Filmfest München: „Slash“ & „You Carry Me“

Filmfest München, Tag 3:Stills+for+press+5_700 Mein erster Film am Sonntag war „Slash“ von Clay Liford. Das größte Hobby des 15-jährigen Neil (Michael Johnston) ist das Schreiben von Slash Fiction, also von fiktiven erotischen (meist homosexuellen) Geschichten mit bestehenden Charakteren aus der Popkultur. Gandalf mit Dumbledore, Kirk mit Spock, Yoda mit Dobby – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Als Neils Schulkameraden von seinem Hobby erfahren, machen sie sich über ihn lustig. Nur die ein Jahr ältere Julia (Hannah Marks) hat vollstes Verständnis, schließlich ist sie selbst eine erfahrende Schreiberin von Slash Fiction. In einem Internetforum lernt Neil den über 20 Jahre älteren Denis (Michael Ian Black) kennen, der ihn auf eine Convention einlädt, wo Neil aus seinen Werken vorlesen soll. Dumm nur, dass dort ein Mindestalter von 18 Jahren Voraussetzung ist. Nichtsdestotrotz machen sich Neil und Julia gemeinsam auf den Weg.
Regisseur und Drehbuchautor Clay Liford ist zwar selbst kein Autor von Slash Fiction, hat aber viele langjährige Verbindungen zur Fankultur und weiß also, wovon er hier erzählt. Dementsprechend nähert er sich dem Thema stets mit Respekt und ohne den Inhalt oder die Autoren von Slash Fiction ins Lächerliche ziehen zu wollen. Wie auch „Closet Monster“ ist „Slash“ ein weiterer Coming of Age-Film, der unter anderem das Klarkommen mit der eigenen Sexualität behandelt. Zwar ist „Slash“ längst nicht so handwerklich kunstvoll, verspielt und kreativ gemacht wie „Closet Monster“, doch die Charaktere sind gut geschrieben, die Dialoge teils wirklich witzig und allgemein merkt man dem Film an, dass der Regisseur hier mit Leidenschaft bei der Sache war. Ich kann also eine klare Empfehlung für den Film abgeben – auch an diejenigen, die mit Slash Fiction nichts am Hut haben (so wie ich). „Slash“ wird noch einmal auf dem Filmfest gezeigt (am 30.06. um 17:30 Uhr im Rio 2).

Als nächstes stand der kroatische Film „You Carry Me“ („Ti Mene Nosis“) auf meinem Programm. Über 165 Minuten hinweg erzählt darin die Regisseurin Ivona Juka drei verschiedene, aber thematisch ähnliche Geschichten. Verbunden sind die drei Teile dieses filmischen Triptychons durch eine Soap Opera, an deren Entstehung Protagonisten aus allen drei Handlungssträngen mitwirken. In allen drei Strängen stehen Frauen bzw. Mädchen im Mittelpunkt, was mir allerdings tatsächlich erst nach der Vorstellung klar wurde, als die Regisseurin ein wenig über ihren Film sprach. Ich hatte die etwa 12-jährige Dora nämlich den ganzen Film über für einen Jungen gehalten! Wahrscheinlich kann man es als eine Stärke der Geschichte auslegen, wenn eine seiner Rollen sowohl mit einem männlichen wie weiblichen Protagonisten funktioniert.
YouCarryMe-Ives+and+Ivan+breakfast_700„You Carry Me“ ist schauspielerisch extrem stark, war mir persönlich aber eindeutig zu lang. Klar, drei ist eine schöne Zahl, aber diese drei Geschichten in einem einzigen Film unterzubringen war dennoch etwas zuviel des Guten. Meiner Meinung nach wäre weniger hier mehr gewesen. Das gilt auch für die kurzen Traumsequenzen, die ein paar Mal vorkommen und auf einem Traum basieren, den die Regisseurin tatsächlich hatte. Diese Sequenzen bringen keinerlei Mehrwert, wirken in ihrer Metapher viel zu platt und stellen einen Stilbruch zum Rest des Films dar. Insgesamt hat „You Carry Me“ bei mir also einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die beiden Vorstellungen des Films sind bereits vorbei.

Copyright Bilder: Filmfest München

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