Geschützt: Sich selbst ausdrücken

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Geschützt: Mehr Berlin!

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Geschützt: Türen öffnen

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Geschützt: Mein Lieblingsselbsthilfebuch

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Geschützt: Neues wagen

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Geschützt: „Beziehungsarbeit“ mal anders

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GEHHIRN? Rette mich wer kann? Ich spiel jetzt auch Theater!

Dieses Mal gibt’s einen Blogpost in eigener Sache. Gut, eigentlich geht’s hier im Blog ja immer über mich. Schließlich schreibe ich hier nur über Dinge, die mich interessieren: Filme, TV-Serien, „Babylon 5“, Michael Jackson, „Star Wars“. Zu diesen Leidenschaften hat sich allerdings in den letzten zwei Jahren noch eine weitere gesellt: das Schauspiel.

Seit zwei Jahren bin ich Mitglied im Münchner Schauspielverein. Im Gruppen- und Einzelunterricht habe ich dort bei Florian „Floo“ Weber die Grundlagen der Schauspielerei erlernt. Improvisation oder die Arbeit an Texten, Charakteren und Gefühlslagen waren nur einige der zahlreichen spannenden Themen, mit denen wir uns befasst haben. Bald trägt unsere Arbeit nun endlich sichtbare Früchte.

GEHHIRN

GEHHIRN – am 12., 14. & 15. Oktober im „theater…und so fort“ in München

Im Oktober und November bringen wir in München unsere ersten beiden Produktionenen auf die Bühne. Los geht’s mit „GEHHIRN“ (12., 14. & 15. Oktober). Alle daran beteiligten Darsteller haben sich im Lauf der letzten Monate schauspielerisch mit zwei Monologen auseinandergesetzt. Einen davon haben sie sich selbst ausgesucht, den anderen hat Floo für jeden persönlich geschrieben. Diese Monologe werden im Verlauf der Inszenierung aber nicht einfach nur nacheinander „heruntergeleiert“ – das wäre zu eintönig. Vielmehr wird ein Teil des Abends aus einer freien Improvisation bestehen, bei der alle Schauspieler aber nichts sagen dürfen, was nicht in ihren Monologen steht! Auf diese Weise ergeben sich immer wieder absurde, irritierende Momente. Dem Publikum wird zunächst manches unklar und seltsam vorkommen, aber sobald es die jeweiligen Texte dann in ihrer Gänze hört, wird die „persönliche Geschichte“ der einzelnen Figuren deutlich.
Wie im menschlichen Gehirn, wo sich aus unzähligen Synapsenverbindungen ständig neue Verknüpfungen ergeben, entstehen auch in „GEHHIRN“ stets ganz neue, unvorhersehbare Verbindungen. Die Beteiligten werden in ihrem Zusammenspiel so zu einem Geh-Hirn. Falls sich das für euch jetzt etwas schwer vorstellbar anhört und ihr euch noch nicht sicher seid, ob sich dafür der Kauf einer Eintrittskarte lohnt, dann habe ich einen Tipp: Am 24.9. findet die erste von zwei öffentlichen Proben für die Aufführung statt. Die genauen Details und einen Link zur Anmeldung findet ihr auf der Startseite der Homepage des Schauspielvereins. Karten für die Aufführungen könnt ihr bereits auf der Homepage des Theaters reservieren.

Angélique Levenski und Maximilian Schröter

Angélique und ich bei einer Probe für „Rette mich wer kann“ (Foto: Florian Weber)

