisas Unerfahrenheit, ist sie also schlicht ungeübt darin, bei einem telepathischen Kontakt ihre eigenen Gedanken abzublocken? Oder liegt die Ursache in speziellen Fähigkeiten der Minbari begründet?
  • Die Fremdartikeit des Geistes der Narn schreckt Alisa ab (wozu man anmerken muss, dass sie genaugenommen ja nur mit Na’Toths Geist Kontakt hatte). Als sie Delenns Gedanken scannt, scheint Alisa jedoch kein Unwohlsein zu verspüren. Sind Narn-Gehirne/Gedanken für Menschen also wesentlich fremder als die der Minbari? Oder anders ausgedrückt: Sind Minbari und Menschen sich vielleicht ähnlicher als es den Anschein hat?
  • Wie ist Neroon eigentlich in Sinclairs Quartier gekommen?
  • Wo hat Delenn denn bitteschön Branmers Leichnam einäschern lassen? Gibt es irgendwo in Downbelow jemanden, der einen Verbrennungsofen vermietet und keine Fragen stellt!?
  • Neben der Lüge über Branmers Leiche entdeckt Alisa in Delenns Gedanken noch etwas – ein einziges Wort: „Chrysalis“. Wie das angesichts der Sprachbarriere möglich ist, darüber sollte man wohl nicht zuviel nachdenken (Delenn wird dieses Wort wohl kaum auf englisch gedacht haben). Wie Sinclair am Ende anmerkt, handelt es sich dabei jedenfalls um eine Insektenpuppe bzw. einen Kokon. Genau wie der Zuschauer fragt sich Sinclair, warum dieses Wort für Delenn so wichtig ist und warum sie den Gedanken sofort wieder versteckt hat. Wenn er doch nur wüsste, dass „Chrysalis“ der Titel der nächsten Folge ist… 😉

Weitere interessante Punkte:

  • Neroon trägt den Titel „Alit“; Branmer, der über ihm stand, trug den Titel „Shai Alit“. Beide gehör(t)en dem Clan der Star Riders an.
  • Garibaldi betreibt nicht nur bei den Narn und den Pak’ma’ra Nachforschungen, sondern auch bei den Llort. Dabei handelt es sich anscheinend um eine Spezies, deren Angehörige dafür bekannt sind, alles mögliche zu sammeln. Ich glaube nicht, dass sie später in der Serie noch einmal erwähnt werden.
  • Wenn ich mich richtig erinnere, sehen wir in dieser Folge zum einzigen Mal das Quartier eines Pak’ma’ra.
  • Wie auch schon im Pilotfilm sehen wir Sinclair und Delenn gemeinsam im Garten sitzen.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten (aus Jane Killicks Episodenführer zur ersten Staffel):

  • Als einzige von einem Freelancer geschriebene Episode der ersten Staffel beruhte diese Episode nicht auf einem dem Drehbuchautor von JMS zugeteilten Handlungskonzept. Die Idee für die Handlung kam also allein von D.C. Fontana, die durch ein Buch über Abraham Lincolns Beerdigung auf den Gedanken kam (sein Leichnam wurde auf Paraden in Philadelphia und New York präsentiert). Weil JMS die Idee so gut gefiel, wurde dafür sogar eine andere Handlungsidee aus der Staffel gestrichen.
  • Statt Na’Toth sollte eigentlich G’Kar in der Episode vorkommen. Weil Andreas Katsulas aber nicht zur Verfügung stand, bekam Na’Toth G’Kar’s Szenen und Dialogzeilen zugeteilt. Deren Darstellerin Julie Caitlin Brown war davon nicht begeistert, weil man ihrer Meinung nach merkte, dass die Zeilen nicht für Na’Toth geschrieben worden waren.

Zitate:

„It’s been my experience that discussions of old battles only interest historians.“ (Delenn zu Neroon und Sinclair)

„There’s nothing more annoying than Mr. Garibaldi when he’s right.“ (Ivanova)

„We will see… what we will see.“ (Delenn)

„You talk like a Minbari, Commander. Perhaps there was some small wisdom in letting your species survive.“ (Neroon zu Sinclair)

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch ist das Finale der ersten Staffel, Episode 1.22 („Chrysalis“).

Echte Wüste und praktische Effekte

Das Making Of-Video zum neuen „Star Wars“-Film, das Anfang Juli auf der San Diego Comic Con gezeigt wurde, hat inzwischen wohl jeder gesehen. Ich poste es hier trotzdem noch einmal:

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass die Werbekampagnen zu immer mehr Filmen (und Serien) den Einsatz „echter“, praktischer Effekte betonen, sowie die Tatsache, dass auch wirklich an „echten“ Drehorten gedreht wurde und nicht vor einem Green Screen bzw. in Studiokulissen. Diese Beobachtung wollte ich hier einfach mal festhalten. Neben „Star Wars“ fällt mir zum einen der neue „Mission: Impossible“-Film ein, bei dem die Macher nicht müde werden zu betonen, Tom Cruise habe alle Stunts selbst ausgeführt und sich wirklich außen an einem startenden Flugzeug festgehalten. Zum anderen muss ich an die neue Netflix-Serie „Sense8“ denken, die an zahlreichen Drehorten auf der ganzen Welt gedreht wurde und sogar eine Szene enthält, die in einem normalen Passagierflugzeug während des Fluges gedreht wurde. Auch hier werden diese Fakten in den veröffentlichten Interviews und Videos stets betont (seit kurzem ist auf Netflix ein 25-minütiges Making of zur Serie zu sehen).

Dabei spielt es meist keine Rolle, inwieweit es sich dabei tatsächlich um Fakten handelt, solange beim Publikum nur das Gefühl ankommt, dass die Filmemacher sich wirklich die Mühe machen, alles „in echt“ zu filmen. Denn die einstmals so hoch gelobten CGI-Effekte haben inzwischen keinen guten Ruf mehr.

Im Fall von „The Force Awakens“ funktioniert diese Taktik ganz wunderbar. Die ganze Fan-Welt ist vollkommen aus dem Häuschen, wenn in einem Video hinter J.J. Abrams ein als Alien verkleideter Schauspieler vorbeiläuft oder wenn auf den veröffentlichten Behind-the-scenes-Fotos „echte“ Kulissen und kein Green Screen zu sehen sind. Natürlich ist das Ganze vor allem Marketinggerede, denn schon für die „Star Wars“ Prequels wurden zahlreiche Masken, Puppen, Modelle und Kulissen hergestellt sowie an realen Drehorten (auch damals u.a. schon in der „echten“ Wüste) gefilmt. Damals hat man sich allerdings dazu entschieden, den Einsatz der CGI-Effekte in den Vordergrund zu stellen. Schaut man sich die diversen Making of-Dokumentationen zu den Episoden I bis III an, so lassen sich jedoch auch dort zahlreiche Beispiele für „praktische“ Effekte finden. Dies wird in diesem Video-Mashup deutlich, in dem das Making of-Material zu Episode VII mit solchem aus den Prequels verknüpft wird. Die Entstehung der Prequels lässt sich also auch ganz anders – mit der Betonung praktischer Effekte – erzählen:

Dass der Ruf computergenierter Spezialeffekte zu Unrecht so schlecht ist, zeigt wiederum dieses Video:

Im Fall von Riesenrobotern oder Dinosauriern ist natürlich offensichtlich, dass man es mit einem CGI-Modell zu tun hat, tatsächlich gibt es aber auch viele Fälle, in denen Computereffekte „unsichtbar“ eingesetzt werden. Ich denke da zum Beispiel an Robert Zemeckis „Cast Away“. Dort wurden die Möglichkeiten der Bildmanipulation durch Computer dazu genutzt hat, um das real gefilmte Bild nach den Wünschen des Regisseurs umzugestalten und zum Beispiel Felsbrocken zu entfernen. Auch David Fincher nutzt CGI auf kreative, nicht immer sichtbare Weise, wie im Video verdeutlicht wird. Und auch der für seinen harten Realismus gelobte „Mad Max: Fury Road“ kommt natürlich nicht ohne Computereffekte aus.

Natürlich dienen die Making of-Videos zu „Star Wars“, in denen stets die praktischen Effekte hervorgehoben werden, vor allem Marketingzwecken – ein gutes Gefühl geben sie einem aber dennoch. Und damit erfüllen sie wiederum genau ihren Zweck.

Noch 125 Tage bis zum 17. Dezember! 🙂

Babylon 5 – Episode 1.11 “Survivors”

Es dauert nicht mehr lange, bis die erste Staffel von „Sense8“, der neuen Serie von „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) auf Netflix zu sehen sein wird. Inzwischen wurden mehrere Trailer zu „Sense8“ veröffentlicht, zum Beispiel dieser hier:

Nun aber hurtig weiter zur nächsten „Babylon 5“-Folge (mit der wir immerhin die Hälfte der ersten Staffel hinter uns haben):

Episode 1.11 “Survivors” (“Ein Wiedersehen mit Folgen”)

Drehbuch: Marc Scott Zicree, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 04.05.1994 (USA), 15.10.1995 (Deutschland)

„Survivors“ ist eine interessante Episode. Statt wie üblich eine Haupt- und eine oder mehrere Nebenhandlungen finden wie hier nur eine Haupthandlung vor. Im Mittelpunkt steht Sicherheitschef Michael Garibaldy (Jerry Doyle). Seine problematische Vergangenheit und sein alles andere als geradliniger Lebenslauf wurden in der Serie bereits mehrmals angedeutet. Seinen Posten auf Babylon 5 hat er allein seiner Freundschaft mit Sinclair zu verdanken, der weiß, dass er sich auf Garibaldi verlassen kann.
Aus einer Nachrichtensendung des Senders ISN (Interstellar News Network) erfahren wir, dass Luis Santiago, der Präsident der Erdallianz, zu einem offiziellen Besuch auf Babylon 5 erwartet wird. Selbstverständlich macht ein solcher Besuch hohe Sicherheitsvorkehrungen nötig. Lianna Kemmer (Elaine Thomas), die Chefin des Sicherheitsstabs des Präsidenten, trifft einige Zeit vor dem Präsidenten auf Babylon 5 ein, um die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Dass es kurz zuvor eine Explosion in einer der Cobrabuchten (der Startbuchten für die Star Furies) gegeben hat, bei der ein Arbeiter schwer verletzt wurde, ist für Kemmer Grund genug, eine gründliche Untersuchung durchzuführen. Doch schon bei ihrer ersten Begegnung mit Sinclair und Garibaldi wird klar, dass Kemmer keine besonders kompromissbereite Person ist. Sie fordert, die Untersuchung alleine zu leiten und will nicht mit Garibaldi zusammen arbeiten.
Zudem wird klar, dass Garibaldi und Kemmer sich bereits kennen. Garibaldi erzählt Sinclair, er habe vor 17 Jahren einen Job auf Europa (einem von Jupiters Monden) gehabt. Dort war unter seinen Kollegen Korruption an der Tagesordnung und er versuchte verzweifelt, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Weil ihm dies jedoch nicht gelang und er die sich verschlimmernden Zustände um ihn herum mit ansehen musste, griff er zur Flasche und begann stark zu trinken. Schließlich lernte er Frank Kemmer, Liannas Vater kennen und verbrachte viel Zeit mit dessen Familie, was einen guten Einfluss auf ihn hatte. „With all the madness, it kept me sane and sober for a while“, erzählt er. Als aber Frank Kemmer, für dessen Sicherheit Garibaldi verantwortlich war, bei einem Attentat ums Leben kam und Franks Familie Garbibaldi die Schuld daran gab, fing er wieder zu trinken an. All dies schildert er Sinclair bei einem Gespräch an der Bar, wo er jedoch nur Wasser bestellt.

Lianna Kemmer befragt den verletzten Arbeiter danach, wer die Bombe in der Cobrabucht gelegt hat. Dieser kann gerade noch „Garibaldi“ sagen, bevor er stirbt. Daraufhin verlangt Kemmer Garibaldis sofortige Suspendierung und übernimmt seinen Posten als Sicherheitschef. In typischer TV-Manier sind hier zwei Geschichten miteinander verbunden: Die Beschuldigung Garibaldis, der nun seine Unschuld beweisen muss und seine Beziehung zu Lianna, die den Anlass bietet, mehr über Garibaldi zu erfahren. Das wirkt klischeehaft – und ist es auch, weil man es so ähnlich schon Dutzende Male im Fernsehen gesehen hat – ist aber vor allem aufgrund Jerry Doyles Schauspiel trotzdem glaubwürdig und spannend.
Garibaldi versichert Kemmer, er habe damals auf Europa keineswegs nur sich selbst retten wollen und trage keine Schuld am Tod ihres Vaters. Doch Lianna wirft ihm vor „You just got drunk and ran, like you always do.“ Als schließlich in Garibaldis Quartier Indizien gefunden werden, die auf seine Beteiligung an der Explosion hindeuten, flüchtet er. Einmal mehr kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Kemmer und Sinclair, der auf Garibaldis Seite steht und sich nicht sagen lassen will, wie er seine Arbeit zu machen hat. „This is my station and it’s time you realise that“, schleudert er Kemmer entgegen. Um Kemmer die Arbeit zu erschweren und Garibaldi zu schützen, befiehlt Ivanova eine umfangreiche Überprüfung der Kommunikationskanäle, die dadurch für Stunden blockiert werden.

