Das 36. Filmfest München 2018

Ein Hinweis in eigener Sache:

Über das Filmfest München schreibe ich dieses Jahr nicht hier auf dem Blog. Stattdessen könnt ihr mein Festivaltagebuch auf Filmszene.de lesen. Am besten speichert ihr euch den Link, weil ich das Tagebuch im Verlauf der nächsten Tage noch ein paar mal um neue Einträge erweitern werde.
Auf Twitter werde ich euch jedes Mal sofort informieren, wenn das Festivaltagebuch aktualisiert worden ist.

Viel Spaß beim Lesen!

Big Little Lies

Fernsehen ist das neue Kino. So oder ähnlich wissen wir das ja schon lange. Während im Kino sich seit Jahren die immer gleichen Superhelden in den immer gleichen Comic-Filmen die Köpfe einschlagen, bringen uns HBO, Netflix, Showtime, Amazon usw. Jahr für Jahr neue, aufregende Serien und Mehrteiler. So auch „Big Little Lies“, eine siebenteilige Mini-Serie, die auf dem gleichnamigen Roman von Liane Moriarty basiert und von David E. Kelley fürs Fernsehen adaptiert wurde, dem wir schon Serien-Hits wie „Picket Fences“, „Ally McBeal“ oder „Boston Legal“ verdanken. Regie hat bei allen Episoden Jean-Marc Vallée geführt, der bisher vor allem für von Kritikern und Preisverleihungen gelobtes Kino wie „The Young Victoria“, „Dallas Buyers Club“ oder „Wild“ zuständig war. „Big Little Lies“ wurde mit Emmys und Golden Globes überhäuft und obwohl die Serie als einmaliges Event geplant gewesen war, wird momentan doch eine zweite Staffel gedreht, in der nun sogar Meryl Streep mitspielt.

Dabei mangelt es schon der ersten Staffel wahrlich nicht an Hollywood-Stars. Die drei Hauptrollen spielen nämlich Nicole Kidman, Reese Witherspoon und Shailene Woodley (letztere kennt man vom Kino her vor allem aus der „Divergent“-Trilogie, aus „The Descendants“ oder „Snowden“). Noch namhafter hätte man die Serie wohl nur besetzen können, wenn man Jennifer Lawrence statt Shailene Woodley gecastet hätte. 😉 Diese drei Schauspielerinnen spielen jedenfalls trotz ihres unterschiedlichen Alters (sie sind 1967, 1976 und 1991 geboren ) alle Mütter von Erstklässlern. Die Serie spielt in der kalifornischen Küstenstadt Monterey, wo es sich nicht nur wegen der Nähe zum Meer gut leben lässt, sondern auch weil die dortige öffentliche Grundschule quasi die Ausbildung und den Luxus einer Privatschule, aber eben zum Preis einer öffentlichen Schule bietet – so jedenfalls formuliert es eine der Figuren zu Beginn der Serie. (Das Alter der Schauspielerinnen habe ich übrigens nur erwähnt, weil mir bis zum Ende der Serie nicht bei allen Figuren klar war, wie alt sie eigentlich sein sollen. Wie alt die von Nicole Kidman, Reese Witherspoon oder Laura Dern gespielten Figuren sind, wird nicht ganz klar.)

„Big Little Lies“ ist so etwas wie die Luxusvariante von „Reich und schön“: im Grunde handelt es sich hier um nichts weiter als eine Soap Opera, in der die Figuren manipulieren, intrigieren, lieben, eifersüchtig sind, unter gewalttätigen Partnern leiden und alles tun würden, um ihre Kinder zu verteidigen. Mich hat die Serie ein wenig an „Desperate Housewives“ erinnert (womit ich mich damals für meine Diplomarbeit ausführlich beschäftigt habe), nur dass hier die Zahl der Konflikte noch mal hochgefahren worden ist – „Desperate Housewives“ auf Speed also. Einer dieser Konflikte, der sich durch alle Episoden zieht, beginnt gleich in der ersten Folge, als am Tag vor dem ersten Schultag (dem „orientation day“ an der Grundschule) die Tochter von Renata Klein (Laura Dern) von einem Jungen gewürgt wird. Niemand hat den Vorfall beobachtet, aber das Mädchen beschuldigt Ziggy, den Sohn der neu in die Stadt gezogenen allein erziehenden Mutter Jane (Woodley). Für die Kinder ist das alles wohl halb so wild, aber die Mütter verbringen den Rest der Staffel damit, ihre Kinder zu verdächtigen, übereinander herzuziehen und werden sogar handgreiflich. Derlei Konflikte gibt es mehrere und natürlich sind sie, wie es sich für eine ordentliche Soap Opera gehört, häufig mit Geheimnissen verbunden. Es gibt immer irgendetwas, das zumindest ein Teil der Charaktre oder aber der Zuschauer nicht weiß. Daraus entstehen Fragen, die Spannung erzeugen: Wer ist Ziggys Vater? Wann wird Celeste (Kidman) endlich ihren gewalttätigen Mann verlassen oder auch nur ihren Freundinnen von ihrem Leid berichten? Wann und wie wird die Affäre, die Madeline (Witherspoon) vor einem Jahr hatte, ans Licht kommen?

