Meine Oscar-Tipps 2016

Update vom 29.02. ganz unten!

Heute Nacht werden in Hollywood zum 88. Mal die Academy Awards verliehen, besser bekannt als Oscars. Bei mir ist es schon seit vielen Jahren zur Tradition geworden, dass ich mir die Nacht um die Ohren schlage, um die Preisverleihung live im Fernsehen anschauen zu können. Ebenso ist es mittlerweile eine Tradition, dass ich hier im Blog vorher meine persönlichen Tipps abgebe. Wer wird die begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen dürfen? Gestützt auf eine umfassende Recherche wage ich hier meine Prognose. (Hier könnt ihr euch die Nominierungen anschauen.)

Bester Film
Acht Filme sind hier nominiert und keiner von ihnen ist ein glasklarer Favorit auf den Hauptpreis. Ein paar Tendenzen lassen sich aber natürlich dennoch erkennen. „Bridge of Spies“, „Brooklyn“ und „Room“ dürften ziemlich chancenlos sein. Ridley Scotts „The Martian“ war zwar bei Publikum und Kritikern ein Hit und dürfte auch in der Academy viele Fans haben, zum Oscar für den besten Film wird es aber vermutlich nicht reichen. Ähnlich verhält es sich bei „Mad Max: Fury Road“. Ich würde den Preis zwar am liebsten bei „Mad Max“ sehen, kann mir aber nicht vorstellen, dass die Academy hier einen Actionfilm auszeichnet.
„Spotlight“ wurde eine Weile als Favorit gehandelt, ebenso „The Big Short“. In den letzten Wochen sehen die meisten Experten jedoch „The Revenant“ vorne. Eigentlich wollte ich nicht auf „The Revenant“ tippen, weil „The Big Short“ sowohl bei den SAG-Awards als auch den Producers Guild Awards den Hauptpreis bekommen hat. Ich hatte hier ziemlich lange „The Big Short“ als Gewinner stehen, denn „The Revenant“ könnte ein Film sein, der die Academy aufgrund seiner Brutalität spaltet und so letztendlich nicht genug Stimmen sammeln kann, um auf Platz eins zu landen. Aber ich kam mir irgendwie blöd dabei vor, auf „The Big Short“ zu tippen. Also: „The Revenant“ (Arnon Milchan, Steve Golin, Alejandro G. Iñárritu, Mary Parent und Keith Redmon). (Wahrscheinlich gewinnt „Spotlight“ 😉 )
Gut möglich, dass ich diesen Blogpost vor der Oscar-Verleihung noch mal überarbeite und mich erneut umentscheide. Ich sollte einfach würfeln…

Bester Hauptdarsteller
Hier scheint das Rennen ziemlich klar zu sein: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Leonardo DiCaprio bei seiner sechsten Nominierung endlich ausgezeichnet werden wird. Auch Michael Fassbender hätte meiner Meinung nach endlich einen Oscar verdient (und seine Leistung in „Steve Jobs“ war auch preiswürdig), aber Leo ist hier der Favorit.

Beste Hauptdarstellerin
Auch hier sieht alles nach einem klaren Sieg aus. Genau wie DiCaprio wurde nämlich auch Brie Larson in dieser Preissaison bei den SAG-Awards, den Critics‘ Choice Awards und den BAFTAs ausgezeichnet. Für ihre Leistung in „Room“ hat sie Oscar auch vollkommen verdient. Cate Blanchett hat zudem schon zwei Oscars, Jennifer Lawrence hat auch schon einen und Charlotte Rampling hat sich leider mit ihrer missverständlichen Aussage zur #OscarsSoWhite-Debatte selbst aus dem Rennen geworfen.

Bester Nebendarsteller
Hier wird es wesentlich schwieriger als in den Hauptdarsteller-Kategorien. Mark Rylance wurde bei den BAFTAs ausgezeichnet, Sylvester Stallone bei den Critics‘ Choice Awards. Bei den SAG-Awards wiederum gewann der hier gar nicht nominierte Idris Elba für „Beasts of No Nation“. Wenn es nach mir ginge, würde der Oscar an Mark Ruffalo gehen, weil der in „Spotlight“ fantastisch war und eine Auszeichnung für ihn längst überfällig ist. Aber auch Mark Rylance hat mir in „Bridge of Spies“ sehr gut gefallen. Ich tippe dennoch auf Sylvester Stallone in „Creed“, bin mir aber hier alles andere als sicher.

Beste Nebendarstellerin
Nun wird es wieder einfacher. Alicia Vikander hat für ihre Rolle in „The Danish Girl“ sowohl bei den SAG-Awards also auch bei den Critics‘ Choice Awards gewonnen. Bei den BAFTAs wurde sie wohl nur deshalb nicht ausgezeichnet, weil sie dort nicht als Neben-, sondern als Hauptdarstellering nominiert war (und in diese Kategorie gehört ihre Rolle eigentlich auch). Ich bin zwar ein großer Fan von Rooney Mara („Carol“) und würde den Preis auch gerne bei Rachel McAdams („Spotlight“) sehen, aber ich tippe auf Alicia Vikander.

Beste Regie
Die größte Überraschung der diesjährigen Nominierungen war die Nichtbeachtung von Ridley Scott. Für „The Martian“ hatten ihm viele Kritiker sogar zugetraut, endlich den lange verdienten Oscar für die beste Regie zu bekommen, doch Scott wurde nicht einmal nominiert. Stattdessen findet sich Lenny Abrahamson („Room“) unter den fünf nominierten Regisseuren. Meiner Meinung nach hätte George Miller den Oscar für „Mad Max“ absolut verdient; die US-Filmkritiker sahen das genauso, denn
Miller wurde bei den Critics‘ Choice Awards ausgezeichnet. Bei den BAFTAs und bei der Preisverleihung des US-Regisseursgilde machte jedoch Alejandro G. Iñárritu das Rennen. Also tippe ich mal auf Iñárritu. Gegen ihn spricht höchstens, dass er bereits letztes Jahr gewonnen hat, was einige Mitglieder der Academy dazu bewegen könnte, eben nicht für ihn zu stimmen. Hm, schwierig, aber ich muss mich nun mal entscheiden.

Bester Animationsfilm
Nachdem Pixar mit „Inside Out“ („Alles steht Kopf“) zu alter Form aufgelaufen ist („Arlo & Spot“ wurde zurecht nicht nominiert), wird das Studio seiner beachtlichen Sammlung wohl einen weiteren Oscar hinzufügen können. Mir wäre es zwar lieber, wenn „Der Junge und die Welt“ den Preis erhielte, denn das würde diesen wirklich wunderbaren Animationsfilm mit einem Schlag mehr Bekanntheit verleihen, aber so wird es wohl leider nicht kommen. Also: „Inside Out“ (Pete Docter und Jonas Rivera)

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bester fremdsprachiger Film: „Son of Saul“ (László Nemes)
Bestes adaptiertes Drehbuch: Charles Randolph und Adam McKay für „The Big Short“
Bestes Originaldrehbuch: „Spotlight“ (Tom McCarthy und Josh Singer).
Beste Ausstattung (Production Design): „Mad Max: Fury Road“ (Colin Gibson und Lisa Thompson)
Beste Kamera (Cinematography): Emmanuel Lubezki für „The Revenant“ – Es wäre für Lubezki nach „Gravity“ und „Birdman“ die dritte Auszeichnung in Folge!
Bester Ton (Sound Mixing): „Mad Max: Fury Road“ (Chris Jenkins, Gregg Rudloff und Ben Osmo)

Bester Tonschnitt (Sound Editing): „The Revenant“ (Martin Hernández und Lon Bender) – Es ist vielleicht nicht klug, die beiden Tonkategorien auf zwei Filme zu verteilen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass „The Revenant“ in mindestens einer dieser Kategorien gewinnen wird. Pech für mich wäre es nur, wenn die Verteilung genau anders herum ausfällt und ich damit in keiner der beiden Kategorien richtig liege.
Beste Musik: So sehr ich es John Williams auch wünschen würde, bei seiner 50. (!) Nominierung ausgezeichnet zu werden – und das auch noch für einen „Star Wars“-Film – es wird wohl auf einen anderen Altmeister hinauslaufen: Ennio Morricone für „The Hateful Eight“.
Bestes Lied: Ich würde den Oscar Sam Smith und Jimmy Napes für „Writing’s On The Wall“ geben, der inzwischen mein Lieblings-Bond-Song ist. Aber Lady Gaga rührt für ihren Song zur Dokumentation „The Hunting Ground“ seit Wochen die Werbetrommel und außerdem würde ich mich auch freuen, wenn Diane Warren endlich einen Oscar bekommt. Ich tippe also auf den Song „Til It Happens to You“ aus „The Hunting Ground“ (Lady Gaga und Diane Warren). („The Hunting Ground“ ist übrigens sehr sehenswert und bei Netflix verfügbar.)
Beste Kostüme: „Mad Max: Fury Road“ (Jenny Beavan)
Beste Dokumentation: Asif Kapadia und James Gay-Rees für „Amy“
Beste Kurzdokumentation: „Body Team 12“
(David Darg und Bryn Mooser) – Hier habe ich natürlich keine Ahnung; viele Experten setzen auch auf „Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah“.

Bester Schnitt: „Mad Max: Fury Road“ (Margaret Sixel)
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Mad Max: Fury Road“ (Lesley Vanderwalt, Elka Wardega und Damian Martin)
Bester animierter Kurzfilm: Viele Experten setzen hier auf „Bear Story“. Aber da „Sanjay’s Super Team“ ein Pixar-Film ist, tippe ich auf ihn (Nicole Paradis Grindle und Sanjay Patel). Auf den setzen auch noch mehr Experten. 😉
Bester Kurzfilm: Auch hier gilt: Ich habe keine Ahnung. Nehmen wir also „Ave Maria“ (Eric Dupont und Basil Khalil).
Beste visuelle Effekte: Ich kann nicht anders, ich muss einfach in wenigstens einer Kategorie auf „Star Wars“ tippen. Und da das hier die Kategorie zu sein scheint, in der „Das Erwachen der Macht“ die besten Chancen hat, tippe ich also auf „Star Wars: The Force Awakens“ (Chris Corbould, Roger Guyett, Paul Kavanagh und Neal Scanlan), auch wenn die Chancen für „Mad Max“ vielleicht sogar noch besser sind.


Meiner Prognose zufolge würden also sowohl „The Revenant“ als auch „Mad Max“ jeweils fünf Oscars bekommen.


 

Update am 29.02.2016:

So, nachdem ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen und anschließend den ganzen Vormittag geschlafen habe, bin ich nun wieder ausgeruht. Insgesamt habe ich dieses Jahr in 16 von 24 Kategorien richtig getippt und damit die gleiche Trefferquote erzielt wie 2015 (hier könnt ihr die Gewinner nachlesen). Hätte ich mich mal nicht dazu verleiten lassen, auf „The Revenant“ und auf Sylvester Stallone zu setzen! „Star Wars“ hat leider gar keinen Oscar bekommen; aber wenn ich bei den Effekten nicht auf „Star Wars“ getippt hätte, wäre ich trotzdem falsch gelegen (ich hätte dann nämlich auf „Mad Max“ gesetzt, gewonnen hat aber „Ex Machina“).
„Mad Max: Fury Road“ hat mit sechs Oscars die meisten Preise abgeräumt, „The Revenant“ folgt mit drei (DiCaprio/Hauptrolle, Iñárritu/Regie, Lubezki/Kamera). Bester Film ist „Spotlight“, der daneben nur noch den Preis für das beste Originaldrehbuch gewinnen konnte. Neben „Star Wars“ gingen auch „Der Marsianer“, „Carol“ und „Brooklyn“ leer aus.


Die Oscar-Show war ganz nett und Chris Rocks Moderation sicher besser als die öde Show, die Neil Patrick Harris im letzten Jahr abgeliefert hat. Dass die #OscarsSoWhite-Debatte eine Rolle spielen würde, war zu erwarten gewesen. Dass sie aber fast die ganze Show durchzogen hat, dürfte manche Zuschauer etwas genervt haben. Trotzdem finde ich es richtig. Und es war ja nicht die einzige politische Botschaft, die eine große Rolle spielte. In den Reden mehrerer Presenter und Gewinner fanden sich Seitenhiebe gegen Donald Trump, ein paar Mal wurde  offen davor gewarnt, ihn zu wählen (allerdings ohne dass sein Name auch nur einmal genannt wurde). Leonardo DiCaprio richtete den eindringlichen Appel an die Zuschauer, sich durch ihr Handeln aktiv für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen.
Doch in ihrer emotionalen Wirkung verblassten all diese Appelle und Warnungen geradezu gegenüber dem Auftritt von Lady Gaga, die „Til It Happens to You“ sang und dabei anfangs sichtbar gegen die Tränen kämpfte. Schnell verwandelte sie diese Schwäche aber in eine unglaubliche Stärke und als dann zum Ende des Liedes hin eine Gruppe von weiteren Opfern sexuellen Missbrauchs auf die Bühne kam, auf deren Unterarme positive Ausdrücke wie „survivor“ oder „not your fault“ geschrieben standen, trieb das auch einigen der anwesenden Filmstars die Tränen in die Augen. Von der emotionalen Wucht und politischen Bedeutung her erinnerte das an die Performance des Songs aus „Selma“ im letzten Jahr, allerdings mit dem Unterschied, dass „Til It Happens to You“ anschließend nicht als bester Song ausgezeichnet wurde. Dieser Preis ging an den Bond-Song „Writing’s on the Wall“, aber auch ohne Auszeichnung hat Lady Gaga in dieser Show einen starken und bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Meine Oscar-Tipps

Heute Nacht ist es wieder so weit: in Los Angeles werden die Preise der Academy of Motion Picture Arts and Sciences – besser bekannt als Oscars – verliehen. Wie bereits im letzten Jahr wage ich mich hier wieder an eine Vorhersage der Preisträger (hier kann man die Nominierungen nachlesen). Leider habe ich dieses Jahr relativ wenige der nominierten Filme gesehen, was mich aber natürlich nicht davon abgehalten hat, trotzdem fleißig zu recherchieren, wie sich die Nominierten denn in den vorausgegangenen Preisverleihungen, wie zum Beisiel den Golden Globes, so geschlagen haben. Auf der Grundlage dieser Fakten wage ich es also, folgende Prognosen zu treffen:

Bester Film
Neun Filme sind dieses Jahr für den „besten Film“ nominiert, doch das Feld lässt sich leicht auf drei Kandidaten einschränken, wenn man sich anschaut, welche Filme bei den anderen Preisverleihungen dieser Saison hier gewonnen haben. Bei den Golden Globes, wo jedes Jahr eine „beste Komödie“ und ein „bestes Drama“ ausgezeichnet werden, haben „American Hustle“ und „12 Years a Slave“ gewonnen. Bei den BAFTAs – den „britischen Oscars“ – wurde „12 Years a Slave“ ausgezeichnet (während „Gravity“ zum besten britischen Film gewählt wurde). Und bei den Preisen der amerikanischen Filmproduzentengilde kam es zu einem überraschenden Gleichstand zwischen „Gravity“ und „12 Years a Slave“. Hmmm…
Damit dürfte jedenfalls feststehen, dass die sechs weiteren Nominierten („Dallas Buyers Club“, „Her“, „Nebraska“, „Philomena“, „Captain Phillips“ und „The Wolf of Wall Street“) in der Königskategorie keine Chance haben. Aber welcher Film wird nun das Rennen machen? „American Hustle“ ist klassisches Schauspielerkino mit großartigen Leistungen aller Darsteller. „Gravity“ ist ein Film, der die Grenzen des im Kino Mach- und Zeigbaren ein Stück verschoben hat und allein deswegen preiswürdig wäre; allerdings könnte er der Academy auch zu nah am Mainstream liegen (er hat das höchste Einspielergebnis aller Nominierten). Und obwohl es sich bei „Gravity“ streng genommen nicht um einen Science-Fiction-Film handelt, könnte die Tatsache, dass es eben trotzdem ein Weltraumfilm mit Action-Elementen ist, einige Mitglieder der Academy vielleicht abschrecken. „12 Years a Slave“ wiederum ist ein sehr ernster Film über ein ernstes Thema (und zudem über einen Teil der amerikanischen Geschichte), brilliant gespielt, aber eben auch ziemlich schwere Kost.
Ich tippe mal darauf, dass „Gravity“ in den technischen Kategorien abräumen wird, aber nicht zum besten Film gekürt wird. Auch „American Hustle“ sehe ich nicht vorne, also lautet mein Tipp „12 Years a Slave“. Das wäre meiner Meinung nach auch vollkommen verdient, da es sich dabei um einen der besten Filme handelt, die ich in den letzten Jahren (!) gesehen habe. Und obwohl ich auch ein sehr großer Fan von „Gravity“ bin, bin ich zufrieden, wenn er für Kamera, Effekte usw. ausgezeichnet wird.

Bester Hauptdarsteller
Leonardo DiCaprio ist in diesem Jahr zum vierten Mal als Schauspieler nominiert, insofern wird es langsam mal Zeit für eine Auszeichnung, zumal inzwischen auch wirklich jeder kapiert haben dürfte, dass der frühere Teenie-Schwarm schon seit langem ein großer Schauspieler ist. Übrigens ist er dieses Jahr als einer der Produzenten von „The Wolf of Wall Street“ auch für den besten Film nominiert. Er wird aber wohl in beiden Kategorien leer ausgehen, denn mit Matthew McConaughey ist die Konkurrenz einfach zu stark. Nachdem McConaughey viele Jahre vor allem für Liebeskomödien bekannt war, hat er es in den letzten zwei Jahren geschafft, seiner Karriere eine völlig neue Richtung zu geben und eindrucksvolle Leistungen in tollen Filmen abgeliefert („Magic Mike“, „Killer Joe“, „Mud“). Für „Dallas Buyers Club“ hat er sich fast bis auf die Knochen herunter gehungert, was ihm bei den Oscars Bonuspunkte einbringen dürfte. Ich fand zwar die Leistung von Chiwetel Ejiofor in „12 Years a Slave“ viel beeindruckender (für die er auch einen BAFTA gewonnen hat), aber es wird wohl auf McConaughey hinaus laufen. Den Golden Globe und einen Screen Actors Guild Award hat er für seine Rolle schon bekommen, ab morgen wird er sich wahrscheinlich dann den Oscar auch noch in den Schrank stellen können.

Beste Hauptdarstellerin
Auch Amy Adams hat in diesem Jahr für „American Hustle“ bereits ihre fünfte Oscarnominierung erhalten und so gut, wie sie eigentlich fast immer ist, hätte sie einen Oscar für irgendetwas auf jeden Fall längst verdient. Aber auch hier scheint die Konkurrenz noch stärker zu sein: Cate Blanchett spielt in Woody Allens „Blue Jasmine“ einfach hervorragend und hat auch alle anderen wichtigen Preise bekommen. Ein zweiter Oscar für sie scheint die logische Folge zu sein. „Gravity“ wird sich wie gesagt wohl mit Auszeichnungen in technischen Kategorien begnügen müssen, weswegen Sandra Bullock leer ausgehen wird. Meryl Streep ist zum 18. Mal als Schauspielerin nominiert (Rekord!), hat aber bereits drei Oscars. Genau wie Streep ist auch Judi Dench in eigentlich allen Rollen phantastisch – gegen Cate Blanchett haben sie in diesem Jahr aber alle keine Chance.

Bester Nebendarsteller
Der 28jährige Barkhad Abdi ist als Pirat in „Captain Phillips“ in seiner allerersten Kinorolle zu sehen – und wurde dafür gleich für den Oscar nominiert. Obwohl er bereits einen BAFTA gewonnen hat, wird er heute Nacht wohl leer ausgehen, denn auch in dieser Kategorie gibt es einen ziemlich eindeutigen Favoriten: Jared Leto, 90er-Jahre-Teenieidol, Frontmann der Rockband Thirty Seconds to Mars und schon lange auch ernstzunehmender Schauspieler („Fight Club“, „Requiem For a Dream“). Für seine Darstellung der HIV-positiven transsexuellen Rayon in „Dallas Buyers Club“ wurde er bereits mit einem Golden Globe und einem Screen Actors Guild Award ausgezeichnet. Mit auch schon 42 Jahren ist Leto übrigens der älteste der fünf in dieser Kategorie Nominierten. Mein Favorit ist allerdings ein anderer: Ich würde gerne Michael Fassbender für seine Rolle als sadistischer Sklavenbesitzer in „12 Years a Slave“ geehrt sehen, zumal eine Auszeichnung für Fassbender für irgendetwas auch allmählich fällig ist.

Beste Nebendarstellerin
Hier ist das Rennen etwas offener. Die 84jährige June Squibb ist für ihre Rolle in Alexander Paynes „Nebraska“ nominiert, Sally Hawkins für ihre Rolle als Cate Blanchetts ungleiche Schwester in „Blue Jasmine“ und Julia Roberts hat sich mit „August Osage County“ nach einiger Zeit Leinwandabstinezn eindrucksvoll zurück gemeldet und wurde ebenfalls mit einer Nominierung bedacht. Die beiden Favoriten aber sind „Jennifer Lawrence“ („The Hunger Games“) für ihre Rolle in „American Hustle“ und Lupita Nyong’o für ihre erste Spielfilmrolle in „12 Years a Slave“. Lawrence hat den Golden Globe und den BAFTA gewonnen, Nyong’o dagegen den Screen Actors Guild Award. Gegen Lawrence spricht vor allem die Tatsache, dass sie erst letztes Jahr für „Silver Linings Playbook“ ausgezeichnet worden und zudem erst 23 Jahre alt ist – für weitere Oscars bleibt da noch genug Zeit. Ihre Performance in „American Hustle“ war zweifellos sehr, sehr gut, wenn man über die Tatsache hinwegsehen konnte, dass sie für ihre Rolle dort mindestens zehn Jahre zu jung ist. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass die Academy sie in diesem Jahr erneut auszeichnet, tippe aber mal auf Lupita Nyong’o. Sie wäre auch meine eigene Wahl.

Beste Regie
Hier gibt es einen klaren Favoriten: Alfonso Cuarón hat mit Gravity Bilder auf die Leinwand gezaubert, wie wir sie zuvor noch nicht gesehen haben. Jahrelang musste der mexikanische Regisseur (der mit „Der Gefangene von Askaban“ den einzigen wirklich guten „Harry Potter“-Film gedreht hat) warten, bis die Technik überhaupt so weit war, um die Bilder, die ihm vorschwebten, auch genau so auf die Leinwand bringen zu können. Den Regie-Oscar bekäme er völlig verdient. Zwar wäre auch für David O. Russell („Silver Linings Playbook“, „The Fighter“) langsam mal einer fällig, aber Cuarón hat alle anderen wichtigen Preise abgeräumt – warum sollte es bei den Oscars anders sein? Dass Martin Scorcese für seinen außer Kontrolle geratenen „The Wolf of Wall Street“ nominiert worden ist, darüber kann man sicherlich streiten. Echte Siegchancen dürfte er jedenfalls ebenso wenig haben wie Russell, Steve McQueen („12 Years a Slave“) oder Alexander Payne („Nebraska“). Wenn ich richtig liege, dann gehen die Preise für die beste Regie und den besten Film an unterschiedliche Filme, was nur sehr selten der Fall ist (aber im letzten Jahr ja auch vorkam, wo „Argo“, der als bester Film gewann, nicht einaml für die Regie nominiert war).

Bester Animationsfilm
Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass diese Kategorie 2001 gerade dann erst eingeführt wurde, als es mit der Zeit der großen Disney-Trickfilme vorbei war. Allerdings waren seitem fast alle Pixar-Filme in dieser Kategorie nominiert – und Pixar gehört ja auch längst zu Disney. Die einzige Ausnahme war bislang „Cars 2“ – bis in diesem Jahr das aktuelle Pixar-Werk („Die Monster Uni“ / „Monsters University“) ebenfalls ohne Nominierung blieb. Dafür sind nun aber die Disney Animation Studios selbst wieder zum Zug gekommen: Mit „Frozen“ („Die Eiskönigin“) ist ihre Version des Hans Christian Andersen-Märchens nominiert worden und auch klarar Favorit. Die anderen Nominierten – darunter Hayao Miyazaki für „The Wind Rises“ – werden wohl das Nachsehen haben.

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bester Fremdsprachiger Film: „La Grande Bellezza“ („Die große Schönheit“) von Paolo Sorrentino (Italien)
Bestes adaptiertes Drehbuch: „12 Years a Slave“ von John Ridley – Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der hier lieber Richard Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke für „Before Midnight“ ausgezeichnet sehen würde. Die drei „Before…“-Filme sind so wunderbar geschrieben, dass eine Auszeichnung eigentlich mal fällig wäre.
Bestes Originaldrehbuch: „Her“ von Spike Jonze – Es könnte auch „American Hustle“ werden, aber da „Her“ bei den Golden Globes, den Critics Choice Awards und den Writers Guild Awards gewonnen hat, sehe ich den Film auch hier vorne. Außerdem ist die Drehbuchkategorie traditionell die Kategorie, in der Filme ausgezeichnet werden, die eigentlich auch Preise in den ganz großen Kategorien verdient hätten, aber dann doch irgendwie zu speziell dafür sind. Das trifft auf Spike Jonzes Liebesgeschichte zwischen einem Mann (Joaquin Phoenix) und der Computerstimme seines Handys (Scarlett Johansson) definitiv zu.
Beste Ausstattung (Production Design): „12 Years a Slave“ (Adam Stockhausen & Alice Baker) – es könnte aber auch „The Great Gatsby“ werden…
Beste Kamera (Cinematography): Ganz klar Emmanuel Lubezki für „Gravity“
Bester Ton (Sound Mixing): „Gravity“ (Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro)
Bester Tonschnitt (Sound Editing): „Gravity“ (Glenn Freemantle)
Beste Musik: „Gravity“ (Steven Price) – natürlich würde ich es als großer John Williams-Fan gerne sehen, wenn der Altmeister für „The Book Thief“ noch einmal ausgezeinet würde, aber seine Chancen stehen leider nicht gut. (Und ich kenne den Film und seine Musik auch noch gar nicht.)
Bestes Lied: „Let It Go“ aus „Frozen“, komponiert und geschrieben von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez. Da bei den Golden Globes allerdings „Ordinary Love“ aus „Mandela: Long Walk to Freedom“ ausgezeichnet wurde und die Academy ja immer wieder gerade so scheinbar offensichtliche Sieger wie „Let It Go“ nicht ausgezeichnet hat, könnte auch hier „Ordinary Love“ die Nase vorn haben.
Beste Kostüme: „The Great Gatsby“ (Catherine Martin). Oder doch „12 Years a Slave“…?
Beste Dokumentation: „The Square“ von Jehane Noujaim und Karim Amer
Beste Kurzdokumentation: „The Lady in Number 6: Music Saved My Life“ von Malcolm Clarke und Nicholas Reed – Bei den Doku-Kategorien schieße ich übrigens ziemlich ins Blaue hinein. Ich habe leider keinen der nominierten Filme gesehen und die „Experten“ auf die ich mich in solchen Fällen verlasse sind sich auch nicht einig.
Bester Schnitt: Ich tippe auch in dieser technischen Kategorie mal auf „Gravity“ (Alfonso Cuarón und Mark Sanger). Fast immer gewann bisher übrigens der „beste Film“ auch den Preis für den besten Schnitt. Aber kann ja dieses Jahr mal anders sein.
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Dallas Buyers Club“ (Adruitha Lee und Robin Mathews)
Bester animierter Kurzfilm: „Mr. Hublot“ von Laurent Witz und Alexandre Espigares
Bester Kurzfilm: „The Voorman Problem“ von Mark Gill und Baldwin Li (und mit Martin Freeman und Tom Hollander)
Beste visuelle Effekte: „Gravity“ (Tim Webber, Chris Lawrence, David Shirk und Neil Corbould)