Babylon 5 – Episode 1.04 „Infection“

Mein „Babylon 5“-Rewatch macht mir Spaß, ich gucke gerne „Babylon 5“. Das ist zwar wahr, manchmal muss ich mir diese Worte allerdings wie ein Mantra immer wieder selbst vorsagen, um daran zu glauben. Zum Beispiel, wenn es um „Infection“ geht, die vierte Episode der ersten Staffel. Müsste ich eine Liste der schlechtesten Episoden der Serie erstellen, dann wäre diese Folge bestimmt unter den Flop 5, wahrscheinlich sogar unter den Flop 3 (oder sogar auf dem „Spitzenplatz“?). Aber alles Jammern hilft nichts, denn ich habe mir ja vorgenommen, hier über jede B5-Folge zu bloggen…

Episode 1.04 “Infection” (“Ein unheimlicher Fund”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 18.02.1994 (USA), 27.08.1995 (Deutschland)

„Babylon 5“ ist zwar bekannt für seine alle Folgen durchziehende Handlung, doch wer diese Episode auslässt, der verpasst so gut wie nichts. Zu Beginn der Folge erfahren wir, dass es nun zwei Jahre her ist, seit die Raumstation ihren Betrieb aufgenommen hat. (Im Pilotfilm war die Station bereits etwa 18 Monate in Betrieb, „Infection“ spielt also ungefähr sechs Monate nach „The Gathering“.) Dr. Stephen Franklin, der in „Soul Hunter“ zur Crew gestoßen ist, hat hier erstmals eine zentrale Rolle in einer Episode. Er bekommt Besuch von einem alten Freund und Mentor, Dr. Vance Hendricks (David McCallum).
Hendricks‘ spaziert plötzlich ins Medlab hinein und teilt Franklin mit: „I’ve come to offer you an adventure, Stephen. Very possible the biggest adventure you’ve ever had.“ Diese Worte wirken vollkommen gestelzt und künstlich; sie sind alles andere als hilfreich dabei, Hendlicks zu einer interessanten Figur zu machen. Die Art und Weise von Hendricks‘ Auftritt passt besser auf eine Theaterbühne als ins Fernsehen – dort sind diese Zeilen einfach nur schlecht geschriebene Dialogzeilen. Von der organischen Technologie, die Hendricks und sein Handlanger Nelson Drake (Marshall Teague) mitbringen, ist Franklin anscheinend so begeistert, dass er zunächst alle Bedenken beiseite und sich sofort dazu überreden lässt, alles andere stehen und liegen zu lassen, um möglichst viel Zeit zur Erforschung der unbekannten Artefakte aufwenden zu können. Erst in einer späteren Szene, als Hendricks und Franklin schon seit 15 Stunden (laut Hendricks) am Forschen sind, spricht Stephen ein paar Bedenken aus: Was passiert eigentlich, falls er und Hendricks wirklich herausfinden sollten, wie diese Technologie funktioniert?
Auch die Firma, für die Hendricks inzwischen arbeitet – IPX (Interplanetary Expeditions) – ist Stephen nicht ganz geheuer. Er sagt deutlich, er habe etwas gegen Firmen, die fremde Welten nach Technologien absuchen, um diese dann zu stehlen und damit Profit zu machen und kritisiert auch Hendricks selbst, weil dieser nun anscheinend statt selbst zu forschen und neue Erkenntnisse anzustreben ebenfalls lieber nach bereits existierenden Technologien sucht. Franklin bezeichnet diese Vorgehensweise als Abkürzung; sie erscheint ihm nicht legitim. Hendricks jedoch sieht die Sache pragmatischer, schließlich können unabhängige Forschungseinrichtungen derart aufwändige Expeditionen wie die, von der er gerade zurück gekommen ist, gar nicht finanzieren. Er ist auf große Firmen wie IPX als Geldgeber angewiesen.

Als Sinclair und Garibaldi später Hendricks befragen, gibt dieser zu, doch mehr über die Artefakte zu wissen, als er Franklin erzählt hat. Doch es ist längst zu spät und bereits die ganze Station in Gefahr, da sich Drakes / Tularrs Waffe mit jedem Schuss stärker wird. Schließlich ist es mal wieder Sinclair selbst, der die Bedrohung fast im Alleingang ausschaltet (was unglaubwürdig wäre, wenn es nicht am Ende der Folge thematisiert würde, als Garibaldi seinen Freund auf dessen Neigung, sich immer wieder in Gefahr zu begeben, anspricht). Die Hintergrundgeschichte hinter Drakes Verwandlung in die Kriegsmaschine ist interessant, leider wird ihr aber viel zu wenig Raum geschenkt und dem dämlich aussehenden, durch die Station stapfenden Monster dafür viel zu viel. Ikarra – der Planet von dem die Artefakte stammen – sah sich vor etwa tausend Jahren mehmals einer feindlichen Invasion ausgesetzt. Als Waffe gegen die Angreifer schufen die Ikarraner eine Reihe von Kriegsmaschinen, die darauf programmiert waren, alles Leben zu vernichten, das nicht den Parametern eines „puren Ikarraners“ entsprach. Da aber keiner der Bewohner des Planeten diese Kriterien erfüllte, vernichteten die eigentlich zur Verteidigung des Planeten gedachten Maschinen alles dort befindliche Leben.
JMS‘ Drehbuch ist leider der große Schwachpunkt dieser Episode. Was eine interessante Diskussion darüber hätte werden können, was es bedeutet, eine zu definierende Rasse von Lebewesen gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen, wurde stattdessen zu einer konturlosen Episode mit einem lächerlich wirkenden Gummimonster. Von den Ikarranern und ihrer Besessenheit von der genetischen Reinheit lassen sich natürlich viele Vergleiche ziehen; leider reitet das Drehbuch jedoch so oft auf dieser Thematik herum, dass dem Zuschauer jegliche Denkarbeit abgenommen wird – das Ziehen eigener Schlüsse scheint nicht erwünscht zu sein. „Your people, how pure were they?“, brüllt Sinclair Tularr an. „Pure!“, antwortet der, und Sinclair fragt erneut: „How pure?“. Den Nazi-Vergleich zieht Sinclair auch gleich selbst, hier werden einem die Metaphern also wirklich mit der Holzhammermethode eingeprügelt. Gute Science-Fiction sieht anders aus, aber zum Glück handelt es sich bei „Infection“ um einen der seltenen Ausrutscher von „Babylon 5“. Der einzige Moment an der ganzen Tularr-Geschichte, der mir gefallen hat, war der, als das Monster am Ende verzweifelt eingesehen hat, was aus Ikarra geworden ist.
Dass am Ende der Episode immerhin thematisiert wird, dass Sinclair erneut sein eigenes Leben riskiert hat, habe ich ja schon erwähnt. Das gibt seiner Figur ein wenig mehr Tiefe und zudem sagt Garibaldi im Gespräch mit Sinclair einen Satz, den man sich merken sollte, weil man ihn ganz ähnlich irgendwann noch einmal hören wird: „I think they’re looking for something worth dying for, because it’s easier than finding something worth living for.“ (Er bezieht sich auf Menschen wie Sinclair, die aus dem Krieg verändert hervor gegangen sind.) Die letzten Szenen sind überhaupt das Interessanteste an der ganzen Folge. Neben der erwähnten Sinclair-Garibaldi-Szene kommt auch noch der mäandernde B-Plot um die auf die Station gekommene Reporterin zu einem Ende und Sinclair darf einen schönen Schlussmonolog sprechen, in dem er begründet, warum die Menschheit stets danach strebt, ihre Grenzen zu überwinden und Neues zu suchen. Übrigens werden wir im Verlauf der B5-Handlung noch öfter Journalisten sehen, und Sinclair wird auch nicht die letzte Führungspersönlichkeit mit einer Abneigung gegen Reporter sein…

Highlight der Episode: Sinclairs Schlussmonolog (siehe Zitate). Darin erwähnt er Marilyn Monroe, Lao-Tzu, Albert Einstein, Buddy Holly, Aristophanes – und einen gewissen Morobuto, den einzigen Namen, den man keiner bedeutenden Persönlichkeit zuordnen kann, zumindest, wenn man sich nur in der Vergangenheit umsieht. JMS zufolge ist Morobuto nämlich ein afrikanischer Philosoph und Anführer, der mehrere verfeindete Staaten Afrikas vereinte, der „Ghandi seiner Zeit“. Er lebte (bzw. wird leben) von 2075 bis 2124.

Londo/G’Kar-Moment: Leider zum zweiten Mal in dieser Staffel gar keiner, da Londo und G’Kar hier nicht vorkommen, genauso übrigens wie Delenn.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode (da ich niemanden spoilern möchte, lasse ich alle Punkte unkommentiert stehen):

  • Dr. Franklin weigert sich, die organische Technologie an den Konzern IPX zu übergeben, der sie wahrscheinlich zu militärischen Zwecken weiter erforschen würde.
  • Außerdem erwähnt er am Ende der Folge eine „Pro-Erde-Bewegung“, die immer stärker wird und fragt sich, ob die Dinge, die sich auf B5 gerade abgespielt haben (eine auf genetische Reinheit programmierte Kampfmaschine versucht alles „unreine“ Leben auszurotten) nur ein Vorgeschmack dessen sind, was noch auf sie zukommen könnte.
  • Außerdem haben wir gelernt, dass Dr. Franklin sich so in seine Arbeit vertiefen kann, dass er gar nicht merkt, wie lange er schon arbeitet.
  • Ikarra wurde vor Tausend Jahren von uns unbekannten Feinden angegriffen.
  • Garibaldi wurde aus seinen fünf vorherigen Jobs gefeuert, jedesmal wegen „persönlicher Probleme“. Mit dem Posten als Sicherheitschef auf B5 hat ihm sein Freund Jeffrey Sinclair eine letzte Chance gegeben.
  • Dr. Hendricks zufolge verfügen die Vorlonen über organische Technologie, möglicherweise auch die Minbari.

Sonstige Fragen:

  • Warum verheimlicht Nelson Drake eigentlich den ersten „Blitzschlag“, den ihm die Artefakte verpasst haben? Hätte er zu diesem Zeitpunkt nicht noch Dr. Franklin oder Dr. Hendricks darüber in Kenntnis setzen und so möglicherweise Schlimmeres verhindern können? (Wohl nicht – wahrscheinlich befand er sich ab dem Punkt, an dem die Artefakte mit ihm Kontakt aufgenommen hatten, bereits unter deren Kontrolle.)
  • Warum hinterlässt Tularrs Angriff in Grau 13 zwei so lächerliche Umrisse an der Wand? (Sie sollen offenbar zwei Menschen mit zum Schutz erhobenen Armen zeigen.)
  • Wieso spricht Tularr eigentlich englisch? (Wahrscheintlich, weil er auf Nelsons Erinnerungen zugreifen kann.)
  • Warum befinden sich an einer Seite des Medlabs Panele, die aussehen wie Greenscreens? 😉
  • Wie kam es, dass Garibaldi und Sinclair einst zusammen mindestens 50 Meilen durch die Wüste wanderten? Eine Szene zwischen Garibaldi und Mrs. Kramer beginnt nämlich mit Garibaldis Worten „…and after walking 50 miles, we made it out of the desert.“ Da würde ich gerne mal die ganze Geschichte hören.

Weitere interessante Punkte: 

  • In dieser Folge wird zum ersten Mal Interplanetary Expeditions (IPX) erwähnt, eine Firma, die noch mehrmals im Verlauf der Serienhandlung auftaucht. Interessant ist, dass es sich um eine relativ junge Firma zu handeln scheint; Franklin jedenfalls hat noch nie von ihr gehört, als Hendricks sie erwähnt. Ebenfalls interessant ist, dass es sich oberflächlich betrachtet zwar um ein Unternehmen handelt, das archäologische Missionen zu fremden Welten unternimmt, dies aber nur eine Tarnung darstellt. Tatsächlich handelt es sich um einen Biowaffen-Hersteller.
  • Hendricks sagt zu Franklin: „You once told me you wanted to go down in history, alongside Fleming, Salk, Jenner, Takahashi.“ Wie Ihr den Links entnehmen könnt, beziehen sich alle Namen auf reale Wissenschaftler.
  • Die Verhandlungen zwischen den Narn und den Centauri aus der letzten Folge scheinen noch nicht beendet zu sein. Garibaldi erwähnt nämlich dass „nächsten Dienstag“ erneut solche Verhandlungen anstehen. Natürlich kann es sich auch um andere Verhandlungen drehen, zwischen diesen beiden Völkern gibt es schließlich bestimmt eine ganze Menge zu verhandeln…
  • Sinclairs Ausspruch „How sharper than a serpent’s tooth“ stammt aus William Shakepeares „King Lear“: „How sharper than a serpent’s tooth it is to have a thankless child!“, heißt es dort in Akt 1, Szene 4.
  • Im Dialog dieser Episode kommt auffällig oft der Ausdruck „on the line“ vor. („I’m joining Mr. Garibaldi on the line.“, „since going on-line“, „…you’ve put yourself on the line.“) Dies war von JMS so beabsichtigt und sollte eine Verbindung zu Sinclairs Vorgeschichte herstellen, der ja „on the line“ – also im letzten Gefecht des Erd-Minbari-Kriegs – gekämpft hatte.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • „Infection“ ist sowohl die erste „Babylon 5“-Folge, die geschrieben wurde, als auch die erste, die gedreht wurde. Dies erklärt zum Teil das langweilige Drehbuch und das Fehlen von Londo, G’Kar und Delenn. JMS ist sich der Probleme dieser Episode durchaus bewusst und kann sie selbst nicht leiden. Er schreibt: „I’d just kinda prefer it if it kinda vanished in the night. I feel that way about only two episodes out of 22 [of season one], so that’s not too bad, I suppose.“ Weiterhin gibt er zu, beim Schreiben dieser ersten Folge sich noch schwer getan zu haben, die „Fingerabdrücke“ der Charaktere zu finden, nachdem seit dem Schreiben des Pilotfilms so viel Zeit vergangen war. Hätte er ein anderes Drehbuch gehabt, um diese Folge zu ersetzen, so hätte er das getan. Allerdings standen für die 22 Folgen der ersten Staffel nur 22 Drehbücher zur Verfügung, so dass man auf keines verzichten konnte.
    Über seinen Versuch, aus der Geschichte eine Metapher zu machen, schreibt er: „I tried to use the Nelson/machine as a metaphor; it wasn’t supposed to be about the Nelson/machine, but about the kind of people who would create it […].“ (Die Zitate stammen aus dem vierten der fünf „Asked & Answered“-Bücher
    , in denen die Online-Kommunikation, die JMS vor, während und nach der Produktion von B5 mit den Fans führte, festgehalten ist. Soweit ich weiß kann man all seine Posts aber auch heute noch hier nachlesen – allerdings nicht so schön nach Themen und Episoden sortiert.)
  • Dr. Vance Hendricks wird von David McCallum gespielt, einem schottischen Schauspieler, der unter anderem durch seine Mitwirkung an der Serie „The Man from U.N.C.L.E.“ bekannt geworden ist.
  • Marshall Teague, der Dr. Hendricks Assistenten Nelson Drake spielt (und zum Monster wird), ist eine besondere Ehre zuteil geworden: Er durfte sowohl in der ersten, als auch in der letzten gedrehten, regulären Serienfolge von „Babylon 5“ mitspielen. (Es handelt sich wohlgemerkt um die erste bzw. letzte Episode nach Drehreihenfolge. Ausgestrahlt wurden die Folgen als vierte bzw. vorletzte.) Allerdings spielte er in beiden Folgen unterschiedliche Rollen.