Klassischer Soap-Stoff also, der hier aber durch die durchweg guten bis großartigen Schauspielleistungen aufgewertet wird. Zudem ist die Serie extrem hübsch anzusehen, was an den idyllischen Drehorten liegt und auch daran, dass hier fast alle Figuren in villenartigen Häusern leben, in denen schon mal ein ganzes Zimmer als Kleiderschrank dient. Tatsächlich gab es in einer der ersten Folgen eine Szene mit Madeline und ihrer Tochter, bei der ich zunächst annahm, die beiden hielten sich gerade in einem Designer-Einrichtungsgeschäft auf. Kurz darauf realisierte ich dann, dass sie in der Küche ihres eigenen Hauses standen! 😀
Teilweise kam mir die Serie mit der hohen Dichte an Konflikten und Intrigen und den ständigen Bildern hübscher Menschen in teuren Häusern schon wie eine Parodie auf Soap Operas vor.

In „Big Little Lies“ gehen die Figuren immer gleich vom Schlimmsten aus und halten andere stets für schlecht und böse – das war jedenfalls mein Eindruck. Und es gehört natürlich zum dramatischen Erzählen (ganz besonders in Soap Operas) dazu, denn auf diese Weise lassen sich leicht neue Konflikte schaffen und dann das Meiste aus ihnen rausholen. Die drei Hauptfiguren sind zwar gute Freundinnen, bilden auf diese Weise aber lediglich einen Gegenpol zu all den „bösartigen“ Beziehungen und sind Identifikationsfiguren für den Zuschauer. Intrigant und manipulativ sind allerdings auch sie. Jede Figur ist hier darauf bedacht, das Bild eines nach außen hin perfekt erscheinenden Lebens aufrecht zu erhalten. Oftmals ist dieses Leben in Wahrheit aber längst in die Brüche gegangen oder – um fairerweise mal nicht zu übertreiben – die Charaktere haben zumindest Probleme und Schicksalsschläge, mit denen sie fertig werden müssen.

Noch gar nicht erwähnt habe ich den eigentlichen Aufhänger der Serie: Schon von Beginn an wird klar gemacht, dass ein Mord geschehen wird. Man weiß allerdings noch nicht, wer das Opfer sein wird. In kurzen Ausschnitten aus vorweg genommenen Zeugenbefragungen geben die Stadtbewohner kurze Statements von sich, in denen sie über ihre Mitmenschen herziehen. Das erzeugt zwar am Anfang Spannung, weil man eben noch nicht weiß, um welches konkrete Verbrechen es geht (das ja zum Zeitpunkt der Haupthandlung noch nicht passiert ist), auf Dauer wirken diese Szenen aber etwas überflüssig. Als das Geheimnis um dieses Verbrechen am Ende schließlich aufgelöst wurde, habe ich mich erneut an „Desperate Housewives“ erinnert gefühlt. Dort diente ein ganz ähnliches Verbrechen nämlich mal als zentrales, handlungstreibendes Geheimnis für eine ganze Staffel.

