„Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ & „Scream“

Nachdem ich vor kurzem Staffel 5 von „Buffy“ und Staffel 2 von „Angel“ fertig angeschaut hatte (ein Blogpost dazu folgt), brauchte ich neuen Serienstoff. Nach etwas Wühlen in den noch nicht angeschauten DVDs und Blu-rays, die sich im Schrank unter meinem Fernseher stapelten, fand ich die erste Staffel von „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ wieder, die ich vor ein paar Monaten gekauft hatte. Damals hatte ich mehrere „Terminator“-Filme angeschaut und Lust auf die Serie bekommen – die hatte ich inzwischen zwar nicht mehr wirklich, aber nachdem die Blu-rays schon mal da waren, fing ich an, die Staffel anzuschauen.

Terminator: The Sarah Connor Chronicles – Season 1

Die „Terminator“-Serie spielt nach den Ereignissen von „Terminator 2“ und ignoriert die Handlung aller nachfolgenden Filme vollständig. Sie beginnt im Jahr 1999, als John Connor (Thomas Dekker) 15 Jahre alt ist. Die höchste Priorität seiner Mutter Sarah (Lena Headey, bekannt als Cersei Lannister aus „Game of Thrones“) ist es immer noch, das Leben ihres Sohnes zu schützen, der in der Zukunft zum Anführer des menschlichen Widerstands gegen die Herrschaft der Maschinen werden wird. Unterstützung erhält sie dabei von einem umprogrammierten Terminator (Summer Clau), der das Aussehen eines weiblichen Teenagers hat und sich so als Johns Schwester Cameron ausgeben kann. Am Ende der Pilotfolge reisen die drei ins Jahr 2007, also in das Jahr, in dem die Serie produziert wurde. Damit muss schon mal kein Geld mehr dafür ausgegeben werden, die Serie nach 1999 aussehen zu lassen.

Die Serie hat es nur auf zwei Staffeln gebracht und die erste davon hat auch nur neun Folgen. Trotzdem habe ich nach sechs Episoden aufgehört, weil ich so gelangweilt war. Im Grunde ist die „Terminator“-Serie eine Sparversion der Filme. Auch hier versucht man sich immer wieder an der Brachial-Action, die man aus den Filmen kennt, doch aufgrund des TV-Budgets sieht das nie besonders beeindruckend aus. Dieses Manko hättem man wettmachen können, wenn man bei den Drehbüchern etwas kreativer gewesen wäre. Aber leider scheinen die „Sarah Connor Chronicles“ immer nur das aus den Filmen bekannte Handlungsmuster nachzuahmen (mit dem ja auch die neueren Filmen nicht mehr überzeugen konnten): Immer wieder müssen sich Sarah, John und Cameron gegen einen neuen, aus der Zukunft geschickten Terminator zur Wehr setzen – und immer wieder besiegen sie den jeweiligen Terminator irgendwie. Da fragt man sich irgendwann schon, wie die Maschinen eigentlich die Herrschaft über die Menschheit aufrechterhalten können, wenn die Terminator-Modelle alle so ineffektiv sind.

Mit diesem sich wiederholenden Muster führt einem die Serie auf primitive Weise die Grundstruktur einer jeden TV-Serie vor Augen: Es muss immer weiter gehen, also müssen die Figuren auf immer neue Probleme treffen. Aber doch nicht immer auf die gleichen! Sarah fasst das Prinzip der Serie jedenfalls schon in der ersten Folge treffend mit „No one is ever safe“ zusammen. Auch die Tatsache, dass nach den Ereignissen der beiden Filme der Judgement Day und die Herrschaft der Maschinen doch hätte verhindert sein müssen, wird angesprochen. „You changed the future, you just didn’t change it enough“, belehrt John nämlich seine Mutter. Da kommt man sich als Zuschauer schon etwas für dumm verkauft vor. Gleichzeitig ist das „Terminator“-Universum damit ein äußerst pessimistisches; denn wenn der Judgement Day auf jeden Fall früher oder später eintritt, ganz egal was Sarah und John unternehmen, lohnt es sich dann überhaupt noch, gegen die Maschinen zu kämpfen? Oder dürfen John und Sarah gerade deswegen nicht aufgeben?

