Mehr als sieben Songs, Teil 10: Aerosmith – You See Me Crying

Es gehört ja inzwischen einiges an Mut dazu, sich zu den Power-Balladen von Aerosmith zu bekennen. Schließlich schrammen Schmachtfetzen wie „Crazy“, „Angel“ oder nicht zuletzt der Megahit „I Don’t Want to Miss a Thing“ gefährlich nah an der Grenze zum Kitsch entlang bzw. überschreiten diese sogar – je nach Sichtweise. Ich bin nicht nur ein Fan der Rockband aus Boston, sondern oute mich hier nun auch explizit als Fan ihrer Balladen. Selbst der als Singleauskopplung gefloppte Titel „What Could Have Been Love“ aus dem letzten Album „Music From Another Dimension“ (2012) hat es mir angetan, und „I Don’t Want to Miss a Thing“ zählte ich immerhin als Teenager zu meinen Lieblingssongs.
„You See Me Crying“, das letzte Stück aus dem 1975er Album „Toys in the Attic“, besitzt allerdings weit weniger Fremdschämpotential. Während Aerosmith ab den Neunzigerjahren ja fast nur noch mit (Power-)Balladen Charterfolge gelangen, schien das zumindest bei „Toys in the Attic“ umgekehrt gewesen zu sein. Das Album brachte nämlich die großen Hits „Sweet Emotion“ und „Walk This Way“ hervor, während „You See Me Crying“ als Single keinen Erfolg hatte. Und während die anderen beiden Songs bis heute auf keinem Aerosmith-Konzert fehlen dürfen, wurde „You See Me Crying“ nur ein einziges Mal live gespielt (am 26.06.2009 – ob das etwas mit dem Tod von Michael Jackson am Tag zuvor zu tun hatte, weiß ich nicht).
Auch auf den meisten der inzwischen so zahlreichen Compilations der Band fehlt das Lied, was es zum geeigneten Kandidaten für diese Rubrik hier macht. Kein echter Geheimtipp, aber ganz sicher auch kein Song, den man wie etwa „Cryin'“ oder „Jaded“ schon hunderte Male im Radio gehört hat und den es sich zu entdecken lohnt.

Hier die Albumversion:

Und hier die erwähnte Live-Version:

Podcasts zu „Star Wars: The Force Awakens“

Update: Ich habe den Beitrag am 25.12.2015 aktualisiert. Seit der ersten Veröffentlichung des Blogposts haben der „Incomparable“ und „Rebel Force Radio“ weitere Podcast-Folgen zu „The Force Awakens“ veröffentlicht; außerdem habe ich das Video von der Diskussionsrunder der Jedi-Bibliothek neu mit eingebunden.

Wer liebt es nicht, nach einem Kinobesuch ausgiebig über das Gesehene zu diskutieren und Fan-Theorien zu spinnen? Auf der ganzen Welt tun alte wie neue „Star Wars“-Fans derzeit genau das – und weil ich das nicht nur selbst gerne tue, sondern auch gerne anderen dabei zuhöre, habe ich hier mal die Links zu einigen aktuellen Podcast-Folgen zusammen getragen, die sich mit der neuen „Star Wars“-Episode beschäftigen. Ich habe noch nicht alle davon selbst angehört und die Liste ist selbstverständlich auch nur ein kleiner Ausschnitt aus den unzähligen Film-/Star Wars-/Popkultur-Podcasts im Internet, die sich derzeit mit dem Thema beschäftigen (evtl. werde ich den Blogpost aktualisieren, wenn ich auf weitere interessante Podcasts stoße).

Der Incomparable-Podcast hat in vier verschiedenen Episoden über den Film diskutiert (Nr. 277-280 – davor gab es bereits mehrere Folgen, die die Trailer zum Film und die allgemeine Erwartungshaltung thematisierten).

ForceCast (Podcast von theforce.net) #376.

Echo Base (Spin-Off des ForceCast) #42.

Jedi Journals (weiterer ForceCast-Spin-Off, der sich mit „Star Wars“-Literatur beschäftigt und in der Folge „The Force Awakens Microcast“ die Verbindungen zwischen den neuen Romanen und Jugendbüchern zum Film thematisiert).

Full of Sith, Episode CXLVI.

Rebel Force Radio – hier gibt es bislang drei „Review Shows“ zum Film.

Empire Podcast (mit einem Interview mit Drehbuchautor Lawrence Kasdan).

Star Wars Underworld Podcast – hier sind bislang zwei Episoden nach dem Filmstart erschienen, ein „Reaction Special“ und ein Crossover mit den Intergalactic Peace Coalition Podcasts, in dem der Film ausführlich besprochen wird.

Star Wars Report – hier beschäftigt sich, wenn ich das richtig überblicke, Folge 200 mit dem Film (und ist sowohl als Audio-Pocast als auch als Video verfügbar).

The Awards Show Show – hier wird ein bisschen über die Oscar-Chancen des Films spekuliert.

Dann habe ich hier noch das Video der Round Table-Discussion der Redaktion von The Verge:

Im deutschen Sprachraum haben unter anderem die Consulting Nerd Girls in einem Google Hangout über den Film diskutiert:

Auch die Jedi-Bibliothek hat auf YouTube eine Diskussion zum Film hochgeladen:

Und als Zuckerl zum Abschluss das Video einer Diskussion mit J.J. Abrams und Lawrence Kasdan, das die Director’s Guild of America veröffentlich hat (das Gespräch wurde glaube ich nach dem Filmstart geführt, ich bin mir aber nicht sicher, da ich das Video noch nicht angeschaut habe):

 

Star Wars: The Force Awakens

Der folgende Text verrät zentrale Handlungselemente des Films und enthält große Spoiler!

20151216_233353_resized (2)Letzte Nacht hatte das jahrelange Warten ein Ende. Ich habe die siebte „Star Wars“-Episode in der Mitternachtspremiere gesehen – und ich war begeistert. Bevor ich den Film in ein paar Stunden zum zweiten Mal anschaue, will ich hier noch meine Eindrücke festhalten. Ich warne allerdings noch einmal alle Leser, die den Film noch nicht gesehen haben: lest nicht weiter, ihr verderbt euch sonst einen Großteil des Spaßes!

Das größte Kompliment, das ich dem Film machen kann, ist vielleicht, dass ich die alten Helden zu Beginn überhaupt nicht vermisst habe. Bevor Han Solo zum ersten Mal aufgetaucht ist, hatte ich eine zeitlang sogar völlig vergessen, dass Han, Leia und Luke ja auch im Film vorkommen! Die neuen Figuren sind wirklich in allen Bereichen – Charakterzeichnung, Schauspiel, Chemie zwischen den Darstellern – hervorragend gelungen. Insbesondere dass es eine weibliche Hauptfigur gibt und wie mit dieser Tatsache umgegangen wird, fand ich sehr gelungen. Das hat ein oder zwei Mal bei mir Erinnerungen an die Szene in Casino Royale geweckt, in der James Bond gerade von Vesper Lynd das Leben gerette wurde, aber ER sich sofort bei IHR erkundigt, ob sie in Ordnung sei.

Lawrence Kasdan und J.J. Abrams haben in Interviews mehrmals betont, sie hätten mit Kylo Ren einen Bösewicht erschaffen, wie es ihn im „Star Wars“-Universum noch nicht gab. Das habe ich für Marketinggeschwätz gehalten, doch es stimmt tatsächlich. Kylo Ren ist irgendwo zwischen dem Darth Vader aus der Original-Trilogie und dem Anakin Skywalker aus Episode II und III angesiedelt. Er hat die dunkle Seite der Macht noch längst nicht so gut im Griff wie ein ausgebildeter Sith Lord und bekommt immer wieder Tobsuchtsanfälle wie ein launischer Teenager. Dass er in seiner Wut schon mal um sich herum alles kurz und klein hackt, macht ihn menschlich. Sein Untergebener General Hux war zwar weniger zu sehen, versprühte in der Szene, in der er vor dem versammelten First Order eine flammende Rede hält, aber so viel Hass, dass ich es richtig mit der Angst zu tun bekommen habe.

Eine weitere Figur, die mir sehr gut gefallen hat, war Maz Kanata. Sie wurde per Motion Capture-Verfahren zum Leben erweckt, stammt also teilweise aus dem Computer. Dennoch hat sie sich ganz in den „handgemachten“ Look des Films eingefügt. Supreme Leader Snoke dagegen wirkt sehr künstlich, was aber wohl eine bewusste Entscheidung ist, schließlich ist er lediglich als Hologramm zu sehen.

Der Film hat zwar durchaus ernste und düstere Stellen, macht aber insgesamt sehr viel Spaß und man merkt den Dialogen deutlich an, dass hier derselbe Drehbuchautor am Werk war, der auch schon „The Empire Strikes Back“  geschrieben hat. So waren die erinnerungswürdigsten Szenen auch stets die ruhigen character pieces, weniger die großen Actionszenen. Meine Lieblingsszene war die letzte gemeinsame Szene zwischen Han und Leia.

Die zahlreichen inhaltlichen Parallelen zu den alten Filmen fand ich größtenteils sehr gelungen. Nur dass es wieder eine riesige Superwaffe gibt, hat mich ein wenig gestört. Diese wird zuerst bedrohlich angekündigt (und zerstört ja auch ein ganzes Planetensystem), ist dann aber plötzlich doch keine so große Bedrohung mehr und wird recht schnell und unspektakulär in einer Schlacht zerstört, die wenig im Gedächtnis bleibt. (Vielleicht gehört das einfach zu den Schwächen des Imperiums bzw. First Order – dass sie in ihrer grenzenlosen Arroganz und mit scheinbar unerschöpflichen Mitteln riesige Superwaffen bauen und es ihnen dabei egal ist, wenn diese in kürzester Zeit zerstört werden können. Man kann ja noch eine bauen.)

Auch das Lichtschwertduell am Ende des Films habe ich gar nicht mehr so genau im Kopf. Aber die Wendung, dass es dann eben doch Rey ist (und nicht Finn), die gegen Kylo Ren kämpft, hat mir gut gefallen. Obwohl Han Solo ja meine Lieblingsfigur im „Star Wars“-Universum ist, hat mich sein Tod nicht geschockt, weil ich ihn ganz einfach schon habe kommen sehen. Das Drehbuch soll ja extra umgeschrieben worden sein, um Harrison Ford eine größere Rolle zu geben. Ich nehme mal an, dass Ford unter der Bedingung zugesagt hat, dass er noch einmal eine wichtige Rolle spielen darf und einen würdigen, dramatischen Abgang bekommt (den er ja eigentlich schon in Episode VI haben wollte). In dem Moment, wo sich im Film Chewie und Han trennen, um die Sprengladungen anzubringen, wusste ich, dass einem von ihnen gleich etwas zustoßen würde. Und als Han dann am Ende des langen Steges stand, war mir klar, dass Kylo Ren ihn mit dem Lichtschwert durchbohren würde. Was war das übrigens für eine von Adam Driver phantastisch gespielte Szene! Für einen kurzen Moment konnte man wirklich glauben, er würde seinem Vater folgen und die Zerrissenheit in ihm war deutlich zu spüren. Ich finde es übrigens sehr schön, dass es ein paar Elemente des alten Expanded Universe in den Film geschafft haben – insbesondere die Tatsache, dass Han und Leias Sohn der dunklen Seite verfallen ist. (Nur ist das jetzt ziemlich verwirrend: Ben war ja bisher der Vorname von Lukes Sohn.)

