Babylon 5 – Episode 1.08 „And The Sky Full of Stars“

Mein „Babylon 5“-Rewatch ist bei der achten Folge der ersten Staffel angekommen. Übrigens habe ich vor ein paar Tagen mal wieder einen interessanten Artikel über „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) entdeckt.

Episode 1.08 “And the Sky Full of Stars” (“Gefangen im Cybernetz”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 16.03.1994 (USA), 24.09.1995 (Deutschland)

Früh in der Episode erfahren wir einiges Neues über Stephen Franklin (siehe „Folgende weitere wichtige Informationen…“), der Großteil der Folge konzentriert sich jedoch ganz auf Commander Sinclair. Zwei Männer, deren Namen wir nie erfahren und die in den Credits nur als „Knight One“ und „Knight Two“ aufgeführt werden, sind fest entschlossen, hinter ein Geheimnis Sinclairs zu kommen, das dieser selbst gerne kennen würde: Was geschah wirklich in den 24 Stunden, in denen sein Kampfjäger während der letzten Schlacht des Erd-Minbari-Krieges von allen Radarschirmen verschwand und an die Sinclair so gut wie keine Erinnerung hat. (So gut wie keine Erinnerung hatte auch an diese Episode. Ich wusste zwar noch grob, wovon sie handelt, doch die Details und Charaktere hatte ich wohl verdrängt.)

„You didn’t just black out. Your ship disappeared.”, stellt Knight Two (Christopher Neame) fest. Wie sich herausstellt, sind er und sein Mitstreiter davon überzeugt, dass die Minbari sich nur deshalb kurz vor ihrem Sieg über die Menschen ergaben, weil sie den Plan gefasst hatten, die Menschheit lieber im Geheimen von innen heraus zu unterwandern. Deshalb halten Knight One und Knight Two Sinclair für einen Spion der Minbari, auch wenn er selbst sich dieser Tatsache möglicherweise gar nicht bewusst ist, weil er einer Gehirnwäsche unterzogen wurde – so jedenfalls die Theorie. „Why risk their life in a frontal attack when they could attack us from within?“, legt Knight Two Sinclair seine Gedanken dar. “But they needed a fifth column. People like you. Look at Earth, commander. Alien civilization. Alien migration. Aliens buying up real estate by the square mile. Alien funding of Babylon 5. What they couldn’t take by force, they’re corrupting, inch by inch.“ In diesen Worten wird wieder der schon in der letzten Episode thematisierte Fremdenhass und die Furcht vor zu großem außerirdischen Einfluss deutlich, die sich auf der Erde immer mehr ausbreiten.
Sinclair soll nicht nur ein Geständnis abgerungen werden, mit Hilfe des „Cybernetzes“ dringen sowohl er als auch Knight Two in sein Unterbewusstsein vor und fördern Erinnerungen zutage, die zuvor im Verborgenen lagen. Dabei spielt auch die Schuld eine Rolle, die Sinclair als Überlebender der Schlacht um die Erde empfindet. Der Beginn seines Aufenthalt im „Cybernetz“, als der Commander mit wachsender Verwirrung durch die vollkommen verlassene Station läuft, erinnert zumindest mich an die Ausgangssituation einiger „Star Trek“-Folgen. Doch anders als in den frühen „Star Trek“-Serien entspinnt sich aus dieser Situation keine Geschichte, die am Ende der Episode völlig abgeschlossen wird, sondern die Mission von Knight One und Knight Two nimmt auf sich durch die ganze Staffel ziehende Fragen und Handlungselemente Bezug, die zum Teil bereits im Pilotfilm eingeführt worden sind (der kurze Flashback zu dem Minbari, der zu Sinclair sagt „There is a hole in your mind.“, stammt daher).
Im Lauf der Befragung Sinclairs und der Untersuchung seiner Erinnerungen erfahren wir – und Sinclair selbst – ein paar Dinge, die wir bis dahin nicht wussten: So wurde Sinclair in dem Zeitabschnitt, an dem ihm die Erinnerung fehlt, anscheinend von den Minbari gefangen genommen und befragt. Insgesamt liefert die Episode aber mehr neue Fragen als Antworten (siehe unten).

Wie bereits erwähnt hatte ich vor dem erneuten Anschauen so gut wie keine Erinnerung an diese Folge, was wohl damit zu tun hat, dass ich sie nicht besonders gelungen finde. Das beginnt schon bei der Idee des „virtual reality cybernet“, an der mich zugegeben vielleicht einfach nur die Bezeichnung stört, die geradezu „Neunziger Jahre“ schreit. Abgesehen von Sinclair, Delenn und Franklin bleiben alle anderen Hauptfiguren in dieser Folge entweder bloße Stichwortgeber oder kommen gar nicht vor. Das ist an sich nicht weiter schlimm, da bei einem so großen Figurenensemble wie in „Babylon 5“ nicht in jeder Episode Platz für alle Charaktere sein kann, schon gar nicht in der ersten Staffel, die uns die Hauptfiguren erst einmal nacheinander näher vorstellen muss. An sich finde ich die Idee, sich einmal ganz auf Sinclair und die Lücke in seinem Gedächtnis zu konzentrieren auch gut. Nur in der Ausführung finde ich sie nicht besonders gelungen.
Daran sind unter anderem die Schauspieler schuld. Christopher Neame als Knight Two betreibt stellenweise ein wahnsinnig nerviges, theatralisches Overacting wie es in einer Fernsehserie einfach fehl am Platz ist. JMS hat seine Darstellung zwar in den höchsten Tönen gelobt, mich hat sie aber an einigen Stellen aus der Geschichte heraus gerissen, statt mich weiter hinein zu ziehen. Auch Michael O’Hares Schauspiel als Sinclair hat mich nicht überzeugt. Es ist inzwischen bekannt, dass er während seiner Zeit bei „Babylon 5“ ernsthafte psychische Probleme hatte und die Dreharbeiten für ihn sicher nicht einfach waren (mehr bei den „Hinter den Kulissen“-Fakten). Das mag einer der Gründe dafür gewesen sein, warum seine Darstellung hier stets sehr angestrengt und wenig nuanciert wirkt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Figur des Mitchell. Plötzlich sollen wir uns für einen Charakter interessieren, der angeblich eine wichtige Rolle in Sinclairs Vergangenheit gespielt hat, von dem wir aber nie zuvor gehört haben. Das funktioniert leider nicht. Zuletzt sind noch die Effekte zu nennen. Zwar stören mich die heute häufig veraltet wirkenden CGI-Effekte in „Babylon 5“ sehr selten und man muss immer wieder betonen, dass gerade diese Effekte Mitte der Neunziger Jahre im Fernsehen revolutionär waren. Doch in dieser Episode wirken die Szenen aus der Schlacht um die Erde heute äußerst statisch und lassen das Tempo der CGI-Kampfszenen aus späteren Staffeln vermissen. Für damalige Verhältnisse muss „And the Sky Full of Stars“ allerdings durchaus beeindruckend gewesen sein, wie JMS in mehreren seiner Forumposts hervorhub. So erwähnte er beispielsweise, die Episode hätte mehr CGI-Effekte als der gesamte 90-minütige Pilotfilm und wurde auch sonst nicht müde zu betonen, dass er diese Folge für die beste bis dahin produzierte hielt – nicht nur der CGI-Effekte wegen, sondern auch aufgrund des Schauspiels und der für eine TV-Serie ungewöhnlichen Inszenierung durch Regisseurin Janet Greek, die hier erstmals für „Babylon 5“ arbeitete und später bei einigen wirklich hervorragenden Episoden Regie führen sollte.

Insgesamt handelt es sich bei „And the Sky Full of Stars“ also um eine ambitionierte Episode, die ihren hohen Anforderungen aber längst nicht in jeder Hinsicht gerecht wird (wobei angemerkt werden muss, dass diese Kritik zum Teil darauf beruht, dass die Folge ganz einfach schlecht gealtert ist). Sie vermittelt wichtige und interessante Informationen über die Hauptfigur der Serie, beantwortet dabei einige teils bereits im Pilotfilm gestellte Fragen und wirft zahlreiche neue auf. Was mir missfällt, ist vor allem wie die Episode dies tut; ich hätte mir eine andere Rahmenhandlung als die Befragung mithilfe einer virtuellen Realität gewünscht. So bleibt es leider bei einer unterdurchschnittlichen Episode, die mich zwiegespalten zurücklässt: einerseits ist der hier vermittelte Inhalt für den weiteren Verlauf der Serie sehr wichtig, andererseits kann ich mit der Art und Weise, in der dieser Inhalt vermittelt wird, wenig anfangen.

