Rezension: „It Was Fifty Years Ago Today! The Beatles: Sgt. Pepper & Beyond“

Es gilt immer noch als das einflussreichste Album der Musikgeschichte: „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles. Dieses Jahr wurde das 50-jährige Jubiläum des Albums mit dem Erscheinen einer erstmals völlig neu abgemischten Version gefeiert, dank der man das legendäre Werk nun in einer ganz neuen, frischen Weise genießen kann.

Bl-ray: "It Was Fifty Years Ago Today"

Aber nicht nur von offizieller Seite kommen zum Jubiläum Neuveröffentlichungen, auch andere wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. So kommt am 20. Oktober der Dokumentarfilm „It Was Fifty Years Ago Today! The Beatles: Sgt. Pepper & Beyond“ als DVD und Blu-ray in den Handel. Wie der Titel schon sagt, versucht Regisseur Alan G. Parker darin, ein Bild der Beatles im Zeitraum um die Veröffentlichung von „Sgt. Pepper“ zu zeichnen. So jedenfalls könnte man wohlwollend beschreiben, worum es in dem Film geht. Tatsächlich besteht dieser nämlich aus einer ziemlich wahllosen Aneinanderreihung von Interviews und Aufnahmen, die halt alle irgendwie mit den Beatles in den Jahren 1966 bis 1968 zu tun haben. Um die Entstehung und Rezeption des legendären Albums geht es dabei zwar bisweilen auch, aber generell bekommt man beim Anschauen eher den Eindruck, dass Parker ganz einfach all die (oft nicht besonders interessanten oder tiefgehenden) Informationen, die er seinen Interviewpartnern entlocken konnte, in eine halbwegs sinnvolle Reihenfolge bringen und daraus eben irgendwie einen Film machen wollte.

Bereits die Auswahl dieser Interviewpartner zeigt, dass es sich hier nicht gerade um eine Beatles-Doku allererster Klasse handelt. Musikexperten, Kulturkritiker und dergleichen sucht man vergebens; auch neue Interviews mit den noch lebenden Bandmitgliedern fehlen. Stattdessen darf unter anderem Ringos Vorgänger in der Band, Pete Best,  fröhlich in die Kamera grinsen und erzählen, wie froh und stolz er ist, auch einmal ein Beatle gewesen zu sein. Das war er für kurze Zeit zwar tatsächlich, aber nun einmal ganz bestimmt nicht mehr während der Entstehung von „Sgt. Pepper“. Der Informationsgehalt seiner Beiträge hält sich dementsprechend in engen Grenzen. Unter den weiteren Personen, die Parker vor seine Kamera bekommen hat, befinden sich unter an derem die Schwester von George Harrisons Frau sowie die frühere Sekretärin des Beatles-Fanclubs. Die eine oder andere interessante Anekdote springt dabei zwar schon heraus, oftmals scheint Parker aber leider viel zu verliebt in sein eigenes Material zu sein und hätte viel mehr kürzen und einzelne Redebeiträge stärker zusammenschneiden müssen, um sein Publikum nicht zu ermüden.

Die interessantesten Teile des Films sind dementsprechend stets die Originalaufnahmen aus den 1960er Jahren, darunter zahlreiche Interviews mit den Fab Four, die immer wieder zum Schmunzeln einladen. Doch wer sich nicht gerade erst seit gestern mit den Beatles beschäftigt, wird auch dabei nur noch wenig Neues finden. Thematisch ist „Fifty Years Ago Today“ wie bereits erwähnt ziemlich unfokussiert. Der Film beleuchtet zu Beginn die Umbrüche, denen sich die Band nach der Veröffentlichung von „Revolver“ und ihrer – wie sich heraus stellen sollte – letzten Konzerttournee ausgesetzt sah. Im Mittelteil beschäftigt sich Parker zwar dann schon mit dem „Sgt. Pepper“-Album, fördert dabei aber kaum neue Einsichten zutage, sondern arbeitet nacheinander einige Standardthemen (wie z.B. die Entstehung des Plattencovers) ab, lässt aber viele wichtige und interessante Aspekte einfach weg. Schließlich springt der Film zu den Erlebnissen der Beatles mit dem indischen Maharishi und dem Tod ihres Managers Brian Epstein. Die Frage ist nur, warum – schließlich hat das wenig bis gar nichts mit „Sgt. Pepper“ zu tun. Der Film zerfasert in seiner zweiten Hälfte immer mehr, bis er schließlich ganz zum Schluss doch plötzlich wieder zum „Sgt. Pepper“-Album zurückkehrt.

Insgesamt kann ich „It Was Fifty Years Ago Today“ überhaupt nicht empfehlen. Die Dokumentation wirkt lieblos und bringt nicht nur Beatles-Kennern keine neuen Erkenntnisse, sondern ist auch für Neulinge ungeeignet. Zu willkürlich werden die Schwerpunkte gesetzt, zu uninteressant sind zum Teil die Interviewpartner und deren Aussagen. Aber den vielleicht größten Schwachpunkt dieser Dokumentation habe ich noch gar nicht erwähnt: Die Filmemacher haben nämlich keine Erlaubnis für die Nutzung der Beatles-Lieder erhalten! Man hört also in dieser Beatles-Dokumentation kein einziges Beatles-Lied, was die Besprechung des Albums natürlich noch zusätzlich erschwert. Auch Musikvideos oder Auftritte der Band sind dementsprechend so gut wie gar nicht in den Film eingebunden.