Zitate:
Sinclair:  „The last time I gave an interview, they told me to just relax and say what I really felt. Ten minutes after the broadcast, I got transferred to an outpost so far off the starmaps you couldn’t find it with a hunting dog and a ouija board.“
Garibaldi: „[…] What’s the worst that could happen? They fire you, ship you off to the rim and I get promoted to Commander.“

Sinclair auf die Frage der Reporterin, ob Babylon 5 das Risiko wert sei oder ob die Menschheit sich nicht lieber zurückziehen und um ihre Probleme auf der Erde kümmern sollte: „Whether it happens in a hundred years, or a thousand years, or a million years – eventually, our sun will grow cold, and go out. When that happens, it won’t just take us, it’ll take Marilyn Monroe, and Lao-Tzu, and Einstein, and Morobuto, and Buddy Holly, and Aristophanes. And all of this… all of this was for nothing. Unless we go to the stars.“

Ivanova, als sie sich der Reporterin Mrs. Kramer in den Weg stellt: „Don’t. You’re too young to experience that much pain.“ (Was genau meint sie denn damit!?)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.05 „The Parliament of Dreams“

Babylon 5 – Episode 1.03 „Born to the Purple“

Wenn ich mit meinem „Babylon 5“-Rewatch in diesem Tempo weitermache, brauche ich dafür fünf Jahre, kann die Serie also quasi in Echtzeit anschauen und hier vorstellen. 😉 Nachdem es beim letzten Mal um Episode 1.02 ging, widme ich mich heute der dritten Folge, „Born to the Purple“. Wie aufmerksame Leser der vergangenen Blogposts schon gemerkt haben dürften, schaue ich die Serie – wie alles andere auch – in der Originalfassung an. Deshalb sind alle Zitate, die ich hier verwende, auf englisch.
Auch dazu, wie ich in den Blogposts zur Serie mit Spoilern umgehe, möchte ich noch kurz etwas schreiben: Ich nenne das ganze zwar einen „Re-Watch“, ganz einfach weil ich selbst die Serie schon mindestens ein halbes Dutzend Mal gesehen habe, möchte die B5-Posts hier im Blog aber auch Neulingen zugänglich machen, die die Serie zum ersten Mal anschauen und deshalb zwar gerne über eine bestimmte Folge lesen, aber nicht über den weiteren Verlauf der Serie gespoilert werden möchten. Deshalb halte ich meine Texte über B5 weitgehend frei von Spoilern; weil ich trotzdem viele Episoden auch in den Kontext des übergreifenden Handlungsbogens der Serie stellen möchte, werde ich aber nicht ganz darum herum kommen, ein paar Spoiler unterzubringen. Diese werden aber ganz klar als solche markiert (wie auch schon im Post zur letzten Folge), so dass niemand, der die Serie noch nicht komplett gesehen hat, versehentlich etwas liest, was er noch gar nicht wissen wollte/sollte.

Bevor ich zu nun zur aktuellen Episode selbst komme, gibt es wie immer zuerst…

Aktuelles aus dem “Babylon 5″-Universum

Hier habe ich ein neues, kurzes Interview mit „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski entdeckt, in dem er einige Fragen seiner Fans beantwortet. Unter anderem bestätigt er einmal mehr, dass wir wahrscheinlich niemals eine HD-Version von „Babylon 5“ zu Gesicht bekommen werden. Das ist wirklich schade – nicht nur, weil die bestehenden DVDs in ihrer Bildqualität bereits unterste Schublade sind, sondern auch, weil DVDs in Standardauflösung ja eigentlich schon längst von gestern sind und HD der neue Standard ist. Es besteht die Gefahr, dass die Serie langsam in Vergessenheit gerät, wenn sie nicht in einer zeitgemäßen Form – also als HD-Download und auf Bluray – erhältlich ist.
Dann habe ich noch einen Artikel über die besten weiblichen Figuren im Science Fiction-Film und -Fernsehen entdeckt. Susan Ivanova aus „Babylon 5“ darf auf dieser Liste natürlich nicht fehlen. Schließlich bin ich noch auf einen großartigen Podcast gestoßen: „The Incomparable“. Darin werden seit August 2010 im wöchentlichen Rhytmus alle möglichen Themen aus den Bereichen Film, Fernsehen, Bücher und Comics besprochen. Unter anderem gibt es Doppel-Episoden über alle „Star Wars“-Filme (außer Episode III, der Podcast dazu

folgt noch), über die „Herr der Ringe“-Filme, über „Indiana Jones“, „Fringe“, „Game of Thrones“, „Zurück in die Zukunft“ und eben auch eine über zwei Stunden lange Folge, die sich mit „Babylon 5“ beschäftigt (und zu der euch der Link führt). Anhören sollten sie aber nur diejenigen, die die Serie schon komplett gesehen haben, da sich der „Incomparable“-Gastgeber Jason Snell und seine Gäste über die gesamte Handlung der Serie unterhalten!
Auf die meisten dieser „Neuigkeiten“ werde ich übrigens über Facebook aufmerksam, wo in diversen B5-Gruppen und -Fanseiten immer wieder interessante Links gepostet werden. Kommen wir aber nun zur aktuellen B5-Folge.

Episode 1.03 “Born to the Purple” („Die Purpurdaten”)

Drehbuch: Larry DiTillio, Regie: Bruce Seth Green
Erstausstrahlung: 09.02.1994 (USA), 20.08.1995 (Deutschland)

In dieser Episode ist Londo Mollari die zentrale Figur. Aus dem Pilotfilm und der ersten Folge wissen wir bereits, dass die Centauri ein äußerst patriotisches Volk sind und Londo den alten Zeiten nachtrauert, in denen das Centauri-Imperium noch ein riesiges Reich war und die Centauri zu den wichtigsten Mächten der Galaxis gehörten. Die Centauri sind schon lange nicht mehr die Großmacht, von der sie zumindest behaupten, es einmal gewesen zu sein, aber wie Londo in dieser Folge selbst sagt, zählt für sein Volk vor allem der äußere Schein. Nach außen hin muss jeder Centauri, der es zu etwas bringen will, stets Stärke und Rücksichtslosigkeit zeigen und alle inneren Schwächen verbergen. Dementsprechend verhält sich auch Londo den Vertretern anderer Spezies gegenüber oft agressiv oder arrogant, auf jedenfall zeigt er sich stets sehr selbstbewusst. In „Born to the Purple“ erhaschen wir nun erstmals einen Blick auf seine verletzliche, romantische Seite. Londo liebt „Wein, Weib, Gesang“ (so lautet sein Passwort für die wichtigen Purpurdaten) und wie wir in der ersten Szene der Folge sehen können, ist er der schönen Tänzern Adira Tyree (Fabiana Udenio) vollkommen verfallen.
Seine Verliebtheit stellt eine Schwäche dar, die Adiras Besitzer Trakis (Clive Revill) ausnutzt. Dessen Plan ist es, Londos „Purpurdaten“ an sich zu bringen, also jene Dateien, in denen Londo Informationen über die Mitglieder aller mächtigen Centauri-Familien gespeichert hat – für den Fall, dass sie sich einmal als nützlich erweisen könnten, um zum Beispiel einen politischen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Die Story der Episode ist nicht besonders tiefgründig, fügt Londos Charakter aber wie gesagt eine weitere Seite hinzu, die wir noch nicht kannten. Londo ist zu Beginn der B5-Handlung eine Figur, über die man oft lachen kann; er ist aufbrausend, witzig und lebenslustig, wenn auch seine persönlichen Glanzzeiten schon eine Weile zurückliegen. Den Botschafterposten auf Babylon 5 hat er nur bekommen, weil dieser Job in seiner Heimat als nutzloser Posten gesehen wird und ihn ganz einfach kein anderer machen wollte. Londos Gegner auf Centauri Prime haben sich wahrscheinlich ins Fäustchen gelacht, als sie gehört haben, dass er auf diese seltsame Raumstation mitten im Nirgendwo abgeschoben werden sollte, wo er ihnen nicht mehr gefährlich werden kann. Ohne zuviel zu verraten lässt sich jetzt schon sagen, dass sich in all dem bereits eine weitere Schwäche Londos andeutet: sein Wunsch, sowohl sich selbst als auch sein Volk wieder zur alten Größe und Bedeutung zurück zu führen.
Die B-Story der Episode dreht sich darum, dass Garibaldi wiederholt eine unautorisierte Nutzung eines der „Goldkanäle“ beobachtet, also jener Kommunikationsfrequenzen, die nur für die offizielle Kommunikation hochrangiger Mitglieder des Stationspersonals mit der Erde vorgesehen sind und keinesfalls für private Gespräche. Die Szene, in der wir am Ende der Folge gemeinsam mit Garibaldi herausfinden, wer für diesen Regelbruch verantwortlich war, ist herzzerreißend. Susan Ivanova nutzt einen Goldkanal, um sich von ihrem sterbenden Vater zu verabschieden. Nicht nur ist die Szene von Claudia Christian und Robert Phalen, der ihren Vater Andrei spielt, hervorragend gespielt, sondern sie gibt uns auch einige neue Informationen über Ivanova. Aus der ersten Folge wissen wir bereits, dass sich ihre Mutter umbrachte, nachdem das PsiCorps sie gezwungen hatte, ihre telepathischen Fähigkeiten jahrelangn mit Medikamente zu unterdrücken. Hier erfahren wir nun, dass ihr Vater danach so sehr in seiner Trauer versank, dass ihm der enge Kontakt mit seinen Kindern anschließend schwerfiel. Infolge dessen hatte Ivanova zu ihrem Vater ein sehr kühles, distanziertes Verhältnis, welches nach dem Tod ihres Bruder noch schwieriger wurde.
Vielleicht liegt unter anderem darin ihr Umgang mit ihren eigenen Gefühlen begründet, die sie fast immer unter einer Maske aus Stärke und Entschlossenheit verborgen hält. Von den Sorgen, die sie sich um ihren sterbenden Vater gemacht haben muss, hat sie auch ihren engsten Freunden auf Babylon 5, Sinclair und Garibaldi, nichts erzählt. Ohne Zweifel hätte Sinclair es ihr erlaubt, einen der Goldkanäle zu nutzen, um mit ihrem Vater zu sprechen; er hätte ihr bestimmt sogar Urlaub gegeben, um zur Erde zu fliegen und ihren Vater noch ein letztes Mal von Angesicht zu Angesicht sehen zu können. Nur als Garibaldi sie am Ende fragt, ob sie mit ihm etwas trinken gehen (und über ihre unausgesprochenen Sogren reden) möchte, lässt sie in ihrem Blick für einen Moment ihre Trauer und Verletzlichkeit aufblitzen. Sie ist jedoch noch nicht bereit, Garibaldi oder Sinlcair näher an sich heran zu lassen.
Für Ivanovas Entwicklung hat dieses letzte Gespräch mit ihrem Vater auf jeden Fall eine sehr wichtige Bedeutung, denn ihr Vater entschuldigt sich darin bei ihr für sein Verhalten und ermöglicht ihr damit, sich mit ihrer schwierigen Familiengeschichte ein Stück weit zu versöhnen. Die Trauerarbeit ist damit aber natürlich noch längst nicht abgeschlossen und wird im weiteren Verlauf der Staffel noch ein Thema sein.

Highlight der Episode: Londo erteilt seinem Attaché Vir die Vollmacht, ihn bei den Verhandlungen mit den Narn zu vertreten. Als Vir sich gerade auf den Weg machen will, ruft Londo ihm hinterher: „And Vir, don’t give away the homeworld!“ G’Kar wird wütend, als er vom Fernbleiben Londos erfährt und beschließt, die Verhandlungen ebenfalls zu verlassen und sich von seiner neuen Assistentin Ko’Dath vertreten zu lassen. Und welchen Rat gibt er ihr? „Just don’t give away the homeworld.“ 😀

Londo/G’Kar-Moment: Am Anfang der Episode suchen Sinclair und G’Kar Londo im Dark Star Nightclub auf, um ihn dazu zu bewegen, an den Verhandlungen mit den Narn teilzunehmen. Zuerst kommt es zu einem herrlichen Wortwechsel zwischen G’Kar und Londo, bei dem das Drehbuch (und Peter Jurasik in seinem Schauspiel) das im network television verbotene Wort „ass“ wunderbar umgehen („Yes, and you can kiss my plump Centauri…aaahh, Gentlemen, this is what I’ve been waiting for.“). Als sich G’Kar und Sinclair anschließend zu Londo an den Tisch setzen, um mit ihm die Tänzerin Adira zu bewundern, fagt Londo: „Gentlemen, of all things in life, are females not the finest?“ G’Kar antwortet: „On that, Mollari, we can at least agree.“ Wenigstens in einer Sache sind sich die beiden Streithähne also einig….

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Ivanovas Vater stirbt, doch Ivanova erzählt niemandem davon. Nicht einmal Sinclair und Garibaldi, die ihre engsten Freunde auf der Station sind, erfahren etwas darüber von ihr.
  • G’Kar wird eine neue Assistentin zur Seite gestellt: Ko’Dath.
  • Londo ist unsterblich in Adira verliebt – so sehr, dass er sie am Ende der Episode gehen lässt. Das nächste Treffen mit ihr sehnt er aber ganz bestimmt schon herbei…
  • Außerdem erhalten wir hier interessante Einblicke in die Kultur der Centauri, in der der Status und Titel einer Person einen extrem hohen Stellenwert haben. Um gesellschaftlich und politisch aufzusteigen, greifen die Centauri immer wieder zu harten Mitteln und sammeln auch schon mal Informationen über ihre politischen Konkurrenten, die sie im Bedarfsfall gegen diese einsetzen können.

Sonstige Fragen: Warum hat Adira als Sklavin eigentlich ein eigenes, sogar ziemlich geräumiges Quartier auf der Station? (Wahrscheinlich wurde es ihr von Trakis nur deswegen zur Verfügung gestellt, um seine Täuschung Londos überzeugend zu gestalten.) Worum geht es eigentlich in diesem „Euphrates-Vertrag“, um den sich die Verhandlungen zwischen Londo und G’Kar drehen? Hat Londo sich einen Vorhang aus seinem Quartier übergeworfen, als er und Sinclair in Verkleidung losziehen, um Adira zu suchen? Und was hat er mir seinen Haaren gemacht, die unter der Kapuze anscheinend flach am Kopf anliegen – nach hinten gegelt?

