Buffy the Vampire Slayer – Season 6

Meine Beziehung zu „Buffy“ hatte so schön angefangen: Während der ersten Staffeln war ich von der Serie restlos begeistert (und habe das auch in Blogposts hier, hier und hier zum Ausdruck gebracht). Aber die vierte Staffel zeigte dann einige merkliche Schwächen und die fünfte war für mich die eindeutig schlechteste der Serie. Schon damals hatte ich keine Lust mehr, einen so ausführlichen Blogpost zu verfassen wie noch zu den ersten Staffeln.
Auch mit dem Bloggen über Staffel sechs habe ich mir lange Zeit gelassen. Ich habe die Staffel bereits vor mehreren Monaten angeschaut; nun liegen vor mir einige Zettel mit Notizen, die meine Erinnerung anregen sollen…

Beginnen wir mal mit der Feststellung, dass ich das sechste Jahr von „Buffy“ wieder besser fand als das fünfte. Doch von den starken ersten drei Staffeln ist die Serie leider immer noch weit entfernt (und ich fürchte sie wird es auch in der siebten und letzten Staffel bleiben, die ich noch vor mir habe). Zwar gab es auch dieses Mal einige wirklich starke Episoden, doch die sich durch die Staffel ziehende Handlung um Jonathan und seine beiden Freunde, die sich zu kriminellen Herrschern über Sunnydale aufschwingen wollen (oder so etwas in der Art), wirkte einfach nur lächerlich und verzweifelt.
Was aber rückblickend in diesen 22 Episoden am meisten überzeugen konnte, waren die Charaktere und ihre Beziehungen. Und das war ja immer schon eine der größten Stärken von „Buffy“. Nach Buffys Tod am Ende der fünften Staffel sind ihre Freunde am Boden zerstört, desorientiert und hoffnungslos. Verzweifelt versuchen sie mithilfe eines „Buffybots“ und etwas Magie von Willow (Alyson Hannigan) das Böse im Zaum und Buffys Ableben geheim zu halten (und stellen seltsamerweise trotzdem einen Grabstein mit Buffys Namen auf ihr Grab), doch ihre Aussichten dabei sind alles andere als rosig. Da fasst Willow einen aberwitzig erscheinenden Plan: sie will einen Zauber durchführen, der Buffy zurück ins Leben holen soll.

Die Doppelfolge „Bargaining“ zum Staffelauftakt hat alles, was man sich von einer guten „Buffy“-Episode wünscht: witzige Dialoge, Action und eine konsequente Weiterentwicklung der Figuren. Auch die daran anschließende Episode „After Life“ weiß zu begeistern, u.a. mit wirklich beeindruckendem Schauspiel von Sarah Michelle Gellar, James Marsters und Michelle Trachtenberg. Nachdem Buffy erfolgreich wieder zum Leben erweckt wurde, stellt die Serie die Frage, ob Buffy denn immer noch dieselbe Person ist wie früher. Diese Frage wird Buffy und ihre Freunde die ganze Staffel über beschäftigen – ein Beispiel dafür, dass die Figuren dieses Mal vor allem mit inneren Dämonen zu kämpfen haben. Denn Buffy ist eindeutig nicht mehr dieselbe wie früher, ihre Todeserfahrung hat sie verändert. Dies kann freilich niemand so richtig nachfühlen und so steht sie mit ihren Gefühlen ziemlich alleine da.

Aber ganz alleine ist sie dann doch nicht, denn sie hat ja Spike. Der hatte im Verlauf der fünften Staffel eine ungesunde Obsession für Buffy enwickelt. Diese erwidert seine Liebe nun zwar (vorerst?) nicht, vertraut Spike aber als einzigem einige ihrer intimsten Gedanken an und, nun ja, wird auch sonst recht intim mit ihm. Die Beziehung zwischen Buffy und Spike nimmt einen Großteil der Staffel ein. Man kann sich darüber lustig machen, dass die beiden hier gefühlt in jeder Episode wilden Sex haben und dabei schon mal ein ganzes Gebäude zu Bruch gehen lassen. Aber nichts zeigt Buffys Verwirrung über sich selbst und ihre Rolle im Freundeskreis und in der Welt so eindrucksvoll, wie die (meist äußerst miese) Art, in der sie Spike hier behandelt. Wieder und wieder schläft sie mit ihm, nur um ihm jedes Mal danach ins Gesicht zu sagen, wie sehr sie ihn doch verabscheut. Irgendwann muss einem der Arme einfach leid tun. Am Ende jedoch, in Folge 19 („Seeing Red“), gesteht Buffy, dass sie doch Gefühle für Spike hat. Aber Liebe ist es nicht:

Buffy: „I have feelings for you. I do. But it’s not love. I could never trust you enough for it to be love.“
Spike: „Trust is for old marrieds, Buffy. Great love is wild, and passionate and dangerous. It burns and consumes.“
Buffy: „Until there’s nothing left. Love like that doesn’t last“

Spike kann und will mit Buffys Worten nicht umgehen, ihre Zurückweisung nicht akzeptieren. In einer schockierenden Szene versucht er, sie zu vergewaltigen. Zusammen mit einem weiteren Schock am Ende der Episode macht diese Szene „Seeing Red“ zu einer der besten Folgen der Staffel.

Dass Buffy sich in dieser Staffel mit allerlei anderen Problemen herumschlagen muss (und nicht nur mit Dämonen), zeigen beispielhaft auch ihre Geldsorgen („Out of My Mind“). „It’s not like it’s the end of the world. Which is too bad, you know, cause that I’m really good at.“, stellt Buffy fest. Es folgt eine Szene auf der Bank, in der Sarah Michelle Gellar einmal das dumme Blondchen geben darf, das der Name Buffy nahelegt (ein Bild, das die Serie sonst immer so gekonnt unterläuft). Vampire pfählen fällt Buffy nicht schwer, aber was ganz alltägliche Probleme betrifft fühlt sie sich oft genauso hilflos wie alle anderen.

