May the 4th be with you – Diskussion der „Star Wars“-Neuigkeiten der letzten Tage

Heute ist der 4. Mai, der schon seit einigen Jahren als inoffizieller „Star Wars-Feiertag“ gefeiert wird, allein aufgrund des lustigen Wortspiels „May the 4th be with you!“. Ich persönlich habe früher zumindest eigentlich immer den 25. Mai als „Star Wars-Tag“ empfunden, also den Tag, an dem „Star Wars“ 1977 in die US-Kinos kam. Aber gut, ich beuge mich der Mehrheit und will den heutigen Tag nicht verstreichen lassen, ohne zumindest irgendetwas über „Star Wars“ geschrieben zu haben. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in nächster Zeit mehrere verschiedene Blogpost über „Star Wars“ zu schreiben, die verschiedene Aspekte des Themas beleuchten. Aber da ich diesen Plan wahrscheinlich sowieso nicht einhalte, kann ich auch gleich etwas von all den Themen in diesen Post hier stecken (und ja trotzdem noch öfter über „Star Wars“ bloggen).

Die Bekanntgabe der Besetzung von Episode VII

Zur Feier des Tages zeigen viele Kinos auf der ganzen Welt dieses Wochenende die sechs Episoden endlich mal wieder auf der großen Leinwand. In München läuft die Saga leider nur in der deutschen Fassung, deswegen bin ich nicht im Kino. Die Original-Trilogie würde ich aber schon gerne mal wieder auf der großen Leinwand erleben, schließlich habe ich sie zum letzten Mal 1997 im Kino gesehen. Die wirklich große Nachricht der letzten Tage war aber natürlich die Ankündigung des Casts von Episode VII auf starwars.com. Eigentlich haben alle erst heute, am 4. Mai, mit dieser Nachricht gerechnet, doch letztendlich hat Disney die Katze ein paar Tage früher aus dem Sack gelassen – wahrscheinlich weil man die Rückkehr von Mark Hamill, Carrie Fisher und Harrison Ford sowieso nicht mehr geheim halten konnte, nachdem alle drei schon mehrere Tage vor der Bekanntgabe in London gesichtet worden waren und immer mehr Gerüchte über eine erste Drehbuchlesung des gesamten Casts die Runde machten. Von dieser Lesung stammt dann auch das einzige offizielle Foto, auf dem man fast alle der angekündigten Schauspieler, sowie Regisseur/Drehbuchautor J.J. Abrams, die Produzenten Bryan Burk und Kathleen Kennedy und den Drehbuchautoren Lawrence Kasdan („The Empire Strikes Back“, „Raiders of the Lost Ark“) sehen kann. Ein bisschen sieht es aus, als säßen sie alle in einem noch nicht für die Eröffnung bereiten IKEA-Kaufhaus auf billigen Sofas herum. Genau wie Millionen anderer Fans werde auch ich dieses Foto in den kommenden Monaten wohl immer und immer wieder anstarren und mir dabei vorstellen, welche Rollen die neuen Darsteller spielen und welche Texte sie da lesen…

Luke, Han und Leia werden also in Episode VII wieder mit dabei sein, 30 bis 35 Jahre älter als bei ihrem letzten Auftritt in „Return of the Jedi“. Weitere alte Bekannte, die erneut mit von der Partie sind, sind Anthony Daniels als C-3PO, Kenny Baker als R2-D2 und Peter Mayhew als Chewbacca. Dass man Kenny Baker extra als offizielles Mitglied des Casts auflistet, finde ich irgendwie süß – schließlich wurde er bereits bei den Dreharbeiten der Prequel-Trilogie nur für eine Handvoll Szenen in R2s blecherne Eingeweide gesteckt und ist als Darsteller heute schlicht und einfach überflüssig. Zudem wird der Mann diesen Sommer 80 Jahre alt und würde sich die Tortur, für Dreharbeiten tagtäglich stundenlang in R2s Innerem zu stecken, sicherlich nicht mehr antun wollen. Aber wie gesagt ist es eine nette Geste, ihn auf die Liste der Darsteller zu setzen, auch wenn R2-D2 nur als ferngesteuertes Modell und in CGI-Form im Film auftauchen wird.

Ich will vor dem Kinostart von Episode VII am liebsten noch überhaupt nichts über die Story wissen, aber eine Vorhersage wage ich jetzt schon mal zu treffen: Han Solo wird sterben. Es ist bekannt, dass Harrison Ford bereits bei den Dreharbeiten zu „Return of the Jedi“ versucht hat, George Lucas davon zu überzeugen, seine Figur sterben zu lassen, da er Hans Entwicklung als abgeschlossen betrachtete und ihm einen Heldentod schenken wollte. Doch Lucas sträubte sich gegen diese Idee und ließ Han leben. Da die kommende Sequel-Trilogie zwar unsere alten Helden zurückbringt, aber auch eine neue Generation von Helden und Schurken vorstellen soll, die Han, Luke und Leia ablösen, scheint es eigentlich nur logisch zu sein, dass mindestens einer der „großen Drei“ dran glauben muss. Harrison Ford hat in Interviews immer wieder Desinteresse und Unlust bekundet, wenn es um das Thema „Star Wars“ ging, ich könnte mir also gut vorstellen, dass er nur unter der Bedingung zugesagt hat, dass es bei einem einzigen weiteren Film für ihn bleibt. Andererseits könnte es aber auch gut sein, dass Luke Skywalker in Episode VII das Zeitliche segnen wird, gerade wenn man sich zumindest Geroge Lucas‘ Vorliebe für Parallelen zwischen den Filmtrilogien anschaut: In den ersten beiden Filmen der bisherigen Trilogien stirbt jeweils der weise Jedi-Mentor (Qui-Gon Jinn bzw. Obi-Wan Kenobi) und diese Rolle wird nun wohl Luke ausfüllen. Dass mehr als einer der großen Drei pro Film stirbt, kann ich mir allerdings schlecht vorstellen (und es sei noch angemerkt, dass George Lucas zwar einen kurzen Handlungsabriss für Episode VII vorgelegt hat, ansonsten mit dem Drehbuch oder dem Film überhaupt außer einer „Beraterfunktion“ nicht viel zu tun hat).