20151216_230830_resized (2)Ein klein wenig enttäuscht war ich ausgerechnet von der Musik. Ich bin ein großer Filmmusik- und noch größerer John Williams-Fan. Seine Scores zu den alten Filmen kann ich schon fast auswendig mitsummen. Hier ist mir aber keines der neuen Themen in Erinnerung geblieben. Dieser Kritikpunkt ist zugegeben vielleicht etwas unfair, schließlich kann man sich beim ersten Anschauen eines Films, der so viele Reize bietet, ja gar nicht ständig auf die Musik konzentrieren (und soll das auch gar nicht). Spätestens morgen werde ich die Soundtrack-CD in den Händen halten und kann mich ausführlicher mit der Musik befassen. Positiv aufgefallen sind mir jedenfalls der passende Einsatz von Leias Thema und des Force Themes in entscheidenden Momenten des Kampfes zwischen Rey und Kylo Ren. Meine Erwartung, John Williams würde als Ersatz für die nun ja wegfallende Fox-Fanfare eine eigene Lucasfilm-Fanfare komponieren, hat sich übrigens nicht erfüllt. Statt dessen beginnt der Film mit völliger Stille während des Lucasfilm-Logos, was aber auch passend ist.

Der Film lässt viele Fragen offen, nicht nur die Zukunft betreffend, sondern auch die Vergangenheit. Wie genau hat sich zum Beispiel Ben Solos Fall zur dunklen Seite abgespielt? Ich kann es kaum erwarten, all die Romane und Kurzgeschichten zu lesen, die dieses und andere Ereignisse aus den 30 Jahren zwischen den Episoden VI und VII behandeln. Vielleicht wird einiges davon ja bereits in der Romanadaption des Films klarer.

Zu den weiteren wichtigen offenen Fragen gehören folgende: Wer ist Supreme Leader Snoke und wie sieht er wirklich aus? Ist es womöglich Luke Skywalker? Das würde den Gerüchten entsprechen, Luke sei auf die dunkle Seite gewechselt und wäre eine schöne Anlehnung an die Prequel-Trilogie, wo Palpatine in einer ähnlichen Rolle ja auch beide Seiten des galaktischen Konflikts zugleich angeführt hat. (Allerdings glaube ich nicht, dass diese Gerüchte der Wahrheit entsprechen und kann mir auch nicht vorstellen, wie Lukes Hinwendung zur dunklen Seite nachvollziehbar erklärt werden könnte.) Gibt es einen weiteren Enkel von Darth Vader? Daisy Ridley könnte rein optisch auf jeden Fall sehr gut als Verwandte von Natalie Portman durchgehen… Wer sind denn nun eigentlich die „Knights of Ren“? Hat Snoke diesen Orden gegründet? Wie viele Mitglieder hat er? Um wen handelt es sich bei der von Max von Sydow gespielten Figur? Gut möglich, dass er einen alten Jedi gespielt hat, aber Kanan aus „Rebels“ war es wohl doch nicht. Und – last but not least – inwiefern ist denn nun die Macht eigentlich genau erwacht und was für Konsequenzen hat das?

Mehr als sieben Songs, Teil 9: Foy Vance – Billie Jean

Foy VanceZum zweiten Mal ist heute eine Coverversion in dieser Rubrik an der Reihe. Auf den aus Nordirland kommenden Singer-Songwriter Foy Vance wurde ich vor einer paar Jahren aufmerksam, als seine Musik an der Bar des Theater…und so fort in München lief. Seine teils nachdenklichen, teils kraftvollen, aber stets sehr emotionalen Stücke erinnerten mich an die Lieder von Damien Rice, der schon lange zu meinen Lieblingskünstlern gehört.

Auf seinen Konzerten scheint Foy Vance eine Weile Michael Jacksons „Billie Jean“ in der Setlist gehabt zu haben, und zwar bereits vor Jacksons Tod, denn der Song ist auch auf der 2005 veröffentlichten Live-EP „Live Sessions and the Birth of the Toilet Tour“ zu finden (siehe Spotify-Link ganz unten).

Vor zwei Jahren durfte ich Foy Vance bei einem grandiosen Konzert in München live erleben (dabei entstand auch das Foto). Leider hat er „Billie Jean“ damals nicht gesungen, ich finde seine Version von Jacksons Klassiker nämlich einfach großartig – nicht nur deswegen, weil es eben ein Michael Jackson-Song ist, sondern weil Vance das Lied auf die wohl einzig richtige Weise covert: er geht vollkommen anders an das Stück heran und macht eine langsame Akustikversion daraus. Die tragische Geschichte, die der Text beschreibt, wird so auf ganz besondere Weise unterstrichen. Auf YouTube findet man einige weitere Live-Versionen des Songs von Foy Vances Konzerten, wie zum Beispiel diese hier:

Falls Ihr nun auf den Geschmack gekommen seid und mehr von Foy Vance hören wollt, dann kann ich euch sein zweites Album „Joy of Nothing“ sowie das im letzten Jahr erschienene Live-Album „Live at Bangor Abbey“ empfehlen. Beide sind auch auf Spotify verfügbar.

Der obligatorische „Star Wars“-Blogpost vor dem Filmstart

Da ich selbst sehr wenig über „The Force Awakens“ weiß, enthält dieser Blogpost keine großen Spoiler zum Film. Ich erwähne aber einige (wenige) Gerüchte, die ich mitbekommen habe und die möglicherweise zutreffen. Wer also in dieser Hinsicht hundertprozentig sicher gehen und wirklich gar nichts über die Handlung erfahren will, der sollte den Text besser nicht lesen. Aber wie erwähnt enthält er sicher keine großen Spoiler.

Es sind nicht mal mehr drei Wochen, bis „Star Wars: Episode VII – The Force Awakens“ (ich verwende im Gegensatz zur Marketingkampagne hier mal den vollen Titel) ins Kino kommt. Ich habe natürlich bereits Tickets und werde den Film in der Mitternachtspremiere sowie ein zweites Mal am Abend des Starttags anschauen (und wahrscheinlich noch ein paar Mal öfter). Natürlich wird es danach hier einen Blogpost zum Film geben, aber ich habe mir auch seit Wochen schon vorgenommen, ein bisschen was zu meinen Wünschen, Erwartungen, Hoffnungen und auch Befürchtungen hinsichtlich des Films zu schreiben, bevor ich ihn gesehen habe. Das ist also nun dieser Blogpost.

Seit dem im April veröffentlichten zweiten Teaser-Trailer habe ich mir keinen der Trailer und TV-Spots mehr angesehen (wenn man mal von dem nur wenige Sekunden dauernden Teaser auf Instagram absieht). Natürlich habe ich es nicht völlig vermeiden können, hier und da ein paar Screenshots aus den Trailern zu sehen und als ich mir den neuen James Bond-Film im Kino angeschaut habe, musste ich die Augen schließen und mir die Ohren zuhalten, als vor dem Film der „Star Wars“-Trailer lief (gesehen habe ich dabei wirklich nichts, aber die Sound-Anlage des Kinos hatte einfach zuviel Wucht, also habe ich zwar alles gehört, viele der Dialogfetzen aber inzwsichen wieder vergessen).

Meine Erwartungen und Hoffnungen

Ich bin also relativ ungespoilert und habe zwar auch ein paar Gerüchte über die Handlung gelesen, zum Glück konnte ich mich aber meistens zurückhalten und kenne keine großen Spoiler. Was erwarte ich mir also von „The Force Awakens“? Nun, in erster Linie natürlich einen spannenden, humorvollen Film, der die in den ersten sechs Filmen (nicht nur der Original-Trilogie!) begonnene Geschichte sinnvoll fortsetzt und dabei neue, interessante Figuren einführt. Persönlich finde ich es etwas schade, dass man sich anscheinend doch nicht auf die Handlungsentwürfe von George Lucas gestützt hat. Aber andererseits kann ich das auch akzeptieren, da George Lucas „Star Wars“ nun einmal abgegeben hat und es früher oder später sowieso neue Filme ganz ohne seine Beteiligung gegeben hätte. Was den Look und das Feeling des Films betrifft, muss man sich wohl keine Sorgen machen (jedenfalls, wenn man der Marketingkampagne trauen darf); der Film wird nach klassischem „Star Wars“ aussehen und sich hoffentlich auch so anfühlen.
Ich wünsche mir allerdings, dass trotz aller optischen, emotionalen und inhaltlichen Verweise auf die Original-Trilogie auch die Prequels nicht ignoriert werden. Das muss ja nicht gleich dadurch geschehen, dass man Jar Jar Binks zum bösen Mastermind macht, der hinter den Kulissen die Fäden zieht (tatsächlich ein Gerücht, das in letzter Zeit die Runden machte). Mir würden es schon reichen, wenn man zum Beispiel ein paar aus den Prequels bekannte Alienrassen im Film sieht oder einen aus den Prequels bekannten Planeten besucht (wohl eher unwahrscheinlich). Eines der wenigen Gerüchte, die ich mitbekommen habe, besagt, dass ein Stab von Darth Plagueis (dem Meister von Darth Sidious) im Film vorkommt. Was immer es mit diesem Stab genau auf sich hat, ich würde das jedenfalls sehr begrüßen, weil es eine Brücke zurück zu den Prequels (und sogar in die Zeit davor) schlagen würde.
Natürlich hoffe ich auch, dass Han, Luke und Leia einen genügend großen Platz in der Handlung einnehmen werden. Zumindest was Han Solo betrifft, muss ich mir da wohl keine Sorgen machen. Das Drehbuch wurde angeblich extra umgeschrieben, um ihn zu einer der Hauptfiguren des Films zu machen. Luke Skywalker dagegen scheint in „The Force Awakens“ kaum mehr als einen größeren Cameo-Auftritt zu haben – zumindest stelle ich mich darauf mal ein. Gerüchten zufolge handelt der Film von der Suche nach Luke, der wohl – warum bloß? – ein Einsiedlerdasein führt.
Auch Lukes Lichtschwert (das einmal Anakin gehörte und in Episode IV von Obi-Wan an Luke weitergegeben wurde) soll eine wichtige Rolle im Film spielen. Ist es ein Gegenstand, nach dem die Charaktere suchen? Ist die Suche nach dem Lichtschwert mit der Suche nach Luke Skywalker verbunden? In diesem Zusammenhang fällt mir auch wieder ein, dass ich 2014 mal zufällig etwas darüber gelesen habe, dass Lukes Lichtschwert in der ersten Szene des Film zu sehen sein soll. Ich stelle mir das ziemlich cool vor: Die bekannte Titelmelodie ertönt, drei Absätze gelben Texts schweben an uns vorbei und die Kamera schwenkt schließlich nach unten, worauf ein Raumschiff vorbei zu ziehen beginnt. Erst nach und nach realisiert man, dass man da gar kein Raumschiff sieht, sondern einen durchs Weltall schwebenden Lichtschwertgriff. Wahrscheinlich geht der Film ganz anders los, aber eine nette Idee wäre das schon.
Noch mehr als auf ein Wiedersehen mit bekannten Figuren freue ich mich aber auf den neuen, wieder von John Williams komponierten Soundtrack. Und wo ich gerade schon bei der Filmmusik bin: Da „Star Wars“ nun bei Disney zuhause ist, wird der neue Film natürlich nicht mehr wie gewohnt mit der Fanfare von 20th Century Fox und dem dazugehörigen Logo beginnen. Das Disney-Logo wird es zwar wahrscheinlich auch nicht zu sehen geben (das taucht ja bei den Marvel-Filmen auch nicht auf), aber ich bin schon sehr gespannt darauf, ob John Williams eine neue Lucasfilm-Fanfare komponiert hat, die wir in Zukunft vor allen Filmen der Reihe (und zum Beispiel auch am Anfang eines neuen Indiana Jones-Films) hören werden.