Während an „GEHHIRN“ fast alle Mitglieder des aktuellen Jahrgangs beteiligt sind, handelt es sich bei der zweiten Inszenierung, die wir nur wenige Wochen später auf die Bühne bringen, um ein Stück für zwei Personen. In „Rette mich wer kann“ (2. bis 5. November) werde ich an der Seite der wunderbaren Angélique Levenski auf der Bühne stehen. Geschrieben hat das Stück unser Schauspiellehrer Floo, der auch Regie führt. Worum geht es? Nun, zu viel will ich nicht verraten. Denn das Stück bezieht seinen Reiz zum Teil daraus, dass der Zuschauer hier für sich selbst entscheiden muss, was da eigentlich auf der Bühne passiert. Wir sehen zwei Figuren, Gisu und Moro. Doch in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Warum hat einer von ihnen eine Pistole in der Tasche? Warum bietet Moro Gisu etwas zu Trinken an, obwohl sie ihn nicht leiden kann? Warum entschuldigt sich Gisu ständig für alles Mögliche?
Obwohl vieles im Unklaren bleibt, wird eines doch im Verlauf des Stücks deutlich: Es geht hier um existentielle Fragen, um Lebenskrisen und darum, sich selbst zu akzeptieren und die eigene Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen. Insofern ist „Rette mich wer kann“ auch ein Stück über das Schauspielen. Weitere Interpretationen möchte ich hier nicht anbieten, denn ihr sollt euch wie gesagt selbst ein Bild machen. Weil es sich bei der Thematik anbietet (und weil das Stück nur etwa 40 Minuten lang ist), wird das Publikum im Anschluss zu einer Diskussionsrunde mit Floo, Angélique und mir eingeladen. Dabei gilt Ähnliches wie bei „GEHHIRN“: wir wissen noch nicht, wohin uns unsere Gedanken und Gespräche führen werden, aber es wird ganz sicher spannend!
Auch für „Rette mich wer kann“ könnt ihr natürlich schon Karten reservieren.

Die Proben zu beiden Aufführungen laufen auf Hochtouren und machen riesigen Spaß! Ich bin schon sehr gespannt auf unsere beiden Premierenabende. Wir würden uns sehr freuen, möglichst viele von euch im Theater begrüßen zu dürfen! Folgt dem Schauspielverein auf Facebook, Twitter und Instagram, um über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden zu bleiben und rechtzeitig über Termine – z.B. für kostenlSchauspielvereinose, öffentliche Proben – informiert zu werden!

Filmtonart: Wie klingt der Krieg der Sterne?

Nachdem ich von meinem ersten Film auf dem diesjährigen Filmfest München nicht gerade begeistert gewesen war, war dafür bei meinem nächsten Programmpunkt Begeisterung vorprogrammiert: Raus aus dem Kino und unter die gnadenlos vom Himmel brennende Sonne ging es für mich nun zu „Filmtonart“, einem eintägigen, jedes Jahr zeitgleich mit dem Filmfest stattfindenden „Forum für Musik und Ton“. Die dort stattfindenden Vorträge und Diskussionsrunden beschäftigen sich alle mit (Film-)Musik, ich war aber nur für ein Panel gekommen: „Star Wars – Wie klingt der Krieg der Sterne?“. Eine Stunde lang diskutierten dort  Prof. Karim Sebastian Elias (Komponist und Professor an der HFF in Potsdam-Babelsberg), Dr. Vasco Hexel (Komponist und Professor am Royal College of Music in London) und Jun. Prof. Dr. Peter Moormann (Musikwissenschaftler und Juniorprofessor an der Universität zu Köln) unter der Moderation von Gregor Wossilus (Onlineredakteur bei kinokino) über die weltbekannte Musik, die John Williams für die „Star Wars“-Saga geschrieben hat.

