Die Terminator-Saga

Am 19.11. erscheint „Terminator: Genisys“ als DVD und Bluray. Freundlicherweise hat man mir ein Rezensionsexemplar der Bluray zur Verfügung gestellt. Bevor ich mir den Film anschauen konnte, musste ich jedoch noch einiges an „Vorarbeit“ leisten: Ich hatte zwar vor vielen Jahren die Teile 2 und 3 der „Terminator“-Reihe gesehen, doch es klaffte noch eine Bildungslücke in Form von Teil 1 in meinem „Terminator“-Grundwissen. Zur Vorbereitung auf „Genisys“ habe ich mir also erstmals  „The Terminator“ und auch „Terminator 2: Judgment Day“ nochmals angeschaut. Weil ich danach gerade so viel Spaß am „Terminator“-Universum hatte, habe ich direkt mit „Terminator 3: Rise of the Machines“ weitergemacht, obwohl das als Grundlage für „Genisys“ nicht wirklich notwendig gewesen wäre, schließlich versucht der neueste Film vor allem an die zu Recht so hoch geschätzten ersten beiden Teile der Franchise anzuschließen. („Terminator: Salvation“ habe ich links liegen gelassen. Den hatte ich ebenfalls vor ein paar Jahren mal gesehen, habe ihn aber in so schlechter Erinnerung, dass ich ihn nicht noch einmal anschauen will.)

Terminator Genisys - Bluray

Terminator 1 & 2

Am ersten „Terminator“ hatte ich eine ganze Menge Spaß, viel mehr als ich erwartet hatte. Zwar ist der Film ganz deutlich ein Produkt der 80er Jahre, doch das macht sich zu keiner Sekunde negativ bemerkbar. Mit Arnold Schwarzenegger als emotionsloser Killermaschine hat James Cameron seine Titelfigur perfekt besetzt. Wohl niemand anderes hätte den Terminator so überzeugend spielen können wie Schwarzenegger. Auch Linda Hamilton als Sarah Connor und Michael Biehn als Kyle Reese sind vollkommen glaubwürdig, so dass der Film trotz aller Action letztlich von seinen überzeugenden Charakteren lebt.
„Terminator 2“ erzählt im Grunde noch einmal die gleiche Geschichte wie der erste Film, allerdings mit deutlich nach oben geschraubtem Action-Faktor und für damalige Verhältnisse wirklich revolutionären visuellen Effekten. Heutige Kinogänger mögen etwa für die Morphingeffekte des T-1000 nur ein müdes Schulterzucken übrig haben, doch damals hatte man so etwas schlicht noch nie zuvor in einem Film gesehen (im selben Jahr verwendete Michael Jackson einen ähnlichen Effekt in seinem Kurzfilm zu „Black or White“).

The Terminator!

