Das 36. Filmfest München 2018

Ein Hinweis in eigener Sache:

Über das Filmfest München schreibe ich dieses Jahr nicht hier auf dem Blog. Stattdessen könnt ihr mein Festivaltagebuch auf Filmszene.de lesen. Am besten speichert ihr euch den Link, weil ich das Tagebuch im Verlauf der nächsten Tage noch ein paar mal um neue Einträge erweitern werde.
Auf Twitter werde ich euch jedes Mal sofort informieren, wenn das Festivaltagebuch aktualisiert worden ist.

Viel Spaß beim Lesen!

GEHHIRN? Rette mich wer kann? Ich spiel jetzt auch Theater!

Dieses Mal gibt’s einen Blogpost in eigener Sache. Gut, eigentlich geht’s hier im Blog ja immer über mich. Schließlich schreibe ich hier nur über Dinge, die mich interessieren: Filme, TV-Serien, „Babylon 5“, Michael Jackson, „Star Wars“. Zu diesen Leidenschaften hat sich allerdings in den letzten zwei Jahren noch eine weitere gesellt: das Schauspiel.

Seit zwei Jahren bin ich Mitglied im Münchner Schauspielverein. Im Gruppen- und Einzelunterricht habe ich dort bei Florian „Floo“ Weber die Grundlagen der Schauspielerei erlernt. Improvisation oder die Arbeit an Texten, Charakteren und Gefühlslagen waren nur einige der zahlreichen spannenden Themen, mit denen wir uns befasst haben. Bald trägt unsere Arbeit nun endlich sichtbare Früchte.

GEHHIRN

GEHHIRN – am 12., 14. & 15. Oktober im „theater…und so fort“ in München

Im Oktober und November bringen wir in München unsere ersten beiden Produktionenen auf die Bühne. Los geht’s mit „GEHHIRN“ (12., 14. & 15. Oktober). Alle daran beteiligten Darsteller haben sich im Lauf der letzten Monate schauspielerisch mit zwei Monologen auseinandergesetzt. Einen davon haben sie sich selbst ausgesucht, den anderen hat Floo für jeden persönlich geschrieben. Diese Monologe werden im Verlauf der Inszenierung aber nicht einfach nur nacheinander „heruntergeleiert“ – das wäre zu eintönig. Vielmehr wird ein Teil des Abends aus einer freien Improvisation bestehen, bei der alle Schauspieler aber nichts sagen dürfen, was nicht in ihren Monologen steht! Auf diese Weise ergeben sich immer wieder absurde, irritierende Momente. Dem Publikum wird zunächst manches unklar und seltsam vorkommen, aber sobald es die jeweiligen Texte dann in ihrer Gänze hört, wird die „persönliche Geschichte“ der einzelnen Figuren deutlich.
Wie im menschlichen Gehirn, wo sich aus unzähligen Synapsenverbindungen ständig neue Verknüpfungen ergeben, entstehen auch in „GEHHIRN“ stets ganz neue, unvorhersehbare Verbindungen. Die Beteiligten werden in ihrem Zusammenspiel so zu einem Geh-Hirn. Falls sich das für euch jetzt etwas schwer vorstellbar anhört und ihr euch noch nicht sicher seid, ob sich dafür der Kauf einer Eintrittskarte lohnt, dann habe ich einen Tipp: Am 24.9. findet die erste von zwei öffentlichen Proben für die Aufführung statt. Die genauen Details und einen Link zur Anmeldung findet ihr auf der Startseite der Homepage des Schauspielvereins. Karten für die Aufführungen könnt ihr bereits auf der Homepage des Theaters reservieren.

Angélique Levenski und Maximilian Schröter

Angélique und ich bei einer Probe für „Rette mich wer kann“ (Foto: Florian Weber)

Während an „GEHHIRN“ fast alle Mitglieder des aktuellen Jahrgangs beteiligt sind, handelt es sich bei der zweiten Inszenierung, die wir nur wenige Wochen später auf die Bühne bringen, um ein Stück für zwei Personen. In „Rette mich wer kann“ (2. bis 5. November) werde ich an der Seite der wunderbaren Angélique Levenski auf der Bühne stehen. Geschrieben hat das Stück unser Schauspiellehrer Floo, der auch Regie führt. Worum geht es? Nun, zu viel will ich nicht verraten. Denn das Stück bezieht seinen Reiz zum Teil daraus, dass der Zuschauer hier für sich selbst entscheiden muss, was da eigentlich auf der Bühne passiert. Wir sehen zwei Figuren, Gisu und Moro. Doch in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Warum hat einer von ihnen eine Pistole in der Tasche? Warum bietet Moro Gisu etwas zu Trinken an, obwohl sie ihn nicht leiden kann? Warum entschuldigt sich Gisu ständig für alles Mögliche?
Obwohl vieles im Unklaren bleibt, wird eines doch im Verlauf des Stücks deutlich: Es geht hier um existentielle Fragen, um Lebenskrisen und darum, sich selbst zu akzeptieren und die eigene Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen. Insofern ist „Rette mich wer kann“ auch ein Stück über das Schauspielen. Weitere Interpretationen möchte ich hier nicht anbieten, denn ihr sollt euch wie gesagt selbst ein Bild machen. Weil es sich bei der Thematik anbietet (und weil das Stück nur etwa 40 Minuten lang ist), wird das Publikum im Anschluss zu einer Diskussionsrunde mit Floo, Angélique und mir eingeladen. Dabei gilt Ähnliches wie bei „GEHHIRN“: wir wissen noch nicht, wohin uns unsere Gedanken und Gespräche führen werden, aber es wird ganz sicher spannend!
Auch für „Rette mich wer kann“ könnt ihr natürlich schon Karten reservieren.

Die Proben zu beiden Aufführungen laufen auf Hochtouren und machen riesigen Spaß! Ich bin schon sehr gespannt auf unsere beiden Premierenabende. Wir würden uns sehr freuen, möglichst viele von euch im Theater begrüßen zu dürfen! Folgt dem Schauspielverein auf Facebook, Twitter und Instagram, um über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden zu bleiben und rechtzeitig über Termine – z.B. für kostenlSchauspielvereinose, öffentliche Proben – informiert zu werden!

Paul McCartney im Münchner Olympiastadion

20160610_210404_kleinEtwa um 19:45 konnte man am gestrigen Freitagabend im Münchner Olympiastadion eine Durchsage vernehmen, in der das Publikum aufgefordert wurde, seine Plätze einzunehmen, da das Konzert pünktlich um 20 Uhr beginnen werde. Einen Gongschlag wie in der Oper gab es zwar nicht, aber was die Verankerung seiner Werke im kulturellen Allgemeingut angeht kann es Paul McCartney sowieso schon lange mit Mozart, Rossini und dergleichen aufnehmen. Das Publikum war dementsprechend bunt gemischt – von Rentnerehepaaren über fünfköpfige Familien bis hin zu Vätern, die ihre kleinen Kinder auf dem Arm hielten, wollten alle dabei sein als Sir Paul – vielleicht ja zum letzten Mal – in München sein vor allem aus Beatles-Klassikern bestehendes Programm zum Besten gab. Auf die Minute genau um 20 Uhr betrat er mit seinen vier Bandkollegen die Bühne. Leider war ein Großteil des Publikums zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingetroffen; noch eine halbe Stunde nach Konzertbeginn sah man Menschen die Stadiontreppen auf der Suche nach ihren Plätzen hinunterlaufen. Viele hatten wohl nicht damit gerechnet, dass McCartney bereits um 20 Uhr auftreten würde. Aber wer so viele weltbekannte Hits im Repertoire hat und es sich leisten kann, die Show gleich mit „A Hard Day’s Night“ zu beginnen, der braucht natürlich keine Vorband, um seine Zuschauer in Stimmung zu bringen.

