Mehr als sieben Songs, Teil 9: Foy Vance – Billie Jean

Foy VanceZum zweiten Mal ist heute eine Coverversion in dieser Rubrik an der Reihe. Auf den aus Nordirland kommenden Singer-Songwriter Foy Vance wurde ich vor einer paar Jahren aufmerksam, als seine Musik an der Bar des Theater…und so fort in München lief. Seine teils nachdenklichen, teils kraftvollen, aber stets sehr emotionalen Stücke erinnerten mich an die Lieder von Damien Rice, der schon lange zu meinen Lieblingskünstlern gehört.

Auf seinen Konzerten scheint Foy Vance eine Weile Michael Jacksons „Billie Jean“ in der Setlist gehabt zu haben, und zwar bereits vor Jacksons Tod, denn der Song ist auch auf der 2005 veröffentlichten Live-EP „Live Sessions and the Birth of the Toilet Tour“ zu finden (siehe Spotify-Link ganz unten).

Vor zwei Jahren durfte ich Foy Vance bei einem grandiosen Konzert in München live erleben (dabei entstand auch das Foto). Leider hat er „Billie Jean“ damals nicht gesungen, ich finde seine Version von Jacksons Klassiker nämlich einfach großartig – nicht nur deswegen, weil es eben ein Michael Jackson-Song ist, sondern weil Vance das Lied auf die wohl einzig richtige Weise covert: er geht vollkommen anders an das Stück heran und macht eine langsame Akustikversion daraus. Die tragische Geschichte, die der Text beschreibt, wird so auf ganz besondere Weise unterstrichen. Auf YouTube findet man einige weitere Live-Versionen des Songs von Foy Vances Konzerten, wie zum Beispiel diese hier:

Falls Ihr nun auf den Geschmack gekommen seid und mehr von Foy Vance hören wollt, dann kann ich euch sein zweites Album „Joy of Nothing“ sowie das im letzten Jahr erschienene Live-Album „Live at Bangor Abbey“ empfehlen. Beide sind auch auf Spotify verfügbar.

„The Band Wagon“ / „Vorhang auf!“ – Inspirationsquelle für Michael Jackson

Gerade eben habe ich Vincente Minellis Film „The Band Wagon“ („Vorhang auf!) gesehen. Als großer Michael Jackson-Fan habe ich mir den Film vor allem deswegen ausgeliehen, weil Willa Stillwater in ihrem wirklich sehr, sehr empfehlenswerten Buch „M Poetica: Michael Jackson’s Art of Connection and Defiance“ auf die inhaltlichen wie themtischen Parallelen zwischen dem Film und Michael Jacksons Kurzfilmen eingeht (so weit ich weiß, ist das Buch bislang leider nur als ebook für den Kindle erhältlich). Über das Buch werde ich irgendwann auch mal ausführlicher bloggen müssen, aber erst einmal muss ich es zu Ende lesen… Willa Stillwater betreibt zusammen mit Joie Collins übrigens den Blog „Dancing with the Elephant„, wo die beiden regelmäßig ausführliche Diskussionen über Michael Jacksons Videos, Auftritte und andere Aspekte seines Lebens und Schaffens posten. Genau wie das Buch kann ich dieses Blog allen Jackson-Fans, die der englischen Sprache mächtig sind und sich intensiv mit Jacksons Werk und dessen Interpretation auseinander setzen wollen, sehr empfehlen!

Aber zurück zu „The Band Wagon“: Der Film stammt aus dem Jahr 1953 und Regisseur Vincente Minelli war der Vater von Liza Minelli, die ja mit Michael Jackson sehr gut befreundet war. Ich habe mir den Film wie gesagt angesehen, weil ich wissen wollte, durch welche seiner Elemente sich Michael Jackson für seine Videos und Auftritte hat inspirieren lassen. In „M Poetica“ geht Stillwater vor allem auf thematische Elemente ein, die im Film vorkommen und sich auch in Jacksons Lebenswerk und seiner Philosophie als Künstler finden lassen. Aber davon abgesehen gibt es natürlich auch ganz offensichtliche Einflüsse, die sofort deutlich werden, wenn man mit Jacksons Kurzfilmen und Performances vertraut ist und sich die 12minütige „Girl Hunt“-Schlusssequenz des Films anschaut, die ich zum Glück in voller Länge auf YouTube gefunden habe:

Dass Michael Jackson ein großer Fan alter Filmmusicals und ein Verehrer Fred Astaires war, wusste ich ja schon lange. Aber „The Band Wagon“ muss ja geradezu einer seiner Lieblingsfilme gewesen sein! Hier erkennt man eindeutige Vorlagen für die Videos zu „Billie Jean“, „Smooth Criminal“, „You Rock My World“ und auch zu „Bad“ (der Hintergrund mit der U-Bahn-Station). Außerdem muss man als Jackson-Fan natürlich auch an die „Dangerous“-Performance denken und Erinnerungen an den „Moonwalker“-Film werden ebenfalls wach (schließlich kommt auch dort ein Mr. Big als Bösewicht vor). Die Zeilen „She came at me in sections … she was bad, she was dangerous“ hat Jackson zudem fast eins zu eins in „Dangerous“ übernommen.

Ich werde mir diese Sequenz (und den ganzen Film) noch einmal anschauen müssen und dabei weiter auf Elemente achten, die Michael Jackson inspiriert haben oder die er vielleicht auch ganz direkt in einen seiner Kurzfilme übernommen hat. Es ist doch immer wieder interessant zu erfahren, dass auch Meisterwerke wie „Smooth Criminal“ nicht einfach aus dem Nichts entstanden sind, sondern gewissermaßen „Vorfahren“ haben.

Hier zum Vergleich ein paar der erwähnten Jackson-Videos/Performances: