Das Bourne-Vermächtnis

Vor ein paar Tagen habe ich einen weiteren Film nachgeholt, den ich 2012 eigentlich im Kino sehen wollte, dann aber doch verpasst habe: „The Bourne Legacy“, den Bourne-Film ohne Bourne…
Ich mag die ersten drei Filme mit Matt Damon sehr gerne (Teil 2+3 habe ich 2007 im Rahmen eines Triple Features zum ersten Mal gesehen). Sie verbinden „handgemachte“ Action, die nicht auf große Effekte setzt mit einer spannenden, sich plausibel durch drei Filme ziehenden Geschichte. Noch dazu wurde die Reihe über drei Filme hinweg von Film zu Film besser, was man ja von den allerwenigsten Fortsetzungen behaupten kann. Nicht nur wurde die Geschichte in den beiden Fortsetzungen konsequent und sinnvoll erweitert und zu Ende erzählt, Paul Greengrass, der ab Teil 2 die Regie übernahm, verlieh der Reihe mit seiner Vorliebe für schnelle Schnitte und die berüchtigten, wackeligen Handkamerabilder auch noch ihren ganz eigenen Stil, der oft kopiert worden ist.

Nachdem Matt Damon nach dem dritten Film („Das Bourne-Ultimatum“) seinen Ausstieg aus der Reihe verkündete, schien diese damit beendet zu sein. Als schließlich mit „Das Bourn-Vermächtnis“ dann doch ein vierter Teil angekündigt wurde, der aber ohne Matt Damons zentrale und namensgebende Figur auskommen sollte, fragten sich viele (mich eingeschlossen), wie das denn bitteschön funktionieren sollte. Da das „Vermächtnis“-Drehbuch aber erneut aus der Feder von Tony Gilroy stammte, der bereits an den ersten drei Teilen als Autor mitgewirkt hatte, durfte man zumindest hoffen, dass die Macher hier wissen, was sie tun und vielleicht wirklich eine Möglichkeit gefunden haben, die Geschichte plausibel fortzusetzen. Trotzdem klang der Gedanke, einen „Bourne“-Film ohne Bourne drehen zu wollen, erst einmal paradox. Tony Gilroy übernahm dann neben der Aufgabe des Co-Autors auch gleich noch die Regie. Handkamerabilder und Stakkatoschnitte gehören damit der Vergangenheit an, aber da die hier erzählte Geschichte so langweilig ist und – ebenfalls ganz im Widerspruch zu den bisherigen Filmen – weitestgehend ohne Action auskommt, ist das auch schon egal.

Nachdem im dritten Film all die geheimen CIA-Programme – „Treadstone“, „Blackbriar“, usw. – aufgeflogen sind und die Verantwortlichen nun zur Rechenschaft gezogen werden, versucht dieses Mal nun ein von Edward Norton gespielter CIA-Agent namens Eric Byer, das Schlimmste zu verhindern, indem er alle noch lebenden Mitglieder dieser Programme töten lässt. Zu Beginn des Films verbringen wir einen Großteil damit, dem neuen Hauptprotagonisten Aaron Cross (Jeremy Renner) dabei zuzusehen, wie er irgendwo am anderen Ende der Welt zu Trainingszwecken durchs verschneite Gebirge klettert und sich gegen die Flugdrohenn zur Wehr setzt, die Byers Leute geschickt haben, um ihn zu liquidieren. Nachdem es Cross gelungen ist, seinen eigenen Tod vorzutäuschen, sucht er die Ärzting Marta Shearing auf, die an der Entwicklung all der Viren und Medikamente beteiligt war, mit denen Cross und die restlichen Teilnehmer des Projekts „Outcome“ zu superstarken und superintelligenten Kampfmaschinenen herangezüchtet wurden.

Die Notizen, die ich mir während des Films gemacht habe, sehen in etwa so aus: „Noch keine Action nach 30 Minuten! … Nach 50 Minuten immer noch keine richtige Actionsequenz. … nach einer knappen Stunde: endlich die erste Actionszene!!“ Tatsächlich kommt „Das Bourne-Vermächtnis“ mit nur zwei Sequenzen aus, die man als vollwertige Action-Szenen bezeichnen kann – einem Kampf in Marta Shearings Haus und einer langen Verfolgungsjagd am Ende des Films. Bis zur ersten dieser beiden Szenen vergeht dabei eine knappe Stunde, während der man sich schon fragen kann, ob man hier wirklich im richtigen Film sitzt. Während es in den letzten „Bourn“-Filmen kaum Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und der Spannungsbogen konstant hoch gehalten wurde, so lässt sich dieser Film quälend lange Zeit, bis er überhaupt mal zum ersten wirklich wichtigen Plotpoint kommt. Auf äußerst langwierige und komplizierte Weise ist man nach etwa 50 Minuten nämlich bei genau derselben Ausgangssituation angekommen, wie sie auch schon für die anderen Filme typisch war: Ein einsamer Agent ist auf der Flucht vor seinen einstigen Auftraggebern und muss sich im Kampf einer gegen alle zur Wehr setzen.

Cross‘ äußerst langgezogener Aufenthalt im verschneiten Gebirge hat meine Geduld jedenfalls sehr strapaziert. Was hat sich Gilroy wohl dabei gedacht, als er den Auftakt des Films über eine ganze Stunde gestreckt hat? Wirklich sinnvoll war diese Entscheidung nicht und ich muss es noch einmal sagen, weil ich es selbst kaum fassen kann, aber erst nach dieser „Episode“, als Aaron Cross im Haus der Ärztin Marta Shearing (Rachel Weisz) angekommen ist, gibt es eine erste Actionsequenz zu sehen (sein vorheriges Davonlaufen vor einem Wolf und Austricksten der Drohne kann man nicht wirklich als solche zählen). Die zweite Hälfte des Films besteht dann darin, dass Cross und Shearing in Manila in eine Medikamentenfabrik einbrechen, um Cross die rettende Pille oder Spritze zu besorgen, die ihn davor bewahren soll, weiterhin auf kleine blaue oder grüne Pillen angewiesen zu sein. Irgendwie so jedenfalls, so wirklich hat mich das nämlich nicht mehr interessiert. Mal ehrlich: das hier soll die tolle, den Bourne-Mythos erweiternde Geschichte sein, die euch eingefallen ist? Also wirklich…

Jeremy Renner, der dank seinen Auftritten im vierten „Mission: Impossible“-Film und bei den „Avengers“ durchaus schon actionerprobt ist, kann man am wenigsten die Schuld dafür geben, dass dieser Film schlicht und einfach langweilig ist. Hier wurde nämlich eine sehr dünne Storyidee auf 135 Minuten gestreckt, was für einen Actionfilm dieser Länge schlicht und einfach nicht ausreichend ist. Gilroy hat sich zwar sehr bemüht, die Verbindungen zu den anderen Filmen und zur Figur des Jason Bourne herzustellen, viel interessanter wird das „Vermächtnis“ dadurch aber leider auch nicht. Teile des Films spielen gleichzeitig mit dem dritten Teil, die von Joan Allen, David Straithairn und Albert Finney gespielten Figuren tauchen kurz auf und Matt Damons Foto ist immer wieder auf irgendwelchen Displays zu sehen, aber die eigentliche Handlung des Films ist ganz einfach viel zu dünn und wie gesagt sehr actionarm, was ich immer noch nicht fassen kann. (Stammt Straithairns Szene hier eigentlich aus dem dritten Teil? Es würde jedenfalls keinen Unterschied machen.)

Fazit: Zunächt braucht „Das Bourne-Vermächtnis“ quälend lange, bis der Film endlich mal in Fahrt kommt, anschließend stellt sich aber heraus, dass die hier erzählte Geschichte nicht wirklich neu oder auch nur besonders interessant ist. Noch dazu kommt dieser Action-Thriller über weite Strecken ohne Action aus und wirkt damit zumindest während seiner ersten Hälfte eher wie ein Fernsehfilm mit knappem Budget. Sorry, lieber Jeremy, aber dieser Film ist nicht gerade der Renner!

Cloud Atlas

Vor kurzem habe ich wieder einmal einen Film nachgeholt, den ich letztes Jahr verpasst habe: „Cloud Atlas“. Dass ich ihn verpasst habe, stimmt allerdings nicht ganz, denn ich habe ihn bewusst nicht im Kino gesehen, weil ich erst die Buchvorlage von David Mitchell lesen und danach den Film anschauen wollte. Mit dem Buch bin ich Anfang des Jahres fertig geworden, der Film lief aber leider nicht mehr im Kino, so dass ich erst auf das Erscheinen der Blu-ray warten musste.

David Mitchells Buch „Cloud Atlas“ einfach als Roman zu bezeichnen, scheint schon fast untertrieben. Der Autor hat sich dabei nämlich an nichts Geringerem versucht, als in einer allumfassenden, allgemeingültigen Geschichte aufzuzeigen, wie die Handlungen einer jeden Einzelperson für die Entwicklung der gesamten Menschheit von Bedeutung sein können und wie diese Handlungen weit über den direkten Wirkungsbereich des Einzelnen hinaus reichen – auch in der Zeitdimension. Dies sind jedenfalls aus meiner Sichtweise die Haupthemen des Buches. Je nach Sichtweise und Interpretation nimmt die in „Cloud Atlas“ erzählte Geschichte philoshophische bis esoterische Züge an und ist mit der für die Verfilmung kreierten Tagline „Alles ist verbunden“ zwar korrekt, aber natürlich auch nur äußerst knapp umschrieben.

Mitchell erzählt in „Cloud Atlas“ zumindest auf den ersten Blick sechs vollkommen unterschiedliche Geschichten, die alle zu unterschiedlichen Zeiten spielen (vom 19. Jahrhundert bis hin in eine apokalyptische Zukunft, in der weite Teile der menschlichen Zivilisation zusammen gebrochen sind). Die ersten fünf Geschichten werden jeweils mitten in der Handlung unterbrochen (eine sogar mitten im Satz!), dann folgt die in der Mitte des Buches angeordnete Endzeit-Geschichte, bevor die ersten fünf Erzählungen in umgekehrter Reihenfolge zu Ende erzählt werden. Daraus ergibt sich ein symmetrischer Aufbau des Buches. Zusätzlich folgen die einzelnen Erzählstränge in ihrem Aufbau jeweils noch einer eigenen literarischen Form; bei der das Buch beginnenden und abschließenden Erzählung handelt es sich beispielsweise um ein Tagebuch, es folgen unter anderem ein Briefroman, ein Thriller und ein Interview.

Von der den Film begleitenden Werbekampagne wurde man letztes Jahr immer wieder darauf hingewiesen, dass hier Halle Berry, Tom Hanks und andere Darsteller jeweils (zum Teil bis zu sechs) verschiedene Rollen spielen. Als etwa Hanks und Berry im November auf der „Wetten dass…?“-Couch saßen, wurden in einem kurzen Video-Einspieler ihre verschiedenen Figuren in den unterschiedlichen Masken und Verkleidungen gezeigt, der eigentliche Inhalt des Films wurde jedoch mit keinem Satz thematisiert. Aber wie auch? All jenen Fernsehzuschauern, die keine eingefleischten Kinofans sind und noch nie von diesem Film gehört haben, die Handlung erklären zu wollen, würde wohl eher eine abschreckende als werbewirksame Wirkung haben. Und es ist wohl kein Wunder, dass der Film im Kino als Flop zu verbuchen war, nachdem man nicht in der Lage war, seinen Inhalt anders als über den Hinweis auf Tom Hanks in verschiedenen Masken und die alles- und nichtssagende Zeile „Alles ist verbunden“ zu vermitteln.

Auch unter denjenigen, die sich dann tatsächlich eine Karte gekauft haben, dürften sich recht viele bereits nach zehn Minuten gefragt haben, worum es denn bitteschön in diesem Film eigentlich geht und was diese scheinbar durcheinander ablaufenden, völlig unterschiedlichen Geschichten miteinander zu tun haben. Und warum in allen Tom Hanks auftaucht. Übrigens hat wohl auch der überlange – nämlich achtminütige – Trailer, der im Vorfeld im Internet veröffentlicht wurde, zwar wohl diejenigen, die sich sowieso schon für „Cloud Atlas“ interessiert hatten, neugieriger gemacht, aber viele weitere Zuschauer dürfte man mit dieser Marketingmaßnahme nicht überzeugt oder auch nur erreicht haben. Ein achtminütiger Trailer – das allein klingt doch schon anstrengend und kompliziert, dabei war die Absicht doch, einen Einblick in die Geschichte zu geben und zu zeigen, dass die dem Film zugrunde liegenden Gedanken zwar tiefgründig, aber eigentlich ganz einfach sind. Aber der Aufbau der Geschichte bringt es nun einmal mit sich, dass sich eine kurze Zusammenfassung des Films wie auch des Buchs nach einem fürchterlich schwierigen Werk anhören muss. Was für ein Dilemma!

Mir als großem Filmfan war all das zum Glück egal, ich habe den Trailer in voller Länge gesehen und wie gesagt vor dem Anschauen des Films extra das Buch gelesen, war also auf einen komplexen Film vorbereitet (ich war sogar ziemlich gehypet, nachdem „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski, auf dessen Meinung ich sehr viel gebe, den Film in den höchsten Tönen gelobt hatte). Nachdem ich „Cloud Atlas“ nun einmal gesehen habe, weiß ich zwar noch nicht, ob er auch für mich das Meisterwerk darstellt, als das ihn manche seiner Bewunderer bezeichnen. Ein großartiger Film ist es aber allemal.

Die Entscheidunge, fast alle Darsteller mehrere unterschiedliche Rollen spielen zu lassen, ist insofern nachvollziehbar, als es in den verschiedenen Handlungssträngen ja immer wieder um die selben Themen geht und die handelnden Figuren vor ähnliche Entscheidungen gestellt werden. Natürlich bildet bei der Interpretation der Geschichte die Idee der Reinkarnation ein naheliegendes Konzept (welches nie explizit angesprochen wird), doch man muss die verschiedenen, jeweils vom selben Darsteller gespielten Figuren nicht unbedingt als Wiedergeburten derselben Seele oder was auch immer ansehen. Dass man in jeder der Episoden die Gesichter von Tom Hanks und Halle Berry wieder findet, macht auch ohne das Reinkarnationskonzep Sinn, da es die Ähnlichkeiten zwischen den Handlungssträngen betont und zeigt, dass einzelne Individuen zu allen Zeiten immer wieder für die gleichen Ideale kämpfen müssen. Die Masken und Verkleidungen sind wirklich großartig, führen aber leider auch dazu, dass man ein ganzes Stück lang fast zu sehr damit beschäftigt ist, in jeder der sechs Geschichten alle Schauspieler zu identifizieren und so von der Handlung abgelenkt ist. Nicht immer sind die Schauspieler nämlich sofort zu erkennen (z.B. wenn Hugh Grants einen Stammeskrieger spielt, dessen Gesicht unter aufwändigen Bemalungen verborgen ist).