Meine Empfehlung lautet daher: Besorgt euch die Neuauflage von „Sgt. Pepper“ und hört sie euch auf einer guten Anlage oder mit hochwertigen Kopfhörern an. Das bringt ein Vielfaches an Erleuchtung als es dieser nutzlose Film tut.

© Studio Hamburg Enterprises

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Pirates of the Caribbean: Salazars Rache

Salazars RacheEs ist tatsächlich noch einmal so weit: Am Donnerstag kommt ein weiterer Teil der „Pirates of the Caribbean“-Reihe (ehemals „Fluch der Karibik“) ins Kino. Wir erinnern uns: 2003 überraschte Gore Verbinskis erster Teil vor allem mit einer Performance von Johnny Depp, wie man sie so noch nicht gesehen und schon gar nicht in einem familienfreundlichen Piratenfilm von Disney erwartet hätte. Der Film wurde zum riesigen Erfolg, verhalf Depp sogar zu einer Oscarnominierung und zog anschließend zwei am Stück gedrehte Sequels nach sich, die jedoch zunehmend schwächer gerieten. Der 2011 nachgeschobene vierte Teil verzichtete schließlich auf den Großteil der in den bisherigen Filmen eingeführten Figuren und war so grottenschlecht, dass man die Reihe schon als beerdigt hätte betrachten können – hätte nicht auch dieser Film wieder ordentlich Geld in die Kassen von Disney und Produzent Jerry Bruckheimer gespült. Und weil eben auch ein fünfter Teil immer noch ordentlich Kohle zu machen verspricht, kommt genau jener nun mit einigen Jahren Abstand ins Kino.

„Salazars Rache“ heißt der Karibikfluchfilm Nummer fünf hierzulande und geht zumindest schon mal ganz vielversprechend los: Henry Turner sucht seinen Vater Will (Orlando Bloom) auf und verspricht ihm, ihn von dem Fluch zu befreien, der ihn für immer auf den Fliegenden Holländer und ein Leben auf (bzw. unter) See verbannt hat. Dann springt die Handlung einige Jahre in die Zukunft, wo Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) gerade dabei ist, den Begriff „Bankraub“ neu zu definieren. Die entsprechende Szene ist eine wirklich spaßige Action- und Slapsticksequenz, die ein bisschen zu bemüht daherkommt, um einen wirklich umhauen zu können. Aber immerhin ist das Ganze herrlich absurd und sehr unterhaltsam.

Johnny DeppJohnny Depp liefert als Jack Sparrow genau die Performance ab, die man erwartet – leider. Denn das bedeutet einerseits, dass man zwar genau den trotteligen, wankenden und stets betrunkenen Loser-Piraten zu sehen bekommt, den man so schon aus den anderen Filmen kennt. Andererseits ist es eben aber auch absolut nichts Neues mehr. Depps Schauspiel entlockt einem zwar hin und wieder ein Schmunzeln und die Szenen mit Sparrow bieten durchaus einige gelungene Gags. Aber das Problem dieser Figur ist eben, dass sie beim Publikum so beliebt ist – und zwar genau so, wie sie eben ist. Der Charakter darf sich nicht viel weiterentwickeln oder verändern, denn das würde bedeuten, das wichtigste Element dieser Filmreihe aufs Spiel zu setzen, welches das Publikum wahrscheinlich auch wieder in diesen Film in Scharen strömen lässt.

Das Tempo und den Witz der ersten halben Stunde hält der Film danach leider nicht mehr aufrecht. Die einzige Szene, die später noch einmal einen ähnlichen Spaß macht, ist eine Hinrichtung, bei der es drunter und drüber geht. Der Showdown des Films beeindruckt später höchstens noch durch seine blauschwarze Unterwasseroptik. Leider sind einem das Geschehen und ein Großteil der Figuren zu diesem Zeitpunkt aber schon längst egal, was drei Gründe hat. Zum einen ist der Mittelteil des Films sehr langatmig und macht es dem Zuschauer schwer, die Geschichte weiter mit Interesse zu verfolgen. Weiterhin sind fast alle neu eingeführten Figuren (zumindest auf Seiten der Helden) hier gänzlich blass und uninteressant. Dazu zählen in erster Linie der bereits erwähnte Henry Turner (als Erwachsener gespielt von Brenton Thwaites) und die neue weibliche Hauptrolle Carina Smyth (Kaya Scodelario). Drittens hat man als Zuschauer das Problem, dass man im Schlussteil des Films schon längst den Überblick darüber verloren hat, wer hier eigentlich was will (oder man hat ganz einfach kein Interesse mehr, den teilweise unglaubwürdigen Motivationen der Kaya Scodelario und Brenton Thwaitesvielen Figuren weiter zu folgen). Der Film wartet gleich mit mehreren MacGuffins auf: dazu gehören Jack Sparrows Kompass, eine Karte sowie der Dreizack des Poseidon. Die beteiligten Figuren verfolgen wie gesagt unterschiedliche Interessen: Armando Salazar will – wie der Fimtitel schon sagt – Rache an Jack Sparrow nehmen, Henry will den Fluch von seinem Vater nehmen, und so weiter und so fort. Irgendwann in der Mitte des Films habe ich es aufgegeben, genau mitzudenken, da mir die Geschichte zu unnötig kompliziert und die Motivationen nicht immer nachvollziehbar waren. Leider verliert man dabei natürlich auch ein Stück weit die Bindung an die Geschichte und an die Figuren – es ist einem eben alles in gewisser Weise egal.

