Mehr als sieben Songs, Teil 5: Darren Hayes – How to Build a Time Machine

Nach David Bowie und Paul McCartney widme ich mich dieses Mal erneut einem meiner Lieblingskünstler: Darren Hayes, den ich 2013 hier im Blog einmal den „größten lebenden, männlichen Popstar“ genannt habe. Berühmt wurde er in den 90er Jahren als die (singende) Hälfte des australischen Pop-Duos Savage Garden, dessen Hits wie „Truly Madly Deeply“, „To The Moon and Back“ oder „I Knew I Loved You“ auch heute noch weltweit im Radio gespielt werden. Savage Garden veröffentlichten nur zwei Alben, bevor sich das Duo auflöste und Darren Hayes eine Karriere als Solokünstler startete. Als er 2002 sein erstes Soloalbum „Spin“ veröffentlichte, dachte ich mir „Hmm, ganz nett und ein paar schöne Balladen, aber insgesamt versucht da jemand ziemlich verzweifelt, wie Michael Jackson zu klingen“.
Dann aber folgte 2004 die zweite Soloplatte – und erst da wurde Darren Hayes für mich richtig interessant und ich wurde zum Fan. Auf „The Tension and the Spark“ entfernte er sich musikalisch vom radiofreundlichen Popsound der Savage Garden-Alben und des ersten Solowerks. Seine Musik klang nun elektronischer und nicht alle Songs gingen sofort ins Ohr. Auch thematisch wurde es düsterer; ein Großteil der Lieder auf dem Album handelt von Depression und Selbstzweifeln (in dieser Hinsicht kaum zu überbieten ist „Unlovable“). Von der Kritik wurde das Album gelobt, kommerziell ging es nun aber steil bergab. Doch Darren Hayes hatte sich längst damit abgefunden, dass die enormen Verkaufszahlen und der weltweite Erfolg der Savage Garden-Jahre nie wieder zu erreichen sein würden. Trotzdem finde ich es schade, dass seine Alben von da an in Deutschland teilweise gar nicht mehr offiziell veröffentlich wurden – bzw. erst einige Zeit nach der Veröffentlichung in Großbritannien und Australien – und dass sich die Promotionaktivitäten seiner Plattenfirma zumeist auch auf diese Länder beschränkte. So sehr ich mir auch wünschte (und ihn auf Facebook anflehte), Darren Hayes kam einfach nicht auf Tour nach Deutschland.
Schon das düstere
zweite Soloalbum war schwer zu vermarkten gewesen, 2007 legte Hayes mit „This Delicate Thing We’ve Made“ schließlich ein Doppel-Konzeptalbum vor, das sich zum großen Teil mit dem Thema „Zeitreisen“ beschäftigt. Der Song „How to Build a Time Machine“ bildet dabei den narrativen Kern des Albums. Er behandelt die verführerische Idee, zurück an frühere Stationen des eigenen Lebens zu reisen, um das jüngere Selbst von der inzwischen gewonnenen Erfahrung profitieren zu lassen – das ist zumindest meine Interpretation. Das Lied ist fast sechs Minuten lang und ignoriert die für Popsongs geltenden Konventionen zwar nicht völlig, ist mit seinen Tempowechseln aber dennoch nicht radiotauglich und ist ein Beispiel dafür, wie Hayes auf dem Album mit unterschiedlichen Stilrichtungen experimentiert. Gleichzeitig ist das Lied wie erwähnt in ein erzählerisches Konzept eingebettet; es folgt direkt auf das Stück „Waking the Monster“, in dem der Bau einer Zeitmaschine beschrieben wird. Ich persönlich habe die beiden Lieder stets als eine Einheit betrachtet.
Angesichts der vielen tollen Lieder von Darren Hayes war es gar nicht so einfach, hier eine Auswahl zu treffen („Step Into the Light“ mag ich eigentlich noch lieber). Sein viertes (und bislang letztes) Album „Secret Codes and Battleships“ ist tatsächlich mindestens genau so fantastisch ausgefallen wie die beiden Alben davor. (Und wer bis jetzt nur die Savage Garden-Songs kennt und die Solowerke von Darren Hayes entdecken möchte, dem würde ich dieses Album auch zum Einstieg empfehlen. Darauf ist der Sänger nämlich zu eingängigen Popsongs ohne viele Experimente zurückgekehrt.)
Ebenfalls empfehlen möchte ich DVD „This Delicate Film We’ve Made“, die animierte Musikvideos zu einigen Titeln aus „This Delicate Thing We’ve Made“ enthält. Schließlich möchte ich noch auf Darren Hayes aktuelles Projekt verweisen: Nachdem er seine Musikkarriere momentan unterbrochen hat, um in Los Angeles die Kunst des Improvisationstheaters zu erlernen, steht zurzeit zwar kein neues Album in Aussicht; dafür ist Darren Hayes aber seit Februar Co-Host des Comedy-Podcast „The He Said He Said Show“, der wirklich lustig ist. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass er irgendwann ins Studio zurückkehrt, um ein weiteres Album aufzunehmen (vielleicht macht er das ja, wenn er sein Ziel erreicht hat, einmal in einem „Star Wars“-Film mitzuspielen).