Weil in seinem Quartier eine beträchtliche Summe Centauri-Dukaten gefunden wurde, sucht Garibaldi als erstes Londo auf. Londo streitet jegliche Beteiligung ab und schiebt die Schuld natürlich G’Kar in die Schuhe. Er ist bereit, Garibaldi zu helfen und ausnahmsweise ist es hier einmal Garibaldi, der sich Geld von Londo leiht. Die bereits etablierte Freundschaft zwischen Garibaldi und Londo wird hier einmal mehr deutlich und Londo bringt es auf den Punkt, als er über die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen beiden spricht (s. Zitate).
Auch G’Kar, den Garibaldi als nächstes aufsucht, bestreitet seine Schuld. Er bietet ihm jedoch an, ihn ins von den Narn kontrollierte Gebiet in Sicherheit zu bringen. Doch Garibaldi lehnt es ab, als Spion für die Narn zu arbeiten und ist entsetzt, dass G’Kar von ihm verlangt, seine eigene Welt zu verraten. Sowohl im Casino bei Londo als auch in G’Kars Quartier bekommt Garibaldi weitere Gelegenheiten, einen Drink zu nehmen. Er bleibt jedoch standhaft und lehnt jedes Mal ab.

Nach einem kurzen Besuch bei N’Grath, der Garibaldi nicht helfen will, wird Garibaldi von einem Dieb, den er zu Beginn der Episode verwarnt hatte und zwei Drazi angegriffen. Sinclairs persönliches Eingreifen rettet ihn, doch als Sinclair ihm seine Hilfe anbietet, haut Garibaldi erneut ab. Er will seine Unschuld allein beweisen – aber warum? Sinclair ist sein engster Freund und Garibaldi sollte eigentlich wissen, dass er ihm vertrauen kann. Vielleicht liegt es in Garibaldis persönlichen Erfahrungen begründet, dass er glaubt, sich im schlimmsten Fall nur auf sich selbst verlassen zu können.
Leider führt ihn dies an den tiefsten Punkt der Episode. Er sucht eine herunter gekommene Bar auf, in der er schließlich doch wieder einen Drink nimmt. Natürlich bleibt es nicht nur bei einem einzigen Drink und schon bald ist Garibaldi sturzbetrunken. Nachdem ihn einer der anderen Gäste verraten hat, haben Kemmer und ihre Leute bei Garibaldis Festnahme leichtes Spiel. „Drunk again, Uncle Mike?“, fragt Lianna ihn verächtlich als sie ihn festnehmen lässt.

Das Raumschiff des Präsidenten hat unterdessen Babylon 5 erreicht. Kemmer verhört Garibaldi, um endlich zu erfahren, wer hinter der Explosion steckt und ob weitere Gefahr für den Präsidenten besteht. Da Garibaldi nichts damit zu tun hat, kommt Kemmer natürlich nicht weiter. Sinclair hat unterdessen Garibaldis Stellvertreter Lou Welch (David L. Crowley) beauftragt, das Quartier des bei der Explosion verletzten und inzwischen verstorbenen Arbeiters zu durchsuchen. Welch ist fündig geworden: Neben Materialien, die auf eine Verbindung zur Homeguard hindeuten, findet er auch einige Vibrationsdetonatoren. Einen davon hatte der Arbeiter wohl in der Cobrabucht angebracht. Statt erst bei der Ankunft des Präsidenten zu explodieren, war der Detonator jedoch schon früher losgegangen.
Garibaldi äußert den Verdacht , Kemmers Assistent Cutter (Tom Donaldson) habe ihm die falschen Beweise untergejubelt und kann Kemmer schließlich überzeugen, die Cobrabuchten einer letzten Überprüfung zu unterziehen, bevor der Präsident die Station betritt. In die Enge getrieben zeigt Cutter dort sein wahres Gesicht. Er betäubt Kemmer und prügelt sich mit Garibaldi, der im letzten Moment Kontakt zu Ivanova aufnehmen und so den Start des neuen Kampfgeschwaders verhindern kann, durch den eine Explosion ausgelöst worden wäre.
Nachdem die Krise überstanden und Garibaldis Unschuld bewiesen ist, gibt Sinclair ihm seine PPG (Phased Plasma Gun) und sein Comlink zurück. Zudem spricht Garibaldi ein letztes Mal mit Lianna, bevor sie die Station wieder verlässt. Die Dialoge der Episode finde ich überwiegend gelungen, doch Garibaldis Worte in dieser Szene stellen leider eine Ausnahme dar: „17 years ago we both died inside, but somehow we survived. For better or worse, that’s all we can do. Survive and maybe one day forget how much it can hurt to be human.“ Also wirklich, wer spricht denn bitte so?

„Survivors“ ist eine solide Episode, die besser ist als ich sie in Erinnerung hatte. Wie die meisten Episoden der ersten Staffel dient sie vor allem dazu, die Charaktere – in diesem Fall in erster Linie Garibaldi – zu etablieren und erzählt eine in sich abgeschlossene Handlung. Dennoch wird hier auch vieles etabliert, das für die zukünftige Handlung der Serie von Bedeutung ist. Neben Garibaldis Alkoholismus ist dies vor allem die Tatsache, dass der amtierende Päsident der Erdallianz den Zielen von Babylon 5 wohl gesonnen ist. Santiago ruft in seiner Ansprache auf der Station alle außerirdischen Regierungen dazu auf, eng mit der Erde zusammen zu arbeiten und kündigt liberalere Einwanderungsgesetze und Handelsbestimmungen an (was wir aus den ISN-Berichten am Anfang und am Ende der Episode erfahren). Diese Position sorgt jedoch für Kontroversen auf der Erde, da zahlreiche Gruppen nicht einer Meinung mit Santiago sind, darunter die militante und fremdenfeindliche Homeguard, der die Attentäter angehören. Santiago hat also Feinde, die nicht vor einem Attentat auf ihn zurück schrecken – auch das ist eine Tatsache, die man sich merken sollte.

Highlight der Episode: Ivanovas Umgang mit Major Kemmer (s. Zitate).

Weitere interessante Punkte: 

