FRINGE – Season 5

Achtung! Weiterlesen sollte nur, wer „Fringe“ bereits komplett (Staffel 1-5) gesehen hat. Erstens, weil ich im Text nicht viel erkläre und dieses Wissen also voraussetze, vor allem aber, weil Ihr sonst gnadenlos gespoilert werdet. Und das soll doch nicht sein, oder? —

Vor ein paar Wochen habe ich die fünfte (und letzte) Staffel von „Fringe“ angeschaut. Mit der Serie habe ich vor ein paar Jahren eigentlich nur deswegen angefangen, weil der kreative Kopf hinter ihrem Konzept J.J. Abrams heißt und weil es mich außerdem neugierig gemacht hat, dass John Noble (den ich zuvor als Denethor im dritten „Herr der Ringe“-Film kannte) eine der Hauptrollen spielt. Im Gegensatz zu den ersten vier Staffeln besteht die fünfte Season nur aus 13 Folgen (bei Staffel 1-4 waren es jeweils zwischen 20 und 23). Doch immerhin hat man hier den Autoren und Darstellern die Chance gegeben, ihre Geschichte zu einem abgeschlossenen Ende zu bringen, statt nach der vierten Staffel einfach den Stecker zu ziehen.

Wenn man sich alle Staffeln von „Fringe“ anschaut, fällt besonders auf, wie sehr sich die Serie mit jeder Staffel weiter entwickelt und ihr Erzähluniversum konsequent erweitert hat. Die erste Staffel bestand zum großen Teil aus (scheinbar) für sich allein stehenden Episoden, die meist nach dem Schema „monster of the week“ abliefen: FBI-Agentin Olivia Dunham (Anna Torv), ihr Berater Peter Bishop (Joshua Jackson) und dessen Vater, der extra aus der Psychiatrie zurück geholte Professor Walter Bishop (John Noble) wurden jede Woche mit seltsamen, unerklärlichen Phänomenen konfrontiert, die sie erforschen, begründen und immer wieder auch bekämpfen mussten. Dass dabei auch episodenübergreifend erzählt wurde, war am Anfang noch nicht ganz klar. Nach und nach schälten sich aber einige zentrale Themen heraus und es wurde klar, dass viele der von Dunham und den beiden Bishops untersuchten Phänomene in Verbindung stehen. Mit dem Paralleluniversum, den „Observern“ (da ich die Serie im englischen Originalton anschaue, werde ich die „Beobachter“ hier weiter so nennen) und dem Sprung ins Jahr 2036 schälten sich ab dem Ende der ersten Staffel aber immer mehr Erzälstränge heraus, die episodenübergreifend behandelt wurden. Für sich allein stehende Episoden ließ „Fringe“ nach der ersten Staffel schnell hinter sich und es wurde klar, dass die Autoren von Anfang an einen großen story arc geplant hatten, die Zuschauer aber nicht schon zu Beginn mit einer zu komplexen Story überfordern oder abschrecken wollten. Im Gegensatz zu „Lost“ habe ich zudem den Eindruck, dass das Ende, auf das hier hin erzählt wurde, schon von der ersten Folge an feststand, während die Autoren von „Lost“ ja im Lauf der Serie mal die eine, mal die andere Richtung einschlugen, zahlreiche neue Elemente in die Serie einbrachten, von denen nicht wenige ins Nichts führten und erst mit Beginn der vierten Staffel auf ein vorausgeplantes Ende hin erzählten. Insofern erinnert mich „Fringe“ ein wenig an meine Lieblingsserie „Babylon 5“, die ebenfalls einen über fünf Staffeln hinweg geplanten story arc erzählte, ihre erste Staffel aber vor allem dazu benutzte, in meist für sich allein stehenden Folgen die Charaktere auszuarbeiten und das Fundament für die späteren Entwicklungen zu legen.