Die neuen Schauspieler

Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher sehen auf dem Foto jedenfalls blendend aus, was vor allem bei den letzteren beiden wirklich erwähnenswert ist. Wenn man ihr jetztiges Erscheinungsbild mit Fotos von vor etwa einem Jahr vergleicht, sieht man, dass Hamill und Fisher sich für Episode VII ganz schön in Form gebracht haben. So soll es sein! Bevor ich zur Bedeutung von Peter Mayhews erneuter Mitwirkung komme, möchte ich noch kurz auf die neuen Darsteller eingehen: Da wäre zunächst die unbekannteste von allen, Daisy Ridley. Auf ihrer imdb-Seite ist kein Geburtsdatum angegeben, aber soweit ich weiß ist sie um die 20 Jahre alt und damit etwa so alt wie Carrie Fisher bei den Dreharbeiten zu „Star Wars“. Auf dem Foto hat sie meiner Meinung nach zudem eine wirklich erstaunliche Ähnlichkeit zu Natalie Portman und wäre damit ihrer Großmutter aus dem „Star Wars“-Universum, Padmé Amidala, wie aus dem Gesicht geschnitten. Schon klar, noch weiß niemand, welche Figur Ridley spielen wird, aber aufgrund dieser Ähnlichkeit zu Portman und auch zur jungen Carrie Fisher gehe ich einfach mal davon aus, dass sie die Tochter von Han und Leia sein wird. Schließlich sitzt sie auf dem Cast-Foto ja auch zwischen Harrison Ford und Carrie Fisher…

Mit dem Rücken zum Betrachter sitzt in der vorderen Bildmitte der 1983 geborene Domhnall Gleeson, Sohn des bekannten irischen Schauspielers Brendan Gleeson. Vater und Sohn haben beide in mehreren „Harry Potter“-Filmen mitgespielt – der Vater als „MadEye“ Moody, der Sohn in den letzten beiden Filmen als Bill Weasley. Zudem ist Domhnall Gleeson in letzter Zeit positiv in Joe Wrights „Anna Karenina“ und in „About Time“ („Alles eine Frage der Zeit“) aufgefallen. Optisch könnte er gut als Sohn von Luke Skywalker durchgehen, aber in diesem Fall will ich mich da noch auf keinen Tipp festlegen. Links im Bild sitzt Andy Serkis, einer der größten Filmschauspieler des Planeten, dessen Kunst aber leider viel zu wenig gewürdigt wird. Der 50-jährige ist nämlich vor allem für seine Darstellungen im performance capture-Verfahren bekannt, bei denen er in lächerlichen, über und über mit hellen Punkten oder Kugeln beklebten Strampelanzügen im Studio eine Figur spielt, die dann am Computer vervollständigt wird. Am bekanntesten ist sicher seine Gollum-Darstellung in den „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Filmen, aber Peter Jacksons „King Kong“ hat er auf diese Weise ebenso zum Leben erweckt wie Caesar, den Affen aus „Rise of the Planet of the Apes“ und dem kommenden „Dawn of the Planet of the Apes“. Des weiteren spielte er auch in Steven Spielbergs „Tintin“-Verfilmung als Captain Haddock mit. Als „normalen“ Schauspieler aus Fleisch und Blut kann man ihn unter anderem in „The Prestige“ oder in einer weiteren Rolle als Schiffskoch in „King Kong“ bewundern. Bei Serkis stellt sich natürlich die Frage, ob er in „Star Wars“ erneut eine performance capture-Darstellung abliefern oder eine ganz konventionelle Rolle spielen wird. Ich tippe mal auf ersteres. Es liegt doch nahe, dass eine der Hauptfiguren in Episode VII ein Alien (oder etwas ähnliches) sein wird, das am Computer erzeugt, aber von einem Menschen gespielt wird. Filme wie „Avatar“ oder „Der Hobbit“ haben bewiesen, dass dies technisch längst kein Problem mehr ist. Da Serkis der weltweit größte Experte auf diesem Gebiet der Schauspielerei sein dürfte, ist es nur logisch, wenn J.J. Abrams und Kathleen Kennedy (die mit Serkis schon bei „Tintin“ zusammengearbeitet hat) ihn an Bord holen. Auf diese Weise bekommen hoffentlich auch die „Star Wars“-Filme endlich eine computergenerierte Hauptfigur, die es was den emotionalen Ausdruck und die Interaktion mit den anderen Figuren betrifft mit ihren „menschlichen“ Kollegen aufnehmen kann.

Neben Serkis im Bild sitzt Oscar Isaac, geboren in Guatemala und 34 Jahre alt. Sein bislang größter Erfolg war die Hauptrolle im letztjährigen „Inside Llewyn Davis“ der Coen-Brüder, davor ist er unter anderem als herrlich fieser Prinz John in Ridley Scotts „Robin Hood“ positiv aufgefallen und wird demnächst in der Literaturverfilmung „Die zwei Gesichter des Januars“ zu sehen sein. Wen er in „Star Wars“ spielen wird? Ich habe keine Ahnung… Als nächster sitzt in der Runde der 22-jährige John Boyega, der für seine Rolle in „Attack the Block“ viel Lob bekommen hat (ich habe den Film leider noch nicht gesehen, werde ihn aber – genau wie einige andere Filme der neuen „Star Wars“-Schauspieler – demnächst nachholen). Demnächst wird er außerdem in einigen Folgen der neueun Staffel von „24“ zu sehen sein. Allein die Tatsache, dass er schwarz ist, hat viele Leute dazu veranlasst, in ihm „Lando Calrissian Jr.“ zu sehen, doch daran glaube ich nicht bzw. ich hoffe es auch nicht. Ich möchte nicht, dass alle neuen Rollen die Söhne, Töchter oder Enkel von bekannten Charakteren sind, sondern hoffe, dass Abrams und Kasdan da etwas cleverer vorgehen und auch ein paar Figuren, die nicht mit den bekannten Helden verwandt sind, ins Spiel bringen. Zudem wäre es seltsam, Landos Sohn im Film zu haben, aber Lando Calrissian selbst nicht – dessen Darsteller Billy Dee Williams hat seine Bereitschaft zur Rückkehr in die weit, weit entfernte Galaxis in den letzten Monaten immer wieder bekundet, scheint aber nicht in Episode VII dabei zu sein. Es könnte sein, dass man seinen Auftritt im Film noch geheim halten will, es könnte aber ebenso gut sein, dass er – wie in der Original-Trilogie – erst im zweiten Film wieder mit dabei sein soll. Oder eben gar nicht, worüber ich jetzt auch nicht todunglücklich wäre.

Einen letzten neuen Darsteller im Bild haben wir noch: Adam Driver. Der 30-Jährige ist vor allem durch seine Hauptrolle in der HBO-Serie „Girls“ bekannt, in der er trotz seiner „Star Wars“-Verpflichtung auch weiterhin mitspielen wird. Weiterhin konnte man ihn in Nebenrollen in Steven Spielbergs „Lincoln“, in „Inside Llewyn Davis“ und in dem großartigen „Frances Ha“ sehen. Gerüchte um Drivers Mitwirkung an Episode VII waren schon Monate vor der offiziellen Ankündigung im Umlauf und stets hieß es dabei, er werde den neuen Bösewicht spielen. Optisch kann ich mir das jedenfalls ziemlich gut vorstellen, der Kerl hat ein sehr charismatisches Gesicht und kann bestimmt herrlich fies lachen (was sich als nützlich erweisen sollte, falls er einen dunklen Jedi oder eine ähnliche Figur spielen wird).

Nun wissen wir also, wer in Episode VII mitspielen wird. Was wir noch nicht wissen, ist wen die neuen Darsteller spielen und wie groß ihre jeweiligen Rollen ausfallen werden. In einer früheren Pressemiteilung von Lucasfilm war vor einigen Wochen die Rede von einem „neuen Trio von Hauptfiguren“, das wohl im Lauf der kommenden drei Filme die Nachfolge von Luke, Han und Leia antreten soll. Dabei dürfte es sich um Daisy Ridley, John Boyega und Domhnall Gleeson bzw. Oscar Isaac handeln. Nach der Bekanntgabe des Casts wurde zudem von vielen Seiten Kritik geäußert, der Cast sei zu weiß und zu männlich. Tatsächlich befindet sich unter den neuen Darstellern nur eine Frau (Ridley) und ein Schwarzer (Boyega), während Oscar Isaac lateinamerikanischen Ursprungs ist. Bevor man die Zusammensetzung des Casts kritisiert, sollte man sich aber bewusst machen, dass – wie gerade erwähnt – noch nicht bekannt ist, wie groß die Rollen der jeweiligen Schauspieler ausfallen werden. Wenn Ridley und Boyega Teil des neuen Helden-Trios sein sollten, dann hätten wir damit schon eine junge Frau und einen Schwarzen in Hauptrollen. Zudem gibt es immer noch Gerüchte um eine noch nicht besetzte bzw. noch nicht bekannt gegebene weitere Rolle im Film, bei der es sich um eine weibliche Rolle handeln soll, für die angeblich Lupita Nyong’o im Gespräch ist – eine schwarze Darstellerin, die vor kurzem einen Oscar für ihre Rolle in „12 Years A Slave“ gewonnen hat. Darüber hinaus bin ich überzeugt davon, dass J.J. Abrams noch nicht alle Karten ausgespielt hat und es zumindest noch kleine Rollen im Film gibt, über die noch nichts bekannt gegeben worden ist und mit denen das Publkum im Dezember 2015 im Kino vielleicht überrascht werden soll.

Fast vergessen hätte ich jetzt Max von Sydow, ganz einfach weil der 85-jährige nicht auf dem Cast-Foto zu sehen ist. Der schwedische Schauspieler ist natürlich eine Legende, man braucht nur seine Rolle in „Der Exorzist“ erwähnen. Ich kenne ihn aber auch aus Filmen wie „Minority Report“ oder Ridley Scotts „Robin Hood“. Seine Mitwirkung an Episode VII finde ich sehr interessant, weil man sich sofort fragt, welche Rolle er denn spielen wird? Den Kanzler der (Neuen) Republik? Einen aus der Versenkung aufgetauchten Sith-Lord? (Bitte nicht!) Einen Offizier der versprengten Überreste des Imperiums? Ein Schauspieler dieses Kalibers wird den Film auf jeden Fall nochmal um einiges aufwerten.