  • Am Anfang und am Ender der Folge erhaschen wir jeweils einen kurzen Blick auf die Earth Force One, das Schiff des Präsidenten.
  • Zu Beginn der Episode sieht man Garibaldi und Ivanova durch einen der Bereiche der Station gehen, in dem eine geringere Schwerkraft herrscht. Da die Schwerkraft auf Babylon 5 durch Rotation erzeugt wird, muss es sich dabei um einen Bereich nahe der zentralen Achse der Station handeln. Den Durchsagen zufolge soll man sich dort stets an den entlang der Wege aufgestellten Geländer festhalten.
  • Im Gespräch zwischen Londo und Garibaldi wird wieder einmal Ragesh 3 erwähnt, jene Kolonie, um die sich die Centauri und Narn schon lange streiten.
  • Als Garibaldi das Casino aufsucht, um Londo zu treffen, sehen wir auf einem Tisch zwei holografische Ritter gegeneinander kämpfen – wieder eines der recht seltenen Beispiele für Holo-Technologie in Babylon 5.
  • Babylon 5 erhält in dieser Episode ein weiteres Geschwader an Kampfjägern („Star Furies“). Zusätzlich zu den Alpha-, Delta- und Gamma-Staffeln verfügt die Station damit auch über eine Zeta-Staffel.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Der ursprüngliche Titel des Drehbuchs von Marc Scott Zicree lautete „Knife in the Shadows“.
  • JMS war beim Erscheinen der Episode sehr stolz auf die damals für TV-Verhältnisse revolutionären CGI-Effekte. Zu Beginn der Episode sehen wir einen composite shot, als Garibaldi und Ivanova in dem Shuttle stehen, das die zentrale Achse der Station entlang fährt. Die Aussicht durch das Fenster des Shuttles ist komplett computergeneriert. In der Szene, in der Lianna am Ende der Folge in ihr Schiff steigt, ist bis auf die Schauspielerin und einen Teil der Leiter das gesamte Bild am Computer erzeugt.
  • JMS ist mit Alkoholismus gut vertraut: „I come from a family with alcoholism going back at least four generations […]. I am, in fact, the first male Straczynski in my branch of this particular stunted tree NOT to have this problem. I have had far, far, far more experience with this area than I care to recite…and from that perspective, I have no problem with Garibaldi’s portrayal.“ (zitiert aus  „Asked & Answered Part 4“, S. 1552f)
  • Jerry Doyle, der Michael Garibaldi spielt, hat eine wichtige Gemeinsamkeit mit seiner Figur: Sein Lebenslauf ist ebenso wie der Garibaldis alles andere als geradlinig. Bevor er Schauspieler wurde, arbeitete er unter anderem als Jetpilot und später an der Wall Street. Um zum Vorsprechen für eine Rolle bei „Babylon 5“ eingeladen zu werden, schrieb er einen größtenteils fiktiven Lebenslauf. Obwohl er dabei aufflog – oder vielleicht gerade deswegen – gab JMS ihm die Rolle als Garibaldi.
  • General Netter wurde nach dem ausführenden Produzenten der Serie, Douglas Netter benannt.

Zitate:

Kemmer: „I demand you open a channel to Earth at once.“
Ivanova:
„I’m a Lieutenant Commander in Earth Force, Major. I do not take demands. If you have a request, I’ll consider it.“
Kemmer:
„Very well, then. I request that you open a channel to Earthdome.“
Ivanova:
„Request denied. Have a nice day.“

Londo (über die Göttin Ilaros): „Goddess of luck, patron of gamblers. She and I have had a long and rather dubious relationship.“

Londo zu Garibaldi: „We are alike, you and I. We are both, as you say, the odd man out. I have been in your place. I can feel how you are pinned. And it would give me some small pleasure to know that things can work out, even for us.“

G’Kar zu Garibaldi: „The universe is run by the complex interweaving of three elements: Energy, matter, and enlightened self-interest. Unless you comprehend that fact and soon, you will be cornered and caged. They will destroy you.“

G’Kar: „You have made many enemies.“
Garibaldi: „Call it a lifestyle.“

Garibaldi: „I blew it, Jeff. Just like I did on Europa, on Mars Colony, Orion 4, just like I always do. When things get too rough, I crawl right back into the damn bottle. What really scares me is how much I’ve enjoyed it.“
Sinclair: „But you crawled back out again and did the job. That’s what’s counts.“
Garibaldi: „Yeah. I got lucky. But what happens next time?“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.12 „By Any Means Necessary“

Babylon 5 – Episode 1.09 „Deathwalker“

Bevor es zur Besprechung der nächsten „Babylon 5“-Episode geht, will ich noch schnell eine Neuigkeit loswerden, über die ich mich sehr freue: Die neue Serie von B5-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS), „Sense8“, wird ab dem 5. Juni bei Netflix zu sehen sein. „Sense8“ wurde von JMS gemeinsam mit den Wachowski-Geschwistern („The Matrix“, „Cloud Atlas“) entwickelt und geschrieben und mit einem internationalen Cast an über den ganzen Globus verteilten Drehorten gedreht. Die erste Staffel besteht aus zehn Folgen; momentan weiß ich aber leider noch nicht, ob am 5. Juni schon alle zehn Episoden abrufbar sein werden oder ob im wöchentlichen Rhythmus eine Folge hinzugefügt wird. Ich tippe aber mal auf ersteres, bin schon sehr gespannt und werde auf jeden Fall über „Sense8“ bloggen. Nun aber zur nächsten B5-Episode…

Episode 1.09 “Deathwalker” (“Die Todesbringerin”)

Drehbuch: Larry DiTillio, Regie: Bruce Seth Green
Erstausstrahlung: 20.04.1994 (USA), 01.10.1995 (Deutschland)

Die Folge beginnt damit, dass Na’Toth zufällig Zeugin der Ankunft einer außerirdischen Frau (Sarah Douglas) auf der Station wird – und daraufhin scheinbar vollkommen durchdreht. Sie stürmt auf die Frau zu, schreit „Deathwalker“ und beginnt auf sie ein zu prügeln. Wie wir kurz darauf erfahren, glaubt Na’Toth in der Frau die Kriegsverbrecherin Jha’dur erkannt zu haben, die dem Volk der Dilgar angehört und für den Tod von Millionen von Lebewesen verantwortlich ist, unter ihnen Na’Toths Großvater. Na’Toth hat deshalb einen Chon’Kar – einen Blutschwur – geschworen, der erst dann erfüllt ist, wenn sie Jha’dur umgebracht hat. Doch G’Kar überzeugt seine Assistentin, sich zunächst zurück zu halten. Er eröffnet ihr, dass Jha’dur eine wichtige Entdeckung gemacht hat und zu Verhandlungen mit den Narn nach Babylon 5 gekommen ist.
Commander Sinclair, Doktor Franklin und Sicherheitschef Garibaldi sind allerdings skeptisch: Bei der Frau kann es sich ihrer Meinung nach unmöglich um Jha’dur handeln, die doch inzwischen tot oder eine sehr alte Frau sein müsste. Doch alle Indizien sowie die von Franklin durchgeführten Tests bestätigen ihre Identität – es handelt sich tatsächlich um die als Deathwalker (Todesbringerin) bekannte Verbrecherin. Wie sich herausstellt, hat sie seit dem Ende des Dilgar-Kriegs die meiste Zeit über unter dem Namen Gyla Lobos bei den Minbari gelebt, wo ihr von den wind swords (Schwertern des Windes), einer extremistischen und gewalttätigen Abspaltung der Kriegerkaste, Unterschlupf gewährt wurde.