Zugegeben, für mich als langjährigen Fan von „Star Wars“, John Williams und Filmmusik im Allgemeinen hielt sich der Erkenntnisgewinn dabei in Grenzen. Die „Star Wars Suite“ wurde als eine der meistgespielten und bedeutendsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts gewürdigt und neben John Williams wurde auch George Lucas häufig gelobt. Der Regisseur habe es nämlich verstanden, der Musik in den Filmen Raum zu geben, John Williams immer wieder große Momente zu erlauben und sei generell ein sehr intelligenter Filmemacher. John Williams wiederum wurde als „Fährtenleger“ bezeichnet, dessen musikalische Themen und Motive Bezüge zu vergangenen wie zukünftigen Momenten in der „Star Wars“-Saga herstellen und so dem Zuschauer Orientierung bieten und das Verständnis der Geschichte (auch auf emotionaler Ebene) erleichtern. Dies wurde an vier kurzen Filmausschnitten erläutert, die die eindrucksvolle Kraft der Musik schon allein dadurch demonstrierten, dass sie bei mir alle für Gänsehaut sorgten. Wenn man Luke Skywalker auf Tatooine sehnsuchtsvoll in den Sonnenuntergang blicken sieht und dazu das berühmte „Force Theme“ erklingt, dann braucht es nun mal keine Dialoge um zu verdeutlichen, was Luke in diesem Moment fühlt.
An dieses erste Beispiel anschließend wurde die Schlussszene aus „Das Erwachen der Macht“ gezeigt (etwa drei oder vier der anwesenden Zuschauer hatten den Film tatsächlich noch nicht gesehen!), in der sich Rey und Luke gegenüberstehen. Dieses Mal ist es Rey, auf deren Gesicht sich Sehnsucht zeigt. Wieder erklingt das gleiche Thema, wird nun aber anders – nach oben – fortgeführt, sodass beim Zuschauer eine Erwartungshaltung und Spannung erzeugt wird, ganz wie es beim offenen Ende des Films angemessen ist. Dieses Arbeiten mit musikalischen Motiven wurde in der Gegenüberstellung zweier weiterer Szenen verdeutlicht: Das Einfrieren von Han Solo in „Das Imperium schlägt zurück“ – wohl meine absolute Lieblingsszene der gesamten Saga und auch musikalisch einer meiner Favouriten – und eine Szene, in der sich Han und Leia in „Das Erwachen der Macht“ über ihren Sohn unterhalten. In der Diskussion über diese Szenen wurde unter anderem verdeutlicht, dass John Williams die einmal als charakterisierende Motive eingeführten Melodien fast nie verändert, sie aber in den Harmonien und der Instrumentierung immer wieder neu variiert. Dadurch ergibt sich jedes Mal eine andere, die Szene unterstützende Atmosphäre.

All das war wie gesagt für mich nicht neu, aber interessant war das Panel trotzdem. Natürlich kann man in einer einzigen Stunde nicht im Detail die Musik der bislang sieben Filme diskutieren – dafür würde wahrscheinlich ein ganzes Semester nicht ausreichen. Interessant fand ich das Panel dennoch, zumal die vier Teilnehmer ganz klar selbst Fans von „Star Wars“ und der Musik von John Williams waren. Allen, die sich ebenfalls für Musik der „Star Wars“-Filme interessieren und sich weiter damit beschäftigen wollen, lege ich den amerikanischen Podcast „Star Wars Oxygen“ dringend ans Herz. Darin werden die Soundtracks der Filme im Detail auseinandergenommen und John Williams‘ Arbeit mit der Leitmotivtechnik für ein Laienpublikum verständlich erklärt. Über diesen Podcast habe ich hier bereits gebloggt.
Leider bin ich nun gar nicht mehr zu den anderen Filmen gekommen, die ich gestern gesehen habe. Ich muss gleich wieder ins Kino, aber sobald ich wieder eine kurze Pause vom Filmfest habe, wird hier weitergebloggt!

Paul McCartney im Münchner Olympiastadion

20160610_210404_kleinEtwa um 19:45 konnte man am gestrigen Freitagabend im Münchner Olympiastadion eine Durchsage vernehmen, in der das Publikum aufgefordert wurde, seine Plätze einzunehmen, da das Konzert pünktlich um 20 Uhr beginnen werde. Einen Gongschlag wie in der Oper gab es zwar nicht, aber was die Verankerung seiner Werke im kulturellen Allgemeingut angeht kann es Paul McCartney sowieso schon lange mit Mozart, Rossini und dergleichen aufnehmen. Das Publikum war dementsprechend bunt gemischt – von Rentnerehepaaren über fünfköpfige Familien bis hin zu Vätern, die ihre kleinen Kinder auf dem Arm hielten, wollten alle dabei sein als Sir Paul – vielleicht ja zum letzten Mal – in München sein vor allem aus Beatles-Klassikern bestehendes Programm zum Besten gab. Auf die Minute genau um 20 Uhr betrat er mit seinen vier Bandkollegen die Bühne. Leider war ein Großteil des Publikums zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingetroffen; noch eine halbe Stunde nach Konzertbeginn sah man Menschen die Stadiontreppen auf der Suche nach ihren Plätzen hinunterlaufen. Viele hatten wohl nicht damit gerechnet, dass McCartney bereits um 20 Uhr auftreten würde. Aber wer so viele weltbekannte Hits im Repertoire hat und es sich leisten kann, die Show gleich mit „A Hard Day’s Night“ zu beginnen, der braucht natürlich keine Vorband, um seine Zuschauer in Stimmung zu bringen.

