Filmfest München: „Buster’s Mal Heart“, „Animal Kingdom“, „Flesh and Blood“, „The Road to Mandalay“

13 Filme in drei Tagen, das ist meine vorläufe Bilanz vom Filmfest München. Heute werden es wieder ein paar mehr, aber bevor ich gleich wieder los muss ins Kino will ich hier noch ein paar Eindrücke festhalten.

Rami Malek, bekannt aus der Serie „Mr. Robot“, spielt in „Buster’s Mal Heart“ seine erste Kinohauptrolle. Eigentlich spielt er darin sogar drei Rollen. Und eigentlich auch wieder doch nicht, es ist etwas verwirrend. Der Film jedenfalls zeigt parallel drei verschiedene Handlungsstränge: Da ist zum einen Jonah, der als Concierge in einem Hotel arbeitet – stets in der Nachtschicht. Dann ist da „Buster“, der in fremde Häuser einbricht, um dort zu übernachten und bei Radiosendern anruft, um vor dem Weltuntergang zu warnen. Und dann ist da noch ein Mann in einem einsamen Boot auf dem weiten Meer…

Buster's Mal HeartAll diese drei Männer werden von Rami Malek gespielt und wer nun erwartet, dass der Film irgendwann klar herausstellt, wie ihre Geschichten zusammenhängen, der wird enttäuscht werden. Es werden zwar Andeutungen gemacht, doch die endgültige Interpretation bleibt dem dem Zuschauer überlassen. Malek gelingt es mit seinen Darstellungen, den gesamten Film zu tragen. Dieser enthält außerdem einiges an religiöser Symbolik, u.a. in den Kirchenliedern, die zum Teil den Soundtrack bilden. Mich hat „Buster’s Mal Heart“ an „Matrix“ und „Vanilla Sky“ denken lassen, auch wenn er mit diesen beiden Filmen eigentlich kaum etwas gemeinsam hat, außer eben ein paar Andeutungen bezüglich des Sinns und Zusammenhangs der drei Geschichten. Ein seltsamer Film, aber einer der einen zum Nachdenken bringt. Wer bin ich, wer will ich sein, wie wirken sich meine Entscheidungen auf meinen weiteren Lebensweg aus und steht dieser überhaupt unter meiner eigenen Kontrolle? Das sind Fragen, die Regisseurin Sarah Adina Smith hier auf äußerst interessante Weise stellt.

Leider sind die beiden Vorstellungen von „Buster’s Mal Heart“ auf dem Filmfest bereits vorbei.

Seit einigen Jahren hat das Filmfest eine eigene Programmreihe für neue Fernsehserien. Davon habe ich mir dieses Jahr die ersten beiden Folgen von „Animal Kingdom“ angeschaut. Die Serie ist momentan in Deutschland bei TNT Serie zu sehen und basiert auf dem gleichnamigen australischen Film von 2010. Für die Serie wurde die Handlung nun in die USA verlegt. Sie beginnt mit dem Drogentod der Mutter des 17-jährigen Joshua (Finn Cole), der daraufhin zu seiner Großmutter (Ellen Barkin) zieht. Bei dieser wohnen auch ihre drei erwachsenen Söhne, die mit Raubzügen für die finanzielle Sicherheit des Familienclans sorgen – stets überwacht und geleitet von der alles kontrollierenden Matriarchin.

Animal Kingdom„Animal Kingdom“ bietet solide Unterhaltung, ist aber meiner Meinung nach in keinem Bereich wirklich herausragend. Joshua scheint mit den kriminellen Machenschaften seiner Verwandschaft von Anfang an kaum Probleme zu haben und lässt sich selbst schnell dafür einspannen. Wo bleibt da noch Raum für die Figur, sich zu entwickeln? Wie es sich für eine Serie gehört, werden mehrere Andeutungen gemacht, aus denen sich in den weiteren Folgen Storyelemente zimmern lassen. Aber all das ist Standardkost und nichts davon kann wirklich überraschen. Wer gerne halbnackten, verschwitzten Männern dabei zusieht, wie sie sich im Pool prügeln oder Autos auseinandernehmen, der kommt bei „Animal Kingdom“ wohl auf seine Kosten. Und Ellen Barkin spielt die unsympathische, aber stets um ihre Familie besorgte Mutter bzw. Großmutter wirklich gut. Aber ich werde die Serie nicht weiter verfolgen.

Interessanter fand ich da schon die in „Flesh and Blood“ dargestellte Familie. Auch hier geht es um Kriminalität, Drogenprobleme und familiären Zusammenhalt. Regisseur Mark Webber hat sich selbst und seine eigenen Familienmitglieder als Schauspieler besetzt. Er erzählt die Geschichte von Mark (Mark Webber), der nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird und bei seiner Mutter (Madeline Brewer) und seinem 13-jährigen Bruder (Guillermo Santos) unterkommt. Alle Protagonisten haben hier ihr Päckchen zu tragen: Mark droht wieder in die Sucht abzurutschen, sein Bruder muss mit einer Asperger-Diagnose und seinem Außenseiter-Status leben und die Mutter musste als Teenagerin aus einem gewalttätigen Elternhaus fliehen.

Flesh and BloodDavon erzählt der Film in authentischen Bildern, bei denen nie so ganz klar ist, wieviel denn nun gespielt bzw. im Drehbuch festgelegt ist und wann die Darsteller ganz einfach spontan miteinander interagieren. Die Interaktionen wirken jedenfalls vollkommen natürlich und der Film damit schon fast dokumentarisch. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass Marks Bruder eine Dokumentation über seine Familie dreht und wir dadurch z.B. Interviewsequenzen mit der Mutter zu sehen bekommen. Übrigens spielen auch die Väter von Mark und seinem Bruder eine wichtige Rolle. In zwei wirklich nahe gehenden Szenen wird die Begnung der jungen Männer mit ihren Vätern geschildert und was man am Ende aus diesem Film mitnimmt, ist die Erkenntnis, dass Familie wohl immer viel (Beziehungs-)Arbeit bedeutet. Ein starker Film, der einen direkt berührt und ohne künstlich wirkendes Happy End daherkommt.

Leider sind auch die Vorführungen von „Flesh and Blood“ schon vorbei.