Talk Talk Talk with Darren Hayes

Normalerweise sehe ich von Posts ab, die lediglich auf einen neuen Filmtrailer oder so hinweisen. Doch dieses Mal mache ich eine Ausnahme, weil es sich erstens gar nicht um einen Trailer handelt und weil es zweitens um Darren Hayes geht, der zu meinen Lieblingskünstlern und wichtigsten Inspirationsquellen gehört (und weil ich drittens sonst einen viel zu langen Facebook-Post geschrieben hätte). Darren Hayes dürfte den meisten bekannt sein als Sänger des kurzlebigen, aber sehr, sehr erfolgreichen australischen Popduos Savage Garden, das Ende der Neunziger mehrere weltweite Hits wie „Truly Madly Deeply“ oder „I Knew I Loved You“ hatte.

Seit der Auflösung von Savage Garden hat Darren vier Soloalben veröffentlicht – von denen drei zu meinen absoluten Lieblingsalben gehören – und war mit seiner Musik vor allem in Großbritannien und Australien weiterhin recht erfolgreich. Über sein letztes Album, das 2011 erschienen ist, habe ich hier im Blog geschrieben. Für 2014 hat sich Darren vorgenommen, viel Neues auszuprobieren. Nachdem er zehn Jahre in London gelebt hat, ist er gerade mit seinem Mann nach Los Angeles gezogen, wo er nun Improvisations-Comedy-Kurse belegt, an einer Art autobiographischer One-Man-Show schreibt und seit gestern auch einen Live-Podcast namens „Talk Talk Talk with Darren Hayes“ moderiert („Talk Talk Talk“ ist der Titel eines Songs auf seinem letzten Album). Einmal pro Woche will er darin mit interessanten Gästen plaudern und Höreranrufe aus der ganzen Welt entgegen nehmen. Bereits in der ersten Folge gibt er so viele gute Lebensratschläge, dass er es mit diesem Podcast bestimmt in kürzester Zeit schafft, so etwas wie die männliche Oprah Winfrey zu werden. 😉 Aber im Ernst, ich finde Darren Hayes, seine Lieder und seine Persönlichkeit wirklich sehr inspirierend, ganz einfach weil er eine so positive und lebensbejahende Einstellung vertritt. Davon kann sich jeder eine Scheibe abschneiden; mir tut etwas positive Energie à la „Du kanns alles erreichen, wovon du träumst!“ jedenfalls hin und wieder ganz gut.

Zudem ist Darren – genau wie ich – großer Fan von Michael Jackson und von „Star Wars“. Als Gast hat er sich in seine erste Sendung die PR-Managerin Consetta Parker eingeladen, die ebenfalls schon fast ihr ganzes Leben lang für Star Wars schwärmt (und sie hat nicht nur schon einmal Harrison Ford getroffen, sondern auch einen echten Stormtrooper geheiratet, wie sie im Podcast erzählt). Sie hat ihr Hobby inzwischen zum Beruf gemacht, denn sie ist Media/Marketing Manager der Rancho Obi-Wan,  der weltweit größten privaten „Star Wars“-Sammlung und außerdem Co-Host des „Star Wars“-Podcast „Full of Sith“ (bei dem wiederum Darren Hayes im Dezember zu Gast war). In Darrens neuem Podcast sprechen die beiden unter anderem darüber, was es für sie persönlich bedeutet, „Star Wars“-Fan zu sein und wie „Star Wars“ Menschen zusammen bringt.