Szene aus „Terminator: Genisys“

1991 wusste man bei einem Kinobesuch im Vorfeld wahrscheinlich viel weniger über die Handlung eines Films, als dies meist heute der Fall ist. Ich weiß nicht, wie viel die Trailer zu „Terminator 2“ von der Handlung verraten haben, aber für diejenigen Zuschauer, die Teil 1 kannten, aber noch nichts über Teil 2 wussten, muss der Film ein paar ziemlich heftige Überraschungen bereit gehalten haben. Er beginnt genau wie der erste Film damit, dass ein Terminator (Schwarzenegger) und eine weitere Person (Robert Patrick) in der Zeit zurück geschickt werden. Bis zur ersten Begegnung der beiden mit dem 13-jährigen John Connor (Edward Furlong) geht man als ungespoilerter Zuschauer davon aus, dass Arnie erneut der Böse ist, der den Helden des Films an den Kragen will, während Patricks Figur als guter Beschützer unterwegs ist. Als sich dann herausstellt, dass der Terminator dieses Mal kein „böser“ ist und Patrick keinen Menschen, sondern den tödlichen T-1000 spielt, stellt das sämtliche Erwartungen der Zuschauer auf den Kopf.
„Terminator 2“ wäre allerdings nicht eines der Vorzeigebeispiele für Sequels, die den Originalfilm noch übertreffen, wenn er „nur“ fantastische Action und ein paar überraschende Storywendungen zu bieten hätte. Neben erneut vollkommen überzeugenden Schauspielleistungen aller Darsteller ist der Film auch wahnsinnig gut geschrieben. Die Charaktere und ihre Beziehungen werden sinnvoll ausgearbeitet und keine einzige Szene des Films ist überflüssig. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der John zu Beginn mit einem Kumpel einen Geldautomaten hackt. Sie dient nicht nur der Charakterisierung der Figur, sondern auch als Vorbereitung für die Szene gegen Ende des Films, als John die zu Beginn demonstrierten Fähigkeiten einsetzt, um den Code einer Tür zu knacken. Und wenn ich schon beim Drehbuch und der hervorragenden Figurenzeichnung des Films bin – wer hätte denn bitteschön nach Teil 1 ernsthaft gedacht, dass die Fortsetzung es schaffen würde, einem mit dem Tod des Terminators Tränen in die Augen zu treiben? Die sich über den Film entwickelnde Vater-Sohn-Beziehung zwischen dem Terminator und John Connor ist einer der Hauptgründe, warum man mit diesen Figuren mitfühlt. (Interessant ist übrigens, dass James Cameron in „Aliens“ ganz ähnlich verfahren ist. Auch dort wird die in Teil 1 etablierte Hauptfigur ausgebaut, indem ihr quasi ein Kind zur Seite gestellt wird. In beiden Filmen verfolgen wir gewissermaßen die Geschichte einer Patchworkfamilie, bestehend aus dem Terminator, John und Sarah Connor bzw. aus Ripley, Newt und Hicks.)

Terminator 3

„Terminator 3“ erzählt schon wieder dieselbe Geschichte, fügt der Franchise aber im Gegensatz zum zweiten Teil nichts wirklich Neues oder in irgendeiner Weise Bahnbrechendes hinzu. Wieder wird ein Terminator in die Vergangenheit geschickt und wieder muss er gegen ein ihm überlegenes Modell kämpfen, um John Connor zu beschützen. John wird nun von Nick Stahl gespielt, dessen schauspielerische Fähigkeiten offenbar begrenzt sind. Man muss fairerweise aber hinzufügen, dass die Schauspieler hier mit einem Drehbuch arbeiten müssen, dass dem des Vorgängers weit unterlegen ist. Nach der durchaus beeindruckenden und spaßigen Autoverfolgungsjagd, bei der eine halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt wird, geht dem Film die Puste aus, als es vorrübergehend etwas ruhiger wird und es eigentlich an der Zeit wäre, die Beziehungen zwischen den Figuren zu entwickeln. Doch das geschieht leider kaum. Mehrere Möglichkeiten bleiben dabei ungenutzt, unter anderem wird das Potential der in Teil 2 etablierten Vater-Sohn-Beziehung zwischen John und dem Terminator verschenkt.

The Terminator again!

Szene aus „Terminator: Genisys“

Der von Kristanna Loken gespielte T-X verfügt über die Fähigkeit, andere Maschinen zu kontrollieren und ihnen gewissermaßen seinen Willen aufzuzwingen. Das hätte man geschickt dazu nutzen können, Schwarzeneggers Figur schon früh im Film wieder zum Bösewicht zu machen und so an den Ursprungsfilm anzuknüpfen. Davor scheuten die Macher aber anscheinend zurück und lassen Arnie lediglich für eine Szene am Schluss auf die Helden des Films losgehen. Die Handlung ist wie gesagt der des Vorgängerfilms recht ähnlich, nur dass sie nun eben nicht mehr in den 1990er Jahren spielt, sondern 2004. Die Machtübernahme Skynets wurde in Teil 2 anscheinend nur aufgeschoben und auch John Connor bleibt als zukünftiger Anführer des menschlichen Widerstands bestehen, obwohl er inzwischen mehr als zehn Jahre älter ist und das doch eigentlich längst sein müsste. Auch „Terminator 2“ wies mit seinem Zeitreise-Plot bereits einige Logiklöcher auf, doch aufgrund der revolutionären Action und der überzeugend ausgearbeiteten Charaktere war man bereit, diese zu übersehen. „Terminator 3“ und alle folgenden Filme können jedoch nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass jeweils Teile der Handlung eigentlich gar keinen Sinn machen.

