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Buffy the Vampire Slayer – Season 6

Meine Beziehung zu „Buffy“ hatte so schön angefangen: Während der ersten Staffeln war ich von der Serie restlos begeistert (und habe das auch in Blogposts hier, hier und hier zum Ausdruck gebracht). Aber die vierte Staffel zeigte dann einige merkliche Schwächen und die fünfte war für mich die eindeutig schlechteste der Serie. Schon damals hatte ich keine Lust mehr, einen so ausführlichen Blogpost zu verfassen wie noch zu den ersten Staffeln.
Auch mit dem Bloggen über Staffel sechs habe ich mir lange Zeit gelassen. Ich habe die Staffel bereits vor mehreren Monaten angeschaut; nun liegen vor mir einige Zettel mit Notizen, die meine Erinnerung anregen sollen…

Beginnen wir mal mit der Feststellung, dass ich das sechste Jahr von „Buffy“ wieder besser fand als das fünfte. Doch von den starken ersten drei Staffeln ist die Serie leider immer noch weit entfernt (und ich fürchte sie wird es auch in der siebten und letzten Staffel bleiben, die ich noch vor mir habe). Zwar gab es auch dieses Mal einige wirklich starke Episoden, doch die sich durch die Staffel ziehende Handlung um Jonathan und seine beiden Freunde, die sich zu kriminellen Herrschern über Sunnydale aufschwingen wollen (oder so etwas in der Art), wirkte einfach nur lächerlich und verzweifelt.
Was aber rückblickend in diesen 22 Episoden am meisten überzeugen konnte, waren die Charaktere und ihre Beziehungen. Und das war ja immer schon eine der größten Stärken von „Buffy“. Nach Buffys Tod am Ende der fünften Staffel sind ihre Freunde am Boden zerstört, desorientiert und hoffnungslos. Verzweifelt versuchen sie mithilfe eines „Buffybots“ und etwas Magie von Willow (Alyson Hannigan) das Böse im Zaum und Buffys Ableben geheim zu halten (und stellen seltsamerweise trotzdem einen Grabstein mit Buffys Namen auf ihr Grab), doch ihre Aussichten dabei sind alles andere als rosig. Da fasst Willow einen aberwitzig erscheinenden Plan: sie will einen Zauber durchführen, der Buffy zurück ins Leben holen soll.

Die Doppelfolge „Bargaining“ zum Staffelauftakt hat alles, was man sich von einer guten „Buffy“-Episode wünscht: witzige Dialoge, Action und eine konsequente Weiterentwicklung der Figuren. Auch die daran anschließende Episode „After Life“ weiß zu begeistern, u.a. mit wirklich beeindruckendem Schauspiel von Sarah Michelle Gellar, James Marsters und Michelle Trachtenberg. Nachdem Buffy erfolgreich wieder zum Leben erweckt wurde, stellt die Serie die Frage, ob Buffy denn immer noch dieselbe Person ist wie früher. Diese Frage wird Buffy und ihre Freunde die ganze Staffel über beschäftigen – ein Beispiel dafür, dass die Figuren dieses Mal vor allem mit inneren Dämonen zu kämpfen haben. Denn Buffy ist eindeutig nicht mehr dieselbe wie früher, ihre Todeserfahrung hat sie verändert. Dies kann freilich niemand so richtig nachfühlen und so steht sie mit ihren Gefühlen ziemlich alleine da.

Aber ganz alleine ist sie dann doch nicht, denn sie hat ja Spike. Der hatte im Verlauf der fünften Staffel eine ungesunde Obsession für Buffy enwickelt. Diese erwidert seine Liebe nun zwar (vorerst?) nicht, vertraut Spike aber als einzigem einige ihrer intimsten Gedanken an und, nun ja, wird auch sonst recht intim mit ihm. Die Beziehung zwischen Buffy und Spike nimmt einen Großteil der Staffel ein. Man kann sich darüber lustig machen, dass die beiden hier gefühlt in jeder Episode wilden Sex haben und dabei schon mal ein ganzes Gebäude zu Bruch gehen lassen. Aber nichts zeigt Buffys Verwirrung über sich selbst und ihre Rolle im Freundeskreis und in der Welt so eindrucksvoll, wie die (meist äußerst miese) Art, in der sie Spike hier behandelt. Wieder und wieder schläft sie mit ihm, nur um ihm jedes Mal danach ins Gesicht zu sagen, wie sehr sie ihn doch verabscheut. Irgendwann muss einem der Arme einfach leid tun. Am Ende jedoch, in Folge 19 („Seeing Red“), gesteht Buffy, dass sie doch Gefühle für Spike hat. Aber Liebe ist es nicht:

Buffy: „I have feelings for you. I do. But it’s not love. I could never trust you enough for it to be love.“
Spike: „Trust is for old marrieds, Buffy. Great love is wild, and passionate and dangerous. It burns and consumes.“
Buffy: „Until there’s nothing left. Love like that doesn’t last“

Spike kann und will mit Buffys Worten nicht umgehen, ihre Zurückweisung nicht akzeptieren. In einer schockierenden Szene versucht er, sie zu vergewaltigen. Zusammen mit einem weiteren Schock am Ende der Episode macht diese Szene „Seeing Red“ zu einer der besten Folgen der Staffel.

Dass Buffy sich in dieser Staffel mit allerlei anderen Problemen herumschlagen muss (und nicht nur mit Dämonen), zeigen beispielhaft auch ihre Geldsorgen („Out of My Mind“). „It’s not like it’s the end of the world. Which is too bad, you know, cause that I’m really good at.“, stellt Buffy fest. Es folgt eine Szene auf der Bank, in der Sarah Michelle Gellar einmal das dumme Blondchen geben darf, das der Name Buffy nahelegt (ein Bild, das die Serie sonst immer so gekonnt unterläuft). Vampire pfählen fällt Buffy nicht schwer, aber was ganz alltägliche Probleme betrifft fühlt sie sich oft genauso hilflos wie alle anderen.

Natürlich kann man nicht über die sechste Staffel schreiben, ohne auch ein paar Worte über die Musicalepisode zu verlieren. Was soll ich sagen? „Once More With Feeling“ ist einfach großartig! Mit Musik kann man Emotionen vielleicht so direkt und unmittelbar zum Ausdruck bringen wie auf keine andere Weise und Joss Whedon nutzt dies gleich doppelt: zum einen, weil die Episode ihre Geschichte und damit das Innenleben der handelnden (und singenden und tanzenden) Figuren über Lieder ausdrückt. Und zum anderen (Whedon wäre nicht Whedeon, wenn nicht auch seine Musicalepisode etwas meta wäre), weil es eben auch in der Episode selbst genau darum geht – Buffy, Xander, Giles usw. können auf einmal gar nicht anders, als ihre innersten Gefühle über Gesang und Tanz nach außen zu posaunen, ob sie wollen oder nicht. Das führt zu einigen wirklich fantastischen Szenen und obendrein ist das Ganze nicht als Stand Alone-Folge konzipiert, sondern entwickelt auch noch die Handlung und Beziehungen weiter. Hut ab, Herr Whedon!

Auch die daran anschließende Folge „Tabula Rasa“ weiß noch zu begeistern. Darin versucht Willow, bestimmte unliebsame Erinnerungen aus Taras bzw. Buffys Gedächtnis zu löschen. Doch der Zauber geht schief und so leidet plötzlich die ganze Scooby Gang an  Gedächtnisverlust. Sie erinnern sich an nichts, nicht einmal an ihre Namen, und versuchen in einer herrlich komischen Szene zu rekonstruieren, in welchen Beziehungen sie wohl zueinander stehen. Ob man Buffy-Neulinge wohl mit dieser Folge an die Serie heranfüheren könnte? Am Ende ist die Gang jedenfalls gespaltener denn je und Tara (Amber Benson) verlässt Willow.

Eine weitere gute Folge war „Wrecked“ (6.10), in der Willow erstmals eingesteht, dass sie ein ernstes Problem hat. Sie ist quasi süchtig nach Magie und Hexerei, welche man hier als Metapher für reale Drogen sehen kann. Fortan geht Willow auf kalten Entzug und verspricht, sich von der Hexerei fern zu halten. Alles in allem war die erste Hälfte der Staffel also gar nicht so schlecht, jedenfalls wenn man davon absieht, dass weit und breit kein ernst zu nehmender großer Bösewicht in Aussicht war und Jonathon & Co. einfach nur nervten. Die zweite Staffelhälfte legt mit „Doublemeat Palace“ leider einen grauenhaften Start hin. Die Folge spielt fast ausschließlich in einem Fastfoodrestaurant, in dem Buffy nun arbeitet und wo natürlich Dämonen am Werk sind. Das Ganze ist aber so langweilig und peinlich geraten, dass die Folge sicher in vielen Listen der schlechtesten „Buffy“-Episoden ihren Platz finden dürfte.