Trotzdem wirkte der Auftakt etwas zäh, was aber nicht an McCartney und seiner Band lag, sondern schlicht daran, dass es durch den frühen Beginn noch viel zu hell war, um eine ordentliche Rockkonzertstimmung aufkommen zu lassen. Zum Glück hatte der Regen aber extra für diesen Tag eine Pause eingelegt und McCartneys oft auf deutsch vorgetragene Songankündigungen hielten das Publikum bei Laune. Er begrüßte das Stadion mit einem „Servus“ und stellte ebenfalls auf deutsch fest „Endlich ist der Sommer da“. Als er sich später nach der Zusammensetzung des Publikums erkundigte, erwiesen sich die Münchner überraschenderweise als Minderheit. Der weitaus größere Teil der Zuschauer kam aus anderen deutschen Städten oder dem Ausland.

Die Setlist war die gleiche wie bei den meisten anderen Konzerten der aktuellen „One On One“-Tour. Für Spontanität war dementsprechend kaum Platz im Ablauf der Show. Das ist bei einer großen Stadionproduktion, bei der alle Abläufe inklusive der auf jedes Lied abgestimmten Videoprojektionen genau geplant sind, zwar verständlich. Trotzdem wäre es schön, wenn McCartney zwei oder drei Plätze in der Setlist bereithalten würde, um sie bei jedem Konzert spontan mit anderen Songs zu befüllen. Freilich war der Ablauf der Show aber auch nur für diejenigen Zuschauer vorhersehbar, die sich vorher im Internet schlau gemacht hatten. Wer vollkommen uninformiert ins Konzert ging, der wurde durchaus des Öfteren überrascht, zum Beispiel mit der Elektro-Nummer „Temporary Secretary“ aus dem 1980er Album „McCartney II“ oder mit „In Spite Of All The Danger“, dem ersten Lied, das die Beatles jemals zusammen aufgenommen haben.

Der wohl lustigste, da ungeplante und vollkommen spontane Moment kam gegen Ende, als ein paar Zuschauer auf die Bühne geholt wurden und von McCartney mit Umarmungen und Autogrammen bedacht wurden. Ein junger Mann aus Russland redete den Ex-Beatle da mit „Paul“ an, nur um sich sogleich zu verbessern und ein „Sir Paul“ hinterherzuschieben. „Paul is fine“, versicherte McCartney dem glückseligen Fan. Musikalische Höhepunkte hatte man zu diesem Zeitpunkt schon viele erleben dürfen, darunter das richtig rockende „Nineteen Hundred and Eighty Five“, da20160610_213045_kleins als Akustiknummer vorgetragene „You Won’t See Me“ oder das erst im letzten Jahr veröffentlichte „Four Five Seconds“, das dank des eingeblendeten Texts trotz seiner relativen Unbekanntheit das Stadion zum Mitsingen animierte. Beeindruckend war ebenfalls die Darbietung des „Sgt. Pepper“-Songs „Being For The Benefit of Mr. Kite“. Dank der modernen Technik ist es heute kein Problem mehr, was Ende der Sechziger noch unmöglich war: die komplexen Sound-Tüfteleien aus der Spätphase der Beatles live auf die Bühne zu bringen. Untermalt mit psychedelischen Videoanimationen kam damit die richtige Sixties-Stimmung auf.

Der Höhepunkt des Konzerts war schließlich erreicht, als McCartney am Flügel zuerst den James Bond-Titelsong „Live and Let Die“ zum Besten gab – untermalt von einer scheinbar nicht enden wollenden Abfolge aus bunten Lasern, aus der Bühne schießenden Flammen und den Nachthimmel erleuchtenden Feuerwerksraketen. Anschließend täuschte der 73-jährige mit Gesten vor, das sei ihm jetzt doch alles zu laut und zu viel gewesen, nur um die Zuschauer mit „Hey Jude“ sofort erneut in Euphorie zu versetzen. Vielleicht noch beeindruckender als all die Laser, Videos und bombastischen Rocknummern waren aber die Momente, in denen sich der Ex-Beatle nur mit einer Akustikgitarre ganz allein auf die Bühne stellte, um Klassiker wie „Blackbird“ oder „Yesterday“ zu singen. McCartneys Stimme mag inzwischen etwas brüchig klingen, die Kraft dieser zeitlosen Klassiker aber ist ungebrochen. Meckern kann man an diesem zweieinhalbstündigen Konzertabend, an dem Sir Paul McCartney Jung und Alt mit einem aus fünfeinhalb Jahrzehnten Musikgeschichte zusammengestellten Programm bestens unterhielt, also höchstens auf sehr hohem Niveau. Aber das wollen wir hier mal bleiben lassen, denn wie lautet eine alte Beatles-Weisheit, mit der man ganz zum Schluss belehrt wurde: „And in the end, the love you take is equal to the love you make“.

