Die Neuauflage von Michael Jacksons „Off The Wall“

Off The Wall - CoverMichael Jacksons Album „Off The Wall“ feiert dieses Jahr zwar kein rundes Jubiläum (es wurde 1979 veröffentlicht), Sony Music und der Michael Jackson Estate bringen die Platte aber trotzdem in einer Neuauflage heraus. Am 26.02. erscheint „Off The Wall“ als CD/DVD- bzw. CD/Blu-ray-Package. Nebem dem Originalalbum ist ein neuer Dokumentarfilm von Spike Lee enthalten, der die Entstehung und den Einfluss des wegweisenden Albums in den Blick nimmt.

„Michael Jackson’s Journey from Motown to Off The Wall“ – so der Titel des Films – folgt demselben Schema wie schon Lees erste Jackson-Dokumentation „Bad 25“. Anhand von Archivmaterial, Ausschnitten aus Musikvideos und Auftritten sowie neuen Interviews zeichnet Lee die Entstehung des Albums nach. Der Film beginnt mit Aufnahmen verschiedener Auftritte der Jackson 5 und schildert die Trennung der Gruppe von Motown Mitte der Siebziger Jahre, nach der die Jacksons (die den Namen Jackson 5 fortan nicht mehr verwenden durften) bei Epic Records unterkamen. Dort sollte Michael Jackson schließlich mit „Off The Wall“ das erste Soloalbum veröffentlichen, auf dessen Entstehung er maßgeblichen Einfluss hatte. Als er für die Dreharbeiten zum Musicalfilm „The Wiz“ für einige Zeit nach New York ging, lernte Jackson den Musiker, Komponisten und Musikproduzenten Quincy Jones kennen, den er schließlich als Produzent für sein Album verpflichtete.

Jackson-Fans und all diejenigen, die schon einmal eine Michael Jackson-Biografie gelesen haben, kennen diese Geschichte natürlich bereits. Der Film liefert keine neuen Einsichten und bringt fast keine bisher unbekannten Fakten zutage; das war aber wohl auch nicht die Absicht von Spike Lee. Stattdessen möchte er einfach einen Meilenstein in Jacksons Karriere feiern und den großen Einfluss des Albums auf die moderne Popmusik würdigen. Leider verheddert sich Lee dabei jedoch in zu vielen Beiträgen zu vieler Interviewpartner. Dass Familienmitglieder und Weggefährten des späteren King of Pop befragt werden, ist ja durchaus nachvollziebbar und sinnvoll. Der Informationsgehalt der Beiträge von Künstlern wie The Weeknd oder ?uestlove (das sind beides keine Schreibfehler!), die nie mit Jackson zusammengearbeitet haben, hält sich jedoch in Grenzen. Sie können halt nicht viel mehr erzählen, als dass sie Michael Jackson super und das Album wahnsinnig toll finden. Das ist zwar schön und  freut den Jackson-Fan, der Erkenntnisgewinn hält sich dabei allerdings doch stark in Grenzen.

Erhellender sind natürlich die Beiträge von Quincy Jones, mit dem aber für den Film leider kein neues Interview geführt worden ist. Spike Lee musste also auf Archivmaterial zurückgreifen. Auch die Szene, in der Stevie Wonder davon berichtet, wie es dazu kam, dass der von ihm geschriebene Song „I Can’t Help It“ auf dem Album landete, ist interessant. Leider hat man es offenbar nicht geschafft, für den Film auch Paul McCartney vor die Kamera zu kriegen, der mit „Girlfriend“ ebenfalls einen der zehn Titel auf „Off The Wall“ geschrieben hat. Erfreulich wiederum war es, den Jackson-Experten Joseph Vogel zu sehen und zu hören; der hat zwar Michael Jackson nie persönlich kennen gelernt, sich aber intensiv mit dessen Werk auseinander gesetzt und kann etwa die Bedeutung eines Songs oder Albums für Jacksons Karriere klar auf den Punkt bringen. Ausschnitte aus Interviews mit Michael Jackson selbst dürfen natürlich auch nicht fehlen, allerdings verwendet Lee im Film keinerlei Aufnahmen von ihm, die nach der „Off The Wall“-Äre entstanden sind. Das ist insofern schade, als es durchaus auch spätere interessante Interviews mit Michael Jackson gibt sowie Live-Performances einiger Songs aus dem Album von späteren Konzert-Tourneen.

Gerade die Konzertausschnitte sind es natürlich auch, die im Film am meisten begeirstern können. Wie Michael Jackson da um 1980 herum – damals noch mit seinen Brüdern – auf der Bühne alles gibt, das ist immer wieder sehens- und hörenswert. Mir wäre eine Blu-ray-Veröffentlichung eines kompletten Konzerts der Triumph-Tour viel lieber gewesen als ein Dokumentarfilm, bei dem man immer nur kurze Ausschnitte aus diversen Auftritten zu sehen bekommt.

Michael JacksonIn der zweiten Hälfte des Films arbeitet Lee das Album Song für Song ab. Leider wird dabei der Eindruck erweckt, als seien ihm manche Lieder wesentlich wichtiger als andere. „Girlfriend“ beispielsweise wird kaum eine Minute gewidmet (wohl auch, weil man Paul McCartney nicht als Interviewpartner gewinnen konnte/wollte – ich hoffe, das wird bei einer möglichen „Thriller“-Doku anders sein). Bei der Besprechung der drei von Rod Temperton geschriebenen Stücke fällt dann negativ auf, dass Temperton im Film leider gar nicht zu Wort kommt. Natürlich gibt es nur zu fünf der zehn Lieder Musikvideos und/oder Konzertauftritte zu zeigen, trotzdem hätte ich mir auch zu den anderen Songs ein wenig mehr Analyse und Hintergrund gewünscht.

Meine Lieblingsstelle im Film ist die, wo es um Jacksons Zeit in New York geht. Als er für die Dreharbeiten zu „The Wiz“ mit seiner Schwester LaToya dort wohnte, war Jackson ein regelmäßiger Besucher des legendären Studio 54. In einer Szene des Films wird der 19-jährige Jackson von einer Reporterin gefragt, ob es dort nicht auch mal ziemlich verrückt und wild zugehe. Er verneint, nur um dann nachzuschieben, dass er gerne die Besucher im Studio 54 beobachte, weil man da alles mögliche zu sehen bekomme: „Neulich war zum Beispiel Darth Vader da.“
Michael Jacksons kurze New York-Phase finde ich überhaupt sehr interessant. Diese Zeit muss ihn sehr geprägt haben. Rückblickend ist es kaum vorstellbar, dass es tatsächlich ein paar wenige Jahre gab, in denen der erwachsene Michael Jackson noch in Diskotheken gehen und dort Spaß haben konnte.

„Michael Jackson’s Journey from Motown to Off The Wall“ ist also genau der Film geworden, den man nach „Bad 25“ von Spike Lee erwarten konnte. Viele Jackson-Fans und all diejenigen, die erst wenig über Michael Jackson wissen, werden daran sicher ihre Freude haben. Wer sich aber für eine detallierte Schilderung der Entstehungsgeschichte des Albums oder für Analysen der Lieder interessiert, der muss auf andere Quellen zurück greifen (wie z.B. Joseph Vogels hervorragendes Buch). Spike Lee hat übrigens sein Interesse daran bekundet, nach „Bad“ und „Off The Wall“ auch noch „Thriller“ einen Film zu widmen und so die Trilogie an Dokumentationen zu den drei Alben, die Michael Jackson mit Quincy Jones aufgenommen hat, zu komplettieren. Das kann ich zwar nur begrüßen, würde mir aber sehr wünschen, wenn man es nicht bei diesen drei Alben beließe. „Dangerous“, „HIStory“ und „Invincible“ haben meiner Meinung nach ebenso sehr Dokumentarfilme verdient wie Jacksons frühere Alben (und zudem wurde zu ihnen noch längst nicht so viel gesagt).

OTW kleinWie erwähnt gibt es den Film nur zusammen mit dem Album zu kaufen. Das ist zwar für all diejenigen von Vorteil, die das Album noch nicht besitzen; alle anderen werden damit aber leider ein weiteres Mal zum Kauf des Albums gezwungen, auch wenn sie nur den Film haben möchten. Abgesehen von der beigelegten DVD bzw- Blu-ray und einer neuen Verpackung ist an dieser Version von „Off The Wall“ übrigens nichts neu! Es ist wirklich schade, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, eine mit Bonustracks ausgestattete Version herauszubringen, für die man als Fan gerne auch dann Geld ausgegeben hätte, wenn man das Album schon fünfmal im Schrank stehen hat. Bei „Bad 25“ hat das 2012 im Großen und Ganzen doch auch geklappt, warum dann nicht auch bei „Off The Wall“? Als Bonusmaterial hätte man unter anderem die bereits veröffentlichten Demoversionen einiger Songs, ein paar Live-Aufnahmen sowie den einen odere anderen Song aus den „Off The Wall“-Sessions verwenden können, der es nicht aufs Album geschafft hat (wie z.B. „Sunset Driver“, aber vielleicht gibt es auch noch ein paar bisher gänzlich unveröffentlichte Titel).

Eine Bonus-CD gibt es also bei dieser Neuauflage des Albums leider nicht, dafür aber etwas anderes: Kreide. Ja, richtig gelesen. Irgendjemand bei Sony Music muss sich gedacht haben, es sei doch eine ganz tolle Idee, dem Album ein Stück weiße Kreide beizulegen, schließlich scheint der Titelschriftzug auf dem Cover auch wie mit Kreide auf eine Mauer geschrieben. Mit der Kreide kann man die Innenseite des aufklappbaren CD-Pappschubers bemalen, die ebenfalls im Mauer-Design gehalten ist. Verbunden wurde das Ganze mit der Aufforderung an die Fans, die so entstandenen Kreationen zu fotografieren und im Internet zu posten. Das habe ich auch gleich getan und eben meine Forderung nach „Bonustracks statt Kreide“ auf diese Weise festgehalten:

Copyright Bilder: Sony Music

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Ein Gedanke zu “Die Neuauflage von Michael Jacksons „Off The Wall“

  1. Seltsamerweise ist das bei Sony und den estate nicht angekommen es hat eher es Gegenteil bewirkt bei Dangerous 25 haben sie uns gar nix mehr gegeben und in Zukunft wollen sie sich auch weigern Unreleased Material zu geben am liebsten würde ich zu Ihnen gehen und ihnen einen Arschtritt geben die kotzen mich sowas von an!

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