Fernsehen mal drei: „Designated Survivor“, „The Night Manager“ & „Wayward Pines“

Was macht man, wenn man sein Leben gerade nicht auf die Reihe kriegt und sich von Problemen ablenken lassen will? Genau, fernsehen! Das habe ich in den letzten Wochen auch wieder viel gemacht. Dabei bin ich unter anderem „Seinfeld“ verfallen – ich hatte bis vor etwa zwei Monaten tatsächlich noch keine einzige Folge der legendären Sitcom gesehen, obwohl ich schon seit Jahren ein großer Fan von Larry David bin. Auch mit „The Big Bang Theory“ habe ich endlich angefangen, nachdem ich mir schon seit Jahren anhören muss, dass ich einem gewissen Sheldon ziemlich ähnlich bin. 😉 Davon habe ich aber erst drei Folgen angeschaut. Und um diese Sitcoms soll es hier eigentlich gar nicht gehen, sondern um drei andere Serien.

Designated Survivor

In diesem Politdrama, das in den USA auf ABC und hierzulande auf Netflix zu sehen ist, wird der von Kiefer Sutherland gespielte Thomas Kirkman unerwartet zum US-Präsidenten. Er ist nämlich jener „designated survivor“, der sich, während der Präsident im Kapitol seine Rede zur Lage der Nation (State of the Union) hält, an einem geheimen Ort aufhält – nur für den Fall der Fälle, dass eben der Präsident und alle anderen Amtsträger, die für dessen Nachfolge in Frage kommen, ums Leben kommen sollten. Dieser Fall tritt hier in der ersten Episode tatsächlich ein, als ein Bombenanschlag auf das Kapitol verübt wird, dem nicht nur der US-Präsident, sein Stellvertreter und sämtliche versammelten Minister, sondern auch ein Großteil des Kongresses zum Opfer fallen.
So wird Kirkman, der bislang Minister für Wohnungsbau und Stadtplanung war (und dem der Präsident dieses Amt eigentlich wieder entziehen wollte) also Hals über Kopf vereidigt und steht fortan an der Spitze einer Regierung, in der viele den unerfahrenen Neuling sofort wieder absägen möchten. Dazu kommen chaotische Zustände, Intrigen und Verschwörungen wie sie eben nach einem das Land erschütternden Terroranschlag dazu gehören.
Ich muss zugeben, dass für mich das Spannendste an „Designated Survivor“ eigentlich die Ausgangssituation ist. Klar wäre es furchtbar, sollte dieser Fall jemals wirklich eintreffen. Aber ihn mal im Fersehen durchzuspielen, das hat schon seinen Reiz. Leider verfliegt dieser Reiz aber recht schnell wieder. Nach drei oder vier Folgen unterscheidet sich „Designated Survivor“ nur noch wenig von anderen Politthrillern. Folge für Folge muss die Serie mit immer neuen überraschenden Wendungen und schockierenden Entwicklungen aufwarten. Dadurch hat man gelegentlich das Gefühl, sich hier mehr in einer Polit-Soap zu befinden (und die Serie schreckt diesbezüglich tatsächlich nicht vor einigen sehr billigen Handlungselementen zurück – Stichwort: Sohn des Präsidenten). Insofern habe ich mich ein paar Mal an „Political Animals“ erinnert gefühlt, allerdings waren dort die schauspielerischen Leistungen deutlich besser und es handelte sich nur um eine Miniserie. Die erste Staffel von „Designated Survivor“ dagegen ist auf 22 Episoden angelegt, von denen ich bislang zehn gesehen habe. Wären bereits alle Folgen auf Netflix verfügbar, hätte ich wohl schon aufgegeben. Da hier aber ganz altmodisch jede Woche nur eine Folge veröffentlicht wird, könnte es sogar sein, dass ich dran bleibe. Und sei es nur, weil ich mich so freue, Natascha McElhone mal wieder zu sehen, die hier die First Lady spielt.
Fazit: „Designated Survivor“ ist eine Art Mischung aus „House of Cards“, „24“ und „Political Animals“. Spannende und kurzweilige Unterhaltung mit einem Kiefer Sutherland, der eben so spielt wie er es immer tut. Aber eben auch eine Serie wie viele andere.

The Night Manager

Weiter geht es von der amerikanischen Regierung zum britischen Geheimdienst. „The Night Manager“ ist in Deutschland momentan exklusiv bei Amazon Prime zu sehen. Nachdem mir mehrere Freunde von der achtteiligen Serie vorgeschwärmt hatten, habe ich mir vor kurzem selbst ein Bild gemacht – und wollte eigentlich schon nach der zweiten Episode wieder Schluss machen.
Ein Nachtmanager eines Hotels, der vom britischen Geheimdienst undercover ins Team eines weltweit operierenden Waffenhändlers eingeschleust wird? Vollkommen unglaubwürdig, dachte ich mir. Noch dazu ist die Inszenierung hier ziemlich altmodisch und behäbig, was ja nicht schlecht sein muss, aber bei mir mal wieder die Frage aufwirft, warum man denn heute gleich aus jedem Stoff eine TV-Serie machen muss. Letztes Jahr kam „Verräter wie wir“ ins Kino, genau wie „The Night Manager“ die Verfilmung eines Romans von John le Carré. Der Film war zwar kein Meisterwerk, aber spannend und gut gespielt und inszeniert (meine Kritik könnt ihr hier lesen). Aber auf acht Episoden breitgetreten hätte ich den Stoff nicht gebraucht. Auch „The Night Manager“ hat die Streckung des Stoffes meiner Meinung nach nicht gut getan. Man hätte doch auch einen flotten und spannenden Zweiteiler inszenieren können? Stattdessen müssen (oder dürfen) wir nun Tom Hiddleston (als Nachtmanager, der zum Spion wird) und Hugh Laurie (als auf großem Fuß lebenden Waffenhändler) acht Folgen lang dabei zusehen, wie sie sich misstrauisch anschauen.
Mir war das wie gesagt nach zwei Folgen schon zu langweilig; ich habe danach nur weiter zugeschaut, weil mir eine Freundin eingeredet hat, danach gehe es doch erst richtig los. Tut es aber nicht, sondern es geht einfach genauso weiter, wie es angefangen hat. Und das mit dem Hotelmanager, der zum Undercoveragenten wird, mag zwar realistischer sein, als ich zunächst dachte. John le Carré hat schließlich selbst eine Vergangenheit im Geheimdienst und wird schon wissen, wovon er schreibt. Trotzdem haben mich hier nicht einmal die guten Schauspieler überzeugen können. Weil es nur acht Folgen waren, habe ich mich halt irgendwie durchgequält, großen Spaß gemacht hat es mir allerdings nicht.

Wayward Pines

Ganz anders verhält es sich mit „Wayward Pines“: Danach bin ich momentan regelrecht süchtig. Ich wollte vorgestern abends eigentlich nur die ersten zwei Folgen anschauen, daraus wurden dann fünf (und gestern noch einmal zwei). Die Mystery-Serie stand schon lange auf meiner „to watch“-Liste, weil sie von M. Night Shyamalan produziert wird, der auch bei der ersten Folge Regie geführt hat (auch die durch „Stranger Things“ bekannt gewordenen Duffer-Brüder sind als Produzenten und bei einigen Episoden auch als Drehbuchautoren beteiligt).
„Wayward Pines“ basiert auf einer Romantrilogie von Blake Crouch und wird oft mit „Twin Peaks“ verglichen. Der Vergleich ist allerdings trügerisch. Gemeinsam haben beide Serien, dass jeweils ein Geheimagent in eine US-Kleinstadt kommt, um dort ein Verbrechen aufzuklären. In beiden Serien trifft dieser Agent auf allerlei sonderbare und schräge Stadtbewohner. Aber viel weiter gehen die Ähnlichkeiten meiner Meinung nach nicht, da sich in „Wayward Pines“ die Handlung ab der Mitte der ersten Staffel in eine vollkommen andere Richtung entwickelt als bei „Twin Peaks“. Generell möchte ich über die Handlung nicht viel mehr verraten und kann jedem nur empfehlen, sich vorher möglichst nicht spoilern zu lassen. Wie der von Matt Dillon gespielte Ethan Burke hier in den ersten Folgen in eine durch und durch kafkaeske, alptraumhafte Situation gerät, ist nämlich hochspannend, sodass man am Ende jeder Folge gleich weiter schauen muss, um Antworten zu finden. Warum wollen die Bewohner von Wayward Pines scheinbar nicht, dass Ethan die Stadt wieder verlässt? Warum scheint es für sie verboten zu sein, über ihre Vergangenheit zu sprechen? Das sind nur zwei der zahlreichen Fragen, die am Anfang für Kopfkratzen sorgen.
Die Serie wartet mit ein paar überraschenden Wendungen auf, von denen zumindest eine ein richtig großer „WTF!?“-Moment ist. Den kann man dann doof finden oder eben richtig großartig (so wie ich). Auf jeden Fall hat mich die Serie nun äußerst neugierig auf die Romane von Blake Crouch gemacht (auf alle seine Bücher, nicht nur die Vorlagen zu „Wayward Pines“). Momentan exisitieren zwei Staffeln der TV-Serie mit jeweils zehn Folgen. Eine dritte Staffel scheint derzeit nicht in Planung zu sein, allerdings war auch schon die Pause zwischen den ersten beiden Staffeln ungewöhnlich lang (weswegen auch einige Darsteller für die zweite Staffel nicht mehr oder nicht im gewohnten Umfang zur Verfügung standen).
Es wundert mich, dass die Serie kein größerer Hit geworden ist, denn sie schlägt einige Themen an, die in den letzten Jahren eigentlich ziemlich angesagt sind (ich muss leider so vage bleiben, um Spoiler zu vermeiden). Die Darstellerriege ist mit Matt Dillon, Melissa Leo, Terrence Howard, Toby Jones, Juliette Lewis und Hope Davis äußerst beeindruckend. Vielleicht haben sich manche potentielle Zuschauer von Shyamalans Namen abschrecken lassen… Ich werde heute Abend auf jeden Fall die erste Staffel zu Ende anschauen. Mal sehen, ob meine Begeisterung danach noch genau so groß ist.
Die erste Staffel von „Wayward Pines“ ist in Deutschland auf DVD/Bluray sowie auf Amazon Prime verfügbar. Staffel 2 kann bei Amazon als Video-Download gekauft werden. (Zudem war/ist die Serie anscheinend in der Free-TV-Erstausstrahlung auf ZDFneo zu sehen.) Begleitend zur Serie gibt es die aus zehn dreiminütigen Kurzepisoden bestehende Serie „Gone“, die man auf YouTube finden kann. (Ich habe sie noch nicht angeschaut, bin aber schon gespannt, was mich dabei erwartet.)

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