Weitere interessante Punkte: Vir (und später G’Kar!) spielen mit einer Art GameBoy, während sie auf Londos Eintreffen zu den Verhandlungen warten. Talia sehen wir beim Abendessen mit Sinclair erstmals nicht in ihrer PsiCorps-Uniform, sondern in Zivilkleidung. Als Adira auf dem Zocalo auf Trakis wartet beobachtet sie ein Pärchen: einen menschlichen Mann und eine anscheinend weibliche Angehörige einer seltsam aussehenden Alienrasse, die man nie wieder in B5 sieht, soweit ich mich erinnere. Dann ist da noch die „mind probe“, ein Gerät, mit dem sich anscheinend Gedanken lesen lassen. So etwas kommt im B5-Universum nie wieder vor und würde später auch manch andere Entwicklung überflüssig machen (ich denke da zum Beispiel an die Episode „Dust to Dust“ in der dritten Staffel).
Als Garibaldi in C&C (Command & Control, quasi die Brücke von Babylon 5) mit Ivanova über die Goldkanäle spricht, sagt er unter anderem, dass nur die Botschafter und die „senior officers“ von diesen Kanälen wissen. Wenn das so ist, warum plaudert er diese Information dann vor allen andern Anwesenden aus? Es gehören doch bestimmt nicht alle Mitglieder der Erdstreitkräfte, die dort arbeiten, dem Kommandostab an. Der Dialog dient der Exposition, soll also dem Zuschauer erklären, was die Goldkanäle sind; Garibaldi würde eine so vertrauliche Information aber in diesem Rahmen nicht ansprechen. Es handelt sich also um einen kleinen Fehler im Drehbuch.
In der Centauri-Republik ist Sklaverei anscheinend legal; wir erfahren unter anderem, dass Sklavenbesitzer für die Verbrechen ihrer Sklaven verantwortlich gemacht werden können. Ebenfalls interessant ist, dass der Besitzer des Nachtclubs Sinclair nicht zu erkennnen scheint. Das erscheint mir durchaus plausibel zu sein, schließlich interessieren sich bestimmt nicht alle der 250.000 Bewohner der Station dafür, wer gerade der Commander ist; nicht wenigen von ihnen dürfte das ziemlich egal sein. Sinclair dagegen weiß sehr gut auch über die zwielichtigen Bewohner seiner Station bescheid.
Nach Londo Mollari ist G’Kar nun der zweite Botschafter, dem ein Attaché zur Seite gesellt wird. Es ist jedoch kein großer Spoiler zu verraten, dass seine Assistentin KoDath (Mary Woronov) nach dieser Folge nie wieder zu sehen sein wird. Die Schauspielerin kam mit der Maske und den Kontaktlinsen, die die Rolle erforderte, überhaupt nicht zurecht und stieg schon nach einer Folge wieder aus, obwohl Ko’Dath eigentlich als dauerhafte Figure geplant war. G’Kar wird aber in einer der nächsten Folgen eine neue Assisten zur Seite gestellt werden. Von Ko’Dath war er sowieso anscheinend alles andere als begeistert, wie man seiner Reaktion beim ersten Treffen mit ihr entnehmen kann („I wasn’t expecting you for several years…ah days.“). Interessant fand ich, dass die Darstellerin versucht hat, der Figur durch ihre Mimik und das Fauchen, dass sie in einigen Szenen von sich gibt, etwas deutlich Reptilienartiges zu verleihen. Besonders sympathisch finde ich Ko’Dath aber auch nicht, insofern bin ich nicht traurig, dass sie nach nur einer Epiosde schon wieder verschwindet.

Und schließlich noch zum Titel dieser Episode – ich zitiere mal aus dem deutschen Lurker’s Guide: „Der Titel dieser Episode geht auf eine Bezeichnung aus dem Römischen Reich zurück, die heute noch in Großbritannien gebräuchlich ist. Römische Senatoren trugen in den Zeiten der Republik Togas mit purpurfarbenem Rand als Zeichen der Zugehörigkeit zur kaiserlichen Familie, da purpurner Farbstoff sehr teuer war. Heute tragen Mitglieder des Oberhauses purpurne Roben zu offiziellen Anlässen. Wenn im Vereinigten Königreich jemand zum Peer gemacht wird, sagt man er wurde ‚zum Purpur erhoben‘. Peers, die ihren Titel geerbt haben, wurden ‚Purpur geboren‘ [also ‚Born to the purple‘, Anm.]. Vielleicht impliziert das, daß die Purpurdaten so genannt wurden, weil sie es sind, die Londos Familie in ihrer hohen Position gehalten haben.“
Spoiler: Wenn man die Serie zum wiederholten Male sieht, fällt einem zudem auf, dass Londo und G’Kar hier noch ganz am Anfang ihrer Charakterentwicklung stehen und ganz andere Persönlichkeiten sind, als am Ende der Serie. Während G’Kar hier noch jähzornig ist und schnell wütend wird, wirkt Londo noch deutlich unbeschwerter und hat noch Freunde, von denen er Gefallen einfordern kann.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: Regisseur dieser Folge ist Bruce Seth Green, der mir deswegen ein Begriff ist, weil er u.a. auch bei mehreren „Buffy“-Episoden Regie geführt hat (vor kurzem habe ich ja die zweite Staffel von „Buffy“ angeschaut). Er ist übrigens nicht verwandt mit Seth Green, den man als Oz aus „Buffy“ kennt. Drehbuchautor der Episode ist Larry DiTillio, was „Born to the Purple“ zu einer der 18 Episoden macht, bei denen J. Michael Straczynski nicht selbst das Drehbuch geschrieben hat. Tatsächlich stammen 92 der 110 B5-Folgen aus der Feder von JMS, doch während der ersten beiden Staffeln gab er noch einige Storys an Gastautoren ab, auf die er ab der dritten Staffel (mit Ausnahme einer einzigen Folge) verzichtete.
Trakis-Darsteller Clive Revill hat eine lange Karriere als Film- und Fernsehschauspieler sowie als Sprecher hinter sich. Unter anderem lieh er in der Originalfassung von „Das Imperium schlägt zurück“ dem Imperator seine Stimme. (Dargestellt wurde der Imperator in seiner einzigen Szene in diesem Film von einer Frau. Auf der 2004 erschienenen DVD und der 2011 erschienenen Bluray des Films wurde die Szene dann gegen eine neu gedrehte Szene mit Ian McDiarmid ersetzt, der Palpatine in den übrigen „Star Wars“-Filmen spielt.)

Zitate:
Londo zu Adira: „We Centauri live our lives for appearances. Position, status, title – these are the things by which we define ourselves. But when I look beneath the mask I am forced to wear, I see only emptyness. And then I think of you, and I say ‚To hell with appearances‘.“

Londo: „And Sinclair, only you, my good and dear friend, can help me.“
Sinclair: „If I do, will you agree to my compromise on the Euphrates treaty?“
Londo: „I’ll even seal it with a kiss.“
Sinclair: „That should make G’Kar’s day.“

Londo zu Vir übers BabCom: „What do you want, you moon-faced assassin of joy?“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.04 „Infection“

Buffy the Vampire Slayer – Season 2

Dieser Text enthält Spoiler für die gesamte zweite Staffel – aber nicht darüber hinaus.

Langsam, aber sicher arbeite ich mich weiter durch Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Wobei das Anschauen der Serie eigentlich alles andere als Arbeit ist, denn sie gefällt mir sehr gut (ich brauche nur so lange, weil auch noch so viele Filme angeschaut, einige Bücher gelesen werden und ein paar „Babylon 5“-Folgen gesehen werden wollen). „Buffy“ gucken fühlt sich also nicht wie Arbeit an (dann hätte ich auch schon längst damit aufgehört), ist aber auch alles andere als hirnlose Unterhaltung, die Dialoge sind voller Witz und all die Anspielungen auf das gesamte Spektrum an Popkultur versüßen einem das Vergnügen zusätzlich. So beginnt auch die zweite Staffel mit einer Szene, in der Xander (Nicholas Brendon) und Willow (Alyson Hannigan) zusammen „Filmzitate raten“ spielen. Gerade als die beiden sich fast küssen, platzt ein Vampir in die Szene – an dieser Stelle habe ich mich mal wieder gefragt, wann die beiden sich endlich kriegen.

Die erste Folge, „When She Was Bad“, setzt noch den Handlungsstrang um den „Master“ aus der ersten Staffel fort. Buffy (Sarah Michelle Gellar) war während der Sommerferien nicht in Sunnydale, kehrt aber gerade rechtzeitig wieder zurück, um Xander und Willow vor besagtem Vampir zu retten. Das „Slayen“ geht ihr noch genau so gut von der Hand wie vor den Ferien, doch ihren Freunden und Angel (David Boreanaz) gegenüber verhält sie sich etwas merkwürdig. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter ist gestört. Es dauert eine Weile, bis Buffy wieder gelernt hat, dass sie auf die Hilfe ihrer Freunde und ihres Watchers Giles (Anthony Stewart Head) angewiesen ist und ihre Bestimmung als Vampire Slayer nicht alleine erfüllen kann. Bevor es so weit ist, will sie in der ersten Folge noch alleine sein und nicht auf ihre Freunde aufpassen müssen. Die Einsicht, dass sie sie braucht, kommt ihr erst nach einer Weile.

Als ihre Mutter (Kristine Sutherland) sie in der dritten Folge auf ihre schlechten schulischen Leistungen anspricht, sagt Buffy, sie stehe unter großem Druck. „Wait ‚til you have a job.“, antwortet ihre Mutter. „I have a job.“, sagt Buffy in das leere Zimmer hinein, als ihre Mutter wieder fort ist. Mit großer Macht kommt große Verantwortung, hieß es schon anderswo; und obwohl Buffy nicht über Superkräfte verfügt, lastet auf ihr als Slayer dennoch äußerst viel Verantwortung. Gleichzeitig steckt in diesem Dialog mit ihrer Mutter aber auch vieles, mit dem sich die Zuschauer – die ja alle mal Teenager waren oder es selbst noch sind – identifizieren können. Auch wer nicht neben der Schule noch die ganze Stadt frei von Dämonen halten musste, kennt solche Gespräche mit den Eltern. Das Leben als Teenager ist nicht leicht, auch nicht für Nicht-Slayer.

Nachdem Buffy erfolgreich die Wiederauferstehung des Meisters verhindert hat, kommt mit Spike (James Marsters) ein neuer Bösewicht in die Stadt, der den örtlichen Vampiren schnell klar macht, dass er nun das Sagen hat. Spike ist allerdings kein Fremder in Sunnydale, sondern hat früher bereits einmal dort gelebt, wie wir bei seinem ersten Auftritt in der dritten Folge („School Hard“) erfahrend. Dass Buffy immer noch am Leben ist und sich Sunnydales Vampire nicht schon längst ihrer entledigt haben, kann er gar nicht fassen. Eine seiner ersten Aktionen besteht demenstprechend darin, einen Angriff auf die parent-teacher-night der Sunnydale High School zu starten – nur um schmerzlich zu erfahren, dass Buffy ein ziemlich zäher Slayer ist. Interessant an der Szene, in der Spike und seine Gang die Schule überfallen, ist übrigens auch, dass alle dort versammelten Schüler, Eltern und Lehrer den Angriff und seine Abwehr durch Buffy und ihre Freunde (einschließlich Angel) mit erleben. Aber wie wurde es doch in der ersten Staffel erklärt: Die Leute erklären sich alle übernatürlichen Erlebnisse – wie den Anblick von Vampiren – im Nachhinein auf irgendeine rationale Weise. Buffys Mutter hat also auch nach diesem schrecklichen Erlebnis immer noch keinen blassen Schimmer von der Existenz von Vampiren oder davon, dass ihre Tochter den größten Teil ihrer Freizeit damit verbringt, diese zu jagen. Schon während der ersten Staffel habe ich mich immer wieder gefragt, wann Joyce endlich vom Doppelleben ihrer Tochter erfährt und im Verlauf der zweiten Staffel erschien es mir immer unglaubwürdiger, dass sie von Buffys nächtlichen Aktivitäten tatsächlich nichts mitbekommt. Immerhin wird am Ende von „School Hard“ klar, dass der Schuldirektor Snyder (Armin Shimerman) keineswegs so ahnungslos ist, wie man bis dahin dachte. Er weiß durchaus von den übernatürlichen Vorgängen in Sunnydale. Ist er vielleicht gerade deshalb immer so streng mit Buffy? Hat er Angst um sie und will sie eigentlich beschützen? Das Staffelfinale wirft in Bezug auf Snyders Rolle noch mehr Fragen auf, mal sehen ob dies in der dritten Staffel weiter verfolgt wird.

Mit der sechsten Episode bekommt „Buffy“ dann die unvermeidliche, in diesem Fall ja auch wirklich passende Halloween-Folge spendiert. Der Plot: Einige Einwohner Sunnydales verwandeln sich in genau die Figuren, als die sie sich verkleidet haben. Das Ergebnis erinnert ein wenig an die Spiegeluniversum-Episoden aus „Star Trek“, in denen die Schauspieler auch jeweils andere Versionen ihrer Figuren spielen durften. Willow, Xander und Buffy dürfen auf diese Weise in bester Karnevalstradition genau die Charakterzüge ausleben, die sie sich im Alltag selten zu zeigen trauen; allerdings haben sie sich dabei nicht unter Kontrolle. Als dem Spuk endlich ein Ende gemacht ist, verwandeln sich alle Betroffenen zwar wieder in ihr altes Selbst zurück. Doch bei mindestens einer Person haben die Erlebnisse bleibende Spuren hinterlassen: Willow ist am Ende von „Halloween“ als Charakter deutlich gewachsen. Sie ist selbstbewusster geworden und dem Rat gefolgt, den ihr Buffy zu Beginn der Episode gegeben hat: „You’re never gonna get noticed if you keep hiding. (…) Don’t underestimate yourself. You got it in you.“ Willow ist bislang eine meiner Lieblingsfiguren und ich mag ihren in dieser Staffel in Fahrt kommenden character arc sehr gerne. Generell kommt die Entwicklung der Figuren im Verlauf dieser Staffel, die ja auch deutlich länger als die erste ist, um ein gutes Stück voran. Buffys Hauptproblem in der ersten Staffelhälfte ist ihre Identitätssuche und die schwierige Auseinandersetzung damit, dass sie eben kein normaler Teenager ist, sondern gewisse darüber hinaus gehende Verpflichtungen hat. Für Dating und Liebesbeziehungen ist da kein Platz, so denkt Buffy jedenfalls selbst eine Weile.

Und wo ich gerade von Liebe spreche: Auch in dieser Hinsicht kommt in der zweiten Staffel ja so einiges ins Rollen. Xander und Willow? Fehlanzeige! Stattdessen finden Xander und Cordelia zusammen. Die Tatsache, dass man sich das in der ersten Staffel nie hätte vorstellen können, zeigt bereits, dass auch diese beiden nicht mehr dieselben sind wie zu Beginn der Serie. Vor allem Cordelia (Charisma Carpenter) hat eine deutliche Wandlung durchgemacht. Seit sie von Buffys Slayer-Identität weiß und mehr aus Versehen als aus eigenem Antrieb Mitglied der Scooby Gang um Buffy geworden ist, ist sie in deren Aktivtäten mit eingebunden und muss tatsächlich ab zu und Verantwortung übernehmen. Das bedeutet für sie, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern sich einzugestehen, dass es Menschen gibt, die ihr wichtig sind, auch wenn sie sie – jedenfalls zu Beginn der zweiten Staffel – vielleicht immer noch nicht offen als ihre Freunde bezeichnen würde. Am Ende der Staffel, als Cordelia bereits seit einigen Monaten mit Xander zusammen ist, gibt es eine schöne Szene, in der sie irrtümlich glaubt, Xander habe sich gerade in ein hässliches Fischwesen verwandelt. „I still care about you, no matter what you look like.“, sagt sie da zu  dem vermeintlichen Xander und spätestens an dieser Stelle ist im Vergleich zur Cordelia der ersten Staffel klar, dass auch sie eine deutlich nachvollziehbare Entwicklung durchgemacht hat.