Mit dem Anspruch, David Mitchells Roman in einen knapp dreistündigen Film packen zu wollen, haben sich die Filmemacher hier wahrlich keinen Gefallen getan. Aus dem Stoff hätte man ohne Probleme auch einen Mehrteiler fürs Fernsehen machen können. Auch ein Episodenfilm mit konventionellerem Aufbau, bei dem die sechs Handlungsstränge einfach nacheinander erzählt werden, wäre sicherlich naheliegend gewesen. Höchstwahrscheinlich hätte aber unter der letzteren Variante die Botschaft des Films gelitten, denn die große Stärke von „Cloud Atlas“ ist es gerade, dass durch die ineinander verwobenen Geschichten, die quasi gleichzeitig erzählt werden, deren Parallelen hervortreten und vielleicht sogar deutlicher werden, als nach dem einmaligen Lesen des Buches. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber der Film ist tatsächlich auf eine Weise zusammengeschnitten, die einen nie den Faden verlieren lässt. Man kann allen sechs Geschichten ohne größere Probleme folgen (zumindest konnte ich das, mit dem Roman im Hinterkopf), selbst als die Wechsel zwischen ihnen zum Ende des Films in immer kürzerem Abstand erfolgen. Vielleicht liegt das daran, dass die Filmemacher den Film beim Schnitt als eine einzige, durchgehende Geschichte betrachtet haben und nicht als aus sechs unterschiedlichen Geschichten zusammengesetzt. Besonders positiv ist mir übrigens der Tonschnitt aufgefallen, denn gerade auf akustischer Ebene werden die einzelnen Segmente sehr gut miteinander verbunden und plötzliche Übergänge „kaschiert“, sowohl durch Musik als auch durch Soundeffekte (z.B. wenn das Geräusch eines galoppierenden Pferdes in das Rattern eines Zuges überblendet wird).

Nicht nur beim Schnitt, sondern ganz generell ist es notwendig, „Cloud Atlas“ als eine Geschichite zu betrachten. Alles ist verbunden – so banal sich dieser Satz auch anhören mag, man muss ihn erst einmal verinnerlicht und seine wirkliche Bedeutung verstanden haben: dass jede Handlung eines jeden Einzelnen weitreichende Folgen haben kann und jede Person die Chance hat, die Welt in der wir leben, aktiv mit zu gestalten. (Ich muss gerade an eine Szene aus dem „Making of“ zu Ridley Scotts „Blade Runner“ denken: Dort erzählt Scott, wie er den „money people“ vom Studio die Einhornszene seines Films zu erklären versucht. Seine Erklärung erschöpft sich weitgehend in einem Satz: „If you don’t get it, what’s the point in me explaining it?“ – Ich kann mir vorstellen, dass die Wachowskis und Tykwer zunächst in ähnlich verständnislose Gesichter geblickt haben wie Scott, als sie den Studiobossen ihren Film und ihr Konzept dazu zu erklären versucht haben.) Der Film fügt dem Roman jedenfalls nicht einfach nur ein paar beeindruckende Bilder hinzu, sondern hilft einem auch, dessen Themen und Motive besser zu verstehen, die man nach einmaligem Lesen vielleicht nicht alle bewusst wahrgenommen hat.

Insgesamt hat mir „Cloud Atlas“ also sehr gut gefallen, wobei ich mir nicht sicher bin, wie weit ich der Handlung hätte folgen können, ohne vorher den Roman gelesen zu haben. Ein paar Kritikpunkte habe ich aber auch. So sah zum Beispiel das Alters-Makeup nicht besonders überzeugend aus und war sofort als Maske erkennbar. Weiterhin hatte Susan Sarandon zwar auch in mehreren der Handlungsstränge jeweils eine Rolle, aber keine davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben, was schade ist, da ich Sarandon sehr mag. Ach ja, dann ist da noch Halle Berry…zu ihr habe ich bislang noch in keinem Film eine enge emotionale Beziehung aufbauen können, ich mag sie als Schauspielerin einfach nicht (ihre mit dem Oscar ausgezeichnete Performance in „Monster’s Ball“ habe ich allerdings noch nicht gesehen). Zugegeben, da können die Filmemacher nichts dafür. Noch mehr gestört hat mich aber die Musik des Films, die unter anderem von Tom Tykwer selbst geschrieben wurde (er wurde dafür sogar für einen Golden Globe nominiert). Sie war zwar irgendwie nett und die Stimmung unterstreichend, aber bei einem Film von solcher epischer Breite erwarte ich dann doch etwas viel Pompöseres als Tykwers belangloses Gedudel. Da hätte mal ein klassischer John Williams-Score gut getan, um den Film nochmal in eine ganz andere Sphäre zu heben.

Trotz dieser Schwächen ist „Cloud Atlas“ aber durchaus ein gelungener und vor allem optisch beeindruckender Film. Es ist schade, dass er im Kino gefloppt ist, aber ich bin überzeugt davon, dass er – ganz ähnlich wie der bereits erwähnte „Blade Runner“ – im Laufe der Jahre seine Fans finden wird. Denn die Botschaften des Buches wie des Films sind tatsächlich sehr wichtige. Kleine, scheinbar unbedeutende Ereignisse können für die weitere Entwicklung der ganzen Menschheit von Bedeutung sein und so kann jeder Einzelne dazu seinen Beitrag leisten. Oftmals lässt sich das erst nach langer Zeit erkennen, der kurzfristige Blick reicht dafür nicht aus. Aber genau diesen Blick wollen David Mitchell, Andy und Lana Wachowski und Tom Tykwer verändern und ihr Publikum für größere Zusammenhänge sensibilisieren. Wer weiß schon, was die eigenen Handlungen für Auswirkungen haben werden? Im Film führen die Entscheidungen eines einzelnen Arbeiterklons zu weitreichenden Veränderungen und genau jener Klon – das Mädchen Sonmi~451 ~ wird Jahrhunderte später als Göttin verehrt. „My life extends far beyond the limitations of me“, erklärt der junge Komponist Robert Frobisher (Ben Wishaw) in einem der anderen Handlungsstränge und genau diese Einsicht ist es, die meiner Meinung nach notwendig ist, um viele der Probleme und Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, zu meistern. Kurzfristiges, egoistisches Denken und der Blick auf den schnellen (wirtschaftlichen) Erfolg muss ersetzt werden durch einen umfassenderen Denk- und Erfahrungshorizont. Denn genau wie im Film hat auch in der Realität jede Handlung eines jeden Einzelnen weit reichende Konsequenzen für den ganzen Planeten, auch wenn sie für sich allein genommen vielleicht unbedeutend erscheinen mag. Eine achtlos weggeworfene, aber tatsächlich hochgiftige Zigarettenkippe kann durch Wind und Regen über Abwasserkanäle und Flüsse ins Meer gelangen und dabei zahlreiche Meereslebewesen töten. Ein für 4,95 gekauftes T-Shirt wurde in Bangladesch von schlecht bezahlten Näherinnnen unter schlimmsten Bedingungen hergestellt. Mit unseren Entscheidungen und Handlungen tragen wir dazu bei, die Zukunft unserer Welt mitzugestalten – und dabei sind es auch und gerade solche alltäglichen, scheinbar bedeutungslosen Dinge, die fatale Auswirkungen haben können.

„Alles ist verbunden.“ Dieser Satz klingt simpel und erscheint banal, aber ich bin überzeugt davon, dass die hinter ihm stehenden Bedeutungen, die der Film und das Buch transportieren, hochbrisant sind. Früher oder später wird die Menschheit hoffentlich erkennen, dass der Horizont eines einzelnen Menschenlebens zu klein ist, um die Entwicklung unserer Welt und Zukunft im Blick zu haben und dass wir in größeren Zeitabschnitten denken müssen. „Cloud Atlas“ zeigt in jedem seiner sechs Handlungsstränge Personen, die sich über ihre eigenen Grenzen hinwegsetzen müssen, deren Weltbild erschüttert wird, die vor weit reichende Entscheidungen gestellt werden und schließlich versuchen, auch gegen Widerstand Veränderungen durchzusetzen. Auf diese Weise wird hier exemplarisch verdeutlicht, wie gesellschaftlicher Wandel durch Erlebnisse und Entscheidungen Einzelner in Gang gesetzt werden kann. Zum Beispiel, wenn ein junger Seefahrer, dessen Leben von einem schwarzen Sklaven gerettet wird, sich später der noch kleinen Gruppe an Gegnern der Sklaverei anschließt und auf diese Weise dazu beiträgt, die Sklaverei abzuschaffen. Solche Entwicklungen und Veränderungen sind oft größer als wir selbst, größer als der Erfahrungs- und Wirkungshorizont einer Einzelperson. Aber auch wenn einzelne Menschen sterben, können sie doch zu ihren Lebzeiten wichtige Veränderungen in Gang setzen, die auch nach ihrem Tod weiter wirken.

If you don’t get it, what’s the point in me explaining it….. 😉

Star Trek Into Darkness

Nachdem ich „Star Trek Into Darkness“ inzwischen schon zweimal im Kino gesehen und habe und den Film einfach fantastisch finde, muss ich einfach ein paar Zeilen über ihn verlieren. Mein Herz schlägt seit 18 Jahren für „Star Wars„, aber ich habe auch „Star Trek“ immer geliebt, alle Kinofilme mehrmals gesehen, einen Großteil der Episoden aller Serien angeschaut und war von der Idee der Autoren des 2009er Reboots, eine alternative Zeitlinie einzuschlagen, wirklich begeistert. Ich glaube ja, dass die Tatsache, dass Regisseur J.J. Abrams „Star Trek“ zwar kannte, bevor er damals die Regie des Films übernahm, aber nie wirklich ein Fan davon war, dem Film sehr zugute gekommen ist; nur jemand, der das Phänomen „Star Trek“ ein wenig von außen betrachten konnte und nicht aus dem Blick eines Fans, konnte wohl den Mut und die Entschlossenheit haben, einen so radikalen Schritt wie die Zerstörung von Vulkan und die Verlagerung der gesamten Erzählung in ein Paralleluniversum in Betracht zu ziehen und durchzusetzen. (Das bringt mich jetzt wieder zu der Sorge darüber, was der erklärte „Star Wars“-Fan Abrams in „Episode VII mit „Star Wars“ anrichten wird, aber das ist ein anderes Thema.)

Mehrmals habe ich in den letzten Tagen in verschiedenen Kritiken zum nun erschienenen Sequel „Star Trek Into Darkness“ gelesen, es sei schade, dass auch dieser zweite Film den Zuschauer zwar auf eine extrem unterhaltsame Action-Achterbahnfahrt schickt, es aber nicht schafft, essentielle Fragen des „Star Trek“-Universums ausreichend zu thematisieren (die Bedeutung der obersten Direktive wird beispielsweise nur kurz angerissen). Dazu will ich Folgendes sagen: In den Kinofilmen der Reihe lag der Actionanteil stets höher als in den Serien. Die Filme waren darauf angewiesen, ein großes Publikum zu erreichen, das nur zu einem relativ kleinen Teil aus Fans bestand. Ausführliche Diskussionen philosophischer oder ethischer Fragen waren da natürlich fehl am Platz – und wenn man es mal versucht hat, ging das eher nach hinten los (siehe die Filme Nr. 5 & 9). In einer Fernsehserie, bei der nicht in jeder Folge alle Charaktere bedient werden wollen und nicht auch noch jedes Mal eine ordentliche Portion Spannung und Action enthalten sein muss, kann man es sich natürlich leisten, mal zum Beispiel eine ganze Episode lang über die Todesstrafe zu diskutieren. Ein zweistündiger Kinofilm muss aber all das auf einmal unter einen Hut bringen und zudem noch möglichst viele Zuschauer ansprechen, die sich im „Star Trek“-Universum bislang noch kaum oder gar nicht auskennen. Am besten gelungen ist dieser schwierige Spagat zwischen Tiefgang und Unterhaltung bislang im besten der alten „Star Trek“-Filme, dem zweiten („Der Zorn des Khan“). Bei „Star Trek Into Darkness“ hat man sich für etwas weniger Tiefgang entschieden als das vielleicht möglich gewesen wäre, dafür hält der Film genau wie Teil eins sein Tempo konstant hoch und reiht eine beeindruckende Actionsequenz an die nächste. Mich persönlich stört das überhaupt nicht, denn Kino ist nun mal nicht Fernsehen (und platt ist die in „Into Darkness“ erzählte Geschichte deswegen noch lange nicht).

Für mich ist „Star Trek Into Darkness“ ein nahezu perfekter SciFi-Actionfilm, der mich mehrmals überraschen konnte. Und damit bin ich bei der zweiten mutigen Entscheidung von J.J. Abrams: seiner Geheimniskrämerei. Selbst ein Fan – wenn auch nicht von „Star Trek“ – weiß der Mann ganz einfach, wie schön es sein kann, ins Kino zu gehen und nicht schon bis ins Detail zu wissen, was einen erwartet. Die Trailer der meisten großen Filme nehmen inzwischen viel zu viel von deren Handlung vorweg und im Internet kann man oft schon Monate vor dem Kinostart die kleinsten Storydetails (manchmal sogar das komplette Drehbuch!) vieler Filme finden. Deswegen finde ich es höchst bewundernswert, dass J.J. Abrams sich dazu entschieden hat, bei jedem seiner Projekte gerade so viel nach außen dringen zu lassen, dass man neugierig wird – mehr aber nicht. Mir ist natürlich bewusst, dass es auch eine brillante Marketingstrategie darstellt, die Internetfangemeinde monatelang über die Identität des von Benedict Cumberbatch gespielten Antagonisten rätseln zu lassen. Aber ich nehme es Abrams ehrlich ab, dass er diese Geheimniskrämerei nicht nur aus Marketingzwecken betreibt, sondern weil er wirklich daran glaubt, dass man im Kino am besten unterhalten wird, wenn man vorher möglichst wenig über den Ablauf des Films weiß. Und gerade weil mir Abrams‘ Absichten so glaubwürdig und ehrenhaft erscheinen, bin ich auch bereit, meinen Teil zu dieser Strategie beizutragen und habe deshalb in den Monaten und Wochen vor dem Kinostart des neuen „Star Trek“-Films alle Spoilerfallen bewusst gemieden. Ich habe fast keine Kritiken gelesen, ich habe mich nicht in Fan-Foren umgesehen, den letzten Trailer zum Film habe ich im Internet gar nicht mehr angeschaut.