Wie auch immer, „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ macht nicht nur nichts anders oder gar besser als die letzten „Terminator“-Filme, sondern auch noch den Fehler, die sich längst totgelaufene immer gleiche Grundhandlung der Filme auch hier immer wieder gleich zu erzählen. Der größte Lichtblick der Serie ist dabei noch Lena Headey, die eine wesentlich überzeugendere Sarah Connor abgibt als ihre „Game of Thrones“-Kollegin Emilia Clarke in „Terminator: Genisys“. Mag sein, dass die Serie in der zweiten Staffel besser wird, mich hatte sie nach sechs Episoden allerdings immer noch nicht richtig gepackt. Erneut auf der Suche nach gutem Serienstoff, habe ich mich auf Netflix nach einer nicht allzu anspruchsvollen Serie für zwischendurch umgeschaut und bin mit „Scream“ fündig geworden.

Scream – Season 1

„Scream“ ist eine MTV-Produktion, die man in Deutschland bei Netflix gucken kann. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Film-Franchise von Regisseur Wes Craven und Autor Kevin Williamson, das vier Filme (1996-2011) hervorgebracht hat. (Craven und Willamson sind an der Serie nicht beteiligt und Wes Craven ist leider 2015 verstorben.) Genau wie „The Sarah Connor Chronicles“ erzählt die „Scream“-Serie im Großen und Ganzen dasselbe wie die als Vorbild dienenden Filme. In Fall von „Scream“ ist das allerdings weniger schlimm und auch deutlich unterhaltsamer.

Ich spare mir mal eine genaue Zusammenfassung der Handlung. Natürlich spielt „Scream“ in einer amerikanischen Kleinstadt, natürlich steht im Mittelpunkt der Handlung eine Gruppe von Teenagern und natürlich wird die Stadt von einem Serienmörder heimgesucht. Dessen Morde stehen in Verbindung zu einer weiteren, bereits über 20 Jahre alten Mordserie. Leider sind damit aber nicht die Morde aus den ersten „Scream“-Filmen gemeint, denn die Serie baut nicht auf ihnen auf und führt völlig neue Figuren ein. Vor allem zu Beginn der zehn Folgen umfassenden Staffel erinnert die Serie immer wieder an aktuelle Teenie-Schocker wie „Unknown User“, die moderne Kommunikationsmedien und Mordserien verbinden. YouTube, Smartphones und Social Networks spielen dementsprechend eine große Rolle und statt einer Fernsehreporterin – wie in den Filmen – ist eine der Figuren nun eine Crime-Podcasterin. (Ganz ähnlich hat man in „Hannibal“ ja aus dem Zeitungsreporter des Romans für die Serie eine Bloggerin gemacht.)

Einige der Figuren mochte ich, andere wiederum waren mir unsympathisch und die eine oder andere weibliche Figure mochte ich nur deswegen, weil sie – wie fast alle Charaktere – wahnsinnig jung und gutaussehend ist. Letzteres ist bei einer Serie, die mit den Regeln des Slasher-Films spielen will, ja erlaubt. Eine moderne, feministische Serie ist „Scream“ allerdings noch lange nicht; auch wenn sei genau wie die Filme versucht, mit den Regeln des Genres zu spielen und immer wieder ganz schön meta sein will, ist „Scream“ im Grunde doch nur ein auf etwa 420 Minuten ausgedehnter Slasher-Film, bei dem sich hübsche, junge Menschen manchmal wahnsinnig dumm verhalten und so dem Mörder in die Falle gehen – allerdings nicht nur die weiblichen Figuren.

Das mit der Meta-Ebene, durch die sich die Filme auszeichneten, klappt in der Serie also nicht immer. In der ersten Folge unterhalten sich die Teenager mit ihrem Lehrer zwar noch darüber, ob ein Slasher-Film überhaupt als Serie funktionieren kann. Die späteren Episoden verlieren derartige Fragen jedoch etwas aus dem Blick, auch wenn immer noch eine Menge popkultureller Anspielungen vorkommen. Kann also ein Film wie „Scream“ auch als Serie funktionieren? Die Antwort lautet: ja, aber die Serie bleibt dabei doch eher in den Regeln des Genres gefangen. Es gelingt ihr kaum, sie zu unterlaufen wie das noch vor allem die ersten beiden Filme mehrmals taten.