Ein alter Bekannter, der auch wieder mit von der Partie ist, obwohl er für die Handlung eigentlich komplett überflüssig ist, ist Captain Barbossa. Geoffrey Rush scheint immer noch großen Spaß an der Verkörperung dieser Figur zu haben, die die Drehbuchautoren wohl nur deswegen auch in diesen Film geschrieben haben, weil Barbossa halt ein beim Publikum beliebtes Element der Serie ist. Die Frage, ob man etwas wirklich Sinnvolles mit ihm anfangen kann, scheint da zweitrangig zu sein (wird aber zumindest am Ende der Geschichte zufriedenstellend beantwortet). Weil Barbossa ja schon lange zu den Guten gehört, muss für jeden Film ein neuer Gegenspieler her. Dabei handelt es sich dieses Mal um den bereits erwähnten Salazar (gespielt von Javier Bardem, dessen Ehefrau Penélope Cruz bereits im letzten Film dabei war). Bardem macht dabei erwartungsgemäß einen guten Job; bei Salazar handelt es sich um einen charismatischen Bösewicht, aber eben schon wieder um einen Captain, der mitsamt seines Schiffs und seiner Crew verflucht worden ist – das hatten wir im Verlauf der Reihe schon mehrmals.

Javier BardemMit ein paar (kleinen) Überraschungen und Plotwendungen wartet der Film natürlich auch auf, wirklich kreativ waren die Autoren aber auch dabei nicht und präsentieren stattdessen zum Beispiel die Enthüllung verwandtschaftlicher Verhältnisse, die einen höchstens mit den Schultern zucken lassen. Eine Szene, die mir persönlich natürlich sehr gut gefallen hat, ist der Gastauftritt von Paul McCartney. Nachdem in den Teilen drei und vier Rolling Stone Keith Richards als Jacks Vater mit dabei war, darf nun ein Ex-Beatle einen weiteres Mitglied der Piratenverwandtschaft spielen – und zu Beginn seiner Szene sogar ein Lied anstimmen, welches auch die Beatles einst aufgenommen haben!

An den Effekten des Films gibt es absolut nichts auszusetzen. Das Design ist weiterhin rundherum gelungen und im Gegensatz zu Teil vier gibt es dieses Mal auch tatsächlich wieder richtige Seeschlachten zu bestaunen. Inhaltlich ist der Film aber äußerst durchwachsen. Johnny Depp darf auf Autopilot sein bekanntes Jack Sparrow-Programm abspulen, was in Ähnlicher Weise auch für die meisten anderen der bereits bekannten Gesichter gilt. Orlando Blooms kurze Auftritte sind übrigens nicht mehr als ein größerer Cameo und die Einbindung von Will (und Elizabeth!) Turner wirkt ebenfalls sehr bemüht und konstruiert. Eine austauschbare, nicht immer logische und unnötig komplizierte Handlung macht den Film ebenso verwirrend und langatmig wie die zu vielen Figuren. (Ausgerechnet die vielleicht interessanteste neue Figur – eine Hexe auf Seiten der Bösewichte – wird leider vollkommen Geoffrey Rush, Javier Bardemverschenkt.) Die beiden neuen Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg haben die Inszenierung und auch die Action-Elemente zwar gut im Griff, insgesamt bietet der Film aber nichts als Standardkost. Kreative Risiken werden hier nicht eingegangen und selbst die Musik klingt exakt wie in den früheren Filmen, obwohl sie hier nicht mehr von Hans Zimmer stammt, wie noch in den Teilen zwei bis vier (dieses Mal durfte einer der Schützlinge des Maestros ran, Geoff Zanelli). Den Publikumsmassen, die zum Megaerfolg der ersten vier Filme geführt haben, wird hier genau das geboten, was sie erwarten. Leider ist das aber nicht das, was die „Pirates of the Caribbean“-Reihe bräuchte, um auch kreativ und künstlerisch überleben zu können.

Copyright Bilder: ©Disney Enterprises

Paul McCartney im Münchner Olympiastadion

20160610_210404_kleinEtwa um 19:45 konnte man am gestrigen Freitagabend im Münchner Olympiastadion eine Durchsage vernehmen, in der das Publikum aufgefordert wurde, seine Plätze einzunehmen, da das Konzert pünktlich um 20 Uhr beginnen werde. Einen Gongschlag wie in der Oper gab es zwar nicht, aber was die Verankerung seiner Werke im kulturellen Allgemeingut angeht kann es Paul McCartney sowieso schon lange mit Mozart, Rossini und dergleichen aufnehmen. Das Publikum war dementsprechend bunt gemischt – von Rentnerehepaaren über fünfköpfige Familien bis hin zu Vätern, die ihre kleinen Kinder auf dem Arm hielten, wollten alle dabei sein als Sir Paul – vielleicht ja zum letzten Mal – in München sein vor allem aus Beatles-Klassikern bestehendes Programm zum Besten gab. Auf die Minute genau um 20 Uhr betrat er mit seinen vier Bandkollegen die Bühne. Leider war ein Großteil des Publikums zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingetroffen; noch eine halbe Stunde nach Konzertbeginn sah man Menschen die Stadiontreppen auf der Suche nach ihren Plätzen hinunterlaufen. Viele hatten wohl nicht damit gerechnet, dass McCartney bereits um 20 Uhr auftreten würde. Aber wer so viele weltbekannte Hits im Repertoire hat und es sich leisten kann, die Show gleich mit „A Hard Day’s Night“ zu beginnen, der braucht natürlich keine Vorband, um seine Zuschauer in Stimmung zu bringen.

Trotzdem wirkte der Auftakt etwas zäh, was aber nicht an McCartney und seiner Band lag, sondern schlicht daran, dass es durch den frühen Beginn noch viel zu hell war, um eine ordentliche Rockkonzertstimmung aufkommen zu lassen. Zum Glück hatte der Regen aber extra für diesen Tag eine Pause eingelegt und McCartneys oft auf deutsch vorgetragene Songankündigungen hielten das Publikum bei Laune. Er begrüßte das Stadion mit einem „Servus“ und stellte ebenfalls auf deutsch fest „Endlich ist der Sommer da“. Als er sich später nach der Zusammensetzung des Publikums erkundigte, erwiesen sich die Münchner überraschenderweise als Minderheit. Der weitaus größere Teil der Zuschauer kam aus anderen deutschen Städten oder dem Ausland.

Die Setlist war die gleiche wie bei den meisten anderen Konzerten der aktuellen „One On One“-Tour. Für Spontanität war dementsprechend kaum Platz im Ablauf der Show. Das ist bei einer großen Stadionproduktion, bei der alle Abläufe inklusive der auf jedes Lied abgestimmten Videoprojektionen genau geplant sind, zwar verständlich. Trotzdem wäre es schön, wenn McCartney zwei oder drei Plätze in der Setlist bereithalten würde, um sie bei jedem Konzert spontan mit anderen Songs zu befüllen. Freilich war der Ablauf der Show aber auch nur für diejenigen Zuschauer vorhersehbar, die sich vorher im Internet schlau gemacht hatten. Wer vollkommen uninformiert ins Konzert ging, der wurde durchaus des Öfteren überrascht, zum Beispiel mit der Elektro-Nummer „Temporary Secretary“ aus dem 1980er Album „McCartney II“ oder mit „In Spite Of All The Danger“, dem ersten Lied, das die Beatles jemals zusammen aufgenommen haben.

Der wohl lustigste, da ungeplante und vollkommen spontane Moment kam gegen Ende, als ein paar Zuschauer auf die Bühne geholt wurden und von McCartney mit Umarmungen und Autogrammen bedacht wurden. Ein junger Mann aus Russland redete den Ex-Beatle da mit „Paul“ an, nur um sich sogleich zu verbessern und ein „Sir Paul“ hinterherzuschieben. „Paul is fine“, versicherte McCartney dem glückseligen Fan. Musikalische Höhepunkte hatte man zu diesem Zeitpunkt schon viele erleben dürfen, darunter das richtig rockende „Nineteen Hundred and Eighty Five“, da20160610_213045_kleins als Akustiknummer vorgetragene „You Won’t See Me“ oder das erst im letzten Jahr veröffentlichte „Four Five Seconds“, das dank des eingeblendeten Texts trotz seiner relativen Unbekanntheit das Stadion zum Mitsingen animierte. Beeindruckend war ebenfalls die Darbietung des „Sgt. Pepper“-Songs „Being For The Benefit of Mr. Kite“. Dank der modernen Technik ist es heute kein Problem mehr, was Ende der Sechziger noch unmöglich war: die komplexen Sound-Tüfteleien aus der Spätphase der Beatles live auf die Bühne zu bringen. Untermalt mit psychedelischen Videoanimationen kam damit die richtige Sixties-Stimmung auf.