Als treuer Fan von Darren Hayes bleibe ich natürlich dran und werde mir auch die zukünftigen Folgen von seines Podcasts nicht entgehen lassen. Doch jetzt genug der vielen Worte von mir, ich poste lieber noch ein paar von Darrens tollen Songs/Musikvideos:

„Bloodstained Heart“ (2011):

„Stupid Mistake“ (2012):

„Who Would Have Thought“ (2007):

„Words“ (2007):

Darren Hayes – Secret Codes and Battleships

Bevor der erste „offizielle“ Blog-Post erscheint – was hoffentlich nicht allzu lange dauert – hier erst einmal ein Text über das neueste Album von Darren Hayes, das im Herbst 2011 erschienen ist. Ich hatte den Text kurz danach geschrieben, aber bislang noch nicht veröffentlicht. Nun dient er hier als mein Testballon:

Secret Codes and Battleships

Copyright Bild: Powdered Sugar Productions / EMI

Darren Hayes ist der größte lebende, männliche Popstar. So traurig es ist, dies angesichts des Todes des von mir verehrten Michael Jackson sagen zu müssen – der Sänger des australischen Pop-Duos Savage Garden, das Ende der Neunziger zwei erfolgreiche Alben veröffentlichte und dessen Welthit „Truly Madly Deeply“ auch heute noch Stammgast in den Playlists der Popradiostationen ist, hat sich diesen Status hart erarbeitet und redlich verdient. Dabei ist der Wahl-Londoner, der 2002 sein erstes von inzwischen vier Soloalben veröffentlichte, in weiten Teilen der Welt nahezu unbekannt. Dies zumindest ein Stück weit zu ändern und auch außerhalb Australiens und Großbritanniens, wo er im Laufe seiner Solokarriere die größten Erfolge feierte, einem größeren Publikum bekannt zu werden, könnte ihm mit seinem neuesten Album „Secret Codes and Battleships“ gelingen.

Man muss zugeben, dass er sich mit den beiden Vorgängeralben nicht leicht gemacht hatte. Fanden sich 2002 auf „Spin“, seinem Debütalbum als Solokünstler, noch Balladen und Uptempo-Nummern im Stil der Savage Garden-Stücke („Insatiable“ war auch hierzulande noch ein respektabler Hit), so vollzog Hayes 2004 mit „The Tension and the Spark“ eine Kehrtwende und legte allerdings zugleich sein bislang bestes Album vor. Waren seine Texte immer schon weit mehr als nur die in der Popmusik eben notwendige Ausgestaltung eingängiger Melodien, so wurden sie auf seinem zweiten Album nun richtig düster. In Liedern wie „Unloveable“ oder „Darkness“ besang er (zwischen)menschliche Abgründe, Depressionen und Selbstzweifel. Gleichzeitig klang hier auch fast kein Song mehr nach Savage Garden; zusammen mit seinem neuen Produktionspartner Robert Conley wandte sich Hayes einem elektronischeren Sound zu, der viele alte Fans abschreckte. 2007 folgte dann mit „This Delicate Thing We’ve Made“ ein 25 Songs umfassendes Doppelalbum, mit dem sich Hayes inhaltlich zwar nicht mehr so düster, aber musikalisch noch experimentierfreudiger und erneut textlich komplex zeigte. Viele Stücke behandelten das Thema Zeitreisen und ihre Konsequenzen für unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen (wenn sie denn möglich wären…), so dass man hier schon fast von einem Konzeptalbum sprechen kann. Kaum ein Song taugte hier zum schellen Radiohit, was zusammen mit der Tatsache, dass Hayes das Album ohne große Plattenfirma auf seinem eigens gegründeten Independent-Label Powdered Sugar veröffentlichte, der Grund dafür sein dürfte, dass Hayes’ alte Fans, denen der stilistische Wechsel 2004 gefallen hatte, ihm nun zwar noch treuer ergeben waren, jedoch leider nur wenige neue hinzukamen.

