Big Little Lies

Fernsehen ist das neue Kino. So oder ähnlich wissen wir das ja schon lange. Während im Kino sich seit Jahren die immer gleichen Superhelden in den immer gleichen Comic-Filmen die Köpfe einschlagen, bringen uns HBO, Netflix, Showtime, Amazon usw. Jahr für Jahr neue, aufregende Serien und Mehrteiler. So auch „Big Little Lies“, eine siebenteilige Mini-Serie, die auf dem gleichnamigen Roman von Liane Moriarty basiert und von David E. Kelley fürs Fernsehen adaptiert wurde, dem wir schon Serien-Hits wie „Picket Fences“, „Ally McBeal“ oder „Boston Legal“ verdanken. Regie hat bei allen Episoden Jean-Marc Vallée geführt, der bisher vor allem für von Kritikern und Preisverleihungen gelobtes Kino wie „The Young Victoria“, „Dallas Buyers Club“ oder „Wild“ zuständig war. „Big Little Lies“ wurde mit Emmys und Golden Globes überhäuft und obwohl die Serie als einmaliges Event geplant gewesen war, wird momentan doch eine zweite Staffel gedreht, in der nun sogar Meryl Streep mitspielt.

Dabei mangelt es schon der ersten Staffel wahrlich nicht an Hollywood-Stars. Die drei Hauptrollen spielen nämlich Nicole Kidman, Reese Witherspoon und Shailene Woodley (letztere kennt man vom Kino her vor allem aus der „Divergent“-Trilogie, aus „The Descendants“ oder „Snowden“). Noch namhafter hätte man die Serie wohl nur besetzen können, wenn man Jennifer Lawrence statt Shailene Woodley gecastet hätte. 😉 Diese drei Schauspielerinnen spielen jedenfalls trotz ihres unterschiedlichen Alters (sie sind 1967, 1976 und 1991 geboren ) alle Mütter von Erstklässlern. Die Serie spielt in der kalifornischen Küstenstadt Monterey, wo es sich nicht nur wegen der Nähe zum Meer gut leben lässt, sondern auch weil die dortige öffentliche Grundschule quasi die Ausbildung und den Luxus einer Privatschule, aber eben zum Preis einer öffentlichen Schule bietet – so jedenfalls formuliert es eine der Figuren zu Beginn der Serie. (Das Alter der Schauspielerinnen habe ich übrigens nur erwähnt, weil mir bis zum Ende der Serie nicht bei allen Figuren klar war, wie alt sie eigentlich sein sollen. Wie alt die von Nicole Kidman, Reese Witherspoon oder Laura Dern gespielten Figuren sind, wird nicht ganz klar.)

„Big Little Lies“ ist so etwas wie die Luxusvariante von „Reich und schön“: im Grunde handelt es sich hier um nichts weiter als eine Soap Opera, in der die Figuren manipulieren, intrigieren, lieben, eifersüchtig sind, unter gewalttätigen Partnern leiden und alles tun würden, um ihre Kinder zu verteidigen. Mich hat die Serie ein wenig an „Desperate Housewives“ erinnert (womit ich mich damals für meine Diplomarbeit ausführlich beschäftigt habe), nur dass hier die Zahl der Konflikte noch mal hochgefahren worden ist – „Desperate Housewives“ auf Speed also. Einer dieser Konflikte, der sich durch alle Episoden zieht, beginnt gleich in der ersten Folge, als am Tag vor dem ersten Schultag (dem „orientation day“ an der Grundschule) die Tochter von Renata Klein (Laura Dern) von einem Jungen gewürgt wird. Niemand hat den Vorfall beobachtet, aber das Mädchen beschuldigt Ziggy, den Sohn der neu in die Stadt gezogenen allein erziehenden Mutter Jane (Woodley). Für die Kinder ist das alles wohl halb so wild, aber die Mütter verbringen den Rest der Staffel damit, ihre Kinder zu verdächtigen, übereinander herzuziehen und werden sogar handgreiflich. Derlei Konflikte gibt es mehrere und natürlich sind sie, wie es sich für eine ordentliche Soap Opera gehört, häufig mit Geheimnissen verbunden. Es gibt immer irgendetwas, das zumindest ein Teil der Charaktre oder aber der Zuschauer nicht weiß. Daraus entstehen Fragen, die Spannung erzeugen: Wer ist Ziggys Vater? Wann wird Celeste (Kidman) endlich ihren gewalttätigen Mann verlassen oder auch nur ihren Freundinnen von ihrem Leid berichten? Wann und wie wird die Affäre, die Madeline (Witherspoon) vor einem Jahr hatte, ans Licht kommen?

Klassischer Soap-Stoff also, der hier aber durch die durchweg guten bis großartigen Schauspielleistungen aufgewertet wird. Zudem ist die Serie extrem hübsch anzusehen, was an den idyllischen Drehorten liegt und auch daran, dass hier fast alle Figuren in villenartigen Häusern leben, in denen schon mal ein ganzes Zimmer als Kleiderschrank dient. Tatsächlich gab es in einer der ersten Folgen eine Szene mit Madeline und ihrer Tochter, bei der ich zunächst annahm, die beiden hielten sich gerade in einem Designer-Einrichtungsgeschäft auf. Kurz darauf realisierte ich dann, dass sie in der Küche ihres eigenen Hauses standen! 😀
Teilweise kam mir die Serie mit der hohen Dichte an Konflikten und Intrigen und den ständigen Bildern hübscher Menschen in teuren Häusern schon wie eine Parodie auf Soap Operas vor.

In „Big Little Lies“ gehen die Figuren immer gleich vom Schlimmsten aus und halten andere stets für schlecht und böse – das war jedenfalls mein Eindruck. Und es gehört natürlich zum dramatischen Erzählen (ganz besonders in Soap Operas) dazu, denn auf diese Weise lassen sich leicht neue Konflikte schaffen und dann das Meiste aus ihnen rausholen. Die drei Hauptfiguren sind zwar gute Freundinnen, bilden auf diese Weise aber lediglich einen Gegenpol zu all den „bösartigen“ Beziehungen und sind Identifikationsfiguren für den Zuschauer. Intrigant und manipulativ sind allerdings auch sie. Jede Figur ist hier darauf bedacht, das Bild eines nach außen hin perfekt erscheinenden Lebens aufrecht zu erhalten. Oftmals ist dieses Leben in Wahrheit aber längst in die Brüche gegangen oder – um fairerweise mal nicht zu übertreiben – die Charaktere haben zumindest Probleme und Schicksalsschläge, mit denen sie fertig werden müssen.

Noch gar nicht erwähnt habe ich den eigentlichen Aufhänger der Serie: Schon von Beginn an wird klar gemacht, dass ein Mord geschehen wird. Man weiß allerdings noch nicht, wer das Opfer sein wird. In kurzen Ausschnitten aus vorweg genommenen Zeugenbefragungen geben die Stadtbewohner kurze Statements von sich, in denen sie über ihre Mitmenschen herziehen. Das erzeugt zwar am Anfang Spannung, weil man eben noch nicht weiß, um welches konkrete Verbrechen es geht (das ja zum Zeitpunkt der Haupthandlung noch nicht passiert ist), auf Dauer wirken diese Szenen aber etwas überflüssig. Als das Geheimnis um dieses Verbrechen am Ende schließlich aufgelöst wurde, habe ich mich erneut an „Desperate Housewives“ erinnert gefühlt. Dort diente ein ganz ähnliches Verbrechen nämlich mal als zentrales, handlungstreibendes Geheimnis für eine ganze Staffel.

Im Lauf der sieben Folgen hat mir die Serie nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser gefallen. Gerade die letze Folge hat mich mit ihrer langen Partyszene beeindruckt; diese ist nämlich sehr gut geschrieben und geschnitten – man weiß stets, welche der vielen Figuren sich wo aufhält, wer schon auf der Party angekommen ist und wer nicht usw. Übrigens spielen in der Serie auch Männer mit, auch wenn ich bis jetzt noch keinen von ihnen erwähnt habe. Die Hauptrollen gehören hier ganz klar den Frauen. Ich habe mich spaßeshalber sogar mal gefragt, ob „Big Little Lies“ überhaupt so etwas wie einen „umgekehrten Bechdel-Test“ bestehen würde. Gibt es hier also eine Szene, in der sich zwei Männer über etwas anderes als Frauen unterhalten? Ich bin mir ehrlich nicht sicher, aber es ist auch nicht wichtig. Die meisten Szenen gehören den  Darstellerinnen und die Männer sind vor allem dazu da, die Handlungsstränge der weiblichen Figuren voranzutreiben. Vor Alexander Skarsgård („True Blood“, „Die Legende von Tarzan“) habe ich mich in den späteren Folgen aber tatsächlich gefürchtet, so realistisch spielt er den einerseits scheinbar liebevollen und fürsorglichen, andererseits cholerischen und gewalttätigen Ehemann.

Insgesamt gibt es also einen Daumen hoch von mir für „Big Little Lies“. Ja, es ist irgendwie Edel-Trash und von der Handlung her eine Soap Opera, aber eben eine auf sehr hohem Niveau. Dialoge, Schauspielleistungen und Produktionsaufwand gehen weit über das hinaus, was man an Soap-Kost im Vorabendprogramm zu sehen bekommt. Ich freue mich schon auf die zweite Staffel!

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Bates Motel – Season 5

Dieser Text enthält Spoiler!

Nachdem ich die ersten vier Staffeln von „Bates Motel“ hier im Blog besprochen habe, kommt nun auch die fünfte und letzte Staffel zum Zug. Sie ist ist bereits seit dem 9. November auf DVD und Bluray erhältlich.

Die fünfte Staffel von "Bates Motel" auf BluRay

Man konnte ja noch Hoffnung haben für Norman Bates (Freddie Highmore) – mir zumindest ging es im Verlauf der Staffel mehrmals so. Zwar haben sämtliche Versuche ihn zu heilen im Verlauf der letzten Staffeln nicht gefruchtet und Staffel vier endete schließlich mit dem tragischen (aber natürlich von „Psycho“-Kennern erwarteten) Mord an seiner Mutter Norma (Vera Farmiga). Weil dieser wie ein Selbstmord aussah, lebt Norman nun zwei Jahre später allein in dem großen, düsteren Haus auf dem Hügel neben dem Motel. Sein Bruder Dylan (Max Thieriot) lebt mit seiner Freundin Emma (Olivia Cooke) inzwischen in Seattle und der ehemalige Sheriff und Ehemann von Norma, Alex Romero (Nestor Carbonell) sitzt im Gefängnis.

Norman Bates (Freddie Highmore) hängt neue Duschvorhänge auf

Norman Bates (Freddie Highmore) hängt neue Duschvorhänge auf

Wer Hitchcocks „Psycho“ gesehen hat, weiß natürlich, was nun noch kommen muss. Während die ersten vier Staffeln die Vorgeschichte von Norman Bates erzählt haben, kommen wir im Lauf dieser letzten Staffel nun mitten in die bekannten Ereignisse aus „Psycho“ hinein. Wobei diese sich dann allerdings nicht genauso zutragen wie im Film. Denn wie so oft, wenn in den letzten Jahren bereits zuvor verfilmte Stoffe in Kino und TV wiederverwertet wurden, wird auch hier die Geschichte etwas abgewandelt (so wie dies zum Beispiel auch bei „Star Trek Into Darkness“ der Fall war). So ist es dieses Mal nicht Marion Crane (Rihanna), die von Norman Bates unter der Dusche ermordet wird…

Trotz des Tods ihrer Serienfigur ist Vera Farmiga natürlich weiter in der Serie dabei, schließlich lebt Norma schon lange in Normans Kopf fort. Mit dieser „Norma“ (ich habe die imaginäre Version der Figur in meinen Notizen stets in Anführungszeichen gesetzt) spielt Farmiga nun also nur noch eine nicht reale, oftmals idealisierte Version ihrer Figur, was schauspielerisch sicherlich interessant gewesen sein muss. Ohne dass Norman sich hinterher daran erinnern kann, übernimmt „Norma“ immer wieder die Kontrolle über ihn. Sie versucht, ihn vor schlechten Einflüssen zu beschützen, die sie natürlich vor allem in jungen, weiblichen Konkurrentinnen auszumachen glaubt. So sieht sie es gar nicht gerne, als Norman Madeleine (Isabelle McNally) kennen lernt, die Inhaberin eines Haushaltswarengeschäfts. Bei ihr bestellt er nicht nur neue Duschvorhänge fürs Motel, was den Zuschauer in freudige Erregung versetzt, sondern schenkt ihr auch die Kleider seiner Mutter. Dass die schlanke, blonde Madeleine Norma frappierend ähnlich sieht und damit genau Normans Typ ist, versteht sich von selbst. Die Eifersucht in „Norma“ ist jedenfalls geweckt und so gibt sie ihm bereits in der ersten Episode folgenden Ratschlag:

„All I know is that the world is full of bad people and we cannot trust anyone from the outside. It is you and me, Norman, that is all we have. We would die without each other, do you understand that?“

Auch nach ihrem Tod verlässt Norma (Vera Farmiga) ihren Sohn einfach nicht

Auch nach ihrem Tod verlässt Norma (Vera Farmiga) ihren Sohn einfach nicht

Außerdem lässt sie ihn wissen, dass er einfach keine anderen Leute außer ihr in seinem Leben haben könne. Es steht also weiterhin gar nicht gut um den armen Norman, der nach außen hin meistens so nett und unschuldig wirkt, aber innerlich zerrissen und von starken psychischen Problemen geprägt ist. Tatsächlich bleibt Normans Geschichte auch in der fünften Staffel weiterhin spannend. Seine Mutter ist zwar tot, aber wie erwähnt weiterhin ständig präsent. Außerdem werden einige neue Figuren eingeführt, darunter Marion Crane und Madeleine, aber auch ein Mann, der die beiden verbindet: Sam (Austin Nichols) ist Madeleines Ehemann und Marions Geliebter, was natürlich wieder einiges an Geheimnissen und Lügen mit sich bringt und letztendlich nicht gutgehen kann.

Den mit Abstand langweilisten Handlungsstrang hat dieses Mal leider der ehemalige Sheriff Romero abbekommen. Aus dem Gefängnis, in dem er zu Beginn der Staffel steckt, entkommt er natürlich, nur um sich dann aber in erzählerischer Monotonie über mehrere Episoden hinweg auf den Weg zurück nach White Pine Bay zu machen, wo er Rache an Norman nehmen will. Erst in der achten Folge kommt er dort an und bekommt etwas Interessantes zu tun. Er erschießt nämlich leider Chick (Ryan Hurst), der doch eigentlich einen True Crime-Roman über die Ereignisse rund um Norman schreiben wollte. Ich hatte mich schon so darauf gefreut, am Ende der Serie dieses Buch unter dem Namen „Psycho“ in den Handel kommen zu sehen, aber daraus wurde nichts.

Wie schlimm es um Normans psychische Gesundheit steht, wird hier vor allem an zwei Dingen deutlich (als wären die Morde, die er verübt und die Gespräche mit seiner imaginären Mutter nicht genug): Zum Einen trifft er in Folge fünf seinen früheren Therapeuten, nur um später festzustellen, dass er sich diese Begegnung auch nur eingebildet hat. Zum anderen realisiert er nach diesem „Gespräch“ selbst, dass er regelmäßig zu einer ganz anderen Person wird, zu „Norma“ eben. In der örtlichen Bar ist man jedenfalls ganz erstaunt, als er plötzlich ohne Frauenkleider und nicht in seiner „Norma“-Identität dort auftaucht.

Genau Normans Typ: Madeleine (Isabelle McNally) ist seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten

Genau Normans Typ: Madeleine (Isabelle McNally) ist seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten

Schauspielerisch überzeugen Freddie Highmore und Vera Farmiga erneut auf ganzer Linie. Nicht von allen anderen Darstellern kann ich dasselbe behaupten, was aber zum Teil daran liegt, das das Material, welches die Drehbücher ihnen bieten, unterschiedlich gut ist. Max Thieriot hat mich in den früheren Staffeln wenig begeistert, dieses Mal hat er aber zumindest gegen Ende der Staffel einige überzeugende, emotionale Szenen mit Highmore, in denen Dylan verzweifelt versucht, seinen Bruder doch noch zu retten. Dylans und Emmas Integration in die Handlung gelingt dabei überzeugender als Romeros, letztentlich sind sie aber natürlich nicht die Hauptfiguren in diesem Drama. Mit Normas Bruder Caleb (Kenny Johnson) wird relativ früh kurzer Prozess gemacht, worüber ich nicht besonders traurig war.

Richtig Fahrt nimmt die Staffel natürlich erst in ihrer zweiten Hälfte auf, als wir uns mit Marions Ankunft mitten in den „Psycho“-Ereignissen befinden. Durch deren leichte Abwandlung und die zusätzlichen Figuren bleibt das Ganze trotzdem spannend und spitzt sich zum Ende hin immer mehr zu. „If you ever feel overwhelmed, I could just take over“, bietet „Norma“ ihrem Sohn an. Doch Norman hat noch Hoffnung, dass sich die Dinge für ihn zum Besseren wenden. Nach dem Mord an Sam realisiert er zwar, dass er unter „Normas“ Kontrolle schon mehrere Morde begangen hat. Doch er stellt sich der Polizei. Zu dumm nur, dass ihm Sheriff Greene (Brooke Smith) erst einmal gar nicht glaubt.

Von der Nacherzählung „Psychos“ haben sich die Ereignisse hier wie erwähnt ein Stück weit entfernt, sodass „Bates Motel“ am Ende kein schlichtes Prequel – und in dieser Staffel zum Teil auch Remake – von Hitchcocks Film mehr ist (was die Serie aufgrund der Ansiedelung der Geschichte in der Gegenwart genau genommen sowieso nie gewesen war).  Am Ende verschwindet die imagniäre „Norma“ aus Normans Kopf, nachdem dieser Romero umgebracht hat, woraufhin sich Norman vollkommen in eine eigene Realität hinein träumt.

Rihanna tritt als Marion Crane die Nachfolge von Janet Leigh an - aber wird die Figur auch hier dasselbe Schicksal erleiden?

Rihanna tritt als Marion Crane die Nachfolge von Janet Leigh an – aber wird die Figur auch hier dasselbe Schicksal erleiden?

Dort lebt er zusammen mit Norma in Glückseligkeit und die beiden machen einen Neuanfang in einer neuen Stadt, wo sie ein neues Motel eröffnen. Wer weiß, vielleicht spielen sich die Ereignisse von „Psycho“ ja dort, also komplett in Normans Kopf ab? Es ist ein großes Kompliment an die Drehbuchautoren und die Leistung der beiden Hauptdarsteller, dass ich erst in dieser Schlussszene das Gefühl hatte, Norman sei wirklich verrückt und nicht mehr zu retten. Zuvor habe ich über fünf Staffeln mit ihm mitgefühlt und stets ein Stück weit geglaubt, es könne noch Hoffnung für diesen jungen Mann geben.

„Bates Motel“ hat die eine oder andere Schwäche, vor allem in den Handlungssträngen der zum „Psycho“-Universum hinzu erfundenen Figuren wie Dylan, Caleb oder Romero. (Möglicherweise wurden einige davon im Roman erwähnt, im Film kommen sie jedenfalls nicht vor.) Insgesamt bietet die Serie aber über fünf Staffeln hinweg kurzweilige Hochspannung mit überwiegend sehr guten Schauspielleistungen. Der Figur von Norman Bates haben die Autoren und natürlich Freddie Highmore zahlreiche neue Facetten hinzugefügt, die dessen Geschichte für mich noch viel interessanter gemacht haben, als sie es durch den Film ohnehin schon gewesen war.

Copyright Bilder: Universal Pictures Home Entertainment

Buchrezension: „A Dream Given Form – The Unofficial Guide to the Universe of Babylon 5“

Bücher über „Babylon 5“ gibt es nicht viele. Die Kultserie aus den Neunzigern hat zwar bis heute eine treue Anhängerschaft und findet durchaus auch noch neue Fans, fristet aber dennoch ein Nischendasein – unter anderem aufgrund der traurigen Tatsache, dass sie immer noch bei keinem der großen Streaminganbieter verfügbar ist. Wer nach Episodenführern mit ausführlichen Besprechungen der einzelnen Folgen sucht, stößt auf die Bücher von Jane Killick, die zu jeder der fünf Staffeln einen Band veröffentlicht hat oder auf die beiden „The Babylon File“-Bücher von Andy Lane. Mit „A Dream Given Form“ haben Ensley F. Guffey und K. Dale Koontz nun ein weiteres Buch veröffentlicht, in dem alle 110 Serienepisoden, der Pilotfilm und die weiteren Fernsehfilme, die kurzlebige Spin-off-Serie „Crusade“ sowie alle zum offiziellen Kanon gehörenden Romane und Comics unter die Lupe genommen werden. Der Vorteil gegenüber den anderen erwähnten Büchern scheint also klar auf der Hand zu liegen: hier findet man erstmals Besprechungen aller zum „Babylon 5“-Universum gehörenden Geschichten in einem einzigen Buch vereint.

A Dream Given Form - The Unofficial Guide to the Universe of Babylon 5

Die Autoren haben zuvor ein ähnliches Buch zu „Breaking Bad“ veröffentlicht, was angesichts der Popularität und Aktualität der Serie nahe lag. Warum nun also ein Buch zu einer Serie, deren letzte Folge vor 19 Jahren ausgestrahlt wurde? Ich habe leider noch keine Gelegenheit gehabt, die Autoren dazu zu befragen, nehme aber an, dass sie ganz einfach selbst große Fans von J. Michael Straczynskis (JMS) Weltraum-Saga sind. (Und was die Aktualität betrifft: „Babylon 5“ mag schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, inhaltlich sind große Teile der Serie aber momentan leider so aktuell wie nie seit ihrem Bestehen. Man denke nur an den Aufstieg einer korrupten, fremdenfeindlichen Regierung und andere Aspekte der Serienhandlung, die stark an das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen in Deutschland oder den USA erinnern.)

Nun aber zum Buch selbst. Wie erwähnt behandelt es alle bislang erschienenen Geschichten, die zum offziellen Kanon gehören (einige der „Babylon 5“-Romane und Comics sind JMS zufolge nicht kanonisch; auf sie wird im Buch dementsprechend nicht eingegangen). Das bedeutet allerdings, dass selbst auf knapp 500 Seiten nicht der Platz ist, um jede einzelne Episode und jeden Comic wirklich ausführlich zu besprechen und ausführliche Interpretationen und Analysen zu liefern. Die Episodenbesprechungen fallen hier dementsprechend ziemlich knapp aus und gehen meist nicht einmal auf alle Handlungsstränge der jeweiligen Folge ein. Stattdessen werden jeweils ein oder zwei wichtige oder interessante Punkte herausgegriffen und in wenigen Absätzen besprochen. Damit dienen diese Episodenbesprechnungen mehr als Ausgangspunkt für weitere, eigene Überlegungen oder Diskussionen denn als fundierte Informationsquelle. Manchen Fans der Serie mag das genügen, ich persönlich hätte es aber gerne etwas ausführlicher gehabt. Das hätte aber wohl den Rahmen des Buches gesprengt. Ich freue mich auch sehr, dass die 13 Episoden von Crusade (und dazu drei zwar geschriebene, aber nicht mehr verfilmte „Crusade“-Drehbücher), die Comics und Romane ebenfalls Teil des Buches sind. Zu den Büchern und Comics werden nämlich kurze Inhaltsangaben geliefert, was praktisch für all diejenigen ist, die sie nicht selbst lesen wollen. (Ich habe vor ein paar Monaten begonnen, den ersten Teil der „Psi-Corps“-Trilogie zu lesen und nach einigen Kapiteln abgebrochen, weil mich das Buch so gelangweilt hat.)

Wenn man die einzelnen Episoden gut kennt, hat man keine Probleme, den kurzen Erläuterungen und Gedankengängen der Autoren zu folgen. Die Texte lesen sich flüssig; dazu finden sich am Ende jeder Episodenbesprechung Rubriken wie „Did You Notice“, wo allerlei Interessantes und Kurioses aus der jeweiligen Folge aufgelistet wird oder „Hyperspace Beacons“, wo die Autoren auf Dinge in der Episode verweisen, die in Zukunft noch eine Rolle spielen werden. Auch ein „Highlight“ sowie ein besonders hervorstechendes Zitat aus jeder Episode liefern die Autoren. Hin und wieder streuen sie auch interessante Fakten ein, die über die Geschichten des B5-Universums hinausgehen, z.B. wenn sie im Zusammenhang mit der Episode, in der Susan Ivanova über ihren verstorbenen Vater trauert, erläutern, was es mit dem jüdischen Ritual der Schiv’a auf sich hat. Zu jeder Episode werden weiterhin der/die Autor/in, der/die Regisseur/in und das Datum der Erstausstrahlung aufgelistet. Leider fehlt eine Auflistung der Gaststars, möglicherweise aus Platzgründen.

Noch nicht erwähnt habe ich das exklusive Interview mit Londo-Darsteller Peter Jurarsik, welches ebenfalls Teil des Buches ist und wirklich sehr informativ und lustig ausgefallen ist. In einem weiteren Abschnitt haben die beiden Autoren kurze Nachrufe auf die viel zu vielen bereits verstorbenen „Babylon 5“-Darsteller untergebracht. Fotos enthält das Buch übrigens gar keine, man findet lediglich eine handvoll Seiten mit Schwarzweiß-Zeichnungen aus den Comics. Überrascht hat mich, dass die Autoren wenig auf die Online-Posts von JMS eingegangen sind, in denen dieser jede einzene Folge selbst kommentiert und Hintergrundwissen sowie seine eigenen Gedanken dazu geliefert hat. Wahrscheinlich wurde auch diese Quelle ganz einfach aus Platzgründen nur wenig berücksichtigt. Größere Fehler konnte ich keine im Buch ausmachen, auch wenn mich hier und da kleiner Dinge gestört haben. Zum Beispiel liest sich die Besprechung der Episode „Divided Loyalties“, als sei der Ausstieg einer der Hauptfiguren aus der Serie in dieser Folge von langer Hand geplant gewesen, was allerdings nicht der Fall war. Seltsamerweise gehen die Autoren auch nur im Zusammenhang mit Staffel zwei darauf ein, in welcher Reihenfolge man die Episoden am besten anschauen sollte. Diese „Idealreihenfolge“ weicht nämlich bei allen Staffeln, vor allem jedoch bei der ersten, von der Reihenfolge auf den DVDs ab. (Am Ende meiner Besprechung des Finales der ersten Staffel könnt ihr die Reihenfolge einsehen.)

Im Großen und Ganzen hat mir das Buch zwar gefallen, ich hätte es aber gerne ausführlicher gehabt und dafür auch in Kauf genommen, dass man es in zwei (oder mehr) Bände hätte aufteilen müssen. Trotzdem ist es schön, ein einziges Buch zur Hand zu haben und darin jede beliebige Episode nachschlagen zu können. Oft regt einen das Lesen der Texte dann ja zum eigenen Nachdenken über die Folge an oder man bekommt Lust, sie selbst gleich nochmal anzuschauen. „A Dream Given Form – The Unofficial Guide to the Universe of Babylon 5“ ist bislang nur auf englisch erschienen. Ob es – wie beim „Breaking Bad“-Buch – auch eine deutsche Übersetzung geben wird, ist angesichts der viel geringeren Popularität der Serie fraglich. Es wäre aber sehr zu begrüßen.

 

Vielen Dank an Ensley F. Guffey für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplares! 🙂

 

Copyright Bild: ECW Press

Babylon 5: Episode 1.22 – Chrysalis

— Ganz am Ende dieses Blogposts findet Ihr eine Übersicht aller bisherigen „Babylon 5“-Blogposts! —

Neuigkeiten von B5-Schöpfer J. Michael Straczynski und aus dem „Babylon 5“-Universum

Seit meinem letzten „Babylon 5“-Blogpost ist natürlich so einiges passiert. Wie ihr wahrscheinlich wisst, ist seitdem die komplette zweite Staffel von „Sense8“ bei Netflix erschienen – und die Serie kurz danach abgesetzt worden. 😦 Die Fans haben nicht locker gelassen und Netflix lautstark dazu aufgefordert, die von JMS und den Wachowskis ursprünglich auf fünf Staffeln angelegte Serie doch noch weiterzuführen. Einen kleinen, aber beachtenswerten Erfolg konnte die #RenewSense8-Kampagne immerhin verbuchen: Irgendwann im nächsten Jahr wird es ein zweistündiges Special geben, welches die noch offenen Handlungsfäden der Serie abschließt.
Auf der San Diego Comic Con hat JMS auch dieses Jahr wieder ein eigenes Panel gehabt, in dem er die Fans über den aktuellen Stand seiner Projekte informiert hat. Unter anderem arbeitet er gerade an einem Roman, die Vorproduktion zur Verfilmung seiner Comicserie „Rising Stars“ ist angelaufen und er will immer noch einen „Babylon 5“-Kinofilm drehen, hat aber Angst, dass die Marke umso uninteressanter wird, je mehr Zeit verstreicht. Eine kurze Zusammenfassung seiner wichtigsten Aussagen könnt ihr euch hier durchlesen. Es ist zudem in den letzten Jahren fast schon zur Tradition geworden, dass JMS auf diesen Panels auch äußerst Persönliches aus seinem Leben erzählt. Auch diesbezüglich hat er dieses Mal nicht enttäuscht. Er hatte einige sehr bewegende Dinge aus seiner Kindheit und Jugend zu berichten, die mich zu einem noch größeren Fan und Bewunderer von ihm gemacht haben. Gleichzeitig erklären sie ein bisschen, warum JMS in der Branche bisweilen einen Ruf als Sturkopf hat und man manchmal hört, mit ihm arbeite es sich nicht leicht zusammen. In einem weiteren Panel gab JMS allen Nachwuchsautoren hilfreiche Tipps fürs Schreiben von Drehbüchern, Romanen und Comics und berichtete von seinen eigenen Erfahrungen aus der Branche. Eine Zusammenfassung könnt ihr euch hier durchlesen.
Am 16. Juni verstarb leider erneut ein Darsteller aus „Babylon 5“: Stephen Furst, den wir alle als Vir Cotto kennen, erlag den Komplikationen, die im Zusammenhang mit seiner langjährigen Diabetes-Erkrankung entstanden. Er wurde nur 63 Jahre alt. Neben seiner Rolle in „Babylon 5“ war er vor allem als Flounder in „National Lampoon’s Animal House“ bekannt. Außerdem führte er bei drei Folgen von „Babylon 5“ Regie.
Auch der langjährige ausführende Produzent von „Babylon 5“, Douglas Netter, verstarb am 8. Mai im stolzen Alter von 95 Jahren. In der Episode, die ich unten bespreche, bekommt man ihn kurz zu sehen (siehe „Hinter den Kulissen-Fakten“).

Und nun zur Episode, um die es in diesem Blogpost geht – dem Finale der ersten Staffel. 🙂


Episode 1.22 „Chrysalis“ („Chrysalis“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 26.10.1994 (USA), 17.12.1995 (Deutschland)

„Chrysalis“ bildet den Abschluss der ersten Staffel von „Babylon 5“. Die Folge stellt eine der wichtigsten und sicherlich auch besten Episoden der Staffel dar, wartet mit mehreren Cliffhangern auf und lässt den Zuschauer mit zahlreichen offenen Fragen zurück.

„Alles wie gehabt“, denkt man sich in den ersten Minuten der Episode noch. Diese beginnt nämlich mit einem Streit zwischen Londo und G’Kar vor den versammelten Ratsmitgliedern. Genau wie in der ersten Folge geht es dabei um ein Stück Weltraum – genauer gesagt Quadrant 37 – das beide Völker für sich beanspruchen, das aber momentan einen Außenposten der Narn beherbergt.
Auch als Garibaldi in der daran anschließenden Szene einem sterbenden Informanten gerade noch die Worte „They’re gonna kill him…“ entlocken kann, reißt einen das noch nicht unbedingt vom Hocker. Wahrscheinlich werden es wieder ein paar Kleinkriminelle auf den Commander oder einen anderen Stationsbewohner abgesehen haben, denkt man sich zu diesem Zeitpunkt. Auch so etwas haben wir ja bereits mehrmals erlebt.