Ebenfalls ein starker Fim ist „The Road to Mandalay“. Die junge Lianquing kommt als illegale Einwanderin von Myanmar nach Thailand. Sie hält sich mit verschiedenen Jobs über Wasser und hofft, möglichst bald eine offizielle Arbeitserlaubnis zu erhalten. Dabei erlebt sie Rückschlag um Rückschlag, gibt aber nicht auf. Guo, der mit ihr nach Thailand gekommen ist, will sie dazu überreden, eine Stelle in einer Textilfabrik zu übernehmen, die besser bezahlt wird als viele andere Jobs. Zudem empfindet er für sie mehr als nur Freundschaft, traut sich jedoch nicht, ihr seine Gefühle zu offenbaren.

The Road to MandalayRegisseur Midi Z, der bereits mit zwei früheren Werken auf dem Filmfest München zu Gast war, hat mit „The Road to Mandalay“ zwar einen Film gedreht, in dem gar nicht viel passiert. Dank der großartigen Hauptdarstellerin, die die Hoffnungen, Ängste und Leiden ihrer Figur in jeder Einstellung für den Zuschauer spürbar macht, ist der Film aber trotzdem nie langweilig. Auch dieser Film wirkt phasenweise dokumentarisch, wenn man die Protagonisten etwa bei der Arbeit in Restaurants oder Fabriken beobachtet oder bei ihrem schwierigen Umgang mit Polizei und Behörden. Bestechung und Korruption sind dabei an der Tagesordnung und die Hoffnung auf eine legale Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zerschlägt sich schnell, so dass sich Lianquing auf ebenfalls sehr frustrierende Weise gefälschte Papiere zu besorgen versucht. „The Road to Mandalay“ ist ein manchmal ernüchternder und deprimierender, aber doch stets faszinierender und authentisch wirkender Einblick in eine Welt, die sowohl erschreckende Unterschiede als auch Parallelen zu unserer mitteleuropäischen Gesellschaft aufweist. Und spätestens das Ende des Films sorgt dann dafür, dass der Film im Gedächtnis haften bleibt und lange im Kopf des Zuschauers nachwirkt.

„The Road to Mandalay“ wird noch einmal auf dem Filmfest gezeigt: am 28.6. um 20 Uhr

Copyright Bilder: Filmfest München

Filmfest München: „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ & „Rey“

Es ist wieder so weit: Das Filmfest München hat begonnen und das bedeutet: neun Tage Ausnahmezustand! Den ersten Tag habe ich schon überstanden. Weil alle meine Screenings gestern in der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) stattfanden, musste ich dabei nicht einmal kreuz und quer durch die Innenstadt hetzen und konnte zwischen den einzelnen Vorstellungen vor der HFF Sonne tanken.

Mein erster Film trug witzigerweise den Titel „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“. Ob es ein schlechtes Omen ist, wenn das Filmfest bereits so beginnt? Ich fühlte mich gestern tatsächlich etwas gerädert, weil ich bereits in der Nacht vor dem ersten Festivaltag zu wenig Schlaf bekommen hatte – ein großer Fehler. Beim ersten Film, der in der Reihe „Neues deutsches Kino“ läuft, war ich aber noch wach und aufmerksam. Der Film erzählt die Geschichte der Paartherapeutin Luisa (Lina Beckmann). Sie ist schätzungsweise Mitte vierzig und mit Richard (Charly Hübner) verheiratet. Der ahnt nichts davon, dass seine Frau seit einiger Zeit eine heiße Affäre mit seinem Vorgesetzten Leopold (Benno Fürmann) hat. Dies wiederum bedeutet für Luisa natürlich einen erheblichen logistischen Aufwand, denn all die beruflichen und privaten Termine wollen erst einmal unter einen Hut gebracht werden – selbstverständlich ohne dass Richard von der Affäre erfährt.

Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?Doch Luisa erhält unerwartete Hilfe: Wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine Doppelgängerin von ihr auf! Nachdem der erste Schock überwunden ist, tauft Luisa das Wesen auf den Namen Ann und erkennt, dass Anns Existenz durchaus ihre praktischen Seiten hat. Sie beauftragt Ann, sich um Richard zu kümmern, während sie sich selbst ganz in die Beziehung zu Leopold stürzen will. Aber so einfach, wie Luisa sich das ausmalt, läuft die Sache natürlich nicht ab…
Regisseurin Lola Randl hat mit „Fühlen Sie sich manchmal…“ eine charmante, witzige Komödie abgeliefert, deren größte Stärke die sympathische und vollkommen natürlich spielende Hauptdarstellerin ist. Es ist wirklich erfrischend, auch mal eine Person wie aus dem wahren Leben im Kino zu sehen und nicht immer nur auf Hochglanz gestylte Stars, denen man den Alltagsstress einer solchen Rolle gar nicht abnimmt. Lina Beckmann bringt genau die richtige Mischung aus Überdrehtheit und Bodenständigkeit in die Rolle ein und macht es dem Publikum leicht, sich mit ihr zu identifizieren. Zudem spielt sie hier natürlich eine Doppelrolle und darf als anfangs vollkommen naive und ahnungslose Ann auch eine andere Seite von sich zeigen.
Die ersten zehn oder fünfzehn Minuten wusste ich nicht so recht, was ich mit dem Film anfangen soll. Die teils absurd überzeichneten Szenarien, in denen das Bild am Computer verfremdet zu sein schien, fand ich etwas verwirrend und es war zunächst nicht klar, was das eigentlich für ein Film sein soll. Hat man die Figuren aber erst einmal kennen gelernt, versinkt man schnell in der Geschichte. Eines der Themen, die hier behandelt werden, ist natürlich das der Identität. Wer bin ich und wie kann ich angesichts all der Rollen, die ich im Alltag zu spielen habe (Ehefrau, Therapeutin, Geliebte,…) zu mir selbst finden und ich selbst bleiben? Das ist nur eine der Fragen, die der Film stellt.
Meine Lieblingsszene des Films ist eine eigentlich recht unscheinbare, die ich wohl nur deshalb so faszinierend fand, weil ich studierter Soziologe bin: Da sitzt Luisa mit Richard abends auf der Couch, mit dem Wissen, dass sie von Ann beobachtet werden. Weil Luisa Ann darauf vorbereiten will, bald ihre (Luisas) Rolle einzunehmen, versucht sie dieser zu erklären, was man als Richards Ehefrau so alles zu tun hat – selbstverständlich aber ohne Richard merken zu lassen, dass sie gerade eigentlich zu jemand anderem spricht. Sie betont also jede ihrer Handlungen und spricht Sätze wie „Und dann trinken wir zusammen Wein“, während Ann das Ganze wissbegierig beobachtet. Spannend fand ich die Szene, weil hier sowohl für das Kinopublikum, als auch für Ann – die Beobachterin im Film – gespielt wird. Dadurch werden soziale Konventionen klar herausgestellt, die sonst zwischen Luisa und Richard ganz selbstverständlich ablaufen würden, ohne dass Luisa darüber sprechen würde.
Aber damit will ich euch nicht weiter langweilen. Als Fazit bleibt mir noch zu sagen: „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ ist wie erwähnt charmant, witzig und authentisch. Die letzte halbe Stunde zieht sich leider etwas und der ganz große Wurf ist Lola Randl damit nicht gelungen, aber eine unterhaltsame Komödie um ernste aktuelle Themen ist der Film allemal.
„Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ hat heute Abend Premiere im Arri-Kino (24.06., 19:30) und wird danach noch zweimal auf dem Festival gezeigt (am 25.6. um 22:30 und am 28.6. um 17:30, jeweils in der HFF).

Ein weiterer Film, den ich gestern gesehen habe, war der im Programmheft als „experimenteller Abenteuerfilm“ angekündigte „Rey“. Darin geht es um den französischen Anwalt Orélie-Antoine de Tounens (Rodrigo Lisboa), der 1860 in Südamerika die unabhängigen Königreiche Araucana und Patagonien gründete.

Rey„Experimentell“ ist der Film wirklich! Denn wenn ich die Einführung vor der Vorstellung richtig verstanden habe, dann hat Regisseur Niles Attalah den Film auf 35-Millimeter-Material gedreht und dieses dann für mehrere Monate vergraben! Das Ergebnis sieht man dem Film deutlich an, denn es gibt immer wieder Szenen, in denen der Film so verschmutzt und verwittert ist, dass tatsächlich kaum noch etwas zu erkennen ist. Eindeutig eine eigenwillige stilistische Entscheidung, die zusammen mit der ruhigen, meditativen und poetischen Inszenierung bei mir allerdings für akute Müdigkeit gesorgt hat. „Rey“ war überhaupt kein Film für mich und wäre ich nicht genau in der Mitte des Saals gesessen, dann hätte ich diesen wohl noch während des Films verlassen. Würde „Rey“ als Endlosschleife in einem Museum gezeigt werden, wo man sich für ein paar Minuten hinsetzen und zuschauen kann, dann fände ich das wohl cool. Als „ganz normaler“ Kinofilm war mir das dann aber doch zu sonderbar.

„Rey“ wird noch zweimal auf dem Filmfest gezeigt: am 26.6. um 16:30 und am 28.6. um 19:00 (jeweils im Theatiner Film).

Copyright Bilder: Filmfest München

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Pirates of the Caribbean: Salazars Rache

Salazars RacheEs ist tatsächlich noch einmal so weit: Am Donnerstag kommt ein weiterer Teil der „Pirates of the Caribbean“-Reihe (ehemals „Fluch der Karibik“) ins Kino. Wir erinnern uns: 2003 überraschte Gore Verbinskis erster Teil vor allem mit einer Performance von Johnny Depp, wie man sie so noch nicht gesehen und schon gar nicht in einem familienfreundlichen Piratenfilm von Disney erwartet hätte. Der Film wurde zum riesigen Erfolg, verhalf Depp sogar zu einer Oscarnominierung und zog anschließend zwei am Stück gedrehte Sequels nach sich, die jedoch zunehmend schwächer gerieten. Der 2011 nachgeschobene vierte Teil verzichtete schließlich auf den Großteil der in den bisherigen Filmen eingeführten Figuren und war so grottenschlecht, dass man die Reihe schon als beerdigt hätte betrachten können – hätte nicht auch dieser Film wieder ordentlich Geld in die Kassen von Disney und Produzent Jerry Bruckheimer gespült. Und weil eben auch ein fünfter Teil immer noch ordentlich Kohle zu machen verspricht, kommt genau jener nun mit einigen Jahren Abstand ins Kino.

„Salazars Rache“ heißt der Karibikfluchfilm Nummer fünf hierzulande und geht zumindest schon mal ganz vielversprechend los: Henry Turner sucht seinen Vater Will (Orlando Bloom) auf und verspricht ihm, ihn von dem Fluch zu befreien, der ihn für immer auf den Fliegenden Holländer und ein Leben auf (bzw. unter) See verbannt hat. Dann springt die Handlung einige Jahre in die Zukunft, wo Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) gerade dabei ist, den Begriff „Bankraub“ neu zu definieren. Die entsprechende Szene ist eine wirklich spaßige Action- und Slapsticksequenz, die ein bisschen zu bemüht daherkommt, um einen wirklich umhauen zu können. Aber immerhin ist das Ganze herrlich absurd und sehr unterhaltsam.

Johnny DeppJohnny Depp liefert als Jack Sparrow genau die Performance ab, die man erwartet – leider. Denn das bedeutet einerseits, dass man zwar genau den trotteligen, wankenden und stets betrunkenen Loser-Piraten zu sehen bekommt, den man so schon aus den anderen Filmen kennt. Andererseits ist es eben aber auch absolut nichts Neues mehr. Depps Schauspiel entlockt einem zwar hin und wieder ein Schmunzeln und die Szenen mit Sparrow bieten durchaus einige gelungene Gags. Aber das Problem dieser Figur ist eben, dass sie beim Publikum so beliebt ist – und zwar genau so, wie sie eben ist. Der Charakter darf sich nicht viel weiterentwickeln oder verändern, denn das würde bedeuten, das wichtigste Element dieser Filmreihe aufs Spiel zu setzen, welches das Publikum wahrscheinlich auch wieder in diesen Film in Scharen strömen lässt.