Dass ich „Star Trek Into Darkness“ so fantastisch fand, dass der Film eine so überwältigende Wirkung auf mich hatte wie sie wirklich nur selten ein Film hat, hat zu einem großen Teil damit zu tun, dass ich eben dieses Mal vorher schlicht und einfach fast nichts über die Handlung wusste. Aber auch damit, dass es sich einfach um einen sehr, sehr guten Film handelt. Das geht schon beim Drehbuch los: Zwar ist die Handlung insgesamt nicht besonders komplex, doch die Dialoge und die Ausarbeitung und Weiterentwicklung der meisten Figuren so gut gelungen, dass das Zuschauen und -hören eine große Freude ist. Die Darsteller müssen einen Riesenspaß dabei gehabt haben, sich die Textzeilen wie Tischtennisbälle zuzuspielen. Die Humordichte ist dabei zum Teil sehr hoch, aber das Schöne ist, dass die Lacher hier nie um ihrer selbst willen in den Film geschrieben worden sind, sondern stets der Charakterisierung der Figuren dienen (gut, ein paar wenige Ausnahmen gibt es, aber die haben micht überhaupt nicht gestört). Das beste Beispiel ist die Szene, in der Spock und Uhura in einem Shuttel ihre Beziehungsprobleme diskutieren, sehr zum Unwohlsein ihres Captains, der das Ganze nicht nur mit anhören muss, sondern auch noch mit hinein gezogen wird. Des Weiteren gibt es eine ganze Reihe von Anspielungen, die dem „Star Trek“-Kenner ein Grinsen ins Gesicht zaubern und die eines der Mittel sind, die diesen Film, der doch sowohl optisch als auch inhaltlich Lichtjahre vom alten „Star Trek“ entfernt zu sein scheint, mit der „Classic“-Serie verbinden und helfen, ihm das entscheidende „Star Trek“-Feeling zu verpassen.

Dieses Feeling ist aber nicht nur den Dialogen und den nur für Fans gemachten Anspielungen zu verdanken, sondern in erster Linie den Darstellern. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber nach diesen beiden Filmen von J.J. Abrams akzeptiere ich Chris Pine, Zachary Quinto und auch alle anderen Darsteller der Crewmitglieder ebenso in den Rolle von Kirk, Spock usw. wie die Originaldarsteller aus der klassichen Serie. Irgendwie haben Abrams, seine Drehbuchautoren und seine Schauspieler das schier unmögliche Kunststück hinbekommen, die ikonenhaften Originalfiguren nicht zu kopieren, beim Zuschauer aber dennoch das Gefühl zu wecken, als kenne er diese Charaktere schon jahrzehntelang. Das hat sicherlich viel damit zu tun, dass wir im ersten Film das Zusammenkommen und gegenseitige Kennenlernen dieser Crew miterleben durften und auch damit, dass die beiden Filme in einer alternativen Realität (quasi einem Spiegeluniversum) spielen, so dass sich die Autoren und Schauspieler zwar an entscheidende Grundkomponenten halten können und müssen (Vulkanier haben spitze Ohren, Kirk und Spock werden enge Freunde), aber eben in einigen entscheidenden Punkten davon abweichen, um „Star Trek“ aufzufrischen und zu erneuern (Spock darf zum Beispiel etwas emotionaler sein als früher).

Dieses Spielen mit Details findet sich im Film auf allen Ebenen. Immer wieder entdeckt man bekannte Elemente, die durch Neues verändert und modernisiert worden sind (oder umgekehrt). Die „Wollkragen“ einiger hochrangiger Sternenflottenoffiziere (sind das Admiralsuniformen? Da kenne ich mich zu wenig aus…) haben mich beispielsweise sehr an die Filme mit William Shatner und Co. erinnert und dazu beigetragen, dass ich den Film wie von selbst als „Star Trek“ akzeptiert habe, obwohl doch vieles – zum Beispiel die grauen Uniformen, die die Figuren in einigen Szenen tragen – vollkommen anders aussieht, als man es vom alten „Star Trek“ gewohnt war. Das gleiche gilt für das Design der Enterprise, die aus manchen Blickwinkeln fast so aussieht wie das Modell aus den 1960er Jahren, aus anderen dagegen überhaupt nicht.

In einem „Star Trek“-Fanforum habe ich vor ein paar Tagen heftige Diskussionen darüber mitgelesen, ob es ein kreatives Armutszeugnis sei, dass sich die Filmemacher für die Handlung von „Star Trek Into Darkness“ auf bereits etablierte Figuren stützen, statt etwas vollkommen Neues zu erfinden (schließlich muss man sich dank der eröffneten alternativen Zeitlinie ja theoretisch an keinen Kanon halten). Ich bin überhaupt nicht dieser Ansicht, denn auch hier ist es geglückt, bekannte Figuren und Handlungsbögen mit einem Twist zu versehen und genau darin lag für mich das Vergnügen beim Anschauen. Irritiert hat mich allein, dass ich bei einer hochemotionalen Szene am Ende des Films nicht aufhören konnte zu grinsen, obwohl das Geschehen eigentlich zum Weinen war. Aber so ist das nun mal, wenn eine der bekanntesten Szenen der Kinogeschichte noch einmal aufgegriffen, dabei aber gespiegelt wird, ohne zur Parodie zu verkommen. „Star Trek“ thematisiert sich selbst – willkommen im Meta-Universum!

Dass ich die Schauspieler in ihren Rollen alle großartig finde, habe ich schon geschrieben und das war nach dem ersten Teil auch nicht mehr überraschend. Im zweiten Teil kommen nun ein paar Neuzugänge hinzu. Peter Weller spielt Admiral Marcus, den Oberkommandierenden der Sternenflotte. Ohne zuviel zu verraten kann ich nur sagen, dass ich den Darsteller in der Rolle zunächst äußerst unpassend fand, später wurde mir aber klar, warum man ihn gecastet hat. Alice Eve spielt Carol Marcus, die Tochter des Admirals, die als weitere Wissenschaftsoffizierin an Bord der Enterprise kommt. Ihre Rolle ist die wohl undankbarste im ganzen Film, was aber überhaupt nicht negativ gemeint ist, sondern im Gegenteil ein weiteres Kompliment an die Filmemacher darstellt: Abrams und seine Autoren haben ganz klar langfristig gedacht und Carol Marcus hier als Figur etabliert, ohne sie auf Kosten der Geschichte unnötig in den Vordergrund zu rücken. Ich bin mir sicher, dass sie im nächsten Film eine wichtigere und interessantere Rolle einnehmen wird und dafür dann auf ihre Darstellung in diesem Film aufgebaut werden kann. Dann ist da natürlich noch Benedict Cumberbatch als Terrorist John Harrison (ich hätte ihn ja Ringo McCartney genannt…). Dieser Schauspieler und sein unglaublicher Erfolg in den letzten Jahren sind ja ein Phänomen für sich. Natürlich bin auch ich ein großer „Sherlock“-Fan (interessant übrigens, dass darin mit den Sherlock Holmes-Geschichten ähnlich verfahren wird wie im neuen „Star Trek“ mit dem „Star Trek“-Mythos) und dementsprechend auch ein großer Cumberbatch-Fan. Das ist also vielleicht der einzige Aspekt des Films, von dem ich nicht überrascht war: dass Benedict Cumberbatch als John Harrison einfach wahnisinnig charasmatisch ist und sämtliche Facetten dieser Figur mit Genuss ausspielt. „Star Trek Into Darkness“ zieht eine ähnlich Masche durch wie zuletzt schon „Skyfall“ und „The Avengers“: Der Oberbösewicht lässt sich gefangen nehmen und scheint damit zunächst unter Kontrolle zu sein, bis dann klar wird, dass alles genau nach seinem Plan verläuft. Aber viel mehr als in den beiden anderen genannten Filmen habe ich hier vorübergehend tatsächlich geglaubt, dass dieser Bösewicht es wirklich meint, wenn er sagt, er stehe auf der Seite der Helden. Es ist zum Großteil Cumberbatchs Schauspielkunst – nicht zuletzt seiner tiefen, hypnotischen Stimme – zu verdanken, dass man sich von seiner Figur einlullen lässt. Umso größer ist der Schock dann später, als er… aber mehr sollte ich jetzt wirklich nicht verraten, auch wenn das hier eh fast niemand liest. 😉

Ich könnte noch auf einige weitere, ebenfalls großartig gelungene Aspekte des Films eingehen, will aber doch allmählich zum Ende kommen. Nur noch Folgendes: Ich bin sehr gespannt, was J.J. Abrams mit „Star Wars“ anfangen wird. Den Weg des Reboots kann er dort ja nicht wählen, schließlich soll die Geschichte in Episode VII sinnvoll weiter erzählt werden. Aber obwohl ich großer „Star Wars“-Fan bin, wäre es mir eigentlich noch lieber, Abrams würde „Star Wars“ links liegen lassen und sich stattdessen voll auf den nächsten „Star Trek“-Film konzentrieren. Denn hinter dem möchte ich das gleiche Kreativteam am Werk sehen, dem wir die letzten beiden Filme zu verdanken haben. Abrams hat zwar wirklich einen Schlag, was seinen Lens Flare-Fetisch betrifft, davon abgesehen finde ich seine „Star Trek“-Filme aber fast perfekt und kann mir nicht vorstellen, dass der dritte Teil dieses Niveau halten kann, wenn Abrams nicht mehr so stark involviert ist. Zwar besteht theoretisch die Möglichkeit, dass Abrams „Star Wars“ dreht, der im Sommer 2015 erscheinen soll und danach sofort die Dreharbeiten zum „Star Trek“-Threequel startet, das 2016 zum 50-jährigen Trek-Jubiläum in die Kinos kommen soll. Doch unter einem derart gehetzten Vorgehen würden womöglich beide Filme leiden.

Nun hat er uns aber erst einmal „Star Trek Into Darkness“ geschenkt, den für mich bis jetzt besten Film des Jahres. Popcorn-Kino, bei dem man vor Spannung und vor Lachen vergisst, dass man einen Popcorneimer auf dem Schoß stehen hat, perfekte Unterhaltung längst nicht nur für Trekkies (aber für die ganz besonders, wenn sie sich auf das „Star Trek“ von J.J. Abrams einlassen können). Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass Abrams einen noch besseren Film hinkriegt (ein paar Ideen und meine eigene Meinung dazu hätte ich natürlich…), aber er soll es bitte, bitte mit allen Kräften versuchen. Wie sagte doch Captain Pike zu James T. Kirk im ersten Film? „I dare you to do better!“

Poltergeist (1982) – von desperate housewives und Geistergemeindeversammlungen

Vor ein paar Wochen bin ich auf Facebook auf ein Video-Review zur neuen 3D-Fassung von „Jurassic Park“, die in den USA bereits angelaufen ist (Deutschlandstart ist im September), aufmerksam geworden. Da Steven Spielbergs Dinosaurier-Klassiker einer meiner Lieblingsfilme ist, musste ich das Video natürlich sofort in voller Länge ansehen. Als ich dann feststellte, dass der Autor des Videos, Donald W. Pfeffer, auf seinem YouTube-Kanal derzeit dabei ist, sich in einem „Spielberg-A-Thon“ an sämtlichen Werken des Regisseurs abzuarbeiten, verbrachte ich schließlich zwei ganze Abende damit, mir seine Besprechungen aller Filme von Steven Spielberg anzuschauen, inklusive einiger früher Fernseharbeiten und des einen oder anderen Films, bei dem Spielberg gar nicht selbst Regie geführt hat. Pfeffer bespricht die Spielberg-Filme überwiegend in chronologischer Reihenfolge („Jurassic Park“ wurde aufgrund der aktuellen 3D-Wiederveröffentlichung vorgezogen) und ist momentan bei der „Jurassic Park“-Fortsetzung „The Lost World“ angekommen. Es werden in den nächsten Wochen und Monaten also noch mindestens zwölf weitere Videos folgen, die die Filme thematisieren werden, die Spielberg seitdem noch gemacht hat. (Übrigens finden sich auf Pfeffers YouTube-Seite und auf seinem Blog „Blessed Are The Geeks“ auch noch Video-Reviews zu allen „Planet der Affen“-Filmen sowie ein ganzer „Bond-A-Thon“, in dem alle – aber wirklich alle! – Filme besprochen werden, in denen die Figur des James Bond aufgetreten ist. Das trug ebenfalls dazu bei, dass ich zwei volle Abende vor meinem Laptop saß und mich von einem Video zum nächsten klickte.) Pfeffers Videos sind meistens sehr unterhaltsam, man erfährt immer wieder interessante Hintergrundfakten zu den besprochenen Filmen und natürlich ist es auch jedes Mal wieder einfach schön, ein wenig in Erinnerung an Filme zu schwelgen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat (das einzige wirklich schlechte und langeweilige unter den Video-Reviews ist das zu Spielbergs „Hook“ – wenn Ihr es anschaut, werdet Ihr merken, warum).

Die allermeisten Werke von Steven Spielberg habe ich mindestens einmal gesehen. „Poltergeist“, einen Film, an dem Spielberg 1982 offiziell „nur“ als Produzent beteiligt war, kannte ich allerdings noch nicht. In Pfeffers Besprechung zum Film wird ausführlich der Frage nachgegangen, inwiefern man diesen Film trotzdem als Spielberg-Film bezeichnen kann. Offiziell ist Tobe Hooper der Regisseur des Films (nicht zu verwechseln mit Tom Hooper, der „The King’s Speech“ und „Les Misérables“ gedreht hat), Spielberg scheint aber zumindest phasenweise die Regie selbst übernommen zu haben. Vor kurzem habe ich mir „Poltergeist“ ausgeliehen und spät abends angeschaut; es handelt sich definitiv nicht um einen Film, den man unbedingt gesehen haben muss, aber wenn man wie ich ein großer Fan von Steven Spielberg ist, dem 80er-Jahre-Look des Films etwas abgewinnen kann (wir hatten früher zuhause die gleichen Stühle!) und vielleicht auch noch ein Fan des Übernatürlichen und von Geistergeschichten ist, dann kann man mit diesem Film bestimmt nichts falsch machen.

„Poltergeist“ handelt schlicht und einfach davon, dass eine fünfköpfige Familie in ihrem selbst gebauten Vorstadthaus von Geistern heimgesucht wird. Zunächst macht sich das nur durch sich wie von selbst verrückende Stühle und ein paar fliegende Gegenstände bemerkbar, kurz darauf verschwindet dann aber die fünfjährige Tochter Carol Anne (Heather O’Rourke) und muss mit Hilfe einer Gruppe von Parapsychologen wieder befreit werden – und zwar aus dem Fernseher, in dem sie anscheinend gefangen war. Verstehen muss man das alles nicht, aber schließlich geht es ja auch um Vorgänge und Erscheinungen, die jenseits unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen. Die Drehbuchautoren – unter ihnen Spielberg – haben hier wohl all das in den Film geschrieben, was sie selbst gerne sehen wollten und mussten sich aufgrund der bequemen Ausgangslage der Geschichte gar keine Gedanken darum machen, wie viel oder wenig Sinn es ergibt. Und das ist auch okay so, wenn man von „Poltergeist“ nicht mehr erwartet, als eine knapp zweistündige Fahrt durch die Geisterachterbahn. Als solche funktioniert der Film tadellos, die Special Effects können zum Teil auch heute noch beeindrucken und vor allem die Darsteller überzeugen. Jobeth Williams und Craig T. Nelson spielen das in den Wahnsinn getriebene und immer mehr verzweifelnde Ehepaar; während Nelson im Verlauf des Films immer hilfloser wirkt, weil er allein nichts gegen die Geister ausrichten und seine Familie nicht wirkunsvoll beschützen kann, beeindruckt Williams als verzweifelte, zu allem bereite Mutter, die ihre Tochter um jeden Preis zurück in die Welt der Lebenden holen will. Unter den Nebendarstellern ist zum einen Beatrice Straight hervorzuheben, die die Parapsychologin Dr. Lesh spielt. Ihre Rolle besteht nach einer ersten Untersuchung des verfluchten Hauses zwar hauptsächlich darin, mit aufgerissenen Augen und zitternden Händen herumzustehen, sie legt aber eine solches Maß an Ernsthaftigkeit in ihre Darstellung, dass dies den ganzen Film aufwertet. Wenn Dr. Lesh den anderen Figuren und uns Zuschauern den Unterschied zwischen Poltergeistern und anderen Gespenstern erklärt, dann zieht einen das so in die Handlung hinein, dass man zumindest vorübergehend gar nicht mehr darauf kommt, diesen ganzen Spuk lächerlich zu finden.

