Alanis Morissettes Debütalbum „Jagged Little Pill“ feiert aktuell sein 20-jähriges Jubiläum (und wurde dazu als Jubiläumsausgabe neu aufgelegt, mit bislang unveröffentlichten Demos und wahlweise auch als Collector’s Edition mit Live-CD und der Acoustic-Version des Albums von vor zehn Jahren). Das ist für mich Grund genug, in dieser Reihe einen Song der Kanadierin vorzustellen.
„Simple Together“ erschien 2002 auf der Bonus-CD der Live-DVD „Feast On Scraps“. Die CD enthält acht Songs, die während der Arbeiten an Alanis‘ drittem Studioalbum „Under Rug Swept“ entstanden sind, es aber nicht auf’s Album geschafft haben. Schlechter als die Tracks auf dem eigentlichen Album sind sie allerdings nicht und die „Feast On Scraps“-CD kann fast schon als eigenes Album betrachtet werden.
Obwohl sie mit aggressiven Rocksongs wie „You Oughta Know“ bekannt wurde, hat Alanis Morissette im Lauf ihrer Karriere immer wieder wunderschöne Balladen geschrieben. „Thank U“ dürfte die bekannteste sein, aber „Simple Together“ ist mein Favorit, dicht gefolgt übrigens von „Not As We“ (2008). Auf den Text des Stücks habe ich bislang gar nicht genau geachtet, aber der YouTube Kommentar unter diesem Live-Video, dass es sich dabei um einen der „best sad love songs ever“ handelt, hat mich neugierig gemacht und ich werde in Zukunft etwas besser darauf achten, worüber Alanis hier genau singt.
Archiv des Autors: Maximilian
Mehr als sieben Songs, Teil 6: Sam Smith – Writing’s on the Wall
Der heutige Beitrag zu meiner Reihe „Mehr als sieben Songs“ ist alles andere als ein Geheimtipp. Sam Smiths Bond-Song „Writing’s on the Wall“ wurde letzten Freitag veröffentlicht und natürlich haben sich sowohl die Fans als auch die Presse sofort gierig auf das Lied gestürzt – und es gnadenlos verrissen. Ich habe noch nicht einen einzigen durchweg positiven Kommentar über das Lied gelesen. Das verwundert mich umso mehr, weil ich „Writing’s on the Wall“ wirklich fantastisch finde. Ich würde sogar jetzt schon so weit gehen und behaupten, dass das Lied mein Lieblings-Bond-Song ist. Ja, ich mag es wirklich noch lieber als „Live and Let Die“, „Goldfinger“ und „The World Is Not Enough“, meine anderen Favoriten. Ein besonders großer Fan von Adeles „Skyfall“ war ich übrigens noch nie; das Lied ist mir zu eintönig und spannungsarm. Von der Emotionalität und Verletzlichkeit, die in Sam Smiths Gesang zum Ausdruck kommt, kann ich hingegen gar nicht genug kriegen. Mit meiner Meinung stehe ich anscheinend ziemlich alleine da – selbst in diesem im Großen und Ganzen positiven Artikel über das Lied wird Sam Smith dafür kritisiert, den Filmtitel „Spectre“ nicht im Text untergebracht zu haben, dabei ist das doch vollkommen egal. Ich habe den Eindruck, der Autor traut sich einfach nicht, „Writing’s on the Wall“ uneingeschränkt zu loben.
Warum stößt der Song auf so große Ablehnung? Viele Hörer stören sich an Smiths hohem Gesang bzw. wohl eher daran dass dieser – gerade für einen Bond-Song – nicht „männlich“ genug sei. Verletzlichkeit schön und gut, aber James Bond muss für die meisten ein harter Kerl sein und nichts weiter. Dabei ist doch gerade Daniel Craigs James Bond so sehr von seinen inneren Dämonen und Selbstzweifeln getrieben, wie dies vorher fast nie der Fall war. Noch dazu sind Frauen und Männer gleichermaßen komplexe Wesen, die sich nicht nur durch einige ihnen fest zugeschriebene Wesenszüge auszeichnen. Verletzlichkeit kann also gar nicht „unmännlich“ sein, sie entspricht eben nur nicht dem Bild, das viele von James Bond haben. Vielleicht wird „Spectre“ daran ja etwas ändern.
Ich weiß über den Inhalt des Films noch fast nichts, aber ich mache mir hier mal den Spaß, den Text von „Writing’s on the Wall“ ein wenig zu analysieren. Enthält er Hinweise darauf, was uns in „Spectre“ erwartet? Und singt Sam Smith hier überhaupt von bzw. aus der Perspektive von James Bond, muss man die zum Ausdruck gebrachte Verletzlichkeit also Bond zuschreiben?
I’ve been here before
But always hit the floor
I’ve spent a lifetime running
And I always get away
But with you I’m feeling something
That makes me want to stay
Natürlich liegt es nahe, dass diese erste Strophe aus Bonds Perspektive geschrieben ist. Sam Smith ist selbst männlich und schildert hier etwas in der ersten Person – bei einem Bond-Song ordnet man die Worte also als erstes James Bond zu. Ist es also Bond, der sein Leben lang auf der Flucht war? Hat er nun jemanden kennen gelernt, für den er sein bisheriges Leben aufgeben will? Falls ja, dann legen die ersten beiden Zeilen nahe, dass er schon mehrmals an diesem Punkt war. Geht es ihm also mit jeder Frau so? Dann wären diese Worte ja nur leere Versprechungen, die er schon oft gemacht, aber bisher nie gehalten hat. Oder richten sich die Worte vielleicht gar nicht an eines der „Bond Girls“, sondern an den von Christoph Walz gespielten Franz Oberhauser, Bonds Gegenspieler? Nicht besonders wahrscheinlich, aber zumindest hätten die letzten beiden Zeilen dann eine ganz andere Bedeutung. Naheliegender ist da schon, dass die Worte aus der Sicht einer der beiden Frauen geschrieben sind. „With you I’m feeling something that makes me want to stay“ hätte dann dieselbe Bedeutung wie in den meisten Bond-Filmen vorher.
I’m prepared for this
I never shoot to miss
But I feel like a storm is coming
If I’m gonna make it through the day
Then there’s no more use in running
This is something I gotta face
Betrachtet man die zweite Strophe als aus Bonds Perspektive geschrieben, dann beschreibt die zweite Zeile sein gewohntes, selbstsicheres Ich. Aber angesichts der Unsicherheit und der Bedrohung, die diese ersten beiden Strophen sonst zum Ausdruck bringen, wirkt es nicht so, als sei er wirklich noch so selbstsicher. Er versucht vielmehr verzweifelt, diesen Eindruck aufrecht zu erhalten – auch sich selbst gegenüber. „I’m prepared for this“, heißt es zwar, doch die Zeilen drei bis sechs erwecken den Eindruck einer Bedrohung, die sich Bonds Kontrolle entzieht. Er hat gar keine andere Wahl als sich ihr zu stellen.
Interessant ist der Gegensatz zwischen den letzten Zeilen der ersten beiden Strophen: In der ersten Strophe will jemand (bei jemandem) bleiben; in der zweiten wird jemandem klar, dass er sich einer (wohl unangenehmen) Sache stellen muss. Das lässt den Schluss zu, dass die beiden Strophen entweder aus der Perspektive zweier verschiedener Personen geschrieben sind (dann wäre es nicht durchgehend James Bond, der hier spricht) oder dass sie sich an verschiedene Personen richten bzw. auf verschiedene Angelegenheiten beziehen. Demzufolge möchte Bond bei jemandem bleiben, muss sich gleichzeitig aber auch etwas oder jemandem stellen. In diesem Zusammenhang machen die nächsten beiden Zeilen Sinn:
If I risk it all
Could you break my fall?
Mögliche Übersetzung: Wenn ich mich dieser Sache (aus Strophe 2) stelle, wirst du (=in Strophe 1 angesprochene Person) dann für mich da sein?
How do I live? How do I breathe?
When your’re not here I’m suffocating
I want to feel love run through my blood
Tell me is this where I give it all up?
For you I risk it all
Cause the writing’s on the wall
Der Refrain verändert die Bedeutung der beiden vorangegangenen Zeilen ein wenig. Hier heißt es nun nämlich „For you I risk it all“, die Liebesbeziehung und das große Wagnis stehen also in enger Verbindung. Bond muss alles riskieren, um seine Lieb(st)e zu retten. (Man könnte natürlich auch weiterhin spekulieren, ob einzelne Zeilen anderen Figuren als James Bond zugeordnet werden müssen, aber ich gehe ab jetzt davon aus, dass das ganze Lied aus Bonds Perspektive geschrieben ist.) Hier ist auch der Hinweis enthalten, dass es um Liebe geht und textlich wie gesanglich gibt sich Sam Smith hier am verletzlichsten. Ohne dich kann ich nicht leben, so lassen sich die ersten drei Zeilen zusammenfassen. Bereits in „Casino Royale“ war James Bond „richtig“ verliebt und seine Gefühle für Vesper Lynd waren seine große Schwäche. Wird er in „Spectre“ in eine ähnliche Situation geraten? Aber was muss er für die Liebe aufgeben? Und vor allem: was genau bedeutet der Hinweis „the writing’s on the wall“? Zeichnen sich damit Entwicklungen ab, die sich nicht unter Bonds Kontrolle befinden? Oder will er sich damit nur einreden, keine andere Wahl zu haben?
A million shards of glass
That haunt me from my past
As the stars begin to gather
And the lights begin to fade
When all hope begins to shatter
Know that I won’t be afraid
Die erste Zeile ist wohl nicht wörtlich gemeint, sondern bezieht sich (zusammen mit der zweiten) auf Ereignisse in Bonds Vergangenheit, die ihn in diesem Film heimsuchen werden (darauf weist bereits die offizielle Inhaltsangabe hin). Noch mehr als in „Skyfall“ scheint also in „Spectre“ Bonds persönliche Vergangenheit eine Rolle zu spielen, höchstwahrscheinlich in Form einer Person, die plötzlich wieder auftaucht. Ob die dritte und vierte Zeile mehr als nur einen metaphorischen Bezug zur Filmhandlung haben, wird sich zeigen. Zusammen mit dem Rest der Strophe verstärken sie den Eindruck, den der Text insgesamt macht: Hier ist jemand entschlossen, sich trotz all seiner Verzweiflung nicht unterkriegen zu lassen. Dieser jemand – also nach meiner Annahme Bond – weiß, dass er sich einer Sache stellen muss, die wohl durch eine mit seiner eigenene Vergangenheit in Verbindung stehenden Person ausgelöst worden ist. Immer wieder folgt im Lied die Bestärkung, nicht zurückzuweichen („I won’t be afraid“, „there’s no more use in running“, „I have to risk it all“).
Nach meiner Interpretation sind hier also drei Personen wichtig: James Bond, aus dessen Sicht das Lied geschrieben ist. Eine Frau (entweder Madeleine Swann oder Lucia Sciarra), an die vor allem der Refrain gerichtet ist, der bis auf seine letzte Zeile wie ein klassisches Liebeslied klingt. Und dann ist da noch eine dritte Person, die als Auslöser der schrecklichen Ereignisse dient, welche Bond und sein Liebesglück bedrohen. Allerdings muss es sich dabei nicht zwangsweise um Franz Oberhauser handeln, denn soweit ich weiß handelt es sich bei der von Léa Seydoux gespielten Madeleine Swann auch um eine Figur mit Verbindungen zu Bonds Vergangenheit.
Wie im Lied immer wieder die Worte „The writing’s on the wall“ wiederholt werden, klingt es fast, als wolle sich hier jemand selbst einreden, dass die Dinge nun unausweichlich ihren Lauf nehmen. Wird Bond also die richtige Entscheidung treffen? Wir werden es im November im Kino erfahren.
Star Wars: Aftermath und seine Verbindungen zu Episode VII
Dieser Text enthält Spoiler zu „Star Wars: Aftermath“ und möglicherweise auch ein paar kleine Spoiler zu „The Force Awakens“.
Nur noch 88 Tage bis zum Kinostart von „Star Wars: The Force Awakens“! Ich bin seit zwanzig Jahren nicht nur großer „Star Wars“-Fan, sondern auch begeisterter Leser der vielen „Star Wars“-Romane. Mit Chuck Wenigs „Aftermath“ ist Anfang September nun der erste Roman aus der neuen Einheitskontinuität erschienen, der nach „Rückkehr der Jedi-Ritter“ spielt. Ich habe das Buch gelesen und fand es eher durchschnittlich. (Luke, Han und Leia kommen darin übrigens nicht vor – abgesehen von einer Ausnahmen, siehe unten unter Punkt 4. Die Hauptrollen spielen ganz neue Charaktere; bekannte Filmfiguren, die Nebenrollen im Buch haben, sind Wedge Antilles und Admiral Ackbar.)
Doch auch wenn die Handlung nicht besonders spannend und nicht alle Figuren interessant sind, gab es eine Sache, die mich und zahlreiche andere Leser von Anfang an interessiert hat: Welche Hinweise liefert uns das Buch auf den Zustand der Galaxis nach dem Tod Darth Vaders und des Imperators? Ist das Imperium besiegt? Ist es der Rebellenallianz gelungen, die Republik neu zu gründen? Und im Zusammenhang mit all diesen Fragen am wichtigsten: Kann man aus all dem irgendwelche Schlüsse im Hinblick auf Episode VII ableiten?
Ganz besonders mit der letzten Frage möchte ich mich nun beschäftigen. Leider bin ich erst während des Lesens auf die Idee gekommen, mir alle Stellen im Buch zu markieren, die möglicherweise kleine Hinweise auf den kommenden Film geben. Meine erste Anmerkung befindet sich auf S. 167 (von 366). Ich werde im Folgenden die wichtigsten dieser angemerkten Stellen besprechen. Anmerken muss ich noch, dass ich noch größtenteils spoilerfrei bin, was die Handlung von „The Force Awakens“ betrifft. Ich weiß fast nur das, was offiziell (in den Teasern, auf Promofots und in diversen Zeitschriftenberichten und Pressemeldungen) bekannt gegeben wurde. Los geht’s!
- Piraten!?
Auf S.166-168 befindet sich eine der vielen im Buch verstreuten „Inderludes“. Diese schildern jeweils sehr kurze, von der Haupthandlung unabhängige Szenen, die sich an unterschiedlichsten Orten der Galaxis abspielen und uns mehr über deren aktuellen politischen und gesellschaftlichen Zustand verraten sollen. Neben dem sehr, ich nenne es mal „eigenwilligen“ Schreibstil des Autors gehören diese Interludes sicherlich zu den umstrittensten Punkten des Buches. Ich persönlich habe sie viel mehr genossen, als ich das vorher gedacht hätte. Aufgrund ihrer Kürze empfand ich sie nie als störend.
In der angesprochenen Stelle geht es darum, dass nach der Niederlage des Imperiums in vielen Teilen der Galaxis keine Ordnung mehr herrscht. Eine Figur namens Geekska Dotalo berichtet über ihren Heimatplaneten Moradir: „The New Republic came. They … they destroyed an Imperial base. Now the Imperials are gone. The Empire was cruel. But at least there was order! We had food and water. Things worked. Now the rebels have gone. And the gangs have come. The pirates.“
Diese Stelle habe ich mir nur aufgrund eines einzigen Wortes markiert: „pirates“ Ich weiß über Episode VII wie gesagt noch nicht viel, aber ein paar Mal habe ich im Zusammenhang mit dem Film schon von Piraten bzw. einer Piratenfestung gelesen. Mehr will ich dazu gar nicht schreiben, aber es würde mich nicht überraschen, wenn auch die im Film vorkommenden Piraten (oder wie auch immer sie dann bezeichnet werden) die Schwäche des Imperiums ausgenutzt haben, um zum Beispiel die Kontrolle über einen Planeten erlangen.
Auf S. 240 befindet sich in diesem Zusammenhang ein weiterer Hinweis. Über den abgelegenen Planeten Akiva, den zentralen Ort der Handlung von „Aftermath“, heißt es dort: „The Imperials have long toyed with planets like this one. Though never formally occupying them, they imposed tariffs and taxes on law-abiding establishments while letting the black markets and criminal syndicates go about their business as long as they tithed back to the Empire.“
Hier deutet sich an, dass die Kontrolle des Imperiums gerade so weit reichte, wie es der Herrschaft des Imperators dienlich war. Unter der auf Angst beruhenden Ordnung, die das Imperium über die Galaxis brachte, konnten dennoch Verbrecherorganisationen florieren, von denen einige nach dem Sieg der Rebellenallianz bei Endor offen um die Herrschaft der von ihnen kontrollierten Gebiete kämpften. - Darth Plagueis!!
Etwas spekulativer, aber auch interessanter wird es bei meiner nächsten angemerkten Stelle. Auf S. 179 erzählt eine Figur: „Did you know that Sith Lords could sometimes drain the Force energy from their captives? Siphoning life from them and using it to strengthen their connection to the dark side? Extending their own lives, as well, so that they coud live for centuries beyond their intended expiration?“
Obwohl ich keine Spoilerberichte lese und nur wenige Gerüchte über die Filmhandlung mitbekommen habe, bin ich an einem Gerücht einfach nicht vorbeigekommen, weil es sich ganz einfach schon besonders lange und hartnäckig hält: Darth Plagueis spielt in irgendeiner Form eine Rolle im Film. Zur Erinnerung: Darth Plagueis wurde in Episode III erwähnt und war der Meister von Darth Sidious. Dieser erzählt Anakin Skywalker, Darth Plagueis habe die Fähigkeiten besessen, Leben zu erzeugen sowie Lebewesen vor dem Tod zu bewahren. Zwar wurde Plagueis schließlich von seinem Schüler (also von Sidious/Palpatine, wie der Film zumindest stark andeutet) getötet – doch was, wenn er trotzdem einen Weg gefunden hatte, sein Leben zu verlängern?
Die Hartnäckigkeit des Gerüchts spricht meiner Meinung nach dafür, dass einiges an Wahrheit dahinter steckt. Die oben zitierte Stelle aus „Aftermath“ erscheint mir wie ein Wink mit dem Zaunpfahl und deutet ebenfalls darauf hin, dass wir – wenn noch nicht direkt in Episode VII, dann vielleicht später in der neuen Filmtrilogie – einen alten Sith Lord sehen werden. Mir hat an „Aftermath“ gut gefallen, dass es Elemente aus allen „Star Wars“-Filmen aufgegriffen hat, auch aus den Prequels. Zwar wird im Marketing für Episode VII mit aller Kraft der Eindruck vermittelt, der Film kehre zurück zum „Look“ und zum „Feeling“ der Original-Trilogie, doch es würde mich nicht überraschen und ich würde es sogar begrüßen, wenn der Film die Fäden der beiden bisherigen Trilogien zusammen führt, indem auch Elemente, Planeten oder eben Figuren aus den Prequels eine Rolle spielen.
Auf der San Diego Comic Con wurde Drehbuchautor Lawrence Kasdan direkt gefragt, ob Darth Plagueis im Film erwähnt werde. Seine Antwort war interessant, er versuchte nämlich mit Humor auszuweichen und beantwortete so die Frage gar nicht. J.J. Abrams hakte an dieser Stelle ein und gab ein klares nein zur Antwort. Das muss aber längst nicht bedeuten, dass Plagueis im Film keine Rolle spielt, schließlich kann er zum Beispiel unter einem anderen Namen agieren (Supreme Leader Snoke…?). Zudem ist Abrams ja bekannt dafür, auch mal frech zu lügen, wenn er nicht will, dass Storywendungen und Details seiner Projekte zu früh ans Licht kommen (Stichwort: Khan). Meine Begeisterung über Darth Plagueis (und die vieler anderer Fans) rührt übrigens daher, dass James Luceno einen hervorragenden Roman über ihn und seine Beziehung zu Palpatine geschrieben hat. Das Buch gehört inzwischen natürlich ins alte „Legends“-Universum, d.h. die Handlung zählt nicht mehr zum offiziellen Kanon. Doch Darth Plagueis selbst existiert im „Star Wars“-Universum nach wie vor, er wird ja in einem der Filme erwähnt. Vielleicht spielt der Titel „The Force Awakens“ ja auf sein Wiedererwachen an oder darauf, dass durch sein Einwirken irgendetwas wieder erweckt wird. - Darth Vaders Lichtschwert…?
Auf den Seiten 227-229 befindet sich eine weitere kurze „Interlude“. Darin wird beschrieben, wie eine junge Frau und zwei verhüllte Gestalten einem Händler ein Lichtschwert abkaufen, bei dem es sich angeblich um Darth Vaders Lichtschwert handelt. Als der Händler die Käufer nach ihrer Identität fragt, antwortet die Frau „We are adherents. Acolytes of the Beyond.“ Diese Antwort ist natürlich nicht besonders aussagekräftig, aber möglicherweise gehören die drei ja derselben Gruppierung an wie der von Adam Driver gespielte Kylo Ren – den „Knights of Ren“?
Der zweite Teaser hat mit der auf einem Sockel ausgestellten, halb geschmolzenen Maske Darth Vaders bereits angedeutet, dass Kylo Ren ein Sammler von Artefakten ist, die mit der dunklen Seite (und vielleicht speziell mit Darth Vader) in Verbindung stehen. Also liegt der Gedanke nahe, dass die junge Frau und ihre mysteriösen Begleiter in seinem Auftrag unterwegs sind. Darauf angesprochen, was sie mit dem Lichtschwert vorhat, antwortet die Frau allerdings, sie wolle es zerstören, damit es im Tod zu seinem Meister zurückkehren könne. Andererseits glaube ich gar nicht, dass es sich bei dem Lichtschwert tatsächlich um Vaders Lichtschwert handelt, schließlich müsste das ja Luke an sich genommen haben? Oder nicht? Wie auch immer, die Szene lädt jedenfalls zum Spekulieren ein. - Han und Chewie!
Auf S. 245 beginnt eine weitere, mit sechs Seiten relativ lange „Interlude“ – und es dürfte die mit Abstand interessanteste sein, denn hier treffen wir Han Solo und Chewbacca an Bord des Millennium Falcon! „Aftermath“ spielt relativ kurz nach „Rückkehr der Jedi-Ritter“, man kann hier also keine Einsichten dahingehend ableiten, wie ihr Leben zur Zeit von Episode VII aussehen wird. Folgende Punkte sind allerdings von Interesse:
Han und Chewie sind im Auftrag der Neuen Republik (ja, es gibt eine!) kreuz und quer durch die Galaxis unterwegs. Han vermisst zwar Luke, Leia und Lando, fühlt sich aber auch an alte Zeiten erinnert. Seine und Chewies Mission besteht darin, unter falscher Identität Konakt zu verschiedenen Verbrecherorganisationen aufzunehmen, um mehr über die Versorgungswege des Imperiums herauszufinden. Das Imperium – und das ist in Zusammenhang mit Punkt 1 interessant – versucht nämlich in letzter Zeit anscheinend, wieder mehr Kontrolle über diese Kartelle zu erlangen bzw. Abkommen mit ihnen zu schließen, nachdem es von vielen seiner bisherigen, offiziellen Versorgunugswege abgeschnitten worden ist. Han und Chewie sollen also mehr darüber herausfinden, mit welchen Organisationen das Imperium nun zusammenarbeitet.
Weiterhin erfahren wir, dass sich Kashyyyk, der Heimatplanet der Wookiees, immer noch unter der Kontrolle des Imperiums befindet. Bei Chewbacca handelt es sich um einen der wenigen befreiten Wookiees; die meisten anderen sind immer noch Sklaven des Imperiums. In der Szene, die in „Aftermath“ geschildert wird, werden Han und Chewie von Imra, einer alten Freundin Hans kontaktiert. (Vielleicht werden wir sie ja 2018 im Han Solo-Prequelfilm sehen? Oder kommt sie schon in einem der neuen Comics vor? Ich lese leider so gut wie nie „Star Wars“-Comics.) Imra informiert Han darüber, dass das Imperium momentan die meisten seiner Schiffe von Kashyyyk abgezogen hat und deshalb gerade eine einmalige Gelegenheit besteht, den Planeten (oder zumindest einige seiner Einwohner) zu befreien. Nach einem kurzen Zögern und einem flehenden Blick von Chewbacca beschließt Han, seine Mission für die Neue Republik sausen zu lassen und möglichst viele seiner alten Schmugglerfreunde und einige Wookiee-Flüchtlinge zusammen zu trommeln und sich ohne die Unterstützung der Rebublik auf den Weg nach Kashyyyk zu machen.
Ob das gut gehen kann? Jedenfalls ist Han hier noch im Besitz des Millennium Falcon, die Szene liefert also keine Hinweise darauf, wie es in Episode VII zu seinem jetzt schon legendären Satz „Chewie, we’re home.“ kommt. (Neue Hinweise dazu werden wir wohl im November bekommen, wenn „Star Wars Battlefront“ erscheint, in dem die Schlacht von Jakku behandelt wird.) - Jakku
Und wo ich gerade von Jakku spreche: Eine weitere „Interlude“ (S. 348-352) spielt auf dem Planeten, der auch in „The Force Awakens“ eine wichtige Rolle spielen wird (die Wüstenszenen in den Teasern spielen auf Jakku). Wir werden Zeuge, wie ein erst vor kurzem auf dem Planeten eingetroffener Mann namens Corwin Ballast eine Cantina betritt und sich dort ein wenig mit dem Barkeeper unterhält. Dieser erzählt ihm, dass es auf Jakku Minen gibt, in denen verschiedene Metalle gewonnen werden. Auch Gasvorkommen gibt es auf dem Planeten. Weiterhin finden auf Jakku Rennen („Wheel Races“) statt und es gibt anscheinend so etwas wie einen Mönchsorden. Ob irgendetwas davon im Hinblick auf Episode VII relevant sein wird?
Jakku ist jedenfalls ein Planet, den man so ähnlich beschreiben könnte wie Tatooine: nicht nur voller Wüstensand, sondern auch sehr, sehr abgelegen und alles andere als attraktiv für Besucher. Doch gerade Jakkus Bedeutungslosigkeit ist der Grund für Corwin Ballasts Anwesenheit dort: Nachdem seine ganze Familie in einem Kampf zwischen dem Imperium und den Rebellen ihr Leben verloren hat, wollte er nun an einen Ort flüchten, der so unbedeutend ist, dass ihn bestimmt niemand angreifen wird. Der Barkeeper pflichtet ihm bei, dass er diesen Ort mit Jakku gefunden hat. Doch der informierte „Star Wars“-Fan weiß es besser, schließlich wissen wir bereits, dass wenige Jahre nach „Rückkehr der Jedi-Ritter“ bei Jakku eine große Schlacht zwischen dem Imperium und der Neuen Republik stattfinden wird. Der abgestürzte Sternenzerstörer, den wir im zweiten Teaser zu Episode VII sehen, ist ein Überbleibsel dieser Schlacht.
Die geschilderte Szene mag mit dem kommenden Film direkt nicht besonders viel zu tun haben. Da sie aber auf einem Planeten spielt, der einer der Haupthandlungsorte des Films sein wird, wollte ich sie hier aber nicht unerwähnt lassen.
Natürlich erfährt man in „Aftermath“ auch einige allgemeine Informationen über den Zustand der weit, weit entfernten Galaxis nach dem Tod des Imperators. Eine zentrale Thematik des Buches ist die Feststellung, dass das Imperium zwar eine Niederlage davon getragen hat, der Krieg deshalb aber noch lange nicht vorbei ist. Das wird schon ganz zu Beginn des Romans deutlich, wo wir Zeuge derselben Szene werden, die seit 1997 am Ende von „Rückkehr der Jedi-Ritter“ zu sehen ist: Auf Coruscant reißt eine Gruppe von Rebellenysmpathisanten eine Statue des Imperators nieder. In „Aftermath“ erfahren wir nun, wie es nach den paar Sekunden, die im Film zu sehen waren, weitergeht: Imperiale Truppen eröffnen das Feuer auf die Menge!
Wie nebenbei erfahren wir auch, dass die Rebellen-Anführerin Mon Mothma nun die Kanzlerin der Neuen Republik ist, deren Regierungssitz sich zumindest vorerst nicht auf Coruscant, sondern auf Chandrila befindet. Und auch wenn ich das Buch im Großen und Ganzen eher durchschnittlich und den Schreibstil gewöhnungsbedürftig fand, hat mich das Ende dann doch neugierig auf eine Fortsetzung gemacht. Ganz zum Schluss wird nämlich ein imperialer Admiral eingeführt. Sein Name wird nicht genannt und sein Aussehen ebenfalls nicht beschrieben, doch sein Verhalten und sein letzter Satz „I have thinking to do“ schreien geradezu „Thrawn“. Natürlich könnte das auch eine absichtlich gelegte falsche Fährte sein; ich persönlich glaube eher an eine an Thrawn angelehnte Figur als daran, dass man Thrawn selbst ins „Star Wars“-Universum zurückbringt.
Weitere Verbindungen zwischen „Aftermath“ und dem übrigen „Star Wars“-Universum werden hier aufgelistet.
Mehr als sieben Songs, Teil 5: Darren Hayes – How to Build a Time Machine
Nach David Bowie und Paul McCartney widme ich mich dieses Mal erneut einem meiner Lieblingskünstler: Darren Hayes, den ich 2013 hier im Blog einmal den „größten lebenden, männlichen Popstar“ genannt habe. Berühmt wurde er in den 90er Jahren als die (singende) Hälfte des australischen Pop-Duos Savage Garden, dessen Hits wie „Truly Madly Deeply“, „To The Moon and Back“ oder „I Knew I Loved You“ auch heute noch weltweit im Radio gespielt werden. Savage Garden veröffentlichten nur zwei Alben, bevor sich das Duo auflöste und Darren Hayes eine Karriere als Solokünstler startete. Als er 2002 sein erstes Soloalbum „Spin“ veröffentlichte, dachte ich mir „Hmm, ganz nett und ein paar schöne Balladen, aber insgesamt versucht da jemand ziemlich verzweifelt, wie Michael Jackson zu klingen“.
Dann aber folgte 2004 die zweite Soloplatte – und erst da wurde Darren Hayes für mich richtig interessant und ich wurde zum Fan. Auf „The Tension and the Spark“ entfernte er sich musikalisch vom radiofreundlichen Popsound der Savage Garden-Alben und des ersten Solowerks. Seine Musik klang nun elektronischer und nicht alle Songs gingen sofort ins Ohr. Auch thematisch wurde es düsterer; ein Großteil der Lieder auf dem Album handelt von Depression und Selbstzweifeln (in dieser Hinsicht kaum zu überbieten ist „Unlovable“). Von der Kritik wurde das Album gelobt, kommerziell ging es nun aber steil bergab. Doch Darren Hayes hatte sich längst damit abgefunden, dass die enormen Verkaufszahlen und der weltweite Erfolg der Savage Garden-Jahre nie wieder zu erreichen sein würden. Trotzdem finde ich es schade, dass seine Alben von da an in Deutschland teilweise gar nicht mehr offiziell veröffentlich wurden – bzw. erst einige Zeit nach der Veröffentlichung in Großbritannien und Australien – und dass sich die Promotionaktivitäten seiner Plattenfirma zumeist auch auf diese Länder beschränkte. So sehr ich mir auch wünschte (und ihn auf Facebook anflehte), Darren Hayes kam einfach nicht auf Tour nach Deutschland.
Schon das düstere zweite Soloalbum war schwer zu vermarkten gewesen, 2007 legte Hayes mit „This Delicate Thing We’ve Made“ schließlich ein Doppel-Konzeptalbum vor, das sich zum großen Teil mit dem Thema „Zeitreisen“ beschäftigt. Der Song „How to Build a Time Machine“ bildet dabei den narrativen Kern des Albums. Er behandelt die verführerische Idee, zurück an frühere Stationen des eigenen Lebens zu reisen, um das jüngere Selbst von der inzwischen gewonnenen Erfahrung profitieren zu lassen – das ist zumindest meine Interpretation. Das Lied ist fast sechs Minuten lang und ignoriert die für Popsongs geltenden Konventionen zwar nicht völlig, ist mit seinen Tempowechseln aber dennoch nicht radiotauglich und ist ein Beispiel dafür, wie Hayes auf dem Album mit unterschiedlichen Stilrichtungen experimentiert. Gleichzeitig ist das Lied wie erwähnt in ein erzählerisches Konzept eingebettet; es folgt direkt auf das Stück „Waking the Monster“, in dem der Bau einer Zeitmaschine beschrieben wird. Ich persönlich habe die beiden Lieder stets als eine Einheit betrachtet.
Angesichts der vielen tollen Lieder von Darren Hayes war es gar nicht so einfach, hier eine Auswahl zu treffen („Step Into the Light“ mag ich eigentlich noch lieber). Sein viertes (und bislang letztes) Album „Secret Codes and Battleships“ ist tatsächlich mindestens genau so fantastisch ausgefallen wie die beiden Alben davor. (Und wer bis jetzt nur die Savage Garden-Songs kennt und die Solowerke von Darren Hayes entdecken möchte, dem würde ich dieses Album auch zum Einstieg empfehlen. Darauf ist der Sänger nämlich zu eingängigen Popsongs ohne viele Experimente zurückgekehrt.)
Ebenfalls empfehlen möchte ich DVD „This Delicate Film We’ve Made“, die animierte Musikvideos zu einigen Titeln aus „This Delicate Thing We’ve Made“ enthält. Schließlich möchte ich noch auf Darren Hayes aktuelles Projekt verweisen: Nachdem er seine Musikkarriere momentan unterbrochen hat, um in Los Angeles die Kunst des Improvisationstheaters zu erlernen, steht zurzeit zwar kein neues Album in Aussicht; dafür ist Darren Hayes aber seit Februar Co-Host des Comedy-Podcast „The He Said He Said Show“, der wirklich lustig ist. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass er irgendwann ins Studio zurückkehrt, um ein weiteres Album aufzunehmen (vielleicht macht er das ja, wenn er sein Ziel erreicht hat, einmal in einem „Star Wars“-Film mitzuspielen).
Star Wars: Rebels – Season 1
Dieser Text enthält Spoiler zur gesamten 1. Staffel der Serie!
Der „Force Friday“ liegt hinter uns und wir können uns nun in eine Reihe neu erschienener „Star Wars“-Romane vertiefen („Aftermath“ habe ich etwa bis zur Hälfte geschafft) oder es uns 170 Euro kosten lassen, den neuen Fan-Liebling BB-8 vom eigenen Smartphone aus zu steuern. Oder wir können unsere „Journey to The Force Awakens“ fortsetzen, indem wir die erste Staffel von „Star Wars: Rebels“ anschauen, die seit Donnerstag (10.09.) auf DVD und Bluray im Handel erhältlich ist.
Wir schreiben das Jahr 5 v.S.Y. (vor der Schlacht von Yavin in Episode IV) und die ganze Galaxis ist vom Imperium besetzt. Die ganze Galaxis? Nein! Denn eine kleine, unbeugsame Gruppe von Rebellen auf dem abgelegenen Planeten Lothal hört nicht auf, dem Imperium Widerstand zu leisten. Diese Gruppe ist sogar Darth Vader (James Earl Jones) höchstpersönlich ein Dorn im Auge, denn wie sich herausstellt besteht sie unter anderem aus dem Jedi Kanan Jarrus (Freddie Prinze Jr.) und dem machtsensitiven, 15-jährigen Straßenjungen Ezra Bridger (Taylor Gray). Die Serie beginnt mit einer Szene, in der Vader einem Inquisitor (Jason Isaacs) – einem dunklen Jedi im Dienst des Imperiums – einschärft, keines der „Kinder der Macht“ dürfe am Leben gelassen werden. (Seit dem ersten „Star Wars“-Film wissen wir von Obi-Wan Kenobi, dass Darth Vader dem Imperium dabei half, die Jedi-Ritter zu jagen und zu vernichten. Nun wissen wir, dass die Inquisitoren wiederum Vader dabei halfen.)
Zu Beginn der Serie ahnt die bunte Rebellengruppe auf Lothal noch nichts davon, dass es ein Inquisitor auf sie abgesehen hat. In vier dreiminütigen Kurzepisoden, die zeitlich vor der ersten Staffel spielen, werden uns die Rebellen vorgestellt: Neben Kanan sind das Hera (Vanessa Marshall), die grünhäutige Twi’lek-Anführerin der Gruppe, Zeb (Steven Blum), der der Spezies der vom Imperium fast ausgerotteten Lasats angehört und Sabine (Tiya Sircar), die eine mandalorianische Rüstung trägt und nicht nur Graffitikünstlerin ist, sondern auch Expertin für ebenso effiziente wie kunstvolle Explosionen. Nicht vergessen sollte man den Droiden Chopper – schon allein deswegen weil er höchst eigenwillig und schnell beleidigt ist. Dann ist da noch der schon erwähnte Straßenjunge Ezra, der nicht nur durch sein Aussehen ein wenig an den Disney-Aladdin erinnert. Er stößt im Laufe des Pilotfilms zur Rebellencrew, deren mobiles Hauptquartier die „Ghost“ ist, ein kleiner, von Hera kommandierter Frachter. (Leider befinden sich die vier Kurzepisoden im Bluray-Set auf der zweiten Disc, obwohl sie zum Einstieg in die Serie gedacht sind.)
Die vier Kurzepisoden machen einen allerdings nicht nur mit den Hauptfiguren vertraut, sondern auch mit einer der größten Schwächen der Serie: Den imperialen Sturmtruppen bzw. der Weise, wie diese in der Serie eingesetzt werden. Man ist es ja bereits aus dem allerersten Film gewohnt, dass die Sturmtruppler bei der Verfolgung der Helden immer wieder daneben schießen, aber verglichen mit den Sturmtrupplern aus „Rebels“ waren selbst deren Kollegen auf dem Todesstern Eliteeinheiten. Denn wie hier Sabine, Zeb und die anderen ein ums andere Mal vor den Sturmtruppen nicht vor vollkommen unbeschadet davon rennen, sondern sie regelrecht zum Narren halten und wie die Sturmtruppen dabei regelmäßig aus nächster Nähe an ihren Zielen vorbei schießen – das ist die ersten ein oder zwei Male noch lustig, danach aber einfach nur noch lächerlich. Nicht nur ist es extrem unglaubwürdig, es läuft auch den Bemühungen der Serienmacher zuwider, das Imperium in „Rebels“ als große Bedrohung zu zeichnen. Dies gelingt einzig in der vierten Episode, in der eine Gruppe von Bauern von imperialen Truppen deportiert wird. Davon abgesehen wird das Imperium immer wieder zur Lachnummer degradiert. Selbst der Inquisitor bleibt davon nicht vollkommen verschont, hält sich sein Erfolg doch sehr in Grenzen. Mehrmals treffen er und Kanan bzw. Ezra im Lauf der Staffel aufeinander und immer wieder gelingt den Rebellen die Flucht.
Di
e Sturmtruppler sind also hier nur Witzfiguren, aber zum Glück gibt es auch Positives über die Serie zu berichten. Dazu zählen vor allem die Hauptfiguren, deren Charakterisierung und Zusammenspiel überzeugen können. Im Grunde haben Regisseur Dave Filoni und seine Autoren (darunter Simon Kinberg, Drehbuchautor der letzten beiden „X-Men“-Filme) sich für „Rebels“ zwar einfach eine bunt zusammen gewürfelte Familie ausgedacht, aber es hat funktioniert. Kanan und Hera in der Rolle der (meistens) verantwortungsvollen Eltern, Zeb als schnell genervter, aber doch gutherziger großer Bruder, Sabine als Schwester und Ezra als jüngstes der drei „Kinder“ und Identifikationsfigur fürs junge Publikum. Die Dynamik zwischen den Charakteren stimmt und vor allem die Beziehung zwischen Kanan und Ezra wird in der ersten Staffel schön herausgearbeitet. Kanan erkennt das Potential, das in Ezra steckt, zögert aber zunächs, ihn selbst zu unterrichten. Zu groß ist dabei seine eigene Unsicherheit: Er, der selbst kaum ein fertig ausgebildeter Jedi war, als der Orden vernichtet wurde, soll nun auf einmal – ganz auf sich allein gestellt – einen Schüler unterweisen? Als Ezra im Lauf der Staffel aber immer stärker in der Macht wird und erste Erfahrungen mit der dunklen Seite macht und sich außerdem Kanans Hoffnungen auf einen anderen, besseren Lehrer für Ezra nicht erfüllen, beschließt Kanan endgültig, Ezras Ausbildung selbst in die Hand zu nehmen. (Kanans Vorgeschichte wird im Roman „A New Dawn“ und in der Comicreihe „Kanan: The Last Padawan“ erzählt, die ich beide noch nicht gelesen habe.)
Nicht alle der 15 Folgen können überzeugen. Ein paar Episoden wirken wie Lückenfüller, in denen recht wenig passiert („Breaking Ranks“, „Out of Darkness“); sie dienen rückblickend betrachtet jedoch zur Ausarbeitung der Charaktere. Im Vergleich zu „The Clone Wars“ hat Rebels dabei den Vorteil, eine sich durch alle Folgen ziehende Geschichte zu erzählen und dabei stets die gleiche Gruppe von Figuren im Mittelpunkt zu haben. Allerdings ist die Serie – zumindest in dieser ersten Staffel – dadurch auch weniger abwechslungsreich in ihren Schauplätzen (das dürfte sich in der zweiten Staffel ändern). Anders als bei „The Clone Wars“ befinden sich unter den Hauptfiguren dieses Mal auch keine aus den Filmen bekannten Charaktere. Was zunächst als Nachteil erscheint, erweist sich allerdings als Vorteil, weil die Autoren damit ganz einfach nicht darauf angewiesen sind, auf bereits bestehende Figuren aufbauen oder auf einen bestimmten Punkt hin zu erzählen müssen. Auch in „The Clone Wars“ war die interessanteste Hauptfigur – Anakins Padawan Ahsoka – schließlich eine, die nicht in den Filmen auftauchte. In Nebenrollen tauchen allerdings auch in Rebels immer wieder bekannte Figuren auf, darunter bislang Darth Vader, Lando Calrissian, die Droiden C-3PO und R2-D2 sowie sogar Yoda (der aber nur als körperlose Stimme vorkommt). In der Originalfassung werden all diese Figuren übrigens von den aus den Filmen bekannten Schauspielern gesprochen.
Ganz besonders in den letzten drei Folgen verschwimmen schließlich die Grenzen zwischen den einzelnen Episoden. Dort kommt Gouvernneur / Grand Moff Tarkin nach Lothal, um im Kampf gegen die kleine Rebellentruppe endlich imperiale Erfolge zu erzielen. Das erinnert dann einmal mehr an Asterix, schließlich erhielten die römischen Besatzungslager um das kleine gallische Dorf auch immer wieder neue Befehlshaber, die sich noch voller Enthusiasmus in den Kampf gegen die Gallier stürzten, nur um dann recht schnell und schmerzhaft zu erfahren, dass sich die Aufständischen nicht so einfach unterkriegen lassen. So ähnlich ergeht er hier auch Tarkin. Zwar gelingt es ihm und dem Inquisitor vorrübergehend, Kanan gefangen zu nehmen. Doch dessen Freunde können ihn wieder befreien und erhalten schließlich sogar Zuwachs, denn Ahsoka Tano (Ashley Eckstein) gibt sich als der mysteriöse Rebellen-Informant Fulcrum zu erkennen und stößt (vorrübergehend?) zur Crew der Ghost. Dass das Wiedersehen mit Ahsoka für so viel Wirbel gesorgt hat, zeigt wie sehr die Figur vielen Fans ans Herz gewachsen ist, von denen sie beim Start von „The Clone Wars“ noch teilwiese misstrauisch beäugt wurde. Der mit viel Tamtam eingeführte Inquisitor muss allerdings dran glauben und stürzt sich lieber in den Tod, als sich dem Zorn Darth Vaders angesichts seines Versagens zu stellen. Allerdings ist für die zweite Staffel schon das Auftreten mehrerer weiterer Inquisitoren angekündigt, Kanan und seine Freunde werden also auch in Zukunft keine Ruhe haben.
Bevor ich zu einem abschließenden Fazit komme, muss ich noch meinen – neben den inkompetenten Sturmtruppen – größten Kritikpunkt an der Serie ansprechen: das unschöne Figurendesign, um es mal höflich zu formulieren. Soweit ich weiß wird „Rebels“ mit einem kleineren Team und mit geringerem Budget produziert als „The Clone Wars“, und das merkt man. Auch nach 15 Folgen habe ich mich an die Gestaltung der Charaktere nicht gewöhnt. Die Gesichter wirken sehr simpel und ausdrucksarm, der Rumpf vieler Charaktere (z.B. Kanan) scheint einfach bloß aus einer Röhre zu bestehen und die Animationen sind oft alles andere als liebevoll. Dazu kommen noch die vielen Imperialen mit sehr tief ins Gesicht gezogenen Mützen (wohl um Zeit bei der Gestaltung und Animation unterschiedlicher Gesichter zu sparen). An den Stil von „The Clone Wars“ hatte ich mich nach wenigen Folgen gewöhnt, die Figuren aus Rebels haben für mich aber auch nach 15 Episoden noch etwas Unechtes, Gummihaftes an sich. Das trifft wohlgemerkt nur auf die Figuren zu. An den Hintergründen merkt man immer wieder, dass sich die Macher die Konzeptzeichnungen von Ralph McQuarrie zum Vorbild genommen haben und tatsächlich gibt es gelegentlich einzelne Einstellungen von atemberaubender Schönheit. Doch schöne Hintergründe genügen leider nicht.
Eine andere Designentscheidung gefällt mir dagegen sehr gut: Die Lichtschwerter! Damit meine ich nicht (nur) die sich nach oben hin verjüngenden Lichtschwertklingen (auch das ein Rückgriff auf alte McQuarrie-Zeichnungen), sondern vor allem das coole Lichtschwert des Inquisitors mit seinem ringförmigen, ausklappbaren Griff und auch Ezras Lichtschwert, dessen Griff zwar wie eine Tackerpistole aussieht, aber auch eine Blasterfunktion eingebaut hat, welche im Kampf völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Nimmt man noch das tolle Dreiklingenschwert aus „The Force Awakens“ hinzu (ist mir egal, ob die Parierstange sinnvoll ist – ich finde das Design super!), dann muss ich sagen, dass das „Star Wars“-Universum noch nie so coole Lichtschwerter hervorgebracht hat wie seit der Übernahme durch Disney!
Das Figurendesign mag unterdurchschnittlich und die Entscheidung, die Sturmtruppen zu Witzfiguren zu machen, fragwürdig sein. Doch inhaltlich ist diese erste Staffel insgesamt überzeugend. Nicht jede Folge ist der Renner, aber in den 15 Folgen lernen wir die Charaktere kennen und es wird ein Grundstein für zukünftige Entwicklungen gelegt. Wem die Konzentration auf meistens nur einen Planeten noch zu langweilig war, der kann sich darauf freuen, dass die Welt von „Rebels“ in der zweiten Staffel ein ganzes Stück größer wird. Wie wir wissen, handelt es sich bei der Gruppe um Hera und Kanan nur um eine von vielen über die Galaxis verstreuten Rebellenzellen. Durch das Hinzustoßen Ahsokas und den Kontakt zu Senator Bail Organa dürften unsere „Rebels“ bald einige Mitglieder weiterer Zellen kennen lernen. Ich selbst bin allerdings vor allem auf die neuen Inquisitoren gespannt und hoffe, dass die bereits als Sprecherin angekündigte Sarah Michelle Gellar (Buffy!) eine dieser Rollen übernehmen wird. (Vielleicht hat man sich dafür ja Mara Jade zum Vorbild genommen?)
Das Bluray-Set der ersten Staffel enthält neben den 15 Episoden (darunter der hier auf zwei Folgen aufgeteilte Pilotfilm) auch die vier erwähnten Kurzepisoden sowie die bereits im Internet veröffentlichten „Rebels Recon“-Folgen, in denen die Macher der Serie zu Wort kommen. Zusätzlich gibt es noch den zweiten Teaser zu „The Force Awakens“ und eine 22-minütige Zusammenfassung der Staffel, erzählt aus der Sicht von Kanan. Die kann man sich ja dann als Einstieg in die zweite Staffel anschauen, um die Ereignisse aus Staffel eins noch einmal zu rekapitulieren.
Bilder: Copyright ©2015 & TM Lucasfilm Ltd.
Mehr als sieben Songs, Teil 4: Tori Amos – Carnival
Heute gibt es einen Song, zu dem ich nicht so viel schreiben kann, wie über die Lieder von Paul McCartney oder David Bowie. Denn mit Tori Amos habe ich mich ganz einfach noch nicht genug beschäftigt. „Carnival“ ist das erste Lied von ihr, das ich kennen gelernt habe, und auch immer noch mein Lieblingslied von ihr. Eine kurze Wikipedia-Recherche hat eben ergeben, dass es sich dabei um die englischsprachige Fassung des Titels „Manhã de Carnaval“ (komponiert von Luiz Bonfá, getextet von Antônio Maria) handelt. Veröffentlicht wurde die Version von Tori Amos anscheinend nur auf dem Soundtrackalbum zu „Mission: Impossible 2“. Auch ich kenne den Song daher.
Auf den Text von „Carnival“ habe ich bisher noch nie genau geachtet, aber die Atmosphäre, die das Stück erzeugt, sorgt bei mir jedes Mal für Gänsehaut. Als ich etwa 18 Jahre alt war, bekam ich von einer Freundin, die großer Tori Amos-Fan war, ein paar ihrer Alben, ähm, geschenkt. Über die Jahre habe ich mir seitdem ein paar weitere Alben von Tori Amos gekauft und/oder angehört; gefallen haben mir eigentlich alle, aber keines ihrer Lieder hat mich bislang so fasziniert wie „Carnival“.
„Carnival“ war – zusammen mit den CDs, die ich damals von einer Freundin bekam – mein Einstieg in die Welt von Tori Amos. Besonders gut kenne ich mich dort zwar immer noch nicht aus, aber umso mehr habe ich noch zu entdecken und mir auch vorgenommen, mal wieder ein paar von Tori Amos-Alben bewusst und am Stück anzuhören. Allen Lesern, die sich ebenfalls näher mit ihrer Musik beschäftigen wollen, kann ich die vor ein paar Monaten veröffentlichten Deluxe Editions ihrer beiden Klassiker „Little Earthquakes“ und „Under The Pink“ empfehlen.
Hier könnt ihr euch „Carnival“ anhören.
Star Wars: The Clone Wars – Season 6 („The Lost Missions“)
Dieser Blogpost enthält Spoiler zur 6. Staffel!
So langsam wird es ernst: „Star Wars: The Force Awakens“ ist nur noch 102 Tage entfernt. Am von Disney in „Force Friday“ umgetauftem letzten Freitag wurden die Spielzeugläden auf der ganzen Welt von einer riesigen Merchandise-Wellte zum Film überschwemmt und auch mehrere große Entertainment-Zeitschriften haben dem Film inzwischen Titelgeschichten gewidmet. Neben Actionfiguren und Raumschiffmodellen kamen am „Force Friday“ eine Reihe von Büchern in den Handel, die unter dem Motto „Journey to The Force Awakens“ erste Hinweise auf die Handlung des Films geben und vor allem (noch mehr) Lust auf ihn machen sollen. Da dachte ich mir, ich begebe mich auch hier im Blog auf eine solche Reise und bespreche in den gut drei Monaten bis zum großen Kinostart eine Reihe von „Star Wars“-Produkten. Den Anfang mache ich mit der sechsten (und leider letzten) Staffel von „The Clone Wars“. Demnächst wird es auch eine Rezension der ersten Staffel von „Rebels“ geben und vielleicht werde ich auch etwas zu einigen der neuen Bücher schreiben.
Direkt bevor ich mir Staffel sechs von „The Clone Wars“ vor kurzem angeschaut habe, habe ich mir noch einmal die ursprüngliche, leider etwas in Vergessenheit geratene „Clone Wars“-Miniserie (2003-2005) von Genndy Tartakovsky angesehen. Sie hat bis heute nichts von ihrem Charme verloren und sogar ein paar meiner liebsten „Star Wars“-Szenen zu bieten, z.B. wie Mace Windu im Alleingang eine ganze Droidenarmee vermöbelt oder wie General Grievous zu seinem aus „Die Rache der Sith“ bekannten Keuchen kommt. Im Vergleich zu den zweidimensionalen (aber wunderschönen!) Zeichnungen der alten Serie kamen mir der Look der neuen Klonkriegsabenteuer auf einmal so anders und richtig plastisch und real vor. Da die Produktion von „The Clone Wars“ nach der Übernahme Lucasfilms durch Disney leider eingestellt wurde, besteht die sechste und damit letzte Staffel aus nur 13 Folgen. Weitere, jedoch nicht fertig gestellte Episoden wurden als Bonusmaterial der DVDs/Blurays und auf starwars.com veröffentlicht.
„Have you seen this clone?“
Die ersten vier Episoden der Staffel bilden den „Order 66“-Handlungsbogen. Darin kommen die Jedi beinahe hinter das große Geheimnis der Klonarmee, nämlich den ihr einprogrammierten Verrat an den Jedi. Aber eben nur fast, denn man weiß natürlich von Anfang an, wie das Ganze ausgehen muss. Trotzdem ist die Geschichte spannend erzählt und mit temporeicher Action und einigen witzigen Figuren gewürzt. Die erste Folge beginnt mit einer eindrucksvollen Schlacht, die in jeder Hinsicht zeigt, was die Serie in ihrem sechsten Jahr so alles kann. Visuell ist das ganze äußerst beeindruckend und auch der Soundtrack mit seinen rockigen Anleihen kann hier überzeugen.
Während der Schlacht schießt ein Klonsoldat namens Tup eine Jedi nieder, zeigt danach aber Zeichen starker Verwirrung und kann sich an seine Tat nicht erinnern. Die Jedi wollen der Sache natürlich auf den Grund gehen und schicken Tup zur Untersuchung nach Kamino, wo die Klonsoldaten „hergestellt“ werden. Aber auch Kanzler Palpatine / Darth Sidious leitet Nachforschungen in die Wege, schließlich könnte ein zu frühes Ausführen seiner „Order 66“ seinen großen Plan gefährden, die Macht in der Galaxis an sich zu reißen.
Auf Kamino gelingt es Fives mit Hilfe eines etwas eigenwilligen Droiden, seinen Freund Tup zu retten, bevor die Kaminoaner dessen Hirn zur Untersuchung in Scheiben schneiden. Yoda beschließt unterdessen, Tup nach Coruscant bringen zu lassen, wo die Jedi ihn „mit der Macht“ untersuchen wollen. Wieder einmal wird dabei deutlich, wie sehr die Jedi in ihren Jahrtausende alten Traditionen und Denkweisen gefangen sind. Sie können sich anscheinend gar nicht vorstellen, dass die Bedrohung, der sie ausgesetzt sind, von innen kommt. Die Herkunft der Klonarmee haben sie von Anfang an kaum hinterfragt, sind aber nun mal auf sie angewiesen.
Fives und der Droide entdecken bei einer eigenen Untersuchung einen organischen Chip in Tups Gehirn. Wie die Kaminoaner später versichern, handelt es sich dabei um einen „structural inhibtor chip“, der in allen Klonen vorhanden ist und starke Aggressionen verhindern soll. Natürlich wissen sie als Schöpfer der Klone die Wahrheit, müssen diese aber vor den Jedi und der Republik verschleiern. (Kümmern sich die Kamionaner denn überhaupt nicht um die moralischen Konsequenzen ihrer Arbeit? Ist es ihnen vollkommen egal, dass sie lebende Wesen heranzüchten, die allein als Kriegsmaschinen dienen sollen und dann auch noch den Verrat an ihren Vorgesetzten mit eingebaut haben? Ich muss echt mal nachschauen, ob das schon in einem der „Star Wars and Philosophy“-Bücher behandelt wurde…)
In der letzten der vier Folgen gelingt Tup die Rückkehr nach Coruscant, wo er hofft, Palpatine und die Jedi die schreckliche Wahrheit über die Klonarmee klar machen zu können. Er kennt zwar längst nicht die ganze Wahrheit, stellt aber für Palpatines Pläne dennoch eine Gefahr dar. Schließlich muss er wieder flüchten und wird von den anderen Klonen gesucht (herrlich: Sie laufen mit einem Bild von Tup herum – der natürlich aussieht wie all die Millionen anderer Klonsoldaten auch – und fragen „Have you seen this clone?“)
Letztendlich behält erwartungsgemäß Palpatine die Oberhand und die Jedi können weiterhin nur Vermutungen darüber anstellen, wer denn überhaupt der Feind ist, den sie in diesem Krieg bekämpfen und was genau es mit den Klonen auf sich hat. Von dieser Vorhersehbarkeit der Geschichte einmal abgesehen ist der „Order 66“-Handlungsbogen aber sehr gut gelungen.
Galaktische Bankenrettung
Die nächsten drei Episoden spielen auf dem Planeten Scipio, wo der mächtige Bankenclan riesige Summen verwaltet. Senator Rush Clovis, ein alter Bekannter von Amidala, gibt an, über wichtige Informationen zu verfügen und die Korruption innerhalb des Bankenclans aufdecken zu können. Ich muss zugeben, dass ich selbst bei einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhängen meistens geistig abschalte, deshalb hat mich dieser Teil der Handlung nicht besonders interessiert. Aber da die Serie ja auch 10-jährigen Fans gefallen soll, die diese Aspekte wohl ebenfalls nicht verstehen, macht das bestimmt nichts. Jedenfalls hatte die erste der drei Folgen eine kreative und temporeiche Actionsequenz in Form einer Verfolgungsjagd in einer Art Bobbahn zu bieten.
In der zweiten Folge wird es schließlich interessant, als Obi-Wan Anakin auf seine Gefühle für Padmé und seine Eifersucht auf Clovis anspricht. Obi-Wan gibt offen zu, dass natürlich auch die Jedi nicht frei von Emotionen sind und er Gefühle für Satine hatte. Allerdings macht er Anakin auch klar, man dürfe als Jedi diesen Gefühlen nicht nachkommen und Anakin und Padmé dürften zwar Freunde sein, aber eben nicht mehr. Der arme Obi-Wan hat ja keine Ahnung, dass die beiden längst verheiratet sind… Höhepunkt der Episode ist die anschließende Prügelei zwischen Clovis und Anakin, die sich hier um Padmés Gunst streiten. Die wiederum stellt im Gespräch mit ihrem Mann schließlich fest, ihre Ehe sei zum Scheitern verurteilt, da sie auf Lügen und Geheimnissen aufbaue und auf diese Weise kein Vertrauen möglich sei. (Noch eine Anmerkung zu Clovis: Ich habe eben erst herausgefunden, dass Clovis – und einige andere Figuren aus „The Clone Wars“ – von Robin Atkin Downes gesprochen werden. Den kannte ich vorher aus Babylon 5; auch dort spielt er zwei verschiedene Rollen, unter anderem Byron, die wohl umstrittenste Figur der Serie.)
Bezüglich der ganzen Bankengeschichte stellt sich schließlich (für den Zuschauer) heraus, dass Clovis nur eine weitere Marionette im großen Plan von Palpatine / Darth Sidious ist. Dem obersten Kanzler der Republik gelingt es zum Schluss nämlich, die Banken unter seine persönliche Kontrolle zu bringen. „Long live the banks!“, ruft er dem jubelnden Senat zu. Trotz einiger schöner Actionszenen war dieser Handlungsbogen für mich der langweiligste der Staffel. Das liegt sicher auch daran, dass ich Clovis als Figur noch nie besonders interessant fand.
Jar Jar Binks und der Tempel des Todes
Dafür wird es in den nächsten zwei Folgen aber deutlich temporeicher und lustiger (allerdings auch alberner): Hier müssen nämlich Mace Windu und Jar Jar Binks auf eine gemeinsame Mission gehen. Die Königin des Planeten Bardotta, eine alte Freundin von Jar Jar, hat um Hilfe gerufen. Mehrere geistliche Anführer ihres Volkes sind spurlos verschwunden. Also macht sich das ungleiche Paar aus Jar Jar und Windu auf den Weg. Auf Bardotta angekommen, lernen wir, dass Jar Jar und die Königin mehr als nur Freunde waren; Jar Jar bekommt sogar eine Kussszene!
Mit der Wiedersehensfreude ist es aber bald vorbei, denn auch die Königin verschwindet plötzlich. Jar Jar und Windu stellen Nachforschungen an und stoßen auf einen geheimen Kult, dessen Mitglieder in einer riesigen Kammer unter dem Palast grausame Rituale durchführen. Die Szene beinhaltet außerdem eine Lavagrube, in darüber hängenden Käfigen gefangene Personen und einen Männerchor im Soundtrack – na, sind die Ähnlichkeiten zu Indiana Jones irgendjemandem noch nicht aufgefallen? Nachdem in „The Clone Wars“ ja schon zahlreichen anderen Filmklassikern Tribut gezollt wurde, gibt es nun also eine Hommage an „Temple of Doom“. Und die macht richtig Laune. Die lange Actionsequenz in besagter Lavakammer gegen Ende der Folge ist voller witziger Einfälle. In der zweiten Folge geht es dann munter weiter: Jar Jar und Windu verfolgen die Übeltäter auf einen anderen Planeten und kommen dahinter, dass diese in ihren Ritualen ihre Opfer der ihnen inne wohnenden Machtenergie berauben. Es gibt einen Kampf gegen große Steingiganten, weitere Verfolgungsjagden und schließlich weitere Indy-Anleihen, diesmal bei Teil 1. Zuletzt stellt sich heraus, dass eine alte Bekannte hinter all dem die Fäden zieht. Dieser Zweiteiler gehört vielleicht nicht zu den besten „Clone Wars“-Handlungbögen, wie etwa die Mortis-Trilogie aus Staffel 3 oder der nun folgende Yoda-Handlungsbogen, aber „Star Wars“ muss ja nicht immer große Mythen erzählen, sondern darf manchmal auch einfach nur Spaß machen, was hier definitiv der Fall ist.
Yoda und die ewige Ungewissheit
Nach diesen zwei spaßigen und abenteuerlichen Folgen wird es im letzten, vier Episoden umfassenden Handlungsbogen wieder deutlich ernster. Er beginnt mit einer Folge, in der das lange verschollene Raumschiff des verstorbenen Jedi-Meisters Sifo-Dyas gefunden wird. Wir erinnern uns: Sifo-Dyas war derjenige, der – ohne das Wissen des Jedi-Rats – auf Kamino die Klonarmee in Auftrag gegeben hat. (Wie er dafür bezahlen konnte, wird leider nicht geklärt.) Obi-Wan und Anakin erledigen ein wenig Detektivarbeit und kommen dabei endlich dahinter, dass Count Dooku der „Mann namens Tyranus“ ist und auch, dass Sifo-Dyas in dessen Auftrag gehandelt hat.
Spätestens hier müssten bei den Jedi eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen; schließlich sollte es einem zu denken geben, wenn man während eines Krieges feststellt, dass der Anführer der Gegenseite einem eine Armee geschenkt hat. Yoda und die übrigen Mitglieder des Rats sind deswegen auch durchaus besorgt, doch einmal mehr beschließen sie, diese Entdeckung geheim zu halten und abzuwarten, statt etwas zu unternehmen:
Yoda: „Our enemy created an army for us.“
Mace Windu: „If this was known, public confidence in the war effort, the Jedi and the Republic would vanish. There would be mass chaos.“
Yoda: „Cover up this discovery, we must. No one, not even the chancellor, may know.“
Die Sorge, es würde ein Massenchaos ausbrechen, wirkt ein wenig zu allgemein und unbegründet. Natürlich dürfen die Jedi genau auch hier keine wirklich große Entdeckung machen, um den kommenden Ereignissen in Episode III nicht zu widersprechen. Insofern leidet auch diese Folge unter der Vorhersehbarkeit, die nun einmal gegeben ist, wenn man die Vorgeschichte zu einer bereits bekannten Geschichte erzählt. Immerhin wird aber deutlich, in welcher Zwickmühle sich die Republik und die Jedi befinden: Einmal in den Krieg hineingezogen, müssen sie nun auch kämpfen. Die Hintergründe der Klonarmee mögen teilweise im Dunkeln liegen, doch wie Yoda feststellt, sind sie auf sie angewiesen. Die einzige Möglichkeit, die der Republik noch bleibt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, ist die, den Krieg möglichst schnell zu gewinnen, bevor die Pläne ihres Feindes Früchte tragen. Wie sehr die Jedi aber längst zu Marionetten ihres Feindes geworden sind, ahnt Yoda nicht. Er und die Jedi wissen ja noch nicht einmal, wer eigentlich dieser große Feind ist, der den Krieg angezettelt hat und den sie nun bekämpfen.
In den nun folgenden drei Episoden beschließt Yoda, all diesen unklaren Fragen weiter nachzugehen – durch Meditation. Und als man gerade die Hände über dem Kopf zusammen schlagen will, weil sich der weise Jedi-Meister hier einmal mehr in die nebulösen Weiten der Macht zurückzieht, statt aktiv zu werden, macht er eine auch für ihn höchst unerwartete Entdeckung: Der von Darth Maul getötet Qui-Gon Jinn spricht zu ihm. Yoda ist zunächst misstrauisch – jegliches Leben nach dem Tod ist den Jedi bislang unbekannt. Deshalb kann er nicht glauben, dass es Qui-Gon gelungen ist, sein Bewusstsein über den eigenen Tod hinaus zu erhalten, schließlich werden Jedi nach dem Tod zwar ein Teil der „kosmischen Macht“, doch gehen sie in dieser auf, ohne als individuelles Bewusstsein erhalten zu bleiben. Doch Qui-Gon ist dies nicht nur gelungen, er will auch Yoda in dieser Technik unterweisen. Doch Yoda ist zunächst einmal sehr aufgewühlt durch seine Entdeckung. Er und die übrigen Ratsmitglieder befürchten eine Täuschung durch die Sith. Yoda wird in eine tiefen Trancezustand versetzt und Qui-Gon nimmt erneut Kontakt zu ihm auf: „Come to Dagobah“, fordert er ihn auf (Qui-Gon wird übrigens tatsächlich von Liam Neeson gesprochen, was hier auch fast unabdingbar ist, schließlich ist er die meiste Zeit über nur als körperlose Stimme zu hören).
Kann man Dagobah eigentlich nur finden, wenn man von toten Jedi-Meistern dazu aufgefordert wird, den Planeten aufzusuchen? Ein faszinierender Gedanke… Jedenfalls betritt Yoda dort jene Höhle, in der einst auch Luke Skywalker eine finstere Vision haben wird. Er erblickt eine düstere Zukunft und sieht unter anderem den Kampf der Jedi gegen die Klonsoldaten voraus.
In der nächsten Folge schickt Qui-Gon ihn auf einen weiteren Planeten, auf dem es von Leben nur so wimmelt. Dort trifft er auf Wesen, die es geschafft haben, ihr Bewusstsein über den Tod hinaus zu erhalten. Sie erklären Yoda, man müsse sich selbst gut kennen und sich seinen Ängsten stellen, um beim Tod loslassen und ihn so überdauern zu können. Yoda, der diese Hürden schon gemeistert zu haben glaubt, antwortet etwas arrogant: „A Jedi Master I am. Know all that dwells within me, I do. Mastered my weaknesses and conquered my fears, I have.“ Diesen Worten muss er anschließend Taten folgen lassen, als er gezwungen wird, gegen eine dunkle Version seiner selbst zu kämpfen. Erst als ihm dabei klar wird, dass dieses andere Ich gar nicht bekämpfen, sondern es akzeptieren muss, gelingt ihm der Sieg. Wie zur Belohnung hat er eine weitere Zukunftsvision, in der er den Angriff auf den Jedi-Tempel vorhersieht (musikalisch unterlegt mit dem aus Episode III bekannten „Battle of the Heroes“-Thema). Es folgt eine weitere Vision, in der die Klonkriege nie stattgefunden haben, Qui-Gon noch am Leben und Count Dooku noch ein Mitglied des Jedi-Ordens ist. Doch Yoda erkennt die Täuschung dieser Bilder und widersetzt sich ihnen. Ein letztes Mal wird er auf einen neuen Planeten weiter geschickt. Nun führt ihn seine Reise nach Moraband, die Heimatwelt der Sith. (Die „Clone Wars“-Macher wollten sich hier anscheinend vom alten Expanded Universe abgrenzen, wo diese Welt noch als Korriban bekannt war.)
Als Yoda auf Moraband ankommt, hat man schließlich den Eindruck, er sei in Moria gelandet. Denn er trifft auf ein Grab, dass starke Ähnlichkeiten zu Balins Grab im ersten „Herr der Ringe“-Film aufweist. Noch dazu erscheint kurz danach eine flammendurchzogene, leicht an den Balrog erinnernde Gestalt. Doch bei dieser handelt es sich um den Geist von Darth Bane, jenem Sith-Lord, der einst die Regel der Zwei eingeführt hat (und hier von keinem geringeren als „Luke Skywalker“ Mark Hamill gesprochen wird). Im Gespräch zwischen Yoda und Bane wird klar, dass die Sith die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod kategorisch ausschließen und für lächerlich erachten. (Warum dann aber anscheinend der schon lange tote Darth Bane hier mit Yoda reden kann, wird nicht erklärt…)
Was dann folgt, ist ein atemberaubender Shodown. Darth Sidious und Darth Tyranus spüren auf Coruscant Yodas Anwesenheit auf Moraband und wollen ihn durch ein Ritual „brechen“. Im Zuge dieses Rituals wird Yoda einmal mehr von Visionen ereilt, in denen er gegen Sidious persönlich kämpft, ohne jedoch einen Blick auf dessen wahres Gesicht erhaschen zu können. Erwartungsgemäß endet jedoch auch diese Konfrontation mit einem Unentschieden und bringt für Yoda keine neuen Erkenntnisse.
Nach all diesen Strapazen wird Yoda mit der Ankündigung belohnt, nun endlich die angekündigte Unterweisung durch Qui-Gon zu erhalten. Damit wäre nun auch geklärt, wie Yoda in Episode III überraschend von seinem Kontakt mit Qui-Gon berichten konnte und sich seinerseits bereit erklärte, sein Wissen an Obi-Wan weiter zu geben. (Es stellt sich allerdings die Frage, warum er nicht schon früher ein paar Jedi in der doch recht praktischen Technik des Lebens nach dem Tod unterwiesen hat. Vielleicht war in der Hektik des Kriegs einfach keine Zeit dafür.)
Der Yoda-Handlungsbogen ist der mit Abstand beste dieser kurzen letzten Staffel. Zwar leidet auch er – genau wie die „Order 66“-Handlung – unter einer gewissen Vorhersehbarkeit. Dafür werden hier aber die Philosophie der Jedi und die Mystik um die Macht überzeugend ausgebaut und es gelingt, eine durchgehend spannende und düstere Atomosphäre aufrecht zu erhalten.
Das Ende von „The Clone Wars“
Am Ende wird Yoda gefragt, ob er von seiner Reise irgendwelche Erkenntnisse darüber mitgebracht habe, wie der Krieg zu gewinnen sein. Er antwortet:
„No longer certain that one ever does win a war, I am. For in fighting the battles, the bloodshed, already lost we have. Yet open to us, a path remains that unknown to the Sith is. Through this path, vicory we might yet find. Not victory in the Clone Wars, but victory for all time.“
Das sind passende Schlussworte für die Serie, die damit leider ihr zu frühes Ende findet. „The Clone Wars“ wurde von Staffel zu Staffel immer besser. In ihrer Thematik und Atmosphäre wiesen die Episoden zunehmend eine immer größere Bandbreite auf. Die Hauptcharaktere wurden überzeugend ausgebaut und gerade die anfangs von den Fans misstrauisch beäugte Ahsoka entwickelte sich nicht nur zu einer der beliebtesten Serienfiguren, sondern sogar zu einer der beliebtesten „Star Wars“-Figuren überhaupt. Immerhin wurde durch das Ende der fünften Staffel noch geklärt, warum sie in „Die Rache der Sith“ nicht mehr an Anakins Seite ist (und ganz aus dem „Star Wars“-Universum verschwunden ist sie ja auch nicht…).
Die Blurays der sechsten Staffel enthalten als Bonus noch die „Story Reels“ vier weiterer Episoden. Dabei handelt es sich quasi um Animatics, also bewegte Storyboards. Da diese Story Reels aber bereits fertig vertont sind (Dialoge, Musik und Soundeffekte sind komplett), wirken sie – von der unfertigen Optik abgesehen – fast wie fertige Episoden. Bei diesen vier Folgen handelt es sich um den „Utapau“-Handlungsbogen, in dem Anakin und Obi-Wan dahinter kommen, dass General Grievous einen riesigen Kyber-Kristall kaufen möchte. Es wird nie explizit erwähnt, doch der belesene „Star Wars“-Fan kann sich schnell zusammen reimen, dass dieser Kristall im Superlaser des Todessterns eingesetzt werden soll. Interessant ist zudem, dass hier erstmals seit Ahsokas Ausscheiden aus dem Jedi-Orden über Anakins Gefühle diesbezüglich gesprochen wird.
Auf starwars.com sind Story Reesls eines weiteren Handlungsbogens veröffentlicht worden, die ich mir aber noch nicht angeschaut habe. Wer sich dafür interessiert, welche Geschichten für die sechste, siebte und achte Staffel der Serie außerdem noch in Planung waren, dem empfehle ich diesen ausführlichen Blogpost. Immerhin sind ein paar dieser Geschichten nun in anderen Medien erzählt worden. „The Clone Wars“ ist also leider zu früh zu Ende gegangen, doch mit „Star Wars: Rebels“ haben wir inzwischen eine neue, aufregende Serie, über deren erste Staffel ich demnächst einen Blogpost schreiben werde.
Mehr als sieben Songs, Teil 3: David Bowie – If I’m Dreaming My Life
Michael Jackson, Paul McCartney, David Bowie – das sind im musikalischen Bereich meine drei Lieblingskünstler. Paul McCartney war letzte Woche an der Reihe und Michael Jackson folgt ganz sicher auch noch irgendwann. Diese Woche aber widme ich mich David Bowie, den ich als letzten der drei für mich entdeckt habe.
Im Herbst 1999 trat Bowie mit seinem neuen Song „Thursday’s Child“ bei „Wetten, dass…?“ auf (ich habe mir den Auftritt eben nocheinmal angesehen und erschreckt festgestellt, dass es sich um eine Playback-Version handelt). Meiner Mutter gefiel das Lied so gut, dass sie sich das neue Bowie-Album „Hours…“ zum Geburtstag wünschte und es auch geschenkt bekam. Allerdings war ich es dann, der sich immer wieder in das Album vertiefte. Und was für ein Album das war! In Fan-Abstiummungen über das beste Bowie-Album landet es immer wieder auf den hinteren Plätzen und kommerziell war es ebenfalls nicht besonders erfolgreich, aber mir hat es nicht nur die Tür in Bowies Welt geöffnet, sondern auch vor Augen geführt, wie komplex und tiefgründig Pop- und Rockmusik sein kann.
Alles an „Hours…“ hat mich damals fasziniert: Bowies hypnotische, mir zuvor fast unbekannte Stimme. Die Songtexte, die so viel komplexer waren als bei all der Musik, die im Radio lief. Das faszinierende Artwork des Albums. Immer wieder habe ich beim Anhören des Albums (aber nicht nur dann) das Booklet durchgeblättert, wo nicht nur die Texte in Handschrift-Optik abgedruckt waren, sondern auch viele Fotos von Bowie, dessen Look damals (mal wieder) einen radikalen Bruch mit den Outfits und Frisuren der Jahre davor darstellte. Die orangen Stachelhaare der „Earthling“-Zeit gehörten der Vergangenheit an, dafür trug Bowie seine Haare nun lang und ungefärbt. Von „Earthling“ oder selbst von „Ziggy Stardust“ hatte ich damals noch gar keine Ahnung, aber trotzdem fühlte ich mich auf fast hypnotische Weise zu Bowie und den Liedern auf „Hours…“ hingezogen. Ich war gerade 18 Jahre alt geworden und mir fehlte es an Orientierung, um es einmal harmlos auszudrücken. Schon immer hatte ich einen Hang zur Melancholie und zum Träumen. All dies können also Gründe sein, warum die größtenteils ruhigen und nachdenklichen Songs auf dem Album eine so anziehende Wirkung auf mich hatten. (Auch in dieser Hinsicht war das Album für Bowie eine Wende; es wurde oft als eine Rückkehr zu seinen musikalischen Anfängen beschrieben. Auf dem Albumcover blickt der „neue“ langhaarige Bowie auf sein jüngeres und scheinbar totes Alter Ego herab.)
„Hours…“ machte mir auch zum ersten Mal bewusst, wie komplex und bedeutungsvoll Songtexte sein können – und schließlich auch, dass man nicht unbedingt in der gleichen Situation wie der Autor sein muss, um sich von diesen Worten berührt zu fühlen und einen eigenen Bezug zu ihnen herstellen zu können. Ich erinnere mich, einmal gelesen zu haben, der damals 53-jährige Bowie habe sich auf „Hours…“ erstmals vermehrt mit dem eigenen Altern auseinandergesetzt. Das mag stimmen oder nicht, in mir hat er mit den Liedern aber auf jeden Fall einen Nerv getroffen, auch wenn ich mir übers Altern damals bestimmt noch keine Gedanken gemacht habe. In diesem Zusammenhang muss ich noch unbedingt das geniale Musikvideo zu „Thursday’s Child“ erwähnen, das allein daraus besteht, dass eben jener alternde Bowie im Spiegel sein jüngeres Ich studiert.
Warum schreibe ich hier also so viel über „Thursday’s Child“, obwohl es der Überschrift zufolge doch um einen anderen Song aus dem Album geht? Ganz einfach: Ich mag nun mal alle Songs auf dem Album sehr, sehr gerne (allerdings sind die ersten fünf Titel besser als die zweite Hälfte des Albums). „Thursdays’s Child“ ist neben „Life On Mars?“ mein Bowie-Lieblingssong. Und genau weil die Wahl dieses Songs also so nahe lag, habe ich mich für einen anderen entschieden. „If I’m Dreaming My Life“ ist mit einer Länge von sieben Minuten das längste Lied auf dem Album und sicherlich auch dasjenige, zu dessen Text ich den engsten Bezug habe. Schließlich habe ich mindestens seit der Zeit, in der ich David Bowie für mich entdeckt habe, regelmäßig das Gefühl, mein Leben lediglich zu träumen. „If I’m dreaming all my life away…“, heißt es im Song. Text, Melodie und stimmliche Darbietung passen hier perfekt zueinander. Das Lied hat einen rockigen, fast getrieben wirkenden Teil und könnte nach viereinhalb Minuten zu Ende sein, doch genau da beginnt der schönste Teil. Wie ein Mantra wiederholt Bowie (diese Stimme!) immer wieder die Worte „Dreaming My Life“ – ein Klagegesang, der verbunden mit den „ooohhs“ des Background-Gesangs eine meditative Wirkung erzeugt.
Tja, was soll ich noch schreiben? Das Album hat mich offenbar zur richtigen Zeit in meinem Leben erreicht und so entscheidend prägen können. Noch heute gehört es zu meinen absoluten Lieblingsalben, ich kann die Texte fast alle fehlerfrei mitsingen. Ein paar Monate nachdem ich Bowie für mich entdeckt hatte, beschloss ich übrigens, sein Werk weiter zu erforschen und kaufte sein 1995er Album „Outside“. Ich weiß noch, wie enttäuscht ich nach dem ersten Anhören damals war – nicht nur, weil sich einfach nicht das gleiche Gefühl wie bei „Hours…“ einstellen wollte, sondern sogar, weil ich die Musik einfach seltsam und befremdlich fand. Das sollte Bowie sein, der Bowie, den ich gerade erst für mich entdeckt hatte und der mich auf „Hours…“ so faszinierte? Ja und nein. Es war natürlich ebenfalls Bowie, aber eine der ersten Entdeckungen, die man macht, wenn beginnt sich durch seine Diskografie zu hören, ist die, dass Bowie immer anders ist. Erst wenn man sich dann länger mit ihm beschäftigt hat, merkt man irgendwann, dass all seine Alben trotz ihrer Unterschiedlichkeit dennoch den gewissen, unbeschreiblichen Bowie-Funken haben. Inzwischen mag ich fast alles von Bowie und kenne die meisten seiner Alben. Viele davon habe ich noch gar nicht ausführlich erforscht, da gibt es also noch viel für mich zu entdecken.
Hier gibt es die Album-Version von „If I’m Dreaming My Life“ zum Anhören und hier eine tolle Live-Version.
Mehr als sieben Songs, Teil 2: Paul McCartney – Scared
Da Michael Jackson mein Lieblingskünstler ist, müsste ich heute – an seinem Geburtstag – eigentlich einen Jackson-Song posten. Es wird in dieser neuen Rubrik sicherlich auch noch einige davon geben, aber ich habe mich ganz einfach noch für keine(n) entschieden.
Nachdem der erste der mehr als sieben Songs letzte Woche eine Beatles-Coverversion war, gibt es heute erneut ein Lied von einem der Beatles. Paul McCartney gehört zu meinen Lieblingssängern. Die Liebe zu den Beatles wurde mir gewissermaßen in die Wiege gelegt, da mein Vater schon lange vor meiner Geburt großer Beatles-Fan war. Als ich mich als Teenager aktiv für Musik zu interessieren begann, gehörte die CD-Sammlung meiner Eltern (mit den Schallplatten beschäftigte ich mich leider weniger) zu einer meiner wichtigsten Quellen, und da waren nun mal viele Werke der Beatles bzw. Ex-Beatles darunter. Das erste McCartney-Album, das ich bei seiner Veröffentlichung bewusst wahrgenommen habe, war 1997 „Flaming Pie“. Es ist noch heute mein Lieblingsalbum von „Macca“, den ich auch zweimal live im Konzert erleben durfte.
Vor knapp zwei Jahren erschien McCartneys bislang letztes Studioalbum „New“, das ich ebenfalls für eines seiner besten halte. Er arbeitete dafür mit vier verschiedenen Musikproduzenten zusammen, sodass die Lieder sich abwechslungsreich voneinander abheben. Doch das vielleicht beste Stück auf dem Album hat er einfach versteckt! „Scared“ befindet sich als Verlängerung des letzten Songs als so genannter „hidden track“ auf dem Album und ist nicht in der Titelliste aufgeführt.
Dass dieses Stück so versteckt wurde und von McCartney auch noch nie bei Konzerten gesungen wurde, ist eine Schande. Es zeigt nämlich wie kaum ein anderer Song auf dem Album (außer vielleicht dem ähnlich minimalistischen und persönlichen „Early Days“), dass McCartney als Songwriter oft dann am besten ist, wenn er sich von Bombast und zuviel Komplexität fernhält und elementare menschliche Emotionen in eine ganz einfache musikalische Form gießt. Insofern steht „Scared“ für mich auf einer Stufe mit „Yesterday“, mit dem es nicht nur die einfache Instrumentierung gemeinsam hat; beide Lieder haben auch jeweils einen elementaren menschlichen Gefühlszustand zum Thema. „Yesterday“ handelt von dem Schmerz, nachdem einen der Partner verlassen hat; „Scared“ handelt von der Angst oder Schwierigkeit, einer anderen Person seine tiefen Gefühle für sie mitzuteilen. Weil McCartney es in vielen seiner besten Stücke schafft, menschliches Gefühlsleben musikalisch und textlich mit wenigen Mitteln, aber doch treffsicher auszudrücken, berühren seine Lieder so viele Menschen. Den Kitsch, der ihm oftmals vorgeworfen wurde, vermeidet er bei „Scared“ erfolgreich.
Das Lied wurde von Giles Martin, dem Sohn des Beatles-Produzenten George Martin, produziert. Es hat nicht einmal einen Refrain, nur drei Strophen und eine Überleitung zwischen den letzten beiden davon. Das hier ist die erste Strophe:
I’m scared to say I love you
Afraid to let you know
That the simplest of words won’t come out of my mouth
Though I’m dying to let them go
Trying to let you know
Ich erinnere mich, dass Paul McCartney in einem Interview zur Zeit der Albumveröffentlichung erzählt hat, es sei ihm in der Beziehung zu seiner späteren Ehefrau Nancy Shevell anfangs schwer gefallen, ihr gegenüber seine Gefühle für sie auszudrücken. Diese Beobachtung habe er später in dem Lied festgehalten. Nun, wenn man für die Frau, die man liebt solche Lieder schreiben kann, dann macht es sicherlich nichts, wenn man im Beziehungsalltag nicht immer die richtigen (und manchmal gar keine) Worte findet…
Larry David und die ungeschriebenen Gesetze der Gesellschaft
Zurzeit schaue ich mich zum zweiten Mal durch alle Folgen von „Curb Your Enthusiasm“. Die Serie von, mit und über „Seinfeld“-Erfinder Larry David ist eine meiner Lieblingsserien (ich würde sie sogar in meine Serien Top 3 einordnen).
Larry David spielt darin eine fiktive Version seiner selbst und schafft es in fast jeder Folge, gegen ungeschriebene soziale Gesetze zu verstoßen und seine Mitmenschen zu kränken oder beleidigen. Noch schlimmer wird das Ganze oft, weil Larry einen unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn hat und es einfach nicht lassen kann, andere Leute zu korrigieren und zu belehren, wenn sie seiner Meinung nach etwas falsch gemacht haben.
Irgendwann werde ich einmal einen größeren Artikel oder Blogpost über die Serie schreiben. Hier will ich nun einfach ein Zitat aus der Serie festhalten (auch damit ich es mir selber merke und zur Hand habe, wenn ich diesen Blogpost schreibe). Es stammt aus Epiosde 6.03, in der Larry zu Beginn in einer Eisdiele darauf wartet, bedient zu werden. Allerdings missbraucht die Kundin vor ihm seiner Ansicht nach ihr „sampling privilege“ und lässt sich von einer Eissorte nach der anderen Gratisproben geben, nur um schließlich eine einfache Kugel Vanilleeis zu bestellen. Der ungeduldig wartende und genervte Larry kann natürlich nicht anders, als das Geschehen kritisch und ironisch zu kommentieren. Als er nach Hause zu seiner Frau kommt, stellt sich dummerweise heraus, dass die Frau aus der Eisdiele die Leiterin einer Privatschule ist, auf die Larrys Freund und Manager Jeff seine Tochter schicken will. Auch Larry hat einen Gesprächstermin bei ihr, da er und seine Frau zurzeit eine Familie von obdachlosen Hurrikanopfern bei sich aufgenommen haben, deren Tochter ebenfalls auf die Schule gehen soll. Mit seinem Verhalten in der Eisdiele hat Larry nun mal wieder alles verbockt. Als seine Frau Cheryl ihm deswegen Vorwürfe macht, versucht er sein Verhalten zu rechtfertigen:
Larry: „She was breaking the rules. She wasn’t following the rules of society.“
Cheryl: „What rules?“
Larry: „The unwritten rules that we have as we go about our day.“
Cheryl: „Like what?“
Larry: „Like at night, you tiptoe. That’s an unwritten rule. You tiptoe, so you don’t wake people up. You tiptoe. There’s no sign ‚tiptoe‘, you just have to be smart enough and considerate enough to do it.“