Bevor sie anfängt mit Xander zu knutschen und sich schließlich eingesteht, dass sie in ihn verliebt ist, hat Cordelia zu Beginn der Staffel jedoch noch ein Auge auf Angel geworfen. „When it comes to dating, I’m the Slayer.“, erklärt sie Buffy in „Halloween“ selbstbewusst. Xander dagegen hängt zu diesem Zeitpunkt immer noch der Traumvorstellung nach, mit Buffy zusammen zu kommen und hat noch nicht eingesehen, dass dies wohl nie passieren wird. Letztlich müssen sich also sowohl Cordelia als auch Xander von ihren Träumen verabschieden und in der Realität ankommen. Beziehungsweise erst einmal in der Abstellkammer der Schule, wo sie sich regelmäßig zum Knutschen verabschieden, weil Cordelia ihre Beziehung geheim halten will, was zu einigen herrlich komischen Szenen führt.

Auch Willow muss sich von ihrem Traum verabschieden und erkennen, dass sie Xander erst einmal nicht kriegen wird. Aber sie kriegt jemand besseren: Daniel Osbourne, genannt Oz (Seth Green). Der schüchterne Gitarrist und Computerfreak taucht in der vierten Folge der Staffel zum ersten Mal auf und bleibt ziemlich lange im Hintergrund; er ist immer wieder mal in einer Folge dabei, aber nie in einer prominenten, wirklich wichtigen Rolle – jedenfalls bis zur 15. Episode („Phases“), die sich ganz um die Liebesbeziehungen und -sehnsüchte der Figuren dreht. Willow ist besorgt, weil Oz sich nicht mehr traut als mit ihr Händchen zu halten; Xander merkt, dass er eifersüchtig auf Oz ist, obwohl er doch von Willow nichts wollte und inzwischen mit Cordelia zusammen ist; Buffys Beziehung zu Angel ist zerbrochen (dazu gleich mehr) und sie ist nun wieder alleine und auch entschlossen, es zu bleiben. In „Phases“ leiden die Bewohner Sunnydales unter den Angriffen eines Werwolfs („Das ist ein Klassiker!“, entfährt es dem enthusiastischen Giles). Die Episode führt den Zuschauer die meiste Zeit über auf eine falsche Fährte, indem sie zahlreiche Hinsweise dafür gibt, dass es sich bei dem Werwolf um Larry handelt, einen der Starathleten der Schule. Larrys Geheimnis ist allerdings „nur“ seine Homosexualität; bei dem Werwolf hingegen handelt es sich um Oz! Da sich daran nun mal nichts ändern lässt und Willow, wie sie selbst sagt, auch stets für ein paar Tage im Monat unausstehlich ist, bleiben die beiden ein Paar.

In der nächsten Folge (2.16, „Bewitched, Bothered and Bewildered“) geht es ein weiteres Mal fast nur um die komplizieren Verwicklungen, die sich aus den Liebesbeziehungen der Charaktere ergeben. Xander, der Buffy auf einem ihrer nächtlichen Ausflüge begleitet, gesteht ihr auf dem Friedhof seine Schwierigkeiten mit Cordelia, dem Dating und der Liebe allgemein. Mitten in das Gespräch platzt plötzlich ein Vampir hinein, mit dem Buffy kurzen Prozess macht – ein schönes Beispiel dafür, wie „Buffy“ immer wieder die Sorgen und Ängste ganz normaler Teenager mit dem Fantastischen und Übernatürlichen verbindet. Die Beziehung zwischen Cordelia und Xander ist inzwischen über den Rumpelkammer-Status hinaus gekommen und nicht mehr geheim, was Cordelia zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung machen lässt, wie es sich als Außenseiterin so lebt. Während sie bisher in ihrer Clique stets im Mittelpunkt stand und ihre Meinung Gewicht hatte, wollen ihre Freundinnen nun plötzlich nichts mehr mit ihr zu tun haben. Da für Cordelia die eigene Popularität über alles geht, gibt es für sie nur eine mögliche Schlussfolgerung: Sie muss mit Xander Schluss machen. (In meinen Notizen zur Folge finden sich an dieser Stelle die Worte „Die falsche Schlampe!!“) Xander fühlt sich davon natürlich tief getroffen und will Cordelia nun seinerseits verletzen, indem er sie zunächst mit einem Liebeszauber belegt, nur um sie dann ebenfalls fallen zu lassen. Sein Plan geht allerdings vollkommen nach hinten los, weil der Zauber nicht nur Cordelia, sondern alle Frauen in Sunnydale trifft, die am Ende der Episode wie eine Horde von Zombies hinter Xander her sind. Das Drehbuch ist großartig, die Darsteller haben sichtlich Spaß an der Sache und „Bewitched, Bothered and Bewildered“ ist bislang eine der lustigsten Episoden. Es handelt sich dabei zwar größtenteil um eine in sich abgeschlossene Episode, deren Handlung kaum etwas zum großen story arc beiträgt, aber genau wie bei „Babylon 5“ wird die übergreifende Handlung auch in solchen Folgen nicht ignoriert, sondern es existieren darin zumindest einige Elemente, die auf den story arc hinweisen (und nicht zuletzt lernt Cordelia in dieser Folge, dass es wichtiger ist, zu den Personen zu stehen, die man liebt als um jeden Preis beliebt sein zu wollen).

Wenn ich schon die ganze Zeit von Liebsbeziehungen in „Buffy“ schreibe, kann ich eine Beziehung natürlich nicht ignorieren: die zwischen Buffy und Angel. Ich muss allerdings zugeben, dass mich diese Beziehung gar nicht so sehr interessiert, weil ich Willow und Xander interessanter finde als Buffy. Damit will ich nicht sagen, dass es sich um interessantere oder besser geschreibene Figuren handelt; die Probleme von Willow und Xander kann ich ganz einfach besser nachvollziehen, weil sie sich mehr mit meinen eigenen Erfahrungen decken. Man muss ja zugeben, dass die Liebe zwischen Buffy und Angel von Anfang an unter keinem guten Stern stand: eine siebzehnjährige Vampirjägerin und ein um die 250 Jahre alter Vampir… Bereits in der siebten Folge der Staffel, „Lie to Me“, wird das Vertrauen zwischen Buffy und Angel erheblich gestört. Doch es ist natürlich Episode 2.14 („Innocence“), in der sich alles komplett ändert. Angel, der sich bislang ja dadurch ausgezeichnet hat, dass er im Gegensatz zu „normalen“ Vampiren seine menschliche Seele behalten hat, wird seine Seele wieder genommen. Von da an ist er ein Vampir wie alle anderen und kann sich an seine Liebe zu Buffy und die gemeinsam verbrachte Zeit nicht mehr erinnern. Gemeinsam mit Spike und dessen herrlich verspulter Gespielin Drusilla (Juliet Landau) schmiedet er für den Rest der Staffel Pläne für Buffys Tod. Und man hat wirklich den Eindruck, als würden die drei mehr Pläne schmieden als tatsächlich handeln. Aber Buffy darf natürlich nicht sterben, deswegen dürfen ihre Widersacher nicht allzu energisch zur Sache gehen, schon klar. (Übrigens: Was ist das denn für eine Botschaft, die „Innocence“ den weiblichen Teenagern unter den Zuschauern vermittelt: Schlaft nicht mit eurem Freund, sonst verwandelt er sich in einen seelenlosen Dämon?)

Spike, der zu diesem Zeitpunkt an einen Rollstuhl gefesselt und nicht im Besitz seiner vollen Kräfte zu sein scheint, regt sich in Episode 17 zu Recht darüber auf, dass Angel Buffy nicht einfach umbringt, sondern nur mit ihr spielt. Giles wiederum gibt Buffy in der gleichen Folge („Passion“) den Rat, sich nicht zur Sklavin ihrer Leidenschaften machen zu lassen und sich nicht auf Angels Spielchen einzulassen. Kurz darauf, als Angel Giles‘ Freundin Jenny (Robia LaMorte) umgebracht hat, kann Giles verständlicherweise selbst nicht mehr klar denken und macht sich von Rachegelüsten getrieben auf, um Angel zu vernichten. „Passion“ ist nicht nur einer der Höhepunkte der Staffel, sondern auch (endlich) eine Folge, in der eine wichtige Figur stirbt und in der die Entwicklung aller Charaktere einen entscheidenden Schritt macht. Während Buffy zu Beginn der Staffel zumindest immer wieder versucht hat, neben ihrem Slayer-Dasein ein halbwegs normales Teenagerleben zu führen, ist sie nun überzeugt, dass das nicht möglich ist und dass ihre Liebe zu Angel einer ihrer größten Schwachpunkte war. „I’m not seeing anyone. Ever. Again.“, antwortet sie in Episode 19 einem Mitschüler, der mit ihr auf einen Tanz gehen möchte.

Im Staffelfinale wird dann alles noch schlimmer: Buffy hat nicht nur der Liebe abgeschworen, sondern wird auch noch von ihrer Mutter aus dem Haus geworfen und verlässt Sunnydale. Wie schon erwähnt habe ich mich im Verlauf der Staffel immer wieder gewundert, warum Buffy ihre Slayer-Identität unbedingt vor ihrer Mutter geheim halten muss. In „Passion“ erinnert Giles sie zum Beispiel wieder einmal daran, dass sie ihrer Mutter auf keinen Fall sagen darf, dass sie nachts Vampire jagt. Warum das so ist, habe ich nie ganz verstanden und je länger die Serie ging, umso unglaubwürdiger wurde es auch. Kriegt Joyce tatsächlich nichts von den nächtlichen Aktivitäten ihrer Tochter mit? Findet sie es nicht verdächtig, dass Buffy so viel Zeit mit dem Schulbibliothekar verbringt? Zum Glück hat Joss Whedon in dieser Hinsicht im Staffelfinale („Becoming“) die Reißleine gezogen; endlich spricht Buffy ihrer Mutter gegenüber aus, was wir und ihre Freunde schon lange gewusst haben. Joyce reagiert darauf, als habe ihr ihre Tochter soeben eröffnet, dass sie lesbisch sei: „Honey, are you sure you’re a Vampire Slayer? I mean, have you tried not being a Slayer?“ Buffy hat sich die Staffel über immer wieder von Giles hat ermahnen lassen müssen, auch ja genug zu trainieren und ihre Pflichten als Slayer nicht zu vernachlässigen und in Episode 2.09 („What’s My Line, Part 1“) frustriert festgestellt hat, dass es für sie gar keinen Sinn macht, an einem Berufseignungstest teilzunehmen, weil das Schicksal ihr nun mal die Rolle als Vampire Slayer zugeteilt habe. Am Ende der Staffel hat sie die Aufgaben, Einschränkungen und Verpflichtungen, die das Slayer-Dasein mit sich bringt, endlich akzeptiert. Ihre Mutter hingegen kann die für sie noch neue Rolle ihrer Tochter überhaupt nicht akzeptieren, sie versteht sie noch nicht einmal. Immer wieder hat sie ihre Tochter im Verlauf der Staffel für ihre vermeintliche Verantwortungslosigkeit getadelt. In Episode 12 („Bad Eggs“) fragt sie Buffy beispielsweise, ob sie nichts anderen im Kopf habe als Jungs und Klamotten. „Saving the world from vampires.“, antwortet Buffy, was ihre Mutter natürlich nicht ernst und nur als ein weiteres Indiz für die Verantwortungslosigkeit ihrer Tochter nimmt. Dabei lastet auf Buffy eine größere Verantwortung als auf den meisten anderen Menschen. Staffel drei wird also hoffentlich unter anderem erzählen, wie auch Buffys Mutter das erkennt und ihre Tochter wieder in die Arme schließt. Wieder einmal verbindet die Serie hier Fantasy-Elemente mit ganz normalen, realistischen Teenager-Problemen. Denn der Prozess der Ablösung von der Mutter und der Wunsch ein selbstbestimmtes Leben zu führen sind ja Dinge, die alle 17-jährigen Mädchen beschäftigen.

Aber in der finalen Doppelfolge geht es längst nicht nur um Buffys Beziehung zu ihrer Mutter, sondern natürlich noch um viel mehr. Hier steht alles auf dem Spiel: Buffy wird nicht nur von Joyce aus dem Haus, sondern auch von Prinicpal Snyder von der Schule geschmissen. Alle Figuren befinden sich in großer Gefahr, ganz besonders Willow und Giles, um deren Leben wir bangen. Ach ja, und dann geht natürlich auch noch beinahe die Welt unter, was Buffy im letzten Moment verhindern kann. Weiterhin erhalten wir einige interessante Einblicke in Angels Vergangenheit und verstehen dadurch besser, wie er mit Buffy verbunden ist. Und dann dieses tragische Ende… Buffy und Angel liefern sich einen Schwertkampf auf Leben und Tod. Willow gelingt es unterdessen endlich, Angel seine Seele zurückzugeben, so dass er plötzlich mitten im Kampf gegen Buffy wieder ganz der Alte ist, ohne jegliche Erinnerung an die letzten Monate. Mir kam es ziemlich unglaubwürdig vor, dass die sonst so vorsichtige Buffy ihm so schnell wieder vertraut und ihm in die Arme sinkt. Aber gerade als ich akzeptiert hatte, dass sie ihm wieder vertraut, rammte sie ihm plötzlich das Schwert in den Bauch! Ja was denn nun? Anscheinend hatte ich da etwas falsch verstanden. Ich dachte, sie hätte Angel getötet, weil sie nicht noch einmal enttäuscht werden wollte, weil sie ihm eben doch nicht wieder ganz vertraute, weil es zu schön schien, um wahr zu sein, dass der „nette“ Angel auf einmal wieder da war. Lieber alleine bleiben, als ein weiteres Mal verletzt werden… Auf Facebook hat mich allerdings jemand darauf hingewiesen, dass Buffy ihn nur getötet hat, weil das zu diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit war, den Weltuntergang noch zu verhindern. Dabei hätte Angel dafür doch bloß das Schwert wieder in diesen Stein-Dämon stoßen müssen – dachte ich jedenfalls. Wie auch immer, das Ende war ein hoch dramatisches und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die dritte Staffel. Nicht zuletzt muss natürlich Angel zurück geholt werden, der ja nicht wirklich gestorben ist, sondern nur in eine andere Dimension gesaugt wurde oder so etwas.

