Buchrezension: „A Dream Given Form – The Unofficial Guide to the Universe of Babylon 5“

Bücher über „Babylon 5“ gibt es nicht viele. Die Kultserie aus den Neunzigern hat zwar bis heute eine treue Anhängerschaft und findet durchaus auch noch neue Fans, fristet aber dennoch ein Nischendasein – unter anderem aufgrund der traurigen Tatsache, dass sie immer noch bei keinem der großen Streaminganbieter verfügbar ist. Wer nach Episodenführern mit ausführlichen Besprechungen der einzelnen Folgen sucht, stößt auf die Bücher von Jane Killick, die zu jeder der fünf Staffeln einen Band veröffentlicht hat oder auf die beiden „The Babylon File“-Bücher von Andy Lane. Mit „A Dream Given Form“ haben Ensley F. Guffey und K. Dale Koontz nun ein weiteres Buch veröffentlicht, in dem alle 110 Serienepisoden, der Pilotfilm und die weiteren Fernsehfilme, die kurzlebige Spin-off-Serie „Crusade“ sowie alle zum offiziellen Kanon gehörenden Romane und Comics unter die Lupe genommen werden. Der Vorteil gegenüber den anderen erwähnten Büchern scheint also klar auf der Hand zu liegen: hier findet man erstmals Besprechungen aller zum „Babylon 5“-Universum gehörenden Geschichten in einem einzigen Buch vereint.

A Dream Given Form - The Unofficial Guide to the Universe of Babylon 5

Die Autoren haben zuvor ein ähnliches Buch zu „Breaking Bad“ veröffentlicht, was angesichts der Popularität und Aktualität der Serie nahe lag. Warum nun also ein Buch zu einer Serie, deren letzte Folge vor 19 Jahren ausgestrahlt wurde? Ich habe leider noch keine Gelegenheit gehabt, die Autoren dazu zu befragen, nehme aber an, dass sie ganz einfach selbst große Fans von J. Michael Straczynskis (JMS) Weltraum-Saga sind. (Und was die Aktualität betrifft: „Babylon 5“ mag schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, inhaltlich sind große Teile der Serie aber momentan leider so aktuell wie nie seit ihrem Bestehen. Man denke nur an den Aufstieg einer korrupten, fremdenfeindlichen Regierung und andere Aspekte der Serienhandlung, die stark an das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen in Deutschland oder den USA erinnern.)

Nun aber zum Buch selbst. Wie erwähnt behandelt es alle bislang erschienenen Geschichten, die zum offziellen Kanon gehören (einige der „Babylon 5“-Romane und Comics sind JMS zufolge nicht kanonisch; auf sie wird im Buch dementsprechend nicht eingegangen). Das bedeutet allerdings, dass selbst auf knapp 500 Seiten nicht der Platz ist, um jede einzelne Episode und jeden Comic wirklich ausführlich zu besprechen und ausführliche Interpretationen und Analysen zu liefern. Die Episodenbesprechungen fallen hier dementsprechend ziemlich knapp aus und gehen meist nicht einmal auf alle Handlungsstränge der jeweiligen Folge ein. Stattdessen werden jeweils ein oder zwei wichtige oder interessante Punkte herausgegriffen und in wenigen Absätzen besprochen. Damit dienen diese Episodenbesprechnungen mehr als Ausgangspunkt für weitere, eigene Überlegungen oder Diskussionen denn als fundierte Informationsquelle. Manchen Fans der Serie mag das genügen, ich persönlich hätte es aber gerne etwas ausführlicher gehabt. Das hätte aber wohl den Rahmen des Buches gesprengt. Ich freue mich auch sehr, dass die 13 Episoden von Crusade (und dazu drei zwar geschriebene, aber nicht mehr verfilmte „Crusade“-Drehbücher), die Comics und Romane ebenfalls Teil des Buches sind. Zu den Büchern und Comics werden nämlich kurze Inhaltsangaben geliefert, was praktisch für all diejenigen ist, die sie nicht selbst lesen wollen. (Ich habe vor ein paar Monaten begonnen, den ersten Teil der „Psi-Corps“-Trilogie zu lesen und nach einigen Kapiteln abgebrochen, weil mich das Buch so gelangweilt hat.)

Wenn man die einzelnen Episoden gut kennt, hat man keine Probleme, den kurzen Erläuterungen und Gedankengängen der Autoren zu folgen. Die Texte lesen sich flüssig; dazu finden sich am Ende jeder Episodenbesprechung Rubriken wie „Did You Notice“, wo allerlei Interessantes und Kurioses aus der jeweiligen Folge aufgelistet wird oder „Hyperspace Beacons“, wo die Autoren auf Dinge in der Episode verweisen, die in Zukunft noch eine Rolle spielen werden. Auch ein „Highlight“ sowie ein besonders hervorstechendes Zitat aus jeder Episode liefern die Autoren. Hin und wieder streuen sie auch interessante Fakten ein, die über die Geschichten des B5-Universums hinausgehen, z.B. wenn sie im Zusammenhang mit der Episode, in der Susan Ivanova über ihren verstorbenen Vater trauert, erläutern, was es mit dem jüdischen Ritual der Schiv’a auf sich hat. Zu jeder Episode werden weiterhin der/die Autor/in, der/die Regisseur/in und das Datum der Erstausstrahlung aufgelistet. Leider fehlt eine Auflistung der Gaststars, möglicherweise aus Platzgründen.

Noch nicht erwähnt habe ich das exklusive Interview mit Londo-Darsteller Peter Jurarsik, welches ebenfalls Teil des Buches ist und wirklich sehr informativ und lustig ausgefallen ist. In einem weiteren Abschnitt haben die beiden Autoren kurze Nachrufe auf die viel zu vielen bereits verstorbenen „Babylon 5“-Darsteller untergebracht. Fotos enthält das Buch übrigens gar keine, man findet lediglich eine handvoll Seiten mit Schwarzweiß-Zeichnungen aus den Comics. Überrascht hat mich, dass die Autoren wenig auf die Online-Posts von JMS eingegangen sind, in denen dieser jede einzene Folge selbst kommentiert und Hintergrundwissen sowie seine eigenen Gedanken dazu geliefert hat. Wahrscheinlich wurde auch diese Quelle ganz einfach aus Platzgründen nur wenig berücksichtigt. Größere Fehler konnte ich keine im Buch ausmachen, auch wenn mich hier und da kleiner Dinge gestört haben. Zum Beispiel liest sich die Besprechung der Episode „Divided Loyalties“, als sei der Ausstieg einer der Hauptfiguren aus der Serie in dieser Folge von langer Hand geplant gewesen, was allerdings nicht der Fall war. Seltsamerweise gehen die Autoren auch nur im Zusammenhang mit Staffel zwei darauf ein, in welcher Reihenfolge man die Episoden am besten anschauen sollte. Diese „Idealreihenfolge“ weicht nämlich bei allen Staffeln, vor allem jedoch bei der ersten, von der Reihenfolge auf den DVDs ab. (Am Ende meiner Besprechung des Finales der ersten Staffel könnt ihr die Reihenfolge einsehen.)

