DOK.fest 2015: Man On Wire

Heute Abend beginnt das DOK.fest (Dokumentarfilmfestival) in München. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal akkreditiert und habe das Festival schon einen Tag früher begonnen, indem ich gestern zuhause „Man On Wire“ angeschaut habe. Die oscarprämierte Dokumentation über Philippe Petits Drahtseilakt zwischen den Türmen des World Trade Centers läuft dieses Jahr im Rahmen einer Sonderreihe auf dem DOK.fest.

Normalerweise schaue ich nicht besonders viele Dokumentationen an – von den Special Features auf diversen DVDs mal abgesehen. Ich freue mich aber auf eine gute Wocher voller Dokus aus den verschiedensten Ländern und Themengebiente und will gleich mal ein paar Worte über „Man On Wire“ verlieren.

An diesem Film ist mir von Anfang an aufgefallen, wie sehr auch eine Dokumentation eine Geschichte und einen Spannungsbogen entwickeln muss, wenn sie interessant sein und ihr Publikum unterhalten will. Durch die Musik, den Schnitt und die Vorwegnahme von Aussagen zu Ereignissen, die man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht einordnen kann, wird bereits in den ersten Minuten des Films eine Atmosphäre der Spannung erzeugt. Weiterhin fand ich es interessant, wie viel an dieser Dokumentation zumindest im strengen Sinn nicht „dokumentiert“ ist, sondern für die Kamera neu erzählt werden musste, meistens in einer Kombination aus lebhaften Erzählungen und nachgestellten Szenen.

Ich wusste zuvor nichts über Philippe Petit oder seinen Drahtseilakt zwischen den Türmen. Umso mehr hat mich die Geschichte und auch die Persönlichkeit Petits beeindruckt. Seinen leidenschaftlichen und bildreichen Schilderungen der Vorbereitungen merkt man deutlich an, dass seine Hochseilkunst für ihn wirklich eine Passion im wahrsten Sinne des Wortes ist: er kann einfach gar nicht anders, muss es einfach tun. Dementsprechend lässt er sich auch von nichts und niemandem aufhalten, am allerwenigsten von der Ansicht, dass sein Vorhaben unmöglich sei. „It’s impossible, that’s sure. So let’s start working“, ist alles was er dazu zu sagen hat.

„Man On Wire“ ist also ein sehr unterhaltsamer, dramaturgisch geschickt aufgebauter Film, der einem verdeutlicht, dass hinter jedem bahnbrechenden, verrückten Vorhaben vor allem eine ausführliche, teils jahrelange Vorbereitung steckt. Das gefährlichste an der ganzen Unternehmung, sagt Petit am Ende des Films, sei es gewesen, nach dem erfolgreichen Drahtseilakt von den Polizisten nach der Festnahme die Treppe hinunter gestoßen worden zu sein. Na dann…

Im Oktober kommt die Geschichte übrigens als Spielfilm in die Kinos. Joseph Gordon-Levitt spielt Philippe Petit, Regie führt Robert Zemeckis („Flight“, „Forrest Gump“). Hier sind die Trailer bzw. Teaser zu beiden Filmen:


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Update:
Auf Filmszene.de findet ihr nun meine Filmkritik zu „The Walk“ von Robert Zemeckis.

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