Die zweite Staffel von „Buffy“ hat mir sehr gut gefallen und die Serie hat deutlich Fahrt aufgenommen. Zwar gibt es noch viele Episoden, die nach dem „monster of the week“-Schema verfahren, aber wie schon erwähnt wird die continuity auch in diesen Folgen nicht ignoriert und es gibt dennoch einen großen Handlungsbogen, der besonders in Folgen wie „Passion“, „Innocence“ oder dem Staffelfinale behandelt wird. Die erste Staffel hat die Charaktere vorgestellt, die zweite Staffel hat sie alle konsequent weiter entwickelt. Die dritte Staffel muss daher eigentlich noch besser werden; ich erwarte, dass es darin weniger in sich abgeschlossene Folgen gibt und die sich durch die Episoden ziehende Handlung noch besser sichtbar wird. Was mir sonst noch gut gefallen hat: Der Dialogwitz und die vielen popkulturellen Anspielungen. Die Tatsache, dass Willow immer wieder von den anderen dazu beauftragt wird, im Internet nach irgendetwas zu suchen – dass das Netz damals nur eine Angelegenheit für Spezialisten war, zeigt dann doch, wie alt die Serie schon ist, die sich ansonsten sehr gut gehalten hat. Herrlich fand ich die Szene im Finale, in der Spike zusammen mit Buffys Mutter im Wohnzimmer sitzt. Ein weitererHöhepunkt war die Szene, in der in „Passion“ tatsächlich zwei Schüler in die Schulbibliothek kommen, um Bücher auszuleihen. Man fragt sich ja die ganze Zeit über, warum Giles so viel Zeit für Buffy, Xander und Willow hat und warum sie in der Bibliothek stets vollkommen ungestört über Dämonen, Vampire und den Untergang der Welt sprechen können. Xander will die beiden Jungs sofort wieder heraus schmeißen, aber Giles merkt an (als würde es ihm selbst gerade erst wieder einfallen): „This IS a school library…“ 

Babylon 5 – Episode 1.02 „Soul Hunter“

Endlich geht es weiter mit meinem „Babylon 5“-Rewatch! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, hier im Blog alle zwei Wochen eine neue Episode zu besprechen, aber das wird wahrscheinlich nicht machbar sein; jedenfalls dann nicht, wenn ich regelmäßig auch über andere Dinge bloggen will. Hoffentlich dauert es aber bis zur nächsten Folge nicht wieder fast einen Monat. Bevor ich mich „Soul Hunter“ widme, komme ich zunächst wieder zu meiner beliebten Rubrik…

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Universum

Wirkliche Neuigkeiten gibt es zwar nicht, dafür habe ich aber wieder etwas Schönes im Internet gefunden: Für das „Archive of American Television“ werden Personen interviewt, die einen wichtigen Beitrag zum US-Fernsehen geleistet haben. Darunter ist natürlich auch „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS), mit dem ein fast dreieinhalbstündiges Gespräch geführt wurde. Darin spricht er über seine gesamte Karriere, also auch alles, was er vor und nach „Babylon 5“ in den Bereichen Fernsehen, Comics und Film gemacht hat (er war z.B. einige Zeit Drehbuchautor für „Mord ist ihr Hobby“ oder hat das Drehbuch für „Der fremde Sohn“ („Changeling“) geschrieben, das von Clint Eastwood mit Angelina Jolie in der Hauptrolle verfilmt wurde). Über „Babylon 5“ beginnt er im zweiten der vier Videos zu sprechen (bei 6:47). Anschauen sollten sich das natürlich nur diejenigen, die „Babylon 5“ schon komplett gesehen haben, da er über den gesamten Handlungsbogen der Serie spricht. Im letzten Video spricht er dann über seine künftigen Projekte – die Serie „Sense 8“, die er mit Andy und Lana Wachowski geschrieben hat und dieses Jahr drehen wird und den Leni Riefenstahl-Film, den er in Berlin drehen und bei dem er auch Regie führen wird.
Hier kann man zudem einige Highlights des Interviews gezielt anklicken und hier Interviews mit einigen weiteren an „Babylon 5“ beteiligten Personen ansehen (z.B. mit den Schauspielern Walter Koenig und Bill Mumy). Kommen wir nun aber zur heutigen Episode… 🙂

Episode 1.02 „Soul Hunter“ („Der Seelenjäger“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 02.02.1994 (USA), 13.08.1995 (Deutschland)

„Soul Hunter“ ist – wie die meisten Episoden der ersten Staffel – eine für sich allein stehende Folge mit abgeschlossener Handlung – jedenfalls auf den ersten Blick. Wer die Serie schon komplett gesehen hat, dem werden in dieser Folge allerdings einige Dinge auffallen, die auf spätere Ereignisse und Enthüllungen verweisen. Dies zeigt, dass JMS tatsächlich von Anfang an an einem großen story arc schrieb und schon in den ersten Folgen der Serie den Grundstein dafür legte. Diese Folge enthält also ein paar für diesen story arc wichtige Elemente, ist ansonsten aber leider ziemlich langweilig, und das obwohl die ihr zurgunde liegende Idee und die damit verbundenen Fragestellungen eigentlich äußerst faszinierend sind.
Zu Beginn der Folge nutzt Sinclair nicht zum letzten Mal die Gelegenheit, selbst ins Cockpit eines Starfury zu steigen, um das auf die Station zu treibende unbekannte Schiff zu bergen. Der einzige Passagier wird ins Medlab gebracht, wo Delenn ihn als einen „Seelenjäger“ erkennt und sofort zu Garibaldis Waffe greift, um ihn zu erschießen. Zum Glück kann Sinclai das verhindern. Delenn entschuldigt sich später bei ihm für dieses so gar nicht für sie typische Verhalten und erklärt Sinclair, Seelenjäger seien Wesen, die sich vom Tod anderer Wesen angezogen fühlen und deren Seele nach dem Tod gefangen nähmen. „They have always taken a particular interest in certain classes of Minbari.“, sagt sie mit Bezug darauf, dass Seelenjäger es häufig auf in einer Gesellschaft besonders angesehene Personen, wie zum Beispiel Führungspersönlichkeiten, abgesehen haben. Während die Menschen noch nie von den Seelenjägern gehört haben, scheinen sie bei vielen anderen Spezies gefürchtet zu sein. Garibaldi erwähnt, der Aliensektor der Station sei wie ausgestorben und Ivanova fällt auf, dass plötzlich alle Aliens die Station verlassen wollen.
Dr. Stephen Franklin, der neue Stationsarzt, glaubt als Naturwissenschaftler nicht an Seelen oder Seelenjäger. Für ihn ist die Vorstellung, eine Seele gefangen zu nehmen, lächerlich. Auch Sinclair glaubt zunächst nicht daran, will den Seelenjäger aber trotzdem so schnell wie möglich wieder loswerden, weil er den Frieden auf Babylon 5 gefährdet. Die spirituelle Delenn dagegen ist überzeugt davon, dass seine Anwesenheit eine Gefahr bedeutet und will nicht nur verhindern, dass er weitere Seelen einfängt, sondern auch diejenigen wieder frei lassen, die er bereits gefangen hat und in seiner „Sammlung“ mit sich führt. Sie ist sich sicher, dass sich darunter auch Minbari-Seelen befinden, die – solange sie fest gehalten werden – nicht wieder geboren werden können und damit quasi „fehlen“. „Remove those souls, and the whole suffers. We are diminished. Each generation becomes less than before.“, sagt sie, was der Seelenjäger jedoch als Spinnerei abtut. Er sieht sich als Retter der Seelen, die er aufnimmt und die angeblich nur dann überhaupt weiter leben können, wenn sie nach dem Tod der Person eingesammelt werden.

Der Seelenjäger wird von W. Morgan Sheppard gespielt, einem britischen Schauspieler, der auch in mehreren „Star Trek“-Episoden und Filmen mitgewirkt hat (auch in J.J. Abrams erstem „Star Trek“-Film hatte er einen kleinen Auftritt). Zudem ist er in einer späteren „Babylon 5“-Folge noch einmal dabei, dort spielt er einen Narn. Vor kurzem war er in einer Folge von „Mad Men“ als Vater des von Jared Harris gespielten Lane Pryce zu sehen. Den Seelenjäger spielt er von Beginn der Episode an etwas entrückt, als würde er die um sich stehenden Personen zwar wahrnehmen, aber hätte Schwierigkeiten, sich auf sie zu konzentrieren. Später in der Folge trifft ein zweiter Seelenjäger auf Babylon 5 ein und erklärt Sinclair, sein Bruder sei verstört, weil er in der Vergangenheit häufig zu spät eingetroffen ist, um die Seelen sterbender Personen zu retten. Deshalb warte er nun nicht mehr, bis eine Person stirbt, sondern suche sich besonders prestigeträchtige Persönlichkeiten heraus und führe deren Tod selbst herbei. Das erklärt zumindest ein wenig das seltsame Verhalten des ersten Seelenjägers, trotzdem wirkt Sheppards Schauspiel immer noch etwas hölzern.
In Delenn erkennt der (erste) Seelenjäger ein Mitglied des Grauen Rates, jener Gruppe aus Minbari, die deren gesamtes Volk regieren. Als solches wäre ihre Seele natürlich ein besonders wertvolles Objekt für seine Sammlung. Also versucht er, sich ihre Seele anzueignen, doch zum Glück trifft Sinclair rechtzeig ein und kann die, äh, „Seelenabsaugmaschine“ umdrehen und auf den Seelenjäger selbst richten. Zum Schluss sehen wir Delenn, die die in der Sammlung des Seelenjägers gefangenen Seelen eine nach der anderen wieder befreit.

Highlight der Episode: Eigentlich gar nichts, da die Episode keine großen Höhepunkte hat. Aber es ist die erste Folge mit Dr. Franklin (Richard Biggs)! Zu Beginn wird er von Sinclair und Ivanova auf der Station empfangen und grüßt sie von seinem Vorgänger Dr. Kyle, dem er zufällig auf dem „transfer point on Io“ (der in der Serie nicht zum letzten Mal erwähnt wird) begegnet ist. Sinclair erwähnt, dass Kyle – der im Pilotfilm zu sehen war – inwischen für den Präsidenten arbeitet.

Londo/G’Kar-Moment: Leider gar keiner, da die beiden in dieser Folge nicht vorkommen.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie – den großen „story arc“ – wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode (Ich habe das meiste mal so kryptisch gehalten, dass keine Spoiler vorkommen und all diejenigen, die die komplette Serie kennen, trotzdem verstehen, worauf ich mich beziehe. An einer Stelle muss ich allerdings auf einen großen Spoiler eingehen – markieren und lesen der entsprechenden Stelle daher auf eigene Gefahr! 😉 ):

  • Der Seelenjäger erzählt, wie er und seine Brüder beim Tod von Dukhat, dem Anführer der Minbari, zur Stelle waren, aber von den Minbari daran gehindert wurden, dessen Seele aufzunehmen. (Das ist zwar für die Serie an sich nicht so wichtig, aber es stellt die erste Erwähnung von Dukhat dar.)
  • Der Seelenjäger erkennt Delenn als eine „Satai“, ein Mitglied des Grauen Rates und eine der Anführerinnen der Minbari. Mit Recht stellt er die Frage, warum sie auf Babylon 5 „Botschafterin spielt“. Das fragt sich am Ende der Folge auch Sinclair, nachdem er die Bedeutung des Wortes „Satai“ heraus gefunden hat. Im späteren Verlauf der Serie wird dies klar.
  • Delenns Worte darüber, dass Seelen nach dem Tod in andere Personen übergehen und solche Seelen, die gefangen genommen werden, der Gesamtpopulation fehlen, stehen natürlich in Verbindung zu den Dingen, die wir über Seelen später in der Serie noch erfahren werden… Wie viele scheinbar für sich allein stehende Episoden der ersten Staffel führt auch diese Folge einige Handlungselemente ein, die später sehr wichtig werden. Dazu gehört auch der Tod Dukhats als Auslöser des Erd-Minbari-Krieges.
  • Als der Seelenjäger zu Sinclair sagt „They are using you“, bezieht er sich natürlich darauf, dass die Minbari Sinclair manipulieren, um ihn in die Position zu bringen, in der er später sein Schicksal erfüllen wird… [Großer Spoiler:] Ich frage mich allerdings, was dieser Satz in JMS‘ ursprünglichem story arc bedeutet hätte. Im Nachinein interpretiert man ihn ja so, dass die Minbari Sinclair manipulieren, damit er schließlich seine Rolle als Valen einnimmt. Wenn aber Sinclair wie in JMS‘ ursprünglichem Konzept vorgesehen die ganze Serie über auf Babylon 5 geblieben wäre, wofür hätten die Minbari ihn dann benutzt? Hätten sie ihn dann in seine Rolle im Krieg gegen die Schatten gedrängt?

Sonstige Fragen: Einige Fragen habe ich ja schon gestellt, bleibt also noch die größte: Gibt es nun Seelen oder nicht? Nehmen die Seelenjäger tatsächlich die Seelen von Verstorbenen auf und retten diese? JMS hat dazu folgendes geschrieben: „We leave that question open. Is he actually taking souls, or simply encoding the personality matrix and, in essence, creating an artificial version of the individual’s personality?“ Die Frage bleibt also offen, was auch gut so ist. Wie schon gesagt, die Episode mag etwas öde sein, die ihr zugrunde liegenden Themen und Fragen sind es aber ganz und gar nicht. JMS versucht hier wie so oft, seine Zuschauer zum Denken anzuregen, ihnen etwas zum Grübeln und Diskutieren zu geben, aber keine einfachen Antworten zu liefern. „Who’s right – the Soul Hunter or Delenn?“, hat ihn ein Fan im Internet gefragt. Seine Antwort: „Yes.“

Weitere interessante Punkte: In dieser Folge sehen wir, wie auf Babylon 5 mit Verstorbenen verfahren wird, wenn sich die Hinterbliebenen auf der Erde eine Überführung der Leiche nicht leisten können. In diesem Fall wird die Leiche in einer Kapsel in den nahe gelegenen Stern geschossen. Sehr interessant fand ich auch die beiden Aliens, die als Türsteher vor N’Graths Quartier stehen; ich bin mir nicht sicher, ob man diese Spezies je wieder sehen wird. Ach ja: der insektoide N’Grath tritt hier zum ersten Mal auf! JMS hatte den Fans im Internet damals versprochen, sie würden nicht-humanoide Aliens zu sehen bekommen und N’Grath war wohl die Einlösung dieses Versprechens. In den Nahaufnahmen wirkt er faszinierend, in der Halbtotalen sieht man aber leider, dass auch er von einem Menschen gespielt wird und auf zwei Beinen geht. Am Ende der Folge erteilt Sinclair den Seelenjägern quasi Hausverbot auf der Station – so weit ich weiß wird das im Verlauf der Serie keiner anderen Gruppe erteilt.
Und noch ein Detail, dass ich als großen Spoiler markieren muss: Franklin warnt Sinclair am Ende, nicht an Seelen zu glauben bzw. dies nicht laut zu äußern, weil man ihn sonst in einen sehr langen Urlaub schicken würde. („I’d be careful if I were you. That sort of talk will get you sent off on a very long vacation.“) Vor dem Hintergrund von Sinclairs Schicksal nach der ersten Staffel wirkt das fast schon prophetisch…

Zitate:
„We are drawn to the moment. The moment of surrender, the instant of loss, between despair and ecstasy, when the flesh fails and all that remains behind – the soul – we save. Not all, only the special ones. Leaders, thinkers, poets, dreamers, blessed lunatics.“ (erster Seelenjäger)

Franklin: „It’s all so brief, isn’t it? [The] typical human life span is almost a hundred years. But it’s barely a second compared to what’s out there. [It] wouldn’t be so bad, if life didn’t take so long to figure out. [It] seems you just start to get it right and then…it’s over.“
Ivanova: „Doesn’t matter. If we lived two hundred years, we’d still be human. We’d still make the same mistakes.“
Franklin: „You’re a pessimist.“
Ivanova: „I’m Russian, doctor. We understand these things.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.03 „Born to the Purple“

Sherlock – Season 3: „His Last Vow“

Zu „The Empty Hearse“ und „The Sign of Three“, den ersten beiden der drei neuen „Sherlock“-Folgen, habe ich schon etwas geschrieben. Es fehlt also noch Episode Nummer drei, „His Last Vow“. (Selbstverständlich enthält auch dieser Blogpost Spoiler!) Nach der konfusen zweiten Folge der Staffel konnte die finale Folge ja eigentlich nur besser werden – und das wurde sie dann auch. Der Titel „His Last Vow“ bezieht sich auf das Versprechen, das Sherlock (Benedict Cumberbatch) in der vorherigen Episode seinem besten Freund John Watson (Martin Freeman) und dessen Frau Mary (Amanda Abbington) gegeben hat: immer für sie da zu sein und sie zu beschützen. Während der Episodentitel ganz klar eine Abwandlung von „His Last Bow“ darstellt, basiert die Folge inhaltlich größtenteils jedoch auf einer anderen Sherlock Holmes-Kurzgeschichte, „The Adventure of Charles Augustus Milverton“.