Für den Rest der Staffel tritt die Serie ein wenig auf der Stelle. Buffy erniedrigt Spike regelmäßig, Xander trauert Anya hinterher, die er kurz vor der Trauung hat sitzen lassen. Und Willow kann die Finger natürlich doch nicht ganz von der Magie lassen, was dazu führt, dass wir wenigstens für die letzten drei Episoden eine richtig spannende Handlung mit einem ernstzunehmendem Gegner für Buffy bekommen: Willow. Dazu gleich mehr, vorher aber noch ein paar Worte zu Episode 17 („Normal Again“), die zumindest bei mir gekonnt Verwirrung darüber gestiftet hat, was hier denn nun real ist und was nicht. Die Episode will uns – und Buffy – nämlich glauben machen, dass die letzten sechs Jahre, die wir gemeinsam mit Buffy in Sunnydale erlebt haben, gar nicht so stattgefunden haben. Stattdessen soll Buffy sich alles – inklusive ihrer Freunde wie Willow, Xander und Giles – nur eingebildet haben und seit sechs Jahren in einer psychiatrischen Klinik leben. Natürlich ist es am Ende die Klinik, die sich als Wahnvorstellung entpuppt, aber man merkt Buffy an, dass sie eigentlich gar nicht so viel dagegen hätte, wenn sie den Ereignissen und Problemen in Sunnydale entfliehen könnte. Wünschen wir uns das nicht alle manchmal? Dass unser ganzes Leben, all unsere Sorgen und Probleme nur eine Illusion, eine Wahnvorstellung sind? Je weiter man diese Gedanken treibt, um so mehr nähert man sich der Schwelle an, an der man vor der Frage steht, ob man nun endgültig verrückt werden werden oder aber sich der Realität stellen will. Und Buffy entscheidet sich für letzteres. Hervorragend – die Entscheidung ebenso wie die Episode.

Nun also zurück zu den letzten Folgen, in denen Alyson Hannigan als Willow mal so richtig schön böse sein darf. Nach einer Durststrecke mittelmäßiger Episoden (die nur durch „Normal Again“ unterbrochen wurde), nimmt die Staffel also erst am Ende von „Seeing Red“ so richtig Fahrt auf, um dann einen sich über drei Folgen hinziehenden Showdown zu bieten, der zwar nicht für alles Vorhergehende entschädigt, aber doch für so Manches. Ich habe mir zu diesen Folgen kaum Notizen gemacht, was aber nur für ihre Qualität spricht. Ich saß ganz einfach so gebannt vor dem Bildschirm, dass ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin! Giles (Anthony Stewart Head), der sich seiner Mentorenrolle entsprechend zu Beginn der Staffel nach England zurückgezogen hatte (gut, eigentlich hätte er nach den Regeln der klassischen Heldenreise ja sterben müssen), kehrt schließlich zurück, um Buffy im Kampf gegen Willow zu unterstützen. Am Ende ist es aber Xander (Nicholas Brendon), der Willow besiegt bzw. sie wieder zur Vernunft bringt. Action und große Kämpfe haben wir zu diesem Zeitpunkt schon so einige gesehen und so ist es umso angenehmer, dass der entscheidende Sieg dann nicht mit Gewalt errungen wird, sondern mit der Kraft von Liebe und Freundschaft. Mit ehrlichen, einfühlsamen Worten schafft es Xander, Willow von ihrem Irrweg abzubringen und zurück auf die Seite des Guten zu holen.

Insgesamt war diese Staffel also vielleicht doch nicht so schlecht, wie ich noch zu Beginn dieses Textes gedacht hatte. Sie hatte durchaus großartige Momente, einige herausragende Episoden und ein furioses Finale (inklusive eines Cliffhangers: Spike hat seine Seele zurück bekommen!). Die Figuren sind alle nicht mehr dieselben wie noch zu Beginn der Staffel (und ganz bestimmt nicht mehr wie zu Beginn der Serie). Die Entwicklungen, die sie durchgemacht haben, kann man vielleicht erst im Rückblick erkennen und zu schätzen wissen. Dennoch hätte ich mir eine interessantere Handlung und einen richtig guten, charismatischen Bösewicht für die Staffel gewünscht, nachdem wir beides auch schon in der fünften Staffel nicht bekommen haben. Ich bin schon sehr gespannt, ob die siebte  Staffel der Geschichte und den Charakteren noch auf sinnvolle Weise etwas hinzufügen wird. Dass ich mit dem Anschauen der letzten Staffel immer noch nicht angefangen habe, liegt auch daran, dass ich nicht will, dass die Serie ein Ende findet…

Eine Anmerkung noch: Natürlich habe ich parallel zur vierten Staffel von „Buffy“ auch „Angel“ weiter angeschaut (in diesem Fall die dritte Staffel). Das war zumeist aber mehr die Pflichtübung eines Komplettheitsfanatikers. Einige der Figuren mag ich inzwischen zwar recht gerne, aber insgesamt kann ich der Serie längst nicht so viel abgewinnen wie „Buffy“ und gucke sie halt nur, weil sie auch ins Buffyverse gehört.

Geschützt: Mein Lieblingsselbsthilfebuch

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Das war 2016 – Mein persönlicher Film- und Serien-Jahresrückblick

Zum letzten (und bisher einzigen) Mal habe ich hier im Blog 2013 einen Jahresrückblick geschrieben. 2016 habe ich es endlich mal wieder (auf den letzten Drücker) geschafft!
Wie auch schon 2013 werde ich hier zusammenfassen, welche besonders guten und schlechten Filme und TV-Serien ich dieses Jahr gesehen habe – ganz egal, ob es sich dabei um neue oder schon ältere Veröffentlichungen handelt.

Die besten neuen Filme

Beginnen wir mal mit den neuen, also in diesem Jahr veröffentlichten Filmen. Da fällt es mir leicht, meine „Top 3“ zusammen zu stellen (aber nicht leicht, sie in eine Reihenfolge zu bringen). „Room“ („Raum“) kam bereits im Frühjahr ins Kino und ich habe den Film seitdem nicht noch einmal gesehen, aber weil ich zwischenzeitlich das Hörbuch zu Emma Donoghues Romanvorlage gehört habe, sind mir die Geschichte und die Figuren immer noch sehr präsent. Lenny Abrahamsons Film um einen Jungen, der gemeinsam mit seiner Mutter jahrelang von einem Entführer gefangen gehalten wird und vollkommen von der Außenwelt abgeschottet aufwächst, ist ein kleines Wunderwerk. Denn trotz dieser düster und depressiv klingenden Ausgangssituation ist der Film das genaue Gegenteil von düster: „Room“ ist ein hoffnungsvoller Film, was nicht zuletzt an den hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller Brie Larson (die dafür einen Oscar gewann) und des siebenjährigen Jacob Tremblay liegt. Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch einmal anschauen. Aufgrund einer sehr persönlichen Beziehung, die ich zu der Geschichte habe, könnte er sogar zu einem meiner Lieblingsfilme werden!

Ein weiterer äußerst emotionaler Filmhöhepunkt war dieses Jahr ganz klar „Closet Monster“ von Stephen Dunn. Das Spielfilmdebüt des jungen kanadischen jungen kanadischen Regisseurs strotzt nur so vor kreativen Einfällen und ist in seiner Ausführung so gelungen, dass man gar nicht glauben mag, dass da jemand seinen ersten Kinofilm inszeniert hat! Und natürlich gibt es in keinem anderen Film einen Hamster, der von Isabella Rossellini gesprochen wird! 😉 (Hier könnt ihr meine Filmkritik auf filmszene.de lesen.)