Auch hinsichtlich der Figuren und Themen hat sich Fringe ganz schön weiterentwickelt. Zu Beginn der Serie wirkte Anna Torvs FBI-Agentin eher blass und langweilig, John Nobles Figur einfach wie ein trottliger, verrückter Professor und was Joshua Jacksons Figur bezwecken sollte, wusste man noch gar nicht genau. Doch alle drei Hauptfiguren machen im Lauf der Serie eine glaubhafte und nachvollziehbare Entwicklung durch, ihre Beziehungen zueinander verändern sich. Natürlich wird dabei auch ein wenig mit den Mitteln der Science Fiction geschummelt, wenn Peter am Ende der dritten Staffel aus der Zeitlinie „gelöscht“ wird und sich in der vierten Staffel dann seine Beziehung zu Olivia ganz neu aufbauen muss. Aber im Kontext dieser Serie ist das vollkommen in Ordnung. Beeindruckender ist außerdem, wie sich auch die in „Fringe“ behandelten Themen wandeln bzw. erweitern. War die Serie am Anfang nur eine Serie über mysteriöse Phänomene wie sich in Monster verwandelnde Menschen oder plötzlich verflüssigte Gehirne, so sind derartige Phänomene zwar auch in späteren Staffeln noch an der Tagesordung, besonders in der fünften Staffel ist aber klar, dass hier nicht von Monstern usw. erzählt wird, sondern zentrale menschliche Werte und Moralvorstellungen im Fokus stehen. Dies wird ganz besonders an der sich verändernden Titelsequenz deutlich (eine weitere Gemeinsamkeit mit „Babylon 5“).

Die Handlung der fünften Staffel, in der Walter, Peter und Olivia (und natürlich Astrid) versuchen, die Observer unter Anleitung von Walters im Jahr 2015 auf Videokassetten festgehaltenen Plan zu besiegen, wirkt natürlich arg konstruiert. Dass Walter sich an seinen eigenen Plan nicht mehr erinnern kann, ist noch nachvollziehbar. Dass er ihn aber auf verschiedenen Videos festgehalten hat, die erst nach und nach im Lauf der Staffel aus dem Bernstein heraus geschnitten werden können, das erinnert doch stark an Videospiele, die ihre Spielzeit in die Länge ziehen, indem sie Missionen wie „Finde die sechs Kristalle, um das Tor zum nächsten Abschnitt zu öffnen“ einbauen. (Mir gefällt allerdings sehr, dass Walter seine Filme ausgerechnet auf alten Betamax-Kassetten festhält. Dass „Fringe“ immer wieder „alte“ Technik wie Videokassetten oder Schallplatten in sein Hi-Tech-Universum mischt, finde ich sehr sympathisch und es hilft dabei, das „Fringe“-Universum in der Realität zu verankern.) Auch an „Lost“ fühle ich mich durch die Videos erinnert; dort fanden die Figuren schließlich auch immer wieder mal Filme, die ihnen und den Zuschauern stückchenweise Informationen vermittelten.

Und wo ich gerade wieder bei einem „Lost“-Vergleich bin, hier noch einige andere Punkte, in denen die fünfte „Fringe“-Staffel Ähnlichkeiten zu „Lost“ und anderen Filmen/Serien aufweist: In der achten Folge („The Human Kind“)  gibt es einen Dialog zwischen Olivia und einer Frau namens Simone (Jill Scott), dessen Thematik stark an „Lost“ erinnert. Simone erzählt Olivia von ihrer Gabe, in die Zukunft sehen zu können, was Olivia einfach als „Anomalie“ abtut, hinter der nichts Göttliches stehe. Olivia fährt fort, sie habe so viele seltsame Phänomene gesehen, dass derartiges für sie nichts Mysteriöses mehr habe. Letztendlich lasse sich all das auf Mathematik – also auf Wissenschaft – zurückführen. Der Krieg, den die Menschen gegen die Observer führen, wird nach Olivias Sicht also mit den Mitteln der Wissenschaft geführt. Während Olivia hier auf der Seite der Wissenschaft und der Rationalität steht, steht Simone auf der Seite der Spiritualität, der Emotionen und des Glaubens. Dieser Gegensatz zwischen Glaube und Wissenschaft war eines der zentralen Themen in „Lost“, verkörpert durch die Figuren von Jack Shephard und John Locke. Interessant ist übrigens, dass die von mir hier paraphrasierten Sätze Olivias an Ruttger Hauers berühmten Monolog aus Blade Runner erinnern („I’ve seen things you people wouldn’t believe…“), aber in beiden Fällen ganz andere Überzeugungen dahinter stehen. Während der Replikan Roy Batty in „Blade Runner“ kurz vor seinem Tod die Wunder des Universums preist, die im Lauf seines Lebens sehen durfte, erwähnt Olivia in „Fringe“ all die Phänomene, die sie gesehen hat, nur, um zu verdeutlichen, dass diese Erfahrungen sie zu einer rationaleren Person gemacht haben, die eben nicht an Wunder glaubt. Eine kleine Referenz an „Blade Runner“ findet sich auch in Folge 5, als Peter einen gefesselten Observer befragt und dazu ein Gerät benutzt, das eine Nahaufnahme von dessen Auge auf einem Bildschirm darstellt und so die emotionalen Reaktionen deutlich machen soll.