Werden „alte“ oder „neue“ Helden im Mittelpunkt stehen?

Eine Sache, die im Zusammenhang mit dem Cast noch ansprechen möchte, ist die Frage, ob denn nun eher die alten Helden – also Luke, Han und Leia – oder die neue Generation im Vordergrund von Episode VII stehen werden. Ich habe die Gerüchte um Episode VII seit der Ankündigung des Films Ende Oktober 2012 natürlich intensiv verfolgt. Die spannendste von all den Meldungen der vergangenen Monate war die Nachricht, dass das ursprüngliche, von Michael Arndt („Toy Story 3“, „Little Miss Sunshine“) geschriebene Drehbuch für Episode VII zugunsten einer neuen Drehbuchfassung von J.J. Abrams und Lawrence Kasdan verworfen worden sein soll. Wenn man diesen Gerüchten Glauben schenkt, dann hat Arndt in seinem Drehbuch den Fokus deutlich auf eine neue Generation von Helden gelegt, während Han, Luke und Leia nur kurze Auftritte darin hatten. J.J. Abrams wollte allerdings unsere bekannten Helden noch einmal zumindest für einen Film in den Mittelpunkt stellen, wewegen das nun vorliegende Drehbuch – für das Arndt nicht mehr als Autor genannt wird – erheblich von Arndts Fassung abweichen soll. Sollte dieses Gerücht stimmen – und ich hoffe, wir werden das eines Tages in einem „Makin of“-Buch erfahren – dann kann ich es Abrams jedenfalls nicht verübeln, dass er für Episode VII noch einmal einen richtig großen Auftritt der großen Drei herbei zaubern möchte (eventuell inklusive eines richtig großen Abgangs von mindestens einem der Drei). Neuesten Gerüchten zufolge soll Episode VII ja ganz auf Harrison Ford zugeschnitten sein, was ich dann doch wieder ein wenig bedenklich fände. Es würde aber zu dem Bild passen, dass ich von Ford habe: dass er nur unter der Bedingung zusagt, eine große Hauptrolle zu spielen, die einen dramatischen Tod im letzten Drittel des Films beinhaltet, womit sich dann das Thema „Star Wars“ für ihn endgültig erledigt hätte. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher, wie viel wir von den neuen Cast-Mitgliedern sehen werden; vielleicht werden sie erst in den Episoden VIII und IX wirklich im Mittelpunkt stehen.

Ich freue mich jedenfalls nach wie vor riesig auf Episode VII. Ich liebe J.J. Abrams‘ „Star Trek“-Filme über alles und bin überzeugt davon, dass er der richtige Mann für den „Star Wars“-Regiestuhl ist. Zudem hat der Mann bei „Star Trek“ und anderen Projekten immer wieder bewiesen, was für ein gutes Gespür er fürs Casting hat und kann – im Gegensatz zu George Lucas – auch wirklich gut mit Schauspielern arbeiten. Und weil es hier gerade so schön passt, poste ich einfach mal einen kurzen Videogruß von Abrams und seinem Ko-Drehbuchautoren Lawrence Kasdan, die uns aus London einen fröhlichen „Star Wars-Day“ wünschen:
Besonders interessant an dem Video ist übrigens die Tatsache, dass Abrams sagt „casting announcements continue“! Wer Lust hat, sich noch mehr Fan-Meinungen zur großen Carsting-Meldung anzuhören, dem empfehle ich die aktuelle Folge eines meiner Lieblingspodcasts, „The Incomparable“ (Episode 193 „Don’t Worry, We Got This“). Darin diskutieren einige „Star Wars“-Fans über eine Stunde lang darüber, was die angekündigte Besetzung des Films denn nun bedeutet und was sie sich von Episode VII erwarten.

Das Ende des „Expanded Universe“…?

So viel also zum Casting. Zwei andere Dinge wollte ich noch kurz ansprechen (eigentlich wollte ich ja wie gesagt mehrere Blogposts schreiben, aber sei’s drum, erledige ich halt alles auf einmal). Einige Tage vor der Bekanntgabe der Besetzung hat Lucasfilm nämlich eine Meldung herausgegeben, die das „Star Wars“-Fandom weit mehr erschüttert hat. Darin wurde endlich offiziell gemacht, was viele schon lange befürchtet hatten: Sämtliche Geschichten des „Expanded Universe“ (EU), also alle Romane, Comics, Videospiele usw. aus dem „Star Wars“-Universum, die in den letzten 37 Jahren erschienen sind, sind nun nicht mehr offizieller „Star Wars“-Kanon. Zwar hat man sich bislang stets darum bemüht, dass all die in verschiedenen Medien erzählten Geschichten zueinander passen und aufeinander aufbauen, doch für die kommenden Filme hätte es eine zu große kreative Einschränkung bedeutet, sich an all das halten zu müssen, was im EU erzählt worden ist. Die Geschichten von Han, Luke, Leia und ihren Kindern sind in den Comics und Romanen inzwischen bis ins Jahr 45 nach der Schlacht von Yavin (im ersten „Star Wars“-Film, der damit das Jahr 0 darstellt) erzählt worden, also bis zu einem Zeitpunkt, an dem Luke Skywalker etwa 64 Jahre (und Han Solo dementsprechend noch ein paar Jahre älter) ist. Man hätte also mit Episode VII theoretisch an diesem Punkt anknüpfen können, das Alter der Schauspieler würde ja ungefähr passen. Aber man hätte sich eben auch an all die Vorgaben aus dem EU halten müssen, unter anderem zum Beispiel daran, dass Chewbacce dort inzwischen gestorben ist (in Episode VII ist er ja nun wieder dabei), Han und Leia drei Kinder bekommen haben, von denen zwei schon wieder gestorben sind (eines, nachdem es zum Sith-Lord geworden ist) und Luke geheiratet, einen Sohn bekommen und seine Frau später ebenfalls verloren hat.

