Meine Oscar-Tipps 2016

Update vom 29.02. ganz unten!

Heute Nacht werden in Hollywood zum 88. Mal die Academy Awards verliehen, besser bekannt als Oscars. Bei mir ist es schon seit vielen Jahren zur Tradition geworden, dass ich mir die Nacht um die Ohren schlage, um die Preisverleihung live im Fernsehen anschauen zu können. Ebenso ist es mittlerweile eine Tradition, dass ich hier im Blog vorher meine persönlichen Tipps abgebe. Wer wird die begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen dürfen? Gestützt auf eine umfassende Recherche wage ich hier meine Prognose. (Hier könnt ihr euch die Nominierungen anschauen.)

Bester Film
Acht Filme sind hier nominiert und keiner von ihnen ist ein glasklarer Favorit auf den Hauptpreis. Ein paar Tendenzen lassen sich aber natürlich dennoch erkennen. „Bridge of Spies“, „Brooklyn“ und „Room“ dürften ziemlich chancenlos sein. Ridley Scotts „The Martian“ war zwar bei Publikum und Kritikern ein Hit und dürfte auch in der Academy viele Fans haben, zum Oscar für den besten Film wird es aber vermutlich nicht reichen. Ähnlich verhält es sich bei „Mad Max: Fury Road“. Ich würde den Preis zwar am liebsten bei „Mad Max“ sehen, kann mir aber nicht vorstellen, dass die Academy hier einen Actionfilm auszeichnet.
„Spotlight“ wurde eine Weile als Favorit gehandelt, ebenso „The Big Short“. In den letzten Wochen sehen die meisten Experten jedoch „The Revenant“ vorne. Eigentlich wollte ich nicht auf „The Revenant“ tippen, weil „The Big Short“ sowohl bei den SAG-Awards als auch den Producers Guild Awards den Hauptpreis bekommen hat. Ich hatte hier ziemlich lange „The Big Short“ als Gewinner stehen, denn „The Revenant“ könnte ein Film sein, der die Academy aufgrund seiner Brutalität spaltet und so letztendlich nicht genug Stimmen sammeln kann, um auf Platz eins zu landen. Aber ich kam mir irgendwie blöd dabei vor, auf „The Big Short“ zu tippen. Also: „The Revenant“ (Arnon Milchan, Steve Golin, Alejandro G. Iñárritu, Mary Parent und Keith Redmon). (Wahrscheinlich gewinnt „Spotlight“ 😉 )
Gut möglich, dass ich diesen Blogpost vor der Oscar-Verleihung noch mal überarbeite und mich erneut umentscheide. Ich sollte einfach würfeln…

Bester Hauptdarsteller
Hier scheint das Rennen ziemlich klar zu sein: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Leonardo DiCaprio bei seiner sechsten Nominierung endlich ausgezeichnet werden wird. Auch Michael Fassbender hätte meiner Meinung nach endlich einen Oscar verdient (und seine Leistung in „Steve Jobs“ war auch preiswürdig), aber Leo ist hier der Favorit.

Beste Hauptdarstellerin
Auch hier sieht alles nach einem klaren Sieg aus. Genau wie DiCaprio wurde nämlich auch Brie Larson in dieser Preissaison bei den SAG-Awards, den Critics‘ Choice Awards und den BAFTAs ausgezeichnet. Für ihre Leistung in „Room“ hat sie Oscar auch vollkommen verdient. Cate Blanchett hat zudem schon zwei Oscars, Jennifer Lawrence hat auch schon einen und Charlotte Rampling hat sich leider mit ihrer missverständlichen Aussage zur #OscarsSoWhite-Debatte selbst aus dem Rennen geworfen.

Bester Nebendarsteller
Hier wird es wesentlich schwieriger als in den Hauptdarsteller-Kategorien. Mark Rylance wurde bei den BAFTAs ausgezeichnet, Sylvester Stallone bei den Critics‘ Choice Awards. Bei den SAG-Awards wiederum gewann der hier gar nicht nominierte Idris Elba für „Beasts of No Nation“. Wenn es nach mir ginge, würde der Oscar an Mark Ruffalo gehen, weil der in „Spotlight“ fantastisch war und eine Auszeichnung für ihn längst überfällig ist. Aber auch Mark Rylance hat mir in „Bridge of Spies“ sehr gut gefallen. Ich tippe dennoch auf Sylvester Stallone in „Creed“, bin mir aber hier alles andere als sicher.

Beste Nebendarstellerin
Nun wird es wieder einfacher. Alicia Vikander hat für ihre Rolle in „The Danish Girl“ sowohl bei den SAG-Awards also auch bei den Critics‘ Choice Awards gewonnen. Bei den BAFTAs wurde sie wohl nur deshalb nicht ausgezeichnet, weil sie dort nicht als Neben-, sondern als Hauptdarstellering nominiert war (und in diese Kategorie gehört ihre Rolle eigentlich auch). Ich bin zwar ein großer Fan von Rooney Mara („Carol“) und würde den Preis auch gerne bei Rachel McAdams („Spotlight“) sehen, aber ich tippe auf Alicia Vikander.

Beste Regie
Die größte Überraschung der diesjährigen Nominierungen war die Nichtbeachtung von Ridley Scott. Für „The Martian“ hatten ihm viele Kritiker sogar zugetraut, endlich den lange verdienten Oscar für die beste Regie zu bekommen, doch Scott wurde nicht einmal nominiert. Stattdessen findet sich Lenny Abrahamson („Room“) unter den fünf nominierten Regisseuren. Meiner Meinung nach hätte George Miller den Oscar für „Mad Max“ absolut verdient; die US-Filmkritiker sahen das genauso, denn
Miller wurde bei den Critics‘ Choice Awards ausgezeichnet. Bei den BAFTAs und bei der Preisverleihung des US-Regisseursgilde machte jedoch Alejandro G. Iñárritu das Rennen. Also tippe ich mal auf Iñárritu. Gegen ihn spricht höchstens, dass er bereits letztes Jahr gewonnen hat, was einige Mitglieder der Academy dazu bewegen könnte, eben nicht für ihn zu stimmen. Hm, schwierig, aber ich muss mich nun mal entscheiden.

Bester Animationsfilm
Nachdem Pixar mit „Inside Out“ („Alles steht Kopf“) zu alter Form aufgelaufen ist („Arlo & Spot“ wurde zurecht nicht nominiert), wird das Studio seiner beachtlichen Sammlung wohl einen weiteren Oscar hinzufügen können. Mir wäre es zwar lieber, wenn „Der Junge und die Welt“ den Preis erhielte, denn das würde diesen wirklich wunderbaren Animationsfilm mit einem Schlag mehr Bekanntheit verleihen, aber so wird es wohl leider nicht kommen. Also: „Inside Out“ (Pete Docter und Jonas Rivera)

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bester fremdsprachiger Film: „Son of Saul“ (László Nemes)
Bestes adaptiertes Drehbuch: Charles Randolph und Adam McKay für „The Big Short“
Bestes Originaldrehbuch: „Spotlight“ (Tom McCarthy und Josh Singer).
Beste Ausstattung (Production Design): „Mad Max: Fury Road“ (Colin Gibson und Lisa Thompson)
Beste Kamera (Cinematography): Emmanuel Lubezki für „The Revenant“ – Es wäre für Lubezki nach „Gravity“ und „Birdman“ die dritte Auszeichnung in Folge!
Bester Ton (Sound Mixing): „Mad Max: Fury Road“ (Chris Jenkins, Gregg Rudloff und Ben Osmo)

Bester Tonschnitt (Sound Editing): „The Revenant“ (Martin Hernández und Lon Bender) – Es ist vielleicht nicht klug, die beiden Tonkategorien auf zwei Filme zu verteilen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass „The Revenant“ in mindestens einer dieser Kategorien gewinnen wird. Pech für mich wäre es nur, wenn die Verteilung genau anders herum ausfällt und ich damit in keiner der beiden Kategorien richtig liege.
Beste Musik: So sehr ich es John Williams auch wünschen würde, bei seiner 50. (!) Nominierung ausgezeichnet zu werden – und das auch noch für einen „Star Wars“-Film – es wird wohl auf einen anderen Altmeister hinauslaufen: Ennio Morricone für „The Hateful Eight“.
Bestes Lied: Ich würde den Oscar Sam Smith und Jimmy Napes für „Writing’s On The Wall“ geben, der inzwischen mein Lieblings-Bond-Song ist. Aber Lady Gaga rührt für ihren Song zur Dokumentation „The Hunting Ground“ seit Wochen die Werbetrommel und außerdem würde ich mich auch freuen, wenn Diane Warren endlich einen Oscar bekommt. Ich tippe also auf den Song „Til It Happens to You“ aus „The Hunting Ground“ (Lady Gaga und Diane Warren). („The Hunting Ground“ ist übrigens sehr sehenswert und bei Netflix verfügbar.)
Beste Kostüme: „Mad Max: Fury Road“ (Jenny Beavan)
Beste Dokumentation: Asif Kapadia und James Gay-Rees für „Amy“
Beste Kurzdokumentation: „Body Team 12“
(David Darg und Bryn Mooser) – Hier habe ich natürlich keine Ahnung; viele Experten setzen auch auf „Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah“.

Bester Schnitt: „Mad Max: Fury Road“ (Margaret Sixel)
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Mad Max: Fury Road“ (Lesley Vanderwalt, Elka Wardega und Damian Martin)
Bester animierter Kurzfilm: Viele Experten setzen hier auf „Bear Story“. Aber da „Sanjay’s Super Team“ ein Pixar-Film ist, tippe ich auf ihn (Nicole Paradis Grindle und Sanjay Patel). Auf den setzen auch noch mehr Experten. 😉
Bester Kurzfilm: Auch hier gilt: Ich habe keine Ahnung. Nehmen wir also „Ave Maria“ (Eric Dupont und Basil Khalil).
Beste visuelle Effekte: Ich kann nicht anders, ich muss einfach in wenigstens einer Kategorie auf „Star Wars“ tippen. Und da das hier die Kategorie zu sein scheint, in der „Das Erwachen der Macht“ die besten Chancen hat, tippe ich also auf „Star Wars: The Force Awakens“ (Chris Corbould, Roger Guyett, Paul Kavanagh und Neal Scanlan), auch wenn die Chancen für „Mad Max“ vielleicht sogar noch besser sind.


Meiner Prognose zufolge würden also sowohl „The Revenant“ als auch „Mad Max“ jeweils fünf Oscars bekommen.


 

Update am 29.02.2016:

So, nachdem ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen und anschließend den ganzen Vormittag geschlafen habe, bin ich nun wieder ausgeruht. Insgesamt habe ich dieses Jahr in 16 von 24 Kategorien richtig getippt und damit die gleiche Trefferquote erzielt wie 2015 (hier könnt ihr die Gewinner nachlesen). Hätte ich mich mal nicht dazu verleiten lassen, auf „The Revenant“ und auf Sylvester Stallone zu setzen! „Star Wars“ hat leider gar keinen Oscar bekommen; aber wenn ich bei den Effekten nicht auf „Star Wars“ getippt hätte, wäre ich trotzdem falsch gelegen (ich hätte dann nämlich auf „Mad Max“ gesetzt, gewonnen hat aber „Ex Machina“).
„Mad Max: Fury Road“ hat mit sechs Oscars die meisten Preise abgeräumt, „The Revenant“ folgt mit drei (DiCaprio/Hauptrolle, Iñárritu/Regie, Lubezki/Kamera). Bester Film ist „Spotlight“, der daneben nur noch den Preis für das beste Originaldrehbuch gewinnen konnte. Neben „Star Wars“ gingen auch „Der Marsianer“, „Carol“ und „Brooklyn“ leer aus.


Die Oscar-Show war ganz nett und Chris Rocks Moderation sicher besser als die öde Show, die Neil Patrick Harris im letzten Jahr abgeliefert hat. Dass die #OscarsSoWhite-Debatte eine Rolle spielen würde, war zu erwarten gewesen. Dass sie aber fast die ganze Show durchzogen hat, dürfte manche Zuschauer etwas genervt haben. Trotzdem finde ich es richtig. Und es war ja nicht die einzige politische Botschaft, die eine große Rolle spielte. In den Reden mehrerer Presenter und Gewinner fanden sich Seitenhiebe gegen Donald Trump, ein paar Mal wurde  offen davor gewarnt, ihn zu wählen (allerdings ohne dass sein Name auch nur einmal genannt wurde). Leonardo DiCaprio richtete den eindringlichen Appel an die Zuschauer, sich durch ihr Handeln aktiv für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen.
Doch in ihrer emotionalen Wirkung verblassten all diese Appelle und Warnungen geradezu gegenüber dem Auftritt von Lady Gaga, die „Til It Happens to You“ sang und dabei anfangs sichtbar gegen die Tränen kämpfte. Schnell verwandelte sie diese Schwäche aber in eine unglaubliche Stärke und als dann zum Ende des Liedes hin eine Gruppe von weiteren Opfern sexuellen Missbrauchs auf die Bühne kam, auf deren Unterarme positive Ausdrücke wie „survivor“ oder „not your fault“ geschrieben standen, trieb das auch einigen der anwesenden Filmstars die Tränen in die Augen. Von der emotionalen Wucht und politischen Bedeutung her erinnerte das an die Performance des Songs aus „Selma“ im letzten Jahr, allerdings mit dem Unterschied, dass „Til It Happens to You“ anschließend nicht als bester Song ausgezeichnet wurde. Dieser Preis ging an den Bond-Song „Writing’s on the Wall“, aber auch ohne Auszeichnung hat Lady Gaga in dieser Show einen starken und bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

„The Visit“ von M. Night Shyamalan

M. Night ShyamalanDer Name M. Night Shyamalan auf einem Filmplakat löst bei Filmfans unterschiedliche Reaktionen aus. Diese reichen von freudiger Erwartung bis hin zu empörter Abwendung. Zugegeben, mehr und mehr frühere Fans neigen in den letzten Jahren eher zu letzterer Reaktion, hat der nach „The Sixth Sense“ (1999) als neues Regie-Wunder gefeierte Shyamalan doch spätestens mit „Die Legende von Aang“ („The Last Airbender“, 2010) und „After Earth“ (2013) zwei Filme abgeliefert, die sich selbst eingefleischte Fans nicht mehr schönreden konnten. Ich persönlich habe den Regisseur zumindest bis „The Happening“ (2008) immer gegen die meiner Meinung nach zu scharfe Kritik an seinen Filmen verteidigt. „Unbreakable“ (2000) halte ich für ein kleines Meisterwerk und zähle „The Village“ (2004) zu meinen Lieblingsfilmen. Dass ich „Lady in the Water“ („Das Mädchen aus dem Wasser“, 2006) und „The Happening“ aber jeweils nur einmal gesehen habe und seitdem nicht mehr zu ihnen zurückgekehrt bin, zeigt vielleicht schon, dass auch ich Angst habe, diese Filme könnten bei einer zweiten Sichtung in einem ganz anderen Licht erscheinen und viel von der Faszination verlieren, die sie auf mich ausgeübt haben. „After Earth“ war schließlich einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe – das muss ich einfach so sagen und diesen Film will ich auch ganz bestimmt kein zweites Mal sehen.
Trotzdem bin ich auf jeden neuen Film von Shyamalan gespannt. Der Mann hat schließlich schon mal bewiesen, was er draufhat und es könnte ja sein, dass ihm eines Tages wieder ein so meisterhaft inszenierter, atmosphärisch dichter und hervorragend gespielter Film gelingt, wie es in der Schaffensphase von „The Sixth Sense“ bis „The Village“ der Fall war. Nun, sein neuester Film „The Visit“, der am 4. Februar auf DVD und Blu-ray erscheint, ist kein solcher Film – und ist dennoch keine Enttäuschung.
The Visit - Blu-rayNachdem anscheinend niemand mehr in Hollywood bereit ist, Shyamlan größere Geldsummen für einen Film zur Verfügung zu stellen, hat dieser aus der Not eine Tugend gemacht und „The Visit“ als Found Footage-Film gedreht, was bedeutet: Es darf hier nicht nur billig und amateurhaft aussehen, sondern das ist sogar gewollt. Der Film erzählt die Geschichte der 15-jährigen Rebecca (Olivia DeJonge) und ihres 13-jährigen Bruders Tyler (Ed Oxenbould). Die beiden besuchen für eine Woche ihre Großeltern, die sie nie zuvor getroffen haben, da Rebeccas und Tylers Mutter (Kathryn Hahn) als 19-Jährige den Kontakt zu ihnen abgebrochen hat. Den genauen Grund dafür verschweigt sie ihren Kindern, will ihnen aber den Wunsch nicht verwehren, die Großeltern endlich kennen zu lernen. Da sie und ihr Lebensgefährte eine Kreuzfahrt machen, kommt es ihr sowieso gerade recht, dass sie die Kinder für eine Woche dort unterbringen kann. Sie setzt Rebecca und Tyler also in den Zug und die beiden machen sich auf zu Oma und Opa (Peter McRobbie und Deanna Dunagan). Die Hobbyfilmerin Rebecca will die Chance nutzen und eine Dokumentation über das Zusammentreffen mit ihren Großeltern drehen. Insgeheim hofft sie dabei, den Grund für das plötzliche Ausreißen ihrer Mutter aus dem Elternhaus und den folgenden Kontaktabbruch herauszufinden.
Doch erst einmal machen sie und ihr Bruder ganz andere Entdeckungen. Die zunächst so sympathisch wirkenden Großeltern lassen nach und nach immer mehr seltsame, erschreckende und verstörende Seiten erkennen. Die Oma kotzt nachts in den Hausflur, rennt wie wahnsinnig durchs Haus und kratzt nackt an der Tür; der Opa wiederum werkelt tagsüber in einem Schuppen, zu dem er niemand anderem Zutritt gewährt und hat gelegentliche Anfälle von Verwolgungswahn. Rebecca und Tyler bekommen es allmählich mit der Angst zu tun und fragen sich, was mit ihren Großeltern los ist.

The Visit 2Bei „The Visit“ hat Shyamalan nicht nur kein zweistelliges Millionenbudget mehr zur Verfügung, auch sonst ist der Film in vielfacher Hinsicht sehr reduziert gehalten. Es gibt nur wenige Darsteller und der Großteil der Handlung spielt sich im bzw. um das Farmhaus der Großeltern ab. Gefilmt ist das alles wie gesagt im Found Footage-Stil, da der Film die Illusion vermitteln will, gänzlich aus dem von Rebecca gefilmten Material zusammen geschnitten worden zu sein. (Ob es sich tatsächlich um Found Footage handelt, sprich: ob jemand anderes das Material gefunden und geschnitten hat oder aber ob Rebecca die Arbeit an ihrem Film selbst beendet hat, kann man natürlich nicht verraten, ohne zu spoilern.) Diese Illusion wird auch recht überzeugend aufrecht erhalten und so fängt die Kamera hier das Geschehen schon mal auf einem Geländer oder auf der Arbeitsplatte in der Küche liegend ein. Viel unglaubwürdiger als das Found Footage-Konzept ist an dem Film sowieso die Tatsache, dass zwei Teenager sich voller Vorfreude auf die Fahrt zu ihren Großeltern machen, die sich noch nie gesehen haben und bei denen sie eine ganze Woche bleiben sollen…
Doch abgesehen von dieser Ausgangssituation sind die Charaktere glaubwürdig und der Film ziemlich unterhaltsam. Wie Tyler seiner Oma spontan seine Rap-Künste demonstriert und sich die Kinder darüber aufregen, dass es kein WiFi im Haus gibt, das wirkt lebensnah. Die Beiden scheinen anfangs gut mit ihren Großeltern auszukommen. Auch die ersten Anzeichen seltsamen Verhaltens bei den Großeltern werden auf Nachfragen der beiden Kinder von den Großeltern plausibel mit körperlichen und psychischen Krankheiten begründet. Die Großmutter habe einfach einen kurzen, aber schweren Magen-Darm-Infekt gehabt, erklärt der Opa zum Beispiel nach der ersten Nacht im Haus.

The Visit 4Horrorfilme thematisieren häufig auf die eine oder andere Weise das Verhältnis des Menschen zu seinem eigenen Körper. Zombies, Werwölfe oder die allmähliche Verwandlung eines Menschen in ein Insekt stehen als Metaphern für die Angst vor dem Verfall des Körpers und das Unbehagen, das oft mit körperlichen Veränderungen einhergeht – ganz besonders mit solchen, die den Körper schwach und gebrechlich machen. Bei „The Visit“ braucht man nicht viel herum deuten, um auf eine solche Lesart zu kommen, denn sie ist in den Film bereits eingebaut. Tyler und Rebecca versuchen sich nach ihrer ersten Panik zu beruhigen, indem sie das Verhalten der Großeltern schlicht als normales Verhalten alter Menschen (also: von Menschen mit alten Körpern) interpretieren. Im Alter leiden Menschen nun einmal häufiger unter Schlafstörungen, Inkontinenz oder Gedächtnislücken und sie entwickeln Verhaltensweisen und Vorstellungen, die anderen, jüngeren Menschen seltsam vorkommen können. All dies kommt auch in „The Visit“ vor, nur scheinen die Alten hier tatsächlich einfach nur alt zu sein und das Grauen nicht von der Verwandlung des Körpers in einen Werwolf zu kommen, sondern einfach von den natürlichen Begleiterscheinungen des Alterns. Auch in dieser Hinsicht ist „The Visit“ ein aufs Wesentliche reduzierter Horrorfilm: Wer braucht schon Zombies, wenn die realen Begleiterscheinungen des Alters genauso grauenvoll sein können?
(Und was mir außerdem aufgefallen ist: Jedesmal, wenn die Oma den Kindern eine plausible Erklärung für das seltsame Verhalten des Opas liefert, lenkt sie danach vom Thema ab, indem sie vom Essen spricht – was ja wieder in direktem Bezug zum Körper steht.)

Ihr merkt schon, der Film hat mich zum Nachdenken gebracht, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Aber ich hatte auch Spaß. „The Visit“ ist definitiv kein Film, der sich selbst zu ernst nimmt, sondern sich der Tatsache bewusst ist, dass er Themen und Motive aufgreift, die im Horrorgenre ein alter Hut sind. Zwar bin ich mir nicht sicher, ob die Komik des Films nicht manchmal eine unfreiwillige ist, insgesamt ist es aber ein gutes Zeichen, dass Shyamalan inzwischen fähig zu sein scheint, so etwas wie Selbstironie in seine Filme einzubauen und nicht mehr alles so bierernst zu nehmen. Nur so ist es auch möglich, tatsächlich eine Szene im Film zu haben, in der die Großmutter ihre Enkelin bittet, in den Ofen zu kriechen, um ihn zu putzen. Das ist gruselig, gerade weil man weiß worauf hier Bezug genommen wird und genau deswegen darf man auch lachen (und kann sich trotzdem gleichzeitig noch gruseln).
The Visit 3Man darf also aufatmen: Shyamalans neuester Film ist kein erneuter Griff ins Klo. „The Visit“ hält durchgehend eine bedrohliche Atmosphäre aufrecht, hat einige kreative Einfälle zu bieten und punktet mit überzeugenden Schauspielleistungen (ganz besonders Deanna Dunagan merkt man an, wie viel Spaß es ihr macht, hier eine verrückte, alte Großmutter zu spielen und dabei einige Klischees des Horrorfilms durchzuexerzieren). Das Ende mag zwar nicht jeden Zuschauer befriedigen und ist ganz bestimmt nicht so verblüffend wie einst bei „The Sixth Sense“ oder „Unbreakable“,
muss es aber auch gar nicht sein. Eine künstlerische Weiterentwicklung stellt der Film für Shyamalan zwar nicht dar, aber nach den schrecklichen letzten Filmen ist sein back to basics-Ansatz – ob nun gewollt oder aus Sparzwang resultierend – trotzdem eine gute Entscheidung gewesen. Mit „The Visit“ erfindet er das Rad nicht neu, aber Shyamalan erinnert uns endlich wieder an seine Stärken als Filmemacher. Zugegeben, ich finde den Film vielleicht zum Teil deswegen gut, weil er eben auf (mindestens) zwei wirklich schlechte Filme folgt; aber trotzdem: wenn Shyamalan sich bei seinem nächsten Film auf dieselben Stärken besinnt, erneut die Fähigkeit zur Selbstironie zeigt und ein paar mehr kreative Risiken eingeht, dann könnte das Ergebnis ein noch besseres sein. Und irgendwann könnte es dann so weit sein, dass man sich auf einen neuen Shyamalan-Film wieder uneingeschränkt freuen kann. Das ist momentan noch schwer vorstellbar, doch mit „The Visit“ ist der Regisseur schon mal auf dem richtigen Weg.