Das Tempo und den Witz der ersten halben Stunde hält der Film danach leider nicht mehr aufrecht. Die einzige Szene, die später noch einmal einen ähnlichen Spaß macht, ist eine Hinrichtung, bei der es drunter und drüber geht. Der Showdown des Films beeindruckt später höchstens noch durch seine blauschwarze Unterwasseroptik. Leider sind einem das Geschehen und ein Großteil der Figuren zu diesem Zeitpunkt aber schon längst egal, was drei Gründe hat. Zum einen ist der Mittelteil des Films sehr langatmig und macht es dem Zuschauer schwer, die Geschichte weiter mit Interesse zu verfolgen. Weiterhin sind fast alle neu eingeführten Figuren (zumindest auf Seiten der Helden) hier gänzlich blass und uninteressant. Dazu zählen in erster Linie der bereits erwähnte Henry Turner (als Erwachsener gespielt von Brenton Thwaites) und die neue weibliche Hauptrolle Carina Smyth (Kaya Scodelario). Drittens hat man als Zuschauer das Problem, dass man im Schlussteil des Films schon längst den Überblick darüber verloren hat, wer hier eigentlich was will (oder man hat ganz einfach kein Interesse mehr, den teilweise unglaubwürdigen Motivationen der Kaya Scodelario und Brenton Thwaitesvielen Figuren weiter zu folgen). Der Film wartet gleich mit mehreren MacGuffins auf: dazu gehören Jack Sparrows Kompass, eine Karte sowie der Dreizack des Poseidon. Die beteiligten Figuren verfolgen wie gesagt unterschiedliche Interessen: Armando Salazar will – wie der Fimtitel schon sagt – Rache an Jack Sparrow nehmen, Henry will den Fluch von seinem Vater nehmen, und so weiter und so fort. Irgendwann in der Mitte des Films habe ich es aufgegeben, genau mitzudenken, da mir die Geschichte zu unnötig kompliziert und die Motivationen nicht immer nachvollziehbar waren. Leider verliert man dabei natürlich auch ein Stück weit die Bindung an die Geschichte und an die Figuren – es ist einem eben alles in gewisser Weise egal.

Ein alter Bekannter, der auch wieder mit von der Partie ist, obwohl er für die Handlung eigentlich komplett überflüssig ist, ist Captain Barbossa. Geoffrey Rush scheint immer noch großen Spaß an der Verkörperung dieser Figur zu haben, die die Drehbuchautoren wohl nur deswegen auch in diesen Film geschrieben haben, weil Barbossa halt ein beim Publikum beliebtes Element der Serie ist. Die Frage, ob man etwas wirklich Sinnvolles mit ihm anfangen kann, scheint da zweitrangig zu sein (wird aber zumindest am Ende der Geschichte zufriedenstellend beantwortet). Weil Barbossa ja schon lange zu den Guten gehört, muss für jeden Film ein neuer Gegenspieler her. Dabei handelt es sich dieses Mal um den bereits erwähnten Salazar (gespielt von Javier Bardem, dessen Ehefrau Penélope Cruz bereits im letzten Film dabei war). Bardem macht dabei erwartungsgemäß einen guten Job; bei Salazar handelt es sich um einen charismatischen Bösewicht, aber eben schon wieder um einen Captain, der mitsamt seines Schiffs und seiner Crew verflucht worden ist – das hatten wir im Verlauf der Reihe schon mehrmals.

Javier BardemMit ein paar (kleinen) Überraschungen und Plotwendungen wartet der Film natürlich auch auf, wirklich kreativ waren die Autoren aber auch dabei nicht und präsentieren stattdessen zum Beispiel die Enthüllung verwandtschaftlicher Verhältnisse, die einen höchstens mit den Schultern zucken lassen. Eine Szene, die mir persönlich natürlich sehr gut gefallen hat, ist der Gastauftritt von Paul McCartney. Nachdem in den Teilen drei und vier Rolling Stone Keith Richards als Jacks Vater mit dabei war, darf nun ein Ex-Beatle einen weiteres Mitglied der Piratenverwandtschaft spielen – und zu Beginn seiner Szene sogar ein Lied anstimmen, welches auch die Beatles einst aufgenommen haben!

An den Effekten des Films gibt es absolut nichts auszusetzen. Das Design ist weiterhin rundherum gelungen und im Gegensatz zu Teil vier gibt es dieses Mal auch tatsächlich wieder richtige Seeschlachten zu bestaunen. Inhaltlich ist der Film aber äußerst durchwachsen. Johnny Depp darf auf Autopilot sein bekanntes Jack Sparrow-Programm abspulen, was in Ähnlicher Weise auch für die meisten anderen der bereits bekannten Gesichter gilt. Orlando Blooms kurze Auftritte sind übrigens nicht mehr als ein größerer Cameo und die Einbindung von Will (und Elizabeth!) Turner wirkt ebenfalls sehr bemüht und konstruiert. Eine austauschbare, nicht immer logische und unnötig komplizierte Handlung macht den Film ebenso verwirrend und langatmig wie die zu vielen Figuren. (Ausgerechnet die vielleicht interessanteste neue Figur – eine Hexe auf Seiten der Bösewichte – wird leider vollkommen Geoffrey Rush, Javier Bardemverschenkt.) Die beiden neuen Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg haben die Inszenierung und auch die Action-Elemente zwar gut im Griff, insgesamt bietet der Film aber nichts als Standardkost. Kreative Risiken werden hier nicht eingegangen und selbst die Musik klingt exakt wie in den früheren Filmen, obwohl sie hier nicht mehr von Hans Zimmer stammt, wie noch in den Teilen zwei bis vier (dieses Mal durfte einer der Schützlinge des Maestros ran, Geoff Zanelli). Den Publikumsmassen, die zum Megaerfolg der ersten vier Filme geführt haben, wird hier genau das geboten, was sie erwarten. Leider ist das aber nicht das, was die „Pirates of the Caribbean“-Reihe bräuchte, um auch kreativ und künstlerisch überleben zu können.

