Filmtonart: Wie klingt der Krieg der Sterne?

Nachdem ich von meinem ersten Film auf dem diesjährigen Filmfest München nicht gerade begeistert gewesen war, war dafür bei meinem nächsten Programmpunkt Begeisterung vorprogrammiert: Raus aus dem Kino und unter die gnadenlos vom Himmel brennende Sonne ging es für mich nun zu „Filmtonart“, einem eintägigen, jedes Jahr zeitgleich mit dem Filmfest stattfindenden „Forum für Musik und Ton“. Die dort stattfindenden Vorträge und Diskussionsrunden beschäftigen sich alle mit (Film-)Musik, ich war aber nur für ein Panel gekommen: „Star Wars – Wie klingt der Krieg der Sterne?“. Eine Stunde lang diskutierten dort  Prof. Karim Sebastian Elias (Komponist und Professor an der HFF in Potsdam-Babelsberg), Dr. Vasco Hexel (Komponist und Professor am Royal College of Music in London) und Jun. Prof. Dr. Peter Moormann (Musikwissenschaftler und Juniorprofessor an der Universität zu Köln) unter der Moderation von Gregor Wossilus (Onlineredakteur bei kinokino) über die weltbekannte Musik, die John Williams für die „Star Wars“-Saga geschrieben hat.

Zugegeben, für mich als langjährigen Fan von „Star Wars“, John Williams und Filmmusik im Allgemeinen hielt sich der Erkenntnisgewinn dabei in Grenzen. Die „Star Wars Suite“ wurde als eine der meistgespielten und bedeutendsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts gewürdigt und neben John Williams wurde auch George Lucas häufig gelobt. Der Regisseur habe es nämlich verstanden, der Musik in den Filmen Raum zu geben, John Williams immer wieder große Momente zu erlauben und sei generell ein sehr intelligenter Filmemacher. John Williams wiederum wurde als „Fährtenleger“ bezeichnet, dessen musikalische Themen und Motive Bezüge zu vergangenen wie zukünftigen Momenten in der „Star Wars“-Saga herstellen und so dem Zuschauer Orientierung bieten und das Verständnis der Geschichte (auch auf emotionaler Ebene) erleichtern. Dies wurde an vier kurzen Filmausschnitten erläutert, die die eindrucksvolle Kraft der Musik schon allein dadurch demonstrierten, dass sie bei mir alle für Gänsehaut sorgten. Wenn man Luke Skywalker auf Tatooine sehnsuchtsvoll in den Sonnenuntergang blicken sieht und dazu das berühmte „Force Theme“ erklingt, dann braucht es nun mal keine Dialoge um zu verdeutlichen, was Luke in diesem Moment fühlt.
An dieses erste Beispiel anschließend wurde die Schlussszene aus „Das Erwachen der Macht“ gezeigt (etwa drei oder vier der anwesenden Zuschauer hatten den Film tatsächlich noch nicht gesehen!), in der sich Rey und Luke gegenüberstehen. Dieses Mal ist es Rey, auf deren Gesicht sich Sehnsucht zeigt. Wieder erklingt das gleiche Thema, wird nun aber anders – nach oben – fortgeführt, sodass beim Zuschauer eine Erwartungshaltung und Spannung erzeugt wird, ganz wie es beim offenen Ende des Films angemessen ist. Dieses Arbeiten mit musikalischen Motiven wurde in der Gegenüberstellung zweier weiterer Szenen verdeutlicht: Das Einfrieren von Han Solo in „Das Imperium schlägt zurück“ – wohl meine absolute Lieblingsszene der gesamten Saga und auch musikalisch einer meiner Favouriten – und eine Szene, in der sich Han und Leia in „Das Erwachen der Macht“ über ihren Sohn unterhalten. In der Diskussion über diese Szenen wurde unter anderem verdeutlicht, dass John Williams die einmal als charakterisierende Motive eingeführten Melodien fast nie verändert, sie aber in den Harmonien und der Instrumentierung immer wieder neu variiert. Dadurch ergibt sich jedes Mal eine andere, die Szene unterstützende Atmosphäre.