Eine weitere interessante Nebenfigur ist das von Zelda Rubinstein gespielte „Medium“ Tangina – schon allein wegen der vielen kultigen Zeilen, die die Autoren der Schauspielerin in den Mund gelegt haben („Y’all mind hanging back? You’re jamming my frequency“). Der wirkliche Star des Films ist aber die kleine Heather O’Rourke, die die fünfjährige Tochter Carol Anne spielt (und deren unheimliches „They’re here!“ wahrscheinlich das bekannteste Zitat aus dem Film ist). Von Steven Spielberg zufällig entdeckt, wurde sie durch ihre Rolle in „Poltergeist“ zum Kinderstar, spielte auch in den beiden Fortsetzungen mit und starb leider 1988 im Alter von nur zwölf Jahren.

Im Film wird von Dr. Lesh und Tangina ausführlich erklärt, was ein Poltergeist ist, was er will und warum nun einer die kleine Carol Anne entführt hat. Ich habe jedoch schon zu Beginn des Films begonnen, meine eigene Theorie zu den geschilderten Ereignissen zu entwickeln: Ziemlich früh im Film sieht man die Mutter, Diane, neben ihrem Mann auf dem Bett sitzen und einen Joint rauchen (ich behaupte jetzt einfach mal, dass das keine normale Zigarette war). Später im Film versichert ihr die Parapsychologin Dr. Lesh, dass sie sie nicht allein lassen und sich um sie kümmern wird; denn Diane fühlt sich hilflos, einsam, verzweifelt. Das ist angesichts der traumatisierenden Ereignisse und des Verschwindens ihrer Tochter verständlich, aber steckt nicht vielleicht noch mehr dahinter? Geht es hier vielleicht nur vordergründig um „echte“ Geister, tatsächlich aber um die inneren Dämonen einer zutiefst verzweifelten Mutter und Hausfrau? Sie und ihr Mann scheinen alles zu haben, was sie sich nur wünschen könnten – ein neues Haus, finanzielle Absicherung, drei wunderbare Kinder. Doch ist das wirklich das Leben, das sich Diane erträumt hat? Mutter und Hausfrau, also kochen, putzen, bei den Hausaufgaben helfen und abends dem Mann zuhören, wenn er vom Stress in der Arbeit erzählt? Vielleicht ist es ja kein Wunder, dass Diane allmählich vollkommen ausgelaugt ist, sich leer und verzweifelt fühlt – die klassischen Symptome einer desperate housewife, die vom immer gleichen Vorstadtalltag irgendwann einfach die Nase voll hat. Was macht sie also? Sie sucht Ablenkung, versucht sich zu beruhigen. Vielleicht mal hier und da ein Gläschen Wein, eine schnelle Zigarette, nachdem die Kinder morgens aus dem Haus sind. Und vielleicht auch mal einen Joint. Die Kombination leichter bis mittelschwerer Drogen mit der sich über Jahre hinweg angestauten inneren Unruhe kann durchaus dazu führen, dass man die Geister, von denen man sich heimgesucht fühlt, tatsächlich vor sich sieht. Existieren all die Geschehnisse des Films also nur in Dianes Kopf? Ist die Parapsychologon Dr. Lesh nur eine Manifestation von Dianes unterbewusstem Wunsch nach einer Flucht aus diesem Leben? Diese Theorie ist nicht ganz ernst gemeint – und ich selbst habe während des Films nicht geraucht und nur Tee getrunken!

Und noch einen lustigen Gedanken hatte ich nach dem Film. An dieser Stelle muss ich allerdings eine Spoilerwarnung aussprechen, denn nun werde ich den kleinen Twist am Ende des Films verraten: „Poltergeist“ endet mit einem Schuss Kapitalismuskritik, denn wieder einmal war es die Gier des Menschen, die Schuld daran ist, dass es überhaupt zu all den schrecklichen Ereignissen kommen konnte. Es stellt sich nämlich heraus, dass die Neubausiedlung, in der das von den Geistern heimgesuchte Haus steht, auf dem Gelände eines früheren Friedhofs erbaut wurde. Der Friedhof wurde zwar vor dem Bau der Häuser an eine andere Stelle versetzt, aber um Geld zu sparen wurden vor dem Bau lediglich die Grabsteine versetzt. Die Leichen blieben im Boden! (Wieso das niemandem aufgefallen ist, ist mir ein Rätsel. Beim Graben müssen die Bauarbeiter doch auf die Särge gestoßen sein. Oder haben die Häuser in Amerika tatsächlich alle keine Keller?) Grund für den ganzen Spuk scheint also das Unbehagen der Leichen/Geister darüber gewesen zu sein, plötzlich eine Neubausiedlung quasi auf dem Dach zu haben. Was mich allerdings stutzig gemacht hat, war die Tatsache, dass lediglich ein einziges Haus zum Opfer ihres Spuks (und am Ende schließlich vollkommen zerstört) wurde. Wenn die Geister die lebenden Menschen loswerden wollten, warum haben sie dann nicht in allen Häusern ihr Unwesen getrieben?

Über die Gründe für diese Entscheidung sollte man einen weiteren Film drehen. Und zwar kein Sequel oder Prequel, sondern sozusagen ein „Sidequel“ (okay, es wäre auch zum Teil ein Prequel) – eine Geschichte, die jedenfalls teilweise parallel zu den in „Poltergeist“ gezeigten Ereignissen abläuft und darstellt, wie die verärgeten Geister zu der Entscheidung gekommen sind, sich auf dieses eine Haus zu konzentrieren. Ganz genau, dieser Film erzählt die Ereignisse überwiegend aus der Sicht der Geister! Meine Theorie dazu sieht so aus: Auf einer großen Geistergemeindeversammlung bilden sich zu dem Thema, wie mit der Neubausiedlung umgegangen werden soll, (mindestens) zwei Fraktionen. Die einen sind dafür, einfach der gesamten Siedlung und allen sie bewohnenden Menschen quasi den Krieg zu erklären. Also alle Häuser bespuken, die Menschen entführen oder töten und schließlich alles zerstören, damit das Friedhofsgeläne am Schluss wieder den Geistern gehört. Eine kleine Minderheit, die sich schließlich durchsetzt, hat aber eine viel bessere Idee (diese Minderheit könnte aus nur einem einzigen Geist bestehen, den man zur Hauptfigur des Films machen könnte) und kann sich schließlich durchsetzen: Sie setzen auf einen gezielten Angriff auf nur ein einziges Haus. Auf diese Weise muss man nur ein Haus zerstören, alle übrigen bleiben intakt. Da aber natürlich kein vernünfiger Mensch mehr in einer Siedlung wohnen will, in der eine Familie von Geistern terrorisiert worden und schließlich ihr ganzes Haus zerstört worden ist, kann man davon ausgehen, dass die übrigen Familien nach und nach alle wegziehen werden. Die Siedlung wird zur Geisterstadt – im wahrsten Sinne des Wortes, wenn es sich schließlich nach dem Weggang aller Lebenden die Untoten dort bequem machen. Neubauhäuser sind doch so viel schöner als Grabsteine! Zudem kann man zu diesem Film auch noch Sequels drehen, da sich ja bestimmt immer wieder Menschen in diese Geisterstadt verirren (das wäre dann wohl so eine Art „Silent Hill“). Hmm, vielleicht sollte ich diese Idee mal bei MGM pitchen, dort wird nämlich angeblich an einem „Poltergeist“-Remake gearbeitet. Aber ein reines Remake ist doch langweilig, meine Story-Idee hat dagegen den Vorteil, dass das Ganze mal von der anderen Seite aus betrachtet wird….. „It’s Poltergeist – with a twist!“

Richard Linklaters „Before…“-Trilogie

Im folgenden Text werde ich auf die Handlung (einschließlich des jeweiligen Schlusses) von „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ eingehen und außerdem weite Teile des dritten Films, „Before Midnight“, skizzieren. Wer also die ersten beiden Filme noch nicht kennt, sollte am besten gleich aufhören zu lesen und sich die DVDs ausleihen; wer sich nur in Bezug auf Teil drei nicht spoilern lassen möchte, der sollte nur die nächsten sechs Absätze lesen.

Mit „Before Sunrise“ gelang Richard Linklater 1995 das Kunststück, einen Film über die Liebe und das Leben zweier junger Menschen gedreht zu haben, der sich irgendwie tatsächlich wie das reale Leben anfühlt und kein bisschen wie kitschige Filmromantik. Als sich der 23-jährige Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und die etwa gleichaltrige Französin Céline (Julie Delpy) auf einer Zugfahrt quer durch Europa kennen lernen und spontan beschließen, eine ganze Nacht lang zusammen durch Wien zu spazieren, da hatte das dank fantastisch geschriebener Dialoge und zweier wunderbarer Darsteller einerseits so gar nichts mit den Hollywood-Romanzen zu tun, die man sonst so aus dem Kino gewohnt war und war vielleicht gerade deshalb der romantischste, ehrlichste, gefühlvollste Liebesfilm von allen.

Als ich den Film vor ein paar Tagen nach langer Zeit wieder einmal angeschaut habe, habe ich es schon nach wenigen Minuten aufgegeben, mir die Stellen mit den besten Dialogen und Zitaten heraus zu schreiben. Linklater und seine Ko-Autorin Kim Krizan haben ein so perfektes Drehbuch geschrieben, in dem sich die einzelnen Sätze so gut zusammen fügen, dass man sich am besten gleich das ganze Drehbuch kaufen sollte, um ständig eine Quelle zum immer wieder Nachschlagen von Lebensweisheiten bereit liegen zu haben, die zudem immer wieder für kreative Inspirationsschübe sorgen kann. In Schriftform wären die Dialogie allerdings wohl nur noch halb so gut, wie im grandiosen Schauspiel von Hawke und Delpy. Bestes Beispiel dafür ist die Szene am Flipperautomaten gegen Ende des Films, in der die beiden sich von ihren Ex-Freunden bzw. Freundinnen erzählen, während sie sich mit dem Flippern abwechseln. Es ist einfach wunderbar anzusehen, wie Ethan Hawke die Energie, mit der er den Flipperautomaten bearbeitet, in sein Schauspiel überträgt.

Ein entscheidendes Merkmal des Films ist natürlich auch sein offenes Ende, das es jedem Zuschauer ermöglicht, die Geschichte für sich alleine weiter zu spinnen – werden die beiden sich tatsächlich in sechs Monaten wieder sehen, wie sie es ausgemacht haben? Werden sie sich überhaupt jemals wiedersehen? Trotz dieses offenen Endes war der Film damals nicht auf eine Fortsetzung hin ausgelegt, die dann 2004 auch ziemlich überraschend kam. In „Before Sunset“ treffen sich Céline und Jesse neun Jahre später in Paris wieder und verbringen etwa einen halben Tag zusammen. Wieder besteht der ganze Film eigentlich nur darin, dass sich hier zwei Personen unterhalten, aber wie nur wenige andere Autoren und Regisseure (Quentin Tarantino fällt einem da ein) versteht es Linklater, Szenen, in denen Menschen einfach nur miteinander reden, trotzdem hochspannend zu schreiben und inszenieren.

In zweiten Film sind Céline und Jesse Anfang 30 und haben sich seit der gemeinsam verbrachten Nacht vor neun Jahren nicht gesehen. Scheinbar mühelos gelingt es Linklater, Hawke und Delpy, die für ihr gemeinsam geschriebenes Drehbuch eine Oscarnominierung erhielten, den Zuschauer über die Dialoge über das Leben der beiden Figuren während dieser letzten neun Jahre zu informieren. Heute, im Zeitalter von Smartphones und Social Networks, ist es ja unvorstellbar, dass zwei Personen sich für so lange Zeit nicht nur aus den Augen verlieren können, sondern auch gar keine Möglichkeit haben, einander zu erreichen. Wenn sie damals in Wien doch nur Adressen ausgetauscht oder sich wenigstens ihre Nachnamen verraten hätten…

„Before Sunset“ wirkt ein klein wenig gehetzter und auch weniger unbeschwert als sein Vorgänger, was aber nur die Lebenssituation der beiden Figuren zu diesem Zeitpunkt widerspiegelt. Träume von jugendlicher Romantik haben Jesse und Céline weitgehend hinter sich gelassen, schon so manche Enttäuschung erlebt und vor allem auch in Liebesdingen die Routine des Alltagslebens kennen gelernt. So manchen Traum haben beide inzwischen begraben müssen, doch vor diesem Hintergrund ist die emotionale Öffnung der beiden nun umso intensiver, weil beide anfangs selbst nicht richtig wahrhaben wollen, dass ihre über die Jahre verdrängten und unterdrückten Gefühle immer noch da sind und nun ganz unvermittelt hervorbrechen. Wie sich dies im wunderbaren Schauspiel von Ethan Hawke und Julie Delpy in deren Körpersprache und Blicken zeigt, muss man einfach selbst gesehen haben.

Die dichten, aber nie überladenen und stets noch lebensnahen Dialoge, das fantastische Schauspiel und die mit 77 Minuten sehr kurze Laufzeit geben dem Film einen gut proportionierten Spannungsbogen, so dass die Zeit mit Céline und Jesse für den Zuschauer ebenso zu verfliegen scheint wie für die beiden Figuren im Film. Und dann ist da dieses Ende… Wie schon der erste Film hat auch dieser ein offenes Ende, nach dem sich jeder Zuschauer selbst ausmalen kann (und muss!), wie es weitergeht. Aber dieses Mal kommt das Ende so plötzlich und unerwartet, dass man es im ersten Moment gar nicht fassen kann. So ging es mir jedenfalls beim ersten Anschauen, ich fand es richtig unfair, dass jetzt schon und gerade an dieser Stelle, mitten in der Szene in Célines Wohnung Schluss sein sollte. Man hätte den Film auch noch zwanzig Minuten länger laufen lassen können, aber dann wäre vielleicht zu viel verraten worden und der Zuschauer hätte nicht mehr die Möglichkeit, sich selbst auszumalen wie es weitergehen könnte. „Before Sunset“ ist einer dieser Filme, bei denen man es nicht fassen kann, wenn plötzlich der Abspann beginnt, obwohl die Geschichte doch längst noch nicht vorbei zu sein scheint. Ich finde, es handelt sich hier um eines der besten Enden in der Geschichte des Films (und dass mich das Ende von Teil zwei so viel mehr beschäftig hat als das des ersten Films, liegt wohl vor allem daran, dass ich die beiden Filme vor einigen Jahren beide innerhalb weniger Tage zum ersten Mal gesehen habe und nicht neun Jahre auf die Fortsetzung warten musste).