Bilder: Copyright Universal Pictures

Podcasts zu „Star Wars: The Force Awakens“

Update: Ich habe den Beitrag am 25.12.2015 aktualisiert. Seit der ersten Veröffentlichung des Blogposts haben der „Incomparable“ und „Rebel Force Radio“ weitere Podcast-Folgen zu „The Force Awakens“ veröffentlicht; außerdem habe ich das Video von der Diskussionsrunder der Jedi-Bibliothek neu mit eingebunden.

Wer liebt es nicht, nach einem Kinobesuch ausgiebig über das Gesehene zu diskutieren und Fan-Theorien zu spinnen? Auf der ganzen Welt tun alte wie neue „Star Wars“-Fans derzeit genau das – und weil ich das nicht nur selbst gerne tue, sondern auch gerne anderen dabei zuhöre, habe ich hier mal die Links zu einigen aktuellen Podcast-Folgen zusammen getragen, die sich mit der neuen „Star Wars“-Episode beschäftigen. Ich habe noch nicht alle davon selbst angehört und die Liste ist selbstverständlich auch nur ein kleiner Ausschnitt aus den unzähligen Film-/Star Wars-/Popkultur-Podcasts im Internet, die sich derzeit mit dem Thema beschäftigen (evtl. werde ich den Blogpost aktualisieren, wenn ich auf weitere interessante Podcasts stoße).

Der Incomparable-Podcast hat in vier verschiedenen Episoden über den Film diskutiert (Nr. 277-280 – davor gab es bereits mehrere Folgen, die die Trailer zum Film und die allgemeine Erwartungshaltung thematisierten).

ForceCast (Podcast von theforce.net) #376.

Echo Base (Spin-Off des ForceCast) #42.

Jedi Journals (weiterer ForceCast-Spin-Off, der sich mit „Star Wars“-Literatur beschäftigt und in der Folge „The Force Awakens Microcast“ die Verbindungen zwischen den neuen Romanen und Jugendbüchern zum Film thematisiert).

Full of Sith, Episode CXLVI.

Rebel Force Radio – hier gibt es bislang drei „Review Shows“ zum Film.

Empire Podcast (mit einem Interview mit Drehbuchautor Lawrence Kasdan).

Star Wars Underworld Podcast – hier sind bislang zwei Episoden nach dem Filmstart erschienen, ein „Reaction Special“ und ein Crossover mit den Intergalactic Peace Coalition Podcasts, in dem der Film ausführlich besprochen wird.

Star Wars Report – hier beschäftigt sich, wenn ich das richtig überblicke, Folge 200 mit dem Film (und ist sowohl als Audio-Pocast als auch als Video verfügbar).

The Awards Show Show – hier wird ein bisschen über die Oscar-Chancen des Films spekuliert.

Dann habe ich hier noch das Video der Round Table-Discussion der Redaktion von The Verge:

Im deutschen Sprachraum haben unter anderem die Consulting Nerd Girls in einem Google Hangout über den Film diskutiert:

Auch die Jedi-Bibliothek hat auf YouTube eine Diskussion zum Film hochgeladen:

Und als Zuckerl zum Abschluss das Video einer Diskussion mit J.J. Abrams und Lawrence Kasdan, das die Director’s Guild of America veröffentlich hat (das Gespräch wurde glaube ich nach dem Filmstart geführt, ich bin mir aber nicht sicher, da ich das Video noch nicht angeschaut habe):

 

Star Wars: The Force Awakens

Der folgende Text verrät zentrale Handlungselemente des Films und enthält große Spoiler!

20151216_233353_resized (2)Letzte Nacht hatte das jahrelange Warten ein Ende. Ich habe die siebte „Star Wars“-Episode in der Mitternachtspremiere gesehen – und ich war begeistert. Bevor ich den Film in ein paar Stunden zum zweiten Mal anschaue, will ich hier noch meine Eindrücke festhalten. Ich warne allerdings noch einmal alle Leser, die den Film noch nicht gesehen haben: lest nicht weiter, ihr verderbt euch sonst einen Großteil des Spaßes!

Das größte Kompliment, das ich dem Film machen kann, ist vielleicht, dass ich die alten Helden zu Beginn überhaupt nicht vermisst habe. Bevor Han Solo zum ersten Mal aufgetaucht ist, hatte ich eine zeitlang sogar völlig vergessen, dass Han, Leia und Luke ja auch im Film vorkommen! Die neuen Figuren sind wirklich in allen Bereichen – Charakterzeichnung, Schauspiel, Chemie zwischen den Darstellern – hervorragend gelungen. Insbesondere dass es eine weibliche Hauptfigur gibt und wie mit dieser Tatsache umgegangen wird, fand ich sehr gelungen. Das hat ein oder zwei Mal bei mir Erinnerungen an die Szene in Casino Royale geweckt, in der James Bond gerade von Vesper Lynd das Leben gerette wurde, aber ER sich sofort bei IHR erkundigt, ob sie in Ordnung sei.

Lawrence Kasdan und J.J. Abrams haben in Interviews mehrmals betont, sie hätten mit Kylo Ren einen Bösewicht erschaffen, wie es ihn im „Star Wars“-Universum noch nicht gab. Das habe ich für Marketinggeschwätz gehalten, doch es stimmt tatsächlich. Kylo Ren ist irgendwo zwischen dem Darth Vader aus der Original-Trilogie und dem Anakin Skywalker aus Episode II und III angesiedelt. Er hat die dunkle Seite der Macht noch längst nicht so gut im Griff wie ein ausgebildeter Sith Lord und bekommt immer wieder Tobsuchtsanfälle wie ein launischer Teenager. Dass er in seiner Wut schon mal um sich herum alles kurz und klein hackt, macht ihn menschlich. Sein Untergebener General Hux war zwar weniger zu sehen, versprühte in der Szene, in der er vor dem versammelten First Order eine flammende Rede hält, aber so viel Hass, dass ich es richtig mit der Angst zu tun bekommen habe.

Eine weitere Figur, die mir sehr gut gefallen hat, war Maz Kanata. Sie wurde per Motion Capture-Verfahren zum Leben erweckt, stammt also teilweise aus dem Computer. Dennoch hat sie sich ganz in den „handgemachten“ Look des Films eingefügt. Supreme Leader Snoke dagegen wirkt sehr künstlich, was aber wohl eine bewusste Entscheidung ist, schließlich ist er lediglich als Hologramm zu sehen.

Der Film hat zwar durchaus ernste und düstere Stellen, macht aber insgesamt sehr viel Spaß und man merkt den Dialogen deutlich an, dass hier derselbe Drehbuchautor am Werk war, der auch schon „The Empire Strikes Back“  geschrieben hat. So waren die erinnerungswürdigsten Szenen auch stets die ruhigen character pieces, weniger die großen Actionszenen. Meine Lieblingsszene war die letzte gemeinsame Szene zwischen Han und Leia.

Die zahlreichen inhaltlichen Parallelen zu den alten Filmen fand ich größtenteils sehr gelungen. Nur dass es wieder eine riesige Superwaffe gibt, hat mich ein wenig gestört. Diese wird zuerst bedrohlich angekündigt (und zerstört ja auch ein ganzes Planetensystem), ist dann aber plötzlich doch keine so große Bedrohung mehr und wird recht schnell und unspektakulär in einer Schlacht zerstört, die wenig im Gedächtnis bleibt. (Vielleicht gehört das einfach zu den Schwächen des Imperiums bzw. First Order – dass sie in ihrer grenzenlosen Arroganz und mit scheinbar unerschöpflichen Mitteln riesige Superwaffen bauen und es ihnen dabei egal ist, wenn diese in kürzester Zeit zerstört werden können. Man kann ja noch eine bauen.)

Auch das Lichtschwertduell am Ende des Films habe ich gar nicht mehr so genau im Kopf. Aber die Wendung, dass es dann eben doch Rey ist (und nicht Finn), die gegen Kylo Ren kämpft, hat mir gut gefallen. Obwohl Han Solo ja meine Lieblingsfigur im „Star Wars“-Universum ist, hat mich sein Tod nicht geschockt, weil ich ihn ganz einfach schon habe kommen sehen. Das Drehbuch soll ja extra umgeschrieben worden sein, um Harrison Ford eine größere Rolle zu geben. Ich nehme mal an, dass Ford unter der Bedingung zugesagt hat, dass er noch einmal eine wichtige Rolle spielen darf und einen würdigen, dramatischen Abgang bekommt (den er ja eigentlich schon in Episode VI haben wollte). In dem Moment, wo sich im Film Chewie und Han trennen, um die Sprengladungen anzubringen, wusste ich, dass einem von ihnen gleich etwas zustoßen würde. Und als Han dann am Ende des langen Steges stand, war mir klar, dass Kylo Ren ihn mit dem Lichtschwert durchbohren würde. Was war das übrigens für eine von Adam Driver phantastisch gespielte Szene! Für einen kurzen Moment konnte man wirklich glauben, er würde seinem Vater folgen und die Zerrissenheit in ihm war deutlich zu spüren. Ich finde es übrigens sehr schön, dass es ein paar Elemente des alten Expanded Universe in den Film geschafft haben – insbesondere die Tatsache, dass Han und Leias Sohn der dunklen Seite verfallen ist. (Nur ist das jetzt ziemlich verwirrend: Ben war ja bisher der Vorname von Lukes Sohn.)

20151216_230830_resized (2)Ein klein wenig enttäuscht war ich ausgerechnet von der Musik. Ich bin ein großer Filmmusik- und noch größerer John Williams-Fan. Seine Scores zu den alten Filmen kann ich schon fast auswendig mitsummen. Hier ist mir aber keines der neuen Themen in Erinnerung geblieben. Dieser Kritikpunkt ist zugegeben vielleicht etwas unfair, schließlich kann man sich beim ersten Anschauen eines Films, der so viele Reize bietet, ja gar nicht ständig auf die Musik konzentrieren (und soll das auch gar nicht). Spätestens morgen werde ich die Soundtrack-CD in den Händen halten und kann mich ausführlicher mit der Musik befassen. Positiv aufgefallen sind mir jedenfalls der passende Einsatz von Leias Thema und des Force Themes in entscheidenden Momenten des Kampfes zwischen Rey und Kylo Ren. Meine Erwartung, John Williams würde als Ersatz für die nun ja wegfallende Fox-Fanfare eine eigene Lucasfilm-Fanfare komponieren, hat sich übrigens nicht erfüllt. Statt dessen beginnt der Film mit völliger Stille während des Lucasfilm-Logos, was aber auch passend ist.

Der Film lässt viele Fragen offen, nicht nur die Zukunft betreffend, sondern auch die Vergangenheit. Wie genau hat sich zum Beispiel Ben Solos Fall zur dunklen Seite abgespielt? Ich kann es kaum erwarten, all die Romane und Kurzgeschichten zu lesen, die dieses und andere Ereignisse aus den 30 Jahren zwischen den Episoden VI und VII behandeln. Vielleicht wird einiges davon ja bereits in der Romanadaption des Films klarer.

Zu den weiteren wichtigen offenen Fragen gehören folgende: Wer ist Supreme Leader Snoke und wie sieht er wirklich aus? Ist es womöglich Luke Skywalker? Das würde den Gerüchten entsprechen, Luke sei auf die dunkle Seite gewechselt und wäre eine schöne Anlehnung an die Prequel-Trilogie, wo Palpatine in einer ähnlichen Rolle ja auch beide Seiten des galaktischen Konflikts zugleich angeführt hat. (Allerdings glaube ich nicht, dass diese Gerüchte der Wahrheit entsprechen und kann mir auch nicht vorstellen, wie Lukes Hinwendung zur dunklen Seite nachvollziehbar erklärt werden könnte.) Gibt es einen weiteren Enkel von Darth Vader? Daisy Ridley könnte rein optisch auf jeden Fall sehr gut als Verwandte von Natalie Portman durchgehen… Wer sind denn nun eigentlich die „Knights of Ren“? Hat Snoke diesen Orden gegründet? Wie viele Mitglieder hat er? Um wen handelt es sich bei der von Max von Sydow gespielten Figur? Gut möglich, dass er einen alten Jedi gespielt hat, aber Kanan aus „Rebels“ war es wohl doch nicht. Und – last but not least – inwiefern ist denn nun die Macht eigentlich genau erwacht und was für Konsequenzen hat das?

Der obligatorische „Star Wars“-Blogpost vor dem Filmstart

Da ich selbst sehr wenig über „The Force Awakens“ weiß, enthält dieser Blogpost keine großen Spoiler zum Film. Ich erwähne aber einige (wenige) Gerüchte, die ich mitbekommen habe und die möglicherweise zutreffen. Wer also in dieser Hinsicht hundertprozentig sicher gehen und wirklich gar nichts über die Handlung erfahren will, der sollte den Text besser nicht lesen. Aber wie erwähnt enthält er sicher keine großen Spoiler.

Es sind nicht mal mehr drei Wochen, bis „Star Wars: Episode VII – The Force Awakens“ (ich verwende im Gegensatz zur Marketingkampagne hier mal den vollen Titel) ins Kino kommt. Ich habe natürlich bereits Tickets und werde den Film in der Mitternachtspremiere sowie ein zweites Mal am Abend des Starttags anschauen (und wahrscheinlich noch ein paar Mal öfter). Natürlich wird es danach hier einen Blogpost zum Film geben, aber ich habe mir auch seit Wochen schon vorgenommen, ein bisschen was zu meinen Wünschen, Erwartungen, Hoffnungen und auch Befürchtungen hinsichtlich des Films zu schreiben, bevor ich ihn gesehen habe. Das ist also nun dieser Blogpost.

Seit dem im April veröffentlichten zweiten Teaser-Trailer habe ich mir keinen der Trailer und TV-Spots mehr angesehen (wenn man mal von dem nur wenige Sekunden dauernden Teaser auf Instagram absieht). Natürlich habe ich es nicht völlig vermeiden können, hier und da ein paar Screenshots aus den Trailern zu sehen und als ich mir den neuen James Bond-Film im Kino angeschaut habe, musste ich die Augen schließen und mir die Ohren zuhalten, als vor dem Film der „Star Wars“-Trailer lief (gesehen habe ich dabei wirklich nichts, aber die Sound-Anlage des Kinos hatte einfach zuviel Wucht, also habe ich zwar alles gehört, viele der Dialogfetzen aber inzwsichen wieder vergessen).

Meine Erwartungen und Hoffnungen

Ich bin also relativ ungespoilert und habe zwar auch ein paar Gerüchte über die Handlung gelesen, zum Glück konnte ich mich aber meistens zurückhalten und kenne keine großen Spoiler. Was erwarte ich mir also von „The Force Awakens“? Nun, in erster Linie natürlich einen spannenden, humorvollen Film, der die in den ersten sechs Filmen (nicht nur der Original-Trilogie!) begonnene Geschichte sinnvoll fortsetzt und dabei neue, interessante Figuren einführt. Persönlich finde ich es etwas schade, dass man sich anscheinend doch nicht auf die Handlungsentwürfe von George Lucas gestützt hat. Aber andererseits kann ich das auch akzeptieren, da George Lucas „Star Wars“ nun einmal abgegeben hat und es früher oder später sowieso neue Filme ganz ohne seine Beteiligung gegeben hätte. Was den Look und das Feeling des Films betrifft, muss man sich wohl keine Sorgen machen (jedenfalls, wenn man der Marketingkampagne trauen darf); der Film wird nach klassischem „Star Wars“ aussehen und sich hoffentlich auch so anfühlen.
Ich wünsche mir allerdings, dass trotz aller optischen, emotionalen und inhaltlichen Verweise auf die Original-Trilogie auch die Prequels nicht ignoriert werden. Das muss ja nicht gleich dadurch geschehen, dass man Jar Jar Binks zum bösen Mastermind macht, der hinter den Kulissen die Fäden zieht (tatsächlich ein Gerücht, das in letzter Zeit die Runden machte). Mir würden es schon reichen, wenn man zum Beispiel ein paar aus den Prequels bekannte Alienrassen im Film sieht oder einen aus den Prequels bekannten Planeten besucht (wohl eher unwahrscheinlich). Eines der wenigen Gerüchte, die ich mitbekommen habe, besagt, dass ein Stab von Darth Plagueis (dem Meister von Darth Sidious) im Film vorkommt. Was immer es mit diesem Stab genau auf sich hat, ich würde das jedenfalls sehr begrüßen, weil es eine Brücke zurück zu den Prequels (und sogar in die Zeit davor) schlagen würde.
Natürlich hoffe ich auch, dass Han, Luke und Leia einen genügend großen Platz in der Handlung einnehmen werden. Zumindest was Han Solo betrifft, muss ich mir da wohl keine Sorgen machen. Das Drehbuch wurde angeblich extra umgeschrieben, um ihn zu einer der Hauptfiguren des Films zu machen. Luke Skywalker dagegen scheint in „The Force Awakens“ kaum mehr als einen größeren Cameo-Auftritt zu haben – zumindest stelle ich mich darauf mal ein. Gerüchten zufolge handelt der Film von der Suche nach Luke, der wohl – warum bloß? – ein Einsiedlerdasein führt.
Auch Lukes Lichtschwert (das einmal Anakin gehörte und in Episode IV von Obi-Wan an Luke weitergegeben wurde) soll eine wichtige Rolle im Film spielen. Ist es ein Gegenstand, nach dem die Charaktere suchen? Ist die Suche nach dem Lichtschwert mit der Suche nach Luke Skywalker verbunden? In diesem Zusammenhang fällt mir auch wieder ein, dass ich 2014 mal zufällig etwas darüber gelesen habe, dass Lukes Lichtschwert in der ersten Szene des Film zu sehen sein soll. Ich stelle mir das ziemlich cool vor: Die bekannte Titelmelodie ertönt, drei Absätze gelben Texts schweben an uns vorbei und die Kamera schwenkt schließlich nach unten, worauf ein Raumschiff vorbei zu ziehen beginnt. Erst nach und nach realisiert man, dass man da gar kein Raumschiff sieht, sondern einen durchs Weltall schwebenden Lichtschwertgriff. Wahrscheinlich geht der Film ganz anders los, aber eine nette Idee wäre das schon.
Noch mehr als auf ein Wiedersehen mit bekannten Figuren freue ich mich aber auf den neuen, wieder von John Williams komponierten Soundtrack. Und wo ich gerade schon bei der Filmmusik bin: Da „Star Wars“ nun bei Disney zuhause ist, wird der neue Film natürlich nicht mehr wie gewohnt mit der Fanfare von 20th Century Fox und dem dazugehörigen Logo beginnen. Das Disney-Logo wird es zwar wahrscheinlich auch nicht zu sehen geben (das taucht ja bei den Marvel-Filmen auch nicht auf), aber ich bin schon sehr gespannt darauf, ob John Williams eine neue Lucasfilm-Fanfare komponiert hat, die wir in Zukunft vor allen Filmen der Reihe (und zum Beispiel auch am Anfang eines neuen Indiana Jones-Films) hören werden.

Meine Befürchtungen

Trotz allem Enthusiasmus und der riesigen Vorfreude, die die geschickt auf Fans der Original-Filme zielende Werbekampagne auch bei mir ausgelöst hat, muss ich hier auch das tun, was Luke Skywalker tun musste – mich meinen Ängsten stellen. Was also, wenn der Film nicht gut wird? (Ein paar gute Ratschläge für diesen schrecklichen Fall gibt es hier.) Das mag ich mir gar nicht vorstellen und ich bin bislang davon überzeugt, dass „The Force Awakens“ zumindest kein totaler Reinfall wird. Von den wenigen inhaltlichen Details, die ich bisher mitbekommen habe, bereiten mir allerdings manche Anlass zur Sorge. J.J. Abrams, Kathleen Kennedy, sämtliche Schauspieler und die ganze Marketingmaschine überhaupt werden ja nicht müde zu betonen, dass der Film optisch, inhaltlich und eben „vom Feeling her“ ganz klar an die alten Filme anschließt. Doch genau darin könnte auch ein Problem liegen.
Ich frage mich nämlich inzwischen, ob die Macher nicht zu krampfhaft versucht haben, die Erfolgsformel der Originaltrilogie wieder aufleben zu lassen. Mir geht es dabei vor allem im Inhaltliches. Das Filmplakat zeigt uns eine neue, Todesstern-ähnliche Superwaffe. Wir bekommen einen neuen, maskierten Bösewicht. Im Zentrum des Films stehen mit den von Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac verkörperten Charakteren drei Figuren, die an die „großen Drei“ (Luke, Leia und Han) angelehnt sind. Dann hätten wir mit Captain Phasma erneut eine Nebenfigur in einer coolen Rüstung, genau wie Boba Fett in der Originaltrilogie. Anscheinend verschlägt es die Helden im Lauf des Films auch in die Festung einer mächtigen Unterweltfigur, so wie damals in Jabbas Palast. Und zu guter Letzt hat Abrams vor ein paar Tagen erzählt, er selbst habe die Musik für eine Szene geschrieben, die an die klassische Cantina-Szene aus dem ersten Film angelehnt ist.
Man könnte dieser Liste wahrscheinlich noch einige weitere Details hinzufügen. Zusammengenommen sieht das für mich jedenfalls so aus, als versuche man den Geist der ersten drei Filme dadurch wieder heraufzubeschwören, indem man sie schlicht kopiert. Episode VII droht so zum Remake von Episode IV-VI zu werden. Aber vielleicht tut sich dieser Eindruck bei mir auch nur deshalb auf, weil die Ähnlichkeiten mit den frühen Filmen derzeit eben so hervorgehoben werden und entscheidende Handlungsdetails noch geheim gehalten werden. Ich hoffe jedenfalls, dass der Film sich nicht nur auf altbekannten, längst ausgetretenen Pfaden bewegt, sondern uns auch etwas Neues vorsetzt. Und selbst, wenn das nicht der Fall sein sollte, könnte es ja sein, dass man nur in diesem ersten neuen Film noch so stark auf die Ähnlichkeiten mit den Vorgängerfilmen setzt, um das Publikum eben an einem bekannten Ort ab- und so zurück in die weit, weit entfernte Galaxis zu holen. Episode VIII und IX könnten stilistisch wie inhaltlich dann ganz anders werden. „Das Imperium schlägt zurück“ unterscheidet sich schließlich auch stark von „Eine neue Hoffnung“.

Das meiste von was mir wichtig ist, habe ich nun gesagt. Bleiben noch zwei große Fragen: Wer stirbt? Und ist Jakku nicht doch Tatooine? Ich war lange davon überzeugt, dass der Wüstenplanet im neuen Film, der uns derzeit noch als Jakku verkauft wird, in Wahrheit das altbekannte Tatooine ist. Nachdem Jakku nun inzwischen aber auch in Romanen und im neuen „Battlefront“-Spiel vorkommt, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Aber wer weiß – nach der John Harrison/Khan-Finte traue ich J.J. Abrams alles zu. Und was die zweite Frage betrifft: Mindestens einer der großen Drei muss in dieser neuen Filmtrilogie doch sterben. Eigentlich wäre Luke Skywalker an der Reihe, der nun die Mentor-Position inne hat, die in Episode I Qui-Gon Jinn und in Episode IV Obi-Wan Kenobi eingenommen haben. Aber da Luke anscheinend nur eine sehr kleine Rolle im Film hat (ich tippe mal darauf, dass er erst am Ende zu sehen sein wird), glaube ich nicht, dass er bereits in Episode VII das Zeitliche segnen wird. Bei Han Solo dagegen sieht es schon anders aus. Sein Tod im Film würde erklären, warum Harrison Ford derzeit so viel Spaß daran zu haben scheint, für das früher bei ihm so verhasste „Star Wars“ die Werbetrommel zu rühren. Er wollte Han schon in Episode VI sterben lassen, vielleicht wurde ihm sein Wunsch nun erfüllt.
In gut eineinhalb Wochen werden wir schlauer sein. Dann wissen wir auch, ob Luke Skywalker der dunklen Seite verfallen ist.

 

Arlo & Spot (The Good Dinosaur) – Der neue Pixar-Film

Arlo & Spot - PlakatÜbermorgen startet der neue Pixar-Film „Arlo & Spot“ („The Good Dinosaur“) in den deutschen Kinos. Nach „Alles steht Kopf“ ist es bereits das zweite neue Werk von Pixar innerhalb weniger Monate. Geplant war dieser kurze Abstand eigentlich nicht, denn „Arlo & Spot“ hätte eigentlich schon viel früher ins Kino kommen sollen. Doch die Produktionsgeschichte des Films war eine sehr holprige. Die Story wurde mindestens einmal komplett über den Haufen geworfen und der urpsprüngliche Regisseur des Films gegen Peter Sohn ausgetauscht, der damit seinen ersten Langfilm inszeniert hat.
Dass die Produktion von „Arlo & Spot“ besonders lange und kompliziert gewesen ist, bedeutet aber leider noch nicht automatisch, dass dabei auch ein besonders guter Film herausgekommen ist. Pixar ist zwar bekannt dafür, an seinen Produktionen oftmals gerade in der Phase der Ideen- und Handlungsfindung besonders lange und gründlich zu arbeiten, bei „Arlo & Spot“ scheint aber gerade das nicht der Fall gewesen zu sein. Vielmehr dürfte man hier mit den zahlreichen Änderungen versucht haben, zu retten was noch zu retten ist.

Der Film beginnt mit einer kurzen Szene, die auch schon im Trailer zu sehen war: Was wäre wenn der Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren die Auslöschung der Dinosaurier verursachte, die Erde knapp verfehlt hätte? Der Idee der Filmemacher zufolge hätten sich dann die Saurier zu intelligenten, sprechenden Wesen entwickelt. Menschen existieren im Film zwar auch, doch sie laufen meist noch auf vier Beinen und verständigen sich nur über Grunzlaute. Die Geschichte, die der Film nun vor diesem Hintergrund erzählt, ist die eines jungen Dinosauriers namens Arlo, der mit zwei Geschwistern bei seinen Eltern aufwächst. Während seine Geschwister eine große Hilfe beim Ackerbau (!) sind, bekommt der tollpatschige und furchtsame Arlo immer wieder vor Augen geführt, dass er die Aufgaben des täglichen Lebens noch nicht so recht meistert. Eines Tages kommt es zu einem Ereignis, das – wie offenbar einige andere Entwicklungen im Film auch – direkt aus dem „König der Löwen“ importiert worden zu sein scheint und das einen herben Schicksalsschlag für Arlo und seine Familie darstellt. Noch dazu verschlägt es ihn kurz darauf in einen weit entfernten Landstrich. Während seine Familie ihn für tot hält, muss der ängstliche Arlo lernen, sich in der Wildnis zurecht zu finden, um wieder zurück nach Hause zu kommen. Dabei trifft er nicht nur auf alle möglichen Kreaturen, die ihm nicht alle freundlich gesonnen sind, sondern hat auch einen Begleiter in Form eines Menschenjungen, den er bald auf den Namen Spot tauft. Anfänglich hat Arlo noch Angst vor Spot, ist dann eine zeitlang genervt von ihm, bevor er lernt, dass so ein kleiner menschlicher Begleiter ziemlich nützlich sein kann und eine Freundschaft zwischen den beiden entsteht.

Arlo & Spot

Die besten Pixar-Filme wie die „Toy Story“-Reihe, „The Incredibles“, „Wall-E“ oder „Inside Out“ zeichnen sich stets dadurch aus, dass sie für kein spezifisches Publikum gemacht sind. Sie enthalten sowohl lustige Charactere, Action und Slapstick-Einlagen, über die Kinder lachen können, als auch popkulturelle Anspielungen, reife emotionale Themen und Witze für deren Verständnis man etwas Lebenserfahrung braucht. Dies ist bei „Arlo & Spot“ jedoch nicht der Fall. Hier haben wir es mit einem ziemlich konventionellen, ganz auf eine junge Zielgruppe zugeschnittenen Film zu tun, dessen vorhersehbare Geschichte und schablonenartige Figuren für Erwachsene zwar nett anzusehen sind, aber mehr eben nicht. Das gewisse „Pixar-Etwas“, das den Meisterwerken der Trickfilmschmiede innewohnt, fehlt hier.
In den letzten Jahren hatte man bei den Animationsfilmen anderer Studios oft das Gefühl, dass diese die Erfolgsformel von Pixar zu kopieren versuchten, aber meist nicht über eine kreative, manchmal auch völlig abgedrehte Ausgangsidee hinauskamen. So entstanden dann Filme, die aus einem oftmals durchaus originellen Konzept meist nur konventionelle bis langweilige Geschichten sponnen (zum Biespiel „Megamind“ oder „Epic“). Auf ganz ähnliche Weise versuchenten auch die Walt Disney Animation Studios in Konkurrenz mit den hauseigenen Leuten von Pixar, deren Erfolgsformel zu kopieren – mit ähnlichen Ergebnissen (z.B. „Bolt“). Mit „Arlo & Spot“ haben wir es nun mit einem Pixar-Film zu tun, der denselben Eindruck macht: als hätte hier jemand versucht, die Pixar-Erfolgsformel zu kopieren, sei aber nicht über eine kreative Ausgangsidee hinausgekommen, nur um sich dann eben in einer überraschungsarmen Geschichte mit platten Figuren zu verlieren.
SpotDas beginnt schon mit der oben erwähnten Ausgangssituation des Films. Diese ist nämlich für den späteren Verlauf der Geschichte kaum noch relevant. Dinosaurier können sprechen und leben gemeinsam mit Menschen auf der Erde? Schön und gut, aber dazu hätte es die einleitende Szene mit dem den Planeten verfehlenden Asteroiden gar nicht gebraucht bzw. wenn man den Film schon damit beginnt, dann hätte man auch wesentlich mehr daraus machen müssen. Doch der Film würde in seiner jetzigen Form genau so ohne diese erste Szene funktionieren. In der „Ice Age“-Reihe leben Menschen und Saurier schließlich auch zur gleichen Zeit, ohne das das irgendwie begründet oder erklärt wird. Wirklich gründlich durchdacht scheint „Arlo & Spot“ also nicht zu sein, was sehr schade ist.
Die Handlung selbst funktioniert zwar, die Hauptfiguren machen nachvollziehbare Entwicklungen durch und es kommt zu ein paar sehr emotionalen, teilweise sogar wirklich tief berührenden Szenen. Doch all das ist wie gesagt in eine äußerst platte Geschichte eingebettet, die zwar für Kinder spannend und lustig ist, erwachsenen Zuschauern aber nur ein müdes Gähnen entlockt. Dass Animationsfilme keineswegs automatisch Kinderfilme sind, hat Pixar oft genug bewiesen, dieser Film stellt allerdings ein Gegenbeispiel dar.
Die Entwicklung Arlos, der sich seiner Angst stellen und über sich selb
st hinaus wachsen muss, ist zwar glaubwürdig, wirkt in ihrer Ausführung aber wie nach einem Handbuch „Drehbücher schreiben für Anfänger“ erstellt. Zu Beginn des Films bekommt Arlo von seinem Vater wortwörtlich erklärt, er müsse seine Angst überwinden. Statt seine Botschaft also auf kreative Weise in Bildern, Handlungen und Action zu vermitteln, wählt „Arlo & Spot“ den direkten, aber äußerst einfallslosen Weg, der – man muss es einmal mehr sagen – zwar für Kinder neu und spannend ist, für Erwachsene aber einfach etwas schon dutzendfach Gesehenes darstellt. „Arlo & Spot“ ist im Gegensatz zu „Alles steht Kopf“, „Ratatouille“ oder „The Incredibles“ kein Film mit Metaebene und doppeltem Boden – oder auch nur ein paar Witzen, die sich speziell an Erwachsene richten. Der ganze Film erzählt eine schon in unzähligen anderen Kinderfilmen erzählte Geschichte, ohne diese aber raffiniert in eine vor kreativen Einfällen überbordende Welt zu verpacken. Zugegeben, die Messlatte liegt für Pixar, gerade nach der Rückkehr zu alter Form mit „Alles steht Kopf“ halt besonders hoch.
Die VelociraptorenDass es den Verantwortlichen nie gelungen ist, aus ihrer Idee eine in sich runde und schlüssige Geschichte zu machen, wird auch an anderen Schlampereien des Drehbuchs deutlich. So weist der Film zum Beispiel eine Reihe von Szenen und Nebenfiguren auf, die nicht schlüssig zu Ende entwickelt werden. Ganz besonders der aufwändig eingeführte Styracosaurier, der eine Reihe von „Helfertieren“ auf seinen Hörnern mit sich herumträgt, macht dies deutlich: nach seiner ersten und einzigen Szene bleibt er für den Rest des Films verschwunden und man fragt sich, was die Vorstellung seiner Figur und der einzelnen Tiere auf seinen Hörnern denn nun bewirken sollte.
Dass die Geschichte alles andere als originell ist, macht auch die schon erwähnte Ähnlichkeit des Films zu „Der König der Löwen“ deutlich. Neben einer auch optisch stark an den Klassiker erinnernden Szene im ersten Drittel des Films gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Ähnlichkeiten, darunter drei mit Federn ausgestattete (wie es neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht!) Velociraptoren, deren Funktion in der Handlung stark an die Hyänen aus dem „König der Löwen“ erinnert. Das Ende des Film scheint schließlich direkt aus dem „Dschungelbuch“ übernommen worden zu sein.

Fotorealistische LandschaftenMit „Arlo & Spot“ ist Pixar also kein großer Wurf gelungen, stattdessen wirkt der Film wie sich an ein Kinderpublikum anbiedernde Massenware. Man kann aber nicht verleugnen, dass der Film das, was er macht, immerhin sehr gut macht (was für Pixar allerdings längst nicht gut genug sein sollte). Zum Schluss möchte ich noch auf einige postivie Aspekte des Films zu sprechen kommen:
Mir hat gefallen, dass nicht alle Figuren, denen Arlo und Spot auf ihrer Reise begegnen, genau das sind, was sie zunächst zu sein scheinen. Das beginnt natürlich schon mit der Begegnung Arlos mit Spot, setzt sich aber im Verlauf des Films fort, wenn die beiden zum Beispiel auf eine Familie von furchterregnd aussehenden Tyrannosauriern treffen. Und zumindest in den Beziehungen der verschiedenen Saurierarten untereinander und der Saurier zu den weniger intelligenten Lebensformen (also vor allem den Menschen) zieht der Film seine Ausgangsidee dann konsequent durch. So kann man hier zum Beispiel nicht davon ausgehen, dass Menschen von allen Fleisch fressenden Sauriern als Futter angesehen werden.
Die größte Stärke des Films liegt sicherlich in seiner höchst beeindruckenden visuellen Pracht. Die Landschaften mit ihren Bergketten, reißenden Flüssen und malerischen Steppen und Wäldern sind von einem solchen Detailreichtum und Realismus, dass man sich immer wieder fragt, ob hier denn wirklich alles künstlich am Computer erzeugt worden ist oder ob nicht das ein oder andere Mal „echte“ Aufnahmen dazwischen geschmuggelt worden sind. Ich frage mich allerdings, warum man sich dazu entschieden hat, Felsen, Blätter, Wasser usw. so realistisch wie möglich zu gestalten, während die Figuren alle deutlich catoonhaft und reduziert wirken. Ist es nicht die Stärke des Animationsfilms, dass der gesamte Look des Films von Grund auf in einem einheitlichen, auch mal recht eigenwilligen Stil gestaltet werden kann? Warum also nicht auch die Umgebungen in einem speziell für den Film entwickelten Design anlegen?
Western-FeelingIch habe oben geschrieben, dass „Arlo & Spot“ ein paar berührende Szenen aufweist. Die stärkste davon ist die „Familienaufstellung“, in der sich die beiden Hauptfiguren, die nicht mit Worten kommunizieren können, die Geschichte ihrer Familien erzählen. Da blitzt kurz die Genialität früherer Pixar-Werke durch, die ja auch oft mit wenigen Bildern eine große emotionale Wucht erzielen konnten. Leider gelingt dies in „Arlo & Spot“ viel zu selten.

Bilder: Copyright Walt Disney Pictures

Die Terminator-Saga

Am 19.11. erscheint „Terminator: Genisys“ als DVD und Bluray. Freundlicherweise hat man mir ein Rezensionsexemplar der Bluray zur Verfügung gestellt. Bevor ich mir den Film anschauen konnte, musste ich jedoch noch einiges an „Vorarbeit“ leisten: Ich hatte zwar vor vielen Jahren die Teile 2 und 3 der „Terminator“-Reihe gesehen, doch es klaffte noch eine Bildungslücke in Form von Teil 1 in meinem „Terminator“-Grundwissen. Zur Vorbereitung auf „Genisys“ habe ich mir also erstmals  „The Terminator“ und auch „Terminator 2: Judgment Day“ nochmals angeschaut. Weil ich danach gerade so viel Spaß am „Terminator“-Universum hatte, habe ich direkt mit „Terminator 3: Rise of the Machines“ weitergemacht, obwohl das als Grundlage für „Genisys“ nicht wirklich notwendig gewesen wäre, schließlich versucht der neueste Film vor allem an die zu Recht so hoch geschätzten ersten beiden Teile der Franchise anzuschließen. („Terminator: Salvation“ habe ich links liegen gelassen. Den hatte ich ebenfalls vor ein paar Jahren mal gesehen, habe ihn aber in so schlechter Erinnerung, dass ich ihn nicht noch einmal anschauen will.)

Terminator Genisys - Bluray

Terminator 1 & 2

Am ersten „Terminator“ hatte ich eine ganze Menge Spaß, viel mehr als ich erwartet hatte. Zwar ist der Film ganz deutlich ein Produkt der 80er Jahre, doch das macht sich zu keiner Sekunde negativ bemerkbar. Mit Arnold Schwarzenegger als emotionsloser Killermaschine hat James Cameron seine Titelfigur perfekt besetzt. Wohl niemand anderes hätte den Terminator so überzeugend spielen können wie Schwarzenegger. Auch Linda Hamilton als Sarah Connor und Michael Biehn als Kyle Reese sind vollkommen glaubwürdig, so dass der Film trotz aller Action letztlich von seinen überzeugenden Charakteren lebt.
„Terminator 2“ erzählt im Grunde noch einmal die gleiche Geschichte wie der erste Film, allerdings mit deutlich nach oben geschraubtem Action-Faktor und für damalige Verhältnisse wirklich revolutionären visuellen Effekten. Heutige Kinogänger mögen etwa für die Morphingeffekte des T-1000 nur ein müdes Schulterzucken übrig haben, doch damals hatte man so etwas schlicht noch nie zuvor in einem Film gesehen (im selben Jahr verwendete Michael Jackson einen ähnlichen Effekt in seinem Kurzfilm zu „Black or White“).

The Terminator!

Szene aus „Terminator: Genisys“

1991 wusste man bei einem Kinobesuch im Vorfeld wahrscheinlich viel weniger über die Handlung eines Films, als dies meist heute der Fall ist. Ich weiß nicht, wie viel die Trailer zu „Terminator 2“ von der Handlung verraten haben, aber für diejenigen Zuschauer, die Teil 1 kannten, aber noch nichts über Teil 2 wussten, muss der Film ein paar ziemlich heftige Überraschungen bereit gehalten haben. Er beginnt genau wie der erste Film damit, dass ein Terminator (Schwarzenegger) und eine weitere Person (Robert Patrick) in der Zeit zurück geschickt werden. Bis zur ersten Begegnung der beiden mit dem 13-jährigen John Connor (Edward Furlong) geht man als ungespoilerter Zuschauer davon aus, dass Arnie erneut der Böse ist, der den Helden des Films an den Kragen will, während Patricks Figur als guter Beschützer unterwegs ist. Als sich dann herausstellt, dass der Terminator dieses Mal kein „böser“ ist und Patrick keinen Menschen, sondern den tödlichen T-1000 spielt, stellt das sämtliche Erwartungen der Zuschauer auf den Kopf.
„Terminator 2“ wäre allerdings nicht eines der Vorzeigebeispiele für Sequels, die den Originalfilm noch übertreffen, wenn er „nur“ fantastische Action und ein paar überraschende Storywendungen zu bieten hätte. Neben erneut vollkommen überzeugenden Schauspielleistungen aller Darsteller ist der Film auch wahnsinnig gut geschrieben. Die Charaktere und ihre Beziehungen werden sinnvoll ausgearbeitet und keine einzige Szene des Films ist überflüssig. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der John zu Beginn mit einem Kumpel einen Geldautomaten hackt. Sie dient nicht nur der Charakterisierung der Figur, sondern auch als Vorbereitung für die Szene gegen Ende des Films, als John die zu Beginn demonstrierten Fähigkeiten einsetzt, um den Code einer Tür zu knacken. Und wenn ich schon beim Drehbuch und der hervorragenden Figurenzeichnung des Films bin – wer hätte denn bitteschön nach Teil 1 ernsthaft gedacht, dass die Fortsetzung es schaffen würde, einem mit dem Tod des Terminators Tränen in die Augen zu treiben? Die sich über den Film entwickelnde Vater-Sohn-Beziehung zwischen dem Terminator und John Connor ist einer der Hauptgründe, warum man mit diesen Figuren mitfühlt. (Interessant ist übrigens, dass James Cameron in „Aliens“ ganz ähnlich verfahren ist. Auch dort wird die in Teil 1 etablierte Hauptfigur ausgebaut, indem ihr quasi ein Kind zur Seite gestellt wird. In beiden Filmen verfolgen wir gewissermaßen die Geschichte einer Patchworkfamilie, bestehend aus dem Terminator, John und Sarah Connor bzw. aus Ripley, Newt und Hicks.)

Terminator 3

„Terminator 3“ erzählt schon wieder dieselbe Geschichte, fügt der Franchise aber im Gegensatz zum zweiten Teil nichts wirklich Neues oder in irgendeiner Weise Bahnbrechendes hinzu. Wieder wird ein Terminator in die Vergangenheit geschickt und wieder muss er gegen ein ihm überlegenes Modell kämpfen, um John Connor zu beschützen. John wird nun von Nick Stahl gespielt, dessen schauspielerische Fähigkeiten offenbar begrenzt sind. Man muss fairerweise aber hinzufügen, dass die Schauspieler hier mit einem Drehbuch arbeiten müssen, dass dem des Vorgängers weit unterlegen ist. Nach der durchaus beeindruckenden und spaßigen Autoverfolgungsjagd, bei der eine halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt wird, geht dem Film die Puste aus, als es vorrübergehend etwas ruhiger wird und es eigentlich an der Zeit wäre, die Beziehungen zwischen den Figuren zu entwickeln. Doch das geschieht leider kaum. Mehrere Möglichkeiten bleiben dabei ungenutzt, unter anderem wird das Potential der in Teil 2 etablierten Vater-Sohn-Beziehung zwischen John und dem Terminator verschenkt.

The Terminator again!

Szene aus „Terminator: Genisys“

Der von Kristanna Loken gespielte T-X verfügt über die Fähigkeit, andere Maschinen zu kontrollieren und ihnen gewissermaßen seinen Willen aufzuzwingen. Das hätte man geschickt dazu nutzen können, Schwarzeneggers Figur schon früh im Film wieder zum Bösewicht zu machen und so an den Ursprungsfilm anzuknüpfen. Davor scheuten die Macher aber anscheinend zurück und lassen Arnie lediglich für eine Szene am Schluss auf die Helden des Films losgehen. Die Handlung ist wie gesagt der des Vorgängerfilms recht ähnlich, nur dass sie nun eben nicht mehr in den 1990er Jahren spielt, sondern 2004. Die Machtübernahme Skynets wurde in Teil 2 anscheinend nur aufgeschoben und auch John Connor bleibt als zukünftiger Anführer des menschlichen Widerstands bestehen, obwohl er inzwischen mehr als zehn Jahre älter ist und das doch eigentlich längst sein müsste. Auch „Terminator 2“ wies mit seinem Zeitreise-Plot bereits einige Logiklöcher auf, doch aufgrund der revolutionären Action und der überzeugend ausgearbeiteten Charaktere war man bereit, diese zu übersehen. „Terminator 3“ und alle folgenden Filme können jedoch nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass jeweils Teile der Handlung eigentlich gar keinen Sinn machen.

Terminator: Genisys

Nachdem künstlerisch gefloppten „Terminator: Salvation“, der auch finanziell hinter den Erwartungen zurückblieb (und bis auf weniger Bilder auch auf den damals vom Terminator zum „Gouvernator“ gewechselten Schwarzenegger verzichten musste), erschien dieses Jahr mit „Terminator: Genisys“ also ein „Terminator“-Film, der auch wirklich wieder den echten Terminator zu bieten hat. „Genisys“ verlässt sich weitgehend darauf, dass seine Zuschauer die ersten beiden Filme gesehen haben. Vor allem Teil 1 sollte man im Gedächtnis haben, denn die erste halbe Stunde von „Genisys“ erzählt den Beginn des ersten Films gewissermaßen noch einmal. Dabei werden zum einen im Jahr 2029 spielende Szenen hinzugefügt, die zeigen, wie es dazu kam, dass der Widerstand Kyle Reese ins Jahr 1984 schickte (einen wirklichen erzählerischen Wert haben diese Szenen freilich nicht, schließlich kennt man die Gründe ja schon); zum anderen stellt der Film mehrere Szenen aus Teil 1 nach, versieht sie aber mit dem Twist, dass die Realität des Jahres 1984 verändert worden ist.

Die nachgestellten Szenen des ersten Films halten den in der „TermWow, it's the Terminator!inator“-Historie bewanderten Zuschauer eine Weile bei Laune und es ist wirklich lustig anzusehen, wie hier noch einmal die Ankunft von Reese und dem Terminator im Jahr 1984 und die unmittelbar darauf folgenden Ereignisse abgespult werden, vor allem als dann schnell klar wird, dass sich die Dinge eben etwas anders zutragen, als man es erwartet. Die Idee, den neuen Film für eine Weile in einem der früheren Filme spielen zu lassen, erinnert an „Back to the Future 2“, allerdings mit dem Unterschied, dass bei „Terminator: Genisys“ bis auf den Terminator alle Figuren von anderen Darstellern gespielt werden. (Nebenbei macht einem dieser Kniff auch deutlich, wie weit „Back to the Future 2“ mit dieser Idee seiner Zeit vorraus war.) Theoretisch hätte man natürlich auch den Terminator neu besetzen können, dann hätte man aber das größte Verkaufsargument dieses Films verloren: Arnie is back! So spaßig diese erste halbe Stunde auch ist, in der der „alte“ (also junge, aus Teil 1 bekannte) Terminator, der „neue“ (also gealterte) Terminator, ein neuer T-1000 (Lee Byung-hun), Kyle Reese (Jay Courtney) und eine bereits kampferfahrene und längst mit Terminatoren und all dem Kram vertraute Sarah Connor (Emilia Clarke) gegen- bzw. miteinander kämpfen – als der Film danach kurz zur Ruhe kommt und eigentlich alles überzeugend erklären müsste, stellt sich schnell heraus, dass die Drehbuchautoren nicht so recht wussten, wie sie ihre Ideen zu einer schlüssigen Geschichte zusammen fügen sollten. So wird beispielsweise nie erklärt, wer denn eigentlich den Terminator, der in dieser neuen Zeitlinie Sarah Connor bereits seit ihrem neunten Lebensjahr beschützt, in der Zeit zurück geschickt hat.

Dass es nach „Terminator 2“ und „Terminator 3“ nun schon zum dritten Mal darum geht, den „Judgment Day“ zu verhindern, der mit jedem neuen Film anscheinend weiter in die Zukunft verlegt wird, wirkt ziemlich lächerlich. Neben ein paar netten Ideen, aus denen man richtig etwas hätte machen können, hat der Film nach seiner ersten halben Stunde leider nicht mehr viel zu bieten. Die Action ist nett, mehr aber auch nicht. J.K. Simmons spielt eine Nebenfigur, die anscheinend schon in Teil 1 dabei war, aus der aber absolut nichts heraus geholt wird. Die neuen Darsteller von Kyle Reese, John Connor und Sarah Connor bleiben allesamt blass. Und so macht Arnold Schwarzenegger hier trotz seines Alters noch die beste Figur, weil der eben ganz einfach das macht, was er in der Reihe schon immer gemacht hat: ohne großen schauspielerischen Anspruch, aber trotzdem vollkommen Not-Linda & the real Arnieüberzeugend die emotionslose Killermaschine geben. Zugegeben ist es nett, dass zumindest versucht wird, erneut eine Art Familienbeziehung zwischen dem Terminator und Sarah Connor zu zeigen. Aber es eben nicht mehr als nett und die emotionale Tiefe des zweiten Films wird zu keinem Zeitpunkt erreicht. Der größte Plottwist des Films wurde bereits im Trailer verraten, was darauf schließen lässt, dass die verantwortliche Marketingabteilung ziemlich verzweifelt gewesen sein muss. John Connor ist dieses Mal selbst ein Terminator; er wurde gewissermaßen mit Roboter-DNS infiziert und arbeitet nun im Jahr 2017 zusammen mit CyberDyne an der Einführung des Genisys-Betriebssystems, das dank seiner Installation auf über einer Milliarde Smartphones, Tablets und Computern den Maschinen die Machtübernahme sichern soll. Alles schön und gut, aber wie gesagt absolut nichts wirklich Neues oder Überraschendes. „Terminator: Genisys“ ist kein schlechter Film, allerdings ein ziemlich uninspirierter, der mit einer unnötig komplizierten Handlung Komplexität vortäuschen will und sich am Ende selber verrennt. Schade.

Copyright Bilder: Paramount Home Entertainment Germany

Die James Bond-Filme der Daniel Craig-Ära

In den letzten Tagen lag ich mit einer starken Erkältung im Bett und habe meine Zeit vor allem mit Schlafen, Fernsehen und Lesen verbracht. Unter anderem habe ich zur Vorbereitung auf das neue Bond-Abenteuer „Spectre“ die letzten drei James Bond-Filme mit Daniel Craig noch einmal angeschaut. Hier folgt nun im Schnelldurchlauf meine Besprechung der drei Filme.

„Casino Royale“ ist nach wie vor einer meiner Lieblings-Bondfilme. Mehr als bisher ist mir dieses Mal allerdings die ungewöhnliche Struktur des Films negativ aufgefallen. Nicht nur dauert es fast den halben Film lang, bis die eigentliche Handlung um das Pokerturnier im titelgebenden Casino beginnt, sondern sobald diese endlich beginnt besteht der Film eine ganze Zeit lang eben hauptsächlich darin, dass ein paar Leute am Tisch sitzen und Karten spielen – nicht gerade besonders actionreich. Zum Glück gibt es aber davor bereits reichlich Action: die gelungene Verfolgungsjagd auf Madagascar und die nervenzerreißende Szene am Flughafen von Miami lassen keine Wünsche offen. Auch das Pokerturnier selbst wird in den Pausen mit reichlich Spannung angereichert und die Szene, in der Bond vergiftet wird, nur um in einer Umkehrung des klassischen Bond-Motivs dann vom Bond Girl gerettet zu werden, lässt auch dem Zuschauer fasst das Herz stehen.
Nach dem phasenweise richtig peinlichen „Die Another Day“, der das 40-jährige James Bond-Jubiläum mit zum Teil sinnlosen Referenzen an die früheren Filme sowie einem unsichtbaren Auto, einem Eispalast und anderen überflüssigen Dingen zu feiern versuchte, stellte „Casino Royale“ einen erfolgreichen Reboot der Reihe dar. Statt von Anfang an alle typischen Bond-Zutaten einzubauen, beschloss man aber, sie über diesen und die nächsten Filme hinweg langsam wieder einzuführen. So fehlen hier nicht nur Miss Moneypenny und Q, sondern bis zum Schluss auch das typische James Bond-Thema im Soundtrack – ein genialer Schachzug, wie ich finde. „Casino Royale“ wird so zu einer Art „Becoming Bond“ oder „James Bond Begins“. Eine typische Bond-Zutat hat man aber nicht weggelassen, weil sie einfach zu gut zu dem emotionslos an seinen Job heran gehenden Bond der Daniel Craig-Ära passt: Bonds kompromisslose, alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzende und oft zur Übertreibung neigende Art, seinen Job zu erledigen. Das wird schon am Anfang des Films bei der Verfolgungsjagd über die Baustelle auf Madagascar deutlich. Hier rennt Bond buchstäblich durch Wände und wenn seiner Pistole die Munition ausgeht, dann wirft er sie eben einfach auf seinen Gegner. Herrlich!
In „Casino Royale“ ist als M’s Assistent übrigens noch nicht Rory Kinnear zu sehen, sondern Tobias Menzies (bekannt als Brutus aus „Rome“ oder Edmure Tully aus „Game of Thrones“). Schade, dass er in den späteren Filmen nicht mehr dabei ist.

In „Quantum of Solace“ wird die Geschichte aus „Casino Royale“ direkt fortgesetzt. Schaut man beide Filme direkt hintereinander an, dann fühlt sich das genauso an, als würde man mehrere Folgen einer TV-Serie anschauen. Überhaupt würde die übergreifende Handlung um die Quantum/Spectre-Organisation gut als Fernsehserie funktionieren, bei der man nach und nach verschiedene Teilbereiche und Mitglieder der Organisation kennen lernt. In „Quantum“ ist das der von Mathieu Amalric gespielte Dominic Greene, der sich die bolivianischen Wasserreserven unter den Nagel reißt. Mehr noch als „Casino“ verzichtet der Film auf typische Bond-Zutaten und kommt mit der Beleuchtung der Verstrickung der internationalen Politik mit großen Verbrecherorganisationen auch ungewohnt politisch daher. Ich mag den Film sehr gerne, auch wenn es Regisseur Marc Forster hier in seinem Bemühen um möglichst harte und realistische Action-Sequenzen im „Bourne“-Stil gelegentlich übertreibt. Die Actionszenen sind so knapp geschnitten, dass es manchmal wirkt als wolle der Filme gar nicht zeigen, was vor sich geht.
Zusammen mit „Casino Royale“ wirkt „Quantum of Solace“ wie ein einziger, langer Film. Den Hintermännern von Quantum ist James Bond am Ende freilich immer noch nicht auf die Schliche gekommen. Aber er hat ja noch mindestens zwei weitere Filme Zeit.

Wäre die James Bond-Reihe eine Fernsehserie, dann wäre „Skyfall“ allerdings so etwas wie eine „stand-alone episode“, denn die Handlung der beiden vorhergehenden Filme wird hier zumindest nicht explizit weitergeführt. Zwar wird nie erwähnt, dass der von Jarvier Bardem gespielte Silva nicht in Verbindung zur Quantum/Spectre-Organisation steht, aber es wird zumindest auch nicht der Eindruck erweckt, als handele er auf Befehl von anderen. Was etwas irritiert, ist die Tatsache, dass James Bond – der zwei Filme zuvor noch am Anfang seiner Karriere als Doppelnullagent stand – nun schon wieder ein Auslaufmodell zu sein scheint. Allerdings haben Doppelnullagenten nun mal keine besonders lange Laufzeit, wie Bond selbst feststellt (ich weiß nicht mehr, in welchem Film). „Skyfall“ ist dank der hervorragenden Kameraarbeit von Roger Deakins sicherlich der bestaussehendste Bond-Film. Vor allem die Szene im Hochhaus in Shanghai ist optisch ein wahrer Genuss.
Bardems Silva ist einer der beeindruckenderen Bond-Bösewichte, allerdings sind seine Taten nicht alle besonders glaubwürdig. Ich frage mich zum Beispiel jedes Mal wenn ich den Film anschaue, wie er unbewaffnet fliehen und mehrere bewaffnete Sicherheitsleute niederstrecken kann. Auch dass er anscheinend jeden einzelnen Schritt seiner Gegner vorhersieht und entsprechend planen konnte, ist alles andere als glaubwürdig (vor allem die Szene mit der Explosion im U-Bahnschacht nervt mich jedes Mal wieder). Das Finale des Films im titelgebenden Skyfall-Anwesen war beim ersten Mal dank seines Überraschungswerts zwar äußerst unterhaltsam und spannend, nutzt sich aber recht schnell ab. Im Gegensatz zu allen anderen Teilen des Films langweilt es mich beim wiederholten Anschauen.
Während die beiden vorhergehenden Filme sich mit der Quantum-Organisation beschäftigen (die wohl im neuen Film als ein Teil von SPECTRE enthüllt werden wird), beschäftigt sich „Skyfall“ noch mehr mit James Bonds Figur – freilich ohne allzu viel über ihn zu verraten. Mit Raoul Silva bekommen wir so etwas wie Bonds böses Spiegelbild. Außerdem ist „Skyfall“ natürlich mal wieder ein Jubiläums-Film und zum Glück ein weitaus gelungenerer als zehn Jahre zuvor „Die Another Day“. Am Ende des Films ist die „Bond-Werdung“ der Hauptfigur endgültig abgeschlossen und der aus früheren Filmen der Reihe bekannte Ausgangszustand endgültig wiederhergestellt. Ganz besonders die letzte Szene des Films lässt allen Fans der Reihe wohlige Nostalgieschauer über den Rücken laufen.

Leider konnte ich nicht zur Pressevorführung von „Spectre“ gehen und muss mich bis zum offiziellen Kinostart gedulden, um den Film sehen zu können. Ich hoffe, dass der Film die Handlung der drei vorhergehenden Filme sinnvoll weiterführt. Dass wir die Spectre-Organisation näher kennen lernen sagt ja schon der Titel aus. (Und dass Christoph Waltz nicht einfach nur „Franz Oberhauser“ spielt, wie uns die offizielle Ankündigung weismachen will, sondern tatsächlich Ernst Stavro Blofeld, dürfte wohl jedem klar sein. Ein Täuschungsmanöver dieser Art funktioniert nur einmal – und das war bei „Star Trek Into Darkness“ mit der John Harrison/Khan-Finte der Fall.)
Etwas stutzig macht mich die Tatsache, dass Bond anscheinend im neuen Film mal wieder vorrübergehend vom Dienst suspendiert wird. In „Casino Royale“ hat er gekündigt, in „Quantum of Solace“ war er ebenfalls suspendiert worden und in „Skyfall“ für tot erklärt worden – fallen den Autoren denn keine anderen Möglichkeiten ein, um Bonds Missionen spannend zu gestalten, als ihn immer wieder auf ähnliche Weise zurück zu werfen?
Jedenfalls erwarte ich mir von „Spectre“ einen in jeder Hinsicht klassischen Bond mit all den bekannten Zutaten, die jetzt ja wieder enthalten sein können: Q, M, Gadgets, Miss Moneypenny usw. Ich habe bislang nur zwei Kritiken zum Film gelesen, von denen eine den Film ziemlich zerrissen hat, was mich nur noch gespannter auf ihn gemacht hat. Sehr gespannt bin ich übrigens auch, ob Daniel Craig nun noch einen weiteren Bond-Film drehen wird. Nachdem die Reihe seit „Casino Royale“ zum ersten Mal eine sich über mehrere Filme erstreckende durchgehende Handlung erhalten hat, wäre es nämlich wirklich schade, wenn man beim nächsten Film wieder von vorne anfinge.

Zumindest den Titelsong zum neuen Bond-Film finde ich übrigens schon mal grandios – auch wenn ich da anscheinend der Einzige bin…

Echte Wüste und praktische Effekte

Das Making Of-Video zum neuen „Star Wars“-Film, das Anfang Juli auf der San Diego Comic Con gezeigt wurde, hat inzwischen wohl jeder gesehen. Ich poste es hier trotzdem noch einmal:

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass die Werbekampagnen zu immer mehr Filmen (und Serien) den Einsatz „echter“, praktischer Effekte betonen, sowie die Tatsache, dass auch wirklich an „echten“ Drehorten gedreht wurde und nicht vor einem Green Screen bzw. in Studiokulissen. Diese Beobachtung wollte ich hier einfach mal festhalten. Neben „Star Wars“ fällt mir zum einen der neue „Mission: Impossible“-Film ein, bei dem die Macher nicht müde werden zu betonen, Tom Cruise habe alle Stunts selbst ausgeführt und sich wirklich außen an einem startenden Flugzeug festgehalten. Zum anderen muss ich an die neue Netflix-Serie „Sense8“ denken, die an zahlreichen Drehorten auf der ganzen Welt gedreht wurde und sogar eine Szene enthält, die in einem normalen Passagierflugzeug während des Fluges gedreht wurde. Auch hier werden diese Fakten in den veröffentlichten Interviews und Videos stets betont (seit kurzem ist auf Netflix ein 25-minütiges Making of zur Serie zu sehen).

Dabei spielt es meist keine Rolle, inwieweit es sich dabei tatsächlich um Fakten handelt, solange beim Publikum nur das Gefühl ankommt, dass die Filmemacher sich wirklich die Mühe machen, alles „in echt“ zu filmen. Denn die einstmals so hoch gelobten CGI-Effekte haben inzwischen keinen guten Ruf mehr.

Im Fall von „The Force Awakens“ funktioniert diese Taktik ganz wunderbar. Die ganze Fan-Welt ist vollkommen aus dem Häuschen, wenn in einem Video hinter J.J. Abrams ein als Alien verkleideter Schauspieler vorbeiläuft oder wenn auf den veröffentlichten Behind-the-scenes-Fotos „echte“ Kulissen und kein Green Screen zu sehen sind. Natürlich ist das Ganze vor allem Marketinggerede, denn schon für die „Star Wars“ Prequels wurden zahlreiche Masken, Puppen, Modelle und Kulissen hergestellt sowie an realen Drehorten (auch damals u.a. schon in der „echten“ Wüste) gefilmt. Damals hat man sich allerdings dazu entschieden, den Einsatz der CGI-Effekte in den Vordergrund zu stellen. Schaut man sich die diversen Making of-Dokumentationen zu den Episoden I bis III an, so lassen sich jedoch auch dort zahlreiche Beispiele für „praktische“ Effekte finden. Dies wird in diesem Video-Mashup deutlich, in dem das Making of-Material zu Episode VII mit solchem aus den Prequels verknüpft wird. Die Entstehung der Prequels lässt sich also auch ganz anders – mit der Betonung praktischer Effekte – erzählen:

Dass der Ruf computergenierter Spezialeffekte zu Unrecht so schlecht ist, zeigt wiederum dieses Video:

Im Fall von Riesenrobotern oder Dinosauriern ist natürlich offensichtlich, dass man es mit einem CGI-Modell zu tun hat, tatsächlich gibt es aber auch viele Fälle, in denen Computereffekte „unsichtbar“ eingesetzt werden. Ich denke da zum Beispiel an Robert Zemeckis „Cast Away“. Dort wurden die Möglichkeiten der Bildmanipulation durch Computer dazu genutzt hat, um das real gefilmte Bild nach den Wünschen des Regisseurs umzugestalten und zum Beispiel Felsbrocken zu entfernen. Auch David Fincher nutzt CGI auf kreative, nicht immer sichtbare Weise, wie im Video verdeutlicht wird. Und auch der für seinen harten Realismus gelobte „Mad Max: Fury Road“ kommt natürlich nicht ohne Computereffekte aus.

Natürlich dienen die Making of-Videos zu „Star Wars“, in denen stets die praktischen Effekte hervorgehoben werden, vor allem Marketingzwecken – ein gutes Gefühl geben sie einem aber dennoch. Und damit erfüllen sie wiederum genau ihren Zweck.

Noch 125 Tage bis zum 17. Dezember! 🙂

Ein paar Gedanken zu „The Dark Knight Rises“

Vor kurzem habe ich – verteilt auf zwei Abende – mal wieder den dritten Teil von Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie angeschaut. Ich weiß gar nicht so genau warum, denn so sehr mag ich den Film eigentlich gar nicht. Wie für einige andere Nolan-Filme auch empfinde ich für den Film eine Art Hassliebe. Jedenfalls wollte ich die Gelegenheit nutzen, um hier ein paar Gedanken zu „The Dark Knight Rises“ aufzuschreiben.

Ich habe den Film nun zum dritten oder vierten Mal gesehen, aber viel mehr als bisher ist mir dieses Mal eines seiner zentralen Themen aufgefallen: „The Dark Knight Rises“ ist ein Film über Terrorismus und über die immer größer werdende Kluft zwischen Armen und Reichen. Das ist sicherlich keine bahnbrechende Erkenntnis, schließlich war schon beim Kinostart vor drei Jahren in vielen Besprechungen die Rede vom „Film zur Wirtschaftskrise“, mir ist dieser Punkt aber wie gesagt dieses Mal verstärkt aufgefallen. Phasenweise hatte ich das Gefühl, gar keinen Batman-Film mehr zu sehen, vor allem im Mittelteil als sich Bruce Wayne (Christian Bale) in Gefangenschaft befindet und Bane (Tom Hardy) Gotham City unter seine Kontrolle gerissen hat. Da hatte ich auch das Gefühl, Nolan sei an Batman inzwischen gar nicht mehr interessiert gewesen und hätte viel lieber einen Film über die Wirtschaftskrise, Terrorismus und Revolution gemacht. Dass er schließlich Batman wieder ins Spiel bringen muss, wirkt fast wie eine unliebsame Pflichtübung. Bane scheint für Nolan weitaus interessanter zu sein und er hat ja im Mittelteil auch ein paar imposante Szenen, die dann in seiner Ansprache an die Bürger Gothams gipfeln: „We take Gotham from the corrupt! The rich! The oppressors of generations who have kept you down with myths of opportunity. And we give it back to you… the people.“

Da weiß man dann einen Moment lang nicht mehr, ob man zu Bane oder zu Batman halten soll bzw. warum denn die beiden nicht auf einer Seite kämpfen? Ist nicht auch Batman der Held der Unterdrückten, Armen, Namenlosen? Der Held des Volkes? Natürlich erklärt Bane nicht, wie das denn funktionieren soll, dass er die Stadt an „das Volk“ zurückgibt. Gotham ist verwüstet, die Stadtbewohner leiden und Bane, der sich als Freiheitskämpfer stilisiert, hat die Stadt unter Kontrolle. Letztendlich sind seine Ansprachen sowieso egal, denn wie wir erfahren möchte er das Werk seines Vaters Ra’s al Ghul vollenden und Gotham – das wohl stellvertretend für die westliche, kapitalistische Zivilisation steht – komplett auslöschen. Bane wirkt so sehr wie ein „konventioneller“, ganz gewöhnlicher Terrorist (und weniger wie der Bösewicht einer Comicverfilmung), dass dem Film über weite Strecken das Comichafte völlig abgeht (zumal ja auch Batman lange Zeit abwesend ist).

Und genau das ist das Problem, das ich mit „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ (und dem einen oder anderen weiteren Film von Christopher Nolan) habe: Nolan legt so viel Wert darauf, dass alles realistisch, rational und durchdacht ist, dass das letztlich zu Lasten der Geschichte und des Spaßes geht. Bei „Batman Begins“ habe ich diesen Ansatz noch geliebt, weil es darin ja darum ging, der Batman-Figur einen realistischen psychologischen Unterbau zu verschaffen (und zudem hat man nach dem katastrophalen „Batman & Robin“ wohl einen solchen düsteren, realistischen Film gebraucht). Dass nebenbei auch noch erklärt wurde, woher die ganzen technischen Spielzeuge kommen und wie sie funktionieren, war ein netter Bonus. Aber ich hätte mir gewünscht, dass im Lauf der Trilogie das Fantastische wieder Einzug in Batmans Welt hält. Stattdessen hat Nolan es mit der Rationalität aber noch weiter getrieben. Da werden dann solche Dinge wie die Notwendigkeit von Banes Atemmaske erklärt, was ihn aber auch nicht zu einer interessanteren Figur macht. Ich persönlich finde Bane wahnsinnig langweilig. Warum gerade er so eine große Gefahr für Batman ist, während das die früheren Bösewichte nicht waren, ist nicht genau nachvollziehbar und höchstens mit Batmans/Bruce Waynes nachlassenden Fähigkeiten zu begründen.

Ich erinnere mich, ein Interview mit Nolan gelesen zu haben, in dem er stolz erzählt hat, er und sein Team hätten sogar einen Weg gefunden, Selian Kyles Katzenohren funktional zu rechtfertigen (als hochgeklapptes Nachtsichtgerät) – dabei ist so etwas in einer Comicverfilmung doch wirklich nicht von Bedeutung. Batmans Kostüm hat schließlich auch Fledermausohren, die keinen praktischen Zweck erfüllen. Insgesamt hat sich Nolan im Lauf der Trilogie meiner Meinung nach so sehr in solchen Details verrannt, dass er ganz vergessen hat, dass „Batman“ in erster Linie immer noch ein Comicfilm ist. Realismus schön und gut, aber doch bitte nicht zu Lasten des Spaßes.

Sehr loben muss ich an „The Dark Knight Rises“ allerdings, dass der Film im Gegensatz zu den meisten anderen großen Actionfilmen nicht auf einen Shodown hinausläuft, in dem alles einfach nur noch größer, lauter und kaputter sein muss als beim letzten Mal. Hier bleibt der Film nah an den Charakteren und ihren Geschichten, so dass man nicht wie zum Beispiel bei „Man of Steel“ oder den letzten „Transformers“-Filmen desinteressiert mit leeren Augen auf die Leinwand glotzt.

Mein Fazit: Was in „Batman Begins“ vielversprechend begann und mir dort noch gefiel, wurde in den Fortsetzungen immer mehr zum Selbstzweck. Nolan hat zwar technisch perfekte Filme mit einigen beeindruckenden Szenen abgeliefert, aber das Comicartige immer mehr zur Seite gedrängt. In meinem persönlichen „Kopfkanon“ stellt „Batman Begins“ jedenfalls das Prequel zu den beiden Tim Burton-Filmen dar; der Christian Bale-Batman wird irgendwann zum Michael Keaton-Batman. Die beiden „Dark Knight“-Filme schaue ich mir zwar ab und zu auch gerne an, aber ich kann sie nicht völlig genießen, weil ich mich dabei jedes Mal über einige Dinge ärgere.