Die Anwesenheit Jha’durs, die sich inzwischen in Gefangenschaft befindet, spricht sich schnell auf der Station herum. Kurz nachdem Sinclair den Befehl erhält, sie unverzüglich zu Erde zu schicken, wird der Grund für das große Interesse an ihrer Person klar: Jha’dur hat ein Unsterblichkeitsserum entwickelt, das sie nun auf der Erde weiter entwickeln soll. Damit sehen sich alle Beteiligten einem moralischen Dilemma gegenüber, das Ivanova treffend mit den Worten „Justice or immortality“ zusammenfasst: Soll Jha’dur wegen ihrer Verbrechen der Prozess gemacht und sie einer gerechten Strafe unterzogen werden oder soll man über ihre immensen Verbrechen hinweg sehen, weil sie der Galaxis mit ihrem Serum nun einen großen Dienst erweisen könnte? Wiegen die Wohltaten, die in der Entwicklung des Serums liegen, die von Jha’dur in der Vergangenheit begangenen Gräueltaten auf? Larry DiTillios Drehbuch reißt diese Fragen kurz an und lässt unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen, doch ein Fazit muss der Zuschauer (zunächst) selbst ziehen.
Während Garibaldi fassungslos darüber ist, dass Jha’dur auf der Erde mit offenen Armen empfangen werden soll, gelangt Sinclair schließlich zu dem Entschluss, seinen Befehlen zu gehorchen. „She can save more lives than she took“, rechtfertigt er seine Entscheidung. „And she can make the deaths she caused have meaning.“

Jha’dur selbst zeigt keinerlei Anzeichen von Reue. Die Galaxis soll ihr ausgelöschtes Volk nicht als Kriegstreiber in Erinnerung behalten, sondern allein für die Wohltat, die ihr Serum bringen wird: „Those who cursed us will have to thank us for the rest of time.“ Doch als Sinclair sie zum Shuttle begleiten will, das sie zur Erde fliegen soll, stellen sich ihnen Botschafterin Kalika (Robin Curtis) und die anderen Botschafter der Liga der blockfreien Welten in den Weg. Sie verlangen die Durchführung einer Anhörung auf Babylon 5, in der darüber abgestimmt wird, ob Jha’dur der Prozess gemacht werden soll. Sinclair, der mit seiner Entscheidung, Jha’dur sofort zur Erde zu schicken, sowieso gehadert hat, stimmt zu.
Unerwartet fällt das Ergebnis der Abstimmung jedoch gegen einen Prozess aus. Wenig später erscheinen Schiffe mehrer Mitgliedervölker der Liga vor der Station und verlangen die Auslieferung Jha’durs. Sinclair schlägt daraufhin einen Kompromiss vor: Jha’dur soll auf der Erde einem Team aus von der Liga ausgesuchten Wissenschaftlern dabei helfen, ihr Serum weiter zu entwickeln, um anschließend der Liga für einen Prozess übergeben zu werden. Botschafterin Kalika und die anderen Mitglieder der Liga willigen ein und die Schiffe ziehen wieder ab.

Bevor Jha’dur zur Erde geschickt wird, sucht Sinclair sie noch ein letztes Mal auf und wird von ihr über die schreckliche Wahrheit aufgeklärt: Ihr Serum setzt sich unter anderem aus Komponenten zusammen, die lebenden Körpern entstammen, die derselben Spezies angehören müssen wie der jeweilige Empfänger des Serums. Um einer Person Unsterblichkeit zu verleihen, muss eine andere sterben. Obwohl die anderen Völker mit Verachtung auf die Gräueltaten der Dilgar herab blicken, werden sie ohne zu zögern ebensolche Taten begehen. „You will become us. That’s my monument, Commander.“, zischt sie Sinclair hasserfüllt entgegen.
Das von Drehbuchautor DiTillio entworfene Szenario ist in der Tat ein schreckliches, aber auch ein höchst interessantes. Sehr gerne würde ich einen Science-Fiction-Film sehen oder einen Roman lesen, der sich genau jenes Szenario zum Ausgangspunkt nimmt – eine Galaxis voll unsterblich gewordener Lebewesen, die sich ihre Unsterblichkeit aber nur dadurch erkaufen können, dass sie Teile ihrer eigenen Völker umbringen und damit Genozid begehen. Vielleicht ist es genau die Ahnung, dass genau dies geschehen wird, die die Vorlonen am Ende der Episode dazu bringt, das Schiff mit Jha’dur und dem Serum an Bord zu zerstören. „You are not ready for immortality.“, antwortet Kosh auf Sinclairs Frage nach dem Grund dafür. Sehenswert ist die Episode auch wegen Sarah Douglas‘ Schauspiel.

Weniger dramatisch, aber auch weniger sinnvoll geht es im zweiten Handlungsstrang der Episode zu: Talia Winters wird von Botschafter Kosh darum gebeten, bei einer Reihe von Gesprächen zugegen zu sein, die er mit einem Mann namens Abbut (Cosie Costa) führt. Als sie Abbut einem telepathischen Scan zu unterziehen versucht, erkennt sie jedoch – nichts. Abbut scheint keinerlei Gedanken und einen völlig leeren Geist zu haben. Noch dazu reden er und Kosh in ihren Gesprächen nur unverständlichen Kauderwelsch. Als bei Talia schließlich während dieser Gespräche höchst schmerzhafte Erinnerungen an einen früheren Auftrag wieder hoch kommen, beschließt sie, den Auftrag abzubrechen.
Von Garibaldi erfährt sie schließlich, dass diese Erinnerungen wahrscheinlich bewusst proviziert wurden. Bei Abbut handelt es sich um einen sogenannten Vicker, einen Cyborg, der unter anderem Gedanken aufzeichnen kann. Kosh befindet sich nun im Besitz wichtiger Daten aus Talias Kopf, doch was genau befindet sich in diesen Aufzeichnungen? Und warum hat Kosh sie anfertigen lassen? Die Antworten auf diese Fragen würden hier zu sehr spoilern, aber zu gegebener Zeit werde ich im Blog noch einmal darauf zurück kommen. Bis dahin müssen wir uns mit Koshs Antwort auf Talias Frage nach dem Inhalt des Datenkristalls, den Kosh von Abbut erhält, begnügen: „Reflection, surprise, terror. For the future.“

Highlight der Episode: Na’Toths Angriff auf Jha’dur am Anfang der Episode und ihr heraus geschrieenes „Deathwalkeeeeer!!“ (Okay, das finde ich wohl nur deswegen so kultig, weil ich treuer Zuhörer des „Babble On Project“ bin. Ansonsten mag ich Koshs Art, einen Termin auszumachen – the hour of scampering?? (s. Zitate)

Londo/G’Kar-Moment: Da die beiden in dieser Folge keine gemeinsame Szene haben (abgesehen von der Ratsversammlung) und auch sonst nicht im Zentrum dieser Geschichte stehen, lasse ich diese Rubrik wieder einmal leer.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Es ist zwar keine wirklich neue Information und liefert auch keine Antwort, aber Jha’dur erinnert uns noch einmal daran, dass Sinclair eine Lücke in seinem Gedächtnis hat, als sie von ihrer Zeit bei den wind swords erzählt: „They speak of you often, Sinclair. They say you have a hole in your mind.“

Sonstige Fragen:

  • Um was für Zeitangaben handelt es sich bei „the hour of scampering“ und „the hour of longing“?
  • Wo ist Delenn? Sie ist die ganze Folge über nicht auf Babylon 5, weswegen sie Lennier bei der Abstimmung vertreten muss.
  • Wurden das von Jha’dur entwickelte Serum und alle Aufzeichnungen darüber tatsächlich restlos zerstört?