Nachdem mich dieses fantastische Ende so zum Nachdenken gebracht hatte und ich mir meine eigenen Vorstellungen darüber gemacht hatte, wie die Geschichte von Jesse und Céline weitergehen würde, wollte ich eigentlich gar keine Fortsetzung mehr sehen! Denn wie auch immer ein dritter Teil auch aussehen mag, er deckt sich halt doch nicht mit den eigenen Vorstellungen. Und so ist es nun tatsächlich auch: in „Before Midnight“ geht die Geschichte anders weiter, als ich sie mir ausgemalt hatte. Und trotzdem ist der Film wieder phänomenal geworden, der nun erneut nach neun Jahren Abstand die Geschichte der beiden weiter erzählt.

Als ich zu Beginn des Films realisierte, dass Céline und Jessen seit dem letzten Film ein Paar sind, wollte ich es erst nicht glauben, da ich die Vorstellung hatte, die beiden würden sich nun alle neun Jahre in bester „Harry und Sally“-Manier wieder über den Weg laufen. Doch vom erzählerischen Standpunkt aus betrachtet macht es so natürlich mehr Sinn; ein Wiedersehen nach neun Jahren Pause wurde ja bereits im letzten Film erzählt. Dieses Mal geht es nicht mehr um romantische Jugendträume und Liebe auf den ersten Blick, auch nicht mehr um den möglichen Beginn einer gemeinsamen Zukunft. In „Berfore Midnight“ haben Jesse und Céline einen Teil dieser gemeinsamen Zukunft bereits hinter sich und die große Frage, die über diesem Film schwebt, lautet, ob diese gemeinsame Zukunft denn nun ihrem Ende entgegen geht.

Schauplatz ist diesmal keine europäische Hauptstadt, sondern die Landschaft Südgriechenlands, wo Jesse, Céline, ihre beiden knapp neunjähirgen Zwillingstöchter und Jesses Sohn aus erster Ehe gemeinsam einige Wochen Urlaub gemacht haben. Es ist der letzte Tag vor der Rückreise nach Paris, wo Jesse und Céline nun zusammen leben. Nachdem Jesse seinen Sohn, der zu seiner Mutter nach Amerika zurückkehrt, zum Flughafen gebracht hat, werden wir Zeuge einer Autofahrt. Und was für eine Szene das ist! Während die beiden kleinen Töchter auf dem Rücksitz schlafen, erfährt man aus dem Gespräch zwischen Jesse und Céline alles Wesentliche über ihre Beziehung während der vergangenen neun Jahre. Dabei fühlen sich die Dialoge nie wie bloße Exposition an, sondern fließen ganz natürlich dahin – eine erneute Meisterleistung von Linklater, Hawke und Delpy (das Drehbuch haben die drei wieder gemeinsam verfasst).

Im Anschluss daran folgen ein paar Szenen, in denen einige Nebencharaktere auftauchen, denen hier mehr Raum gegeben wird, als dies in den vorherigen Filmen der Fall war. Das empfand ich zunächst als störend, weil mich andere Figuren hier ganz einfach nicht interessieren. Allerdings nehmen diese Szenen nur einen kleinen Teil der Laufzeit ein und es handelt sich bei „Before Midnight“ sowieso um den längsten der drei Filme, es bleibt also noch genügend Zeit, in der der Zuschauer mit Jesse und Céline alleine ist. Schauspielerisch legen Delpy und Hawke hier noch einmal eins drauf, arbeiten ein noch größeres Spektrum an Gefühlen in noch größerer Intensität ab und verlangen damit auch dem Zuschauer einiges ab. Die lange Szene im Hotelzimmer am Ende des Films lässt einen ziemlich geplättet zurück (und hat bei mir Erinnerungen an Linklaters „Tape“ geweckt, in dem sich ebenfalls Ethawn Hawke in einem Hotelzimmer streitet – allerdings mit Uma Thurman).

Zum Glück folgt auf diese äußerst intensive Szene im Hotel noch eine kurze weitere, die wieder ein bisschen versöhnlich stimmt und die Wogen glättet. Geklärt ist die Zukunft von Céline und Jesse damit aber noch längst nicht, das Ende ist wieder mal ein offenes. So offen wie die Enden der ersten beiden Filme scheint es allerdings nicht zu sein, ganz einfach weil die Lebenssituation der Figuren nun schon wesentlich festgefahrener ist (dafür ist aber dieses Mal der letzte Satz des Films einer der besten letzten Sätze der Filmgeschichte!). Mit 23 ist noch fast alles möglich; mit 41, nach einer langjährigen Beziehung mit zwei gemeinsamen Kindern scheint die weitere Zukunft schon viel mehr vorherbestimmt. Werden Céline und Jesse also zusammenbleiben? Werden sie sich trennen (um womöglich nach einigen Jahren wieder zu einander zu finden)? Die Fortsetzung findet im Kopf eines jeden Zuschauers statt.

Wenn man diese drei Filme – „Before Sunrise“, „Before Sunset“ und „Before Midnight“ – im Abstand einiger Jahre sieht, dann wird einem das eigene Älterwerden und das Vergehen der Jahre bewusst. Als ich die ersten beiden Film vor einigen Jahren zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich noch eindeutig mit Jesse und Céline aus dem ersten Teil identifiziert, als beide Anfang zwanzig waren. Als ich die beiden Filme letzte Woche zur Vorbereitung auf Teil drei noch einmal angesehen habe, kamen mir die 23jährigen Figuren aus „Before Sunrise“ auf einmal so jung vor! Altersmäßig bin ich inzwischen fast bei den Figuren aus Teil zwei angelangt und fühle mich ihnen zumindest in einigen Aspekten näher als ihren jüngeren Alter Egos. Ich bin schon gespannt, inwiefern ich „Before Midnight“ in einigen Jahren mit anderen Augen sehen werde – noch mehr aber darauf, Jesse und Céline 2022 im Kino wieder zu treffen, wenn hoffentlich in einem vierten Film nach weiteren neun Jahren die Geschichte der dann 50jährigen Figuren weiter erzählt wird.

„Before Midnight“ startet am 6. Juni in den deutschen Kinos.

„Outlander“ – SciFi-Trash für zwischendurch

Ich gehöre ja zu den altmodischen Leuten, die Filme tatsächlich noch anschauen, indem sie einen physischen Datenträger in Scheibenform in einen DVD/Blu-ray-Player schieben, anstatt sich Filme und Fernsehserien über den internetfähigen Fernseher, das Tablet oder wenigstens den Laptop zu streamen. Schon seit mehreren Jahren leihe ich mir über eine dieser Online-Videotheken auf dem Postweg DVDs aus. Als ich neulich wieder einmal einen Umschlag mit einer DVD in meinem Briefkasten vorfand, war ich doch sehr überrascht, dass ich nach dem Öffnen desselbigen eine DVD des Scienc-Fiction-Action-Trashfilms „Outlander“ (2008) in den Händen hielt. Ich konnte mich nicht erinnern, den jemals auf die Ausleihliste gesetzt zu haben; allerdings umfasst diese Liste mittlerweile auch fast 850 Filme (die ich wohl niemals alle sehen werde) – da kann ich mich natürlich nicht an jeden Film erinnern, den ich vielleicht vor Jahren nach dem Durchblättern irgendeines in einem Elektronikmarkt mitgenommenen Filmwerbeblättchens begeistert auf die Leihliste gesetzt habe…

Na gut, denke ich mir also, es hilft ja nix. Nun ist die DVD nun mal da und ich muss den Film anschauen, schließlich bezahle ich ja dafür. Ich schiebe die Disc also in den Player und werde erst einmal von Trailern für drei verschiedene, trashig wirkende Filme berieselt, von denen ich nie zuvor gehört habe (bei zweien davon sind mir sogar sämtliche Darsteller unbekannt). Kein gutes Zeichen für den folgenden Film, denke ich mir, über den ich übrigens zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch so gut wie gar nichts weiß. „Outlander“ beginnt damit, dass im Jahr 709 n. Chr. ein Raumschiff über dem heutigen Norwegen abstürzt. Darin befinden sich zwei offenbar menschliche Insassen, von denen nur einer den Absturz überlebt. Den Darsteller kenne ich nicht, aber er sieht ein wenig aus wie Logan Marshall-Green, der in „Prometheus“ Noomi Rapace mit Alien-Genen schwängern durfte. Nachdem sich also dieser Outlander schnell aus seinem Bordcomputer die Sprache und das kulturelle Wissen der die Region bewohnenden Wikinger in sein Gehirn herunter geladen hat, aktiviert er ein Notsignal und beginnt anschließend, die Umgebung zu erforschen. Ziemlich bald wird er von Wikingern gefangen genommen und in ihr Dorf geschleppt, das aus der Luft betrachtet ein wenig wie das Asterix-Dorf aussieht. Bis dahin sind neun Minuten des Films vergangen, aber wirklich viel gesprochen wurde noch nicht. Ich erkenne an mir bereits erste Ermüdungserscheinungen.

Doch in der nächsten Szene wird Hrothgar, der Anführer des Wikingerstammes, vorgestellt (wie ich bald erfahre, ist er sogar ihr König). Und siehe da, er wird von keinem Geringeren gespielt als von John Hurt („Alien“, „Der Elefantenmensch“), der meiner Meinung nach ein großartiger Schauspieler ist, aber in seiner langen Karriere auch an ziemlich viel Filmschrott beteiligt gewesen ist. Hier ist Hurts Gesicht hinter noch längeren und zotteligeren Kopf- und Barthaaren versteckt, als bei seiner undankbaren Rolle im vierten „Indiana Jones“-Film, aber wenigstens wird er hier nicht komplett verschwendet und darf vollständige Sätze sagen. König Hrothgar möchte seine Tochter mit dem Sohn des ehemaligen Königs verheiraten, um die Zukunft des Stammes zu sichern, der sich im Krieg mit feindlichen Wikingerstämmen befindet. (Habe ich das wirklich richtig verstanden? Wieso ist der Sohn des toten Königs denn nicht König geworden? Naja, auf Naboo werden Königinnen ja auch vom Volk gewählt…)

Die wahre Bedrohnung sind hier aber nicht die anderen Stämme oder der Outlander (er stellt sich nun übrigens als Kainan vor), dem die Wikinger am Anfang natürlich extrem misstrauisch gegenüberstehen. Nein, irgendetwas anderes ist dort draußen in den Wäldern um das Dorf, ein Monster, das sich in einem ersten Angriff gleich ein paar tapfere Wikinger schnappt, bis auf ein paar Tentakel aber selbst noch im Verborgenen bleibt. Dabei gibt es ein ziemliches Gemetzel und die Wikinger dürfen Sätze brüllen wie „Give me my blade, woman!!“. Man ahnt es natürlich, dass das Monster, das man zum Schluss dann als schwarzen Schatten vor dem Nachthimmel „sieht“, von Kainan auf die Erde gebracht worden ist. Letztlich verfährt „Outlander“ also nach der bewährten „Alien“-Formel: Ein unbekanntes, extrem gefährliches Wesen bedroht eine Gruppe von Menschen, die einen Weg finden muss, sich zur Wehr zu setzen und die Bedrohung zu beseitigen. Und John Hurt spielt auch mit (mal schauen, wie lange noch…). Nun sind 30 Minuten des Films vergangen und ich bin immerhin noch wach.

Der nächste Schritt ist damit vorgegeben: Die Dorfbewohner starten einen ersten Jagdversuch, natürlich noch ohne Kainans Ratschläge heranzuziehen, denn der Outlander mit den raspelkurzen Haaren und der seltsamen Kleidung kommt ihnen immer noch verdächtig vor. Als die Gruppe durch den Wald reitet, lernt man einen der Wikinger als Boromir kennen (mal schauen, wie lange DER überlebt, hehe). Kurz darauf machen sie genau den Fehler, der in solchen Filmen an dieser Stelle häufig gemacht wird: Sie teilen sich in mehrere kleine Gruppen auf – da wird das Monster leichtes Spiel mit ihnen haben. Bei dem Monster handelt es sich Kainan zufolge übrigens um ein „Moorwen“. Das ganz große Gemetzel bleibt dann aber doch vorerst aus, denn die Wikinger treffen auf einen riesiegen Bären, der von Kainan erlegt wird. Dieser erwirbt sich mit dieser Tat das Vertrauen und die Achtung des Königs. Weil die Wikinger nun glauben, das Ungeheuer erledigt zu haben, veranstalten sie ein großes Festgelage, das mich ein wenig an Robert Zemeckis‘ „Beowulf“-Film erinnert (überhaupt handelt es sich hier anscheinend um eine Abwandlung der Beowulf-Sage). Ach ja, und selbstverständlich funkt es auch noch gewaltig zwischen Kainan und der Königstochter (die ja einem anderen Wikinger versprochen ist).

Wer weitgehend spoilerfrei bleiben möchte, weil er sich den Film tatsächlich noch selbst ansehen möchte, der sollte nun besser nicht weiter lesen, denn nun ist die Handlung des Films schon weit fortgeschritten (wie die Geschichte genau ausgeht, werde ich aber nicht verraten). Das Gelage wird jäh unterbrochen, als ein feindlicher Wikingerstamm das Dorf angreift. Zu diesem Zeitpunkt bin ich von dem Film ziemlich gelangweilt und überlege, ob ich den Fernseher ausmachen soll; hier wird bestimmt nichts mehr besser. Ich bleibe aber doch dran, da spritzt gerade so schön viel Blut. 😉  Trotz all des Wikinger-Gegröles im Kampf und im Gelage habe ich übrigens den ganzen Film über noch keinen glaubwürdigen Ausdruck echter menschlicher Emotionen entdeckt, der der platten Geschichte und den Figuren etwas mehr Tiefe hätte geben können. Noch während des Kampfes denke ich mir, dass die beiden Stämme sich zum Ende des Films hin bestimmt im Kampf gegen das Monster zusammen schließen werden; kaum habe ich das gedacht, da passiert es auch schon – viel schneller als gedacht: das Monster taucht auf und stellt nun also den gemeinsamen Feind dar, der zumindest vorübergehend ein Grund für die beiden Stämme ist, Seite an Seite zu kämpfen. Der Anführer des anderen Wikingerstammes wird übrigens von jemandem gespielt, der mich ein wenig an Ron Perlman („Hellboy“) erinnert. Weil sein Gesicht aber hinter einem Bart verborgen ist und der Kampf im Dunkeln stattfindet, erfahre ich erst später aus dem Abspann, dass es sich tatsächlich um Ron Perlman handelt.