Dass es wie bereits 2015 ein deutscher Film ganz weit nach oben in meiner Top-Ten-Liste schaffen würde, hätte ich nicht erwartet (schon allein, weil ich nicht besonders viele deutsche Filme anschaue). An „Toni Erdmann“ führte in diesem Jahr aber nicht nur kein Weg vorbei, sondern der Film wird seinem Ruf auch wirklich gerecht! Auf so eine Geschichte, in der ein von seiner Tochter entfremdeter Vater dieser über den Umweg einer erfundenen Persönlichkeit wieder näher zu kommen versucht, muss man erst einmal kommen. Aber selbst dann hätte noch eine Menge schiefgehen können, zum Beispiel wenn Regisseurin Maren Ade den Stoff als platte Komödie inszeniert und zur Vorlage für lauter dämliche Witze genommen hätte. Hat sie aber natürlich nicht. Das Endergebnis ist einfach nur großartig – ein Film wie kein anderer. Ein Bekannter von mir hat „Toni Erdmann“ allerdings mit „Borat“ verglichen und ich muss zugeben, dass er damit nicht ganz unrecht hat. Trotzdem handelt es sich um zwei sehr verschiedene Filme, vor allem wohl deshalb, weil Ade die Figuren und Situationen in ihrem Film nie um der bloßen Provokation willen oder für einen billigen Lacher eskalieren lässt. (Meine ausführliche Filmkritik könnt ihr hier lesen.)

Weitere Filmhighlights waren dieses Jahr für micht „Everybody Wants Some!!“ von Richard Linklater (nach dem Kinobesuch bin ich singend und tanzend durch die Straßen gelaufen) und „The Girl With All The Gifts“, ein schauspielerisch wie atmosphärisch extrem gut gemachter Zombiefilm, den ich auf dem Fantasy Filmfest gesehen habe (regulärer Kinostart wird im Februar sein). Auch „Arrival“ von Denis Villeneuve gehört ganz klar zu den besten neuen Filmen von 2016. Nicht nur Science-Fiction-Fans sollten hier definitv einen Blick riskieren.

Das waren die sechs besten, neuen Filme, die ich 2016 gesehen habe. Es gab aber natürlich noch eine Reihe weiterer guter bis sehr guter, die erwähnenswert sind. Da wäre zum Beispiel die Dokumentation „The Hunting Ground“ über sexuellen Missbrauch an US-Universitäten (verfügbar auf Netflix). Auch Jeff Nichols‘ Mystery-Drama „Midnight Special“ hat mir gut gefallen und ich muss ihn definitiv noch einmal anschauen.
Marvel hat dieses Jahr mit dem dritten „Captain America“-Film „Civil War“ einen Volltreffer hingelegt – ich habe mich blendend unterhalten gefühlt, aber einen Großteil des Films schon lange wieder vergessen.

Der neue Tim Burton-Film „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ („Die Insel der besonderen Kinder“) hat mir gut gefallen, auch wenn er wohl nicht zu den großen Meisterwerken des Regisseurs zählt. Als Beatles-Fan fand ich auch Ron Howard’s Dokumentation „Eight Days A Week“ sehr schön, aber man muss den Beatles natürlich schon grundsätzlich etwas abgewinnen können, um hier auf seine Kosten zu kommen (aber wer kann das bitteschön nicht?).

Zumindest von der Form her interessant fand ich „Der Nachtmahr“, allerdings liefen all die inszenierungstechnischen Tricksereien dabei irgendwie ins Leere, sodass der Film mehr versprach als er letztendlich einlösen konnte. Gegen Jahresende schließlich hat mich der neue Disney-Animationsfilm „Moana“ (in Deutschland „Vaiana“) gut amüsiert. Und auch das diesjähriger „Star Wars“-Abenteuer „Rogue One“ fand ich als großer Fan der Sternensaga trotz einiger Schwachstellen doch ziemlich gelungen.

Auch auf dem Filmfest München habe ich dieses Jahr wieder viele tolle (und auch ein paar nicht so tolle) Filme gesehen, über die ich größtenteils gebloggt habe. Ein paar davon habe ich hier schon genannt, hinzuzufügen wären aber zum Beispiel noch „Ein deutsches Leben“, „Oleg Y Las Raras Artes“ und „Die letzte Sau“.

Was ich sonst noch für tolle Filme angeschaut habe

Neben diesen Neustarts gab es jedoch auch ziemlich viele ältere Filme, die ich 2016 nachgeholt habe. M. Night Shyamalan hat 2015 mit „The Visit“ endlich mal wieder einen spannenden und gelungenen Film abgeliefert. Aber auch die Österreicher können Horror! Das haben vor zwei Jahren Severin Fiala und Veronika Franz mit der Genre-Perle „Ich seh ich seh“ bewiesen, die ich ebenfalls dieses Jahr gesehen habe und wirklich sehr empfehlen kann!

Noch besser fand ich „Nightcrawler“, in dem Jake Gyllenhaal vor zwei Jahren als ehrgeiziger TV-Journalist zu sehen war. Ein fantastisches Stück Kino, ein bitterböser Blick auf die harte Medien- und Journalismusbranche und ein grandioser Soundtrack! Auch „Love Steaks“ hat mich begeistert. Die deutsche Low Budget-Produktion hat vor einigen Jahren auf mehreren Festivals für Aufsehen gesorgt; nun habe ich sie auch endlich gesehen und war begeistert von der Unmittelbarkeit und Natürlichkeit dieser etwas anderen (oder vielleicht einfach nur kino-untypischen und realistischen?) Liebesgeschichte. Auch Wim Wenders Dokumentation „The Salt of the Earth“ über den Fotografen Sebastião Salgado fand ich sehr beeindruckend. Und wenn ich schon bei deutschen Filmen bin: Auch die Komödie „Wir sind die Neuen“ hat mich positiv überrascht, weil hier das Aufeinandertreffen der Generationen wirklich mit Witz behandelt wird und die Schauspieler sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

Als großer David Bowie-Fan war 2016 natürlich kein gutes Jahr für mich; „The Man Who Fell to Earth“ („Der Mann, der vom Himmel fiel“) habe ich erst nach Bowies Tod zum ersten Mal gesehen – und muss den Film auf jeden Fall irgendwann noch einmal anschauen. Weitere Kultfilme, die ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, waren „The Exorcist“ („Der Exorzist“), „Thelma & Louise“, „Interview with the Vampire“ („Interview mit einem Vampir“) und „Zoolander“ (Teil zwei habe ich einige Tage später angeschaut). Nachdem ich die „Godfather“-Trilogie zum Geburtstag bekommen hatte, habe ich außerdem mehrere Abende damit verbracht, mir mal wieder Francis Ford Coppolas Saga einer italo-amerikanischen Familie zu Gemüte zu führen. Würden Mario Puzos Romane heute verfilmt werden, dann würde man daraus wahrscheinlich eine TV-Serie machen, also habe ich mir die Filme häppchenweise in feierabendfreundlichen Blöcken von 60 bis 90 Minuten über mehrere Abende verteilt angeschaut. Auch die „Alien“-Filme habe ich mir dieses Jahr mal wieder alle angeschaut, und zwar gleich mehrfach: Teil 1 bis 3 habe ich sowohl in der Kinofassung als auch in den auf den Blu-rays enthaltenen längeren Schnittfassungen angeschaut. Bei „Alien: Resurrection“ habe ich es allerdings bei der Kinofassung belassen, da ich mir diesen Murks nicht noch einmal antun wollte.

Die schlechtesten Filme des Jahres

Wie jedes Jahr gab es auch 2016 ein paar Filme, über die ich mich richtig geärgert habe. Ganz oben auf der Liste steht „Independence Day: Resurgence“. Ganz ehrlich, ich hätte die zehn Euro, die ich hier für den Kinobesuch ausgegeben habe, lieber verbrennen und dann dabei zuschauen sollen. Das wäre unterhaltsamer gewesen als diese völlig uninspirierte, vor Klischees nur so strotzende Fortsetzung von Roland Emmerichs Science Fiction-Klassiker. Dicht dahinter folgt „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Es ist mir unbegreiflich, warum Zack Snyder immer noch riesige Budgets anvertraut werden, wo doch jedes Mal so ein Murks dabei herauskommt. (Halt, ich verstehe es doch: seine Filme spielen das Geld – und sogar noch mehr! – nämlich tatsächlich wieder ein. Unbegreiflich!) Auch die zweite Comicverfilmung aus dem DC-Universum, „Suicide Squad“, fand ich grottenschlecht. Ich kenne mich mit Comics zwar kaum aus, aber bei Marvel schaffen sie es immerhin, unterhaltsame Filme rauszuhauen!