Weil hier wie gesagt die Hauptfiguren im Teenager-Alter sind und Twitter, WhatsApp und dergleichen für sie so selbstverständlich ist wie Atmen, kam ich mir beim Anschauen der Serie schnell ganz schön alt vor. Dass selbst der Lehrer gerade mal fünf Minuten älter aussieht als seine Schüler, machte es nicht besser. Die einzige Möglichlichkeit, um sich wieder jung, relevant und auf der Höhe der Zeit zu fühlen, scheint der Serie zufolge im Konsum zu liegen. Denn dazu habe ich mich beim Anschauen immer wieder aufgefordert gefühlt, wenn die Figuren Bemerkungen darüber fallen lassen, dass iPods doch schon längst überholt sind und Facebook nur noch etwas für Leute von gestern ist. Wie hat es Alan Grant in „Jurassic Park“ – einem uralten Film von 1993 – doch formuliert: „Die Welt ändert sich so schnell, dass wir laufen müssen, um nicht zurück zu bleiben.“ „Scream“ hat mir die Wahrheit, die in diesem Satz steckt, wieder einmal vor Augen geführt.

Für Schauspieler stelle ich mir die Arbeit an einer solchen Serie als nicht besonders herausfordernd dar. Weil die Handlung nach jedem neuen Schrecken und jedem neuen Mord stets schnell weitergehen muss, dürfen die Figuren gar nicht realistisch trauern. Da erfährt zum Beispiel eine Person vom Tod eines Familienmitglieds, hält daraufhin aber nur kurz inne, um dann ganz normal weiterzumachen. Die Handlung muss schließlich weitergehen und schielt immer schon auf den nächsten Mord, statt sich ernsthaft mit den Konsequenzen der vergangenen Morde für die Überlebenden zu beschäftigen. Aber das habe ich natürlich von einer Teenie-Slasher-Serie auch nicht wirklich erwartet.

Die Geschichte verläuft also in etwa so, wie man das erwartet. Ich hatte zwar bis zum Schluss keine Ahnung, welche der Figuren der Mörder ist (das Rätselraten darum gehörte ja schon immer zur „Scream“-Reihe), aber ich bin bei solchen Vorhersagen generell wahnsinnig schlecht. Die letzten Folgen haben mich erfolgreich auf mehrere falsche Fährten geführt, wodurch es auch zum Schluss noch spannend blieb. Bahnbrechende Unterhaltung ist „Scream“ also sicher nicht, aber doch gut gemacht und mit kaum Längen. In die zweite Staffel werde ich sicher auch mal reinschauen.

Die Terminator-Saga

Am 19.11. erscheint „Terminator: Genisys“ als DVD und Bluray. Freundlicherweise hat man mir ein Rezensionsexemplar der Bluray zur Verfügung gestellt. Bevor ich mir den Film anschauen konnte, musste ich jedoch noch einiges an „Vorarbeit“ leisten: Ich hatte zwar vor vielen Jahren die Teile 2 und 3 der „Terminator“-Reihe gesehen, doch es klaffte noch eine Bildungslücke in Form von Teil 1 in meinem „Terminator“-Grundwissen. Zur Vorbereitung auf „Genisys“ habe ich mir also erstmals  „The Terminator“ und auch „Terminator 2: Judgment Day“ nochmals angeschaut. Weil ich danach gerade so viel Spaß am „Terminator“-Universum hatte, habe ich direkt mit „Terminator 3: Rise of the Machines“ weitergemacht, obwohl das als Grundlage für „Genisys“ nicht wirklich notwendig gewesen wäre, schließlich versucht der neueste Film vor allem an die zu Recht so hoch geschätzten ersten beiden Teile der Franchise anzuschließen. („Terminator: Salvation“ habe ich links liegen gelassen. Den hatte ich ebenfalls vor ein paar Jahren mal gesehen, habe ihn aber in so schlechter Erinnerung, dass ich ihn nicht noch einmal anschauen will.)

Terminator Genisys - Bluray

Terminator 1 & 2

Am ersten „Terminator“ hatte ich eine ganze Menge Spaß, viel mehr als ich erwartet hatte. Zwar ist der Film ganz deutlich ein Produkt der 80er Jahre, doch das macht sich zu keiner Sekunde negativ bemerkbar. Mit Arnold Schwarzenegger als emotionsloser Killermaschine hat James Cameron seine Titelfigur perfekt besetzt. Wohl niemand anderes hätte den Terminator so überzeugend spielen können wie Schwarzenegger. Auch Linda Hamilton als Sarah Connor und Michael Biehn als Kyle Reese sind vollkommen glaubwürdig, so dass der Film trotz aller Action letztlich von seinen überzeugenden Charakteren lebt.
„Terminator 2“ erzählt im Grunde noch einmal die gleiche Geschichte wie der erste Film, allerdings mit deutlich nach oben geschraubtem Action-Faktor und für damalige Verhältnisse wirklich revolutionären visuellen Effekten. Heutige Kinogänger mögen etwa für die Morphingeffekte des T-1000 nur ein müdes Schulterzucken übrig haben, doch damals hatte man so etwas schlicht noch nie zuvor in einem Film gesehen (im selben Jahr verwendete Michael Jackson einen ähnlichen Effekt in seinem Kurzfilm zu „Black or White“).

The Terminator!

Szene aus „Terminator: Genisys“

1991 wusste man bei einem Kinobesuch im Vorfeld wahrscheinlich viel weniger über die Handlung eines Films, als dies meist heute der Fall ist. Ich weiß nicht, wie viel die Trailer zu „Terminator 2“ von der Handlung verraten haben, aber für diejenigen Zuschauer, die Teil 1 kannten, aber noch nichts über Teil 2 wussten, muss der Film ein paar ziemlich heftige Überraschungen bereit gehalten haben. Er beginnt genau wie der erste Film damit, dass ein Terminator (Schwarzenegger) und eine weitere Person (Robert Patrick) in der Zeit zurück geschickt werden. Bis zur ersten Begegnung der beiden mit dem 13-jährigen John Connor (Edward Furlong) geht man als ungespoilerter Zuschauer davon aus, dass Arnie erneut der Böse ist, der den Helden des Films an den Kragen will, während Patricks Figur als guter Beschützer unterwegs ist. Als sich dann herausstellt, dass der Terminator dieses Mal kein „böser“ ist und Patrick keinen Menschen, sondern den tödlichen T-1000 spielt, stellt das sämtliche Erwartungen der Zuschauer auf den Kopf.
„Terminator 2“ wäre allerdings nicht eines der Vorzeigebeispiele für Sequels, die den Originalfilm noch übertreffen, wenn er „nur“ fantastische Action und ein paar überraschende Storywendungen zu bieten hätte. Neben erneut vollkommen überzeugenden Schauspielleistungen aller Darsteller ist der Film auch wahnsinnig gut geschrieben. Die Charaktere und ihre Beziehungen werden sinnvoll ausgearbeitet und keine einzige Szene des Films ist überflüssig. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der John zu Beginn mit einem Kumpel einen Geldautomaten hackt. Sie dient nicht nur der Charakterisierung der Figur, sondern auch als Vorbereitung für die Szene gegen Ende des Films, als John die zu Beginn demonstrierten Fähigkeiten einsetzt, um den Code einer Tür zu knacken. Und wenn ich schon beim Drehbuch und der hervorragenden Figurenzeichnung des Films bin – wer hätte denn bitteschön nach Teil 1 ernsthaft gedacht, dass die Fortsetzung es schaffen würde, einem mit dem Tod des Terminators Tränen in die Augen zu treiben? Die sich über den Film entwickelnde Vater-Sohn-Beziehung zwischen dem Terminator und John Connor ist einer der Hauptgründe, warum man mit diesen Figuren mitfühlt. (Interessant ist übrigens, dass James Cameron in „Aliens“ ganz ähnlich verfahren ist. Auch dort wird die in Teil 1 etablierte Hauptfigur ausgebaut, indem ihr quasi ein Kind zur Seite gestellt wird. In beiden Filmen verfolgen wir gewissermaßen die Geschichte einer Patchworkfamilie, bestehend aus dem Terminator, John und Sarah Connor bzw. aus Ripley, Newt und Hicks.)