Highlight der Episode: Ich habe die Episode für diesen Blogpost einmal angeschaut, aber dabei war keine Szene und kein Aspekt der Folge ein eindeutiger positiver Höhepunkt für mich. Ich möchte die Folge nicht extra noch einmal anschauen, dehalb lasse ich diese Rubrik dieses Mal leer.

Londo/G’Kar-Moment: Leider kommen die beiden in dieser Episode nicht vor. 😦

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Wie bereits erwähnt erhalten wir einiges an Hintergrundinformationen über Franklin (auch über Delenn erfahren wir Neues, doch das führt nur zu neuen Fragen – siehe unten): In seiner Jugend ist er quasi als Anhalter durch die Galaxis gereist, um möglichst viele verschiedene Orte kennen zu lernen. Er interessiert sich sehr für die Physiologie von nichtmenschlichen Rassen. Gleichzeitig nimmt er den Eid, den er als Arzt geschworen hat, sehr ernst – alles Leben ist ihm heilig, ganz gleich ob menschliches oder außerirdisches. Als man ihn während des Krieges gegen die Minbari aufgefordert hat, seine Forschungen über die Minbari auszuhändigen, hat er die Aufzeichungen lieber vernichtet als zuzulassen, dass sie zur Entwicklung biologischer Waffen verwendet werden.
Neben den neuen Erkenntnissen über Sinclair, die alle zu weiteren Fragen führen, erfahren wir auch ein paar handfeste Fakten über ihn: Er wurde am 3. Mai 2218 auf dem Mars geboren und ist 39 Jahre alt. 2237 ist er den Erdstreitkräften beigetreten, 2240 wurde er zum Kampfpiloten befördert und weniger als ein Jahr später zum Geschwaderführer. Genau wie sein Vater, Großvater und Urgroßvater ist Sinclair ein Karriereoffizier, wie es Knight Two ausdrückt.

Sonstige Fragen:

  • Was war Delenns Rolle im Erd-Minbari-Krieg? Warum möchte sie dazu (noch) keine Auskunft geben? („A topic for another time.“, erwidert sie auf Franklins Frage danach.)
  • Sind Knight One und Knight Two Telepathen? Diese Frage hat JMS selbst mit nein beantwortet.
  • Worum handelt es sich bei dem „auflechtenden Dreieck“, das einer der Minbari vor Sinclair hält? Was bedeutet es?
  • Warum war Delenn bei Sinclairs Befragung/Untersuchung durch die Minbari anwesend? (Sofern seine Erinnerung daran korrekt ist.) Handelte es sich bei der Gruppe von Minbari, die Sinclair befragten, um den die Minbari anführenden Grauen Rat, wie Sinclair vermutet? Falls ja, ist bzw. war Delenn dann dort Mitglied? Und warum hält sie dies geheim?
  • Laut Garibaldi sind Knight One und Knight Two Teil einer Organisation, die eine Kollaboration zwischen bestimmten Fraktionen auf der Erde und den Minbari beweisen will. Gerüchten zufolge handelt es sich dabei um eine regierungsinterne Organisation, doch wer genau steckt dahinter? „If I fail, more will come after me until this job is finished.“, sagt Knight Two zu Sinclair. Das deutet ja an, dass sie keine Einzeltäter, sondern Mitglieder einer Organisation sind.
  • Wer hat Bensons Leiche nach draußen befördert? (Diese Frage wird nie explizit beantwortet werden, doch nach dem Ende der Staffel wird man sich die Antwort zusammenreimen können.)
  • Was meint Knight Two, als er in seiner letzten Szene sagt „Maybe we’re both still inside“? Wahrscheinlich ist diese Aussage nur auf seine Verwirrung zurück zu führen, denn ich glaube nicht, dass damit angedeutet werden soll, dass sich die Geschehnisse immer noch im Cybernetz abspielen.
  • Wer ist der Minbari, den wir am Ende der Episode bei Delenn sehen? Warum sagt er, Sinclair müsse getötet werden, wenn er jemals die Wahrheit erfahren sollte?
  • Ist an den Anschuldigungen, Sinclair sei ein Spion der Minbari, vielleicht doch etwas dran? Da Sinclair immer noch nicht genau weiß, was in den fraglichen 24 Stunden mit ihm geschehen ist, kann er sich auch nicht sicher sein, dass die Minbari ihm nicht z.B. einer Gehirnwäsche unterzogen haben und er seitdem unbewusst als Spion für sie arbeitet.
  • Sinclair fasst die wichtigsten Fragen der Episode am Schluss selbst zusammen: „What is it they don’t want me to remember?“