Natürlich kann man nicht über die sechste Staffel schreiben, ohne auch ein paar Worte über die Musicalepisode zu verlieren. Was soll ich sagen? „Once More With Feeling“ ist einfach großartig! Mit Musik kann man Emotionen vielleicht so direkt und unmittelbar zum Ausdruck bringen wie auf keine andere Weise und Joss Whedon nutzt dies gleich doppelt: zum einen, weil die Episode ihre Geschichte und damit das Innenleben der handelnden (und singenden und tanzenden) Figuren über Lieder ausdrückt. Und zum anderen (Whedon wäre nicht Whedeon, wenn nicht auch seine Musicalepisode etwas meta wäre), weil es eben auch in der Episode selbst genau darum geht – Buffy, Xander, Giles usw. können auf einmal gar nicht anders, als ihre innersten Gefühle über Gesang und Tanz nach außen zu posaunen, ob sie wollen oder nicht. Das führt zu einigen wirklich fantastischen Szenen und obendrein ist das Ganze nicht als Stand Alone-Folge konzipiert, sondern entwickelt auch noch die Handlung und Beziehungen weiter. Hut ab, Herr Whedon!

Auch die daran anschließende Folge „Tabula Rasa“ weiß noch zu begeistern. Darin versucht Willow, bestimmte unliebsame Erinnerungen aus Taras bzw. Buffys Gedächtnis zu löschen. Doch der Zauber geht schief und so leidet plötzlich die ganze Scooby Gang an  Gedächtnisverlust. Sie erinnern sich an nichts, nicht einmal an ihre Namen, und versuchen in einer herrlich komischen Szene zu rekonstruieren, in welchen Beziehungen sie wohl zueinander stehen. Ob man Buffy-Neulinge wohl mit dieser Folge an die Serie heranfüheren könnte? Am Ende ist die Gang jedenfalls gespaltener denn je und Tara (Amber Benson) verlässt Willow.

Eine weitere gute Folge war „Wrecked“ (6.10), in der Willow erstmals eingesteht, dass sie ein ernstes Problem hat. Sie ist quasi süchtig nach Magie und Hexerei, welche man hier als Metapher für reale Drogen sehen kann. Fortan geht Willow auf kalten Entzug und verspricht, sich von der Hexerei fern zu halten. Alles in allem war die erste Hälfte der Staffel also gar nicht so schlecht, jedenfalls wenn man davon absieht, dass weit und breit kein ernst zu nehmender großer Bösewicht in Aussicht war und Jonathon & Co. einfach nur nervten. Die zweite Staffelhälfte legt mit „Doublemeat Palace“ leider einen grauenhaften Start hin. Die Folge spielt fast ausschließlich in einem Fastfoodrestaurant, in dem Buffy nun arbeitet und wo natürlich Dämonen am Werk sind. Das Ganze ist aber so langweilig und peinlich geraten, dass die Folge sicher in vielen Listen der schlechtesten „Buffy“-Episoden ihren Platz finden dürfte.

Für den Rest der Staffel tritt die Serie ein wenig auf der Stelle. Buffy erniedrigt Spike regelmäßig, Xander trauert Anya hinterher, die er kurz vor der Trauung hat sitzen lassen. Und Willow kann die Finger natürlich doch nicht ganz von der Magie lassen, was dazu führt, dass wir wenigstens für die letzten drei Episoden eine richtig spannende Handlung mit einem ernstzunehmendem Gegner für Buffy bekommen: Willow. Dazu gleich mehr, vorher aber noch ein paar Worte zu Episode 17 („Normal Again“), die zumindest bei mir gekonnt Verwirrung darüber gestiftet hat, was hier denn nun real ist und was nicht. Die Episode will uns – und Buffy – nämlich glauben machen, dass die letzten sechs Jahre, die wir gemeinsam mit Buffy in Sunnydale erlebt haben, gar nicht so stattgefunden haben. Stattdessen soll Buffy sich alles – inklusive ihrer Freunde wie Willow, Xander und Giles – nur eingebildet haben und seit sechs Jahren in einer psychiatrischen Klinik leben. Natürlich ist es am Ende die Klinik, die sich als Wahnvorstellung entpuppt, aber man merkt Buffy an, dass sie eigentlich gar nicht so viel dagegen hätte, wenn sie den Ereignissen und Problemen in Sunnydale entfliehen könnte. Wünschen wir uns das nicht alle manchmal? Dass unser ganzes Leben, all unsere Sorgen und Probleme nur eine Illusion, eine Wahnvorstellung sind? Je weiter man diese Gedanken treibt, um so mehr nähert man sich der Schwelle an, an der man vor der Frage steht, ob man nun endgültig verrückt werden werden oder aber sich der Realität stellen will. Und Buffy entscheidet sich für letzteres. Hervorragend – die Entscheidung ebenso wie die Episode.

Nun also zurück zu den letzten Folgen, in denen Alyson Hannigan als Willow mal so richtig schön böse sein darf. Nach einer Durststrecke mittelmäßiger Episoden (die nur durch „Normal Again“ unterbrochen wurde), nimmt die Staffel also erst am Ende von „Seeing Red“ so richtig Fahrt auf, um dann einen sich über drei Folgen hinziehenden Showdown zu bieten, der zwar nicht für alles Vorhergehende entschädigt, aber doch für so Manches. Ich habe mir zu diesen Folgen kaum Notizen gemacht, was aber nur für ihre Qualität spricht. Ich saß ganz einfach so gebannt vor dem Bildschirm, dass ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin! Giles (Anthony Stewart Head), der sich seiner Mentorenrolle entsprechend zu Beginn der Staffel nach England zurückgezogen hatte (gut, eigentlich hätte er nach den Regeln der klassischen Heldenreise ja sterben müssen), kehrt schließlich zurück, um Buffy im Kampf gegen Willow zu unterstützen. Am Ende ist es aber Xander (Nicholas Brendon), der Willow besiegt bzw. sie wieder zur Vernunft bringt. Action und große Kämpfe haben wir zu diesem Zeitpunkt schon so einige gesehen und so ist es umso angenehmer, dass der entscheidende Sieg dann nicht mit Gewalt errungen wird, sondern mit der Kraft von Liebe und Freundschaft. Mit ehrlichen, einfühlsamen Worten schafft es Xander, Willow von ihrem Irrweg abzubringen und zurück auf die Seite des Guten zu holen.