Der Höhepunkt des Konzerts war schließlich erreicht, als McCartney am Flügel zuerst den James Bond-Titelsong „Live and Let Die“ zum Besten gab – untermalt von einer scheinbar nicht enden wollenden Abfolge aus bunten Lasern, aus der Bühne schießenden Flammen und den Nachthimmel erleuchtenden Feuerwerksraketen. Anschließend täuschte der 73-jährige mit Gesten vor, das sei ihm jetzt doch alles zu laut und zu viel gewesen, nur um die Zuschauer mit „Hey Jude“ sofort erneut in Euphorie zu versetzen. Vielleicht noch beeindruckender als all die Laser, Videos und bombastischen Rocknummern waren aber die Momente, in denen sich der Ex-Beatle nur mit einer Akustikgitarre ganz allein auf die Bühne stellte, um Klassiker wie „Blackbird“ oder „Yesterday“ zu singen. McCartneys Stimme mag inzwischen etwas brüchig klingen, die Kraft dieser zeitlosen Klassiker aber ist ungebrochen. Meckern kann man an diesem zweieinhalbstündigen Konzertabend, an dem Sir Paul McCartney Jung und Alt mit einem aus fünfeinhalb Jahrzehnten Musikgeschichte zusammengestellten Programm bestens unterhielt, also höchstens auf sehr hohem Niveau. Aber das wollen wir hier mal bleiben lassen, denn wie lautet eine alte Beatles-Weisheit, mit der man ganz zum Schluss belehrt wurde: „And in the end, the love you take is equal to the love you make“.

Die Neuauflage von Michael Jacksons „Off The Wall“

Off The Wall - CoverMichael Jacksons Album „Off The Wall“ feiert dieses Jahr zwar kein rundes Jubiläum (es wurde 1979 veröffentlicht), Sony Music und der Michael Jackson Estate bringen die Platte aber trotzdem in einer Neuauflage heraus. Am 26.02. erscheint „Off The Wall“ als CD/DVD- bzw. CD/Blu-ray-Package. Nebem dem Originalalbum ist ein neuer Dokumentarfilm von Spike Lee enthalten, der die Entstehung und den Einfluss des wegweisenden Albums in den Blick nimmt.

„Michael Jackson’s Journey from Motown to Off The Wall“ – so der Titel des Films – folgt demselben Schema wie schon Lees erste Jackson-Dokumentation „Bad 25“. Anhand von Archivmaterial, Ausschnitten aus Musikvideos und Auftritten sowie neuen Interviews zeichnet Lee die Entstehung des Albums nach. Der Film beginnt mit Aufnahmen verschiedener Auftritte der Jackson 5 und schildert die Trennung der Gruppe von Motown Mitte der Siebziger Jahre, nach der die Jacksons (die den Namen Jackson 5 fortan nicht mehr verwenden durften) bei Epic Records unterkamen. Dort sollte Michael Jackson schließlich mit „Off The Wall“ das erste Soloalbum veröffentlichen, auf dessen Entstehung er maßgeblichen Einfluss hatte. Als er für die Dreharbeiten zum Musicalfilm „The Wiz“ für einige Zeit nach New York ging, lernte Jackson den Musiker, Komponisten und Musikproduzenten Quincy Jones kennen, den er schließlich als Produzent für sein Album verpflichtete.

Jackson-Fans und all diejenigen, die schon einmal eine Michael Jackson-Biografie gelesen haben, kennen diese Geschichte natürlich bereits. Der Film liefert keine neuen Einsichten und bringt fast keine bisher unbekannten Fakten zutage; das war aber wohl auch nicht die Absicht von Spike Lee. Stattdessen möchte er einfach einen Meilenstein in Jacksons Karriere feiern und den großen Einfluss des Albums auf die moderne Popmusik würdigen. Leider verheddert sich Lee dabei jedoch in zu vielen Beiträgen zu vieler Interviewpartner. Dass Familienmitglieder und Weggefährten des späteren King of Pop befragt werden, ist ja durchaus nachvollziebbar und sinnvoll. Der Informationsgehalt der Beiträge von Künstlern wie The Weeknd oder ?uestlove (das sind beides keine Schreibfehler!), die nie mit Jackson zusammengearbeitet haben, hält sich jedoch in Grenzen. Sie können halt nicht viel mehr erzählen, als dass sie Michael Jackson super und das Album wahnsinnig toll finden. Das ist zwar schön und  freut den Jackson-Fan, der Erkenntnisgewinn hält sich dabei allerdings doch stark in Grenzen.

Erhellender sind natürlich die Beiträge von Quincy Jones, mit dem aber für den Film leider kein neues Interview geführt worden ist. Spike Lee musste also auf Archivmaterial zurückgreifen. Auch die Szene, in der Stevie Wonder davon berichtet, wie es dazu kam, dass der von ihm geschriebene Song „I Can’t Help It“ auf dem Album landete, ist interessant. Leider hat man es offenbar nicht geschafft, für den Film auch Paul McCartney vor die Kamera zu kriegen, der mit „Girlfriend“ ebenfalls einen der zehn Titel auf „Off The Wall“ geschrieben hat. Erfreulich wiederum war es, den Jackson-Experten Joseph Vogel zu sehen und zu hören; der hat zwar Michael Jackson nie persönlich kennen gelernt, sich aber intensiv mit dessen Werk auseinander gesetzt und kann etwa die Bedeutung eines Songs oder Albums für Jacksons Karriere klar auf den Punkt bringen. Ausschnitte aus Interviews mit Michael Jackson selbst dürfen natürlich auch nicht fehlen, allerdings verwendet Lee im Film keinerlei Aufnahmen von ihm, die nach der „Off The Wall“-Äre entstanden sind. Das ist insofern schade, als es durchaus auch spätere interessante Interviews mit Michael Jackson gibt sowie Live-Performances einiger Songs aus dem Album von späteren Konzert-Tourneen.