Im Lauf der sieben Folgen hat mir die Serie nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser gefallen. Gerade die letze Folge hat mich mit ihrer langen Partyszene beeindruckt; diese ist nämlich sehr gut geschrieben und geschnitten – man weiß stets, welche der vielen Figuren sich wo aufhält, wer schon auf der Party angekommen ist und wer nicht usw. Übrigens spielen in der Serie auch Männer mit, auch wenn ich bis jetzt noch keinen von ihnen erwähnt habe. Die Hauptrollen gehören hier ganz klar den Frauen. Ich habe mich spaßeshalber sogar mal gefragt, ob „Big Little Lies“ überhaupt so etwas wie einen „umgekehrten Bechdel-Test“ bestehen würde. Gibt es hier also eine Szene, in der sich zwei Männer über etwas anderes als Frauen unterhalten? Ich bin mir ehrlich nicht sicher, aber es ist auch nicht wichtig. Die meisten Szenen gehören den  Darstellerinnen und die Männer sind vor allem dazu da, die Handlungsstränge der weiblichen Figuren voranzutreiben. Vor Alexander Skarsgård („True Blood“, „Die Legende von Tarzan“) habe ich mich in den späteren Folgen aber tatsächlich gefürchtet, so realistisch spielt er den einerseits scheinbar liebevollen und fürsorglichen, andererseits cholerischen und gewalttätigen Ehemann.

Insgesamt gibt es also einen Daumen hoch von mir für „Big Little Lies“. Ja, es ist irgendwie Edel-Trash und von der Handlung her eine Soap Opera, aber eben eine auf sehr hohem Niveau. Dialoge, Schauspielleistungen und Produktionsaufwand gehen weit über das hinaus, was man an Soap-Kost im Vorabendprogramm zu sehen bekommt. Ich freue mich schon auf die zweite Staffel!

Star Wars: The Last Jedi – Der Film & der Soundtrack

Es ist wieder Dezember und das bedeutet seit 2015: es kommt ein neuer „Star Wars“-Film ins Kino (nur 2018 wird mit dieser Regel brechen, denn „Solo – A Star Wars Story“ startet bereits im Mai). Ich habe den Film am Starttag zweimal gesehen und wollte ihn eigentlich noch ein drittes Mal anschauen, bevor ich darüber blogge. „The Force Awakens“ und „Rogue One“ habe ich jeweils kurz nach dem Kinostart besprochen, aber „The Last Jedi“ ist ein Film, den man mehrmals sehen muss, um sich eine feste Meinung dazu bilden zu können. Zu meinem dritten Kinobesuch bin ich noch nicht gekommen, den Blogpost über den Film – und das Soundtrack-Album! – wollte ich aber auf jeden Fall noch 2017 fertig stellen. Der Form halber weise ich an dieser Stelle darauf hin dass der folgende Text massive Spoiler zum Film beinhaltet!

Rey und Luke auf Ahch-ToNachdem zum ersten Mal vor mir der Abspann der achten „Star Wars“-Episode über die Leinwand lief, war ich verwirrt und alles andere als begeistert. Mir hatte der Film nicht gefallen und inzwischen weiß ich auch, warum. Regiesseur und Drehbuchautor Rian Johnson, der bei der Gestaltung seiner Fortsetzung der von J.J. Abrams in Episode VII begonnenen Geschichte völlig freie Hand hatte, widersetzt sich hier nämlich zahlreichen Erwartungen und liefert einen Film ab, der einem wenig bis nichts von dem vorsetzt, das man bei einem „Star Wars“-Film sehen will. Dafür liefert er ab sehr viel ab, das nötig war, um die „Star Wars“-Saga im Kino auch weiterehin frisch und relevant zu halten. Spätestens nach meinem zweiten Kinobesuch war mir klar, dass zahreiche Handlungselemente des Films zwar unterwartet, irritierend und für viele vielleicht sogar entäuschend erscheinen mögen, aber Johnson so doch einen viel besseren Film abgeliefert hat, als wenn er den Fans einfach das gegeben hätte, was sie erwartet hatten.

Das geht natürlich bei Luke Skywalker (Mark Hamill) los. In den Büchern und Comics des alten erweiterten Universums blieb Luke nach dem Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ der strahlende und erfolgreiche Held, zu dem er im Lauf von drei Filmen geworden war. Er gründete den Jedi-Orden neu, bildete eine neue Generation von Jedis aus und stellte sich so manchem übermächtig erscheinenden Gegner, den er nicht selten in einem epischen Lichtschwertduell besiegte. Inzwischen ist mir klar, dass auch ich mir für Episode VIII einen solchen Luke Skywalker gewünscht hatte. Zwar haben schon „The Force Awakens“ und der erste Teaser zu „The Last Jedi“ klar gemacht, dass wir es hier mit einem anderen Luke zu tun bekommen werden. Doch insgeheim habe ich mir wohl gewünscht, der einsiedlerische, zweifelnde und abweisende Luke würd im Lauf des Films seine Insel verlassen und Kylo Ren für einen mindestens 20-minütigen epischen Lichtschwertkampf gegenübertreten. Ich sehe aber  – genau wie Mark Hamill – inzwischen ein, dass der Film tatsächlich eine viel interessantere Geschichte erzählt und alles andere wohl nur eine Wiederholung dessen gewesen wäre, was wir im Verlauf der letzten sieben Filme schon erlebt haben.