Insgesamt war diese Staffel also vielleicht doch nicht so schlecht, wie ich noch zu Beginn dieses Textes gedacht hatte. Sie hatte durchaus großartige Momente, einige herausragende Episoden und ein furioses Finale (inklusive eines Cliffhangers: Spike hat seine Seele zurück bekommen!). Die Figuren sind alle nicht mehr dieselben wie noch zu Beginn der Staffel (und ganz bestimmt nicht mehr wie zu Beginn der Serie). Die Entwicklungen, die sie durchgemacht haben, kann man vielleicht erst im Rückblick erkennen und zu schätzen wissen. Dennoch hätte ich mir eine interessantere Handlung und einen richtig guten, charismatischen Bösewicht für die Staffel gewünscht, nachdem wir beides auch schon in der fünften Staffel nicht bekommen haben. Ich bin schon sehr gespannt, ob die siebte  Staffel der Geschichte und den Charakteren noch auf sinnvolle Weise etwas hinzufügen wird. Dass ich mit dem Anschauen der letzten Staffel immer noch nicht angefangen habe, liegt auch daran, dass ich nicht will, dass die Serie ein Ende findet…

Eine Anmerkung noch: Natürlich habe ich parallel zur vierten Staffel von „Buffy“ auch „Angel“ weiter angeschaut (in diesem Fall die dritte Staffel). Das war zumeist aber mehr die Pflichtübung eines Komplettheitsfanatikers. Einige der Figuren mag ich inzwischen zwar recht gerne, aber insgesamt kann ich der Serie längst nicht so viel abgewinnen wie „Buffy“ und gucke sie halt nur, weil sie auch ins Buffyverse gehört.

Buffy the Vampire Slayer – Season 5 (& Angel – Season 2)

Dieser Blogpost enthält Spoiler zur 5. Staffel von „Buffy“ und zur 2. Staffel von „Angel“!

Nachdem ich bereits die Staffeln 1, 2, 3 und 4 von „Buffy the Vampire Slayer“ hier im Blog besprochen habe, ist nun die fünfte Staffel an der Reihe. Parallel zu dieser Staffel habe ich die zweite Staffel von „Angel“ angeschaut (dabei habe ich mich an die hier vorgeschlagene Reihenfolge gehalten, damit alle Crossover-Elemente zwischen den beiden Serien Sinn ergeben). Ich muss schon einmal vorwegnehmen, dass mich die fünfte Staffel von „Buffy“ stark enttäuscht hat. Auch bei „Angel“ habe ich mich überwiegend gelangweilt. Statt nun im Folgenden die beiden Serien Episode für Episode durchzugehen, greife ich mir jeweils einige Elemente heraus, die mir erwähnenswert scheinen.

Beginnen wir mal mit Dawn. Buffys kleine Schwester (Michelle Trachtenberg) ist in Staffel fünf der wichtigste Neuzugang im Cast von „Buffy“. Da ich davon bereits wusste, war ich zwar nicht überrascht als Dawn plötzlich auftauchte, allerdings war ich sehr gespannt, wie ihr Erscheinen erklärt werden würde.  Ich hatte erwartet, dass Dawn im typischen Soap-Modus als bislang unbekannte Halbschwester von Buffy oder dergleichen eingeführt wird, dass man sich also irgendeine banale Erklärung aus den Fingern saugt, um Dawns verspätetes Auftauchen in Buffys Leben und der Serie zu erklären. Eine solche Erklärung gibt es schließlich auch und sie ist eigentlich recht kreativ: Dawn ist der „Schlüssel“, den die böse Glory (zu ihr komme ich gleich) braucht, um…naja um ihren bösen Plan umzusetzen. Es wird also auch den Figuren in der Serie erklärt, dass und warum Dawn früher nicht da war. Das ist einerseits recht kreativ, führt aber nicht recht weit, da Glory und die übergreifende Staffelhandlung alles andere als einfallsreich sind. Ich hätte es wirklich gerne gesehen, wenn Dawns Erscheinen in der Serienwelt überhaupt nicht kommentiert oder erklärt worden wäre – das wäre doch mal ein mutiges erzählerisches Statement gewesen! Also Dawn einfach in die Serie hineinschreiben, ohne sich irgendeine Begründung für ihre Einführung abzuringen, ganz einfach weil sich dadurch eben neue Möglichkeiten und Dynamiken ergeben. Aber das hätte wohl zu viele Zuschauer verwirrt.

In den ersten Folgen war ich noch ein großer Fan von Dawn, doch meine Begeisterung hat sich schnell wieder gelegt, als die Staffelhandlung danach einfach nicht in die Gänge kam und weitere interessante Entwicklungen ausblieben. Glory (Clare Kramer), die als „big bad“ der Staffel herhalten muss, ist ein derartiger Griff ins Klo, dass ich den Eindruck habe, Joss Whedon habe keine Zeit gehabt, sich selbst um die Handlung dieser Staffel zu kümmern (abgesehen von den drei Folgen, die er selbst geschrieben und inszeniert hat). Glory ist eine Göttin, also zumindest theoretisch allmächtig, aber weil sie eine Menschengestalt angenommen hat, hat sie auf den Großteil ihrer Allmacht zurzeit sozusagen keinen Zugriff. Sie soll also bedrohlicher sein, als alle Gegner, mit denen Buffy es bisher aufnehmen musste – ist es aber dann doch nicht. Auch was sie mit ihrem großen Plan erreichen will, wird nie so ganz deutlich. Noch viel schlimmer ist, dass die Figur von einer wirklich unsympathischen und unbegabten Schauspielerin gespielt wird. Wäre ich nicht so ein Komplettheitsfanatiker, dann hätte ich die Szenen mit ihr wohl übersprungen.

Bevor ich mich weiter über Glory aufrege, springe ich also lieber gleich zur nächsten Figur: Spike (James Marsters). Besonders kreativ war seine in dieser Staffel aufflammende Obsession für Buffy zwar auch nicht, aber doch besser geschrieben und gespielt. Wie er am Ende der vierten Folge („Out of my Mind“) aus einem Traum hochschreckt, in dem er und Buffy sich leidenschaftlich küssen, das war einfach herrlich. In den kommenden Folgen verhält er sich dann wie ein verliebter Teenager, der seine Gefühle nur durch Beleidigungen ausdrücken kann. Ständig sucht er Buffys Nähe und immer wieder handelt er sich nichts als Ablehnung und Zurückweisung ein. Wenn Buffy ihm Worte wie „You’re beneath me“ (5.07) oder „You disgust me“ (5.12) an den Kopf wirft, kann er einem aber auch wirklich leid tun. Ihren Höhepunkt findet diese Dynamik in Episode 5.14 („Crush“), in der Spike Buffy seine Liebe beweisen will, indem er seine alte Flamme Drusilla tötet. Hier geht es nicht um den dämlichen Glory-Handlungsstrang, sondern um die Beziehungen von Charakteren, die wir nun schon seit mehreren Staffeln kennen und die uns etwas bedeuten. „Crush“ dürfte wohl eine der besten Folgen der ganzen Serie sein und hat unter anderem diesen herrlichen Dialog zu bieten:

Spike: „You can’t deny it. There’s something between us.“
Buffy: „Loathing. Disgust.“
Spike: „Heat. Desire.“

Aber Buffy (Sarah Michelle Gellar) muss sich in dieser Staffel nicht nur mit Spike herumschlagen, sie hat leider auch weit ernstere Probleme. Neben Glory ist da zunächst die Beziehung zu ihrem Mentor Giles (Anthony Stewart Head). Der fühlt sich zu Beginn der Staffel ziemlich überflüssig und will zurück nach England gehen, weil Buffy ihn seiner Meinung nicht mehr braucht. Doch sie schafft es, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Im Lauf der Staffel wird er wieder offiziell als ihr „Watcher“ eingesetzt und eröffnet ein Geschäft für aller magisches Zeug. Er hat also wieder eine Aufgabe und als später in der Staffel Buffys Mutter stirbt, wird er in seiner Rolle als Vaterfigur für Buffy noch wichtiger. Diesbezüglich war ich übrigens bereits gespoilert und nur darüber überrascht, dass sich das Ableben von Joyce so lange hingezogen hat (in der vierten Folge muss sie ins Krankenhaus, dann geht es ihr irgendwann wieder besser und am Ende von Episode 15 stirbt sie). Und so schlecht ich die Staffel insgesamt auch finde, muss ich doch zugeben, dass Episode 5.16 („The Body“, Drehbuch & Regie: Joss Whedon) nicht nur eine der besten Episoden der ganzen Serie ist, sondern eine Sternstunde des Fernsehens und ein absolutes Meisterwerk! Die Episode handelt von den Reaktionen der Hauptfiguren auf Joyces Tod und kommt – einmal mehr – ohne Glory und auch sonst fast ohne Dämonen und Übernatürliches aus. Nicht einmal Musik wird in der Folge verwendet, wenn ich mich richtig erinnere, und teilweise wird sogar ganz auf Ton verzichtet. Damit werden so einige Klischees umschifft und die Trauer der Figuren, die alle auf unterschiedliche Weise mit der schrecklichen Nachricht umgehen, für den Zuschauer noch unmittelbarer erlebbar gemacht.

Leider nimmt die Staffel erst nach Joyces Tod Fahrt auf, was den Kampf gegen Glory (der schließlich noch durch eine Gruppe von Rittern verkompliziert wird) aber auch nicht interessanter macht. Was war sonst noch los? Ach ja, Riley (Marc Blucas) wurde wieder aus der Serie herausgeschrieben, was kein allzu großer Verlust ist. Willow (Alyson Hannigan) übt sich anscheinend weiter fleißig in der Hexerei, bis ihre Freundin Tara (Amber Benson) am Ende der Staffel feststellen muss „It frightens me how powerful you’ve become“. Besonders viel hat man von dieser Veränderung Willows allerdings nicht mitbekommen. Und Xander (Nicholas Brendon)? Der outet sich in Episode 5.03 als „Babylon 5“-Fan, was vollkommen zu ihm passt. Später macht er seiner Freundin Anya (Emma Caulfield) einen Heiratsantrag. Buffy überlebt das Ende der Staffel übrigens nicht, aber da es noch zwei weitere Staffeln gibt, gehe ich mal davon aus, dass sie sehr bald wieder zum Leben erweckt wird.

Da es in der Überschrift steht, muss ich noch ein paar Worte zu „Angel“ verlieren. Das „Buffy“-Spin-off hat mich in seiner ersten Staffel nicht überzeugt und die zweite fand ich für eine ganze Weile sogar noch langweiliger. Der Handlungsstrang um Angels (David Boreanaz) wieder zum Leben erweckte frühere große Liebe Darla (Julie Benz) hat mich einfach gar nicht interessiert. Das ging mir alles viel zu lange hin und her und obendrein hatte es stets mit den schmierigen Anwälten von Wolfram & Hart zu tun, die ich ebenfalls nicht leiden kann (ganz besonders Christian Kane als Lindsey – noch so ein unsympathischer, unbegabter Schauspieler).

Erst als Darla und Lindsey (hoffentlich für immer!) endlich aus der Serie verschwinden, nimmt die Staffel fahrt auf. Zunächst kommt Spikes Ex-Freundin Harmony (Mercedes McNab) nach Los Angeles und wird von Cordelia (Charisma Carpenter) mit offenen Armen empfangen, weil sich nicht bis zu ihr herumgesprochen ist, dass Harmony inzwischen ein Vampir ist. Das führt zu ein paar sehr lustigen Szenen. Zwei Folgen später wird Cordelia in eine Paralleldimension versetzt, aus der sie Angel, Wesley, Gunn und der in dieser Staffel neu dazu gekommene Lorne (Andy Hallet) retten müssen. Auf diese Weise entspinnt sich eine sich über die letzten drei Folgen hinziehende Fantasygeschichte, die endlich einmal frischen Wind in die Serie bringt und richtig Spaß macht. Davon hätte ich in Zukunft gerne mehr und auch Lorne bleibt uns hoffentlich in der nächsten Staffel erhalten. Da ich die zweite Staffel aber abgesehen von diesen wenigen Episoden am Ende überwiegend ziemlich öde fand, bin ich leider noch kein Fan von „Angel“ geworden. Mal sehen, ob sich das mit der dritten Staffel ändern wird.

Buffy the Vampire Slayer – Season 4 (& Angel – Season 1)

Nachdem ich im letzten Jahr begonnen habe, eine große popkulturelle Bildungslücke zu schließen und mir die erste, zweite und dritte Staffel von Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“ angeschaut habe, bin ich in den letzten Wochen nach Sunnydale zurückgekehrt und habe mir die vierte Staffel angesehen. Dafür habe ich etwas länger gebraucht als für die früheren Staffeln, denn wenn man die volle Buffyverse-Erfahrung haben will, muss man nun ja zwei Serien gleichzeitig gucken: Nachdem Buffy (Sarah Michelle Gellar) und Angel (David Boreanaz) am Ende der dritten Staffel eingesehen haben, dass sie sich zwar immer lieben, aber auch immer unglücklich machen werden, hat Angel Sunnydale verlassen und lebt nun in Los Angeles. Dorthin hat es nach der High School auch Cordelia (Charisma Carpenter) verschlagen, die von der großen Schauspielkarriere träumt, aber tatsächlich in Angels Detektivbüro arbeitet. Aber damit bin ich ja schon bei der Spinoff-Serie „Angel“, obwohl ich zunächst eigentlich über „Buffy“ schreiben wollte. Da ich das volle Buffyverse-Erlebnis haben wollte, konnte ich „Angel“ natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen und habe mich an die hier vorgeschlagene Reihenfolge gehalten, um vor allem bei den jeweiligen Crossover-Episoden der beiden Serien keine bösen Überraschungen zu erleben (z.B. dass in einer Serie wichtige Ereignisse erwähnt werden, die einen Spoiler für die andere Serie darstellen, weil man die entsprechende Folge noch nicht gesehen hat).

Ich beginne also mit „Buffy“. Die größte Herausforderung unserer Titelheldin scheint in der ersten Episode der Staffel nicht ein Dämon zu sein (das „Slayen“ ist ja mittlerweile Routine für sie), sondern das Erstellen ihres Stundenplans fürs College. Ich kann zwar auch nach 22 Folgen immer noch nicht sagen, was genau Buffy eigentlich studiert, aber mit dem Übergang von der High School zur Uni verändert sich für sie so einiges. Anders als in ihrem letzten Schuljahr muss sie ihre Identität als Slayer am College wieder geheim halten und erlebt gleich am ersten Tag auf dem Campus, wie chaotisch das Unileben sein kann. Doch sie und ihre beste Freundin Willow (Alyson Hannigan) machen auch neue Bekanntschaften. Da wäre zum einen Riley (Marc Blucas), der im Lauf der Staffel mit Buffy zusammen kommt (auch wenn ihre erste Begegnung nicht besonders glücklich verläuft und er Buffy zunächst nur als „Willow’s friend“ im Gedächtnis behält). Dann wäre da Kathy (Dagney Kerr), die mit Buffy ein Zimmer im Wohnheim teilt. Es stellt sich allerdings sehr schnell heraus, dass die beiden überhaupt nicht zueinander passen: Als Kathy mit den Worten „I just know that this whole year is gonna be super fun!“ ein Céline Dion-Poster neben ihr Bett hängt, charakterisiert das nicht nur ohne viele Worte ihre Figur, sondern sorgt auch noch für einen der besten Gags der ganzen Serie. In der zweiten Folge treibt Kathy Buffy mit ihren Marotten fast in den Wahnsinn. Nachdem sie sich schließlich als Dämon entpuppt hat und nach etwas Arbeit von Giles und Buffy wieder aus dieser Welt verschwunden ist, zieht Willow zu Buffy ins Zimmer – warum eigentlich nicht gleich? Und dann ist da noch Professor Walsh (Lindsay Crouse) oder „the evil bitch monster of death“, wie die Psychologie-Professorin eigener Aussage zufolge unter ihren Studenten bekannt ist. Mehr zu ihr später.

Als Willow und Buffy gemeinsam das College-Gelände erkunden, ist Willow von der riesigen Universitätsbibliothek begeistert, merkt aber auch an, wie schade es ist, dass Giles (Anthony Stewart Head) nicht dort arbeitet. Tatsächlich ist Buffys ehemaliger Watcher kein so wichtiger Teil ihres Lebens mehr wie früher. Er ist zwar im Lauf der Staffel immer wieder tief in die Aktionen der Scoobies zur Bekämpfung des Bösen mit eingebunden, aber Buffy ist eben inzwischen erwachsen und hat es nicht mehr nötig, ständig von einer Vaterfigur geführt zu werden. Fühlt sie sich in der ersten Episode noch von Giles allein gelassen, so ist es im späteren Verlauf der Staffel vor allem Giles, der sich allein und nicht mehr gebraucht fühlt. Er durchlebt in der vierten Staffel eine midlife crisis. Er fängt an zu joggen, abonniert plötzlich Auto-Magazine, schaut in Buffys Stammclub, dem Bronze, vorbei und hat ein Geheimnis, das Buffy, Willow und Xander schließlich lüften: Er tritt als Sänger in einer Bar auf – und ist dabei ziemlich gut, wie Buffy feststellen muss. Giles bleibt zwar auch die ganze vierte Staffel über Teil der Serie und kommt in allen 22 Folgen vor, doch ich hatte das Gefühl, dass er eigentlich nicht mehr viel in der Serie zu suchen hat. Soweit ich weiß, wird er irgendwann in den noch verbleibenden drei Staffeln vom Haupt- zum Nebencharakter herabgestuft, persönlich bin ich allerdings der Meinung, dass man ihn  hätte sterben lassen sollen. Giles nimmt in der Serie die klassische Mentor-Position ein und müsste als solcher – nach den u.a. von Joseph Campbell dargelegten Regeln der mythologischen Heldenreise – früher oder später sterben. Vielleicht habe ich ja unrecht und er stirbt tatsächlich noch. (Glaube ich aber nicht, denn ich bin leider schon ein wenig gespoilert und weiß, dass eine andere für Buffy sehr wichtige Person in der fünften Staffel sterben wird.)