Der letzte Akt des Films spielt sich dann auch relativ überraschungsfrei ab: Unter Anleitung Kainans wird dem Moorwen eine Falle gestellt. Immerhin erfährt man noch ein wenig mehr über die Hintergrundgeschichte Kainans und der Moorwens und wie es dazu kam, dass der Outlander das Moorwen zu den Wikingern gebracht hat. Da kommt dann ein wenig Tragik sowie ein Hauch von „Avatar“-artiger Zivilisationskritik in die Geschichte (und man fühlt sogar ein wenig mit dem Monster!). Allerdings gibt es auch noch mehr Special Effects zu sehen, die so aussehen, als stammten sie aus einem X-Box-Spiel. Natürlich ist das Moorwen dann gar nicht so leicht zu besiegen, wie man sich das gedacht hatte und es gibt erneut ein großes Gemetzel mit toten Haupt- und Nebenfiguren, ein paar abgeschlagenen Köpfen und einem Priester, der über dem eben noch von ihm hoch gehaltenen Kreuz in einer großen Blutfontäne explodieren darf. Dann vollführt das Moorwen auch noch eine ganz und gar erwartbare, vollkommen in die Mythologie der Geschichte passende Handlung, die Kainan und diesen anderen Wikinger, dem die Königstochter versprochen ist und der irgendwie so ähnlich heißt wie Frolic, keine andere Wahl lassen, als in die Höhle des Löwen vorzudringen…

Am Ende war der Film dann zwar weniger schlimm, als ich befürchtet hatte, aber trotzdem hätte ich die 110 Minuten in eine sinnvollere Tätigkeit investieren oder einen unterhaltsameren Film anschauen können. Immerhin hab ich aus dem Abspann noch gelernt, dass es sich bei dem Hauptdarsteller um Jim Caviezel handelt, den ich bisher glaube ich nur aus Mel Gibsons Jesus-Film kannte. Vom Regisseur des Films, Howard McCain, habe ich nie zuvor gehört, aber mit „Outlander“ hat er zumindest einen passablen Kino-Einstand gegeben, der sicherlich sein Publikum unter den Fantasy-/Action-/SciFi-Fans gefunden haben wird. Ich für meinen Teil hoffe allerdings, dass der nächste Film in meinem Briefkasten wieder einer sein wird, den ich wirklich sehen will oder der meinen Horizont und mein Filmwissen um mehr erweitert als nur um ein paar Bilder von ausdrucksarmen Gesichtern, schlecht animierten Monstern und abgeschlagegen Gliedmaßen.

„Alias“ – Season 1: weitere Eindrücke

Nachdem ich vor kurzem bereits meine allerersten Eindrücke zu J.J. Abrams „Alias“ hier gepostet hatte, gibt es nun den zweiten Teil. Inzwischen habe ich 17 (von 22) Folgen der ersten Staffel gesehen und würde mich zwar noch nicht als Fan der Serie bezeichnen, bin aber durchaus gespannt, wo all die Handlungsfäden hinführen und wie es dann in der zweiten Season weitergeht.

Was mir an der Serie gut gefällt, ist der abwechslungsreiche Aufbau der einzelnen Episoden. Eigentlich laufen die meisten Folgen nach dem gleichen Schema ab – Sydney bekommt einen Auftrag und muss in Verkleidung in feindliches Territorium vordringen, um dann Informationen, Daten oder Gegenstände zu beschaffen – aber die Macher der Serie haben es geschafft, dieses meiste gleiche Schema durch sehr unterschiedliche Schauplätze und Nebenfiguren doch jedes Mal aufs Neue interessant zu gestalten. Jedes Mal ist man aufs neue gespannt, welcher Tarnung und Verkleidung Sydney sich bedienen wird, welche technischen Spielereien sie dieses Mal dabei hat und in welchen Teil der Erde es sie verschlägt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen wurde die gesamte Serie in und um Los Angeles gedreht, die Location Scouts dürften also viel Arbeit dabei gehabt haben, um Drehorte für ein Vatikan-Archiv, einen orientalischen Bazar und all die anderen Orte zu finden, an denen Sydney Aufräge ausführen muss. Allerdings findet ein Großteil der Überzeugungsarbeit im Kopf des Zuschauers statt: Jedes Mal, wenn Sydney irgendwo hinfliegt, wird der Name der entsprechenden Stadt eingeblendet und man sieht ein oder zwei Panoramaaufnahmen, um die Örtlichkeit zu etablieren. Sydneys Einsätz finden dann überwiegend in Innenräumen statt; das Budget einer solchen Serie erlaubt es natürlich nicht, für jede Folge in eine andere Ecke der Erde zu reisen, so dass für Außenaufnahmen, die in Brasilien, Russland oder Deutschland spielen, entsprechende Gebäude oder Landstriche im Raum Los Angeles gefunden werden mussten, die als Double herhalten mussten. Das funktioniert meist ganz gut, da das Tempo der Serie sowieso sehr hoch ist und Sydneys Auslandseinsätze oft nur ein paar Minuten Bildschirmzeit beanspruchen.

Die Aufgaben, die Sydney bei ihren Einsätzen zu erfüllen hat, wirken dabei manchmal wie Teile eines Videospiels. Sydney erhält beispielsweise den Auftrag, möglichst viele Seiten einer mittelalterlichen Schrift abzufotografieren oder muss an drei verschiedenen Stellen innerhalb eines Gebäudes Sprengstoff deaktivieren. Selten hat sich eine Fernsehserie so sehr für eine Videospielumsetzung geeignet wie „Alias“ (wahrscheinlich gab es dazu auch ein Spiel, ich kenne es aber jedenfalls nicht).

Sehr willkommene Überraschungen, die noch zusätzlich Abwechslung in die Serie gebracht haben, waren die Auftritte bekannter Gaststars, die bislang in der Staffel vorkamen: Quentin Tarantino mit einer coolen Rolle in einer Doppelfolge, Roger Moore als einer der Köpfe des organisierten Verbrechens, Terry O’Quinn (wobei der ja erst nach „Alias“ mit seiner Rolle als John Locke in „Lost“ bekannt wurde) und vielleicht noch ein paar andere, die ich übersehen habe, weil sie mir nicht bekannt waren. Es spricht wahrscheinlich sehr für die Serie, dass sie bereits in ihrer ersten Staffel Gaststars eines solchen Kalibers anlocken kann (oder für die Überzeugungskraft und die Kontakte von J.J. Abrams und der anderen Serien-Macher).

In meinem ersten Beitrag über „Alias“ habe ich geschrieben, dass das, was hier als Wahrheit gilt, im Laufe der Serie sicherlich noch mehrmals erweitert und neu definiert werden wird. Dazu passend stellt in Episode 1.15 Sydneys Vorgesetzter Arvin Sloane (Ron Rifkin) fest: „There are some truths that Sydney must never learn.“ Natürlich spricht er damit zugleich das Versprechen aus, dass diese Wahrheiten früher oder später trotzdem ans Licht kommen und Sydneys Leben verändern werden – und damit auch das Er-Leben der Serie durch die Zuschauer.

Auch wenn es sich bei „Alias“ um eine bereits seit mehreren Jahren abgeschlossene Serie handelt, möchte ich hier keine Spoiler verraten, deshalb werde ich nicht ausführlich auf die Handlung der ersten Staffel eingehen. Der Mystery-Handlungsbogen um einen italienischen Gelehrten aus dem 15. Jahrhundert wurde im Lauf der Staffel immer weiter getrieben, so dass nun noch mehr offene Fragen existieren, aber immer noch keine Antworten. Wie konnte dieser Rambaldi bereits vor Jahrhunderten so exakte Vorhersagen für die ferne Zukunft treffen? Und was genau haben diese Vorhersagen mit dem Leben der Serienfiguren zu tun? Wie dies alles zufriedenstellend erklärt werden soll, kann ich mir immer noch nicht vorstellen und ich habe meine Zweifel, ob es überhaupt vollständig aufgelöst und erklärt werden wird. Mit der inzwischen ins Spiel gebrachten Prophezeihung Rambaldis, die für die Handlung der Serie von großer Bedeutung ist, nimmt „Alias“ nun wirklich  „Lost“-ähnliche Züge an.
Ich persönlich würde diesen Handlungsstrang zu Ende bringen, indem ich spätestens nach zwei oder drei Staffeln einiges von Rambaldis eigener Hintergrundgeschichte klären würde. Dazu könnte man mehrere Folgen zu dessen Lebzeiten spielen lassen, um so seine Verbindungen zu unserer Gegenwart zu erklären. Vielleicht IST ja sogar einer der bereits bekannten Hauptcharaktere genau jener Rambaldi und wird all die Vorhersagen treffen, nachdem er in der Zeit zurück gereist ist…? Zugegeben, Zeitreisen scheinen noch nicht so ganz in das Konzept der Serie zu passen, aber wie sonst will man eine Jahrhunderte alte Prophezeihung und all die anderen Verbindungen Rambaldis zum Seriengeschehen erklären? Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn sich die Serie immer mehr in die Mystery-Richtung bewegt. Dieser Aspekt der Handlung interessiert mich eigentlich jetzt schon mehr als all die „normale“ Agentenarbeit und die angestrebte Zerschlagung der Verbrecherorganisation SD6.

Noch kurz zu Episode 1.17, der bislang letzten, die ich gesehen habe: Diese Folge bestand hauptsächlich darin, dass die augrund ihres Auftauchens in jener Prophezeihung in Verdacht geratenen Sydney ausführlich zu ihrerm Agentendasein befragt wurde. Im Kern bestand die Episode damit aus dem Zusammenfassen der vorherigen 16 Folgen und aus ziemlich vielen Rückblenden. Aber warum nur? Waren die Quoten zu diesem Zeitpunkt im Keller? Gab es Personen beim Fernsehsender, die Bedenken hatten, dass die Handlung für die Zuschauer zu komplex werden würde und die die Notwenidgkeit sahen, alles noch einmal zusammen zu fassen, um neue Zuschauer zu gewinnen? Die Episode (schlicht „Q & A“ betitelt) wirkte wie ein Lückenfüller, wenn auch am Ende eine neue Erkenntnis stand.
Allerdings wurde hier noch einmal verstärkt das Thema herausgearbeitet, das wohl eines der zentralen Themen der Serie (und im Werk von J.J. Abrams überhaupt) ist: Die Frage nach dem Schicksal – haben wir den Gang unseres Lebens selbst in der Hand oder folgt es einem bereits feststehenden Schema? In „Lost“ wurde die Bearbeitung dieser Frage fast bis zur Redundanz durchexerziert. Je mehr Folgen von „Alias“ ich sehe, um so mehr nimmt die Serie für mich die Gestalt eines typischen Abrams-Werkes an, zum einen wegen dieser Thematik, zum anderen durch die Mystery-Elemente.

Ich bin gespannt, wo all das noch hin führt.

„V – Die Besucher“ (Season 1)

Man kann sich ja in den letzten Jahren vor lauter sensationell guter Fernsehserien gar nicht mehr retten: „Mad Men“, „Breaking Bad“, „Game of Thrones“, „Downton Abbey“, „Boardwalk Empire“, „Deadwood“, „Die Sopranos“,… Ich jedenfalls komme mit dem Anschauen schon lange nicht mehr hinterher. Und als wären all diese qualitativ hochwertigen Serien nicht genug, habe ich nun auch noch eine Serie dazwischen geschoben, von der ich vorher bereits ahnte, dass sie weniger innovativ, weniger gut geschrieben und längst nicht so fesselnd sein würde wie die oben genannten: „V – Die Besucher“.

Auf die Serie aufmerksam geworden bin ich, weil Elizabeth Mitchell, meine Lieblingsblondine aus „Lost“ (sie hat in Staffel 3 bis 5 Juliet Burke gespielt), darin die Hauptrolle spielt. Das war Grund genug für mich, zumindest mal in die Serie reinzuschauen. Weil ich aber gelesen hatte, dass „V – Die Besucher“ ein Remake der angeblich ziemlich kultigen 80er Jahre-Serie „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ ist, wollte ich die Originalserie unbedingt zuvor anschauen. Also besorgte ich mir vor ein paar Monaten eine DVD-Komplettbox des Originals, das aus einem TV-Zweiteiler, einem anschließenden Dreiteieler und einer sich wiederum daran anschließenden Serie mit 19 45minütigen Folgen besteht (ohne Wikipedia hätte ich gar nicht gewusst, in welcher Reihenfolge man das alles anschauen muss…).

Die Ausgangssituation sowohl des Originals als auch des Remakes ist folgende: In der Gegenwart (1983 bzw. 2009) tauchen plötzlich riesige außerirdische Raumschiffe über mehreren großen Städten der Erde auf. Es stellt sich heraus, dass die außeridischen Besucher genauso aussehen wie wir Menschen und auch unsere Sprachen sprechen. Sie verkünden, in Frieden gekommen zu sein und nur die besten Absichten für die Menschheit zu haben. Zwar wollen sie auch ein paar kleine Gegenleistungen, zeigen sich aber insgesamt äußerst großzügig und beschenken die Erde mit neuen Technologien, laden die Menschen ein, ihre riesigen Mutterschiffe zu besichtigen und rufen Programme ins Leben, die das nähere Kennenlernen von Menschen und Besuchern, wie sie in den Serien genannt werden, ermöglichen sollen. So soll es zumindest erscheinen. In Wahrheit verfolgen die Besucher natürlich ganz andere Pläne, die ich hier nicht verraten möchte, die aber nichts Gutes für die Menschheit bedeuten. Auch ist das äußere Erscheinungsbild der Außerirdischen dem unseren keineswegs so ähnlich, wie es den Anschein hat. Unter einer künstlich gezüchteten menschlichen Haut verbergen sich nämlich Reptilienwesen mit gelben Augen, Krallen und scharfen Zähnen.

Das von Kenneth Johnson erdachte Original hat zu Beginn, während des ursprünglichen Zweiteilers und des anschließenden Dreiteilers, durchaus seinen Reiz. Schließlich kommt man recht schnell darauf, dass hier nicht nur von Menschen und Außerirdischen erzählt wird, sondern vor allem davon, wie sich eine ganze Gesellschaft durch Propagandamechanismen und schöne, aber leere Versprechungen hinters Licht führen lässt. Beispielsweise ziehen die Besucher durch ein der Hitlerjugend ähnliches Programm einen Großteil der Jugendlichen auf ihre Seite, die nur zu gerne in den aufregenden Dienst der Außerirdischen treten und ihre schicken Uniformen tragen. Dass sie dafür ihre Freunde und Nachbarn ausspionieren sollen und verdächtige, gegen die Besucher gerichtete Aktivitäten melden sollen, nehmen sie nur zu gerne in Kauf, schließlich geschieht all dies ja angeblich im Namen des Weltfriedens. Auf der anderen Seite existiert jedoch auch ein weltweit operierendes Netzwerk aus Widerstandskämpfern, die die Herrschaft der Besucher beenden und vor allem dem Rest der Menschheit deren wahre Natur und ihre Pläne vor Augen führen wollen. Das erinnert natürlich ganz gewollt an die Resistance-Bewegung während des 3. Reichs. Durch die Einbeziehung eines Holocaust-Überlebenden in die Handlung der ersten Folgen werden die geschichtlichen Parallelen dabei noch deutlicher.