Meine Befürchtungen

Trotz allem Enthusiasmus und der riesigen Vorfreude, die die geschickt auf Fans der Original-Filme zielende Werbekampagne auch bei mir ausgelöst hat, muss ich hier auch das tun, was Luke Skywalker tun musste – mich meinen Ängsten stellen. Was also, wenn der Film nicht gut wird? (Ein paar gute Ratschläge für diesen schrecklichen Fall gibt es hier.) Das mag ich mir gar nicht vorstellen und ich bin bislang davon überzeugt, dass „The Force Awakens“ zumindest kein totaler Reinfall wird. Von den wenigen inhaltlichen Details, die ich bisher mitbekommen habe, bereiten mir allerdings manche Anlass zur Sorge. J.J. Abrams, Kathleen Kennedy, sämtliche Schauspieler und die ganze Marketingmaschine überhaupt werden ja nicht müde zu betonen, dass der Film optisch, inhaltlich und eben „vom Feeling her“ ganz klar an die alten Filme anschließt. Doch genau darin könnte auch ein Problem liegen.
Ich frage mich nämlich inzwischen, ob die Macher nicht zu krampfhaft versucht haben, die Erfolgsformel der Originaltrilogie wieder aufleben zu lassen. Mir geht es dabei vor allem im Inhaltliches. Das Filmplakat zeigt uns eine neue, Todesstern-ähnliche Superwaffe. Wir bekommen einen neuen, maskierten Bösewicht. Im Zentrum des Films stehen mit den von Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac verkörperten Charakteren drei Figuren, die an die „großen Drei“ (Luke, Leia und Han) angelehnt sind. Dann hätten wir mit Captain Phasma erneut eine Nebenfigur in einer coolen Rüstung, genau wie Boba Fett in der Originaltrilogie. Anscheinend verschlägt es die Helden im Lauf des Films auch in die Festung einer mächtigen Unterweltfigur, so wie damals in Jabbas Palast. Und zu guter Letzt hat Abrams vor ein paar Tagen erzählt, er selbst habe die Musik für eine Szene geschrieben, die an die klassische Cantina-Szene aus dem ersten Film angelehnt ist.
Man könnte dieser Liste wahrscheinlich noch einige weitere Details hinzufügen. Zusammengenommen sieht das für mich jedenfalls so aus, als versuche man den Geist der ersten drei Filme dadurch wieder heraufzubeschwören, indem man sie schlicht kopiert. Episode VII droht so zum Remake von Episode IV-VI zu werden. Aber vielleicht tut sich dieser Eindruck bei mir auch nur deshalb auf, weil die Ähnlichkeiten mit den frühen Filmen derzeit eben so hervorgehoben werden und entscheidende Handlungsdetails noch geheim gehalten werden. Ich hoffe jedenfalls, dass der Film sich nicht nur auf altbekannten, längst ausgetretenen Pfaden bewegt, sondern uns auch etwas Neues vorsetzt. Und selbst, wenn das nicht der Fall sein sollte, könnte es ja sein, dass man nur in diesem ersten neuen Film noch so stark auf die Ähnlichkeiten mit den Vorgängerfilmen setzt, um das Publikum eben an einem bekannten Ort ab- und so zurück in die weit, weit entfernte Galaxis zu holen. Episode VIII und IX könnten stilistisch wie inhaltlich dann ganz anders werden. „Das Imperium schlägt zurück“ unterscheidet sich schließlich auch stark von „Eine neue Hoffnung“.

Das meiste von was mir wichtig ist, habe ich nun gesagt. Bleiben noch zwei große Fragen: Wer stirbt? Und ist Jakku nicht doch Tatooine? Ich war lange davon überzeugt, dass der Wüstenplanet im neuen Film, der uns derzeit noch als Jakku verkauft wird, in Wahrheit das altbekannte Tatooine ist. Nachdem Jakku nun inzwischen aber auch in Romanen und im neuen „Battlefront“-Spiel vorkommt, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Aber wer weiß – nach der John Harrison/Khan-Finte traue ich J.J. Abrams alles zu. Und was die zweite Frage betrifft: Mindestens einer der großen Drei muss in dieser neuen Filmtrilogie doch sterben. Eigentlich wäre Luke Skywalker an der Reihe, der nun die Mentor-Position inne hat, die in Episode I Qui-Gon Jinn und in Episode IV Obi-Wan Kenobi eingenommen haben. Aber da Luke anscheinend nur eine sehr kleine Rolle im Film hat (ich tippe mal darauf, dass er erst am Ende zu sehen sein wird), glaube ich nicht, dass er bereits in Episode VII das Zeitliche segnen wird. Bei Han Solo dagegen sieht es schon anders aus. Sein Tod im Film würde erklären, warum Harrison Ford derzeit so viel Spaß daran zu haben scheint, für das früher bei ihm so verhasste „Star Wars“ die Werbetrommel zu rühren. Er wollte Han schon in Episode VI sterben lassen, vielleicht wurde ihm sein Wunsch nun erfüllt.
In gut eineinhalb Wochen werden wir schlauer sein. Dann wissen wir auch, ob Luke Skywalker der dunklen Seite verfallen ist.

 

Arlo & Spot (The Good Dinosaur) – Der neue Pixar-Film

Arlo & Spot - PlakatÜbermorgen startet der neue Pixar-Film „Arlo & Spot“ („The Good Dinosaur“) in den deutschen Kinos. Nach „Alles steht Kopf“ ist es bereits das zweite neue Werk von Pixar innerhalb weniger Monate. Geplant war dieser kurze Abstand eigentlich nicht, denn „Arlo & Spot“ hätte eigentlich schon viel früher ins Kino kommen sollen. Doch die Produktionsgeschichte des Films war eine sehr holprige. Die Story wurde mindestens einmal komplett über den Haufen geworfen und der urpsprüngliche Regisseur des Films gegen Peter Sohn ausgetauscht, der damit seinen ersten Langfilm inszeniert hat.
Dass die Produktion von „Arlo & Spot“ besonders lange und kompliziert gewesen ist, bedeutet aber leider noch nicht automatisch, dass dabei auch ein besonders guter Film herausgekommen ist. Pixar ist zwar bekannt dafür, an seinen Produktionen oftmals gerade in der Phase der Ideen- und Handlungsfindung besonders lange und gründlich zu arbeiten, bei „Arlo & Spot“ scheint aber gerade das nicht der Fall gewesen zu sein. Vielmehr dürfte man hier mit den zahlreichen Änderungen versucht haben, zu retten was noch zu retten ist.

Der Film beginnt mit einer kurzen Szene, die auch schon im Trailer zu sehen war: Was wäre wenn der Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren die Auslöschung der Dinosaurier verursachte, die Erde knapp verfehlt hätte? Der Idee der Filmemacher zufolge hätten sich dann die Saurier zu intelligenten, sprechenden Wesen entwickelt. Menschen existieren im Film zwar auch, doch sie laufen meist noch auf vier Beinen und verständigen sich nur über Grunzlaute. Die Geschichte, die der Film nun vor diesem Hintergrund erzählt, ist die eines jungen Dinosauriers namens Arlo, der mit zwei Geschwistern bei seinen Eltern aufwächst. Während seine Geschwister eine große Hilfe beim Ackerbau (!) sind, bekommt der tollpatschige und furchtsame Arlo immer wieder vor Augen geführt, dass er die Aufgaben des täglichen Lebens noch nicht so recht meistert. Eines Tages kommt es zu einem Ereignis, das – wie offenbar einige andere Entwicklungen im Film auch – direkt aus dem „König der Löwen“ importiert worden zu sein scheint und das einen herben Schicksalsschlag für Arlo und seine Familie darstellt. Noch dazu verschlägt es ihn kurz darauf in einen weit entfernten Landstrich. Während seine Familie ihn für tot hält, muss der ängstliche Arlo lernen, sich in der Wildnis zurecht zu finden, um wieder zurück nach Hause zu kommen. Dabei trifft er nicht nur auf alle möglichen Kreaturen, die ihm nicht alle freundlich gesonnen sind, sondern hat auch einen Begleiter in Form eines Menschenjungen, den er bald auf den Namen Spot tauft. Anfänglich hat Arlo noch Angst vor Spot, ist dann eine zeitlang genervt von ihm, bevor er lernt, dass so ein kleiner menschlicher Begleiter ziemlich nützlich sein kann und eine Freundschaft zwischen den beiden entsteht.

