Alias – Season 3

— Der folgende Text enthält Spoiler für die gesamte dritte Staffel von „Alias“!! —

Gesundheitliche Probleme, ein dank defekter Lüftung überhitzter Laptop und schließlich meine alljährliche, achttägige Filmfest-Auszeit sind die Gründe dafür, dass ich mich in den letzten Wochen kaum um mein(en) Blog kümmern konnte (ich kann mir einfach nicht merken, ob es der oder das Blog heißt). Inzwischen bin ich wieder gesund, mein Laptop hat eine neue Lüftung eingebaut bekommen und das Filmfest München ist leider auch schon wieder vorbei. Während meiner Blog-Auszeit haben sich einige Blog-Themen angesammelt, die ich in den nächsten Tagen und Wochen hoffentlich alle abarbeiten werde.

Dieses Mal geht es also um die dritte Staffel von „Alias“, eine Serie über die ich bereits mehrmals gebloggt habe und die ich so toll eigentlich gar nicht finde. Trotzdem will ich immer wissen, wie die Handlung weitergeht. Es ist nun schon eine Weile her, dass ich die Staffel angeschaut habe und meine Erinnerung an die Ereignisse darin ist zum Teil etwas verschwommen, aber ich hoffe mal, dass ich mit Hilfe meiner Notizen einen halbwegs sinnvollen Post hinkriege. 😉 Die erste Folge der Staffel beginnt direkt nach dem Cliffhanger-Ende von Season 2: Sydney Bristow (Jennifer Garner) wacht auf und muss feststellen, dass sie sich an die letzten zwei Jahre nicht erinnern kann. Während in ihrem Gedächtnis nur ein großes Loch klafft und sie absolut keine Ahnung hat, was sie in diesen zwei Jahren so getrieben hat, haben die anderen Charaktere ihr Leben weiter gelebt. Michael Vauhn (Michael Vartan) zum Beispiel ist plötzlich verheiratet (und zwar nicht mit Sydney). Noch in der zweiten Staffel musste außerdem Sydneys beste Freundin Francie ihr Leben lassen, da sie durch einen „bösen Klon“ ersetzt wurde; zudem ist Sydneys ehemaliger Vorgesetzter Arvin Sloane (Ron Rifkin) nun offiziell einer der Bösen (das war jedenfalls der Stand am Ende der zweiten Staffel). Nun, am Beginn von Season 3, erfahren wir, dass Sydney für tot gehalten wurde. Irgendjemand muss ihren Tod vorgetäuscht haben, Wohnungsbrand und menschliche Überreste inklusive. Sydneys CIA-Partner Marcus Dixon (Carl Lumbly) leitet jetzt die Abteilung, während Syds Vater Jack (Victor Garber) im Gefängnis sitzt, weil er mit ihrer terroristischen Mutter zusammen gearbeitet hat, um Sydney aufzuspüren (er kommt aber zu Beginn der dritten Staffel schnell wieder frei).

Beim Anschauen der ersten Minuten der Staffel habe ich gemerkt, dass ich mich zwar nur schlecht an die Handlung der ersten beiden Staffeln erinnern konnte, dafür aber umso besser an die Charaktere. Außerdem hat sich die Serie sofort wieder vertraut angefühlt, weil sie nach wie vor nach demselben Schema verfährt: Es geht von einer Mission und einer neu gewonnenen Erkenntnis zur nächsten, jede Frage führt zwar früher oder später zu einer Antwort, in die aber die nächste Frage gleich eingebaut ist. Auch das, was Sydney und die Zuschauer als Wahrheit kennen und akzeptieren müssen, stellt sich meist nur als ein Teil der Wahrheit heraus, dem Stück für Stück neue Teile hinzugefügt werden, durch die rückblickend auch manchmal frühere Erkenntnisse in einem ganz neuen Licht erscheinen, Wahrheit also sozusagen umdefiniert wird. (Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich „Desperate Housewives“ mit Hilfe der sogenannten „Grounded Theory“, also einer auf der Grundlage der Daten – in diesem Fall Transkripe einiger Serienfolgen – gewonnenen Theorie analysiert. Dabei kristallisierten sich verschiedene Konzepte bzw. Kategorien heraus, die in der Serie eine wichtige Rolle spielen, z.B. „Fremdheit“ oder „Geheimnis“. Im Fall von „Alias“ wäre wohl „Wahrheit“ ein solches die gesamte Serie durchziehendes Konzept. Auch „Geheimnis“ könnte hier eine Kategorie darstellen, da Geheimnisse, die die Figuren voreinander haben oder die die Serie vor dem Zuschauer hat, immer wieder eine wichtige Rolle spielen.)

Nicht nur das, was als Wahrheit gilt, wird im Lauf der Serie immer wieder neu definiert, sondern auch wer gut und wer böse ist. Vor allem Arvin Sloane ist hier zu nennen: Am Anfang der Serie ist er Sydneys Mentor und eine Art Vaterfigur für sie, dann wird er zu ihrem schlimmsten Feind, nun ist er ihr zweckmäßiger, aber nach wie vor verhasster Verbündeter. Und noch dazu soll er jetzt eine Wandlung zum großzügigen Wohltäter durchgemacht haben? Weder Syd noch die Zuschauer können das so recht glauben. Seine „Wandlung“ erinnert jedenfalls stark an das Schema, nach dem in Staffel zwei mit Sydneys Mutter verfahren wurde, die war ja auch mal gut, mal böse und nie wusste man so recht, ob man ihr trauen sollte oder nicht.

Von der ersten Folge am besten im Gedächtnis geblieben ist mir jedenfalls dieser Wortwechsel zwischen Sydney und einem anderen Agenten:

Er: „Forgive me if I look shocking to you, but I was believing that you were dead.
Sie: „I was. But now I’m not.
Er: „This is why I love our business.“

Die ganze erste Folge wird aus Sydneys Sicht erzählt, die Zuschauer erfahren nur das, was auch sie erfährt. Dazu gehört ganz zum Schluss auch die Erkenntnis, dass sie in den letzten zwei Jahren keineswegs nur Däumchen gedreht hat, sondern anscheinen einen kaltblütigen Mord begangen hat. Aber warum und unter welchen Umständen? Dies Herauszufinden ist nun Sydneys Hauptaufgabe.

Die zweite Folge bringt dann auch mehr Antworten darüber, was Syd in den letzten zwei Jahren so getrieben hat. Aber ganz in Übereinstimmung mit den ungeschriebenen Gesetzen der Serie führen diese Antworten nur zu noch mehr Fragen und unter anderem auch zu der unbequemen Konstellation, dass es nun ausgerechnet Michael Vaughns Frau Lauren (Melissa George) den Mord untersuchen soll, den Sydney begangen hat, was einmal mehr das Konzept „Geheimnis“ in die Serie einbringt (schließlich will Sydney um jeden Preis verhindern, dass sie als die Täterin enttarnt wird, jedenfalls solange ihr selbst die genauen Umstände der Tat nicht bekannt sind). Sydney und ihr Vater müssen Lauren von nun an immer einen Schritt voraus bleiben, woraus sich eine ähnliche Konstellation wie in den ersten beiden Staffeln ergibt, als die beiden als Doppelagenten innerhalb von SD6 tätig waren. Leider ist Victor Garbers Schauspiel für mich immer noch einer der größten Schwachpunkte der Serie. Seine Sprechweise wirkt stets monoton, sein Gesichtsausdruck immer gleich – gar nicht auszudenken, was ein anderer, besserer Darsteller aus dieser Rolle gemacht hätte!

Die Szenarien sind jedenfalls nach wie vor spannend und kreativ; teilweise wirkt die Handlung aber auch arg konstruiert und vor allem nervt es, wenn sich die Charaktere Folge für Folge fast wortgleich die gleichen Fakten ins Gesicht sprechen, bloß um den Zuschauer auf dem Laufenden zu halten. Auch Sydneys Unentschlossenheit in den ersten Folgen der Staffel hat mich wahnsinnig genervt („Soll ich meinen CIA-Kollegen nun verraten, dass ich diesen Mord begangen habe, aber selbst nicht weiß, wie es dazu kam oder soll ich lieber alleine weitere Nachforschungen anstellen?“). Schließlich verrät Jack Sydneys Geheimnis an Dixon und erlöst seine Tochter zumindest von diesem Dilemma.

Dass es in „Alias“ nicht wirklich um den Inhalt der Missionen geht, die Sydney und ihr Team in jeder Episode absolvieren müssen, habe ich ja schon in meinen früheren Posts geschrieben. Das ist natürlich auch in der dritten Staffel noch so. Stattdessen geht es darum, wie diese Missionen und die sich aus ihnen ergebenden Veränderungen und gewonnenen Erkenntnisse sich auf die Figuren und ihre Beziehungen auswirken. Als Vaughn zum Beispiel davon erfährt, dass Sydney den Mord begangen hat, wird er dazu gezwungen, diese Erkenntnis vor seiner Frau, die ja genau diesen Mord untersucht, geheim zu halten. Der Ehe der beiden kommt das nicht gerade zugute.

Am Ende der siebten Folge wird Sydney schließlich in Rom von der CIA überwätligt und festgenommen; Lauren hat inzwischen herausgefunden, dass Sydney den Mord begangen hat (wer dabei eigentlich ermordet wurde, lasse ich hier mal weg, es ist ja so schon kompliziert genug). In Folge acht wird sie von Vaughn und ihrem Vater befreit – und von Lauren, die sich in letzter Sekunde doch dazu entschlossen hat, ihnen dabei zu helfen. Auch Sloane arbeitet mit ihnen zusammen und kurzzeitig bilden sie nun so eine Art Rebellengruppe, die gegen die CIA kämpft. Es gelingt ihnen sogar erfolgreich, es so erscheinen zu lassen, als sei The Covenant für Sydneys Befreiung verantwortlich – jene Terrorgruppe, die den Hauptantagonisten der Staffel darstellt. Wohl oder übel müssen Sydney & Co. nun also mit Sloane zusammen arbeiten, der eine Idee hat, wie man Sydneys Gedächtnis wieder herstellen kann: Er kennt da so einen Hippie-Professor, der eine Prozedur entwickelt hat, die vielleicht helfen könnte… Jener von David Cronenberg gespielte Professor wirkt wie ein Vorläufer von Walter Bishop aus J.J. Abrams späterer Serie „Fringe“, sowohl was sein Verhalten als auch was seine Methoden betrifft. Er versetzt Sydney in einen Traumzustand, während dessen sie sich der Tatsache, dass sie träumt bewusst ist. Und in dieser Traumsequenz hören wir Auszüge aus den Cellosuiten von Bach, was ich deshalb erwähnenswert finde, weil mir in den letzten Jahren immer wieder auffällt, wie oft diese (und andere Stücke von Bach) in Filmen und TV-Serien eingesetzt werden. Diese Episode ist jedenfalls ein gutes Beispiel dafür, dass die Serie immer wieder – und auch durchaus oft erfolgreich – versucht, ihr eigenes Erzählschema (Fragestellung-Mission-neue Erkenntnisse-neue Fragen-nächste Mission…) zu durchbrechen. Das bringt Abwechslung. Am Ende dieser Episode steht jedenfalls mal wieder eine alles verändernde neue Erkenntnis, durch die das, was bisher als „Wahrheit“ galt, umdefiniert wird: Sydney hat den Mord gar nicht begangen, denn der scheinbar Ermordete lebt noch…

Weil Episode 3.09 eben ganz anders war als die vorherigen Episoden und zudem mit diesem Cliffhanger am Ende aufwartete, musste ich danach ausnahmsweise sofort die nächste Folge gucken. (Sonst bin ich von der dann doch oft gleichen Erzählstruktur der „Alias“-Episoden eher gelangweilt – von den erwähnten kreativen Ausnahmen abgesehen laufen die Folgen nämlich meist alle gleich ab. Da scheinen die Konsequenzen der Plotentwicklungen für die Figuren im ersten Moment zwar riesig zu sein, aber weil sich in bester „24“-Manier ja sowieso ständig alles wieder ändert, sind sie letztlich doch wieder egal.)

In 3.11 fasst Sydney selbst eines der Prinzipien der Serie zusammen, als sie bemerkt, jedes Mal, wenn sie den Antworten über die ihr fehlenden zwei Jahre nahekommt, schließe sich vor ihr eine Tür. Sie kann ja noch nicht wissen, dass sie genau in dieser Folge endlich tatsächlich Antworten erhalten wird – und zwar von Terry „John Locke“ O’Quinn, der hier einmal mehr als Special Agent (oder was auch immer) Kendall auftaucht. Die Episode kaut einem zunächst all die bisherigen Ereignisse der Staffel noch einmal vor und eignet sich damit perfekt zum Einstieg, falls man die erste Staffelhälfte verpasst haben sollte. Aber sie gibt wie gesagt auch zahlreiche neue Antworten und es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass dabei einmal mehr Konzepte wie „Wahrheit“, „Geheimnis“ und „Vertrauen“ (das könnte nämlich auch so eine Kategorie sein) über den Haufen geworfen, gut durchgeschüttelt und neu definiert werden. Den größten Schock hält in diesem Zusammenhang mal wieder die letzte Szene der Episode bereit: Gerade als Sydney den Mann gerettet hat, von dem sie bis vor kurzem noch dachte, sie selbst habe ihn ermordet, wird dieser tatsächlich erschossen – von Lauren! Natürlich wissen Sydney & Co. noch nicht, dass es Lauren war, die den Schuss abgefeuert hat, aber der Zuschauer weiß nun, dass Lauren ein falsches Spiel treibt. Sie ist eine Doppelagentin und gibt nur vor, für die CIA zu arbeiten. Dass sie zudem mit einem CIA-Agenten verheiratet ist, macht die Sache nur noch tragischer (und damit erzählerisch ergiebiger). Von da an achtet man als Zuschauer in den kommenden Folgen ganz besonders auf jede Regung und Äußerung Laurens, zum Beispiel wenn sie mit ihren Kollegen bei einer Einsatzbesprechung zusammen sitzt. Schließlich wissen wir nun etwas über sie, das ihre Kollegen in der Serie nicht wissen.