Weitere interessante Punkte: 

  • Erstmals wird hier der Chon’kar erwähnt, der Blurschwur der Narn.
  • Auch der Dilgar-Krieg wird zum ersten Mal erwähnt. Wie wir erfahren, starteten die Dilgar im Jahr 2230 unter der Führung Jha’durs eine Invasion in mehrere andere Raumsektoren. Die Erdstreitkräfte kamen den betroffenen Völkern damals zu Hilfe; so konnte die Invasion gestoppt werden. Garibaldi erwähnt in der Episode, dass die Narn und die Centauri auf der Seite der Dilgar gekämpft haben. Auch Sinclairs Vater kämpfte in diesem Krieg, der die Dilgar nahezu ausrottete. Irgendwann nach dem Krieg explodierte die Sonne des Dilgar-Systems (wie wir von Franklin erfahren) und venichtete damit auch deren Heimatplaneten.
  • Erstmals spielt die Liga der blockfreien Welten (League of Non-Aligned Worlds) eine größere Rolle. Die Sprecherin der Liga auf Babylon 5, Botschafterin Kalika, gehört der Rasse der Abbai an.
  • Als Abbut sagt „I’m a 23 myself“, nachdem Talia ihre Psi-Einstufung (P5) nennt, macht er nur einen Scherz, wie JMS versichert hat.
  • Der Minbari-Attentäter aus dem Pilotfilm gehörte den wind swords an, jener extremistischen Gruppierung, die Jha’dur Zuflucht gewährt hat.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Jha’dur wurde von Sarah Douglas gespielt, die vor allem als Ursa in „Superman“ und „Superman II“ bekannt ist. Unter der Maske von Botschafterin Kalika verbirgt sich die Schauspielerin Robin Curtis, die man vor allem als Vulkanierin Saavik aus dem dritten und vierten „Star Trek“-Film kennt (in „Star Trek II“ wurde die Rolle noch von Kirstie Alley gespielt).
  • Die Rolle des Abbut war von Larry DiTillio ursprünglich für Gilbert Gottfried geschrieben worden, der sie aber aus Termingründen nicht übernehmen konnte.
  • In einer früheren Version des Drehbuchs wurde Na’Toth nicht von G’Kar daran gehindert, ihren Chon’Kar zu erfüllen: Als G’Kar erkennt, dass die Narn keine Chance mehr haben, an das Unsterblichkeitsserum zu gelangen, lässt er Na’Toth auf Jha’dur los. Es kommt zum Kampf zwischen den beiden, doch Na’Toth ist klar unterlegen. Gerade als Jha’dur sie töten will, erscheint Sinclair und rettet Na’Toth das Leben. Die entsprechenden Szenen wurden jedoch aus Zeitgründen gestrichen. (Quelle: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 90)
  • JMS war mit dem Handlungsstrang um Talia in dieser Episode unzufrieden. Das Konzept des „Vickers“, der unter anderem Gedankenmuster und Persönlichkeitsstrukturen aufzeichnen kann, gefiel ihm nicht, weswegen es auch nach dieser Folge nie wieder im „Babylon 5“-Universum auftauchte. (Quelle: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 91f)
  • Die Bezeichnung „Vicker“ kommt – wie Garibaldi erläutert – von der Abkürzung VCR, die für video cassette recorder steht.

Zitate:

Kosh zu Talia: „We will meet in Red 3 at the hour of scampering“

Kosh: „Understanding is a three-edged sword.“

Kosh: „You seek meaning?“
Talia: „Yes.“
Kosh: „Then listen to the music, not the song.“

Talia: „I think I may be having a problem with ambassador Kosh.“
Garibaldi: „Join the club.“

Sinclair: „They say God works in mysterious ways.“
Garibaldi: „Maybe so. But he’s a con man compared to the Vorlon.

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.10 „Believers“

Babylon 5 – Episode 1.01 „Midnight On The Firing Line“

Mein „Babylon 5“-Rewatch geht endlich weiter bzw. geht jetzt erst richtig los. Nachdem ich letztes Jahr einen (wie ich sogar selbst finde) sehr guten Überblicksartikel über die Serie geschrieben habe (ohne Spoiler!) und kurz darauf einen ziemlich unübersichtlichen Blogpost über den Pilotfilm verfasst habe, mache ich nun mit der ersten regulären Serienfolge weiter.
Bevor ich dazu komme will ich aber wie in den letzten Posts erst noch auf ein paar Neuigkeiten aus dem „Babylon 5“-Fandom hinweisen:

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Universum

Im Januar fand in Houston die Space City Con statt, auf der zahlreiche „Babylon 5“-Darsteller anwesend waren. Nach der Reunion des „Babylon 5“-Casts auf der Phoenix Comic Con 2013 zum 20. Jubiläum der Serie war dies das zweite große Zusammentreffen zahlreicher B5-Darsteller auf einer Convention innerhalb weniger Monate. Leider war Serienschöpfer J. Michael Straczynski (JMS) dieses Mal nicht anwesend, er ließ es sich aber nicht nehmen, einen Brief an die Fans zu schreiben, den Bruce Boxleitner auf der Con vorlas. Das Video ist sehr zu empfehlen, es hat mich sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken gebracht, wie es bei Texten aus JMS‘ Feder eben oft der Fall ist.
Auch die „Free Babylon 5“-Bewegung war auf der Convention vertreten. Ihr Ziel ist es, „Babylon 5“ in den USA, aber auch im Rest der Welt wieder ins Fernsehen zu bringen, um die Serie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und auch den Verantwortlichen bei Warner Bros. klar zu machen, dass nach wie vor eine große Fanbasis für die Serie da ist. Auf der Convention gab es ein eigenes „Free Babylon 5“-Panel,
auf dem darüber diskutiert wurde, wie man diese Ziele am besten erreichen könnte. Deutsche Fans können beispielsweise Emails an Pro Sieben schreiben und darum bitten, die Serie dort wieder ins Programm zu nehmen. So weit ich weiß, läuft sie nämlich auch hierzulande zurzeit nicht im Fernsehen. (Hier habe ich noch einen aktuellen Artikel gefunden, in dem 10 Science Fiction/Fantasy-Serien aufgelistet werden, die eine Blu ray-Veröffentlichung verdient hätten. Natürlich ist „Babylon 5“ auch dabei.)
Ein Video des Panels mit allen anwesenden Darstellern von der Space City Con gibt es hier; zudem habe ich gerade noch ein zweiteiliges Video der Fragerunde mit den Darstellern Peter Jurasik (Londo) und Stephen Furst (Vir) gefunden (hier und hier). Diese drei Videos habe ich selbst noch nicht angeschaut, kann also nichts über deren Inhalt und Qualität sagen. Es scheint sich aber um die auf Conventions üblichen Fragerunden zu handeln, wo die Darsteller die oft längst bekannten, aber immer wieder amüsanten Anekdoten erzählen.