Als kleinen Wink an „Lost“ kann man vielleicht auch den Satz „Ich dachte ich sei im Fegefeuer“ verstehen, mit dem ein in einem pocket universe gefangener Mann in der sechsten Episode seine Erfahrung beschreibt. Die fast alles sehnden Observer, die auftauchen können wo immer sie wollen und sich zum Teil unbewaffnete Kämpfe mit Peter liefern, erinnern natürlich an die Agenten aus „Matrix“, ebenso wie der Observer-Junge Michael, der eine „Anomalie“ darstellt, aber gleichzeitig auch den Auserwählten, der die Welt retten soll. In ihren grauen Anzügen und Hüten erinnern die Observer zudem an die grauen Herren aus „Momo“ oder die Agenten aus der Philip K. Dick-Verfilmung „The Adjustment Bureau“ („Der Plan“). Die Handlung der fünften Staffel, in der die Helden gegen ein die gesamte Menschheit unterdrückendes Regime kämpfen, erinnert zu dem etwas an die Serie „V“, die sich um den Besuch außerirdischer Wesen auf der Erde dreht. Und zum Schluss noch eine weitere Paralelle zu „Lost“: Nachdem Peter sich ein Observer-Implantat eingesetzt hat und danach zwar ungeahnte Fähigkeiten erlangt, aber auch immer rationaler, rücksichts- und emotionsloser zu werden droht, ist es allein die Kraft der Liebe, die ihn überzeugt, seine Entscheidung gerade noch rechtzeitig wieder rückgängig zu machen. Auch in „Lost“ siegt immer wieder die Kraft der Liebe über alles andere.

Der schon erwähnte Gegensatz zwischen Glaube und Emotionen auf der einen und Rationalität und Wissenschaft auf der anderen Seite zieht sich durch die ganze fünfte Staffel von „Fringe“. An Peters Entscheidung, sich das Implantat einzusetzen und daraufhin zum gefühllosen Observer zu mutieren ist interessant, dass die Ursache dafür ja gerade ein Gefühl ist – der Hass auf Windmark, den Anführer der Observer und der Wunsch nach Rache für Peters getötete Tochter. Man muss allerdings zugeben, dass er die möglichen negativen Konsequnzen seiner Handlung wahrscheinlich nicht im Blick gehabt hat. Auch Walter Bishop kämpft in dieser Season einen Kampf zwischen den Polen Rationalität und Emotionalität; in seinen Körper wurde ebenfalls etwas eingesetzt, nämlich der Teil seines Gehirns, den Walter extra hatte entfernen lassen, aus Angst vor den schrecklichen Taten, zu denen er sonst fähig sein würde. Auch hier zeigen sich besorgniserregende Tendenzen; zwar ist der geistig verwirrte Walter weitgehend verschwunden, dafür wird aber auch er immer rationaler und rücksichtsloser. Ihm sind die möglichen Konsequenzen daraus sofort klar und er würde es in Kauf nehmen, nicht mehr im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten zu sein, um diese negativen Eigenschaften wieder loszuwerden.

Gerade darin besteht ja der Unterschied zwischen den Menschen und den Observern, wie Nina in Episode 10 Windmark erklärt: die Menschen sind den Observern insofern überlegen, als sie zu Liebe, Bindungen und Träumen fähig sind, während die Observer all diese Fähigkeiten und Emotionen mit wissenschaftlichen Mitteln ganz bewusst immer mehr aus ihren Gehirnen verdrängt haben, um Platz zu machen für größere intellektuelle, rationale Fähigkeiten. Gefühle wurden für Intelligenz geopfert, was noch erschreckender ist, weil es sich bei den Observern ja um die Menschen der Zukunft handelt. Wie jede gute Science-Fiction-Geschichte stellt „Fringe“ damit Fragen, die nicht nur in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt von Relevanz sind. Würden wir jemals so weit gehen? Dass wir jetzt schon von „Observern“ umgeben sind, die jederzeit Zugriff auf unsere privaten Gedanken haben, dürfte ja spätestens seit der Enttarnung von Prism klar sein. Der Plan, mit dem in „Fringe“ die Observer besiegt werden sollen, gefällt mir übrigens sehr gut: die Menschheit der Zukunft soll davon überzeugt werden, dass es sich nicht lohnt, die Fähigkeit des menschlichen Gehirns zu komplexen Emotionen für immer größere Intelligenz zu opfern. Damit wird es in der noch späteren Zukunft niemals eine Notwendigkeit für die Observer geben, in der Zeit zurück zu reisen und im Jahr 2015 die Weltherrschaft zu übernehmen. Die Menschheit wird sich nämlich gar nicht zu „Observern“ entwickeln, sondern weiterhin sowohl ihre emotionale wie auch ihre rationale Seite kultivieren. Übrigens würde ich sehr gerne noch sehen, wie Walter und Michael im Jahr 2036 aufgenommen werden und die Menschheit davon überzeugen, einen anderen Weg einzuschlagen. Ein bisschen idealistisch gedacht ist das ja schon, dass Wissenschaftler einmal etwas nicht tun, nur weil es vielleicht böse Folgen haben könnte….

Die fünfte Staffel von „Fringe“ hat mir insgesamt gut gefallen. Vor allem war es schön, dass die Serie überhaupt zu einem Abschluss gebracht wurde, nachdem gegen Ende der vierten Staffel bereits ein Ausblick ins Jahr 2036 gegeben wurde. Es wäre schade gewesen, wenn das einfach offen geblieben wäre. Allerdings wirkte zumindest auf mich die in der fünften Staffel bekämpfte Bedrohung kleiner als das Schicksal, das der Welt am Ende der vierten Staffel drohte (dort wollte William Bell ein vollkommen neues Universum schaffen und es mit eigens gezüchteten Kreaturen bevölkern). Die letzte Staffel wirkt zudem ein wenig wie „nachträglich angeklebt“, was daran liegen mag, dass die Autoren zumindest einen Teil der Handlungsstränge schon im vierten Jahr beendet haben, aus Unsicherheit, ob es eine fünfte Staffel geben würde (ob das zutrifft, weiß ich aber nicht). Ganz am Ende ist jedenfalls wieder alles gut, die Invasion wurde verhindert und damit eine neue Zeitlinie bzw. ein neues Paralleluniversum eröffnet (ist das im Endeffekt nicht dasselbe…?). Ganz ähnlich hatten das Jack, Sawyer usw. am Ende der vierten Staffel von „Lost“ geplant, wo mit der Zündung der Bombe der Reset-Knopf gedrückt werden sollte. Da hat es aber nicht  funktioniert.