All diese Geschichten sind nun „Legenden“ – die Bücher sollen zwar weiterhin neu aufgelegt werden, aber mit einem „Legends“-Banner auf dem Cover, damit klar wird, dass es sich hierbei quasi um ein alternatives Universum handelt. Ich verstehe zwar, dass diese Entscheidung aus kreativer Sicht notwendig war, sie hinterlässt bei mir aber trotzdem einen bittersüßen Beigeschmack. In den letzten Jahren habe ich zwar nicht mehr so viele „Star Wars“-Bücher gelesen, aber früher habe ich sie gerade zu verschlungen. In meinem Kopf existiert also dieses Universum, in dem Luke Skywalker nach dem Tod von Darth Vader und dem Sieg über das Imperium einen neuen Jedi-Orden aufbaut, in dem eine der nächsten großen Bedrohungen für die neu gegründete Republik vom blauhäutigen Großadmiral Thrawn ausgeht, in dem Leia vorübergehend Staatschefin dieser Republik wird, in dem in einem ganz schrecklichen Buch ihre und Hans Kinder entführt werden, in dem eine extra-galaktische Spezies namens Yuuzhan Vong einen sich durch 19 Bücher ziehenden Vernichtungskrieg gegen unsere geliebte weit, weit entfernte Galaxis führt… All das soll nun nur noch „Legende“ sein? Ich versuche es positiv zu sehen: Es war schön, dass wir diese Abenteuer erleben durften. Gleichzeitg hat es mich angespornt, vor dem Kinostart von Episode VII noch möglichst viele der mir noch fehlenden Bücher zu lesen, die in der Zeit zwischen den Episode VI und VII spielen (wobei sie ja eigentlich nicht wirklich dort spielen, schon klar, sondern quasi auf verschiedenen Zeitstrahlen). Das wären in erster Linie die „Fate of the Jedi“-Reihe („Das Verhängnis der Jedi-Ritter“) sowie der im Anschluss daran spielenden Roman „Crucible“ („Feuerprobe“), der eben jene erwähnte 45-Jahres-Marke markiert.

Etwas weiteres positives hat die ganze Sache auch noch: Ab sofort sollen alle Geschichten aus dem „Star Wars“-Universum offiziell miteinander verbunden sein, es gehört also alles, was in Zukunft veröffentlich wird, zum Kanon. Dieser Kanon besteht bislang aus den sechs Filmen und den sechs Staffeln (sowie dem Kinofilm) der „The Clone Wars“-Animationsserie und wird durch die weiteren Filme, die kommende „Star Wars: Rebels“-Serie und eben alle in Zukunft erscheinenden Bücher, Spiele, Comics usw. ergänzt. In diesem Sinne wird es gar kein neues Expanded Universe geben, weil alle Geschichten auf der gleichen Stufe stehen werden; was in einem Roman steht, zählt dann genauso viel wie das, was in einem der Filme vorkommt. Bei Lucasfilm wurde eigens eine „story group“ eingerichtet, die darüber zu wachen hat, dass all diese Erzählungen zueinander passen und sich nichts widerspricht. Weiterhin werden Elemente des alten EU auch in den Geschichten des neuen „Star Wars“-Universums fortleben, denn all die Geschichtenerzähler, die sich mit Filmen, Serien, Büchern usw. in diesem Universum austoben, dürfen sich natürlich nach Lust und Laune an den bereits bestehenden Geschichten und Figuren bedienen. So könnte es also durchaus sein, dass Han und Leia in Episode VII eine Tochter haben werden, die Jaina heißt – genau wie im alten EU. (Wenn das so sein sollte und Jaina von Daisy Ridley gespielt werden sollte, dann wäre sie zumindest deutlich jünger als im EU und damit eindeutig nicht die gleiche Jaina.) Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Sache entwickeln wird und ob zum Beispiel die ganze „frei gewordene Zeit“ nach „Return of the Jedi“ allmählich mit ganz neuen Geschichten aufgefüllt werden wird. Für einen Neueinstieg in die Welt der „Star Wars“-Bücher ist der Zeitpunkt jetzt jedenfalls günstig. Es wurden bereits vier neue Romane angkündigt, die nicht mehr zum alten EU gehören, sondern Teil der neuen Kontinuität sein werden. Darunter ist mit „Heir to the Jedi“ ein Luke Skywalker-Abenteuer, das zwischen Episode IV und V spielt und mit „Lords of the Sith“ ein Buch, dass sich vor allem Darth Vader und dem Imperator widmen und in der Zeit zwischen Episode III und dem Beginn der neuen Animationsserie „Rebels“ spielen wird. Auch diese Bücher habe ich mir vorgenommen zu lesen und hoffe, dass sich das lohnen wird, schließlich sind ab jetzt alle Geschichten offiziell miteinander verbunden, so dass in den Romanen durchaus Informationen und Ereignisse eine Rolle spielen können, die im Hinblick auf Episode VII oder „Rebels“ relevant sind.