Doch nach der Titelsequenz werden im weiteren Verlauf der Folge viele der Erwartungen des Zuschauers über den Haufen geworfen – und ebenso zahlreiche Entwicklungen und Gegebenheiten, die im Verlauf der Staffel etabliert worden waren. Der Präsident ist tot, Botschafterin Delenn steckt in einem Kokon, Londo Mollari hat sich endgültig auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen und Sicherheitschef Garibaldi liegt im Koma. Dass Commander Sinclair seiner Freundin Catherine Sakai einen Heiratsantrag gemacht hat, wird angesichts dieser Ereignisse zur Nebensache.

Beginnen wir mal mit der Handlung um den Tod des Präsidenten.  Michael Garibaldi hat zunächst keine Ahnung, in was für eine große Sache er seine Nase dieses Mal hineinsteckt. Am Anfang ist es schön zu sehen, dass er sich um seinen Informanten, Petrov, sorgt. Mit diesem kann er sich offenbar identifizieren, da auch Garibaldis eigene Vergangenheit alles andere als blitzsauber ist. Deshalb versucht er Leuten eine Chance zu geben, die seiner Meinung nach eine zweite (oder dritte, vierte,…) Chance verdient haben, genau so wie Sinclair ihm mit dem Posten auf Babylon 5 noch einmal eine Chance gegeben hat. Doch Petrov stirbt und Garibaldi hat von ihm nur erfahren, dass irgendjemand umgebracht werden soll.
Dass es sich dabei um den Erdpräsidenten handeln könnte, deutet die Serie an, indem sie gleich danach zum ISN-Bericht über die „goodwill tour“ von Präsident Santiago schneidet (wir erinnern uns: dieser war in der allerersten Folge ins Amt gewählt worden). Beginnend beim Mars will Santiago mit der EarthForce One mehrere Kolonien besuchen und soll schließlich am Neujahrstag, dem 1.1.2259, auf Io eine Rede über die Beziehung der Menschen zu fremden Völkern halten. (Das Schiff des Präsidenten haben wir bereits in „Survivors“ zu sehen bekommen.) Später in der Episode erfahren wir zudem, dass Vizepräsident Morgan Clark (Gary McGurk) dieser Reise aufgrund einer angeblichen Vireninfektion für eine Weile fernbleibt.
Bei seinen Nachforschungen stößt Garibaldi auf einen Mann namens Devereaux (Edward Conery), der sich aber nicht von ihm nicht einschüchtern lässt. Devereaux wird in Gewahrsahm genommen, entkommt aber aus seiner Gefngniszelle, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass es sich hier nicht nur um eine Angelegenheit unter Kleinkriminellen handelt und Deveraux Unterstützer unter den Sicherheitskräften der Station hat.
Als Garibalid schließlich einige Frachtcontainer ausfindig macht, in denen Störsender an Bord Bord der Station geschmuggelt worden sind, zieht er aus der dort eingestellten Frequenz die richtige Schlussfolgerung: jemand will den Präsidenten umbringen! Doch kurz darauf stellt sich ihm Deveraux in den Weg – und noch viel wichtiger: hinterrücks wird Garibaldi von einem seiner eigenen Leute erschossen, der für die Verschwörer arbeitet. Dabei handelt es sich glaube ich um Garibaldis Stellvertreter, den wir schon in einigen anderen Folgen gesehen haben. Gespielt wird er von Macauly Bruton, dessen Name ja schon ein wenig nach „Brutus“ klingt. 😉
Garibaldi kann sich anschließend schwerverletzt in einen Aufzug schleppen, wird auf einer Silvesterfeier entdeckt und ins Medlab gebracht. Dort kann er Sinclair zwar noch mitteilen, dass es jemand auf den Präsidenten abgesehen hat, doch es ist zu spät: Sinclair und alle anderen ISN-Zuschauer müssen mitansehen, wie die EarthForce One mit Präsident Luis Santiago an Bord explodiert. Aufgrund der gestörten Kommunikationskanäle gelingt es Sinclair nicht, vorher noch eine Warnung zu senden. Mit der Bewachung des im Koma liegenden Garibaldi beauftragt er ausgerechnet dessen Stellvertreter…
Dieser wiederum beseitigt später ein paar lose Enden und bringt Deveraux um. Im Gespräch mit einer Senatorin von der Erde versucht Sinclair die Regierung vergeblich davon zu überzeugen, dass die Explosion des Raumschiffs des Präsidenten kein Unfall war. Doch er hat keinerlei Beweise für seine Anschuldigungen. Schließlich wird Vizepräsident Clark zum Nachfolger von Santiago ernannt und legt an Bord der EarthForce Two den Amtseid ab.
Genau wie die anderen Handlungsstränge der Episode ist die Ermordung von Santiago und der Amtsantritt von Clark wegweisend für die Zukunft der Serie: Nicht nur ist Clark ein korrupter Politiker, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Seine Politik ist auch eine völlig andere als die seines Vorgängers. In seiner ersten Rede teilt er der Erdbevölkerung mit, die Erde werde sich von nun an wieder mehr um ihre eigenen Probleme kümmern. Das hat mich beim Anschauen diese Mal stark an die Antrittsrede von Donald Trump erinnert, in der dieser die Botschaft „America First“ kundtat. (Überhaupt wird im weiteren Verlauf der Serie noch einiges an aktuelle politische Entwicklungen erinnern.)
Von dieser Entwicklung gibt es jedenfalls kein Zurück; Clark ist nun Präsident, der politsche Kurs der Erdregierung ändert sicht damit stark und auch Babylon 5 und seine Bewohner werden davon betroffen sein.

Auch Londo Mollari trifft in dieser Episode eine folgenschwere Entscheidung, die seine weitere Laufbahn entscheidend beeinflussen wird: Im oben schon erwähnten Streit mit den Narn um den Außenposten in Quadrant 37 kommt ihm unerwartet der zwielichtige Mr. Morden (Ed Wasser) zu Hilfe. Dieser hatte ihm bereits in „Signs and Portents“ einen großen Gefallen getan, scheinbar ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Mordens Hilfsbereitschaft macht Mollari misstrauisch, doch die Antwort, die Morden gibt, als er ihn darauf anspricht, sollte ihn eigentlich noch misstrauischer machen: Mollari müsse erst einmal gar keinen Preis für die Gefallen zahlen, sagt Morden. Irgendwann in der Zukunft aber würden er und seine Verbündeten auf Mollari zukommen und von ihm eine Gegenleistung erwarten. Das klingt zunächst vielleicht zu schön um wahr zu sein, bei näherer Betrachtung ähnelt es aber den Strukturen in der Mafia. (In einem der „Babylon 5“-Podcasts, die ich regelmäßig höre, wird Mr. Morden dementsprechend auch als „space mob“ bezeichnet.)
Londo nimmt Mordens Angebot jedenfalls an, ohne genau zu wissen, wie ihm dieser eigentlich helfen will und wer seine mysteriösen Verbündeten sind. Nachdem der Narn-Außenposten in Quadrant 37 schließlich restlos zerstört worden ist, steigt Londos Ansehen bei seiner eigenen Regierung natürlich enorm. Londo selbst aber ist entgeistert darüber, dass Morden zehntausend Narn hat ermorden lassen. Allerspätestens an diesem Punkt müsste er einsehen, dass er sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen hat. Ob es davon noch ein Zurück gibt, werden die kommenden Staffeln zeigen.
Dass Mr. Morden absolut nichts Gutes im Schilde führt, unterstreicht jedenfalls seine letzte Szene in dieser Episode. Darin sieht man ihn in einem Quartier mit zwei unbekannten Wesen sprechen. Es wird klar, dass Morden mit einer fremden Macht zusammenarbeitet und dass er Londo Mollari für deren Zwecke manipuliert.

Commander Sinclair versucht unterdessen im Streit zwischen Londo und G’Kar zu vermitteln. Keiner der beiden will nachgeben und G’Kar ist immer noch von tiefem Hass auf die Centauri erfüllt, die seinen Planeten verwüstet und sein Volk versklavt haben. Nach der Zerstörung des Außenpostens ist G’Kar verständlicherweise am Boden zerstört, zieht aber eine richtige Schlussfolgerung: Keines der bekannten Völker kann dafür verantwortlich sein. Die Centauri mögen zwar die größten Feinde der Narn sein, doch auch sie haben nicht die militärische Stärke, um so einen Schlag durchzuführen. Es muss also noch eine unbekannte und äußerst mächtige Partei existieren.
Am Ende der Episode hat G’Kar die Station verlassen, um diesbezüglich weitere Nachforschungen anzustellen. Er stimmt Sinclair in seiner Einschätzung zu, dass sie alle an einer Weggabelung stünden und große Veränderungen auf sie zukommen.

Auch für Minbari-Botschafterin Delenn ist diese Episode der Beginn großer Veränderungen. Wohl nirgends ist dies so offensichtlich wie in ihrem Fall, denn sie befindet sich am Ende der Folge tatsächlich in einem Kokon, einer Chrysalis. Als wer oder was sie diese wieder verlassen wird, wissen wird noch nicht. Ich weiß noch, wie ich mir nach der deutschen Erstausstrahlung der Folge darüber den Kopf zerbrochen habe. 😉
Die ganze Staffel über haben wir Delenn immer wieder ein seltsames Gebilde zusammensetzen sehen (z.B. in „Signs and Portents“), bei dem nicht klar war, ob es sich um ein Geschicklichkeitsspiel, ein Kunstobjekt oder etwas ganz anderes handelt. Nun ist klar: Es handelt sich um die Vorrichtung, welche die Chrysalis erzeugt. Die Gründe für Delenns Handeln liegen allerdings noch vollkommen im Dunkeln. Lennier stellt in ihrem Auftrag Botschafter Kosh eine (uns unbekannte) Frage, die dieser mit „ja“ beantwortet. Daraufhin sucht Delenn Kosh selbst auf, der für sie seinen Schutzanzug öffnet und ihr seine wahre Gestalt zeigt (auch das bekommen wir nicht zu sehen). Dies scheint eine Vermutung Delenns zu bestätigen, was sie wiederum in ihrem Vorhaben bestärkt, sich in einen Kokon zu begeben und einer Transformation zu unterziehen. (Dass sie schon länger über diesen Schritt nachdenkt, zeigt die Tatsache, dass in der letzten Folge die junge Thelepatin Alisa in Delenns Gedanken zufällig auf das Wort „Chrysalis“ gestolpert war.)
Bevor sie das tut, besucht sie noch Sinclair, der aber gerade keine Zeit für sie hat. Sie zeigt ihm das dreieckige Triluminarium, welches bei der Befragung Sinclairs durch die Minbari während der Schlacht um die Erde zum Einsatz kam (davon haben wir bereits in „And the Sky Full of Stars“ erfahren). Mit dem Versprechen, ihm die ganze Wahrheit zu erzählen, bittet sie ihn, sie später in ihrem Quartier zu besuchen. Sinclair hat also endlich die Chance, zu erfahren was es mit der „Lücke in seinem Gedächtnis“ auf sich hat. Doch weil er in dieser Folge genug andere Dinge um die Ohren hat, vergisst er Delenn aufzusuchen. Als Kosh ihn schließlich daran erinnert, ist es zu spät: Delenn steckt bereits im Kokon. Das Triluminarium dient Delenn schließlich auch als letztes Bauteil ihrer Maschine, mit deren Hilfe sie sich verpuppt.
Delenns Geschichte enthält hier so viele Unbekannte, dass man als Zuschauer nur abwarten kann. Die kommenden Episoden werden zeigen, was aus ihr wird und was ihr Handeln zu bedeuten hat.

Commander Sinclair hat also im Verlauf dieser Episode alle Hände voll zu tun; an eine Silvesterfeier kann er nicht einmal einen Gedanken verschwenden. Delenn verspricht ihm verblüffende Enthüllungen, sein Sicherheitschef wird schwer verletzt, der Präsident getötet und Londo und G’Kar liegen wie gewohnt miteinander im Clinch. Doch immerhin eines verspricht Sinclairs Leben Stabilität zu verleihen: seine Beziehung zu Catherine Sakai (Julia Nickson). Die beiden kennen sich seit etwa 15 Jahren und haben es nun trotz ihrer zeitraubenden Jobs geschafft, so etwas wie eine funktionierende Beziehung aufzubauen. Also macht Sinclair seiner Catherine einen Heiratsantrag – dumm nur, dass die Chemie zwischen den Schauspielern so gar nicht stimmt. (Im Audiokommentar spricht JMS von der „feurigen“ Catherine Sakai, was ich beim besten Willen nicht erkennen kann.)
Garibaldi und Ivanova werden als Trauzeugen rekrutiert (Ivanova bekommt leider die ganze Folge über kaum mehr zu tun), ansonsten dürfte Sinclair aber in dieser Episode über ziemlich wenig Gedanken an seine Verlobung verschwenden. Am Ende liegt er erschöpft in Catherines Armen und stellt fest: „Nothing is the same anymore.“ Er hat ja keine Ahnung, wie recht er hat…

JMS hat „Chrysalis“ als eine Folge bezeichnet, die weniger ein Finale darstellt als vielmehr eben nur den Abschluss des ersten Kapitels der „Babylon 5“-Geschichte. Dementsprechend erhalten wir hier auch kaum Antworten und es wird nichts zum Abschluss gebracht. Stattdessen gibt es Andeutungen, Cliffhanger und viele offene Fragen. Die erste Staffel besteht zum Großteil aus in sich abgeschlossenen Episoden, aber das Finale weist wie wohl keine andere Episode der Staffel schon darauf hin, dass JMS in größeren Handlungsbogen denkt.
Dass die Folge um die Silvesternacht herum aufgebaut ist, ist übrigens kein Zufall: Jede der fünf Staffeln von „Babylon 5“ erzählt ein Jahr der Serienhandlung. Mit „Chrysalis“ ist das Jahr 2258 abgeschlossen, die Geschichte allerdings hat gerade erst so richtig begonnen. Wie formuliert es Kosh doch am Ende treffend: „And so it begins…“

 

Highlight der Episode: „Chrysalis“ ist nicht arm an Höhepunkten, aber beim ersten Anschauen war der größte WTF-Moment für mich Delenn in ihrem Kokon. Ich konnte mir damals beim besten Willen nicht vorstellen, wo das hinführen sollte…

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

Ich habe eigentlich alles Wichtige oben im Text schon erwähnt, aber ich fasse noch einmal zusammen:

  • Präsident Santiago ist tot, sein Vize Morgan Clark wurde zum Nachfolger ernannt und verfolgt eine gänzlich andere Politik als sein Vorgänger.
  • Michael Garibaldi liegt im Koma.
  • Delenn steckt in einem Kokon. Wir wissen nicht warum oder was aus ihr werden wird.
  • Commander Sinclair und Catherine Sakai haben sich verlobt.
  • Londo Mollari ist einen Pakt mit dem Teufel eingegangen: Ohne die wahren Motive (oder die Verbündeten) von Mr. Morden zu kennen, hat er diesen das Problem um Quadrant 37 „lösen“ lassen.
  • G’Kar hat erkannt, dass es in der Galaxis eine ungeheuer mächtige, unbekannte Macht geben muss und hat die Station verlassen, um Nachforschungen anzustellen.

(Weitere) Fragen:

  • Wer bzw. welche Gruppierung steckt hinter dem Anschlag auf die Earth Force One? War Vizepräsident Clark tatsächlich krank – oder hatte er etwas mit der Explosion der EarthForce One zu tun und hat das Schiff deshalb verlassen?
  • Welche Frage hat Lennier in Delenns Auftrag an Botschafter Kosh gestellt?Was sieht Delenn, als Kosh sich ihr zeigt? Warum fühlt sie sich dadurch in ihrer Entscheidung bestätigt, sich in den Kokon zu begeben? Warum konnte sie nicht noch ein wenig mit dem Beginn ihrer Transformation warten? Sie hätte mit Sinclair sprechen können, nachdem sich die Lage auf der Station beruhigt hat und sich dann erst in den Kokon begeben können.
  • Warum lässt die Frau, die Garibaldi im Lift liegen sieht, eigentlich sofort einen Schrei los? Während einer rauschenden Silvesterparty jemanden am Boden liegen zu sehen, sollte doch gar nicht so ungewöhnlich sein.
  • Wer oder was sind die Wesen, mit denen sich Morden in seinem Quartier unterhält? Arbeitet er für sie oder sie für ihn? Welche Ziele verfolgen sie und welche Rolle soll Londo Mollari dabei spielen?