Meine Enttäuschung nach dem Film bezog sich auch darauf, dass wir in meinen Augen weder einen „richtigen“ Lichtschwertkampf noch eine wirklich interessante Actionsequenz zu sehen bekommen. Auch hier habe ich meine Meinung aber inzwischen geändert. Zwar gibt es tatsächlich nicht das klassische Duell eines (oder mehrerer) Jedi gegen einen dunklen Machtnutzer. Stattdessen serviert uns Rian Johnson aber den brillanten Kampf Reys und Kylo Rens gegen Snokes Wachen, der auch optisch eine Augenweide ist. Und was sonstige Actionsequenzen betrifft, so findet sich die „traditionellste“ von ihnen gleich zu Beginn des Films, als Poe Dameron fast im Alleingang einen Dreadnaught ausschaltet. Roses und Finns Ritt auf den Fathiers durch Canto Walker (aber nicht Johnny)Bight hat mich nicht gerade umgehauen und die sogenannte Schlacht von Crait ist zu Ende, bevor sie richtig beginnt. Aber auch dabei gilt: hätte Johnson nur die Schlacht von Hoth größer und bombastischer wiederholt, dann wären zwar die Kinogänger vorrübergehend geflasht gewesen. Tatsächlich ging es ihm aber wohl nicht um bombastische Action, sondern um Charaktermomente, was der Auftritt von Luke Skywalker am Ende des Films gut verdeutlicht. Die kurze Belagerung des Widerstandes in der alten Rebellenbasis durch die Erste Ordnung endet nicht mit einem großen Kampf, sondern damit, dass Luke seiner Schwester und ihren Mitstreitern Zeit für die Flucht verschafft. Und das eben auch nicht in einem großen Lichtschwertduell, sondern in einer Weise, die man nicht hat kommen sehen.

Der schwächste Handlungsstrang des Films ist sicherlich der um Finn und Rose, die auf Canto Bight nach dem „Master Codebreaker“ suchen. Allerdings gefällt mir dieser „Monte Carlo-Planet“ sehr gut und die sozialen Unterschiede, auf die der Film damit aufmerksam macht, stellen nicht nur höchst aktuelle Bezüge zur Realität her, sondern wurden im „Star Wars“-Universum bislang auch wenig beleuchtet. Die Einführung der Sklavenkinder und insbesondere die letzte Szene des Films finde ich hochinteressant. Zum einen, weil wir damit am Ende von Episode VIII wieder dort sind, womit in Episode I das ganze Schlamassel angefangen hat: bei einem machtbegabten Sklavenjungen, der von den Sternen träumt. Zum anderen, weil sie so viel Stoff für eigene Gedanken und Spekulationen bietet. Zunächst dachte ich, Johnson (und Lucasfilm) wollen uns mit dieser Szene einen Ausblick auf zukünftige Filme geben. Wird es darin um eines der Kinder auf Canto Bight gehen? Inzwischen glaube ich das nicht mehr so sehr. Viel mehr soll diese Szene wohl die Bedeutung des Mythos von Luke Skywalker unterstreichen. War dieser schon zuvor galaxisweit für seine Heldentaten bekannt, so ist er mit seiner überraschenden Rückkehr und seinem Heldentod endgültig zur Legende geworden – und zur Inspiration für unzählige Wesen in der ganzen Galaxis.