Wobei es zumindest einen Marvel-Film gab, den ich dieses Jahr auch ziemlich schlecht fand: „X-Men: Apocalpyse“. Der gehört zwar nicht zum „Marvel Cinematic Universe“ von Disney, aber gerade weil die beiden vorherigen „X-Men“-Filme so großartig waren, hatte ich mir einen würdigen Abschluss dieser Trilogie gewünscht. Weitere Filmgurken aus 2016 waren „Die 5. Welle“ und „London Has Fallen“. Bei letzterem war mir das eigentlich schon vorher klar, schließlich war auch schon Teil 1 nur leidlich unterhaltsam. Ich schaue mir solche Filme wohl nur an, um sie dann am Jahresende auf meine Flop-Liste setzen zu können… 😉 Auch bei Duncan Jones Videospielverfilming „Warcraft: The Beginning“ habe ich nach etwa einer Viertelstunde geistig abgeschaltet und darauf gehofft, dass es bald vorbei ist. Schade, denn ich bin ein großer Fan seiner ersten beiden Filme „Moon“ und „Source Code“. Dass die neue „Ben Hur“-Verfilmung einfach nur überflüssig sein würde, war mir natürlich auch schon vorher klar. Angeschaut (und darüber geschrieben) habe ich den Film trotzdem.

…und noch mehr schlechte Filme

Als hätte 2016 nicht schon genug schlechte Filme hervorgebracht, habe ich mir zusätzlich auch noch einige ältere Filmgurken reingezogen. Das ging Anfang des Jahres los mit Cameron Crowes „Aloha“. Ich bin ja wirklich ein großer Fan von Crowe und zähle mit „Almost Famous“ und „Vanilla Sky“ zwei seiner Werke zu meinen Lieblingsfilmen, aber was er mit „Aloha“ abgeliefert hat, ist einfach so was von langweilig, uninspiriert und voller Klischees, dass man sich fragt, ob da wirklich noch derselbe Autor und Regisseur am Werk war. Schade! Josh Tranks „Fantastic Four“-Verfilmung von 2015 war auch nicht besser, konnte mich aber immerhin mit unfreiwilliger Komik unterhalten. Auch in diesem Fall kann man aber nur sagen: schade, dass nichts Besseres dabei herausgekommen ist. „Chronicle“ wird wohl Tranks bester Superheldenfilm bleiben…

Auch richtig schlecht fand ich Disneys Realversion von bzw. Parallelgeschichte zu „Dornröschen“, „Maleficent“. Schrecklich gelangweilt habe ich mich bei Angelina Jolies „By the Sea“ und „Kingsman“ fand ich extrem dämlich. Dass mich auch die „Hunger Games“ mit „Mockingjay: Teil 2“ nicht mehr begeistern konnten, hat mich nach dem extrem handlungsarmen dritten Film nicht mehr überrascht. Der bei weitem schlechteste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe, war jedoch der Weinachts-Grusel „Krampus“. So etwas kommt also dabei heraus, wenn sich die Amerikaner an für sie wohl total exotisch anmutenden mitteleuropäischen Schreckgestalten abarbeiten! Cultural appropriation mal anders…

Mein Serienjahr

Ich habe 2016 zwar knapp 200 neue, alte und teils auch altbekannte Filme angeschaut, aber es hätten noch wesentlich mehr sein können, wenn es nicht so viele gute TV-Serien gäbe. Dass „Hannibal“ ein vorzeitiges Ende gefunden hat, ist für mich eine mittelschwere Katastrophe. Bryan Fullers Neuverfilmung der Romane von Thomas Harris gehört für mich zu den besten Fernsehserien überhaupt und ich hoffe sehr, dass er es doch noch irgendwie schaffen wird, eine Fortsetzung in Form einer Miniserie für irgendeine Streamingplattform zu produzieren.

Das beste Fernsehen scheint inzwischen ja sowieso auf Netflix & Co. stattzufinden. „Jessica Jones“ war für mich der bislang beste Beitrag zum filmischen Marveluniversum und auch die beiden „Daredevil“-Staffeln fand ich toll. Sehr gut unterhalten hat mich dieses Jahr auf Netflix auch die zweite Staffel von „Grace and Frankie“. Darin geht es zwar um Figuren, die mehr als doppelt so alt sind wie ich, aber wenn sie von so grandiosen Schauspielern wie Jane Fonda oder Martin Sheen gespielt werden, dann macht das auch dann riesigen Spaß, wenn man sich nicht mit allen Problemen der Figuren identifizieren kann.

Mit „Downton Abbey“ fand dieses Jahr eine meiner Lieblingsserien ihr Ende. Auch hier sind es vor allem die erstklassigen Darsteller, die das meist doch recht banale Soap-Geschehen sehenswert machen. Bei „Stranger Things“ wiederum stimmte das Gesamtpaket aus Schauspielern, Mystery-Handlung und gekonnt reproduzierter Achtziger-Jahre-Atmosphäre. Ich bin schon gespannt auf Staffel zwei! Eine weitere Staffel von „Heroes Reborn“ wird es dagegen nicht geben, was aber kein großer Verlust ist. Tim Krings Superhelden-Ensemblesoap „Heroes“ war in ihrer ersten Staffel 2006 noch revolutionär und verdammt gut, danach ging es aber leider immer weiter bergab. Der Neuaufguss „Heroes Reborn“ hätte toll werden können, aber leider hat man dabei die Schwächen der späteren „Heroes“-Staffeln nicht ausgemerzt, sondern sie nur noch verstärkt.

Richtig, richtig gut dagegen ist „Bates Motel“. Man hätte es von einem „Psycho“-Prequel nicht unbedingt erwartet, aber der auf fünf Staffeln angelegten Serie ist es tatsächlich gelungen, die Hintergründe von Norman Bates und seiner Mutter interessant und plausibel zu beleuchten. Die Staffeln drei und vier habe ich dieses Jahr hier im Blog besprochen. Weniger begeistert war ich von Woody Allens erster „Fernsehserie“ „Crisis in Six Scenes“. Ich habe „Fernsehserie“ hier bewusst in Anführungszeichen geschrieben, denn eigentlich handelt es sich dabei nur um einen in sechs Teile aufgespaltenen Film. Die jeweils 22 Minuten langen, auf Amazon Video verfügbaren Folgen bieten typischen, größtenteils recht altbackenen Woody Allen-Humor. Darunter sind zwar hin und wieder wirklich gelungene, lustige Momente, doch zu Allens besseren Werken gehört dieser „Serienfilm“ bestimmt nicht. (Außerdem verdient sich „Crisis in Six Scenes“ den Preis für den unkreativsten Titel des Jahres. Hat da jemand aus Versehen den Arbeitstitel der Serie stehen lassen!?)

Im Herbst habe ich mir die letzten Folgen von „Mad Men“ angeschaut und wurde nicht enttäuscht. Die Serie hat ihr durchgehend hohes Niveau halten können und ein nicht spektakuläres, aber angemessenes und passendes Ende gefunden. Neu angefangen habe ich dagegen mit „Scream“. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Slasherfilmreihe und es gelingt ihr recht erfolgreich, die aus den Filmen bekannte Metaeben (z.B. in Form von Diskussionen über die Regeln des Slasher-Genres) ins Fernsehen zu übertragen. Natürlich handelt es sich dabei um Unterhaltung mit nicht allzu viel Tiefgang, aber für zwischendurch eignet sich die Serie allemal. Staffel zwei habe ich auch schon angeschaut.

Eines meiner Serienlangzeitprojekte ist Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Vor ein paar Jahren habe ich mit der ersten Staffel angefangen und lasse mir zwischen den Staffeln immer ziemlich viel Zeit. Mittlerweile habe ich sechs Staffeln geschafft (und drei Staffeln von „Angel“, das ich parallel anschaue), aber erst bis zur fünften Staffel gebloggt. Ich werde demnächst mit dem Anschauen der letzten Staffel anfangen und hoffentlich auch noch einen Blogpost über Staffel sechs schreiben, aber so begeistert wie zu Beginn bin ich von der Serie nicht mehr.

Nach wie vor begeistert bin ich aber natürlich von meiner Lieblingsserie „Babylon 5“. Seit ich vor ein paar Jahren einen einführenden Überblick über J. Michael Straczynskis revolutionäre Science Fiction-Saga geschrieben habe, blogge ich in unregelmäßigen Abständen über jede einzelne Folge. Immerhin bis zur vorletzten Episode der ersten Staffel habe ich es 2016 geschafft; weitere Blogposts werden definitiv folgen, ich hatte nur in den letzten Monaten zu wenig Zeit dazu. Ebenfalls noch nicht gebloggt habe ich über Straczynskis neue Serie „Sense8“, die er zusammen mit den Wachowski-Schwestern realisiert hat. Die 2015 gestartete Netflix-Serie wurde vor einer Woche endlich mit einem Christmas Special fortgesetzt und soll im Mai eine zweite Staffel spendiert bekommen. Ich bin schon sehr gespannt, da ich „Sense8“ für eine der wichtigsten gegenwärtigen Serien halte!