Weitere interessante Punkte:

  • Dank der mehrmaligen Datumseinblendungen und der in der Episode gezeigten Silvesterfeier wissen wir, dass die gezeigten Ereignisse im Zeitraum vom 30.12.2258 bis zum 1.1.2259 spielen.
  • Einmal mehr werden wir in dieser Folge Zeuge von G’Kars Vorliebe für menschliche Frauen. Die Szene, in der drei Frauen sein Schlafzimmer verlassen, nachdem Na’Toth zuvor noch Sinclair mitgeteilt hatte, der Botschafter sei äußerst beschäftigt, ist herrlich.
  • Die Imperatoren der Centauri können nach ihrem Tod zu Göttern erhoben werden. Aktuell befinden sich um die 50 Götter im Centauri-Pantheon.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Die Episode wurde bei ihrer Erstausstrahlung in den USA über zwei Monate nach der vorhergehenden Episode gesendet. Bereits eine Woche später ging es mit der zweiten Staffel weiter.
  • Auf dem Foto, welches Präsident Santiago zeigt, ist tatsächlich Douglas Netter zu sehen, einer der Produzenten der Serie.
  • Für Ed Wasser war diese Folge der erste Auftritt in seiner Rolle als Mr. Morden. Obwohl dieser zum ersten Mal in „Signs and Portents“ zu sehen ist, wurde das Staffelfinale vorher gefilmt (als zwölfte der 22 Episoden), damit man genug Zeit hatte, die aufwändigen Effekte fertig zu stellen.
  • Für die Szene, in der Präsident Clark an Bord der EarthForce Two eingeschworen wird, orientierte man sich an Fotos, auf denen zu sehen ist, wie Lyndon B. Johnson nach der Ermordung von John F. Kennedy an Bord der Air Force One seinen Amtseid ablegt. Zufälligerweise wurde die Szene sogar am Jahrestag dieses Ereignisses gefilmt.
  • Eigentlich hätte Laurel Takashima (Ivanovas Vorgängerin im Pilotfilm) diejenige Person sein sollen, die Garibaldi in den Rücken schießt. Doch nachdem die Schauspielerin Tamlyn Tomita für die Serie nicht zurückkehrte, teilte JMS die eigentlich für ihre Figur gedachte Verräter-Handlung auf mehrere andere Charaktere auf.
  • Für die Szene, in der G’Kar im Morgenmantel zu sehen ist, musste das Makeup von Schauspieler Andreas Katsulas auf dessen Brust und Unterarme ausgedehnt werden. Das war nicht nur äußerst zeitraubend, sondern die anschließende Entfernung auch besonders schmerzhaft.
  • Die Szene, in der Londo den Garten betritt, um dort Mr. Morden zu treffen, enthielt bei der Erstaustrahlung der Episode einen Fehler. Man hatte aus Versehen eine unfertige Version an den Fernsehsender geschickt, so dass statt des CGI-Hintergrundes ein Teil der Studiokulissen zu sehen war, inklusive eines „Exit“-Zeichens, an dem Londo vorbeigeht. Bei allen nachfolgenden Ausstrahlungen und auf den DVDs wurde der Fehler korrigiert. Mit der CGI-Ansicht des Gartens waren die Macher der Serie dennoch nicht zufrieden und er taucht in dieser Form in der Serie nie wieder auf.
  • Gleiches gilt für das Set des „Dark Star“-Nachtclubs. Der Platz wurde ab der zweiten Staffel für andere Kulissen verwendet.

Zitate:

Londo: „I think I’ll stick my head in the station’s fusion reactor. It would be quicker, and I suspect after a while I might even come to enjoy it.“
Vir: „Ambassador, why don’t you-“
Londo: „But this, this is like being nibbled to death by… What are those Earth creatures called? Feathers, long bill, webbed feet, go ‚quack‘?“
Vir:
„Cats.“
Londo:
„Cats. Like being nibbled to death by cats.“

Morden: „My associates believe that you’re a person of great potential, trapped in a position where your skills are unseen and unappreciated. They’d like to change that.“
Londo: „Yes, I’ve heard this before. And I have stopped listening. There comes a time when you look into the mirror and you realise that what you see is all that you will ever be. Then you accept it, or you kill yourself… or you stop looking into mirrors. No, nothing can be changed.“
Morden: „Then nothing’s lost by trying.“

Londo: „Is something wrong with your hearing?“
Vir: „No. Just for a moment I thought I’d entered an alternate universe.“

„If you let your anger cloud your judgment, it’ll destroy you.“ (Sinclair zu G’Kar)

„It is important that we move on to create the world that Luis Santiago would have wanted for his children, my children, and for posterity yet to come. We will begin by focusing more on the needs of our own people to sustain them through this difficult time and prepare them for the tasks ahead.“ (aus der Antrittsrede des soeben eingeschworenen Präsidenten Morgan Clark)

„And so it begins.“ (Kosh zu Sinclair)

„Nothing is the same anymore.“ (Sinclair zu Catherine Sakai)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch wird der Auftakt zur zweiten Staffel sein, „Points of Departure“. Ich verspreche euch, dass ich mir nicht wieder elf Monate Zeit dafür lassen werde…


Übersicht über die Blogposts zu den Episoden der ersten Staffel

Nachdem ich meine Besprechungen der ersten Staffel nun endlich beendet habe, poste ich hier noch eine Übersicht all meiner bisherigen „Babylon 5“-Blogposts. Einfach auf die entsprechende Episode klicken und ihr kommt zum Blogpost. 🙂 Die Reihenfolge entspricht der von JMS empfohlenen Episodenreihenfolge und weicht gerade in der ersten Staffel deutlich von der Reihenfolge auf den DVDs ab. (Dort wo die Reihenfolge abweicht, habe ich die Episodentitel fett markiert.)

„Babylon 5“ – Die Science-Fiction-Kultserie (Einführung)
„Babylon 5“-Podcasts
(noch nicht erwähnt habe ich den einzigen deutschsprachigen B5-Podcast, „Der graue Rat“!)
The Gathering (Die Zusammenkunft – Pilotfilm)

1.01    Midnight on the Firing Line (Ragesh 3)                                

1.02    Soul Hunter (Der Seelenjäger)
1.03    Born to the Purple (Die Purpurdaten)
1.04    Infection (Ein unheimlicher Fund)
1.05    The Parliament of Dreams (Angriff auf G’Kar)                               
1.06    Mind War (Die Macht des Geistes)
1.07    The War Prayer (Angriff auf die Außerirdischen)
1.08    And The Sky Full Of Stars (Gefangen im Cybernetz)
1.09    Deathwalker (Die Todesbringerin)                                                    
1.10    Believers (Die Gläubigen)
1.11    Survivors (Ein Wiedersehen mit Folgen)
1.12    By Any Means Necessary (Mit allen Mitteln…)
1.13    Signs and Portents (Visionen des Schreckens)
1.15    Grail (Der Gral)
1.16    Eyes (Die Untersuchung)
1.18    A Voice in the Wilderness – Part 1 (Angriff der Aliens – Teil 1)
1.19    A Voice in the Wilderness – Part 2 (Angriff der Aliens – Teil 2)
1.20    Babylon Squared (Verloren in der Zeit)
1.21    The Quality of Mercy (Die Heilerin)
1.14    TKO (Im Ring des Blutes)
1.17     Legacies (Krieger wider Willen)  
                                                                    
1.22    Chrysalis (Chrysalis)

Filmfest München: „Buster’s Mal Heart“, „Animal Kingdom“, „Flesh and Blood“, „The Road to Mandalay“

13 Filme in drei Tagen, das ist meine vorläufe Bilanz vom Filmfest München. Heute werden es wieder ein paar mehr, aber bevor ich gleich wieder los muss ins Kino will ich hier noch ein paar Eindrücke festhalten.

Rami Malek, bekannt aus der Serie „Mr. Robot“, spielt in „Buster’s Mal Heart“ seine erste Kinohauptrolle. Eigentlich spielt er darin sogar drei Rollen. Und eigentlich auch wieder doch nicht, es ist etwas verwirrend. Der Film jedenfalls zeigt parallel drei verschiedene Handlungsstränge: Da ist zum einen Jonah, der als Concierge in einem Hotel arbeitet – stets in der Nachtschicht. Dann ist da „Buster“, der in fremde Häuser einbricht, um dort zu übernachten und bei Radiosendern anruft, um vor dem Weltuntergang zu warnen. Und dann ist da noch ein Mann in einem einsamen Boot auf dem weiten Meer…

Buster's Mal HeartAll diese drei Männer werden von Rami Malek gespielt und wer nun erwartet, dass der Film irgendwann klar herausstellt, wie ihre Geschichten zusammenhängen, der wird enttäuscht werden. Es werden zwar Andeutungen gemacht, doch die endgültige Interpretation bleibt dem dem Zuschauer überlassen. Malek gelingt es mit seinen Darstellungen, den gesamten Film zu tragen. Dieser enthält außerdem einiges an religiöser Symbolik, u.a. in den Kirchenliedern, die zum Teil den Soundtrack bilden. Mich hat „Buster’s Mal Heart“ an „Matrix“ und „Vanilla Sky“ denken lassen, auch wenn er mit diesen beiden Filmen eigentlich kaum etwas gemeinsam hat, außer eben ein paar Andeutungen bezüglich des Sinns und Zusammenhangs der drei Geschichten. Ein seltsamer Film, aber einer der einen zum Nachdenken bringt. Wer bin ich, wer will ich sein, wie wirken sich meine Entscheidungen auf meinen weiteren Lebensweg aus und steht dieser überhaupt unter meiner eigenen Kontrolle? Das sind Fragen, die Regisseurin Sarah Adina Smith hier auf äußerst interessante Weise stellt.

Leider sind die beiden Vorstellungen von „Buster’s Mal Heart“ auf dem Filmfest bereits vorbei.

Seit einigen Jahren hat das Filmfest eine eigene Programmreihe für neue Fernsehserien. Davon habe ich mir dieses Jahr die ersten beiden Folgen von „Animal Kingdom“ angeschaut. Die Serie ist momentan in Deutschland bei TNT Serie zu sehen und basiert auf dem gleichnamigen australischen Film von 2010. Für die Serie wurde die Handlung nun in die USA verlegt. Sie beginnt mit dem Drogentod der Mutter des 17-jährigen Joshua (Finn Cole), der daraufhin zu seiner Großmutter (Ellen Barkin) zieht. Bei dieser wohnen auch ihre drei erwachsenen Söhne, die mit Raubzügen für die finanzielle Sicherheit des Familienclans sorgen – stets überwacht und geleitet von der alles kontrollierenden Matriarchin.

Animal Kingdom„Animal Kingdom“ bietet solide Unterhaltung, ist aber meiner Meinung nach in keinem Bereich wirklich herausragend. Joshua scheint mit den kriminellen Machenschaften seiner Verwandschaft von Anfang an kaum Probleme zu haben und lässt sich selbst schnell dafür einspannen. Wo bleibt da noch Raum für die Figur, sich zu entwickeln? Wie es sich für eine Serie gehört, werden mehrere Andeutungen gemacht, aus denen sich in den weiteren Folgen Storyelemente zimmern lassen. Aber all das ist Standardkost und nichts davon kann wirklich überraschen. Wer gerne halbnackten, verschwitzten Männern dabei zusieht, wie sie sich im Pool prügeln oder Autos auseinandernehmen, der kommt bei „Animal Kingdom“ wohl auf seine Kosten. Und Ellen Barkin spielt die unsympathische, aber stets um ihre Familie besorgte Mutter bzw. Großmutter wirklich gut. Aber ich werde die Serie nicht weiter verfolgen.

Interessanter fand ich da schon die in „Flesh and Blood“ dargestellte Familie. Auch hier geht es um Kriminalität, Drogenprobleme und familiären Zusammenhalt. Regisseur Mark Webber hat sich selbst und seine eigenen Familienmitglieder als Schauspieler besetzt. Er erzählt die Geschichte von Mark (Mark Webber), der nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird und bei seiner Mutter (Madeline Brewer) und seinem 13-jährigen Bruder (Guillermo Santos) unterkommt. Alle Protagonisten haben hier ihr Päckchen zu tragen: Mark droht wieder in die Sucht abzurutschen, sein Bruder muss mit einer Asperger-Diagnose und seinem Außenseiter-Status leben und die Mutter musste als Teenagerin aus einem gewalttätigen Elternhaus fliehen.

Flesh and BloodDavon erzählt der Film in authentischen Bildern, bei denen nie so ganz klar ist, wieviel denn nun gespielt bzw. im Drehbuch festgelegt ist und wann die Darsteller ganz einfach spontan miteinander interagieren. Die Interaktionen wirken jedenfalls vollkommen natürlich und der Film damit schon fast dokumentarisch. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass Marks Bruder eine Dokumentation über seine Familie dreht und wir dadurch z.B. Interviewsequenzen mit der Mutter zu sehen bekommen. Übrigens spielen auch die Väter von Mark und seinem Bruder eine wichtige Rolle. In zwei wirklich nahe gehenden Szenen wird die Begnung der jungen Männer mit ihren Vätern geschildert und was man am Ende aus diesem Film mitnimmt, ist die Erkenntnis, dass Familie wohl immer viel (Beziehungs-)Arbeit bedeutet. Ein starker Film, der einen direkt berührt und ohne künstlich wirkendes Happy End daherkommt.

Leider sind auch die Vorführungen von „Flesh and Blood“ schon vorbei.

Ebenfalls ein starker Fim ist „The Road to Mandalay“. Die junge Lianquing kommt als illegale Einwanderin von Myanmar nach Thailand. Sie hält sich mit verschiedenen Jobs über Wasser und hofft, möglichst bald eine offizielle Arbeitserlaubnis zu erhalten. Dabei erlebt sie Rückschlag um Rückschlag, gibt aber nicht auf. Guo, der mit ihr nach Thailand gekommen ist, will sie dazu überreden, eine Stelle in einer Textilfabrik zu übernehmen, die besser bezahlt wird als viele andere Jobs. Zudem empfindet er für sie mehr als nur Freundschaft, traut sich jedoch nicht, ihr seine Gefühle zu offenbaren.

The Road to MandalayRegisseur Midi Z, der bereits mit zwei früheren Werken auf dem Filmfest München zu Gast war, hat mit „The Road to Mandalay“ zwar einen Film gedreht, in dem gar nicht viel passiert. Dank der großartigen Hauptdarstellerin, die die Hoffnungen, Ängste und Leiden ihrer Figur in jeder Einstellung für den Zuschauer spürbar macht, ist der Film aber trotzdem nie langweilig. Auch dieser Film wirkt phasenweise dokumentarisch, wenn man die Protagonisten etwa bei der Arbeit in Restaurants oder Fabriken beobachtet oder bei ihrem schwierigen Umgang mit Polizei und Behörden. Bestechung und Korruption sind dabei an der Tagesordnung und die Hoffnung auf eine legale Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zerschlägt sich schnell, so dass sich Lianquing auf ebenfalls sehr frustrierende Weise gefälschte Papiere zu besorgen versucht. „The Road to Mandalay“ ist ein manchmal ernüchternder und deprimierender, aber doch stets faszinierender und authentisch wirkender Einblick in eine Welt, die sowohl erschreckende Unterschiede als auch Parallelen zu unserer mitteleuropäischen Gesellschaft aufweist. Und spätestens das Ende des Films sorgt dann dafür, dass der Film im Gedächtnis haften bleibt und lange im Kopf des Zuschauers nachwirkt.