Arlo & Spot

Die besten Pixar-Filme wie die „Toy Story“-Reihe, „The Incredibles“, „Wall-E“ oder „Inside Out“ zeichnen sich stets dadurch aus, dass sie für kein spezifisches Publikum gemacht sind. Sie enthalten sowohl lustige Charactere, Action und Slapstick-Einlagen, über die Kinder lachen können, als auch popkulturelle Anspielungen, reife emotionale Themen und Witze für deren Verständnis man etwas Lebenserfahrung braucht. Dies ist bei „Arlo & Spot“ jedoch nicht der Fall. Hier haben wir es mit einem ziemlich konventionellen, ganz auf eine junge Zielgruppe zugeschnittenen Film zu tun, dessen vorhersehbare Geschichte und schablonenartige Figuren für Erwachsene zwar nett anzusehen sind, aber mehr eben nicht. Das gewisse „Pixar-Etwas“, das den Meisterwerken der Trickfilmschmiede innewohnt, fehlt hier.
In den letzten Jahren hatte man bei den Animationsfilmen anderer Studios oft das Gefühl, dass diese die Erfolgsformel von Pixar zu kopieren versuchten, aber meist nicht über eine kreative, manchmal auch völlig abgedrehte Ausgangsidee hinauskamen. So entstanden dann Filme, die aus einem oftmals durchaus originellen Konzept meist nur konventionelle bis langweilige Geschichten sponnen (zum Biespiel „Megamind“ oder „Epic“). Auf ganz ähnliche Weise versuchenten auch die Walt Disney Animation Studios in Konkurrenz mit den hauseigenen Leuten von Pixar, deren Erfolgsformel zu kopieren – mit ähnlichen Ergebnissen (z.B. „Bolt“). Mit „Arlo & Spot“ haben wir es nun mit einem Pixar-Film zu tun, der denselben Eindruck macht: als hätte hier jemand versucht, die Pixar-Erfolgsformel zu kopieren, sei aber nicht über eine kreative Ausgangsidee hinausgekommen, nur um sich dann eben in einer überraschungsarmen Geschichte mit platten Figuren zu verlieren.
SpotDas beginnt schon mit der oben erwähnten Ausgangssituation des Films. Diese ist nämlich für den späteren Verlauf der Geschichte kaum noch relevant. Dinosaurier können sprechen und leben gemeinsam mit Menschen auf der Erde? Schön und gut, aber dazu hätte es die einleitende Szene mit dem den Planeten verfehlenden Asteroiden gar nicht gebraucht bzw. wenn man den Film schon damit beginnt, dann hätte man auch wesentlich mehr daraus machen müssen. Doch der Film würde in seiner jetzigen Form genau so ohne diese erste Szene funktionieren. In der „Ice Age“-Reihe leben Menschen und Saurier schließlich auch zur gleichen Zeit, ohne das das irgendwie begründet oder erklärt wird. Wirklich gründlich durchdacht scheint „Arlo & Spot“ also nicht zu sein, was sehr schade ist.
Die Handlung selbst funktioniert zwar, die Hauptfiguren machen nachvollziehbare Entwicklungen durch und es kommt zu ein paar sehr emotionalen, teilweise sogar wirklich tief berührenden Szenen. Doch all das ist wie gesagt in eine äußerst platte Geschichte eingebettet, die zwar für Kinder spannend und lustig ist, erwachsenen Zuschauern aber nur ein müdes Gähnen entlockt. Dass Animationsfilme keineswegs automatisch Kinderfilme sind, hat Pixar oft genug bewiesen, dieser Film stellt allerdings ein Gegenbeispiel dar.
Die Entwicklung Arlos, der sich seiner Angst stellen und über sich selb
st hinaus wachsen muss, ist zwar glaubwürdig, wirkt in ihrer Ausführung aber wie nach einem Handbuch „Drehbücher schreiben für Anfänger“ erstellt. Zu Beginn des Films bekommt Arlo von seinem Vater wortwörtlich erklärt, er müsse seine Angst überwinden. Statt seine Botschaft also auf kreative Weise in Bildern, Handlungen und Action zu vermitteln, wählt „Arlo & Spot“ den direkten, aber äußerst einfallslosen Weg, der – man muss es einmal mehr sagen – zwar für Kinder neu und spannend ist, für Erwachsene aber einfach etwas schon dutzendfach Gesehenes darstellt. „Arlo & Spot“ ist im Gegensatz zu „Alles steht Kopf“, „Ratatouille“ oder „The Incredibles“ kein Film mit Metaebene und doppeltem Boden – oder auch nur ein paar Witzen, die sich speziell an Erwachsene richten. Der ganze Film erzählt eine schon in unzähligen anderen Kinderfilmen erzählte Geschichte, ohne diese aber raffiniert in eine vor kreativen Einfällen überbordende Welt zu verpacken. Zugegeben, die Messlatte liegt für Pixar, gerade nach der Rückkehr zu alter Form mit „Alles steht Kopf“ halt besonders hoch.
Die VelociraptorenDass es den Verantwortlichen nie gelungen ist, aus ihrer Idee eine in sich runde und schlüssige Geschichte zu machen, wird auch an anderen Schlampereien des Drehbuchs deutlich. So weist der Film zum Beispiel eine Reihe von Szenen und Nebenfiguren auf, die nicht schlüssig zu Ende entwickelt werden. Ganz besonders der aufwändig eingeführte Styracosaurier, der eine Reihe von „Helfertieren“ auf seinen Hörnern mit sich herumträgt, macht dies deutlich: nach seiner ersten und einzigen Szene bleibt er für den Rest des Films verschwunden und man fragt sich, was die Vorstellung seiner Figur und der einzelnen Tiere auf seinen Hörnern denn nun bewirken sollte.
Dass die Geschichte alles andere als originell ist, macht auch die schon erwähnte Ähnlichkeit des Films zu „Der König der Löwen“ deutlich. Neben einer auch optisch stark an den Klassiker erinnernden Szene im ersten Drittel des Films gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Ähnlichkeiten, darunter drei mit Federn ausgestattete (wie es neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht!) Velociraptoren, deren Funktion in der Handlung stark an die Hyänen aus dem „König der Löwen“ erinnert. Das Ende des Film scheint schließlich direkt aus dem „Dschungelbuch“ übernommen worden zu sein.

Fotorealistische LandschaftenMit „Arlo & Spot“ ist Pixar also kein großer Wurf gelungen, stattdessen wirkt der Film wie sich an ein Kinderpublikum anbiedernde Massenware. Man kann aber nicht verleugnen, dass der Film das, was er macht, immerhin sehr gut macht (was für Pixar allerdings längst nicht gut genug sein sollte). Zum Schluss möchte ich noch auf einige postivie Aspekte des Films zu sprechen kommen:
Mir hat gefallen, dass nicht alle Figuren, denen Arlo und Spot auf ihrer Reise begegnen, genau das sind, was sie zunächst zu sein scheinen. Das beginnt natürlich schon mit der Begegnung Arlos mit Spot, setzt sich aber im Verlauf des Films fort, wenn die beiden zum Beispiel auf eine Familie von furchterregnd aussehenden Tyrannosauriern treffen. Und zumindest in den Beziehungen der verschiedenen Saurierarten untereinander und der Saurier zu den weniger intelligenten Lebensformen (also vor allem den Menschen) zieht der Film seine Ausgangsidee dann konsequent durch. So kann man hier zum Beispiel nicht davon ausgehen, dass Menschen von allen Fleisch fressenden Sauriern als Futter angesehen werden.
Die größte Stärke des Films liegt sicherlich in seiner höchst beeindruckenden visuellen Pracht. Die Landschaften mit ihren Bergketten, reißenden Flüssen und malerischen Steppen und Wäldern sind von einem solchen Detailreichtum und Realismus, dass man sich immer wieder fragt, ob hier denn wirklich alles künstlich am Computer erzeugt worden ist oder ob nicht das ein oder andere Mal „echte“ Aufnahmen dazwischen geschmuggelt worden sind. Ich frage mich allerdings, warum man sich dazu entschieden hat, Felsen, Blätter, Wasser usw. so realistisch wie möglich zu gestalten, während die Figuren alle deutlich catoonhaft und reduziert wirken. Ist es nicht die Stärke des Animationsfilms, dass der gesamte Look des Films von Grund auf in einem einheitlichen, auch mal recht eigenwilligen Stil gestaltet werden kann? Warum also nicht auch die Umgebungen in einem speziell für den Film entwickelten Design anlegen?
Western-FeelingIch habe oben geschrieben, dass „Arlo & Spot“ ein paar berührende Szenen aufweist. Die stärkste davon ist die „Familienaufstellung“, in der sich die beiden Hauptfiguren, die nicht mit Worten kommunizieren können, die Geschichte ihrer Familien erzählen. Da blitzt kurz die Genialität früherer Pixar-Werke durch, die ja auch oft mit wenigen Bildern eine große emotionale Wucht erzielen konnten. Leider gelingt dies in „Arlo & Spot“ viel zu selten.

Bilder: Copyright Walt Disney Pictures

Mehr als sieben Songs, Teil 8: Elton John – My Quicksand

Es ist mal wieder an der Zeit für einen neuen Beitrag zu dieser Reihe. Elton John hat sich über die letzten Jahre fast unbemerkt zu einem meiner Lieblingssänger gemausert. Ich habe seine Lieder eigentlich schon immer gemocht, nicht zuletzt dank seiner Mitwirkung am „Lion King“-Soundtrack und der Tatsache, dass einers seiner Lieder („Tiny Dancer“) in einem meiner Lieblingsfilme („Almost Famous“) an einer zentralen Stelle vorkommt.
Ich habe auch schon seit mindestens zwölf Jahren ein 3-Disc-Best-of-Album von ihm im Regal stehen, dazu noch einige weitere seiner Alben. Und auf jedem davon fand ich jeweils ein paar Lieder besonders schön. Aber erst Elton Johns letztes Album „The Diving Board“ hat mich vom ersten bis zum letzten Song gefesselt. Kitsch und allzu pathetische Liebeslieder umschifft der Brite darauf gekonnt und trotzdem – oder gerade deswegen – gelingt es ihm, eine emotionale Wucht zu erzeugen, wie man sie von ihm schon gar nicht mehr erwartet hatte. Das liegt wohl vor allem an der sparsamen und zurückgenommenen Instrumentierung. Auf den Einsatz seiner gewohnten Band verzichtete Elton John hier, so dass meistens die Klavierbegleitung im Vordergrund steht. Die Entscheidung zu dieser Reduktion hat dem Album sehr gut getan.
Mein eindeutiger Favorit auf dem Album ist „My Quicksand“, eine melancholische, aber nicht gefühlsduselige Ballade. Auf den Text des Songs habe ich noch nie ganz genau geachtet, aber das muss man auch nicht. Die Stimmung, die das Lied verbreitet, passt perfekt zu einem herbstlichen Nachmittag mit Kerzenlicht und heißem Tee. Finde ich jedenfalls.
Zusammen mit „Tiny Dancer“, „I Want Love“, „The Panic In Me“ und „Believe“ gehört „My Quicksand“ zu meinen Lieblingsliedern von Elton John. Ich freue mich schon auf sein nächstes Album, das im Februar erscheinen soll. Darauf spielt er wieder mit seiner Band, aber genau wie „The Diving Board“ und „The Union“ wurde es von T Bone Burnett produziert, ich hoffe also auf ein weiteres Meisterwerk.