Copyright Bilder: ©Disney Enterprises

Geschützt: Türen öffnen

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Fernsehen mal drei: „Designated Survivor“, „The Night Manager“ & „Wayward Pines“

Was macht man, wenn man sein Leben gerade nicht auf die Reihe kriegt und sich von Problemen ablenken lassen will? Genau, fernsehen! Das habe ich in den letzten Wochen auch wieder viel gemacht. Dabei bin ich unter anderem „Seinfeld“ verfallen – ich hatte bis vor etwa zwei Monaten tatsächlich noch keine einzige Folge der legendären Sitcom gesehen, obwohl ich schon seit Jahren ein großer Fan von Larry David bin. Auch mit „The Big Bang Theory“ habe ich endlich angefangen, nachdem ich mir schon seit Jahren anhören muss, dass ich einem gewissen Sheldon ziemlich ähnlich bin. 😉 Davon habe ich aber erst drei Folgen angeschaut. Und um diese Sitcoms soll es hier eigentlich gar nicht gehen, sondern um drei andere Serien.

Designated Survivor

In diesem Politdrama, das in den USA auf ABC und hierzulande auf Netflix zu sehen ist, wird der von Kiefer Sutherland gespielte Thomas Kirkman unerwartet zum US-Präsidenten. Er ist nämlich jener „designated survivor“, der sich, während der Präsident im Kapitol seine Rede zur Lage der Nation (State of the Union) hält, an einem geheimen Ort aufhält – nur für den Fall der Fälle, dass eben der Präsident und alle anderen Amtsträger, die für dessen Nachfolge in Frage kommen, ums Leben kommen sollten. Dieser Fall tritt hier in der ersten Episode tatsächlich ein, als ein Bombenanschlag auf das Kapitol verübt wird, dem nicht nur der US-Präsident, sein Stellvertreter und sämtliche versammelten Minister, sondern auch ein Großteil des Kongresses zum Opfer fallen.
So wird Kirkman, der bislang Minister für Wohnungsbau und Stadtplanung war (und dem der Präsident dieses Amt eigentlich wieder entziehen wollte) also Hals über Kopf vereidigt und steht fortan an der Spitze einer Regierung, in der viele den unerfahrenen Neuling sofort wieder absägen möchten. Dazu kommen chaotische Zustände, Intrigen und Verschwörungen wie sie eben nach einem das Land erschütternden Terroranschlag dazu gehören.
Ich muss zugeben, dass für mich das Spannendste an „Designated Survivor“ eigentlich die Ausgangssituation ist. Klar wäre es furchtbar, sollte dieser Fall jemals wirklich eintreffen. Aber ihn mal im Fersehen durchzuspielen, das hat schon seinen Reiz. Leider verfliegt dieser Reiz aber recht schnell wieder. Nach drei oder vier Folgen unterscheidet sich „Designated Survivor“ nur noch wenig von anderen Politthrillern. Folge für Folge muss die Serie mit immer neuen überraschenden Wendungen und schockierenden Entwicklungen aufwarten. Dadurch hat man gelegentlich das Gefühl, sich hier mehr in einer Polit-Soap zu befinden (und die Serie schreckt diesbezüglich tatsächlich nicht vor einigen sehr billigen Handlungselementen zurück – Stichwort: Sohn des Präsidenten). Insofern habe ich mich ein paar Mal an „Political Animals“ erinnert gefühlt, allerdings waren dort die schauspielerischen Leistungen deutlich besser und es handelte sich nur um eine Miniserie. Die erste Staffel von „Designated Survivor“ dagegen ist auf 22 Episoden angelegt, von denen ich bislang zehn gesehen habe. Wären bereits alle Folgen auf Netflix verfügbar, hätte ich wohl schon aufgegeben. Da hier aber ganz altmodisch jede Woche nur eine Folge veröffentlicht wird, könnte es sogar sein, dass ich dran bleibe. Und sei es nur, weil ich mich so freue, Natascha McElhone mal wieder zu sehen, die hier die First Lady spielt.
Fazit: „Designated Survivor“ ist eine Art Mischung aus „House of Cards“, „24“ und „Political Animals“. Spannende und kurzweilige Unterhaltung mit einem Kiefer Sutherland, der eben so spielt wie er es immer tut. Aber eben auch eine Serie wie viele andere.

The Night Manager

Weiter geht es von der amerikanischen Regierung zum britischen Geheimdienst. „The Night Manager“ ist in Deutschland momentan exklusiv bei Amazon Prime zu sehen. Nachdem mir mehrere Freunde von der achtteiligen Serie vorgeschwärmt hatten, habe ich mir vor kurzem selbst ein Bild gemacht – und wollte eigentlich schon nach der zweiten Episode wieder Schluss machen.
Ein Nachtmanager eines Hotels, der vom britischen Geheimdienst undercover ins Team eines weltweit operierenden Waffenhändlers eingeschleust wird? Vollkommen unglaubwürdig, dachte ich mir. Noch dazu ist die Inszenierung hier ziemlich altmodisch und behäbig, was ja nicht schlecht sein muss, aber bei mir mal wieder die Frage aufwirft, warum man denn heute gleich aus jedem Stoff eine TV-Serie machen muss. Letztes Jahr kam „Verräter wie wir“ ins Kino, genau wie „The Night Manager“ die Verfilmung eines Romans von John le Carré. Der Film war zwar kein Meisterwerk, aber spannend und gut gespielt und inszeniert (meine Kritik könnt ihr hier lesen). Aber auf acht Episoden breitgetreten hätte ich den Stoff nicht gebraucht. Auch „The Night Manager“ hat die Streckung des Stoffes meiner Meinung nach nicht gut getan. Man hätte doch auch einen flotten und spannenden Zweiteiler inszenieren können? Stattdessen müssen (oder dürfen) wir nun Tom Hiddleston (als Nachtmanager, der zum Spion wird) und Hugh Laurie (als auf großem Fuß lebenden Waffenhändler) acht Folgen lang dabei zusehen, wie sie sich misstrauisch anschauen.
Mir war das wie gesagt nach zwei Folgen schon zu langweilig; ich habe danach nur weiter zugeschaut, weil mir eine Freundin eingeredet hat, danach gehe es doch erst richtig los. Tut es aber nicht, sondern es geht einfach genauso weiter, wie es angefangen hat. Und das mit dem Hotelmanager, der zum Undercoveragenten wird, mag zwar realistischer sein, als ich zunächst dachte. John le Carré hat schließlich selbst eine Vergangenheit im Geheimdienst und wird schon wissen, wovon er schreibt. Trotzdem haben mich hier nicht einmal die guten Schauspieler überzeugen können. Weil es nur acht Folgen waren, habe ich mich halt irgendwie durchgequält, großen Spaß gemacht hat es mir allerdings nicht.