„The Road to Mandalay“ wird noch einmal auf dem Filmfest gezeigt: am 28.6. um 20 Uhr

Copyright Bilder: Filmfest München

Fernsehen mal drei: „Designated Survivor“, „The Night Manager“ & „Wayward Pines“

Was macht man, wenn man sein Leben gerade nicht auf die Reihe kriegt und sich von Problemen ablenken lassen will? Genau, fernsehen! Das habe ich in den letzten Wochen auch wieder viel gemacht. Dabei bin ich unter anderem „Seinfeld“ verfallen – ich hatte bis vor etwa zwei Monaten tatsächlich noch keine einzige Folge der legendären Sitcom gesehen, obwohl ich schon seit Jahren ein großer Fan von Larry David bin. Auch mit „The Big Bang Theory“ habe ich endlich angefangen, nachdem ich mir schon seit Jahren anhören muss, dass ich einem gewissen Sheldon ziemlich ähnlich bin. 😉 Davon habe ich aber erst drei Folgen angeschaut. Und um diese Sitcoms soll es hier eigentlich gar nicht gehen, sondern um drei andere Serien.

Designated Survivor

In diesem Politdrama, das in den USA auf ABC und hierzulande auf Netflix zu sehen ist, wird der von Kiefer Sutherland gespielte Thomas Kirkman unerwartet zum US-Präsidenten. Er ist nämlich jener „designated survivor“, der sich, während der Präsident im Kapitol seine Rede zur Lage der Nation (State of the Union) hält, an einem geheimen Ort aufhält – nur für den Fall der Fälle, dass eben der Präsident und alle anderen Amtsträger, die für dessen Nachfolge in Frage kommen, ums Leben kommen sollten. Dieser Fall tritt hier in der ersten Episode tatsächlich ein, als ein Bombenanschlag auf das Kapitol verübt wird, dem nicht nur der US-Präsident, sein Stellvertreter und sämtliche versammelten Minister, sondern auch ein Großteil des Kongresses zum Opfer fallen.
So wird Kirkman, der bislang Minister für Wohnungsbau und Stadtplanung war (und dem der Präsident dieses Amt eigentlich wieder entziehen wollte) also Hals über Kopf vereidigt und steht fortan an der Spitze einer Regierung, in der viele den unerfahrenen Neuling sofort wieder absägen möchten. Dazu kommen chaotische Zustände, Intrigen und Verschwörungen wie sie eben nach einem das Land erschütternden Terroranschlag dazu gehören.
Ich muss zugeben, dass für mich das Spannendste an „Designated Survivor“ eigentlich die Ausgangssituation ist. Klar wäre es furchtbar, sollte dieser Fall jemals wirklich eintreffen. Aber ihn mal im Fersehen durchzuspielen, das hat schon seinen Reiz. Leider verfliegt dieser Reiz aber recht schnell wieder. Nach drei oder vier Folgen unterscheidet sich „Designated Survivor“ nur noch wenig von anderen Politthrillern. Folge für Folge muss die Serie mit immer neuen überraschenden Wendungen und schockierenden Entwicklungen aufwarten. Dadurch hat man gelegentlich das Gefühl, sich hier mehr in einer Polit-Soap zu befinden (und die Serie schreckt diesbezüglich tatsächlich nicht vor einigen sehr billigen Handlungselementen zurück – Stichwort: Sohn des Präsidenten). Insofern habe ich mich ein paar Mal an „Political Animals“ erinnert gefühlt, allerdings waren dort die schauspielerischen Leistungen deutlich besser und es handelte sich nur um eine Miniserie. Die erste Staffel von „Designated Survivor“ dagegen ist auf 22 Episoden angelegt, von denen ich bislang zehn gesehen habe. Wären bereits alle Folgen auf Netflix verfügbar, hätte ich wohl schon aufgegeben. Da hier aber ganz altmodisch jede Woche nur eine Folge veröffentlicht wird, könnte es sogar sein, dass ich dran bleibe. Und sei es nur, weil ich mich so freue, Natascha McElhone mal wieder zu sehen, die hier die First Lady spielt.
Fazit: „Designated Survivor“ ist eine Art Mischung aus „House of Cards“, „24“ und „Political Animals“. Spannende und kurzweilige Unterhaltung mit einem Kiefer Sutherland, der eben so spielt wie er es immer tut. Aber eben auch eine Serie wie viele andere.

The Night Manager

Weiter geht es von der amerikanischen Regierung zum britischen Geheimdienst. „The Night Manager“ ist in Deutschland momentan exklusiv bei Amazon Prime zu sehen. Nachdem mir mehrere Freunde von der achtteiligen Serie vorgeschwärmt hatten, habe ich mir vor kurzem selbst ein Bild gemacht – und wollte eigentlich schon nach der zweiten Episode wieder Schluss machen.
Ein Nachtmanager eines Hotels, der vom britischen Geheimdienst undercover ins Team eines weltweit operierenden Waffenhändlers eingeschleust wird? Vollkommen unglaubwürdig, dachte ich mir. Noch dazu ist die Inszenierung hier ziemlich altmodisch und behäbig, was ja nicht schlecht sein muss, aber bei mir mal wieder die Frage aufwirft, warum man denn heute gleich aus jedem Stoff eine TV-Serie machen muss. Letztes Jahr kam „Verräter wie wir“ ins Kino, genau wie „The Night Manager“ die Verfilmung eines Romans von John le Carré. Der Film war zwar kein Meisterwerk, aber spannend und gut gespielt und inszeniert (meine Kritik könnt ihr hier lesen). Aber auf acht Episoden breitgetreten hätte ich den Stoff nicht gebraucht. Auch „The Night Manager“ hat die Streckung des Stoffes meiner Meinung nach nicht gut getan. Man hätte doch auch einen flotten und spannenden Zweiteiler inszenieren können? Stattdessen müssen (oder dürfen) wir nun Tom Hiddleston (als Nachtmanager, der zum Spion wird) und Hugh Laurie (als auf großem Fuß lebenden Waffenhändler) acht Folgen lang dabei zusehen, wie sie sich misstrauisch anschauen.
Mir war das wie gesagt nach zwei Folgen schon zu langweilig; ich habe danach nur weiter zugeschaut, weil mir eine Freundin eingeredet hat, danach gehe es doch erst richtig los. Tut es aber nicht, sondern es geht einfach genauso weiter, wie es angefangen hat. Und das mit dem Hotelmanager, der zum Undercoveragenten wird, mag zwar realistischer sein, als ich zunächst dachte. John le Carré hat schließlich selbst eine Vergangenheit im Geheimdienst und wird schon wissen, wovon er schreibt. Trotzdem haben mich hier nicht einmal die guten Schauspieler überzeugen können. Weil es nur acht Folgen waren, habe ich mich halt irgendwie durchgequält, großen Spaß gemacht hat es mir allerdings nicht.

Wayward Pines

Ganz anders verhält es sich mit „Wayward Pines“: Danach bin ich momentan regelrecht süchtig. Ich wollte vorgestern abends eigentlich nur die ersten zwei Folgen anschauen, daraus wurden dann fünf (und gestern noch einmal zwei). Die Mystery-Serie stand schon lange auf meiner „to watch“-Liste, weil sie von M. Night Shyamalan produziert wird, der auch bei der ersten Folge Regie geführt hat (auch die durch „Stranger Things“ bekannt gewordenen Duffer-Brüder sind als Produzenten und bei einigen Episoden auch als Drehbuchautoren beteiligt).
„Wayward Pines“ basiert auf einer Romantrilogie von Blake Crouch und wird oft mit „Twin Peaks“ verglichen. Der Vergleich ist allerdings trügerisch. Gemeinsam haben beide Serien, dass jeweils ein Geheimagent in eine US-Kleinstadt kommt, um dort ein Verbrechen aufzuklären. In beiden Serien trifft dieser Agent auf allerlei sonderbare und schräge Stadtbewohner. Aber viel weiter gehen die Ähnlichkeiten meiner Meinung nach nicht, da sich in „Wayward Pines“ die Handlung ab der Mitte der ersten Staffel in eine vollkommen andere Richtung entwickelt als bei „Twin Peaks“. Generell möchte ich über die Handlung nicht viel mehr verraten und kann jedem nur empfehlen, sich vorher möglichst nicht spoilern zu lassen. Wie der von Matt Dillon gespielte Ethan Burke hier in den ersten Folgen in eine durch und durch kafkaeske, alptraumhafte Situation gerät, ist nämlich hochspannend, sodass man am Ende jeder Folge gleich weiter schauen muss, um Antworten zu finden. Warum wollen die Bewohner von Wayward Pines scheinbar nicht, dass Ethan die Stadt wieder verlässt? Warum scheint es für sie verboten zu sein, über ihre Vergangenheit zu sprechen? Das sind nur zwei der zahlreichen Fragen, die am Anfang für Kopfkratzen sorgen.
Die Serie wartet mit ein paar überraschenden Wendungen auf, von denen zumindest eine ein richtig großer „WTF!?“-Moment ist. Den kann man dann doof finden oder eben richtig großartig (so wie ich). Auf jeden Fall hat mich die Serie nun äußerst neugierig auf die Romane von Blake Crouch gemacht (auf alle seine Bücher, nicht nur die Vorlagen zu „Wayward Pines“). Momentan exisitieren zwei Staffeln der TV-Serie mit jeweils zehn Folgen. Eine dritte Staffel scheint derzeit nicht in Planung zu sein, allerdings war auch schon die Pause zwischen den ersten beiden Staffeln ungewöhnlich lang (weswegen auch einige Darsteller für die zweite Staffel nicht mehr oder nicht im gewohnten Umfang zur Verfügung standen).
Es wundert mich, dass die Serie kein größerer Hit geworden ist, denn sie schlägt einige Themen an, die in den letzten Jahren eigentlich ziemlich angesagt sind (ich muss leider so vage bleiben, um Spoiler zu vermeiden). Die Darstellerriege ist mit Matt Dillon, Melissa Leo, Terrence Howard, Toby Jones, Juliette Lewis und Hope Davis äußerst beeindruckend. Vielleicht haben sich manche potentielle Zuschauer von Shyamalans Namen abschrecken lassen… Ich werde heute Abend auf jeden Fall die erste Staffel zu Ende anschauen. Mal sehen, ob meine Begeisterung danach noch genau so groß ist.
Die erste Staffel von „Wayward Pines“ ist in Deutschland auf DVD/Bluray sowie auf Amazon Prime verfügbar. Staffel 2 kann bei Amazon als Video-Download gekauft werden. (Zudem war/ist die Serie anscheinend in der Free-TV-Erstausstrahlung auf ZDFneo zu sehen.) Begleitend zur Serie gibt es die aus zehn dreiminütigen Kurzepisoden bestehende Serie „Gone“, die man auf YouTube finden kann. (Ich habe sie noch nicht angeschaut, bin aber schon gespannt, was mich dabei erwartet.)

Buffy the Vampire Slayer – Season 6

Meine Beziehung zu „Buffy“ hatte so schön angefangen: Während der ersten Staffeln war ich von der Serie restlos begeistert (und habe das auch in Blogposts hier, hier und hier zum Ausdruck gebracht). Aber die vierte Staffel zeigte dann einige merkliche Schwächen und die fünfte war für mich die eindeutig schlechteste der Serie. Schon damals hatte ich keine Lust mehr, einen so ausführlichen Blogpost zu verfassen wie noch zu den ersten Staffeln.
Auch mit dem Bloggen über Staffel sechs habe ich mir lange Zeit gelassen. Ich habe die Staffel bereits vor mehreren Monaten angeschaut; nun liegen vor mir einige Zettel mit Notizen, die meine Erinnerung anregen sollen…

Beginnen wir mal mit der Feststellung, dass ich das sechste Jahr von „Buffy“ wieder besser fand als das fünfte. Doch von den starken ersten drei Staffeln ist die Serie leider immer noch weit entfernt (und ich fürchte sie wird es auch in der siebten und letzten Staffel bleiben, die ich noch vor mir habe). Zwar gab es auch dieses Mal einige wirklich starke Episoden, doch die sich durch die Staffel ziehende Handlung um Jonathan und seine beiden Freunde, die sich zu kriminellen Herrschern über Sunnydale aufschwingen wollen (oder so etwas in der Art), wirkte einfach nur lächerlich und verzweifelt.
Was aber rückblickend in diesen 22 Episoden am meisten überzeugen konnte, waren die Charaktere und ihre Beziehungen. Und das war ja immer schon eine der größten Stärken von „Buffy“. Nach Buffys Tod am Ende der fünften Staffel sind ihre Freunde am Boden zerstört, desorientiert und hoffnungslos. Verzweifelt versuchen sie mithilfe eines „Buffybots“ und etwas Magie von Willow (Alyson Hannigan) das Böse im Zaum und Buffys Ableben geheim zu halten (und stellen seltsamerweise trotzdem einen Grabstein mit Buffys Namen auf ihr Grab), doch ihre Aussichten dabei sind alles andere als rosig. Da fasst Willow einen aberwitzig erscheinenden Plan: sie will einen Zauber durchführen, der Buffy zurück ins Leben holen soll.

Die Doppelfolge „Bargaining“ zum Staffelauftakt hat alles, was man sich von einer guten „Buffy“-Episode wünscht: witzige Dialoge, Action und eine konsequente Weiterentwicklung der Figuren. Auch die daran anschließende Episode „After Life“ weiß zu begeistern, u.a. mit wirklich beeindruckendem Schauspiel von Sarah Michelle Gellar, James Marsters und Michelle Trachtenberg. Nachdem Buffy erfolgreich wieder zum Leben erweckt wurde, stellt die Serie die Frage, ob Buffy denn immer noch dieselbe Person ist wie früher. Diese Frage wird Buffy und ihre Freunde die ganze Staffel über beschäftigen – ein Beispiel dafür, dass die Figuren dieses Mal vor allem mit inneren Dämonen zu kämpfen haben. Denn Buffy ist eindeutig nicht mehr dieselbe wie früher, ihre Todeserfahrung hat sie verändert. Dies kann freilich niemand so richtig nachfühlen und so steht sie mit ihren Gefühlen ziemlich alleine da.

Aber ganz alleine ist sie dann doch nicht, denn sie hat ja Spike. Der hatte im Verlauf der fünften Staffel eine ungesunde Obsession für Buffy enwickelt. Diese erwidert seine Liebe nun zwar (vorerst?) nicht, vertraut Spike aber als einzigem einige ihrer intimsten Gedanken an und, nun ja, wird auch sonst recht intim mit ihm. Die Beziehung zwischen Buffy und Spike nimmt einen Großteil der Staffel ein. Man kann sich darüber lustig machen, dass die beiden hier gefühlt in jeder Episode wilden Sex haben und dabei schon mal ein ganzes Gebäude zu Bruch gehen lassen. Aber nichts zeigt Buffys Verwirrung über sich selbst und ihre Rolle im Freundeskreis und in der Welt so eindrucksvoll, wie die (meist äußerst miese) Art, in der sie Spike hier behandelt. Wieder und wieder schläft sie mit ihm, nur um ihm jedes Mal danach ins Gesicht zu sagen, wie sehr sie ihn doch verabscheut. Irgendwann muss einem der Arme einfach leid tun. Am Ende jedoch, in Folge 19 („Seeing Red“), gesteht Buffy, dass sie doch Gefühle für Spike hat. Aber Liebe ist es nicht:

Buffy: „I have feelings for you. I do. But it’s not love. I could never trust you enough for it to be love.“
Spike: „Trust is for old marrieds, Buffy. Great love is wild, and passionate and dangerous. It burns and consumes.“
Buffy: „Until there’s nothing left. Love like that doesn’t last“

Spike kann und will mit Buffys Worten nicht umgehen, ihre Zurückweisung nicht akzeptieren. In einer schockierenden Szene versucht er, sie zu vergewaltigen. Zusammen mit einem weiteren Schock am Ende der Episode macht diese Szene „Seeing Red“ zu einer der besten Folgen der Staffel.

