„Nobody has to know everything“: Downton Abbey – Series 5

Downton Abbey ist eine dieser Fernsehserien, die man nicht anschaut, weil man so darauf gespannt ist, was als nächstes passieren wird, sondern einfach nur, weil man zu lieb gewonnenen Figuren zurück kehren möchte. Irgendetwas passiert sowieso immer, es ist völlig egal was.
In der fünften – aus acht Folgen und einem 90-minütigem „Christmas Special“ bestehenden – Staffel sind wir inzwischen im Jahr 1924 angekommen, auch wenn die Charaktere kaum älter aussehen als noch in der ersten Folge, die 1912 spielte. Ein großes Thema in Staffel vier war die Vergewaltigung von Anna (Joanne Froggatt) und der spätere Tod ihres Peinigers Mr. Green, der – man weiß es nicht genau – möglicherweise durch Annas Ehemann Mr. Bates (Brendan Coyle) herbei geführt worden ist. Im Verlauf der fünften Staffel kommt es nun zu polizeilichen Ermittlungen; die ganze Staffel über schaut immer wieder ein Polizist auf dem Anwesen vorbei, um Anna, ihren Mann und weitere Zeugen zu befragen. Diese sich über fast alle Folgen und somit mehrere Monate hin ziehende Prozedur wirkt arg in die Länge gezogen, aber so ist das nun mal in einer Soap Opera. Auf diese Weise werden beim Zuschauer Zweifel geschürt, ob Mr. Bates nicht vielleicht doch einen Mord begangen hat. In der dritten Folge fragt Anna ihn, ob er sich vorstellen könnte, irgendwo anders hin zu ziehen und ein neues Leben zu beginnen. Das scheint in ihrer Situation ein verständlicher Wunsch zu sein, doch als Zuschauer weiß man: wenn das Ehepaar Bates dies tatsächlich täte, dann würde dies entweder sein Ausscheiden aus der Serie bedeuten oder aber das Unglück würde sie verfolgen. Denn nichts ist langweiliger als Leben in Glückseligkeit, jedenfalls vom narrativen Standpunkt einer Soap aus betrachtet. Nachdem in der achten Folge – Überraschung! – Anna verhaftet wird, weil ein Zeuge sie kurz vor Mr. Greens Tod in dessen Nähe gesehen haben will, kommt es zu einer Szene zwischen Mrs. Hughes (Phyllis Logan) und Mr. Carson (Jim Carter), die fast so wirkt, als gäben die beiden einen Kommentar dazu ab, dass sie alle sich in einer Soap Opera befinden: „Sorrow seems to shadow them both. And in their wake, it shadows us.“, fasst nämlich Mrs. Hughes die Situation des Ehepaar Bates und deren Auswirkungen auf alle anderen Bewohner des Anwesens zusammen. Im Gegensatz zu Glück und Freude sind Sorgen und Probleme für die Charaktere in einer Soap ein Dauerzustand.

„Nobody has to know everything.“

Ebenfalls zu den Grundzutaten des Genres gehören Geheimnisse. In dieser Staffel ist da vor allem das Geheimnis zu nennen, das Lady Edith (Laura Carmichael) mit sich herum schleppt: Ihre mit Mr. Gregson gezeugte Tochter Marigold, von der die Familie nichts weiß und die nun von einem Bauernehepaar am Ort groß gezogen wird. Irgendwann gelingt es Edith, das Kind zu sich nach Downton Abbey zu holen und ihrer Familie weis zu machen, sie habe die Kleine ganz einfach lieb gewonnen und wolle sie in einer Art Patentantenfunktion groß ziehen. Doch nach und nach durchschauen alle dieses Spiel. Als im Edith im Christmas Special ihrer Tochter „Come to Mama!“ zu rufen will, kann sie sich gerade noch rechtzeitig stoppen und der Satz wird zu einem resignierten „Come to … me.“ Als Ediths Vater (Hugh Bonneville) seine Frau (Elizabeth McGovern) fragt, ob er Edith nicht endlich darauf ansprechen soll, erwidert sie „It’s not our secret to tell“. Aber irgendwann wird ihm das Spiel dann doch zu blöd und er eröffnet seiner Tochter, dass er um die Identität ihres Kindes bescheid weiß. Ediths Schwager Tom (Allen Leech) tut es ihm gleich und nimmt Edith damit ebenfalls die Aufgabe ab, das Geheimnis selbst zu lüften. Alle anderen Bewohner des Anwesens dürften zu diesem Zeitpunkt auch schon bescheid wissen und wie das meistens bei solchen Handlungselementen der Fall ist fragt man sich hinterher, warum denn um dieses Geheimnis so viel Wirbel gemacht worden ist. Wie die meisten Probleme in Soap Operas wäre auch dieses gar keines, wenn die Beteiligten von Anfang an offen miteinander geredet hätten (was umso bemerkenswerter ist, weil die Figuren in einer Soap ja eigentlich nichts anderes tun als reden). Aber wie sagt Mr. Carson doch zu Mrs. Hughes: „Nobody has to know everything.“

Ein Beispiel dafür, wie hier künstlich zwischenmenschliche Probleme geschaffen werden, weil Leute eben nicht miteinander reden und Dinge geheim halten, ist eine Szene aus der achten Folge. Die Köchin Mrs. Patmore (Lesley Nicol) sitzt weinend in der Küche, weil sie traurig darüber ist, dass Daisy (Sophie McShera) beschlossen hat, Downton Abbey zu verlassen und sich einen neuen Beruf zu suchen. Mrs. Hughes kommt herein, bemerkt die weinende Mrs. Patmore und fragt: „Has something happened?“ „No, not yet.“, antwortet Daisy. Es folgt ein ein besorgter Blick von Mrs. Hughes, aber niemand sagt noch etwas. Die Szene ist damit zu Ende. Im realen Leben würde man doch nach so einer kryptischen Antwort fragen, was damit gemeint ist. In einer Soap Opera dagegen folgt eben nur ein viel sagender Blick und die Auflösung des Problems wird auf eine spätere Szene ausgelagert (in der es dann wahrscheinlich auch noch nicht aus der Welt geschafft wird, schließlich soll ja jedes Problem möglichst lange für Konflikt- und Erzählstoff sorgen).

Im Christmas Special gibt es einen weiteren Fall, bei dem ein Geheimnis unnötig gestreckt wird, um Spannung zu erzeugen: Cora spricht zu Beginn der Folge ihren Mann darauf an, dass er vor kurzem in York war und sie gerne den Grund dafür erfahren würde. Doch Robert gibt nur eine ausweichende Antwort. Im Lauf der Episode stellt Cora ihm noch mehrmals die gleiche Frage und im Kopf des Zuschauers spielen sich inzwischen eine ganze Reihe von Szenarien ab: Hat Robert eine heimliche Geliebte? Ist er in krumme Geschäfte verwickelt? Wird er epresst? Zugegeben, für keine dieser Annahmen gibt es – abgesehen von Roberts unerklärter Abwesenheit – einen Grund. Aber darum geht es ja nicht, sondern darum, Zweifel zu säen. Als man dann erfährt, dass der Grund für Roberts Fahrt nach York ein Arztbesuch war, ist das weit weniger spannend, als die Szenarien, die man sich ausgemalt hat. (Doch gleichzeitig sorgt man sich um ihn: Ist er wirklich so gesund, wie er zu sein behauptet?)

Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele für solche Geheimnisse in der fünften Staffel, darunter die Vergangenheit von Coras Kammerzofe Baxter oder auch die von Lady Mary (Michelle Dockery) und Lord Gillingham (Tom Cullen) gemeinsam verbrachten Tage in London. Offiziell halten sich die beiden wegen einer Konferenz in London auf, tatsächlich bewohnen sie aber zwei miteinander verbundene Hotelzimmer, lassen es sich gut gehen und verbringen als Paar einen Kurzurlaub in London, um einander besser kennen zu lernen (was hier quasi als Euphemismus für „Sex vor der Ehe haben“ steht, auch wenn das in der Serie niemals jemand so aussprechen würde). Da Lord Gillingham Mary immer noch heiraten möchte, entscheidet sie ganz pragmatisch, dass ein solches Kennenlernen nötig sei, um bezüglich der Hochzeit eine Entscheidung treffen zu können. Nachdem Marys Großmutter (Maggie Smith) davon erfährt, kommentiert sie es mit den Worten: „Don’t let us hide behind the changing times. This is shocking to most people in 1924.“ Schließlich hatte Sex damals nur in der Ehe statt zu finden. Letztendlich entscheidet sich Mary übrigens dafür, Gillingham nicht zu heiraten – und auch nicht Charles Blake, der ja auch noch hinter ihr her ist. Mir war auch dieses ewige Überlegen und Zögern Marys und das damit verbundene Hin und Her zwischen ihren beiden Verehrern zu sehr in die Länge gezogen. Damit sollten einfach nur Probleme geschaffen werden, wo eigentlich gar keine so großen Probleme sind. Aber genau darum geht es ja in Soap Operas. Im Christmas Special lernt Mary dann einen neuen Mann kennen, man darf sich also auf weiteres Zögern und Zweifeln in der sechsten Staffel freuen.

„Without them, we would be like the wild men of Borneo.“

In meiner Besprechung der vierten Staffel habe ich bereits die gesellschaftlichen Veränderungen angesprochen, die sich in Downton Abbey immer mehr abzeichnen. Die starre englische Klassengesellschaft beginnt zumindest ein wenig aufzubrechen. In der ersten Folge erfahren wir, dass das Land nun eine neue Regierung hat und erstmals die Labour Party an der Macht ist. Zudem ist der neue Premierminister Ramsay MacDonald kein Adeliger. Dem sich um den Status Quo sorgenden Mr. Carson macht dies zu schaffen, wie der folgende Dialog zwischen ihm und Mrs. Hughes zum Ausdruck bringt:

Carson: „I feel a shaking of the ground I stand on, that everything I believe in will be tested and held up for ridicule over the next few years.“
Hughes: „Mr. Carson, they’ve been testing the system since the Romans left.“
Carson: „The nature of life is not permanence, but flux.“
Hughes: „Just so, even if it does sound faintly disgusting.“

Mr. Carson bringt hier seine Unsicherheit angesichts der sich ändernden Verhältnisse zum Ausdruck und seine Feststellung „The nature of life is not permanence, but flux.“ klingt aus seinem Mund tatsächlich „faintly disgusting“, wie Mrs. Hughes sagt.

Als Lord Gillingham nach Downton Abbey kommt, bedeutet das für die Dienerschat unerwartete zusätzliche Arbeit, denn er bringt keinen eigenen Diener mit, was noch höchst ungewöhnlich für einen Mann seines Standes ist. Unter der Dienerschaft wiederum sind einige Personen, die sich mit ihrem Status als Menschen zweiter Klasse nicht mehr abfinden wollen. Vor allem Daisy entdeckt plötzlich, dass auch ihr als einfaches Küchenmädchen trotzdem der Zugang zu Bildung offen steht. Wissenshungrig verschlingt sie die ganze Staffel über Bücher und nimmt Mathematikunterricht, bis sie schließlich die Entscheidung trifft, ihre Stellung aufzugeben und sich in London einen anderen Job zu suchen. Dieser Handlungsstrang macht besonders deutlich, dass die strikte Klassentrennung nur eine künstlich gezogene Grenze ist. Angehörige der Arbeiterklasse sind selbstverständlich nicht dümmer als andere Menschen; ihnen fehlt nur meist die Möglichkeit, ihr Potential zu entdecken und auszuschöpfen. Doch sobald ihnen – wie hier Daisy – diese Möglichkeit gegeben wird, zeigt sich, dass sie sich mit den sozial gesetzten Grenzen nicht zufrieden geben wollen.

Das Brechen mit Traditionen und das Verändern von seit Generationen bewährten Verhaltensmustern wird in dieser Staffel immer wieder thematisiert. Als Mr. Carson der Vorsitz des örtlichen Veteranenvereins angeboten wird, bemerkt Robert, der eigentlich damit gerechnet hatte, diese Position zu übernehmen, dass es zu Zeiten seines Großvaters undenkbar gewesen wäre, den Vorsitz dem Butler anzubieten. Auch der konservative Mr. Carson fühlt sich unwohl: „Traditionally, it should have been you“, sagt er zu seinem Herrn. Robert erwidert zwar, „Maybe this will start a new tradition“, doch recht ist ihm die Situation deshalb noch lange nicht. (Carson lehnt den Vorsitz schließlich ab.)

Auch an anderen Dingen zeigt sich Roberts Zögern, wenn es um die Akkzeptanz von Neuerungen geht: Ihm kommt kein Radio ins Haus, macht er in der zweiten Folge klar. „I find the whole idea a kind of thief of life“, führt er seine Bedenken aus. „That people should waste hours huddled around a wooden box listening to someone talking at them, burbling inanities from somewhere else.“ Hier zeigt sich ganz klar, dass er Verändernungen so lange wie möglich ignorieren möchte, in der Hoffnung, ihnen auf diese Weise vielleicht doch nicht ausgesetzt zu werden. „It’s a fad, it won’t last“, bringt er seine Verdrängungsstrategie auf den Punkt. Rose (Lily James) dagegen, die einer jungen, aufgeschlossenen Generation angehört, ist von der Vorstellung, ein Radio im Haus zu haben, ganz begeistert und bearbeitet Robert so lange, bis dieser schließlich nachgibt und eines anschafft. Für Rose spielen auch Klassen- und Religionsunterschiede eine viel geringere Rolle als für die Vertreter der älteren Generation. Dies zeigte sich schon bei ihrer kurzen Affäre mit einem schwarzen Jazzmusiker in Staffel vier und wird auch in dieser Staffel wieder deutlich, als sie auf die Neuigkeit, dass ihr Auserwählter Atticus (Matt Barber) Jude ist, mit der Bemerkung reagiert, das sei doch egal, schließlich sei er ja englisch – wie sie und ihre Familie auch. (Auch unter den jüngeren Leuten gibt es allerdings traditionelle, konservative Hardliner, wie etwa den Sohn von Lord Merton, der seiner Verachtung über die bevorstehende Ehe seines Vaters mit der bürgerlichen Isobel Crawley mit harten Worten Ausdruck verleiht.)

Als eines Abends beim Essen wieder einmal Diskussionen über gesellschaftliche Sitten und Gebräuche und deren Veränderung geführt werden, bringen sowohl Robert als auch Violet ihre Standpunkte zum Ausdruck:

Robert: „I accecpt change, but I want to navigate it gently. I don’t want to dig into it and put everyone’s back up.“
Tom: „But why do the rituals, the clothes, and the costumes matter so much?“
Violet: „Because without them, we would be like the wild men of Borneo.“

Dass es Tom ist, der hier die Frage stellt, warum Rituale und Kleidung eine so große Rolle spielen, ist natürlich kein Zufall. Schließlich ist er zwar inzwischen Teil der upstairs-Gesellschaft und der Familie Crawley, doch seine Herkunft spielt trotzdem noch eine Rolle. Im Christmas Special merkt Mrs. Hughes im Gespräch mit Mr. Carson an, dass sie Tom, der eins als Chauffeur für die Familie gearbeitet hat und so Teil der Dienerschaft war, immer noch als Brücke zwischen diesen beiden Welten empfindet. In der Tat wird Tom im Lauf der fünften Staffel klar, dass er tatsächlich zwischen den Welten steht; so sehr die Familienmitglieder ihm auch immer wieder beteuern, ihn als einen der ihren akzeptiert zu haben, so sind es vielleicht gerade derartige Aussagen, die ihm deutlich machen, dass er eben doch nicht richtig dazugehört – denn dann wäre es ja nicht nötig, dies immer wieder zu betonen. Dementsprechend fühlt sich Tom in seiner Position mehr und mehr unwohl. „He’s turning back into who he really is“, bemerkt Lady Mary in der zweiten Episode und Daisy appeliert einige Folgen später an Tom: „You’re not Crawley, you belong with us. We’re the future, they’re the past.“ Für Unterhaltung sorgt Toms Sonderstellung noch einmal im Christmas Special am Ende der Staffel, als die Familie auf dem Anwesen von Roses Schwiegereltern zu Gast ist. Der dortige Butler Mr. Stowell (Alun Armstrong) – der nicht nur so konservativ und auf die korrekte Einhaltung von Traditionen und Gebräuchen bedacht ist wie Mr. Carson, sondern zusätzlich auch noch unhöflich und ständig schlecht gelaunt – weigert sich, den ehemaligen Chauffeur Tom zu bedienen und ignoriert ihn zunächst vollständig. (Auf den Wunsch Lady Marys hin spinnt Thomas Barrow schließlich eine kleine Intrige gegen Stowell und zwingt ihn dazu, sein Verhalten zu ändern.) Im Lauf der Staffel reift in Tom der Entschluss, England zu verlassen und mit seiner kleinen Tochter nach Boston zu gehen.

Erheblichen Einfluss auf Toms Entscheidung dürfte seine Bekanntschaft mit der Lehrerin Mrs. Bunting (Daisy Lewis) haben. Während sie downstairs Daisy Mathematikunterricht erteilt, ist sie upstairs auf Downton Abbey gar nicht gerne gesehen. Dies liegt vor allem daran, dass sie dort immer wieder ihre politischen Ansichten kund tut, die denen des Hausherren und der meisten Familienmitglieder widersprechen. In der ersten Folge der Staffel ist sie zum ersten Mal als Gast der Familie geladen; Robert ermutigt nämlich seine Töchter und Rose, zur Feier von seinem und Coras Hochzeitstag auch ein paar junge Leute einzuladen. Ihre bloße Anwesenheit sorgt bereits für Irritationen, doch als sie sich schließlich für die Politik des neuen Premierministers und gegen des geplante Kriegsdenkmal am Ort ausspricht, macht Robert ihr ganz deutlich, dass ihre Meinung hier nicht erwünscht ist. (Als die liberalere Isobel anmerkt, sie finde es gut, wenn junge Leute Prinzipien haben, veranlasst dies Violet zu der Bemerkung „Principles are like prayers – noble, of course, but awkward at a party.“)

Als es in der nächsten Folge darum geht, Mrs. Bunting erneut einzuladen, spricht sich Robert vehement dagegen aus, doch seine Frau stellt fest „She’s the first friend Tom has made that has nothing to do with us and we must respect that.“ Mrs. Bunting lehnt die Einladung dieses Mal dankend ab, nicht ohne jedoch Tom darauf hinzuweisen, dass er durchaus eine Zukunft habe, aber eben nicht hier, als Teil der Familie Crawley.  („What a relief!“, entfährt es Robert, als er erfährt, dass Mrs. Bunting die Einladung abgelehnt hat.) Im Lauf der Staffel schafft sie es noch mehrmals, wirklich jedesmal wenn sie zu Gast ist, ihre Gastgeber zu beleidigen. Dabei sagt sie nichts anderes als ihre Meinung, zum Beispiel als sie Robert offen darauf hinweist, dass er es wohl am liebsten hätte, wenn alles bliebe wie es ist und Angehörigen der Dienerschaft nie die Möglichkeit gegeben würde, sich hoch zu arbeiten. Damit ist für Robert das Fass endgültig voll und er schreit ihr ins Gesicht, dass er sie nie wieder in seinem Haus sehen möchte.

In der nächsten Folge entscheidet sich Tom schließlich überraschend dafür, den Kontakt zu Mrs. Bunting abzubrechen. Die Familie Crawley ist ihm wichtiger und er will sein gutes Verhältnis zu Robert und den anderen nicht aufs Spiel setzen. Gleichzeitig teilt er Robert aber mit, dass er sich bei Mrs. Bunting wohler fühlt als auf Downton Abbey und ihre politischen Ansichten teilt. Kein Wunder, dass er sich später dazu entschließt, die Familie zu verlassen.

„You’re never safe till the ring is on your finger.“

Soap-Charaktere haben es nicht leicht. Sie träumen von einem besseren Leben, von der großen Liebe – auf jeden Fall immer von irgendetwas, denn langfristig glücklich sein dürfen sie nicht. Während Liebesfilme oft mit Hochzeiten enden und damit alles gut ist, können Soap Operas nach der Heirat zweier Figuren nicht einfach zum „happily ever after“ übergehen. Das hat man in „Downton Abbey“ nun schon mehrmals gesehen, es hält die Figuren aber trotzdem nicht davon ab, trotzdem von der großen Liebe und einer auf ewig glücklichen Ehe zu träumen. Rose, die in der achten Folge ihren Verlobten Atticus heiratet, bekommt kurz vor der Hochzeit einige Fotos zugeschickt, die diesen in scheinbar eindeutigen Posen mit einer anderen Frau zeigen. Zwar vermutet sie eine Intrige und hält Atticus für unschuldig, doch sie zweifelt zumindest an seiner Treue. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden, die von drei Angehörigen der Dienerschaft – Daisy, Mr. Molesley und Mrs. Baxter – beobachtet wird. „You’re never safe till the ring is on your finger“, kommentiert Mrs. Baxter (Raquel Cassidy). (Dabei gehen doch wie gesagt nach der Hochzeit die Probleme erst so richtig los.)

Dieses ständige Zweifeln – in Verbindung mit den bereits erwähnten Geheimnissen – gehört zu den Grundzutaten von Soaps (und führt oft zu einem weiteren essentiellen Element, dem Streit). In der fünften Staffel zweifelt wie erwähnt Tom lange, ob er denn wirklich zur Familie gehört und bei ihr bleiben soll. Mary hat weiterhin Zweifel, ob sie nicht vielleicht doch Lord Gillingham (oder vielleicht doch Charles Blake) heiraten soll. Und am Ende der Staffel zweifelt Daisy schon wieder an ihrer Entscheidung, ihre Position als Küchenmädchen aufzugeben.

Beim Anschauen dieser Staffel ist mir aber auch wieder einmal deutlich geworden, wie viel Soap Operas ihren Zuschauern abverlangen. „Downton Abbey“ verfügt über ein so großes Figurenensemble und so viele gleichzeitig ablaufende Handlungsstränge, dass man ununterbrochen aufpassen muss. Man muss nicht nur die Namen und Funktionen aller Figuren im Kopf haben, sondern auch den Status ihrer Beziehungen. Nicht ohne Grund habe ich mir vor dem Anschauen der fünften Staffel noch einmal eine Zusammenfassung aller Folgen der vorhergehenden Staffel durchgelesen. Es stimmt zwar, dass man der Handlung von Downton Abbey wie bei den meisten Soap Operas auch folgen könnte, ohne ständig zuzuschauen. Man kann also nur zuhören, muss das dann aber ganz genau tun, da Julian Fellowes‘ Drehbücher sehr dicht geschrieben und die meisten Dialoge voll von für das Verständnis der Handlung wichtigen Informationen sind. Ohne Umschweife oder Zusammenfassungen der bisherigen Ereignisse erfolgt in jeder Episode sofort der Einstieg in die laufende Handlung und auch beim Wechsel zwischen den Szenen gibt es kaum Verschnaufpausen. Bei der großen Zahl an Figuren und abzuarbeitenden Handlungssträngen können sich die Drehbücher lange Ein- und Überleitungen auch gar nicht leisten. Ein gutes Beispiel sind oft die Essensszenen, in denen eine große Zahl von Charakteren am Tisch sitzt. Während man zunächst Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Personen über eine Angelegenheit wird, wechselt die Szene nach einigen Sätzen meist zu einem anderen Gespräch, das sich um eine andere Angelegenheit dreht. Dabei erfolgt keine Erklärung, worum es jeweils geht; man muss die Vorgeschichten und die Beziehungen der Figuren im Kopf haben, um der Handlung folgen zu können.

Es gäbe noch zahlreiche weitere Entwicklungen, Handlungsstränge, Figurenkonstellationen und Zitate aus der fünften Staffel zu erwähnen. Um diesen Post aber nicht noch wesentlich länger zu machen, will ich mich abschließend auf folgende Beobachtungen beschränken: Zum ersten Mal fand ich Thomas Barrow in der achten Folge nicht unsympathisch, weil er hier tatsächlich jemandem hilft, ohne eine Gegenleistung zu erwarten oder eigene Ziele zu verfolgen. Maggie Smiths Handlungstrang in dieser Staffel hat mir gut gefallen; man konnte ja trotz der herrlichen Sprüche, die ihr die Drehbücher immer wieder in den Mund legen, mitunter vergessen, was für eine fantastische Schauspielerin sie ist, weil sie immer wieder ähnliche Szenen zu spielen bekam. Dies hat sich in dieser Staffel geändert, weil ihre Begegnung mit dem russischen Prinzen Kuragin eine bis dahin kaum beleuchtete, gefühlvolle Seite ihre Figur gezeigt hat. Mr. Molesley bleibt weiterhin eine meiner Lieblingsfiguren, weil Kevin Doyle ihn so fantastisch spielt, dass manchmal ein Gesichtsausdruck von ihm genügt, um mich laut lachen zu lassen. Und die wohl einzige Beziehung der Serie, die nicht den Gesetzen einer Soap Opera gehorcht, weil sie einfach unglaublich langsam voranschreitet (dafür aber sehr glaubwürdig), ist auch endlich einen entscheidenden Schritt weiter gekommen: Mr. Carson hat Mrs. Hughes einen Heiratsantrag gemacht. „I thought you’d never ask“, antwortet sie (nennt ihn aber weiterhin „Mr. Carson“). Schließlich zeigt die Tatsache, dass für die fünfte Staffel unter anderem in der Londoner National Gallery (!) und an der Peter Pan-Statue in den Kensington Gardens gedreht wurde, was für einen Status sich diese Serie inwzischen erarbeitet hat. „Downton Abbey“ mag inhaltlich nichts weiter als eine Soap Opera sein, doch produktionstechnisch wird für die Serie ein Aufwand betrieben, der für Soap Operas – die ja normalerweise möglichst billig in den immer gleichen Kulissen gedreht werden – alles andere als charakteristisch ist.

Ich habe mich jedenfalls an der Serie noch nicht satt gesehen und freue mich schon darauf, in einer weiteren Staffel zu den lieb gewonnenen Figuren zurück zu kehren.

Babylon 5 – Episode 1.08 „And The Sky Full of Stars“

Mein „Babylon 5“-Rewatch ist bei der achten Folge der ersten Staffel angekommen. Übrigens habe ich vor ein paar Tagen mal wieder einen interessanten Artikel über „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) entdeckt.

Episode 1.08 “And the Sky Full of Stars” (“Gefangen im Cybernetz”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 16.03.1994 (USA), 24.09.1995 (Deutschland)

Früh in der Episode erfahren wir einiges Neues über Stephen Franklin (siehe „Folgende weitere wichtige Informationen…“), der Großteil der Folge konzentriert sich jedoch ganz auf Commander Sinclair. Zwei Männer, deren Namen wir nie erfahren und die in den Credits nur als „Knight One“ und „Knight Two“ aufgeführt werden, sind fest entschlossen, hinter ein Geheimnis Sinclairs zu kommen, das dieser selbst gerne kennen würde: Was geschah wirklich in den 24 Stunden, in denen sein Kampfjäger während der letzten Schlacht des Erd-Minbari-Krieges von allen Radarschirmen verschwand und an die Sinclair so gut wie keine Erinnerung hat. (So gut wie keine Erinnerung hatte auch an diese Episode. Ich wusste zwar noch grob, wovon sie handelt, doch die Details und Charaktere hatte ich wohl verdrängt.)

„You didn’t just black out. Your ship disappeared.”, stellt Knight Two (Christopher Neame) fest. Wie sich herausstellt, sind er und sein Mitstreiter davon überzeugt, dass die Minbari sich nur deshalb kurz vor ihrem Sieg über die Menschen ergaben, weil sie den Plan gefasst hatten, die Menschheit lieber im Geheimen von innen heraus zu unterwandern. Deshalb halten Knight One und Knight Two Sinclair für einen Spion der Minbari, auch wenn er selbst sich dieser Tatsache möglicherweise gar nicht bewusst ist, weil er einer Gehirnwäsche unterzogen wurde – so jedenfalls die Theorie. „Why risk their life in a frontal attack when they could attack us from within?“, legt Knight Two Sinclair seine Gedanken dar. “But they needed a fifth column. People like you. Look at Earth, commander. Alien civilization. Alien migration. Aliens buying up real estate by the square mile. Alien funding of Babylon 5. What they couldn’t take by force, they’re corrupting, inch by inch.“ In diesen Worten wird wieder der schon in der letzten Episode thematisierte Fremdenhass und die Furcht vor zu großem außerirdischen Einfluss deutlich, die sich auf der Erde immer mehr ausbreiten.
Sinclair soll nicht nur ein Geständnis abgerungen werden, mit Hilfe des „Cybernetzes“ dringen sowohl er als auch Knight Two in sein Unterbewusstsein vor und fördern Erinnerungen zutage, die zuvor im Verborgenen lagen. Dabei spielt auch die Schuld eine Rolle, die Sinclair als Überlebender der Schlacht um die Erde empfindet. Der Beginn seines Aufenthalt im „Cybernetz“, als der Commander mit wachsender Verwirrung durch die vollkommen verlassene Station läuft, erinnert zumindest mich an die Ausgangssituation einiger „Star Trek“-Folgen. Doch anders als in den frühen „Star Trek“-Serien entspinnt sich aus dieser Situation keine Geschichte, die am Ende der Episode völlig abgeschlossen wird, sondern die Mission von Knight One und Knight Two nimmt auf sich durch die ganze Staffel ziehende Fragen und Handlungselemente Bezug, die zum Teil bereits im Pilotfilm eingeführt worden sind (der kurze Flashback zu dem Minbari, der zu Sinclair sagt „There is a hole in your mind.“, stammt daher).
Im Lauf der Befragung Sinclairs und der Untersuchung seiner Erinnerungen erfahren wir – und Sinclair selbst – ein paar Dinge, die wir bis dahin nicht wussten: So wurde Sinclair in dem Zeitabschnitt, an dem ihm die Erinnerung fehlt, anscheinend von den Minbari gefangen genommen und befragt. Insgesamt liefert die Episode aber mehr neue Fragen als Antworten (siehe unten).

Wie bereits erwähnt hatte ich vor dem erneuten Anschauen so gut wie keine Erinnerung an diese Folge, was wohl damit zu tun hat, dass ich sie nicht besonders gelungen finde. Das beginnt schon bei der Idee des „virtual reality cybernet“, an der mich zugegeben vielleicht einfach nur die Bezeichnung stört, die geradezu „Neunziger Jahre“ schreit. Abgesehen von Sinclair, Delenn und Franklin bleiben alle anderen Hauptfiguren in dieser Folge entweder bloße Stichwortgeber oder kommen gar nicht vor. Das ist an sich nicht weiter schlimm, da bei einem so großen Figurenensemble wie in „Babylon 5“ nicht in jeder Episode Platz für alle Charaktere sein kann, schon gar nicht in der ersten Staffel, die uns die Hauptfiguren erst einmal nacheinander näher vorstellen muss. An sich finde ich die Idee, sich einmal ganz auf Sinclair und die Lücke in seinem Gedächtnis zu konzentrieren auch gut. Nur in der Ausführung finde ich sie nicht besonders gelungen.
Daran sind unter anderem die Schauspieler schuld. Christopher Neame als Knight Two betreibt stellenweise ein wahnsinnig nerviges, theatralisches Overacting wie es in einer Fernsehserie einfach fehl am Platz ist. JMS hat seine Darstellung zwar in den höchsten Tönen gelobt, mich hat sie aber an einigen Stellen aus der Geschichte heraus gerissen, statt mich weiter hinein zu ziehen. Auch Michael O’Hares Schauspiel als Sinclair hat mich nicht überzeugt. Es ist inzwischen bekannt, dass er während seiner Zeit bei „Babylon 5“ ernsthafte psychische Probleme hatte und die Dreharbeiten für ihn sicher nicht einfach waren (mehr bei den „Hinter den Kulissen“-Fakten). Das mag einer der Gründe dafür gewesen sein, warum seine Darstellung hier stets sehr angestrengt und wenig nuanciert wirkt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Figur des Mitchell. Plötzlich sollen wir uns für einen Charakter interessieren, der angeblich eine wichtige Rolle in Sinclairs Vergangenheit gespielt hat, von dem wir aber nie zuvor gehört haben. Das funktioniert leider nicht. Zuletzt sind noch die Effekte zu nennen. Zwar stören mich die heute häufig veraltet wirkenden CGI-Effekte in „Babylon 5“ sehr selten und man muss immer wieder betonen, dass gerade diese Effekte Mitte der Neunziger Jahre im Fernsehen revolutionär waren. Doch in dieser Episode wirken die Szenen aus der Schlacht um die Erde heute äußerst statisch und lassen das Tempo der CGI-Kampfszenen aus späteren Staffeln vermissen. Für damalige Verhältnisse muss „And the Sky Full of Stars“ allerdings durchaus beeindruckend gewesen sein, wie JMS in mehreren seiner Forumposts hervorhub. So erwähnte er beispielsweise, die Episode hätte mehr CGI-Effekte als der gesamte 90-minütige Pilotfilm und wurde auch sonst nicht müde zu betonen, dass er diese Folge für die beste bis dahin produzierte hielt – nicht nur der CGI-Effekte wegen, sondern auch aufgrund des Schauspiels und der für eine TV-Serie ungewöhnlichen Inszenierung durch Regisseurin Janet Greek, die hier erstmals für „Babylon 5“ arbeitete und später bei einigen wirklich hervorragenden Episoden Regie führen sollte.

Insgesamt handelt es sich bei „And the Sky Full of Stars“ also um eine ambitionierte Episode, die ihren hohen Anforderungen aber längst nicht in jeder Hinsicht gerecht wird (wobei angemerkt werden muss, dass diese Kritik zum Teil darauf beruht, dass die Folge ganz einfach schlecht gealtert ist). Sie vermittelt wichtige und interessante Informationen über die Hauptfigur der Serie, beantwortet dabei einige teils bereits im Pilotfilm gestellte Fragen und wirft zahlreiche neue auf. Was mir missfällt, ist vor allem wie die Episode dies tut; ich hätte mir eine andere Rahmenhandlung als die Befragung mithilfe einer virtuellen Realität gewünscht. So bleibt es leider bei einer unterdurchschnittlichen Episode, die mich zwiegespalten zurücklässt: einerseits ist der hier vermittelte Inhalt für den weiteren Verlauf der Serie sehr wichtig, andererseits kann ich mit der Art und Weise, in der dieser Inhalt vermittelt wird, wenig anfangen.

Highlight der Episode: Ich habe die Episode für diesen Blogpost einmal angeschaut, aber dabei war keine Szene und kein Aspekt der Folge ein eindeutiger positiver Höhepunkt für mich. Ich möchte die Folge nicht extra noch einmal anschauen, dehalb lasse ich diese Rubrik dieses Mal leer.

Londo/G’Kar-Moment: Leider kommen die beiden in dieser Episode nicht vor. 😦

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Wie bereits erwähnt erhalten wir einiges an Hintergrundinformationen über Franklin (auch über Delenn erfahren wir Neues, doch das führt nur zu neuen Fragen – siehe unten): In seiner Jugend ist er quasi als Anhalter durch die Galaxis gereist, um möglichst viele verschiedene Orte kennen zu lernen. Er interessiert sich sehr für die Physiologie von nichtmenschlichen Rassen. Gleichzeitig nimmt er den Eid, den er als Arzt geschworen hat, sehr ernst – alles Leben ist ihm heilig, ganz gleich ob menschliches oder außerirdisches. Als man ihn während des Krieges gegen die Minbari aufgefordert hat, seine Forschungen über die Minbari auszuhändigen, hat er die Aufzeichungen lieber vernichtet als zuzulassen, dass sie zur Entwicklung biologischer Waffen verwendet werden.
Neben den neuen Erkenntnissen über Sinclair, die alle zu weiteren Fragen führen, erfahren wir auch ein paar handfeste Fakten über ihn: Er wurde am 3. Mai 2218 auf dem Mars geboren und ist 39 Jahre alt. 2237 ist er den Erdstreitkräften beigetreten, 2240 wurde er zum Kampfpiloten befördert und weniger als ein Jahr später zum Geschwaderführer. Genau wie sein Vater, Großvater und Urgroßvater ist Sinclair ein Karriereoffizier, wie es Knight Two ausdrückt.

Sonstige Fragen:

  • Was war Delenns Rolle im Erd-Minbari-Krieg? Warum möchte sie dazu (noch) keine Auskunft geben? („A topic for another time.“, erwidert sie auf Franklins Frage danach.)
  • Sind Knight One und Knight Two Telepathen? Diese Frage hat JMS selbst mit nein beantwortet.
  • Worum handelt es sich bei dem „auflechtenden Dreieck“, das einer der Minbari vor Sinclair hält? Was bedeutet es?
  • Warum war Delenn bei Sinclairs Befragung/Untersuchung durch die Minbari anwesend? (Sofern seine Erinnerung daran korrekt ist.) Handelte es sich bei der Gruppe von Minbari, die Sinclair befragten, um den die Minbari anführenden Grauen Rat, wie Sinclair vermutet? Falls ja, ist bzw. war Delenn dann dort Mitglied? Und warum hält sie dies geheim?
  • Laut Garibaldi sind Knight One und Knight Two Teil einer Organisation, die eine Kollaboration zwischen bestimmten Fraktionen auf der Erde und den Minbari beweisen will. Gerüchten zufolge handelt es sich dabei um eine regierungsinterne Organisation, doch wer genau steckt dahinter? „If I fail, more will come after me until this job is finished.“, sagt Knight Two zu Sinclair. Das deutet ja an, dass sie keine Einzeltäter, sondern Mitglieder einer Organisation sind.
  • Wer hat Bensons Leiche nach draußen befördert? (Diese Frage wird nie explizit beantwortet werden, doch nach dem Ende der Staffel wird man sich die Antwort zusammenreimen können.)
  • Was meint Knight Two, als er in seiner letzten Szene sagt „Maybe we’re both still inside“? Wahrscheinlich ist diese Aussage nur auf seine Verwirrung zurück zu führen, denn ich glaube nicht, dass damit angedeutet werden soll, dass sich die Geschehnisse immer noch im Cybernetz abspielen.
  • Wer ist der Minbari, den wir am Ende der Episode bei Delenn sehen? Warum sagt er, Sinclair müsse getötet werden, wenn er jemals die Wahrheit erfahren sollte?
  • Ist an den Anschuldigungen, Sinclair sei ein Spion der Minbari, vielleicht doch etwas dran? Da Sinclair immer noch nicht genau weiß, was in den fraglichen 24 Stunden mit ihm geschehen ist, kann er sich auch nicht sicher sein, dass die Minbari ihm nicht z.B. einer Gehirnwäsche unterzogen haben und er seitdem unbewusst als Spion für sie arbeitet.
  • Sinclair fasst die wichtigsten Fragen der Episode am Schluss selbst zusammen: „What is it they don’t want me to remember?“

Weitere interessante Punkte: 

  • Der Titel der Episode spielt auf eine Dialogzeile Sinclairs im Pilotfilm aus einer Szene an, in der er von der letzten Schlacht im Erd-Minbari-Krieg erzählt: „We never had a chance. The sky was full of stars, and every star an exploding ship. One of ours.“
  • Zu Beginn der Episode sehen wir eines der wenigen Beispiele für Holo-Technologie in „Babylon 5“, als Knight Ond und Knight Two sich ein holografisches Abbild Sinclairs ansehen.
  • Ivanva erwähnt, dass es eine Erd-Basis im Tigris-Sektor gibt.
  • Interessant fand ich Sinclairs Aussage, dass es zu dem Vorfall (dem Verschwinden seines Schiffes) damals eine Anhörung gegeben hat, in der die Angelegenheit geklärt wurde. Das scheinbare Verschwinden seines Schiffes war dabei auf einen technischen Defekt zurückgeführt worden.
  • In einer Szene sehen wir Garibaldi beim Zeitunglesen über die Schulter. Zwar sind die einzelnen Artikel der Ausgabe von „Universe Today“ nicht lesbar (wie schön wäre B5 auf Blu-ray!), die Überschriften aber durchaus. Einige von ihnen nehmen auf Ereignisse bezug, die in den bisherigen Folgen angesprochen worden sind, andere bieten vage Hinweise auf zukünftige Handlungselemente der Serie (und mit der einen oder anderen Schlagzeile hat sich JMS auch nur einen Witz erlaubt):
    • Psi-Corps in Election Tangle – Did Psi-Corps Violate Its Charter by Endorsing Vice President?
    • Homeguard Leader Convicted. Jacob Lester Found Guilty In Attack On Minbari Embassy
    • Narns Settle Ragesh 3 Controversy
    • Special Section: Pros & Cons of Inter-Species Mating
    • San Diego Still Considered Too Radioactive For Occupancy
    • Copyright Trial Continues In Bookzap Flap
    • EA President Promises Balanced Budget by 2260

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Rolle von Knight Two sollte ursprünglich von Walter Koenig gespielt werden. Dieser musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen absagen. Danach wollte man Patrick McGoohan („The Prisoner“) für die Rolle verpflichten, doch ihn hinderten andere schauspielerische Verpflichtungen an der Zusage. So bekam Christopher Neame die Rolle. Walter Koenig spielte schließlich den Psi-Cop Alfred Bester in der Episode „Mind War“ (die zwar vor „And the Sky Full of Stars“ ausgestrahlt, aber später gedreht wurde). JMS fand Neames Darstellung von Knight Two so beeindruckend, dass er mit dem Gedanken spielte, die Figur irgendwann zurück zu bringen.
  • Für Michael O’Hare müssen die Dreharbeiten zu dieser Folge in ganz besonderer Weise belastend gewesen sein. Wie JMS nach O’Hares Tod bekannt gab, litt dieser während der Dreharbeiten zur ersten Staffel an ernsthaften psychischen Problemen (krankhafte Paranoia verbunden mit Wahnvorstellungen). O’Hares Krankheit war zu seinen Lebzeiten nicht öffentlich bekannt, doch folgendes Zitat von ihm, in dem er über die Dreharbeiten zu dieser Episode spricht, macht deutlich, dass ihm das Spielen einer Figur, deren Realitätswahrnehmung gestört ist, durchaus nahe gegangen sein muss: „As far as the underpinning of the scenes was concerned, I understood them very well from things in my private life. I understodd what the experience was of losing everything, having everything taken away from me.“ (Zitiert nach: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 83)

Zitate:

„Everyone lies, Michael. The innocent lie because they don’t want to be blamed for something they didn’t do. The guilty lie because they don’t have any other choice.“ (Sinclair)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.09 „Deathwalker“

Bates Motel – Staffel 1 & 2

Achtung! Dieser Text enthält Spoiler für die ersten zwei Staffeln von „Bates Motel“ und für Hitchcocks „Psycho“!

Mit dem neuen Jahr kamen wie immer neue, gute Vorsätze – unter anderem, dieses Jahr auch wirklich über alle Fernsehserien, die ich anschaue, zu bloggen. Los geht es mit dem „Psycho“-Prequel „Bates Motel“, dessen erste beiden Staffeln ich in den letzten Wochen angeschaut habe. Wer Alfred Hitchcocks „Psycho“ kennt, weiß natürlich, auf welches Ziel die Serie hin erzählen will und was mit ihren beiden Hauptfiguren, dem hier 17-jährigen Norman Bates (Freddie Highmore) und seiner Mutter (Vera Farmiga) bis dahin geschehen muss. Aber selbst (oder gerade dann?), wenn man dieses Hintergrundwissen noch nicht hat, unterhält „Bates Motel“ bestens, denn hier handelt es sich um hochklassige TV-Unterhaltung, die zwar das Rad nicht neu erfindet, aber in vielen Bereichen – vor allem beim Schauspiel – Bestleistungen abliefert.

Die Serie beginnt damit, dass der junge Norman die Leiche seines anscheinend bei einem Unfall ums Leben gekommenen Vaters findet. Während Norman vollkommen aufgelöst ist und weinend neben dem leblosen Körper sitzt, wirkt seine Mutter Norma relativ gefasst. Sechs Monate später ist sie entschlossen, einen Neuanfang zu wagen und zieht mit Norman in eine Kleinstadt in Oregon. Das Geld, das sie nach dem Tod ihres Mannes von der Versicherung erhalten hat, hat sie in den Kauf eines alten Hauses und eines dazugehörigen Motels investiert. Norman ist von dem Umzug alles andere als begeistert, möchte seine Mutter andererseits aber gerne wieder glücklich sehen und verspricht, ihr bei der Leitung des Motels zu helfen. „This is our chance to start over.“, sagt Norma zu ihrem Sohn, als sie an ihrem neuen Wohnort angekommen sind. Doch der scheint Zweifel zu haben: „Maybe some people don’t get to start over. They just move to a new place.“, entgegnet er.
Gerade diese Ankunftsszene am aus dem Kinofilm bekannten Handlungsort wirkt, als spiele sie wie Hitchcocks Film in den späten 50er Jahren. Kleidung, Frisuren, das Auto und die Farben, in denen das Bild gehalten ist, deuten ganz auf diese Epoche hin; doch kurz darauf, nach der Titeleinblendung in der ersten Folge, sehen wir die Figuren mit Smartphones hantieren und es wird klar: die Serie erzählt zwar die Vorgeschichte der bekannten Charaktere, spielt aber in unserer Gegenwart (die erste Staffel erschien 2013). Der zweite (unwichtige) Unterschied zum Film ist der Handlungsort: Während Hitchcocks Geschichte im kalifornischen Fairvale angesiedelt ist, spielt „Bates Motel“ im (ebenfalls fiktiven) White Pine Bay, Oregon.