Ein paar Fragen hätte ich zum Schluss noch: Warum ist Walter am Ende eigentlich „gelöscht“ worden? Das wurde erklärt, aber ich hab’s anscheinend vergessen. Wieso können die Observer zwar Gedanken lesen, aber anscheinend keine Handygespräche mithören – hätten sie das in der letzten Folge getan, dann wüssten sie nämlich, was Olivia und Philip Broyles besprechen und könnten eingreifen. Wieso ist Michael aus dem Zug ausgestiegen und dann den Observern in die Hände gefallen? Falls das ein Missverständnis zwischen ihm und Olivia sein sollte, dann sah es nicht so aus. Seine Gefangennahme musste wohl irgendwie passieren, damit die Autoren Olivia einen Grund geben konnten, noch einmal im Paralleluniverum vorbeizuschauen. Trotzdem wirkte das alles andere als elegant. Warum sind die Observer überhaupt in der Zeit zurück gereist und haben eine Invasion gestartet? Ist die Erde in der Zukunft unbewohnbar geworden? Ich glaube, das wurde in der vierten Staffel erwähnt, aber daran erinnere ich mich auch nicht mehr genau. Ach ja: Und warum sind die Observer eigentlich alle männlich? Dass sich die Menschen der Zukunft nur noch durch Klonen fortpflanzen, hat Donald ja erklärt (nach Ausschaltung sämtlicher Emotionen besteht auch kein Drang mehr nach Sex, so dass andere Reproduktionsmethoden nötig geworden sind). Aber warum sind anscheinend alle Klone männlich? Gibt es in der Zukunft keine Frauen mehr? Warum? Was mich noch ein bisschen genervt hat: Das Harvard-Gelände ist im Jahr 2036 Sperrgebiet, aber Walter, Peter, Olivia und Astrid gehen trotzdem in Walters altem Labor ein und aus und arbeiten dort. Klar, sie haben einen geheimen Zugang gefunden, aber trotzdem müsste das doch mal jemand bemerken…

„V – Die Besucher“ (Season 1)

Man kann sich ja in den letzten Jahren vor lauter sensationell guter Fernsehserien gar nicht mehr retten: „Mad Men“, „Breaking Bad“, „Game of Thrones“, „Downton Abbey“, „Boardwalk Empire“, „Deadwood“, „Die Sopranos“,… Ich jedenfalls komme mit dem Anschauen schon lange nicht mehr hinterher. Und als wären all diese qualitativ hochwertigen Serien nicht genug, habe ich nun auch noch eine Serie dazwischen geschoben, von der ich vorher bereits ahnte, dass sie weniger innovativ, weniger gut geschrieben und längst nicht so fesselnd sein würde wie die oben genannten: „V – Die Besucher“.

Auf die Serie aufmerksam geworden bin ich, weil Elizabeth Mitchell, meine Lieblingsblondine aus „Lost“ (sie hat in Staffel 3 bis 5 Juliet Burke gespielt), darin die Hauptrolle spielt. Das war Grund genug für mich, zumindest mal in die Serie reinzuschauen. Weil ich aber gelesen hatte, dass „V – Die Besucher“ ein Remake der angeblich ziemlich kultigen 80er Jahre-Serie „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ ist, wollte ich die Originalserie unbedingt zuvor anschauen. Also besorgte ich mir vor ein paar Monaten eine DVD-Komplettbox des Originals, das aus einem TV-Zweiteiler, einem anschließenden Dreiteieler und einer sich wiederum daran anschließenden Serie mit 19 45minütigen Folgen besteht (ohne Wikipedia hätte ich gar nicht gewusst, in welcher Reihenfolge man das alles anschauen muss…).