Gerade die Konzertausschnitte sind es natürlich auch, die im Film am meisten begeirstern können. Wie Michael Jackson da um 1980 herum – damals noch mit seinen Brüdern – auf der Bühne alles gibt, das ist immer wieder sehens- und hörenswert. Mir wäre eine Blu-ray-Veröffentlichung eines kompletten Konzerts der Triumph-Tour viel lieber gewesen als ein Dokumentarfilm, bei dem man immer nur kurze Ausschnitte aus diversen Auftritten zu sehen bekommt.

Michael JacksonIn der zweiten Hälfte des Films arbeitet Lee das Album Song für Song ab. Leider wird dabei der Eindruck erweckt, als seien ihm manche Lieder wesentlich wichtiger als andere. „Girlfriend“ beispielsweise wird kaum eine Minute gewidmet (wohl auch, weil man Paul McCartney nicht als Interviewpartner gewinnen konnte/wollte – ich hoffe, das wird bei einer möglichen „Thriller“-Doku anders sein). Bei der Besprechung der drei von Rod Temperton geschriebenen Stücke fällt dann negativ auf, dass Temperton im Film leider gar nicht zu Wort kommt. Natürlich gibt es nur zu fünf der zehn Lieder Musikvideos und/oder Konzertauftritte zu zeigen, trotzdem hätte ich mir auch zu den anderen Songs ein wenig mehr Analyse und Hintergrund gewünscht.

Meine Lieblingsstelle im Film ist die, wo es um Jacksons Zeit in New York geht. Als er für die Dreharbeiten zu „The Wiz“ mit seiner Schwester LaToya dort wohnte, war Jackson ein regelmäßiger Besucher des legendären Studio 54. In einer Szene des Films wird der 19-jährige Jackson von einer Reporterin gefragt, ob es dort nicht auch mal ziemlich verrückt und wild zugehe. Er verneint, nur um dann nachzuschieben, dass er gerne die Besucher im Studio 54 beobachte, weil man da alles mögliche zu sehen bekomme: „Neulich war zum Beispiel Darth Vader da.“
Michael Jacksons kurze New York-Phase finde ich überhaupt sehr interessant. Diese Zeit muss ihn sehr geprägt haben. Rückblickend ist es kaum vorstellbar, dass es tatsächlich ein paar wenige Jahre gab, in denen der erwachsene Michael Jackson noch in Diskotheken gehen und dort Spaß haben konnte.

„Michael Jackson’s Journey from Motown to Off The Wall“ ist also genau der Film geworden, den man nach „Bad 25“ von Spike Lee erwarten konnte. Viele Jackson-Fans und all diejenigen, die erst wenig über Michael Jackson wissen, werden daran sicher ihre Freude haben. Wer sich aber für eine detallierte Schilderung der Entstehungsgeschichte des Albums oder für Analysen der Lieder interessiert, der muss auf andere Quellen zurück greifen (wie z.B. Joseph Vogels hervorragendes Buch). Spike Lee hat übrigens sein Interesse daran bekundet, nach „Bad“ und „Off The Wall“ auch noch „Thriller“ einen Film zu widmen und so die Trilogie an Dokumentationen zu den drei Alben, die Michael Jackson mit Quincy Jones aufgenommen hat, zu komplettieren. Das kann ich zwar nur begrüßen, würde mir aber sehr wünschen, wenn man es nicht bei diesen drei Alben beließe. „Dangerous“, „HIStory“ und „Invincible“ haben meiner Meinung nach ebenso sehr Dokumentarfilme verdient wie Jacksons frühere Alben (und zudem wurde zu ihnen noch längst nicht so viel gesagt).

OTW kleinWie erwähnt gibt es den Film nur zusammen mit dem Album zu kaufen. Das ist zwar für all diejenigen von Vorteil, die das Album noch nicht besitzen; alle anderen werden damit aber leider ein weiteres Mal zum Kauf des Albums gezwungen, auch wenn sie nur den Film haben möchten. Abgesehen von der beigelegten DVD bzw- Blu-ray und einer neuen Verpackung ist an dieser Version von „Off The Wall“ übrigens nichts neu! Es ist wirklich schade, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, eine mit Bonustracks ausgestattete Version herauszubringen, für die man als Fan gerne auch dann Geld ausgegeben hätte, wenn man das Album schon fünfmal im Schrank stehen hat. Bei „Bad 25“ hat das 2012 im Großen und Ganzen doch auch geklappt, warum dann nicht auch bei „Off The Wall“? Als Bonusmaterial hätte man unter anderem die bereits veröffentlichten Demoversionen einiger Songs, ein paar Live-Aufnahmen sowie den einen odere anderen Song aus den „Off The Wall“-Sessions verwenden können, der es nicht aufs Album geschafft hat (wie z.B. „Sunset Driver“, aber vielleicht gibt es auch noch ein paar bisher gänzlich unveröffentlichte Titel).

Eine Bonus-CD gibt es also bei dieser Neuauflage des Albums leider nicht, dafür aber etwas anderes: Kreide. Ja, richtig gelesen. Irgendjemand bei Sony Music muss sich gedacht haben, es sei doch eine ganz tolle Idee, dem Album ein Stück weiße Kreide beizulegen, schließlich scheint der Titelschriftzug auf dem Cover auch wie mit Kreide auf eine Mauer geschrieben. Mit der Kreide kann man die Innenseite des aufklappbaren CD-Pappschubers bemalen, die ebenfalls im Mauer-Design gehalten ist. Verbunden wurde das Ganze mit der Aufforderung an die Fans, die so entstandenen Kreationen zu fotografieren und im Internet zu posten. Das habe ich auch gleich getan und eben meine Forderung nach „Bonustracks statt Kreide“ auf diese Weise festgehalten:

Copyright Bilder: Sony Music

Mehr als sieben Songs, Teil 2: Paul McCartney – Scared

Da Michael Jackson mein Lieblingskünstler ist, müsste ich heute – an seinem Geburtstag – eigentlich einen Jackson-Song posten. Es wird in dieser neuen Rubrik sicherlich auch noch einige davon geben, aber ich habe mich ganz einfach noch für keine(n) entschieden.

Nachdem der erste der mehr als sieben Songs letzte Woche eine Beatles-Coverversion war, gibt es heute erneut ein Lied von einem der Beatles. Paul McCartney gehört zu meinen Lieblingssängern. Die Liebe zu den Beatles wurde mir gewissermaßen in die Wiege gelegt, da mein Vater schon lange vor meiner Geburt großer Beatles-Fan war. Als ich mich als Teenager aktiv für Musik zu interessieren begann, gehörte die CD-Sammlung meiner Eltern (mit den Schallplatten beschäftigte ich mich leider weniger) zu einer meiner wichtigsten Quellen, und da waren nun mal viele Werke der Beatles bzw. Ex-Beatles darunter. Das erste McCartney-Album, das ich bei seiner Veröffentlichung bewusst wahrgenommen habe, war 1997 „Flaming Pie“. Es ist noch heute mein Lieblingsalbum von „Macca“, den ich auch zweimal live im Konzert erleben durfte.

Vor knapp zwei Jahren erschien McCartneys bislang letztes Studioalbum „New“, das ich ebenfalls für eines seiner besten halte. Er arbeitete dafür mit vier verschiedenen Musikproduzenten zusammen, sodass die Lieder sich abwechslungsreich voneinander abheben. Doch das vielleicht beste Stück auf dem Album hat er einfach versteckt! „Scared“ befindet sich als Verlängerung des letzten Songs als so genannter „hidden track“ auf dem Album und ist nicht in der Titelliste aufgeführt.

Dass dieses Stück so versteckt wurde und von McCartney auch noch nie bei Konzerten gesungen wurde, ist eine Schande. Es zeigt nämlich wie kaum ein anderer Song auf dem Album (außer vielleicht dem ähnlich minimalistischen und persönlichen „Early Days“), dass McCartney als Songwriter oft dann am besten ist, wenn er sich von Bombast und zuviel Komplexität fernhält und elementare menschliche Emotionen in eine ganz einfache musikalische Form gießt. Insofern steht „Scared“ für mich auf einer Stufe mit „Yesterday“, mit dem es nicht nur die einfache Instrumentierung gemeinsam hat; beide Lieder haben auch jeweils einen elementaren menschlichen Gefühlszustand zum Thema. „Yesterday“ handelt von dem Schmerz, nachdem einen der Partner verlassen hat; „Scared“ handelt von der Angst oder Schwierigkeit, einer anderen Person seine tiefen Gefühle für sie mitzuteilen. Weil McCartney es in vielen seiner besten Stücke schafft, menschliches Gefühlsleben musikalisch und textlich mit wenigen Mitteln, aber doch treffsicher auszudrücken, berühren seine Lieder so viele Menschen. Den Kitsch, der ihm oftmals vorgeworfen wurde, vermeidet er bei „Scared“ erfolgreich.

Das Lied wurde von Giles Martin, dem Sohn des Beatles-Produzenten George Martin, produziert. Es hat nicht einmal einen Refrain, nur drei Strophen und eine Überleitung zwischen den letzten beiden davon. Das hier ist die erste Strophe:

I’m scared to say I love you
Afraid to let you know
That the simplest of words won’t come out of my mouth
Though I’m dying to let them go
Trying to let you know

Ich erinnere mich, dass Paul McCartney in einem Interview zur Zeit der Albumveröffentlichung erzählt hat, es sei ihm in der Beziehung zu seiner späteren Ehefrau Nancy Shevell anfangs schwer gefallen, ihr gegenüber seine Gefühle für sie auszudrücken. Diese Beobachtung habe er später in dem Lied festgehalten. Nun, wenn man für die Frau, die man liebt solche Lieder schreiben kann, dann macht es sicherlich nichts, wenn man im Beziehungsalltag nicht immer die richtigen (und manchmal gar keine) Worte findet…