Terminator: Genisys

Nachdem künstlerisch gefloppten „Terminator: Salvation“, der auch finanziell hinter den Erwartungen zurückblieb (und bis auf weniger Bilder auch auf den damals vom Terminator zum „Gouvernator“ gewechselten Schwarzenegger verzichten musste), erschien dieses Jahr mit „Terminator: Genisys“ also ein „Terminator“-Film, der auch wirklich wieder den echten Terminator zu bieten hat. „Genisys“ verlässt sich weitgehend darauf, dass seine Zuschauer die ersten beiden Filme gesehen haben. Vor allem Teil 1 sollte man im Gedächtnis haben, denn die erste halbe Stunde von „Genisys“ erzählt den Beginn des ersten Films gewissermaßen noch einmal. Dabei werden zum einen im Jahr 2029 spielende Szenen hinzugefügt, die zeigen, wie es dazu kam, dass der Widerstand Kyle Reese ins Jahr 1984 schickte (einen wirklichen erzählerischen Wert haben diese Szenen freilich nicht, schließlich kennt man die Gründe ja schon); zum anderen stellt der Film mehrere Szenen aus Teil 1 nach, versieht sie aber mit dem Twist, dass die Realität des Jahres 1984 verändert worden ist.

Die nachgestellten Szenen des ersten Films halten den in der „TermWow, it's the Terminator!inator“-Historie bewanderten Zuschauer eine Weile bei Laune und es ist wirklich lustig anzusehen, wie hier noch einmal die Ankunft von Reese und dem Terminator im Jahr 1984 und die unmittelbar darauf folgenden Ereignisse abgespult werden, vor allem als dann schnell klar wird, dass sich die Dinge eben etwas anders zutragen, als man es erwartet. Die Idee, den neuen Film für eine Weile in einem der früheren Filme spielen zu lassen, erinnert an „Back to the Future 2“, allerdings mit dem Unterschied, dass bei „Terminator: Genisys“ bis auf den Terminator alle Figuren von anderen Darstellern gespielt werden. (Nebenbei macht einem dieser Kniff auch deutlich, wie weit „Back to the Future 2“ mit dieser Idee seiner Zeit vorraus war.) Theoretisch hätte man natürlich auch den Terminator neu besetzen können, dann hätte man aber das größte Verkaufsargument dieses Films verloren: Arnie is back! So spaßig diese erste halbe Stunde auch ist, in der der „alte“ (also junge, aus Teil 1 bekannte) Terminator, der „neue“ (also gealterte) Terminator, ein neuer T-1000 (Lee Byung-hun), Kyle Reese (Jay Courtney) und eine bereits kampferfahrene und längst mit Terminatoren und all dem Kram vertraute Sarah Connor (Emilia Clarke) gegen- bzw. miteinander kämpfen – als der Film danach kurz zur Ruhe kommt und eigentlich alles überzeugend erklären müsste, stellt sich schnell heraus, dass die Drehbuchautoren nicht so recht wussten, wie sie ihre Ideen zu einer schlüssigen Geschichte zusammen fügen sollten. So wird beispielsweise nie erklärt, wer denn eigentlich den Terminator, der in dieser neuen Zeitlinie Sarah Connor bereits seit ihrem neunten Lebensjahr beschützt, in der Zeit zurück geschickt hat.