Bevor Buffy im Lauf der Staffel mit Riley zusammen kommt, verliebt sie sich erst einmal in Parker (Adam Kaufman), einen anderen Kommilitonen. Die beiden schlafen zusammen und Buffy fühlt sich für ein paar Tage wie im siebten Himmel, bis sie feststellen muss, dass Parker sie nur als spaßiges Abenteuer gesehen hat und sich nun nicht mehr für sie interessiert. „Does this always happen? Sleep with a guy and he goes all evil?“, fragt Buffy Willow, auf ihre Erfahrungen mit Angel anspielend. Etwas andere Beziehungsprobleme hat dagegen Xander (Nicholas Brendon). In der dritten Folge taucht Anya (Emma Caulfield), die menschlich gewordene Rachedämonin aus der dritten Staffel wieder auf und erklärt Xander, sie könne nicht mehr auffhören, an ihn zu denken und müsse nun unbedingt mit ihm schlafen, um ihn hinter sich lassen zu können. Xander lässt sich nicht lange bitten und hinterher kündigt Anya an „So, Im over you now.“ Dem ist natürlich doch nicht so; Xander und Anya werden ein Paar, auch wenn man als Zuschauer lange nicht so genau weiß, warum die beiden eigentlich zusammen sind. Liebe kann jedenfalls nicht der Grund sein. Anya ist aus irgendeinem Grund verrückt nach Xander, während der nicht wirklich verliebt scheint, sondern Anyas Verrücktheit nach ihm lediglich ausnutzt. Genau das – dass Xander sie nur ausnutzt – wirft Anya ihm in der Mitte der Staffel vor (mein Gedanke dazu: selbst schuld, so wie sie sich an ihn geschmissen hat). Dass es zwischen den beiden nichts zu geben scheint als Sex, wird jedenfalls immer mehr zum Problem, bis sie sich schließlich wieder trennen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich mit Anya und ihrer Rolle in der Serie anfreunden konnte. Am Anfang der Staffel fand ich die Art, in der sie als Ex-Dämonin, die das Menschsein erst wieder lernen muss, ständig unüberlegte Kommentare von sich gab, noch irritierend. Im Lauf der Staffel habe ich ihren Meta-Humor jedoch schätzen gelernt und mich bisweilen an Seven of Nine aus „Star Trek: Voyager“ erinnert gefühlt, die ja auch vom Mensch zum Nichtmensch und dann wieder zum Mensch wurde und ebenso mit menschlichen Umgangsformen fremdelte wie Anya.

Aber ob mit oder ohne Anya, Xander hat in dieser Staffel auch noch andere Probleme. Als einziger der Scoobies hat er es nämlich nicht aufs College geschafft. Schule und Lernen waren noch nie seine Stärken. Und so schlägt er sich die ganze Staffel über mit verschiedenen Jobs herum (u.a. verkauft er Fitnessriegel und Eis), aber der richtige scheint noch nicht dabei gewesen zu sein. Er wohnt zuhause bei seinen Eltern (die man nie zu Gesicht bekommt) im Keller. Als Anya in der vierten Folge zu ihm sagt, er habe doch mit Buffy, Willow und Oz, die nun alle aufs College gehen, nicht mehr viel gemeinsam, will er das zwar nicht hören, doch Anya hat einen wunden Punkt getroffen. Denn Xander versucht im Lauf der Staffel immer wieder zu beweisen, dass er eben doch noch dazu gehört, auch wenn er vom Leben auf dem Campus und von Psychologievorlesungen keine Ahnung hat. Am Ende der Staffel (Folge 4.21) fühlt er sich antriebslos und hinsichtlich seines Status in der Gruppe unsicher. Zum Glück spielt er anschließend aber doch eine wichtige Rolle beim Kampf gegen das Böse.

Auch die Beziehung des – nach der Trennung von Buffy und Angel – verbliebenen Traumpaares der Serie steht unter keinem guten Stern. Willow und Oz (Seth Green) schienen beide bemerkenswert gut damit zurecht zu kommen, dass Oz ein Werwolf ist. Jeden Monat wir Oz einfach bei Vollmond nachts eingesperrt und bewacht, damit er nach seiner Verwandlung niemanden verletzen kann. Nun zeigt sich jedoch, dass die Sache nicht so einfach ist. Oz lernt Veruca (Paige Moss) kennen, eine Kommilitonin und Sängerin, die ebenfalls eine Werwölfin ist. Sie kann nicht verstehen, dass Oz sich bei Vollmond wegsperren lässt und seine animalische Seite nicht akzeptieren will. „You’re the wolf all the time, and this human face is just your disguise.“, versucht sie ihn in der sechsten Episode („Wild at Heart“) zu überzeugen. Oz fühlt sich eindeutig zu Veruca hingezogen und ist von ihr und ihrer Lebenseinstellung fasziniert, liebt aber weiterhin Willow und will sie nicht verletzen. Als Willow aber entdeckt, dass Oz und Veruca (in Werwolfform) die Nacht zusammen in Oz‘ Käfig verbracht haben, ist sie am Boden zerstört. Schließlich kommt es zum Kampf der beiden Werwölfe. Dabei tötet Oz Veruca und beschließt daraufhin, aus Sunnydale fort zu gehen. „Veruca was right. The wold is inside me all the time. And I don’t know where that line is anymore, between me and it.“, erklärt er Willow und verlässt die Stadt, um sich auf die Suche nach sich selbst zu machen.

In Episode 4.19 („New Moon Rising“) kehrt er, um viele Erfahrungen reicher zurück. Mit seiner animalischen Seite hat er inzwischen seinen Frieden gemacht und sie sogar so weit unter Kontrolle, dass er sich bei Vollmond nicht mehr verwandelt, was er Willow in einer schauspielstarken Szene stolz demonstriert. Natürlich will er wieder mit ihr zusammen sein – doch es gibt ein Problem. Willow hat sich im Lauf der Staffel nämlich langsam, aber sicher neu verliebt – in ihre Kommilitonin Tara (Amber Benson). Die beiden lernen sich in Episode 4.10 („Hush“) kennen, als sie an einer Sitzung der „Wicca group“ des Colleges teilnehmen. Außer Willow und Tara scheinen die übrigen Teilnehmer die Hexerei jedoch nicht besonders ernst zu nehmen und so verlieren beide schnell wieder das Interesse an der Gruppe, entdecken dafür aber ihr Interesse aneinander. Die Annäherung zwischen den beiden geschieht den Rest der Staffel über ganz allmählich. Willow verschweigt Buffy und den anderen jedoch lange ihre Freundschaft (anfangs ist es ja nichts weiter) zu Tara, weil sie sich selbst nicht sicher ist, was für eine Beziehung sie beide verbindet. In Episode 4.13 („The I in Team“) verbringt Willow erstmals die Nacht bei Tara. Willow und Tara waren eines der ersten offen lesbischen Paare im Fernsehen, um so angenehmer ist es, dass die Serie daraus überhaupt keine große Sache macht. Die beiden sind irgendwann eben einfach zusammen. Kompliziert wird die Sache erst, als Oz zurück kehrt und sich Willow mit ihren Gefühlen auseinander setzen muss. Sie will ihn nicht verletzen und hegt noch tiefe Gefühle für ihn, liebt inzwischen aber ganz klar Tara, für die sie sich dann auch entscheidet. Oz verlässt Sunnydale erneut, Willow und Tara sind nun ganz offen ein Paar.