Wayward Pines

Ganz anders verhält es sich mit „Wayward Pines“: Danach bin ich momentan regelrecht süchtig. Ich wollte vorgestern abends eigentlich nur die ersten zwei Folgen anschauen, daraus wurden dann fünf (und gestern noch einmal zwei). Die Mystery-Serie stand schon lange auf meiner „to watch“-Liste, weil sie von M. Night Shyamalan produziert wird, der auch bei der ersten Folge Regie geführt hat (auch die durch „Stranger Things“ bekannt gewordenen Duffer-Brüder sind als Produzenten und bei einigen Episoden auch als Drehbuchautoren beteiligt).
„Wayward Pines“ basiert auf einer Romantrilogie von Blake Crouch und wird oft mit „Twin Peaks“ verglichen. Der Vergleich ist allerdings trügerisch. Gemeinsam haben beide Serien, dass jeweils ein Geheimagent in eine US-Kleinstadt kommt, um dort ein Verbrechen aufzuklären. In beiden Serien trifft dieser Agent auf allerlei sonderbare und schräge Stadtbewohner. Aber viel weiter gehen die Ähnlichkeiten meiner Meinung nach nicht, da sich in „Wayward Pines“ die Handlung ab der Mitte der ersten Staffel in eine vollkommen andere Richtung entwickelt als bei „Twin Peaks“. Generell möchte ich über die Handlung nicht viel mehr verraten und kann jedem nur empfehlen, sich vorher möglichst nicht spoilern zu lassen. Wie der von Matt Dillon gespielte Ethan Burke hier in den ersten Folgen in eine durch und durch kafkaeske, alptraumhafte Situation gerät, ist nämlich hochspannend, sodass man am Ende jeder Folge gleich weiter schauen muss, um Antworten zu finden. Warum wollen die Bewohner von Wayward Pines scheinbar nicht, dass Ethan die Stadt wieder verlässt? Warum scheint es für sie verboten zu sein, über ihre Vergangenheit zu sprechen? Das sind nur zwei der zahlreichen Fragen, die am Anfang für Kopfkratzen sorgen.
Die Serie wartet mit ein paar überraschenden Wendungen auf, von denen zumindest eine ein richtig großer „WTF!?“-Moment ist. Den kann man dann doof finden oder eben richtig großartig (so wie ich). Auf jeden Fall hat mich die Serie nun äußerst neugierig auf die Romane von Blake Crouch gemacht (auf alle seine Bücher, nicht nur die Vorlagen zu „Wayward Pines“). Momentan exisitieren zwei Staffeln der TV-Serie mit jeweils zehn Folgen. Eine dritte Staffel scheint derzeit nicht in Planung zu sein, allerdings war auch schon die Pause zwischen den ersten beiden Staffeln ungewöhnlich lang (weswegen auch einige Darsteller für die zweite Staffel nicht mehr oder nicht im gewohnten Umfang zur Verfügung standen).
Es wundert mich, dass die Serie kein größerer Hit geworden ist, denn sie schlägt einige Themen an, die in den letzten Jahren eigentlich ziemlich angesagt sind (ich muss leider so vage bleiben, um Spoiler zu vermeiden). Die Darstellerriege ist mit Matt Dillon, Melissa Leo, Terrence Howard, Toby Jones, Juliette Lewis und Hope Davis äußerst beeindruckend. Vielleicht haben sich manche potentielle Zuschauer von Shyamalans Namen abschrecken lassen… Ich werde heute Abend auf jeden Fall die erste Staffel zu Ende anschauen. Mal sehen, ob meine Begeisterung danach noch genau so groß ist.
Die erste Staffel von „Wayward Pines“ ist in Deutschland auf DVD/Bluray sowie auf Amazon Prime verfügbar. Staffel 2 kann bei Amazon als Video-Download gekauft werden. (Zudem war/ist die Serie anscheinend in der Free-TV-Erstausstrahlung auf ZDFneo zu sehen.) Begleitend zur Serie gibt es die aus zehn dreiminütigen Kurzepisoden bestehende Serie „Gone“, die man auf YouTube finden kann. (Ich habe sie noch nicht angeschaut, bin aber schon gespannt, was mich dabei erwartet.)

Meine Oscar-Tipps 2017

27.02.17 – Ganz unten findet ihr nun ein kurzes Update!

Heute Nacht geht die alljährliche Filmpreissaison mit der Oscarverleihung zu Ende. Höchstwahrscheinlich werde ich wieder wach bleiben und die Show live anschauen. Ebenso ist es bei mir schon lange eine Tradition, vorher die Gewinner zu tippen (hier die Links zu den entsprechenden Blogposts der letzten Jahre: 2016, 2015, 2014, 2013). In den letzten vier Jahren habe ich stets in 16 von 24 Kategorien richtig getippt, mit einer Ausnahme. 2014 hatte ich nämlich tatsächlich 21 Richtige, was aber wohl ein glücklicher Zufall war.
Mein Ziel ist es, dieses Mal die 16 Richtigen zu verbessern, also auf mindestens 17 Richtige zu kommen. Das dürfte aber nicht leicht werden. Zwar ist „La La Land“ 14 mal nominiert und damit der große Favorit. Dass das Musical den Oscar für den „Besten Film“ gewinnen wird, bezweifelt wohl niemand ernsthaft, aber es stellt sich die Frage, in wie vielen anderen Kategorien der Film gewinnen wird. Wie sieht es etwa bei der Ausstattung, beim Schnitt oder beim Drehbuch aus? Soll man auch hier auf „La La Land“ setzen oder anderen Filmen eine Chance geben?
Hier also meine Oscar-Tipps:

Bester Film
Wie erwähnt führt hier kein Weg an „La La Land“ vorbei (nominiert sind die Produzenten Fred Berger, Jordan Horowitz und Marc Platt). Keiner der acht anderen nominierten Filme hat eine ernsthafte Chance.