Dass es nach „Terminator 2“ und „Terminator 3“ nun schon zum dritten Mal darum geht, den „Judgment Day“ zu verhindern, der mit jedem neuen Film anscheinend weiter in die Zukunft verlegt wird, wirkt ziemlich lächerlich. Neben ein paar netten Ideen, aus denen man richtig etwas hätte machen können, hat der Film nach seiner ersten halben Stunde leider nicht mehr viel zu bieten. Die Action ist nett, mehr aber auch nicht. J.K. Simmons spielt eine Nebenfigur, die anscheinend schon in Teil 1 dabei war, aus der aber absolut nichts heraus geholt wird. Die neuen Darsteller von Kyle Reese, John Connor und Sarah Connor bleiben allesamt blass. Und so macht Arnold Schwarzenegger hier trotz seines Alters noch die beste Figur, weil der eben ganz einfach das macht, was er in der Reihe schon immer gemacht hat: ohne großen schauspielerischen Anspruch, aber trotzdem vollkommen Not-Linda & the real Arnieüberzeugend die emotionslose Killermaschine geben. Zugegeben ist es nett, dass zumindest versucht wird, erneut eine Art Familienbeziehung zwischen dem Terminator und Sarah Connor zu zeigen. Aber es eben nicht mehr als nett und die emotionale Tiefe des zweiten Films wird zu keinem Zeitpunkt erreicht. Der größte Plottwist des Films wurde bereits im Trailer verraten, was darauf schließen lässt, dass die verantwortliche Marketingabteilung ziemlich verzweifelt gewesen sein muss. John Connor ist dieses Mal selbst ein Terminator; er wurde gewissermaßen mit Roboter-DNS infiziert und arbeitet nun im Jahr 2017 zusammen mit CyberDyne an der Einführung des Genisys-Betriebssystems, das dank seiner Installation auf über einer Milliarde Smartphones, Tablets und Computern den Maschinen die Machtübernahme sichern soll. Alles schön und gut, aber wie gesagt absolut nichts wirklich Neues oder Überraschendes. „Terminator: Genisys“ ist kein schlechter Film, allerdings ein ziemlich uninspirierter, der mit einer unnötig komplizierten Handlung Komplexität vortäuschen will und sich am Ende selber verrennt. Schade.

Copyright Bilder: Paramount Home Entertainment Germany

Meine Oscar-Tipps 2015

In der Nacht von Samsag auf Sonntag ist es wieder so weit: Die Academy Awards, besser bekannt als Oscars, werden in Los Angeles verliehen. Wie in den letzten Jahren gebe ich also auch dieses Mal wieder meine Tipps ab. (Anmerkung: An diesem Blogpost habe ich inzwischen tagelang herum gebastelt und mich in mehreren Kategorien immer wieder anders entschieden. Damit ich damit nicht noch mehr Zeit vergeude, zwinge ich mich jetzt zur Veröffentlichung und lege mich dafür ein für alle Mal fest.) Dieses Mal bin ich in vielen Kategorien ziemlich ratlos. Beim besten Film und beim besten Hauptdarsteller gibt es jeweils keinen eindeutigen Favoriten und auch der überraschende Kassenerfolg von „American Sniper“ macht die Sache nicht leichter (ich habe mich mal dazu verführen lassen, in einigen Kategorien auf den Film zu setzen, obwohl ich es ursprünglich nicht vor hatte). Es wird also einerseits eine spannende Preisverleihung, andererseits sind bei den Nominierungen leider eine ganze Reihe von Filmen nicht bzw. nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt worden. Warum hat „Gone Girl“ keine Nominierung für das Drehbuch, Regisseur David Fincher oder als bester Film erhalten? Wieso ist Interstellar zwar fünf Mal in technischen Kategorien nominiert, aber die Leistung von Christopher Nolan erneut ignoriert worden? Warum ist „Selma“ nur als bester Film und für das beste Lied nominiert, aber Hauptdarsteller David Oyelowo ging leer aus? Und was ist eigentlich mit „Under The Skin“? Die Oscars sind nun einmal nicht gerecht und meckern kann man jedes Jahr. Nun aber zu meinen Sieger-Tipps (Hier gibt es die Nominierungen zum Nachlesen).

