Mehr als sieben Songs, Teil 2: Paul McCartney – Scared

Da Michael Jackson mein Lieblingskünstler ist, müsste ich heute – an seinem Geburtstag – eigentlich einen Jackson-Song posten. Es wird in dieser neuen Rubrik sicherlich auch noch einige davon geben, aber ich habe mich ganz einfach noch für keine(n) entschieden.

Nachdem der erste der mehr als sieben Songs letzte Woche eine Beatles-Coverversion war, gibt es heute erneut ein Lied von einem der Beatles. Paul McCartney gehört zu meinen Lieblingssängern. Die Liebe zu den Beatles wurde mir gewissermaßen in die Wiege gelegt, da mein Vater schon lange vor meiner Geburt großer Beatles-Fan war. Als ich mich als Teenager aktiv für Musik zu interessieren begann, gehörte die CD-Sammlung meiner Eltern (mit den Schallplatten beschäftigte ich mich leider weniger) zu einer meiner wichtigsten Quellen, und da waren nun mal viele Werke der Beatles bzw. Ex-Beatles darunter. Das erste McCartney-Album, das ich bei seiner Veröffentlichung bewusst wahrgenommen habe, war 1997 „Flaming Pie“. Es ist noch heute mein Lieblingsalbum von „Macca“, den ich auch zweimal live im Konzert erleben durfte.

Vor knapp zwei Jahren erschien McCartneys bislang letztes Studioalbum „New“, das ich ebenfalls für eines seiner besten halte. Er arbeitete dafür mit vier verschiedenen Musikproduzenten zusammen, sodass die Lieder sich abwechslungsreich voneinander abheben. Doch das vielleicht beste Stück auf dem Album hat er einfach versteckt! „Scared“ befindet sich als Verlängerung des letzten Songs als so genannter „hidden track“ auf dem Album und ist nicht in der Titelliste aufgeführt.

Dass dieses Stück so versteckt wurde und von McCartney auch noch nie bei Konzerten gesungen wurde, ist eine Schande. Es zeigt nämlich wie kaum ein anderer Song auf dem Album (außer vielleicht dem ähnlich minimalistischen und persönlichen „Early Days“), dass McCartney als Songwriter oft dann am besten ist, wenn er sich von Bombast und zuviel Komplexität fernhält und elementare menschliche Emotionen in eine ganz einfache musikalische Form gießt. Insofern steht „Scared“ für mich auf einer Stufe mit „Yesterday“, mit dem es nicht nur die einfache Instrumentierung gemeinsam hat; beide Lieder haben auch jeweils einen elementaren menschlichen Gefühlszustand zum Thema. „Yesterday“ handelt von dem Schmerz, nachdem einen der Partner verlassen hat; „Scared“ handelt von der Angst oder Schwierigkeit, einer anderen Person seine tiefen Gefühle für sie mitzuteilen. Weil McCartney es in vielen seiner besten Stücke schafft, menschliches Gefühlsleben musikalisch und textlich mit wenigen Mitteln, aber doch treffsicher auszudrücken, berühren seine Lieder so viele Menschen. Den Kitsch, der ihm oftmals vorgeworfen wurde, vermeidet er bei „Scared“ erfolgreich.

Das Lied wurde von Giles Martin, dem Sohn des Beatles-Produzenten George Martin, produziert. Es hat nicht einmal einen Refrain, nur drei Strophen und eine Überleitung zwischen den letzten beiden davon. Das hier ist die erste Strophe:

I’m scared to say I love you
Afraid to let you know
That the simplest of words won’t come out of my mouth
Though I’m dying to let them go
Trying to let you know

Ich erinnere mich, dass Paul McCartney in einem Interview zur Zeit der Albumveröffentlichung erzählt hat, es sei ihm in der Beziehung zu seiner späteren Ehefrau Nancy Shevell anfangs schwer gefallen, ihr gegenüber seine Gefühle für sie auszudrücken. Diese Beobachtung habe er später in dem Lied festgehalten. Nun, wenn man für die Frau, die man liebt solche Lieder schreiben kann, dann macht es sicherlich nichts, wenn man im Beziehungsalltag nicht immer die richtigen (und manchmal gar keine) Worte findet…

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