Nach den fünf 90minütigen Filmen wandte ich mich der daran anschließenden 19teiligen Serie zu, während der ich dann das Interesse an der Serie verlor (nach etwa 12 Episoden habe ich nicht mehr weiter geschaut). Schienen die Macher zuvor noch ein Konzept für einen übergreifenden Handlungsbogen zu haben, bei dem sie auf ein bestimmtes Ziel hin erzählten, verkommt die Serie nun nämlich ziemlich schnell zu einer ziemlichen Lachnummer. Folge für Folge schleichen sich die im Zentrum der Handlung stehenden Widerstandskämpfer in irgendeine Zentrale oder ein Raumschiff der Besucher ein, um einen Sabotageakt zu verüben oder einen gefangenen Kameraden zu befreien. Dabei entkommen sie fast immer wie durch ein Wunder alle unversehrt – und wenn doch nicht, dann wird eben in der nächsten Episode eine erneute Befreiungsaktion gestartet. Durch diesen erzählerischen Stillstand nutzte sich die Serie für mich dann recht schnell ab, auch die kultigen Uniformen, die herrlich-schrecklichen 80er-Jahre-Frisuren und die Machtkämpfen der beiden an der Spitze der Besucher stehenden „Kommando-Bitches“, wie ich sie mal nennen möchte, konnten daran nichts mehr ändern.

Also wandte ich mich nach einigen Wochen Pause dem 2009er-Remake mit Elizabeth Mitchell zu. Das wirkt natürlich wesentlich moderner, die Raumschiffe sind verchromt und stromlinienförmig, aber eines ist beim Alten geblieben: Die Besucher sind immer noch Echsen in menschlicher Hülle. Damit habe ich bei beiden Serien die ganze Zeit über ein Problem gehabt, denn mal ehrlich: das ist schon verdammt unglaubwürdig! Klar, man muss diese Ausgangssituation nun mal so hinnehmen und sie dient ja wie gesagt nur dazu, von ganz anderen Dingen zu erzählen, trotzdem habe ich mindestens einmal pro Folge gedacht: Wie soll das bitte funktionieren – Außerirdische in menschlicher Hülle? Wie praktisch, dass die Aliens so dünn sind, dass sie da reinpassen… 😉  Auch mit modernen Effekten und Makeup-Techniken sehen übrigens die Szenen, in denen man ein wenig hinter die Maskerade der Besucher blicken (meistens, weil sie verletzt werden), lächerlich aus. Wenn man den Gedanken der „verkleideten Aliens“ auf diese Weise ernst nimmt, kommt einfach nichts Glaubwürdiges dabei heraus. Andererseits geht es ja darum gar nicht, obwohl man die wahre Gestalt der Aliens natürlich unbeding sehen will (die kultigen Szenen, in denen die Besucher lebende Vögel und andere Kleintiere am Stück verspeisen, fehlen im Remake übrigens).

Die neue Serie geht handlungstechnisch genauso los, wie die alte. Ich hatte zwar das Gefühl, dass hier alles ein wenig schneller geht und weniger Tamtam um die Ankunft der Besucher gemacht wurde, davon abgesehen ist es aber das Gleiche: Raumschiffe tauchen auf, Besucher behaupten in Frieden zu kommen usw. Im Zentrum der Hauptfiguren steht im Remake mit der von Mitchell gespielten Erica Evans eine FBI-Agentin, dazu kommen auf der Seite des Widerstandes noch ein Priester, ein Ex-Söldner und ein Besucher, der die Seiten gewechselt hat (diese Figur gab es auch im Original). Das ständige Reinschleichen und Befreien von Kameraden entfällt dieses Mal zum Glück, sonst hätte ich wohl nicht alle zwölf Folgen der ersten Staffel überstanden. Während das V in der Original-Serie übrigens noch für „Victory“ und damit für den erfolgreichen Widerstand gegen und den erhofften Sieg über die Besucher stand, steht es in der 2009er Fassung zunächst einfach für „Visitors“ und wird erst am Ende der ersten Staffel zu „Victory“ umgedeutet.

Ich hatte erwartet, dass das allmähliche Unterwandern der menschlichen Gesellschaft durch die Besucher noch stärker herausgearbeitet wird, als im Original, wurde in dieser Hinsicht aber enttäuscht. Allerdings stellen sich die Menschen dieses Mal auch so dumm an, dass es da von Seiten der Besucher nicht viel Täuschung und Raffinesse braucht, um die Menschheit für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen. (Zahllose Menschen geben sich für irgendwelche medizinischen Untersuchungen her oder fliegen einfach so mit auf eines der riesigen Schiffe der Besucher, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Im Original kam mir die Menschheit weniger blöd und naiv vor.)

Insgesamt fand ich das Remake auf jeden Fall schwächer als das Original. Das lag zum einen an den nicht besonders kreativen Drehbüchern (ich habe das Gefühl, dass die Autoren sich am Ende der ersten Staffel immer noch überlegen, auf welches Ziel sie denn eigentlich hin erzählen wollen), sondern auch daran, dass die meisten Darsteller mich nicht überzeugen konnten. Wobei die Figuren auch nicht besonders gut ausgearbeitet sind, also ist es vielleicht doch eher ein Problem auf Autorenseite. Jedenfalls hatte ich zu keinem Zeitpunkt wirklich den Eindruck, es handele sich bei der kleinen Gruppe von Widerstandskämpfern tatsächlich um eine durch äußere Umstände zusammengeschweißte Truppe, die sich nach außen verteidigen muss. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl kam da nie auf, es wirkte eher alles wie zufällig. Elizabeth Mitchell hat in „Lost“ wesentlich nuancierter und facettenreicher gespielt und wirkt in „V“ über weite Strecken lust- und ideenlos; auch das liegt vielleicht wieder daran, dass ihre Figur erst gegen Ende der Staffel endlich etwas Tiefe erlangt.

Die interessanteste Figur ist für mich Chad Decker, ein Journalist und Fernsehreporter, der von Anna, der Anführerin der Besucher, immer wieder die Gelegenheit für Exklusivinterviews und spektakuläre Ankündigungen erhält, im Gegenzug aber auch für die Propaganda der Besucher herhalten muss, denn Anna kontrolliert natürlich genau, was Chad zu sehen und zu hören bekommt. Allerdings stellt Decker durchaus kritische Fragen und lässt sich und seine Sendung nicht so schnell von der Propagandamaschinerie der Besucher vereinnahmen, wie dies bei der Reporterin in der Originalserie geschah. Für lange Zeit weiß man nicht, auf wessen Seite sich Decker schlagen wird, ja er weiß es wahrscheinlich selbst nicht und ist hin und her gerissen zwischen den beruflichen Perspektiven, die sich durch eine Kooperation mit den Besuchern ergeben und dem Drang, moralisch richtig zu handeln. Er ist sich durchaus bewusst, dass er für die Besucher nicht unersetzlich ist und sie ihn jederzeit ausschalten können und bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat. Leider spielen die Medien davon abgesehen keine große Rolle in der Serie; es wäre durchaus interessant gewesen, wie verschiedene Journalisten mit diesem Dilemma umgehen und unterschiedliche Meinungen präsentiert zu bekommen. Dennoch bleibt Decker die interessanteste, weil konsequent ambivalent gezeichnete Figur.

Die übrigen Charaktere wirken dagegen meistens sehr schablonenhaft. Da gibt es etwa den ehrenhaften Priester, der natürlich Gewissensbisse bekommt, wenn einer der anderen Widerstandskämpfer einen Gefangenen foltern muss, um wichtige Informationen zu erhalten. Die Hauptfigur, FBI-Agentin Erica Evans, wird als besorgte Mutter gezeichnet, die sich um ihren der Faszination der Besucher erlegenen Sohn sorgt, bleibt jedoch lange Zeit trotzdem ziemlich blass. Erst gegen Ende der Staffel findet ein großartiges Aufeinandertreffen von Erica und Anna statt, das eine der sehr wenigen erinnerungswürdigen Szenen dieser Staffel darstellt und Erica etwas gefährlicher, risikobereiter und damit interessanter werden lässt.

Interessant ist auch die in den letzten Folgen eingeführte Idee, dass die emotionslosen Besucher allmählich menschliche Gefühle in sich entdecken und so mit Schrecken feststellen müssen, dass sie uns allmählich ähnlicher werden und menschliche Schwächen entwickeln. Ebenso setzt sich Erica am Ende über einige der Prinzipien hinweg, die für sie bislang unverrückbar gegolten haben und handelt damit genauso rücksichtslos und gefühlskalt wie Anna. Sie lässt ihre eigene Menschlichkeit also ein Stück weit hinter sich. Wohin diese Erzählfäden führen werden, wird sich in der zweiten Staffel zeigen, die ich mir irgendwann anschauen werde (in nächster Zeit bin ich aber erst mal mit „Alias“ und anderen Serien beschäftigt). Da „V – Die Besucher“ allerdings nach der zweiten Staffel eingestellt worden ist, gehe ich mal davon aus, dass da nicht mehr allzu viel Gutes auf mich zu kommt.

Übrigens kann man die 2009er Serie auch auf eine weitere Weise politisch lesen: Von Anna, der obersten Kommandantin der Besucher (die im Jahr 2009 auch in den USA landen), erwarten die Menschen die plötzliche Lösung zahlreicher Probleme, sie wollen „Change“ und haben „Hope“. Zudem verspricht Anna der Menschheit doch tatsächlich „universal health care“! Wer da noch widerstehen kann und behaupten will, die Besucher hätten nichts Weniger als das Beste für die Menschheit im Sinn, der muss doch ganz einfach falsch liegen. Oder?

„Alias“ – meine ersten Eindrücke nach sechs Episoden

Als ob es nicht genug tolle aktuelle Fernsehserien gäbe, bei denen ich nicht auf dem neuesten Stand bin oder die ich noch nicht einmal anzuschauen begonnen habe, habe ich nun auch noch eine schon etwas ältere Serie dazwischen geschoben: ALIAS (2001 – 2006)
Der Grund dafür, dass ich nun angefangen habe, noch eine weitere Serie anzuschauen, ist natürlich J.J. Abrams, der Mann hinter „Lost“, hinter dem fantastischen „Star Trek“-Reboot und (für mich nicht ganz unwichtig) auch der Regisseur von „Star Wars: Episode VII“. Nachdem „Lost“ eine meiner Lieblingsserien ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir mal eines von Abrams‘ anderen TV-Werken vorgenommen habe („Fringe“ bin ich bereits verfallen und warte nur noch auf den Blu-ray-Release der letzten Staffel; Abrams‘ Frühwerk „Felicity“ werde ich mir sicherlich auch irgendwann vornehmen).

Nun also zu „Alias“: Zunächst einmal muss ich betonen, dass ich bislang erst sechs Episoden gesehen habe und hier nur meine allerersten Eindrücke wiedergeben kann. Ich weiß zum Glück noch nichts über den weiteren Verlauf der Serie und kann sie vollkommen ungespoilert genießen. Da die Serie fünf Staffeln mit jeweils 22 (Staffeln 1-4) bzw. 17 (Staffel 5) Episoden umfasst, liegt der größte Teil des Vergnügens noch vor mir. Und ein Vergnügen ist sie bis jetzt durchaus, diese rasante Serie, die wie im Geschwindigkeitsrausch von einem Plotpoint zum nächsten rauscht und sich zwischendurch trotzdem die Zeit nimmt, die Charaktere und deren Beziehungen auszuarbeiten.

Jennifer Garner spielt in „Alias“ die Studentin Sydney Bristow, die – wie bislang zu Beginn jeder Folge aufs Neue erklärt wird – schon seit einigen Jahren als Geheimagentin arbeitet. Im Lauf der Pilotfolge muss sie erfahren, dass es sich bei der Organisation, für die sie tätig ist, keineswegs um eine Unterabteilung der CIA handelt, wie Sydneys Auftraggeber behaupten. Tatsächlich handelt es sich bei SD6, so der Name der Organisation, um eben jene Feinde, gegen die sie bisher immer glaubte zu kämpfen. Als Sydney ihrem Verlobten die Wahrheit über ihre Arbeit und ihre Identität als Agentin erzählt, wird dieser von SD6 ermordet. Sydney nimmt sich daraufhin erst einmal eine kurze Auszeit vom Agentendasein, kehrt aber bald als Doppelagentin zurück – von nun an arbeitet sie (zusätzlich zu ihrem Job bei SD6) tatsächlich für die CIA und soll bei der Bekämpfung von SD6 helfen. Noch ein wenig komplizierter für Sydney wird das Ganze dadurch, dass es noch einen weiteren Doppelagenten mit der gleichen Aufgabe gibt: ihren Vater, den sie kaum kennt und zu dem sie alles andere als ein herzliches Verhältnis hat. Ach, und selbstverständlich darf sie gegenüber keinem ihrer Freunde auch nur die leiseste Andeutung über ihr Agentendasein machen, was aber unter anderem dazu führt, dass ihr bester Freund Will (ein sehr junger und sehr blonder Bradley Cooper!) Nachforschungen über den Tod von Sydneys Verlobtem anstellt, die einen als Zuschauer ständig um Wills Leben bangen lassen. Schließlich wissen wir, was die Konsequenz wäre, sollte er Sydneys Geheimnis erfahren…

Einer meiner ersten Gedanken beim Anschauen der ersten Folge war die Parallele zu „Indiana Jones“. Genau wie Indy, der ja seiner eigenen Aussage zufolge ein Teilzeitprofessor ist, den Rest seiner Zeit aber um den Globus hetzt, um wertvolle Kunstgegenstände und ähnliches vor den Schergen des Bösen zu retten, ist auch Sydney zum einen eine strebsame Studentin mit Sorgen, Problemen, aber auch Beziehungen wie sie ganz normale Studenten haben. Zum anderen ist sie aber eben eine professionell ausgebildete Geheimagentin, die in aller Welt gefährliche und actionreiche Aufträge zu erledigen hat (während ihre Freunde glauben, sie arbeite für eine weltweit operierende Bank).
Gegen Ende der ersten Folge herrschte dann bei mir ein Gefühl von allgemeiner Ratlosigkeit vor, weil ich wenn ich ehrlich bin bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr völlig durchblickte vor lauter Verschwörungen und Doppel- und Dreifachagenten. Wer arbeitet hier eigentlich gegen wen? Und was soll das bitteschön für eine Organisation sein, die offensichtlich von amerikanischem Boden aus operiert, aber angeblich der Feind ist? Wessen Feind denn? Und warum? Und wodurch?? Die erste Folge stellt Sydneys gesamtes Leben auf den Kopf und wirbelt auch in dem des Zuschauers so einiges durcheinander. Inzwischen, nach sechs Folgen, weiß ich: man muss das alles gar nicht so genau verstehen (dazu weiter unten mehr). Diese Fragen gehören zu den großen Mysterien von „Alias“, die bestimmt noch eine ganze Weile Teil der Serie sein und nicht so schnell aufgelöst werden. Schließlich ist hier J.J. Abrams am Werk, der später auch im Pilotfilm von „Lost“ eine ganze Reihe von Fragen aufgeworfen hat, die zum Teil am Ende der Serie noch immer nicht völlig zufrienden stellend beantwortet waren.