Dass Buffy sich in dieser Staffel mit allerlei anderen Problemen herumschlagen muss (und nicht nur mit Dämonen), zeigen beispielhaft auch ihre Geldsorgen („Out of My Mind“). „It’s not like it’s the end of the world. Which is too bad, you know, cause that I’m really good at.“, stellt Buffy fest. Es folgt eine Szene auf der Bank, in der Sarah Michelle Gellar einmal das dumme Blondchen geben darf, das der Name Buffy nahelegt (ein Bild, das die Serie sonst immer so gekonnt unterläuft). Vampire pfählen fällt Buffy nicht schwer, aber was ganz alltägliche Probleme betrifft fühlt sie sich oft genauso hilflos wie alle anderen.

Natürlich kann man nicht über die sechste Staffel schreiben, ohne auch ein paar Worte über die Musicalepisode zu verlieren. Was soll ich sagen? „Once More With Feeling“ ist einfach großartig! Mit Musik kann man Emotionen vielleicht so direkt und unmittelbar zum Ausdruck bringen wie auf keine andere Weise und Joss Whedon nutzt dies gleich doppelt: zum einen, weil die Episode ihre Geschichte und damit das Innenleben der handelnden (und singenden und tanzenden) Figuren über Lieder ausdrückt. Und zum anderen (Whedon wäre nicht Whedeon, wenn nicht auch seine Musicalepisode etwas meta wäre), weil es eben auch in der Episode selbst genau darum geht – Buffy, Xander, Giles usw. können auf einmal gar nicht anders, als ihre innersten Gefühle über Gesang und Tanz nach außen zu posaunen, ob sie wollen oder nicht. Das führt zu einigen wirklich fantastischen Szenen und obendrein ist das Ganze nicht als Stand Alone-Folge konzipiert, sondern entwickelt auch noch die Handlung und Beziehungen weiter. Hut ab, Herr Whedon!

Auch die daran anschließende Folge „Tabula Rasa“ weiß noch zu begeistern. Darin versucht Willow, bestimmte unliebsame Erinnerungen aus Taras bzw. Buffys Gedächtnis zu löschen. Doch der Zauber geht schief und so leidet plötzlich die ganze Scooby Gang an  Gedächtnisverlust. Sie erinnern sich an nichts, nicht einmal an ihre Namen, und versuchen in einer herrlich komischen Szene zu rekonstruieren, in welchen Beziehungen sie wohl zueinander stehen. Ob man Buffy-Neulinge wohl mit dieser Folge an die Serie heranfüheren könnte? Am Ende ist die Gang jedenfalls gespaltener denn je und Tara (Amber Benson) verlässt Willow.

Eine weitere gute Folge war „Wrecked“ (6.10), in der Willow erstmals eingesteht, dass sie ein ernstes Problem hat. Sie ist quasi süchtig nach Magie und Hexerei, welche man hier als Metapher für reale Drogen sehen kann. Fortan geht Willow auf kalten Entzug und verspricht, sich von der Hexerei fern zu halten. Alles in allem war die erste Hälfte der Staffel also gar nicht so schlecht, jedenfalls wenn man davon absieht, dass weit und breit kein ernst zu nehmender großer Bösewicht in Aussicht war und Jonathon & Co. einfach nur nervten. Die zweite Staffelhälfte legt mit „Doublemeat Palace“ leider einen grauenhaften Start hin. Die Folge spielt fast ausschließlich in einem Fastfoodrestaurant, in dem Buffy nun arbeitet und wo natürlich Dämonen am Werk sind. Das Ganze ist aber so langweilig und peinlich geraten, dass die Folge sicher in vielen Listen der schlechtesten „Buffy“-Episoden ihren Platz finden dürfte.

Für den Rest der Staffel tritt die Serie ein wenig auf der Stelle. Buffy erniedrigt Spike regelmäßig, Xander trauert Anya hinterher, die er kurz vor der Trauung hat sitzen lassen. Und Willow kann die Finger natürlich doch nicht ganz von der Magie lassen, was dazu führt, dass wir wenigstens für die letzten drei Episoden eine richtig spannende Handlung mit einem ernstzunehmendem Gegner für Buffy bekommen: Willow. Dazu gleich mehr, vorher aber noch ein paar Worte zu Episode 17 („Normal Again“), die zumindest bei mir gekonnt Verwirrung darüber gestiftet hat, was hier denn nun real ist und was nicht. Die Episode will uns – und Buffy – nämlich glauben machen, dass die letzten sechs Jahre, die wir gemeinsam mit Buffy in Sunnydale erlebt haben, gar nicht so stattgefunden haben. Stattdessen soll Buffy sich alles – inklusive ihrer Freunde wie Willow, Xander und Giles – nur eingebildet haben und seit sechs Jahren in einer psychiatrischen Klinik leben. Natürlich ist es am Ende die Klinik, die sich als Wahnvorstellung entpuppt, aber man merkt Buffy an, dass sie eigentlich gar nicht so viel dagegen hätte, wenn sie den Ereignissen und Problemen in Sunnydale entfliehen könnte. Wünschen wir uns das nicht alle manchmal? Dass unser ganzes Leben, all unsere Sorgen und Probleme nur eine Illusion, eine Wahnvorstellung sind? Je weiter man diese Gedanken treibt, um so mehr nähert man sich der Schwelle an, an der man vor der Frage steht, ob man nun endgültig verrückt werden werden oder aber sich der Realität stellen will. Und Buffy entscheidet sich für letzteres. Hervorragend – die Entscheidung ebenso wie die Episode.

Nun also zurück zu den letzten Folgen, in denen Alyson Hannigan als Willow mal so richtig schön böse sein darf. Nach einer Durststrecke mittelmäßiger Episoden (die nur durch „Normal Again“ unterbrochen wurde), nimmt die Staffel also erst am Ende von „Seeing Red“ so richtig Fahrt auf, um dann einen sich über drei Folgen hinziehenden Showdown zu bieten, der zwar nicht für alles Vorhergehende entschädigt, aber doch für so Manches. Ich habe mir zu diesen Folgen kaum Notizen gemacht, was aber nur für ihre Qualität spricht. Ich saß ganz einfach so gebannt vor dem Bildschirm, dass ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin! Giles (Anthony Stewart Head), der sich seiner Mentorenrolle entsprechend zu Beginn der Staffel nach England zurückgezogen hatte (gut, eigentlich hätte er nach den Regeln der klassischen Heldenreise ja sterben müssen), kehrt schließlich zurück, um Buffy im Kampf gegen Willow zu unterstützen. Am Ende ist es aber Xander (Nicholas Brendon), der Willow besiegt bzw. sie wieder zur Vernunft bringt. Action und große Kämpfe haben wir zu diesem Zeitpunkt schon so einige gesehen und so ist es umso angenehmer, dass der entscheidende Sieg dann nicht mit Gewalt errungen wird, sondern mit der Kraft von Liebe und Freundschaft. Mit ehrlichen, einfühlsamen Worten schafft es Xander, Willow von ihrem Irrweg abzubringen und zurück auf die Seite des Guten zu holen.

Insgesamt war diese Staffel also vielleicht doch nicht so schlecht, wie ich noch zu Beginn dieses Textes gedacht hatte. Sie hatte durchaus großartige Momente, einige herausragende Episoden und ein furioses Finale (inklusive eines Cliffhangers: Spike hat seine Seele zurück bekommen!). Die Figuren sind alle nicht mehr dieselben wie noch zu Beginn der Staffel (und ganz bestimmt nicht mehr wie zu Beginn der Serie). Die Entwicklungen, die sie durchgemacht haben, kann man vielleicht erst im Rückblick erkennen und zu schätzen wissen. Dennoch hätte ich mir eine interessantere Handlung und einen richtig guten, charismatischen Bösewicht für die Staffel gewünscht, nachdem wir beides auch schon in der fünften Staffel nicht bekommen haben. Ich bin schon sehr gespannt, ob die siebte  Staffel der Geschichte und den Charakteren noch auf sinnvolle Weise etwas hinzufügen wird. Dass ich mit dem Anschauen der letzten Staffel immer noch nicht angefangen habe, liegt auch daran, dass ich nicht will, dass die Serie ein Ende findet…

Eine Anmerkung noch: Natürlich habe ich parallel zur vierten Staffel von „Buffy“ auch „Angel“ weiter angeschaut (in diesem Fall die dritte Staffel). Das war zumeist aber mehr die Pflichtübung eines Komplettheitsfanatikers. Einige der Figuren mag ich inzwischen zwar recht gerne, aber insgesamt kann ich der Serie längst nicht so viel abgewinnen wie „Buffy“ und gucke sie halt nur, weil sie auch ins Buffyverse gehört.

Das war 2016 – Mein persönlicher Film- und Serien-Jahresrückblick

Zum letzten (und bisher einzigen) Mal habe ich hier im Blog 2013 einen Jahresrückblick geschrieben. 2016 habe ich es endlich mal wieder (auf den letzten Drücker) geschafft!
Wie auch schon 2013 werde ich hier zusammenfassen, welche besonders guten und schlechten Filme und TV-Serien ich dieses Jahr gesehen habe – ganz egal, ob es sich dabei um neue oder schon ältere Veröffentlichungen handelt.

Die besten neuen Filme

Beginnen wir mal mit den neuen, also in diesem Jahr veröffentlichten Filmen. Da fällt es mir leicht, meine „Top 3“ zusammen zu stellen (aber nicht leicht, sie in eine Reihenfolge zu bringen). „Room“ („Raum“) kam bereits im Frühjahr ins Kino und ich habe den Film seitdem nicht noch einmal gesehen, aber weil ich zwischenzeitlich das Hörbuch zu Emma Donoghues Romanvorlage gehört habe, sind mir die Geschichte und die Figuren immer noch sehr präsent. Lenny Abrahamsons Film um einen Jungen, der gemeinsam mit seiner Mutter jahrelang von einem Entführer gefangen gehalten wird und vollkommen von der Außenwelt abgeschottet aufwächst, ist ein kleines Wunderwerk. Denn trotz dieser düster und depressiv klingenden Ausgangssituation ist der Film das genaue Gegenteil von düster: „Room“ ist ein hoffnungsvoller Film, was nicht zuletzt an den hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller Brie Larson (die dafür einen Oscar gewann) und des siebenjährigen Jacob Tremblay liegt. Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch einmal anschauen. Aufgrund einer sehr persönlichen Beziehung, die ich zu der Geschichte habe, könnte er sogar zu einem meiner Lieblingsfilme werden!

Ein weiterer äußerst emotionaler Filmhöhepunkt war dieses Jahr ganz klar „Closet Monster“ von Stephen Dunn. Das Spielfilmdebüt des jungen kanadischen jungen kanadischen Regisseurs strotzt nur so vor kreativen Einfällen und ist in seiner Ausführung so gelungen, dass man gar nicht glauben mag, dass da jemand seinen ersten Kinofilm inszeniert hat! Und natürlich gibt es in keinem anderen Film einen Hamster, der von Isabella Rossellini gesprochen wird! 😉 (Hier könnt ihr meine Filmkritik auf filmszene.de lesen.)

Dass es wie bereits 2015 ein deutscher Film ganz weit nach oben in meiner Top-Ten-Liste schaffen würde, hätte ich nicht erwartet (schon allein, weil ich nicht besonders viele deutsche Filme anschaue). An „Toni Erdmann“ führte in diesem Jahr aber nicht nur kein Weg vorbei, sondern der Film wird seinem Ruf auch wirklich gerecht! Auf so eine Geschichte, in der ein von seiner Tochter entfremdeter Vater dieser über den Umweg einer erfundenen Persönlichkeit wieder näher zu kommen versucht, muss man erst einmal kommen. Aber selbst dann hätte noch eine Menge schiefgehen können, zum Beispiel wenn Regisseurin Maren Ade den Stoff als platte Komödie inszeniert und zur Vorlage für lauter dämliche Witze genommen hätte. Hat sie aber natürlich nicht. Das Endergebnis ist einfach nur großartig – ein Film wie kein anderer. Ein Bekannter von mir hat „Toni Erdmann“ allerdings mit „Borat“ verglichen und ich muss zugeben, dass er damit nicht ganz unrecht hat. Trotzdem handelt es sich um zwei sehr verschiedene Filme, vor allem wohl deshalb, weil Ade die Figuren und Situationen in ihrem Film nie um der bloßen Provokation willen oder für einen billigen Lacher eskalieren lässt. (Meine ausführliche Filmkritik könnt ihr hier lesen.)

Weitere Filmhighlights waren dieses Jahr für micht „Everybody Wants Some!!“ von Richard Linklater (nach dem Kinobesuch bin ich singend und tanzend durch die Straßen gelaufen) und „The Girl With All The Gifts“, ein schauspielerisch wie atmosphärisch extrem gut gemachter Zombiefilm, den ich auf dem Fantasy Filmfest gesehen habe (regulärer Kinostart wird im Februar sein). Auch „Arrival“ von Denis Villeneuve gehört ganz klar zu den besten neuen Filmen von 2016. Nicht nur Science-Fiction-Fans sollten hier definitv einen Blick riskieren.

Das waren die sechs besten, neuen Filme, die ich 2016 gesehen habe. Es gab aber natürlich noch eine Reihe weiterer guter bis sehr guter, die erwähnenswert sind. Da wäre zum Beispiel die Dokumentation „The Hunting Ground“ über sexuellen Missbrauch an US-Universitäten (verfügbar auf Netflix). Auch Jeff Nichols‘ Mystery-Drama „Midnight Special“ hat mir gut gefallen und ich muss ihn definitiv noch einmal anschauen.
Marvel hat dieses Jahr mit dem dritten „Captain America“-Film „Civil War“ einen Volltreffer hingelegt – ich habe mich blendend unterhalten gefühlt, aber einen Großteil des Films schon lange wieder vergessen.

Der neue Tim Burton-Film „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ („Die Insel der besonderen Kinder“) hat mir gut gefallen, auch wenn er wohl nicht zu den großen Meisterwerken des Regisseurs zählt. Als Beatles-Fan fand ich auch Ron Howard’s Dokumentation „Eight Days A Week“ sehr schön, aber man muss den Beatles natürlich schon grundsätzlich etwas abgewinnen können, um hier auf seine Kosten zu kommen (aber wer kann das bitteschön nicht?).

Zumindest von der Form her interessant fand ich „Der Nachtmahr“, allerdings liefen all die inszenierungstechnischen Tricksereien dabei irgendwie ins Leere, sodass der Film mehr versprach als er letztendlich einlösen konnte. Gegen Jahresende schließlich hat mich der neue Disney-Animationsfilm „Moana“ (in Deutschland „Vaiana“) gut amüsiert. Und auch das diesjähriger „Star Wars“-Abenteuer „Rogue One“ fand ich als großer Fan der Sternensaga trotz einiger Schwachstellen doch ziemlich gelungen.

Auch auf dem Filmfest München habe ich dieses Jahr wieder viele tolle (und auch ein paar nicht so tolle) Filme gesehen, über die ich größtenteils gebloggt habe. Ein paar davon habe ich hier schon genannt, hinzuzufügen wären aber zum Beispiel noch „Ein deutsches Leben“, „Oleg Y Las Raras Artes“ und „Die letzte Sau“.

Was ich sonst noch für tolle Filme angeschaut habe

Neben diesen Neustarts gab es jedoch auch ziemlich viele ältere Filme, die ich 2016 nachgeholt habe. M. Night Shyamalan hat 2015 mit „The Visit“ endlich mal wieder einen spannenden und gelungenen Film abgeliefert. Aber auch die Österreicher können Horror! Das haben vor zwei Jahren Severin Fiala und Veronika Franz mit der Genre-Perle „Ich seh ich seh“ bewiesen, die ich ebenfalls dieses Jahr gesehen habe und wirklich sehr empfehlen kann!