Weiterhin habe ich dieses Jahr die zweite Staffel von „True Detective“ angeschaut (nicht so mein Fall) und mir endlich die Miniserie „Top of the Lake“ angesehen (schon viel eher mein Fall – und wenn mir jemand gesagt hätte, diese düstere und deprimierende Serie sei die dritte Staffel von „True Detective“, hätte ich das sofort geglaubt). Neben der zweiten Staffel von „The Newsroom“ (ich liebe Aaron Sorkins Dialoge!) habe ich mir auch die erste Staffel von „The Extant“ angeschaut (interessant, leider gibt es ja nur eine weitere Staffel).

Mit der Science Fiction-Anthologieserie „Black Mirror“ habe ich zumindest schon angefangen und bin davon sehr angetan. Auch „Devious Maids“ von „Desperate Housewives“-Schöpfer Marc Cherry habe ich begonnen zu gucken und war zumindest ein paar Tage lang süchtig danach, das hat sich also schnell wieder gelegt. Ich weiß also nicht, ob ich das weiter anschauen werde. Ach ja, bevor ich’s vergesse: ich habe dieses Jahr auch wieder ein bisschen „Star Trek“ geguckt, genauer gesagt die zweite Staffel von „Enterprise“. Ich freue mich schon auf die neue „Star Trek“-Serie, die im Mai starten wird!

Schließlich gab es dieses Jahr natürlich auch ein paar Serien, die ich anzuschauen begonnen habe, die aber nicht so ganz meinen Geschmack getroffen haben. Darunter waren „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“, „Penny Dreadful“ und „Ascension“. Auch von „The Expanse“ habe ich bislang nur zwei Folgen gesehen, die mich vor allem verwirrt haben. Bei „Luke Cage“ bin ich noch nicht über Episode 1 hinaus gekommen, die ich eigentlich nicht so toll fand. Da mir aber die anderen Marvel-Serien bei Netflix so gut gefallen haben, werde ich vielleicht doch irgendwann weitersehen. „Masters of Sex“ wollte ich schon lange sehen und habe 2016 endlich damit begonnen. Eigentlich ist die Serie ziemlich gut, aber der Funke wollte dann doch nicht überspringen. Manchmal wäre es vielleicht doch besser, nicht aus jedem Thema gleich eine Serie zu machen. Ein „Masters of Sex“-Film wäre jedenfalls sehr viel schneller zu konsumieren gewesen.

Was alle an „Mr. Robot“ so toll finden, habe ich noch nicht verstanden und hier auch nach drei oder vier Folgen erstmal Schluss gemacht. Die Serie ist zwar gut gemacht, bietet aber meiner Meinung nach nicht viel Neues. Es geht mal wieder um einen unsicheren männlichen Protagonisten, der seine Gefühle schlecht ausdrücken kann und sich im Umgang mit anderen Menschen schwertut. Das kennen wir inzwischen schon zu Genüge aus anderen Serien (Sherlock, „Dexter“).

Falls Ihr diesen Text tatsächlich bis hierhin gelesen haben solltet, wünsche ich euch an dieser Stelle ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2017! Möge es uns viele tolle neue Filme und Serien bringen. 🙂

Rogue One

Dieser Blogpost enthält Spoiler!


Ich war im Vorfeld gar nicht so sehr gespannt auf den neuen „Star Wars“-Film. Obwohl letztes Jahr mit „Das Erwachen der Macht“ erst der erste von vielen sich bei Disney und Lucasfilm in Planung befindenden neuen „Star Wars“-Filmen ins Kino gekommen war, war 2016 für mich schon von einem „Zuviel an Star Wars“ geprägt. Während man zu Zeiten der Prequel-Trilogie jeweils drei Jahre zwischen den Filmen Zeit hatte, um das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten, über den Fortgang der Geschichte zu spekulieren, sich mal zwischendurch auch kaum mit „Star Wars“ zu beschäftigen und dann allmählich wieder von der Vorfreude auf den nächsten Film gepackt zu werden, ist das nun nicht mehr möglich. Sofort nach der Heimkino-Veröffentlichung von Episode VII wurde die Marketingmaschine für „Rogue One“ angeschmissen; eine Pause gab es nicht. Noch dazu war hier in München „Star Wars“ über Monate hinweg im Stadtbild präsent – Plakate warben für die „Star Wars Identities“-Ausstellung und zwischenzeitlich auch für „Star Wars“-Parfum. Man kann also durchaus jetzt schon von einer leichten Übersättigung sprechen.
Jyn Erso (Felicity Jones)Aber ich will mich (noch) nicht beschweren. In den letzten zwei oder drei Wochen vor dem Kinostart von „Rogue One“ hat mich das „Star Wars“-Fieber dann doch wieder gepackt. Natürlich habe ich den Film bereits am Starttag wieder zweimal angeschaut, wie schon „Das Erwachen der Macht“ im letzten Jahr. Und ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.

Den Gerüchten um ausgiebige Nachdrehs und den zahlreichen Szenen aus den Trailern, die im fertigen Film vorkommen nach zu urteilen, waren die Handlung des Films sowie die Charakterisierung einiger Figuren noch relativ spät größeren Änderungen unterworfen (einige Spekulationen dazu finden sich hier). Angemerkt hat man das dem fertigen Film kaum. Dieser fühlt sich durch und durch nach „Star Wars“ an und ist zwar phasenweise etwas düsterer und gewalttätiger als die Episoden der Skywalker-Saga, aber grundsätzlich viel anders macht der Film nicht. Was ihn allerdings positiv von Episode VII abhebt, ist die Bereitschaft, neue Welten und Schauplätze vorzustellen. Denn während sich J.J. Abrams in „Das Erwachen der Macht“ fast schon ängstlich an aus früheren Filmen bekannte Bilder, Landschaften und Szenarien hielt, betritt Regisseur Gareth Edwards mit „Rogue One“ in dieser Hinsicht öfter Neuland. Besonders interessant fand ich den Planeten Jedha mit seiner heiligen Stadt, in der sich ein früherer Jedi-Tempel befindet. Obwohl – oder gerade weil – dies im Film nur kurz erwähnt wird, will ich unbedingt mehr darüber erfahren. Auch die vom Imperium besetzte Stadt an sich stellt einen interessanten neuen Schauplatz dar, ebenso wie der tropische Planet Scarif.

Die Schlacht um ScarifDie Handlung an sich war stellenweise etwas wirr, unlogisch und künstlich in die Länge gezogen. Auch erschienen mir nicht alle Szenen des Films wirklich etwas zur Geschichte beizutragen; den Prolog etwa hätte man gar nicht gebraucht, ebenso wie die Szenen auf Eadu. Ähnliches gilt für die Figuren, derer es zu viele im Film gibt. Nicht alle sind für die Geschichte wirklich notwendig und viele von ihnen erfahren kaum Charakterisierung oder Entwicklung. Den Auftritt von Jyns Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) hätte man eigentlich auf seine Hologramm-Botschaft beschränken können und ähnliches gilt für den desertierten imperialen Piloten Bodhi Rook (Riz Ahmed), der erst in der Schlacht am Ende aktiv für die Handlung relevant wird. Umgekehrt verhält es sich mit Saw Gerrera (Forest Whitaker; die Figur tauchte übrigens erstmals in der fünften Staffel von „The Clone Wars“ auf): er wird erst mysteriös und bedeutungsschwanger in die Handlung eingeführt, ohne dann aber viel zu tun zu haben. Streng genommen ist auch die erste der beiden Szenen mit Darth Vader reiner Fanservce, aber was habe ich mich gefreut, das alte Ralph McQuarrie-Konzept von Vaders Festung auf einem Lavaplaneten doch noch in einem „Star Wars“-Film zu sehen!

Director Krennic (Ben Mendelsohn)Überhaupt gab es natürlich eine Menge toller Anspielungen und Easter Eggs. Die Erwähnung von „General Syndulla“ (womit wohl Hera Syndulla aus „Rebels“ gemeint ist) in einer Durchsage in der Rebellenbasis, fand ich besonders toll. Auch dass einige der Piloten, die in Episode IV in der Schlacht um den Todesstern mitkämpfen, durch 1976 gedrehtes, aber damals nicht im Film verwendetes Material nun noch einmal auf der Leinwand auftauchen, ist großartig. Doch die beiden Figuren, über die natürlich am meisten geredet wird, sind Grand Moff Tarkin und Prinzessin Leia, die hier dank moderner CGI-Technik so auf der Leinwand erscheinen, wie sie 1977 zu sehen waren. Leias Szene ist zwar sehr kurz und Tarkin tritt wohl bewusst nur in relativ dunklen Szenen auf, dennoch haben die beiden Figuren im Kino für offene Münder und erstauntes Keuchen gesorgt.