Bei all den Verwicklungen und Verwirrungen des Agentenlebens, die in der Serie eine Rolle spielen (jeder muss mal gegen jeden spionieren, jeder vor jedem etwas verbergen), hilft den Betroffenen früher oder später anscheinend nur noch Psychotherapie. Jack schlägt Sloane in Episode 3.13 vor, es mal mit einer Therapie zu versuchen und auch Sydney sehen wir hier mal wieder bei ihrer Therapeutin. Über „people who work in intelligence“ sagt diese:

„[They have] to grapple with some serious issues. Living duplicitous lives, compartmentalizing the personal and the professional. It’s a difficult challenge.“

Das Agentenleben ist in der Tat nicht leicht… Aber auch Arvin Sloane legt sich wie erwähnt auf die Couch und schüttet der CIA-Therapeutin sein Herz aus – naja, nicht wirklich, ganz in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Serie erzählt er ihr zwar von einem großen Geheimnis, das er mit sich herum trägt, aber um was für ein Geheimnis es sich dabei handelt, das verrät er zumindest in dieser Folge noch nicht:

 „I manipulate people. I’m good at that, and I know it. I lie, I keep secrets. I divulge only what I must in order to elicit the reaction I need. […] One of those secrets affects the only two people I care about in the world, Sydney and Jack Bristow. There are many secrets I enjoy keeping. There is power in secrets that you keep. But this one, oh, this one wears on me. It has for many years. It’s central to my very existence. It’s who I am.”

Erst am Ende der nächsten Folge erfahren wir dann mehr Details: Sloane hatte einst eine Affäre mit Irina Derevko, Sydneys Mutter, und glaubt nun, Sydney sei seine Tochter. Da ist sie wieder, unsere Lieblings-Agenten-Soap… Aber es wird noch besser, als Michael Vaughn herausfindet, dass seine eigene Frau eine Doppelagentin ist, ihr gegenüber aber vorerst weiterhin so tun muss, als ahne er nichts davon. Denn die Serie erzählt nun quasi auf zwei Ebenen; zum einen geht es um ganz normale Verdächtigungen in einer Ehe, wo sich die beiden Partner nicht mehr vertrauen und zum anderen wird diese Krise eines Ehepaares als deren berufliche Krise, auf der „Geheimdienst-Ebene“ erzählt (was ein wenig an „Mr & Mrs Smith“ erinnert). Dieses Handlungselement hat mir jedenfalls richtig viel Spaß gemacht, ganz besonders als es später Michael ist, der quasi vor Laurens Nase von ihr unbemerkt wichtige Daten stehlen soll und dies dann haarscharf in letzter Sekunde schafft, gerade noch ohne von ihr entdeckt zu werden. Laurens und Michaels Rollen werden in dieser Szene vertauscht, denn bis dahin war es ja stets sie, die Geheimnisse vor ihrem Mann hatte und von ihm unbemerkt irgendwelche Akten entwenden musste.

Wie eingangs erwähnt finde ich „Alias“ eigentlich gar nicht so toll. Inhaltlich kaut einem die Serie immer wieder dasselbe vor und hält die Zuschauer nur dank der teilweise wirklich kreativen, abwechslungsreichen Szenarien und der interessanten Figuren bei der Stange. Doch genau genommen handelt es sich hier nur um eine Soap Opera im Action-Format, ähnlich wie bei „24“. Es ist egal, was passiert, solange immer wieder irgendetwas möglichst Dramatisches passiert und die Kette von Problemen nie abreißt. In Episode 3.19 erfahren wir schließlich, dass Sydney eine Schwester hat, von der sie bislang nichts wusste – genau das ist doch eines der Instrumente, mit denen Soaps neue Konflikte in ihre Handlung bringen, wenn diese langweilig zu werden droht: man schreibt bisher noch nie erwähnte Familienmitglieder in die Story hinein (kamen nicht auch in „24“ irgendwann Jack Bauers Vater und Bruder dazu?). Leider interessiert mich dieser Teil der Story kaum, ebenso wie all die mysteriösen Rambaldi-Artefakte und Prophezeihungen. Trotzdem fand ich die vorletzte Folge der Staffel hochspannend. Zahlreiche wichtige Plotelemente wurden weiter entwickelt oder zum Abschluss gebracht, alle Hauptfiguren tauchten auf und ein paar lange nicht gesehene Nebenfiguren hatten auch eine Rolle. In diesem Fall führten tatsächlich einmal einige Handlungsstränge der Staffel auf ein Ziel zu. Insgesamt stand in der dritten Staffel Sydney Bristow weniger im Mittelpunkt als in den ersten beiden Staffeln und der Fokus wurde zum Teil auf andere Figuren verschoben. Jacks Gefühle für Irina Derevko, Sloanes Motive und Gefühle (die sich entweder ständig ändern oder über die er vielmehr ständig alle anderen täuscht), das Liebesdreieck aus Vaughn, Lauren und Sydney und der am Ende der Staffel auf Rache sinnende Vaughn – all dies sind Beispiele dafür, dass es der Serie schon lange gelungen ist, auch die Figuren um Sydney herum zu interessanten Charakteren mit eigenen Geschichten auszubauen. Irgendwann werde ich mir wohl auch noch die vierte und fünfte Staffel anschauen, in nächster Zeit brauche ich aber erst einmal wieder Pause von „Alias“.

 

Was gab es sonst noch Interessantes, Erwähnenswertes, Amüsantes in der dritten Staffel? Ich liste mal ein paar Dinge, die ich noch nicht erwähnt habe, auf:

  • In der zweiten Folge geht es unter anderem in meine Heimatstadt München, genauer gesagt in ein „adult theatre“ (also Pornokino) im „red light district“ der Stadt (wo immer der auch genau liegen soll). Von München selbst sieht man dann aber nicht viel mehr als einen establishing shot, der ganz bestimmt nicht München zeigt und eben einen Kinosaal, in dem gerade ein Pornofilm in deutscher Sprache läuft.
  • In der Serie gibt es tatsächlich eine Selbsthilfegruppe für „CIA operatives who habe experienced lost time“! Wofür die CIA wohl sonst noch Selbsthilfegruppen gegründet hat? Für Agenten, die von Aliens missbraucht wurden? Oder für solche, die nicht mehr in ihr altes Leben zurück können, weil es sich ein Klon unter den Nagel gerissen hat? 😉 Der Fantasie sind hier wohl keine Grenzen gesetzt.
  • Die zweite Folge hat auch eine wunderbar überzeichnete Szene, die ich garantiert klauen werde, falls ich jemals einen Actionfilm drehen sollte: Zwei Personen, die sich gerade in einer Aufzugkabine befinden, werden entführt, indem die Kabel des Aufzugs weggesprengt werden und der Aufzug mithilfe eines zuvor am Dach der Kabine befestigten weiteren Kabels, dessen anderes Ende an einem Hubschrauber hängt, einfach durch das Dach des Gebäudes nach draußen gerissen wird. Am Hubschrauber baumelnd wird so die ganze Aufzugkabine mitsamt ihrer Insassen weggeflogen. Das nenne ich mal effizient.
  • Dass ich die ersten Takte von Damien Rices „Delicate“ einmal zu den Bildern eines in Zeitlupe aus einem Maschinengewehr feuernden Michael Vaughn hören würde, hätte ich auch nicht gedacht…
  • Und hier noch ein Dialog zwischen Vaughn und Weiss (Greg Grunberg):
    Vaugn: „Do you think you can be in love with two people at the same time?“
    Weiss: „No, I don’t. However, I did have the same intense feelings for both Sporty and Posh Spice.“
    Vaughn: „Yeah, who didn’t.“
    (Kann ich übrigens nicht ganz nachvollziehen. Ich hatte nur für Posh Spice derartige Gefühle.)

 

 

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Buffy the Vampire Slayer – Season 1

Der folgende Beitrag enthält Spoiler für die erste Staffel!

Es ist mitten in der Nacht, die Sunnydale High School liegt dunkel und verlassen da. Zwei Teenager, ein Junge und ein Mädchen, zerbrechen eine Fensterscheibe und verschaffen sich Zugang zum Gebäude. „Are you sure this is a goog idea?“ fragt das Mädchen, während es sich ängstlich umschaut. „It’s a great idea. Now come on!“, erwidert der Junge.
In einem der leeren, düsteren Gänge beginnen die beiden sich zu küssen, doch das Mädchen hält inne und dreht sich erschrocken um. „I heard a noise.“, sagt sie ängstlich, doch der Junge versucht sie zu beruhigen: „It’s nothing.“ Um ihr zu beweisen, dass sie vollkommen allein in der Schule sind, ruft er ein „Hello!“ in den leeren Gang hinein. „There’s nobody here.“, erklärt er, als sich daraufhin nichts gerührt hat.
„Are you sure?“, fragt das Mädchen, immer noch ängstlich und verunsichert. „Yes, I’m sure.“, beschwichtigt er sie nochmals, woraufhin sie sich etwas zu entspannen scheint. „Okay.“, sagt sie – und mit einem Schlag verwandelt sich ihr Gesicht in die grotesk verzerrte Fratze eines Vampirs. Voller Genuss und alles andere als verängstigt schlägt sie ihre Zähne in den Hals des Jungen.

Bereits mit dieser, den opening credits der ersten Folge vorausgehenden Szene unterläuft „Buffy the Vampire Slayer“ die Erwartungen der Zuschauer und setzt sich erfolgreich über sie hinweg. Einer Szene, wie man sie in ähnlicher Weise schon Dutzende Male in Film und Fernsehen gesehen hat, wird hier ein Twist verpasst, den man nicht kommen sieht, eben weil man denkt, schon zu wissen wie es weitergeht. Doch diese Einstiegsszene, in der das Klischee vom ängstlichen, wehrlosen Mädchen und seinem furchtlosen, starken männlichen Begleiter gekonnt unterwandert wird, ist nur der Auftakt zu einer Fernsehserie, die ihre Zuschauer immer wieder überrascht, sich gängigen Klischees widersetzt und neue Wege geht. In „Buffy the Vampire Slayer“ (1997-2003) ist die vom Schicksal auserwählte Heldenfigur mal kein Junge bzw. junger Mann, sondern eine ganz normale High School-Schülerin mit alltäglichen Sorgen und Schwächen, aber auch vielen, ihr selbst anfangs größtenteils noch unbekannten Stärken. Die männlichen Figuren dürfen hier tiefe Gefühle und große Unsicherheiten zeigen, während unter den weiteren weiblichen Charakteren gleich zwei Computerexpertinnen sind (bei einer davon handelt es sich übrigens um eine „Technoschamanin“, was mich natürlich sofort an die Technomagier aus „Babylon 5“ erinnerte). Und das ist sicher nur der Anfang.

Schon sehr lange stand „Buffy“ auf meiner Liste der Fernsehserien, die ich irgendwann noch anschauen will. Doch erst nachdem ich letztes Jahr den von „Buffy“-Schöpfer Joss Whedon zusammen mit seinem Freund Drew Goddard geschriebenen Horrorfilm „The Cabin in the Woods“ gesehen habe, hat es in meinem Kopf klick gemacht und mir war plötzlich klar, was für ein Genie Whedon ist. „The Cabin in the Woods“ ist ein zugleich sehr intelligenter und unterhalsamer Horrorfilm, der die Tatsache berücksichtigt, dass seine Zuschauer schon zahlreiche Horrorfilme gesehen haben und mit deren Konventionen vertraut sind und der dies wiederum zum Thema, ja sogar zum Inhalt seiner Handlung macht. Zu verraten, wie er dies tut, käme einem großen Spoiler gleich; ich hatte beim Anschauen jedenfalls gleich mehrere Wow-Erlebnisse – eines davon bezog sich wie erwähnt auf die Erkenntnis, dass dieser Joss Whedon ein verdammtes Genie sein muss. Von da an war mir klar: Ich muss endlich ein Versprechen einlösen, das ich meiner besten Freundin vor etwa zwölf Jahren gegeben habe und ihre Lieblingsserie „Buffy the Vampire Slayer“ anschauen.

Die erste, nur zwölf Episoden lange Staffel der Serie habe ich inzwischen geschafft. In der ersten Folge ist die sechzehnjährige Buffy Summers (Sarah Michelle Gellar) gerade mit ihrer Mutter in das schöne kalifornische Städchen Sunnydale gezogen. Am ersten Schultag auf der neuen High School wird sie vom Schuldirektor in sein Büro gebeten. Wir erfahren, dass Buffy auf ihrer alten Schule so einigen Mist gebaut hat, was letztendlich der Grund für ihren Umzug und den Schulwechsel war. Sogar die Turnhalle der Schule hat sie niedergebrannt, wie der Direktor zu seinem Entsetzen lesen muss. Buffy versucht sich zu rechtfertigen, sieht aber ein, dass ihre Begründung („It was full of vampires!“) die Sache auch nicht besser macht. Neben dem strengen Schuldirektor, der auf den so gar nicht zu ihm passen wollenden Namen Mr. Flutie hört, lernt Buffy auch neue Freunde (und Feinde) kennen. Die arrogante und oberflächliche Cordelia (Charisma Carpenter) möchte Buffy sofort in ihre Clique aufnehmen, erklärt aber ganz selbstverständlich „We do have to test your coolness factor“. Dass Buffy nichts mit ihr und ihren Freunden zu tun haben will, sondern sich lieber mit Losern abgibt, kann Cordelia nicht fassen. Diese „Loser“ sind Xander und Willow. Der stets etwas unsichere, angestrengt um Coolness bemühte Xander (Nicholas Brendon) ist vom ersten Treffen an von Buffy hingerissen und wird sie die ganze Staffel über anbeten. Willow (Alyson Hannigan) ist wiederum das komplette Gegenteil von Cordelia; während Cordelia viel zu sehr von sich selbst überzeugt ist, ist es Willow überhaupt nicht. Sie ist schon lange in Xander verliebt, aber viel zu schüchtern, um ihm das zu sagen. Die Kleidung wird ihr noch von ihrer Mutter rausgesucht und am wohlsten fühlt sich Willow vor dem Bildschirm eines Computers, denn damit kennt sie sich aus.

