Breaking Bad – Episoden 5.09 & 5.10

Spoilerwarnung: Ich bespreche hier die Episoden 5.09 und 5.10. Weiter lesen sollte nur, wer diese Folgen schon gesehen hat!!

Seit „Lost“ vor über drei Jahren zu Ende ging, wurde wohl keine andere letzte Staffel einer Fernsehserie von der Fangemeinde so sehr erwartet, wie nun die letzten acht Folgen von „Breaking Bad“. Mir geht es jedenfalls so und auch die aktuelle Berichterstattung über die Serie im Internet erweckt diesen Eindruck. Auf Spiegel Online wird das Finale Folge für Folge in einem eigenen Blog kommentiert, genau wie damals bei Lost. Die Social Networks spielen nach der Ausstrahlung jeder Episode verrückt. Und beim „Betting Bad Game“ konnte jeder Fan der Serie vor der Ausstrahlung der ersten Folge dieses finalen acht-Folgen-Blocks auf den Ausgang der Serie wetten. Wer stirbt wann? Wer ermordet wen? Wer wird zum Verräter? Wer kommt ins Zeugenschutzprogramm? Auf diese und viele weitere Details konnte man im Vorfeld der Ausstrahlung dort Wetten abgeben und so Punkte gewinnen. (Ich bin momentan auf dem 3885. Platz, aber das kann sich ja noch ändern.)

Die erste Folge dieser letzten acht Folgen (5.09) endete mit der Konfrontation zwischen Walt und Hank in Hanks Garage. Schauspielerisch und dramaturgisch ist diese Szene eine Meisterleistung. Wer hätte vorher schon geglaubt, dass es bereits so früh zu dieser Konfrontation kommt? Als Walt den Peilsender aus der Tasche holte und Hank danach befragte und Hank ersteinmal wortlos das Garagentor herunter fahren ließ, wusste ich nicht, ob ich nun meine Hände vor Spannung in die Couch krallen oder jubeln und applaudieren sollte. Schließlich habe ich wie alle Zuschauer genau dieses Aufeinandertreffen fast von der ersten Folge an sowohl gefürchtet als auch herbei gesehnt. Walt tritt hier seinem Schwager erstmals nicht als Walter White gegenüber, sondern als Heisenberg. Zwar gibt er natürlich nichts zu und seine Drohung am Schluss ist subtil, aber doch deutlich. Nun wird es ernst, aber so richtig!

Diesen Eindruck unterstreicht der Beginn der nächsten Folge nach, der nahtlos an Walts Drohung anschließt und Walt und Hank in Western-Manier als zwei zum Duell gegenüberstehende Männer inszeniert. Zumindest das direkt darauf folgende Duell verliert Walt: Beide Männer greifen zum Telefon, um Skyler anzurufen, doch Hank kommt als erster durch und so kann Walt seine Frau nicht warnen.  Hank bietet Skyler Schutz an, um im Gegenzug eine umfangreiche Zeugenaussage von ihr zu bekommen. Er ahnt noch nicht, dass sie schon lange vom Doppelleben ihres Mannes weiß und inzwischen selbst in seine kriminellen Aktivitäten verstrickt ist. Hank sieht in Skyer zu diesem Zeitpunkt noch ein Opfer und glaubt, mit ihrer Hilfe die Puzzleteile zusammensetzen zu können. Auf solche Hilfe ist er nun angewiesen, denn es wird schnell klar, dass Hank noch keine Beweise für seine Anschuldigungen in der Hand hat. Er ist sich ziemlich sicher, dass Walt Heisenberg ist, aber was hat er tatsächlich gegen ihn in der Hand? Eine Heisenberg-Zeichnung, auf der er nun Walts Gesichtszüge zu erkennen glaubt. Ein Video von einer Überwachungskamera, auf dem schemenhafte Gestalten zu sehen sind, von denen eine Walt sein könnte. Handfeste Beweise fehlen ihm noch. „It’s in your best interest to get out there and show the world that you’ve got nothing to hide.“, sagt er zu Skyler, nichts ahnend, dass sie ihrem Mann erfolgreich bei der Geldwäsche hilft. Erst als sie darauf besteht, nur in Gegenwart eines Anwalts mit ihm zu sprechen und schließlich fluchtartig das Cafe verlässt, dämmert ihm, dass Skyler längst nicht nur Walts unschuldiges Opfer ist.

Also versucht er über seine Frau Marie, Skylers Schwester, an sie heran zu kommen. Die Szene, in der die beiden Frauen auf dem Bett sitzen ist einer der sehr vielen schauspielerischen Glanzleistungen dieser Serie. Während Marie (Betsy Brandt) auf ihre Schwester einredet, sagt Skyler (Anna Gunn) kein einziges Wort, dafür können wir ihre immer stärker werdende Verzweiflung an ihrem Gesicht und ihrer Körpersprache ablesen. Und während Skyler zwar nichts sagt und keinen Ausweg weiß, wird Marie aus Skylers wortlosen Reaktionen allmählich klar, dass ihre Schwester schon lange von Walts Aktivitäten wusste und selbst mit drinsteckt. „I’m sorry“, ist der einzige Satz, den Skyler schließlich herausbringt, aber Marie ist außer sich vor Wut, weil Skyler nicht aussagen will und offensichtlich hofft, dass Walt doch noch irgendwie davon kommt.

Humor und Tragik lagen in „Breaking Bad“ schon immer sehr nah beieinander. Als Walt seinem schmierigen Anwalt Saul Goodman (Bob Odenkirk) die Lage schildert fragt dieser: „Have you given it any thought of sending him [Hank] on a trip to Belize?“ Als Walt mit ungläubigem Gesichtsausdruck verneint und antwortet, er könne seinen Schwager nicht umbringen, erwidert Saul: „It’s an option that’s worked very well for you in the recent past.“ So formuliert ist das natürlich Comedy pur, erinnert den Zuschauer aber zugleich daran, zu welchen Mitteln Walt bisher gegriffen hat, um seine Heisenberg-Identität geheim zu halten und selbst am Leben zu bleiben. Das kaltblütige und geplante Ermorden konkurrierender Drogenbosse und anderer Mitwisser gehörte dazu, aber nun geht es um Hank, der nicht nur zur Familie gehört, sondern auch einmal sein bester Freund war.

Als Saul seine beiden Helfer Kuby und Huell damit beauftragt, Walts Geld aus dem Lagerhaus fort zu schaffen, gibt dies noch einmal die Gelegenheit für einen herrlich komischen Moment, als die beiden es einfach nicht lassen können, sich zuerst einmal in Dagobert Duck-Art genüsslich auf den riesigen Berg aus Dollarscheinen zu legen. Doch mit jeglicher Komik ist es schnell vorbei, als Walt das in Tonnen gefüllte Geld raus in die Wüste fährt, um es dort zu vergraben. Was man hier sieht, ist kein Heisenberg, kein erfolgreicher Meth-Koch und kein rücksichtsloser und zu allem bereiter Verbrecher. Hier sieht man lediglich einen 51-jährigen, vom Krebs und der Chemotherapoe gezeichneten Mann, der all seine körperliche Kraft aufbringen muss, um ein paar Fässer mit Geld zu vergraben. Unweigerlich fragt man sich in diesem Moment noch einmal, wie es nur soweit kommen konnte? Der Ausgangspunkt von Walts Entwicklung zu Heisenberg bis hin zu jener tragischen Szene in der Wüste war Walts Sorge um seine Familie, die er nach seinem Tod finanziell abgesichert sehen wollte. Doch nun scheint alles noch viel schlimmer zu sein, als zu Beginn der Serie. Nicht nur ist der Krebs zurück gekehrt, sondern Walts und Skylers kriminelle Aktivitäten sind aufgeflogen und all die Millionen, die Walt gemacht hat, können ihm nicht helfen.