Die Terminator-Saga

Am 19.11. erscheint „Terminator: Genisys“ als DVD und Bluray. Freundlicherweise hat man mir ein Rezensionsexemplar der Bluray zur Verfügung gestellt. Bevor ich mir den Film anschauen konnte, musste ich jedoch noch einiges an „Vorarbeit“ leisten: Ich hatte zwar vor vielen Jahren die Teile 2 und 3 der „Terminator“-Reihe gesehen, doch es klaffte noch eine Bildungslücke in Form von Teil 1 in meinem „Terminator“-Grundwissen. Zur Vorbereitung auf „Genisys“ habe ich mir also erstmals  „The Terminator“ und auch „Terminator 2: Judgment Day“ nochmals angeschaut. Weil ich danach gerade so viel Spaß am „Terminator“-Universum hatte, habe ich direkt mit „Terminator 3: Rise of the Machines“ weitergemacht, obwohl das als Grundlage für „Genisys“ nicht wirklich notwendig gewesen wäre, schließlich versucht der neueste Film vor allem an die zu Recht so hoch geschätzten ersten beiden Teile der Franchise anzuschließen. („Terminator: Salvation“ habe ich links liegen gelassen. Den hatte ich ebenfalls vor ein paar Jahren mal gesehen, habe ihn aber in so schlechter Erinnerung, dass ich ihn nicht noch einmal anschauen will.)

Terminator Genisys - Bluray

Terminator 1 & 2

Am ersten „Terminator“ hatte ich eine ganze Menge Spaß, viel mehr als ich erwartet hatte. Zwar ist der Film ganz deutlich ein Produkt der 80er Jahre, doch das macht sich zu keiner Sekunde negativ bemerkbar. Mit Arnold Schwarzenegger als emotionsloser Killermaschine hat James Cameron seine Titelfigur perfekt besetzt. Wohl niemand anderes hätte den Terminator so überzeugend spielen können wie Schwarzenegger. Auch Linda Hamilton als Sarah Connor und Michael Biehn als Kyle Reese sind vollkommen glaubwürdig, so dass der Film trotz aller Action letztlich von seinen überzeugenden Charakteren lebt.
„Terminator 2“ erzählt im Grunde noch einmal die gleiche Geschichte wie der erste Film, allerdings mit deutlich nach oben geschraubtem Action-Faktor und für damalige Verhältnisse wirklich revolutionären visuellen Effekten. Heutige Kinogänger mögen etwa für die Morphingeffekte des T-1000 nur ein müdes Schulterzucken übrig haben, doch damals hatte man so etwas schlicht noch nie zuvor in einem Film gesehen (im selben Jahr verwendete Michael Jackson einen ähnlichen Effekt in seinem Kurzfilm zu „Black or White“).

The Terminator!

Szene aus „Terminator: Genisys“

1991 wusste man bei einem Kinobesuch im Vorfeld wahrscheinlich viel weniger über die Handlung eines Films, als dies meist heute der Fall ist. Ich weiß nicht, wie viel die Trailer zu „Terminator 2“ von der Handlung verraten haben, aber für diejenigen Zuschauer, die Teil 1 kannten, aber noch nichts über Teil 2 wussten, muss der Film ein paar ziemlich heftige Überraschungen bereit gehalten haben. Er beginnt genau wie der erste Film damit, dass ein Terminator (Schwarzenegger) und eine weitere Person (Robert Patrick) in der Zeit zurück geschickt werden. Bis zur ersten Begegnung der beiden mit dem 13-jährigen John Connor (Edward Furlong) geht man als ungespoilerter Zuschauer davon aus, dass Arnie erneut der Böse ist, der den Helden des Films an den Kragen will, während Patricks Figur als guter Beschützer unterwegs ist. Als sich dann herausstellt, dass der Terminator dieses Mal kein „böser“ ist und Patrick keinen Menschen, sondern den tödlichen T-1000 spielt, stellt das sämtliche Erwartungen der Zuschauer auf den Kopf.
„Terminator 2“ wäre allerdings nicht eines der Vorzeigebeispiele für Sequels, die den Originalfilm noch übertreffen, wenn er „nur“ fantastische Action und ein paar überraschende Storywendungen zu bieten hätte. Neben erneut vollkommen überzeugenden Schauspielleistungen aller Darsteller ist der Film auch wahnsinnig gut geschrieben. Die Charaktere und ihre Beziehungen werden sinnvoll ausgearbeitet und keine einzige Szene des Films ist überflüssig. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der John zu Beginn mit einem Kumpel einen Geldautomaten hackt. Sie dient nicht nur der Charakterisierung der Figur, sondern auch als Vorbereitung für die Szene gegen Ende des Films, als John die zu Beginn demonstrierten Fähigkeiten einsetzt, um den Code einer Tür zu knacken. Und wenn ich schon beim Drehbuch und der hervorragenden Figurenzeichnung des Films bin – wer hätte denn bitteschön nach Teil 1 ernsthaft gedacht, dass die Fortsetzung es schaffen würde, einem mit dem Tod des Terminators Tränen in die Augen zu treiben? Die sich über den Film entwickelnde Vater-Sohn-Beziehung zwischen dem Terminator und John Connor ist einer der Hauptgründe, warum man mit diesen Figuren mitfühlt. (Interessant ist übrigens, dass James Cameron in „Aliens“ ganz ähnlich verfahren ist. Auch dort wird die in Teil 1 etablierte Hauptfigur ausgebaut, indem ihr quasi ein Kind zur Seite gestellt wird. In beiden Filmen verfolgen wir gewissermaßen die Geschichte einer Patchworkfamilie, bestehend aus dem Terminator, John und Sarah Connor bzw. aus Ripley, Newt und Hicks.)

Terminator 3

„Terminator 3“ erzählt schon wieder dieselbe Geschichte, fügt der Franchise aber im Gegensatz zum zweiten Teil nichts wirklich Neues oder in irgendeiner Weise Bahnbrechendes hinzu. Wieder wird ein Terminator in die Vergangenheit geschickt und wieder muss er gegen ein ihm überlegenes Modell kämpfen, um John Connor zu beschützen. John wird nun von Nick Stahl gespielt, dessen schauspielerische Fähigkeiten offenbar begrenzt sind. Man muss fairerweise aber hinzufügen, dass die Schauspieler hier mit einem Drehbuch arbeiten müssen, dass dem des Vorgängers weit unterlegen ist. Nach der durchaus beeindruckenden und spaßigen Autoverfolgungsjagd, bei der eine halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt wird, geht dem Film die Puste aus, als es vorrübergehend etwas ruhiger wird und es eigentlich an der Zeit wäre, die Beziehungen zwischen den Figuren zu entwickeln. Doch das geschieht leider kaum. Mehrere Möglichkeiten bleiben dabei ungenutzt, unter anderem wird das Potential der in Teil 2 etablierten Vater-Sohn-Beziehung zwischen John und dem Terminator verschenkt.

The Terminator again!

Szene aus „Terminator: Genisys“

Der von Kristanna Loken gespielte T-X verfügt über die Fähigkeit, andere Maschinen zu kontrollieren und ihnen gewissermaßen seinen Willen aufzuzwingen. Das hätte man geschickt dazu nutzen können, Schwarzeneggers Figur schon früh im Film wieder zum Bösewicht zu machen und so an den Ursprungsfilm anzuknüpfen. Davor scheuten die Macher aber anscheinend zurück und lassen Arnie lediglich für eine Szene am Schluss auf die Helden des Films losgehen. Die Handlung ist wie gesagt der des Vorgängerfilms recht ähnlich, nur dass sie nun eben nicht mehr in den 1990er Jahren spielt, sondern 2004. Die Machtübernahme Skynets wurde in Teil 2 anscheinend nur aufgeschoben und auch John Connor bleibt als zukünftiger Anführer des menschlichen Widerstands bestehen, obwohl er inzwischen mehr als zehn Jahre älter ist und das doch eigentlich längst sein müsste. Auch „Terminator 2“ wies mit seinem Zeitreise-Plot bereits einige Logiklöcher auf, doch aufgrund der revolutionären Action und der überzeugend ausgearbeiteten Charaktere war man bereit, diese zu übersehen. „Terminator 3“ und alle folgenden Filme können jedoch nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass jeweils Teile der Handlung eigentlich gar keinen Sinn machen.

Terminator: Genisys

Nachdem künstlerisch gefloppten „Terminator: Salvation“, der auch finanziell hinter den Erwartungen zurückblieb (und bis auf weniger Bilder auch auf den damals vom Terminator zum „Gouvernator“ gewechselten Schwarzenegger verzichten musste), erschien dieses Jahr mit „Terminator: Genisys“ also ein „Terminator“-Film, der auch wirklich wieder den echten Terminator zu bieten hat. „Genisys“ verlässt sich weitgehend darauf, dass seine Zuschauer die ersten beiden Filme gesehen haben. Vor allem Teil 1 sollte man im Gedächtnis haben, denn die erste halbe Stunde von „Genisys“ erzählt den Beginn des ersten Films gewissermaßen noch einmal. Dabei werden zum einen im Jahr 2029 spielende Szenen hinzugefügt, die zeigen, wie es dazu kam, dass der Widerstand Kyle Reese ins Jahr 1984 schickte (einen wirklichen erzählerischen Wert haben diese Szenen freilich nicht, schließlich kennt man die Gründe ja schon); zum anderen stellt der Film mehrere Szenen aus Teil 1 nach, versieht sie aber mit dem Twist, dass die Realität des Jahres 1984 verändert worden ist.

Die nachgestellten Szenen des ersten Films halten den in der „TermWow, it's the Terminator!inator“-Historie bewanderten Zuschauer eine Weile bei Laune und es ist wirklich lustig anzusehen, wie hier noch einmal die Ankunft von Reese und dem Terminator im Jahr 1984 und die unmittelbar darauf folgenden Ereignisse abgespult werden, vor allem als dann schnell klar wird, dass sich die Dinge eben etwas anders zutragen, als man es erwartet. Die Idee, den neuen Film für eine Weile in einem der früheren Filme spielen zu lassen, erinnert an „Back to the Future 2“, allerdings mit dem Unterschied, dass bei „Terminator: Genisys“ bis auf den Terminator alle Figuren von anderen Darstellern gespielt werden. (Nebenbei macht einem dieser Kniff auch deutlich, wie weit „Back to the Future 2“ mit dieser Idee seiner Zeit vorraus war.) Theoretisch hätte man natürlich auch den Terminator neu besetzen können, dann hätte man aber das größte Verkaufsargument dieses Films verloren: Arnie is back! So spaßig diese erste halbe Stunde auch ist, in der der „alte“ (also junge, aus Teil 1 bekannte) Terminator, der „neue“ (also gealterte) Terminator, ein neuer T-1000 (Lee Byung-hun), Kyle Reese (Jay Courtney) und eine bereits kampferfahrene und längst mit Terminatoren und all dem Kram vertraute Sarah Connor (Emilia Clarke) gegen- bzw. miteinander kämpfen – als der Film danach kurz zur Ruhe kommt und eigentlich alles überzeugend erklären müsste, stellt sich schnell heraus, dass die Drehbuchautoren nicht so recht wussten, wie sie ihre Ideen zu einer schlüssigen Geschichte zusammen fügen sollten. So wird beispielsweise nie erklärt, wer denn eigentlich den Terminator, der in dieser neuen Zeitlinie Sarah Connor bereits seit ihrem neunten Lebensjahr beschützt, in der Zeit zurück geschickt hat.