In der Bücherei der Schule trifft Buffy erstmals auf ihren neuen Mentor, den Bibliothekar Rupert Giles (Anthony Stewart Head). Genau wie sie ist er neu in der Stadt (vorher arbeitete er an irgendeinem britischen Museum oder vielleicht auch an DEM „British Museum“, wie es in der Serie heißt). Giles‘ Leidenschaften sind Geschichte und Bücher – ganz besonders wenn es Bücher über Dämonen, Vampire, Hexen oder ähnliches sind. Während Buffy ein „Slayer“ ist, also diejenige, die mit vollem Körpereinsatz gegen all die Bösen Dinge vorgeht, über die Giles aus seinen Büchern so gut bescheid weiß, ist Giles ein „Watcher“ und wacht als solcher über Buffy, bereitet sie auf kommende Herausforderungen vor und hat auch sonst immer ein offenes Ohr und einen guten Rat für sie. Ich habe mich im Verlauf der zwölf Folgen allerdings öfter gefragt, warum die Schulbibliothek stets so leer ist, dass Giles, Buffy, Xander und Willow dort in fast jeder Folge ungestört reden können. Kommt denn dort nie mal jemand ein Buch ausleihen? Und hat Giles dort wirklich einen Job? Er scheint jedenfalls ständig Zeit für Buffy zu haben und dafür, sich nächtelang Wissen über Dämonen anzulesen.

Buffy ist zwar erst 16 Jahre alt, will ihr Slayer-Dasein aber nach den desaströsen Ereignissen auf ihrer alten Schule schon wieder an den Nagel hängen. Sie will ein normales Leben führen, ein normaler Teenager sein und sich um andere Dinge sorgen müssen als um Vampire und sonstige Dämonen. „I didn’t think there’d be vampires [in Sunnydale] and I don’t care!“, erklärt sie Giles trotzig. „I’m retired.“, fügt sie hinzu, um das auch ganz klarzustellen. Doch die Auserwählte entkommt ihrem Schicksal natürlich nicht und muss sich diese ganze erste Staffel über mit allen möglichen Kreaturen der Untewelt auseinander setzen – neben Vampiren auch mit Hexen und sogar einem Dämon, der per Buch-Scanner in den Computer eingelesen wurde. (Google scannt zwar in Kooperation mit mehreren großen Bibliotheken Bücher ein, aber da das Firmenmotto „Do no evil“ lautet, muss man sich in dieser Richtung ja hoffentlich keine Sorgen machen. 😉 )
„Life is short. Seize the moment, cause tomorrow you might be dead.“, fasst Buffy am Ende der ersten Folge ihre Lebenseinstellung zusammen. Doch da ist ihr bereits klar, dass sie sich ihrem Slayer-Schicksal wohl doch nicht entziehen kann.

In der zweiten Folge gibt es eine Szene, in der der Schuldirektor Buffy daran hindern möchte, das Schulgelände zu verlassen. Hier fielen mir die Parallelen zu „Alias“ auf – in beiden Serien geht es um eine junge Frau, die ein Doppelleben führt. Buffy ist einerseits Vampirjägerin, andereseits aber auch ein ganz normaler Teenager; Sidney Bristow in „Alias“ ist Geheimagentin, die auf der ganzen Welt gefährliche Aufträge ausführt und so die Welt vor dem Bösen beschützt, genau wie Buffy. Zugleich ist sie aber auch Studentin und führt ein scheinbar ganz normales Leben (auch wenn man davon relativ wenig mitbekommt und sich überhaupt fragt, wie sie es schafft diese beiden Leben unter einen Hut zu bringen).
„If you don’t go out, it’ll be the end of the world. Everything is life and death if you’re a sixteen year old girl.“, stellt Buffys Mutter fest, als es wieder mal darum geht, ob ihre Tochter noch abends fortgehen darf. Das Schöne ist ja, dass dieser Satz hier in doppelter Weise wahr ist. Da Buffy nicht einfach nur Party machen will, sondern tatsächlich noch nachts Dämonen jagen muss, geht es wirklich um Leben und Tod (was sie ihrer Mutter aber nicht sagen kann – warum eigentlich nicht?). Gleichzeitig spiegelt dieser Satz die Probleme einer jeden Mutter-Tochter-Beziehung wieder. Buffy will sich vor allem selbst finden und eine eigenständige Person sein, in Unabhängigkeit von ihrer Mutter, die es gerne sähe, wenn Buffy an den gleichen Dingen Spaß haben würde, wie sie selbst als Teenager. Trotz ihres Status als auserwählter Slayer dient Buffy also problemlos als Identifikationsfigur, da sie auch ganz weltliche, alltägliche Sorgen hat.
Überhaupt finden sich in „Buffy“ so viele Wahrheiten über das Leben als Teenager und die Schulzeit. Allein aus der Szene, in der ein zutiefst verunsicherter und nervöser Xander Buffy in der letzten Folge der Staffel fragt, ob sie sein Date auf dem Abschlussball sein möchte, hätte ich so viel lernen können, wenn ich die Serie bereits als Teenager gesehen hätte…

Die erste Staffel verfährt meistens noch nach dem „monster of the week“-Muster mit in sich abgeschlossenen Episoden. Dass es sich dabei aber nicht immer um Vampire handelt, bringt Abwechslung in die Serie. Es gibt zwar auch einen durchgehenden Handlungsbogen, der aber nicht in allen Folgen thematisiert wird und bereits am Ende dieser kurzen Staffel seine Auflösung erfährt (was ganz einfach den praktischen Grund hat, dass es damals nicht klar war, ob es eine zweite Staffel geben würde). Die Struktur der oft in sich abgeschlossenen Episoden mag manchmal etwas altmodisch erscheinen, es gibt jedoch immer wieder Ereignisse, mit denen die Autoren von „Buffy“ den Mut zum konsequenten Erzählen schon in dieser ersten Staffel unter Beweis stellen, wie z.B. das frühe und überarraschende Ableben von Mr. Flutie in der sechsten Folge. Auch inhaltlich merkt man der Serie ihr Alter zwar gelegentlich an – zum Beispiel als Willow erklärt, sie habe ihren neuen Freund „online“ kennen gelernt und Buffy sie verwirrt anschaut – aber das fällt überhaupt nicht negativ ins Gewicht, weil die Figuren und ihre Konflikte zeitlos sind.

Mr. Fluties Nachfolger Principal Snyder, der drei Folgen später auftritt, wird von Armin Shimerman gespielt, der damals anscheinend die Zeit hatte, neben seiner Rolle als Quark in „Star Trek: Deep Space Nine“ auch noch ab und zu in Sunnydale vorbei zu schauen. Gleich in seiner ersten Szene macht Snyder klar, dass von nun an andere Regeln an der Schule gelten: „My predecessor, Mr. Flutie, may have gone in for all that touchy-feely relating nonsense. But he was eaten. You’re in my world now. And Sunnydale has touched and felt for the last time.”
Kurz darauf lässt er die schlimmsten Ängste von Buffy, Xander und Willow wahr werden als er sie dazu zwingt, an der Talentshow der Schule teilzunehmen. Den dreien steht der Schock richtig ins Gesicht geschrieben. Sich vor dem Rest der Schule auf der Bühne blamieren? Dann doch lieber gegen Dämonen kämpfen… Als einige Folgen später (mal wieder) ein Schüler tot aufgefunden wird, zeigt der neue Direktor, dass er die harte Realität wohl doch lieber verdrängen würde, er sagt nämlich einen weiteren herrlichen Satz: „Dead? Of course not! There’s no dead students here.“
Zum Ende der Staffel hin kommt es schließlich sogar zu einer ersten Annäherung zwischen Buffy und Cordelia. Man erhascht einen Blick hinter Cordelias Fassade auf ihre Einsamkeit und Verletzlichkeit und es wird klar, dass sie keineswegs nur die eindemsionale, dumme und hassenswerte Figur ist, als die sie bis dahin dargestellt wurde. Die folgenden Staffeln (und „Angel“) werden bestimmt noch einiges an Charakterentwicklung für Cordelia – und auch alle anderen Hauptfiguren – bereithalten.

Eingangs habe ich bereits geschrieben, dass „Buffy“ sich immer wieder erfolgreich den gängigen Klischees und Erwartungen entzieht. Zusätzlich thematisiert sich die Serie immer wieder sogar selbst. Giles, der üblicherweise in jeder Folge einen ausführlicheren Expositionsmonolog herunterleiern muss, bemerkt zum Beispiel, wie nett es doch ist, wenn ihm diese Aufgabe einmal von einer sprechenden Puppe abgenommen wird. Oder Buffy erklärt Giles „My spider sense is tingling“ und als der die Anspielung nicht versteht, erklärt sie ihm, sie (und mit ihr die Serie) habe gerade eine „pop culture reference“ gemacht. In der gleichen Folge beweisen die Macher der Serie ihren Sinn für Ironie: In der Auseinandersetzung zwischen der technikaffinen Technoschamanin Jenny Calendar und dem etwas fortschrittsfeindlichen Giles, für den Bücher über alles gehen, fällt nämlich der Satz „The idiot box is TV!“
„Buffy the Vampire Slayer“ ist also alles andere als die dümmliche Serie, die der Titel im ersten Moment vermuten lässt (was ich aber auch nicht erwartet habe). Die Charaktere sind tiefgründig, die Dialoge voller Witz und die Serie lässt mit ihrer Ironie und den zahlreichen Anspielungen immer wieder eine Metaebene aufblitzen, die das Zuschauen für den in der Popkultur bewanderten Zuschauer zu einer wahren Freude macht. Kein Wunder, dass sich in den cultural studies schon längst eine eigene Unterdisziplin – die „Buffy Studies“ bzw. „Whedon Studies“ – etabliert hat. Zweimal jährlich erscheint sogar ein wissenschaftliches Magazin der Whedon Studies Association („Slayage“) und alle zwei Jahre findet eine „Slayage Conference“ statt, die sich neben „Buffy“ auch noch mit allen anderen Serien, Filmen, Comics usw. des „Whedonverse“ beschäftigt (darunter „Firefly“, „Dollhouse“ und „The Avengers“). Wenn ich an „Buffy“ also auch weiterhin großen Gefallen finden werde – und davon gehe ich aus – dann kann ich mich anschließend in zahlreiche Artikel, Zeitschriften und Bücher zum Thema vertiefen (und auch selbst einen Beitrag verfassen).

Am Ende der Staffel geht es – wie soll es zum Höhepunkt auch anders sein – um alles oder nichts, Leben und Tod. „Giles, I’m 16 years old. I don’t wanna die.“, sagt Buffy zu ihrem Mentor, nachdem ihr gerade ihr eigener Tod prophezeit wurde. Wieder einmal ist sie kurz davor, einfach alles hinzuschmeißen, um ein ganz normales Teenagerleben führen zu können. Sie will das Leben, das sie noch vor sich hat, genießen. Sie will andere Sorgen haben als Vampire, Dämonen oder den Untergang der Welt. Zum Beispiel, dass sie immer noch kein Date für den Abschlussball hat. Aber sie ist nun mal ein Slayer und irgendjemand muss den Job ja machen…

Kein kulturwissenschaftliches Buch, aber dennoch sehr zu empfehlen: „Bite me! The Unofficial Guide to Buffy the Vampire Slayer“ von Nikki Stafford. Darin wird u.a. jede einzelne Episode von „Buffy“ besprochen (allerdings nicht völlig spoilerfrei). Nikki hat außerdem ähnliche Bücher über „Lost“ und „Alias“ geschrieben und auch häufig über „Buffy“ und anderes von Joss Whedon gebloggt.
Und wenn ich schon bei Empfehlungen bin: Giles-Darsteller Anthony Stewart Head hat 2002 zusammen mit George Sarah das hervorragende Album „Music For Elevators“ veröffentlicht, auf dem auch einige weitere Buffy-Castmitglieder zu hören sind.

Das war 2013 – Mein persönlicher Film- und Serienrückblick

Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr ist so gut wie vorbei, da wird es Zeit für einen Jahresrückblick. Das dachte ich mir jedenfalls vor ein paar Tagen, schließlich habe ich schon lange nichts mehr gepostet und zwar einige neue Blogposts in Arbeit, die aber aus verschiedenen Gründen (welche sich alle unter dem Überbegriff Prokrastination zusammenfassen lassen) alle noch nicht fertig sind. Also beuge auch ich mich dem momentanen Trend und schreibe meinen persönlichen Film- und Serienjahresrückblick 2013.