Der Film hat mir beim zweiten Mal deutlich besser gefallen, weil ich dabei schon mit der teilweise etwas wirren und unlogischen Handlung vertraut war. Gerade im Mittelteil zieht sich die Geschichte doch arg in die Länge und nimmt erst mit der Ankuft auf Scarif so richtig Fahrt auf. Hochemotional wird es schließlich erst in den letzten Minuten, als die Soldaten der Allianz von Darth Vader niedergemetzelt werden und unter Einsatz ihres Lebens die Todessternpläne weitergeben. Nachdem Leia den Datenträger schließlich erhält, ist der Film abrupt zu Ende; ich hatte erwartet, dass es danach noch einige Minuten lang weiter geht und wir Leia, R2-D2, C-3PO und Captain Antilles noch eine Weile auf ihrer Flucht Jedhavor Darth Vader folgen, aber das wäre nur weiterer Fanservice gewesen und hätte nichts Wichtiges zum Film beigetragen. Man kann aber ganz klar sagen, dass man „A New Hope“ fortan mit anderen Augen sehen wird…

Insgesamt bin ich also sehr zufrieden mit „Rogue One“. Denn trotz einer teilweise etwas zähen Handlung, zu vielen Figuren und einigen Logiklöchern hat mir der Film großen Spaß gemacht, sich eindeutig wie „Star Wars“ angefühlt und einige interessante Schauplätze eingeführt.

Bilder: Copyright Walt Disney Pictures

Star Wars Rebels – Season 2

Dieser Text enthält nur einige kleine Spoiler zur zweiten Staffel!

Seit 24.11. ist die zweite Staffel von „Star Wars Rebels“ als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich. Die Serie spielt einige Jahre vor „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ (und auch noch einige Jahre vor dem wiederum unmittelbar vor Episode IV spielenden Film „Rogue One“, der bald ins Kino kommt). Die erste Staffel habe ich bereits letztes Jahr hier im Blog besprochen, nun widme ich mich der zweiten, die mit 22 Episoden deutlich länger ausgefallen ist als Staffel 1 (nur 15 Episoden).

Cover der Blu-ray-Ausgabe von Staffel 2 von "Star Wars Rebels"

In der ersten Staffel hat die kleine Rebellengruppe auf dem abgelegenen Planeten Lothal den Waisenjungen Ezra (Taylor Gray) aufgenommen. Kanan (Freddie Prinze Jr.), ein früherer Jedi, dessen Ausbildung jedoch nie beendet worden ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den machtsensitiven Ezra auszubilden, und das obwohl Darth Vader und seine Inquisitoren alle noch überlebenden Jedi gnadenlos jagen und vernichten. Den Großinquisitor haben Kanan und seine Freunde am Ende der ersten Staffel überraschend besiegt, doch in Staffel zwei bekommt Darth Vader (wie in den Filmen gesprochen von James Earl Jones) vom Imperator den Auftrag, weitere Inquisitoren auf Kanan, Ezra und die anderen Rebellen auf Lothal anzusetzen. Das Interesse Vaders und des Imperators wird noch dadurch verstärkt, dass sich Darth Vaders/Anakin Skywalkers früherer Padawan Ahsoka Tano (Ashley Eckstein) den Rebellen angeschlossen hat. Neben der Jagd, die das Imperium auf sie macht, haben die Rebellen noch andere Probleme: es fehlt ihnen an Schiffen, Waffen und Ausrüstung und nicht zuletzt auch an einem Planeten, auf dem sie eine neue geheime Basis errichten können.

Darth Vader im Duell mit Kanan

Darth Vader war in der ersten Staffel nur ganz am Anfang für eine Szene zu sehen. In Staffel zwei ist seine Rolle etwas größer, zum Glück taucht er aber dennoch nur in wenigen Folgen auf. Schließlich wäre es äußerst unglaubwürdig, den dunklen Lord der Sith immer wieder auf Kanan, Ezra und Co. treffen zu lassen, nur um jedes Mal von ihnen besiegt zu werden. Mit Vaders Auftreten in der ersten Folge geht Staffel zwei stimmungsvoll und bedrohlich los, danach sorgen vor allem die beiden neuen Inquistoren – der „fünfte Bruder“ und die „siebte Schwestere“ –  dafür, dass auch die dunkle Seite der Macht in der Serie vertreten ist. Auch die beiden kommen allerdings nicht besonders häufig vor und bleiben vollkommen eindimensionale Charaktere. Das ist besonders deshalb schade, weil ich mich sehr darauf gefreut hatte, dass Sarah Michelle Gellar („Buffy“) eine Rolle in der Serie übernimmt, doch ihre siebte Schwester wird kommt wie gesagt nur wenig vor und hat keine besonders wichtige Rolle.

Die Crew der "Ghost"Mit dem Auftauchen Ahsokas am Ende ersten Staffel war natürlich klar, dass Dave Filoni (einer der leitenden kreativen Köpfe hinter der Serie), früher oder später ein Aufeinandertreffen Ahsokas und Vaders würde inszenieren müssen. Dieses findet im brillanten Staffelfinale auch statt, zu Beginn muss Ahsoka jedoch erst einmal erschüttert feststellen, dass ihr früherer Meister noch am Leben ist und sich in den furchtbaren Darth Vader verwandelt hat. Neben Ahsoka kommen noch eine Reihe weiterer Figuren aus „The Clone Wars“ vor, allen voran Captain Rex (Dee Bradley Baker), der zusammen mit einigen weiteren Klonsoldaten die Klonkriege überlebt hat und dessen Unterstützung die Rebellen nun benötigen. Auch der bei den Fans beliebte Schmuggler Hondo Ohnaka, Heras Vater Cham Syndulla und Lando Calrissian (erneut gesprochen von Billy Dee Williams) haben Gastauftritte.

Wenn ich schon bei „The Clone Wars“ bin, so muss ich hier erneut feststellen, dass „Rebels“ beim direkten Vergleich mit der Vorgängerserie in einer Hinsicht ganz klar schlechter abschneidet: „Rebels“ sieht einfach viel schlechter aus. Das Figurendesign, die Animationen, die Locations und Hintergründe – alles wirkt hier meistens ein wenig liebloser. „The Clone Wars“ konnte visuell mit seinem eigenwilligen Figurendesign und den schönen Texturen punkten, während Rebells einfach um einiges billiger aussieht (was wohl daran liegt, dass die Serie auch billiger produziert wird).

Ezra, Kanan und HeraErzählerisch liegen die Unterschiede woanders. Während „The Clone Wars“ immer wieder wild zwischen verschiedenen Figuren, Handlungsorten und teilweise auch Zeitebenen hin- und hersprang, folgen wir in „Rebels“ derselben Gruppe an Charakteren. Abwechslung kommt dadurch ins Spiel, dass die kleine Rebellentruppe zu Beginn der Staffel von Lothal flüchten muss und erst einmal nicht dorthin zurückkehren kann. Der Wechsel zu verschiedenen Handlungsorten ist also vorprogrammiert. Zudem stellen einzelne Episoden immer wieder andere Charaktere in den Mittelpunkt. Mal geht es um Hera und die Beziehung zu ihrem Vater, dann wieder um Sabine und ihre Vergangenheit als mandalorianische Kopfgeldjägerin. Auch Zeb bekommt zwei Episoden spendiert, von denen eine zu den besten der Staffel gehört: In „The Honorable Ones“ stürzt er ausgerechnet mit dem imperialen Agent Kallus (David Oyelowo) auf einem der Monde von Geonosis ab, wo die beiden ums Überleben kämpfen müssen und auf Rettung hoffen.

Die beiden Hauptfiguren der Serie sind nach wie vor Kanan und Ezra. Letzterer muss sich damit zurecht finden, dass nun nicht mehr allein lebt und tun und lassen kann, was er will. Als Mitglied der kleinen „Familie“ an Rebellen hat er bestimmte Pflichten und muss Verantwortung übernehmen, was ihm nicht immer gefällt. Auch seine Jedi-Ausbildung unter Kanan macht ihm zu schaffen, unter anderem deshalb, weil er sich gar nicht sicher ist, ob er überhaupt ein Einsatzbesprechung der RebellenJedi werden möchte. Das macht natürlich auch Kanan zu schaffen, der zusätzlich im ersten Drittel der Staffel noch lernen muss, Captain Rex zu vertrauen – schließlich waren es die Klone, die maßgeblich für die Auslöschung der Jedi verantwortlich waren.

Die Qualität der einzelnen Episoden schwankt mitunter stark. Es gibt einige wirklich tolle und spaßige Folgen mit unterhaltsamen Actionsequenzen, aber auch ein paar ziemlich langweilige und uninspirierte Episoden. Wer sich im „Star Wars“-Universum und mit seinen Hintergründen auskennt, wird des Öfteren nette Easter Eggs entdecken. So verkleidet sich Kanan beispielsweise in „A Princess on Lothal“ (wo Prinzessin Leia ihren bislang einzigen Auftritt in „Rebels“ hat) als Sturmtruppler und geht in Sturmtruppenrüstung mit seinem Lichtschwert in der Hand auf einen AT-AT los. Der belesene Fan muss dabei natürlich sofort an die alten Konzeptzeichnungen von Ralph McQuarrie denken, die anfangs auch noch mit Lichtschwertern bewaffnete Sturmtruppler zeigten. In einer anderen Episode fällt der Begriff „Ashla“, mit dem George Lucas in frühen Drehbuchentwürfen die helle Seite der Macht bezeichnete. Und auch eine kleine Verbindung zu „Rogue One“ findet sich bereits: als die Rebellen nämlich Geonosis erreichen, stellen sie fest, dass das Imperium im Orbit des Planeten irgendetwas Riesiges hat bauen lassen. Was das bloß sein könnte…? 😉

Ahsoka Tano trifft auf ihren früheren Meister...Ihren qualitativen wie emotionalen Höhepunkt erreicht die Staffel schließlich beim Finale. Die abschließende Doppelfolge wartet nicht nur mit dem lang ersehnten Aufeinandertreffen von Darth Vader und Ahsoka auf, sondern bringt auch eine weitere altbekannte Figur zurück: Darth Maul (Sam Witwer). (Für alle, die sich jetzt wundern: er tauchte bereits in „The Clone Wars“ ab Staffel vier auf. Einen Sith Lord hält so schnell nichts auf, auch nicht dass er von Obi-Wan Kenobi mit dem Lichtschwert halbiert wird!) Dabei zeigen sich unerwartete Parallelen zwischen Maul und Ahsoka: Während Ahsoka ja bereits in „The Clone Wars“ aus dem Jedi-Orden ausgetreten war, ist auch Maul inzwischen kein Sith mehr. „Formerly Darth. Now just Maul“, stellt er sich hier vor und hat überraschend schnell Erfolg dabei, Ezras Vertrauen zu gewinnen… Darth Vader wiederum hat hier wohl den coolsten Auftritt der gesamten Serie, als er mit aktiviertem Lichtschwert und wehendem Umhang auf seinem schwebenden TIE-Fighter stehend erscheint. Wie der Kampf, in den Kanan, Ezra, Ahsoka, Vader, Maul und gleich drei Inquisitoren verwickelt sind, ausgeht, werde ich hier nicht verraten. Das Staffelfinale beantwortet ein paar Fragen, schafft aber wie es sich gehört auch einige neue. Man darf sich auf also trotz der insgesamt durchwachsenen Qualität der Staffel auch auf die dritte Season freuen, zumal darin eine der beliebtesten Figuren des alten „erweiterten Universums“ ihren ersten Auftritt haben wird: Großadmiral Thrawn.

Copyright: © 2016 & TM Lucasfilm Ltd.

Bates Motel – Season 4

Dieser Blogpost enthält Spoiler zum Ende der vierten Staffel!

Seit 3. November ist die vierte Staffel von „Bates Motel“ auf DVD und Blu-ray erhältlich. Ich war schon von der ersten Staffel an ein großer Fan der Serie (meine bisherigen Blogposts dazu findet ihr hier und hier). In der vierten Staffel kann die Serie nun ihr hohes erzählerisches und darstellerisches Niveau halten, während sie zügig weiter auf die Ereignisse hin erzählt, die wir bereits aus Hitchcocks „Psycho“ kennen.

Bates Motel - Die komplette vierte Staffel auf Blu-ray

Die Staffel beginnt damit, dass Norman Bates (Freddie Highmore) endlich dorthin kommt, wo man ihn als Zuschauer schon seit der ersten Staffel einweisen wollte: in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses. Das könnte man nun zum Anlass nehmen, erleichtert aufzuatmen, weil es schließlich bedeutet, dass Norman nun geholfen wird und sich die Dinge für ihn und seine Mutter zum Besseren wenden werden. Aber dem ist nicht so, schließlich befinden wir uns hier in einer Fernsehserie, wo – wie in fast allen Serien – Lösungen stets nur der Beginn neuer Probleme und Konflikte sind. Noch dazu wissen wir ja bereits, dass Norman eben nicht geheilt wird, sondern dass alles noch viel schlimmer werden muss…
Die Spannung speist sich hier also eine Weile daraus, dass man wissen will, was nun als nächstes schief läuft. Warum kann Norman nicht erfolgreich behandelt werden, ein gesundes Verhältnis zu seiner Mutter entwickeln und schließlich doch noch ein „ganz normaler“ junger Mann werden?

Norman Bates in der Klinik

Zunächst scheint für Norman auch alles gut zu laufen: Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten öffnet er sich seinem Therapeuten, zeigt seine große Angst und bittet ihn um Hilfe. Erneut keimt hier die Hoffnung auf, dass alles gut werden könnte. Gleichzeitig hat man als Zuschauer aber genau daran auch berechtigte Zweifel. Doch auch in der Mitte der Staffel geht es für Norman positiv weiter. Seinem Arzt gelingt ein Durchbruch, nachdem er erkannt hat, dass Norman sich häufig die Anwesenheit seiner Mutter einbildet. Mit dieser Tatsache konfrontiert, kommt Normans zweite Persönlichkeit zum Vorschein: seine Version seiner Mutter Norma, die alles tut, um Norman zu beschützen. Sein Therapeut erkennt, dass bei Norman eine dissotiative Identitätsstörung vorliegt und kann nun beginnen, seinen Patienten entsprechend zu behandeln.
Norma Bates (Vera Farmiga)In gewisser Weise ist es allerdings wieder Normans Mutter Norma (Vera Farmiga), die die Schuld daran trägt, dass alles weiter den Bach runter geht, obwohl sie Norman doch nur helfen will. Norma kann sich den teuren Klinikaufenthalt für Norman nämlich nicht leisten und heiratet deshalb den örtlichen Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell), um so an dessen gute Krankenversicherung zu kommen. Liebe ist bei dieser Hochzeit erst einmal nicht im Spiel, obwohl Romero natürlich schon lange ein Auge auf Norma geworfen hat. Nach und nach erkennen die beiden schließlich, dass sie sich wirklich gern mögen und keineswegs nur eine Scheinehe führen wollen. Vor ihrem Sohn hält Norma die Hochzeit trotzdem geheim. Doch Geheimnisse sind in TV-Serien bekanntlich nur dazu da, um früher oder später gelüftet zu werden. Als Norman also in der Klinik aus der Zeitung erfährt, dass seine Mutter geheiratet hat, fasst er den Entschluss, sofort wieder nach Hause zu gehen. Da er sich selbst in die Klinik eingewiesen hat, ist das kein großes Problem.

„You can be married to her, you can be sleeping with her, but you’re never going to get in between us.“

Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell)Und so setzt sich der Strudel aus schlimmen Ereignissen fort, sobald Norman wieder zuhause wohnt. Zusammen mit seiner Mutter und ihrem neuen Ehemann bildet er eine dysfunktionale Familie. Norman ist extrem eifersüchtig auf Romero und verlangt von diesem, sich nun wieder von Norma scheiden zu lassen. „There’s something you don’t understand.“ sagt er zu ihm, „You can be married to her, you can be sleeping with her, but you’re never going to get in between us.“ Romero entgegnet zwar, das wolle er auch gar nicht, aber er kann hier nur verlieren; das Verhältnis zwischen Norman und Norma war noch nie ein gesundes und so kommt es schließlich am Ende der Staffel zu jenem Ereignis, das man bei „Bates Motel“ schon erwartet hat, noch bevor man die erste Folge gesehen hatte…
Mehr spoilern will ich an dieser Stelle mal lieber nicht, auch wenn sich jeder, der „Psycho“ gesehen hat, denken kann, welche Tat Norman begeht. In den meisten anderen Serien käme die entsprechende Szene äußerst überraschend daher und wäre ein richtiger Hammer; bei einer Prequel-Serie wie „Bates Motel“, die auf eine bereits bekannte Geschichte und Figurenkonstellation hin erzählt, fällt die Schockwirkung aber nun einmal weg. Überraschend an der Szene ist höchstens, wie unspektakulär sie letztendlich daher kommt und dass das Ergebnis nicht ganz Normans Absichten entspricht, um hier einaml vage zu bleiben.