Im Großen und Ganzen hat mir das Buch zwar gefallen, ich hätte es aber gerne ausführlicher gehabt und dafür auch in Kauf genommen, dass man es in zwei (oder mehr) Bände hätte aufteilen müssen. Trotzdem ist es schön, ein einziges Buch zur Hand zu haben und darin jede beliebige Episode nachschlagen zu können. Oft regt einen das Lesen der Texte dann ja zum eigenen Nachdenken über die Folge an oder man bekommt Lust, sie selbst gleich nochmal anzuschauen. „A Dream Given Form – The Unofficial Guide to the Universe of Babylon 5“ ist bislang nur auf englisch erschienen. Ob es – wie beim „Breaking Bad“-Buch – auch eine deutsche Übersetzung geben wird, ist angesichts der viel geringeren Popularität der Serie fraglich. Es wäre aber sehr zu begrüßen.

 

Vielen Dank an Ensley F. Guffey für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplares! 🙂

 

Copyright Bild: ECW Press

Die Michael Jackson Halloween-Compilation „Scream“

Es ist Herbst, die Tage werden deutlich kürzer, die Blätter bunt und Halloween nähert sich. Schon seit Jahren ist das auch hierzulande für viele ein Anlass, ihre Fenster und Vorgärten mit Kürbissen und allerlei schaurigem Dekomaterial auszustatten. Für Michael Jackson-Fans wie mich bedeutet es vor allem eines: Es ist wieder die Zeit, verstärkt Songs wie „Thriller“, „Ghosts“ und „Threatened“ zu hören und Jacksons visuelle Gothic-Meisterwerke „Thriller“ und „Ghosts“ anzuschauen – spätestens am Halloween-Abend. Tatsächlich heißt Halloween für viele Jackson-Fans schon lange nur noch „Thrillerween“ oder „Thriller Night“.

Michael Jackson hatte sein Leben lang eine Vorliebe fürs Gruselige. Mit dem „Thriller“-Video lebte er diese Vorliebe 1983 künstlerisch aus und schuf gleichzeitig einen Meilenstein im Genre des Musik-Kurzfilms. Im Lauf seiner Karriere kehrte er mit Songs wie „Ghosts“, „Is It Scary“ oder „Threatened“ immer wieder zur Grusel- und Gothic-Thematik zurück. Diese faszinierte ihn nicht nur deswegen, weil er Verkleidungen und Schauergeschichten liebte, sondern auch, weil er beim Zurückgreifen auf die Konventionen dieses Genres der Welt einen Spiegel vorhalten konnte. Ganz nach dem Motto „Ihr denkt, ich bin ein Monster? Seht hier, ihr seid selber welche!“ Eine dunkle Seite steckt in jedem von uns…

Für die Aufnahmen zu „Thriller“ holten Michael Jackson und Quincy Jones Horrorfilm-Legende Vincent Price ins Studio, der den nun berühmten gesprochenen Teil am Ende des Stücks aufnahm. Die Handlung des Kurzfilms „Ghosts“ entwarf Jackson in den Neunzigern gemeinsam mit dem Meister des Horros, Stephen King. Auch war er ein großer Bewunderer Edgar Allan Poes, den er sogar in einem Film spielen wollte. 2009, als er mit seiner Rückkehr auf die Konzertbühne ein großes Comeback feiern wollte, plante Jackson außerdem ein Halloween-Special im amerikanischen Fernsehen (wie dieses ausgesehen hätte, kann man hier lesen). Dazu kam es bekanntlich leider nicht mehr. Dennoch ist zumindest das Lied „Thriller“ aus der Halloween-Saison nicht mehr wegzudenken.

In Anbetracht von Jacksons Vorliebe für die Thematik liegt es also nahe, rechtzeitig zu Halloween ein paar Produkte herauszubringen, die die Grusel-Songs und -Filme des King of Pop in den Mittelpunkt rücken. Auf dem Internationalen Filmfestival von Venedig hat John Landis, Regisseur des „Thriller“-Videos, eine 3D-Version des Kurzfilms vorgestellt. Man kann nur hoffen, dass diese auch außerhalb des Festvials zu sehen sein wird und hoffentlich auch als 3D-Bluray erscheint (zusammen mit dem bislang nur auf VHS veröffentlichten, ebenfalls in Venedig gezeigten „Making of Thriller“). Im Oktober wird im US-Fernsehen zudem ein animiertes Halloween-Special ausgestrahlt. Darin soll es um zwei Figuren gehen, die sich in der Halloween-Nacht treffen und ein „magisches Abenteuer“ erleben, das in einer spektakulären Tanzszene mit einem „animierten Michael Jackson“ endet. Die Sprecher sind dabei zum Teil durchaus prominent (Alan Cumming, Christine Baranski, Lucy Liu), aber trotzdem ist mein Kommentar dazu nur: WTF!!?? So wie ich Sony Music und den Michael Jackson Estate einschätze, wird wohl eher dieses Special auf Bluray veröffentlicht als die 3D-Version von Thriller…

Kommen wir aber mal zum eigentlichen Gegenstand dieses Blogposts: Am Freitag erscheint nämlich auch eine neue Michael Jackson-Compilation namens „Scream“, die thematisch ebenfalls zur Halloween-Saison passen soll. Das ist prinzipiell eine gute Idee, schließlich hat Jackson mehrere dazu passende Lieder veröffentlich. Aber schauen wir uns das Album, von dem ein Rezensionsexemplar gerade vor mir auf dem Schreibtisch liegt, mal genauer an.
Optisch ist es auf jeden Fall sehr schön gestaltet. Die Illustration auf dem Cover ist wirklich gut gelungen und dürfte von nun an auf keiner Einladung für eine Jackson-Halloween-Party mehr fehlen. Das Booklet lässt sich zu einem Poster mit einer dann aber leider recht lieblos wirkenden Illustration auffalten. (Auf meinem Instagram-Account findet ihr mehrere Fotos des Albums.) Zusätzlich liegt dem Album ein kleiner Flyer bei. Hat man auf seinem Smartphone die „Shazam“-App installiert und scannt diesen damit, soll man in Verbindung mit dem Poster Zugang zu einer Augmented Reality-Erfahrung erhalten. Bei mir hat das allerdings noch nicht funktioniert, ich wurde nur auf eine Webseite weiter geleitet, auf der ich das Album vorbestellen kann.