Als Sydney in der zweiten Episode den Entschluss fasst, SD6 – also die Organisation, für die sie (inzwischen nur noch scheinbar) arbeitet, die aber zu „den Bösen“ gehört – zu zerstören, ist das auch nur der Beginn eines wohl mehrere Staffeln andauernden Erzählstranges. Mit eigentlich ganz einfachen Mitteln und nur wenigen Figuren hat J.J. Abrams (der die ersten beiden Episoden geschrieben hat) hier scheinbar unbegrenzte erzählerische Möglichkeiten geschaffen. Zu den zentralen Fragen der Serie gehört dabei die nach der Wahrheit – was ist die Wahrheit? Bislang dachte Sydney, sie arbeite für „die Guten“, für die CIA, für Amerika. Diese Wahrheit wurde gleich zu Beginn der Serie als Lüge entlarvt. Das führt direkt zur nächsten Frage: Wem kann man (also Sydney, aber auch der Zuschauer) hier trauen? Wer sagt die Wahrheit und wer nicht? Mich würde es ja nicht überraschen, wenn das, was als Wahrheit gilt, im weiteren Verlauf der Serie noch mehrmals neu definiert wird, ähnlich wie in der Pilotfolge. Sydney hat die Wahrheit, SD6 sei der Feind, ziemlich schnell und unkritisch akzeptiert – vielleicht stimmt das gar nicht? Vielleicht sind die Personen, die nun behaupten, sie repräsentierten die echte CIA, in Wahrheit die Feinde? Mit zunehmender Dauer werden in „Alias“ wohl immer neue Ebenen von Wahrheit erreicht werden. Das Infragestellen der Wahrheit sät hier ständige Zweifel, was zu den Grundelementen vieler Fernsehserien gehört.

In der dritten Folge kommt dann ein weiteres Mysterium ins Spiel, dass auch noch eine ganze Weile Teil der Handlung bleiben wird: SD6 ist einem Wissenschaftler aus dem 15. Jahrhundert auf der Spur, der damals schon in Binärcode geschrieben, anscheinend das Handy erfunden und viele weitere tolle Dinge getan und erfunden hat, die seiner Zeit um Jahrhunderte voraus waren. Ich bin mir noch nicht sicher, wie mir dieses Science-Fiction-Element der Serie gefällt; jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, wo das hinführen soll. Aliens? Zeitreisen? Ein Besuch bei Dan Brown? Willkommen in der Welt von J.J. Abrams, wo alles möglich ist, man muss die Ausgangssituation nur so vage formulieren, dass es in alle Richtungen und prinzipiell ewig weiter gehen kann (was keinesfalls heißt, dass es nicht spannend und unterhaltsam wird).

Eine weiterer zentraler Handlungsbogen von „Alias“ ist natürlich die Beziehung Sydneys zu ihrem Vater, der von Victor Garber gespielt wird (den viele wohl als den Konstrukteur der Titanic kennen werden; auch in „Argo“ hat er kürzlich eine Rolle gehabt). Genau wie die anderen offenen Fragen der Serie bietet auch diese Thematik Stoff für mehrere Staffeln: Die Vergangenheit ihres Vaters, seine genaue Rolle innerhalb der Organisation, die anfangs scheiternden Kontakt- und Annäherungsversuche. Auch in dieser Beziehung wird es wohl noch so einige schockierende Offenbarungen geben.

Ein Schema der Serie, das ich bereits jetzt sowohl sehr verwirrend, als auch sehr amüsant finde, ist die Rekordzeit, in der in jeder Folge die Mission Briefings erfolgen. Da Sydney zumindest bisher in jeder Episode einen bestimmten Auftrag zu erledigen hat, muss sie (und mit ihr der Zuschauer) diesen natürlich vorher von ihren Vorgesetzten erklärt bekommen – Einsatzort und -ziel, beteiligte Personen, technische Hilfsmittel usw. Ich habe oben schon geschrieben, dass mich all diese in Windeseile vorgtragene Exposition schon in der ersten Folge verwirrt hat. Inzwischen weiß ich: das ist nicht weiter schlimm, denn darum geht es in der Serie überhaupt nicht. Es ist vollkommen egal, ob man im Detail verstanden hat, wie und warum Sydney in einer Einzelfolge einen konkreten Auftrag auszuführen hat. Es geht nämlich um zwei andere Dinge: Zum einen soll man natürlich die Durchführung der Auträge selbst genießen – wie Sydney sich in Vekleidung irgendwo einschleicht, Sicherheitssysteme umgeht und ihr ganzes Wissen und Können sowie irgendwelche technischen Spielereien dazu einsetzt, um ihre Aufgabe zu erledigen.
Zum anderen erfüllen diese Aufträge eine ganz essentielle Funktion: sie treiben die Handlung voran. Am Ende eines Auftrags wissen wir mehr, als vorher. Genauer gesagt wissen wir eigentlich weniger, weil aus den gewonnenen Erkenntnissen sofort neue, offene Fragen folgen (hat da jemand „Lost“ gerufen?), die dann unmittelbar zum nächsten Einsatz führen. Das Ende des einen Einsatzes ist schon der Anfang des nächsten Auftrages für Sydney; die Antwort auf eine Frage stellt zugleich die nächste Frage dar. „Alias“ bietet damit ein TV-Serienprinzip in perfektionierter Form. Hier ist jede Folge darauf angelegt, zur nächsten überzuleiten, die Serie weiter gehen zu lassen (was nicht unbedingt gleichbedeutend damit sein muss, dass wirklich die Handlung vorangetrieben wird und Fragen zufrieden stellend beantwortet werden). Es geht der Serie zuallererst einmal darum, weiter zu gehen, fortgesetzt zu werden. Schließlich ist das das Prinzip der Serie. Ganz anders verfahren beispielsweise aktuell Serien wie „Mad Men“ und „Breaking Bad“, die sich manchmal fast quälend lange Zeit für die Ausarbeitung ihrer Figuren nehmen – quälend deswegen, weil man eben manchmal den Eindruck hat, dass da fast gar nichts passiert. „Alias“ ist da meinen ersten Eindrücken nach eher mit „24“ zu vergleichen: hier passiert so viel, dass es eigenlich auch schon wieder egal ist, was da passiert. Hauptsache es herrscht nie Stillstand. Und ähnlich wie bei „Lost“ scheint es bislang nicht um einen Abschluss der Geschichte zu gehen, sondern erst einmal nur darum, eine große Zahl an Fragen aufzuwerfen. Ob die dann zur Befriedigung der Zuschauer beantwortet werden, ist zu diesem Zeitpunkt unmöglich zu sagen. (Dass „Alias“ in den ersten sechs Folgen wesentlich mehr Fragen als Antworten in den Raum stellt, will ich keineswegs kritiseren. Schließlich handelt es sich hier erst um den Beginn einer großen Erzählung. Ich sehe allerdings die Gefahr, dass das Ganze aus dem Ruder laufen könnte und bin sehr gespannt, an welchem Punkt die Serie nach ein oder zwei Staffeln stehen wird.)

Ich finde es sehr interessant, dass die einzelnen Episoden oft mitten während eines von Sydneys Einsätzen beginnen, dann erst zum Mission Briefing für den nächsten Auftrag übergehen und schließlich mitten in diesem nächsten Aufrag mit einem Cliffhanger abbrechen. Es geht in einer Einzelfolge von „Alias“ also nicht darum, einen dieser Einsätz im Detail und von Anfang bis Ende zu erzählen. Und deshalb ist es auch nicht unbedingt notwenig, dass man als Zuschauer alle Details und Hintergründe dieser Einsätze im Kopf hat. Man weiß sowieso, dass nach diesem Einsatz ein weiterer folgen wird und dass dieser nächste nach einem ähnlichen Muster ablaufen wird. Hauptsache es geht immer weiter. Ich werde Sydney Bristows Agentenleben jedenfalls auch weiter verfolgen und vielleicht irgendwann erneut darüber bloggen.

Die fantastische Welt von Oz

Seit letztem Donnerstag läuft „Die fantastische Welt von Oz“ in den deutschen Kinos. Da ich den Film bereits im Februar sehen durfte, wollte ich eigentlich letzt Woche schon etwas dazu schreiben, bin aber leider nicht dazu gekommen.

Besonders große Lust darauf, den „Oz“ zu sehen, hatte ich eigentlich gar nicht. Ich erinnere mich noch, dass ich letzten Dezember im Kino saß, um mir den „Hobbit“ anzuschauen und vor dem Hauptfilm der Trailer zu „Oz“ gezeigt wurde, der mich nicht sonderlich interessierte – ich sah mit einem Auge hin und unterhielt mich nebenbei mit meinem Sitznachbarn. Über diesen „Oz“-Film wusste ich noch gar nichts, vielleicht hatte ich zu diesem Zeitpunkt sogar noch nie bewusst von ihm gehört, was ja bei einem Film-Nerd wie mir schon ziemlich ungewöhnlich ist. Allerdings bin ich mit dem wunderbaren Land Oz bisher generell so gut wie gar nicht in Berührung gekommen. Weder habe ich „Der Zauberer von Oz“ gelesen, noch kenne ich die wohl berühmteste Verfilmung des Stoffes, das Judy Garland-Musical von 1939. Einzig „The Wiz“ habe ich gesehen; in diesem Musical von 1978 spielt und singt Michael Jackson eine der Hauptrollen, was für mich natürlich schon allein Grund genug war, mir den Film anzuschauen. Darüber hinaus waren mir zwar die „Yellow Brick Road“ und der Satz „I think we’re not in Kansas anymore!“ bekannt, weil man ja als Filminteressierter immer wieder mal irgendwo etwas über den „Zauberer von Oz“ liest, aber insgesamt kann man jedenfalls sagen, dass ich ziemlich jungfräulich in „Die fantastische Welt von Oz“ gegangen bin und über den Film und seinen Inhalt fast gar nichts wusste, weil er mich schlicht und einfach vorher nicht interessiert hat.

Wie sich herausstellen sollte, waren dies die idealen Bedingungen, um diesen Film zu sehen (und sind es wahrscheinlich für viele ander Filme auch). „Oz the Great and Powerful“ (so der Originaltitel) hat mich vollkommen überwältigt, und zwar auf eine ganz altmodische Weise ganz einfach durch seine visuelle Pracht und seine klare, zugegeben nicht besonders komplexe oder gar einfallsreiche Gut-gegen-Böse-Geschichte. Eine Geschichte wie diese hat man schon hunderte Male gesehen, gehört und gelesen, aber gerade deswegen ist sie so wirkungsvoll, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Der von James Franco gespielte Zauberer Oz, der sich mit seinen Tricks gerade so finanziell über Wasser halten kann, aber natürlich kein „echter“ Zauberer ist, ist ein typischer Held-wider-willen, der es einer alten Prophezeihung zu verdanken hat, dass er in den Kampf um die Herrschaft über Oz hineingezogen wird. Zuvor wird er natürlich – genau wie damals Judy Garland – in einem Wirbelsturm aus dem in schwarz-weiß und im 4:3-Format gefilmten Kansas nach Oz transportiert. Dort angekommen, eröffnet sich für ihn und für den Zuschauer eine völlig neue Welt, die nun im Breitbildformat, in Farbe und in wirklich eindrucksvollem 3D erstrahlt. Zwar vollführt der Film hinsichtlich der 3D-Technik keine Wunder im Stile von „Life of Pi“ und dass hier in jeder Sekunde dem großen Vorbild „Avatar“ nachgeeifert wird, merkt man deutlich. Aber das 3D sieht besser aus als im ähnlich angelegten „Alice im Wunderland“ und unterstützt gekonnt den Eindruck, man befinde sich hier wirklich in einer fremden Zauberwelt.

Durch die Verbindung dieses in meinen Augen ziemlich gelungenen optischen Eindrucks mit einer klassischen, für das Kind in allen von uns gemachten Geschichte, hat mich „Oz“ so sehr verzaubert. Nachdem der titelgebende Zauberer aus der alltäglichen in die fantastische Welt transportiert worden ist, kommt man eine ganze Weile aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, so viele herrlich animierte Kreaturen mit Herz und Seele und so viele farbenfrohe Landschaften tummeln sich dort. Hexen, fliegende Affen, Munchkins (oder wie immer man die schreibt), ein wunderschön animiertes Porzellanmädchen mit einer wirklich zu Tränen rührenden Szene, und und und! Mich hat der Film jedenfalls immer wieder überrascht und berührt. Die Tatsache, dass die Handlung ziemlich flach ist, fiel dabei überhaupt nicht ins Gewicht. Ohne es zu bemerken, habe ich es geschafft, alle Filme, die ich vorher in meinem Leben gesehen habe, zu vergessen und mich von diesem hier voll einnehmen zu lassen. Das Ende, an dem Oz seine in der realen Welt erworbenen Zauberfertigkeiten nutzt, um dem Bösen ein Schnippchen zu schlagen, hat mich mit einigen kreativen Einfällen wirklich überrascht.

Natürlich kann und wird dieser Film wohl niemals den gleichen kulturellen Stellenwert erlangen, wie ihn „Der Zauberer von Oz“ (zumindest in den USA) erreicht hat. Mit der Erklärung der Herkunftsgeschichte eben jenes Zauberers nimmt er dem Original-Film genau genommen sogar ein wenig von der Illusion, die dieser bis kurz vor Schluss aufrecht erhält (mir ist bewusst, dass ich hier über einen Film spreche, den ich nie gesehen habe). Gleichzeitig fügt er aber neue Illusionen, neuen Zauber hinzu. Denn Magie bedeutet ja auch Einfallsreichtum, Kreativität und die Schaffung von außergewöhnlichen Ergebnissen aus einfachsten Mitteln. Auf diese Weise kann man den Zauberer Oz, der im Film mit Special Effects seinen Freunden hilft, seine Feinde besiegt und sein Publikum unterhält – und uns dabei mit seinen Illusionen an der Nase herum führt – als klassischen Hollywood-Magier interpretieren. Denn sind nicht auch die Spezialeffekte der Traumfabrik letztendlich nichts weiter als Tricks, die ihren Zauber verlieren, sobald man hinter die Kulissen blickt?

Ich gebe ja zu: wie man an meinen unkritischen Lobeshymnen auf den Film erkennt, bin ich in diesem Fall der Disney-Formel voll auf den Leim gegangen. Aber ein Filmerlebnis wie dieses hatte ich wirklich schon sehr lange nicht mehr. Wer die Welt durch die Augen eines Kindes sehen kann, der wird sich in diesem Film verlieren können. Und alle anderen können es mit Hilfe dieses Films wieder ein Stück weit lernen.