Das „Babylon 5“-Jubiläum zieht sich über zwei Jahre hin – im Februar 2013 hatte der Pilotfilm seinen 20. Geburtstag, die Serie selbst startete aber fast ein Jahr nach dem Film, am 26.01.1994. Damit dürfen wir dieses Jahr also erneut feiern. Zap2It hat ein Interview mit JMS geführt, in dem er unter anderem über den Einfluss von „Babylon 5“ auf nachfolgende Serien spricht. Im zweiten Teil des Interviews verrät er ein paar Details zu seiner neuen Serie „Sense8“, an der er zusammen mit Andy und Lana Wachowski („The Matrix“, „Cloud Atlas“) arbeitet. Die erste Staffel soll dieses Jahr unter anderem in Berlin gedreht werden und die Serie dann spätestens Anfang 2015 in den USA bei Netflix zu sehen sein. Ich bin schon sehr gespannt, denn das Konzept der Serie hört sich wirklich interessant und ambitioniert an – und bei entsprechendem Erfolg soll auch „Sense8“ wieder fünf Jahre lang laufen, genau wie „Babylon 5“ damals.

Und weil das hier ja ein „Babylon 5“-Rewatch ist weise ich kurz noch auf zwei andere Personen hin, die ebenfalls ihre Eindrücke über die Serie im Internet festgehalten haben: Die „Katie watches Babylon 5“-Videos hat sich sogar JMS persönlich angeschaut; darin spricht Katie, die die Serie zum ersten Mal anschaut, nach dem Anschauen jeder Episode ihre Eindrücke in die Kamera. Hier gibt es das Video, in dem sie über die ersten fünf Folgen spricht. Auch Ivanova-Darstellerin Claudia Christian hat sich 2009 vorgenommen, die Serie, in der sie eine Hauptrolle gespielt hat, endlich auch mal selbst Folge für Folge anzuschauen. Ihren ersten Blogpost dazu findet Ihr hier. Weil sie zwischenzeitlich eine Pause eingelegt hat, ist sie inzwischen erst bei der dritten Staffel angelangt, aber sie guckt und bloggt jedenfalls fleißig weiter – so wie ich das hoffentlich auch tun werde. Deshalb geht es jetzt auch zügig weiter mit der ersten „Babylon 5“-Folge…

Episode 1.01 „Midnight On The Firing Line“ („Ragesh 3“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 26.01.1994 (USA), 06.08.1995 (Deutschland)

Größere Spoiler will ich im Verlauf des Rewatches vermeiden, damit sich das hier auch all diejenigen durchlesen können, die die Serie zum ersten Mal sehen.

Die erste Staffel trägt den Titel „Signs and Portents“ – hier werfen also noch kommende Ereignisse ihre Schatten voraus, ohne dass man dies unbedingt beim ersten Anschauen erkennen muss. Diese allererste Folge hat die Aufgabe, fast alle wichtigen Charaktere der Serie noch einmal im Schnelldurchlauf einzuführen, da sie ja bei ihrer Erstausstrahlung fast ein Jahr nach dem Pilotfilm gesendet worden ist. Das gelingt überraschend gut, allerdings muss man gut aufpassen und darf keine Dialogzeile verpassen, wenn man auch wirklich all wichtigen Informationen über die verschiedenen Figuren, Völker und ihre Beziehungen zueinander mitkriegen möchte. JMS ist es gelungen, all diese Informationen in einer spannenden Geschichte unterzubringen. Die Dialoge tranportieren eine große Menge an neuen und wichtigen Informationen, wirken aber fast nie wie bloße Exposition.

Die Haupthandlung der Episode dreht sich um den Narn-Angriff auf eine zivile Forschungseinrichtung der Centauri auf dem Planeten Ragesh 3. Für den Centauri-Botschafter Londo Mollari (großartig: Peter Jurasik) handelt es sich dabei um eine sehr persönliche Angelenheit, da sein Neffe Carn auf Ragesh 3 arbeitet. Neuigkeiten über mögliche Opfer des Angriffs erreichen Babylon 5 zunächst nicht, doch für Londo steht fest, dass er Vergeltung an den Narn üben will, falls Carn umgekommen sein sollte. „Only one thing matters, Commander, blood.“, erklärt er Sinclair. Commander Sinclair (Michael O’Hare) will zunächst um jeden Preis den Frieden bewahren und zwischen den Narn und den Centauri vermitteln, genau darin besteht ja seine Aufgabe und die Funktion von Babylon 5 überhaupt.
Als Londo erfährt, dass der Angriff für seine eigene Regierung so unwichtig ist, dass diese nichts dagegen unternehmen will, ist er maßlos enttäuscht und seine Wut wird noch größer. Die Szene, in der er in seinem Quartier seinem armen Assistenten Vir (Stephen Furst) seine ganze Wut entgegen schreit, ist großartig und ein erstes Beispiel für Peter Jurasiks brillantes Schauspiel. Nachdem der Beweis erbracht worden ist, dass die Narn für den Angriff verantwortlich sind, befürwortet Sinclair eine militärische Intervention, um die überlebenden Zivilisten auf Ragesh 3 zu retten. Doch auch die Erdregierung möchte sich aufgrund der stattfindenden Wahlen lieber aus der Sache heraus halten. Mit einem Trick setzt sich Sinclair aber darüber hinweg und lässt Ivanova bei der Ratsversammlung für eine Intervention stimmen.
Auch Londo plant, sich über die Entscheidung seiner eigenen Regierung hinweg zu setzen, und zwar einzig aufgrund seiner persönlichen Rachsucht. Als sein Plan nicht aufgeht, versucht er stattdessen, den Narn-Botschafter G’Kar (Andreas Katsulas) umzubringen, auf den sich sein ganzer Hass konzentriert. Zum Glück kann Sicherheitschef Michael Garibaldi (Jerry Doyle) dies verhindern.
Die B-Story dreht sich um die Angriffe der Raiders (so eine Art Weltraumpiraten) auf Transportschiffe. Als Garibaldi herausfindet, dass der nächste Angriff auch hier einem mit Zivilisten besetzten Raumschiff droht, versucht er dies zu verhindern, was ihm mit Sinclairs Hilfe gelingt. Zum ersten von vielen Malen begibt sich Sinclair hier persönlich ins Gefecht, obwohl er auch seine Untergebenen schicken könnte.
Sogar eine C-Story gibt es noch: Die neue Telepathin Talia Winters (Andrea Thompson) versucht sich den Richtlinien entsprechend bei Lt. Commander Ivanova (Claudia Christian) zu melden, doch Ivanova geht ihr immer wieder aus dem Weg oder weist sie unhöflich ab. In einer emotionalen Szene am Schluss der Episode erfahren wir den Grund für Susan Ivanovas Abneigung gegen Telepathen und deren Organisation, das Psi Corps.