Dass es nach „Terminator 2“ und „Terminator 3“ nun schon zum dritten Mal darum geht, den „Judgment Day“ zu verhindern, der mit jedem neuen Film anscheinend weiter in die Zukunft verlegt wird, wirkt ziemlich lächerlich. Neben ein paar netten Ideen, aus denen man richtig etwas hätte machen können, hat der Film nach seiner ersten halben Stunde leider nicht mehr viel zu bieten. Die Action ist nett, mehr aber auch nicht. J.K. Simmons spielt eine Nebenfigur, die anscheinend schon in Teil 1 dabei war, aus der aber absolut nichts heraus geholt wird. Die neuen Darsteller von Kyle Reese, John Connor und Sarah Connor bleiben allesamt blass. Und so macht Arnold Schwarzenegger hier trotz seines Alters noch die beste Figur, weil der eben ganz einfach das macht, was er in der Reihe schon immer gemacht hat: ohne großen schauspielerischen Anspruch, aber trotzdem vollkommen Not-Linda & the real Arnieüberzeugend die emotionslose Killermaschine geben. Zugegeben ist es nett, dass zumindest versucht wird, erneut eine Art Familienbeziehung zwischen dem Terminator und Sarah Connor zu zeigen. Aber es eben nicht mehr als nett und die emotionale Tiefe des zweiten Films wird zu keinem Zeitpunkt erreicht. Der größte Plottwist des Films wurde bereits im Trailer verraten, was darauf schließen lässt, dass die verantwortliche Marketingabteilung ziemlich verzweifelt gewesen sein muss. John Connor ist dieses Mal selbst ein Terminator; er wurde gewissermaßen mit Roboter-DNS infiziert und arbeitet nun im Jahr 2017 zusammen mit CyberDyne an der Einführung des Genisys-Betriebssystems, das dank seiner Installation auf über einer Milliarde Smartphones, Tablets und Computern den Maschinen die Machtübernahme sichern soll. Alles schön und gut, aber wie gesagt absolut nichts wirklich Neues oder Überraschendes. „Terminator: Genisys“ ist kein schlechter Film, allerdings ein ziemlich uninspirierter, der mit einer unnötig komplizierten Handlung Komplexität vortäuschen will und sich am Ende selber verrennt. Schade.

Copyright Bilder: Paramount Home Entertainment Germany

Die James Bond-Filme der Daniel Craig-Ära

In den letzten Tagen lag ich mit einer starken Erkältung im Bett und habe meine Zeit vor allem mit Schlafen, Fernsehen und Lesen verbracht. Unter anderem habe ich zur Vorbereitung auf das neue Bond-Abenteuer „Spectre“ die letzten drei James Bond-Filme mit Daniel Craig noch einmal angeschaut. Hier folgt nun im Schnelldurchlauf meine Besprechung der drei Filme.

„Casino Royale“ ist nach wie vor einer meiner Lieblings-Bondfilme. Mehr als bisher ist mir dieses Mal allerdings die ungewöhnliche Struktur des Films negativ aufgefallen. Nicht nur dauert es fast den halben Film lang, bis die eigentliche Handlung um das Pokerturnier im titelgebenden Casino beginnt, sondern sobald diese endlich beginnt besteht der Film eine ganze Zeit lang eben hauptsächlich darin, dass ein paar Leute am Tisch sitzen und Karten spielen – nicht gerade besonders actionreich. Zum Glück gibt es aber davor bereits reichlich Action: die gelungene Verfolgungsjagd auf Madagascar und die nervenzerreißende Szene am Flughafen von Miami lassen keine Wünsche offen. Auch das Pokerturnier selbst wird in den Pausen mit reichlich Spannung angereichert und die Szene, in der Bond vergiftet wird, nur um in einer Umkehrung des klassischen Bond-Motivs dann vom Bond Girl gerettet zu werden, lässt auch dem Zuschauer fasst das Herz stehen.
Nach dem phasenweise richtig peinlichen „Die Another Day“, der das 40-jährige James Bond-Jubiläum mit zum Teil sinnlosen Referenzen an die früheren Filme sowie einem unsichtbaren Auto, einem Eispalast und anderen überflüssigen Dingen zu feiern versuchte, stellte „Casino Royale“ einen erfolgreichen Reboot der Reihe dar. Statt von Anfang an alle typischen Bond-Zutaten einzubauen, beschloss man aber, sie über diesen und die nächsten Filme hinweg langsam wieder einzuführen. So fehlen hier nicht nur Miss Moneypenny und Q, sondern bis zum Schluss auch das typische James Bond-Thema im Soundtrack – ein genialer Schachzug, wie ich finde. „Casino Royale“ wird so zu einer Art „Becoming Bond“ oder „James Bond Begins“. Eine typische Bond-Zutat hat man aber nicht weggelassen, weil sie einfach zu gut zu dem emotionslos an seinen Job heran gehenden Bond der Daniel Craig-Ära passt: Bonds kompromisslose, alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzende und oft zur Übertreibung neigende Art, seinen Job zu erledigen. Das wird schon am Anfang des Films bei der Verfolgungsjagd über die Baustelle auf Madagascar deutlich. Hier rennt Bond buchstäblich durch Wände und wenn seiner Pistole die Munition ausgeht, dann wirft er sie eben einfach auf seinen Gegner. Herrlich!
In „Casino Royale“ ist als M’s Assistent übrigens noch nicht Rory Kinnear zu sehen, sondern Tobias Menzies (bekannt als Brutus aus „Rome“ oder Edmure Tully aus „Game of Thrones“). Schade, dass er in den späteren Filmen nicht mehr dabei ist.

In „Quantum of Solace“ wird die Geschichte aus „Casino Royale“ direkt fortgesetzt. Schaut man beide Filme direkt hintereinander an, dann fühlt sich das genauso an, als würde man mehrere Folgen einer TV-Serie anschauen. Überhaupt würde die übergreifende Handlung um die Quantum/Spectre-Organisation gut als Fernsehserie funktionieren, bei der man nach und nach verschiedene Teilbereiche und Mitglieder der Organisation kennen lernt. In „Quantum“ ist das der von Mathieu Amalric gespielte Dominic Greene, der sich die bolivianischen Wasserreserven unter den Nagel reißt. Mehr noch als „Casino“ verzichtet der Film auf typische Bond-Zutaten und kommt mit der Beleuchtung der Verstrickung der internationalen Politik mit großen Verbrecherorganisationen auch ungewohnt politisch daher. Ich mag den Film sehr gerne, auch wenn es Regisseur Marc Forster hier in seinem Bemühen um möglichst harte und realistische Action-Sequenzen im „Bourne“-Stil gelegentlich übertreibt. Die Actionszenen sind so knapp geschnitten, dass es manchmal wirkt als wolle der Filme gar nicht zeigen, was vor sich geht.
Zusammen mit „Casino Royale“ wirkt „Quantum of Solace“ wie ein einziger, langer Film. Den Hintermännern von Quantum ist James Bond am Ende freilich immer noch nicht auf die Schliche gekommen. Aber er hat ja noch mindestens zwei weitere Filme Zeit.

Wäre die James Bond-Reihe eine Fernsehserie, dann wäre „Skyfall“ allerdings so etwas wie eine „stand-alone episode“, denn die Handlung der beiden vorhergehenden Filme wird hier zumindest nicht explizit weitergeführt. Zwar wird nie erwähnt, dass der von Jarvier Bardem gespielte Silva nicht in Verbindung zur Quantum/Spectre-Organisation steht, aber es wird zumindest auch nicht der Eindruck erweckt, als handele er auf Befehl von anderen. Was etwas irritiert, ist die Tatsache, dass James Bond – der zwei Filme zuvor noch am Anfang seiner Karriere als Doppelnullagent stand – nun schon wieder ein Auslaufmodell zu sein scheint. Allerdings haben Doppelnullagenten nun mal keine besonders lange Laufzeit, wie Bond selbst feststellt (ich weiß nicht mehr, in welchem Film). „Skyfall“ ist dank der hervorragenden Kameraarbeit von Roger Deakins sicherlich der bestaussehendste Bond-Film. Vor allem die Szene im Hochhaus in Shanghai ist optisch ein wahrer Genuss.
Bardems Silva ist einer der beeindruckenderen Bond-Bösewichte, allerdings sind seine Taten nicht alle besonders glaubwürdig. Ich frage mich zum Beispiel jedes Mal wenn ich den Film anschaue, wie er unbewaffnet fliehen und mehrere bewaffnete Sicherheitsleute niederstrecken kann. Auch dass er anscheinend jeden einzelnen Schritt seiner Gegner vorhersieht und entsprechend planen konnte, ist alles andere als glaubwürdig (vor allem die Szene mit der Explosion im U-Bahnschacht nervt mich jedes Mal wieder). Das Finale des Films im titelgebenden Skyfall-Anwesen war beim ersten Mal dank seines Überraschungswerts zwar äußerst unterhaltsam und spannend, nutzt sich aber recht schnell ab. Im Gegensatz zu allen anderen Teilen des Films langweilt es mich beim wiederholten Anschauen.
Während die beiden vorhergehenden Filme sich mit der Quantum-Organisation beschäftigen (die wohl im neuen Film als ein Teil von SPECTRE enthüllt werden wird), beschäftigt sich „Skyfall“ noch mehr mit James Bonds Figur – freilich ohne allzu viel über ihn zu verraten. Mit Raoul Silva bekommen wir so etwas wie Bonds böses Spiegelbild. Außerdem ist „Skyfall“ natürlich mal wieder ein Jubiläums-Film und zum Glück ein weitaus gelungenerer als zehn Jahre zuvor „Die Another Day“. Am Ende des Films ist die „Bond-Werdung“ der Hauptfigur endgültig abgeschlossen und der aus früheren Filmen der Reihe bekannte Ausgangszustand endgültig wiederhergestellt. Ganz besonders die letzte Szene des Films lässt allen Fans der Reihe wohlige Nostalgieschauer über den Rücken laufen.

Leider konnte ich nicht zur Pressevorführung von „Spectre“ gehen und muss mich bis zum offiziellen Kinostart gedulden, um den Film sehen zu können. Ich hoffe, dass der Film die Handlung der drei vorhergehenden Filme sinnvoll weiterführt. Dass wir die Spectre-Organisation näher kennen lernen sagt ja schon der Titel aus. (Und dass Christoph Waltz nicht einfach nur „Franz Oberhauser“ spielt, wie uns die offizielle Ankündigung weismachen will, sondern tatsächlich Ernst Stavro Blofeld, dürfte wohl jedem klar sein. Ein Täuschungsmanöver dieser Art funktioniert nur einmal – und das war bei „Star Trek Into Darkness“ mit der John Harrison/Khan-Finte der Fall.)
Etwas stutzig macht mich die Tatsache, dass Bond anscheinend im neuen Film mal wieder vorrübergehend vom Dienst suspendiert wird. In „Casino Royale“ hat er gekündigt, in „Quantum of Solace“ war er ebenfalls suspendiert worden und in „Skyfall“ für tot erklärt worden – fallen den Autoren denn keine anderen Möglichkeiten ein, um Bonds Missionen spannend zu gestalten, als ihn immer wieder auf ähnliche Weise zurück zu werfen?
Jedenfalls erwarte ich mir von „Spectre“ einen in jeder Hinsicht klassischen Bond mit all den bekannten Zutaten, die jetzt ja wieder enthalten sein können: Q, M, Gadgets, Miss Moneypenny usw. Ich habe bislang nur zwei Kritiken zum Film gelesen, von denen eine den Film ziemlich zerrissen hat, was mich nur noch gespannter auf ihn gemacht hat. Sehr gespannt bin ich übrigens auch, ob Daniel Craig nun noch einen weiteren Bond-Film drehen wird. Nachdem die Reihe seit „Casino Royale“ zum ersten Mal eine sich über mehrere Filme erstreckende durchgehende Handlung erhalten hat, wäre es nämlich wirklich schade, wenn man beim nächsten Film wieder von vorne anfinge.

Zumindest den Titelsong zum neuen Bond-Film finde ich übrigens schon mal grandios – auch wenn ich da anscheinend der Einzige bin…

„The Turntable of Life“ – Meine Teilnahme am 1. Serienslam

Update: Inzwischen ist auf Seriesly Awesome ein Bericht über den Serienslam online. Auch das komplette Video des Slams steht mittlerweile auf YouTube zum Anschauen bereit (ich habe es ganz am Ende dieses Beitrags gepostet). Ihr könnt euch nun also auch anschauen und -hören, wie ich meine Serie vorstelle.

Von 15.-18. Oktober fand an der Hochschule für Film und Fernsehen in München das erste „Seriencamp“ statt, ein Festival, das sich voll und ganz der TV-Serie in ihren unterschiedlichen Facetten widmet. Neben vielen noch nie in Deutschland gezeigten neuen Folgen vieler aktueller Serien gab es auch eine Reihe interessanter Panels zu sehen, die sich zum Beispiel mit dem Wesen und der Geschichte des Spoilers beschäftigten (und uns Zuschauer dabei auch mit dieser gefährlichen, aber süchtig machenden Website vertraut machten). Veranstaltet wurde das Seriencamp in Kooperation mit Seriesly Awesome und die Jungs und Mädels gaben sich alle Mühe, ein interessantes und unterhaltsames Festival auf die Beine zu stellen – mit Erfolg!

Am Samstagabend fand im Rahmen des Festivals der erste „Serienslam“ statt, bei dem sich jeder der vier teilnehmenden Kandidaten unter Berücksichtigung bestimmter Vorgaben innerhalb von zehn Minuten eine TV-Serie ausdenken und diese dann innerhalb von fünf Minuten „pitchen“ musste. Das Publikum durfte anschließend über die Beiträge abstimmen. Ich war einer der Kandidaten und habe mit meiner Serie „The Turntable of Life“ einen respektablen zweiten Platz errungen.

Folgende Vorgaben musste ich bei der Konzipierung meiner Serie beachten:
Die Grundform sollte die der Mockumentary sein, der Hauptort der Handlung ein Schallplattenladen. Außerdem sollte die Serie dem Drama-Genre zugeordnet werden. Der Hauptcharakter sollte eine Inderin sein, die auf den Namen Piki Sheth hört; ihr Persönlichkeitstyp sollte der „Detektiv“ sein, das heißt sie musste introvertiert, nachdenklich und insgesamt ziemlich rational und analytisch sein. Zusätzlich musste sie noch an Depressionen leiden.
Als Nebenfigur sollte in meiner Serie ein zwölfjähriges Mädchen namens Mia-Sophie auftreten, das Kaugummi und Pferde liebt, Jungs blöd findet, einen blonden Pferdeschwanz hat und außerdem YouTube-Star mit 2,5 Millionen Dollar Jahresumsatz werden will bzw. ist (das ist mir im Nachhinein nicht mehr ganz klar). Natürlich braucht eine Serie auch einen ordentlichen Antagonisten, und der sollte in meinem Fall das Leben selbst sowie die verrinnende Zeit sein, die Angst vor dem Erwachsen- und Altwerden, vor der Zukunft und vor dem „nicht alles hinbekommen haben/werden“ – einerseits klang das ziemlich schwierig, andererseits passte es ja zu den Depressionen der Hauptfigur.
Schließlich sollte als Gegenstand von besonderer Bedeutung in meiner Serie eine Urne vorkommen. Abegrundet wurden die Vorgaben durch eine Reihe von Schauspielern, die zur Verkörperung der Serienfiguren zur Wahl standen: Kevin Spacey („House of Cards“), Julia Louis-Dreyfus („Seinfeld“, „Veep“), Peter Dinklage („Game of Thrones“), Til Schweiger, Jonathan Banks („Breaking Bad“, „Better Call Saul“), Christina Hendricks („Mad Men“), Jan Josef Liefers, Christian Ulmen und William H. Macy.

Über diese Vorgaben war zum Teil im Vorfeld im Internet abgestimmt worden (Schauspieler), teilweise wurden sie aber auch per Publikumsabstimmung im Saal festgelegt oder per Zufallsgenerator bestimmt (Name und Herkunft der Hauptfigur). Manche der Vorgaben unterschieden sich von Kandidat zu Kandidat (Grundform, Genre), andere galten jedoch für alle vier Kandidaten – so mussten wir alle dieselbe Nebenfigur namens Mia-Sophie in unsere Serien einbauen. Zusätzlich mussten wir in unseren Pitches alle jeweils den Titel unserer Serie, den USP („unique selling point“), einen Twist oder Cliffhanger, die grobe Handlung der Serie sowie einen Vergleich zu realen Serien einbauen, die unserer Serie ähneln.

Die Vorgaben, die ich mit meiner Serie erfüllen musste.

Die Vorgaben, die ich mit meiner Serie erfüllen musste.

Zehn Minuten hatte ich also Zeit, um aus diesen Vorgaben eine Serie zu basteln und anschließend vorzustellen. Dabei wurde mir – wie jedem der anderen drei Kandidaten auch – ein Teammitglied von Seriesly Aweseome als Mentor zur Seite gestellt. Das war insgesamt allerdings nicht besonders hilfreich, was aber schlicht und einfach nur daran lag, dass zehn Minuten eine viel zu kurze Zeit sind, um sich ausführlich mit jemandem auszutauschen, ganz besonders wenn man ihn gerade erst kennen gelernt hat. Es lag also nicht an dir, Kien!
Vom Persönlichkeitstyp her bin ich meiner Hauptfigur ziemlich ähnlich; auch ich gehe gerne analytisch und vor allem gründlich an die Dinge heran. Sehr schnell wurde mir aber klar, dass dafür in diesem Fall überhaupt keine Zeit war. Zehn Minuten sind definitiv zu kurz, um über jeden Gedankenblitz ausführlich nachzudenken. Es galt also, die zu erfüllenden Punkte im Rekordtempo abzuarbeiten und darauf zu hoffen, dass das erstens alles hinterher Sinn ergeben würde und ich mich zweitens in meinem kurzen Vortrag auch noch an alle meine Ideen erinnern würde. Denn um sie ausführlich aufzuschreiben, war natürlich auch keine Zeit.

Was schließlich bei meinem Brainstorming herauskam, war ungefähr folgendes Konzept (das ich während des Aufschreibens hier noch etwas erweitert habe):
Meine Serie sollte „The Turntable of Life“ heißen, also so viel wie „Der Plattenteller des Lebens“. Es handelt sich dabei um eine fiktive Dokumentation über eine Inderin namens Piki Sheth (Julia Louis-Dreyfus), die in der ersten Folge von Indien nach New York kommt, um dort den Plattenladen ihres jüngst verstorbenen Vaters zu übernehmen. Mit Musik hat Piki eigentlich überhaupt nichts am Hut. Sie ist Wissenschaftlerin, geht streng rational an die Dinge heran und erklärt im Pilotfilm mehr als einmal, dass man „Musik nicht messen kann“. Zu ihren Gefühlen hat sie nur schwer Zugang, auch das Verhältnis zu ihrem Vater war (und ist) ein schwieriges. Wäre es nicht sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass seine einzige Tochter seinen geliebten Schallplattenladen (für den ich noch keinen Namen gefunden habe) fortführt, dann wäre Piki niemals auch nur auf diesen Gedanken gekommen. Natürlich ist sie zu Beginn der Serie fest davon überzeugt, dass sie den Laden nur so lange führen wird, bis ein adäquater Ersatz gefunden ist. Sie hasst New York, findet Pop- und Rockmusik gänzlich uninteressant, aber – und dieser Gedanke kam mir gerade erst, obwohl er nahe liegt – sie liebt die Musik von Johann Sebastian Bach. Denn natürlich will auch ich in meiner Serie das Klischee erfüllen, dass in Filmen und Serien, die von rational und analytisch denkenden Figuren handeln, stets die Musik von Bach vorkommt, die oftmals selbst so mathematisch durchkomponiert wirkt. Bach bildet allerdings die einzige Ausnahme und auch seine Musik hört Piki nicht zum Zeitvertreib oder zur Erholung, sondern nur als Hintergrundberieselung, wenn sie an wissenschaftlichen Aufsätzen feilt oder dergleichen (weil sie davon überzeugt ist, dass Bachs Musik das rational-analytische Denken stimuliert). Vielleicht wird Piki im Lauf der Serie den Plattenladen um eine Klassikabteilung erweitern…
Jedenfalls bezieht Piki in der ersten Episode eine kleine Wohnung in einem noch zu bestimmenden Stadtteil von New York City. Sie hat vor, dort für einige Wochen zu wohnen, um den Nachlass ihres Vaters zu regeln und einen neuen Besitzer für dessen Laden zu finden – oder noch besser: sie will den Laden auflösen und verkaufen. Auf demselben Stockwerk wie Piki wohnt unter anderem ein zwölfjähriges Mädchen namens Mia-Sophie (Christian Ulmen in der Rolle seines Lebens). Piki und Mia-Sophie lernen sich kennen, als Piki zum ersten Mal die Stufen zu ihrer Wohnung erklimmt. Weil Piki stets von den sie filmenden Dokumentarfilmern verfolgt wird (Idee: vielleicht will sie sich den New York-Aufenthalt dadurch finanzieren), erregt sie sofort Mia-Sophies Interesse. Mia-Sophie hat nämlich einen eigenen YouTube-Kanal und ist ständig auf der Suche nach kreativen Möglichkeiten, um die Anzahl ihrer Follower zu erhöhen. Fortan folgt sie
also in ihrer Freizeit Piki auf Schritt und Tritt, um Werbung für ihren Kanal zu machen und neue Abonennten zu gewinnnen. (Idee: Zusätzlich zu den Dokumentaraufnahmen, aus denen die Serie besteht, könnte man immer wieder auch von Mia-Sophie gefilmte Aufnahmen verwenden. Man könnte sogar mal eine ganze Folge machen, die wie ein YouTube-Beitrag von Mia-Sophie aufgebaut ist.)
Schon von ihrer Ankunft in New York an ist Piki von allem genervt – von der verhassten Stadt, von dem blöden Plattenladen, den ihr Vater für sie unverständlicherweise so geliebt hat und von dem nervigen, ständig Kaugummi kauenden Kind, das ihr nicht von der Seite weichen will. Das wirkt bislang so, als sei Piki eine ziemlich unsympathische Person, mit der man sich nicht so recht identifizieren will. Doch sie hat auch eine andere, verletztlichere Seite – und in diesem Zusammenhang kommt der Antagonist der Serie ins Spiel: Pikis Angst und ihre Depressionen. Insgeheim spürt Piki nämlich schon lange, dass in ihrem Leben etwas fehlt. Sie ist Dauersingle und hat eine schnelle und äußerst erfolgreiche Karriere in der Wissenschaft gemacht, doch allmählich dämmert ihr, dass es doch noch mehr geben muss. Prioriäten, die ihr früher selbstverständlich schienen, geraten plötzlich ins Wanken. Soll sie sich einfach mal eine Auszeit nehmen? Will sie nicht, obwohl sie die 30 längst überschritten hat, doch noch irgendwann Kinder? Diese und andere Fragen kommen ihr plötzlich in den Sinn, auch wenn sie zu Beginn der Serie noch längst nicht bereit ist, etwas davon laut auszusprechen. Das muss sie aber auch gar nicht, denn der Zuschauer bekommt eine andere Möglichkeit, um in Pikis Kopf zu schauen: Peter Dinklage. Dieser spielt Pikis personifizierte Angst. Er verkörpert ihre Selbstzweifel und ihre Depression. In immer wieder in die Serie hinein geschnittenen Interviewaufnahmen, in denen Dinklage als Angst direkt in die Kamera und zu Piki spricht, bekommen wir Zugang zu Pikis Gedanken und zu den Dingen, die sie niemals einer Crew von Dokumentarfilmern verraten würde. So wird schnell klar, dass die toughe Karrierefrau nur eine Fassade ist, mit der Piki ihren verletzlichen Kern schützt.
Woraus besteht nun aber die eigentliche Handlung der Serie und was spielt sich Folge für Folge ab? Die zentralen Handlungsbögen der ersten Staffel sind folgende: Piki wird sich nach anfänglicher Skepsis dazu entschließen, in New York zu bleiben (auch wenn sie immer noch betont, diese Entscheidung sei erst mal nur „vorläufig“) und den Schallplattenladen selbst zu führen. Das bedeutet unter anderem, dass sie sich mit Musik auseinander setzen muss, schließlich muss sie ja wissen, was sie da verkauft (übrigens verkauft ihr Laden nur Schallplatten, keine CDs). Und das bedeutet wiederum, dass sie sich mit ihren eigenen Emotionen auseinandersetzen muss, denn einen vollen Zugang zu Musik kann man nur finden, wenn sie wirklich an sich heranlässt und versteht, was der Künstler zum Ausdruck bringen will. Es bedeutet außerdem, dass sie sich mit ihrem Vater auseinandersetzen muss, den sie zu seinen Lebzeiten nie richtig kennen gelernt hat. Die meisten Episoden der Serie – zumindest in der ersten Staffel – werden nach einem ähnlichen Schema ablaufen: Ein Kunde kommt in den Laden und verlangt nach einer bestimmten Platte oder fängt mit Piki ein Gespräch über einen bestimmten Künstler an. Piki, die natürlich keine Ahnung hat, wenn sie nach David Bowie, Led Zeppelin oder auch Madonna gefragt wird, tut anschließend das, was eine gute Wissenschaftlerin eben tut: Sie recherchiert und macht sich mit der Materie vertraut. Und jedes Mal, wenn sie im Lauf der Serie eine neue Platte oder einen neuen Song kennen lernt, findet eine kleine Veränderung in ihr statt. Jede Folge könnte zum Beispiel ein konkretes Problem behandeln, das in Zusammenhang mit Pikis Persönlichkeit steht und dann durch das Anhören eines Songs bearbeitet und gelöst wird. Peter Dinklages Angstfigur spielt dabei eine wichtige Rolle. So kann Piki zum Beispiel verstehen lernen, dass Mia-Sophie zwar nervig sein kann, aber auch äußerst hilfsbereit ist und dass es generell nicht von Vorteil ist, sich im Leben stets von anderen Menschen abzuschotten. Pikis Verhältnis zu Mia-Sophie ist also ein weiterer Handlungsfaden, der im Lauf der ersten Staffel gesponnen wird. Ein weiterer ist ihre Beziehung zu ihren Gefühlen und vor allem ihrer Angst. Letztere wird sie im Lauf der Serie in den Griff bekommen und damit quasi Peter Dinklage in die Knie zwingen. 😉
Ich habe noch gar nicht die Urne erwähnt, die in der Serie eine Rolle spielen muss. Diese enthält natürlich die Asche ihres Vaters und wird am Ende der zweiten Folge von Piki auf dem Fensterbrett ihres Küchenfensters platziert. Fortan wird sie in jeder Folge mindestens einen Blick auf diese Urne werfen, die die Beziehung zu ihrem Vater symbolisiert und für so viele der Ängste und Probleme steht, die Piki plagen. Man könnte Peter Dinklages Szenen stets einleiten, indem man von einer Nahaufnahme der Urne zu ihm überblendet. Die Urne steht nicht nur für den Vater, sondern auch für Pikis Angst davor, etwas im Leben verpasst zu haben und zu schnell zu alt geworden zu sein, ohne die Dinge erlebt zu haben, auf die es wirklich ankommt.
Im Lauf der Serie entdeckt Piki also die Musik als Therapieform und beginnt auch, ihre Depression zu überwinden. Natürlich gehört es zum Wesen einer Depression, dass sie nie völlig besiegt ist und immer wieder kommen kann, was sich als äußerst nützlich erweisen könnte, wenn man in Staffel sieben keine Ahnung mehr hat, wovon man in der Serie eigentlich noch erzählen soll… 😉 Abwechslung erhält die Serie durch die Gaststars, die in jeder Folge auftreteten und meist die Kunden in Pikis Plattenladen spielen. Ich stelle mir zum Beispiel Steve Buscemi vor, der auf der Suche nach dem Debütalbum einer völlig unbekannten Grunge-Band ist, das ihm noch in seiner Sammlung fehlt. Da die Rechte an Liedern bekanntlich teuer sind, kann man aus dieser Not übrigens eine Tugend machen und auf bekannte Songs und Interpreten (zumindest anfangs) gänzlich verzichten. So kann man die Serie auch zur Bühne für aufstrebende Bands machen und erhält dadurch nebenbei positive Synergieeffekte (indem die Serie zum Beispiel mit Spotify-Playlists beworben wird).

Mein Serienkonzept auf einer Seite. Für mehr Notizen blieb keine Zeit.

Mein Serienkonzept auf einer Seite. Für mehr Notizen blieb keine Zeit.

Unter den Vorgaben findet sich auch das Muss für einen Twist oder Cliffhanger. Dazu habe ich mir überlegt, dass man am Ende der ersten Staffel herausfindet, dass Pikis Vater gar nicht tot ist. Weiter habe ich darüber noch nicht nachgedacht, schließlich wird das in vielen anderen Serien bei solchen Twists erst einmal auch nicht gemacht. Allerdings mag ich diesen Twist auch nicht besonders, da er vieles von dem, was sich vorher abgespielt hat, entwertet. Zwar wäre es interessant, Piki ihren Vater schließlich tatsächlich noch kennen lernen zu lassen, aber besser fände ich es, zumindest auf derartige unglaubwürdige Wendungen zu verzichten. Die Handlung soll sich lieber langsam, dafür aber realistisch entwickeln und die Serie soll nicht von Cliffhangern leben, sondern von detailliert gezeichneten Charakteren. (Natürlich brauchen wir neben Piki, Mia-Sophie und der Angst noch mehr regelmäßig auftretende Figuren. Vielleicht den Besitzer einer Eisdiele, der seinen Laden neben dem von Piki hat? Gefallen finde ich auch an der Idee, Pikis Vater in Rückblenden zu zeigen.)
Depressionen und New York sind zwar in dieser Kombination spätestens seit Woody Allen nichts Neues mehr, aber die Kombination Depressionen, Musik und New York City hat man zumindest als Fernsehserie so noch nicht gesehen (das ist mein USP!). „The Turntable of Life“ ist eine Mischung aus „Curb Your Enthusiasm“ (wegen des Doku-Stils und der Gaststars) und „Six Feet Under“ (wegen der Beziehung zum Vater, dem Thema Tod und der Depressionen), der noch eine ganze Menge großartiger Songs beigegeben werden. Sollte es sich dabei um bekannte Hits handeln und doch nicht nur um Songs von noch unbekannten Künstlern, dann könnte man der Serie einen zusätzlichen Reiz verleihen, indem man diese Songs in unerwartete Kontexte stellt und ganz neue Bedeutungen in den Hits von David Bowie, Metallica, Michael Jackson usw. entdeckt.

So weit also mein Pitch. Beim Schreiben sind mir eben noch viele weitere Ideen gekommen, falls hier also jemand von Netflix mitliest, kann ich dieses Konzept gerne noch weiter ausformulieren und auch Storylines für die ersten Episoden liefern!
Mir hat der Serienslam jedenfalls großen Spaß gemacht und ich hoffe, dass es nun jedes jahr ein Seriencamp in München geben wird. Vielleicht kann ich in Zukunft dort ja mal ein Panel über „Babylon 5“ halten, die Geschichte der TV-Serie kam nämlich zumindest bei dieser ersten Ausgabe, die sich ganz auf neue Serien konzentriert hat, noch zu kurz.