Babylon 5 – Episode 1.21 „The Quality of Mercy“

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Universum

Wirklich aktuelle Neuigkeiten über „Babylon 5“ gibt es zwar nicht, aber „Babylon 5“-Schöpfer JMS hat Creative Screenwriting ein interessantes Interview gegeben, dessen zwei Teile ihr hier und hier lesen könnt. Darin spricht er unter anderem über „Babylon 5“, „Sense8“, das Drehbuchschreiben und seine Arbeit als Comicautor. Die interessanteste Info ist meiner Meinung nach allerdings, dass JMS vor ein paar Jahren ein Filmdrehbuch für Steven Spielberg geschrieben hat, welches JMS zufolge entweder von Spielberg selbst oder von Martin Scorcese verfilmt werden wird. Ich kann nur hoffen, dass es wirklich dazu kommt und würde mich riesig freuen, wenn es auf diese Weise zur Zusammenarbeit zweier meiner Idole kommen würde (Spielberg & JMS, wobei natürlich auch die Kombination Scorcese & JMS eine große Ehre und einen großen Erfolg für JMS bedeuten würden).
Zudem wird JMS auch dieses Jahr wieder auf der San Diego Comic Con zu Gast sein. Sein Panel findet am 22.7. um 17:30 Uhr (Ortszeit) statt. Zusätzlich wird er auf der Con auch eine Autogrammstunde und einen Schreibworkshop abhalten. Sein Panel wird sich wohl vor allem um seine aktuelle Serie „Sense8“ drehen, allerdings wird er bestimmt auch auf andere Projekte eingehen, an denen er zurzeit arbeitet. Darunter befinden sich die Verfilmung seiner Comicserie „Rising Stars“ und die auf der „Red Mars“-Trilogie basierende Fernsehserie, an deren Entwicklung er beteiligt war. Ob es auch „Babylon 5“-Neuigkeiten geben wird, ist nicht bekannt. Die Beschreibung des Panels kündig aber vollmundig an: „[T]he announcements this time are especially big. Be there for news that’s going to blow up the Internet.“ Ob das bedeutet, dass wir endlich konkrete Neuigkeiten zu einem „Babylon 5“-Kinofilm erfahren werden, den JMS 2014 angekündigt hat, oder ob es sich doch um etwas ganz anderes dreht, kann man zum jetztigen Zeitpunkt unmöglich wissen. Ich erwarte mal lieber nicht zuviel. Zwar bin ich kein Comicfan, aber ich freue mich auf jeden Fall auf alle Film- und Fernsehprojekte, an denen JMS beteiligt ist.
Und nun weiter zur „Babylon 5“-Episode, die ich in diesem Blogpost bespreche:

Episode 1.21 „The Quality of Mercy“ („Die Heilerin“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Lorraine Senna Ferrara
Erstausstrahlung: 17.08.1994 (USA), 10.12.1995 (Deutschland)