Hier noch das Video, das begleitend zur Pressemitteilung über das Ende des EU veröffentlicht wurde:

Star Wars: Rebels

Zum Schluss und der Vollständigkeit halber poste ich nun noch den heute veröffentlichten Trailer zur neuen Animations-Serie „Star Wars: Rebels“. Ich freue mich wirklich auf die Serie, da sie vom gleichen Team stammt, das uns „The Clone Wars“ gebracht hat – und diese Serie wurde bis zu ihrem leider zu frühen Schluss immer besser (die sechste Staffel habe ich noch gar nicht gesehen, bin aber auch darauf natürlich sehr gespannt). Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es eine Verbindung zwischen „Rebels“ und Episode VII geben wird, wahrscheinlich in Form einer Figur, die sowohl in der Serie als auch im Film auftauchen wird. Die erste „Rebels“-Folge soll in den USA im Herbst ausgestrahlt werden, beim Kinostart von Episode VII wird sich die Serie also bereits in ihrer zweiten Staffel befinden. Sie spielt fünf Jahre vor Episode IV, also zu einem ganz anderen Zeitpunkt als Episode VII, aber das muss ja gegen eine Verbindung sprechen. Ich bin gespannt und finde, dieser Trailer sieht schon ganz ordentlich aus. Letztendlich kommt es aber vor allem auf die Geschichten an, die Dave Filoni und sein Team in „Rebels“ erzählen werden.

Möge die Macht mit Euch sein!

Meine Oscar-Tipps

Heute Nacht ist es wieder so weit: in Los Angeles werden die Preise der Academy of Motion Picture Arts and Sciences – besser bekannt als Oscars – verliehen. Wie bereits im letzten Jahr wage ich mich hier wieder an eine Vorhersage der Preisträger (hier kann man die Nominierungen nachlesen). Leider habe ich dieses Jahr relativ wenige der nominierten Filme gesehen, was mich aber natürlich nicht davon abgehalten hat, trotzdem fleißig zu recherchieren, wie sich die Nominierten denn in den vorausgegangenen Preisverleihungen, wie zum Beisiel den Golden Globes, so geschlagen haben. Auf der Grundlage dieser Fakten wage ich es also, folgende Prognosen zu treffen:

Bester Film
Neun Filme sind dieses Jahr für den „besten Film“ nominiert, doch das Feld lässt sich leicht auf drei Kandidaten einschränken, wenn man sich anschaut, welche Filme bei den anderen Preisverleihungen dieser Saison hier gewonnen haben. Bei den Golden Globes, wo jedes Jahr eine „beste Komödie“ und ein „bestes Drama“ ausgezeichnet werden, haben „American Hustle“ und „12 Years a Slave“ gewonnen. Bei den BAFTAs – den „britischen Oscars“ – wurde „12 Years a Slave“ ausgezeichnet (während „Gravity“ zum besten britischen Film gewählt wurde). Und bei den Preisen der amerikanischen Filmproduzentengilde kam es zu einem überraschenden Gleichstand zwischen „Gravity“ und „12 Years a Slave“. Hmmm…
Damit dürfte jedenfalls feststehen, dass die sechs weiteren Nominierten („Dallas Buyers Club“, „Her“, „Nebraska“, „Philomena“, „Captain Phillips“ und „The Wolf of Wall Street“) in der Königskategorie keine Chance haben. Aber welcher Film wird nun das Rennen machen? „American Hustle“ ist klassisches Schauspielerkino mit großartigen Leistungen aller Darsteller. „Gravity“ ist ein Film, der die Grenzen des im Kino Mach- und Zeigbaren ein Stück verschoben hat und allein deswegen preiswürdig wäre; allerdings könnte er der Academy auch zu nah am Mainstream liegen (er hat das höchste Einspielergebnis aller Nominierten). Und obwohl es sich bei „Gravity“ streng genommen nicht um einen Science-Fiction-Film handelt, könnte die Tatsache, dass es eben trotzdem ein Weltraumfilm mit Action-Elementen ist, einige Mitglieder der Academy vielleicht abschrecken. „12 Years a Slave“ wiederum ist ein sehr ernster Film über ein ernstes Thema (und zudem über einen Teil der amerikanischen Geschichte), brilliant gespielt, aber eben auch ziemlich schwere Kost.
Ich tippe mal darauf, dass „Gravity“ in den technischen Kategorien abräumen wird, aber nicht zum besten Film gekürt wird. Auch „American Hustle“ sehe ich nicht vorne, also lautet mein Tipp „12 Years a Slave“. Das wäre meiner Meinung nach auch vollkommen verdient, da es sich dabei um einen der besten Filme handelt, die ich in den letzten Jahren (!) gesehen habe. Und obwohl ich auch ein sehr großer Fan von „Gravity“ bin, bin ich zufrieden, wenn er für Kamera, Effekte usw. ausgezeichnet wird.