Die Charaktere haben sich also in dieser Staffel alle ein ganzes Stück weiter entwickelt. Sie sind – in den meisten Fällen – erwachsen geworden und haben sich neuen Herausforderungen stellen müssen. Einige sind jedoch auch frustriert und deprimiert darüber, dass das Leben nicht so spielt, wie sie es sich vorstellen. Giles muss sich damit abfinden, dass er nicht mehr so sehr gebraucht wird wie früher. Xander ist noch auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung, mit der er Geld verdienen kann und die ihm Spaß macht. Und Spike, der die dritte Staffel über größtenteils mit Abwesenheit glänzte, bekommt es mit einem ganz besonderen Problem zu tun: Ihm wird ein Chip ins Gehirn eingesetzt (dazu gleich mehr), der es ihm unmöglich macht, Menschen zu verletzen. Es hat sich für ihn also erst einmal ausgesaugt! Nachdem er eine Weile verzweifelt durch Sunnydale gelaufen ist, sucht er in seiner Not Giles‘ Wohnung auf, wo er von Buffy und Co. erst mal an einen Stuhl gefesselt wird, weil sie ihm nicht glauben, dass er keine Gefahr mehr darstellt (4.08, „Pangs“). Für eine kurze Zeit hat Giles anschließend Spike als Mitbewohner, bevor dieser dann an Xander weiter gereicht wird und bei ihm einzieht (4.10). Kurz darauf ist er von so verzweifelt, dass er Selbsmord begehen und sich selber pfählen will, findet aber heraus, dass er zwar weiterhin keine Menschen, dafür aber andere Dämonen und Vampire verletzen kann. Das gibt ihm nicht nur die Gelegenheit, all die angestauten Aggressionen heraus zu lassen, sondern lässt ihn plötzlich auch ganz wild darauf werden, an der Seite der Scoobies das Böse zu bekämpfen (4.11, „Doomed“). Und so wird Spike wohl allmählich zum Ersatz für Angel (ein Vampir, der keine Menschen verletzt und auf der Seite der Guten kämpft). Spike überlegt es sich zwar in der zweiten Staffelhälfte wieder anders, schlägt sich wieder auf die Seite des Bösen und versucht die Scooby Gang unter anderem mit psychologischer Kriegsführung auseinander zu bringen und so verletztlich zu machen (4.20, „The Yoko Factor“). Doch ich gehe davon aus, dass er und Buffy sich schon noch zusammen raufen werden…

Noch einmal zurück zu dem Chip in Spikes Kopf: Dieser wurde ihm von einer Organisation implantiert, die sich die „Initiative“ nennt. Dabei handelt es sich, wie sich in der ersten Hälfte der Staffel allmählich heraus stellt, um eine geheime Regierungsoperation, die mit militärischen und wissenschaftlichen Mitteln das Böse erforschen und bekämpfen soll. Leider handelt es sich dabei auch um den größten Schwachpunkt der vierten Staffel, die insgesamt nicht so gut ist wie die beiden vorhergehenden. Dass ein 16-jähriges Mädchen unter der Aufsicht eines Schulbibliothekars ganz allein Dämonen bekämpft, macht zwar wenn man genau darüber nachdenkt, nicht besonders viel Sinn. Doch da es sich dabei um eine Variation der klassischen mythologischen Heldenreise handelt, die mit dem für „Buffy“ tpyischen Humor und Wortwitz angereichert ist, kann man sich trotzdem mit Buffy identifizieren und von ihren Abenteuern unterhalten lassen. Der Handlungsstrang um die Initiative wirkt dagegen einfach nur absurd und unglaubwürdig. Eine „Verwissenschaftlichung“ des Übernatürlichen passt nicht ins „Buffy“-Universum. Zudem ist es schon etwas seltsam, dass die Initiative angeblich schon seit Jahren existiert hat, sich ihre und die Wege von Buffy und Giles aber noch nie zuvor gekreuzt haben. Dass die Ziele der Initiative am Ende der Staffel von der Regierung für gescheitert erklärt werden und ihr unterirdisches Hauptquartiert mit Beton ausgegossen wird (4.21, „Primeval“), kann ich jedenfalls nur begrüßen. Hoffentlich wartet die fünfte Staffel mit einer interessanteren Rahmenhandlung und vielschichtigeren Gegenspielern für Buffy auf. Dass sowohl Riley als auch Professor Walsh Mitglieder der Initiative sind, habe ich noch gar nicht erwähnt. Am Ende der Staffel ist das aber sowieso nicht mehr relevant; mit der Initiative hat es sich erledigt, die Professorin ist tot und Riley und Buffy führen nach einem turbulenten Jahr endlich eine harmonische Beziehung.

Beim Staffelende bin ich nun bei einer der besten „Buffy“-Folgen angelangt, vielleicht der besten bisher überhaupt: „Restless“ (4.22). Ich hatte mich schon gewundert, dass bereits in der vorletzten Folge der Staffel die Initiative endgültig besiegt und alle wichtigen Handlungsstränge zu einem (vorläufigen) Abschluss gebracht worden waren. Was sollte also in der letzten Episode noch kommen? Würde ein ganz neuer Handlungsstrang bereits die fünfte Staffel einleiten und den Zuschauer mit einem mörderischen Cliffhanger entlassen? Nein, denn Joss Whedon hat sich für diese Episode etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Restless“ spielt größtenteils in den Träumen von Willlow, Xander, Giles  und Buffy und bricht mit vielen der über die letzten vier Jahre etablierten Erzählkonventionen der Serie. Inhaltlich und formal erzeugt die Episode beim Zuschauer das Gefühl, sich tatsächlich in einem Traum wieder zu finden. Am Anfang verursacht das erst einmal nur ratloses Kopfkratzen, weil das, was hier geschieht überhaupt keinen Sinn zu machen scheint. Doch wenn sich im Lauf der Handlung herausstellt, dass es zwischen den vier Träumen eine Gemeinsamkeit gibt (und damit meine ich nicht den stets auftretenden „Käsemann“), dann beginnt die Folge allmählich Sinn zu machen. Dass Whedon die Staffel statt mit einem Paukenschlag mit dieser Coda abschließt, zeigt wie selbstbewusst er als Showrunner der Serie inzwischen geworden war und das Ergebnis ist eine der bislang besten Episoden von „Buffy“, vielleicht sogar die beste überhaupt (und die bislang einizige, die ich mir direkt nach dem Ende sofort ein zweites Mal angeschaut habe).