Trotzdem wirkte der Auftakt etwas zäh, was aber nicht an McCartney und seiner Band lag, sondern schlicht daran, dass es durch den frühen Beginn noch viel zu hell war, um eine ordentliche Rockkonzertstimmung aufkommen zu lassen. Zum Glück hatte der Regen aber extra für diesen Tag eine Pause eingelegt und McCartneys oft auf deutsch vorgetragene Songankündigungen hielten das Publikum bei Laune. Er begrüßte das Stadion mit einem „Servus“ und stellte ebenfalls auf deutsch fest „Endlich ist der Sommer da“. Als er sich später nach der Zusammensetzung des Publikums erkundigte, erwiesen sich die Münchner überraschenderweise als Minderheit. Der weitaus größere Teil der Zuschauer kam aus anderen deutschen Städten oder dem Ausland.

Die Setlist war die gleiche wie bei den meisten anderen Konzerten der aktuellen „One On One“-Tour. Für Spontanität war dementsprechend kaum Platz im Ablauf der Show. Das ist bei einer großen Stadionproduktion, bei der alle Abläufe inklusive der auf jedes Lied abgestimmten Videoprojektionen genau geplant sind, zwar verständlich. Trotzdem wäre es schön, wenn McCartney zwei oder drei Plätze in der Setlist bereithalten würde, um sie bei jedem Konzert spontan mit anderen Songs zu befüllen. Freilich war der Ablauf der Show aber auch nur für diejenigen Zuschauer vorhersehbar, die sich vorher im Internet schlau gemacht hatten. Wer vollkommen uninformiert ins Konzert ging, der wurde durchaus des Öfteren überrascht, zum Beispiel mit der Elektro-Nummer „Temporary Secretary“ aus dem 1980er Album „McCartney II“ oder mit „In Spite Of All The Danger“, dem ersten Lied, das die Beatles jemals zusammen aufgenommen haben.

Der wohl lustigste, da ungeplante und vollkommen spontane Moment kam gegen Ende, als ein paar Zuschauer auf die Bühne geholt wurden und von McCartney mit Umarmungen und Autogrammen bedacht wurden. Ein junger Mann aus Russland redete den Ex-Beatle da mit „Paul“ an, nur um sich sogleich zu verbessern und ein „Sir Paul“ hinterherzuschieben. „Paul is fine“, versicherte McCartney dem glückseligen Fan. Musikalische Höhepunkte hatte man zu diesem Zeitpunkt schon viele erleben dürfen, darunter das richtig rockende „Nineteen Hundred and Eighty Five“, da20160610_213045_kleins als Akustiknummer vorgetragene „You Won’t See Me“ oder das erst im letzten Jahr veröffentlichte „Four Five Seconds“, das dank des eingeblendeten Texts trotz seiner relativen Unbekanntheit das Stadion zum Mitsingen animierte. Beeindruckend war ebenfalls die Darbietung des „Sgt. Pepper“-Songs „Being For The Benefit of Mr. Kite“. Dank der modernen Technik ist es heute kein Problem mehr, was Ende der Sechziger noch unmöglich war: die komplexen Sound-Tüfteleien aus der Spätphase der Beatles live auf die Bühne zu bringen. Untermalt mit psychedelischen Videoanimationen kam damit die richtige Sixties-Stimmung auf.