Bester Film
So spannend wie in diesem Jahr war es schon lange nicht mehr. „The Grand Budapest Hotel“ schwimmt seit seiner Premiere auf der Berlinale vor einem Jahr auf einer Erfolgswelle und wurde mit dem Golden Globe als beste Komödie ausgezeichnet. „Birdman“ steht ebenfalls hoch im Kurs und wurde den Hauptpreisen der US-Produzenten-, Regisseurs- und Schauspielgilden bedacht, was durchaus für eine Oscarauszeichnung spricht. Und „Boyhood“ – der auch bereits vor einem Jahr seine Uraufführung erlebte – hat den BAFTA und den Drama-Golden Globe gewonnen. Dann ist da allerdings noch „American Sniper“, der in den letzten Wochen zum Überraschungserfolg in den USA geworden ist und sich dort inzwischen u.a. mit dem Titel „erfolgreichster Kriegsfilm“ schmücken darf. Vom Einspielergebnis her liegt er jedenfalls weit vor all den anderen Kandidaten. Das muss zwar an sich nichts heißen, zeigt aber die enorme Popularität des Films, der noch dazu das Glück hat, dass sein US-Kinostart erst Ende Dezember erfolgte, so dass der Höhepunkt seines Erfolges genau in die Zeit fiel, in der die Academy nun über die Vergabe der Oscars abgestimmt hat (wobei der Höhepunkt auch erst noch kommen könnte, falls der Film wirklich diesen oder zumindest ein paar andere Oscars gewinnt). Ich gehe aber mal auf Nummer sicher und tippe auf „Boyhood“ (produziert von Richard Linklater & Cathleen Sutherland). Da die Abstimmung nach einem Rangfolgesystem erfolgt, dürfte der Film selbst auf den Stimmzetteln, die „American Sniper“ oder „Birdman“ auf Platz eins setzen, auf einem der anderen vorderen Plätze vertreten sein und so wahrscheinlich insgesamt die meisten Punkte für sich verbuchen. (Fast hätte ich mich im letzten Moment hier doch noch für Birdman entschieden. Letztlich kann ich das aber einfach nicht tun, weil ich will, dass Boyhood gewinnt.)

Bester Hauptdarsteller
Hier handelt es sich wie erwähnt um eine der spannendsten Kategorien in diesem Jahr. Eddie Redmaynes Leistung in „The Theory of Everything“ ist hoch gelobt und bereits mehrfach ausgezeichnet worden (BAFTA, Screen Actors Guild Award, Golden Globe). Leider habe ich den Film noch nicht gesehen. Auch Michael Keaton fand in „Birdman“ viel Beachtung und wurde ebenfalls mit einem Golden Globe (wo die Schauspielpreise ja auf verschiedene Filmgenres aufgeteilt sind) und einem Critics Choice Award belohnt. Beide Preise werden allerdings von Kritikern und Pressevertretern vergeben, sagen also nicht unbedingt etwas darüber aus, wie die Academy abstimmen wird. Auch Bendedict Cumberatch ist natürlich nicht zu unterschätzen, schon allein deshalb, weil sein Name in letzter Zeit in aller Munde ist und er dank seiner Rollen in „Sherlock“, „Star Trek Into Darkness“ und „The Hobbit“ zu einem der angesagtesten Filmstars der letzten Zeit geworden ist. Seine Leistung in „The Imitation Game“ fand ich persönlich allerdings nicht besonders beeindruckend, weil seine Rolle dort ganz einfach zu dicht an den aus „Sherlock“ und „Star Trek“ bekannten Charakteren lag. Die Nominierung von Bradley Cooper für „American Sniper“ kam ziemlich überraschend, doch der enorme Erfolg des Films in den USA könnte auch ihm zahlreiche Stimmen verschaffen. Kaum Chance ausrechnen darf sich wohl lediglich Steve Carell für „Foxcatcher“.
Ich tippe darauf, dass Eddie Redmayne das Rennen macht, schließe aber eine Auszeichnung Keatons nicht aus und könnte mir auch einen überraschenden Sieg von Cooper (der ja immerhin zum dritten Mal in Folge nominiert ist) zumindest vorstellen.

Beste Hauptdarstellerin
Hier sieht die Sache wesentlich einfacher aus – alle Anzeichen deuten auf eine Auszeichnung von Julianne Moore hin. Sie hat für ihre Rolle in „Still Alice“ bereits den Golden Globe, BAFTA, Screen Actors Guild Awards und Critic’s Choice Award gewonnen. Zudem ist sie zum fünften Mal nominiert und eine Auszeichnung längst fällig. Die überraschend nominierte Marion Cotillard sowie Felicity Jones, Rosamund Pike und Reese Witherspoon werden wohl das Nachsehen haben. Ich tippe also auf Julianne Moore.

Bester Nebendarsteller
Auch hier scheint die Sache klar zu sein: J.K. Simmons hat für seine Rolle in „Whiplash“ ebenfalls alle wichtigen Preise der Saison abgeräumt – also tippe ich darauf, dass er auch bei den Oscars gewinnen wird. Pech für Robert Duvall, Ethan Hawke, Edward Norton und Mark Ruffalo.

Beste Nebendarstellerin
Noch ein leichter Tipp: Hier wird wohl Patricia Arquette für ihre Leistung in „Boyhood“ ausgezeichnet. Auch sie hat – wie Julianne Moore und J.K Simmons – die vier anderen wichtigen Preise des Jahres gewonnen. Laura Dern, Keira Knightley und Emma Stone werden ebenso leer ausgehen wie Mery Streep, deren Nominierung ich in diesem Jahr übrigens höchst sonderbar finde. Sie ist in „Into The Woods“ zwar toll, wie in all ihren Rollen. Doch als Oscar-verdächtig würde ich ihre Leistung nicht bezeichnen und es hätte sich doch bestimmt noch eine andere Schauspielerin finden lassen, die nicht bereits 18 Mal nominiert war.

Beste Regie
Hier wird es schon schwieriger. Die beiden Favoriten lauten Richard Linklater und Alejandro González Iñárritu. Linklater wurde mit dem Critic’s Choice Award, dem BAFTA und dem Golden Globe ausgezeichnet, Iñárritu mit dem Preis der US-Regisseursgilde (DGA-Award). Für Linklater spricht zudem, dass er mit seiner über 12-jährigen Arbeit etwas noch nie zuvor Vollbrachtes geleistet hat. Ich tippe mal darauf, dass Richard Linklater („Before Midnight“) das Rennen macht. Eine Auszeichnung Linklaters, der zu meinen Lieblingsregisseuren gehört, würde mich wahnsinnig freuen.

Bester Animationsfilm: „The Lego Movie“ war wohl nichts für die überwiegend aus älteren Herrschaften bestehende Academy. Hey, sogar ich selbst fand den Film wahnsinnig bunt, laut und schnell. Dass er trotzdem nicht einmal nominiert wurde, war eine Überraschung. Also wird es wohl „How To Train Your Dragon 2“ (Drachenzähmen leicht gemacht 2″, von Dean Deblois & Bonnie Arnold)

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bester fremdsprachiger Film: Ida“ von Pawel Pawlikowski (Polen)
Bestes adaptiertes Drehbuch: Hmm, schwierig. Auch hier habe ich mich mehrmals anders entschieden; so richtig ausschließen kann man in dieser Kategorie keinen Film. In meiner ersten Version dieses Blogpopsts hatte ich auf „Whiplash“ getippt, nun entscheide ich mich für „The Imitation Game“ (geschrieben von Graham Moore). „American Sniper“ könnte aber auch hier von seiner Popularität profiftieren; auch Paul Thomas Anderson hätte endlich mal einen Oscar verdient (kaum zu glauben dass der Regisseur von „Magnolia“ und „There Will Be Blood“ noch nie ausgezeichnet wurde).
Bestes Originaldrehbuch: „The Grand Budapest Hotel“ (Wes Anderson & Hugo Guinness) – Es könnte aber auch „Birdman“ werden. „Boyhood“ ist natürlich auch nicht chancenlos und „Nightcrawler“ hätte die Auszeichnung schon allein deshalb verdient, weil der Film in allen anderen Kategorien ignoriert worden ist.
Beste Ausstattung (Production Design): „The Grand Budapest Hotel“ (Adam Stockhausen & Anna Pinnock)
Beste Kamera (Cinematography): „Birdman“ – Für Emmanuel Lubezki wäre es nach dem letztjährigen  Oscargewinn für „Gravity“ die zweite Auszeichnung in Folge.
Bester Ton (Sound Mixing): „American Sniper“ (John Reitz, Gregg Rudloff & Walt Martin)
Bester Tonschnitt (Sound Editing): „American Sniper“ (Alan Robert Murray & Bub Asman) – Ich tippe in den beiden Tonkategorien mal auf den wie gesagt in den USA sehr populären „American Sniper“, obwohl ich ursprünglich anders tippen wollte. Hoffentlich bereue ich es nicht.
Beste Musik: „The Grand Budapest Hotel“ (Alexandre Desplat)
Bestes Lied: „Glory“ aus „Selma“ (geschrieben von John Stephens & Lonnie Lynn)
Beste Kostüme: „The Grand Budapest Hotel“ (Milena Canonero)
Beste Dokumentation: Ich würde mir zwar sehr wünschen, dass Wim Wenders, der nach „Buena Vista Social Club“ und „Pina“ nun mit „The Salt of the Earth“ zum dritten Mal in dieser Kategorie nominiert ist, ausgezeichnet wird. Doch ich denke, dass „Citizenfour“ von Laura Poitras, Mathilde Bonnefoy und Dirk Wilutzky das Rennen machen wird.
Beste Kurzdokumentation: „Crisis Hotline: Veterans Press 1“ (Ellen Goosenberg Kent & Dana Perry)
Bester Schnitt: Ich tippe mal auf „American Sniper“ (Joel Cox & Gary D. Roach), auch wenn „Whiplash“ den BAFTA gewonnen hat. Natürlich bin ich mir überhaupt nicht sicher, aber „American Sniper“ steht nun einmal gerade sehr hoch im Kurs.
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „The Grand Budapest Hotel“ (Frances Hannon & Mark Coulier)
Bester animierter Kurzfilm: „Feast“ (Patrick Osborne & Kristina Reed) – Der Film dürfte einem großen Publikum bekannt sein, weil er als Vorfilm von „Big Hero 6“ („Baymax“) im Kino lief. Allerdings könnte es auch der vielfach ausgezeichnete „The Bigger Picture“ werden.
Bester Kurzfilm: „Boogaloo and Graham“ (Michael Lennox & Ronan Blaney)
Beste visuelle Effekte: An dieser Kategorie könnte ich mir in diesem Jahr die Zähne ausbeißen. Vielleicht sollte ich würfeln? Ach was, nachdem ich in den letzten Tagen zuerst auf „Interstellar“ und dann auf „Guardians of the Galaxy“ setzen wollte, kehre ich nun zu meinem ursprünglichen Tipp zurück: „Dawn of the Planet of the Apes“ (Joe Letteri, Dan Lemmon, Daniel Barrett & Erik Winquist).

Update am 24.02.2015:

Das war vielleicht eine langweilige und öde Oscarverleihung! Das jedenfalls war der vorherrschende Eindruck, den ich am Montagmorgen hatte. Für so etwas hätte man sich echt nicht die Nacht um die Ohren schlagen müssen, da hätte es auch gereicht, sich die (wenigen) Höhepunkte im Lauf des Tages auf YouTube anzusehen. Dass Neil Patrick Harris ein begabter und professioneller Host ist, hat er ja eigentlich bei seinen Moderationen der Emmys und Tonys bewiesen. Bei den Oscars dagegen wirkte er stocksteif, im Lauf der Veranstaltung immer nervöser und unsicherer und hatte zudem kaum zündende Gags auf Lager. Das ist sicherlich nicht allein seine Schuld und man sollte ihm durchaus eine zweite Chance geben, allerdings nicht ohne an der über dreistündigen Zeremonie ein paar Änderungen vorzunehmen.
Seine Gesangs- und Tanzeinlage zu Beginn war zwar nett gemacht, hatte aber zu wenig Bezug zum aktuellen Jahrgang der nominierten Filme und fuhr stattdessen auf der sicheren „Wir feiern das Kino“-Schiene. Da hätte ich mir deutlich mehr Seitenhiebe auf die Nominierten und parodierende Elemente gewünscht. Dass man die weiteren Musikeinlagen gänzlich streichen sollte, finde ich nicht und ganz besonders die Idee, jedes Jahr (oder zumindest immer dann, wenn es sich anbietet), das Jubiläum eines Film-Klassikers mit einer besonderen Darbietung zu feiern, finde ich sehr gut. Dafür kamen mir andere Teile der diesjährigen Show ziemlich lieblos vor, vor allem die Einspieler zu den nominierten Filmen wirkten oft, als sollten hier nur die Namen möglichst schnell herunter geleiert werden, ohne viel Zeit zu verlieren. Warum werden bei der Aufzählung der als „best picture“ nominierten Filme nicht einmal mehr die Namen der nominierten Produzenten verlesen? Warum sind im „In Memoriam“-Segment keine Filmausschnitte mehr zu sehen? Warum gibt es bei der Vorstellung der für ihr Drehbuch nominierten Filme keine Dialogausschnitte mehr zu hören? Schneller und kürzer wurde die Show durch diese Änderungen jedenfalls nicht. Statt auf solche letztlich sowieso nicht wirksamen Kürzungen zu setzen, hätte man die Show lieber abwechslungsreicher gestalten sollen, z.B. durch eine weitere, kurze Gesangseinlage von Harris.
Mit den Entscheidungen der Academy bin ich auch nur teilweise zufrieden. Wie ich schon geschrieben habe, hätte ich mir einen Sieg von „Boyhood“ – zumindest in der Regie-Kategorie – sehr gewünscht. Ich werde nie wieder gegen einen Film wetten, in dem es um das Schauspielgeschäft geht; Hollywood schaut sich einfach zu gerne selber zu. Wobei man natürlich zugestehen muss, dass „Birdman“ ein in Idee, Ausführung und Schauspiel brillanter Film ist, den ich ja selbst auch fantastisch fand. All das trifft aber auch auf „Boyhood“ zu, den ich für den wichtigeren Film halte. Aber Richard Linklater wird wohl doch noch einige Zeit auf seinen ersten Oscar warten müssen. Über die Auszeichnung von „Big Hero 6“ („Baymax“) als besten Animationsfilm freue ich mich dagegen sehr, da er einfach um Längen besser ist als „How To Train Your Dragon 2“
Mit meinen Tipps war ich zwar insgesamt nicht schlecht, aber da ich mich dazu habe verleiten lassen, in einigen Kategorien auf „American Sniper“ zu setzen, hat mich das ein paar Punkte gekostet, da der Film nur den Oscar für den besten Tonschnitt bekommen hat. Auch bei meinen Tipps für den besten Film, die Regie und den Animationsfilm lag ich falsch, habe aber insgesamt immer noch in 16 von 24 Kategorien richtig getippt und damit das gleiche Ergebnis wie vor zwei Jahren (die 21 Richtigen vom letzten Jahr waren wohl ein glücklicher Zufall).
Alles in allem bot die diesjährige Oscarverleihung also eine langweilige Show und Ergebnisse mit denen ich nicht ganz zufrieden bin. Trotzdem freue ich mich aufs nächste Mal, weil mir ganz einfach das Recherchieren im Vorfeld viel Spaß macht und nicht zuletzt auch deswegen, weil sich dann vielleicht „Star Wars: The Force Awakens“ Hoffnungen auf den einen oder anderen Oscar machen kann.