Was den Inhalt des Albums betrifft, wirkt dieser zum Teil etwas willkürlich zusammen gewürfelt. Natürlich liegt das auch daran, dass Michael Jackson zwar durchaus eine Handvoll „Grusel-Songs“ veröffentlicht hat, aber eben nicht genug, um damit ein ganzes Album zu füllen. Unter den 14 Tracks finden sich neben dem obligatorischen „Thriller“ deshalb auch solche, die lediglich vom Titel oder der allgemeinen Atmosphäre her weitestgehend auf das Album passen. So haben „Blood On The Dance Floor“ und „Dangerous“ zwar die Worte „Blut“ und „gefährlich“ im Titel, behandeln aber unter anderem das ebenfalls bei Jackson beliebte Thema der „femme fatale“. Ähnliches gilt für „Scream“ und „Unbreakable“ – beides für Michael Jackson äußerst persönliche Lieder mit Botschaften, die ihm sehr wichtig waren. Diese Songs sollte man nicht auf rein „gruselige“ Lieder reduzieren! Etwas kurios wirkt es, dass sich auch „Somebody’s Watching Me“ auf das Album verirrt hat. Klar, der Titel klingt nach Horrorfilm und Grusel, aber eigentlich handelt es sich hier um ein bestenfalls mittelmäßiges Stück des Sohns von Motown-Gründer Berry Gordy, zu dem Michael Jackson lediglich den immer wieder aus denselben beiden Zeilen bestehenden Refrain beigetragen hat. Fast am schlimmsten finde ich jedoch, dass das Stück „Xscape“ hier nur in der 2014 veröffentlichten Remixversion vorliegt. Wie willkürlich die Aufnahme mancher Stücke in die Tracklist ist, zeigt auch, dass es durch aus noch andere Stücke gegeben hätte, die  zumindest vom Titel her auf das Album gepasst hätten, „State of Shock“ oder „Speed Demon“ zum Beispiel.

Die wirklich zur Thematik passenden Lieder sind neben „Thriller“ noch „Ghosts“ und „Threatened“. Auch „This Place Hotel“, das das Album eröffnet, lässt sich durchaus der Kategorie der Gothic-Grusel-Songs zuordnen. Das ursprünglich 1980 auf dem Jacksons-Album „Triumph“ erschienene Stück war eines der ersten Lieder, die Michael Jackson im Alleingang geschrieben, gesungen und produziert hat. (Eigentlich heißt der Song „Heartbreak Hotel“, wurde aber damals wegen angeblicher Verwechslungsgefahr mit dem gleichnamigen Elvis Presley-Titel nicht unter diesem Titel veröffentlicht. Inzwischen finde ich diese Umbenennung nur noch lächerlich, schließlich gibt es genug andere Songs, die genauso heißen.) Unerklärlicherweise fehlt mit „Is It Scary“ einer der besten und vielschichtigsten Jackson-Titel überhaupt. Den Abschluss des Albums bildet ein neuer Mashup aus mehreren der auf dem Album enthaltetenen Songs (hier ist dann auch „Is It Scary“ dabei), an dem das Bemerkenswerte ist, dass es sich hier um einen Michael Jackson-Halloween-Mashup handelt, der ganz ohne „Thriller“ auskommt! Dafür ist dieser Remix aber ziemlich hektisch und durcheinander geraten, also bezweifle ich, dass er ein Hit auf Halloween-Parties oder im Radio werden wird.

Positiv an dieser Zusammenstellung von Liedern ist, dass es viele unbekanntere Stücke auf das Album geschafft haben. Tatsächlich findet sich darauf nur ein Song aus dem sonst so ausgeschlachteten „Thriller“-Album, dafür aber mit „Unbreakable“ und „Threatened“ zwei Titel aus Jacksons „vergessenem“ Studioalbum „Invincible“. Zu beiden Liedern wollte Jackson übrigens spektakuläre Kurzfilme drehen; leider bekam er aufgrund der Streitigkeiten mit seiner Plattenfirma 2001/2002 nicht die Gelegenheit dazu. Die optische Gestaltung des Albums finde ich wie gesagt sehr gelungen. Im Oktober wird auch eine „glow in the dark“-Vinylausgabe erscheinen, deren Anschaffung sich wohl zumindest aus optischen Gesichtspunkten lohnt. Davon abgesehen ist „Scream“ aber mal wieder ein äußerst lieblos zusammen geschustertes Produkt des Michael Jackson Estates. Wie erwähnt hegte Michael Jackson eine lebenslange Vorliebe für alles Gruselige und Mysteriöse, für Horrorfilme und Verkleidungen. Was läge also näher, als darauf in ein paar Liner Notes im Booklet des Albums einzugehen und zu erklären, warum man sich zur Zusammenstellung dieser Compilation entschlossen hat? Auch Interpretationen und Analysen der einzelnen Songs könnte man dabei liefern. Der einzige Satz, den man dazu im Booklet findet, lautet aber „This album celebrates the King of Pop, Michael Jackson, and his love for the Halloween season.“ Äußerst schwach!

Braucht man also ein Album wie „Scream“? Sicherlich nicht, jedenfalls nicht in dieser From. Und ganz sicher hätte der Michael Jackson Estate auch an dieses Projekt mit mehr Detailliebe und Umsicht heran gehen können (und müssen!). Eine Compilation, die vielleicht einigen Jackson-Neulingen ein paar der nicht so bekannten Songs nahe bringt, ist ja prinzipiell eine gute Sache. Aber es gäbe so viele wichtigere und dringendere Veröffentlichungen, um die sich Sony und die Nachlassverwalter längst hätten kümmern müssen. Ganz bestimmt brauchen wir kein Halloween-Animationsspecial mit einem tanzenden CGI-Michael am Ende. Stattdessen sollte zum Beispiel endlich mal Jacksons Meisterwerk „Ghosts“ auf Bluray veröffentlich werden! (Der Film ist tatsächlich noch nicht einmal offiziell auf DVD erschienen.) Davon, dass man auch alle anderen Kurzfilme und Aufnahmen von Jacksons Konzerten endlich einmal ordentlich remastern und in hochaufllösender Fassung veröffentlichen sollte, will ich gar nicht erst anfangen…

Interessant fände ich es allerdings, wenn nach „Scream“ noch weitere Compilations veröffentlicht werden, die sich mit konkreten Themen beschäftigen. Einen „Love Songs“-Sampler bekommt sowieso fast jeder Künstler früher oder später spendiert. Eine „Dance“-Compilation bietet sich bei Michael Jackson natürlich auch an. Am wichtigsten wäre mir aber die Veröffentlichund eines Albums mit Liedern, in denen es um das große soziale und umweltpolitische Bewusstsein Jacksons geht. Man könnte ein solches Album schlicht „Earth“ oder „Planet Earth“ nennen. DAS wäre mal ein wirklich notwendiges Projekt, das man in Verbinung zu zahlreichen Umwelt- und Benefizaktionen stellen könnte. (Unten findet ihr Links zu Spotify-Playlisten – einmal die Tracks aus „Scream“, allerdings mit der Originalversion von „Xscape“ und eine Liste mit einigen potentiellen Kandidaten für ein „Earth“-Album.) Übrigens ist gerade Joseph Vogels hervorragendes Buch zur Entstehung von „Earth Song“ in einer neuen, erweiterten Auflage erschienen. Einen Auszug könnt ihr hier lesen. Die Anschaffung des Buches lohnt sich sehr!


