Filmfest Müchen: „The Open“

Der letzte Film, der am Sonntag auf meinem Programm stand, war „The Open“ von Mark Lahore. Eines gleich vorweg: Mir hat der Film überhaupt nicht gefallen, es gab jedoch zahlreiche Kinobesucher, die ihn äußerst gelungen fanden und dem Regisseur im Anschluss an die Vorstellung interessiert Fragen stellten. „The Open“ spielt in einer Welt, die anscheinend in Kriegen untergegangen ist. Davon erfahren wir nur nebenbei aus den Gesprächen der Protagonisten, denn von der Eröffnungsszene abgesehen spielt der Film ausschließlich in den schottischen Highlands. Dort sollen der Soldat Ralph (James Northcote) und Stephanié (Maia Levasseur-Costil) unter der Anleitung des Trainers André (Pierre Benoist) gegeneinander Tennis spielen. Und zwar ein ganzes Turnier. Und das auch noch ohne Bälle.
TheOpen-15_700Das hört sich vollkommen absurd an, und das ist es auch. Dabei ist mir die dem Film zugrunde liegende Botschaft durchaus klar: Sport ist besser als Krieg. André ist von der Idee der Tennismatches so sehr besessen, weil sich die Schrecken, die er und seine beiden Schützlinge durchlebt haben müssen, nur überwinden und verarbeiten lassen, indem sie alle sich einer neuen Tätigkeit zuwenden. „The Open“ findet in einer dystopischen Welt statt, in der der Sport für die drei Protagonisten (die übrigens die einzigen Personen im Film sind) die einzige Möglichkeit darstellt, nicht den Verstand zu verlieren. Das Problem, das ich mit dem Film hatte, war vor allem seine Länge. Denn diese Handlungsidee hätte sicher einen sehr guten 30- bis 60-minütigen Kurzfilm abgegeben, einen 103 Minuten langen Spielfilm trägt sie aber nicht. Immer wieder sieht man die gleichen Bilder: Ralph und Stephanié beim Trainieren, Ralph und Stephanié beim Tennisspielen und André, wie er sie antreibt. Wenn man nicht gerade ein großer Tennisfanatiker ist, wirkt das sehr schnell ermüdend. Den Darstellern ist dabei aber überhaupt kein Vorwurf zu machen, denn alle drei spielen ihre Rollen mit äußerster Hingabe und zum Teil körperlicher Verausgabung. Die immer wieder eingeblendeten Ortsnamen, die einen darüber informieren, dass die Strände und Wiesen, auf denen sich das alles abspielt, nach berühmten Tennisspielern benannt sind, wirken dabei wie ein überflüssiges Gimmick und tragen nichts zur Geschichte bei. Natürlich ist die schottische Landschaft wunderschön, doch auch daran hat man sich recht schnell satt gesehen und bekommt halt keinerlei visuelle Ablenkung geboten. Der Film wurde mit einem äußerst geringen Budget von 120.000 Euro (!) und einer Minimalcrew gedreht. Insofern ist es schon eine beachtliche Leistung, was Lahore und sein Team da auf die Beine gestellt haben. Dennoch konnte ich beim Verlassen des Kinosaals nur den Kopf schütteln. Da halfen auch all die schönen Erklärungen hinterher nichts, dass zwischen Tennis und Kino doch so einige Gemeinsamkeiten bestehen, weil das Gegenüberstehen der Gegner beim Tennis doch viel von den Duellen im Western habe oder weil sowohl Kino als auch Tennis Action innerhalb eines klar abgegrenzten Rechtecks bieten. Nein, gut fand ich „The Open“ wirklich nicht, wenn auch die Idee interessant ist und die Leidenschaft der Beteiligten bewundernswert.
Die beiden Vorstellungen des Films auf dem Filmfest sind bereits vorbei.

Copyright Bild: Filmfest München

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