Die zweite wirklich herausragende Episode der Staffel ist „Hush“ (4.10) – wie „Restless“ ebenfalls von Whedon selbst geschrieben und inszeniert. Auch hier steht eine auf den ersten Blick vollkommen absurde Idee im Mittelpunkt: Wie wäre es mit einer „Buffy“-Folge, die zum Großteil ohne Dialoge auskommt? Das klingt verrückt und kaum durchführbar, doch was Whedon daraus macht ist eine Sternstunde des Fernsehens – und beschert der Serie wie nebenbei auch noch die bislang unheimlichsten Bösewichter. Dabei handelt es sich um schwebende, mit einem dämonischen Dauergrinsen versehende Gestalten namens „The Gentlemen“, die allen Bewohnern von Sunnydale die Stimme rauben. (Einer von ihnen wird von Doug Jones gespielt, der vor allem durch seine mehrfache Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro bekannt ist; u.a. spielt er in „Pans Labyrinth“ sowohl den Faun als auch den „pale man“, der seine Augen in den Handflächen trägt.) „Hush“ beinhaltet einige herrlich komische Szenen, die sich aus der wortlosen Kommunikation der Figuren ergeben, ist aber auch eine der ganz wenigen „Buffy“-Folgen, die einen wirklich ängstigen. Die Gentlemen sind gerade in ihrer Reduziertheit (sie bewegen sich fort, ohne sich zu bewegen; sie sprechen nicht) erschreckender und furchteinflößender als alles andere, was man bis dahin in „Buffy“ gesehen hat.

Weitere sehr gute Episoden der vierten Staffel sind das bereits erwähnte „Wild at Heart“ und „Who Are You“ (4.16), in dem die aus dem Koma erwachte Faith (Eliza Dushku) einen Körpertausch mit Buffy vollzogen hat. Sarah Michelle Gellar und Eliza Dushku dabei zuzusehen, wie sie jeweils die andere spielen, macht großen Spaß. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten und so hat die vierte Staffel von „Buffy“ nicht nur ein paar der bislang besten Episoden zu bieten, sondern auch mit „Beer Bad“ (4.05) eine einfach nur peinliche Folge, nach der ich mich gefragt habe, wie Joss Whedon ein solch bodenlos schlechtes Drehbuch zur Produktion freigeben konnte. Es gab noch ein paar weitere bestenfalls durchschnittliche Folgen; gerade die Episoden, in denen die Handlung um die Initiative im Mittelpunkt stand, waren oft die weniger kreativen und mitreißenden. Wie schon erwähnt fand ich die Staffel insgesamt weniger gut als die vorhergehenden Seasons, aber eine schlechte „Buffy“-Staffel ist natürlich trotzdem noch verdammt gutes Fernsehen.

Jetzt habe ich schon so viel geschrieben und noch kaum ein Wort über „Angel“ verloren. Wie eingangs erwähnt habe ich mich vor dem Anschauen der beiden Staffeln darüber schlau gemacht, in welcher Reihenfolge man die Episoden anschauen muss, um vor allem bei den Crossover-Folgen das bestmögliche Buffyverse-Erlebnis zu haben. Insgesamnt hat mich „Angel“ bis jetzt noch nicht überzeugt und ich habe mir die Serie eigentlich nur dewegen angeschaut, weil sie eben zum Buffyverse gehört. Soweit ich weiß, wird sie sich qualitativ noch enorm steigern, in dieser ersten Staffel fand ich viele Episoden jedoch zum Gähnen. Die Crossover-Folgen zwischen „Buffy“ und „Angel“ wurden bewusst eingebaut, um möglichst viele „Buffy“-Zuschauer auch für „Angel“ gewinnen zu können. Und so darf Buffy im Lauf dieser Staffel ein paar mal bei Angel und Cordelia in Los Angeles vorbeischauen und Angel ein paar Mal nach Sunnydale zurückkehren. Am Ende von Episode 1.19 sagt Angel zu Buffy „Go home“ und signalisiert damit wohl, dass es nun mit Buffys Besuchen bei ihm vorbei ist. Das ist auch gut so, denn schließlich beginnt „Angel“ zwar als Spinoff von „Buffy“, muss letztendlich aber eigene Wege gehen, um eine wirklich gute und interessante Serie zu werden. Die Weichen dafür sind am Ende der Staffel jedenfalls gestellt, so dass ich tatsächlich gespannt bin, wie die Geschichte weiter geht.

Ein Höhepunkt waren die Episoden 1.18 und 1.19 („Five by Five“, „Sanctuary“), die den in der vierten Staffel von Buffy wieder aufgenommenen Handlungsstrang um Faith beenden. Faith war nicht gerade meine Lieblingsfigur in „Buffy“, umso überraschter war ich dann aber, als sich gerade die „Angel“-Episode „Sanctuary“ als die beste Faith-Folge im Buffyverse entpuppte und die Figur überzeugend weiter entwickelte. Glaubwürdig und detaillliert wird hier (und in den drei voraus gegangenen Folgen aus „Buffy“ und „Angel“, in denen dieser Handlungsstrang thematisiert wird) geschildert, dass Faith ihre in der dritten Staffel von „Buffy“ begangenen Taten inzwischen bereut. Bis sie an den Punkt kommt, an dem sie sich Angel öffnen kann, ist es ein schmerzhafter Weg. Er führt zu einer wunderbar geschriebenen und gespielten Szene zwischen David Boreanaz und Eliza Dushku, in der es darum geht, wie Faith sich jemals für all ihre Taten wird entschuldigen können. Diese beiden Crossover-Episoden waren für mich die beiden besten der Staffel. Ich hoffe, dass „Angel“ in der zweiten Staffel auf eigenen Beinen stehen und eine spannende, durchgehende Handlung entwickeln wird. Die Hauptcharaktere, ihre Gegenspieler und das allgemeinse Szenario sind in der ersten Staffel etabliert worden; jetzt geht es darum, daraus etwas zu machen. Wenn die Serie in Zukunft einen deutlichen Qualitätssprung nach oben macht, dann widme ich ihr vielleicht einen eigenen Blogpost. 🙂