Wie so oft in der ersten Staffel haben wir es hier mit einer Episode zu tun, die zwar eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, aber doch ein paar Dinge und Figuren in die Geschichte einführt, die später – zum Teil viel später – noch einmal eine Rolle in der Serie spielen werden. So einen Fall haben wir gleich in der ersten Szene, in der Londo mit einem Senator seiner Heimatwelt spricht. Bei diesem handelt es sich um Senator Virini (gespielt von Damian London; den Namen der Figur erfahren wir hier noch nicht), den wir später noch öfter sehen werden.
Und wo ich schon bei Londo bin, bleibe ich mal bei diesem Handlungsstrang, denn er hat mit Rest der Folge nichts zu tun. Londo, der von Virini ja den Auftrag bekommen hat, seine Beziehungen zu den anderen Völkern zu pflegen, verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen und tut das, was er sonst auch gerne tut: er besucht einen Nachtclub, nur eben dieses Mal mit Lennier. Dieser darf als Minbari, wie sich herausstellt, leider keinen Alkohol trinken und langweilt Londo mit Details seiner langen Ausbildung. Als er jedoch erwähnt, dass er sich u.a. intensiv mit Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigt hat, schleppt Londo ihn sofort an einen Pokertisch. Während Lennier feststellen muss, dass er auch beim Pokern noch viel praktisches Wissen zu erwerben hat, hat Londo dieses längst verinnerlicht und setzt sogar eines seiner Körperteile zum Schummeln ein. Wie wir später erfahren, handelt es sich dabei um einen der sechs Penisse, über die männliche Centauri verfügen (und die den Podcastern vom „Grauen Rat“ ihr Bewertungssystem beschert haben). Soweit ich weiß ist „Babylon 5“ damit die einzige Mainstream-Science-Fiction-Serie, in der jemals ein männliches Geschlechtsorgan gezeigt worden ist… Jedenfalls kommt es daraufhin zur einer Massenschlägerei im Club, aus der Londo und Lennier ganz schön lädiert hervorgehen. Anschließend sitzen sie wie zwei beschämte Schüler vor Sinclair, der nach einer Erklärung verlangt. Um Londos Gesicht zu wahren, nimmt Lennier die Schuld auf sich und behauptet, er habe ein Missverständnis verschuldet, das zum Streit und zur Schlägerei geführt habe. Zwar erwähnt er auch, dass Delenn aus Respekt nicht weiter nachfragen wird (schließlich wird sie ebenfalls Lenniers Gesicht wahren wollen), trotzdem würde ich zu gerne Delenns Gesichtsausdruck in dem Moment sehen, wo sie erfährt, dass ihr Attaché in eine Schlägerei verwickelt war, deren Auslöser Londos Penis gewesen war! 😉
Diese Nebenhandlung ist nicht besonders wichtig und manche werden sie aufgrund der Einführung (no pun intended!) von Londos Geschlechtsorganen für völlig blödsinnig halten. Trotzdem hat auch dieser Handlungsstrang seinen Wert. Zum einen bringt er mit Londo und Lennier zwei Figuren zusammen, die in der Serie bisher kaum interagiert haben. Zum anderen erfahren wir vor allem über Lennier eine ganze Menge Neues. Die Handlung um Londo und Lennier ist damit inhaltlich für zukünftige Ereignisse kaum relevant, dient aber dazu, Lenniers Charakter weiter auszubauen und uns ein wenig mehr über die Kultur der Minbari und Centauri zu vermitteln (s. unten).

Viel interessanter sind allerdings die beiden anderen Handlungsstränge, die auch den größten Teil der Episode einnehmen. In einem davon haben wir es mit einem brutalen, geistesgestörten Massenmörder zu tun, der zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hat. Im anderen geht es um eine Ärztin, die zahlreiche Menschen von zum Teil tödlichen Krankheiten geheilt hat. Dem Mörder wiederum sollen mit Hilfe von technischen Geräten all seine Erinnerungen genommen und seine Persönlichkeit komplett ausgelöscht werden. Auch die Heilerin verfügt über eine Maschine, mit der sie aber nichts auslöscht, sondern Lebewesen heilt (wobei das nicht die einzige Funktion der Maschine ist).
Der Handlungsstrang um den Massenmörder Karl Mueller (Mark Rolston) wirft viele wichtige Fragen auf: Wie soll man einen offenbar kranken Menschen bestrafen, der zahlreiche Menschen ermordert hat und es weiter tun würde, wenn man nicht einschreitet? Darf man so jemanden umbringen? Und falls nicht, ist die Auslöschung seiner Persönlichkeit nicht ebenfalls eine Art Todesstrafe? Schließlich bleibt danach außer seinem Körper nichts zurück, was diesen Menschen ausgemacht hat? Ist das nicht vielleicht sogar schlimmer als die Todesstrafe? Oder gibt es dem Täter tatsächlich die Gelegenheit, ganz von vorne anzufangen, der Gesellschaft zu dienen und so gewissermaßen Buße zu tun? (Man könnte dies sogar als eine Form der Wiedergeburt interpretieren.)
Auch auf Babylon 5 gibt es dazu natürlich verschiedene Ansichten. Sicherheitschef Michael Garibaldi würde Mueller am liebsten selbst aus der nächsten Luftschleuse schubsen. Seiner Meinung nach ist die Todesstrafe für Mörder nur gerecht (ein Charakterzug, den JMS von Garibaldi-Darsteller Jerry Doyle auf die Figur übertragen hat). Dr. Franklin wiederum hält dagegen nicht nur die Todesstrafe, sondern auch die Löschung der Persönlichkeit für moralisch bedenklich. Die Ansichten von Commander Sinclair erfahren wir nicht, da er in dieser Folge nur zwei Szenen hat. Als Commander wird er wahrscheinlich neutral bleiben wollen, solange die beteiligten Parteien auch ohne ihn eine Einigung erzielen können (was in „Believers“ nicht der Fall war). Auch der den Fall betreuende Richter Wellington (Jim Norton) muss natürlich objektiv urteilen. Die Person, deren Meinung man am besten nachvollziehen kann, ist Talia Winters. Die Telepathin hat die Aufgabe, Mueller vor der Vollstreckung des Urteils zu scannen und geht extrem verstört, wenn nicht sogar traumatisiert aus dieser Erfahrung hervor. Es bestätigen sich sowohl die Vermutung, dass Mueller noch wesentlich mehr Personen umgebracht hat, als bekannt ist, als auch seine offenkundige Geistesgestörtheit.

Eine ausführliche Zusammenfassung der Geschichte um Dr. Franklin, die scheinbare Scharlatanin Dr. Rosen und ihre Tochter, sowie Mueller – dessen Handlungsstrang mit dem um Dr. Rosen zusammengeführt wird – spare ich mir an dieser Stelle. Insgesamt ist „The Quality of Mercy“ eine solide, leicht überdurschnittliche Episode und sicherlich eine der besseren Folgen der ersten Staffel. Die Darsteller von Mutter und Tochter Rosen fand ich zwar nicht besonders beeindruckend, dafür hat mich Jim Norton als Richter begeistert, der leider aber viel weniger Szenen hatte. Auch Mark Rolston war als geistesgestörter und furchterregender Massenmörder überzeugend. Am Ende der Folge verabreden sich Dr. Franklin und Janice Rosen zwar zum Essen, doch wir werden weder Janice noch ihre Mutter jemals wieder sehen. Trotzdem beinhaltet die Folge wie gesagt einige Elemente, die man sich merken sollte. Dazu gehört zum einen die außerirdische Maschine, mit der sich Lebensenergie von einer Person auf eine andere übertragen lässt und die nun in Dr. Franklins Obhut verbleibt, aber auch das Konzept der Persönlichkeitslöschung (und die anschließende Etablierung einer völlig neuen Persönlichkeit mit neuen Erinnerungen im gleichen Gehirn). Weitere Dinge, die später in der Serie wieder angesprochen werden, findet ihr unten.
Was die Figuren betrifft, so erfahren wir zumindest ein bisschen mehr über Talia, die hier nicht zum ersten Mal einen Serienmörder scannt (in „Deathwalker“ wurde – wenn ich mich richtig erinnere – erwähnt, dass sie einmal auf dem Mars das Gehirn eines Serienmörders scannen musste). Auch Franklins Figur wird weiter ausgebaut, allerdings erscheint er mir etwas widersprüchlich. Einerseits interessiert er sich sehr für nichtmenschliche Biologie und Medizin, andererseits tut er die fremde Maschine sofort als wirkungslos oder sogar schädlich ab. Immerhin hat er aber zum Schluss der Episode akzeptiert, dass Dr. Rosen damit wirklich anderen Wesen helfen konnte.