Die Ausgangssituation sowohl des Originals als auch des Remakes ist folgende: In der Gegenwart (1983 bzw. 2009) tauchen plötzlich riesige außerirdische Raumschiffe über mehreren großen Städten der Erde auf. Es stellt sich heraus, dass die außeridischen Besucher genauso aussehen wie wir Menschen und auch unsere Sprachen sprechen. Sie verkünden, in Frieden gekommen zu sein und nur die besten Absichten für die Menschheit zu haben. Zwar wollen sie auch ein paar kleine Gegenleistungen, zeigen sich aber insgesamt äußerst großzügig und beschenken die Erde mit neuen Technologien, laden die Menschen ein, ihre riesigen Mutterschiffe zu besichtigen und rufen Programme ins Leben, die das nähere Kennenlernen von Menschen und Besuchern, wie sie in den Serien genannt werden, ermöglichen sollen. So soll es zumindest erscheinen. In Wahrheit verfolgen die Besucher natürlich ganz andere Pläne, die ich hier nicht verraten möchte, die aber nichts Gutes für die Menschheit bedeuten. Auch ist das äußere Erscheinungsbild der Außerirdischen dem unseren keineswegs so ähnlich, wie es den Anschein hat. Unter einer künstlich gezüchteten menschlichen Haut verbergen sich nämlich Reptilienwesen mit gelben Augen, Krallen und scharfen Zähnen.

Das von Kenneth Johnson erdachte Original hat zu Beginn, während des ursprünglichen Zweiteilers und des anschließenden Dreiteilers, durchaus seinen Reiz. Schließlich kommt man recht schnell darauf, dass hier nicht nur von Menschen und Außerirdischen erzählt wird, sondern vor allem davon, wie sich eine ganze Gesellschaft durch Propagandamechanismen und schöne, aber leere Versprechungen hinters Licht führen lässt. Beispielsweise ziehen die Besucher durch ein der Hitlerjugend ähnliches Programm einen Großteil der Jugendlichen auf ihre Seite, die nur zu gerne in den aufregenden Dienst der Außerirdischen treten und ihre schicken Uniformen tragen. Dass sie dafür ihre Freunde und Nachbarn ausspionieren sollen und verdächtige, gegen die Besucher gerichtete Aktivitäten melden sollen, nehmen sie nur zu gerne in Kauf, schließlich geschieht all dies ja angeblich im Namen des Weltfriedens. Auf der anderen Seite existiert jedoch auch ein weltweit operierendes Netzwerk aus Widerstandskämpfern, die die Herrschaft der Besucher beenden und vor allem dem Rest der Menschheit deren wahre Natur und ihre Pläne vor Augen führen wollen. Das erinnert natürlich ganz gewollt an die Resistance-Bewegung während des 3. Reichs. Durch die Einbeziehung eines Holocaust-Überlebenden in die Handlung der ersten Folgen werden die geschichtlichen Parallelen dabei noch deutlicher.

Nach den fünf 90minütigen Filmen wandte ich mich der daran anschließenden 19teiligen Serie zu, während der ich dann das Interesse an der Serie verlor (nach etwa 12 Episoden habe ich nicht mehr weiter geschaut). Schienen die Macher zuvor noch ein Konzept für einen übergreifenden Handlungsbogen zu haben, bei dem sie auf ein bestimmtes Ziel hin erzählten, verkommt die Serie nun nämlich ziemlich schnell zu einer ziemlichen Lachnummer. Folge für Folge schleichen sich die im Zentrum der Handlung stehenden Widerstandskämpfer in irgendeine Zentrale oder ein Raumschiff der Besucher ein, um einen Sabotageakt zu verüben oder einen gefangenen Kameraden zu befreien. Dabei entkommen sie fast immer wie durch ein Wunder alle unversehrt – und wenn doch nicht, dann wird eben in der nächsten Episode eine erneute Befreiungsaktion gestartet. Durch diesen erzählerischen Stillstand nutzte sich die Serie für mich dann recht schnell ab, auch die kultigen Uniformen, die herrlich-schrecklichen 80er-Jahre-Frisuren und die Machtkämpfen der beiden an der Spitze der Besucher stehenden „Kommando-Bitches“, wie ich sie mal nennen möchte, konnten daran nichts mehr ändern.