Die besten Filme des Jahres

Zum ersten Mal habe ich 2013 eine Liste über alle Filme geführt, die ich mir in diesem Jahr angeschaut habe, ganz egal ob im Kino oder zuhause, ganz egal ob brandneuer Blockbuster oder jahrzehnte alter Klassiker. Die Anzahl verrate ich nicht, aber es waren definitiv zu wenige. Noch weniger als in den letzten Jahren habe ich es 2013 geschafft, alle neuen Filme, die ich mir anzuschauen vorgenommen habe, auch zu sehen. Das lag vor allem daran, dass ich in den letzten Wochen kaum Zeit hatte, wie wild in die Videothek und ins Kino zu rennen, um auch wirklich alle wichtigen Filme des Jahres nachzuholen. Am produktivsten war ich in dieser Hinsicht wie in jedem Jahr während des „Filmfest München“ – 23 Filme habe ich dort innerhalb von acht Tagen gesehen (und hier darüber geschrieben). Darunter war mit „Blau ist eine warme Farbe“ („La vie d’Adèle“, seit Donnerstag deutschlandweit im Kino) einer der besten Filme des Jahres. Abdellatif Kechiches Beziehungsdrama mit Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux erzählt so direkt, ungekünstelt und ehrlich von den Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung und wartet mit zwei so guten und faszinierenden Hauptdarstellerinnen auf, dass ich auch nach knapp drei Stunden noch nicht genug davon kriegen konnte. Eine weitere Filmfestentdeckung war die Dokumentation „Jodorowsky’s Dune“, die vom letztendlich gescheiterten Versuch des chilenischen Kultregisseurs Alejandro Jodorowsky erzählt, Frank Herberts SciFi-Saga „Dune“ zu verfilmen. Für Fans des Buches, aber auch für Filminteressierte lohnt sich ein Blick auf diesen Film auf jeden Fall, denn die Version von „Dune“, die Jodorowsky vorschwebte, war eine in jeder Hinsicht große und in mancher Hinsicht vielleicht auch größenwahnsinnige. Hoffentlich findet dieser Film zumindest auf DVD auch seinen Weg nach Deutschland.

Wenn man unter einem perfekten Kinoerlebnis die Erfahrung versteht, für die Dauer eines Filmes die Realität um sich herum vollkommen zu vergessen und in eine andere Welt transportiert zu werden, dann ist Alfonso Cuaróns „Gravity“ für mich das perfekte Filmerlebnis schlechthin. Selten zuvor hat ein Filmemacher die handwerklichen Werkzeuge des Films – in diesem Fall unter anderem den 3D-Effekt – so geschickt und stimmig in den Dienst einer dazu passenden Geschichte gestellt. Die phänomenale Kamera- und Schnittarbeit des Films vermittelt dem auf dem Erdboden verhafteten Zuschauer auf die bestmögliche Weise den Eindruck, mit Sandra Bullock und George Clooney im Weltraum zu schweben. Das Erlebnis, das dieser Film bietet ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Als ich aus dem Kino kam, hatte ich noch minutenlang einen federnden, leichten Gang, weil ich tatsächlich zu einem gewissen Grad das Gefühl hatte, aus der Schwerelosigkeit zurück auf die Erde zu kommen. Praktisch den ganzen Film über ging mein Mund vor Staunen gar nicht mehr zu – „Gravity“ ist für mich ganz klar der beste Film des Jahres. Dieses Filmerlebnis hätte nur dann noch besser sein können, wenn Cuarón den Film in HFR, also mit mindestens 48 Bildern pro Sekunde gedreht hätte (so wie Peter Jackson seine beiden „Hobbit“-Filme). Dann wäre bei Kameraschwenks nämlich kein Verwischungs-Effekt aufgetreten und wirklich überhaupt nichts hätte mich noch daran erinnert, dass ich da „nur einen Film“ sehe.

Von ganz anderer Art und vollkommen dem Erdboden verhafet, ja wie mitten aus dem Leben gegriffen, sind die „Before…“-Filme von Richard Linklater, über die ich im April gebloggt habe. „Before Midnight“ war einer meiner meisterwarteten Filme des Jahres und hat mich nicht enttäuscht. Auf gewohnt hohem Niveau führen Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke fort, was sie 1995 begonnen haben. Konsequent wird die Geschichte von Jesse und Céline, die sich einst im Zug kennen gelernt haben, hier weitererzählt. Delpy und Hawke dabei zuzusehen, wie sie in scheinbarer Verschmelzung mit ihren Figuren die grandiosen Dialoge zum Leben erwecken, gehörte zu den Höhepunkten meines Filmjahres. Und dann wieder dieses Ende…!

Ganz klar ein weiterer Höhepunkt für mich war „Star Trek Into Darkness“. In meinem Fall ist J.J. Abrams Plan voll aufgegangen: Je weniger die Zuschauer vor dem Kinobesuch über einen Film wissen, umso mehr kann man sie überraschen. Da ich vollkommen ungespoilert in das neue Trek-Abenteuer ging, konnte mich die zentrale Enthüllung des Films auch tatsächlich überraschen und schockieren! Auch den Rest des Films habe ich ausnahmslos genossen; „Star Trek Into Darkness“ ist für mich ein fast perfektes SciFi-Abenteuer (jetzt werden wieder einige maulen, dass es in „Star Trek“ ja eigentlich um mehr gehen soll, als nur um Abenteuer, aber dazu habe ich ja bereits in meinem Post zum Film etwas geschrieben).

Wo ich gerade bei großen Abenteurn bin: Auch Peter Jacksons zweiter „Hobbit“-Film gehört für mich zu den besten des Jahres, auch wenn ich mir nach der zweiten Sichtung des Films nicht mehr ganz sicher bin, ob ich ihn wirklich in meine Top Ten einordnen würde. Mit der Szene, in der Bilbo und die Zwerge verfolgt von Orks und Elben in Fässern den Fluss hinuntertreiben, liefert er auf jeden Fall eine der kreativsten und unterhaltsamsten Actionszenen seit Jahren ab und wartet zudem mit einem Showdown auf, der mir ein breites Grinsen der Bewunderung und des Staunens ins Gesicht zauberte. Ich gebe ja zu, dass ich eine Schwäche für Jacksons Actionsszenen habe, die oft überlang und „over the top“ sind, aber mit den genannten zwei Sequenzen hat er sich tatsächlich noch einmal selbst übertroffen (was für all diejenigen, die den Film nicht mochten, natürlich als Argument gegen ihn angeführt werden kann). „The Desolation of Smaug“ hat definitiv seine Schwächen, aber zumindest beim ersten Mal hatte ich so viel Spaß im Kino, wie schon lange nicht mehr und habe sogar spontan applaudiert.

Ebenfalls zum Lachen und Staunen gebracht hat mich zu Beginn des Jahres Tim Burtons „Frankenweenie“. Endlich mal wieder ein Tim Burton-Film, bei dem der Regisseur ohne Rücksicht auf den Massengeschmack seine Vision auf die Leinwand bringen konnte! Hier konnte Burton seine Kreativität voll ausleben und hat nach dem von ihm erdachten „Nightmare Before Christmas“ und „Corpse Bride“ erneut einen Stop Motion-Animationsfilm voller herrlich verrückter, aber emotional authentischer Figuren geschaffen. Zusätzlich ist „Frankenweenie“ eine Hommage an alte Horrorstreifen und zitiert zahlreiche Klassiker des Genres, was das Vergnügen für Filmfans noch größer macht. Auch Steven Spielbergs „Lincoln“ kam in Deutschland zu Beginn des Jahres in die Kinos und zählt wahrscheinlich zu den besten Filmen des Regiegroßmeisters. Ich schreibe „wahrscheinlich“, weil ich den Film nur einmal gesehen habe und ihn mir noch einmal anschauen muss, um mir ein klareres Bild zu verschaffen. Das herrvoragende Drehbuch, das detaillierte und überzeugende Set- und Kostümdesign und in erster Linie Daniel Day Lewis‘ wirklich phänomenales Schauspiel machen diesen Film aber auf jeden Fall zu einem der besten des Kinojahres.

Quentin Tarantino nahm sich mit seinem „Django Unchained“ ebenfalls dem Thema Sklaverei in den USA an und gewann für das Drehbuch verdientermaßen einen Oscar. Ob man auch Christoph Waltz nach seiner Auszeichnung für „Inglorious Basterds“ erneut einen Goldjungen überreichen musste, darüber kann man streiten. Fest steht, dass es extrem unterhaltsam war, Waltz und auch dem hervorragend fiesen Leonardo DiCaprio hier zuzusehen. Der Film hatte hier und da ein paar Längen und komischerweise ist mir Jamie Foxx‘ Django viel weniger in Erinnerung geblieben als die Figuren von Waltz, DiCaprio, Samuel L. Jackson oder Don Johnson, aber insgesamt handelt es sich trotzdem um einen der besten Filme des Jahres.

Großartiges Schauspielkino der ganz anderen Art bot der dänische Film „Die Jagd“ von Thomas Vinterberg, der hier erstmals mit Mads Mikkelsen („Casino Royale“) zusammen arbeitete. Mikkelsen spielt einen Kinderpfleger, der eines Tages zu Unrecht verdächtigt wird, sich sexuell an einem kleinen Mädchen vergangen zu haben. Die ruhige Inszenierung, das intelligente Drehbuch und das sehr gute Schauspiel Mikkelsens und der Nebendarsteller (inklusive des kleinen Mädchens) machen diesen Film zu einem sehr sehenswerten Stück Kino, das zum Nachdenken anregt. Ähnliches gilt für „Flight“, Robert Zemeckis‘ lang erwartete Rückkehr zum Realfilm. Nach „Cast Away“ (2000) und „What Lies Beneath“ („Schatten der Wahrheit“, 2001) hatte es sich der Regisseur zur Aufgabe gemacht, die Motion Capture-Technologie zu erforschen. Seine Filme „Der Polarexpress“, „Die Legende von Beowulf“ und seine Version von Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“ waren allerdings weder besonders gut, noch konnten sie eine klare Antwort auf die Frage geben, warum man nun unbedingt Tom Hanks in einem Film fünf verschiedene Rollen spielen lassen muss, bloß weil es technisch möglich ist. (Sinnvoll eingesetzt und weiterentwickelt wurde Motion Capture schließlich von anderen, allen voran Peter Jackson mit Gollum im „Herrn der Ringe“, James Cameron bei „Avatar“ und auch Spielberg und Jackson bei „Tim & Struppi“). In Flight hat sich Zemeckis jedenfalls wieder auf seine alten Stärken zurück besonnen und ein Stück Kino abgeliefert, das zwar technisch und handwerklich brilliant ist, dies jedoch nicht zum Mittelpunkt und Selbstzweck macht. Auch Denzel Washingtons zu recht oscarnominiertes Schauspiel setzt eher auf Zurückhaltung statt Übertreibung und ist gerade deshalb so effektiv.

Was gab es sonst noch so für tolle, erwähnenswerte Filme? Da wäre Paul Thomas Andersons „The Master“, der sicherlich keine leicht zugängliche Kost darstellt, aber schon allein wegen der Schauspielleistungen seiner Hauptdarsteller sehenswert ist. Das gleiche kann man von „Prisoners“ behaupten, einem Film, dessen Düsternis meine Stimmung ganz schon in den Keller gezogen hat, in dem Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal aber voll überzeugen konnten. Äußerst begeistert war ich auch nach dem Anschauen von „Die fantastische Welt von Oz“, allerdings habe ich den starken Verdacht, dass sich das ändern würde, sollte ich den Film irgendwann ein zweites Mal sehen. Woody Allens „Blue Jasmine“ ist definitiv einer der stärkeren Filme des Regisseurs, wenn auch wie die meisten seiner Werke von zahlreichen Klischees durchzogen. Doch schon allein Cate Blanchetts Darstellung der titelgebenden Jasmine war den Kauf der Eintrittskarte wert und ich tippe mal darauf, dass sie für diese Rolle ihren zweiten Oscar erhalten wird. Tolles Schauspielkino gab es auch in „Saiten des Lebens“ („A Late Quartet“) zu sehen, in dem Christopher Walken, Philipp Seymour Hoffman, Catherine Keener und Mark Ivanir die Mitglieder eines Streichquartetts spielen, die sich unter anderem damit auseinandersetzen müssen, dass einer von ihnen an Parkinson erkrankt ist. Ach ja, und dann war doch noch „World War Z“, der von allen bisher genannten Filmen zwar der am wenigsten beeindruckende ist, den ich hier aber dennoch aufführen möchte, weil er ganz einfach so viel besser war als man erwartet hatte. Vielleicht steckte ja eine besondere Marketingstrategie des Studios dahinter – erst monatelang Informationshäppchen darüber in die Welt setzen, wie chaotisch die Dreharbeiten verlaufen und wie uneinig sich die Beteiligten über die Richtung sind, die der Film einschlagen soll, um dann am Ende mit einem zwar bei weitem nicht perfekten, aber eben doch ordentlichem und unterhaltsamen Zombie-Actionfilm zu überraschen.

Die bewegendste Schauspiellelistung des Jahres kam dieses Mal von Anne Hathaway in „Les Misérables“. Während ich den Film als ganzen nur mittelmäßig fand, hat mich ihre Darbietung von „I Dreamed A Dream“ selbst dann noch zu Tränen gerührt, wenn ich das Lied nur gehört habe. Ihre gesanglich nicht perfekte, aber gerade deswegen emotional so berührende Darbietung dieser Szene hat ihr vollkommen zu Recht den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle eingebracht. Und das schreibe ich nicht nur, weil ich Anne Hathaway neben Rebecca Hall für die schönste Schauspielerin der Welt halte und einen Anne Hathaway-Adventskalender an der Wand hängen habe! 😉

Weitere persönliche Filmhöhepunkte

Schließlich möchte ich noch ein paar Filme nennen, die zwar zum Teil schon älter sind, die ich aber 2013 zum ersten Mal gesehen habe und die ebenfalls zu meinen filmischen Höhepunkten zählten: Da wäre zunächst Hitchcocks „Psycho“, das ich tatsächlich erst dieses Jahr nachgeholt habe (als Vorbereitung auf „Hitchcock“, der von der Entstehung von „Psycho“ erzählt, aber leider eher durchwachsen ausgefallen ist). Auch „Der Zauberer von Oz“ habe ich erst 2013 zum ersten Mal gesehen (und zwar einige Tage nach dem Kinobesuch von „Die fantastische Welt von Oz“) und mich nicht nur sofort in den Film verliebt, sondern beim Anschauen auch endlich die zahlreichen Anspielungen auf den Film, die in vielen anderen Filmen und Liedern vorkommen, verstanden. Nach dem extrem enttäuschenden fünften „Stirb Langsam“-Film (siehe unten) habe ich auch endlich die mir noch fehlenden ersten beiden Teile der Reihe angeschaut und war überrascht davon, dass Teil 1 ja noch gar nicht so ein Actionfeuerwerk ablieferte, wie es vor allem die letzten beiden Filme taten. Die Stärken des Films liegen anderswo und gerade deswegen ist er so verdammt gut (Teil 2 dagegen konnte ich schon sehr viel weniger abgewinnen). Besser spät als nie habe ich 2013 auch endlich erkannt, was für ein erzählerisches Genie Joss Whedon ist. Mit seinem Werk war ich bisher kaum vertraut, nachdem ich aber den von Whedon geschriebenen und wirklich genialen „The Cabin In The Woods“ gesehen habe, verneige ich mich vor seiner Fähigkeit, uns mit der Dekonstruktion eines ganzen Genres zu unterhalten.