Der Höhepunkt des Konzerts war schließlich erreicht, als McCartney am Flügel zuerst den James Bond-Titelsong „Live and Let Die“ zum Besten gab – untermalt von einer scheinbar nicht enden wollenden Abfolge aus bunten Lasern, aus der Bühne schießenden Flammen und den Nachthimmel erleuchtenden Feuerwerksraketen. Anschließend täuschte der 73-jährige mit Gesten vor, das sei ihm jetzt doch alles zu laut und zu viel gewesen, nur um die Zuschauer mit „Hey Jude“ sofort erneut in Euphorie zu versetzen. Vielleicht noch beeindruckender als all die Laser, Videos und bombastischen Rocknummern waren aber die Momente, in denen sich der Ex-Beatle nur mit einer Akustikgitarre ganz allein auf die Bühne stellte, um Klassiker wie „Blackbird“ oder „Yesterday“ zu singen. McCartneys Stimme mag inzwischen etwas brüchig klingen, die Kraft dieser zeitlosen Klassiker aber ist ungebrochen. Meckern kann man an diesem zweieinhalbstündigen Konzertabend, an dem Sir Paul McCartney Jung und Alt mit einem aus fünfeinhalb Jahrzehnten Musikgeschichte zusammengestellten Programm bestens unterhielt, also höchstens auf sehr hohem Niveau. Aber das wollen wir hier mal bleiben lassen, denn wie lautet eine alte Beatles-Weisheit, mit der man ganz zum Schluss belehrt wurde: „And in the end, the love you take is equal to the love you make“.

Buchrezension: „Making Michael“ von Mike Smallcombe

Während es zum Zeitpunkt von Michael Jacksons Tod 2009 kaum Bücher gab, die sich ernsthaft mit seinem Werk auseinandersetzten, erscheinen in den letzten Jahren regelmäßig Sachbücher, wissenschaftliche Aufsätze und Biografien, die die Karriere Jacksons oder einzelne Teile daraus einer ausführlichen Analyse unterziehen. Zwei davon habe ich bereits hier im Blog besprochen: „Man in the Music“ von Joseph Vogel und Susan Fasts Buch über das „Dangerous“-Album. Mit „Making Michael“ hat der britische Journalist Mike Smallcombe nun eine neue Jackson-Biographie geschrieben, die sich – wie der Titel schon andeutet – ganz dem Werk von Michael Jackson widmet. Es gibt ja bereits eine ganze Reihe von Biografien über Michael Jackson; neben der 1988 erschienenen Autobiographie „Moonwalk“ wäre da vor allem J. Randy Taraborellis „The Magic, The Madness, The Whole Story“ (deutsch als „Die ultimative Biografie“ erschienen) zu erwähnen. Das Buch von Taraborelli ist sicherlich die ausführlichste Jackson-Biografie auf dem Markt, aber wenn man konkrete Informationen zu den Liedern und Alben von Michael Jackson sucht, dann ist man mit anderen Büchern besser beraten. „Man in the Music“ kann dabei bereits als Standardwerk betrachtet werden, aber auch „Making Michael“ erweist sich für alle an Jacksons Musik interessierten Leser als ein Muss.

Mike Smallcombe bezieht in seine chronologische Schilderung der Entstehung von Jacksons Liedern und Alben nämlich nicht nur zahlreiche bereits veröffentlichte Quellen ein, sondern hat auch neue Interviews mit über 60 Personen geführt, die mit Michael Jackson zusammengearbeitet haben. Sein Ziel war es, den Leser in einem „fly on the wall“-Ansatz an den Studiosessions teilhaben lassen, was ihm wirklich hervorragend gelungen ist. Dabei konzentriert sich das Buch ganz auf die Solokarriere von Michael Jackson. Zwar wird in zwei kurzen Kapiteln zu Beginn die Karriere der Jackson 5 bzw. Jacksons nacherzählt, doch diese dienen eher der Einleitung und bieten für Kenner der Materie noch nichts Neues. Mit Beginn der Arbeiten an „Off The Wall“ zeigt das Buch dann seine Stärke. Smallcombe schildert die Zusammenarbeit Jacksons mit seinem Produzenten Quincy Jones und lässt auch die wichtigen Beiträge anderer Personen nicht unter den Tisch fallen. Dabei geht er auf die Entstehung jedes einzelnen Songs ein und erwähnt natürlich auch Lieder, die es letztendlich nicht aufs Album geschafft haben. Immer wieder fördert er dabei interessante Anekdoten zutage, die sich aber nie in Tabloid-Geschwätz erschöpfen, sondern stets Aspekte von Jacksons kreativer Arbeit betreffen. Vieles davon war auch für mich neu, wie zum Beispiel die Entstehung des Fotos für das Albumcover von „Off The Wall“.