Holmes‘ Anatagonist in dieser Folge ist Charles Augustus Magnusson (wahrscheinlich wurde der Name geändert, weil der Darsteller Lars Mikkelsen hörbar Däne ist). Nach der verführerischen Irene Adler und dem manisch-verrückten James Moriarty haben wir es dieses Mal mit einem kühlen, rationalen Bösewicht zu tun. Magnusson ist gerade deswegen so gefährlich für Sherlock, weil er ihm so ähnlich ist. Dass Magnusson über ähnlich brillante geistige Fähigkeiten verfügt wie Sherlock, ist eine der Überraschungen der Episode. Zu Beginn der Folge wird gezielt der Eindruck erweckt, Magnussons Brille sei eine Art Google Glass und füttere ihn jederzeit mit allen möglichen nützlichen Informationen. In dem Moment, als er während der Anhörung die Brille aufsetzt, sehen wir die ihm gegenüber sitzende Lady Smallwood (Lindsay Duncan) aus seiner Perspektive, während zahlreiche Informationen über sie eingeblendet werden (wie wir es aus der Serie sonst nur aus Sherlocks Sicht gewohnt sind). Die gewählte Courier-Schriftart und der Zeitpunkt der Einblendung suggerieren, dass die Informationen Mikkelsen über seine Brille erreichen – eine Täuschung, die die Episode lange aufrecht erhält. Als Mikkelsen in dieser Szene Lady Smallwoods Schwachpunkte abruft, teilt er ihr jedoch mit, er habe ein hervorragendes Gedächtnis, was bereits ein Hinweis darauf ist, dass er eben nicht auf Technik angewiesen ist, sondern genau wie Sherlock über einen mind palace verfügt, in dem er Informationen sammeln und wieder abrufen kann. Auch die Szene, in der wir ihn in seinem Haus eine Wendeltreppe hinuntergehen und in sein Archiv hinabsteigen sehen, in dem er Daten über alle Personen, die ihm gefährlich werden könnten, gespeichert hat, ist natürlich eine falsche Fährte, denn tatsächlich handelt es sich dabei ja um diesen mind palace.

„His Last Vow“ ist eine sehr, sehr gute „Sherlock“-Folge, qualitativ auf demselben Niveau wie einige der Episoden der ersten beiden Staffeln (besser als „Baskerville“, aber natürlich nicht so gut wie der wohl unerreichbare Höhepunkt „A Scandal in Belgravia“). Erneut ist das Erzähltempo sehr hoch und die Geschichte wartet mit immer neuen Wendungen und Überraschungen auf. Ist Sherlock drogenabhängig!? Warum steht Magnusson unter Mycrofts Schutz!? Sherlock hat plötzlich eine Freundin!!??? Sherlock erschießt Magnusson!!! Moriarty ist wieder da??? Besser als in den beiden vorhergehenden Folgen gelingt es dieses Mal, Drama, Spannung und Humor zu verbinden. Die lustigen Szenen nehmen nicht Überhand, wie in der vorherigen Folge und stehen klar in Zusammenhang mit dem großen Handlungsbogen; dadurch wirken sie nicht so aufgesetzt. Kritisieren könnte man sicherlich die Sequenz, die sich in Sherlocks Kopf abspielt, nachdem er angeschossen wurde. Manche mögen sie als unnötig und überzogen ansehen, für mich hat sie aber funktioniert und die Spannung erhöht, zumal danach ja auch wirklich Schluss ist und nicht zu einem gefühlten Dutzend weiterer Rückblenden oder mind palace-Szenen übergegangen wird, wie in der letzten Folge.

Filmisch hat die Episde ein paar tolle Effekte zu bieten. Vor allem die Szene, in der Sherlock John erklärt, wie sie gleich in Magnussons Büro einbrechen werden, hat mir in dieser Hinsicht gefallen. Bei genauerem Hinsehen lassen sich zudem ein paar Verbindungen zu den anderen beiden Folgen der Staffel finden. So versteht man rückblickend zum Beispiel, warum Sherlock auf Johns und Marys Hochzeit so freundlich zu Marys Brautjungfer Janine war. Und am Ende der Episode erkennt man, dass Magnusson für Sherlock nicht einfach nur ein weiterer Fall ist, sondern dass Sherlock dabei auch ein persönliches Motiv hat – eben jenes Verprechen, John und Mary zu beschützen.

„His Last Vow“ ist definitiv die beste Folge der Staffel. Mit Magnusson trifft Sherlock auf einen Gegner, der ihn mit seinen eigenen Waffen schlägt und bis zum Schluss die Oberhand behält. Die Schauspieler sind wie gewohnt fantastisch (auch Neuzugang Lars Mikkelsen), während Steven Moffats Drehbuch die Spannung konstant hoch und dabei immer neue Wendungen bereit hält. Und wo ich gerade bei Wendungen bin: Da ist ja noch der Cliffhanger zum Schluss… Den kann man dämlich finden oder großartig. Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit, ganz einfach weil ich Vertrauen in die Autoren habe. Klar, mit „The Sign of Three“ haben sie zwar die schlechteste Folge der Serie geschrieben, aber selbst die hatte noch hervorragende Momente. Da Steven Moffat in einem Interview gesagt hat, Moriartys nun angekündigte Rückkehr sei schon lange – seit seinem ersten Auftritt in der Serie – geplant gewesen, glaube ich ihm das einfach mal und hoffe, dass wir Anfang 2016 in der vierten Staffel eine ebenso vernünftige wie erstaunliche Erklärung dafür bekommen, wie und warum Moriarty nun zurück ist. In einem anderen Interview hat Moffat gesagt, dass nicht auch noch Moriarty (wie Sherlock) seinen Selbstmord nur vorgetäuscht hat. Er ist also am Ende der zweiten Staffel gestorben. Also haben wir den wahren Moriarty vielleicht wirklich noch gar nicht kennen gelernt? Was aber, wenn die Serien-Macher unbedingt dessen Darsteller Andrew Scott zurück bringen wollen? Ein Moriarty-Klon? Ein Zwillingsbruder? Ein „virtueller“ Moriarty, der Sherlock per Videobotschaft und Cyberangriff quasi aus der Vergangenheit terrorisiert? Die einfachste Erklärung wäre sicher, dass ein neuer Anatagonist einfach Moriartys Bild nutzt, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Aber so einfach wird es hoffentlich dann doch nicht sein. Wie die Auflösung dieser Geschichte aussieht, erfahren wir in ca. zwei Jahren, bis dahin heißt es nun wieder: Warten.

Sherlock – Season 3: „The Sign of Three“

Weiter geht es mit der dritten „Sherlock“-Staffel! Nachdem ich gestern etwas zur ersten Folge der Staffel geschrieben habe, widme ich mich heute der zweiten Episode, „The Sign of Three“ (Achtung Spoiler!).

Diese Folge beginnt mit einem netten Gag, der in sich zusammen fällt, sobald man auch nur ein bisschen darüber nachdenkt. Wir sehen eine Montagesequenz, in der Detective Inspector Lestrade (Rupert Graves) immer wieder nur knapp nach einer von ihm über Monate hinweg verfolgten Räuberbande an den entsprechenden Tatorten eintrifft. Als er der Bande endlich einmal einen Schritt voraus ist und sie auf frischer Tat ertappt, erhält er eine SMS von Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch). Angeblich handelt es sich um einen Notfall, bei dem Sherlock unbedingt sofort Lestrades Hilfe braucht… Also lässt Lestrade nach nur kurzem Zögern alles stehen und liegen und überlässt die prestigeträchtige Verhaftung seinen Kollegen, um sich nicht nur selbst sofort auf den Weg in die Baker Street zu machen, sondern auch gleich einen Polizeihubschrauber dorthin zu schicken. Und als er dann dort ankommt, stellt sich heraus, dass es sich bei dem „Notfall“ darum handelt, dass Sherlock Hilfe beim Verfassen der Rede braucht, die er als Johns Trauzeuge auf dessen Hochzeit halten soll. Wirklich? Wie gesagt, im ersten Moment ist das lustig, aber Lestrade sollte es nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Sherlock doch eigentlich längst besser wissen. Zumindest zurückrufen hätte er ja erst einmal können. Naja, das waren ja nur die ersten drei oder vier Minuten der Episode.
Leider wurde es danach aber nicht besser. Um es schon einmal Vorwegzunehmen: Als ich „The Sign of Three“ zum ersten Mal gesehen habe, stand mein Mund von Minute zu Minute immer weiter offen – aber nicht vor Staunen und Bewunderung, sondern weil ich einfach nicht glauben konnte, was die Drehbuchautoren hier für ein Chaos zusammengeschrieben hatten. Während bei den ersten beiden Staffeln die jeweils drei Folgen unter den drei Drehbuchautoren aufgeteilt wurden, haben wir es hier zum ersten Mal mit einer „Sherlock“-Folge zu tun, die von allen dreien – Stephen Thompson, Mark Gatiss und Steven Moffat – zusammen geschrieben wurde. Das könnte dieses wilde Durcheinander aus Rückblenden erklären, welches phasenweise so wirkt, als hätte hier ein „Sherlock“-Fanclub unter Alkoholeinfluss seine kühnsten fan fiction-Fantasien ausgelebt. Immer wieder habe ich mich beim Anschauen gefragt, ob das wirklich noch dieselbe Serie ist, die ich bis dahin für eine der besten TV-Serien aller Zeiten gehalten hatte.
Aber der Reihe nach, sofern das bei dieser Episode überhaupt geht. Die Rahmenhandlung bildet hier die best man speech, die Sherlock auf der Hochzeit von John (Martin Freeman) und Mary (Amanda Abbington) hält. Von einem „Rahmen“ kann man dabei aber schon fast nicht mehr sprechen, da die gesamte Folge durch die ständigen Rückblenden, die zum Teil wiederum weitere Rückblenden enthalten, so zerstückelt wirkt, dass man schon nach einem Drittel der Laufzeit kapituliert und einfach nur noch abwartet, ob sich aus all dem auch mal irgendwann ein erkennbarer, kohärenter Plot entwickelt. Ziemlich am Beginn der Rede gibt es noch eine relativ lange Szene, die nicht durch Rückblenden unterbrochen wird. In diesem Abschnitt scheint Sherlock zunächst alle Befürchtungen zu bestätigen und sich als denkbar schlechteste Wahl für einen Redner auf einer Hochzeit zu erweisen. Er beleidigt so ziemlich alle Anwesenden, das Brautpaar eingeschlossen, und wirkt genau so kalt, unnahbar und gefühllos, wie man es erwartet hatte. Liebe? Romantik? Heirat? Freundschaft? Das scheinen für Sherlock nur nutzlose soziale Konstrukte zu sein, mit denen er nichts anzufangen weiß. Dann jedoch stellt sich heraus, dass dieser Beginn seiner Rede genau so beabsichtigt war. Sherlock weiß, dass ihn viele der Anwesenden für ein emotionsloses A*****och halten und leitet auf diesem Weg dazu über, dass er es eigentlich gar nicht verdient, John Watson zum Freund zu haben und sich glücklich schätzen kann, sein Trauzeuge sein zu dürfen. Plötzlich rührt er alle Gäste und das Brautpaar zu Tränen.
Ist dieser ganz klar zu menschlichen Gefühlen fähige Sherlock noch dieselbe Person wie in den ersten beiden Staffeln? Oder hat er sich inzwischen weiter entwickelt? Oder tut er vielleicht nur so, als fühle er etwas, indem er genau das erzählt, von dem er meint, dass es die Leute hören wollen? Wie auch immer, seine Worte verfehlen in diesem Moment nicht ihre Wirkung.
Im Anschluss leitet er ein wenig abrupt über zu „some funny stories about John“ und hier ist es, wo die Episode so richtig unübersichtlich zu werden beginnt. Dies vor allem deswegen, weil man lange Zeit keinen blassen Schimmer hat, wie die nun geschilderten Fälle zusammen hängen und wie sich aus den Erzählungen Sherlocks (die natürlich in Rückblenden gezeigt werden) und seiner Rede eine einheitliche, auf einen konkreten Punkt zu laufende Handlung ergeben soll. Vor allem gibt es viel zu lange keinen richtigen neuen Fall, der in dieser Episode zu lösen wäre – noch länger nicht als in der ersten Epiosde, wo das noch vollkommen verständlich war (siehe mein Post zu „The Empty Hearse“).
Sherlock beginnt mit dem Fall des „bloody guardsman“, einem der wenigen Fälle, die er und John nicht aufklären konnten. Seltsamerweise erwähnt er zwar, dass das fast verblutete Opfer den Mordversuch überlebt hat, anscheinend hat sich aber niemand die Mühe gemacht, das Opfer nach der Tat zu befragen. Auf diese Weise hätte man zumindest ein paar Hinweise auf den Tathergang erfahren können.
In weiteren Rückblenden wird nicht nur von einem weiteren Fall erzählt, sondern die Episode ist nun auch endgültig nicht mehr von der fan fiction zu unterscheiden, bei der sich die „Sherlock“-Fans eigene Geschichten um Holmes und Watson erdichten. Es scheint – wie jemand auf Twitter geschrieben hat – als hätten ein paar Fans die ursprünglichen Drehbuchautoren der Serie gekidnappt und nun an deren Stelle das Geschehen so weiter geschrieben, wie sie es gerne sehen würden. Sherlock und John gehen auf eine Tour durch die Pubs, betrinken sich, spielen „20 Questions“, bis Sherlock schließlich bei einer Klientin auf den Teppich kotzt. Natürlich darf er zum Vergnügen aller Fans zuvor noch in betrunkenem Zustand seine genialen Deduktionsfähigkeiten zum Einsatz bringen. Dabei kommen dann so dämliche Dinge heraus wie „sitty thing“ beim Anblick eines Stuhls. Lustig ist das schon irgendwie, aber Handlung ist immer noch keine in Sicht.
Nach dieser Szene hatte ich jegliche Hoffnung aufgegeben, dass sich aus den gezeigten Ereignissen doch noch eine spannende, plausible Geschichte entwickeln würde. Im Gegensatz zu den bisherigen, meist großartig geschriebenen Folgen, die wie aus einem Guss wirkten, kam mir „The Sign of Three“ vor wie eine sinnfreie Aneinanderreihung mehr oder weniger lustiger Elemente.
Ich muss zwar zugeben, dass mir die Folge beim zweiten Anschauen längst nicht so zerfahren und uneinheitlich vorkam, wie beim ersten Mal. Das lag aber ganz einfach daran, dass ich dieses Mal schon wusste, worauf das alles hinaus laufen soll. Wenn man die Episode dagegen zum ersten Mal sieht, hat man keinen blassen Schimmer davon. Man weiß nicht, welche Informationen wichtig und welche weniger wichtig sind und fühlt sich ständig von einem Szenario ins nächste gerissen, oft auch noch ohne sofort erkennbaren Zusammenhang. Beim zweiten Anschauen weiß man bereits, dass die beiden Fälle, die in den Rückblenden größeren Raum einnehmen, mit dem auf Johns Hochzeit verübten Attentat auf Major Sholto (Alistair Petrie) zusammen hängen. Leider ist dieser Zusammenhang beim ersten Ansehen jedoch lange Zeit alles andere als klar und wird auch im letzten Drittel der Episode, als diese Erzählstränge schließlich verbunden werden, nicht deutlich genug. Das liegt auch daran, dass so viel Unnötiges darum herum erzählt wird, eben all die fan fiction-artigen Elemente, die kaum etwas zur Geschichte beitragen (wie z.B. auch das kurze Auftauchen von Irene Adler (Laura Pulver) – ganz nett, die Fans freut’s, aber was soll das?). Und spätestens in der Szene, in der Sherlock mit den durch den „Mayfly Man“ miteinander verbundenen Frauen chattet, was wiederum durch ein in einem Gerichtssaal stattfindendes Gespräch mit ihnen symbolisiert wird, kommen wohl nur noch die wenigsten Zuschauer mit.
„Sherlock“ war zwar von Anfang an eine Serie, bei der man beim zweiten Anschauen immer noch mehr Hinweise entdecken konnte, aber bislang folgten alle Folgen trotz ihrer Komplexität einem geradlinigen, immer noch logisch nachvollziehbarem Aufbau. Das ist hier nicht der Fall, „The Sign of Three“ wirkt – beim ersten Ansehen, wohlgemerkt – manchmal so, als habe jemand auf einen „Shuffle“-Knopf am DVD-Player gedrückt, so dass die Szenen nun in zufälliger Reihenfolge wiedergegeben werden. Weiterhin wird das Vergnügen durch den dieses Mal wirklich übertriebenen Einsatz von Wischblenden gestört, die hier nicht mehr ein für den optischen Eindruck der Serie typisches Stilmittel darstellen, sondern nur noch bloßes Gimmick sind.
Positiv hervorzuheben ist natürlich nach wie vor das phänomenal gute Schauspiel von Benedict Cumberbatch, welches die Episode wenigstens halbwegs zusammen hält. Auch Martin Freeman ist hier wie immer in Topform, doch sein Watson hat dieses Mal etwas weniger zu tun als Sherlock, dessen Rede hier nun mal eine der Hauptattraktionen ist. Auch farblich fand ich diese Episode sehr schön. Während „Sherlock“ bislang ja oft eher den kühlen Farben des Spektrums zugeordnet war, war für mich dieses Mal das warme Gelb der Orangerie, in der die Hochzeitsfeier stattfindet, die vorherrschende Farbe (und es gibt ein paar schöne Einstellungen, in denen Cumberbatchs grüne Augen vor diesem Gelb wunderbar zur Geltung kommen – aber jetzt höre ich mich selbst schon fast an wie einer dieser ihn ständig anhimmelnden Fans).

Kurz nach der Erstausstrahlung von „The Sign of Three“ habe ich mich ein wenig im Internet umgesehen, um heraus zu finden, wie denn die anderen Zuschauer die Episdoe aufgenommen haben. Zu meinem Entsetzen fand ein großer Teil von ihnen die Folge einfach fantastisch – viele Fans hatten offenbar Spaß daran, mal eine andere Seite von Sherlock zu sehen. Nicht wenige Zuschauer hatten jedoch eine ähnliche Meinung wie ich und waren maßlos enttäscht. Wie wohl bei keiner anderen „Sherlock“-Folge zuvor sind also bei „The Sign of Three“ die Meinungen der Zuschauer gespalten. Im Folgenden habe ich ein paar Zitate aus einigen Reviews zur Episode sowie einige der Tweets zusammengtragen, die dieses Meinungsbild schön wiedergeben:

  • „[W]e would watch an entire episode of Sherlock and John drunkenly playing the Post-It Game, if we’re honest. … Drunk Sherlock needs his own spinoff series.“ (Zitate aus einem Review von DigitalSpy)
  • „Well. That might be the funniest and most heart-rending hour and half of television I’ve ever watched.“ (Aus einem Review bei TOR.com)
  • „Like any good best man’s speech, The Sign Of Three is fun, loveable, messy, slow to start, booze-fuelled, sometimes funny, sometimes not funny, sometimes only funny if you were there (or read the book), full of incoherent anecdotes, but ultimately kinda satisfying and brings a tear to the eye (if you’re susceptible to squishy-cuddle stuff). […] Then there’s the shows’ stylistic quirks, which seem to have gone into overdrive. […] You feel like you’ve taken some sort of speed substitute as you rattle through the wedding, only to get confuzzled further by flashback followed by flashback followed by flashback-within-a-flashback during the genuinely awkward (and not always for the right reasons) best man’s speech. […] After the amuse-bouche of The Empty Hearse – bear with me – I wanted a serious case for the main course this time around, and though we do eventually get one, the hour-long journey there feels too character-led, too bromantic, too… much. […] For me, it should be about a case – or cases, though I always prefer simpler puzzles – with character beats around it. Now the cart leads the horse, and I wonder whether I’m watching Sherlock: The Soap rather than Sherlock: The Modernised Take On The Famous Detective Serial.“
    (Aus einem Review bei empireonline.com – Hervorhebungen von mir)
  • Übrigens scheint auch noch eine Szene in einer Schwulenbar gedreht worden zu sein, die zum Glück heraus geschnitten wurde. Ich habe absolut gar nichts gegen Schwule oder Schwulenbars, aber das hört sich nur nach noch mehr fan service an, der von der Geschichte abgelenkt hätte (wobei es eigentlich auch schon wieder egal gewesen wäre).

Sherlock – Season 3: „The Empty Hearse“

Eigentlich wollte ich schon im Januar etwas über die neue Staffel von „Sherlock“ schreiben, kurz nach der Erstausstrahlung der drei neuen Episoden. Das hat leider nicht geklappt, aber letzte Woche habe ich mir die drei Folgen noch einmal angeschaut und dabei eine Menge Notizen gemacht. Deshalb gibt es diese Woche also den großen „Sherlock“-Rundumschlag. Los geht es mit der ersten Episode „The Empty Hearse – Spoiler natürlich inklusive!

Noch nie zuvor habe ich mich auf eine neue Serienfolge so sehr gefreut! Und selten zuvor war ich beim Fernsehen so gespannt wie in den ersten Minuten dieser Folge. Die Episode beginnt äußerst temporeich mit einigen Bildern aus den letzten Szenen der zweiten Staffel, unterlegt mit einem treibenden, elektrischen Beat. Dazwischen geschnitten sind neue Aufnahmen, die sozusagen zeigen, was bei Sherlocks Sturz vom Krankenhausdach „hinter den Kulissen“ passiert ist und wie er seinen Tod vorgetäuscht hat. Nach dem Ende der Szene wird klar, dass es sich nur um eine Version der Ereignisse handelt, die sich so abgespielt haben könnte – es ist die Theorie des Polizisten Philip Andersons (Jonathan Aris), der sich seit Sherlocks „Tod“ vom Sherlock-Hasser zum Fan gewandelt hat. Die Mitglieder des von ihm gegründeten „The Empty Hearse“-Fanclubs sind sich alle einig, dass Sherlock Holmes noch am Leben ist und haben alle ihre eigenen Theorien, wie er seinen Tod vorgetäuscht haben könnte. Andersons Theorie ist also nur eine von vielen und die Bilder, die wir eben gesehen haben damit eigentlich auch nichts anderes als fan fiction
Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) sehen wir kurze Zeit später in einer Szene in Serbien. Sein Aussehen und seine Situation erinnern stark an Pierce Brosnan zu Beginn des (schlechten) Bond-Films „Die Another Day“. Zum Glück ist aber Sherlocks Bruder Mycroft (Mark Gatiss) zur Stelle, um seinen Bruder zu befreien. Woher der wichtige und stets beschäftigte Mycroft Holmes die Zeit genommen haben soll, sich undercover in ein serbisches Verbrechersyndikat einzuschleusen, ist mir zwar ein Rätsel, aber irgendjemand muss Sherlock da ja rausholen. Zurück in London erzählt Mycroft irgendetwas von einem underground network, das einen Terroranschlag in London plant. Viel mehr erfahren wir erst einmal nicht, die Bedrohung bleibt diffus. Klar aber ist: Sherlock muss wieder ran, er ist der einzige, der den Fall lösen kann.
Also wird er rasiert und wieder in ordentliche Kleidung gesteckt. „Where is it?“, fragt er. „Where is what?“, entgegnet sein Bruder, scheinbar ahnungslos. „You know what.“, sagt Sherlock nur und hat natürlich recht: er meint seinen berühmten Mantel, das Kleidungsstück, das ihn erst wirklich zu Sherlock Holmes macht. Wortlos reich Mycrofts Assistentin ihm den Mantel und Sherlock schlüpft hinein. „Welcome back, Mr Holmes“, sagt die Assistentin und als Zuschauer schwelgt man einen Moment in Glückseligkeit, weil man gerade genau dasselbe gedacht hat. Sherlock Holmes ist zurück, er ist wieder voll da. Es ist wirklich bemerkenswert, wie „Sherlock“ es geschafft hat, in bis dahin nur sechs neunzigminütigen Episoden eine so starke Bildsprache zu entwickeln. Der Mantel mit dem hochgeschlagenen Kragen und die zerrauften Locken – mehr braucht man nicht, um den Sherlock Holmes des 21. Jahrhunderts zu erkennen. Als Sherlock zurück in die Baker Street kehrt, genügt allein seine Silhouette, um dem Zuschauer sein Kommen anzukündigen. (Auf die gekrümmte Pfeife, die früher fast immer Teil der Darstellung der Figur war, haben die Macher der neuen Serie verzichtet. Und die Nikotinpflaster, die Sherlock nun verwendet, sind in seiner Silhouette nicht sichtbar und damit kein Teil der neuen Sherlock Holmes-Ikonografie.)

John Watson (Martin Freeman) kehrt unterdessen ebenfalls zurück. Zwar war er weder außer Landes, noch wurde er für tot gehalten, doch die Trauer um seinen engen Freund hat deutliche Spuren in ihm hinterlassen. Zum ersten Mal fast zwei Jahren betritt John wieder in die Wohnung, die er gemeinsam mit Sherlock bewohnt hat. Mrs Hudson (Una Stubbs) macht ihm zunächst Vorwürfe, weil er sich die zwei Jahre über nie bei ihr gemeldet hat. Als er ihr aber erzählt, er werde bald heiraten, ist sie erfreut (auch wenn sie zunächst nur schwer begreifen kann, dass John mit einer Frau zusammen ist 😉 ). „He’s got on with his life“, sagt auch Mycroft, als Sherlock sich über John erkundigt. „What life?“, entgegnet Sherlock, „I’ve been away.“ Es folgt eine Einstellung, in der man Benedict Cumberbatch – in voller Sherlock-Montur – über die Dächer von London schauen sieht. Gab es dieselbe Szene nicht auch in „Star Trek Into Darkness“?
Wie auch immer, danach folgt endlich, worauf alle Zuschauer gewartet haben: das Aufeinandertreffen von Sherlock und Watson. Diese Szene im Restaurant, in der Sherlock, notdürftig als Kellner verkleidet, in Johns Heiratsantrag platzt, ist wirklich wunderbar geschrieben und gespielt. Selten war Fernsehen so spannend wie in dem Moment, als Sherlock an den Tisch tritt, an dem John und seine Freundin Mary (Amanda Abbington) sitzen. Watsons Gesichtsausdruck in dem Moment, als ihm dämmert, wer da neben ihm steht, ist Gold wert. Nachdem er den Schock überwunden hat, will John jedoch Antworten. „I don’t care how you faked it, I want to know why!“, fällt er Sherlock ins Wort, als dieser anfängt, von der sorgfältig geplanten Operation zu sprechen, mit der sein Tod vorgetäuscht wurde. Trotzdem kriegen wir, nachdem das erste Drittel der Episode vorbei ist, die zweite Version der Ereignisse aufgetischt – und dieses Mal ist sie noch klarer als fan fiction zu erkennen: Sherlock und Moriarty haben dieser Version zufolge beide ihren Tod vorgetäuscht, und nicht nur das, sie haben auch noch zusammen gearbeitet und waren anscheinend ein Paar. Schade nur, dass der Kuss der beiden zwar angedeutet, aber gar nicht gezeigt wird, sondern „rechtzeitig“ von der Szene weg geschnitten wird.
Auch diese Version des „Reichenbachfalls“ stammt von einem Mitglied des „Empty Hearse“-Sherlock-Fanclubs. Und spätestens als die versammelten Mitglieder aus dem Fernsehen und über ihre Smartphones davon erfahren, dass Sherlock Holmes noch am Leben ist, wird einem klar, dass Mark Gatiss – von dem das Drehbuch zu dieser Folge stammt – hier wohl einfach das reale „Sherlock“-Fandom in die Serie hineinverlegt hat. Die auf dem Bildschirm erscheinenden Hashtags – #SherlockHolmesAlive, #SherlockLives, usw. – tragen noch dazu bei, dass man hier das Gefühl hat, als würden sich Serienwelt und reale Welt vermischen.
Höchst erfrischend fand ich übrigens, dass Johns Freundin Mary auf Sherlock Holmes anders reagiert als viele andere Menschen, die den Detektiv kennen lernen durften – sie mag ihn! Sie ist von ihm fasziniert, aber nicht weil sie ihn mysteriös, unnahbar und vielleicht gerade deswegen sexy findet, sondern ganz einfach weil sie ihn wirklich sympathisch und interessant findet. Ein wenig scheint sie auch darüber amüsiert zu sein, dass das Genie Sherlock Holmes sich so schwer tut mit ganz alltäglichen, zwischenmenschlichen Dingen.
Immer ist mir auch aufgefallen, wie schnell „Sherlock“ ist. Ich habe bislang keine Analyse dazu durchgeführt (werde es wohl auch nie tun), aber ich würde mal behaupten, dass Detektivgeschichten im Fernsehen vor 20, 30 oder 40 Jahren noch ein wesentlich langsameres Erzähltempo hatten. Die Abfolge der Ereignisse und der dem Zuschauer dargebotenen Informationen findet in „Sherlock“ in einem so hohen Tempo statt, dass man ununterbrochen aufmerksam sein muss, um nicht vielleicht eine wichtige Information zu verpassen.