„Step Into The Light“ (aus dem Album „This Delicate Thing We’ve Made“, 2007):

Auf seinem neuen, am 28.10.2011 auch in Deutschland erschienen Album, setzt der Sänger den Experimenten der letzten beiden Platten nun ein Ende. Das erste Stück, „Taken by the Sea“ beginnt mit sanften Spieluhrklängen, wandelt sich dann aber schnell zur kraftvollen Ballade, die den Ton des Albums vorgibt. Textlich, weil hier bereits die Meeresthematik anklingt, die in mehreren Stücken und im Albumtitel eine Rolle spielt („I am an island / And you are the ocean / And all of my sadness taken by the sea“); musikalisch, weil das Stück – wie all die anderen auch – einen äußerst poppigen ersten Eindruck macht und man leicht in Gefahr gerät, zu glauben, das sei alles nur oberflächliches Gedudel, irgendwie schön, aber ohne tieferen Inhalt. Dass dem nicht so ist, zeigt ein Blick auf die Songtexte der zwölf Stücke, in denen Hayes einmal mehr einen Blick auf seine verwundete Seele gewährt und von großen Glücksgefühlen ebenso singt wie von Melancholie und Verzweiflung, vor allem aber immer wieder (und das ist eines seiner Lieblingsthemen) von der Notwendigkeit zwischenmenschlicher Kommunikation auch in scheinbar aussichtslosen Lagen. Doch auch musikalisch sind die zwölf Stücke äußerst komplex und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Zum Teil erschließt sich die Tiefe der Lieder erst nach mehrmaligem Hören und nicht jeder der potentiellen Ohrwürmer geht sofort ins Ohr, doch es gibt eine Menge von ihnen und es dauert nicht allzu lange, bis man sie dann doch nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Neben Robert Conley und Justin Shave, die auch schon an Hayes’ letztem Album als Produzenten mitgewirkt haben, hat er sich für „Secret Codes…“ Steve Robson (Take That) und Carl Falk (u.a. Westlife, Nicole Scherzinger) mit ins Boot (man beachte die Meeres-Metapher! 😉 ) geholt und zudem bei einem Song erneut mit Walter Afanasieff zusammengearbeitet, der zu Savage Garden-Zeiten sowie bei Hayes‘ erstem Soloalbum mit im Produktionsteam gewesen war. Den Produzenten gelingt es hier gemeinsam mit Hayes, die Lieder allesamt opulent, aber nie überproduziert klingen zu lassen. Trotz vieler Effekte und üppig aufeinander getürmter Klangschichten steht Darren Hayes Stimme stets im Vordergrund und trägt jedes einzelne Lied. So finden sich beispielsweise während des Refrains von „God Walking Into The Room“ ein paar extrem nach billigem 80er Jahre-Elektropop klingende Sounds, mit denen heute wohl nur noch die wenigsten durchkommen würden; Darren Hayes und Justin Shave setzen sie hier allerdings nicht als pures Gimmick ein und verbinden alle musikalischen Elementen mit einem zwar kitschigen, aber ehrlichen Text über die Kraft der Liebe zu einem schlüssigen Ganzen.

Der Albumtitel „Secret Codes and Battleships“ ist einer Textzeile des zweiten Titels „Don’t Give Up“ entnommen und kann vor dem Hintergrund der oben erwähnten Thematik zwischenmenschlicher Kommunikation, die das ganze bisherige Schaffen von Hayes durchzieht, interpretiert werden: Die „Secret Codes“ weisen auf die Schwierigkeiten des gegenseitigen Verstehens in allen Arten von Beziehungen hin; die „battleships“ erklären sich in diesem Kontext fast von selbst – immer wieder kommt es dabei zu Streitigkeiten, zu Gefechten zwischen schwer bewaffneten Kampfschiffen auf hoher See, um in der Sprache des Albums zu bleiben. Schon im Savage Garden-Song „Crash and Burn“ und dem dazugehörigen Video ging es 1999 um die unbedingte Notwendigkeit, sich einem anderen Menschen anzuvertrauen, um nicht in Einsamtkeit, Verzweiflung und Anomie zu verfallen. Auch die erste Single des neuen Albums, „Talk Talk Talk“, geht in diese Richtung und beschreibt den Versuch, eine schon fast von Streit (oder noch schlimmer: Schweigen) auf den Grund gezogene Beziehung doch noch zu retten, indem man den anderen bittet, einem doch wenigstens zuzuhören: „Please hear me out / All I want to do is just talk talk talk to you“.