Weitere interessante Punkte: 

  • Der Titel der Episode spielt auf eine Dialogzeile Sinclairs im Pilotfilm aus einer Szene an, in der er von der letzten Schlacht im Erd-Minbari-Krieg erzählt: „We never had a chance. The sky was full of stars, and every star an exploding ship. One of ours.“
  • Zu Beginn der Episode sehen wir eines der wenigen Beispiele für Holo-Technologie in „Babylon 5“, als Knight Ond und Knight Two sich ein holografisches Abbild Sinclairs ansehen.
  • Ivanva erwähnt, dass es eine Erd-Basis im Tigris-Sektor gibt.
  • Interessant fand ich Sinclairs Aussage, dass es zu dem Vorfall (dem Verschwinden seines Schiffes) damals eine Anhörung gegeben hat, in der die Angelegenheit geklärt wurde. Das scheinbare Verschwinden seines Schiffes war dabei auf einen technischen Defekt zurückgeführt worden.
  • In einer Szene sehen wir Garibaldi beim Zeitunglesen über die Schulter. Zwar sind die einzelnen Artikel der Ausgabe von „Universe Today“ nicht lesbar (wie schön wäre B5 auf Blu-ray!), die Überschriften aber durchaus. Einige von ihnen nehmen auf Ereignisse bezug, die in den bisherigen Folgen angesprochen worden sind, andere bieten vage Hinweise auf zukünftige Handlungselemente der Serie (und mit der einen oder anderen Schlagzeile hat sich JMS auch nur einen Witz erlaubt):
    • Psi-Corps in Election Tangle – Did Psi-Corps Violate Its Charter by Endorsing Vice President?
    • Homeguard Leader Convicted. Jacob Lester Found Guilty In Attack On Minbari Embassy
    • Narns Settle Ragesh 3 Controversy
    • Special Section: Pros & Cons of Inter-Species Mating
    • San Diego Still Considered Too Radioactive For Occupancy
    • Copyright Trial Continues In Bookzap Flap
    • EA President Promises Balanced Budget by 2260

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Rolle von Knight Two sollte ursprünglich von Walter Koenig gespielt werden. Dieser musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen absagen. Danach wollte man Patrick McGoohan („The Prisoner“) für die Rolle verpflichten, doch ihn hinderten andere schauspielerische Verpflichtungen an der Zusage. So bekam Christopher Neame die Rolle. Walter Koenig spielte schließlich den Psi-Cop Alfred Bester in der Episode „Mind War“ (die zwar vor „And the Sky Full of Stars“ ausgestrahlt, aber später gedreht wurde). JMS fand Neames Darstellung von Knight Two so beeindruckend, dass er mit dem Gedanken spielte, die Figur irgendwann zurück zu bringen.
  • Für Michael O’Hare müssen die Dreharbeiten zu dieser Folge in ganz besonderer Weise belastend gewesen sein. Wie JMS nach O’Hares Tod bekannt gab, litt dieser während der Dreharbeiten zur ersten Staffel an ernsthaften psychischen Problemen (krankhafte Paranoia verbunden mit Wahnvorstellungen). O’Hares Krankheit war zu seinen Lebzeiten nicht öffentlich bekannt, doch folgendes Zitat von ihm, in dem er über die Dreharbeiten zu dieser Episode spricht, macht deutlich, dass ihm das Spielen einer Figur, deren Realitätswahrnehmung gestört ist, durchaus nahe gegangen sein muss: „As far as the underpinning of the scenes was concerned, I understood them very well from things in my private life. I understodd what the experience was of losing everything, having everything taken away from me.“ (Zitiert nach: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 83)

Zitate:

„Everyone lies, Michael. The innocent lie because they don’t want to be blamed for something they didn’t do. The guilty lie because they don’t have any other choice.“ (Sinclair)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.09 „Deathwalker“

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