Diese chronologische Erzählweise und die Betonung der Zusammenarbeit Jacksons mit Produzenten, Studiotechnikern, Musikern, Songschreibern und Managern behält Smallcombe im ganzen Buch bei. Immer wieder wird nicht nur Michael Jacksons Drang zur Perfektion geschildert (und dessen positive wie negative Folgen), sondern auch wie er seine Mitarbeiter stets zu Höchstleistungen antrieb. So werden beispielsweise mehrere von Jacksons Musikproduzenten zitiert, er habe von ihnen und ihren Teams verlangt, völlig neue Klänge zu entwickeln. Das konnte dann schon mal dazu führen, dass sie im Hinterhof des Studios auf Mülltonnen schlugen oder Autogeräusche aufnahmen, aus denen schließlich der Instrumentaltrack für einen Song wurde („She Drives Me Wild“). Dank der Originalinterviews kann das Buch mit einer Fülle an Informationen auftrumpfen, die selbst mir noch nicht bekannt waren.

Äußerst interessant fand ich beispielsweise auch die Schilderung der genauen Zusammenarbeit mit Produzenten und Songschreibern. Neben den Liedern, die Jackson (fast) alleine schrieb („Heal The World“, „Speechless“) und solchen, die von anderen geschrieben wurden („Rock With You“, „Human Nature“, „Man In The Mirror“) wurden nämlich auch zahlreiche seiner Songs in enger Zusammenarbeit mit Produzententeams komponiert. Diese entwickelten häufig eine Reihe von Instrumental-Demoversionen, aus denen Jackson dann seine Lieblingsstücke auswählte und dazu selbst eine Melodie und einen Text verfasste. Auf diese Weise entstanden zum Beispiel „Blood On The Dance Floor“, „Jam“, „Scream“ oder „You Rock My World“.

„Making Michael“ kann also als ein Making of-Buch zu den Alben von Michael Jackson betrachtet werden. Besonders im Fall der späteren Alben (von „Dangerous“ bis „Invincible“) ist dies von großem Wert, da über diese Alben noch recht wenig geschrieben wurde und sie natürlich auch in „Moonwalk“ noch nicht erwähnt wurden. Das Buch geht jedoch immer wieder über die Arbeit an den Alben hinaus. So schildert Smallcombe zum Beispiel die Pläne, die Jackson jenseits der Musikindustrie verfolgte. Sein Leben lang hegte der Star den Wunsch, ins Filmgeschäft einzusteigen und als Filmproduzent, Regisseur und Schauspieler tätig zu sein. Obwohl er mit seinen teils revolutionären Musikvideos wohl in einem Maße filmisch tätig war wie kaum ein anderer Popstar und Musiker, blieb ihm dieser Traum leider verwehrt. Es ist hochinteressant zu lesen, wie Jackson diesbezüglich mehrmals vor einem großen Durchbruch stand, der aber jedes Mal durch äußere Umstände zunichte gemacht wurde. So hatte er beispielsweise Ende der Neunzigerjahre die Idee, Marvel zu kaufen, weil er überzeugt davon war, dass sich mit Superheldenfilmen eine Menge Geld verdienen ließ – zu Recht, wie wir heute wissen. Daraus wurde schließlich ebenso wenig etwas wie aus Jacksons Plan, selbst die Rolle des SpiderMan zu übernehmen. Sein Interesse am Filmgeschäft war jedenfalls so groß, dass er sich dem Buch zufolge in seiner zweiten Lebenshälfte – nach der Veröffentlichung von „Invincible“ vor allem darauf konzentrieren wollte.

Im Zusammenhang mit Jacksons letztem Studioalbum „Invincible“ fand ich übrigens Smallcombs neutrale Schilderung des Konflikts zwischen Jackson und seiner Plattenfirma Sony sehr interessant. Während Jackson selbst stets die unter Fans beliebte Therie verbreitet hat, Sony habe sein Album absichtlich sabotiert, lässt Smallcombe auch die andere Seite zu Wort kommen. Auf diese Weise erfährt man, dass die Dinge nicht so einfach lagen und auch Jackson damals einige Fehler begangen hat. Dass er sich stur weigerte, Promotion-Auftritte zu absolvieren oder auf Tour zu gehen, weil Sony ihm keine astronomisch hohen Budgets für Musikvideos mehr genehmigen wollte und dergleichen, lässt jedenfalls darauf schließen, dass in diesem Konflikt beide Seiten nicht unschuldig waren.