Also wandte ich mich nach einigen Wochen Pause dem 2009er-Remake mit Elizabeth Mitchell zu. Das wirkt natürlich wesentlich moderner, die Raumschiffe sind verchromt und stromlinienförmig, aber eines ist beim Alten geblieben: Die Besucher sind immer noch Echsen in menschlicher Hülle. Damit habe ich bei beiden Serien die ganze Zeit über ein Problem gehabt, denn mal ehrlich: das ist schon verdammt unglaubwürdig! Klar, man muss diese Ausgangssituation nun mal so hinnehmen und sie dient ja wie gesagt nur dazu, von ganz anderen Dingen zu erzählen, trotzdem habe ich mindestens einmal pro Folge gedacht: Wie soll das bitte funktionieren – Außerirdische in menschlicher Hülle? Wie praktisch, dass die Aliens so dünn sind, dass sie da reinpassen… 😉  Auch mit modernen Effekten und Makeup-Techniken sehen übrigens die Szenen, in denen man ein wenig hinter die Maskerade der Besucher blicken (meistens, weil sie verletzt werden), lächerlich aus. Wenn man den Gedanken der „verkleideten Aliens“ auf diese Weise ernst nimmt, kommt einfach nichts Glaubwürdiges dabei heraus. Andererseits geht es ja darum gar nicht, obwohl man die wahre Gestalt der Aliens natürlich unbeding sehen will (die kultigen Szenen, in denen die Besucher lebende Vögel und andere Kleintiere am Stück verspeisen, fehlen im Remake übrigens).

Die neue Serie geht handlungstechnisch genauso los, wie die alte. Ich hatte zwar das Gefühl, dass hier alles ein wenig schneller geht und weniger Tamtam um die Ankunft der Besucher gemacht wurde, davon abgesehen ist es aber das Gleiche: Raumschiffe tauchen auf, Besucher behaupten in Frieden zu kommen usw. Im Zentrum der Hauptfiguren steht im Remake mit der von Mitchell gespielten Erica Evans eine FBI-Agentin, dazu kommen auf der Seite des Widerstandes noch ein Priester, ein Ex-Söldner und ein Besucher, der die Seiten gewechselt hat (diese Figur gab es auch im Original). Das ständige Reinschleichen und Befreien von Kameraden entfällt dieses Mal zum Glück, sonst hätte ich wohl nicht alle zwölf Folgen der ersten Staffel überstanden. Während das V in der Original-Serie übrigens noch für „Victory“ und damit für den erfolgreichen Widerstand gegen und den erhofften Sieg über die Besucher stand, steht es in der 2009er Fassung zunächst einfach für „Visitors“ und wird erst am Ende der ersten Staffel zu „Victory“ umgedeutet.

Ich hatte erwartet, dass das allmähliche Unterwandern der menschlichen Gesellschaft durch die Besucher noch stärker herausgearbeitet wird, als im Original, wurde in dieser Hinsicht aber enttäuscht. Allerdings stellen sich die Menschen dieses Mal auch so dumm an, dass es da von Seiten der Besucher nicht viel Täuschung und Raffinesse braucht, um die Menschheit für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen. (Zahllose Menschen geben sich für irgendwelche medizinischen Untersuchungen her oder fliegen einfach so mit auf eines der riesigen Schiffe der Besucher, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Im Original kam mir die Menschheit weniger blöd und naiv vor.)

Insgesamt fand ich das Remake auf jeden Fall schwächer als das Original. Das lag zum einen an den nicht besonders kreativen Drehbüchern (ich habe das Gefühl, dass die Autoren sich am Ende der ersten Staffel immer noch überlegen, auf welches Ziel sie denn eigentlich hin erzählen wollen), sondern auch daran, dass die meisten Darsteller mich nicht überzeugen konnten. Wobei die Figuren auch nicht besonders gut ausgearbeitet sind, also ist es vielleicht doch eher ein Problem auf Autorenseite. Jedenfalls hatte ich zu keinem Zeitpunkt wirklich den Eindruck, es handele sich bei der kleinen Gruppe von Widerstandskämpfern tatsächlich um eine durch äußere Umstände zusammengeschweißte Truppe, die sich nach außen verteidigen muss. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl kam da nie auf, es wirkte eher alles wie zufällig. Elizabeth Mitchell hat in „Lost“ wesentlich nuancierter und facettenreicher gespielt und wirkt in „V“ über weite Strecken lust- und ideenlos; auch das liegt vielleicht wieder daran, dass ihre Figur erst gegen Ende der Staffel endlich etwas Tiefe erlangt.