Copyright Bild: Sony Music

Buchrezension: „How To Be Everything“ von Emilie Wapnick

Was haben David Bowie, James Franco, Steve Jobs, Galileo Galilei und Patti Smith gemeinsam? Sie alle sind bzw. waren sogenannte „Multipotentialites“. Dieser Begriff bezeichnet Personen, die vielfältige Interessen und Talente besitzen und sich in zahlreichen verschiedenen Feldern ausprobieren und einsetzen wollen. Keine/r der Genannten war ihr/sein Leben lang nur in einem einzigen Beruf tätig; sie alle gehen bzw. gingen verschiedenen Beschäftigungen nach, die manchmal auf den ersten Blick nicht einmal etwas miteinander zu tun haben müssen.

Wenn sich zwei Menschen kennen lernen, stellt einer von beiden früher oder später die „Was machst du?“-Frage. Noch immer werden Menschen in unserer Gesellschaft über ihren Beruf definiert, und zwar über den einen Beruf. Werden sie danach gefragt, was sie denn machen, dann impliziert die Frage zweierlei: zum einen wird dabei eben gefragt, was man beruflich macht und zum anderen wird eine einzige, klare Antwort erwartet. „Ich bin Ärztin“, „ich bin Schneider“ oder „ich bin Programmierer“ sind gesellschaftlich akzeptable Antworten auf die Frage „Was machst du?“. Doch was, wenn man sich nicht über eine einzige Tätigkeit definieren will und das vielleicht auch gar nicht kann, weil man tatsächlich zwei oder mehr unterschiedlichen Berufen nachgeht? Und was, wenn es sich dabei – zumindest aus Sicht der Allgemeinheit – gar nicht um voll- bzw. gleichwertige „Berufe“ handelt?

Um diese und viele andere Fragen geht es in Emilie Wapnicks Buch „How To Be Everything“. Es richtet sich gezielt an Leser, die sich selbst als Multipotentialites bezeichnen – aber auch an solche, die vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie eigentlich welche sind. Auf ihrer Website und in ihrem TED-Talk beschäftigt sich die Autorin schon seit längerem mit dem Thema „Multipotentialites“, nun hat sie auch ein Buch darüber veröffentlicht. Und Wapnick weiß, wovon sie schreibt, denn sie kann und will sich selbst auf keine einzelne Tätigkeit festlegen und keiner Bezeichnung unterwerfen, die ihre Persönlichkeit mit nur einem einzigen Begriff beschreibt. Sie hat Musik, Kunst, Film und Jura studiert und war bereits auf all diesen Feldern aktiv.

Wer nun denkt „Die soll sich mal entscheiden und herausfinden, was sie wirklich machen will“, der ist wohl auch noch dem Glauben daran verhaftet, dass jeder Mensch einen bestimmten Beruf ergreifen, darin möglichst gut werden und ihn vielleicht sogar sein ganzes restliches Leben lang ausführen soll. Die Vorstellung dass nicht jeder/r von uns eben (nur) eine einzige Berufung im Leben hat, wie Wapnick es in ihrem TED-Talk darlegt, ist solchen Personen wahrscheinlich neu. Tatsächlich müssen sich Multipotentialites noch häufig für ihre vielfältigen Interessen, unterschiedlichen Tätigkeiten und wenig zielstrebig wirkenden Lebensläufe rechtfertigen. Damit, wie man diesbezüglich mit Fragen, Unverständnis und Kritik umgehen soll, beschäftigt sich ein Kapitel am Ende von Wapnicks Buch. Der Großteil des Buches jedoch handelt von den Stärken und Möglichkeiten des Daseins als Multipotentialites – und hat mir damit selbst Mut gemacht und Auftrieb gegeben.

So führt Wapnick zum Beispiel die „Superkräfte“ auf, über die Multipotentialites verfügen. Dazu zählen meist ein außerordentlich hohes Maß an Kreativität, die Fähigkeit, Ideen und Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen zu verbinden, eine hohe Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, schnell dazu zu lernen und sich rasch in neuen Aufgabenfeldern zurecht zu finden. Die Autorin gibt aber auch nützliche Tipps dazu, wie man etwa seinen Alltag strukturiert, wenn man mehrere unterschiedliche Tätigkeiten unter einen Hut bringen will – und natürlich auch dazu, wie man dabei finanziell über die Runden kommt.

Einen Großteil des Buches macht die Beschreibung vier verschiedener Modelle aus, nach denen man ein Leben als Multipotenitalite gestalten kann. (Wobei es sich dabei natürlich nur um Modelle handelt, die man – ganz dem Dasein als Multipotenitalite entsprechend – auch miteinander verbinden kann.) Will man etwa dem „Phoenix Approach“ folgen und sich immer wieder neu erfinden? Will man es wie Albert Einstein in dem nach ihm benannten Ansatz tun und einen Hauptberuf ergreifen, der einem aber genügend Zeit und Energie lässt, um sich nebenbei noch vielfältigen anderen Interessen zu widmen? Fühlt man sich vom „Group Hug Approach“ angesprochen, dann sollte man sich einen Job suchen, der möglichst viele der eigenen Interessengebiete umfasst und Raum zum Einsatz zahlreicher verschiedener Fähigkeiten lässt. Wem dieser Ansatz nicht zusagt, der kann schließlich dem „Slash Approach“ folgen und zwei oder mehr Teilzeitberufen gleichzeitig nachgehen, die natürlich vollkommen unterschiedlich sein können. Die einzelnen Kapitel werden nicht nur mit einer Zusammenfassung der jeweils wichtigsten Punkte abgeschlossen, sondern auch mit einer kurzen Anleitung, die dabei hilft, das zuvor Beschriebene in die Tat umzusetzen und zunächst einmal zu prüfen, ob es überhaupt auf das eigene Leben anwendbar ist. Als Leser/in wird man dabei immer wieder zum Erstellen von Listen (z.B. der eigenen Interessen oder Prioritäten) aufgefordert, soll sich aber auch wichtige Fragen stellen (Kann ich mit nur einem einzigen Job glücklich werden? Würde dieser mir genügend Einkommen verschaffen?).

Bevor sie zur Beschreibung der einzelnen Modelle kommt, leitet Wapnick ihre Leser aber zunächst einmal dazu an, sich sowohl über ihre finanziellen Bedürfnisse und Erwartungen klar zu werden als auch darüber, was dem eigenen Leben eigentlich Bedeutung verleiht und in welchen Tätigkeiten man so richtig aufgeht – definitv etwas, worüber man sich erst einmal klar werden sollte. Auch dabei dürfen kurze Anleitungen zum genauen Durchdenken der Fragen natürlich nicht fehlen. Zum Ende des Buches hin folgen dann nicht nur die bereits erwähnten Strategien zum Umgang mit Kritik und Unverständnis am Dasein als Multipotentialite, sondern auch solche dazu, wie man einen Alltag meistert, der mit unterschiedlichen Aufgaben und Tätigkeiten angefüllt ist (Stichwort Zeitmanagemant).