Vera Farmiga (vor ein paar Jahren oscarnominiert für „Up In The Air“) sieht ein bisschen aus wie Felicity Huffman (Lynette aus „Desperate Housewives“), was einer der Gründe ist, warum ich beim Anschauen von „Bates Motel“ gelegentlich an „Desperate Housewives“ denken musste. Ihre Serienfigur hört auf den Namen Norma Bates, worin sich bereits ihre äußerst enge (und nicht immer gesunde) Beziehung zu ihrem Sohn Norman andeutet. Norma kann höchst liebenswürdig und charmant sein, jedoch auch skrupellos und manipulativ. Man erwartet bei dieser Serie ja eigentlich, den Sohn als kaputte, verrückte Persönlichkeit zu sehen, doch im Laufe der ersten Episdoen stellt sich heraus, dass es eigentlich seine Mutter ist, die hier verrückt ist. Klar, irgendwo müssen Normans Probleme ja her kommen (und er muss außerdem erst an den Punkt hin kommen, an dem er im Film ist und darf demzufolge nicht schon zu Beginn der Serie ein verrückter Serienmörder sein).
Schauspielerisch liefert Vera Farmiga eine Leistung der Spitzenklasse ab und darf als Norma das gesamte Ausdrucks- und Gefühlsspektrum abarbeiten. Besonders viel Spaß hat man als Zuschauer dabei immer dann, wenn Norma mal wieder einen ihre Nervenzusammenbrüche hat, weil ihr alles über den Kopf wächst. Das geschieht zum Beispiel, als sie in der ersten Staffel feststellen muss, dass ihr neuer Wohnort keineswegs so idyllisch ist, wie sie sich das vorgestellt hat, sondern der Wohlstand des Ortes zum großen Teil auf illegalen Drogengeschäften beruht und sich auch noch ein Großteil ihrer Motelgäste als Arbeiter auf den örtlichen Hanfplantagen entpuppen. Die schlimmen Ereignisse, die ihr gleich in der ersten Folge widerfahren, steckt sie dagegen erstaunlich gut weg: Keith Summers, der ehemalige Besitzer des Motels, vergewaltigt sie in ihrer eigenen Küche. Verzweifelt schreit Norma nach ihrem Sohn, der allerdings ohne ihr Wissen mit ein paar Mächen auf eine Party gegangen ist und gerade noch rechtzeitig zurück kommt, um seiner Mutter zu Hilfe eilen zu können. Die macht dann mit ihrem Vergewaltiger kurzen Prozess und tötet ihn mit zahlreichen Messerstichen – eine Szene, die den späteren „Psycho“-Mord vorweg nimmt und natürlich Konsequenzen nach sich zieht. Norma und Norman setzen nun alles daran, ihre Beteilgung an Keith Summers‘ Verschwinden vor der Polizei, insbesondere dem örtlichen Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell, „Lost“), geheim zu halten.
Der Neuanfang steht also unter keinem guten Stern und spätestens, als im weiteren Verlauf der ersten Staffel ein zweiter Mord auf Normas Grundstück verübt wird, wollen die meisten der Stadtbewohner nichts mehr mit ihr zu tun haben. Umso mehr ist sie schließlich überrascht, als sie in der zweiten Staffel nicht nur eine neue Freundin namens Christine gewinnt, sondern auch noch deren Bruder George (Michael Vartan, „Alias“) ein Auge auf Norma geworfen hat. Die Dates mit George verlaufen aber wenig glücklich, vor allem, weil Norma einfach nicht dazu in der Lage zu sein scheint, sich anderen Menschen zu öffnen und ihnen zu vertrauen (von Norman einmal abgesehen). Auch Christine muss am Ende der zweiten Staffel feststellen, dass Norma ihren schlechten Ruf zu Recht hat und einfach nur ein „Wrack“ ist.

Ihr Sohn Norman Bates wirkt dagegen wie erwähnt anfangs relativ normal. Er ist ein etwas schüchterner 17-jähriger, der noch wenig Erfahrungen mit Mädchen hat, aber durchaus anziehend auf das andere Geschlecht wirkt. In den ersten Episoden macht er diesbezüglich zwei wichtige Bekanntschaften: Emma (Olivia Cooke) ist ganz klar in Norman verliebt, doch der sieht in ihr nur eine gute Freundin. Bradley Martin wiederum (gespielt von Nicola Peltz, die man letztes Jahr in „Transformers“ im Kino sehen konnte) ist eines der schönsten und begehrtesten Mädchen der Schule. Nachdem Norman mit ihr geschlafen hat, kann er sein Glück kaum fassen und fantasiert sich anschließend in eine Beziehung mit ihr hinein, die so gar nicht existiert. Als er Bradley endlich darauf anspricht, macht sie ihm klar, dass sie für ihn keine tieferen Gefühle empfindet und es bereut, mit ihm geschlafen zu haben.
Das hört sich nach einer ziemlich normalen Jugend an und Norman wird, besonders in den ersten Folgen, durchaus als ein „normaler“ Junge dargestellt, für den es noch Hoffnung zu geben scheint, eben nicht der Norman Bates zu werden, den wir aus „Psycho“ kennen. Natürlich gibt es aber auch regelmäßig ganz klare Hinweise, die genau in diese Richtung weisen: So hat Norman immer wieder Blackouts, nach denen er sich an seine Handlungen der letzten paar Stunden nicht erinnern kann; außerdem hat er „Visionen“ von seiner Mutter, die zu ihm spricht, obwohl sie nicht anwesend ist und ihm Anweisungen gibt. Wer „Psycho“ gesehen hat, weiß wo das hinführen wird. Das gilt übrigens auch für das Hobby, das sich Norman in der ersten Staffel aneignet: Er lernt nämlich, tote Tiere zu präparieren und auszustopfen – zum Missfallen seiner Mutter, die der Meinung ist, er solle mehr Zeit mit lebenden Wesen verbringen, statt sich im Keller mit leblosen Tieren zu beschäftigen.
Freddie Highmore kannte man vorher nur als Kinderdarsteller aus Filmen wie „Finding Neverland“ („Wenn Träume fliegen lernen“) oder „Charlie und die Schokoladenfabrik“. In „Bates Motel“ bringt er sowohl die unsichere, schüchterne Seite seiner Figur überzeugend zum Ausdruck, wie auch die verwirrte, oft wütende andere Seite. In der zweiten Staffel lernt Norman erneut ein Mädchen kennen, von dem er vollkommen fasziniert ist: Cody Brennan (Paloma Kwiatkowski) schert sich einen Dreck um die Vorstellungen und Erwartungen anderer Menschen und macht einfach, was sie will. Ihre Spontanität, ihr Mut und ihre Unbekümmertheit beeindrucken Norman, der sich schnell in sie verliebt. Auch mit ihr hat er Sex, aber genau wie Bradley scheint auch Cody nur ein Mädchen für eine Staffel zu sein, denn nach dem Tod ihres Vaters muss sie zu ihrer Tante ziehen. Zu Norman sagt sie, dass sie ihm bestimmt nicht schreiben wird…wenn das nun noch ein paar Staffeln so weiter geht, kann ich mir schon vorstellen, dass der Junge kein gesundes Verhältnis zu Frauen entwickelt.

Daran ist aber wohl in erster Linie seine Mutter schuld, denn das hier dargestellte Mutter-Sohn-Verhältnis ist schon sehr speziell. „People suck. Everyone I’ve ever known has sucked. Except you.“, fasst Norma zu Beginn der Serie ihre Lebensphilosophie zusammen. Norman wiederum bestätigt dies, indem er ihr mitteilt, er wolle in keiner Welt ohne sie leben. Seine Mutter wiederum scheint keinerlei Verständnis dafür oder auch nur eine Vorstellung davon zu haben, was in einem 17-Jährigen vorgeht, in welchem Stadium seiner persönlichen Entwicklung sich ihr Sohn befindet und wie eine gesunde Mutter-Sohn-Beziehung auszusehen hat. So zieht sie sich beispielsweise in einer Szene in seiner Anwesenheit um. Als er verschämt wegschaut, sagt sie, das brauche er nicht zu tun, schließlich sei sie seine Mutter und es doch völlig normal, dass sie sich vor ihm umzieht. Immer wieder kommt es auch zu Eifersucht zwischen den beiden. Als Norma in der ersten Staffel eine Affäre mit einem Polizisten beginnt, kann Norman dies von Beginn an nicht leiden. Norma dagegen ist die Vorstellung unheimlich, dass Norman mit Bradley schläft und Cody findet sie schon von der ersten Begegnung an unsympathisch.
Selbstverständlich darf auch eine Szene, in der Mutter und Sohn gemeinsam beim Psychotherapeuten sitzen, nicht fehlen. Als dieser Norman Fragen stellt, ist es natürlich Norma, die immer wieder dazwischen fährt und für ihren Sohn antwortet. Anschließend spricht der Therapeut kurz mit Norma alleine. Er merkt an, dass man seine Kinder irgendwann loslassen muss und schlägt vor, sowohl Norman als auch Norma in Einzelsitzungen zu sprechen. Dies macht Norma so wütend, dass sie ihn anschreit und aus dem Zimmer stürmt.
Die Beziehung zwischen Norma und ihrem Sohn durchlebt im Verlauf der beiden Staffeln mehrere Höhen und Tiefen. Als Norma, verstört und verärgert durch die Ereignisse der letzten Zeit, ihren Problemen mal wieder davon laufen und einfach erneut umziehen will, schreit Norman ihr ins Gesicht, sie sei verrückt und tue Dinge, die absolut keinen Sinn ergäben. Kurze Zeit später kriecht dann Norma zu ihrem Sohn ins Bett, weil sie Angst hat, alleine zu schlafen (und der 17-jährige Norman lässt dies einfach geschehen).

Mit zunehmendem Verlauf der Serie wird klar, dass Norma ihren Sohn nur beschützen will – und zwar vor sich selbst. Denn in den Phasen, in denen er seine Blackouts hat, begeht Norman immer wieder Morde, an die er sich später nicht mehr erinnern kann. So auch am Ende der ersten Staffel, als ihn seine Lehrerin Mrs Watson nach einem demütigenden Erlebnis auf dem Schulball mit zu sich nach Hause nimmt und ihn dort verführt. Norman bedankt sich bei ihr, indem er sie ermordet – scheinbar auf Anweisung seiner Mutter, die ihm erscheint und ihm sagt, er wisse, was er zu tun habe. Danach hat er keinerlei Erinnerung an seine Tat. Als er und Cody in der zweiten Staffel wegen einers anderen Falles von der Polizei befragt werden, fleht Norma Cody an, ja nichts von Normans Blackouts zu erzählen. Nachdem Norman davon erfahren hat, fragt er bei seiner Mutter so lange nach, bis er schließlich dahinter kommt, was mit ihm los ist. Ihm wird klar, dass er seine Lehrerin umgebracht hat und dass dies wahrscheinlich nicht der einzige Mord ist, den er begangen hat. Norma versucht zu diesem Zeitpunkt immer noch, ihn davon zu überzeugen, dass er sich das alles nur einbildet (und recherechiert mal wieder, wo sie als nächstes hin ziehen könnten, um ihren Problemen aus dem Weg zu gehen). Doch Norman glaubt ihr nicht, schnappt sich eine Pistole und rennt in den Wald, um sich umzubringen. Norma, die ihm folgt, kann ihn davon abbringen und ihn überzeugen, dass sie ihn braucht und ohne ihn nicht leben kann. Als Norman schließlich einem Lügendetektortest unterzogen und gefragt wird, ob er seine Lehrerin umgebracht habe, kann er die Polizei erfolgreich täuschen. Während er die Frage mit „nein“ beantwortet, taucht vor ihm wieder die Vision seiner Mutter auf. „Du hast sie doch gar nicht getötet.“, sagt sie zu ihm. „Ich habe sie getötet. Das bleibt unser Geheimnis.“
Erstaunlich schlüssig und plausibel beantwortet die Serie auf diese Weise die Frage, wie Norman Bates zu der Person wurde, die wir aus „Psycho“ kennen. Eigentlich bleibt nun nicht mehr viel übrig, einzig das endgültige Schicksal von Normans Mutter steht noch aus. Mindestens eine weitere Staffel von „Bates Motel“ wird es noch geben und das sollte eigentlich ausreichen, um den Bogen zu „Psycho“ zu schlagen. Ich befürchte allerdings, dass – zumindest bei entsprechendem Erfolg – noch weitere Staffeln folgen und die Autoren die Handlung unnötig strecken werden.

Wo ich gerade beim Thema bin – ich habe noch gar nicht erwähnt, dass Norman in der Serie einen Bruder namens Dylan (Max Thieriot) hat, der ab der zweiten Folge zu den Hauptfiguren gehört. Seine Szenen fand ich meistens weniger interessant als die Handlung um Norma und Norman; da hat sich eben einiges angefühlt, wie unnötiges Füllmaterial. Dylan ist als Gegensatz zu Norman konzipiert; er ist ein paar Jahre älter und sieht das Verhältnis zwischen Norman und seiner Mutter äußerst kritisch. Immer wieder versucht er Norman dazu zu bewegen, sich von der Mutter abzunabeln, doch mit wenig Erfolg. Seine eigene Beziehung zu Norma (die er auch stets so nennt, niemals „Mutter“) ist deutlich distanzierter als die zwischen Norman und Norma. Er fühlt sich von seiner Mutter weniger geliebt und sieht die Vertrautheit, mit der sein Bruder und seine Mutter miteinander umgehen vielleicht auch deshalb nicht gerne, weil er selbst gerne ein wenig mehr davon hätte. Warum Norma zu Dylan keine solche enge Beziehung entwickeln kann, erfahren wir in der zweiten Staffel: Dylans Vater ist Normas Bruder Caleb, der Norma in ihrer Jugend regelmäßig vergewaltigt hat.
Dylan wird im Lauf der ersten beiden Staffeln eng in die Kriminalität in White Pine Bay verstrickt. Er jobbt zunächst als Wachmann auf einer der Hanffarmen, steigt dann aber schnell in der Hierarchie auf und gerät in einen Machtkampf zwischen den örtlichen Drogenbanden, den er überlebt. Dass ich diesen Handlungsstrang nie besonders interessant fand, lag zumindest zum Teil auch daran, dass hier alles zu künstlich, zu sehr nach Schauspiel und Requisite aussah. Die Frisuren, Gesichter, Jeans- und Lederjacken – all das sieht aus, als käme es frisch aus der Maske bzw. Kostümabteilung (was ja auch der Fall ist). Kein einziges Mal wirken Dylan und die anderen „harten Typen“ tatsächlich wie echte Kriminelle, sie sehen immer noch viel zu glatt und gut aus. Zugegeben, ähnliche Kritik kann man an den meisten anderen TV-Serien und Filmen auch üben, aber hier ist es mir eben besonders aufgefallen.

Es ist zwar nicht besonders überaschend, dass Geheimnisse in der Serie eine große Rolle spielen, ich finde es aber doch interessant und erwähnenswert. Vielleicht liegt das daran, dass mir dieses erzählerische Mittel in Fernsehserien viel mehr bewusst wird, seit ich in meiner Diplomarbeit über „Desperate Housewives“ das „Geheimnis“ als eine Analysekategorie gewählt habe. In „Bates Motel“ gibt es jedenfalls von der ersten Episode an zahlreiche Geheimnisse, die im Laufe der Serie für Spannung sorgen. Es geht schon damit los, dass Norma und Norman in der ersten Folge die Leiche von Keith Summers vor Sheriff Romero verstecken müssen, was für eine Szene sorgt, bei der man wirklich vor Spannung die Finger ins Sofakissen krallt. Und das ist nur der Anfang: Das im Keller eines Polizisten als Sexsklavin gefangen gehaltene Mädchen, Normas Affäre mit eben jenem Polizisten, Normans geheime Sehnsüchte, Dylans Job auf der Hanffarm, der mysteriöse Fremde namens Abernathy, die Ereignisse, die zum Tod von Normans Vater geführt haben – das alles (und noch viele mehr) sind Geheimnisse, die im Verlauf der ersten Staffel eingeführt werden und für Konfliktstoff sorgen.
Von besonderer Bedeutung sind natürlich die Geheimnisse um Norman. Seine Blackouts und seine teils ungewöhnlichen Sehnsüchte sollen dem Willen seiner Mutter nach unbedingt geheim gehalten werden. Ihr Handeln wird immer wieder von der Angst bestimmt, diese (und andere) Geheimnisse könnten auffliegen; das erklärt zum Beispiel, warum sie strikt dagegen ist, dass Norman mit einem Psychologen spricht. Im Zusammenhang mit Normans Blackouts ist zudem interessant, dass es sich dabei um ein Geheimnis handelt, das Norman quasi vor sich selbst hat. Als er allmählich dahinter kommt, dass er gelegentlich Dinge tut, über die er keine Kontrolle hat und an die er sich nicht erinnern kann, ist er verständlicherweise sehr verstört.
Bei vielen der Probleme in „Bates Motel“ handelt es um Dinge, die schnell aus der Welt geschafft oder zumindest weit weniger dramatisch und spannend wären, wenn die Beteiligten nur offen darüber reden würden. Genau deswegen müssen die Figuren auch immer vom Thema ablenken, nicht darüber reden wollen oder sich ganz einfach verschlossen und mysteriös geben, um die Geheimnisse fortbestehen zu lassen. Als Norman in der zweiten Staffel Emma davon erzählt, dass Dylan ausgezogen ist, schiebt er gleich hinterher, dass sich diese Angelegenheit nicht klären lässt und Emma deswegen gar nicht weiter mit ihm darüber zu sprechen braucht. Und als er am Ende der Staffel hinter das Geheimnis seiner Blackouts gekommen ist, bleibt seiner Mutter zwar irgendwann keine andere Wahl mehr als seine Vermutungen zu bestätigen, doch ein Rest-Geheimnis wird trotzdem aufrecht erhalten, als sie sagt, sie wisse zwar über seine Blackouts bescheid, werde aber nicht weiter mit ihm darüber sprechen, um ihn zu beschützen. „Wir kennen andere Leute nie wirklich. Was wir sehen ist immer nur die Spitze des Eisbergs.“, sagt sie einige Folgen zuvor zu Norman (und dieser Satz könnte genau so auch als Teil des von Mary-Alice gesprochenen Voicovers in einer Episode von „Desperate Housewives“ zu hören sein).

Wie ich eingangs schon geschrieben habe, handelt es sich bei „Bates Motel“ um hervorragende TV-Unterhaltung. Die Handlung läuft zwar nach etablierten Mustern und ohne große Überraschungen ab, die Umsetzung der Drehbücher ist aber so gut, dass ich mich – abgesehen von einigen Szenen mit Dylan – nicht gelangweilt habe. Vor allem Vera Farmigas und Freddie Highmores Schauspiel machen die Serie sehenswert.
Da „Bates Motel“ ja die Vorgeschichte zu „Psycho“ darstellt und langsam aber sicher auf die Ereignisse im Film bzw. die dort geschilderte Situation von Norman Bates hin erzählt, war ich anfangs skeptisch, ob es der Serie gelingen würde, etwas Neues und Eigenständiges zu schaffen. Diese Frage kann ich nun eindeutig mit ja beantworten; „Bates Motel“ macht auch dann Spaß, wenn man „Psycho“ nicht gesehen hat. Und für alle, die den Film schon kennen, wird die Figur Norman Bates durch die Serie erweitert, so dass man in Zukunft beim Anschauen des Films das Serienwissen quasi mit denkt. Auch das Spiel mit den Erwartungen hinsichtlich Normans Schicksal gelingt der Serie gut; er wird hier durchaus noch als eine Person dargestellt, für die es noch Hoffnung gibt, als ganz normaler Teenager mit ein paar Problemen eben.
Das Prequel-Konzept hat seine Vor- und Nachteile. Zwar können die Autoren immer wieder Anspielungen auf „Psycho“ unterbringen und eben mit den Erwartungen der Zuschauer spielen, doch gleichzeitig sind sie dadurch eingegengt, da das Endergebnis der Handlung schon feststeht. Wäre die Serie keine „Psycho“-Vorgeschichte, dann wäre sie vielleicht wirklich noch spannender, da man keine Ahnung hätte, in welche Richtung sich alles entwickelt. So aber stellt sie eine Herausforderung für die Drehbuchautoren dar, die die Figuren sowohl an den bereits bekannten Endpunkt manövrieren müssen, als auch die Zuschauer immer wieder überraschen. Bislang gelingt dieser Spagat ziemlich gut. Die dritte Staffel wird ganz bestimmt ebenfalls den Weg auf meinen Fernseher finden.

Babylon 5 – Episode 1.07 „The War Prayer“

Endlich geht mein größtenteils spoilerfreier „Babylon 5“-Rewatch in eine weitere Runde. Mal sehen, wie lange ich bis zum nächsten Blogpost brauche, die Arbeit an diesem hier hat jedenfalls ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen. Aber das braucht euch nicht zu kümmern, denn nun ist meine Episodenbesprechung ja fertig:

Episode 1.07 “The War Prayer” (“Angriff auf die Außerirdischen”)

Drehbuch: D.C. Fontana, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 09.03.1994 (USA), 17.09.1995 (Deutschland)

„The War Prayer“ folgt drei verschiedenen Handlungssträngen, die sich im Verlauf der Episode überschneiden. In der ersten Szene lernen wir die Minbari-Dichterin Shaal Mayan (Nancy Lee Grahn) kennen, eine alte Freundin von Delenn. Im Gespräch der beiden erleben wir Delenn herzlicher und gefühlvoller als in den bisherigen Episoden, wo sie zumeist als unnahbare oder mysteriöse Person in Erscheinung getreten ist. Mit der Herzlichkeit ist es aber schon nach dieser ersten Szene vorbei, als Mayan auf dem Weg zu ihrem Quartier von unbekannten Angreifern attackiert und ihre Stirn mit einem Brandmal versehen wird. Das Symbol und die Aussage der Angreifer, „Stay away from Earth, freak!“, lassen keine Zweifel daran, dass es sich um die Tat einer menschlichen Extremistengruppe namens Homeguard handelt, die möglichst jeden außerirdischen Einfluss von der Erde fern halten will.
Delenn bringt Sinclair gegenüber ihre Wut über den Angriff und die ihrer Meinung nach unzureichende Aufklärungsarbeit der Sicherheitskräfte auf der Station zum Ausdruck. Auch G’Kar droht mit Konsequenzen, falls Narn zum Opfer der Homeguard werden sollten. Nachdem wir den Narn-Botschafter in der letzten Folge von einer bis dahin nicht gekannten nachdenklichen, ja fast schon philosophischen Seite erlebt haben, agiert er hier erneut in der Rolle des Aggressors. Shaal Mayan dagegen reagiert auf die Attacke unerwartet besonnen und beschließt sogar, das Brandzeichen auf ihrer Stirn nicht entfernen zu lassen, sondern es als Mahnung und Erinnerung zu behalten.

Londo hat inzwischen Probleme ganz anderer Art. Kiron und Aria, zwei junge, frisch verliebte Centauri, sind nach Babylon 5 gekommen und erhoffen sich vom Botschafter ihres Volkes Hilfe. Die beiden sollen gemäß der Tradition der Centauri in arrangierten Ehen mit Partnern verheiratet werden, die sie nicht lieben, die ihnen und ihren Familien aber ein großes Maß an Ansehen und Einfluss sichern. Londo kann ihren Wunsch nach einer Hochzeit aus Liebe zunächst gar nicht nachvollziehen. „What does love have to do with marriage!?“, fragt er sie und zeigt ihnen Fotos seiner drei Ehefrauen, für die er alles andere als Liebe empfindet, die sich aber auch weit fort auf der Centauri-Heimatwelt befinden. Dass er sich selbst vor kurzem noch im Liebestaumel befand, als er eine kurze, aber glückliche Zeit mit der Tänzerin Adira verlebte, scheint er entweder vergessen zu haben oder bewusst verdrängen zu wollen (oder es handelt sich hier schlicht um eine Unachtsamkeit der Autoren).
Kurz darauf werden Kiron und Aria Opfer eines weiteren Angriffs der Homeguard, den Kiron nur schwer verletzt überlebt. Dies – und ein Gespräch mit Shaal Mayan – ist wohl der Grund dafür, warum sich Londo letztlich doch erweichen lässt. Zwar beharrt er weiterhin darauf, dass Kiron und Aria sich an die Traditionen ihres Volkes halten müssen, doch er findet eine Lösung, die sowohl diese Traditionen berücksichtigt, als auch den Wünschen der jungen Verliebten nachkommt. Wenn er schon selbst vergessen zu haben scheint, „wie man tanzt“, dann will er wenigstens dem jungen Paar, in dem er sich selbst ein Stück weit wieder erkennt, die Möglichkeit zu einer glücklichen und erfüllten Zukunft geben.

Susan Ivanova bekommt unterdessen überraschenden Besuch von ihrem Ex-Freund Malcolm Biggs (Tristan Rogers), den sie vor acht Jahren verlassen hatte, um sich ganz ihrer Karriere widmen zu können. Die beiden verbringen einen netten Abend zusammen, doch leider stellt sich kurz danach heraus, dass Biggs ein Mitglied der Homeguard ist. Er ist auf die Station gekommen, um einen Angriff auf die außerirdischen Botschafter zu koordinieren und hofft außerdem, neue Mitglieder anwerben zu können.
Commander Sinclair befürchtet, dass nach den beiden Angriffen die Gewalt auf der Station eskaliert und die Homeguard auf diese Weise genau jene Ziele untergräbt, für die Babylon 5 steht: Völkerverständigung und ein friedliches Miteinander. Er scheint mit dieser Befürchtung Recht zu behalten, als G’Kar die Außerirdischen auf der Station dazu auffordert, sich die Angriffe der Menschen nicht gefallen zu lassen und zurück zu schlagen. Sinclair gibt daraufhin vor, mit den Zielen der Homeguard zu sympathisieren und wird zusammen mit Ivanova zu einem Treffen mit Biggs eingeladen. Dort erfahren sie von seinen Plänen und können ihn und einige seiner Mitstreiter mit Hilfe von Garibaldi und seinen Sicherheitskräften schließlich überwältigen und gefangen nehmen.
Dieser Handlungsstrang legt einen wichtigen Grundstein in der episodenübergreifenden Handlung der Serie. Der zunehmende Fremdenhass auf der Erde und der Versuch bestimmter Gruppierungen, sich gegen die Anwesenheit und den Einfluss Außerirdischer zur Wehr zu setzen, wird später in der Serie noch ausführlich thematisiert werden. Innerhalb dieser Episode kann die Erzählung jedenfalls nur teilweise als geglückt betrachtet werden; es erscheint jedenfalls ziemlich unglaubwürdig, dass Malcolm Biggs nach nur wenigen Äußerungen Sinclairs diesem mit einem Mal vertrauen zu scheint und ihm geheime Informationen über die Homeguard anvertraut. Hätte man diesen Handlungsstrang auf mehrere Folgen verteilt, so wäre eine langsamere und damit glaubwürdigere Annäherung möglich gewesen. Auch Michael O’Hares Schauspiel muss man hier leider zu den Kritikpunkten zählen. Sein in vielen Szenen immer gleicher, statischer Gesichtsausdruck mit zusammen gezogenen Augebrauen, die wohl so etwas wie intensive Ernsthaftigkeit zum Ausdruck bringen sollen, lässt Sinclair lediglich unnahbar wirken, so dass man zumindest in dieser Episode nicht wirklich hinter die Fassada dieser Figur dringt. Lediglich in der Szene, in der Sinclair sich in seinem Quartier mit Biggs und Ivanova unterhält, fällt O’Hares Schauspiel positiv auf. Interessanterweise spielt Sinclair in dieser Szene Biggs ja selbst etwas vor – vielleicht fiel O’Hare dieses doppelbödige Schauspiel leichter? (Dass Michael O’Hare während der Produktion der ersten Staffel ernste psychische Probleme hatte, ist inzwischen bekannt. Trotzdem erlaube ich es mir hin und wieder, sein Schauspiel zu kritisieren – oder auch zu loben, insgesamt finde ich an seiner Darstellung von Sinclair nämlich mehr positive als negative Aspekte.)

Auch Susan Ivanova kommen wir in dieser Episode nicht wirklich nah. Mit Malcolm Biggs lernen wir zwar eine Person aus ihrer privaten Vergangenheit kennen und erleben Susan zumindest kurzzeitg so offen und gelöst wie das bisher kaum der Fall war. Wir erhalten ein paar neue Informationen über sie, doch all das verstärkt nur das Bild der kühlen, sich ihren Mitmenschen nur langsam und widerwillig öffnenden Frau, das die Serie seit der ersten Folge von ihr zeichnet. Ivanovas Darstellerin, Claudia Christian, hat auf Conventions mehrmals erzählt, dass sie Joe Straczynski nach der ersten Staffel gebeten hat, Ivanovas Persönlichkeit mehr ihrer eigenen anzugleichen und die Figur weniger steif und dafür offener und humorvoller zu gestalten. Dies wurde ab der zweiten Staffel auch berücksichtigt und Ivanovas Verschlossenheit während der ersten Staffel von Christian damit gerechtfertigt, dass sie neu auf der Station war und ganz einfach eine Zeit lang brauchte, bis sie sich ihren Kollegen öffnen konnte.

Und wenn ich schon beim Stichwort „unnahbar“ bin: In dieser Folge hat auch Kosh wieder einen denkwürdigen Auftritt. Als er von Sinclair um Hilfe bei der Deeskalation der Situation gebeten wird, gibt er lediglich zur Antwort, dass die Vorlonen sich nicht für die Angelegenheiten anderer interessieren. (Mehr zu Kosh unter „Sonstige Fragen“)

Highlight der Episode: Keine bestimmte, einzelne Szene. Aber als ich mir die Folge für diesen Blogpost nach langer Zeit wieder einmal angeschaut habe, war ich erstaunt über die Aktualität der geschilderten Ereignisse. Fremdenhass und die Angst vor dem „Anderen“, das anhand scheinbar willkürlicher Kriterien wie „Rasse“, Aussehen oder Religion fest gemacht wird, gehören im „Babylon 5“-Universum im Jahr 2258 leider noch genauso zum Alltag wie im Jahr 2015 (oder im Jahr 1994, als diese Folge erstmals gesendet wurde). Im Rahmen der Pegida-Bewegung gehen in Deutschland Menschen derzeit auf die Straße, um gegen eine vermeintliche Isalmisierung unserer Gesellschaft und gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu demonstrieren. Genau wie die Attentäter, die heute in die Redaktionsräume der französischen Satirezeitung Charlie Hebdo eingedrungen sind und in unfassbarer Grausamkeit zwölf Menschen getötet haben, stehen sie einem friedlichen Miteinander im Weg und schaffen neue Probleme, statt gemeinsam mit Andersdenkenden an der Lösung bestehender Probleme zu arbeiten.
Die folgenden Zitate aus der Episode erinnern stark die Parallelen zwischen dem aktuellen Zeitgeschehen und den fiktiven Ereignissen der Serie:
„If you ask me they got the right idea. It’s about time we human beings stood up for our rights. Damn aliens ruin everything for us.“ (Der von Garibaldi verhörte Tatverdächtige, als er auf die Homeguard angesprochen wird.)
„Alien ambassadors setting policy for humans. Alien workers taking jobs from human beings. Inhuman criminals preying on decent people. […] We want to put a stop to that.“ (Malcolm Biggs)

Londo/G’Kar-Moment: Die beiden haben keine gemeinsame Szene, aber Londos kurzer Monolog, in dem er Kiron und Aria von seinen drei Frauen erzählt, ist wirklich köstlich (s. Zitat unten).

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Wie ich schon angesprochen habe, lernen wir die von alten Traditionen geprägte Kultur der Centauri hier besser kennen. Londo erwähnt, dass arrangierte Ehen auf seiner Welt bereits seit Tausend Jahren alltäglich sind. Nach Liebe wird bei diesen Hochzeiten selten gefragt, die beteiligten Familien streben vor allem danach, sich möglichst viel Macht, Einfluss und finanzielle Vorteile zu schaffen.
Auch die Ereignisse des Pilotfilms werden hier noch einmal angesprochen und von Sinclair praktisch zusammen gefasst. Das zeigt, dass „Babylon 5“ nichts vergisst (okay, es gibt Ausnahmen – wie beispielsweise Delenns Ringe aus dem Pilotfilm). Kurz nach der Inbetriebnahme der Station war damals ein Anschlag auf Botschafter Kosh verübt worden. Die Telepathin Lyta Alexander und der Stationsarzt Dr. Benjamin Kyle, die Kosh danach gescannt bzw. untersucht haben, wurden kurz darauf zurück zur Erde beordert. Der Täter war, wie sich später heraus stellte, ein Minbari, der einer extremistischen Splittergruppe angehörte. Sinclair stellt hier auch die – ebenfalls von vielen Fans der Serie gestellte – Frage, wie Kosh denn mit Hilfe eines Hautpflasters vergiftet werden konnte, obwohl er einen Schutzanzug trägt. Ivanova äußert darauf hin die Vermutung, dass dieser Anzug womöglich allein dazu dient, Koshs wahres Aussehen zu verbergen.
Auch der wachsende Fremdenhass auf der Erde wird, wie ich oben schon erwähnt habe, noch sehr wichtig für die Serienhandlung werden.

Sonstige Fragen:

  • Was genau studiert/lernt Kosh mit Hilfe des Bildschirms in seinem Quartier? Seine Antworten auf Sinclairs Fragen sind wie gewöhnlich wenig hilfreich, aber es scheint, als interessiere er sich sehr für die Menschheit und ihre Geschichte.
  • Wieso hat die Dichterin Shaal Mayan einen Vor- und einen Nachnamen? Alle anderen Minbari, die wir bislang kennen gelernt haben, tragen lediglich einen Namen (Delenn, Lennier). Womöglich handelt es sich bei einem der beiden Namen um einen Künstlernamen oder einen Titel (Danke an @TanjaKinkel auf Twitter!).
  • Glaubt Londo wirklich nicht (mehr) an die Liebe? In „Born To The Purple“ hat er sich doch selbst noch wie ein verliebter Teenager verhalten – und hier weigert er sich zunächst standhaft, dem Anliegen der beiden jungen Verliebten Gehör zu schenken. Hat er nach seiner kurzen, aber leidenschaftlichen Beziehung mit Adira beschlossen, seine Gefühle tief in sich zu vergraben, weil ihn die Erinnerung daran so sehr schmerzt? Seine Entscheidung am Ende der Episode zeigt ja zumindest, dass er nachempfinden kann, was Kiron und Aria fühlen. Aus irgendeinem Grund scheint er aber gleichzeitig zu glauben, dass es für ihn zu spät sei, um seinem Herzen zu folgen (vgl. die beiden letzten Zitate ganz unten).
  • Woher hat Malcolm Biggs nur diesen schrecklichen Pullover, den er in einer seiner Szenen trägt?

Weitere interessante Punkte: 

  • Londo bezeichnet seine drei Frauen als „Pestilence, famine and death“ und zählt damit drei der vier apokalyptischen Reiter auf. Dies lässt die Interpretation zu, dass der nicht von Londo erwähnte, den Krieg symbolisierende Reiter, ihn selbst bezeichnet.
  • Von Garibaldi erfahren wir, dass Ivanova in den Gartenanalagen von Babylon 5 Kaffee anbaut, was den Stationsvorschriften zufolge nicht erlaubt ist. Diese Charactereigenschaft Ivanovas wurde von ihrer Vorgängerin Laurel Takashima übernommen, die im Pilotfilm ebenfalls erwähnt, dass sie sich den Luxus leistet, echten Kaffee anzubauen.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Szene, in der Sinclair und Ivanova über die Ereignisse aus dem Pilotfilm sprechen, war eigentlich für „The Parliament of Dreams“ gefilmt worden. Weil diese Episode aber drei Minuten zu lang und „The War Prayer“ drei Minuten zu kurz war, verschob man die Szene hierher.
  • Der Originaltitel der Folge ist ein Verweis auf das gleichnamige Gedicht von Mark Twain, das Straczynski zufolge jeder gelesen haben sollte.
  • Die Drehbuchautorin dieser Episode, D.C. Fontana, ist vor allem für ihre Drehbücher der ersten „Star Trek“-Serie bekannt. Das Drehbuch zu „The War Prayer“ schrieb sie auf der Grundlage eines kurzen Treatments von JMS.
  • In einer Episode von „Star Trek: Deep Space Nine“ wird ebenfalls ein Außerirdischer (soweit ich weiß ein Ferengi) angegriffen und auf der Stirn mit einem Zeichen gebranntmarkt. Die entsprechende Episode wurde laut JMS ausgestrahlt, nachdem D.C. Fontana ihr Drehbuch für „The War Prayer“ eingereicht hatte. JMS hat weiterhin betont, dass es aufgrund des zeitlichen Rahmens ausgeschlossen ist, dass hier eine der beiden Parteien durch die andere beeinflusst worden ist. Da die „Deep Space Nine“-Folge aber nun einmal vor der B5-Folge gesendet worden war, erwog er zumindest vorübergehend, das Brandzeichen komplett aus der Episode heraus retuschieren zu lassen, weil die Ähnlichkeit zur DS9-Folge so auffällig war. Da das aber zu aufwändig gewesen wäre und das Zeichen auf Shaal Mayans Stirn eine relativ wichtige Funktion in der Handlung einnimmt, entschied er sich schließlich dagegen. [Anmerkung: Ich weiß leider nicht genau, um welche Folge von DS9 es sich handelt. Im Gegensatz zu B5 habe ich DS9 nur einmal gesehen und konnte die entsprechende Episode zumindest bei einer kurzen Wikipedia-Recherche nicht ermitteln. Da JMS den Post, in dem er von der Handlungsparallele berichtet, am 2.10.1993 geschrieben hat, kann es sich jedenfalls nur um eine Folge aus der ersten Staffel oder um die erste Folge der zweiten Staffel handeln. Alle anderen Folgen wurden später gesendet. Falls jemand unter euch Lesern weiß, welche Episode gemeint ist, dann schreibt es doch bitte in einen Kommentar, damit ich den Blogpost abändern kann!]

Zitate:

Ivanova zu Garibaldi: „You’re a vicious man.“
Garibaldi: „I’m head of security. It’s in the job description.“

Londo (als Sinclair das junge Centauri-Paar in seine Obhut übergibt): „What am I supposed to do with them?“
Sinclair: „You’re always saying the Centauri are an advanced race. You figure it out.“

Londo (entrüstet): „Love!? What does love have to do with marriage!??“

Londo: „These are my three wives – pestilence, famine, and death. Do you think I married them for their personalities? Their personalities could shatter entire planets. […] Knowing that they were waiting at home for me keeps me here. 75 light years away.“

Londo (seinen Vater zitierend): „My shoes are too tight. But it doesn’t matter, because I have forgotten how to dance.“

Shaal Mayan: „Ambassador, I have travelled far and seen much. And what I have seen tells me that all sentient beings are best defined by their capacity and their need for love.“
Londo: „And she [Aria] will learn to live without it.“
Shaal Mayan: „As you did?“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.08 „And the Sky Full of Stars“

Neue Podcast-Entdeckung: „The Arkham Sessions“

Vor etwa 18 Monaten habe ich angefangen, regelmäßig Podcasts zu hören. Anfangs waren es vor allem solche über „Babylon 5“, dann kamen nach und nach immer mehr „Star Wars“-Podcasts dazu und hin und wieder entdecke ich auch hörenswerte Podcasts, die tatsächlich in keine dieser Kategorien fallen.

So geschehen vor kurzem, als ich „The Arkham Sessions“ entdeckt habe, einen Podcast, der sich aus psychologischer Sicht mit „Batman – The Animated Series“ beschäftigt. Dr. Andrea Letamendi, einer der beiden Hosts des Podcasts, war vor kurzem in irgendeinem der vielen „Star Wars“-Podcasts, die ich regelmäßig anhöre, zu Gast und hat dort von den „Arkham Sessions“ erzählt. Obwohl ich die Batman-Zeichentrickserie so gut wie nie gesehen habe und außer den Kinofilmen von Tim Burton (super!), Joel Schumacher (vergessen wir lieber…) und Christopher Nolan (Film Nr. 3 war enttäuschend) eigentlich kaum mit Batman in Berührung gekommen bin, fand ich das Konzept eines Podcasts, der sich aus psychologischer Sicht mit den Helden und Schurken aus Gotham City beschäftigt, sofort interessant. Denn wo sonst finden sich so viele, alle von unterschiedlichen psychischen Problemen gezeichneten Charaktere wie im Batman-Universum? Allein über Batman / Bruce Wayne alleine könnte man diesbezüglich wohl ganze Dissertationen schreiben.

Ich habe mir jedenfalls inzwischen ein paar Folgen des Podcasts angehört und muss sagen, dass ich begeistert bin – und das wie gesagt, obwohl ich die Fernsehserie gar nicht kenne. Andrea Letamendi, die ihren Doktor in klinischer Psychologie gemacht hat und ihr Co-Host Brian Ward besprechen in jeder Podcast-Folge eine Episode der Trickserie und analysieren dabei zum Beispiel die Krankheitsbilder von Dr. Crane (Scarecrow), dem Joker und allen anderen Bösewichten, die sonst noch vorkommen. Die Besprechung erschöpft sich dabei nicht in einer kurz gefassten Diagnose, sondern geht noch weiter und fragt zum Beispiel danach, wie man eine Person wie den Joker behandeln würde oder unter welchen Folgen die Opfer seiner Verbrechen zu leiden haben und wie man diese wiederum behandeln würde.  Immer wieder werden auch reale Kriminalfälle vorgestellt, die den in der Serie begangenen Verbrechen ähneln (ja, die gibt es tatsächlich!) und die Krankheitsbilder der Charaktere werden zum Anlass genommen, psychische Phänomene wie beispielsweise Phobien ernsthaft zu diskutieren.

Besonders gut gefällt mir an „The Arkham Sessions“, dass Letamendi und Ward ihr Thema ernst nehmen. Natürlich handelt es sich „nur“ um eine Zeichentrickserie, die hier besprochen wird und die dargestellten Ereignisse sind längst nicht immer realistisch. Doch wenn man sich ein paar Folgen des Podcasts angehört hat, merkt man schnell, dass die Serie nicht nur zweidimensionale Charaktere zu bieten hat und es hier wirklich einiges zu analysieren gibt. Und das beste ist: man lernt dabei tatsächlich etwas!

Unter „Mission“ beschreibt Dr. Letamendi  übrigens die Ziele, die sie mit ihren Aufsätzen, Auftritten bei Conventions und anderen Anlässen sowie mit den „Arkham Sessions“ verfolgt. Darunter finden sich nicht nur Punkte wie „To increase awareness and knowledge of psychology, including mental health disorders and their treatments.“ oder „To reduce the stigma and misconceptions associated with mental health disorders […].“, sondern auch: „To NERD OUT.“ Diese Verbindung aus wissenschaftlichem Anspruch und nerdigen Debatten gelingt in den „Arkham Sessions“ wirklich gut. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Folgen anhören und wer weiß, vielleicht sogar mal in die TV-Serie oder den einen oder anderen Batman-Comic reinschauen. Oder gleich einen eigenen wissenschaftlichen Nerd-Podcast ins Leben rufen. Bei meinem Hintergrund wäre das dann wohl etwas über „Star Wars“ aus soziologischer Sicht….

Under The Skin – Der beste Film des Jahres

Spoilerwarnung! Dieser Blogpost enthält inhaltliche Details zu „Under The Skin“ und verrät u.a. das Ende des Films (das jedoch erst im letzten Abschnitt „Fremdheit als Methode“).

Nachdem ich mich in einem meiner letzten Blogposts auf die dunkle Seite der Macht begeben und mich äußerst emotional über den neuen, inhaltslosen „Die Tribute von Panem“-Fim aufgeregt habe, will ich nun ins andere Extrem ausschlagen und Jonathan Glazers „Under The Skin“ zum mit Abstand besten Film des Jahres erklären. In diesem Fall stehe ich mit meiner Meinung viel weniger alleine da, obwohl es durchaus Leute gibt, die mit dem Film überhaupt nichts anfangen können.

Der Film

„Under The Skin“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michel Faber (auf deutsch erschienen als „Die Weltenwanderin“), wobei Jonathan Glazer und sein Co-Drehbuchautor Walter Campbell hier wirklich nur die Grundidee des Romans für den Film übernommen haben. Und die lautet: Ein als verführerische junge Frau getarntes Alien fährt mit dem Auto durch Schottland, um männliche Anhalter einzusammeln, die anschließend umgebracht und verspeist werden (wobei das mit dem Verspeisen im Film schon nicht mehr ganz eindeutig ist, aber dazu später mehr).

Ich habe „Under The Skin“ Anfang Juli auf dem Filmfest München zum ersten Mal gesehen – es war eines der beeindruckendsten Kinoerlebnisse meines Lebens. Ganz, ganz selten gibt es Filme von einer solch starken und eindrucksvollen bildlichen Erzählkraft, die dann auch noch ganz und gar im Dienst der Geschichte steht, so dass die Bilder nie zum Gimmick oder Selbstzweck verkommen. Mir fällt spontan nur ein einziger anderer Film ein, von dem man das ebenfalls behaupten kann (obwohl es sicher noch einige mehr gibt): „Blade Runner“. In beiden Fällen übernehmen die starken Bilder eine besonders wichtige Rolle bei der Vermittlung der Handlung und erzeugen eine einzigartige Atmosphäre, die einen geradezu in den Film hineinsaugt. Die ganz besondere, ausdrucksstarke Bildsprache von Jonathan Glazer und Ridley Scott (übrigens beide erfahrene Werbefilmer) ergänzt in beiden Fällen die Handlung des Films perfekt, so dass sich jeweils etwas Größeres, Einzigartiges ergibt. „Under The Skin“ ist ein Meisterwerk.

Dabei hätte der Film auch ganz anders aussehen können. Das Drehbuch hielt sich ursprünglich viel enger an den Roman, beinhaltete eine größere Zahl an Figuren und einige viel aufwändiger geplante Szenen (Glazer erzählt davon in den Dokumentationen auf der DVD/Blu-ray). Beispielsweise hätte der Beginn des Films, der die „Geburt“ von Scarlett Johanssons namenloser Figur zeigt, eigentlich wesentlich länger ausfallen sollen. Aus Geldmangel musste Glazer jedoch auf eine aufwändige Szene mit vielen Spezialeffekten verzichten, statt dessen wurde die Sequenz – und das gilt für den gesamten Film – auf ihr Wesentliches reduziert. Stellvertretend für die Formierung des Aliens in Menschengestalt sieht man in den ersten Minuten des Films zunächst nur schemenhaft erkennbare Formen. Dazu hört man Johanssons Stimme immer wieder sinnlose Silben und Laute wiederholen (sind das die Sprechübungen eines außerirdischen Wesens, das die englische Sprache erlernt?). Nach einigen Minuten wird aus den Schemen auf der Leinwand ein Auge. Eine Erklärung für all das wird nicht geliefert, man muss die Bilder und Töne selbst deuten. Genau das macht den Film so interessant und ergiebig. Er liefert eindrucksvolle, teils verstörende Bilder, bleibt deren Erklärung oder Interpretation aber schuldig. Diese Bilder bleiben manchmal vage und zeigen nie mehr als das, was nötig ist – eine sehr ökonomische, aber auch äußerst kraftvolle Art des Geschichtenerzählens, die eben aus der Not geboren wurde, dass hier nur begrenzte Mittel zur Verfügung standen.