Die Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs werden natürlich nicht unter den Tisch fallen gelassen, allerdings sind sie in „Making Michael“ vor allem wegen ihrer Konsequenzen für Jacksons Arbeit relevant. So wird etwa der Gerichtsprozess von 2005 nicht ausführlich thematisiert, wohl aber die Jahre danach, in denen Jackson in verschiedenen Teilen der Welt lebte und mit unterschiedlichen Leuten neue Pläne schmiedete und Songs aufnahm. Auch wie es dazu kam, dass Jackson sich schließlich doch dazu entschloss, wieder Konzerte zu geben, schildert Smallcombe. Natürlich spielten finanzielle Überlegungen dabei eine große Rolle, dem Deal mit dem Konzertveranstalter AEG Live stimmte Jackson aber nur deswegen zu, weil AEG ihm das Geld für einige Filmproduktionen zur Verfügung stellen wollte, denen er sich nach den „This Is It“-Konzerten widmen wollte.

„Making Michael“ konzentriert sich wie gesagt ganz auf die kreative Arbeit an Michael Jacksons Liedern und Alben, mit einer Ausnahme: Die letzten Monate und Wochen in Jacksons Leben werden hier detailliert geschildert, ohne dass dabei viel auf die Arbeit den geplanten Konzerten eingegangen wird. Stattdessen stützt sich Smallcombe hier vor allem auf die in den Prozessen gegen Jacksons Arzt und den Konzertveranstalter ans Licht gekommenen Informationen, um aufzuzeigen, wie es schließlich zu Michael Jacksons Tod kommen konnte. Das unterscheidet dieses letzte Kapitel zwar deutlich vom Rest des Buches, aber weil es natürlich direkt mit dem Scheitern von „This Is It“ zu tun hat und weil diese Informationen bisher noch in keinem Buch zusammengefasst worden sind, ist es es trotzdem lesenswert. Natürlich ist auch einiges Erschreckendes dabei, aber wer sich nur für die Entstehung der Musik interessiert, kann diesen Abschnitt ja überspringen. (In den letzten Wochen seines Lebens könnte Michael Jackson ein weiteres Mal Neuland betreten haben, in diesem Fall aber nicht als Künstler: Einem Schlafexperten zufolge, der in einem der Prozesse ausgesagt hat, könnte Jackson nämlich der bislang einzige Mensch gewesen sein, der dank der nächtlichen Propofol-Inujektionen mehrere Wochen lang ohne REM-Schlaf ausgekommen ist.)

Fazit: „Making Michael“ bietet selbst für langjährige Jackson-Fans viele neue Informationen, gerade was die späteren Alben betrifft. Dabei betreibt Smallcombe keine kritiklose Heldenverehrung, sondern lässt mitunter auch kritische Stimmen zu Wort kommen (wenn sich diese zugegeben auch in starken Grenzen halten). Wer sich für das Werk Michael Jacksons und dessen Entstehung interessiert, der wird hier haufenweise interessante Informationen und Geschichten finden. Allerdings konzentriert sich das Buch dabei auf die Musik und lässt die Musikvideos und Konzerte meist außen vor (mit den Regisseuren der Videos hat Smallcombe auch keine Interviews geführt, wenn ich mich richtig erinnere). Auch die posthum veröffentlichten Alben werden nicht berücksichtigt; allerdings hat Damien Shields ja mit „Xscape Origins“ bereits ein hervorragendes Buch vorgelegt, das sich ganz dem „Xscape“-Album widmet.
„Making Michael“ kann ich also jedem Jackson-Fan und allen anderen an Michael Jacksons Musik und seiner Arbeitsweise interessierten Lesern ans Herz legen. Neben Joseph Vogels „Man In The Music“, das sich mehr der kulturellen und zeithistorischen Einordnung der Alben und Songs widmet, kann dieses Buch bereits jetzt als eines der Standardwerke zu Jacksons Werk betrachtet werden, an dem sich zukünftige Bücher messen lassen müssen. Eine deutsche Übersetzung ist bislang nicht angekündigt.

Wer Näheres zur Entstehung des Buches erfahren möchte, sollte sich dieses Interview anhören, das Mike Smallcombe dem MJCast gegeben hat.