Gedanken über George Lucas und Michael Jackson

Nach meinem Michael Jackson-Post von vorgestern komme ich heute noch einmal (und ganz sicher nicht zum letzten Mal) auf den King of Pop zurück. Neben Michael Jackson ist alles rund um STAR WARS die zweite große, mein Leben seit vielen Jahren bestimmende – oder zumindest beeinflussende 😉 – Leidenschaft. Gerade eben habe ich einen Fernsehbeitrag (den man hier anschauen kann) über den „Star Wars“-Schöpfer George Lucas gesehen, der in San Francisco ein Museum gründen will, dem er Bilder, Literatur und Kunstgegenstände aus seiner eigenen, nicht gerade kleinen Sammlung zur Verfügung stellen will, um junge Menschen dazu zu inspirieren, kreativ tätig zu werden.

Was das Ganze nun mit Michael Jackson zu tun hat? Nun, der Bericht hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie ähnlich sich die meisten großen Künstler (und dazu zähle ich die beiden genannten definitiv) in so mancher Hinsicht sind. Eine idealistische Sichtweise auf die Welt gehört dazu ebenso, wie die Fähigkeit zur geradezu kindlichen Begeisterung. Ganz genauso natürlich die beneidenswerte Gabe der scheinbar unerschöpflichen Kreativität, die mit den anderen beiden Eigenschaften sicher in Verbindung steht.
Genau wie George Lucas sich auf seiner Skywalker Ranch eine ganze Bibliothek voller Bücher eingerichtet hat und Bilder von Norman Rockwell und anderen Künstlern sammelt, hatte auch Michael Jackson seine Neverland Ranch mit zahlreichen Kunstgegenständen und einer eigenen Bibliothek ausgestattet. Und für seinen Kunstgeschmack galt das Gleiche wie für den von George Lucas (siehe Lucas eigene Aussage darüber im oben verlinkten TV-Beitrag) – ernsthafte Kunstkritiker hätten für die Bilder und Skulpturen, die Jackson sammelte, wohl nur eine hochgezogene Augebraue übrig gehabt und sie mit Adjektiven wie „kitschig“ und „oberflächlich“ beschrieben (genau so wurden auch Jacksons Lieder oft bezeichnet, und auch auf Lucas‘ Filme trifft das zum Großteil zu, schließlich sind sie „nur“ Blockbuster- und Popcornkino für die breite Masse).
Darüber hinaus liegt bzw. lag es beiden Künstlern sehr am Herzen, junge Menschen und nachfolgende Generationen zu inspirieren und dazu anzuleiten, ihr eigenes Potential zu entdecken und ihre Kreativität zu entfalten. Nachdem ich den Fernsehbeitrag gesehen hatte, waren mir die Parallelen zwischen George Lucas und Michael Jackson in diesen beiden Punkten sofort vor Augen.

Und da ist noch ein dritter Punkt, den ich ebenfalls kurz anreißen möchte, aber hier und heute noch nicht vertiefen kann:

Nach Michael Jacksons Tod begann sich die Sichtweise der Öffentlichkeit auf ihn und sein Werk zu ändern. Wenn über Jackson geschrieben wird, liegt der Fokus seitdem immer seltener auf den „Skandalen“, die zu seinen Lebzeiten die Medien beherrschten, sondern mehr und mehr auf seiner Kunst und seinem Wirken (einige Links dazu hatte ich in meine letzten Beitrag gepostet). Sein Lebenswerk wird nun auf eine ganz andere Weise wahrgenommen und es ist auf einmal auch unter ernsten Musikkritikern schick, sich tiefgründig mit seinen Liedern, Videos usw. auseinanderzusetzen, die doch früher bloß als reine Unterhaltung und damit als oberflächlich bezeichnet wurden. Nun aber rückt der Künstler Michael Jackson allmählich in den Vordergrund und die Inhalte, Hintergründe und Intentionen seiner Werke werden mit berücksichtigt.
George Lucas ist glücklicherweise noch nicht tot und ich wünsche ihm noch ein langes, erfülltes Leben; trotzdem wage ich es einmal zu behaupten, dass ihm dieser Prozess auf ganz ähnliche – wenn auch wohl weniger extreme Weise – widerfährt. Lucas galt Mitte der Siebziger als einer der talentiertesten jungen Regisseure Hollywoods. Dann veröffentlichte er mit „Star Wars“ 1977 den erfolgreichsten Film aller Zeiten und war damit plötzlich für die ganze Welt „nur“ noch ein Blockbusterfilmemacher, ein Regisseur und Produzent massenkompatibler (also inhaltsleerer, glatt gebügelter) Fantasyfilme (es folgte unter anderem die „Indiana Jones“-Reihe), die man nur ihrer Einspielergebnisse wegen ernst nehmen musste. Er war also mit einem Wort kommerziell geworden, und das galt automatisch als schlecht. Ganz genau wie Jackson, der mit „Thriller“ das erfolgreichste Album aller Zeiten veröffentlichte und fortan zwar für seine Tanzschritte und seine unterhaltsamen Songs geliebt wurde, dessen Kunst aber eben nicht wirklich als Kunst, sondern als reine Unterhaltung galt, und damit automatisch als inhaltsleer, oberflächlich (und das war noch zu einem Zeitpunkt, als Jackson die schlimmsten Anfeindungen seines Lebens erst noch bevorstanden).

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch das Lebenswerk von George Lucas in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auf eine völlig andere Weise wahrgenommen werden wird, als dies heute der Fall ist. Spätestens seit Ende der Neunziger, als Lucas zum ersten Mal das (in den Augen vieler „Star Wars“-Fans) Sakrileg beging, die „Star Wars“-Originaltriolgie durch neue Szenen und Effekte zu verändern und schließlich mit der „Episode I“ und den beiden weiteren Prequels nach Ansicht sowohl vieler Fans als auch Kritiker seinen eigenen „Star Wars“-Mythos schändete, wird er von der breiten Öffentlichkeit überwiegend nur noch als zwar cleverer, aber geldgieriger Geschäftsmann wahrgenommen, der es bestens versteht, aus der Marke „Star Wars“ auch noch den letzten Cent heraus zu pressen. Ob das zutrifft und inwiefern das verwerflich ist, darüber kann man natürlich streiten, Tatsache ist aber, dass Lucas erstens mehr ist als „bloß“ der Mann hinter „Star Wars“ (der er im Übrigen ja seit dem Verkauf von „Star Wars“ an Disney nicht mehr ist), weil er sich beispielsweise über verschiedene Stiftungen schon seit Jahrzehnten im Bildungsbereich engagiert. Und zweitens lenkt diese Sichtweise vom Blick auf Lucas‘ Kunstwerke selber ab, die trotz all der Mängel, die sie durchaus haben mögen, immer noch großartige Kunstwerke sind.
Mit großem Interesse habe ich in letzter Zeit zur Kenntnis genommen, dass sich dieser Blick auf George Lucas‘ Werk bereits zu verschieben begonnen hat, so wie es bei Michael Jackson erst nach seinem Tod der Fall war. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Lucas „Star Wars“ verkauft und offiziell seinen Ruhestand angekündigt hat. Jedenfalls bin ich in den letzten Wochen auf zwei interessante Artikel aufmerksam geworden, die ich hier zum Schluss ganz unkommentiert erwähnen möchte: Zum einen der Artikel „George Lucas’s Force“ von der Kulturkritikerin Camille Paglia, die Lucas darin als den „größten Künstler unserer Zeit“ bezeichnet und die auch ein Buch mit dem Titel „Glittering Images: A Journey Through Art from Egypt to Star Wars“ geschrieben hat (schon am Titel wird deutlich, dass sie „Star Wars“ – und zwar die dritte Prequel-Episode „Die Rache der Sith“! – in eine Reihe mit großen Kunstwerken wie etwa ägyptischen Königsgräbern stellt). Zum anderen ist da der amüsante Bericht „Watching the Star Wars Prequels on Mute: An Experiment“, in dem die Autorin Emily Asher-Perrin wie im Titel angedeutet das Experiment wagt, die „Star Wars“-Episoden I bis III ohne Ton anzuschauen und sich auf diese Weise erst ihrer vollen visuellen, künstlerischen Pracht bewusst wird. Das kann man mit einem Augenzwinkern lesen – schließlich werden viele sagen, sie hätten es schon vorher gewusst, dass die Prequels mit abgeschaltetem Ton leichter erträglich sind – muss man aber nicht.

Nun habe ich doch viel mehr geschrieben, als ich vorhatte. Eigentlich wollte ich nur ganz kurz auf die Parallelen zwischen zwei großen Künstlern aufmerksam machen, die mir in den Sinn gekommen sind, nachdem ich den oben erwähnten Nachrichtenbeitrag gesehen hatte. Um zum Schluss erneut auf die Gemeinsamkeiten zwischen George Lucas und Michael Jackson (die übrigens für Jacksons 3D-Kurzfilm „Captain EO“, der viele Jahre in einem der Disney-Freizeitparks lief, zusammen gearbeitet haben – so schließt sich der Kreis!) aufmerksam zu machen, zitiere ich abschließend ein paar Worte von George Lucas aus diesem Fernsehbeitrag, die genauso gut auch von Michael Jackson hätten stammen können:

„You either look at the world through cynical eyes or through idealistic eyes. … I don’t see anything wrong with having a[n] idealistic, sentimental, fun point of view – especially for people that are growing up.“

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Und noch ein kleiner Nachtrag für alle Jackson-Fans, als weitere Verbindung zwischen Lucas und Jackson: Das Gemälde, das im Video kurz bei 1:41 zu sehen ist, sieht mir doch verdammt so aus, als hätte es Michael Jackson als Inspiration zu seinem „You Are Not Alone“-Video gedient. Ich habe keine Ahnung, was das für ein Bild ist, aber vielleicht hat der gute George unseren Michael ja mal durch seine private Sammlung geführt…?

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Update am 20.03.2013:
Ich scheine mit meiner im Nachtrag aufgestellten Behauptung recht gehabt zu haben: Bei dem im Video bei 1:41 kurz zu sehenden Gemälde handelt es sich um „Daybreak“ von Maxfield Parrish. Gerade eben habe ich in einem alten Blogpost von Willa Stillwater und Joie Collins gelesen, dass auch die beiden der Ansicht sind, das Gemälde habe Michael Jackson als visuelle Vorlage zum „You Are Not Alone“-Video gedient.

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Ein Gedanke zu “Gedanken über George Lucas und Michael Jackson

  1. Erstmal Danke, dass du mich auf diesen interessanten Bericht aufmerksam gemacht hast. Ich versuche mir ja seid Jahren das Sammeln, von was auch immer, zu verbieten, aber dem Anblick einer solchen Bibliothek muss man ja neidisch werden.

    „schmaltzi“ ist also ein englisches Wort? Da habe ich sogar noch was gelernt. Ich würde übrigens noch einen Schritt weiter gehen und am liebsten die Star Wars Filme ohne Ton, aber mit Musik anschauen…

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