Neues und Altes von Paul McCartney

Als großer Fan von Paul McCartney freue ich mich natürlich schon auf sein neues Studioalbum, das am 11. Oktober erscheint. „Macca“ war dafür mit vier verschiedenen Produzenten im Studio, die auch jeweils ein paar Songs auf dem Album unterbringen konnten: Mark Ronson (u.a. Amy Winehouse, Adele, Bruno Mars), Ethan Jones, Paul Epworth (Adele, John Legend,…) und Giles Martin (Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin). Die erste Single (Produktion: Mark Ronson), die wie das Album schlicht und einfach „New“ heißt, macht schon mal Lust auf mehr und die Wartezeit bis zum Erscheinungstag des Albums kann man sich zum Beispiel verkürzen, indem man sich die aktuellen Auftritte McCartneys und seiner Band anschaut.

Am 21. September war McCartney beim iHeart Music Festival in Las Vegas zu Gast, wo er insgesamt acht Songs spielte, darunter drei Lieder aus dem neuen Album, die hier ihre Live-Premiere erlebten. Ich muss sagen, dass mir der Album-Opener „Save Us“ und „Everybody Out There“ (mit extra von Macca hineinkomponiertem Singalong-Part fürs Stadionpublikum) noch besser gefallen als „New“. Die beiden Songs klingen unerwartet frisch und energiegeladen, da scheinen die Produzenten einen guten Einfluss gehabt zu haben.

Neben den drei neuen Songs gab McCartney in Las Vegas noch zwei Beatles-Lieder und seine erste Solo-Single nach der Trennung der Beatles, „Another Day“, zum Besten. Anschließend beendete er den Auftritt mit einer wie immer spektakulären Performance des Wings-Klassikers „Live and Let Die“, bei der die Pyrotechnik so viel Rauch verursachte, dass Macca und seine Band zwischendurch kaum noch zu erkennen waren (die komplette Setlist des Auftritts gibt es hier).

Stimmlich scheint Paul McCartney inzwischen wieder deutlich besser in Form zu sein als im letzten Jahr, wo er „Hey Jude“ bei der Olympia-Eröffnungsfeier ja mehr krächzte als sang (von den schlimmen Live-Aufnahmen seiner Swing-Songs in den Capitol Studios will ich gar nicht erst anfangen). Trotzdem hört man ihm seine mittlerweile 71 Jahre natürlich an, gleichzeitig merkt man aber auch, wie viel Freude ihm das Singen, Spielen und Auftreten vor Publikum aber immer noch machen. Ich persönlich finde es zwar schade, dass er seine Band nicht um ein paar Bläser und Streicher erweitert, sondern diese Instrumente bei jedem McCartney-Konzert aus dem Keyboard kommen. Aber er hält seine Band eben lieber klein, wie er selbst gesagt hat und mittlerweile spielen sie in dieser Formation ja auch schon seit etwa zwölf Jahren zusammen (länger als die Beatles Bestand hatten!) und sind ein perfekt eingespieltes Team.

Drei Tage nach dem Auftritt in Las Vegas gab Macca ein einstündiges Konzert in den Straßen von Hollywood, das anscheinend exklusiv auf MySpace übertragen wurde (ich wusste gar nicht, dass es das noch gibt…); zwei Songs wurden zudem bei Jimmy Kimmel im Fernsehen gezeigt. Die Setlist zum Auftritt gibt’s hier zu lesen und das hier ist der Auftritt in voller Länge (ich weiß allerdings nicht, wie lange er noch auf YouTube zu sehen sein wird, denn wie gesagt sollte das Konzert „MySpace-exklusiv“ sein; ach ja: die anfänglichen Tonprobleme dauern nur ein paar Sekunden):

McCartney und seine Band touren seit 2002 fast ständig um die Welt. Auch dieses Jahr startete wieder eine neue Tour mit dem Namen „Out There! Tour“. Bis jetzt gab es vor allem Termine in den USA und Südamerika, nur drei Europakonzerte spielte McCartney im Juni (Warschau, Verona und Wien). Im November geht es für fünf Konzerte nach Japan (das gönne ich den Japanern, denn dort hat McCartney seit elf Jahren kein Konzert gegeben). Ich hoffe natürlich dass er spätestens im nächsten Jahr wieder in Deutschland zu Gast sein wird, denn ich würde ihn wirklich gerne noch einmal live sehen (zuletzt habe ich ihn vor knapp vier Jahren in Berlin gesehen).