Terminator 3

„Terminator 3“ erzählt schon wieder dieselbe Geschichte, fügt der Franchise aber im Gegensatz zum zweiten Teil nichts wirklich Neues oder in irgendeiner Weise Bahnbrechendes hinzu. Wieder wird ein Terminator in die Vergangenheit geschickt und wieder muss er gegen ein ihm überlegenes Modell kämpfen, um John Connor zu beschützen. John wird nun von Nick Stahl gespielt, dessen schauspielerische Fähigkeiten offenbar begrenzt sind. Man muss fairerweise aber hinzufügen, dass die Schauspieler hier mit einem Drehbuch arbeiten müssen, dass dem des Vorgängers weit unterlegen ist. Nach der durchaus beeindruckenden und spaßigen Autoverfolgungsjagd, bei der eine halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt wird, geht dem Film die Puste aus, als es vorrübergehend etwas ruhiger wird und es eigentlich an der Zeit wäre, die Beziehungen zwischen den Figuren zu entwickeln. Doch das geschieht leider kaum. Mehrere Möglichkeiten bleiben dabei ungenutzt, unter anderem wird das Potential der in Teil 2 etablierten Vater-Sohn-Beziehung zwischen John und dem Terminator verschenkt.

The Terminator again!

Szene aus „Terminator: Genisys“

Der von Kristanna Loken gespielte T-X verfügt über die Fähigkeit, andere Maschinen zu kontrollieren und ihnen gewissermaßen seinen Willen aufzuzwingen. Das hätte man geschickt dazu nutzen können, Schwarzeneggers Figur schon früh im Film wieder zum Bösewicht zu machen und so an den Ursprungsfilm anzuknüpfen. Davor scheuten die Macher aber anscheinend zurück und lassen Arnie lediglich für eine Szene am Schluss auf die Helden des Films losgehen. Die Handlung ist wie gesagt der des Vorgängerfilms recht ähnlich, nur dass sie nun eben nicht mehr in den 1990er Jahren spielt, sondern 2004. Die Machtübernahme Skynets wurde in Teil 2 anscheinend nur aufgeschoben und auch John Connor bleibt als zukünftiger Anführer des menschlichen Widerstands bestehen, obwohl er inzwischen mehr als zehn Jahre älter ist und das doch eigentlich längst sein müsste. Auch „Terminator 2“ wies mit seinem Zeitreise-Plot bereits einige Logiklöcher auf, doch aufgrund der revolutionären Action und der überzeugend ausgearbeiteten Charaktere war man bereit, diese zu übersehen. „Terminator 3“ und alle folgenden Filme können jedoch nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass jeweils Teile der Handlung eigentlich gar keinen Sinn machen.

Terminator: Genisys

Nachdem künstlerisch gefloppten „Terminator: Salvation“, der auch finanziell hinter den Erwartungen zurückblieb (und bis auf weniger Bilder auch auf den damals vom Terminator zum „Gouvernator“ gewechselten Schwarzenegger verzichten musste), erschien dieses Jahr mit „Terminator: Genisys“ also ein „Terminator“-Film, der auch wirklich wieder den echten Terminator zu bieten hat. „Genisys“ verlässt sich weitgehend darauf, dass seine Zuschauer die ersten beiden Filme gesehen haben. Vor allem Teil 1 sollte man im Gedächtnis haben, denn die erste halbe Stunde von „Genisys“ erzählt den Beginn des ersten Films gewissermaßen noch einmal. Dabei werden zum einen im Jahr 2029 spielende Szenen hinzugefügt, die zeigen, wie es dazu kam, dass der Widerstand Kyle Reese ins Jahr 1984 schickte (einen wirklichen erzählerischen Wert haben diese Szenen freilich nicht, schließlich kennt man die Gründe ja schon); zum anderen stellt der Film mehrere Szenen aus Teil 1 nach, versieht sie aber mit dem Twist, dass die Realität des Jahres 1984 verändert worden ist.