„Midnight On The Firing Line“ ist eine spannende Auftaktepisode, die voll gepackt ist mit wichtigen Informationen und welche die (zum Teil neuen) Figuren noch einmal im Schnelldurchlauf vorstellt. Vor allem die Hintergrundgeschichten und Persönlichkeiten von Londo, G’Kar, Ivanova und Sinclair werden hier beleuchtet, doch in den folgenden Episoden kommen auch die übrigen Hauptcharaktere zum Zug (und einige neue werden noch vorgestellt). Auch die Funktion der Raumstation Babylon 5 an sich wird hier etabliert. Wie sagt es Sinclair es in der Titelsequenz der ersten Staffel so schön: „The Babylon Project was a dream given form. Its goal: to prevent another war by creating a place where humans and aliens could work out their differences peacefully. It’s a port of call – home away from home – for diplomats, hustlers, entrepreneurs, and wanderers. Humans and aliens wrapped in two million five hundred thousand tons of spinning metal… all alone in the night. It can be a dangerous place, but it’s our last best hope for peace.“
Dass Babylon 5 seine Aufgabe, den Frieden zu bewahren nicht immer wird erfüllen können, dürfte kein größerer Spoiler sein. Vor allem die hier etablierte Feindschaft zwischen Londo und G’Kar, die stellvertretend für die Feindschaft zwischen ihren beiden Völkern steht, legt in dieser Hinsicht den Grundstein für weitere Entwicklungen…

Highlight der Episode: Die Szene im Quartier des Vorlonen-Botschafters Kosh! Bereits im Pilotfilm ist Kosh als äußerst mysteriöse Figure eingeführt worden; niemand weiß genau wie ein Vorlone aussieht und was für ein Wesen sich unter diesem Schutzanzug versteckt. Als Sinclair Koshs Quartier im Alien-Sektor betritt, befindet sich Kosh gerade nicht in seinem Anzug, sondern hinter einer Art Raumteiler. Er ist nur als ein grelles Leuchten erkennbar – was ist er also? Ein körperloses Energiewesen?

Londo/G’Kar-Moment (Da die „Babylon 5“-Saga zu einem erheblichen Teil die Geschichte von Londo und G’Kar ist und beide zu meinen Lieblingsfiguren gehören, habe ich beschlossen, diese Kategorie einzuführen.): In dieser ersten Episode ist der Londo/G’Kar-Moment ganz klar die Konfrontation der beiden im Zocalo – voller Hass und Wut giften sich die beiden an und müssen schließlich von Sicherheitskräften zurück gehalten werden. Es wird nicht die letzte Konfrontation zwischen ihnen bleiben…

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie – den großen „story arc“ – wichtig sind, erhalten wir in dieser ersten Episode (da dies die erste Episode ist, ist diese Liste ziemlich lang):

  • Der Krieg zwischen den Menschen und den Minbari und liegt zehn Jahre zurück. Sinclair hat im Krieg als Kampfpilot gekämpft und immer noch großen Respekt vor den Minbari.
  • Auf der Erde finden während dieser Episode Präsidentschaftswahlen statt; am Ende der Folge steht fest, dass Luis Santiago zum neuen Präsidenten der Erdallianz gewählt worden ist.
  • Zwischen den Narn und den Centauri herrscht eine Jahrhunderte alte Feindschaft, die sich darauf gründet, dass die Centauri den Heimatplaneten der Narn lange Zeit besetzt, die Narn versklavt und die ganze Welt verwüstet haben.
  • Als Repräsentanten dieser beiden Völker auf Babylon 5 dienen die Botschafter G’Kar und Londo Mollari, die sich hassen wie die Pest. Londo erzählt Commander Sinclair davon, dass er einen wiederkehrenden Traum hat, in dem er und G’Kar sich als alte Männer gegenseitig umbringen.
  • Menschliche Telepathen müssen entweder dem Psi Corps beitreten, wo sie unter anderem lernen, ihre Fähigkeiten unter Kontrolle zu halten, um nicht die Privatsphäre anderer Personen zu verletzen oder für den Rest ihres Lebens Medikamente einnehmen, die ihre Fähigkeiten unterdrücken. Wer sich für keine dieser Möglichkeiten entscheiden will, kommt ins Gefängnis.
  • Susan Ivanova ist neu auf der Station. Sie ist als Stellvertreterin Sinclairs die Nachfolgerin von Laurel Takashima, die wir im Pilotfilm gesehen haben. Susans Mutter war eine Telepathin, die sich weigerte, dem Psi Corps beizutreten. Die Medikamente, die sie deswegen zu nehmen gezwungen war, hatten starke Nebenwirkungen. Susans Mutter verfiel in Depressionen und brachte sich im Alter von 45 Jahren um.
  • Neben Ivanova werden in dieser Folge weitere neue Figuren des Stamm-Casts eingeführt: Vir Cotto ist der Assistent von Londo Mollari; Talia Winters tritt als auf der Station stationierte Telepathin die Nachfolge von Lyta Alexander an, die nach den Ereignissen im Pilotfilm zurück auf die Erde versetzt wurde (was allerdings in dieser Folge nicht erwähnt wird). Talia wird von Susan Ivanova anfangs schroff zurückgewiesen, doch ihre Beziehung wird sich im Lauf der Zeit wandeln…

Sonstige Fragen: Warum sitzt eigentlich Londos Assistent Vir in der Ratsszene zwischen den anderen Mitgliedern der der Liga blockfreien Welten? Die Centauri sind doch nicht Mitglied der Liga und haben ihren eigenen Sitz im Rat, vertreten durch Londo Mollari. Auch ein Narn ist auf den Liga-Plätzen zu sehen, für ihn gilt dasselbe.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten: Zwar handelt es sich hier um die erste Episode in der Handlung von „Babylon 5“, „Midnight On The Firing Line“ ist aber die vierte Episode, die gedreht wurde. Das Aussehen einiger Aliens wurde für die Serie überarbeitet. Die Masken von G’Kar und ganz besonders Delenn sahen im Pilotfilm noch anders aus. Delenns Gesicht wirkt nun viel weicher und femininer (auf den Grund für diese Umgestaltung kann ich noch nicht eingehen, ohne massiv zu spoilern).
Außerdem noch ein Fakt, der nichts mit dieser Folge an sich zu tun hat, den ich aber sehr interessant finde: Jane Killick schreibt in ihrem Episodenführer zur ersten Staffel („Babylon 5 – Signs and Portents“), dass „Babylon 5“ um ein Haar eine deutsche Koproduktion geworden wäre! Der NDR habe angeblich ernsthaftes Interesse am Konzept der Serie bekundet und einen Teil der Finanzierung übernehmen wollen. Letztendlich kam das aber doch nicht zustande und außer in dem erwähnten Buch habe ich davon auch noch nie gelesen, ich weiß also nicht ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht.

Zitate:
Ivanova über den Präsidentschaftskandidaten Luis Santiago: „I do not like Santiago. I’ve always thought that a leader should have a strong chin. He has no chin, and his vice president has several. This, to me, is not a good combination.“

Kosh: „They are alone. They are a dying people. We should let them pass.“
Sinclair: „Who? The Narn or the Centauri?“
Kosh: „Yes.“

Kommentare sind sehr willkommen!!

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.02 „Soul Hunter“