Auf dem Fantasy Filmfest habe ich in diesem Jahr drei Filme gesehen, von denen „The Philosophers“ der beste war. James D’Arcy spielt darin als Lehrer mit seiner Philosophieklasse ein Gedankenexperiment duch, das grausam endet. Nebenbei erfahren wir auch noch, auf welche weiterführende Schule Ginny Weasly aus den „Harry Potter“-Filmen nach ihrem Hogwarts-Besuch gegangen ist, deren Darstellerin Bonnie Wright spielt hier nämlich eine Schülerin. Ein Film, über den ich vorher so gut wie nichts wusste und der mich dann sehr beeindruckt hat, war Anton Corbijns Musikbiographie „Control“ (2007) über die Band Joy Divison und das tragisch kurze Leben ihres Leadsängers Ian Curtis. Sehr sehenswert! Auch einige Filme der Vorjahre habe ich 2013 noch nachgeholt: Darunter enttäuschende wie „Das Bourne Vermächtnis“, aber auch sehr gute wie „Ruby Sparks“, „Cloud Atlas“, „Chronicle“  oder Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ (2011). Letzterer hat mich emotional so sehr mit genommen, wie es nur ganz, ganz wenige Filme schaffen. Auf schonungslos offene Weise und ohne irgendetwas zu verbergen oder zu beschönigen erzählt Dresen darin die Geschichte einer deutschen Mittelstandsfamilie, deren Familienvater an einem Gehirntumor leidet. Von der Diagnose bis zum Tod begleitet Dresen diese Familie, und wenn das hier so klingt als handele es sich um einen Dokumentarfilm, dann deswegen, weil dieser Film fast so wirkt. So nah ist man dabei den Figuren, dass es wirklich fast schon körperlich weh tut. Ganz intimes, aber gleichzeitig ganz großes Kino und von seiner Intensität und emotionalen Wucht her einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

Die schlechtesten und enttäuschendsten Filme des Jahres

Ich habe es oben schon angedeutet: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ ist für mich die Filmgurke des Jahres. Ein über weite Strecken einfach nur peinlicher und höchstens unfreiwillig komischer Film. Warum, habe ich ja in meinem Post zum Film schon geschrieben. Auch „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ konnte ich fast nichts Positives abgewinnen. Kaum zündende Gags, eine wirklich schwache Inszenierung und teils lustlos wirkende Darsteller – mehr will ich dazu nicht mehr sagen. Warum ich mir „The Last Stand“ mit Arnold Schwarzenegger angeschaut habe, weiß ich selbst nicht so genau. Ich weiß nur, dass ich drei Abende dafür gebraucht habe, weil ich mir den Film einfach nicht an einem Stück antun konnte. Leider auch ziemlich daneben fand ich Sofia Coppolas „The Bling Ring“, der eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung der immer gleichen Szenen und Bilder bestand. Dass diese dann zum Teil recht ästhetisch anzuschauen waren, hat dem Ganzen auch wenig geholfen. Die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möche ich wegen „Man of Steel“. Dieses Superman-Reboot hat einen (optisch) wahnsinnig schönen Anfang, versucht aber leider, sich im weiteren Verlauf nur dadurch zu steigern, dass immer größere Häuser kaputt gemacht werden. Kann bitteschön mal irgendjemand Zack Snyder dazu zwingen, eine mit minimalem Budget ausgestattete Verfilmung eines Theaterstücks zu drehen, damit der Mann lernt, dass es auch im Kino auf interessante, emotional authentische Figuren und deren Beziehungen und Konflikte ankommt und nicht nur darauf, alles möglichst bunt und laut zu machen?

Dann waren da noch die beiden Filme über Terroristen, die das weiße Haus angreifen, von denen ich bis jetzt nur einen gesehen habe („Olympus Has Fallen“). Der war so belanglos und uninteressant, dass ich ihn größtenteils schon wieder vergessen habe. Baz Luhrmanns „Der große Gatsby“ dagegen war zwar nicht wirklich schlecht, kam aber auch nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Und von den großen Comicverfilmungen des Jahres habe ich zwar noch gar nicht alle gesehen, „Iron Man 3“ fand ich aber wesentlich weniger gut als die meisten anderen ihn fanden und „The Wolverine“ hatte zwar interessante Ansätze, scheiterte aber leider daran, diese auch zu einer interessanten und schlüssigen Geschichte zusammen zu packen.


Mein Serienjahr 2013

Alle Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe, habe ich wie erwähnt in einer Liste festgehalten. Bei den Serien habe ich das noch nicht gemacht, deswegen fällt es mir schwer, mich überhaupt noch an alle Serie zu erinnern, die ich in diesem Jahr gesehen habe. In den letzten zwei oder drei Monaten habe ich wenig Serien (und auch Filme) angeschaut, im Frühjahr und Sommer dagegen mehr. Eine Serie, mit der ich in diesem Jahr neu begonnen habe, war J.J. Abrams‘ „Alias“ (ich habe auch mehrmals darüber gebloggt, zuletzt hier). Die größten Pluspunkte der Serie sind ganz klar Jennifer Garners charismatische und energiegeladene Darstellung von Sidney Bristow und das hohe Erzähltempo, das den Zuschauer gar nicht zur Ruhe kommen lässt (und so auch den ein oder anderen Logikfehler verschleiert). Wirklich süchtig gemacht, so wie „Lost“, hat mich „Alias“ allerdins nicht, so dass ich nach der zweiten Staffel erst einmal abgebrochen habe. Ich möchte zwar irgendwann weiter schauen, aber es gibt halt noch viele andere tolle Serien. „True Blood“ gehört dazu nur bedingt. Während die erste Staffel aufgrund ihrer erfrischend ungekünstelten Darstellung des Fantastischen (das ist ein Euphemismus für „die Serie ist ziemlich erwachsen und brutal“ 😉 ) und der sozialkritischen Elemente überzeugen konnte, wanderten in den folgenden Staffeln leider die Soap-Elemente immer mehr in den Vordergrund, bis es irgendwann egal war, was in der Serie passierte, solange irgendetwas passierte. Die fünfte Staffel, die ich mir dieses Jahr angesehen habe, war zwar wieder besser als die vierte, aber ich bin und bleibe skeptisch. Die sechste und finale siebte Season werde ich mir wohl trotzdem noch ansehen.

Auch bei „Dexter“ handelt es sich um eine Serie, die wahnsinnig toll angefangen hat und irgendwann zwar nicht schlecht, aber doch recht belanglos wurde. Für mich kam dieser Punkt zwar später als für viele andere Zuschauer, nachdem ich dieses Jahr die vorletzte siebte Staffel gesehen habe, muss ich aber definitiv sagen, dass es besser gewesen wäre, die Serie schon nach fünf oder sechs Staffeln zu beenden und einige Entwicklungen, die erst in den späteren Staffeln stattfinden, etwas vorzuziehen. Immer noch faszinierend finde ich „Downton Abbey“. Die meisten der vielen hochgelobten Serien der letzten Jahre haben sich ja einige entscheidende Merkmale des Genres der Soap Opera zu eigen gemacht, „Downton Abbey“ dagegen erhebt diese von der Kritik eigentlich verachtete Form zum Hauptprinzip und feiert trotzdem bei Publikum, Preisverleihungen und Kritikern große Erfolge. Das liegt zum einen daran, dass hier anders als in vielen Daily Soaps erstklassige Schauspieler am Werk sind und natürlich auch daran, dass von „Downton Abbey“ nur sieben oder acht Folgen im Jahr produziert werden. Nachdem ich dieses Jahr die dritte Staffel und das daran anschließende Christmas Special gesehen habe, finde ich es schade, dass so viele Charaktere aus der Serie herausgeschrieben werden mussten, weil deren Darsteller aussteigen wollten. Die große Anzahl an tragischen Toden von Hauptfiguren tut der Serie nicht gut, aber schon allein wegen der großen Maggie Smith, die in jeder Folge einen großartigen Onliner bekommt, lohnt es sich, die Serie weiter anzuschauen. Auch der TV-Mehrteiler „Political Animals“ über eine an die Clintons angelehnte US-Politikerfamilie entpuppte sich in seiner schnellen Folge von Ereignisse wie Drogenmissbrauch, Seitensprüngen und Selbstmordversuchen leider als ziemlich Soap-lastig; genau wie bei „Downton Abbey“ fand ich das aber nicht schlimm, weil auch hier die Schauspieler (Cirián Hinds, Sigourney Weaver) großartig sind und das Ganze eben nur sechs Folgen lang dauerte. Aaron Sorkins „The Newsroom“ hat ähnliche Schwächen, wenn sie auch nicht so stark ausgeprägt sind. Erwartungsgemäß punktet die Serie mit ihren bisweilen messerscharfen Dialogen, die die Darsteller immer wieder zu Höchstleistungen antreiben.

Zu Beginn des Jahres habe ich mir eine zeitlang die Science Fiction-Kultserie “V – Die außerirdischen Besucher kommen” angeschaut, aber nach etwa zwei Dritteln abgebrochen. Vom Remake der Serie, das vor vor drei Jahren unter dem Titel „V – Die Besucher Premiere feierte und es nur (oder immerhin, je nach Sichtweise) auf zwei Staffeln brachte, habe ich mir die erste Staffel besorgt und komplett angesehen. Unbedings weiter schauen muss ich hier aber auch nicht. Viel besser gefallen hat mir als großem „Star Wars“-Fan natürlich die vierte Staffel von „Star Wars: The Clone Wars“. Gerade dass die Serie über ein so breites Spektrum an Charakteren verfügt und die unterschiedlichsten Geschichten erzählen kann, macht den Reiz dieser Serie aus, die zwar insgesamt auf ein jüngeres Publikum zugschnitten ist, aber auch sehr erwachsene Elemente beinhaltet. Momentan schaue ich mir die fünfte Staffel an und werde vielleicht auch dazu etwas schreiben.

Eine Serie, die ich von der ersten bis zur letzten Folge gesehen habe, war „Fringe“. Das Konzept der Science Fiction-/Mystery-Serie stammt mal wieder aus der Feder von J.J. Abrams. Mit der fünften Staffel bekamen die Macher der Serie die Gelegenheit, den sich durch alle Folgen ziehenden Handlungsbogen abzuschließen und ihrer Serie ein würdiges Ende zu verpassen. „Fringe“ zählt zwar nicht zu meinen All Time-Favoriten, weist aber definitiv einige erinnerungswürdige Momente und mit dem im Verlauf der Serie eingeführten Paralleluniversum auch ein interessantes Erzählkonzept auf. Nicht zuletzt John Nobles Darstellung des leicht verrückten, aber liebenswerten Professors Walter Bishop wird mir immer in schöner Erinnerung bleiben.

Bestimmt zwei Monate habe ich gebraucht, um mich durch die dritte Staffel von „Boardwalk Empire“ zu quälen. Die Serie ist eigentlich alles andere als schlecht, aber mit ihrem großen Figurenensemble und der nicht immer geradlinigen Erzählweise auch alles andere als übersichtlich und leicht konsumierbar. Steve Buscemi und auch einige andere Darsteller sind natürlich fantastisch, trotzdem ist die Serie nicht so mein Fall, so dass ich mir die vierte Staffel wohl nicht mehr anschauen werde. Definitiv weiter schauen werde ich aber bei „Hannibal“. Ich habe ja in meinem Post im Oktober schon geschrieben, wie begeistert ich von dieser Neuinterpretation der Themen und Figuren aus Thomas Harris‘ Roman „Roter Drache“ bin und ich hoffe, dass die Serie auch weiterhin großen Erfolg haben wird, damit Showrunner Bryan Fuller seinen Plan umsetzten und in den folgenden Staffeln auch noch die anderen Hannibal Lecter-Romane von Thomas Harris ins Fernsehen bringen kann.

Da war doch noch was…? Ach ja, „Breaking Bad“ natürlich! Auch wenn ich nicht über alle der im vergangenen Sommer gesendeten letzten acht Folgen gebloggt habe, waren diese letzten Folgen natürlich das Serienhighlight des Jahres! Und was für ein Finale das war, das ja eigentlich schon mit der Konfrontation zwischen Walter White und seinem Schwager Hank losging und sich dann über acht Wochen erstreckte. Nie zuvor hat eine Fernsehserie meinen Puls so in die Höhe getrieben! Die Macher von „Breaking Bad“ haben über fünf Staffeln in allen Bereichen – Schauspiel, Regie, Kamera, usw. – herausragende Leistungen abgeliefert, die herausragendste Leistung dürfte es aber gewesen sein, diese Qualität die ganze Serie lang durchzuhalten und einen großen Handlungsbogen mit glaubhaften und nachvollziehbaren Charakterentwicklungen abzuliefern, der wirklich keinen Durchhänger hatte und schließlich zu einem zufrieden stellenden Ende kam. Ganz bestimmt werde ich mir „Breaking Bad“ irgendwann noch einmal komplett ansehen.