Amilyn Holdo (Laura Dern)

Von den neuen Figuren hat mir Admiral Holdo (Laura Dern) mit Abstand am besten gefallen. Beim ersten Kinobesuch habe ich diese Figur richtig gehasst, bis schließlich klar wurde, dass sie sehr wohl die ganze Zeit über einen festen Plan hatte, um dem Widerstand zur Flucht zu verhelfen. Schauspielerisch hat mich Adam Driver sehr beeindruckt, während ich Mark Hamill zwar gut fand, aber wohl nicht so überagend wie viele andere Zuschauer. Die Szenen mit Carrie Fisher waren natürlich auch für mich besonders emotional. Ihren „Weltraumspaziergang“ fand ich einfach nur großartig. Es ist wunderbar, dass wir nun endlich auch Leia einmal die Macht nutzen haben sehen, und noch dazu in einer Szene in der es um Leben und Tod ging und auf eine Art und Weise, wie wir es zumindest in den Filmen noch nie gesehen haben. (In „Star Wars Rebels“ hat Kanan ja einen ähnlichen Trick vollführt.) Kurzzeitig irritiert war ich am Ende des Films über Finns Schicksal. Meiner Meinung nach ist seine Charakterentwicklung nun nach zwei Filmen abgeschlossen und ich war ein paar Sekunden lang überzeugt, dass er sterben würde. Seine Rettung durch Rose empfand ich als unpassend, sehe aber ein, dass sein Tod zusammen mit dem von Luke Skywalker dramaturgisch wohl etwas zuviel gewesen wäre.

Zum Schluss will ich noch einmal kurz auf die Erwartungen zurückkommen, die Rian Johnson hier alle unterlaufen hat: Finn liegt im Koma? Nein, er läuft dank Bacta-Behandlung bereits zu Beginn des Films wieder putzmunter herum. Snoke ist ein mysteriöser Oberbefehlshaber, über dessen Herkunft und Ziele wir noch mehr erfahren werden? Nun, zumindest in den Filmen dürfte davon kaum noch etwas vorkommen, schließlich ist Snoke nun mausetot. Selbst der nach Episode VII fast schon erwartete Wechsel Kylo Rens zur hellen Seite bleibt aus, stattdessen wird er zum neuen Obersten Anführer der Ersten Ordnung. Und unter Reys Vorfahren finden sich wohl weder Luke, Leia oder Han noch Obi-Wan Kenobi. Ich finde, Rian Johnson hat bei „The Last Jedi“ sehr vieles richtig gemacht und bei der Ausarbeitung seiner Geschichte Mut und Können bewiesen. Ich kann nur hoffen, dass J.J. Abrams und seinem Co-Autoren dies auch bei Episode IX gelingt und sie die Trilogie gleichzeitig zu einem würdigen Abschluss bringen werden.

Die Filmmusik von John Williams

Der Start einer neuen „Star Wars“-Episode bedeutet auch immer, dass wir einen brandneuen, von John Williams komponierten Soundtrack bekommen. Die CD mit der Filmmusik ist für mich stets das begehrteste Stück Merchandise; das Album mit der Musik zu „The Last Jedi“ ist seit 15.12.2017 als CD, Download und Stream erhältlich. Da ich dieses Mal freundlicherweise ein Rezensionsexemplar davon zur Verfügung gestellt bekommen habe will ich das Album hier kurz besprechen. Ich habe es inzwischen mehrmals angehört, wobei mir vor allem eines aufgefallen ist: Die Musik zu „The Last Jedi“ bietet so wenig neu komponierte Themen und Motive, wie das bisher bei keiner anderen „Star Wars“-Fortsetzung der Fall war. Das mag zunächst enttäuschen, lässt sich aber in gewisser Weise vielleicht auch gar nicht vermeiden. Schließlich hat John Williams über sieben Filme einen Fundus an Melodien aufgebaut, die mit verschiedenen Charakteren, Orten, Situationen und Gruppierungen verbunden sind und auf die er nun zurückgreifen kann. Natürlich wird Prinzession Leias Thema gespielt, wenn diese zu sehen ist! Und natürlich hören wir im Verlauf des Films immer wieder das berühmte „Force Theme“, insbesonder während der Sezenen, in denen Luke die junge Rey unterrichtet.

Star Wars: The Last Jedi (Soundtrack Album)

Zum Großteil besteht das Soundtrack-Album also aus Wiederholungen und Variationen bekannter Themen und Motive. Dazu gehören auch solche, die in Episode VII neu eingeführt worden waren, allen voran „Reys Theme“,  der „March of the Resitance“ und die beiden kurzen Motive für Kylo Ren bzw. die Erste Ordnung. Poes Thema ist zumindest auf dem Album leider kaum vertreten und das actiongeladene Thema, das wir im Verlauf von Episode VII mit Finn assoziiert haben, glänzt mit vollkommener Abwesenheit. Für alle bekannten Themen, die Williams erneut aufgreift, gilt jedoch, dass sie immer wieder variiert und zum Teil auch miteinander verwoben werden. So entdeckt man auch an altbekannten Melodien hier noch neue Seiten.