Walt hält die Koordinaten für die Stelle, an der er das Geld vergraben hat, fest, indem er die Zahlen im Lotto tippt und den Schein an den Kühlschrank heftet. Ganz bestimmt wird dieser Lottoschein noch eine Rolle spielen. Ich bin gespannt, wem der Zettel schließlich in die Hände fällt und ob derjenige seine Bedeutung entschlüsseln wird. Als Walt vollkommen verdreckt und geschwächt nach Hause kommt und im Bad zusammenbricht, kümmert sich Skyler ihn. Hofft sie immer noch, er möge endlich sterben? Von der Rückkehr seiner Krebserkrankung weiß sie noch gar nicht, aber nachdem sie nun aufgeflogen sind, ist es verständlich, dass sie wieder die Nähe ihres Mannes sucht. Als Walt schließlich auf dem Badezimmerboden aufwacht, ist es fast schon rührend, wie er ihr anbietet, sich der Polizei zu stellen, wenn sie nur das Geld behält und an die Kinder weitergibt. Doch Skyler, die ja – anders als Walt wohl glaubt – gar keinen Deal mit Hank gemacht hat, widerspricht ihm entschieden. Da Hank nur wenige Fakten kennt und keine Beweise hat, hält sie es für das Beste, sich ruhig zu verhalten. Während sie ihm vor kurzem noch den Tod gewünscht hat, steht sie ihrem Mann nun wieder zur Seite.

Ein weiteres Mal zögern die Autoren damit die weitere Entwicklung der Handlung hinaus. Ich will damit keine Kritk an der Serie üben, denn „Breaking Bad“ hat schon von Anfang an vorgemacht, wie man langsam, aber dennoch schlüssig, spannend und glaubwürdig erzählt. Im Gegensatz zu vielen anderen Serien haben es Vince Gilligan und die anderen Drehbuchautoren nie für nötig befunden, die Handlung durch unglaubwürdige Elemente wie völlig aus dem Nichts zu kommen scheinende Hindernisse und Probleme oder das immer wieder erfolgende Rückgängigmachen von abgeschlossenen Plotentwicklungen voranzutreiben. Nein, „Breaking Bad“ erzählt statt dessen einen von der ersten bis zur letzten Episode konsequent durchgehaltenen Handlungsbogen und lässt sich dabei oft Zeit. Das macht die Serie aber keineswegs langweilig, sondern verleiht ihr eine Intensität und Spannung, wie sie nur wenige Serien auszeichnet.

Dann ist da noch Lydia (Laura Fraser), die in Episode 5.09 erfolglos versucht hat, Walt zur Rückkehr ins Meth-Geschäft zu bewegen, weil einfach niemand so reines Meth kocht, wie Heisenberg. In 5.10 sucht sie das Meth-Labor ihrer Operation auf, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie versucht Declan, den Meth-Dealer, von dem sie eine größere Menge Meth kaufen will, um es nach Tschechien weiter zu verkaufen, davon zu überzeugen, seinen anscheinend unfähigen Meth-Koch durch Todd zu ersetzen, der ja noch bei Heidenberg persönlich gelernt hat. Declan weigert sich und lässt sie ihn und seine ganze Bande nieder schießen. Als sie anschließend aus dem unteriridischen Meth-Labor zurück zum Auto muss, hält sie sich jedoch die Augen zu, um keinen Blick auf die Leichen werfen zu müssen. Auch hier hat man wieder einmal das Gefühl, dass da jemand etwas auf sich genommen hat, das eigentlich zu groß für ihn ist. Lydia mag im Moment noch das Gefühl haben, die Lage unter Kontrolle zu haben, doch wenn man aus „Breaking Bad“ eines gelernt hat, dann dass sich dieses Gefühl schnell als Illusion herausstellen kann.

Auch in dieser zweiten Episode des „Breaking Bad“-Endspurts verschweigt Hank seinen Verdacht noch vor seinen Kollegen von der DEA. Da seine Karriere sowieso zu Ende ist, sobald bekannt wird, dass der große Heisenberg, den Hank monatelang gejagt hat, in Wahrheit sein eigener Schwager ist, behält er diese Information weiter für sich und will Walt wenigstens persönlich verhaften können. Die Episode endet schließlich kurz vor einer weiteren Konfrontation, auf die wir lange gewartet haben. Hank trifft auf Jesse, aber leider setzt kurz vor dieser Konfrontation der Abspann ein. Ich kann die nächste Folge kaum erwarten.

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