Mein nächstes großes Serienprojekt wird wahrscheinlich „Buffy – The Vampire Slayer“. Wie erwähnt hat mich „The Cabin In The Woods“ endgültig zum Joss Whedon-Fan gemacht, so dass ich mich nun seinem opus magnum nicht länger verschließen kann. Eigentlich hatte ich geplant, schon 2013 mit „Buffy“ anzufangen und habe deswegen auch die aktuellen Staffeln einiger Serien erst einmal aufgeschoben (z.B. „Mad Men“, „Dexter“, „Game of Thrones“, „Downton Abbey“). Auch meine Lieblingsserie „Babylon 5“ werde ich wieder einmal von der ersten bis zur letzten Folge anschauen und hier darüber bloggen. Trotzdem hoffe ich natürlich, zwischendurch auch noch ein paar andere Serien einschieben zu können. Neben den genannten Serien, die ich weiter anschauen will, möchte ich endlich auch in „House of Cards“ reinschauen, mir die zweite Staffel von „The Newsroom“ gönnen und die erste Staffel von „Bates Motel komplett ansehen (die erste Folge hat mir definitiv Lust auf mehr gemacht).

Weiter geht’s 2014!

Eigentlich hatte ich noch geplant, hier auch noch die musikalischen Höhepunkte meines Jahres aufzulisten, aber der Post ist auch so schon lang genug. [Bowie!!!!!!!!! McCartney!!! Die neuen Alben von Elton John, Sting und Justin Timberlake!! Und Britney war auch wieder da, wenn auch nicht sooo gut. Dafür kam das sehr gute zweite Album von Foy Vance, den ich vor einer Woche auf einem fantastischen Konzert erleben durfte. So, das muss reichen. 😉 ]
Mit welchen TV-Serien ich ins neue Jahr starten will, habe ich ja gerade schon geschrieben. Auf welche Filme ich mich besonders freue, fällt mir spontan gar nicht ein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es noch so viele Filme aus diesem Jahr gibt, die ich noch sehen will. Am meisten freue ich mich zurzeit auf jeden Fall auf die drei neuen Folgen von „Sherlock“, die ich schon vorbestellt habe und wirklich kaum noch erwarten kann, schließlich gehören die ersten beiden Staffeln zum Besten, was das Fernsehen je hervorgebracht hat.

Ich wünsche jedenfalls nicht nur mir, sondern auch euch ein tolles neues Jahr, gespickt mit zahlreichen Kino- und Fernsehhöhepunkten! 🙂

Alias – Season 2 (Episode 1-7)

— Der folgende Text enthält Spoiler! Ich bespreche hier die ersten sieben Folgen der zweiten Staffel von Alias. Weiterlesen sollte nur, wer die Serie schon mindestens bis zu diesem Punkt angeschaut hat. Außerdem habe ich noch einen Spoiler zu „Dexter“ unterbringen müssen. Wer diese großartige Serie allerdings mindestens bis zum Ende ihrer sechsten Staffal gesehen hat, hat nichts zu befürchten. —

Seit ein paar Wochen ist es richtig heiß draußen. Und nicht nur dort, sondern auch in meiner Wohnung. Wirklich Lust dazu, mich vor den Fernseher zu setzen, um Filme und Serien anzuschauen habe ich daher zurzeit nicht. Draußen ist es eh viel schöner und abends wird es da ja eigentlich erst erträglich. Der Turm aus DVDs und Blu-rays, die noch angesehen werden wollen, wird deshalb nur sehr langsam kleiner. Nachdem ich mich durch die fünfte (und letzte) Staffel von Fringe gearbeitet habe (schön war’s), habe ich mir anschließend die fünfte Staffel von „True Blood“ vorgenommen (aber mir dabei überhaupt keine Notizen gemacht, deswegen kann ich nix dazu schreiben; vielleicht kommt nächstes Jahr ein Blogpost zu „True Blood“, wenn ich die sechste Staffel gesehen habe – Staffel Nr. 5 war jedenfalls wieder deutlich besser als Nr. 4). Inzwischen bin ich wieder bei „Alias“. Die erste Staffel der Serie mit Jennifer Garner habe ich vor ein paar Monaten gesehen und zweimal darüber gebloggt. Süchtig gemacht hat mich die Serie zwar nicht gerade, aber ich will doch wissen, wie es weitergeht und was sich J.J. Abrams & Co. noch so alles an Storywendungen ausgedacht haben. Wie gesagt tue ich mich mit dem regelmäßigen Serienkonsum derzeit etwas schwer, gucke also nicht gleich zehn oder mehr Folgen pro Woche, aber bis zur siebten Episode der Staffel habe ich es schon mal geschafft. Hier also meine Eindrücke soweit.

Gleich zu Beginn der Staffel hat mich schon mal die Mitwirkung von Lena Olin begeistert. Die schwedische Schauspielerin, die ich bisher nur aus Hollywood-Filmen wie „Chocolat“ oder „Mr. Jones“ kannte, spielt hier die KGB-Agentin Irina Derevko, Sidney Bristows Mutter. Unter Vortäuschung einer falschen Identität hatte sie einst die Bekanntschaft von Sidneys Vater Jack (Victor Garber) gemacht, der jahrelang keine Ahnung hatte, dass die Frau, die er unter dem Namen Laura kannte, nicht die war, die sie zu sein vorgab.
Die erste Folge beginnt mit einer hilfreichen Zusammenfassung der Ereignisse der ersten Staffel und insbesondere deren letzter Folge. Während Sidney ihrer Therapeutin bei der CIA die Ereignisse schildert, sehen wir teils Wiederholungen von bereits bekannten Szenen und teils neue Szenen. So werden wir auf den aktuellen Stand der Ereignisse gebracht. Selbst wenn man die erste Staffel gesehen hat, ist das keine schlechte Sache, schließlich erzählt „Alias“ in einem derart hohen Tempo, dass man schon mal einiges durcheinander bringen oder vergessen kann, besonders wenn mehrere Monate zwischen dem Anschauen von zwei Staffeln liegen.

Nach gut einer Viertelstunde ist es dann aber vorbei mit dem „Was bisher geschah“ und die Episode geht direkt zum Briefing für Sidneys nächste Mission über. Sid macht sich auf nach Frankreich und wenn man zu diesem Zeitpunkt schon wieder vergessen haben sollte, was sie dort eigentlich zu tun hat, dann ist das nicht weiter schlimm. Erstens, weil in „Alias“ die Durchführung der Mission das eigentlich Spannende und Unterhalsame ist und zweitens, weil man meistens noch in derselben, spätestens aber zu Beginn der nächsten Episode die Ergebnisse der Mission (und die gewonnenen Erkenntnisse sowie daraus resultierenden Konsequenzen) sowieso noch einmal zusammengefasst bekommt. In dieser Hinsicht ist „Alias“ eine Soap Opera: Die Missionen, auf die Sidney geschickt wird, führen immer zu weiteren Missionen. Jedes gelöste Problem bringt mindestens ein weiteres Problem, eine neue offene Frage mit sich, die nur durch einen weiteren gefährlichen Einsatz von Sidney beantwortet werden kann.
Gleich von der ersten Folge an legt auch die zweite Staffel ein hohes Tempo vor. Nach dem etwa 15minütigen Rückblick folgt wie gesagt Sidneys nächste Mission (die Befreiung Michael Vaughns), dann das Mission Briefing für den nächsten Einsatz und schließlich auch noch die Beerdigung von Arvin Sloans am Ende der ersten Staffel gestorbenen Frau.

Sehr gut gefallen hat mir die Entscheidung der Autoren, zumindest einen von Sidneys engen Freunden bereits nach der ersten Staffel von Sidneys Doppelleben als Agentin und normale Studentin erfahren zu lassen. Eine ähnliche Konstellation wie hier zwischen Sidney und ihrem besten Freund Will (Bradley Cooper) herrscht ja in „Dexter“; die Hauptfigur, also Dexter Morgan (Michael C. Hall), führt ein Doppelleben und muss seine Serienmörder-Identität vor seinen Kollegen und seiner Schwester Debra verbergen. Dass ihm das aber über sechs Staffeln hinweg gelingt, erscheint mit der Zeit immer unglaubwürdiger und seine Enttarnung durch Debra am Ende der sechsten Staffel ist damit überfällig. In „Alias“ hat man die Situation schlauer gelöst: Während Will nun Sidneys Geheimnis kennt, hat Francie (Merrin Dungey) immer noch keine Ahnung vom Agentendasein ihrer besten Freundin. Für die Beziehung zwischen Sidney und Will ergeben sich so neue Entwicklungsmöglichkeiten, während bei Francie das Rätselraten weitergeht, ob und wie sie Sidney jemals auf die Schliche kommen wird.
Unglaubwürdig finde ich allerdings, dass Will überhaupt überlebt hat. SD6 wurde bisher stets äußerst konsequent im Umgang mit Feinden und Mitwissern gezeigt. In der allerersten Folge hat Sloan Sidneys Verlobten umbringen lassen, der über wesentlich weniger Wissen verfügte als Will. Mit der „Zwangstarnung“ Wills als Heroinsüchtigem, der all seine Enthüllungen angeblich unter Drogeneinfluss erfunden hat, wurde dieses Dilemma zwar ganz gut gelöst, wenn man ehrlich ist, hätte Sloan Will aber einfach umbringen lassen müssen. Für die Serie allerdings ist es gut, dass Will weiterlebt (was natürlich auch die Autoren erkannt haben), schließlich ergeben sich dadurch wie erwähnt einige neue Erzählmöglichkeiten.
Als Will in der vierten Folge eine Selbsthifegruppe besucht, hat er mir schon fast leid getan. Der Arme muss den ehemaligen Heroinsüchtigen spielen, obwohl er mit dem Zeug vermutlich nie in Berührung gekommen ist. Als man ihn dort im Kreis all der „echten“ Süchtigen sitzen sieht, bekommt man allerdings den Eindruck, die Gruppe könnte ihm dennoch ganz gut tun. Schließlich hat er nach all den Erfahrungen mit Sidney und Jack und seinen Berührungen mit der Welt der Geheimdienste bestimmt einigen Redebarf (wenn er auch natürlich nicht wirklich offen über all das reden kann). Als er dann auf eine Verschwörungstheoretikerin trifft, die mit ihm in der Selbsthilfegruppe sitzt und davon überzeugt ist, dass die Dinge, die er über SD6 geschrieben hat, der Wahrheit entsprechen und er nur zum Schweigen verdonnert wurde, dachte ich ein paar Minuten, jetzt würde alles wieder von vorne losgehen. Das gleiche Schema wie in der ersten Staffel, aber mit anderer Rollenverteilung: während nun jene Verschwörungstheoretikerin die Rolle einnimmt, die Will früher innehatte, ist er nun derjenige, der (wie früher Sidney) darauf aufpassen muss, dass sie nicht zuviel herausfindet – um ihrer beider Leben willen. Zum Glück war das ganze jedoch nur von SD6 inszeniert und sollte Will testen. Da er weiter darauf beharrt, sich den Inhalt seiner Artikel nur ausgedacht zu haben, hat er den Test bestanden und dieses Handlungselement ist nach nur einer Episode abgehakt. Später bekommt er von Michael Vaughn einen neuen Rechercheauftrag, womit wieder neue Möglichkeiten für Will geschaffen werden, sich die Finger zu verbrennen…

Dann ist da natürlich noch Irina Derevko, die in Hannibal Lecter-Manier von der CIA gefangen gehalten wird. Die von ihr gelieferten Informationen haben zu einigen Erfolgen geführt, so dass Sidney sich nun nicht mehr sicher ist, ob ihre Mutter wirklich ihr Feind ist. Doch Sidneys Vater ist sich ganz sicher, dass Derevko nur ihre eigenen Motive verfolgt und nur deswegen versucht, eine emotionale Beziehung zu ihrer Tochter aufzubauen, um sie besser manipulieren zu können. „She’s someone you’ve idolized for twenty years“, sagt er zu Sidney. Und: „You wanted a mother and here she is“. „I’m not that naive.“, entgegnet ihm Sidney und erklärt: „The difference between you and me is that I am willing to squeeze her for everything she’s got.“ Während Jack also um keinen Preis jemals wieder irgendeine Form der Kooperation mit der Frau eingehen will, die ihn so lange ge- und schließlich maßlos enttäuscht hat, denkt Sidney pragmatischer und möchte das von Derevko zur Verfügung gestellte Wissen nutzen. Doch ist die Situation wirklich so einfach? Kann Sidney ihre Emotionen unter Kontrolle und die Beziehung zu ihrer Mutter trotz all der Manipulationsversuche Derevkos auf einer rein sachlichen Ebene halten? Natürlich nicht…
Als ihm klar wird, dass er Sid nicht davon überzeugen kann, sich von ihrer Mutter fern zu halten, greift Jack zu extremen Mitteln. Er lässt ein Haus auf Madagascar, in dem Sidney auf Derevkos Hinweis hin wichtige Informationen beschaffen soll, mit Sprengstoff ausstatten. Kurz bevor Sidney das Haus betritt, „entdeckt“ Jack den Sprengstoff; das Haus explodiert, aber Sidney kommt gerade noch einmal davon. Da es nun so wirkt, als habe Derevko absichtlich die Existenz des Sprengstoffs verschwiegen (von dem sie gar nichts wusste), hat sie das Vertrauen der CIA verloren. „You were right about her.“, sagt Assistant Director Kendall (Terry O’Quinn) zu Sidney. Diese wiederum entschuldigt sich bei ihrem Vater: „Everything you said was right. I’m sorry that I doubted you.“ Nach diesen Worten liegt Sidney wieder in den Armen ihres Vaters, der damit erreicht hat, was er wollte und sich nun mindestens genauso manipulativ gezeigt hat, wie er es von Derevko behauptet hat. Worum es hier eigentlich zu gehen scheint, ist der Kampf eines geschiedenen Paares um die Zuneigung der gemeinsamen Tochter. Scheidungsfamilien gehören ja zum Standardrepertoire in Spielberg-Filmen und so erscheint es nur passend, dass mit J.J. Abrams auch der Spielberg der nächsten Generation dieses Thema aufgreift (wie zum Beispiel auch in „Super 8“).
Es dauert natürlich nicht lange, bis Sidney erfährt, dass ihr Vater sie getäuscht hat und dass er sie sogar von Kindebeinen an zur Geheimagentin hat ausbilden lassen, was Jack wiederum vor Derevko geheim halten wollte. Nun kommt es wieder zum Bruch zwischen ihm und Sidney; auch das ist ein typisches Element vieler Fernsehserien (ganz besonders, aber nicht nur von Soap Operas): kaum herrscht in einer Beziehung endlich wieder so etwas wie Harmonie, schon tut sich der nächste Abgrund auf und stört die Ruhe. Und Sidney rennt von Jacks Armen direkt in die Arme von Michael Vaughn, dem Mann der nichts so gut beherrscht wie einen sorgenvollen Gesichtsausdruck.