All das war wie gesagt für mich nicht neu, aber interessant war das Panel trotzdem. Natürlich kann man in einer einzigen Stunde nicht im Detail die Musik der bislang sieben Filme diskutieren – dafür würde wahrscheinlich ein ganzes Semester nicht ausreichen. Interessant fand ich das Panel dennoch, zumal die vier Teilnehmer ganz klar selbst Fans von „Star Wars“ und der Musik von John Williams waren. Allen, die sich ebenfalls für Musik der „Star Wars“-Filme interessieren und sich weiter damit beschäftigen wollen, lege ich den amerikanischen Podcast „Star Wars Oxygen“ dringend ans Herz. Darin werden die Soundtracks der Filme im Detail auseinandergenommen und John Williams‘ Arbeit mit der Leitmotivtechnik für ein Laienpublikum verständlich erklärt. Über diesen Podcast habe ich hier bereits gebloggt.
Leider bin ich nun gar nicht mehr zu den anderen Filmen gekommen, die ich gestern gesehen habe. Ich muss gleich wieder ins Kino, aber sobald ich wieder eine kurze Pause vom Filmfest habe, wird hier weitergebloggt!

„Star Wars Oxygen“ – Ein Podcast nur über John Williams‘ großartige Musik

In letzter Zeit höre ich immer mehr Podcasts, vor allem über „Star Wars“ und „Babylon 5“. Vor kurzem habe ich einen Podcast entdeckt, der sich allein der großartigen Filmmusik widmet, die John Williams für die „Star Wars“-Filme geschrieben hat. Bei „Star Wars Oxygen“ handelt es sich um ein Spin-off des „Rebel Force Radio“-Podcasts. Etwa alle vier Wochen erscheint eine neue Folge, in der David Collins und Jimmy Mac die Musik von John Williams analysieren.

Dabei machen sie auf viele Dinge aufmerksam, die man bisher nicht wusste oder nur unterbewusst wahrgenommen hat – zum Beispiel, dass in der berühmten „Binary Sunset“-Szene in „Star Wars“ (Episode IV) gar nicht Lukes Thema gespielt wird, sondern Ben Kenobis. Und nach Kenobis Tod ist nicht sein, sondern Leias Thema zu hören, was mir bislang tatsächlich nie bewusst aufgefallen ist. Auch die Gründe für diese Entscheidungen von George Lucas und John Williams werden im Podcast erläutert. Bislang sind neun Folgen von „Star Wars Oxygen“ erschienen, die gerade mal die Musik von zwei Filmen (Episode IV & V) abgedecken. Aber auch alle übrigen „Star Wars“-Filme sollen in künftigen Podcast-Folgen besprochen werden (und zusätzlich sogar der Soundtrack zu „Shadows of the Empire“).

Die beiden Hosts des Podcasts sprechen sämtliche Themen bzw. Leitmotive durch, die Williams komponiert hat. Dabei kommt so manche interessante Erkenntnis zustande; ich habe bislang zum Beispiel nicht bewusst wahrgenommen, dass C-3PO und R2-D2 in Episode V ein eigenes Thema haben und sogar Boba Fett ein kurzes musikalisches Motiv. Auch macht der Podcast immer wieder auf Filmszenen aufmerksam, die keine Musik enthalten, für die aber Musik geschrieben und sogar aufgenommen wurde. Die Soundtrack-CDs, die 1997 zu den Special Editions der Filme veröffentlicht wurden, enthalten überraschend viel solcher Musikstücke, die letztendlich doch nicht in den Filmen verwendet wurden. Bei der Besprechung von „Das Imperium schlägt zurück“ nimmt sich David Collins einige dieser Szenen vor und mischt die Musik wieder hinein, um zu verdeutlichen, wie sie sich angehört hätten, wenn die Filmemacher sich nicht gegen den Einsatz von Musik entschieden hätten.

In einer der ersten Episoden des Podcasts kommen Collins und sein Co-Host zudem auf die musikalischen Vorbilder zu sprechen, an denen John Williams sich auf Lucas‘ Wunsch hin orientierte. Dabei vergleichen sie ausgewählte Musikstücke aus dem Film mit den entsprechenden Vorlagen von Stravinski, Dvořák, Holst und anderen Komponisten – und das Ergebnis ist verblüffend. Auch das Darth Vader-Thema aus Episode IV – als der berühmte imperiale Marsch noch nicht existierte – nehmen sie unter die Lupe.

Da ich mich sehr für Musik interessiere, aber nicht über genug Fachwissen oder ein gut genug geschultes Gehör verfüge, um die „Star Wars“-Soundtracks selbst so ausführlich zu durchleuchten, finde ich den Podcast sehr interessant und kann nun, nachdem ich alle bereits veröffentlichten Folgen angehört habe, die Veröffentlichung weiterer Episoden kaum erwarten.