DOK.fest 2015: Man On Wire

Heute Abend beginnt das DOK.fest (Dokumentarfilmfestival) in München. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal akkreditiert und habe das Festival schon einen Tag früher begonnen, indem ich gestern zuhause „Man On Wire“ angeschaut habe. Die oscarprämierte Dokumentation über Philippe Petits Drahtseilakt zwischen den Türmen des World Trade Centers läuft dieses Jahr im Rahmen einer Sonderreihe auf dem DOK.fest.

Normalerweise schaue ich nicht besonders viele Dokumentationen an – von den Special Features auf diversen DVDs mal abgesehen. Ich freue mich aber auf eine gute Wocher voller Dokus aus den verschiedensten Ländern und Themengebiente und will gleich mal ein paar Worte über „Man On Wire“ verlieren.

An diesem Film ist mir von Anfang an aufgefallen, wie sehr auch eine Dokumentation eine Geschichte und einen Spannungsbogen entwickeln muss, wenn sie interessant sein und ihr Publikum unterhalten will. Durch die Musik, den Schnitt und die Vorwegnahme von Aussagen zu Ereignissen, die man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht einordnen kann, wird bereits in den ersten Minuten des Films eine Atmosphäre der Spannung erzeugt. Weiterhin fand ich es interessant, wie viel an dieser Dokumentation zumindest im strengen Sinn nicht „dokumentiert“ ist, sondern für die Kamera neu erzählt werden musste, meistens in einer Kombination aus lebhaften Erzählungen und nachgestellten Szenen.

Ich wusste zuvor nichts über Philippe Petit oder seinen Drahtseilakt zwischen den Türmen. Umso mehr hat mich die Geschichte und auch die Persönlichkeit Petits beeindruckt. Seinen leidenschaftlichen und bildreichen Schilderungen der Vorbereitungen merkt man deutlich an, dass seine Hochseilkunst für ihn wirklich eine Passion im wahrsten Sinne des Wortes ist: er kann einfach gar nicht anders, muss es einfach tun. Dementsprechend lässt er sich auch von nichts und niemandem aufhalten, am allerwenigsten von der Ansicht, dass sein Vorhaben unmöglich sei. „It’s impossible, that’s sure. So let’s start working“, ist alles was er dazu zu sagen hat.

„Man On Wire“ ist also ein sehr unterhaltsamer, dramaturgisch geschickt aufgebauter Film, der einem verdeutlicht, dass hinter jedem bahnbrechenden, verrückten Vorhaben vor allem eine ausführliche, teils jahrelange Vorbereitung steckt. Das gefährlichste an der ganzen Unternehmung, sagt Petit am Ende des Films, sei es gewesen, nach dem erfolgreichen Drahtseilakt von den Polizisten nach der Festnahme die Treppe hinunter gestoßen worden zu sein. Na dann…

Im Oktober kommt die Geschichte übrigens als Spielfilm in die Kinos. Joseph Gordon-Levitt spielt Philippe Petit, Regie führt Robert Zemeckis („Flight“, „Forrest Gump“). Hier sind die Trailer bzw. Teaser zu beiden Filmen:


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Update:
Auf Filmszene.de findet ihr nun meine Filmkritik zu „The Walk“ von Robert Zemeckis.