Vaughn (Michael Vartan) wiederum hat, wie sich in der siebten Folge herausstellt, doch noch eine Freundin, die gerade dann auftaucht, als Sid kurz davor ist, ihr Leben für Vaughn zu riskieren. Die ganze Episode dreht sich hauptsächlich um die Beziehung zwsichen Sidney und Vaughn und darum, was die beiden für einander empfinden und bereit zu tun sind. Sidney handelt schließlich gegen ihre Befehle, um Vaughn zu retten und verspricht, SD6-Direktor Arvin Sloan (Ron Rifkin) an Julian Sark auszuliefern. Ganz sicher scheint sie sich ihrer Sache dabei nicht zu sein, obwohl sie Sloan natürlich abgrundtief hasst.
Die Information über das rettende Gegengift hat Derevko jedenfalls nur deswegen zur Verfügung gestellt, weil sie weiß, dass Sidney sehr, sehr viel an Vaughn liegt. Derevko formuliert es am Ende der Folge selbst sehr schön: Letztendlich dreht es sich hier nur um die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau (Sidney & Michael Vaughn). Und wie Vaughn so schön sagt, ist seine Beziehung zu Sidney längst nicht mehr nur die eines „Betreuers“ zu einer Doppelagentin. Aber welcher Art ihre Beziehung denn dann ist und was er nun genau für sie fühlt, das spricht er noch nicht aus. Am Ende fasst er doch den Entschluss, es zu tun und rennt ihr hinterher – doch sie ist verschwunden. Auch die Geschichte von Sidney und Michael geht also in der nächsten Folge weiter.

Arvin Sloan wiederum macht seine Frau Emily zu schaffen, die er eigentlich für tot hielt. Schließlich hat er sie gerade erst begraben, doch nun mehren sich die Zeichen dafür, dass Emily entweder noch am Leben ist oder jemand anderes ein perfides Spiel mit Sloan treibt. Die anderen Mitglieder der „Alliance“ sähen es natürlich gar nicht gerne, wenn Emily noch am Leben wäre, schließlich war sie hinter das Geheimnis ihres Mannes gekommen und hatte von dessen Position als Direktor von SD6 erfahren. Zudem konnte SD6 in letzter Zeit immer weniger Erfolge verbuchen, was sicherlich auch auf Sidney und Jack zurückzuführen sein dürfte, die im Auftrag der CIA bei den meisten Missionen dazwischen funken. „I need a victory“, sagt der niedergeschlagene Sloan zu Jack.
Dann folgt der Paukenschlag: Sidney liefert Sloan tatsächlich an Sark aus. Sloan ist also tot! Oder? Ich hätte es dieser Serie jedenfalls zugetraut, so etwas durchzuziehen. Allerdings war die Geschichte um Sloans Frau gerade so schön vorbereitet worden und würde vollkommen nutzlos im Sand verlaufen, wenn Sloan plötzlich sterben würde. Aber Sloan ist doch noch am Leben, da Sark ihm ein unerwartetes, aber nicht unlogisches Angebot macht. Die beiden arbeiten fortan in einer „strategischen Allianz“ zusammen, als Feinde mit gemeinsamen Zielen. Sidneys Gesichtsausdruck, als sie dem totgeglaubten Sloan im Büro plötzlich gegenübersteht, ist herrlich und vielleicht der bisherige Höhepunkt der Serie!

So weit also zu den ersten sieben Folgen der zweiten „Alias“-Staffel. Ich finde die Serie unterhaltsam. Die Schauspieler sind sehr gut, die verschiedenen Missionen äußerst kreativ umgesetzt und bei dem hohen Tempo der Serie wird es eigentlich nie wirklich langweilig. Vollkommen begeistert bin ich von „Alias“ zwar nicht, werde die Serie aber weiter anschauen. Ein schönes Detail übrigens: Auf Marshalls Labortisch liegt in einer Folge ein Eisbär – da musste ich natürlich sofort an „Lost“ denken, zumal hier keine Erklärung für das Dasein des Eisbären abgegeben wird. Fast schon zum Running Gag entwickelt sich außerdem der Satz „I’ll buy time for you/us with Sloan.“, den Jack so oder ähnlich jedesmal äußert, wenn Sidney sich mal wieder auf eine CIA-Mission begibt und Jack ihre Abwesenheit bei SD6 irgendwie erklären muss. Sidney Bristows Tage müssen ja sowieso 36 Stunden haben, schließlich arbeitet sie als Geheimagentin für zwei Organisationen und studiert nebenbei auch noch (wovon man in der zweiten Staffel bislang allerdings nichts mitbekommen hat).
Ich freue mich jedenfalls auf Sidneys nächste Missionen. Die laufen zwar immer nach dem gleichen Schema ab – unerkannt eindringen, enttarnt werden, kämpfen und/oder flüchten – doch wie ich schon angemerkt habe, sind sie trotzdem sehr unterhaltsam und es geht zudem ja darum, dass das Ergebnis einer jeden Mission wieder der Grund dafür ist, Sidney auf einen weiteren Einsatz zu schicken. Klingt fast so, als wäre „Alias“ ein erzählerisches perpetuum mobile. Da man aber von anderen Serien weiß, dass sich so etwas trotzdem früher oder später tot läuft, bin ich gespannt, was für Tricks Abrams & Co. für die kommenden Folgen und Staffeln noch auf Lager haben.

„Alias“ – Season 1: weitere Eindrücke

Nachdem ich vor kurzem bereits meine allerersten Eindrücke zu J.J. Abrams „Alias“ hier gepostet hatte, gibt es nun den zweiten Teil. Inzwischen habe ich 17 (von 22) Folgen der ersten Staffel gesehen und würde mich zwar noch nicht als Fan der Serie bezeichnen, bin aber durchaus gespannt, wo all die Handlungsfäden hinführen und wie es dann in der zweiten Season weitergeht.

Was mir an der Serie gut gefällt, ist der abwechslungsreiche Aufbau der einzelnen Episoden. Eigentlich laufen die meisten Folgen nach dem gleichen Schema ab – Sydney bekommt einen Auftrag und muss in Verkleidung in feindliches Territorium vordringen, um dann Informationen, Daten oder Gegenstände zu beschaffen – aber die Macher der Serie haben es geschafft, dieses meiste gleiche Schema durch sehr unterschiedliche Schauplätze und Nebenfiguren doch jedes Mal aufs Neue interessant zu gestalten. Jedes Mal ist man aufs neue gespannt, welcher Tarnung und Verkleidung Sydney sich bedienen wird, welche technischen Spielereien sie dieses Mal dabei hat und in welchen Teil der Erde es sie verschlägt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen wurde die gesamte Serie in und um Los Angeles gedreht, die Location Scouts dürften also viel Arbeit dabei gehabt haben, um Drehorte für ein Vatikan-Archiv, einen orientalischen Bazar und all die anderen Orte zu finden, an denen Sydney Aufräge ausführen muss. Allerdings findet ein Großteil der Überzeugungsarbeit im Kopf des Zuschauers statt: Jedes Mal, wenn Sydney irgendwo hinfliegt, wird der Name der entsprechenden Stadt eingeblendet und man sieht ein oder zwei Panoramaaufnahmen, um die Örtlichkeit zu etablieren. Sydneys Einsätz finden dann überwiegend in Innenräumen statt; das Budget einer solchen Serie erlaubt es natürlich nicht, für jede Folge in eine andere Ecke der Erde zu reisen, so dass für Außenaufnahmen, die in Brasilien, Russland oder Deutschland spielen, entsprechende Gebäude oder Landstriche im Raum Los Angeles gefunden werden mussten, die als Double herhalten mussten. Das funktioniert meist ganz gut, da das Tempo der Serie sowieso sehr hoch ist und Sydneys Auslandseinsätze oft nur ein paar Minuten Bildschirmzeit beanspruchen.

Die Aufgaben, die Sydney bei ihren Einsätzen zu erfüllen hat, wirken dabei manchmal wie Teile eines Videospiels. Sydney erhält beispielsweise den Auftrag, möglichst viele Seiten einer mittelalterlichen Schrift abzufotografieren oder muss an drei verschiedenen Stellen innerhalb eines Gebäudes Sprengstoff deaktivieren. Selten hat sich eine Fernsehserie so sehr für eine Videospielumsetzung geeignet wie „Alias“ (wahrscheinlich gab es dazu auch ein Spiel, ich kenne es aber jedenfalls nicht).

Sehr willkommene Überraschungen, die noch zusätzlich Abwechslung in die Serie gebracht haben, waren die Auftritte bekannter Gaststars, die bislang in der Staffel vorkamen: Quentin Tarantino mit einer coolen Rolle in einer Doppelfolge, Roger Moore als einer der Köpfe des organisierten Verbrechens, Terry O’Quinn (wobei der ja erst nach „Alias“ mit seiner Rolle als John Locke in „Lost“ bekannt wurde) und vielleicht noch ein paar andere, die ich übersehen habe, weil sie mir nicht bekannt waren. Es spricht wahrscheinlich sehr für die Serie, dass sie bereits in ihrer ersten Staffel Gaststars eines solchen Kalibers anlocken kann (oder für die Überzeugungskraft und die Kontakte von J.J. Abrams und der anderen Serien-Macher).

In meinem ersten Beitrag über „Alias“ habe ich geschrieben, dass das, was hier als Wahrheit gilt, im Laufe der Serie sicherlich noch mehrmals erweitert und neu definiert werden wird. Dazu passend stellt in Episode 1.15 Sydneys Vorgesetzter Arvin Sloane (Ron Rifkin) fest: „There are some truths that Sydney must never learn.“ Natürlich spricht er damit zugleich das Versprechen aus, dass diese Wahrheiten früher oder später trotzdem ans Licht kommen und Sydneys Leben verändern werden – und damit auch das Er-Leben der Serie durch die Zuschauer.

Auch wenn es sich bei „Alias“ um eine bereits seit mehreren Jahren abgeschlossene Serie handelt, möchte ich hier keine Spoiler verraten, deshalb werde ich nicht ausführlich auf die Handlung der ersten Staffel eingehen. Der Mystery-Handlungsbogen um einen italienischen Gelehrten aus dem 15. Jahrhundert wurde im Lauf der Staffel immer weiter getrieben, so dass nun noch mehr offene Fragen existieren, aber immer noch keine Antworten. Wie konnte dieser Rambaldi bereits vor Jahrhunderten so exakte Vorhersagen für die ferne Zukunft treffen? Und was genau haben diese Vorhersagen mit dem Leben der Serienfiguren zu tun? Wie dies alles zufriedenstellend erklärt werden soll, kann ich mir immer noch nicht vorstellen und ich habe meine Zweifel, ob es überhaupt vollständig aufgelöst und erklärt werden wird. Mit der inzwischen ins Spiel gebrachten Prophezeihung Rambaldis, die für die Handlung der Serie von großer Bedeutung ist, nimmt „Alias“ nun wirklich  „Lost“-ähnliche Züge an.
Ich persönlich würde diesen Handlungsstrang zu Ende bringen, indem ich spätestens nach zwei oder drei Staffeln einiges von Rambaldis eigener Hintergrundgeschichte klären würde. Dazu könnte man mehrere Folgen zu dessen Lebzeiten spielen lassen, um so seine Verbindungen zu unserer Gegenwart zu erklären. Vielleicht IST ja sogar einer der bereits bekannten Hauptcharaktere genau jener Rambaldi und wird all die Vorhersagen treffen, nachdem er in der Zeit zurück gereist ist…? Zugegeben, Zeitreisen scheinen noch nicht so ganz in das Konzept der Serie zu passen, aber wie sonst will man eine Jahrhunderte alte Prophezeihung und all die anderen Verbindungen Rambaldis zum Seriengeschehen erklären? Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn sich die Serie immer mehr in die Mystery-Richtung bewegt. Dieser Aspekt der Handlung interessiert mich eigentlich jetzt schon mehr als all die „normale“ Agentenarbeit und die angestrebte Zerschlagung der Verbrecherorganisation SD6.

Noch kurz zu Episode 1.17, der bislang letzten, die ich gesehen habe: Diese Folge bestand hauptsächlich darin, dass die augrund ihres Auftauchens in jener Prophezeihung in Verdacht geratenen Sydney ausführlich zu ihrerm Agentendasein befragt wurde. Im Kern bestand die Episode damit aus dem Zusammenfassen der vorherigen 16 Folgen und aus ziemlich vielen Rückblenden. Aber warum nur? Waren die Quoten zu diesem Zeitpunkt im Keller? Gab es Personen beim Fernsehsender, die Bedenken hatten, dass die Handlung für die Zuschauer zu komplex werden würde und die die Notwenidgkeit sahen, alles noch einmal zusammen zu fassen, um neue Zuschauer zu gewinnen? Die Episode (schlicht „Q & A“ betitelt) wirkte wie ein Lückenfüller, wenn auch am Ende eine neue Erkenntnis stand.
Allerdings wurde hier noch einmal verstärkt das Thema herausgearbeitet, das wohl eines der zentralen Themen der Serie (und im Werk von J.J. Abrams überhaupt) ist: Die Frage nach dem Schicksal – haben wir den Gang unseres Lebens selbst in der Hand oder folgt es einem bereits feststehenden Schema? In „Lost“ wurde die Bearbeitung dieser Frage fast bis zur Redundanz durchexerziert. Je mehr Folgen von „Alias“ ich sehe, um so mehr nimmt die Serie für mich die Gestalt eines typischen Abrams-Werkes an, zum einen wegen dieser Thematik, zum anderen durch die Mystery-Elemente.