Bester Hauptdarsteller
Leonardo DiCaprio ist in diesem Jahr zum vierten Mal als Schauspieler nominiert, insofern wird es langsam mal Zeit für eine Auszeichnung, zumal inzwischen auch wirklich jeder kapiert haben dürfte, dass der frühere Teenie-Schwarm schon seit langem ein großer Schauspieler ist. Übrigens ist er dieses Jahr als einer der Produzenten von „The Wolf of Wall Street“ auch für den besten Film nominiert. Er wird aber wohl in beiden Kategorien leer ausgehen, denn mit Matthew McConaughey ist die Konkurrenz einfach zu stark. Nachdem McConaughey viele Jahre vor allem für Liebeskomödien bekannt war, hat er es in den letzten zwei Jahren geschafft, seiner Karriere eine völlig neue Richtung zu geben und eindrucksvolle Leistungen in tollen Filmen abgeliefert („Magic Mike“, „Killer Joe“, „Mud“). Für „Dallas Buyers Club“ hat er sich fast bis auf die Knochen herunter gehungert, was ihm bei den Oscars Bonuspunkte einbringen dürfte. Ich fand zwar die Leistung von Chiwetel Ejiofor in „12 Years a Slave“ viel beeindruckender (für die er auch einen BAFTA gewonnen hat), aber es wird wohl auf McConaughey hinaus laufen. Den Golden Globe und einen Screen Actors Guild Award hat er für seine Rolle schon bekommen, ab morgen wird er sich wahrscheinlich dann den Oscar auch noch in den Schrank stellen können.

Beste Hauptdarstellerin
Auch Amy Adams hat in diesem Jahr für „American Hustle“ bereits ihre fünfte Oscarnominierung erhalten und so gut, wie sie eigentlich fast immer ist, hätte sie einen Oscar für irgendetwas auf jeden Fall längst verdient. Aber auch hier scheint die Konkurrenz noch stärker zu sein: Cate Blanchett spielt in Woody Allens „Blue Jasmine“ einfach hervorragend und hat auch alle anderen wichtigen Preise bekommen. Ein zweiter Oscar für sie scheint die logische Folge zu sein. „Gravity“ wird sich wie gesagt wohl mit Auszeichnungen in technischen Kategorien begnügen müssen, weswegen Sandra Bullock leer ausgehen wird. Meryl Streep ist zum 18. Mal als Schauspielerin nominiert (Rekord!), hat aber bereits drei Oscars. Genau wie Streep ist auch Judi Dench in eigentlich allen Rollen phantastisch – gegen Cate Blanchett haben sie in diesem Jahr aber alle keine Chance.

Bester Nebendarsteller
Der 28jährige Barkhad Abdi ist als Pirat in „Captain Phillips“ in seiner allerersten Kinorolle zu sehen – und wurde dafür gleich für den Oscar nominiert. Obwohl er bereits einen BAFTA gewonnen hat, wird er heute Nacht wohl leer ausgehen, denn auch in dieser Kategorie gibt es einen ziemlich eindeutigen Favoriten: Jared Leto, 90er-Jahre-Teenieidol, Frontmann der Rockband Thirty Seconds to Mars und schon lange auch ernstzunehmender Schauspieler („Fight Club“, „Requiem For a Dream“). Für seine Darstellung der HIV-positiven transsexuellen Rayon in „Dallas Buyers Club“ wurde er bereits mit einem Golden Globe und einem Screen Actors Guild Award ausgezeichnet. Mit auch schon 42 Jahren ist Leto übrigens der älteste der fünf in dieser Kategorie Nominierten. Mein Favorit ist allerdings ein anderer: Ich würde gerne Michael Fassbender für seine Rolle als sadistischer Sklavenbesitzer in „12 Years a Slave“ geehrt sehen, zumal eine Auszeichnung für Fassbender für irgendetwas auch allmählich fällig ist.

Beste Nebendarstellerin
Hier ist das Rennen etwas offener. Die 84jährige June Squibb ist für ihre Rolle in Alexander Paynes „Nebraska“ nominiert, Sally Hawkins für ihre Rolle als Cate Blanchetts ungleiche Schwester in „Blue Jasmine“ und Julia Roberts hat sich mit „August Osage County“ nach einiger Zeit Leinwandabstinezn eindrucksvoll zurück gemeldet und wurde ebenfalls mit einer Nominierung bedacht. Die beiden Favoriten aber sind „Jennifer Lawrence“ („The Hunger Games“) für ihre Rolle in „American Hustle“ und Lupita Nyong’o für ihre erste Spielfilmrolle in „12 Years a Slave“. Lawrence hat den Golden Globe und den BAFTA gewonnen, Nyong’o dagegen den Screen Actors Guild Award. Gegen Lawrence spricht vor allem die Tatsache, dass sie erst letztes Jahr für „Silver Linings Playbook“ ausgezeichnet worden und zudem erst 23 Jahre alt ist – für weitere Oscars bleibt da noch genug Zeit. Ihre Performance in „American Hustle“ war zweifellos sehr, sehr gut, wenn man über die Tatsache hinwegsehen konnte, dass sie für ihre Rolle dort mindestens zehn Jahre zu jung ist. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass die Academy sie in diesem Jahr erneut auszeichnet, tippe aber mal auf Lupita Nyong’o. Sie wäre auch meine eigene Wahl.