Noch besser fand ich „Nightcrawler“, in dem Jake Gyllenhaal vor zwei Jahren als ehrgeiziger TV-Journalist zu sehen war. Ein fantastisches Stück Kino, ein bitterböser Blick auf die harte Medien- und Journalismusbranche und ein grandioser Soundtrack! Auch „Love Steaks“ hat mich begeistert. Die deutsche Low Budget-Produktion hat vor einigen Jahren auf mehreren Festivals für Aufsehen gesorgt; nun habe ich sie auch endlich gesehen und war begeistert von der Unmittelbarkeit und Natürlichkeit dieser etwas anderen (oder vielleicht einfach nur kino-untypischen und realistischen?) Liebesgeschichte. Auch Wim Wenders Dokumentation „The Salt of the Earth“ über den Fotografen Sebastião Salgado fand ich sehr beeindruckend. Und wenn ich schon bei deutschen Filmen bin: Auch die Komödie „Wir sind die Neuen“ hat mich positiv überrascht, weil hier das Aufeinandertreffen der Generationen wirklich mit Witz behandelt wird und die Schauspieler sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

Als großer David Bowie-Fan war 2016 natürlich kein gutes Jahr für mich; „The Man Who Fell to Earth“ („Der Mann, der vom Himmel fiel“) habe ich erst nach Bowies Tod zum ersten Mal gesehen – und muss den Film auf jeden Fall irgendwann noch einmal anschauen. Weitere Kultfilme, die ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, waren „The Exorcist“ („Der Exorzist“), „Thelma & Louise“, „Interview with the Vampire“ („Interview mit einem Vampir“) und „Zoolander“ (Teil zwei habe ich einige Tage später angeschaut). Nachdem ich die „Godfather“-Trilogie zum Geburtstag bekommen hatte, habe ich außerdem mehrere Abende damit verbracht, mir mal wieder Francis Ford Coppolas Saga einer italo-amerikanischen Familie zu Gemüte zu führen. Würden Mario Puzos Romane heute verfilmt werden, dann würde man daraus wahrscheinlich eine TV-Serie machen, also habe ich mir die Filme häppchenweise in feierabendfreundlichen Blöcken von 60 bis 90 Minuten über mehrere Abende verteilt angeschaut. Auch die „Alien“-Filme habe ich mir dieses Jahr mal wieder alle angeschaut, und zwar gleich mehrfach: Teil 1 bis 3 habe ich sowohl in der Kinofassung als auch in den auf den Blu-rays enthaltenen längeren Schnittfassungen angeschaut. Bei „Alien: Resurrection“ habe ich es allerdings bei der Kinofassung belassen, da ich mir diesen Murks nicht noch einmal antun wollte.

Die schlechtesten Filme des Jahres

Wie jedes Jahr gab es auch 2016 ein paar Filme, über die ich mich richtig geärgert habe. Ganz oben auf der Liste steht „Independence Day: Resurgence“. Ganz ehrlich, ich hätte die zehn Euro, die ich hier für den Kinobesuch ausgegeben habe, lieber verbrennen und dann dabei zuschauen sollen. Das wäre unterhaltsamer gewesen als diese völlig uninspirierte, vor Klischees nur so strotzende Fortsetzung von Roland Emmerichs Science Fiction-Klassiker. Dicht dahinter folgt „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Es ist mir unbegreiflich, warum Zack Snyder immer noch riesige Budgets anvertraut werden, wo doch jedes Mal so ein Murks dabei herauskommt. (Halt, ich verstehe es doch: seine Filme spielen das Geld – und sogar noch mehr! – nämlich tatsächlich wieder ein. Unbegreiflich!) Auch die zweite Comicverfilmung aus dem DC-Universum, „Suicide Squad“, fand ich grottenschlecht. Ich kenne mich mit Comics zwar kaum aus, aber bei Marvel schaffen sie es immerhin, unterhaltsame Filme rauszuhauen!

Wobei es zumindest einen Marvel-Film gab, den ich dieses Jahr auch ziemlich schlecht fand: „X-Men: Apocalpyse“. Der gehört zwar nicht zum „Marvel Cinematic Universe“ von Disney, aber gerade weil die beiden vorherigen „X-Men“-Filme so großartig waren, hatte ich mir einen würdigen Abschluss dieser Trilogie gewünscht. Weitere Filmgurken aus 2016 waren „Die 5. Welle“ und „London Has Fallen“. Bei letzterem war mir das eigentlich schon vorher klar, schließlich war auch schon Teil 1 nur leidlich unterhaltsam. Ich schaue mir solche Filme wohl nur an, um sie dann am Jahresende auf meine Flop-Liste setzen zu können… 😉 Auch bei Duncan Jones Videospielverfilming „Warcraft: The Beginning“ habe ich nach etwa einer Viertelstunde geistig abgeschaltet und darauf gehofft, dass es bald vorbei ist. Schade, denn ich bin ein großer Fan seiner ersten beiden Filme „Moon“ und „Source Code“. Dass die neue „Ben Hur“-Verfilmung einfach nur überflüssig sein würde, war mir natürlich auch schon vorher klar. Angeschaut (und darüber geschrieben) habe ich den Film trotzdem.

…und noch mehr schlechte Filme

Als hätte 2016 nicht schon genug schlechte Filme hervorgebracht, habe ich mir zusätzlich auch noch einige ältere Filmgurken reingezogen. Das ging Anfang des Jahres los mit Cameron Crowes „Aloha“. Ich bin ja wirklich ein großer Fan von Crowe und zähle mit „Almost Famous“ und „Vanilla Sky“ zwei seiner Werke zu meinen Lieblingsfilmen, aber was er mit „Aloha“ abgeliefert hat, ist einfach so was von langweilig, uninspiriert und voller Klischees, dass man sich fragt, ob da wirklich noch derselbe Autor und Regisseur am Werk war. Schade! Josh Tranks „Fantastic Four“-Verfilmung von 2015 war auch nicht besser, konnte mich aber immerhin mit unfreiwilliger Komik unterhalten. Auch in diesem Fall kann man aber nur sagen: schade, dass nichts Besseres dabei herausgekommen ist. „Chronicle“ wird wohl Tranks bester Superheldenfilm bleiben…

Auch richtig schlecht fand ich Disneys Realversion von bzw. Parallelgeschichte zu „Dornröschen“, „Maleficent“. Schrecklich gelangweilt habe ich mich bei Angelina Jolies „By the Sea“ und „Kingsman“ fand ich extrem dämlich. Dass mich auch die „Hunger Games“ mit „Mockingjay: Teil 2“ nicht mehr begeistern konnten, hat mich nach dem extrem handlungsarmen dritten Film nicht mehr überrascht. Der bei weitem schlechteste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe, war jedoch der Weinachts-Grusel „Krampus“. So etwas kommt also dabei heraus, wenn sich die Amerikaner an für sie wohl total exotisch anmutenden mitteleuropäischen Schreckgestalten abarbeiten! Cultural appropriation mal anders…

Mein Serienjahr

Ich habe 2016 zwar knapp 200 neue, alte und teils auch altbekannte Filme angeschaut, aber es hätten noch wesentlich mehr sein können, wenn es nicht so viele gute TV-Serien gäbe. Dass „Hannibal“ ein vorzeitiges Ende gefunden hat, ist für mich eine mittelschwere Katastrophe. Bryan Fullers Neuverfilmung der Romane von Thomas Harris gehört für mich zu den besten Fernsehserien überhaupt und ich hoffe sehr, dass er es doch noch irgendwie schaffen wird, eine Fortsetzung in Form einer Miniserie für irgendeine Streamingplattform zu produzieren.

Das beste Fernsehen scheint inzwischen ja sowieso auf Netflix & Co. stattzufinden. „Jessica Jones“ war für mich der bislang beste Beitrag zum filmischen Marveluniversum und auch die beiden „Daredevil“-Staffeln fand ich toll. Sehr gut unterhalten hat mich dieses Jahr auf Netflix auch die zweite Staffel von „Grace and Frankie“. Darin geht es zwar um Figuren, die mehr als doppelt so alt sind wie ich, aber wenn sie von so grandiosen Schauspielern wie Jane Fonda oder Martin Sheen gespielt werden, dann macht das auch dann riesigen Spaß, wenn man sich nicht mit allen Problemen der Figuren identifizieren kann.

Mit „Downton Abbey“ fand dieses Jahr eine meiner Lieblingsserien ihr Ende. Auch hier sind es vor allem die erstklassigen Darsteller, die das meist doch recht banale Soap-Geschehen sehenswert machen. Bei „Stranger Things“ wiederum stimmte das Gesamtpaket aus Schauspielern, Mystery-Handlung und gekonnt reproduzierter Achtziger-Jahre-Atmosphäre. Ich bin schon gespannt auf Staffel zwei! Eine weitere Staffel von „Heroes Reborn“ wird es dagegen nicht geben, was aber kein großer Verlust ist. Tim Krings Superhelden-Ensemblesoap „Heroes“ war in ihrer ersten Staffel 2006 noch revolutionär und verdammt gut, danach ging es aber leider immer weiter bergab. Der Neuaufguss „Heroes Reborn“ hätte toll werden können, aber leider hat man dabei die Schwächen der späteren „Heroes“-Staffeln nicht ausgemerzt, sondern sie nur noch verstärkt.

Richtig, richtig gut dagegen ist „Bates Motel“. Man hätte es von einem „Psycho“-Prequel nicht unbedingt erwartet, aber der auf fünf Staffeln angelegten Serie ist es tatsächlich gelungen, die Hintergründe von Norman Bates und seiner Mutter interessant und plausibel zu beleuchten. Die Staffeln drei und vier habe ich dieses Jahr hier im Blog besprochen. Weniger begeistert war ich von Woody Allens erster „Fernsehserie“ „Crisis in Six Scenes“. Ich habe „Fernsehserie“ hier bewusst in Anführungszeichen geschrieben, denn eigentlich handelt es sich dabei nur um einen in sechs Teile aufgespaltenen Film. Die jeweils 22 Minuten langen, auf Amazon Video verfügbaren Folgen bieten typischen, größtenteils recht altbackenen Woody Allen-Humor. Darunter sind zwar hin und wieder wirklich gelungene, lustige Momente, doch zu Allens besseren Werken gehört dieser „Serienfilm“ bestimmt nicht. (Außerdem verdient sich „Crisis in Six Scenes“ den Preis für den unkreativsten Titel des Jahres. Hat da jemand aus Versehen den Arbeitstitel der Serie stehen lassen!?)

Im Herbst habe ich mir die letzten Folgen von „Mad Men“ angeschaut und wurde nicht enttäuscht. Die Serie hat ihr durchgehend hohes Niveau halten können und ein nicht spektakuläres, aber angemessenes und passendes Ende gefunden. Neu angefangen habe ich dagegen mit „Scream“. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Slasherfilmreihe und es gelingt ihr recht erfolgreich, die aus den Filmen bekannte Metaeben (z.B. in Form von Diskussionen über die Regeln des Slasher-Genres) ins Fernsehen zu übertragen. Natürlich handelt es sich dabei um Unterhaltung mit nicht allzu viel Tiefgang, aber für zwischendurch eignet sich die Serie allemal. Staffel zwei habe ich auch schon angeschaut.

Eines meiner Serienlangzeitprojekte ist Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Vor ein paar Jahren habe ich mit der ersten Staffel angefangen und lasse mir zwischen den Staffeln immer ziemlich viel Zeit. Mittlerweile habe ich sechs Staffeln geschafft (und drei Staffeln von „Angel“, das ich parallel anschaue), aber erst bis zur fünften Staffel gebloggt. Ich werde demnächst mit dem Anschauen der letzten Staffel anfangen und hoffentlich auch noch einen Blogpost über Staffel sechs schreiben, aber so begeistert wie zu Beginn bin ich von der Serie nicht mehr.

Nach wie vor begeistert bin ich aber natürlich von meiner Lieblingsserie „Babylon 5“. Seit ich vor ein paar Jahren einen einführenden Überblick über J. Michael Straczynskis revolutionäre Science Fiction-Saga geschrieben habe, blogge ich in unregelmäßigen Abständen über jede einzelne Folge. Immerhin bis zur vorletzten Episode der ersten Staffel habe ich es 2016 geschafft; weitere Blogposts werden definitiv folgen, ich hatte nur in den letzten Monaten zu wenig Zeit dazu. Ebenfalls noch nicht gebloggt habe ich über Straczynskis neue Serie „Sense8“, die er zusammen mit den Wachowski-Schwestern realisiert hat. Die 2015 gestartete Netflix-Serie wurde vor einer Woche endlich mit einem Christmas Special fortgesetzt und soll im Mai eine zweite Staffel spendiert bekommen. Ich bin schon sehr gespannt, da ich „Sense8“ für eine der wichtigsten gegenwärtigen Serien halte!

Weiterhin habe ich dieses Jahr die zweite Staffel von „True Detective“ angeschaut (nicht so mein Fall) und mir endlich die Miniserie „Top of the Lake“ angesehen (schon viel eher mein Fall – und wenn mir jemand gesagt hätte, diese düstere und deprimierende Serie sei die dritte Staffel von „True Detective“, hätte ich das sofort geglaubt). Neben der zweiten Staffel von „The Newsroom“ (ich liebe Aaron Sorkins Dialoge!) habe ich mir auch die erste Staffel von „The Extant“ angeschaut (interessant, leider gibt es ja nur eine weitere Staffel).

Mit der Science Fiction-Anthologieserie „Black Mirror“ habe ich zumindest schon angefangen und bin davon sehr angetan. Auch „Devious Maids“ von „Desperate Housewives“-Schöpfer Marc Cherry habe ich begonnen zu gucken und war zumindest ein paar Tage lang süchtig danach, das hat sich also schnell wieder gelegt. Ich weiß also nicht, ob ich das weiter anschauen werde. Ach ja, bevor ich’s vergesse: ich habe dieses Jahr auch wieder ein bisschen „Star Trek“ geguckt, genauer gesagt die zweite Staffel von „Enterprise“. Ich freue mich schon auf die neue „Star Trek“-Serie, die im Mai starten wird!

Schließlich gab es dieses Jahr natürlich auch ein paar Serien, die ich anzuschauen begonnen habe, die aber nicht so ganz meinen Geschmack getroffen haben. Darunter waren „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“, „Penny Dreadful“ und „Ascension“. Auch von „The Expanse“ habe ich bislang nur zwei Folgen gesehen, die mich vor allem verwirrt haben. Bei „Luke Cage“ bin ich noch nicht über Episode 1 hinaus gekommen, die ich eigentlich nicht so toll fand. Da mir aber die anderen Marvel-Serien bei Netflix so gut gefallen haben, werde ich vielleicht doch irgendwann weitersehen. „Masters of Sex“ wollte ich schon lange sehen und habe 2016 endlich damit begonnen. Eigentlich ist die Serie ziemlich gut, aber der Funke wollte dann doch nicht überspringen. Manchmal wäre es vielleicht doch besser, nicht aus jedem Thema gleich eine Serie zu machen. Ein „Masters of Sex“-Film wäre jedenfalls sehr viel schneller zu konsumieren gewesen.

Was alle an „Mr. Robot“ so toll finden, habe ich noch nicht verstanden und hier auch nach drei oder vier Folgen erstmal Schluss gemacht. Die Serie ist zwar gut gemacht, bietet aber meiner Meinung nach nicht viel Neues. Es geht mal wieder um einen unsicheren männlichen Protagonisten, der seine Gefühle schlecht ausdrücken kann und sich im Umgang mit anderen Menschen schwertut. Das kennen wir inzwischen schon zu Genüge aus anderen Serien (Sherlock, „Dexter“).

Falls Ihr diesen Text tatsächlich bis hierhin gelesen haben solltet, wünsche ich euch an dieser Stelle ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2017! Möge es uns viele tolle neue Filme und Serien bringen. 🙂

Star Wars Rebels – Season 2

Dieser Text enthält nur einige kleine Spoiler zur zweiten Staffel!

Seit 24.11. ist die zweite Staffel von „Star Wars Rebels“ als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich. Die Serie spielt einige Jahre vor „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ (und auch noch einige Jahre vor dem wiederum unmittelbar vor Episode IV spielenden Film „Rogue One“, der bald ins Kino kommt). Die erste Staffel habe ich bereits letztes Jahr hier im Blog besprochen, nun widme ich mich der zweiten, die mit 22 Episoden deutlich länger ausgefallen ist als Staffel 1 (nur 15 Episoden).