Aber „Under The Skin“ kann nicht nur visuell begeistern, auch die Filmmusik von Mica Levi trägt einen entscheidenden Teil zur verstörenden, einzigartigen Atmosphäre des Films bei. Ebenso auf das Wesentliche reduziert wie die Bilder, wirkt auch sie gerade deshalb umso stärker. In den Verführungsszenen, in denen die Männer langsam in ihr Verderben laufen, erzeugt das eingesetzte Streichermotiv eine hypnotische, gleichzeitig warnende und doch sirenenhaft verlockende Wirkung. Ganz und gar nicht mehr verlockend, sondern nur noch furchteinflößend ist das Motiv lediglich am Ende des Films, als sich die Verhältnisse umkehren. Seit Hitchcocks „Psycho“ hatten Geigen in einem Film keine so verstörende Wirkung mehr wie in „Under The Skin“. (Hier kann man den brillanten Score von Mica Levi anhören.)

Um noch einmal auf das hier schon mehrmals benutzte Wort „verstörend“ zurück zu kommen: Mit diesem Wort lässt sich die Wirkung, die der Film auf mich hatte, am besten zusammen fassen. Die Reduktion der Geschichte auf ihre Kernelemente, der äußerst sparsame Einsatz von Dialogen in Verbindung mit einer meisterhaft komponierten Bildsprache und der Filmmusik, die klingt wie nicht von dieser Welt und nicht zuletzt auch Scarlett Johanssons Schauspiel, das über weite Strecken ohne Worte die erwachende Neugier eines fremden Wesens für das Menschsein glaubwürdig und nachvollziehbar darstellt – all das hat mich nach knapp zwei Stunden wie hypnotisiert im Kinosessel zurück gelassen. Ich konnte den Film lange nicht hinter mir lassen; er verfolgte mich auf dem Nachhauseweg bis in meine Träume und ließ mich wochenlang nicht mehr los. Das Gesamtkunstwerk, das alle Beteiligten hier erschaffen haben, rührt scheinbar an menschliche Urängste und bietet schon allein deshalb so guten Stoff für (Alp)Träume, weil die Erzählstruktur und die Bilder des Films selbst einem Traum ähneln. Tatsächlich war ich beim wiederholten Anschauen des Films erstaunt, einige Bilder darin zu sehen, von denen ich dachte, ich hätte sie lediglich geträumt. „Under The Skin“ scheint vom Unterbewusstsein seiner Schöpfer direkt auf die Leinwand geworfen worden zu sein und bahnt sich auch beim Zuschauer direkt den Weg zu im Unterbewusstsein lagernden Ängsten, Trieben und Sehnsüchten.

Das Science-Fiction-Genre wird häufig dazu genutzt, Aussagen über den aktuellen Zustand der Menschheit zu treffen, die so nur über den „Umweg“ über eine fremde, futuristische Welt möglich sind. Einerseits verfährt auch „Under The Skin“ nach diesem Schema, um elementare Fragen nach der Bedeutung des Menschseins zu stellen; andererseits reduziert Jonathan Glazer auch die Science Fiction-Elemente auf das gerade noch Nötige. Am Anfang des Films sind kurz die Lichter eines Raumschiffes zu sehen, das im wolkenverhangenen Himmel verschwindet. Viele Zuschauer werden es beim einmaligen Anschauen des Films gar nicht bewusst wahrnehmen. Und gerade weil die Fremdheit von Scarlett Johanssons Figur so allgemein gehalten wird, ist ihre Aussagekraft umso gößer. Das einzige außerirdische – oder besser, da allgemeingültiger: fremdartige – Element, das der Film zeigt, ist die Psychologie seiner Hauptfigur (vgl. diese Besprechung des Films). Natürlich gibt es die Szenen, in denen die von der Protagonistin angelockten, ahnungs- und scheinbar willenlosen Männer in ein schwarzes Nichts hineingleiten, das später nichts von ihnen zurück lässt als ihre Haut. Doch was genau dabei geschieht, lässt der Film offen, was den Vorgang nur noch, ja, verstörender macht. Sollen diese Bilder lediglich Metaphern sein? Oder sind sie wörtlich zu nehmen, geschieht hier also exakt das, was man sieht? Und wenn ja, was geschieht dann eigentlich? Wie soll das funktionieren, dass Menschen in einem schwarzen Nichts versinken, das sie in einem blitzartigem Sog ihrer Innereien entledigt? „Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.“, lautet das dritte der von Arthur C. Clarke formulierten Gesetze, und dementsprechend finde ich, dass man über das Wie dieser Szenen nicht nachdenken braucht. Was dort aber gezeigt wird, das ist trotz der starken Bilder nicht ganz klar. Geht es den Auftraggebern von Johanssons Figur um die Innereien der gefangenen Männer? Oder haben sie es auf deren Haut abgesehen? (Schließlich könnte man das Abfließen des aus der Haut gesaugten Inhalts auch als davon fließenden Abfall interpretieren.)

Überhaupt wirft der Film viele Fragen auf. Da er zwar wie gesagt ausdrucksstarke Bilder bietet, sie aber nicht erklärt und ihre Interpretation vollkommen dem Zuschauer überlässt, sind hier zahlreiche verschiedene Auslegungen des Geschehens möglich. Warum beispielsweise ist die Hauptfigur des Films überhaupt auf der Erde? Ist sie ein eigenständig handelndes Individuum oder nur eine von vielen, die ähnliche Aufträge ausführen? In welchem Verhältnis steht sie zu dem Motorradfahrer, der immer wieder hinter ihr aufzuräumen scheint? Ist er ihr Kollege oder ihr Vorgesetzter? Er scheint sie jedenfalls zu überwachen, wie die vollkommen wortlose Szene nahelegt, in der er ihre Augen inspiziert. Und falls es zutrifft, dass Menschenfleisch für die Außerirdischen eine Nahrungsquelle darstellt (wie es der Roman nahelegt), warum haben sie dann diese scheinbar so umständliche Methode zu seiner Gewinnung gewählt? Warum fallen sie nicht ganz offen über die Erde her und sammeln uns Menschen ein?

Die Bilder von „Under The Skin“ sind jedenfalls von einer unbeschreiblichen Wucht. Sie stellen Kino in seiner reinsten Form dar und wollen, ja müssen auf der großen Leinwand erlebt werden, um ihre Wirkung voll entfalten zu können. Umso trauriger ist es, dass sich der zuständige Senator Filmverleih dazu entschieden hat, den Film in Deutschland nicht ins Kino zu bringen, angeblich weil hierzulande „kein Markt“ dafür vorhanden zu sein scheint. Das ist äußerst bedauernswert, allerdings hat die daraufhin ins Leben gerufene Kampagne, die sich für einen Kinostart von „Under The Skin“ einsetzt, durchaus Erfolge gezeigt. So haben in den letzten Monaten bundesweit mehr und mehr Kinos den Film in ihr Programm genommen, obwohl ihm offiziell gar kein Kinostart vergönnt war und er seit Mitte Oktober als DVD und Blu-ray zu haben ist. (Inzwischen ist er aus den meisten Kinos wieder verschwunden, aber vielleicht findet der eine oder andere Filminteressierte auf dieser Website doch noch ein Kino, in dem der Film noch läuft.)

Die Buchvorlage

Wie ich schon erwähnt habe, wurde die Handlung des Romans für die Verfilmung auf ihre grundlegenden Elemente reduziert. Während der Film sich vor allem darauf konzentriert, das menschliche Dasein aus einer verfremdeten Perspektive zu betrachten (dazu weiter unten mehr), geht Michel Faber in seinem Roman „Die Weltenwanderin“ viel ausführlicher auf den Prozess der Nahrungsgewinnung ein – denn zu keinem anderen Zweck sammelt die Hauptfigur Männer von der Straße ein. Im Buch trägt diese Hauptfigur den Namen Isserly und gehört einer Spezies von hundeartigen Außerirdischen an, die normalerweise über ein dichtes Fell und große Ohren verfügen und auf vier Beinen laufen. Da Isserly aber als menschliche Frau getarnt auf Männerfang geht, wurde sie operiert, um menschlich auszusehen. Unter anderem wurde ihre Wirbelsäule „begradigt“, sie bekam menschlich-weibliche Brüste verpasst und rasiert sich zudem regelmäßig, damit ihr kein Fell wächst. Zudem trägt sie eine Brille mit dicken Gläsern, die ihre fremdartigen Augen tarnen soll.

Neben Isserly lernen wir im Buch noch einige weitere Angehörige ihrer Spezies kennen. Zur Tarnung betreiben die Aliens einen Bauernhof. Isserlys Vorgesetzter Esswis, der als einiziger von ihnen ebenfalls zum Menschen umoperiert worden ist, tritt als dessen Besitzer auf, bemüht sich jedoch, den Kontakt zu den Menschen auf ein Minimum zu beschränken, um den wahren Zweck der Einrichtung geheim zu halten: Im Untergrund befindet sich dort nämlich so etwas wie ein „Massenmenschhaltungsbetrieb“, in dem die von Isserly herbei geschafften Männer gemästet und schließlich geschlachtet werden. Dort arbeiten zahlreiche weitere Außerirdische, deren äußeres Erscheinungsbild allerdings nicht verändert wurde. (Es ist anzunehmen, dass es sich bei Esswis um die Rolle handelt, die in einer frühen Drehbuchfassung des Films von Brad Pitt hätte gespielt werden sollen.)

Wie im Film fährt Isserly mit dem Auto durch die Gegend, auf der Suche nach männlichen Anhaltern, die sie dann mitnimmt und im Auto ausfragt. Wenn sich herausstellt, dass ihr Mitfahrer keine Familie hat und bei seinem Verschwinden die Spur nicht zu ihr zurück verfolgt werden kann, betätigt Isserly einen am Lenkrad angebrachten Schalter, der aus dem Beifahrersitz zwei Nadeln fahren lässt, die ihrem Opfer ein lähmendes Gift injezieren. Die so überwältigten Männer bringt Isserly anschließend in die unterirdischen Etagen des Bauernhofs, wo man ihnen die Zunge abschneidet und sie kastriert, sie aber vorerst am Leben lässt und mästet. Nach einigen Monaten werden die fett gewordenen Männer schließlich getötet und ihr Fleisch palettenweise auf den Heimatplaneten der Außerirdischen geflogen, wo es offenbar als Delikatesse gilt.

Buch und Film haben gemeinsam, dass nur nach und nach enthüllt wird, was genau vor sich geht. So ist zu Beginn des Romans beispielsweise noch nicht klar, dass es sich bei Isserly nicht um einen Mensch handelt. Auch die verschiedenen Kellergeschosse der Fleischfabrik und die dortigen Geschehnisse werden über den Roman verteilt eines nach dem anderen geschildert. Zudem bietet das Buch – genau wie der Film – ein paar schockierende Bilder, bei denen man das eine oder andere Mal schlucken muss – zum Beispiel bei Fabers Schilderung des Daseins der stummen und hilflosen Männer, kurz bevor sie zu wohlschmeckenden Filets verarbeitet werden.

Interessanterweise bezeichnen sich die Außerirdischen im Roman selbst als „human beings“ und sehen uns Menschen als primitive, nicht zu komplexer sprachlicher Kommunikation fähige Wesen, was ihnen als Rechtfertigung dient, uns  einzufangen und zu essen. (Man muss nicht viel Interpretationsarbeit betreiben, um zu sehen, dass Faber hier eine Metapher auf den Fleischkonsum und die Massentierhaltung der menschlichen Gesellschaft geschrieben hat.) Isserly, die durch ihre Arbeit regelmäßig Kontakt zu Menschen hat, weiß es besser, behält diese Informationen aber aus Angst vor ihren Vorgesetzten für sich. Es ist dieser Aspekt des Kennenlernens einer fremden (nämlich unserer menschlichen) Kultur und die damit einhergehende Vermenschlichung der Hauptfigur, auf den sich Jonathan Glazer in seiner Verfilmung konzentriert hat.

Erwähnenswert ist noch die recht interessante Episode im Roman, als Amlis, der Sohn des Firmenchefs, dem Bauernhof einen Besuch abstattet, um den Betrieb zu inspizieren. Pikanterweise ist Amlis Vegetarier und hält es für falsch „vodsels“, wie die Außerirdischen uns Menschen nennen, als niedere Wesen zu betrachten, die ohne Rücksicht auf ihre Gefühle gemästet und gegessen werden.

Wie durch diese Beschreibung des Romans deutlich wurde, haben sich Walter Campbell und Jonathan Glazer in ihrem Drehbuch wirklich nur auf die Grundidee des Romans gestützt. Zwar enthielten frühere Drehbuchfassungen noch eine größere Anzahl an Figuren und mehr Übereinstimmungen mit dem Buch, doch sowohl finanzielle Notwendigkeiten als auch der Wunsch, sich ganz auf die außerirdische Hauptfigur zu konzentrieren, die unser menschliches Dasein erkundet, führten schließlich zu dem in seiner Handlung sehr reduzierten, aber nichtsdestotrotz äußerst komplexen Film.

Fremdheit als Methode

Da ich Soziologie studiert habe und mich für meine Abschlussprüfungen mehrere Monate lang unter anderem mit dem Phänomen der Fremdheit bzw. des Fremden beschäftigt habe, sind mir in „Under The Skin“ einige Dinge aufgefallen, die ich so oder ähnlich im Studium kennen gelernt habe. Scarlett Johansson spielt ja im Grunde nichts anderes, als eine völlig Fremde. Eine Außerirdische allein unter Menschen, das ist geradzu das Paradebeispiel für Fremdheit. Die Menschen, denen sie begegnet, erkennen sie allerdings nicht als Fremde, da sie wie ein Mensch aussieht und auch wie einer spricht. (Johansson spricht im Film zwar mit einem Londoner Akzent, insofern hat sie für die Schotten, mit denen sie interagiert, durchaus etwas Fremdes an sich – viele dieser Begegnungen wurden übrigens mit versteckten Kameras gefilmt und entstanden mit „echten“ Passanten, die erst im Nachhinein über den Filmdreh aufgeklärt wurden. Aber in der Welt des Films wissen die Menschen um sie herum natürlich nicht, dass sie kein Mensch ist.) Für Isserly – ich benutze jetzt mal den Namen aus dem Buch, obwohl sie im Film namenlos bleibt – sind die Welt und die Lebewesen um sie herum vollkommen fremd. Sie selbst unterscheidet sich deutlich von den Menschen, diese Differenz ist jedoch verborgen und wird deshalb für die Menschen um Isserly nicht relevant. Damit haben wir hier einen Sonderfall von Fremdheit vor uns. Normalerweise wird eine solche Differenz nämlich dann relevant, wenn ein Fremder in eine Gruppe kommt. In diesem Fall aber wird die Differenz, das Außerirdische, bewusst getarnt.
Als eines der wesentlichen Merkmale des Fremden beschreibt der Soziologe Georg Simmel dessen Objektivität. Da der Fremde über die Gruppe, in der er sich nun befindet, kaum etwas weiß und ihm die Gebräuche und Denkweisen der Menschen dort fremd sind, verfügt er über eine gewisse Freiheit, die die „festen“ Gruppenmitglieder nicht besitzen und die es ihm gestattet, das Leben um sich herum aus einer sich von der ihren unterscheidenden Perspektive wahrzunehmen. Aufgrund seiner Herkunft und damit völlig anderen Lebensweise bringt er eine andere Sichtweise der Dinge mit, als sie den Gruppenmitgliedern gegeben ist. Interessanterweise hat Scarlett Johansson schon einmal ein solches Wesen gespielt, in „Lost In Translation“, wo es ja auch u.a. um das Thema Fremdheit ging.

Natürlich kann jeder Fremde mit der Zeit zum (fast) vollwertigen Gruppenmitglied werden, das sich immer weniger von den übrigen Mitgliedern unterscheidet und in diesem Sinne immer weniger fremd wird. Solange diese Annäherung aber noch nicht ausreichend stattgefunden hat, verfügt der Fremde – wie es Alfred Schütz beschreibt – über einen anderen Wissenstypus als die festen Gruppenmitglieder. Er sieht die Welt nicht so, wie die Menschen um ihn herum, was immer dann relevant wird, wenn er mit diesen interagiert und dabei deutlich wird, dass ihm die Möglichkeit zur Bezugnahme auf eine gemeinsam geteilte Welt fehlt. Sein „Denken-wie-üblich“ erweist sich dann als nicht mehr wirksam, bestehende Rezepte zur Auslegung der Welt funktionieren nicht mehr. Der Fremde gerät in eine „Krisis“. (Dazu haben wir damals in einem Seminar einen Filmausschnitt aus „Lost In Translation“ angeschaut, in dem – soweit ich mich erinnere – Scarlett Johansson einer Freundin am Telefon schildert, wie unwohl sie sich im für sie fremden Japan fühlt und schließlich in Tränen ausbricht.)

Die beschriebene Objektivität des Fremden und seine Nichtzugehörigkekt führen auch dazu, dass der Fremde als der „Unentscheibare“ gilt, wie Zygmunt Bauman es formuliert. Das kann positive und negative Auswirkungen für ihn haben. Einerseits liegt gerade in dieser Unbestimmtheit ein großer Spielraum an Möglichkeiten, aber es liegt eben auch noch viel Integrationsarbeit vor dem Fremden, wie das „Lost In Translation“-Beispiel zeigt. Auch Isserly in „Under The Skin“ macht dieses Unentscheidbare zu schaffen. Sie ist den Menschen um sich herum zwar räumlich nah, doch sozial ist sie ihnen fern und enspricht damit ziemlich genau der von Simmel gegebenen Definition des Fremden. Zu dieser gehört auch, dass der Fremde derjenige ist, „der heute kommt und morgen bleibt“, der also nicht nur ein vorrübergehender Besucher ist. Genau das ist auch bei Isserly der Fall, wobei hier allerdings noch dazu kommt, dass sie ihre Tarnung aufrecht erhalten muss und sich den Menschen in ihrer Umgebung gar nicht besonders weit annähern darf. Sie kann also gar nicht zu einem festen Gruppenmitglied werde (in diesem Fall zu einem Menschen, genauer: einem Schotten), sondern muss dauerhaft fremd bleiben.

Eine ähnliche Sichtweise wie die des Fremden, der aus einer anderen Perspektive auf die Menschen blickt, versuchen auch Soziologen häufig einzunehmen. Sie streben danach, eine andere Perspektive einzunehemen, um die soziale Welt um sie herum „von außen“ zu beschreiben und so alle Vorgänge in ihr zu hinterfragen. Jonathan Glazer verfährt in „Under The Skin“ ganz ähnlich; er macht gewissermaßen seine Hauptfigur zur Soziologin (oder Ethnologin) und mit ihr auch die Zuschauer. Wir sehen durch Isserlys Augen unsere eigene Welt ganz neu, denn es ist natürlich keine fremde Welt, die wir hier erforschen, sondern unsere eigene. Sie wird allerdings dadurch fremd gemacht, dass wir sie im Film aus der Perspektive eines Außerirdischen sehen. Soziologisch gesprochen findet dabei ein „Othering“ bzw. eine „VerAnderung“ statt, das heißt es wird ein kulturelles Feld methodisch als fremd behandelt und kann auf diese Weise mit ähnlich Mitteln erforscht werden wie eine tatsächlich fremde Kultur. Unsere eigene, menschliche und vertraute Welt erscheint uns aus der Sichtweise eines Aliens plötzlich als fremd. „Under The Skin“ lässt so den Zuschauer die Welt durch die „soziologische Brille“ sehen.

Eines der stärksten Bilder des Films ist diebezüglich das allein am Strand zurück gelassene Baby. Ein zufällig vorbei kommender Mensch würde sich sofort um das Baby kümmern, nach seinen Eltern suchen und es nach erfolgloser Suche schließlich mitnehmen, auf keinen Fall aber allein am Strand sitzen lassen. Isserly jedoch ist kein Mensch; in ihrem Relevanzschema nimmt das Baby keine besondere Bedeutung ein (schließlich ist sie nur auf der Suche nach gesunden, jungen Männern). Sie nimmt es zwar kurz wahr, betrachtet es jedoch vollkommen objektiv und als etwas ihr Fremdes und lässt es schließlich trotz seiner Schreie zurück. Schließlich zeigt der Film eine letzte Einstellung des einsam am Ufer sitzenden und schreienden Babys, das erfolglos versucht, aufzustehen. Mit einem Mal wird einem die völlige Hilflosigkeit des Menschen in diesem sehr jungen Alter bewusst.

Kurze Zeit später im Film begegnet Isserly einem weiteren Baby, das in einem an der Ampel neben ihr haltenden Auto sitzt – und ungefähr zu diesem Zeitpunkt scheint eine Veränderung in ihr in Gang zu kommen. Nach und nach sieht sie die Menschen nicht mehr völlig objektiv und als bloße Mittel zum Zweck. Sie beginnt sich für sie zu interessieren, und zwar nicht nur im Sinne eines „Verstehens von außen“; sie will nun die menschliche Kultur von innen heraus kennen lernen, sich selbst darin ausprobieren und damit auch ihr eigenes Menschsein erforschen (so paradox das bei einem Außerirdischen auch klingen mag). Fremdheit zu erleben, heißt auch, die Fragwürdigkeit des Eigenen zu spüren und erstmals bewusst die eigene Identität in Frage zu stellen. Obwohl ihr Job es verlangt, dass sie rational und objektiv mit den Menschen umgeht und sie buchstäblich als Ware behandelt, kann Isserly diese Einstellung nicht durchgehend aufrecht erhalten. Die Szene, in der der Motorradfahrer sie von allen Seiten prüfend ansieht und dabei ihren Augen besondere Aufmerksamkeit schenkt, zeigt, dass Isserlys Vorgesetzte offenbar erste Zweifel daran gekommen sind, ob sie ihre Arbeit noch wie vorgesehen ausführen kann. Dies zeigt sich auch ganz klar daran, dass sie eines ihrer Opfer wieder freilässt – aus Mitgefühl?

Zu Beginn des Films sehen wir, dass Isserly nicht die erste Arbeiterin ist, die für die Außerirdischen auf Männerjagd geht. Ihre Vorgängerin, die in die gleiche menschliche Haut gekleidet ist wie sie selbst und damit ebenfalls aussieht wie Scarlett Johansson, liegt scheinbar tot vor ihr. Isserly zieht die Kleidung der Toten an, auf deren Gesicht eine Träne zu sehen ist – ein Zeichen dafür, dass auch sie schon mehr als nur eine bloße Beobachterin sein wollte? Hat auch sie bereits versucht, Teil der menschlichen Gesellschaft zu werden und begonnen, menschliche Gefühle zu entwickeln? Für Isserly selbst wird dieser Versuch – genau wie für ihre Vorgängerin – nicht gut ausgehen. (Übrigens fällt mir gerade auf, wie viele inhaltliche Parallelen sich hier zu „Blade Runner“ finden lassen, aber das würde dann doch zu weit führen.)

Isserly ist also – genau wie ein beobachtender und forschender Soziologe oder Ethnologe – dazu gezwungen, objektiv zu bleiben und sich das Feld, in dem sie sich bewegt, rational und mit einem gewissen emotionalen Abstand anzuschauen. Dies gelingt ihr jedoch nicht; sie möchte schließlich das Menschsein selbst erleben und „von innen heraus“ verstehen, statt es nur „von außen“ zu betrachten. Man könnte also behaupten, dass sie der Gefahr des „going native“ erliegt. Sie verliert durch ihr zu starkes Interesse an der menschlichen Natur und ihre Bemühungen, selbst menschlich zu werden, ihre Objektivität. Letztendlich führt genau das zu ihrem Ende, so wie es vermutlich auch bei ihrer Vorgängerin der Fall war. (Interessante Nebenfrage: Die wievielte „Version“ einer solchen Arbeiterin ist Isserly eigentlich? Führt u.a. vielleicht gerade das Bewusstsein, nur eine von vielen austauschbaren Arbeiterinnen zu sein zu dem Streben nach [menschlicher] Identität? Und wird bei all diesen Arbeiterinnen stets der Wunsch nach einer eigenen Identität und der daraus folgenden versuchten Annäherung an das Menschsein früher oder später zum Problem? Dass Isserly durch den Motorradfahrer genau geprüft wird, scheint zumindest darauf hin zu deuten, dass die Außerirdischen bereits Erfahrungen mit dieser Problematik gemacht haben.)