Highlight der Episode – und zugleich der beste Londo-Moment: Na was wohl? Natürlich die Szene, in der Londo beim Poker schummelt. Ich zitiere hierzu mal seinen Darsteller Peter Jurasik: „To actually have you genitalia as part of the script is really a wonderful thing.“ (Aus Jane Killicks Episodenführer zur ersten Staffel.) Ich meine mich auch zu erinnern, dass JMS mal ganz stolz davon berichtet hat, dass er hier tatsächlich Geschlechtsorgane in einer Folge zeigen konnte, ohne dass es die Verantwortlichen beim Sender und der Produktionsfirma besonders zur Kenntnis nahmen.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Wir erfahren eine Menge über Lennier, der hier eine große Rolle hat. Seit seiner Geburt wurde er auf Minbar in einem Tempel großgezogen und in der Lebensweise und den Ansichten der religiösen Kaste unterrichtet. Von dort kam er vor sechs Monaten (in „The Parliament of Dreams“) direkt nach Babylon 5. Er ist also zwar äußerst gebildet, verfügt aber über wenig praktische Lebenserfahrung, ganz besonders im Umgang mit anderen Kulturen. Allerdings scheint seine Ausbildung auch Kampffähigkeiten enthalten zu haben, denn wie wir sehen weiß er sich körperlich durchaus erfolgreich zur Wehr zu setzen.
  • Dr. Franklin betreibt auf der untersten Ebene eine nicht angemeldete Praxis, in der er mittellose Patienten umsonst behandelt.
  • In der Kultur der Minbari ist es eine große Ehre, jemand anderem zu helfen, das Gesicht zu wahren. Dazu ist es sogar erlaubt, zu lügen. Das tun die Minbari sonst nämlich nicht. Meistens jedenfalls. 😉
  • Männliche Centauri verfügen über sechs Penistentakel. Wer mehr darüber wissen will, wie diese Penisse funktionieren und wie die komplementären weiblichen Geschlechtsorgane aussehen, male sich das bitte selbst aus (oder durchsuche das Internet nach entsprechender Fan Fiction, die es bestimmt gibt). Ich habe diesen Fakt hier unter „für den weiteren Verlauf der Serie noch wichtige Informationen aufgenommen“, weil darauf tatsächlich später noch einmal eingegangen wird. Aber keine Angst: Besonders wichtig ist dieses Detail für die Handlung nicht. Und wir werden auch keine expliziten Centauri-Sexszenen sehen. Wenn euch die Vorstellung von sechs Centauri-Penissen trotzdem verstört, könnt ihr es ja wie Lennier machen, der am Ende der Folge gelobt, darüber zu schweigen. Allen anderen kann ich noch folgende Beschreibung einer Badewanne im Zimmer eines Centauri-Hotels anbieten, die ich vor ein paar Tagen im „Babylon 5“-Roman „The Shadow Within“ von Jeanne Cavelos entdeckt habe: „The bathroom had some odd appliances, for the styling of the male Centauri’s hair […] and a huge golden bathtub that seemed to be in the shape of a six-tentacled octopus-type creature.“
  • Die Funktionsweise der Heilmaschine hat JMS online genauer erklärt: „[I]t’s not so much alien HEALING device as an alien LIFE TRANSFERRAL device. If someone is actually dying, or close to it, the only way to save that person is to take the life from someone else.“ Je nachdem, wie schwer krank oder verletzt eine Person ist, ist also auch mehr Lebensenergie nötig, um diese Person zu heilen. Das kann dazu führen, dass jemand seine gesamte Lebensenergie geben muss, um eine andere Person zu retten…

Sonstige Fragen:

  • Warum ist eigentlich ein telepathischer Scan bei einer Person vorgeschrieben, bei der eine Löschung der Persönlichkeit vorgenommen werden soll?

Weitere interessante Punkte:

  • Nachdem Londo in der ersten Szene das Gespräch mit Virini beendet hat, äfft er ihn nach: „I’ll be in touch. Touch this!“ Dabei zeigt er mit seinen Händen scheinbar auf seinen Bauch. Erst im Nachhinein realisiert man, auf welche seiner Körperteile er tatsächlich gezeigt hat…
  • Minbari vertragen keinen Alkohol. Selbst kleine Mengen davon lösen bei ihnen psychotische Impulse und einen brutalen Mordrausch aus. (Bin ich der Einzige, der das gerne mal in einer Folge gesehen hätte?)
  • „Spacing“, also der Tod durch das Hinausstoßen ins Vakuum des Weltalls, ist im Jahr 2258 nach Erdrecht eine Form der Todesstrafe. Wie Richter Wellington erwähnt, kann es bei Meuterei und Verrat angewendet werden.
  • Ivanova gibt Franklin gegenüber zu, dass sie sich die Vorschriften auch selbst hin und wieder ein wenig zurechtbiegt. Ein Beispiel dafür ist der Kaffee, den sie auf der Station für sich anbaut (siehe „The War Prayer“).
  • Wenn Londo (in der Originalfassung) Lenniers Namen ausspricht, klingt das in dieser Folge oft wie „Lannier“? Liegt das an Londos Akzent? Ist das noch jemandem aufgefallen?
  • Mehrmals wird in dieser Folge wieder erwähnt, dass der Raumstation nur ein äußerst knappes Budget zur Verfügung steht. Das kommt zunächst im Gespräch zwischen Franklin und Ivanova zur Sprache, als Ivanova sagt, sie könnten es sich nicht leisten, kostenlose Medikamente und medizinische Leistungen an Stationsbewohner zu verteilen. Später wird der Personalmangel auf Babylon 5 als Grund dafür genannt, warum Mueller nicht auf der Station inhaftiert werden kann. Zudem scheint die Station auf der Prioritätenliste der Erdregierung ziemlich weit unten zu stehen; es wird erwähnt, dass die Erde kein Geld ausgeben will, um Mueller zu transportieren.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • JMS schrieb das Drehbuch zu dieser Folge, als er unter einer schweren Grippe litt. Wenn er unter diesem Zustand schreibe, so zitiert ihn Jane Killick in ihrem Episodenführer zur ersten Staffel, dann könne er sich später nicht mehr daran erinnern, was er geschrieben habe. Zudem würden seine Drehbücher dann stets besonders seltsam – so rechtfertigt er den Centauri-Penis in dieser Folge.
  • Mueller-Darsteller Mark Rolston hat eine lange Liste an Auftritten in Filmen und Fernsehserien, nicht selten im Science Fiction-Bereich. Sein zumindest für mich aber beeindruckendster IMDB-Credit ist seine Rolle als Private Drake in James Camerons „Aliens“.
  • Jim Norton hat in „Babylon 5“ nicht nur die Rolle von Richter Wellington gespielt (wir kennen ihn bereits aus „Grail“). Im weiteren Verlauf der Serie werden wir ihn auch in anderen Rollen sehen. Norton hat eine lange Karriere auf der Bühne, im Fernsehen und in Filmen hinter sich; Science Fiction-Fans kennen ihn unter anderem als Albert Einstein aus „Star Trek: The Next Generation“.
  • Der Name des Dark Star Nachtclubs, den wir bereits aus „Born to the Purple“ kennen, ist natürlich eine Anspielung auf den Film „Dark Star“ (1974).
  • Beim Originaltitel der Episode handelt es sich um ein Zitat aus Shakespears „Der Kaufmann von Venedig“.
  • June Lockhart, die Dr. Rosen spielt, war in der Serie „Lost in Space“ (1965-1968) als Dr. Maureen Robinson zu sehen. Lennier-Darsteller Bill Mumy spielte damals ihren Sohn, Will Robinson. Obwohl Mumy JMS darum bat, doch eine gemeinsame Szene für ihn und Lockhart ins Drehbuch zu schreiben, widerstand JMS dieser Versuchung, weil die Handlungsstränge von Lennier und Dr. Rosen nichts miteinander zu tun hatten und eine solche Szene keinerlei Funktion für die Handlung gehabt hätte.

Zitate:

Franklin (im Behandlungsraum, nicht von seinem Tablet hochschauend): „You can start by removing your clothes…“
Ivanova: „Not without dinner and flowers.“

Londo (zu Lennier, mit Blick auf die Stripperin im Dark Star): „Here you will see the heart and soul of Babylon 5. Also its spleen, its kidneys, a veritable parade of internal organs.“

Londo (zu Lennier): „Right now, I want to introduce you to the ultimate means of interstellar understanding. The Earthers call it ‚poker‘.“

„I did the necessary thing. That is not always the same as the right thing.“ (Laura Rosen)

Sinclair: „I’m still waiting for an explanation, gentlemen.“
Londo (sichtlich lädiert nach der Schlägerei im Dark Star): „Yes, and I am prepared to give you one, Commander. As soon as the room stops spinning.“
Sinclair: „This station creates gravity by rotation, it never stops spinning.“
Londo: „Well, I begin to see my problem.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.14 „TKO“
(Die Reihenfolge, in der man die Episoden idealerweise anschauen sollte, weicht hier von der Reihenfolge auf den DVDs ab. Ganz am Ende dieses Blogposts könnt ihr die Reihenfolge einsehen, in der ich die erste Staffel bespreche.)

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Babylon 5 – Episode 1.15 “Grail”

Langsam aber sicher schaue und schreibe ich mich durch die erste Staffel von „Babylon 5“ und bin nun bei der 14. Folge angekommen. Ja, richtig gelesen: Obwohl es sich bei „Grail“ auf den DVDs (und bei der TV-Ausstrahlung) um Episode 1.15 handelt, schaue ich die Serie wie beim letzten Mal erwähnt in der von Serienschöpfer J. Michael Straczynski (JMS) empfohlenen Reihenfolge an, die vor allem in der ersten Staffel eine deutlich andere ist. Die genaue Reihenfolge könnt ihr ganz am Ende meines letzten Blogposts nachlesen. Die nächste Folge, die ich im Blog besprechen werde, wird dann Episode 1.16 sein.

Bevor ich nun zur aktuellen Episode komme, habe ich aber noch einen äußerst erfreulichen Hinweis: Es gibt ihn endlich, den ersten deutschsprachigen „Babylon 5“-Podcast. Er heißt „Der graue Rat“ und wurde von den langjährigen B5-Fans Raphael und Sascha ins Leben gerufen. Eine Einführungsepisode ist bereits online und demnächst gibt’s die Besprechung des Pilotfilms. Es kann gut sein, dass ich auch mal als Gast im Podcast zu hören sein werde. (Eine Übersicht über englischsprachige Podcasts zur Serie findet ihr übrigens hier.) Und nun ab durchs Hyperraumsprungtor zur Besprechung der Episode…

Episode 1.15 „Grail“ („Der Gral“)

Drehbuch: Christy Marx, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 06.07.1994 (USA), 12.11.1995 (Deutschland)

Die Ausgangssituation dieser Episode ist im Grunde dieselbe wie bei der letzten Folge – ein Besucher kommt an Bord der Station, um die Botschafter der außerirdischen Regierungen zu befragen. Im Gegensatz zu „Signs and Portents“ ist „Grail“ aber in erster Linie eine in sich abgeschlossene Geschichte, die nur wenig Relevanz für den großen story arc aufweist, auch wenn sich natürlich ein paar Verweise und Anspielungen auf Vergangenes (und Zukünftiges) finden lassen.
Mit Aldous Gajic (David Warner) kommt ein „wahrer Suchender“ an Bord der Station, so drückt es jedenfalls Delenn aus. Garibaldi dagegen rollt mit den Augen, als Aldous unmittelbar nach seiner Ankunft mitteilt, er sei auf der Suche nach dem heiligen Gral. Gajic ist der letzte Anghörige eines Ordens, dessen Mitglieder seit tausenden von Jahren nach dem Gral suchen. Da dieser auf der Erde bislang nicht gefunden wurde, ist die Suche inzwischen auf andere Planeten ausgeweitet worden. Auch Sinclair ist zunächst skeptisch, sehr zur Überraschung von Delenn. Es spiele keine Rolle, ob der heilige Gral tatsächlich existiere, erklärt sie Sinclair. Allein die Tatsache, dass Aldous Gajic sein ganzes Leben der Suche nach dem Gral verschrieben habe, mache ihn zu einer Person, der man hohen Respekt erweisen müsse. Sein unerschütterlicher Glaube und seine fortwährende Suche seien äußerst bewundernswert (siehe Zitate). Sinclair erwidert, er wünsche Gajic Glück bei seiner Suche, schließlich sei er wahrscheinlich der einzige „wahre Suchende“ unter den Menschen. Delenn antwortet darauf kryptisch: „Then perhaps you do not know yourself as well as you think.“ Das sollte man im Hinterkopf behalten…
Aldous Gajic wird von dem britischen Charakterdarsteller David Warner gespielt, der vor allem für seine Darstellung von Bösewichten bekannt ist und in zahlreichen Filmen, Serien, Videospielen und Theaterstücken zu sehen und/oder hören war. Hier darf er als sanfter und in sich ruhender Suchender so etwas wie würdevolle Autorität ausstrahlen, aber besonders viel kommt davon bei mir nicht an. Der Rest der Episode macht das nicht besser: Die banale Handlung um Thomas „Jinxo“ Jordan (Tom Booker), der dem fiesen Deuce (William Sanderson) Geld schuldet, ist ziemlich uninteressant. Zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung mag das von Deuce eingesetzte Monster in seiner ganzen CGI-Pracht noch beeindruckt haben (siehe „Hinter den Kulissen“), heute sieht es einfach nur lächerlich aus.

Ihr merkt schon, ich habe keine Lust mehr, die Episode hier weiter nach zu erzählen (das würde sich wahrscheinlich sowieso nicht besonders spannend lesen). Ich konzentriere mich also auf ein paar Punkte, die mir erwähnenswert scheinen: Tom Booker leistet als Jinxo meiner Meinung nach schauspielerisch keine besonders gute Arbeit, dafür habe ich mich aber gefreut, William Sanderson hier zu sehen. Der Mann hatte schon damals eine lange Karriere in Film und Fernsehen; ich kenne ihn unter anderem aus „Blade Runner“ und „True Blood“.
Für alle, die den Pilotfilm verpasst haben, wiederholt Jinxo in dieser Folge noch einmal, was mit den ersten vier Babylon-Stationen passiert ist. Die ersten drei wurden durch Sabotageakte noch vor der Fertigstellung zersört, während Station Nummer vier kurz nach ihrer Inbetriebnahme einfach verschwand und seitdem nie wieder gesehen wurde. Auch das sollte man im Hinterkopf behalten…
Delenn versichert Aldous, sie werde Informationen über den Gral sofort an ihn weiterleiten. Auch Londo stattet der Suchende einen Besuch ab, doch der Centauri-Botschafter erweist sich als weniger entgegenkommend und sieht in Adlous‘ Gesuch vor allem eine Möglichkeit, Profit zu schlagen. Doch seinem Assistenten Vir ist Profitsucht fast vollkommen fremd; naiv und „effizient“, wie er es bezeichnet, händigt er Aldous alle Informationen aus, die er in den Datenbanken der Centauri zum Gral finden konnte. Die Darstller von Londo und Vir – Peter Jurasik und Stephen Furst – sind im Zusammenspiel wunderbar und zusammen mit der passenden Musik ergibt sich hier eine herrliche Comedy-Szene (allerdings sehen Virs Haare in dieser Episode schrecklich aus).
Auch wenn wie gesagt von der Würde und Autorität von Aldous Gajic bei mir nicht besonders viel ankommt, so ist diese Figur doch typisch für „Babylon 5“. Aldous ist nicht nur ein Suchender, sondern auch ein Idealist, der nicht aufgibt. Seine Suche nach dem Gral steht für die Suche nach dem Sinn im Leben auf der wir alle sind. Auch fast alle Charaktere in „Babylon 5“ sind auf dieser Suche. Londo beispielsweise glaubt, Erfüllung nur darin finden zu können, seiner Heimatwelt ihre alte Bedeutung wiederzugeben oder es zumindest zu versuchen. Sinclair dagegen scheint sich noch gar nicht bewusst zu sein, was seine Bestimmung ist und auf welchen Weg er sich begeben soll. Doch wie oben schon erwähnt hält Delenn auch ihn für einen wahren Suchenden, der nur noch nicht weiß, auf welcher Reise er sich befindet. In der Szene mit Delenn-Darstellerin Mira Furlan am Ende der Episode kann Michael O’Hare als nachdenklicher, zweifelnder und Hilfe suchender Sinclair jedenfalls voll und ganz überzeugen und es wird nachvollziehbar, warum gerade er als Sinclair gecastet wurde.

Highlight der Episode: Die Gerichtsverhandlung am Anfang, bei der ein Mensch ein Alien verklagt, weil dessen Großvater einst seinen Großvater entführt haben soll. Diese Szene wurde von JMS in die Folge eingefügt, da das Drehbuch von Christy Marx etwas zu kurz geraten war. JMS zufolge gewann übrigens der Mensch den Fall, aber die Entschädigung, die ihm zugesprochen wurde, war nur minimal.

Londo/G’Kar-Moment: G’Kar kommt in der Episode leider nicht vor, dafür spielt Garibaldi Londo aber einen bösen Streich und macht ihm Angst vor dem Na’ka’leen Feeder.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Aldous fragt Delenn, ob die zwei Seiten ihrer Kultur (gemeint sind die zwei Kasten, siehe „weitere interessante Punkte“) sich jemals auf eine Sache einigen können. „Yes“, antwortet Delenn. „And when they do, it is a terrible thing. A terrible power, as recent events have shown us.“ Damit spielt sie auf den Krieg zwischen den Minbari und den Menschen an, in dem die Minbari die Menschheit fast vernichtet hätten.
  • Sinclair informiert Kosh darüber über die Täuschung von Deuce. Als er Kosh sagt, einige Leute seien nervös, weil niemand genau wisse, wie Kosh aussehe, antwortet dieser einfach: „Gut.“

Sonstige Fragen:

  • Wir erleben die Reaktionen von Londo, Delenn und Sinclair auf Aldous Gajic und seine Mission, aber wie hätte G’Kar darauf reagiert? Hätte er in der Suche nach dem Gral einen noblen Akt oder lächerliche Zeitverschwendung gesehen?
  • Woher hatte Deuce eigentlich den täuschend echten Nachbau von Koshs Anzug? Kosh wird dafür ja wohl kaum Modell gestanden haben…

Weitere interessante Punkte:

  • Lennier erklärt Thomas und Aldous, dass es zwei Minbari-Kasten gibt. Tatsächlich erfahren wir später in der Serie, dass es drei Kasten gibt (religiöse, Krieger- und Arbeiterkaste). Warum spricht Lennier hier also nur von der religiösen und der Kriegerkaste? JMS hat sich wohl erst im Verlauf der Serie dazu entschlossen, die Kultur und Weltanschauung der Minbari um die Zahl Drei herum aufzubauen. Wir werden in den späteren Staffeln jedenfalls Angehörige aller drei Kasten zu sehen bekommen.
  • Als Thomas am Ende der Episode Aldous‘ Nachfolge als Suchender antritt, verlässt er die Station auf einem Raumschiff namens Mary Celeste. JMS bezeichnet diese Tatsache als ein Beispiel „wirklich perversen Humors“, denn bei der Mary Celeste handelt es sich um ein berühmtes Geisterschiff. Es wurde 1872 im Atlantik treibend aufgefunden, ohne Hinweise auf den Verbleib der Crew. Da kann man nur hoffen, dass die Mary Celeste mit „Jinxo“ an Bord heil an ihr Ziel kommen wird…
  • Zum ersten Mal haben wir hier einen Fall von „mind wiping“, also kompletter Gedächtnislöschung. Dr. Franklin berichtet, man werde der Frau, die Opfer des Feeders geworden ist, all ihre Fähigkeiten neu beibringen müssen wie einem kleinen Kind.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Aldous Gajic trägt denselben Nachnamen wie der Ehemann von Delenn-Darstellerin Mira Furlan, Goran Gajić.
  • Mr. Flinn, der in der Gerichtsszene das Alien verklagt (siehe „Highlight der Episode“), wird vom Kameramann der Serie gespielt, John C. Flinn III. Dieser war bereits früher immer wieder als Schauspieler tätig gewesen, war zu diesem Zeitpunkt jedoch lange nicht mehr vor der Kamera gestanden. Da JMS die Figur im Drehbuch jedoch Flinn genannt und bereits allen Crewmitgliedern mitgeteilt hatte, dass John Flinn die Rolle übernehemen werde, konnte er sich nicht mehr aus der Affäre ziehen und musste die kleine Rolle übernehmen.
  • „Grail“ ist die letzte Episode, bei der Richard Compton Regie geführt hat. Compton war als Regisseur für den Pilotfilm und insgesamt fünf Folgen der ersten Staffel verantwortlich.
  • Wenn auch der „Na’ka’leen Feeder“ wie gesagt heute einfach nur noch billig aussieht, so war eine solche computergenerierte Figur damals fürs Fernsehen geradezu revolutionär. Je nachdem, welcher Quelle man glaubt, brauchten die Computer von Foundation Imaging damals ein bis zwei Wochen, um die Kreatur zu rendern.
  • Am Anfang der Episode setzt Deuce Thomas ein Zeitlimit von „300 cycles“. Diese „Umdrehungen“ sollten anfangs als Zeiteinheit auf Babylon 5 verwendet werden, doch JMS entschied sich schnell wieder um, da die Zuschauer mit dieser Zeitangabe nicht viel anfangen können. In zukünftigen Episoden werden Umdrehungen der Station nicht mehr als Zeiteinheit verwendet.

Zitate:

Delenn: „Among my people, a true seeker is treated with the utmost reverence and respect. It doesn’t matter that this Grail may or may not exist. What matters is that he strives for the perfection of his soul and the salvation of his race. That he has never wavered or lost faith.“

Sinclair: „One person’s lunatic is another person’s true seeker.“
Garibaldi: „You’ve been hanging around with Delenn too much.“

Londo: „Fools to the left of me, feeders to the right. I need to find a real job!“

Ivanova: „No boom today. Boom tomorrow. There’s always a boom tomorrow.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.16 „Eyes“