Bester Hauptdarsteller
Auch hier ist „La La Land“ vertreten, aber ausnahmsweise nur als Außenseiter. Jedenfalls rechnet fast niemand damit, dass Ryan Gosling eine Trophäe mit nach Hause nehmen darf. Das Rennen wird zwischen Casey Affleck („Manchester By The Sea“) und Denzel Washington („Fences“) entschieden werden. Anfangs schien es eine deutliche Tendez zu Affleck zu geben; zudem hat Washington ja bereits zwei Oscars. In den letzten Wochen und besonders seit seinem Gewinn bei den SAG-Awards, der Preisverleihung der US-Schauspielergilde, hat sich Denzel Washington jedoch zum Favoriten gemausert. Ich setze also mal auf ihn.

Beste Hauptdarstellerin
Hier tippe ich ganz klar auf die Favoritin, „Emma Stone“ („La La Land“). Zwar ist auch Natalie Portmans Leistung in „Jackie“ beeindruckend, aber sie hat im Gegensatz zu Emma Stone bereits einen Oscar. Und während Meryl Streep sich mit ihrer Anti-Trump-Rede bei den Golden Globes zwar kurzzeitig wieder ins Spiel gebracht hat, dürfte der Lohn dafür allein die Nominierung gewesen sein. Und Streep hat immerhin schon drei Oscars!

Bester Nebendarsteller
Ich muss zugeben, dass ich noch keinen der hier nominierten Filme gesehen habe (in letzter Zeit habe ich es leider nicht oft ins Kino geschafft). Aber ich tippe auf Mahershala Ali („Moonlight“).

Beste Nebendarstellerin
Mit Viola Davis („Fences“) gibt es hier eine klare und verdiente Favoritin, die auch bereits alle anderen wichtigen Preise (Golden Globe, BAFTA, Screen Actors Guild Award) für ihre Rolle gewonnen hat.

Beste Regie
Ich bin mir nicht sicher, ob er es für diesen Film verdient hat und würde mich freuen, wenn endlich mal Denis Villeneuve („Arrival“) einen Oscar bekommt, aber es führt wohl auch hier kein Weg an „La La Land“ vorbei. Ich tippe also auf Damien Chazelle.

Bester Animationsfilm
Pixar ist hier ausnahmsweise dieses Jahr nicht nominiert, denn „Finding Dory“ ist unbeachtet geblieben. Dafür sind die Disney Animation Studios mit „Moana“ (im Deutschen „Vaiana“) und „Zootopia“ (im Deutschen „Zoomania“) gleich zweimal zum Zug gekommen. Ich tippe auf letzteren.

Bester fremdsprachiger Film: „The Salesman“ – Wenn es so ausgeht, wie ich befürchte, dann hat Donald Trump den Deutschen hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Toni Erdmann“ galt lange als unschlagbarer Favorit und ist einer meiner Lieblingsfilme des letzten Jahres ist (hier meine Kritik). Doch Trumps Einreisestopp hätte dem Iraner Ashgar Farhadi, Regisseur von „The Salesman“, die Einreise in die USA verboten. Momentan dürfte Farhadi zwar wieder einreisen, will der Verleihung aber aus Protest fernbleiben. Es wird erwartet, dass sich zahlreichende Academymitglieder mit ihm solidarisiert und für ihn gestimmt haben.

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bestes adaptiertes Drehbuch:  Barry Jenkins und Tarell Alvin McCraney für „Moonlight“
Bestes Originaldrehbuch: „Manchester By The Sea“ von Kenneth Lonergan
Beste Ausstattung (Production Design): „La La Land“ (David Wasco und Sandy Reynolds-Wasco) – Es könnte auch „Fantastic Beasts“ werden, das bei den BAFTAs gewonnen hat. Aber dort hatte der Film quasi einen Heimvorteil und außerdem will ich jetzt mal zu meinen Tipps stehen und nicht in letzter Minute noch alles ändern. 😉
Beste Kamera (Cinematography): Linus Sandgren für „La La Land“
Bester Ton (Sound Mixing): „La La Land“ (Andy Nelson, Ai-Ling Lee und Steve A. Morrow)

Bester Tonschnitt (Sound Editing): Schwierig.La La Land“ ist hier nominiert. „Hacksaw Ridge“ ist ein Kriegsfilm, und die kommen in dieser Kategorie oft zum Zug. „Arrival“ hat den „BAFTA“ für „Best Sound“ gewonnen. Ich schwanke zwischen den beiden letztgenannten. Momentan tippe ich noch auf „Hacksaw Ridge“ (Robert Mackenzie and Andy Wright), aber es würde mich nicht wundern, wenn „Arrival“ sogar in beiden Tonkategorien gewinnen würde. Vielleicht ändere ich meinen Tipp also vor Beginn der Verleihung nochmal…
Beste Musik: Justin Hurwitz für „La La Land“
Bestes Lied: „City of Stars“ aus „La La Land“ (geschrieben von Justin Hurwitz, Benj Pasek und Justin Paul)
Beste Kostüme: Ich setze hier auf „Jackie“ (Madeline Fontaine). Es könnte zwar natürlich auch „La La Land“ werden, aber man möchte ja etwas Abwechslung und eine faire Verteilung der Preise bekommen. 🙂
Beste Dokumentation: Ezra Edelman und Caroline Waterlow für „O.J.: Made in America“
Beste Kurzdokumentation: „Joe’s Violin“
(Kahane Cooperman und Raphaela Neihausen)

Bester Schnitt: „Arrival“ hätte den Preis verdient, „La La Land“ könnte ihn kriegen, weil der Film halt momentan der große Liebling in Hollywood ist. Aber ich tippe auf „Hacksaw Ridge“ (John Gilbert), weil der den BAFTA bekommen hat.
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Star Trek Beyond“ (Joel Harlow und Richard Alonzo)
Bester animierter Kurzfilm: Hier ist Pixar mit dem fotorealistischen „Piper“ (Regie: Alan Barillaro und Marc Sondheimer) nominiert, der als Vorfilm von „Finding Dory“ im Kino lief. Also setze ich auf den. 🙂
Bester Kurzfilm: Wie auch bei den Kurzdokumentationen kenne ich hier dieses Jahr keinen der Filme. Ich halte mich also mal an die Meinung vieler Experten und tippe auf „Ennemis intérierieurs“ von Sélim Azzazi. Es gibt aber auch Experten, die anderer Meinung sind. Glückssache also…
Beste visuelle Effekte: In diesem Jahr begehe ich hier nicht wieder den Fehler, auf „Star Wars“ zu setzen, obwohl ich es mir natürlich wünschen würde, dass „Rogue One“ gewinnt. Während dort mit Peter Cushing ein toter Schauspieler künstlich wieder zum Leben erweckt wurde, hat man bei „The Jungle Book“ fotorealistische Tiere erschaffen – und dafür wird es wohl einen Oscar geben.

Meiner Prognose zufolge würde „La La Land“ also acht Oscars bekommen und damit in fünf Kategorien Platz für andere Filme machen. Viele Experten trauen dem Film allerdings deutlich mehr zu und sagen elf oder zwölf Auszeichnungen für ihn vorher. Wer recht hat, werden wir heute Nacht (in Deutschland auf Pro Sieben) sehen…
Wie auch schon in den letzten Jahren werde ich diesem Blogpost nach der Oscarverleihung ein Update verpassen und meine Tipps mit den Ergebnissen vergleichen.


Update nach der Oscarverleihung:

Wow, was für ein Nervenkitzel war das denn am Schluss! Das gab es glaube ich noch nie – ein Gewinner (noch dazu für den besten Film) wird genannt, die Nominierten betreten die Bühne, erhalten ihre Oscars und bringen auch schon den Großteil ihrer Dankesreden hinter sich. Und dann stellt sich heraus, dass der falsche Umschlag geöffnet wurde und eigentlich ein anderer Film gewonnen hat!
Ich habe das im ersten Moment gar nicht richtig mitbekommen, weil ich während der Dankesreden der Produzenten von „La La Land“ schon geistig abgeschaltet und mich auf mein Bett gefreut hatte. Mein Ziel, mindestens 17 Gewinner richtig zu tippen, habe ich damit jedenfalls verfehlt. Mit dem „Moonlight“-Sieg sind es wieder „nur“ 16, wie schon in den letzten beiden Jahren. Ich habe also wieder immerhin zwei Drittel der Preisträger korrekt vorhergesagt.
Die Verteilung der Statuen war gerade in der ersten Hälfte der Zeremonie sehr ausgewogen. Tatsächlich gingen von den 24 Preisen die ersten zwölf an unterschiedliche Filme! Vertippt habe ich mich in den drei Kurzfilmkategorien, aber das ist ja auch größtenteils Glückssache. (Oder ich habe mich da dieses Mal zu wenig über die nominierten Filme informiert.) Auch in den beiden Tonkategorien lag ich falsch: „Hacksaw Ridge“ hat für Sound Mixing gewonnen, nicht für Sound Editing. Und wie ich oben schon geahnt habe, hat „Arrival“ tatsächlich doch einen der Sound-Oscars gewonnen. Sehr schön!
Auch beim Makeup/Hairstyling habe ich daneben getippt, ebenso wie bei den Kostümen, wo ich überrascht war, dass weder „Jackie“ noch „La La Land“ gewonnen haben. Stattdessen wurde die Kostümdesignerin Colleen Atwood – u.a. spezialisiert auf Fantasy-Filme und bei so gut wie allen Filmen von Tim Burton mit an Bord – für „Fantastic Beasts“ mit ihrem vierten Oscar geehrt. Beim besten Hauptdarsteller hatte ich lange auf Casey Affleck gesetzt und mich dann doch für Denzel Washington entschieden, weil viele Hollywood-Insider auf ihn gesetzt haben. Aber die Mehrzahl der Academymitglieder hat wohl lieber für Affleck gestimmt, statt Washington einen dritten Oscar zu geben (verdient haben sie beide einen). Tja, und dann ist da noch der beste Film. „Moonlight“ war ein Geheimtipp, aber ernsthaft mit dieser Auszeichnung gerechnet hat wohl kaum jemand. Ich freue mich aber sehr darüber, da der Film die dadurch entstehende Aufmerksamkeit besser gebrauchen kann als „La La Land“. Wie auch schon letztes Jahr gewinnt somit ein relativ unbekannter, aber wichtiger Film die begehrteste Auszeichnung des Abends, während die Mehrzahl der Oscars an einen anderen Film gehen. Eigentlich keine schlechte Lösung.
Noch kurz zur Oscar-Show: Jimmy Kimmel als Moderator hat mir gut gefallen, die Show an sich war okay. Das Herabregnen von Süßigkeiten war nett, aber einfallslos. Noch dazu war klar, dass davon nicht der ganze Saal betroffen war, sondern nur die fernsehwirksam platzierten Stars im vorderen Bereich. Viel schlimmer war aber die Aktion mit den ohne ihr Wissen hereingeführten Touristen, die meiner Meinung nach hier in einer Art vorgeführt worden sind, die absolut nicht in Ordnung ist. Die Show bot wie zu erwarten zahlreiche politische Statements gegen Donald Trump, gegen Ab- und Ausgrenzung und für mehr Zusammenhalt und Toleranz. Doch diese Aktion machte leider die Gräben deutlich, die in unserer Gesellschaft existieren. Oder wirkt es nur auf mich seltsam, wenn ein Tourist im Kapuzenpulli der mit Diamenten behängten Nicole Kidman die Hand küsst? Wenn ich allerdings noch einmal drüber nachdenke, ist das eigentlich eine recht interessante Szene, die auf gesellschaftliche Ungleichheit aufmerksam macht. Was mir eben nicht gefällt, ist die Art und Weise, in der die nichts ahnenden Leute in diese Situation geworfen worden sind. Denn dass Hollywood, die Oscars und die dort versammelten Multimillionäre Teil einer riesigen Kommerzmaschine sind, dürfte mich ja längst nicht mehr überraschen und mit dem Anschauen der Verleihung und der Filme trage ich zum Funktionieren dieser Maschine schließlich selbst bei.

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