Die nachgestellten Szenen des ersten Films halten den in der „TermWow, it's the Terminator!inator“-Historie bewanderten Zuschauer eine Weile bei Laune und es ist wirklich lustig anzusehen, wie hier noch einmal die Ankunft von Reese und dem Terminator im Jahr 1984 und die unmittelbar darauf folgenden Ereignisse abgespult werden, vor allem als dann schnell klar wird, dass sich die Dinge eben etwas anders zutragen, als man es erwartet. Die Idee, den neuen Film für eine Weile in einem der früheren Filme spielen zu lassen, erinnert an „Back to the Future 2“, allerdings mit dem Unterschied, dass bei „Terminator: Genisys“ bis auf den Terminator alle Figuren von anderen Darstellern gespielt werden. (Nebenbei macht einem dieser Kniff auch deutlich, wie weit „Back to the Future 2“ mit dieser Idee seiner Zeit vorraus war.) Theoretisch hätte man natürlich auch den Terminator neu besetzen können, dann hätte man aber das größte Verkaufsargument dieses Films verloren: Arnie is back! So spaßig diese erste halbe Stunde auch ist, in der der „alte“ (also junge, aus Teil 1 bekannte) Terminator, der „neue“ (also gealterte) Terminator, ein neuer T-1000 (Lee Byung-hun), Kyle Reese (Jay Courtney) und eine bereits kampferfahrene und längst mit Terminatoren und all dem Kram vertraute Sarah Connor (Emilia Clarke) gegen- bzw. miteinander kämpfen – als der Film danach kurz zur Ruhe kommt und eigentlich alles überzeugend erklären müsste, stellt sich schnell heraus, dass die Drehbuchautoren nicht so recht wussten, wie sie ihre Ideen zu einer schlüssigen Geschichte zusammen fügen sollten. So wird beispielsweise nie erklärt, wer denn eigentlich den Terminator, der in dieser neuen Zeitlinie Sarah Connor bereits seit ihrem neunten Lebensjahr beschützt, in der Zeit zurück geschickt hat.

Dass es nach „Terminator 2“ und „Terminator 3“ nun schon zum dritten Mal darum geht, den „Judgment Day“ zu verhindern, der mit jedem neuen Film anscheinend weiter in die Zukunft verlegt wird, wirkt ziemlich lächerlich. Neben ein paar netten Ideen, aus denen man richtig etwas hätte machen können, hat der Film nach seiner ersten halben Stunde leider nicht mehr viel zu bieten. Die Action ist nett, mehr aber auch nicht. J.K. Simmons spielt eine Nebenfigur, die anscheinend schon in Teil 1 dabei war, aus der aber absolut nichts heraus geholt wird. Die neuen Darsteller von Kyle Reese, John Connor und Sarah Connor bleiben allesamt blass. Und so macht Arnold Schwarzenegger hier trotz seines Alters noch die beste Figur, weil der eben ganz einfach das macht, was er in der Reihe schon immer gemacht hat: ohne großen schauspielerischen Anspruch, aber trotzdem vollkommen Not-Linda & the real Arnieüberzeugend die emotionslose Killermaschine geben. Zugegeben ist es nett, dass zumindest versucht wird, erneut eine Art Familienbeziehung zwischen dem Terminator und Sarah Connor zu zeigen. Aber es eben nicht mehr als nett und die emotionale Tiefe des zweiten Films wird zu keinem Zeitpunkt erreicht. Der größte Plottwist des Films wurde bereits im Trailer verraten, was darauf schließen lässt, dass die verantwortliche Marketingabteilung ziemlich verzweifelt gewesen sein muss. John Connor ist dieses Mal selbst ein Terminator; er wurde gewissermaßen mit Roboter-DNS infiziert und arbeitet nun im Jahr 2017 zusammen mit CyberDyne an der Einführung des Genisys-Betriebssystems, das dank seiner Installation auf über einer Milliarde Smartphones, Tablets und Computern den Maschinen die Machtübernahme sichern soll. Alles schön und gut, aber wie gesagt absolut nichts wirklich Neues oder Überraschendes. „Terminator: Genisys“ ist kein schlechter Film, allerdings ein ziemlich uninspirierter, der mit einer unnötig komplizierten Handlung Komplexität vortäuschen will und sich am Ende selber verrennt. Schade.

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