Insgesamt ist „How To Be Everything“ ein äußerst inspirierendes Buch, das wie die meisten anderen Selbsthilfebücher (denn um ein solches handelt es sich hier im weiteren Sinn) nützlich sein kann, wenn man es denn lässt. Umsetzen muss man das Gelesene nämlich natürlich immer noch alleine. Ich habe das Buch einmal von vorne bis hinten durchgelesen, bin aber noch nicht den Aufforderungen zum Erstellen von Listen meiner Interessen, Prioritäten usw. gefolgt. Nimmt man diese Aufgaben jedoch ernst, dann kann das Buch eine wertvolle Hilfe dabei sein, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und erste Schritte auf dem Weg in ein interessanteres, erfülltes Leben zu tun. Ich selbst bin mit jedenfalls sicher, ein Multipotenialite zu sein; ich habe vielfältige Interessen und kann mir nicht vorstellen, tagtäglich nur immer ein und dieselbe Tätigkeit auszführen. Nun muss ich nur noch auf meine innere Stimme hören und einige der Ratschläge des Buches befolgen. 🙂

Copyright Bild: Harper Collins

Sich selbst ausdrücken

Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder eine Erkenntnis über mich selbst: Alle meine Ängste und Hemmungen haben damit zu tun, dass es mir schwer fällt, mich selbst auszudrücken. Damit meine nicht (nur), dass ich nicht über mich reden kann. Vielmehr betrifft das einen Großteil aller (nicht nur verbalen) Handlungen, die ich in Gegenwart anderer Menschen ausführe. Alles, was auf mich aufmerksam machen könnte, ist mir in gewisser Weise peinlich und ich neige dazu, es möglichst zu unterlassen oder verbergen zu wollen.

Zwar haben sich diese Ängste im Verlauf der letzten zehn, fünfzehn Jahre verringert. Aber sie nehmen leider immer noch einen großen Platz in meinem Leben ein. Sie führen nicht nur dazu, dass ich mich scheue, neue Dinge auszuprobieren, sondern auch dazu, dass ich mir meiner Handlungen, meines Körpers, ja meines ganzen „Da-Seins“ manchmal so sehr bewusst bin, dass ich kaum noch auf meine Umgebung achten kann. Ich bin dann so sehr damit beschäftigt, darüber nachzudenken, wie ich z.B. momentan gehen oder meinen Körper halten soll, dass ich nicht nur meine Umwelt aus dem Fokus verliere, sondern auch – paradoxerweise – gar nicht mehr wirklich auf mich selbst achte. Damit meine ich, dass ich mich dann nicht so verhalte, wie ich eigentlich will und wie ich mich wohlfühle, sondern nur noch in einer Weise, durch die ich hoffentlich möglichst wenig auffalle. Daraus entsteht aber ein Teufelskreis, weil ich mich genau dadurch noch unwohler fühle.

Meine bisherigen Ausflüge ins Schauspiel und die Welt des Theaters waren ein perfektes Heilmittel für diese Ängste. Denn beim Schauspiel geht es ja genau darum, sich selbst wahrzunehmen und anderen zu präsentieren. Die Hemmungen dabei sind für mich anfangs immer groß, verschwinden aber jedesmal allmählich und der Spaß und Gewinn am Ende sind dafür umso größer. Auch diverse Entspannungsübungen helfen mir, erstens zur Ruhe zu kommen und zweitens meinen Körper bewusster wahrzunehmen und ihn positiver zu sehen. Natürlich hilft auch Sport, wobei ich dabei wieder das Problem der Überwindung habe; schließlich begebe ich mich dabei in neue Situationen und es handelt sich auch noch um eine Tätigkeit, bei der der Körper nun mal im Mittelpunkt steht (und ich jedesmal das Gefühl habe, etwas falsch zu machen und von allen angestarrt zu werden). Immerhin schaffe ich es seit ein paar Jahren, ab und zu schwimmen zu gehen (wobei das immer noch alles andere als leicht für mich ist). Und sollte ich mal wieder richtig Geld verdienen, würde ich unter anderem einen Yogakurs besuchen und mich einer Improtheatergruppe anschließen. Das würde mir helfen, mich weiter mit meinem Körper und meiner Persönlichkeit auseinander zu setzen und zu mehr innerer Ruhe zu finden.

Mehr Berlin!

Ein Perspektivenwechsel tut immer gut, mir ganz besonders. Schließlich hänge ich seit Jahren im immer gleichen (mal mehr, mal weniger depressiven) Alltagstrott fest. Leider gehöre ich zu den Personen, die von alleine nur äußerst selten etwas wirklich Neues wagen. Umso besser war es also, dass wir von 18. bis 21. Mai zu sechst nach Berlin gefahren sind, dort alte Freunde getroffen haben (Steffi, Flo, Gin Martini 😉 ) und so einiges erlebt haben.

Ich war ja schon oft in Berlin und meistens haben mir diese Kurzurlaube neuen Antrieb und neue Ideen gegeben. Nachdem ich dieses Mal endlich ein wenig mehr von der Stadt kennen gelernt habe als die Stadtteile, die ich vorher schon kannte, liebe ich Berlin noch mehr. Und München finde ich gerade todlangweilig und spießig, denn so eine Nacht wie ich sie in Berlin erlebt habe, wird man in München wahrscheinlich nie erleben können…

Ein (mal wieder völlig banales, aber für mich trotzdem wichtiges) Beispiel dafür, dass ich immer erst einen Schubs brauche, um Veränderungen vorzunehmen, habt ihr ja schon live bzw. auf Facebook mitbekommen: so blöd es klingt, aber ich hätte mich alleine nie getraut, mir die Haare zusammen zu binden. Das fällt in den Bereich der Dinge, die mir schwer fallen, weil sie damit zu tun haben, mein eigenes Selbst auszudrücken (und noch dazu hat es mit meinem Körper zu tun, mit dem ich mich ja oft ohnehin nicht wohl fühle). Ich muss echt mal wieder auf einer Theaterbühne stehen, um weiter an diesen Problemen zu arbeiten… Naja, sobald ich mit Haargummi in den Haaren dasaß, fühlte es sich jedenfalls super an. Und auch die Lichterkette um meinen Hals hat mir zumindest in Berlin nichts ausgemacht. 😉

Leider sitze ich gerade wieder in meiner Wohnung in München und alle Veränderungen, die ich mir wünsche, erscheinen wieder unglaublich schwer. Ich brauche also mehr Berlin in mir! Am liebsten würde ich wirklich gleich hinziehen, aber auch diese Hürde erscheint mir riesig. Wahrscheinlich muss ich mir einfach die Haare zusammenbinden und es einfach tun!

Türen öffnen

Wie war das doch gleich noch mal mit „Neues wagen“? Ende Januar habe ich in einem Blogpost darüber sinniert, wie wichtig es für mich angesichts meiner Ängste sei, regelmäßig neue Dinge zu tun und auszuprobieren. Auch ganz banale, (für andere Leute) alltägliche. Nun, das nehme ich mir immer wieder vor, doch klappt es leider längst nicht so häufig wie ich es mir wünsche. Ich kann mich noch erinnern, was für ein großer Schritt es für mich war, vor ein paar Jahren endlich zum ersten Mal alleine ins nächstgelegene Schwimmbad zu gehen. Aber solche Schritte tue ich viel zu selten.

Dabei sind es gerade die kleinen, banalen und teilweise – zumindest rückblickend – fast schon lächerlich wirkenden Schritte, die wichtig sind. Sie bewirken zusammen nach und nach eine Gewöhnung an neue Situationen, Menschen, Orte und Taten. In den letzten Wochen ging es mir häufig sehr schlecht, wofür ich zum Großteil selbst die Schuld trage. Zuhause herumzusitzen und sich nach zwischenmenschlichem Kontakt zu sehnen, während man sich gleichzeitig von zahlreichen Menschen abkapselt, ist nämlich keine gute Idee. Leider ist es aber ein von mir lange eingübtes Verhaltensmuster…

Da ich aber hier nicht darüber schreiben möchte, was an meinem Leben so schlimm ist und warum es mir schlecht geht, werde ich euch damit auch nicht langweilen. Immerhin habe ich in Abstimmung mit meiner Ärztin vor kurzem meine Medikation angepasst. Momentan nehme ich genau die richtige Dosis Anitdepressiva, dass zumindest meine Grundstimmung ein bestimmtes Level nie unterschreitet – darauf lässt sich aufbauen. Außerdem bloggen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis in letzter Zeit mehrere Leute so positiv über ihr Leben (z.B. hier oder hier) – das macht mich einerseits neidisch auf deren Leben und spornt mich andererseits an, ebenfalls Positives zu berichten. Jedenfalls ist es gut, wenn man sich darauf konzentriert.

Dass ich hier nach den ersten drei Blogposts in dieser Kategorie nun erst einmal einige Wochen nichts mehr über mich geschrieben habe, hängt auch damit zusammen, dass es einfach wahnsinnig schwer ist. Ich hatte mir vorgenommen, ganz unverblümt über meine Ängste und die Schwierigkeiten bei deren Überwindung zu schreiben und habe damit ja auch ganz gut begonnen. Aber obwohl diese Texte nicht öffentlich einsehbar sind, tendiere ich immer wieder dazu, alles in mir drin zu halten und meine Probleme lieber immer und immer wieder ganz alleine „durchzukauen“. Damit drehe ich mich quasi geistig im Kreis.

Ich möchte ein Beispiel nennen für etwas Neues, das ich in letzter Zeit getan habe. Klein, banal, für andere Menschen selbstverständlich, aber für mich ein kleiner Erfolg, der mich Überwindung gekostet hat. Vor gut zwei Wochen bin ich nach einem Arzttermin am Josephsplatz noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und dabei an der „Munich Readery“ vorbeigekommen. Zunächst habe ich mir nur die vor dem Laden auf dem Gehweg aufgestellten Bücher angesehen und wollte schon weitergehen. Aber dann habe ich mir einen Ruck gegeben, habe die Tür geöffnet und den Laden betreten (zum ersten Mal!). Wie gesagt, das klingt vollkommen banal. Warum soll man sich so etwas nicht trauen? Darüber könnte ich jetzt lange spekulieren, im Endeffekt ist der Grund bei mir aber wohl immer: weil ich auf irgendeine Art von Ablehnung stoßen könnte. Aber ein Buchhändler wird mich wohl kaum hinauswerfen, wenn ich seinen Laden betrete, oder? Dazu ist der Laden ja schließlich da. Und natürlich bin ich auch nicht rausgeworfen worden, sondern habe mir bewusst die Zeit genommen, die Regale zu studieren und dann beschlossen, wieder zu kommen, wenn ich mehr Geld habe. 😉

Dieses Erlebnis hat mich ein wenig gefestigt und ist ein Beispiel dafür, wie alltägliche Entscheidungen, Taten und Begegnungen in mir das Bewusstsein dafür schaffen können, dass ich von der Welt und den Menschen um mich herum nichts zu befürchten habe. Leider bin ich momentan noch in einem Stadium, in dem ich mich auch relativ „kleine“ Taten noch ziemlich große Überwindung kosten. Deshalb wäre es ideal, wenn ich mich mehrmals pro Woche solchen Situationen aussetzen würde. (Ich sollte mal wieder in die Übungsbücher reinschauen, die ich damals durch meine Therapeutin kennen gelernt habe und die genau dazu Übungen enthalten.)

Es gab in meinem Leben viele Türen, die ich leider nie oder erst sehr spät geöffnet habe (metaphorische und tatsächliche). Ich erinnere mich zum Beispiel noch daran, wie ich es in den ersten Wochen/Monaten meines Studiums stets vermieden habe, die Institutsbibliothek zu betreten. Aber wichtig daran ist nur: irgendwann habe ich mich dazu entschieden, es doch zu tun – und nicht nur gemerkt, dass daran absolut nichts Schlimmes ist, sondern die Bibliothek sogar recht lieb gewonnen. 🙂

Mein Lieblingsselbsthilfebuch

Ich habe ein Lieblingsselbsthilfebuch. Genau genommen habe ich gar nicht so viele Selbsthilfebücher gelesen und die meisten davon helfen ja sowieso nur begrenzt weiter. Doch das Buch, das mir meine damalige Therapeutin vor ein paar Jahren zum Abschluss der Verhaltenstherapie geschenkt hat, ist extrem nützlich und hilfreich. Es heißt „Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei“.
Ich habe es wie gesagt bereits vor einigen Jahren bekommen, aber tatsächlich bis heute noch nicht einmal bis zur Hälfte gelesen. Der Grund dafür ist, dass ich bei einer Atem-/Entspannungsübung hängen geblieben bin, die man zunächst etwa zwei Wochen lang mehrmals am Tag durchführen sollte, bevor man weiterliest. Und weil ich ja brav bin, mich an Regeln halte und das Buch ernst nehme, habe ich mir das auch schon mehrmals so vorgenommen, aber bis jetzt noch nie durchgezogen.

Vor ein paar Tagen aber habe ich das Buch mal wieder in die Hand genommen. Nachdem ich seit Ende Januar in einer depressiven Phase festgesteckt bin, dachte ich mir das sei vielleicht eine ganz gute Idee. Ich habe alle Kapitel, die ich schon gelesen habe, noch einmal überflogen und wurde dadurch noch einmal an die darin beschriebenen sehr einfachen, aber auch sehr wirksamen Übungen erinnert. Sie zielen zumeist darauf ab, dass man negative Gedanken nicht bekämpfen oder zu verdrängen versuchen soll. Stattdessen soll man lernen, dass sie eben nichts weiter sind als das – Gedanken, die einem als solche zunächst einmal nicht schaden, obwohl sie einen natürlich gewalt runterziehen können. Aber das kann man vermeiden, wenn man lernt, solche Gedanken zu „defusionieren“ und dadurch eine gewisse Distanz zu ihnen schafft.
Eine ganz einfache, auf den ersten Blick albern erscheinende Übung dazu ist etwa, solche Gedanken nicht ernst zu nehmen. Das kann man tun, indem man einem negativen Gedanken (etwa „Ich fühle mich wertlos“ oder „Das Bewerbungsgespräch morgen läuft bestimmt furchtbar“) einen weiteren, ganz offensichtlich absurden Gedanken gegenüberstellt (z.B. „Ich bin eine Banane“). Ich weiß, das klingt erst einmal wahnsinnig dämlich, aber es wirkt! Genau wie viele andere Übungen im Buch lernt man durch das regelmäßige Durchführen dieser Übung nämlich, dass Gedanken eben nur Gedanken sind. Bloß weil sie einem im Kopf herumschwirren müssen sie nicht wahr sein und auch nicht hilfreich.

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, die bisherigen Übungen aus dem Buch nun wieder öfter in meinen Alltag zu integrieren. Die meisten davon kann man jederzeit anwenden, wann immer man bemerkt, dass man wieder negativen Gedanken verfällt. Und ich will endlich die Übung machen, bei der ich schon mehrmals stehengeblieben bin, um das Buch dann zu Ende lesen zu können. Mal sehen, was mich darin noch alles für hilfreiche Tipps und Übungen erwarten…

Neues wagen

Von Freitag bis Sonntag war ich mit Freunden in Berlin. Mal aus seiner gewohnten Umgebung raus zu kommen, tut immer gut. Es sorgt für einen Perspektivenwechsel und zeigt einem, was es alles an Möglichkeiten in der Welt gibt.

Es hat mir aber auch ab und zu gezeigt, dass es unglaublich viele Dinge gibt, die ich noch nie getan habe – ich habe mich ganz einfach noch nie getraut bzw. Vermeidungsstrategien angewendet, damit ich diese Dinge gar nicht tun musste. Als ich am Samstag mit Franzi im Auto saß und wir auf dem Weg zur Tankstelle waren, kam mir plötzlich in den Sinn, dass ich selbst noch nie getankt habe! Ich habe mich ja auch schon lange nicht mehr getraut, Auto zu fahren und es war ganz einfach noch nie notwendig, dass ich selbst zu einer Tankstelle fahre und ein Auto volltanke.
Nun, jedenfalls war ich gut drauf und habe diesen Gedanken laut geäußert. Daraufhin hat Franzi zu mir so etwas gesagt wie „Dann machst du das jetzt eben zum ersten Mal“. Wir sind zur Tankstelle gefahren, ich bin mit ausgestiegen und habe unter Franzis Anleitung den Wagen vollgetankt.

Warum schreibe ich das jetzt, obwohl es sich doch vollkommen banal anhört und für die meisten Menschen nichts Besonderes und wohl eine ähnlich alltägliche Aktivität wie das Zähneputzen ist? Ganz einfach: Es hat mir nicht nur vor Augen geführt, dass es viele – kleine und große, wichtige und weniger wichtige – Dinge gibt, die ich mich noch nie getraut habe. Sondern auch, dass ich nicht verzweifeln darf ob dieser Menge Situationen und Tätigkeiten, die mir Angst machen. Niemand verlangt nämlich von mir, dass ich mich all diesen Dingen auf einmal stelle oder ganz plötzlich meine größten Ängste besiege. Ganz im Gegenteil: Ich muss kleine, aber kontinuierliche Schritte gehen. Gerade die scheinbar banalen, alltäglichen Situationen sind es eben, an denen ich wachsen kann. Und wenn ich mich daran gewöhne, mich immer wieder solchen kleinen, neuen Dingen zu stellen, dann fallen mir bestimmt bald auch die größeren Entscheidungen und Veränderungen leichter.

Übrigens habe ich gestern auf der Rückfahrt gleich wieder getankt. Dieses Mal habe ich es schon ganz alleine hingekriegt, ohne Anleitung. Faszinierend, wie einfach selbst die Dinge sein können, vor denen man sich sein Leben lang gedrückt hat – sobald man sie einfach nur mal tut.

„Beziehungsarbeit“ mal anders

Schon lange spiele ich mit dem Gedanken, regelmäßig über meine Ängste, meine Depression und meinen Kampf mit der sozialen Phobie zu bloggen. Aber nicht einmal zu einem einzigen Blogpost habe ich mich bis jetzt überwinden können. Damit die Hürde nicht gleich ganz so hoch ist, habe ich mich nun dazu entschlossen, erst einmal passwortgeschützte Blogposts zu verfassen, die ich zunächst nur meinen engsten Freunden zugänglich mache. Mein Traum ist es zwar, ganz offen mit dem Thema umzugehen und durch Blogposts dazu auch fremden Menschen, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, etwas Mut zu machen und eine kleine Hilfe zu bieten. Aber dazu bin ich noch nicht bereit, also habe ich mich entschlossen, erst einmal einen kleineren Schritt zu machen.

Ein weiterer Grund dafür, warum ich mich lange um das Schreiben herumgedrückt habe: Ich habe immer diesen Komplettheitsanspruch. Um den zu umgehen, habe ich mir vorgenommen, in jedem Blogpost ganz bewusst nur einen kleinen Teilaspekt des Themas zu behandeln. Das kann ganz kurz sein und der Anlass können z.B. auch ganz banale Alltagsbeobachtungen aus meinem Leben sein – so wie hier jetzt.

In den letzten Tagen ist mir nämlich wieder einmal aufgefallen, dass es mir immer noch – und immer wieder! – schwer fällt, mit den Menschen um mich herum in Kontakt zu treten. Damit meine ich jetzt nicht, auf fremde Leute zuzugehen, obwohl mir das natürlich auch sehr oft schwer fällt. Nein, ich beziehe mich hier auf meine Freunde, Familienmitglieder und Bekannten – alles Menschen, mit denen ich ja schon in Kontakte stehe. Das Problem für mich ist nur: ich muss diesen Kontakt trotzdem immer wieder neu herstellen. Als Schüler war das Befreundetsein mit den Mitschülern noch leicht, weil man sie sowieso jeden Tag gesehen hat. Wenn man aber mit Menschen befreundet ist, die man nicht regelmäßig in der Schule, Arbeit oder Uni sieht, wird daraus plötzlich ein Stück weit Arbeit. Das betrifft natürlich nicht nur mich, und doch ist es für mich wohl auf besondere Weise ein Problem. Ich habe nämlich immer wieder Hemmungen, mich selbst bei guten Freunden zu melden, weil ich irgendwie anscheinend jedes Mal wieder das Gefühl habe, ich müsste nun aufs Neue auf sie zugehen als sei es das erste Mal.