Beste Regie
Hier gibt es einen klaren Favoriten: Alfonso Cuarón hat mit Gravity Bilder auf die Leinwand gezaubert, wie wir sie zuvor noch nicht gesehen haben. Jahrelang musste der mexikanische Regisseur (der mit „Der Gefangene von Askaban“ den einzigen wirklich guten „Harry Potter“-Film gedreht hat) warten, bis die Technik überhaupt so weit war, um die Bilder, die ihm vorschwebten, auch genau so auf die Leinwand bringen zu können. Den Regie-Oscar bekäme er völlig verdient. Zwar wäre auch für David O. Russell („Silver Linings Playbook“, „The Fighter“) langsam mal einer fällig, aber Cuarón hat alle anderen wichtigen Preise abgeräumt – warum sollte es bei den Oscars anders sein? Dass Martin Scorcese für seinen außer Kontrolle geratenen „The Wolf of Wall Street“ nominiert worden ist, darüber kann man sicherlich streiten. Echte Siegchancen dürfte er jedenfalls ebenso wenig haben wie Russell, Steve McQueen („12 Years a Slave“) oder Alexander Payne („Nebraska“). Wenn ich richtig liege, dann gehen die Preise für die beste Regie und den besten Film an unterschiedliche Filme, was nur sehr selten der Fall ist (aber im letzten Jahr ja auch vorkam, wo „Argo“, der als bester Film gewann, nicht einaml für die Regie nominiert war).

Bester Animationsfilm
Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass diese Kategorie 2001 gerade dann erst eingeführt wurde, als es mit der Zeit der großen Disney-Trickfilme vorbei war. Allerdings waren seitem fast alle Pixar-Filme in dieser Kategorie nominiert – und Pixar gehört ja auch längst zu Disney. Die einzige Ausnahme war bislang „Cars 2“ – bis in diesem Jahr das aktuelle Pixar-Werk („Die Monster Uni“ / „Monsters University“) ebenfalls ohne Nominierung blieb. Dafür sind nun aber die Disney Animation Studios selbst wieder zum Zug gekommen: Mit „Frozen“ („Die Eiskönigin“) ist ihre Version des Hans Christian Andersen-Märchens nominiert worden und auch klarar Favorit. Die anderen Nominierten – darunter Hayao Miyazaki für „The Wind Rises“ – werden wohl das Nachsehen haben.

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bester Fremdsprachiger Film: „La Grande Bellezza“ („Die große Schönheit“) von Paolo Sorrentino (Italien)
Bestes adaptiertes Drehbuch: „12 Years a Slave“ von John Ridley – Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der hier lieber Richard Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke für „Before Midnight“ ausgezeichnet sehen würde. Die drei „Before…“-Filme sind so wunderbar geschrieben, dass eine Auszeichnung eigentlich mal fällig wäre.
Bestes Originaldrehbuch: „Her“ von Spike Jonze – Es könnte auch „American Hustle“ werden, aber da „Her“ bei den Golden Globes, den Critics Choice Awards und den Writers Guild Awards gewonnen hat, sehe ich den Film auch hier vorne. Außerdem ist die Drehbuchkategorie traditionell die Kategorie, in der Filme ausgezeichnet werden, die eigentlich auch Preise in den ganz großen Kategorien verdient hätten, aber dann doch irgendwie zu speziell dafür sind. Das trifft auf Spike Jonzes Liebesgeschichte zwischen einem Mann (Joaquin Phoenix) und der Computerstimme seines Handys (Scarlett Johansson) definitiv zu.
Beste Ausstattung (Production Design): „12 Years a Slave“ (Adam Stockhausen & Alice Baker) – es könnte aber auch „The Great Gatsby“ werden…
Beste Kamera (Cinematography): Ganz klar Emmanuel Lubezki für „Gravity“
Bester Ton (Sound Mixing): „Gravity“ (Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro)
Bester Tonschnitt (Sound Editing): „Gravity“ (Glenn Freemantle)
Beste Musik: „Gravity“ (Steven Price) – natürlich würde ich es als großer John Williams-Fan gerne sehen, wenn der Altmeister für „The Book Thief“ noch einmal ausgezeinet würde, aber seine Chancen stehen leider nicht gut. (Und ich kenne den Film und seine Musik auch noch gar nicht.)
Bestes Lied: „Let It Go“ aus „Frozen“, komponiert und geschrieben von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez. Da bei den Golden Globes allerdings „Ordinary Love“ aus „Mandela: Long Walk to Freedom“ ausgezeichnet wurde und die Academy ja immer wieder gerade so scheinbar offensichtliche Sieger wie „Let It Go“ nicht ausgezeichnet hat, könnte auch hier „Ordinary Love“ die Nase vorn haben.
Beste Kostüme: „The Great Gatsby“ (Catherine Martin). Oder doch „12 Years a Slave“…?
Beste Dokumentation: „The Square“ von Jehane Noujaim und Karim Amer
Beste Kurzdokumentation: „The Lady in Number 6: Music Saved My Life“ von Malcolm Clarke und Nicholas Reed – Bei den Doku-Kategorien schieße ich übrigens ziemlich ins Blaue hinein. Ich habe leider keinen der nominierten Filme gesehen und die „Experten“ auf die ich mich in solchen Fällen verlasse sind sich auch nicht einig.
Bester Schnitt: Ich tippe auch in dieser technischen Kategorie mal auf „Gravity“ (Alfonso Cuarón und Mark Sanger). Fast immer gewann bisher übrigens der „beste Film“ auch den Preis für den besten Schnitt. Aber kann ja dieses Jahr mal anders sein.
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Dallas Buyers Club“ (Adruitha Lee und Robin Mathews)
Bester animierter Kurzfilm: „Mr. Hublot“ von Laurent Witz und Alexandre Espigares
Bester Kurzfilm: „The Voorman Problem“ von Mark Gill und Baldwin Li (und mit Martin Freeman und Tom Hollander)
Beste visuelle Effekte: „Gravity“ (Tim Webber, Chris Lawrence, David Shirk und Neil Corbould)