Neues und Altes von Paul McCartney

Als großer Fan von Paul McCartney freue ich mich natürlich schon auf sein neues Studioalbum, das am 11. Oktober erscheint. „Macca“ war dafür mit vier verschiedenen Produzenten im Studio, die auch jeweils ein paar Songs auf dem Album unterbringen konnten: Mark Ronson (u.a. Amy Winehouse, Adele, Bruno Mars), Ethan Jones, Paul Epworth (Adele, John Legend,…) und Giles Martin (Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin). Die erste Single (Produktion: Mark Ronson), die wie das Album schlicht und einfach „New“ heißt, macht schon mal Lust auf mehr und die Wartezeit bis zum Erscheinungstag des Albums kann man sich zum Beispiel verkürzen, indem man sich die aktuellen Auftritte McCartneys und seiner Band anschaut.

Am 21. September war McCartney beim iHeart Music Festival in Las Vegas zu Gast, wo er insgesamt acht Songs spielte, darunter drei Lieder aus dem neuen Album, die hier ihre Live-Premiere erlebten. Ich muss sagen, dass mir der Album-Opener „Save Us“ und „Everybody Out There“ (mit extra von Macca hineinkomponiertem Singalong-Part fürs Stadionpublikum) noch besser gefallen als „New“. Die beiden Songs klingen unerwartet frisch und energiegeladen, da scheinen die Produzenten einen guten Einfluss gehabt zu haben.

Neben den drei neuen Songs gab McCartney in Las Vegas noch zwei Beatles-Lieder und seine erste Solo-Single nach der Trennung der Beatles, „Another Day“, zum Besten. Anschließend beendete er den Auftritt mit einer wie immer spektakulären Performance des Wings-Klassikers „Live and Let Die“, bei der die Pyrotechnik so viel Rauch verursachte, dass Macca und seine Band zwischendurch kaum noch zu erkennen waren (die komplette Setlist des Auftritts gibt es hier).

Stimmlich scheint Paul McCartney inzwischen wieder deutlich besser in Form zu sein als im letzten Jahr, wo er „Hey Jude“ bei der Olympia-Eröffnungsfeier ja mehr krächzte als sang (von den schlimmen Live-Aufnahmen seiner Swing-Songs in den Capitol Studios will ich gar nicht erst anfangen). Trotzdem hört man ihm seine mittlerweile 71 Jahre natürlich an, gleichzeitig merkt man aber auch, wie viel Freude ihm das Singen, Spielen und Auftreten vor Publikum aber immer noch machen. Ich persönlich finde es zwar schade, dass er seine Band nicht um ein paar Bläser und Streicher erweitert, sondern diese Instrumente bei jedem McCartney-Konzert aus dem Keyboard kommen. Aber er hält seine Band eben lieber klein, wie er selbst gesagt hat und mittlerweile spielen sie in dieser Formation ja auch schon seit etwa zwölf Jahren zusammen (länger als die Beatles Bestand hatten!) und sind ein perfekt eingespieltes Team.

Drei Tage nach dem Auftritt in Las Vegas gab Macca ein einstündiges Konzert in den Straßen von Hollywood, das anscheinend exklusiv auf MySpace übertragen wurde (ich wusste gar nicht, dass es das noch gibt…); zwei Songs wurden zudem bei Jimmy Kimmel im Fernsehen gezeigt. Die Setlist zum Auftritt gibt’s hier zu lesen und das hier ist der Auftritt in voller Länge (ich weiß allerdings nicht, wie lange er noch auf YouTube zu sehen sein wird, denn wie gesagt sollte das Konzert „MySpace-exklusiv“ sein; ach ja: die anfänglichen Tonprobleme dauern nur ein paar Sekunden):

McCartney und seine Band touren seit 2002 fast ständig um die Welt. Auch dieses Jahr startete wieder eine neue Tour mit dem Namen „Out There! Tour“. Bis jetzt gab es vor allem Termine in den USA und Südamerika, nur drei Europakonzerte spielte McCartney im Juni (Warschau, Verona und Wien). Im November geht es für fünf Konzerte nach Japan (das gönne ich den Japanern, denn dort hat McCartney seit elf Jahren kein Konzert gegeben). Ich hoffe natürlich dass er spätestens im nächsten Jahr wieder in Deutschland zu Gast sein wird, denn ich würde ihn wirklich gerne noch einmal live sehen (zuletzt habe ich ihn vor knapp vier Jahren in Berlin gesehen).

Und da ich oben schon davon geschrieben habe, dass ich „echte“ Bläser usw. auf McCartney-Konzerten vermisse, gibt’s hier noch den Trailer zum 1976er Konzertfilm „Rockshow“, der vor kurzem auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Wenn Macca doch auch heute nur Songs wie „Live and Let Die“, „Jet“ oder auch „Got to Get You Into My Life“ mit so einer großen Band spielen würde… Der Film fängt die Live-Atmosphäre und den Spaß, den Paul mit seinen „Wings“ damals hatte, jedenfalls sehr schön ein (ich habe übrigens vorhin sogar den kompletten Film auf YouTube gefunden).