Dahinter steckt wohl die Angst, zurückgewiesen zu werden, weil ich einen Fehler mache, in irgendeiner Weise nicht gut genug bin oder ähnliches. Ich kann derartige Erfahrungen und Hemmungen jedenfalls bis in meine Kindheit zurückverfolgen, sie begleiten mich schon mein ganzes Leben. Und wie bei den meisten Dingen, die mit Gefühlen und Ängsten zu tun haben, kann man hier auch nicht klipp und klar sagen, dass sie immer ein Problem für mich sind. Mal habe ich weniger Hemmungen, mal mehr. Mal hängt es von meiner allgemeinen Stimmung ab, mal einfach davon, dass ich zur entsprechenden Person eine Weile keinen Kontakt hatte. Es ist einfach wahnsinnig schwer, so etwas anderen Leuten nachvollziehbar und glaubwürdig zu erklären. Leicht kann dabei der Eindruck entstehen, ich sei einfach „faul“ im Umgang mit anderen Menschen oder die Beziehungen zu ihnen seien mir nicht wichtig. Dabei ist meistens das Gegenteil der Fall. Und ganz egal, wie nervig (und manchmal auch verletzend) mein Verhalten für meine Mitmenschen sein kann – langfristig leide ich darunter selbst immer noch am meisten. (Und ja, ich weiß wie egozentrisch das jetzt klingt! 😉 )

GEHHIRN? Rette mich wer kann? Ich spiel jetzt auch Theater!

Dieses Mal gibt’s einen Blogpost in eigener Sache. Gut, eigentlich geht’s hier im Blog ja immer über mich. Schließlich schreibe ich hier nur über Dinge, die mich interessieren: Filme, TV-Serien, „Babylon 5“, Michael Jackson, „Star Wars“. Zu diesen Leidenschaften hat sich allerdings in den letzten zwei Jahren noch eine weitere gesellt: das Schauspiel.

Seit zwei Jahren bin ich Mitglied im Münchner Schauspielverein. Im Gruppen- und Einzelunterricht habe ich dort bei Florian „Floo“ Weber die Grundlagen der Schauspielerei erlernt. Improvisation oder die Arbeit an Texten, Charakteren und Gefühlslagen waren nur einige der zahlreichen spannenden Themen, mit denen wir uns befasst haben. Bald trägt unsere Arbeit nun endlich sichtbare Früchte.

GEHHIRN

GEHHIRN – am 12., 14. & 15. Oktober im „theater…und so fort“ in München

Im Oktober und November bringen wir in München unsere ersten beiden Produktionenen auf die Bühne. Los geht’s mit „GEHHIRN“ (12., 14. & 15. Oktober). Alle daran beteiligten Darsteller haben sich im Lauf der letzten Monate schauspielerisch mit zwei Monologen auseinandergesetzt. Einen davon haben sie sich selbst ausgesucht, den anderen hat Floo für jeden persönlich geschrieben. Diese Monologe werden im Verlauf der Inszenierung aber nicht einfach nur nacheinander „heruntergeleiert“ – das wäre zu eintönig. Vielmehr wird ein Teil des Abends aus einer freien Improvisation bestehen, bei der alle Schauspieler aber nichts sagen dürfen, was nicht in ihren Monologen steht! Auf diese Weise ergeben sich immer wieder absurde, irritierende Momente. Dem Publikum wird zunächst manches unklar und seltsam vorkommen, aber sobald es die jeweiligen Texte dann in ihrer Gänze hört, wird die „persönliche Geschichte“ der einzelnen Figuren deutlich.
Wie im menschlichen Gehirn, wo sich aus unzähligen Synapsenverbindungen ständig neue Verknüpfungen ergeben, entstehen auch in „GEHHIRN“ stets ganz neue, unvorhersehbare Verbindungen. Die Beteiligten werden in ihrem Zusammenspiel so zu einem Geh-Hirn. Falls sich das für euch jetzt etwas schwer vorstellbar anhört und ihr euch noch nicht sicher seid, ob sich dafür der Kauf einer Eintrittskarte lohnt, dann habe ich einen Tipp: Am 24.9. findet die erste von zwei öffentlichen Proben für die Aufführung statt. Die genauen Details und einen Link zur Anmeldung findet ihr auf der Startseite der Homepage des Schauspielvereins. Karten für die Aufführungen könnt ihr bereits auf der Homepage des Theaters reservieren.

Angélique Levenski und Maximilian Schröter

Angélique und ich bei einer Probe für „Rette mich wer kann“ (Foto: Florian Weber)

Während an „GEHHIRN“ fast alle Mitglieder des aktuellen Jahrgangs beteiligt sind, handelt es sich bei der zweiten Inszenierung, die wir nur wenige Wochen später auf die Bühne bringen, um ein Stück für zwei Personen. In „Rette mich wer kann“ (2. bis 5. November) werde ich an der Seite der wunderbaren Angélique Levenski auf der Bühne stehen. Geschrieben hat das Stück unser Schauspiellehrer Floo, der auch Regie führt. Worum geht es? Nun, zu viel will ich nicht verraten. Denn das Stück bezieht seinen Reiz zum Teil daraus, dass der Zuschauer hier für sich selbst entscheiden muss, was da eigentlich auf der Bühne passiert. Wir sehen zwei Figuren, Gisu und Moro. Doch in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Warum hat einer von ihnen eine Pistole in der Tasche? Warum bietet Moro Gisu etwas zu Trinken an, obwohl sie ihn nicht leiden kann? Warum entschuldigt sich Gisu ständig für alles Mögliche?
Obwohl vieles im Unklaren bleibt, wird eines doch im Verlauf des Stücks deutlich: Es geht hier um existentielle Fragen, um Lebenskrisen und darum, sich selbst zu akzeptieren und die eigene Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen. Insofern ist „Rette mich wer kann“ auch ein Stück über das Schauspielen. Weitere Interpretationen möchte ich hier nicht anbieten, denn ihr sollt euch wie gesagt selbst ein Bild machen. Weil es sich bei der Thematik anbietet (und weil das Stück nur etwa 40 Minuten lang ist), wird das Publikum im Anschluss zu einer Diskussionsrunde mit Floo, Angélique und mir eingeladen. Dabei gilt Ähnliches wie bei „GEHHIRN“: wir wissen noch nicht, wohin uns unsere Gedanken und Gespräche führen werden, aber es wird ganz sicher spannend!
Auch für „Rette mich wer kann“ könnt ihr natürlich schon Karten reservieren.

Die Proben zu beiden Aufführungen laufen auf Hochtouren und machen riesigen Spaß! Ich bin schon sehr gespannt auf unsere beiden Premierenabende. Wir würden uns sehr freuen, möglichst viele von euch im Theater begrüßen zu dürfen! Folgt dem Schauspielverein auf Facebook, Twitter und Instagram, um über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden zu bleiben und rechtzeitig über Termine – z.B. für kostenlSchauspielvereinose, öffentliche Proben – informiert zu werden!