Einer der Höhepunkte des Albums ist „Black Out The Sun“, bei dem sich Darren Hayes einmal mehr als Meister in der Disziplin beweist, melancholische, ja fast schon depressive, lebensverneinende Inhalte („There’s a hole where my soul used to grow / So just black out the sun“) mit eingängigen Melodien und raffinierten Arrangements zu einem Kunstwerk zu verbinden, bei dem man äußerst gerne mit dem klagenden Künstler mit leidet. Aufgenommen wurde das Stück übrigens exakt an dem Tag, an dem Michael Jackson verstarb, was sich zusätzlich im Gesang des Jackson-Fans Hayes niederschlug. Die limitierte Sonderausgabe des Album enthält auf einer zusätzlichen CD sogar einen Titel („Glorious“), den Hayes nach Jacksons Tod eigens über sein (und mein) Idol geschrieben hat.

Das Musikvideo zur zweiten Single „Black Out The Sun“:

Weitere Beispiele für all die im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Beziehungen (und Trennungen) immer wieder aufkommenden Zweifel oder für mangelndes Selbstbewusstsein finden sich in den Liedern auf „Secret Codes…“ zuhauf: „I’m the kind of person who can barely be loved“, singt Hayes in „Hurt“, überzeugt davon, einem geliebten Menschen doch immer wieder nur weh zu tun. Auch in „Nearly Love“ kommt die Sehnsucht nach Nähe zum Ausdruck, und auch hier führt dies nicht einfach zum Happy End, bei dem man sich liebend in den Armen liegt: „In your touch / Well your body can move in close / But my heart is a lonesome ghost / I’d never feel you anyway“. Und wenn dann schließlich ein Stück namens „Cruel Cruel World“ mit den Worten „I don’t know how I’m supposed to feel / Without my tiny little pills“ beginnt, dann wird endgültig klar, dass dieses Album nicht einfach als Feelgood-Popplatte abstempeln darf. Paradoxerweise wird es aber auch dieser Funktion gerecht; anders als in vielen Stücken auf „The Tension and The Spark“ kriegt Hayes hier immer die Kurve und bleibt nicht nur in Niedergeschlagenheit und Einsamkeit hängen. Wenn er dem Hörer in „Stupid Mistake“ ein trotziges „I don’t want to love / And I don’t want anybody else to either“ hinwirft, dann muss man das vielleicht mit einem Augenzwinkern sehen. Hier hat jemand seine Depressionen längst überwunden und blickt manchmal ironisch, aber immer ehrlich auf das zurück, was er durchgemacht hat.

Was Hayes aus seinen Erfahrungen gelernt hat, beschreibt das Stück „Roses“ am besten: „You can’t smell the roses when you’re gone / So live every moment like it’s the last night on earth“. Inhaltlich wie gesanglich hätte man sich den Titel auch als Michael Jackson-Song vorstellen können…

Der Höhepunkt des Albums ist jedoch „Bloodstained Heart“, ein Lied, das zart beginnt, sich aber schnell zu großen Gefühlen aufschwingt – bis hin zu einer Coldplay-artigen Stadionrocksequenz und einem ziemlich abrupten Ende, das den Zuhörer emotional erschöpft zurücklässt. „You hit me like a subway train / And I’ll never be the same“, singt Hayes und ganz ähnlich könnte man auch das ganze Album beschreiben: Hayes hält hier wieder einmal nichts zurück, fährt in Form von großen Gefühlen, aber auch intimen Momenten die ganze Bandbreite des emotionalen Spektrums auf und verpackt das Ganze in zumeist zeitlos klingenden Popsound mit wunderbaren, eingängigen Melodien. Großartige Popsongs müssen nicht übermäßig kompliziert sein, dürfen in ihrer Einfachheit musikalisch wie textlich aber auch niemals plump wirken. Diesen Spagat meistert Hayes in bewundernswerter Weise, so dass die Platte kaum Wünsche offen lässt. Nur einen habe ich noch: Bitte, bitte lieber Darren, komm endlich mal wieder für ein paar Konzerte nach Deutschland!

„Bloodstained Heart“ live bei der australischen Ausgabe von „X-Factor“: