Buffy the Vampire Slayer – Season 5 (& Angel – Season 2)

Dieser Blogpost enthält Spoiler zur 5. Staffel von „Buffy“ und zur 2. Staffel von „Angel“!

Nachdem ich bereits die Staffeln 1, 2, 3 und 4 von „Buffy the Vampire Slayer“ hier im Blog besprochen habe, ist nun die fünfte Staffel an der Reihe. Parallel zu dieser Staffel habe ich die zweite Staffel von „Angel“ angeschaut (dabei habe ich mich an die hier vorgeschlagene Reihenfolge gehalten, damit alle Crossover-Elemente zwischen den beiden Serien Sinn ergeben). Ich muss schon einmal vorwegnehmen, dass mich die fünfte Staffel von „Buffy“ stark enttäuscht hat. Auch bei „Angel“ habe ich mich überwiegend gelangweilt. Statt nun im Folgenden die beiden Serien Episode für Episode durchzugehen, greife ich mir jeweils einige Elemente heraus, die mir erwähnenswert scheinen.

Beginnen wir mal mit Dawn. Buffys kleine Schwester (Michelle Trachtenberg) ist in Staffel fünf der wichtigste Neuzugang im Cast von „Buffy“. Da ich davon bereits wusste, war ich zwar nicht überrascht als Dawn plötzlich auftauchte, allerdings war ich sehr gespannt, wie ihr Erscheinen erklärt werden würde.  Ich hatte erwartet, dass Dawn im typischen Soap-Modus als bislang unbekannte Halbschwester von Buffy oder dergleichen eingeführt wird, dass man sich also irgendeine banale Erklärung aus den Fingern saugt, um Dawns verspätetes Auftauchen in Buffys Leben und der Serie zu erklären. Eine solche Erklärung gibt es schließlich auch und sie ist eigentlich recht kreativ: Dawn ist der „Schlüssel“, den die böse Glory (zu ihr komme ich gleich) braucht, um…naja um ihren bösen Plan umzusetzen. Es wird also auch den Figuren in der Serie erklärt, dass und warum Dawn früher nicht da war. Das ist einerseits recht kreativ, führt aber nicht recht weit, da Glory und die übergreifende Staffelhandlung alles andere als einfallsreich sind. Ich hätte es wirklich gerne gesehen, wenn Dawns Erscheinen in der Serienwelt überhaupt nicht kommentiert oder erklärt worden wäre – das wäre doch mal ein mutiges erzählerisches Statement gewesen! Also Dawn einfach in die Serie hineinschreiben, ohne sich irgendeine Begründung für ihre Einführung abzuringen, ganz einfach weil sich dadurch eben neue Möglichkeiten und Dynamiken ergeben. Aber das hätte wohl zu viele Zuschauer verwirrt.

In den ersten Folgen war ich noch ein großer Fan von Dawn, doch meine Begeisterung hat sich schnell wieder gelegt, als die Staffelhandlung danach einfach nicht in die Gänge kam und weitere interessante Entwicklungen ausblieben. Glory (Clare Kramer), die als „big bad“ der Staffel herhalten muss, ist ein derartiger Griff ins Klo, dass ich den Eindruck habe, Joss Whedon habe keine Zeit gehabt, sich selbst um die Handlung dieser Staffel zu kümmern (abgesehen von den drei Folgen, die er selbst geschrieben und inszeniert hat). Glory ist eine Göttin, also zumindest theoretisch allmächtig, aber weil sie eine Menschengestalt angenommen hat, hat sie auf den Großteil ihrer Allmacht zurzeit sozusagen keinen Zugriff. Sie soll also bedrohlicher sein, als alle Gegner, mit denen Buffy es bisher aufnehmen musste – ist es aber dann doch nicht. Auch was sie mit ihrem großen Plan erreichen will, wird nie so ganz deutlich. Noch viel schlimmer ist, dass die Figur von einer wirklich unsympathischen und unbegabten Schauspielerin gespielt wird. Wäre ich nicht so ein Komplettheitsfanatiker, dann hätte ich die Szenen mit ihr wohl übersprungen.

Bevor ich mich weiter über Glory aufrege, springe ich also lieber gleich zur nächsten Figur: Spike (James Marsters). Besonders kreativ war seine in dieser Staffel aufflammende Obsession für Buffy zwar auch nicht, aber doch besser geschrieben und gespielt. Wie er am Ende der vierten Folge („Out of my Mind“) aus einem Traum hochschreckt, in dem er und Buffy sich leidenschaftlich küssen, das war einfach herrlich. In den kommenden Folgen verhält er sich dann wie ein verliebter Teenager, der seine Gefühle nur durch Beleidigungen ausdrücken kann. Ständig sucht er Buffys Nähe und immer wieder handelt er sich nichts als Ablehnung und Zurückweisung ein. Wenn Buffy ihm Worte wie „You’re beneath me“ (5.07) oder „You disgust me“ (5.12) an den Kopf wirft, kann er einem aber auch wirklich leid tun. Ihren Höhepunkt findet diese Dynamik in Episode 5.14 („Crush“), in der Spike Buffy seine Liebe beweisen will, indem er seine alte Flamme Drusilla tötet. Hier geht es nicht um den dämlichen Glory-Handlungsstrang, sondern um die Beziehungen von Charakteren, die wir nun schon seit mehreren Staffeln kennen und die uns etwas bedeuten. „Crush“ dürfte wohl eine der besten Folgen der ganzen Serie sein und hat unter anderem diesen herrlichen Dialog zu bieten:

Spike: „You can’t deny it. There’s something between us.“
Buffy: „Loathing. Disgust.“
Spike: „Heat. Desire.“

Aber Buffy (Sarah Michelle Gellar) muss sich in dieser Staffel nicht nur mit Spike herumschlagen, sie hat leider auch weit ernstere Probleme. Neben Glory ist da zunächst die Beziehung zu ihrem Mentor Giles (Anthony Stewart Head). Der fühlt sich zu Beginn der Staffel ziemlich überflüssig und will zurück nach England gehen, weil Buffy ihn seiner Meinung nicht mehr braucht. Doch sie schafft es, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Im Lauf der Staffel wird er wieder offiziell als ihr „Watcher“ eingesetzt und eröffnet ein Geschäft für aller magisches Zeug. Er hat also wieder eine Aufgabe und als später in der Staffel Buffys Mutter stirbt, wird er in seiner Rolle als Vaterfigur für Buffy noch wichtiger. Diesbezüglich war ich übrigens bereits gespoilert und nur darüber überrascht, dass sich das Ableben von Joyce so lange hingezogen hat (in der vierten Folge muss sie ins Krankenhaus, dann geht es ihr irgendwann wieder besser und am Ende von Episode 15 stirbt sie). Und so schlecht ich die Staffel insgesamt auch finde, muss ich doch zugeben, dass Episode 5.16 („The Body“, Drehbuch & Regie: Joss Whedon) nicht nur eine der besten Episoden der ganzen Serie ist, sondern eine Sternstunde des Fernsehens und ein absolutes Meisterwerk! Die Episode handelt von den Reaktionen der Hauptfiguren auf Joyces Tod und kommt – einmal mehr – ohne Glory und auch sonst fast ohne Dämonen und Übernatürliches aus. Nicht einmal Musik wird in der Folge verwendet, wenn ich mich richtig erinnere, und teilweise wird sogar ganz auf Ton verzichtet. Damit werden so einige Klischees umschifft und die Trauer der Figuren, die alle auf unterschiedliche Weise mit der schrecklichen Nachricht umgehen, für den Zuschauer noch unmittelbarer erlebbar gemacht.

Leider nimmt die Staffel erst nach Joyces Tod Fahrt auf, was den Kampf gegen Glory (der schließlich noch durch eine Gruppe von Rittern verkompliziert wird) aber auch nicht interessanter macht. Was war sonst noch los? Ach ja, Riley (Marc Blucas) wurde wieder aus der Serie herausgeschrieben, was kein allzu großer Verlust ist. Willow (Alyson Hannigan) übt sich anscheinend weiter fleißig in der Hexerei, bis ihre Freundin Tara (Amber Benson) am Ende der Staffel feststellen muss „It frightens me how powerful you’ve become“. Besonders viel hat man von dieser Veränderung Willows allerdings nicht mitbekommen. Und Xander (Nicholas Brendon)? Der outet sich in Episode 5.03 als „Babylon 5“-Fan, was vollkommen zu ihm passt. Später macht er seiner Freundin Anya (Emma Caulfield) einen Heiratsantrag. Buffy überlebt das Ende der Staffel übrigens nicht, aber da es noch zwei weitere Staffeln gibt, gehe ich mal davon aus, dass sie sehr bald wieder zum Leben erweckt wird.

Da es in der Überschrift steht, muss ich noch ein paar Worte zu „Angel“ verlieren. Das „Buffy“-Spin-off hat mich in seiner ersten Staffel nicht überzeugt und die zweite fand ich für eine ganze Weile sogar noch langweiliger. Der Handlungsstrang um Angels (David Boreanaz) wieder zum Leben erweckte frühere große Liebe Darla (Julie Benz) hat mich einfach gar nicht interessiert. Das ging mir alles viel zu lange hin und her und obendrein hatte es stets mit den schmierigen Anwälten von Wolfram & Hart zu tun, die ich ebenfalls nicht leiden kann (ganz besonders Christian Kane als Lindsey – noch so ein unsympathischer, unbegabter Schauspieler).

Erst als Darla und Lindsey (hoffentlich für immer!) endlich aus der Serie verschwinden, nimmt die Staffel fahrt auf. Zunächst kommt Spikes Ex-Freundin Harmony (Mercedes McNab) nach Los Angeles und wird von Cordelia (Charisma Carpenter) mit offenen Armen empfangen, weil sich nicht bis zu ihr herumgesprochen ist, dass Harmony inzwischen ein Vampir ist. Das führt zu ein paar sehr lustigen Szenen. Zwei Folgen später wird Cordelia in eine Paralleldimension versetzt, aus der sie Angel, Wesley, Gunn und der in dieser Staffel neu dazu gekommene Lorne (Andy Hallet) retten müssen. Auf diese Weise entspinnt sich eine sich über die letzten drei Folgen hinziehende Fantasygeschichte, die endlich einmal frischen Wind in die Serie bringt und richtig Spaß macht. Davon hätte ich in Zukunft gerne mehr und auch Lorne bleibt uns hoffentlich in der nächsten Staffel erhalten. Da ich die zweite Staffel aber abgesehen von diesen wenigen Episoden am Ende überwiegend ziemlich öde fand, bin ich leider noch kein Fan von „Angel“ geworden. Mal sehen, ob sich das mit der dritten Staffel ändern wird.

Buffy the Vampire Slayer – Season 4 (& Angel – Season 1)

Nachdem ich im letzten Jahr begonnen habe, eine große popkulturelle Bildungslücke zu schließen und mir die erste, zweite und dritte Staffel von Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“ angeschaut habe, bin ich in den letzten Wochen nach Sunnydale zurückgekehrt und habe mir die vierte Staffel angesehen. Dafür habe ich etwas länger gebraucht als für die früheren Staffeln, denn wenn man die volle Buffyverse-Erfahrung haben will, muss man nun ja zwei Serien gleichzeitig gucken: Nachdem Buffy (Sarah Michelle Gellar) und Angel (David Boreanaz) am Ende der dritten Staffel eingesehen haben, dass sie sich zwar immer lieben, aber auch immer unglücklich machen werden, hat Angel Sunnydale verlassen und lebt nun in Los Angeles. Dorthin hat es nach der High School auch Cordelia (Charisma Carpenter) verschlagen, die von der großen Schauspielkarriere träumt, aber tatsächlich in Angels Detektivbüro arbeitet. Aber damit bin ich ja schon bei der Spinoff-Serie „Angel“, obwohl ich zunächst eigentlich über „Buffy“ schreiben wollte. Da ich das volle Buffyverse-Erlebnis haben wollte, konnte ich „Angel“ natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen und habe mich an die hier vorgeschlagene Reihenfolge gehalten, um vor allem bei den jeweiligen Crossover-Episoden der beiden Serien keine bösen Überraschungen zu erleben (z.B. dass in einer Serie wichtige Ereignisse erwähnt werden, die einen Spoiler für die andere Serie darstellen, weil man die entsprechende Folge noch nicht gesehen hat).

Ich beginne also mit „Buffy“. Die größte Herausforderung unserer Titelheldin scheint in der ersten Episode der Staffel nicht ein Dämon zu sein (das „Slayen“ ist ja mittlerweile Routine für sie), sondern das Erstellen ihres Stundenplans fürs College. Ich kann zwar auch nach 22 Folgen immer noch nicht sagen, was genau Buffy eigentlich studiert, aber mit dem Übergang von der High School zur Uni verändert sich für sie so einiges. Anders als in ihrem letzten Schuljahr muss sie ihre Identität als Slayer am College wieder geheim halten und erlebt gleich am ersten Tag auf dem Campus, wie chaotisch das Unileben sein kann. Doch sie und ihre beste Freundin Willow (Alyson Hannigan) machen auch neue Bekanntschaften. Da wäre zum einen Riley (Marc Blucas), der im Lauf der Staffel mit Buffy zusammen kommt (auch wenn ihre erste Begegnung nicht besonders glücklich verläuft und er Buffy zunächst nur als „Willow’s friend“ im Gedächtnis behält). Dann wäre da Kathy (Dagney Kerr), die mit Buffy ein Zimmer im Wohnheim teilt. Es stellt sich allerdings sehr schnell heraus, dass die beiden überhaupt nicht zueinander passen: Als Kathy mit den Worten „I just know that this whole year is gonna be super fun!“ ein Céline Dion-Poster neben ihr Bett hängt, charakterisiert das nicht nur ohne viele Worte ihre Figur, sondern sorgt auch noch für einen der besten Gags der ganzen Serie. In der zweiten Folge treibt Kathy Buffy mit ihren Marotten fast in den Wahnsinn. Nachdem sie sich schließlich als Dämon entpuppt hat und nach etwas Arbeit von Giles und Buffy wieder aus dieser Welt verschwunden ist, zieht Willow zu Buffy ins Zimmer – warum eigentlich nicht gleich? Und dann ist da noch Professor Walsh (Lindsay Crouse) oder „the evil bitch monster of death“, wie die Psychologie-Professorin eigener Aussage zufolge unter ihren Studenten bekannt ist. Mehr zu ihr später.

Als Willow und Buffy gemeinsam das College-Gelände erkunden, ist Willow von der riesigen Universitätsbibliothek begeistert, merkt aber auch an, wie schade es ist, dass Giles (Anthony Stewart Head) nicht dort arbeitet. Tatsächlich ist Buffys ehemaliger Watcher kein so wichtiger Teil ihres Lebens mehr wie früher. Er ist zwar im Lauf der Staffel immer wieder tief in die Aktionen der Scoobies zur Bekämpfung des Bösen mit eingebunden, aber Buffy ist eben inzwischen erwachsen und hat es nicht mehr nötig, ständig von einer Vaterfigur geführt zu werden. Fühlt sie sich in der ersten Episode noch von Giles allein gelassen, so ist es im späteren Verlauf der Staffel vor allem Giles, der sich allein und nicht mehr gebraucht fühlt. Er durchlebt in der vierten Staffel eine midlife crisis. Er fängt an zu joggen, abonniert plötzlich Auto-Magazine, schaut in Buffys Stammclub, dem Bronze, vorbei und hat ein Geheimnis, das Buffy, Willow und Xander schließlich lüften: Er tritt als Sänger in einer Bar auf – und ist dabei ziemlich gut, wie Buffy feststellen muss. Giles bleibt zwar auch die ganze vierte Staffel über Teil der Serie und kommt in allen 22 Folgen vor, doch ich hatte das Gefühl, dass er eigentlich nicht mehr viel in der Serie zu suchen hat. Soweit ich weiß, wird er irgendwann in den noch verbleibenden drei Staffeln vom Haupt- zum Nebencharakter herabgestuft, persönlich bin ich allerdings der Meinung, dass man ihn  hätte sterben lassen sollen. Giles nimmt in der Serie die klassische Mentor-Position ein und müsste als solcher – nach den u.a. von Joseph Campbell dargelegten Regeln der mythologischen Heldenreise – früher oder später sterben. Vielleicht habe ich ja unrecht und er stirbt tatsächlich noch. (Glaube ich aber nicht, denn ich bin leider schon ein wenig gespoilert und weiß, dass eine andere für Buffy sehr wichtige Person in der fünften Staffel sterben wird.)

Bevor Buffy im Lauf der Staffel mit Riley zusammen kommt, verliebt sie sich erst einmal in Parker (Adam Kaufman), einen anderen Kommilitonen. Die beiden schlafen zusammen und Buffy fühlt sich für ein paar Tage wie im siebten Himmel, bis sie feststellen muss, dass Parker sie nur als spaßiges Abenteuer gesehen hat und sich nun nicht mehr für sie interessiert. „Does this always happen? Sleep with a guy and he goes all evil?“, fragt Buffy Willow, auf ihre Erfahrungen mit Angel anspielend. Etwas andere Beziehungsprobleme hat dagegen Xander (Nicholas Brendon). In der dritten Folge taucht Anya (Emma Caulfield), die menschlich gewordene Rachedämonin aus der dritten Staffel wieder auf und erklärt Xander, sie könne nicht mehr auffhören, an ihn zu denken und müsse nun unbedingt mit ihm schlafen, um ihn hinter sich lassen zu können. Xander lässt sich nicht lange bitten und hinterher kündigt Anya an „So, Im over you now.“ Dem ist natürlich doch nicht so; Xander und Anya werden ein Paar, auch wenn man als Zuschauer lange nicht so genau weiß, warum die beiden eigentlich zusammen sind. Liebe kann jedenfalls nicht der Grund sein. Anya ist aus irgendeinem Grund verrückt nach Xander, während der nicht wirklich verliebt scheint, sondern Anyas Verrücktheit nach ihm lediglich ausnutzt. Genau das – dass Xander sie nur ausnutzt – wirft Anya ihm in der Mitte der Staffel vor (mein Gedanke dazu: selbst schuld, so wie sie sich an ihn geschmissen hat). Dass es zwischen den beiden nichts zu geben scheint als Sex, wird jedenfalls immer mehr zum Problem, bis sie sich schließlich wieder trennen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich mit Anya und ihrer Rolle in der Serie anfreunden konnte. Am Anfang der Staffel fand ich die Art, in der sie als Ex-Dämonin, die das Menschsein erst wieder lernen muss, ständig unüberlegte Kommentare von sich gab, noch irritierend. Im Lauf der Staffel habe ich ihren Meta-Humor jedoch schätzen gelernt und mich bisweilen an Seven of Nine aus „Star Trek: Voyager“ erinnert gefühlt, die ja auch vom Mensch zum Nichtmensch und dann wieder zum Mensch wurde und ebenso mit menschlichen Umgangsformen fremdelte wie Anya.

Aber ob mit oder ohne Anya, Xander hat in dieser Staffel auch noch andere Probleme. Als einziger der Scoobies hat er es nämlich nicht aufs College geschafft. Schule und Lernen waren noch nie seine Stärken. Und so schlägt er sich die ganze Staffel über mit verschiedenen Jobs herum (u.a. verkauft er Fitnessriegel und Eis), aber der richtige scheint noch nicht dabei gewesen zu sein. Er wohnt zuhause bei seinen Eltern (die man nie zu Gesicht bekommt) im Keller. Als Anya in der vierten Folge zu ihm sagt, er habe doch mit Buffy, Willow und Oz, die nun alle aufs College gehen, nicht mehr viel gemeinsam, will er das zwar nicht hören, doch Anya hat einen wunden Punkt getroffen. Denn Xander versucht im Lauf der Staffel immer wieder zu beweisen, dass er eben doch noch dazu gehört, auch wenn er vom Leben auf dem Campus und von Psychologievorlesungen keine Ahnung hat. Am Ende der Staffel (Folge 4.21) fühlt er sich antriebslos und hinsichtlich seines Status in der Gruppe unsicher. Zum Glück spielt er anschließend aber doch eine wichtige Rolle beim Kampf gegen das Böse.

Auch die Beziehung des – nach der Trennung von Buffy und Angel – verbliebenen Traumpaares der Serie steht unter keinem guten Stern. Willow und Oz (Seth Green) schienen beide bemerkenswert gut damit zurecht zu kommen, dass Oz ein Werwolf ist. Jeden Monat wir Oz einfach bei Vollmond nachts eingesperrt und bewacht, damit er nach seiner Verwandlung niemanden verletzen kann. Nun zeigt sich jedoch, dass die Sache nicht so einfach ist. Oz lernt Veruca (Paige Moss) kennen, eine Kommilitonin und Sängerin, die ebenfalls eine Werwölfin ist. Sie kann nicht verstehen, dass Oz sich bei Vollmond wegsperren lässt und seine animalische Seite nicht akzeptieren will. „You’re the wolf all the time, and this human face is just your disguise.“, versucht sie ihn in der sechsten Episode („Wild at Heart“) zu überzeugen. Oz fühlt sich eindeutig zu Veruca hingezogen und ist von ihr und ihrer Lebenseinstellung fasziniert, liebt aber weiterhin Willow und will sie nicht verletzen. Als Willow aber entdeckt, dass Oz und Veruca (in Werwolfform) die Nacht zusammen in Oz‘ Käfig verbracht haben, ist sie am Boden zerstört. Schließlich kommt es zum Kampf der beiden Werwölfe. Dabei tötet Oz Veruca und beschließt daraufhin, aus Sunnydale fort zu gehen. „Veruca was right. The wold is inside me all the time. And I don’t know where that line is anymore, between me and it.“, erklärt er Willow und verlässt die Stadt, um sich auf die Suche nach sich selbst zu machen.

In Episode 4.19 („New Moon Rising“) kehrt er, um viele Erfahrungen reicher zurück. Mit seiner animalischen Seite hat er inzwischen seinen Frieden gemacht und sie sogar so weit unter Kontrolle, dass er sich bei Vollmond nicht mehr verwandelt, was er Willow in einer schauspielstarken Szene stolz demonstriert. Natürlich will er wieder mit ihr zusammen sein – doch es gibt ein Problem. Willow hat sich im Lauf der Staffel nämlich langsam, aber sicher neu verliebt – in ihre Kommilitonin Tara (Amber Benson). Die beiden lernen sich in Episode 4.10 („Hush“) kennen, als sie an einer Sitzung der „Wicca group“ des Colleges teilnehmen. Außer Willow und Tara scheinen die übrigen Teilnehmer die Hexerei jedoch nicht besonders ernst zu nehmen und so verlieren beide schnell wieder das Interesse an der Gruppe, entdecken dafür aber ihr Interesse aneinander. Die Annäherung zwischen den beiden geschieht den Rest der Staffel über ganz allmählich. Willow verschweigt Buffy und den anderen jedoch lange ihre Freundschaft (anfangs ist es ja nichts weiter) zu Tara, weil sie sich selbst nicht sicher ist, was für eine Beziehung sie beide verbindet. In Episode 4.13 („The I in Team“) verbringt Willow erstmals die Nacht bei Tara. Willow und Tara waren eines der ersten offen lesbischen Paare im Fernsehen, um so angenehmer ist es, dass die Serie daraus überhaupt keine große Sache macht. Die beiden sind irgendwann eben einfach zusammen. Kompliziert wird die Sache erst, als Oz zurück kehrt und sich Willow mit ihren Gefühlen auseinander setzen muss. Sie will ihn nicht verletzen und hegt noch tiefe Gefühle für ihn, liebt inzwischen aber ganz klar Tara, für die sie sich dann auch entscheidet. Oz verlässt Sunnydale erneut, Willow und Tara sind nun ganz offen ein Paar.

Die Charaktere haben sich also in dieser Staffel alle ein ganzes Stück weiter entwickelt. Sie sind – in den meisten Fällen – erwachsen geworden und haben sich neuen Herausforderungen stellen müssen. Einige sind jedoch auch frustriert und deprimiert darüber, dass das Leben nicht so spielt, wie sie es sich vorstellen. Giles muss sich damit abfinden, dass er nicht mehr so sehr gebraucht wird wie früher. Xander ist noch auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung, mit der er Geld verdienen kann und die ihm Spaß macht. Und Spike, der die dritte Staffel über größtenteils mit Abwesenheit glänzte, bekommt es mit einem ganz besonderen Problem zu tun: Ihm wird ein Chip ins Gehirn eingesetzt (dazu gleich mehr), der es ihm unmöglich macht, Menschen zu verletzen. Es hat sich für ihn also erst einmal ausgesaugt! Nachdem er eine Weile verzweifelt durch Sunnydale gelaufen ist, sucht er in seiner Not Giles‘ Wohnung auf, wo er von Buffy und Co. erst mal an einen Stuhl gefesselt wird, weil sie ihm nicht glauben, dass er keine Gefahr mehr darstellt (4.08, „Pangs“). Für eine kurze Zeit hat Giles anschließend Spike als Mitbewohner, bevor dieser dann an Xander weiter gereicht wird und bei ihm einzieht (4.10). Kurz darauf ist er von so verzweifelt, dass er Selbsmord begehen und sich selber pfählen will, findet aber heraus, dass er zwar weiterhin keine Menschen, dafür aber andere Dämonen und Vampire verletzen kann. Das gibt ihm nicht nur die Gelegenheit, all die angestauten Aggressionen heraus zu lassen, sondern lässt ihn plötzlich auch ganz wild darauf werden, an der Seite der Scoobies das Böse zu bekämpfen (4.11, „Doomed“). Und so wird Spike wohl allmählich zum Ersatz für Angel (ein Vampir, der keine Menschen verletzt und auf der Seite der Guten kämpft). Spike überlegt es sich zwar in der zweiten Staffelhälfte wieder anders, schlägt sich wieder auf die Seite des Bösen und versucht die Scooby Gang unter anderem mit psychologischer Kriegsführung auseinander zu bringen und so verletztlich zu machen (4.20, „The Yoko Factor“). Doch ich gehe davon aus, dass er und Buffy sich schon noch zusammen raufen werden…

Noch einmal zurück zu dem Chip in Spikes Kopf: Dieser wurde ihm von einer Organisation implantiert, die sich die „Initiative“ nennt. Dabei handelt es sich, wie sich in der ersten Hälfte der Staffel allmählich heraus stellt, um eine geheime Regierungsoperation, die mit militärischen und wissenschaftlichen Mitteln das Böse erforschen und bekämpfen soll. Leider handelt es sich dabei auch um den größten Schwachpunkt der vierten Staffel, die insgesamt nicht so gut ist wie die beiden vorhergehenden. Dass ein 16-jähriges Mädchen unter der Aufsicht eines Schulbibliothekars ganz allein Dämonen bekämpft, macht zwar wenn man genau darüber nachdenkt, nicht besonders viel Sinn. Doch da es sich dabei um eine Variation der klassischen mythologischen Heldenreise handelt, die mit dem für „Buffy“ tpyischen Humor und Wortwitz angereichert ist, kann man sich trotzdem mit Buffy identifizieren und von ihren Abenteuern unterhalten lassen. Der Handlungsstrang um die Initiative wirkt dagegen einfach nur absurd und unglaubwürdig. Eine „Verwissenschaftlichung“ des Übernatürlichen passt nicht ins „Buffy“-Universum. Zudem ist es schon etwas seltsam, dass die Initiative angeblich schon seit Jahren existiert hat, sich ihre und die Wege von Buffy und Giles aber noch nie zuvor gekreuzt haben. Dass die Ziele der Initiative am Ende der Staffel von der Regierung für gescheitert erklärt werden und ihr unterirdisches Hauptquartiert mit Beton ausgegossen wird (4.21, „Primeval“), kann ich jedenfalls nur begrüßen. Hoffentlich wartet die fünfte Staffel mit einer interessanteren Rahmenhandlung und vielschichtigeren Gegenspielern für Buffy auf. Dass sowohl Riley als auch Professor Walsh Mitglieder der Initiative sind, habe ich noch gar nicht erwähnt. Am Ende der Staffel ist das aber sowieso nicht mehr relevant; mit der Initiative hat es sich erledigt, die Professorin ist tot und Riley und Buffy führen nach einem turbulenten Jahr endlich eine harmonische Beziehung.

Beim Staffelende bin ich nun bei einer der besten „Buffy“-Folgen angelangt, vielleicht der besten bisher überhaupt: „Restless“ (4.22). Ich hatte mich schon gewundert, dass bereits in der vorletzten Folge der Staffel die Initiative endgültig besiegt und alle wichtigen Handlungsstränge zu einem (vorläufigen) Abschluss gebracht worden waren. Was sollte also in der letzten Episode noch kommen? Würde ein ganz neuer Handlungsstrang bereits die fünfte Staffel einleiten und den Zuschauer mit einem mörderischen Cliffhanger entlassen? Nein, denn Joss Whedon hat sich für diese Episode etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Restless“ spielt größtenteils in den Träumen von Willlow, Xander, Giles  und Buffy und bricht mit vielen der über die letzten vier Jahre etablierten Erzählkonventionen der Serie. Inhaltlich und formal erzeugt die Episode beim Zuschauer das Gefühl, sich tatsächlich in einem Traum wieder zu finden. Am Anfang verursacht das erst einmal nur ratloses Kopfkratzen, weil das, was hier geschieht überhaupt keinen Sinn zu machen scheint. Doch wenn sich im Lauf der Handlung herausstellt, dass es zwischen den vier Träumen eine Gemeinsamkeit gibt (und damit meine ich nicht den stets auftretenden „Käsemann“), dann beginnt die Folge allmählich Sinn zu machen. Dass Whedon die Staffel statt mit einem Paukenschlag mit dieser Coda abschließt, zeigt wie selbstbewusst er als Showrunner der Serie inzwischen geworden war und das Ergebnis ist eine der bislang besten Episoden von „Buffy“, vielleicht sogar die beste überhaupt (und die bislang einizige, die ich mir direkt nach dem Ende sofort ein zweites Mal angeschaut habe).

Die zweite wirklich herausragende Episode der Staffel ist „Hush“ (4.10) – wie „Restless“ ebenfalls von Whedon selbst geschrieben und inszeniert. Auch hier steht eine auf den ersten Blick vollkommen absurde Idee im Mittelpunkt: Wie wäre es mit einer „Buffy“-Folge, die zum Großteil ohne Dialoge auskommt? Das klingt verrückt und kaum durchführbar, doch was Whedon daraus macht ist eine Sternstunde des Fernsehens – und beschert der Serie wie nebenbei auch noch die bislang unheimlichsten Bösewichter. Dabei handelt es sich um schwebende, mit einem dämonischen Dauergrinsen versehende Gestalten namens „The Gentlemen“, die allen Bewohnern von Sunnydale die Stimme rauben. (Einer von ihnen wird von Doug Jones gespielt, der vor allem durch seine mehrfache Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro bekannt ist; u.a. spielt er in „Pans Labyrinth“ sowohl den Faun als auch den „pale man“, der seine Augen in den Handflächen trägt.) „Hush“ beinhaltet einige herrlich komische Szenen, die sich aus der wortlosen Kommunikation der Figuren ergeben, ist aber auch eine der ganz wenigen „Buffy“-Folgen, die einen wirklich ängstigen. Die Gentlemen sind gerade in ihrer Reduziertheit (sie bewegen sich fort, ohne sich zu bewegen; sie sprechen nicht) erschreckender und furchteinflößender als alles andere, was man bis dahin in „Buffy“ gesehen hat.

Weitere sehr gute Episoden der vierten Staffel sind das bereits erwähnte „Wild at Heart“ und „Who Are You“ (4.16), in dem die aus dem Koma erwachte Faith (Eliza Dushku) einen Körpertausch mit Buffy vollzogen hat. Sarah Michelle Gellar und Eliza Dushku dabei zuzusehen, wie sie jeweils die andere spielen, macht großen Spaß. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten und so hat die vierte Staffel von „Buffy“ nicht nur ein paar der bislang besten Episoden zu bieten, sondern auch mit „Beer Bad“ (4.05) eine einfach nur peinliche Folge, nach der ich mich gefragt habe, wie Joss Whedon ein solch bodenlos schlechtes Drehbuch zur Produktion freigeben konnte. Es gab noch ein paar weitere bestenfalls durchschnittliche Folgen; gerade die Episoden, in denen die Handlung um die Initiative im Mittelpunkt stand, waren oft die weniger kreativen und mitreißenden. Wie schon erwähnt fand ich die Staffel insgesamt weniger gut als die vorhergehenden Seasons, aber eine schlechte „Buffy“-Staffel ist natürlich trotzdem noch verdammt gutes Fernsehen.

Jetzt habe ich schon so viel geschrieben und noch kaum ein Wort über „Angel“ verloren. Wie eingangs erwähnt habe ich mich vor dem Anschauen der beiden Staffeln darüber schlau gemacht, in welcher Reihenfolge man die Episoden anschauen muss, um vor allem bei den Crossover-Folgen das bestmögliche Buffyverse-Erlebnis zu haben. Insgesamnt hat mich „Angel“ bis jetzt noch nicht überzeugt und ich habe mir die Serie eigentlich nur dewegen angeschaut, weil sie eben zum Buffyverse gehört. Soweit ich weiß, wird sie sich qualitativ noch enorm steigern, in dieser ersten Staffel fand ich viele Episoden jedoch zum Gähnen. Die Crossover-Folgen zwischen „Buffy“ und „Angel“ wurden bewusst eingebaut, um möglichst viele „Buffy“-Zuschauer auch für „Angel“ gewinnen zu können. Und so darf Buffy im Lauf dieser Staffel ein paar mal bei Angel und Cordelia in Los Angeles vorbeischauen und Angel ein paar Mal nach Sunnydale zurückkehren. Am Ende von Episode 1.19 sagt Angel zu Buffy „Go home“ und signalisiert damit wohl, dass es nun mit Buffys Besuchen bei ihm vorbei ist. Das ist auch gut so, denn schließlich beginnt „Angel“ zwar als Spinoff von „Buffy“, muss letztendlich aber eigene Wege gehen, um eine wirklich gute und interessante Serie zu werden. Die Weichen dafür sind am Ende der Staffel jedenfalls gestellt, so dass ich tatsächlich gespannt bin, wie die Geschichte weiter geht.

Ein Höhepunkt waren die Episoden 1.18 und 1.19 („Five by Five“, „Sanctuary“), die den in der vierten Staffel von Buffy wieder aufgenommenen Handlungsstrang um Faith beenden. Faith war nicht gerade meine Lieblingsfigur in „Buffy“, umso überraschter war ich dann aber, als sich gerade die „Angel“-Episode „Sanctuary“ als die beste Faith-Folge im Buffyverse entpuppte und die Figur überzeugend weiter entwickelte. Glaubwürdig und detaillliert wird hier (und in den drei voraus gegangenen Folgen aus „Buffy“ und „Angel“, in denen dieser Handlungsstrang thematisiert wird) geschildert, dass Faith ihre in der dritten Staffel von „Buffy“ begangenen Taten inzwischen bereut. Bis sie an den Punkt kommt, an dem sie sich Angel öffnen kann, ist es ein schmerzhafter Weg. Er führt zu einer wunderbar geschriebenen und gespielten Szene zwischen David Boreanaz und Eliza Dushku, in der es darum geht, wie Faith sich jemals für all ihre Taten wird entschuldigen können. Diese beiden Crossover-Episoden waren für mich die beiden besten der Staffel. Ich hoffe, dass „Angel“ in der zweiten Staffel auf eigenen Beinen stehen und eine spannende, durchgehende Handlung entwickeln wird. Die Hauptcharaktere, ihre Gegenspieler und das allgemeinse Szenario sind in der ersten Staffel etabliert worden; jetzt geht es darum, daraus etwas zu machen. Wenn die Serie in Zukunft einen deutlichen Qualitätssprung nach oben macht, dann widme ich ihr vielleicht einen eigenen Blogpost. 🙂

Buffy the Vampire Slayer – Season 2

Dieser Text enthält Spoiler für die gesamte zweite Staffel – aber nicht darüber hinaus.

Langsam, aber sicher arbeite ich mich weiter durch Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Wobei das Anschauen der Serie eigentlich alles andere als Arbeit ist, denn sie gefällt mir sehr gut (ich brauche nur so lange, weil auch noch so viele Filme angeschaut, einige Bücher gelesen werden und ein paar „Babylon 5“-Folgen gesehen werden wollen). „Buffy“ gucken fühlt sich also nicht wie Arbeit an (dann hätte ich auch schon längst damit aufgehört), ist aber auch alles andere als hirnlose Unterhaltung, die Dialoge sind voller Witz und all die Anspielungen auf das gesamte Spektrum an Popkultur versüßen einem das Vergnügen zusätzlich. So beginnt auch die zweite Staffel mit einer Szene, in der Xander (Nicholas Brendon) und Willow (Alyson Hannigan) zusammen „Filmzitate raten“ spielen. Gerade als die beiden sich fast küssen, platzt ein Vampir in die Szene – an dieser Stelle habe ich mich mal wieder gefragt, wann die beiden sich endlich kriegen.

Die erste Folge, „When She Was Bad“, setzt noch den Handlungsstrang um den „Master“ aus der ersten Staffel fort. Buffy (Sarah Michelle Gellar) war während der Sommerferien nicht in Sunnydale, kehrt aber gerade rechtzeitig wieder zurück, um Xander und Willow vor besagtem Vampir zu retten. Das „Slayen“ geht ihr noch genau so gut von der Hand wie vor den Ferien, doch ihren Freunden und Angel (David Boreanaz) gegenüber verhält sie sich etwas merkwürdig. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter ist gestört. Es dauert eine Weile, bis Buffy wieder gelernt hat, dass sie auf die Hilfe ihrer Freunde und ihres Watchers Giles (Anthony Stewart Head) angewiesen ist und ihre Bestimmung als Vampire Slayer nicht alleine erfüllen kann. Bevor es so weit ist, will sie in der ersten Folge noch alleine sein und nicht auf ihre Freunde aufpassen müssen. Die Einsicht, dass sie sie braucht, kommt ihr erst nach einer Weile.

Als ihre Mutter (Kristine Sutherland) sie in der dritten Folge auf ihre schlechten schulischen Leistungen anspricht, sagt Buffy, sie stehe unter großem Druck. „Wait ‚til you have a job.“, antwortet ihre Mutter. „I have a job.“, sagt Buffy in das leere Zimmer hinein, als ihre Mutter wieder fort ist. Mit großer Macht kommt große Verantwortung, hieß es schon anderswo; und obwohl Buffy nicht über Superkräfte verfügt, lastet auf ihr als Slayer dennoch äußerst viel Verantwortung. Gleichzeitig steckt in diesem Dialog mit ihrer Mutter aber auch vieles, mit dem sich die Zuschauer – die ja alle mal Teenager waren oder es selbst noch sind – identifizieren können. Auch wer nicht neben der Schule noch die ganze Stadt frei von Dämonen halten musste, kennt solche Gespräche mit den Eltern. Das Leben als Teenager ist nicht leicht, auch nicht für Nicht-Slayer.

Nachdem Buffy erfolgreich die Wiederauferstehung des Meisters verhindert hat, kommt mit Spike (James Marsters) ein neuer Bösewicht in die Stadt, der den örtlichen Vampiren schnell klar macht, dass er nun das Sagen hat. Spike ist allerdings kein Fremder in Sunnydale, sondern hat früher bereits einmal dort gelebt, wie wir bei seinem ersten Auftritt in der dritten Folge („School Hard“) erfahrend. Dass Buffy immer noch am Leben ist und sich Sunnydales Vampire nicht schon längst ihrer entledigt haben, kann er gar nicht fassen. Eine seiner ersten Aktionen besteht demenstprechend darin, einen Angriff auf die parent-teacher-night der Sunnydale High School zu starten – nur um schmerzlich zu erfahren, dass Buffy ein ziemlich zäher Slayer ist. Interessant an der Szene, in der Spike und seine Gang die Schule überfallen, ist übrigens auch, dass alle dort versammelten Schüler, Eltern und Lehrer den Angriff und seine Abwehr durch Buffy und ihre Freunde (einschließlich Angel) mit erleben. Aber wie wurde es doch in der ersten Staffel erklärt: Die Leute erklären sich alle übernatürlichen Erlebnisse – wie den Anblick von Vampiren – im Nachhinein auf irgendeine rationale Weise. Buffys Mutter hat also auch nach diesem schrecklichen Erlebnis immer noch keinen blassen Schimmer von der Existenz von Vampiren oder davon, dass ihre Tochter den größten Teil ihrer Freizeit damit verbringt, diese zu jagen. Schon während der ersten Staffel habe ich mich immer wieder gefragt, wann Joyce endlich vom Doppelleben ihrer Tochter erfährt und im Verlauf der zweiten Staffel erschien es mir immer unglaubwürdiger, dass sie von Buffys nächtlichen Aktivitäten tatsächlich nichts mitbekommt. Immerhin wird am Ende von „School Hard“ klar, dass der Schuldirektor Snyder (Armin Shimerman) keineswegs so ahnungslos ist, wie man bis dahin dachte. Er weiß durchaus von den übernatürlichen Vorgängen in Sunnydale. Ist er vielleicht gerade deshalb immer so streng mit Buffy? Hat er Angst um sie und will sie eigentlich beschützen? Das Staffelfinale wirft in Bezug auf Snyders Rolle noch mehr Fragen auf, mal sehen ob dies in der dritten Staffel weiter verfolgt wird.

Mit der sechsten Episode bekommt „Buffy“ dann die unvermeidliche, in diesem Fall ja auch wirklich passende Halloween-Folge spendiert. Der Plot: Einige Einwohner Sunnydales verwandeln sich in genau die Figuren, als die sie sich verkleidet haben. Das Ergebnis erinnert ein wenig an die Spiegeluniversum-Episoden aus „Star Trek“, in denen die Schauspieler auch jeweils andere Versionen ihrer Figuren spielen durften. Willow, Xander und Buffy dürfen auf diese Weise in bester Karnevalstradition genau die Charakterzüge ausleben, die sie sich im Alltag selten zu zeigen trauen; allerdings haben sie sich dabei nicht unter Kontrolle. Als dem Spuk endlich ein Ende gemacht ist, verwandeln sich alle Betroffenen zwar wieder in ihr altes Selbst zurück. Doch bei mindestens einer Person haben die Erlebnisse bleibende Spuren hinterlassen: Willow ist am Ende von „Halloween“ als Charakter deutlich gewachsen. Sie ist selbstbewusster geworden und dem Rat gefolgt, den ihr Buffy zu Beginn der Episode gegeben hat: „You’re never gonna get noticed if you keep hiding. (…) Don’t underestimate yourself. You got it in you.“ Willow ist bislang eine meiner Lieblingsfiguren und ich mag ihren in dieser Staffel in Fahrt kommenden character arc sehr gerne. Generell kommt die Entwicklung der Figuren im Verlauf dieser Staffel, die ja auch deutlich länger als die erste ist, um ein gutes Stück voran. Buffys Hauptproblem in der ersten Staffelhälfte ist ihre Identitätssuche und die schwierige Auseinandersetzung damit, dass sie eben kein normaler Teenager ist, sondern gewisse darüber hinaus gehende Verpflichtungen hat. Für Dating und Liebesbeziehungen ist da kein Platz, so denkt Buffy jedenfalls selbst eine Weile.

Und wo ich gerade von Liebe spreche: Auch in dieser Hinsicht kommt in der zweiten Staffel ja so einiges ins Rollen. Xander und Willow? Fehlanzeige! Stattdessen finden Xander und Cordelia zusammen. Die Tatsache, dass man sich das in der ersten Staffel nie hätte vorstellen können, zeigt bereits, dass auch diese beiden nicht mehr dieselben sind wie zu Beginn der Serie. Vor allem Cordelia (Charisma Carpenter) hat eine deutliche Wandlung durchgemacht. Seit sie von Buffys Slayer-Identität weiß und mehr aus Versehen als aus eigenem Antrieb Mitglied der Scooby Gang um Buffy geworden ist, ist sie in deren Aktivtäten mit eingebunden und muss tatsächlich ab zu und Verantwortung übernehmen. Das bedeutet für sie, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern sich einzugestehen, dass es Menschen gibt, die ihr wichtig sind, auch wenn sie sie – jedenfalls zu Beginn der zweiten Staffel – vielleicht immer noch nicht offen als ihre Freunde bezeichnen würde. Am Ende der Staffel, als Cordelia bereits seit einigen Monaten mit Xander zusammen ist, gibt es eine schöne Szene, in der sie irrtümlich glaubt, Xander habe sich gerade in ein hässliches Fischwesen verwandelt. „I still care about you, no matter what you look like.“, sagt sie da zu  dem vermeintlichen Xander und spätestens an dieser Stelle ist im Vergleich zur Cordelia der ersten Staffel klar, dass auch sie eine deutlich nachvollziehbare Entwicklung durchgemacht hat.

Bevor sie anfängt mit Xander zu knutschen und sich schließlich eingesteht, dass sie in ihn verliebt ist, hat Cordelia zu Beginn der Staffel jedoch noch ein Auge auf Angel geworfen. „When it comes to dating, I’m the Slayer.“, erklärt sie Buffy in „Halloween“ selbstbewusst. Xander dagegen hängt zu diesem Zeitpunkt immer noch der Traumvorstellung nach, mit Buffy zusammen zu kommen und hat noch nicht eingesehen, dass dies wohl nie passieren wird. Letztlich müssen sich also sowohl Cordelia als auch Xander von ihren Träumen verabschieden und in der Realität ankommen. Beziehungsweise erst einmal in der Abstellkammer der Schule, wo sie sich regelmäßig zum Knutschen verabschieden, weil Cordelia ihre Beziehung geheim halten will, was zu einigen herrlich komischen Szenen führt.

Auch Willow muss sich von ihrem Traum verabschieden und erkennen, dass sie Xander erst einmal nicht kriegen wird. Aber sie kriegt jemand besseren: Daniel Osbourne, genannt Oz (Seth Green). Der schüchterne Gitarrist und Computerfreak taucht in der vierten Folge der Staffel zum ersten Mal auf und bleibt ziemlich lange im Hintergrund; er ist immer wieder mal in einer Folge dabei, aber nie in einer prominenten, wirklich wichtigen Rolle – jedenfalls bis zur 15. Episode („Phases“), die sich ganz um die Liebesbeziehungen und -sehnsüchte der Figuren dreht. Willow ist besorgt, weil Oz sich nicht mehr traut als mit ihr Händchen zu halten; Xander merkt, dass er eifersüchtig auf Oz ist, obwohl er doch von Willow nichts wollte und inzwischen mit Cordelia zusammen ist; Buffys Beziehung zu Angel ist zerbrochen (dazu gleich mehr) und sie ist nun wieder alleine und auch entschlossen, es zu bleiben. In „Phases“ leiden die Bewohner Sunnydales unter den Angriffen eines Werwolfs („Das ist ein Klassiker!“, entfährt es dem enthusiastischen Giles). Die Episode führt den Zuschauer die meiste Zeit über auf eine falsche Fährte, indem sie zahlreiche Hinsweise dafür gibt, dass es sich bei dem Werwolf um Larry handelt, einen der Starathleten der Schule. Larrys Geheimnis ist allerdings „nur“ seine Homosexualität; bei dem Werwolf hingegen handelt es sich um Oz! Da sich daran nun mal nichts ändern lässt und Willow, wie sie selbst sagt, auch stets für ein paar Tage im Monat unausstehlich ist, bleiben die beiden ein Paar.

In der nächsten Folge (2.16, „Bewitched, Bothered and Bewildered“) geht es ein weiteres Mal fast nur um die komplizieren Verwicklungen, die sich aus den Liebesbeziehungen der Charaktere ergeben. Xander, der Buffy auf einem ihrer nächtlichen Ausflüge begleitet, gesteht ihr auf dem Friedhof seine Schwierigkeiten mit Cordelia, dem Dating und der Liebe allgemein. Mitten in das Gespräch platzt plötzlich ein Vampir hinein, mit dem Buffy kurzen Prozess macht – ein schönes Beispiel dafür, wie „Buffy“ immer wieder die Sorgen und Ängste ganz normaler Teenager mit dem Fantastischen und Übernatürlichen verbindet. Die Beziehung zwischen Cordelia und Xander ist inzwischen über den Rumpelkammer-Status hinaus gekommen und nicht mehr geheim, was Cordelia zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung machen lässt, wie es sich als Außenseiterin so lebt. Während sie bisher in ihrer Clique stets im Mittelpunkt stand und ihre Meinung Gewicht hatte, wollen ihre Freundinnen nun plötzlich nichts mehr mit ihr zu tun haben. Da für Cordelia die eigene Popularität über alles geht, gibt es für sie nur eine mögliche Schlussfolgerung: Sie muss mit Xander Schluss machen. (In meinen Notizen zur Folge finden sich an dieser Stelle die Worte „Die falsche Schlampe!!“) Xander fühlt sich davon natürlich tief getroffen und will Cordelia nun seinerseits verletzen, indem er sie zunächst mit einem Liebeszauber belegt, nur um sie dann ebenfalls fallen zu lassen. Sein Plan geht allerdings vollkommen nach hinten los, weil der Zauber nicht nur Cordelia, sondern alle Frauen in Sunnydale trifft, die am Ende der Episode wie eine Horde von Zombies hinter Xander her sind. Das Drehbuch ist großartig, die Darsteller haben sichtlich Spaß an der Sache und „Bewitched, Bothered and Bewildered“ ist bislang eine der lustigsten Episoden. Es handelt sich dabei zwar größtenteil um eine in sich abgeschlossene Episode, deren Handlung kaum etwas zum großen story arc beiträgt, aber genau wie bei „Babylon 5“ wird die übergreifende Handlung auch in solchen Folgen nicht ignoriert, sondern es existieren darin zumindest einige Elemente, die auf den story arc hinweisen (und nicht zuletzt lernt Cordelia in dieser Folge, dass es wichtiger ist, zu den Personen zu stehen, die man liebt als um jeden Preis beliebt sein zu wollen).

Wenn ich schon die ganze Zeit von Liebsbeziehungen in „Buffy“ schreibe, kann ich eine Beziehung natürlich nicht ignorieren: die zwischen Buffy und Angel. Ich muss allerdings zugeben, dass mich diese Beziehung gar nicht so sehr interessiert, weil ich Willow und Xander interessanter finde als Buffy. Damit will ich nicht sagen, dass es sich um interessantere oder besser geschreibene Figuren handelt; die Probleme von Willow und Xander kann ich ganz einfach besser nachvollziehen, weil sie sich mehr mit meinen eigenen Erfahrungen decken. Man muss ja zugeben, dass die Liebe zwischen Buffy und Angel von Anfang an unter keinem guten Stern stand: eine siebzehnjährige Vampirjägerin und ein um die 250 Jahre alter Vampir… Bereits in der siebten Folge der Staffel, „Lie to Me“, wird das Vertrauen zwischen Buffy und Angel erheblich gestört. Doch es ist natürlich Episode 2.14 („Innocence“), in der sich alles komplett ändert. Angel, der sich bislang ja dadurch ausgezeichnet hat, dass er im Gegensatz zu „normalen“ Vampiren seine menschliche Seele behalten hat, wird seine Seele wieder genommen. Von da an ist er ein Vampir wie alle anderen und kann sich an seine Liebe zu Buffy und die gemeinsam verbrachte Zeit nicht mehr erinnern. Gemeinsam mit Spike und dessen herrlich verspulter Gespielin Drusilla (Juliet Landau) schmiedet er für den Rest der Staffel Pläne für Buffys Tod. Und man hat wirklich den Eindruck, als würden die drei mehr Pläne schmieden als tatsächlich handeln. Aber Buffy darf natürlich nicht sterben, deswegen dürfen ihre Widersacher nicht allzu energisch zur Sache gehen, schon klar. (Übrigens: Was ist das denn für eine Botschaft, die „Innocence“ den weiblichen Teenagern unter den Zuschauern vermittelt: Schlaft nicht mit eurem Freund, sonst verwandelt er sich in einen seelenlosen Dämon?)

Spike, der zu diesem Zeitpunkt an einen Rollstuhl gefesselt und nicht im Besitz seiner vollen Kräfte zu sein scheint, regt sich in Episode 17 zu Recht darüber auf, dass Angel Buffy nicht einfach umbringt, sondern nur mit ihr spielt. Giles wiederum gibt Buffy in der gleichen Folge („Passion“) den Rat, sich nicht zur Sklavin ihrer Leidenschaften machen zu lassen und sich nicht auf Angels Spielchen einzulassen. Kurz darauf, als Angel Giles‘ Freundin Jenny (Robia LaMorte) umgebracht hat, kann Giles verständlicherweise selbst nicht mehr klar denken und macht sich von Rachegelüsten getrieben auf, um Angel zu vernichten. „Passion“ ist nicht nur einer der Höhepunkte der Staffel, sondern auch (endlich) eine Folge, in der eine wichtige Figur stirbt und in der die Entwicklung aller Charaktere einen entscheidenden Schritt macht. Während Buffy zu Beginn der Staffel zumindest immer wieder versucht hat, neben ihrem Slayer-Dasein ein halbwegs normales Teenagerleben zu führen, ist sie nun überzeugt, dass das nicht möglich ist und dass ihre Liebe zu Angel einer ihrer größten Schwachpunkte war. „I’m not seeing anyone. Ever. Again.“, antwortet sie in Episode 19 einem Mitschüler, der mit ihr auf einen Tanz gehen möchte.

Im Staffelfinale wird dann alles noch schlimmer: Buffy hat nicht nur der Liebe abgeschworen, sondern wird auch noch von ihrer Mutter aus dem Haus geworfen und verlässt Sunnydale. Wie schon erwähnt habe ich mich im Verlauf der Staffel immer wieder gewundert, warum Buffy ihre Slayer-Identität unbedingt vor ihrer Mutter geheim halten muss. In „Passion“ erinnert Giles sie zum Beispiel wieder einmal daran, dass sie ihrer Mutter auf keinen Fall sagen darf, dass sie nachts Vampire jagt. Warum das so ist, habe ich nie ganz verstanden und je länger die Serie ging, umso unglaubwürdiger wurde es auch. Kriegt Joyce tatsächlich nichts von den nächtlichen Aktivitäten ihrer Tochter mit? Findet sie es nicht verdächtig, dass Buffy so viel Zeit mit dem Schulbibliothekar verbringt? Zum Glück hat Joss Whedon in dieser Hinsicht im Staffelfinale („Becoming“) die Reißleine gezogen; endlich spricht Buffy ihrer Mutter gegenüber aus, was wir und ihre Freunde schon lange gewusst haben. Joyce reagiert darauf, als habe ihr ihre Tochter soeben eröffnet, dass sie lesbisch sei: „Honey, are you sure you’re a Vampire Slayer? I mean, have you tried not being a Slayer?“ Buffy hat sich die Staffel über immer wieder von Giles hat ermahnen lassen müssen, auch ja genug zu trainieren und ihre Pflichten als Slayer nicht zu vernachlässigen und in Episode 2.09 („What’s My Line, Part 1“) frustriert festgestellt hat, dass es für sie gar keinen Sinn macht, an einem Berufseignungstest teilzunehmen, weil das Schicksal ihr nun mal die Rolle als Vampire Slayer zugeteilt habe. Am Ende der Staffel hat sie die Aufgaben, Einschränkungen und Verpflichtungen, die das Slayer-Dasein mit sich bringt, endlich akzeptiert. Ihre Mutter hingegen kann die für sie noch neue Rolle ihrer Tochter überhaupt nicht akzeptieren, sie versteht sie noch nicht einmal. Immer wieder hat sie ihre Tochter im Verlauf der Staffel für ihre vermeintliche Verantwortungslosigkeit getadelt. In Episode 12 („Bad Eggs“) fragt sie Buffy beispielsweise, ob sie nichts anderen im Kopf habe als Jungs und Klamotten. „Saving the world from vampires.“, antwortet Buffy, was ihre Mutter natürlich nicht ernst und nur als ein weiteres Indiz für die Verantwortungslosigkeit ihrer Tochter nimmt. Dabei lastet auf Buffy eine größere Verantwortung als auf den meisten anderen Menschen. Staffel drei wird also hoffentlich unter anderem erzählen, wie auch Buffys Mutter das erkennt und ihre Tochter wieder in die Arme schließt. Wieder einmal verbindet die Serie hier Fantasy-Elemente mit ganz normalen, realistischen Teenager-Problemen. Denn der Prozess der Ablösung von der Mutter und der Wunsch ein selbstbestimmtes Leben zu führen sind ja Dinge, die alle 17-jährigen Mädchen beschäftigen.

Aber in der finalen Doppelfolge geht es längst nicht nur um Buffys Beziehung zu ihrer Mutter, sondern natürlich noch um viel mehr. Hier steht alles auf dem Spiel: Buffy wird nicht nur von Joyce aus dem Haus, sondern auch von Prinicpal Snyder von der Schule geschmissen. Alle Figuren befinden sich in großer Gefahr, ganz besonders Willow und Giles, um deren Leben wir bangen. Ach ja, und dann geht natürlich auch noch beinahe die Welt unter, was Buffy im letzten Moment verhindern kann. Weiterhin erhalten wir einige interessante Einblicke in Angels Vergangenheit und verstehen dadurch besser, wie er mit Buffy verbunden ist. Und dann dieses tragische Ende… Buffy und Angel liefern sich einen Schwertkampf auf Leben und Tod. Willow gelingt es unterdessen endlich, Angel seine Seele zurückzugeben, so dass er plötzlich mitten im Kampf gegen Buffy wieder ganz der Alte ist, ohne jegliche Erinnerung an die letzten Monate. Mir kam es ziemlich unglaubwürdig vor, dass die sonst so vorsichtige Buffy ihm so schnell wieder vertraut und ihm in die Arme sinkt. Aber gerade als ich akzeptiert hatte, dass sie ihm wieder vertraut, rammte sie ihm plötzlich das Schwert in den Bauch! Ja was denn nun? Anscheinend hatte ich da etwas falsch verstanden. Ich dachte, sie hätte Angel getötet, weil sie nicht noch einmal enttäuscht werden wollte, weil sie ihm eben doch nicht wieder ganz vertraute, weil es zu schön schien, um wahr zu sein, dass der „nette“ Angel auf einmal wieder da war. Lieber alleine bleiben, als ein weiteres Mal verletzt werden… Auf Facebook hat mich allerdings jemand darauf hingewiesen, dass Buffy ihn nur getötet hat, weil das zu diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit war, den Weltuntergang noch zu verhindern. Dabei hätte Angel dafür doch bloß das Schwert wieder in diesen Stein-Dämon stoßen müssen – dachte ich jedenfalls. Wie auch immer, das Ende war ein hoch dramatisches und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die dritte Staffel. Nicht zuletzt muss natürlich Angel zurück geholt werden, der ja nicht wirklich gestorben ist, sondern nur in eine andere Dimension gesaugt wurde oder so etwas.

Die zweite Staffel von „Buffy“ hat mir sehr gut gefallen und die Serie hat deutlich Fahrt aufgenommen. Zwar gibt es noch viele Episoden, die nach dem „monster of the week“-Schema verfahren, aber wie schon erwähnt wird die continuity auch in diesen Folgen nicht ignoriert und es gibt dennoch einen großen Handlungsbogen, der besonders in Folgen wie „Passion“, „Innocence“ oder dem Staffelfinale behandelt wird. Die erste Staffel hat die Charaktere vorgestellt, die zweite Staffel hat sie alle konsequent weiter entwickelt. Die dritte Staffel muss daher eigentlich noch besser werden; ich erwarte, dass es darin weniger in sich abgeschlossene Folgen gibt und die sich durch die Episoden ziehende Handlung noch besser sichtbar wird. Was mir sonst noch gut gefallen hat: Der Dialogwitz und die vielen popkulturellen Anspielungen. Die Tatsache, dass Willow immer wieder von den anderen dazu beauftragt wird, im Internet nach irgendetwas zu suchen – dass das Netz damals nur eine Angelegenheit für Spezialisten war, zeigt dann doch, wie alt die Serie schon ist, die sich ansonsten sehr gut gehalten hat. Herrlich fand ich die Szene im Finale, in der Spike zusammen mit Buffys Mutter im Wohnzimmer sitzt. Ein weitererHöhepunkt war die Szene, in der in „Passion“ tatsächlich zwei Schüler in die Schulbibliothek kommen, um Bücher auszuleihen. Man fragt sich ja die ganze Zeit über, warum Giles so viel Zeit für Buffy, Xander und Willow hat und warum sie in der Bibliothek stets vollkommen ungestört über Dämonen, Vampire und den Untergang der Welt sprechen können. Xander will die beiden Jungs sofort wieder heraus schmeißen, aber Giles merkt an (als würde es ihm selbst gerade erst wieder einfallen): „This IS a school library…“ 

Buffy the Vampire Slayer – Season 1

Der folgende Beitrag enthält Spoiler für die erste Staffel!

Es ist mitten in der Nacht, die Sunnydale High School liegt dunkel und verlassen da. Zwei Teenager, ein Junge und ein Mädchen, zerbrechen eine Fensterscheibe und verschaffen sich Zugang zum Gebäude. „Are you sure this is a goog idea?“ fragt das Mädchen, während es sich ängstlich umschaut. „It’s a great idea. Now come on!“, erwidert der Junge.
In einem der leeren, düsteren Gänge beginnen die beiden sich zu küssen, doch das Mädchen hält inne und dreht sich erschrocken um. „I heard a noise.“, sagt sie ängstlich, doch der Junge versucht sie zu beruhigen: „It’s nothing.“ Um ihr zu beweisen, dass sie vollkommen allein in der Schule sind, ruft er ein „Hello!“ in den leeren Gang hinein. „There’s nobody here.“, erklärt er, als sich daraufhin nichts gerührt hat.
„Are you sure?“, fragt das Mädchen, immer noch ängstlich und verunsichert. „Yes, I’m sure.“, beschwichtigt er sie nochmals, woraufhin sie sich etwas zu entspannen scheint. „Okay.“, sagt sie – und mit einem Schlag verwandelt sich ihr Gesicht in die grotesk verzerrte Fratze eines Vampirs. Voller Genuss und alles andere als verängstigt schlägt sie ihre Zähne in den Hals des Jungen.

Bereits mit dieser, den opening credits der ersten Folge vorausgehenden Szene unterläuft „Buffy the Vampire Slayer“ die Erwartungen der Zuschauer und setzt sich erfolgreich über sie hinweg. Einer Szene, wie man sie in ähnlicher Weise schon Dutzende Male in Film und Fernsehen gesehen hat, wird hier ein Twist verpasst, den man nicht kommen sieht, eben weil man denkt, schon zu wissen wie es weitergeht. Doch diese Einstiegsszene, in der das Klischee vom ängstlichen, wehrlosen Mädchen und seinem furchtlosen, starken männlichen Begleiter gekonnt unterwandert wird, ist nur der Auftakt zu einer Fernsehserie, die ihre Zuschauer immer wieder überrascht, sich gängigen Klischees widersetzt und neue Wege geht. In „Buffy the Vampire Slayer“ (1997-2003) ist die vom Schicksal auserwählte Heldenfigur mal kein Junge bzw. junger Mann, sondern eine ganz normale High School-Schülerin mit alltäglichen Sorgen und Schwächen, aber auch vielen, ihr selbst anfangs größtenteils noch unbekannten Stärken. Die männlichen Figuren dürfen hier tiefe Gefühle und große Unsicherheiten zeigen, während unter den weiteren weiblichen Charakteren gleich zwei Computerexpertinnen sind (bei einer davon handelt es sich übrigens um eine „Technoschamanin“, was mich natürlich sofort an die Technomagier aus „Babylon 5“ erinnerte). Und das ist sicher nur der Anfang.

Schon sehr lange stand „Buffy“ auf meiner Liste der Fernsehserien, die ich irgendwann noch anschauen will. Doch erst nachdem ich letztes Jahr den von „Buffy“-Schöpfer Joss Whedon zusammen mit seinem Freund Drew Goddard geschriebenen Horrorfilm „The Cabin in the Woods“ gesehen habe, hat es in meinem Kopf klick gemacht und mir war plötzlich klar, was für ein Genie Whedon ist. „The Cabin in the Woods“ ist ein zugleich sehr intelligenter und unterhalsamer Horrorfilm, der die Tatsache berücksichtigt, dass seine Zuschauer schon zahlreiche Horrorfilme gesehen haben und mit deren Konventionen vertraut sind und der dies wiederum zum Thema, ja sogar zum Inhalt seiner Handlung macht. Zu verraten, wie er dies tut, käme einem großen Spoiler gleich; ich hatte beim Anschauen jedenfalls gleich mehrere Wow-Erlebnisse – eines davon bezog sich wie erwähnt auf die Erkenntnis, dass dieser Joss Whedon ein verdammtes Genie sein muss. Von da an war mir klar: Ich muss endlich ein Versprechen einlösen, das ich meiner besten Freundin vor etwa zwölf Jahren gegeben habe und ihre Lieblingsserie „Buffy the Vampire Slayer“ anschauen.

Die erste, nur zwölf Episoden lange Staffel der Serie habe ich inzwischen geschafft. In der ersten Folge ist die sechzehnjährige Buffy Summers (Sarah Michelle Gellar) gerade mit ihrer Mutter in das schöne kalifornische Städchen Sunnydale gezogen. Am ersten Schultag auf der neuen High School wird sie vom Schuldirektor in sein Büro gebeten. Wir erfahren, dass Buffy auf ihrer alten Schule so einigen Mist gebaut hat, was letztendlich der Grund für ihren Umzug und den Schulwechsel war. Sogar die Turnhalle der Schule hat sie niedergebrannt, wie der Direktor zu seinem Entsetzen lesen muss. Buffy versucht sich zu rechtfertigen, sieht aber ein, dass ihre Begründung („It was full of vampires!“) die Sache auch nicht besser macht. Neben dem strengen Schuldirektor, der auf den so gar nicht zu ihm passen wollenden Namen Mr. Flutie hört, lernt Buffy auch neue Freunde (und Feinde) kennen. Die arrogante und oberflächliche Cordelia (Charisma Carpenter) möchte Buffy sofort in ihre Clique aufnehmen, erklärt aber ganz selbstverständlich „We do have to test your coolness factor“. Dass Buffy nichts mit ihr und ihren Freunden zu tun haben will, sondern sich lieber mit Losern abgibt, kann Cordelia nicht fassen. Diese „Loser“ sind Xander und Willow. Der stets etwas unsichere, angestrengt um Coolness bemühte Xander (Nicholas Brendon) ist vom ersten Treffen an von Buffy hingerissen und wird sie die ganze Staffel über anbeten. Willow (Alyson Hannigan) ist wiederum das komplette Gegenteil von Cordelia; während Cordelia viel zu sehr von sich selbst überzeugt ist, ist es Willow überhaupt nicht. Sie ist schon lange in Xander verliebt, aber viel zu schüchtern, um ihm das zu sagen. Die Kleidung wird ihr noch von ihrer Mutter rausgesucht und am wohlsten fühlt sich Willow vor dem Bildschirm eines Computers, denn damit kennt sie sich aus.

In der Bücherei der Schule trifft Buffy erstmals auf ihren neuen Mentor, den Bibliothekar Rupert Giles (Anthony Stewart Head). Genau wie sie ist er neu in der Stadt (vorher arbeitete er an irgendeinem britischen Museum oder vielleicht auch an DEM „British Museum“, wie es in der Serie heißt). Giles‘ Leidenschaften sind Geschichte und Bücher – ganz besonders wenn es Bücher über Dämonen, Vampire, Hexen oder ähnliches sind. Während Buffy ein „Slayer“ ist, also diejenige, die mit vollem Körpereinsatz gegen all die Bösen Dinge vorgeht, über die Giles aus seinen Büchern so gut bescheid weiß, ist Giles ein „Watcher“ und wacht als solcher über Buffy, bereitet sie auf kommende Herausforderungen vor und hat auch sonst immer ein offenes Ohr und einen guten Rat für sie. Ich habe mich im Verlauf der zwölf Folgen allerdings öfter gefragt, warum die Schulbibliothek stets so leer ist, dass Giles, Buffy, Xander und Willow dort in fast jeder Folge ungestört reden können. Kommt denn dort nie mal jemand ein Buch ausleihen? Und hat Giles dort wirklich einen Job? Er scheint jedenfalls ständig Zeit für Buffy zu haben und dafür, sich nächtelang Wissen über Dämonen anzulesen.

Buffy ist zwar erst 16 Jahre alt, will ihr Slayer-Dasein aber nach den desaströsen Ereignissen auf ihrer alten Schule schon wieder an den Nagel hängen. Sie will ein normales Leben führen, ein normaler Teenager sein und sich um andere Dinge sorgen müssen als um Vampire und sonstige Dämonen. „I didn’t think there’d be vampires [in Sunnydale] and I don’t care!“, erklärt sie Giles trotzig. „I’m retired.“, fügt sie hinzu, um das auch ganz klarzustellen. Doch die Auserwählte entkommt ihrem Schicksal natürlich nicht und muss sich diese ganze erste Staffel über mit allen möglichen Kreaturen der Untewelt auseinander setzen – neben Vampiren auch mit Hexen und sogar einem Dämon, der per Buch-Scanner in den Computer eingelesen wurde. (Google scannt zwar in Kooperation mit mehreren großen Bibliotheken Bücher ein, aber da das Firmenmotto „Do no evil“ lautet, muss man sich in dieser Richtung ja hoffentlich keine Sorgen machen. 😉 )
„Life is short. Seize the moment, cause tomorrow you might be dead.“, fasst Buffy am Ende der ersten Folge ihre Lebenseinstellung zusammen. Doch da ist ihr bereits klar, dass sie sich ihrem Slayer-Schicksal wohl doch nicht entziehen kann.

In der zweiten Folge gibt es eine Szene, in der der Schuldirektor Buffy daran hindern möchte, das Schulgelände zu verlassen. Hier fielen mir die Parallelen zu „Alias“ auf – in beiden Serien geht es um eine junge Frau, die ein Doppelleben führt. Buffy ist einerseits Vampirjägerin, andereseits aber auch ein ganz normaler Teenager; Sidney Bristow in „Alias“ ist Geheimagentin, die auf der ganzen Welt gefährliche Aufträge ausführt und so die Welt vor dem Bösen beschützt, genau wie Buffy. Zugleich ist sie aber auch Studentin und führt ein scheinbar ganz normales Leben (auch wenn man davon relativ wenig mitbekommt und sich überhaupt fragt, wie sie es schafft diese beiden Leben unter einen Hut zu bringen).
„If you don’t go out, it’ll be the end of the world. Everything is life and death if you’re a sixteen year old girl.“, stellt Buffys Mutter fest, als es wieder mal darum geht, ob ihre Tochter noch abends fortgehen darf. Das Schöne ist ja, dass dieser Satz hier in doppelter Weise wahr ist. Da Buffy nicht einfach nur Party machen will, sondern tatsächlich noch nachts Dämonen jagen muss, geht es wirklich um Leben und Tod (was sie ihrer Mutter aber nicht sagen kann – warum eigentlich nicht?). Gleichzeitig spiegelt dieser Satz die Probleme einer jeden Mutter-Tochter-Beziehung wieder. Buffy will sich vor allem selbst finden und eine eigenständige Person sein, in Unabhängigkeit von ihrer Mutter, die es gerne sähe, wenn Buffy an den gleichen Dingen Spaß haben würde, wie sie selbst als Teenager. Trotz ihres Status als auserwählter Slayer dient Buffy also problemlos als Identifikationsfigur, da sie auch ganz weltliche, alltägliche Sorgen hat.
Überhaupt finden sich in „Buffy“ so viele Wahrheiten über das Leben als Teenager und die Schulzeit. Allein aus der Szene, in der ein zutiefst verunsicherter und nervöser Xander Buffy in der letzten Folge der Staffel fragt, ob sie sein Date auf dem Abschlussball sein möchte, hätte ich so viel lernen können, wenn ich die Serie bereits als Teenager gesehen hätte…

Die erste Staffel verfährt meistens noch nach dem „monster of the week“-Muster mit in sich abgeschlossenen Episoden. Dass es sich dabei aber nicht immer um Vampire handelt, bringt Abwechslung in die Serie. Es gibt zwar auch einen durchgehenden Handlungsbogen, der aber nicht in allen Folgen thematisiert wird und bereits am Ende dieser kurzen Staffel seine Auflösung erfährt (was ganz einfach den praktischen Grund hat, dass es damals nicht klar war, ob es eine zweite Staffel geben würde). Die Struktur der oft in sich abgeschlossenen Episoden mag manchmal etwas altmodisch erscheinen, es gibt jedoch immer wieder Ereignisse, mit denen die Autoren von „Buffy“ den Mut zum konsequenten Erzählen schon in dieser ersten Staffel unter Beweis stellen, wie z.B. das frühe und überarraschende Ableben von Mr. Flutie in der sechsten Folge. Auch inhaltlich merkt man der Serie ihr Alter zwar gelegentlich an – zum Beispiel als Willow erklärt, sie habe ihren neuen Freund „online“ kennen gelernt und Buffy sie verwirrt anschaut – aber das fällt überhaupt nicht negativ ins Gewicht, weil die Figuren und ihre Konflikte zeitlos sind.

Mr. Fluties Nachfolger Principal Snyder, der drei Folgen später auftritt, wird von Armin Shimerman gespielt, der damals anscheinend die Zeit hatte, neben seiner Rolle als Quark in „Star Trek: Deep Space Nine“ auch noch ab und zu in Sunnydale vorbei zu schauen. Gleich in seiner ersten Szene macht Snyder klar, dass von nun an andere Regeln an der Schule gelten: „My predecessor, Mr. Flutie, may have gone in for all that touchy-feely relating nonsense. But he was eaten. You’re in my world now. And Sunnydale has touched and felt for the last time.”
Kurz darauf lässt er die schlimmsten Ängste von Buffy, Xander und Willow wahr werden als er sie dazu zwingt, an der Talentshow der Schule teilzunehmen. Den dreien steht der Schock richtig ins Gesicht geschrieben. Sich vor dem Rest der Schule auf der Bühne blamieren? Dann doch lieber gegen Dämonen kämpfen… Als einige Folgen später (mal wieder) ein Schüler tot aufgefunden wird, zeigt der neue Direktor, dass er die harte Realität wohl doch lieber verdrängen würde, er sagt nämlich einen weiteren herrlichen Satz: „Dead? Of course not! There’s no dead students here.“
Zum Ende der Staffel hin kommt es schließlich sogar zu einer ersten Annäherung zwischen Buffy und Cordelia. Man erhascht einen Blick hinter Cordelias Fassade auf ihre Einsamkeit und Verletzlichkeit und es wird klar, dass sie keineswegs nur die eindemsionale, dumme und hassenswerte Figur ist, als die sie bis dahin dargestellt wurde. Die folgenden Staffeln (und „Angel“) werden bestimmt noch einiges an Charakterentwicklung für Cordelia – und auch alle anderen Hauptfiguren – bereithalten.

Eingangs habe ich bereits geschrieben, dass „Buffy“ sich immer wieder erfolgreich den gängigen Klischees und Erwartungen entzieht. Zusätzlich thematisiert sich die Serie immer wieder sogar selbst. Giles, der üblicherweise in jeder Folge einen ausführlicheren Expositionsmonolog herunterleiern muss, bemerkt zum Beispiel, wie nett es doch ist, wenn ihm diese Aufgabe einmal von einer sprechenden Puppe abgenommen wird. Oder Buffy erklärt Giles „My spider sense is tingling“ und als der die Anspielung nicht versteht, erklärt sie ihm, sie (und mit ihr die Serie) habe gerade eine „pop culture reference“ gemacht. In der gleichen Folge beweisen die Macher der Serie ihren Sinn für Ironie: In der Auseinandersetzung zwischen der technikaffinen Technoschamanin Jenny Calendar und dem etwas fortschrittsfeindlichen Giles, für den Bücher über alles gehen, fällt nämlich der Satz „The idiot box is TV!“
„Buffy the Vampire Slayer“ ist also alles andere als die dümmliche Serie, die der Titel im ersten Moment vermuten lässt (was ich aber auch nicht erwartet habe). Die Charaktere sind tiefgründig, die Dialoge voller Witz und die Serie lässt mit ihrer Ironie und den zahlreichen Anspielungen immer wieder eine Metaebene aufblitzen, die das Zuschauen für den in der Popkultur bewanderten Zuschauer zu einer wahren Freude macht. Kein Wunder, dass sich in den cultural studies schon längst eine eigene Unterdisziplin – die „Buffy Studies“ bzw. „Whedon Studies“ – etabliert hat. Zweimal jährlich erscheint sogar ein wissenschaftliches Magazin der Whedon Studies Association („Slayage“) und alle zwei Jahre findet eine „Slayage Conference“ statt, die sich neben „Buffy“ auch noch mit allen anderen Serien, Filmen, Comics usw. des „Whedonverse“ beschäftigt (darunter „Firefly“, „Dollhouse“ und „The Avengers“). Wenn ich an „Buffy“ also auch weiterhin großen Gefallen finden werde – und davon gehe ich aus – dann kann ich mich anschließend in zahlreiche Artikel, Zeitschriften und Bücher zum Thema vertiefen (und auch selbst einen Beitrag verfassen).

Am Ende der Staffel geht es – wie soll es zum Höhepunkt auch anders sein – um alles oder nichts, Leben und Tod. „Giles, I’m 16 years old. I don’t wanna die.“, sagt Buffy zu ihrem Mentor, nachdem ihr gerade ihr eigener Tod prophezeit wurde. Wieder einmal ist sie kurz davor, einfach alles hinzuschmeißen, um ein ganz normales Teenagerleben führen zu können. Sie will das Leben, das sie noch vor sich hat, genießen. Sie will andere Sorgen haben als Vampire, Dämonen oder den Untergang der Welt. Zum Beispiel, dass sie immer noch kein Date für den Abschlussball hat. Aber sie ist nun mal ein Slayer und irgendjemand muss den Job ja machen…

Kein kulturwissenschaftliches Buch, aber dennoch sehr zu empfehlen: „Bite me! The Unofficial Guide to Buffy the Vampire Slayer“ von Nikki Stafford. Darin wird u.a. jede einzelne Episode von „Buffy“ besprochen (allerdings nicht völlig spoilerfrei). Nikki hat außerdem ähnliche Bücher über „Lost“ und „Alias“ geschrieben und auch häufig über „Buffy“ und anderes von Joss Whedon gebloggt.
Und wenn ich schon bei Empfehlungen bin: Giles-Darsteller Anthony Stewart Head hat 2002 zusammen mit George Sarah das hervorragende Album „Music For Elevators“ veröffentlicht, auf dem auch einige weitere Buffy-Castmitglieder zu hören sind.