Das Ende des Films ist ein tragisches. Isserlys Streben nach Identität, nach dem Menschsein und nach einem Kennenlernen der menschlichen Spezies führt zu ihrem Untergang. Sie will die Menschheit besser kennen lernen und muss leider feststellen, dass dieser auch das Schlechte und Böse innewohnt. Diese Erfahrung macht sie gewissermaßen gleich zweimal: Zuerst, als ein Mann sie – als sie noch die Gestalt einer schönen Frau hat – im Wald zu vergewaltigen versucht und anschließend noch einmal, als dieser Mann sie – nachdem er einen Blick auf ihre wahre Gestalt erhascht hat – mit Benzin übergießt und anzündet. In diesem Moment ist sie ganz klar als Fremde zu erkennen. Sie wirkt auf den Mann so fremd, so anders, dass er in seiner Angst vor diesem Anderen, Unerklärbaren zu drastischen Mitteln greift und sie vernichtet.

Fazit

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, wie komplex „Under The Skin“ ist. Der Film ist nicht nur handwerklich ein Meisterwerk, sondern auch von einer solch umfangreichen inhaltlichen Aussagekraft, dass man wohl noch wesentlich mehr analysieren und interpretieren könnte. Meine kurze Interpretation aus soziologischer Sicht ist nur ein möglicher Ansatz. Zum Schluss möchte ich noch ein paar interessante Links posten: Hier gibt es ein Interview mit Jonathan Glazer, in dem er auch auf die Tatsache angesprochen wird, dass der deutsche Verleih „Under The Skin“ hierzulande nicht ins Kino gebracht hat. Hier gibt es ein interessantes, langes Interview mit Adam Pearson, dem Darsteller des deformierten Mannes, den Isserly gefangen nimmt und später wieder frei lässt. Und hier geht es zu einer YouTube-Playlist mit Musikvideos von Glazer – sehr zu empfehlen!

Die Mega-Teaser-Trailer-Woche

Normalerweise versuche ich es ja zu vermeiden, alleine aus der Meldung, dass der Trailer zu irgendeinem neuen Blockbuster veröffentlicht worden ist, einen Blockpost zu zimmern. Das machen schon genug andere. Allerdings waren es auch nicht nur die Trailer zu irgendwelchen Filmen, die diese Woche veröffentlicht worden sind. Es waren die allerersten bewegten Bilder aus den Fortsetzungen von zwei meiner Lieblingsfilme, die am Dienstag bzw. heute vorgestellt wurden.

Jurassic World

„Jurassic World“-Regisseur Colin Trevorrow trat wohl die Flucht nach vorne an, als er den eigentlich für Ende der Woche angekündigten Teaser für seinen Film bereits am Dienstag ins Internet stellen ließ. Schließlich war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass der Freitag ganz im Zeichen des „Star Wars“-Teasers stehen würde (dazu gleich mehr). Der vierte „Jurassic Park“-Film startet Mitte Juni im Kino und ich freue mich riesig! Der erste Teil, den ich als Elfjähriger im Kino gesehen habe, war einer der Filme, die meine Leidenschaft fürs Kino begründet haben. Nun wird es also vierzehn Jahre nach „Jurassic Park III“ einen neuen Film geben. Colin Trevorrows bislang einziger Spielfilm ist die Zeitreise-Komödie „Safety Not Guaranteed“ (in Deutschland unter dem dämlichen Titel „Journey of Love“ auf DVD erschienen), die ich leider noch nicht gesehen habe. Gerüchteweise war Trevorrow auch einer der Regisseure, die für „Star Wars“ in Betracht gezogen wurden. Damit hat es noch nicht geklappt, dafür durfte er einen anderen heiß erwarteten Blockbuster inszenieren – und zumindest die ersten Bilder im Teaser-Trailer sehen durchaus beeindruckend aus. Mehrere Jahre nach den Desastern der ersten drei Filme ist die hinter dem Jurassic Park stehende Firma InGen von einem Konkurrenten aufgekauft worden. „Jurassic World“ lautet nun der Name des neuen, abermals auf der Isla Nublar errichteten Dino-Vergnügungsparks, in dem die Saurier nicht bereits vor der Eröffnung angefangen haben, die Parkbesucher aufzufressen. Damit warten sie dieses Mal wohl, bis der Park gut gefüllt ist. Der Teaser ist eigentlich genauso aufgebaut wie der erste (und wohl auch der kommende) Film. Zuerst gibt es einige Ooh- und Aah-Momente, in denen man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Das gipfelt im Auftauchen des gewaltigen Mosasaurus, der einen weißen Hai verschlingt (ob das Steven Spielberg gefällt?), wobei einem bereits etwas mulmig zumute ist. Danach aber geht wieder das Rennen und Schreien los, wie Ian Malcolm sagen würde, und es bricht Chaos im Park aus. Kaum zu sehen bekommt man im Teaser den neuen, aus dem genetischen Material mehrerer unterschiedlicher Saurierer zusammen gebastelten „D-Rex“ (was wohl entweder für Diabolus-Rex oder Dominus-Rex steht). Dafür aber am Ende ein Rudel Raptoren, das neben dem Motorrad fahrenden Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“) her rennt. Anscheinend sind sie zur Zusammenarbeit mit Menschen trainiert worden – das kann nicht gut gehen…

Star Wars: The Force Awakens

Aber den „Jurassic World“-Teaser lasse ich jetzt mal links liegen, so toll ich ihn auch finde. Denn einerseits bin ich gerade todmüde, andererseits aber so aufgeregt wie schon sehr lange nicht mehr. Der „Star Wars“-Teaser ist da!!!! Leider bleibt uns ein Blick auf einen gealterten Luke Skywalker, auf Han Solo und Prinzessin Leia noch verwehrt, dafür sehen wir aber die drei neuen von John Boyega, Daisy Ridley und Oscar Isaac gespielten Hauptfiguren. Letzterer weist im Cockpit seines X-Wings eine erstaunliche Ähnlichkeit zu Zev Senesca aus „Das Imperium schlägt zurück“ auf. Ob das beabsichtigt ist? Da ich vor dem ersten Kinobesuch möglichst wenig über „The Force Awakens“ wissen möchte, habe ich es vermieden, Plotspoiler und Gerüchte zu lesen. Die nächsten Monate werde ich wohl damit verbringen, mir diese 88 Sekunden immer wieder anzusehen und mir auszumalen, wer die gezeigten Personen sind und in was für Situationen sie sich befinden. Obwohl wir nur fremde Gesichter zu sehen bekommen, ist doch spätestens ab der Einstellung, in der die X-Wings zu sehen sind, das „Star Wars“-Feeling wieder voll da. Der Look, die Sounds und die extra von John Williams für den Teaser geschriebene Musik – all das fügt sich zum typischen „Star Wars“-Cocktail zusammen und erinnert hier doch sehr stark an den „used look“ der Originaltrilogie. Das rote Lichtschwert mit der Parierstange finde ich fantastisch. Vom Sinn oder Unsinn dieses Designs einmal abgesehen sieht die Einstellung, in der der verhüllte Bösewicht in einem nächtlichen, verschneiten Wald seine Klinge zündet einfach nur großartig aus. Die kurze Szene mit dem Millennium Falcon war eindeutig der Höhepunkt des Teasers und hat mich beim ersten Anschauen ziemlich verwirrt, weil ich am Ende gar nicht mehr wusste, wo oben und unten waren. Für die meisten Diskussionen neben dem Lichtschwert-Design hat das Voice-over gesorgt bzw. die Frage, wer denn da eigentlich spricht. Während auf Twitter nur wenige Minuten nach der Veröffentlichung des Trailers die Vermutung verbreitet wurde, es handele sich um Benedict Cumberbatch (der zumindest den bisherigen offiziellen Mitteilungen zufolge nicht am Film beteiligt ist – und ganz ehrlich, er muss ja auch nicht überall dabei sein, so toll er auch ist), vermuteten andere dahinter entweder den mutmaßlichen Bösewicht des Films, gespielt von Adam Driver oder aber Max von Sydow, der ja ebenfalls zum Cast gehört. Neuesten Twitter-Gerüchten zufolge handelt es sich allerdings um die Stimme von Andy Serkis, der ebenfalls zum offiziellen Cast des Films gehört. Ich muss sagen, dass ich ihn durchaus heraus höre, gerade am Anfang bei „There has been an awakening.“ But time will tell…. Ich würde gerne noch mehr schreiben, bin aber gerade zu keinen weiteren klaren Gedanken fähig. Ich bin einfach nur glücklich, diesen Teaser gesehen zu haben. Obwohl ich mir am Dienstag schon den „Jurassic World“-Teaser bestimmt fünf Mal angeschaut habe, ist so ein „Star Wars“-Teaser doch etwas ganz anderes. Die Aufregung und das nun schon mehrere Stunden anhaltende Kribbeln am ganzen Körper machen mir mal wieder bewusst, welchen besonderen Stellenwert „Star Wars“ für mich doch einnimmt. Und nicht nur für mich, sondern ganz allgemein: von Spiegel Online bis Sueddeutsche.de hat schließlich jede Nachrichtenwebsite über das Erscheinen des Trailers berichtet. Die Macht ist erwacht!

Die Tribute von Panem – Mockingjay, Teil 1

Heute habe ich den neuen „Hunger Games“-Film, der am Donnerstag ins Kino kommt, gesehen. In Deutschland trägt er den Titel „Die Tribute von Panem – Mockingjay, Teil 1“, was zum einen auf die Unsitte hinweist, hierzulande fremdsprachige Film(unter)titel scheinbar willkürlich und nur teilweise zu übersetzen (man denke nur an das Wirrwar bei den Titeln der „Fluch der Karibik“ / „Pirates of the Caribbean“-Fortsetzungen) und zum anderen auf die viel schlimmere Unsitte, aus dem letzten Teil einer Romanreihe zwei Filme zu machen, um die doppelte Kohle zu scheffeln (siehe „Harry Potter“ oder „Twilight“). Die Frage, ob die Buchvorlage das Auswalzen auf zwei Filme denn auch rechtfertigt, scheint sich dabei kaum jemand zu stellen.

Im Fall von „Mockingjay, Teil 1“ (die deutsche Übersetzung „Spotttölpel“ wäre als Filmtitel zugegeben auch etwas unglücklich gewählt) kann ich jedenfalls eindeutig sagen: nein, zwei mal zwei Stunden Film sind hier ganz einfach zu viel. Ich finde es sogar eine Frechheit, dass man den Preis einer vollen Kinokarte bezahlen muss, um eine halbe Geschichte zu erleben, für deren zweite Hälfte man dann nächstes Jahr erneut bezahlen soll. Klar, es gibt zahllose Franchises, die in regelmäßigen Abständen uninspirierte Fortsetzungen nachschieben und bei denen die Produzenten sich in dem freudigen Gewissen die Hände reiben, dass der bekannte und im besten Fall auch noch beim Publikum beliebte Titel allein schon einen Großteil der Marketingarbeit übernimmt. Aber selten habe ich einen so inhaltslosen Film gesehen wie heute, der dabei auch noch so sehr zum großen Must-see-Event aufgeblasen wird.

Dabei fand ich den ersten Teil der Reihe noch so gut, wirklich kreativ und erfrischend anders als viele anderen aktuellen Blockbuster, unter anderem natürlich aufgrund der weiblichen Hauptfigur. Teil zwei machte mehr oder weniger das Gleiche wie der erste Film. Das war zwar nicht mehr neu, aber immer noch ganz nett anzusehen, wenn auch schon erste Ermüdungserscheinungen bei mir auftraten. Mit Film Nummer drei hätte man die Reihe nun zu einem runden Ende bringen können, aber nein, die doch eigentlich in ihrer Struktur und Länge vorgegebene Geschichte muss natürlich so lange breit getreten werden, bis sie in zwei Filme passt. Auch wenn dann im ersten dieser beiden Filme wirklich fast nichts passiert.

Jennifer Lawrence trifft dabei keine Schuld. Die wenigen packenden Szenen sind stets die, in denen sie eindrucksvolle Beispiele für die große emotionale Bandbreite ihres Schauspielkönnens gibt. Viele Gelegenheiten dazu bekommt sie leider nicht, denn ihre Katniss Everdeen bleibt in diesem Teil der Geschichte größtenteils zögernd, passiv und zweifelnd. Ich kenne die Bücher nicht, bin mir aber ziemlich sicher, dass das dritte Buch noch den einen oder anderen großen Heldenmoment für Katniss bereit hält – wohl aber erst in seiner zweiten Hälfte. Eine sinnvoll in sich geschlossene und befriedigende Weiterentwicklung der Figur findet dementsprechend in „Mockingjay, Teil 1“ nicht statt, so wie sich hier überhaupt wenig weiter entwickelt. Den ganzen Film durch gibt es immer wieder einander stark ähnelnde Szenen, in denen Katniss und die sie umgebenden Rebellen ihr weiteres Vorgehen planen; dazwischen sieht man immer wieder Jennifer Lawrence durch die Ruinen zerstörter Städte klettern (was den Film auch noch visuell eintönig macht).

Die Actionsequenzen, die man kaum als solche bezeichnen kann, sind extrem dünn gesät, allesamt ziemlich unspektakulär und auch meist schnell wieder vorbei. Dass Katniss am finalen Showdown des Films (der diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient hat) dann nicht einmal selbst teilnimmt, sollte eigentlich jedem Drehbuchautor ein Warnsignal dafür sein, dass man an der Spannungsschraube der Geschichte noch eine Weile drehen müsste. Doch das stand hier wohl leider nicht zur Debatte. Wenn man die Handlung schon auf zwei Filme auswalzt, hätte man wohl auch ein paar drastische Abweichungen zur Vorlage einbauen müssen, um die zweigeteilte Verfilmung zu rechtfertigen. Aber das hat man sich anscheinend nicht getraut bzw. wollte die kreative Energie zu einer möglicherweise sogar sinnvollen Verlängerung der Geschichte nicht aufbringen. So wirkt dann auch der Cliffhanger am Ende des Films ein wenig verzweifelt.

Wie ich eingangs erwähnt habe, halte ich es für eine Unsitte, den letzten Teil erfolgreicher Romanreihen auf zwei Filme aufzuteilen. Fans der Bücher dürfte es zwar freuen, dass sie für den letzten Teil der Geschichte nun doppelt so viel Zeit im Kino verbringen und sich nächstes Jahr auf einen weiteren Film freuen dürfen. Als Mittelerde-Fan freue ich mich ja selbst darüber, dreimal statt nur einmal für den „Hobbit“ ins Kino gehen zu dürfen, auch wenn sich auch in diesem Fall die Handlung im ersten Film teilweise schon arg in die Länge zog. (Immerhin konnte sich Peter Jackson noch auf zusätzliches, von Tolkien selbst verfasstes Material stützen; außerdem liebe ich immer noch seine Actionsequenzen.) Generell finde ich allerdings, dass man gegen diese Unsitte einmal in bester Panem-Manier aufbegehren sollte. Man muss ja vielleicht nicht gleich eine Revolution anzetteln. Aber zumindest nicht mehr für jeden auf mehrere Event-Filme ausgeweiteten Roman ins Kino gehen. Es sei denn, man hat Spaß daran. Doch den hatte ich definitiv nicht.

 

Buffy the Vampire Slayer – Season 3

Nachdem ich zu Beginn des Jahres die erste und die zweite Staffel von Joss Whedon’s „Buffy the Vampire Slayer“ angeschaut habe, habe ich mir im Sommer die dritte Season vorgenommen. Es ist schon wieder eine Weile her, dass ich sie gesehen habe, aber ich versuche mal, aus meinen zahlreichen Notizen schlau zu werden… 😉

Wie gewohnt beginnt die Staffel kurz vor dem Beginn des neuen Schuljahres, genauer gesagt am Abend vor dem ersten Schultag. Buffy (Sarah Michelle Gellar) ist einige Monateg nach den traumatischen Ereignissen des Finales der zweiten Staffel immer noch nicht wieder nach Sunnydale zurück gekehrt und ihre Freunde müssen sich nun ohne ihre Hilfe all die Vampire, die die Stadt heimsuchen, vom Leib halten. Giles (Anthony Stewart Head) versucht derweil verzweifelt, Buffy zu finden. Deren Mutter (Kristine Sutherland) gibt ihm die Schuld am Verschwinden ihrer Tochter. „I feel like you’ve taken her away from me!“, beschuldigt sie Giles wütend.
Buffy lebt inzwischen unter ihrem zweiten Vornamen „Anne“ (so auch der Titel der ersten Folge) in Los Angeles, wo sie sich ihr Geld als Kellnerin verdient. Als sie in die Fänge eines Kults gerät, dessen Ziel es ist, die Identität all seiner Mitglieder auszulöschen, um sie zu widerspruchslosen Sklaven zu machen, findet sie genau darüber wieder zu ihrer Identität zurück. Auf die Frage „Who are you?“ antwortet sie nicht mit dem pflichtgemäßen „I’m no one“, sondern mit „I’m Buffy the Vampire Slayer!“. Am Ende der Folge wird sie zuhause von ihrer Mutter mit offenen Armen empfangen.
Obwohl ich die dritte Staffel nicht direkt im Anschluss an die zweite angeschaut habe, kamen mir die Figuren sofort wieder vertraut vor. Dadurch kam auch die Erinnerung an die bisherige Handlung schnell wieder zurück. Auf Joss Whedons gute Drehbücher, vor allem auf seine hervorragende Charakterzeichnung und seine Stärke für Dialoge ist hier nach wie vor Verlass (die erste Episode stammt wie vier weitere Folgen der Staffel aus seiner eigenen Feder).

Nach ihrer Rückkehr nach Sunnydale muss Buffy wieder in ihre alten Beziehungen zur „Scooby Gang“ und ihrem Mentor Giles zurückfinden. Ihre Freunde machen ihr klar, dass es alles andere als in Ordnung war, einfach abzuhauen, ohne auch nur versucht zu haben, mit einem von ihnen über ihre Probleme zu reden. Auch mit ihrer Mutter spricht sich Buffy aus; interessanterweise schlägt diese ihrer Tochter nun vor, ihre Geheimidentiät als Slayer zumindest einigen Personen zu enthüllen, um so die Chancen zu erhöhen, wieder auf der Sunnydale High School oder einer anderen Schule aufgenommen zu werden:

Couldn’t you just tell a few people, like principal Snyder and maybe the police? I mean, I would think they would be happy to have a – a super hero…is that the right term? I mean, it’s not offensive, is it?

Insgesamt ist Joyces Verhältnis zur Berufung ihrer Tochter aber ein ambivalentes. „I know you didn’t choose this, I know it chose you.“, erklärt sie Buffy in der nächsten Folge. „I have tried to march in the Slayer parade, but… I don’t want you to die.“ Während hier also die Sorge um Buffy überwiegt, bringt sie Episode 3.11 sogar einmal den Wunsch zum Ausdruck, Buffy beim „Slayen“ zu begleiten: „I thought it’s something we could share.“ (Als sie und Buffy dann aber von einem Vampir angegriffen werden, entfährt ihr ein entsetztes „Oh my God! It’s Mr. Sanderson from the bank“ 😀 )

In der dritten Folge muss der Schuldirektor, Prinicpal Snyder (Armin Shimerman) Buffy schließlich wieder auf die Schule gehen lassen, auf der es übrigens eine Episode später mal wieder einen toten Schüler zu verzeichnen gibt. Unfassbar, dass es tatsächlich noch Eltern gibt, die ihre Kinder auf diese Schule gehen lassen, bei dieser hohen Mortalitätsrate! 😉 Sehr schön ist in diesem Zusammenhang auch folgendes Zitat eines Mitglieds des Football-Teams der High School aus der ersten Folge: „If we can focus, keep discipline, and not have quite as many mysterious deaths, Sunnydale is gonna rule!“ (Ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Serie immer wieder augenzwinkernd selbst thematisiert.)
Nachdem Buffy am Ende der zweiten Staffel gezwungen war, Angel umzubringen, um den Weltuntergang zu verhindern, versucht sie sich nun mit ihrem Mitschüler Scott über diesen Verlust hinweg zu trösten. Die Beziehung ist allerdings nicht von langer Dauer, natürlich vor allem deswegen, weil Angel (David Boreanaz) plötzlich wieder zurück in unsere Welt geschickt wird. Die vierte Folge („Beauty and the Beasts“) handelt von außer Kontrolle geratenen männlichen Trieben – unter anderem von Angel und dem Werwolf Oz (Seth Green) – und stellt einen ersten, kleinen Höhepunkt der Staffel dar.

Wo ich gerade bei Trieben und Liebesverwicklungen bin, kann ich gleich einen meiner Lieblingshandlungsstränge der Staffel erwähnen: Xander und Willow! Beide sind ja inzwischen vergeben – Xander (Nicholas Brendon) an Cordelia, Willow (Alyson Hannigan) an Oz. Doch schon die ganze Serie über träumt Willow nur von Xander, während der überhaupt nicht mitkriegt, was sie für ihn empfindet, weil er lange Zeit nur Augen für Buffy hatte. In der fünften Folge kommt es in Willows Zimmer zu einem ersten Kuss zwischen den beiden. Zwar sind sie sich einig, dass dieser Kuss nicht hätte passieren dürfen, doch eine Episode später füßeln sie schon wieder von den anderen unbemerkt unterm Tisch miteinander. Noch eine Folge später schließlich knutschen sie heimlich miteinander, weswegen Willow ein wahnsinnig schlechtes Gewissen hat. Als Buffy Willow fragt, ob diese sie hasst, weil sie Angels Rückkehr verschwiegen hatte, antwortet Willow:

„Zero. You were scared, you kept a secret, you know? It’s okay. I mean, secrets aren’t bad, you know, they’re normal. They are better than normal, they’re good. Secrets are good. There must be a reason why we keep them, right?“

Da spricht das schlechte Gewissen aus Willow, und gleichzeitig der Wunsch, sich das Geheimnis von der Seele zu reden. Doch kurz bevor sie das tun kann, kommt ein Dämon dazwischen. Wieder eine Folge später sollen Xander und Cordelia gemeinsam mit Willow und Oz zum Bowling gehen, ein double date. Willow ist von der Idee gar nicht begeistert und hat Angst, dass Cordelia und Oz bestimmt merken, dass sie etwas mit Xander hat. Da sie inzwischen an ihren Zauberkünsten gefeilt und eine ganz passable Hexe geworden ist, versucht sie, einen Anti-Liebeszauber auszusprechen. Dass das wirklich nötig sein soll, will Xander nicht glauben: „Do you really need to resort to the black arts to keep our hormones in check?“ Das mit dem Zauber funktioniert leider nicht und am Ende der Episode werden die beiden sowieso von Oz und Cordelia ertappt, wie sie sich küssen. Als dann auch noch Cordelia schwer verletzt wird und im Krankenhaus liegt, sind die Gewissensbisse bei Xander und Willow entsprechend groß. In der nächsten Folge versucht Xander, sein Verhalten gegenüber Buffy zu rechtfertigen: „Okay, we kissed. It was a mistake. But I know that was positively the last time we were ever gonna kiss. And they burst in, rescuing us, without even knocking? I mean, this is all their fault.“ Darauf erwidert Buffy das, was sich zu diesem Zeitpunkt auch die Zuschauer denken dürften: „Your logic does not resemble earth logic.“ („Mine is much more advanced“, entgegnet Xander zwar noch, doch er weiß ganz genau, dass er sich nur in schwammige Rechtfertigungsversuche zu flüchten versucht.)

In der fünften Episode („Homecoming“) tritt zum ersten Mal der Bürgermeister von Sunnydale, Richard Wilkins (Harry Groener) auf, der in dieser Staffel den großen Gegenspieler von Buffy und ihrer Gang darstellt. Ansonsten handelt es sich hierbei jedoch um eine sehr lustige Folge, in der Buffy und Cordelia verbissen um den Titel der Homecoming Queen kämpfen (den am Ende keine von ihnen gewinnt) und sich vor einer Gruppe von „Slayer-Jägern“ in Sicherheit bringen müssen, die nur zum Spaß Jagd auf Vampire Slayers machen. Natürlich ist Cordelia aber kein Slayer, da hat ganz einfach eine Verwechslung statt gefunden (obwohl sie sich nicht schlecht schlägt, sie redet nämlich tatsächlich einen Vampir in die Flucht!). Neben Buffy sollte nämlich Jagd auf Faith (Eliza Dushku), gemacht werden, den bedeutendsten Neuzugang im Cast der dritten Staffel. Faith, die genau wie Buffy ein Slayer ist, wird in der dritten Folge („Faith, Hope & Trick“) nach Sunnydale geschickt, wohl als Konsequenz vom Tode Kendras, einer weiteren Vampirjägerin, in der zweiten Staffel. Während Xander sofort total von Faith hingerissen ist und auch die übrigen Mitglieder der Scooby Gang von ihrer unorthodoxen Herangehensweise an die Vampirjagd begeistert sind, gefällt es Buffy ganz und gar nicht, dass sie nun plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt steht. Im Kontrast zur lebenslustigen Faith wirkt Buffy auf einmal sehr verschlossen und in sich gekehrt. Genau deswegen steigt sie auch ins Rennen um den Titel der Homecoming Queen ein, um den anderen zu beweisen, dass sie genauso eine Wilde sein kann wie Faith.
Mit der Zeit wird allerdings immer mehr deutlich, dass Faiths Einstellung zum Slayen und zum Leben allgemein doch nicht so cool sind, wie es zunächst den Anschein hatte. Sie genießt das Slayen ein wenig zu sehr, macht sich zu wenige Gedanken um die Konsequenzen ihrer Handlungen und feiert zu viel. „I’m on my side, that’s enough.“, erklärt sie Buffy in der siebten Folge. In Episode 3.14 versucht Buffy dann noch einmal, ein bisschen mehr wie Faith zu werden, die ihr Leben in einem einfachen Motto zusammen fasst: „Want. Take. Have.“ Als Faith am Ende der Episode aber bei der Vampirjagd aus Versehen einen unschuldigen Menschen umbringt, weil sie ganz einfach zu wenig mitdenkt, ist klar, dass Buffy diesen Weg nicht weiter mit gehen kann. „You don’t get it: You killed a man!“, redet sie eindringlich auf Faith ein, die einfach nicht einsehen will, was daran so schlimm gewesen sein soll. „No, you don’t get it: I don’t care.“, ist Faiths Antwort.
Faith stellt Fall eine bereichernde Ergänzung des Casts dar und wird im Verlauf der Staffel durch ihr Verhalten und ihre Einstellungen zu einer Art Anti-Buffy – bis sie schließlich an dem Punkt angelangt ist, an dem sie tatsächlich zu Buffys Gegenspielerin wird und sich auf die Seite des Bösen schlägt.

In der sechsten Folge („Band Candy“) erfahren wir den Grund dafür, warum all die dämonischen und übernatürlichen Vorkommnisse in Sunnydale bisher scheinbar kaum bemerkt worden sind bzw. warum kaum etwas gegen sie unternommen worden ist: Der Bürgermeister weiß zwar davon, steckt aber selbst mit drin. So lässt er es auch nur allzu gerne geschehen, dass Giles‘ Gegenspieler Ethan (Robin Sachs) alle Erwachsenen der Stadt mithilfe magischer Schokoriegel geistig wieder in Teenager verwandeln will. Das hört sich nach einer ziemlich blöden Storyidee an, die Episode macht aber trotzdem großen Spaß, weil hier – ähnlich wie in der Halloween-Folge der zweiten Staffel – mehrere Darsteller andere Versionen ihrer bekannten Charaktere spielen dürfen, allen voran Anthony Stewart Head, der Giles hier als rebellischen Teenager im James Dean-Look spielt (und dabei einen One Night Stand mit Buffys Mutter hat, der ihnen beiden später furchtbar peinlich ist).
In Episode 3.07 („Revelations“) schaut eine Dame namens Gwendolyn Post vorbei, die angeblich als neuer Watcher für Faith dienen soll, was sich aber als Lüge herausstellt. Besonders lustig und dramatisch wird es dann in der achten Folge, die Spikes (James Marsters) einzigen Auftritt in dieser Staffel darstellt. Die Episode dreht sich vor allem um die Gefühle und das komplizierte Liebesleben der Figuren. Ein Höhepunkt ist die Szene, in der Spike neben der von ihm gefangen gehaltenen Willow sitzt und ihr sein Liebesleid klagt: „She [Drusilla] just left. She didn’t even care enough to cut off my head or set me on fire. Is that too much to ask? You know? Some little sign that she cared.“
Doch in ein paar Szenen wird es in der Folge auch sehr ernst, vor allem, als Spike Buffy und Angel die bittere Wahrheit ins Gesicht sagt, der die beiden sich bislang noch nicht stellen wollten:

„You’re not friends. You’ll never be friends. You’ll be in love til it kills you both. You’ll fight and you’ll shag and you’ll hate each other til it makes you quiver, but you’ll never be friends.“

Überhaupt, die Beziehung zwischen Buffy und Angel… Von Anfang an schien sie ja unter keinem guten Stern zu stehen. Ein über 200 Jahre alter Vampir und eine Vampirjägerin im Teenageralter – wie soll das jemals gut gehen können? In der vierten Folge der Staffel, als Angel zwar körperlich wieder zurück gekehrt ist, aber noch nicht wieder im Besitz seiner Seele und seiner Erinnerungen ist, klagt Buffy dem Schultherapeuten ihr Leid:

Buffy: „I loved him, and the he-„
Therapeut: „Changed?“
Buffy: „Yeah.“
Therapeut: „He got mean?“
Buffy: „Yes.“
Therapeut: „And you didn’t stop loving him.“

An diesem Wortwechsel kann man schön ablesen, dass die Beziehung zwischen Buffy und Angel trotz aller fantastischen Elemente im Grunde doch eine ganz normale ist und auf grundlegenden menschlichen Emotionen beruht. Nach Angels Rückkehr peppelt Buffy ihn wieder auf und die beiden beginnen im Geheimen ihre Beziehung erneut, auch wenn Buffy sich anfangs energisch einredet, gar keine Liebesbeziehung mehr mit ihm eingehen zu wollen. Als Buffys Freunde davon erfahren, starten sie in Episode sieben einen Interventionsversuch, da sie Angel nicht trauen. Xander ist entsetzt, dass Buffy wieder mit dem seiner Meinung nach gefährlichen Vampir zusammen zu sein scheint. Giles hingegen ist einfach nur tief enttäuscht von Buffy, da sie ihm nicht genug vertraut hat, um ihm von Angels Rückkehr zu erzählen. Faith wiederum reagiert auf die Nachricht ohne zu zögern mit den Worten „I say slay!“
Am Ende der achten Folge, nachdem Spike ihr und Angel ins Gewissen geredet hat, sieht auch Buffy ein, dass die Liebe zwischen ihr und Angel keine Zukunft hat. „What I want from you, I can never have.“, erklärt sie Angel. Aber es dauert dann doch noch bis zum Ende der Staffel, bis sich diese Erkenntnis bei beiden endgültig festsetzt.
In der zehnten, von Joss Whedon selbst geschriebenen und inszenierten Folge („Amends“), steht Angel schließlich ganz im Mittelpunkt. Hier muss er sich mit seinen inneren Dämonen und seinen in der Vergangenheit begangenen, schlechten Taten auseinandersetzen. Das führt so weit, dass er sich schließlich umbringen will, um nicht wieder zum Mörder zu werden. Doch Buffy kann ihn davon gerade noch abbringen, was die beiden wieder zusammen bringt. Nur durch Buffys Liebe kann Angel von seiner eigenen dunklen Seite abgehalten werden. Danach ist zu Angel und seiner Beziehung zu Buffy eigentlich alles gesagt. Denn obwohl die beiden zumindest für den Moment wieder glücklich sind, steht wie gesagt schon lange fest, dass es keine Zukunft für sie geben kann. Angels Rolle in der Serie ist auch nicht mehr besonders groß und es gibt über ihn und Buffy nichts mehr zu erzählen, was einer der Gründe dafür sein dürfte, dass er nach der dritten Staffel aus der Serie heraus geschrieben wurde und sein eigenes Spin-off bekam.

Im restlichen Verlauf der Staffel geht es mit Angel und Buffy noch mehrmals auf und ab. Mal beschließt Buffy, dass sie etwas Zeit getrennt von Angel braucht (3.17), dann versöhnen sie sich wieder (3.18) und dann hält vor den beiden der Bürgermeister eine ganz ähnliche Ansprache wie Spike, in der er ernsthafte Zweifel daran sät, dass die beiden eine Zukunft haben (3.19). Er hat ja auch recht: Der Fluch, wonach jeder Moment wahren Glücks Angel seine Seele raubt, ihn also wieder zum seelenlosen, bösen Dämon macht, bleibt weiterhin bestehen. Im Klartext heißt das im Kontext der Serie: Buffy und Angel dürfen nicht miteinander schlafen. Buffy sagt zwar zu Angel, der Bürgermeister habe keine Ahnung, der sei doch böse! Und: „We’ll be okay.“ Sie plant sogar ihre gemeinsame Zukunft mit Angel (3.20), was auch ihrer Mutter gar nicht gefällt. „You deserve to be with someone who can take you into the light“, sagt diese zu ihrer Tochter. Genauso sieht das inzwischen auch Angel, der schließlich mit Buffy Schluss macht, gerade weil er sie so sehr liebt – nur, um dann entgegen seiner Ankündigung, dem Abschlussball der High School fern zu bleiben, doch dort auftaucht und ein letztes Mal mit Buffy tanzt.

Meine Lieblingsfolge der Staffel war vielleicht die neunte („The Wish“). Darin kommt Cordelia, die inzwischen den Kontakt zu ihrem Ex-Freund Xander meidet und von ihrer ehemaligen Clique nicht mehr akzeptiert wird, zu der Überzeugung, dass all ihre Probleme mit Buffys Ankunft in Sunnydale angefangen haben. Als sie von Anya (Emma Caulfield), einer neuen Schülerin, ein Glücksamulett geschenkt bekommt, spricht sie ihren Wunsch laut aus – und er geht in Erfüllung. Was Cordelia nicht weiß: Anya ist eigentlich eine Dämonin namens Anyanka, die eigene Ziele verfolgt. Durch ihren Wunsch wird Cordelia in eine alternative Realität versetzt (oder ändert sich die Realität um sie herum?), in der Buffy nie nach Sunnydale gekommen ist und dementsprechend die Vampire die Stadt mehr oder weniger übernommen haben. Willow und Xander sind in dieser Version der Realität Vampire, das Bronze ist so eine Art Fangtasia („True Blood“), von dem aus der aus Season 1 bekannte Meister über die Stadt herrscht und Giles kämpft gemeinsam mit Oz und einigen wenigen anderen Mitstreitern einen vergeblichen Kampf gegen die Dämonen. Ach ja, und Angel, der auch hier ein Vampir mit einer nicht sehr vampirhaften Weltanschauung ist, wird von den anderen Vampiren gefangen gehalten und zum Spaß gefoltert (auch in dieser Version der Realität ist er nach Sunnydale gekommen, um dort auf Buffy aufzupassen, die aber nie kam). Irgendwann taucht Buffy dann doch in Sunnydale auf, aber auch sie ist hier natürlich eine andere: sie ist arrogant, von allem genervt und nimmt Giles nicht ernst. „The world is what it is.“, erklärt sie ihm. „We fight, we die. Wishing doesn’t change that.“ Doch Giles bleibt auch hier ein unverbesserlicher Optimist und Idealist. Als er herausgefunden hat, dass eine andere Version der Welt existiert, glaubt er fest daran, dass diese Welt besser ist, ja besser sein muss. Am Ende der Episode gibt es schließlich ein großes Sterben (Xander, Angel, Willow und Buffy müssen dran glauben), aber Giles gelingt es, Anyankas herauf zu beschwören und die richtige Welt wieder her zu stellen. Oder irgendwie so ähnlich – so genau kann ich das nun im Nachhinein, mehrere Monate, nachdem ich die Folge gesehen habe, nicht mehr nachvollziehen. 😉

Aber noch einmal kurz zurück zu Cordelia, die das ganze Schlamassel dieser Folge ja ausgelöst hat: Sie will Xander, der sie ja mit Willow betrogen hat, hinter sich lassen. „I’m not even thinking about him. I am past him, I am living my life.“, erklärt sie in „The Wish“ und lässt es Xander auch gleich wissen, indem sie ihm zu zeigen versucht, wieviel Spaß sie ohne ihn haben kann. Zehn Folgen später (3.19/3.20), als sie wieder die ganz die alte, von allen gehasste, arrogante Cordelia zu sein scheint, erfahren wir, dass sie in einem Klamottenladen arbeiten muss, um über die Runden zu kommen, weil ihre Familie plötzlich pleite ist – eine Demütigung, die sie um jeden Preis geheim halten will. Xander kommt hinter ihr Geheimnis, behält es jedoch für sich, womit er sicher wieder einige Punkte bei ihr sammelt.

In „Helpless“ (3.12) verliert Buffy ihre besonderen Slayer-Kräfte; gleichzeitig wird hier auch zum ersten Mal erwähnt, dass sie überhaupt über spezielle Kräfte verfügt(e) und muss sich der Frage stellen, was sie ohne diese Kräfte denn noch ist. „I can’t be just a person…I can’t be helpless like that.“
Später in der Folge erfährt Buffy schließlich den Grund für den plötzlichen Verlust ihrer Kräfte: Giles ist dafür verantwortlich! Dieser Kräfteverlust ist ein Test, den jeder Slayer an seinem/ihrem 18. Geburtstag bestehen muss. Aber als Buffy dies herausfindet und erfährt, dass Giles ihr mit den Injektionen, die er ihr gegeben hat, ihre Kräfte unterdrückt hat, entfremdet sie sich etwas von ihm und es kommt zumindest ein Stück weit zum Vertrauensverlust. Da hilft es auch nichts, dass sie den Test besteht. Völlig überraschend aber kommt es, dass Giles den Test nicht besteht, weil er nach der Ansicht des Rates eine zu enge emotionale Beziehung zu Buffy hat, die ihn daran hindert, unvoreingenommene Entscheidungen zu treffen. „You have a father’s love for the child, and that is useless to the cause.“, teilt man ihm mit. Er wird gefeuert, ist fortan nicht mehr Buffys Watcher, zumindest nicht mehr offiziell.

Aber Giles ist nicht der Einzige, der es schwer hat. Wie sagt es doch in der nächsten Folge („The Zeppo“) Cordelia so schön auf ihre unverblümte Weise Xander ins Gesicht: „It must be really hard when all your friends have like super powers. Slayer, werewolf, witches, vampires, and you’re like this little nothing.“ Damit trifft sie einen wunden Punkt bei Xander, der sich schon lange fragt, warum er im Gegensatz zu einigen anderen – wie beispielsweise Oz – einfach nicht „cool“ ist. Er kommt zu dem Schluss, „You need a thing. One thing nobody else has“. Er legt sich ein schickes Auto zu (natürlich nur geliehen) und angelt sich so auch gleich ein Mädchen, dessen einziges Interesse allerdings Autos zu sein scheint, was Xander schon nach kurzer Zeit wahnsinnig nervt.
Hinter all dem steckt Xanders Minderwertigkeitskomplex und sein Gefühl, von Buffy, Giles und den anderen nicht richtig ernst genommen zu werden. Er möchte an den Aktionen der Gruppe beteiligt werden, selbst einen wichtigen Beitrag zur Dämonenjagd liefern und nicht nur als überflüssiges Mitglied der Gruppe übergangen werden. Zumindest in einer Hinsicht kommt er in dieser Folge deutlich weiter – wie nebenbei wird er inmitten der turbulenten Ereignisse nämlich ausgerechnet von Faith entjungfert. Als Willow davon zwei Folgen später erfährt, ist sie am Boden zerstört.

In Episode 3.14 („Bad Girls“) kommt schließlich ein neuer Watcher für Buffy in Sunnydale an: Wesley Wyndam-Pryce (Alexis Denisof) hat nicht nur viele Ypsilons im Namen, sondern scheint auch noch steifer, korrekter und britischer zu sein als Giles, allerdings auch kühler und arroganter. „Is he evil?“, fragt Buffy Giles in Wesleys Anwesenheit. Giles‘ Antwort: „Not in the strictest sense.“ Trotzdem macht sich Wesley zunächst alles andere als beliebt; auch er hört nicht auf, Giles‘ und dessen Methoden zu kritisieren. Auch der Bürgermeister und seine Vampirhandlanger kommen in dieser Folge endlich einmal wieder vor. Besonders viel wurde aus diesem Element der Handlung bis dahin noch nicht gemacht, aber im Rest der Staffel werden die Aktivitäten des Bürgermeisters wesentlich bedeutender.
In „Bad Girls“ tötet Faith wie erwähnt versehentlich einen unschuldigen Passanten, was natürlich Folgen hat (3.15, „Consequences“). Aber statt ihren Fehler einzusehen, bleibt sie bei ihrer mir-ist-alles-egal-und-ich-kann-machen-was-ich-will-Perspektive. Buffy, die Faiths Tat zunächst geheim hält, hat dagagen große Gewissensbisse. „Consequences“ ist die bislang beste Folge der Staffel. Hier zahlt es sich aus, dass man die Figuren inzwischen sehr gut kennt. Alle Figuren und Erzählstränge kommen in dieser Episode zusammen, die kaum von Dämonen oder anderen übernatürlichen Vorgängen handelt, sondern von Schuld und Verdrängung. Doch Buffys Versuche, Faith dazu zu bringen, einzusehen, was sie getan hat, zeigen keine Wirkung. Faith hat sich inzwischen so weit von Buffy und den anderen entfernt, dass ihre Rückkehr in die Gruppe nicht möglich ist. Faith schlägt sich auf die Seite des Bürgermeisters, auch wenn sie das zunächst vor Buffy, Giles usw. geheim hält und quasi eine Weile als Doppelagentin agiert. In 3.17 („Enemies“) versuchen Faith und er Bürgermeister, Angel seine Seele wieder zu nehmen um den bösen Angelus herauf zu beschwören. Der Plan scheint wunderbar zu funktionieren, bis sich schließlich herausstellt, dass Angel nur den Bösen gespielt hat, um hinter die Pläne des Bürgermeisters zu kommen. Auf diese Weise erfahren er und die anderen, dass genau am graduation day von Buffy, Willow und Xander die Dämonwerdung des Bürgermeisters stattfinden soll.
Am Ende der Staffel kommt es dann zur unausweichlichen Konfrontation zwischen Buffy und Faith. Da Buffy Faith ja wohl nicht umbringen kann, ohne dabei genau so böse zu werden wie sie, bleibt der Ausgang spannend. Als Faith aber Angel mit einem Giftpfeil trifft und der anschließend im Sterben liegt, hält Buffy nichts mehr davon ab, auf Faith los zu gehen. Denn nur das Blut eines Slayers kann Angel noch retten. Mein erster Gedanke war, Buffy würde sich nun für Angel opfern, doch Faith war ja schließlich auch einmal Slayer. Der Rat und Wesley sind zwar dagegn, dass Buffy nun Jagd auf Faith macht, doch Buffy entscheidet selbstbewusst „I’m not working for them anymore“. „This is mutiny“, ruft Wesley empört und Buffy entgegnet: „I like to think of it as graduation.“ In dieser die Staffel abschließenden Doppelfolge („Graduation Day“) geht es also nicht nur darum, dass die Hauptcharaktere die Schule abschließen, sie werden auch ein Stück weit erwachsen. Es kommt zum Kampf auf Leben und Tod zwischen Buffy und Faith, doch der Ausgang ist ungewiss. Faith fällt auf einen davon fahrenden Lastwagen. Ist sie tot? Man weiß es nicht. Buffy bleibt danach jedenfalls nichts anderes mehr übrig, als Angel aufzufordern „Drink me.“ Angel ziert sich zunächst, doch nachdem Buffy ihn anschließend absichtlich provoziert und wütend macht, gewinnt seine animalische, dämonische Seite die Oberhand und er fällt über Buffy her, tötet sie zum Glück aber nicht. Nach dem finalen Kampf gegen den zum Dämon gewordenen Bürgermeister in der letzten Folge geht Angel schließlich, ohne Abschied zu nehmen. Das war sie dann wohl, die Geschichte von Buffy und Angel. Oder kommt da noch was? Ich bin schon auf die kommenden Crossover zwischen „Angel“ und „Buffy“ gespannt.

Habe ich vorhin bereits „The Wish“ als meine Lieblingsfolge der Staffel bezeichnet? Das muss ich wohl wieder zurücknehmen und den Titel nun an Episode 3.16 („Doppelgangland“) verleihen, eine der von Joss Whedon persönlich geschriebenen und inszenierten Folgen. Durch Umstände, die ich hier nicht weiter erläutern brauche, taucht dort plötzlich die aus „The Wish“ bekannte alternative (Vampir-)Version von Willow in Sunnydale auf und stiftet Verwirrung und Unruhe. Das ist zum einen sehr unterhaltsam anzuschauen, weil Alyson Hannigan sichtlich Spaß daran hat, mal eine ganz andere Seite ihrer Figur zu spielen. Zum anderen kommt es zu einer herrlichen Szene, in der Buffy, Giles und Xander um Willow trauern, weil sie glauben, diese sei zum Vampir geworden. Als dann die „echte“ Willow auftaucht, ist die Erleichterung groß. Und Giles‘ Erklärung für diese Vorgänge ist großartig: „Well…something…something very strange is happening.“
Willow, die zu Beginn der Folge noch den Wunsch geäußert hat, ein bisschen mutiger, spontaner und wilder zu sein, ist beim Anblick ihres anderen Ichs entsetzt – die „Vampir-Willow“ ist ihr dann doch ein bisschen zu wild. Später kommt es dann noch zu einer zum Brüllen komischen Szene, in der Cordelia sich mit der eingesperrten Willow aussprechen will – nicht ahnend, dass es sich dabei gar nicht um Willow handelt. „Doppelgangland“ bringt die Handlung der Serie zwar nicht viel voran, ist aber fantastisch geschrieben und gespielt und gehört zusammen mit der vorher gehenden, tonal völlig anders gelagerten Folge „Consequences“ zu den Höhepunkten dieser dritten Staffel.

In 3.18 („Earshot“) kann Buffy vorübergehend Gedanken lesen, wodurch sie den Selbstmord eines Mitschülers verhindern kann. In der Folge hat es lange Zeit den Anschein, dieser Schüler plane einen Amoklauf an der Schule. Da sich kurz vor der geplanten Ausstrahlung der Episode der Amoklauf an der Columbine High School ereignete, wurde die Episode zunächst zurück gehalten und erst kurz vor dem Start der vierten Staffel ausgestrahlt.
In 3.19 („Choices“) werdem dem Titel entsprechend gleich mehrere Entscheidungen getroffen. Zunächst entschließt sich Buffy, aufs College zu gehen, wofür Giles und Wesley kein Verständnis aufbringen können. Buffy ist schließlich ein Slayer und hat entsprechende Verpflichtungen. Weiterhin beschließen Buffy und ihre Freunde, die Sache mit dem Bürgermeister endlich anzugehen, um hinter seine Pläne zu kommen. Am Ende sind Buffy, Giles usw. zwar noch nicht viel weiter, was den Bürgermeister betrifft, dafür steht Buffys Entschluss nun aber fest: Sie will aufs College gehen – und zwar in Sunnydale, um gleichzeitig ihre Pflichten als Slayer wahrzunehmen (ich sollte wahrscheinlich „Jägerin“ statt „Slayer“ schreiben, aber da ich die Serie auf englisch anschaue, fühlt sich das so seltsam an). Willow, die so gute Noten hat, dass sie sich eine Universität aussuchen könnte, möchte an Buffys Seite bleiben und ihr dabei helfen, das Böse zu bekämpfen. Auch sie entscheidet sich also für das College in Sunnydale.
Auf dem Abschlussball der Sunnydale High School (3.20, „The Prom“) wird schließlich klar, dass die übernatürlichen Vorgänge in Sunnydale und Buffys Rolle bei deren Bekämpfung von ihren Mitschülern keineswegs unbemerkt geblieben sind. Buffy wird nämlich als „Class Protector“ ausgezeichnet und in der Laudatio fällt dabei der schöne Satz „We’re proud to say that the class of ’99 has the lowest mortality rate of any graduating class in Sunnydale history.“ Wie ich schon gesagt habe, wie können Eltern ihre Kinder nur auf so eine Schule schicken…

Nachdem sich Buffy in „Graduation Day“ (3.21/22) also quasi als Slayer selbständig gemacht hat (ihre offizielle Slayer-Funktion hat sie ja beim Rat gekündigt), geht Wesley wieder zurück nach England. Einen Watcher braucht Buffy nun ja nicht mehr, sie ist jetzt erwachsen. Wesley kommt dann aber doch noch einmal ganz unerwartet in bester Han-Solo-Manier zurück, um Buffy im Kampf gegen den Bürgermeister zu unterstützen. Die letzte Folge hatte mit diesem Kampf und einem riesigen CGI-Monster zwar einiges zu bieten, bei mir hat sie jedoch keine besonders große emotionale Wirkung entfalten können. Dass die Figuren an diesen Punkt kommen, war eh schon klar. Buffy ist erwachsen, Angel ist fort und auch für Buffys Freunde beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Wie sagt Oz ganz am Schluss doch: „We survived. […] Not the battle. High school.“ Im Alltag zitierfähiger sind allerdings Buffys Worte, als sie nach dem Kampf noch nicht wieder ganz bei sich ist und kaum etwas anderes stammeln kann als „Fire: bad. Tree: pretty.“

Und wie war die Staffel nun so? Sehr gut. Ich war zwar nicht vollauf begeistert, aber gerade die von Joss Whedon geschriebenen Schlüsselfolgen waren beste Unterhaltung und die Einführung von Faith eine sinnvolle Bereicherung. Die übergreifende Handlung wurde sinnvoll weitergesponnen – und dass es überhaupt eine gibt, ist ja für eine Serie aus den 1990ern nicht selbstverständlich. Demnächst werde ich mit der vierten Staffel anfangen – und muss ja dann gleichzeitig auch noch „Angel“ gucken, da sich die beiden Serien immer wieder überschneiden. Ich werde mich dabei an diese Reihenfolge halten und freue mich schon auf diese erweiterte Seherfahrung, auch wenn es noch eine ganze Menge Serienfolgen sind, die ich da vor mir habe (noch vier Staffeln „Buffy“ und fünf Staffeln „Angel“).

Was mir übrigens – wie auch schon in den ersten beiden Staffeln – sehr gut gefallen hat, ist die regelmäßige Selbstthematisierung der Serie. Die Staffel beginnt schon total meta, als sich in der ersten Szene der ersten Folge Xander, Willow und Oz darüber unterhalten, welche Sprüche man beim Slayen klopfen muss. Auch die Regeln der Serie werden immer wieder mal erklärt (z.B. in 3.02), so etwas kannte ich bisher nur aus den „Scream“-Filmen und dem von Joss Whedon geschriebenen „The Cabin in the Woods“. Die Vorgänge in der Serie werden von den Figuren immer wieder selbst kommentiert, so zum Beispiel als in Episode 3.06 ein von Buffy in die Flucht geschlagener Vampir unbedingt das letzte Wort haben muss, was Buffy mit den Worten „They never just leave. Always gotta say somthing.“ kommentiert. In eine ähnliche Richtung geht der Kommentar des Bürgermeisters bei einem nächtlichen Treffen (3.19): „I feel like we should all be wearing trenchcoats.“
Ein Meister der Disziplin „Ich rede über die Situation, in der ich mich befinde“ ist nach wie vor Xander. Als ihm in Episode 3.14 keine schlagfertige Antwort auf Cordelias Beleidigung einfällt, sagt er stattdessen: „I’m not gonna waste the perfect comeback on you now, but don’t think I don’t have it. Oh yes, its time will come.“ Das ist überhaupt eine tolle Technik, die ich mir merken muss: Wenn einem nicht gleich eine schlagfertige Antwort einfällt, einfach genau das zum Thema machen. 😀

Babylon 5 – Episode 1.06 „Mind War“

Nach einer viel zu langen, nicht beabsichtigten Sommerpause melde ich mich hier endlich mit einer weiteren „Babylon 5“-Episodenbesprechung zurück. Zunächst möchte ich jedoch wieder auf einige Neuigkeiten aus dem B5-Universum zu sprechen kommen:

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Univerum

Die erste erfreuliche Nachricht: „Babylon 5“ ist ins deutsche Fernsehen zurückgekehrt! Die komplette Serie wird zurzeit auf Tele 5 wiederholt (hier gibt es die genauen Ausstrahlungstermine – jede Folge wird sogar zweimal gezeigt!). Inzwischen ist Tele 5 schon bei den letzten Folgen der dritten Staffel angekommen. Ob die Wiederaufnahme der Serie ins deutsche TV-Programm direkt auf die „Free Babylon 5“-Bewegung zurück zu führen ist, weiß ich nicht, eine positive Nachricht ist es aber allemal. Hoffentlich wird die Serie dadurch einige neue Fans gewinnen!
Die zweite gute Nachricht: „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynskis (JMS) hat im Sommer auf der San Diego Comic Con einen „Babylon 5“-Kinofilm angekündigt! Noch sind keine genauen Details bekannt, aber JMS plant anscheinend, nächstes Jahr das Drehbuch zu schreiben, so dass der Film 2016 gedreht werden kann. Falls Warner Bros. den Film nicht produzieren möchte, wird JMS dies unter dem Banner seines selbst gegründeten Studio JMS tun. Da Warner Bros. zwar die Fernseh- und DVD-Rechte an „Babylon 5“ besitzt, die Filmrechte aber bei JMS liegen, ist ein Kinofilm für ihn die einzige Möglichkeit, notfalls auch ohne Zustimmung von Warner Bros. neue B5-Abenteuer zu drehen (zudem hat er in der Vergangenheit mehrmals gesagt, wenn es jemals neue B5-Geschichten geben sollte, dann auf keinen Fall wieder mit sichtbar kleinem Budget gedrehte direct-to-DVD-Episoden wie „The Lost Tales“/“Vergessene Legenden“, sondern am liebsten einen richtig großen Kinofilm). Noch ist nicht bekannt, worum es in dem Film genau gehen wird oder welche Charaktere und Schauspieler wir sehen werden. JMS hat allerdings angekündigt, dass es sich um ein Reboot handeln wird. Der Film wird also wahrscheinlich nicht die Handlung der TV-Serie aufgreifen oder fortführen, sondern die Tür zu einem ganz neuen B5-Universum aufstoßen. Falls aus der Serie bekannte Schauspieler darin mitspielen werden, dann JMS zufolge in anderen als den gewohnten Rollen. Auf der Comic Con hat JMS auch noch einen weiteren Film angekündigt: Er wird ein Drehbuch auf der Grundlage seines eigenen Comics „Titans“ schreiben, das dann verfilmt werden soll.
Als wären Comics und Filmdrehbücher nicht genug, arbeitet JMS aktuell zusammen mit den Wachowski-Geschwistern („The Matrix“, „Cloud Atlas“) auch noch an „Sense8“, einer neuen Fernsehserie, die 2015 auf Netflix zu sehen sein wird.  Die Dreharbeiten dürften inzwischen fast beendet sein und mit Max Riemelt ist sogar ein deutscher Schauspieler Mitglied des internationalen Casts (weitere Infos zur Serie gibt es in diesem Artikel.) In einem Facebook-Post hat JMS vor kurzem die tollkühne Behauptung aufgestellt, „Sense8“ werde das Fernsehen grundlegend revolutionieren. Ob das stimmt, werden wir nächstes Jahr sehen, ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Serie.
Übrigens habe ich meinen Blogpost über die B5-Podcasts aktualisiert und einen weiteren Podcast hinzugefügt. Das war’s auch schon an aktuellen Neuigkeiten, jetzt geht’s rasch weiter mit…

Episode 1.06 “Mind War” (“Die Macht des Geistes”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Bruce Seth Green
Erstausstrahlung: 02.03.1994 (USA), 10.09.1995 (Deutschland)

Die Haupthandlung dieser Episode dreht sich um Talia Winters und ihren Ex-Geliebten Jason Ironheart. Wir erhalten zahlreiche neue Informationen über Telepathen und das Psi-Corps, doch die meisten davon führen nur zu neuen Fragen. Gleich zu Beginn, als der Psi-Cop Alfred Bester (Walter Koenig) und seine Kollegin Sinclairs Büro betreten, werden die Spannungen deutlich, die zwischen Telepathen und Nicht-Telepathen existieren. Besters Versuch, mit Sinclair ohne Worte auf telepathischem Weg zu kommunizieren, wird von Sinclair wütend abgeschmettert. Als Sinclair anschließend anmerkt, es gebe doch eigentlich Regeln, die bestimmen, was Telepathen erlaubt ist und was nicht, erwidert Besters Kollegin Kelsey nur trocken: „There are rules, and there are rules, Commander.“ – ein erster Hinweis darauf, dass sich viele Personen in den Führungsetagen des Psi-Corps nicht um Regeln und Gesetze zu kümmern scheinen.
Walter Koenig, den die meisten Science Fiction-Fans zuvor vor allem als Pavel Chekov aus der zweiten und dritten Staffel der ersten „Star Trek“-Serie (und den Kinofilmen) gekannt haben dürften, spielt hier eine ganz anders gelagerte Rolle. Sein Alfred Bester tritt vom ersten Moment an arrogant, fies und herablassend auf. Das ist herrlich anzusehen, treibt aber die anderen Charaktere wie Sinclair und Ivanova zur Weißglut. Die Szene, in der Bester und Kelsey gemeinsam Talia Winters einem gründlichen Scan unterziehen, ist erschreckend; die Prozedur scheint einer geistigen Vergewaltigung gleich zu kommen, bis Sinclair schließlich einschreitet und den Scan abbricht. Bemerkenswert ist auch Susan Ivanovas Reaktion: Sie reicht Talia anschließend mitfühlend ein Glas Wasser, obwohl sie bislang keine Sympathie für die Telepathin gezeigt hat. Doch Susan weiß aus eigener Erfahrung, welches Leid das Corps einem Menschen antun kann – ihre Mutter wurde vom Psi-Corps in den Selbstmord getrieben, wie wir aus der ersten Folge wissen.
Von Jason Ironheart erfahren wir, dass das Corps Experimente durchführt, um stärkere Telepathen sowie Telekinetiker zu erzeugen. Ironheart zufolge verfolgt das Corps dabei böse Absichten. Es plant angeblich, Telekinetiker wie ihn einzusetzen, um im Weg stehende Personen zu ermorden, ohne Spuren zu hinterlassen. Aber kann man Ironhearts Aussagen trauen? Auf jeden Fall zeigen sich in der Fassade des Psi-Corps deutliche Risse; es handelt sich dabei wohl nicht um die vorbildhafte Institution zum Schutz und der Förderung von Telepathen, die es nach außen darzustellen versucht.
Talias Monolog, in dem sie Sinclair ungefragt erläutert, wie es sich anfühlt, wenn zwei Telepathen miteinander schlafen, soll wohl weitere Sympathien für Talia wecken. Leider wirkt die Szene aber etwas seltsam; es fühlt sich einfach nicht glaubwürdig an, dass Talia Sinclair – den sie noch nicht sehr gut kennt – solche intimen Informationen mitteilt. Insgesamt dient diese Szene aber wie viele andere in dieser Folge dazu, dem Zuschauer zahlreiche neue Informationen über das Psi-Corp, über Telepathen an sich und über Talia Winters zu liefern, die einen Grundstein für die weitere erzählerische Entwicklung von „Babylon 5“ darstellen.

G’Kar schien bislang ein recht eindimensionaler und vorhersehbarer Charakter zu sein. Er war stets der böse Gegenspieler von Londo Mollari und einigen anderen Figuren, der vor allem von seinem Hass auf die Centauri getrieben zu sein schien. Auch diese Episode scheint zunächst genau dieses Bild zu bestätigen – bei seinem ersten Auftreten steht G’Kar mit bösem Blick hinter Catherine Sakai, die mit ihm über die Erlaubnis, den Planeten Sigma 957 zu erforschen, verhandeln muss. Auch sein Verhalten in den folgenden Szenen scheint dem bislang von ihm gezeichneten Bild zu entsprechen. Er wird als Gegenspieler von Sakai aufgebaut, der sie scheinbar aufgrund eigener Interessen daran hindern will, nach Sigma 957 zu fliegen. Sein Satz „Then I fear the Commander will miss you greatly, when you fail to return from Sigma 957“ wirkt wie eine Drohung. Doch er sagt auch einen anderen, sehr wichtigen Satz: „No one here is exactly what he appears.“ Damit weist er darauf hin, dass keine der Figuren in der Welt von „Babylon 5“ genau das sind, was sie zunächst zu sein scheinen.
Alle Charaktere wandeln sich im Lauf der Serie, und diese Wandlungen sind ganz unterschiedlicher Natur. Das Bild, das man in dieser frühen Phase der Serie von den Figuren hat, wird sich definitiv verändern. Genauso wenig wie Londo einfach nur eine fröhliche, oberflächliche Person ist, die gerne trinkt und feiert, ist G’Kar auch nicht einfach nur ein klassischer Bösewicht. Sein Zorn und seine Wut gehören zu diesem frühen Zeitpunkt in der Serie definitiv zu seinem Charakter, doch auch G’Kar wird einige Veränderungen durchmachen und ist zudem bereits jetzt mehr als nur der von seiner Wut getriebene Bösewicht. Die Szene, in der er ein bewaffnetes Raumschiff anfordert, das nach Sigma 957 fliegen soll, spielt noch mit den Erwartungen des Zuschauers. Will G’Kar Catherine Sakais Schiff zerstören lassen, um irgendein Geheimnis zu bewahren? Dass dem nicht so ist, zeigt sich, als das von ihm angeforderte Schiff zu Sakais Rettung kommt. Was also sind eigentlich G’Kars Motive und Ziele?
Die Nebenhandlung um Catherine Sakais Expedition ist nicht besonders komplex oder gehaltvoll, doch auch dieser Teil der Episode dient dazu, dem Zuschauer einige Informationen über die Figuren und das Universum von „Babylon 5“ zu liefern, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sein werden. Zum einen wird G’Kars Charakter eine neue, bisher unbekannte Facette hinzugefügt, zum anderen erfahren wir auch, dass da draußen im Universum noch andere Lebewesen zu existieren scheinen, die um viele Milliarden Jahre älter sind als alle bekannten Rassen – ein erster Blick auf die großen Wunder des Universums. Nicht zuletzt erhalten wir auch Einblick in Catherine Sakais Beruf, auch wenn der Handlungsstrang, der sich daraus hätte ergeben sollen, im weiteren Verlauf der Serie abgeändert werden musste (mehr dazu, wenn es so weit ist).

Highlight der Episode: G’Kars Worte am Schluss: „There are things in the universe, billions of years older than either of our races. They are vast, timeless, and if they are aware of us at all, it is as little more than ants. And we have as much chance of communicating with them as an ant has with us. We know. We’ve tried. And we’ve learned that we can either stay out from underfoot or be stepped on. They are a mystery. And I am both terrified and reassured to know that there are still wonders in the universe, that we have not yet explained everything.
Diese Zeilen stellen frühes Beispiel für einen jener typischen JMS-Monologe dar, wie sie in der Serie noch öfter vorkommen werden. Auf die Frage, was er an der Episode selbst am liebsen möge, antwortete JMS: „It’s that when all is said and done, *nobody knows anything*. […] [T]he closest I can come to is to compare it to writing a mystery novel, without revealing the killer, but *without* frustrating anyone in the process, because there’s *closure*. In so much of TV SF, *everything* has to be explained, often explained to death. I just love that in the B5 universe, it’s okay for there to be mysteries and wonders and the unexplained.“

Londo/G’Kar-Moment: Londo kommt in der Episode leider nicht vor und die beste G’Kar-Szene habe ich schon als „Highlight der Episode“ beschrieben.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Von Talia erhalten wir neue Informationen über Telepathen – zum Beispiel, dass sie starke Emotionen anderer Menschen oft gar nicht blocken können. So wie man in einem Hotelzimmer Geräusche aus dem Nebenzimmer vernimmt, so nehmen Telepathen im Alltag das Gewirr aus sie umgebenden, von starken Emotionen gefärbten Gedanken war. Sie müssen lernen, diese Eindrücke so gut es geht aktiv abzublocken oder zu ignorieren.
Der Psi-Cop Alfred Bester (Walter Koenig) hat in dieser Folge seinen ersten Auftritt – es wird nicht der letzte sein. Wie wir von seiner Kollegin Kelsey erfahren, gehört es zu den Aufgaben von Psi-Cops, abtrünnige Telepathen einzufangen bzw. wieder zum Corps zurück zu führen, wie sie es wohl formulieren würde. Zum Psi-Cop befähigt sind nur Telepathen mit Fähigkeiten der höchsten Stufe P-12. Auch Susan Ivanovas Abneigung gegen das Psi-Corps und die ihm angehörigen Telepathen wird in dieser Folge wieder einmal deutlich.

Sonstige Fragen:

  • Was hat Catherine Sakai bei Sigma 957 gesehen? Was ist da draußen im Universum?
  • Was meint Jason Ironheart, als er am Ende zu Sinclair sagt: „I will see you again, in a million years.“? (JMS beantwortete nach der Erstaustrahlung der Folge die Frage, ob wir Ironheart wiedersehen würden, mit „Yes and no.“ Wer die Serie schon komplett gesehen hat, dürfte wissen, wie diese Antwort gemeint ist…)
  • Was wird aus Talia und ihrer neuen Gabe? Wird sie sie weiter entwickeln und erneut einsetzen?
  • Jason Ironheart zufolge strebt das Psi-Corps nach „Kontrolle“, doch welche Ziele verfolgt es genau?
  • Warum existiert bei dem abgelegenen und noch unerforschten Planeten Sigma 957 eigentlich ein Hyperraumsprungtor? (Diese Frage hat JMS bereits beantwortet: Demnach werden Sprungtore von großen Forschungsschiffen in solchen Regionen des Weltraums abgesetzt, die es sich weiter zu erforschen lohnt. Auf diese Weise können anschließend auch kleinere Schiffe wie das von Catherine Skai in diese Regionen vordringen und die weitere Forschungsarbeit leisten.)

Weitere interessante Punkte: 

  • Wir lernen nicht nur das Psi-Corps besser kennen und erfahren mehr über Telepathen, sondern wir erfahren auch, dass das Corps mit Telepathen experimentiert und versucht, Telekinetiker zu erzeugen, um sie zu militärischen und geheimdienstlichen Zwecken einzusetzen. Unter natürlichen Bedingungen gibt es unter tausend Menschen etwa einen Telepathen und unter zehntausend Telepathen einen Telekinetiker (von denen wiederum die Häflte geisteskrank sind)
  • Ironheart zitiert ein Gebet der Ojibwe-Indianer, bevor er gegen Kelsey ankämpft. Es soll Schutz vor Feinden bieten.
  • Besters Geste, als er sich von Sinclair verabschiedet und sein Satz „Be seeing you, Commander“ sind als direkte Referenz an die britische Serie „The Prisoner“ zu verstehen (die ich leider noch nicht kenne).

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Episode wurde als zehnte der ersten Staffel gefilmt, aber das Studio war JMS zufolge so davon beeindruckt, dass beschlossen wurde, sie als sechste Folge zu senden. In der ersten Staffel, die noch überwiegend aus in sich abgeschlossenen Episoden bestand, war ein solches „Herumschieben“ von Episoden noch möglich und kam auch öfter vor.
  • Catherine Sakai erwähnt die Substanz Quantium 40, die auf der Erde nicht vorkommt, aber essentiell beim Bau von Hyperraumsprungtoren ist. Sie hofft, auf Sigma 957 große Mengen davon zu finden.
  • Alfred Bester wurde nach dem gleichnamigen amerikanischen Science-Fiction-Autor (1913-1987) benannt.
  • Walter Koenig sollte ursprünglich nicht Bester spielen, sondern eine Figur in der Folge „And The Sky Full of Stars“, die vor „Mind War“ gefilmt worden war. Weil sein Zeitplan dies aber nicht erlaubte, spielte er also den fiesen Psi-Cop in „Mind War“. JMS wollte Koenig bewusst gegen sein Image als Pavel Chekov aus „Star Trek“ besetzen.
  • Bei der Erstausstrahlung der Folge konnte man in der Einstellung, als Jason Ironhearts Schiff den Stern verdeckt, den Stern durch das Schiff hindurch leuchten sehen – ein Fehler, der bei der Produktion nicht aufgefallen war. Nach der Erstausstrahlung wurde die fehlerhafte Einstellung ausgetauscht.

Zitate:

„No one here is exactly what he appears. Not Mollari, not Delenn, not Sinclair, and not me.“ (G’Kar – ein weiteres schönes Zitat von ihm gibt es beim „Highlight der Episode“)

Bester zu Garibaldi: „Anatomically impossible, Mr. Garibaldi. But you’re welcome to try. Anytime, anywhere.“

Ivanonva zu Bester und Kelsey: „Good old Psi Corps. You guys never cease to amaze me. All the moral fiber of Jack the Ripper. What do you do in your spare time, juggle babies over a fire pit? ‚Oops, there goes another calculated risk.'“
Kelsey: „You are not helping the situation.“
Ivanova: „Lady, you are the situation.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.07 „The War Prayer“