Das Album stellt zwei wichtige neue Themen vor, nämlich eines für Rose und eines das man als „Last Jedi“-Thema oder als Thema für den gealterten Luke Skywalker bezeichnen könnte. Ich muss zugeben, dass sie mir beide noch nicht im Gedächtnis hängen geblieben sind. Leider findet sich auf dem Album dieses Mal auch nur ein einziges Konzertarrangement der neuen Themen („The Rebellion is Reborn“). Dieses beinhaltet die beiden eben angesprochenen Themen. Dies sind zwar nicht die einzigen neuen Themen, die John Williams für den Film komponiert hat, aber die einzigen beiden, die sich an prominenter Stelle auf dem Soundtrack finden lassen. (Das für Admiral Holdo geschriebene Thema findet sich auf dem Album anscheinend nur kurz im letzten Track der während des Abspanns läuft.)

Neben dem bereits erwähnten „The Rebellion Is Reborn“ finden sich noch einige andere Höhepunkte auf dem Album. „Ahch-To Island“ untermalt Reys Interaktionen mit Luke zu Beginn des Films und nutzt dazu sowohl das vom Ende von „The Force Awakens“ bekannte „Jedi Steps“-Thema als auch „Reys Theme“, das „Force Theme“ und das neue „Last Jedi“-Thema. „Canto Bight“ geht nach einem majestätische Beginn zu einem Stück „Source Music“ über, die im Casino auf Canto Bight zu hören ist und stark an die „Cantina Band“ des ersten Films erinnert (anscheinend hat John Williams hier übrigens bereits für andere Filme komponierte Musik erneut verwendet und neu instrumentiert). Das verspielte „The Fathiers“ untermalt Finns und Roses Ritt auf den gleichnamigen Reittieren und erinnert an Williams‘ Soundtrack zu Spielbergs „Tintin“. In „The Spark“ kehrt zusammen mit Luke Skywalker auch ein lange nicht gehörtes Thema zurück, nämlich das bisher nur aus Episode VI bekannte „Luke & Leia“-Thema. Es wird wohl einer der Gründe dafür gewesen sein, warum der Kinobesucher im Sessel neben mir beim Zusammentreffen von Luke und Leia hörbar schluchzen musste. Etwas befremdlich mutetet dieses Mal das für den Abspann zusammen gestellte „Finale“ an. In den bisherigen Filmen hat John Williams die End Credits jedes Mal dazu genutzt, um einige der neuen Themen in all ihrer Breite zu präsentieren. Dieses Mal wirkt das entsprechende Stück allerdings wie ein nachträglich im Studio zusammenkopiertes Medley aus zahlreichen „Star Wars“-Melodien. Darunter befinden sich zwar einige der neuen Themen, aber auch die Themen von Rey und dem Widerstand sind hier erneut anzutreffen, ebenso wie Yodas Thema. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen, denn keinem der einzelnen Themen wird hier genug Raum geschenkt und es wäre wirklich schön gewesen, wenn man hier noch einmal nur die neuen Themen hätte kennen lernen können.

Insgesamt ging es mir mit dem Soundtrack-Album ein wenig wie mit dem Film selbst: Ich war zunächst enttäuscht davon, konnte mich aber inzwischen damit anfreunden. Die von Williams verwendete Leitmotiv-Technik bringt es nun einmal mit sich, dass er auf bereits etabliertes Material zurückgreifen muss, von dem es inzwischen eine ganze Menge gibt. Immerhin wird dieses aber oft in einer neuen, frischen Weise präsentiert und gerade die schnelleren, actiongeladeneren Stücke verdeutlichen wieder einmal Williams‘ meisterhaften Umgang mit der Leitmotivtechnik. Trotzdem hätte ich mir auf dem Album mehr neue Themen gewünscht. Ich hoffe, dass Lucasfilm auch dieses Mal online eine „For Your Consideration“-Version des Soundtracks ins Internet stellt, die zum Teil aus noch nicht veröffentlichten Stücken besteht und vor allem die neuen Stücke in den Vordergrund stellt.

© 2017 & TM Lucasfilm Ltd.