Und da ich oben schon davon geschrieben habe, dass ich „echte“ Bläser usw. auf McCartney-Konzerten vermisse, gibt’s hier noch den Trailer zum 1976er Konzertfilm „Rockshow“, der vor kurzem auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Wenn Macca doch auch heute nur Songs wie „Live and Let Die“, „Jet“ oder auch „Got to Get You Into My Life“ mit so einer großen Band spielen würde… Der Film fängt die Live-Atmosphäre und den Spaß, den Paul mit seinen „Wings“ damals hatte, jedenfalls sehr schön ein (ich habe übrigens vorhin sogar den kompletten Film auf YouTube gefunden).

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2 Gedanken zu “Neues und Altes von Paul McCartney

  1. Ich hab mir „New“ geholt und die Platte gefällt mir ausgesprochen gut, für mich das beste Mc Cartney-Werk seit, sagen wir mal, „Flaming Pie“. McCartney setzt auf seine Stärken hübscher, eingängiger Songs die teilweise so nach Beatles klingen wie schon lange nicht. Live mag ich ihn aufgrund der doch schwächelnden Stimme nicht mehr so gerne hören (und auch bei „Early Days“ klingt die hier durch), aber im Studio liefert der alte Mann immer noch sehr gute Arbeit ab.

    • „Early Days“ ist ja soweit ich weiß der Song bzw. einer der Songs, bei denen Produzent Ethan Johns ihn das Stück einfach in einem Take hat einsingen lassen und ihn dann davon überzeugt hat, dass dieser rohe Take trotz oder gerade wegen seiner Fehler so ehrlich eben nach „McCartney pur“ klingt. Wenn es nach McCartney gegangen wäre, dann hätte er an den Vocals noch viel mehr herumgedoktert, glaube ich.
      Ich finde, die Zusammenarbeit mit vier verschiedenen, jungen Produzenten hat dem Album sehr gut getan. Einige Stücke klingen typisch nach McCartney (New, I Can Bet) und andere bei anderen wiederum merkt man, den typischen McCartey-Sound quasi verhindert bzw. erweitert haben (Save Us, Appreciate – definitiv zwei meiner Lieblingsstücke). Das war ähnlich auch schon auf „Chaos and Creation…“ der Fall, wo er ja mit Nigel Godrich gearbeitet hat.
      Deine Einschätzung, dass es sich um das beste Album seit „Flaming Pie“ handelt, würde ich nach mehrmaligem gründlichen Durchhören teilen, auch wenn die Songs für mich überwiegend eben gerade nicht nach Beatles klingen. „Flaming Pie“ ist übrigens zusammen mit „Band On The Run“ mein Lieblingsalbum.
      Live würde ich ihn mir trotz der schwächelnden Stimme auf jeden Fall noch einmal anschauen. Schließlich ist es Paul McCartney, der Mann ist eine lebende Legende. Was mich mehr stört als die Stimme (für die er ja nicht wirklich was kann) ist die Songauswahl auf den Konzerten. Wenn es nach mir ginge, könnte er sich ruhig auf so etwa fünf Beatles-Songs beschränken und ansonsten vor allem seine Solostücke ab „Flowers in the Dirt“ spielen (also die Sachen ab 1989). Aber hey, Beatles-Songs sind natürlich auch nicht schlecht, vor allem wenn sie ein Ex-Beatle singt.

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