Die interessanteste Figur ist für mich Chad Decker, ein Journalist und Fernsehreporter, der von Anna, der Anführerin der Besucher, immer wieder die Gelegenheit für Exklusivinterviews und spektakuläre Ankündigungen erhält, im Gegenzug aber auch für die Propaganda der Besucher herhalten muss, denn Anna kontrolliert natürlich genau, was Chad zu sehen und zu hören bekommt. Allerdings stellt Decker durchaus kritische Fragen und lässt sich und seine Sendung nicht so schnell von der Propagandamaschinerie der Besucher vereinnahmen, wie dies bei der Reporterin in der Originalserie geschah. Für lange Zeit weiß man nicht, auf wessen Seite sich Decker schlagen wird, ja er weiß es wahrscheinlich selbst nicht und ist hin und her gerissen zwischen den beruflichen Perspektiven, die sich durch eine Kooperation mit den Besuchern ergeben und dem Drang, moralisch richtig zu handeln. Er ist sich durchaus bewusst, dass er für die Besucher nicht unersetzlich ist und sie ihn jederzeit ausschalten können und bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat. Leider spielen die Medien davon abgesehen keine große Rolle in der Serie; es wäre durchaus interessant gewesen, wie verschiedene Journalisten mit diesem Dilemma umgehen und unterschiedliche Meinungen präsentiert zu bekommen. Dennoch bleibt Decker die interessanteste, weil konsequent ambivalent gezeichnete Figur.

Die übrigen Charaktere wirken dagegen meistens sehr schablonenhaft. Da gibt es etwa den ehrenhaften Priester, der natürlich Gewissensbisse bekommt, wenn einer der anderen Widerstandskämpfer einen Gefangenen foltern muss, um wichtige Informationen zu erhalten. Die Hauptfigur, FBI-Agentin Erica Evans, wird als besorgte Mutter gezeichnet, die sich um ihren der Faszination der Besucher erlegenen Sohn sorgt, bleibt jedoch lange Zeit trotzdem ziemlich blass. Erst gegen Ende der Staffel findet ein großartiges Aufeinandertreffen von Erica und Anna statt, das eine der sehr wenigen erinnerungswürdigen Szenen dieser Staffel darstellt und Erica etwas gefährlicher, risikobereiter und damit interessanter werden lässt.

Interessant ist auch die in den letzten Folgen eingeführte Idee, dass die emotionslosen Besucher allmählich menschliche Gefühle in sich entdecken und so mit Schrecken feststellen müssen, dass sie uns allmählich ähnlicher werden und menschliche Schwächen entwickeln. Ebenso setzt sich Erica am Ende über einige der Prinzipien hinweg, die für sie bislang unverrückbar gegolten haben und handelt damit genauso rücksichtslos und gefühlskalt wie Anna. Sie lässt ihre eigene Menschlichkeit also ein Stück weit hinter sich. Wohin diese Erzählfäden führen werden, wird sich in der zweiten Staffel zeigen, die ich mir irgendwann anschauen werde (in nächster Zeit bin ich aber erst mal mit „Alias“ und anderen Serien beschäftigt). Da „V – Die Besucher“ allerdings nach der zweiten Staffel eingestellt worden ist, gehe ich mal davon aus, dass da nicht mehr allzu viel Gutes auf mich zu kommt.

Übrigens kann man die 2009er Serie auch auf eine weitere Weise politisch lesen: Von Anna, der obersten Kommandantin der Besucher (die im Jahr 2009 auch in den USA landen), erwarten die Menschen die plötzliche Lösung zahlreicher Probleme, sie wollen „Change“ und haben „Hope“. Zudem verspricht Anna der Menschheit doch tatsächlich „universal health care“! Wer da noch widerstehen kann und behaupten will, die Besucher hätten nichts Weniger als das Beste für die Menschheit im Sinn, der muss doch ganz einfach falsch liegen. Oder?