Kurzkritik: Boy 7

Eben habe ich „Boy 7“ angeschaut, der letzten Sommer im Kino lief. Ich habe mich schon lange nicht mehr direkt nach dem Anschauen eines Films an den Laptop gesetzt und gebloggt. Weil mir der Film noch im Kopf herumspukt, ist jetzt aber ein guter Zeitpunkt, um das mal wieder zu tun.

„Boy 7“ ist so etwas wie die deutsche Antwort auf all die Teenie-Dystopien wie „Die Tribute von Panem“ oder „Maze Runner“, die uns in den letzten Jahren aus Hollywood erreichen. Wenn ich das eben bei meiner kurzen Recherche richtig herausbekommen habe, dann handelt es sich um die Verfilmung eines niederländischen Romans, der etwa zeitgleich auch in den Niederlanden verfilmt wurde. (Verzeiht mir, falls die Infos nicht völlig korrekt sind – ich will die Kurzkritik ja möglichst schnell schreiben. 😉 )

Ein Teenager (David Kross) kommt in einer U-Bahnstation zu sich, ohne sich an seinen Namen erinnern zu können oder daran, wie er dort hingekommen ist. Er stellt schnell fest, dass er polizeilich gesucht wird, kann sich aber der Festnahme entziehen und beginnt anhand der Gegenstände, die er bei sich trägt, seinen Weg zurück zu verfolgen und seine Erinnerung wieder zu erlangen. Mehr will ich hier gar nicht verraten, da ein Großteil der Spannung des Films daher kommt, dass man als Zuschauer genau wie der Hauptcharakter mitten ins Geschehen geworfen wird. Nach und nach setzt sich die von da an zum Großteil in Rückblenden erzählte Geschichte wie ein Puzzle zusammen und meine Vergleiche oben deuten ja bereits an, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Der Film spielt allerdings im Gegensatz zur Romanvorlage nicht in der Zukunft.

Die Erzählweise des Films ist seine größte Stärke, denn durch das Erzählen auf zwei Zeitebenen wird nicht nur immer wieder Spannung aufgebaut, sondern es gibt auch den einen oder anderen interessanten Aha-Moment. Überhaupt ist der Film gut geschrieben und einge der fiesen Nebenfiguren sind wirklich hassenswert. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Jens Harzer als Isaak, der seiner Figur eine zusätzliche skurille Note verleiht, indem er ständig einen Kamm bei sich trägt, um sich damit immer wieder die Haare zu seiner strengen Bösewichtsfrisur nach hinten zu kämmen. Okay, der Kamm wurde – wie einige andere Gegenstände und Ideen auch – zwar aus einem bestimmten Grund ins Drehbuch geschrieben, funktioniert aber zum Glück gleichzeitig auch als Charaktermoment und war für mich der größte Lacher des Films (zugegeben: der einzige, aber der Film will auch gar nicht lusitg sein). Auch Emilia Schüle kann in ihrer Rolle als Mitstreiterin der Hauptfigur überzeugen.

Selbiges kann man von David Kross allerdings nicht behaupten, der mich hier wieder einmal enttäuscht hat. In allen Filmen, in denen ich ihn gesehen habe, wirkt sein Schauspiel oberflächlich, hölzern und flach. Es stellt damit in „Boy 7“ den größten Schwachpunkt dar. Mit einem fähigeren Hauptdarsteller hätte man diesen guten Film sicher noch packender machen können. Mein zweiter großer Kritikpunkt sind die auffallend vielen schiefen Kameraeinstellungen. Ich weiß nicht, warum sich Regisseur Özgür Yildirim dazu entschieden hat, das Geschehen immer wieder aus der Schräge und seine Figuren aus seltsamen Winkeln zu filmen. Vielleicht wollte er seinen Film dadurch hip und cool wirken lassen und/oder glaubt, auf diese Weise ein jugendliches Publikum besser anzusprechen. Die oben genannten amerikanischen Filme kommen allerdings ohne solche Kamer-Mätzchen aus und auch „Boy 7“ hätte sie gar nicht nötig. Ganz im Gegenteil, immer wieder haben mich die schiefen Bilder aus dem Geschehen herausgerissen, was wirklich schade ist, denn „Boy 7“ ist ein im Großen und Ganzen sehr gut gemachter und spannend erzählter Film. Er beweist, dass auch in Deutschland Genrekino möglich ist.

Jetzt ist aber Schluss, schließlich soll das hier nur eine Kurzkritik sein. 😉
(Und ich muss jetzt schauen, ob ich irgendwo die Verfilmung aus den Niederlanden auftreiben kann. Die interessiert mich nun nämlich auch.)

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3 Gedanken zu “Kurzkritik: Boy 7

    • Naja, extrem schlimm war’s nicht und man gewöhnt sich mit der Zeit dran. Aber es ist mir schon immer wieder aufgefallen und war halt einfach unnötig. Der Film ist dadurch nicht besser oder interessanter geworden.

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