Cover der Blu-ray-Ausgabe von Staffel 2 von "Star Wars Rebels"

In der ersten Staffel hat die kleine Rebellengruppe auf dem abgelegenen Planeten Lothal den Waisenjungen Ezra (Taylor Gray) aufgenommen. Kanan (Freddie Prinze Jr.), ein früherer Jedi, dessen Ausbildung jedoch nie beendet worden ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den machtsensitiven Ezra auszubilden, und das obwohl Darth Vader und seine Inquisitoren alle noch überlebenden Jedi gnadenlos jagen und vernichten. Den Großinquisitor haben Kanan und seine Freunde am Ende der ersten Staffel überraschend besiegt, doch in Staffel zwei bekommt Darth Vader (wie in den Filmen gesprochen von James Earl Jones) vom Imperator den Auftrag, weitere Inquisitoren auf Kanan, Ezra und die anderen Rebellen auf Lothal anzusetzen. Das Interesse Vaders und des Imperators wird noch dadurch verstärkt, dass sich Darth Vaders/Anakin Skywalkers früherer Padawan Ahsoka Tano (Ashley Eckstein) den Rebellen angeschlossen hat. Neben der Jagd, die das Imperium auf sie macht, haben die Rebellen noch andere Probleme: es fehlt ihnen an Schiffen, Waffen und Ausrüstung und nicht zuletzt auch an einem Planeten, auf dem sie eine neue geheime Basis errichten können.

Darth Vader im Duell mit Kanan

Darth Vader war in der ersten Staffel nur ganz am Anfang für eine Szene zu sehen. In Staffel zwei ist seine Rolle etwas größer, zum Glück taucht er aber dennoch nur in wenigen Folgen auf. Schließlich wäre es äußerst unglaubwürdig, den dunklen Lord der Sith immer wieder auf Kanan, Ezra und Co. treffen zu lassen, nur um jedes Mal von ihnen besiegt zu werden. Mit Vaders Auftreten in der ersten Folge geht Staffel zwei stimmungsvoll und bedrohlich los, danach sorgen vor allem die beiden neuen Inquistoren – der „fünfte Bruder“ und die „siebte Schwestere“ –  dafür, dass auch die dunkle Seite der Macht in der Serie vertreten ist. Auch die beiden kommen allerdings nicht besonders häufig vor und bleiben vollkommen eindimensionale Charaktere. Das ist besonders deshalb schade, weil ich mich sehr darauf gefreut hatte, dass Sarah Michelle Gellar („Buffy“) eine Rolle in der Serie übernimmt, doch ihre siebte Schwester wird kommt wie gesagt nur wenig vor und hat keine besonders wichtige Rolle.

Die Crew der "Ghost"Mit dem Auftauchen Ahsokas am Ende ersten Staffel war natürlich klar, dass Dave Filoni (einer der leitenden kreativen Köpfe hinter der Serie), früher oder später ein Aufeinandertreffen Ahsokas und Vaders würde inszenieren müssen. Dieses findet im brillanten Staffelfinale auch statt, zu Beginn muss Ahsoka jedoch erst einmal erschüttert feststellen, dass ihr früherer Meister noch am Leben ist und sich in den furchtbaren Darth Vader verwandelt hat. Neben Ahsoka kommen noch eine Reihe weiterer Figuren aus „The Clone Wars“ vor, allen voran Captain Rex (Dee Bradley Baker), der zusammen mit einigen weiteren Klonsoldaten die Klonkriege überlebt hat und dessen Unterstützung die Rebellen nun benötigen. Auch der bei den Fans beliebte Schmuggler Hondo Ohnaka, Heras Vater Cham Syndulla und Lando Calrissian (erneut gesprochen von Billy Dee Williams) haben Gastauftritte.

Wenn ich schon bei „The Clone Wars“ bin, so muss ich hier erneut feststellen, dass „Rebels“ beim direkten Vergleich mit der Vorgängerserie in einer Hinsicht ganz klar schlechter abschneidet: „Rebels“ sieht einfach viel schlechter aus. Das Figurendesign, die Animationen, die Locations und Hintergründe – alles wirkt hier meistens ein wenig liebloser. „The Clone Wars“ konnte visuell mit seinem eigenwilligen Figurendesign und den schönen Texturen punkten, während Rebells einfach um einiges billiger aussieht (was wohl daran liegt, dass die Serie auch billiger produziert wird).

Ezra, Kanan und HeraErzählerisch liegen die Unterschiede woanders. Während „The Clone Wars“ immer wieder wild zwischen verschiedenen Figuren, Handlungsorten und teilweise auch Zeitebenen hin- und hersprang, folgen wir in „Rebels“ derselben Gruppe an Charakteren. Abwechslung kommt dadurch ins Spiel, dass die kleine Rebellentruppe zu Beginn der Staffel von Lothal flüchten muss und erst einmal nicht dorthin zurückkehren kann. Der Wechsel zu verschiedenen Handlungsorten ist also vorprogrammiert. Zudem stellen einzelne Episoden immer wieder andere Charaktere in den Mittelpunkt. Mal geht es um Hera und die Beziehung zu ihrem Vater, dann wieder um Sabine und ihre Vergangenheit als mandalorianische Kopfgeldjägerin. Auch Zeb bekommt zwei Episoden spendiert, von denen eine zu den besten der Staffel gehört: In „The Honorable Ones“ stürzt er ausgerechnet mit dem imperialen Agent Kallus (David Oyelowo) auf einem der Monde von Geonosis ab, wo die beiden ums Überleben kämpfen müssen und auf Rettung hoffen.

Die beiden Hauptfiguren der Serie sind nach wie vor Kanan und Ezra. Letzterer muss sich damit zurecht finden, dass nun nicht mehr allein lebt und tun und lassen kann, was er will. Als Mitglied der kleinen „Familie“ an Rebellen hat er bestimmte Pflichten und muss Verantwortung übernehmen, was ihm nicht immer gefällt. Auch seine Jedi-Ausbildung unter Kanan macht ihm zu schaffen, unter anderem deshalb, weil er sich gar nicht sicher ist, ob er überhaupt ein Einsatzbesprechung der RebellenJedi werden möchte. Das macht natürlich auch Kanan zu schaffen, der zusätzlich im ersten Drittel der Staffel noch lernen muss, Captain Rex zu vertrauen – schließlich waren es die Klone, die maßgeblich für die Auslöschung der Jedi verantwortlich waren.

Die Qualität der einzelnen Episoden schwankt mitunter stark. Es gibt einige wirklich tolle und spaßige Folgen mit unterhaltsamen Actionsequenzen, aber auch ein paar ziemlich langweilige und uninspirierte Episoden. Wer sich im „Star Wars“-Universum und mit seinen Hintergründen auskennt, wird des Öfteren nette Easter Eggs entdecken. So verkleidet sich Kanan beispielsweise in „A Princess on Lothal“ (wo Prinzessin Leia ihren bislang einzigen Auftritt in „Rebels“ hat) als Sturmtruppler und geht in Sturmtruppenrüstung mit seinem Lichtschwert in der Hand auf einen AT-AT los. Der belesene Fan muss dabei natürlich sofort an die alten Konzeptzeichnungen von Ralph McQuarrie denken, die anfangs auch noch mit Lichtschwertern bewaffnete Sturmtruppler zeigten. In einer anderen Episode fällt der Begriff „Ashla“, mit dem George Lucas in frühen Drehbuchentwürfen die helle Seite der Macht bezeichnete. Und auch eine kleine Verbindung zu „Rogue One“ findet sich bereits: als die Rebellen nämlich Geonosis erreichen, stellen sie fest, dass das Imperium im Orbit des Planeten irgendetwas Riesiges hat bauen lassen. Was das bloß sein könnte…? 😉

Ahsoka Tano trifft auf ihren früheren Meister...Ihren qualitativen wie emotionalen Höhepunkt erreicht die Staffel schließlich beim Finale. Die abschließende Doppelfolge wartet nicht nur mit dem lang ersehnten Aufeinandertreffen von Darth Vader und Ahsoka auf, sondern bringt auch eine weitere altbekannte Figur zurück: Darth Maul (Sam Witwer). (Für alle, die sich jetzt wundern: er tauchte bereits in „The Clone Wars“ ab Staffel vier auf. Einen Sith Lord hält so schnell nichts auf, auch nicht dass er von Obi-Wan Kenobi mit dem Lichtschwert halbiert wird!) Dabei zeigen sich unerwartete Parallelen zwischen Maul und Ahsoka: Während Ahsoka ja bereits in „The Clone Wars“ aus dem Jedi-Orden ausgetreten war, ist auch Maul inzwischen kein Sith mehr. „Formerly Darth. Now just Maul“, stellt er sich hier vor und hat überraschend schnell Erfolg dabei, Ezras Vertrauen zu gewinnen… Darth Vader wiederum hat hier wohl den coolsten Auftritt der gesamten Serie, als er mit aktiviertem Lichtschwert und wehendem Umhang auf seinem schwebenden TIE-Fighter stehend erscheint. Wie der Kampf, in den Kanan, Ezra, Ahsoka, Vader, Maul und gleich drei Inquisitoren verwickelt sind, ausgeht, werde ich hier nicht verraten. Das Staffelfinale beantwortet ein paar Fragen, schafft aber wie es sich gehört auch einige neue. Man darf sich auf also trotz der insgesamt durchwachsenen Qualität der Staffel auch auf die dritte Season freuen, zumal darin eine der beliebtesten Figuren des alten „erweiterten Universums“ ihren ersten Auftritt haben wird: Großadmiral Thrawn.

Copyright: © 2016 & TM Lucasfilm Ltd.

Bates Motel – Season 4

Dieser Blogpost enthält Spoiler zum Ende der vierten Staffel!

Seit 3. November ist die vierte Staffel von „Bates Motel“ auf DVD und Blu-ray erhältlich. Ich war schon von der ersten Staffel an ein großer Fan der Serie (meine bisherigen Blogposts dazu findet ihr hier und hier). In der vierten Staffel kann die Serie nun ihr hohes erzählerisches und darstellerisches Niveau halten, während sie zügig weiter auf die Ereignisse hin erzählt, die wir bereits aus Hitchcocks „Psycho“ kennen.

Bates Motel - Die komplette vierte Staffel auf Blu-ray

Die Staffel beginnt damit, dass Norman Bates (Freddie Highmore) endlich dorthin kommt, wo man ihn als Zuschauer schon seit der ersten Staffel einweisen wollte: in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses. Das könnte man nun zum Anlass nehmen, erleichtert aufzuatmen, weil es schließlich bedeutet, dass Norman nun geholfen wird und sich die Dinge für ihn und seine Mutter zum Besseren wenden werden. Aber dem ist nicht so, schließlich befinden wir uns hier in einer Fernsehserie, wo – wie in fast allen Serien – Lösungen stets nur der Beginn neuer Probleme und Konflikte sind. Noch dazu wissen wir ja bereits, dass Norman eben nicht geheilt wird, sondern dass alles noch viel schlimmer werden muss…
Die Spannung speist sich hier also eine Weile daraus, dass man wissen will, was nun als nächstes schief läuft. Warum kann Norman nicht erfolgreich behandelt werden, ein gesundes Verhältnis zu seiner Mutter entwickeln und schließlich doch noch ein „ganz normaler“ junger Mann werden?

Norman Bates in der Klinik

Zunächst scheint für Norman auch alles gut zu laufen: Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten öffnet er sich seinem Therapeuten, zeigt seine große Angst und bittet ihn um Hilfe. Erneut keimt hier die Hoffnung auf, dass alles gut werden könnte. Gleichzeitig hat man als Zuschauer aber genau daran auch berechtigte Zweifel. Doch auch in der Mitte der Staffel geht es für Norman positiv weiter. Seinem Arzt gelingt ein Durchbruch, nachdem er erkannt hat, dass Norman sich häufig die Anwesenheit seiner Mutter einbildet. Mit dieser Tatsache konfrontiert, kommt Normans zweite Persönlichkeit zum Vorschein: seine Version seiner Mutter Norma, die alles tut, um Norman zu beschützen. Sein Therapeut erkennt, dass bei Norman eine dissotiative Identitätsstörung vorliegt und kann nun beginnen, seinen Patienten entsprechend zu behandeln.
Norma Bates (Vera Farmiga)In gewisser Weise ist es allerdings wieder Normans Mutter Norma (Vera Farmiga), die die Schuld daran trägt, dass alles weiter den Bach runter geht, obwohl sie Norman doch nur helfen will. Norma kann sich den teuren Klinikaufenthalt für Norman nämlich nicht leisten und heiratet deshalb den örtlichen Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell), um so an dessen gute Krankenversicherung zu kommen. Liebe ist bei dieser Hochzeit erst einmal nicht im Spiel, obwohl Romero natürlich schon lange ein Auge auf Norma geworfen hat. Nach und nach erkennen die beiden schließlich, dass sie sich wirklich gern mögen und keineswegs nur eine Scheinehe führen wollen. Vor ihrem Sohn hält Norma die Hochzeit trotzdem geheim. Doch Geheimnisse sind in TV-Serien bekanntlich nur dazu da, um früher oder später gelüftet zu werden. Als Norman also in der Klinik aus der Zeitung erfährt, dass seine Mutter geheiratet hat, fasst er den Entschluss, sofort wieder nach Hause zu gehen. Da er sich selbst in die Klinik eingewiesen hat, ist das kein großes Problem.

„You can be married to her, you can be sleeping with her, but you’re never going to get in between us.“

Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell)Und so setzt sich der Strudel aus schlimmen Ereignissen fort, sobald Norman wieder zuhause wohnt. Zusammen mit seiner Mutter und ihrem neuen Ehemann bildet er eine dysfunktionale Familie. Norman ist extrem eifersüchtig auf Romero und verlangt von diesem, sich nun wieder von Norma scheiden zu lassen. „There’s something you don’t understand.“ sagt er zu ihm, „You can be married to her, you can be sleeping with her, but you’re never going to get in between us.“ Romero entgegnet zwar, das wolle er auch gar nicht, aber er kann hier nur verlieren; das Verhältnis zwischen Norman und Norma war noch nie ein gesundes und so kommt es schließlich am Ende der Staffel zu jenem Ereignis, das man bei „Bates Motel“ schon erwartet hat, noch bevor man die erste Folge gesehen hatte…
Mehr spoilern will ich an dieser Stelle mal lieber nicht, auch wenn sich jeder, der „Psycho“ gesehen hat, denken kann, welche Tat Norman begeht. In den meisten anderen Serien käme die entsprechende Szene äußerst überraschend daher und wäre ein richtiger Hammer; bei einer Prequel-Serie wie „Bates Motel“, die auf eine bereits bekannte Geschichte und Figurenkonstellation hin erzählt, fällt die Schockwirkung aber nun einmal weg. Überraschend an der Szene ist höchstens, wie unspektakulär sie letztendlich daher kommt und dass das Ergebnis nicht ganz Normans Absichten entspricht, um hier einaml vage zu bleiben.

Am Ende der vierten Staffel ist der Prequel-Handlungsbogen von „Bates Motel“ jedenfalls fertig erzählt. Die nun noch folgende letzte Staffel kann dort beginnen, wo auch „Psycho“ ansetzte. Ich bin schon sehr gespannt, wie der berühmte Mord unter der Dusche hier umgesetzt werden wird und auf welche Weise die bekannten Ereignisse abgeändert und in die Länge gezogen werden.
Norma & NormanDie vierte Staffel konnte das Niveau der vorhergehenden Staffeln jedenfalls halten. An „Bates Motel“ stimmt einfach fast alles: Das Erzähltempo, die Hauptdarsteller, die Atmosphäre. Einzig die Handlungsstränge um die hinzu erfundenen Nebenfiguren (Dylan, Emma) wirken einmal mehr wie aufgezwungen und haben mich dieses Mal noch weniger interessiert als in den ersten drei Staffeln. Glücklicherweise hatte ich aber auch das Gefühl, dass man ihnen dieses Mal weniger Raum gegeben und sich noch mehr auf Norma(n) konzentriert hat. Vielleicht wird sich die große Stärke dieser neuen Figuren erst in der letzten Staffel zeigen, schließlich könnten sie für die nötige Variation sorgen, die Spannung in die eigentlich altbekannte „Psycho“-Geschichte bringt. Ich freue mich jedenfalls sehr auf Staffel fünf! 🙂

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