Am Ende der vierten Staffel ist der Prequel-Handlungsbogen von „Bates Motel“ jedenfalls fertig erzählt. Die nun noch folgende letzte Staffel kann dort beginnen, wo auch „Psycho“ ansetzte. Ich bin schon sehr gespannt, wie der berühmte Mord unter der Dusche hier umgesetzt werden wird und auf welche Weise die bekannten Ereignisse abgeändert und in die Länge gezogen werden.
Norma & NormanDie vierte Staffel konnte das Niveau der vorhergehenden Staffeln jedenfalls halten. An „Bates Motel“ stimmt einfach fast alles: Das Erzähltempo, die Hauptdarsteller, die Atmosphäre. Einzig die Handlungsstränge um die hinzu erfundenen Nebenfiguren (Dylan, Emma) wirken einmal mehr wie aufgezwungen und haben mich dieses Mal noch weniger interessiert als in den ersten drei Staffeln. Glücklicherweise hatte ich aber auch das Gefühl, dass man ihnen dieses Mal weniger Raum gegeben und sich noch mehr auf Norma(n) konzentriert hat. Vielleicht wird sich die große Stärke dieser neuen Figuren erst in der letzten Staffel zeigen, schließlich könnten sie für die nötige Variation sorgen, die Spannung in die eigentlich altbekannte „Psycho“-Geschichte bringt. Ich freue mich jedenfalls sehr auf Staffel fünf! 🙂

Copyright Bilder: Universal Pictures Home Entertainment

Der Nachtmahr

„Der Nachtmahr“ hatte bereits 2015 auf dem Filmfest München seine Premiere und kam dieses Jahr im Mai deutschlandweit in die Kinos. Pünktlich zum DVD- und Blu-ray-Start am 27.10. habe ich den Film von Akiz alias Achim Bornhak nun auch endlich gesehen.Der Nachtmahr - Blu-ray

Tina (Carolyn Genzkow) ist 17 Jahre alt und ein ganz normaler Teenager. Sie geht gerne auf Parties und steht kurz vor dem Abitur. Mit ihren Eltern, mit denen sie ab und zu Stress hat, lebt sie als Einzelkind in einem Haus irgendwo im Großraum Berlin. Eines Abends beginnt sie zuhause aus der Küche kommende Geräusche zu hören. Sie schleicht sich ins Erdgeschoss und entdeckt ein kleines, hässliches Wesen, das gerade dabei ist, den Kühlschrank zu plündern. Aber als Tina ihre Eltern herbeiruft, ist das Wesen fort. Ihr Vater und ihre Mutter glauben ihr nicht und schicken sie lieber zu einem befreundeten Neurologen. Der soll die Tochter richten… Er verschreibt Tina Medikamente, empfiehlt ihr aber auch, das Wesen anzusprechen, es zu konfrontieren. Auf diese Weise soll sich herausstellen, ob es wirklich real ist…

Tina (Carolyn Genzkow)Der Film beginnt mit mehreren Texteinblendungen, von denen die ersten beiden vor den blitzenden Lichtern und lauten Geräuschen warnen, bevor die dritte Einblendung schließlich hinterher schiebt: „Wie auch immer, dieser Film sollte laut abgespielt werden.“ Wer sich daran hält, wird gleich in den ersten Minuten von wummernden Bässen durchgerüttelt, als Tina mit ein paar Freunden eine Party besucht. Der Film ist vollkommen auf die Hauptfigur konzentriert, Tina taucht in so gut wie jeder Szene auf. Obwohl „Der Nachtmahr“ Horror-Elemente enthält, ist der Film viel mehr die Geschichte eines pubertierenden, von Unsicherheiten geplagten und sich von ihren Eltern unverstanden fühlenden Mädchens. Akiz kommt es weniger darauf an, Schreckmomente zu schaffen, als den Zuschauer ins Gesicht und damit die Seele von Tina blicken zu lassen.

Leider vernachlässigt der Film alle anderen seiner Figuren. Über Tinas Freunde erfährt man so gut wie nichts, sie bleiben allesamt Stichwortgeber. Die Beziehung zwischen Tina und ihren Eltern wird zwar recht gut herausgearbeitet, doch auch hier hätte ich mir gewünscht, das Ganze gelegentlich aus der Sicht der Eltern zu sehen. Aber Akiz kam es wohl darauf an, die Welt ganz aus der Sicht seiner Protagonistin zu zeigen. Mit Carolyn Genzkow hat er dabei zum Glück eine Hauptdarstellerin gefunden, die der Aufgabe gewachsen ist, einen vollkommen auf sie zugeschnittenen Film zu schultern. Leider sind die Leistungen aber nicht in allen Bereichen so großartig. Schauspielerisch ist der Film insgesamt durchwachsen; ganz besonders Arnd Klawitter fiel mir in seiner Rolle als Tinas Vater aufgrund seines unnatürlichen Schauspiels fast durchweg negativ auf (oder sollte das die Unbeholfenheit seiner ratlosen Figur sein?). Formal ist „Der Nachtmahr“ auf den ersten Blick beeindruckend, mit zunehmender Länge fragt man sich jedoch, was der fortwährende Einsatz laut wummernder Musik zu dunkel gehaltenen Partyszenen bezwecken soll.

Arnd Klawitter, Carolyn Genzkow, Julika JenkinsInhaltlich ist der Film aber auf jeden Fall interessant und lädt zu zahlreichen Interpretationen ein. Zu Beginn des Films dachte ich mir, der Nachtmahr sei vielleicht eine Metapher für Vergewaltigung (weil Tina im Gebüsch am Rand einer Party von dem Wesen erschreckt wird). Wahrscheinlich steht er aber ganz einfach für all das, was Teenager erleben und fühlen, aber Erwachsene nicht so recht verstehen. Tinas Eltern sind überzeugt davon, ihre Tochter durch Arztbesuche, Klinikaufenthalte und Medikamente wieder „normal“ machen zu können. Dabei wären vielleicht erst einmal ein paar lange und tiefgehende Gespräche mit ihrem Kind nötig.

Noch allgemeiner könnte man den Film als eine Geschichte deuten, die dazu ermutigen soll, zum eigenen (Anders-)Sein zu stehen. Denn seien wir einmal ehrlich: jeder von uns schleppt seinen eigenen Nachtmahr – ein Bündel an einengenden und erdrückenden Erlebnissen, Erinnerungen, Vorstellungen und Erwartungen – mit sich herum. Obwohl „Der Nachtmahr“ also insgesamt kein ganz rundes Bild ergeben will und viele der stilistischen Spielereien ins Leere führen, ist der Film also dennoch sehr interessant. Dafür sorgen vor allem die überzeugende Leistung der Hauptdarstellerin und der nicht auf billige Schockeffekte angelegte, ruhige Erzählstil.

Party!Inhaltlich weist „Der Nachtmahr“ übrigens zahlreiche Parallelen zu Spielbergs „E.T.“ auf. In beiden Filmen entdeckt die Hauptfigur ein seltsames, hässliches, aber auch irgendwie freundlich erscheinendes Wesen, das sie zunächst vor anderen geheim zu halten versucht (und mit fortschreitender Handlung zeigen sich in „Der Nachtmahr“ noch weitere Ähnlichkeiten zu „E.T.“). Letztendlich stehen die fremden Wesen wohl für die Einsamkeit und Isolation, die sowohl Kindheit als auch Jugend mit sich bringen können. Das Ende der Geschichte aber ist in „Der Nachtmahr“ ein anderes und man könnte es zwar wie erwähnt als Anerkennung des eigenen (Anders-)Seins deuten, aber auch als vollkommenes Abdriften der Hauptfigur in die Geisteskrankheit. Wie auch immer, ich muss jedenfalls zugeben, dass ich nach dem Filmende schnell hinter meiner Couch nachgeschaut habe, ob sich dort nicht irgendein seltsames Wesen verbirgt…

Bilder: Copyright Koch Films