Ich bin gespannt, wo all das noch hin führt.

„Alias“ – meine ersten Eindrücke nach sechs Episoden

Als ob es nicht genug tolle aktuelle Fernsehserien gäbe, bei denen ich nicht auf dem neuesten Stand bin oder die ich noch nicht einmal anzuschauen begonnen habe, habe ich nun auch noch eine schon etwas ältere Serie dazwischen geschoben: ALIAS (2001 – 2006)
Der Grund dafür, dass ich nun angefangen habe, noch eine weitere Serie anzuschauen, ist natürlich J.J. Abrams, der Mann hinter „Lost“, hinter dem fantastischen „Star Trek“-Reboot und (für mich nicht ganz unwichtig) auch der Regisseur von „Star Wars: Episode VII“. Nachdem „Lost“ eine meiner Lieblingsserien ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir mal eines von Abrams‘ anderen TV-Werken vorgenommen habe („Fringe“ bin ich bereits verfallen und warte nur noch auf den Blu-ray-Release der letzten Staffel; Abrams‘ Frühwerk „Felicity“ werde ich mir sicherlich auch irgendwann vornehmen).

Nun also zu „Alias“: Zunächst einmal muss ich betonen, dass ich bislang erst sechs Episoden gesehen habe und hier nur meine allerersten Eindrücke wiedergeben kann. Ich weiß zum Glück noch nichts über den weiteren Verlauf der Serie und kann sie vollkommen ungespoilert genießen. Da die Serie fünf Staffeln mit jeweils 22 (Staffeln 1-4) bzw. 17 (Staffel 5) Episoden umfasst, liegt der größte Teil des Vergnügens noch vor mir. Und ein Vergnügen ist sie bis jetzt durchaus, diese rasante Serie, die wie im Geschwindigkeitsrausch von einem Plotpoint zum nächsten rauscht und sich zwischendurch trotzdem die Zeit nimmt, die Charaktere und deren Beziehungen auszuarbeiten.

Jennifer Garner spielt in „Alias“ die Studentin Sydney Bristow, die – wie bislang zu Beginn jeder Folge aufs Neue erklärt wird – schon seit einigen Jahren als Geheimagentin arbeitet. Im Lauf der Pilotfolge muss sie erfahren, dass es sich bei der Organisation, für die sie tätig ist, keineswegs um eine Unterabteilung der CIA handelt, wie Sydneys Auftraggeber behaupten. Tatsächlich handelt es sich bei SD6, so der Name der Organisation, um eben jene Feinde, gegen die sie bisher immer glaubte zu kämpfen. Als Sydney ihrem Verlobten die Wahrheit über ihre Arbeit und ihre Identität als Agentin erzählt, wird dieser von SD6 ermordet. Sydney nimmt sich daraufhin erst einmal eine kurze Auszeit vom Agentendasein, kehrt aber bald als Doppelagentin zurück – von nun an arbeitet sie (zusätzlich zu ihrem Job bei SD6) tatsächlich für die CIA und soll bei der Bekämpfung von SD6 helfen. Noch ein wenig komplizierter für Sydney wird das Ganze dadurch, dass es noch einen weiteren Doppelagenten mit der gleichen Aufgabe gibt: ihren Vater, den sie kaum kennt und zu dem sie alles andere als ein herzliches Verhältnis hat. Ach, und selbstverständlich darf sie gegenüber keinem ihrer Freunde auch nur die leiseste Andeutung über ihr Agentendasein machen, was aber unter anderem dazu führt, dass ihr bester Freund Will (ein sehr junger und sehr blonder Bradley Cooper!) Nachforschungen über den Tod von Sydneys Verlobtem anstellt, die einen als Zuschauer ständig um Wills Leben bangen lassen. Schließlich wissen wir, was die Konsequenz wäre, sollte er Sydneys Geheimnis erfahren…

Einer meiner ersten Gedanken beim Anschauen der ersten Folge war die Parallele zu „Indiana Jones“. Genau wie Indy, der ja seiner eigenen Aussage zufolge ein Teilzeitprofessor ist, den Rest seiner Zeit aber um den Globus hetzt, um wertvolle Kunstgegenstände und ähnliches vor den Schergen des Bösen zu retten, ist auch Sydney zum einen eine strebsame Studentin mit Sorgen, Problemen, aber auch Beziehungen wie sie ganz normale Studenten haben. Zum anderen ist sie aber eben eine professionell ausgebildete Geheimagentin, die in aller Welt gefährliche und actionreiche Aufträge zu erledigen hat (während ihre Freunde glauben, sie arbeite für eine weltweit operierende Bank).
Gegen Ende der ersten Folge herrschte dann bei mir ein Gefühl von allgemeiner Ratlosigkeit vor, weil ich wenn ich ehrlich bin bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr völlig durchblickte vor lauter Verschwörungen und Doppel- und Dreifachagenten. Wer arbeitet hier eigentlich gegen wen? Und was soll das bitteschön für eine Organisation sein, die offensichtlich von amerikanischem Boden aus operiert, aber angeblich der Feind ist? Wessen Feind denn? Und warum? Und wodurch?? Die erste Folge stellt Sydneys gesamtes Leben auf den Kopf und wirbelt auch in dem des Zuschauers so einiges durcheinander. Inzwischen, nach sechs Folgen, weiß ich: man muss das alles gar nicht so genau verstehen (dazu weiter unten mehr). Diese Fragen gehören zu den großen Mysterien von „Alias“, die bestimmt noch eine ganze Weile Teil der Serie sein und nicht so schnell aufgelöst werden. Schließlich ist hier J.J. Abrams am Werk, der später auch im Pilotfilm von „Lost“ eine ganze Reihe von Fragen aufgeworfen hat, die zum Teil am Ende der Serie noch immer nicht völlig zufrienden stellend beantwortet waren.

Als Sydney in der zweiten Episode den Entschluss fasst, SD6 – also die Organisation, für die sie (inzwischen nur noch scheinbar) arbeitet, die aber zu „den Bösen“ gehört – zu zerstören, ist das auch nur der Beginn eines wohl mehrere Staffeln andauernden Erzählstranges. Mit eigentlich ganz einfachen Mitteln und nur wenigen Figuren hat J.J. Abrams (der die ersten beiden Episoden geschrieben hat) hier scheinbar unbegrenzte erzählerische Möglichkeiten geschaffen. Zu den zentralen Fragen der Serie gehört dabei die nach der Wahrheit – was ist die Wahrheit? Bislang dachte Sydney, sie arbeite für „die Guten“, für die CIA, für Amerika. Diese Wahrheit wurde gleich zu Beginn der Serie als Lüge entlarvt. Das führt direkt zur nächsten Frage: Wem kann man (also Sydney, aber auch der Zuschauer) hier trauen? Wer sagt die Wahrheit und wer nicht? Mich würde es ja nicht überraschen, wenn das, was als Wahrheit gilt, im weiteren Verlauf der Serie noch mehrmals neu definiert wird, ähnlich wie in der Pilotfolge. Sydney hat die Wahrheit, SD6 sei der Feind, ziemlich schnell und unkritisch akzeptiert – vielleicht stimmt das gar nicht? Vielleicht sind die Personen, die nun behaupten, sie repräsentierten die echte CIA, in Wahrheit die Feinde? Mit zunehmender Dauer werden in „Alias“ wohl immer neue Ebenen von Wahrheit erreicht werden. Das Infragestellen der Wahrheit sät hier ständige Zweifel, was zu den Grundelementen vieler Fernsehserien gehört.

In der dritten Folge kommt dann ein weiteres Mysterium ins Spiel, dass auch noch eine ganze Weile Teil der Handlung bleiben wird: SD6 ist einem Wissenschaftler aus dem 15. Jahrhundert auf der Spur, der damals schon in Binärcode geschrieben, anscheinend das Handy erfunden und viele weitere tolle Dinge getan und erfunden hat, die seiner Zeit um Jahrhunderte voraus waren. Ich bin mir noch nicht sicher, wie mir dieses Science-Fiction-Element der Serie gefällt; jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, wo das hinführen soll. Aliens? Zeitreisen? Ein Besuch bei Dan Brown? Willkommen in der Welt von J.J. Abrams, wo alles möglich ist, man muss die Ausgangssituation nur so vage formulieren, dass es in alle Richtungen und prinzipiell ewig weiter gehen kann (was keinesfalls heißt, dass es nicht spannend und unterhaltsam wird).

Eine weiterer zentraler Handlungsbogen von „Alias“ ist natürlich die Beziehung Sydneys zu ihrem Vater, der von Victor Garber gespielt wird (den viele wohl als den Konstrukteur der Titanic kennen werden; auch in „Argo“ hat er kürzlich eine Rolle gehabt). Genau wie die anderen offenen Fragen der Serie bietet auch diese Thematik Stoff für mehrere Staffeln: Die Vergangenheit ihres Vaters, seine genaue Rolle innerhalb der Organisation, die anfangs scheiternden Kontakt- und Annäherungsversuche. Auch in dieser Beziehung wird es wohl noch so einige schockierende Offenbarungen geben.

Ein Schema der Serie, das ich bereits jetzt sowohl sehr verwirrend, als auch sehr amüsant finde, ist die Rekordzeit, in der in jeder Folge die Mission Briefings erfolgen. Da Sydney zumindest bisher in jeder Episode einen bestimmten Auftrag zu erledigen hat, muss sie (und mit ihr der Zuschauer) diesen natürlich vorher von ihren Vorgesetzten erklärt bekommen – Einsatzort und -ziel, beteiligte Personen, technische Hilfsmittel usw. Ich habe oben schon geschrieben, dass mich all diese in Windeseile vorgtragene Exposition schon in der ersten Folge verwirrt hat. Inzwischen weiß ich: das ist nicht weiter schlimm, denn darum geht es in der Serie überhaupt nicht. Es ist vollkommen egal, ob man im Detail verstanden hat, wie und warum Sydney in einer Einzelfolge einen konkreten Auftrag auszuführen hat. Es geht nämlich um zwei andere Dinge: Zum einen soll man natürlich die Durchführung der Auträge selbst genießen – wie Sydney sich in Vekleidung irgendwo einschleicht, Sicherheitssysteme umgeht und ihr ganzes Wissen und Können sowie irgendwelche technischen Spielereien dazu einsetzt, um ihre Aufgabe zu erledigen.
Zum anderen erfüllen diese Aufträge eine ganz essentielle Funktion: sie treiben die Handlung voran. Am Ende eines Auftrags wissen wir mehr, als vorher. Genauer gesagt wissen wir eigentlich weniger, weil aus den gewonnenen Erkenntnissen sofort neue, offene Fragen folgen (hat da jemand „Lost“ gerufen?), die dann unmittelbar zum nächsten Einsatz führen. Das Ende des einen Einsatzes ist schon der Anfang des nächsten Auftrages für Sydney; die Antwort auf eine Frage stellt zugleich die nächste Frage dar. „Alias“ bietet damit ein TV-Serienprinzip in perfektionierter Form. Hier ist jede Folge darauf angelegt, zur nächsten überzuleiten, die Serie weiter gehen zu lassen (was nicht unbedingt gleichbedeutend damit sein muss, dass wirklich die Handlung vorangetrieben wird und Fragen zufrieden stellend beantwortet werden). Es geht der Serie zuallererst einmal darum, weiter zu gehen, fortgesetzt zu werden. Schließlich ist das das Prinzip der Serie. Ganz anders verfahren beispielsweise aktuell Serien wie „Mad Men“ und „Breaking Bad“, die sich manchmal fast quälend lange Zeit für die Ausarbeitung ihrer Figuren nehmen – quälend deswegen, weil man eben manchmal den Eindruck hat, dass da fast gar nichts passiert. „Alias“ ist da meinen ersten Eindrücken nach eher mit „24“ zu vergleichen: hier passiert so viel, dass es eigenlich auch schon wieder egal ist, was da passiert. Hauptsache es herrscht nie Stillstand. Und ähnlich wie bei „Lost“ scheint es bislang nicht um einen Abschluss der Geschichte zu gehen, sondern erst einmal nur darum, eine große Zahl an Fragen aufzuwerfen. Ob die dann zur Befriedigung der Zuschauer beantwortet werden, ist zu diesem Zeitpunkt unmöglich zu sagen. (Dass „Alias“ in den ersten sechs Folgen wesentlich mehr Fragen als Antworten in den Raum stellt, will ich keineswegs kritiseren. Schließlich handelt es sich hier erst um den Beginn einer großen Erzählung. Ich sehe allerdings die Gefahr, dass das Ganze aus dem Ruder laufen könnte und bin sehr gespannt, an welchem Punkt die Serie nach ein oder zwei Staffeln stehen wird.)

Ich finde es sehr interessant, dass die einzelnen Episoden oft mitten während eines von Sydneys Einsätzen beginnen, dann erst zum Mission Briefing für den nächsten Auftrag übergehen und schließlich mitten in diesem nächsten Aufrag mit einem Cliffhanger abbrechen. Es geht in einer Einzelfolge von „Alias“ also nicht darum, einen dieser Einsätz im Detail und von Anfang bis Ende zu erzählen. Und deshalb ist es auch nicht unbedingt notwenig, dass man als Zuschauer alle Details und Hintergründe dieser Einsätze im Kopf hat. Man weiß sowieso, dass nach diesem Einsatz ein weiterer folgen wird und dass dieser nächste nach einem ähnlichen Muster ablaufen wird. Hauptsache es geht immer weiter. Ich werde Sydney Bristows Agentenleben jedenfalls auch weiter verfolgen und vielleicht irgendwann erneut darüber bloggen.