Erst in der Mitte der Episode beginnt dieses Mal der eigentliche Fall, den Sherlock und Watson zusammen lösen müssen. Anders habe ich das auch nicht erwartet, schließlich muss in „The Empty Hearse“ ja eine gewisse Zeit darauf verwendet werden, wie Sherlock und Watson sich wieder treffen und lernen, erneut zusammen zu arbeiten. John muss aktzeptieren, dass Sherlock ihn getäuscht hat, ihm verzeihen und ihm wieder vertrauen. Nachdem das alles erledigt ist, beginnt also die eigentliche Geschichte, wobei auch hier zunächst mit der Entführung Johns und seiner Beinahe-Verbrennung noch ein Ereignis vorkommt, das mit dem eigentlichen Fall dieser Episode nichts zu tun hat (was es damit auf sich hat, erfährt man erst in der letzten Folge). Die Motorrad-Szene, in der Sherlock und Mary dem unter einem Scheiterhaufen gefangenen John zu Hilfe eilen, driftet aber zum Glück nicht zu sehr in eine Action-Richtung ab, die der Serie gar nicht stehen würde.
Nachdem wir – als wäre all das noch nicht genug – auch noch Sherlocks Eltern kennen gelernt haben, die sich als erstaunlich normal entpuppen, nähert sich die Spannungskurve in der letzten halben Stunde ihrem Höhepunkt. Dass Sherlock nicht sofort klar wurde, warum der in den Zug gestiegene Passagier an keiner der folgenden Stationen wieder ausgestiegen ist – ein Waggon wurde zwischen zwei Stationen abgekoppelt – ist zwar unglaubwürdig, aber ich will es der Episode mal verzeihen. Nachdem er das Rätsel gelöst und zusammen mit John den zur Bombe umfunktionierten Waggon gefunden hat, gibt es eine herrliche Szene in diesem Waggon. Eigentlich meint man, derartige Szenen schon so oft gesehen zu haben – ein Bombe, ein Countdown und die Helden der Geschichte, die die Bombe irgendwie entschärfen müssen. Aber hier hat es „Sherlock“ wieder einmal geschafft, mich zu überraschen. Erstens, weil ich wirklich nicht wusste, wie Sherlock und John aus dieser Situation wieder heil heraus kommen würden. Keiner von beiden schien die Bombe entschärfen zu können und der Timer zählte unaufhaltsam herunter! Zweitens wurde die Szene zusätzlich aufgewertet, indem gerade hier auch der emotionale Höhepunkt der Folge stattfand: John verzeiht Sherlock hier endgültig, dass er ihn getäuscht hat und spricht aus, wie wichtig ihm die Freundschaft zu ihm ist. Und dann folgt die erleichternde Auflösung: „There’s always an off-switch.“ 😀
Es ist fast schade, dass die Szene unterbrochen wird durch eine weitere „so könnte es gewesen sein“-Geschichte – oder ist dies nun die wahre Version vorn Sherlocks Sturz vom Dach? Schließlich ist es diese Mal kein Fan oder Verschwörungstheoretiker, sondern Sherlock selbst, der die Ereignisse schildert. Anderson reagiert darauf – stellvertretend für das weltweite reale „Sherlock“-Fandom – mit Enttäuschung und Skepsis. Er hat, wie wir gehört haben, längst seine eigene Theorie entwickelt, mit der es die Wahrheit nicht aufnehmen kann. Es ist sehr smart von Mark Gatiss und Steven Moffat, die bereits absehbare Kritik an der Auflösung auf diese Weise noch innerhalb der Serie zu thematisieren und gleichzeitig auch zumindest einen Rest Zweifel daran offen zu lassen, wie es denn nun wirklich gewesen ist.

Insgesamt hat mir die Folge sehr gut gefallen. Zwar finde ich es schade, dass der eigentliche Fall dieses Mal etwas zu kurz gekommen ist, doch wie erwähnt kann ich das in diesem Fall verzeihen, da die Folge erst einmal einige Zeit darauf verwenden musste, Sherlock und Watson wieder zusammen zu bringen, was ja auch durchaus seinen Reiz hatte. Der Witz, die Spannung und die Dialoge waren jedenfalls wie erwartet auf sehr hohem Niveau, ganz genauso wie das Schauspiel (was inzwischen schon selbstverständlich sein dürfte). Dass die Serie sich immer wieder quasi selbst thematisiert ist eine interessante Entwicklung. Für die zweite Episode habe ich mir wieder einen neuen Fall erwartet, der mehr Raum in der Erzählung einnimmt, aber leider wurde ich in dieser Hinsicht sehr enttäuscht. Statt dessen gab es nämlich noch mehr fan fiction und ein einziges erzählerisches Durcheinander, das mich ernsthaft daran zweifeln ließ, ob es sich da immer um dieselbe Serie handelt. Aber dazu mehr im nächsten Blogpost.

Babylon 5 – Episode 1.01 „Midnight On The Firing Line“

Mein „Babylon 5“-Rewatch geht endlich weiter bzw. geht jetzt erst richtig los. Nachdem ich letztes Jahr einen (wie ich sogar selbst finde) sehr guten Überblicksartikel über die Serie geschrieben habe (ohne Spoiler!) und kurz darauf einen ziemlich unübersichtlichen Blogpost über den Pilotfilm verfasst habe, mache ich nun mit der ersten regulären Serienfolge weiter.
Bevor ich dazu komme will ich aber wie in den letzten Posts erst noch auf ein paar Neuigkeiten aus dem „Babylon 5“-Fandom hinweisen:

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Universum

Im Januar fand in Houston die Space City Con statt, auf der zahlreiche „Babylon 5“-Darsteller anwesend waren. Nach der Reunion des „Babylon 5“-Casts auf der Phoenix Comic Con 2013 zum 20. Jubiläum der Serie war dies das zweite große Zusammentreffen zahlreicher B5-Darsteller auf einer Convention innerhalb weniger Monate. Leider war Serienschöpfer J. Michael Straczynski (JMS) dieses Mal nicht anwesend, er ließ es sich aber nicht nehmen, einen Brief an die Fans zu schreiben, den Bruce Boxleitner auf der Con vorlas. Das Video ist sehr zu empfehlen, es hat mich sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken gebracht, wie es bei Texten aus JMS‘ Feder eben oft der Fall ist.
Auch die „Free Babylon 5“-Bewegung war auf der Convention vertreten. Ihr Ziel ist es, „Babylon 5“ in den USA, aber auch im Rest der Welt wieder ins Fernsehen zu bringen, um die Serie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und auch den Verantwortlichen bei Warner Bros. klar zu machen, dass nach wie vor eine große Fanbasis für die Serie da ist. Auf der Convention gab es ein eigenes „Free Babylon 5“-Panel,
auf dem darüber diskutiert wurde, wie man diese Ziele am besten erreichen könnte. Deutsche Fans können beispielsweise Emails an Pro Sieben schreiben und darum bitten, die Serie dort wieder ins Programm zu nehmen. So weit ich weiß, läuft sie nämlich auch hierzulande zurzeit nicht im Fernsehen. (Hier habe ich noch einen aktuellen Artikel gefunden, in dem 10 Science Fiction/Fantasy-Serien aufgelistet werden, die eine Blu ray-Veröffentlichung verdient hätten. Natürlich ist „Babylon 5“ auch dabei.)
Ein Video des Panels mit allen anwesenden Darstellern von der Space City Con gibt es hier; zudem habe ich gerade noch ein zweiteiliges Video der Fragerunde mit den Darstellern Peter Jurasik (Londo) und Stephen Furst (Vir) gefunden (hier und hier). Diese drei Videos habe ich selbst noch nicht angeschaut, kann also nichts über deren Inhalt und Qualität sagen. Es scheint sich aber um die auf Conventions üblichen Fragerunden zu handeln, wo die Darsteller die oft längst bekannten, aber immer wieder amüsanten Anekdoten erzählen.

Das „Babylon 5“-Jubiläum zieht sich über zwei Jahre hin – im Februar 2013 hatte der Pilotfilm seinen 20. Geburtstag, die Serie selbst startete aber fast ein Jahr nach dem Film, am 26.01.1994. Damit dürfen wir dieses Jahr also erneut feiern. Zap2It hat ein Interview mit JMS geführt, in dem er unter anderem über den Einfluss von „Babylon 5“ auf nachfolgende Serien spricht. Im zweiten Teil des Interviews verrät er ein paar Details zu seiner neuen Serie „Sense8“, an der er zusammen mit Andy und Lana Wachowski („The Matrix“, „Cloud Atlas“) arbeitet. Die erste Staffel soll dieses Jahr unter anderem in Berlin gedreht werden und die Serie dann spätestens Anfang 2015 in den USA bei Netflix zu sehen sein. Ich bin schon sehr gespannt, denn das Konzept der Serie hört sich wirklich interessant und ambitioniert an – und bei entsprechendem Erfolg soll auch „Sense8“ wieder fünf Jahre lang laufen, genau wie „Babylon 5“ damals.

Und weil das hier ja ein „Babylon 5“-Rewatch ist weise ich kurz noch auf zwei andere Personen hin, die ebenfalls ihre Eindrücke über die Serie im Internet festgehalten haben: Die „Katie watches Babylon 5“-Videos hat sich sogar JMS persönlich angeschaut; darin spricht Katie, die die Serie zum ersten Mal anschaut, nach dem Anschauen jeder Episode ihre Eindrücke in die Kamera. Hier gibt es das Video, in dem sie über die ersten fünf Folgen spricht. Auch Ivanova-Darstellerin Claudia Christian hat sich 2009 vorgenommen, die Serie, in der sie eine Hauptrolle gespielt hat, endlich auch mal selbst Folge für Folge anzuschauen. Ihren ersten Blogpost dazu findet Ihr hier. Weil sie zwischenzeitlich eine Pause eingelegt hat, ist sie inzwischen erst bei der dritten Staffel angelangt, aber sie guckt und bloggt jedenfalls fleißig weiter – so wie ich das hoffentlich auch tun werde. Deshalb geht es jetzt auch zügig weiter mit der ersten „Babylon 5“-Folge…

Episode 1.01 „Midnight On The Firing Line“ („Ragesh 3“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 26.01.1994 (USA), 06.08.1995 (Deutschland)

Größere Spoiler will ich im Verlauf des Rewatches vermeiden, damit sich das hier auch all diejenigen durchlesen können, die die Serie zum ersten Mal sehen.

Die erste Staffel trägt den Titel „Signs and Portents“ – hier werfen also noch kommende Ereignisse ihre Schatten voraus, ohne dass man dies unbedingt beim ersten Anschauen erkennen muss. Diese allererste Folge hat die Aufgabe, fast alle wichtigen Charaktere der Serie noch einmal im Schnelldurchlauf einzuführen, da sie ja bei ihrer Erstausstrahlung fast ein Jahr nach dem Pilotfilm gesendet worden ist. Das gelingt überraschend gut, allerdings muss man gut aufpassen und darf keine Dialogzeile verpassen, wenn man auch wirklich all wichtigen Informationen über die verschiedenen Figuren, Völker und ihre Beziehungen zueinander mitkriegen möchte. JMS ist es gelungen, all diese Informationen in einer spannenden Geschichte unterzubringen. Die Dialoge tranportieren eine große Menge an neuen und wichtigen Informationen, wirken aber fast nie wie bloße Exposition.

Die Haupthandlung der Episode dreht sich um den Narn-Angriff auf eine zivile Forschungseinrichtung der Centauri auf dem Planeten Ragesh 3. Für den Centauri-Botschafter Londo Mollari (großartig: Peter Jurasik) handelt es sich dabei um eine sehr persönliche Angelenheit, da sein Neffe Carn auf Ragesh 3 arbeitet. Neuigkeiten über mögliche Opfer des Angriffs erreichen Babylon 5 zunächst nicht, doch für Londo steht fest, dass er Vergeltung an den Narn üben will, falls Carn umgekommen sein sollte. „Only one thing matters, Commander, blood.“, erklärt er Sinclair. Commander Sinclair (Michael O’Hare) will zunächst um jeden Preis den Frieden bewahren und zwischen den Narn und den Centauri vermitteln, genau darin besteht ja seine Aufgabe und die Funktion von Babylon 5 überhaupt.
Als Londo erfährt, dass der Angriff für seine eigene Regierung so unwichtig ist, dass diese nichts dagegen unternehmen will, ist er maßlos enttäuscht und seine Wut wird noch größer. Die Szene, in der er in seinem Quartier seinem armen Assistenten Vir (Stephen Furst) seine ganze Wut entgegen schreit, ist großartig und ein erstes Beispiel für Peter Jurasiks brillantes Schauspiel. Nachdem der Beweis erbracht worden ist, dass die Narn für den Angriff verantwortlich sind, befürwortet Sinclair eine militärische Intervention, um die überlebenden Zivilisten auf Ragesh 3 zu retten. Doch auch die Erdregierung möchte sich aufgrund der stattfindenden Wahlen lieber aus der Sache heraus halten. Mit einem Trick setzt sich Sinclair aber darüber hinweg und lässt Ivanova bei der Ratsversammlung für eine Intervention stimmen.
Auch Londo plant, sich über die Entscheidung seiner eigenen Regierung hinweg zu setzen, und zwar einzig aufgrund seiner persönlichen Rachsucht. Als sein Plan nicht aufgeht, versucht er stattdessen, den Narn-Botschafter G’Kar (Andreas Katsulas) umzubringen, auf den sich sein ganzer Hass konzentriert. Zum Glück kann Sicherheitschef Michael Garibaldi (Jerry Doyle) dies verhindern.
Die B-Story dreht sich um die Angriffe der Raiders (so eine Art Weltraumpiraten) auf Transportschiffe. Als Garibaldi herausfindet, dass der nächste Angriff auch hier einem mit Zivilisten besetzten Raumschiff droht, versucht er dies zu verhindern, was ihm mit Sinclairs Hilfe gelingt. Zum ersten von vielen Malen begibt sich Sinclair hier persönlich ins Gefecht, obwohl er auch seine Untergebenen schicken könnte.
Sogar eine C-Story gibt es noch: Die neue Telepathin Talia Winters (Andrea Thompson) versucht sich den Richtlinien entsprechend bei Lt. Commander Ivanova (Claudia Christian) zu melden, doch Ivanova geht ihr immer wieder aus dem Weg oder weist sie unhöflich ab. In einer emotionalen Szene am Schluss der Episode erfahren wir den Grund für Susan Ivanovas Abneigung gegen Telepathen und deren Organisation, das Psi Corps.

„Midnight On The Firing Line“ ist eine spannende Auftaktepisode, die voll gepackt ist mit wichtigen Informationen und welche die (zum Teil neuen) Figuren noch einmal im Schnelldurchlauf vorstellt. Vor allem die Hintergrundgeschichten und Persönlichkeiten von Londo, G’Kar, Ivanova und Sinclair werden hier beleuchtet, doch in den folgenden Episoden kommen auch die übrigen Hauptcharaktere zum Zug (und einige neue werden noch vorgestellt). Auch die Funktion der Raumstation Babylon 5 an sich wird hier etabliert. Wie sagt es Sinclair es in der Titelsequenz der ersten Staffel so schön: „The Babylon Project was a dream given form. Its goal: to prevent another war by creating a place where humans and aliens could work out their differences peacefully. It’s a port of call – home away from home – for diplomats, hustlers, entrepreneurs, and wanderers. Humans and aliens wrapped in two million five hundred thousand tons of spinning metal… all alone in the night. It can be a dangerous place, but it’s our last best hope for peace.“
Dass Babylon 5 seine Aufgabe, den Frieden zu bewahren nicht immer wird erfüllen können, dürfte kein größerer Spoiler sein. Vor allem die hier etablierte Feindschaft zwischen Londo und G’Kar, die stellvertretend für die Feindschaft zwischen ihren beiden Völkern steht, legt in dieser Hinsicht den Grundstein für weitere Entwicklungen…

Highlight der Episode: Die Szene im Quartier des Vorlonen-Botschafters Kosh! Bereits im Pilotfilm ist Kosh als äußerst mysteriöse Figure eingeführt worden; niemand weiß genau wie ein Vorlone aussieht und was für ein Wesen sich unter diesem Schutzanzug versteckt. Als Sinclair Koshs Quartier im Alien-Sektor betritt, befindet sich Kosh gerade nicht in seinem Anzug, sondern hinter einer Art Raumteiler. Er ist nur als ein grelles Leuchten erkennbar – was ist er also? Ein körperloses Energiewesen?

Londo/G’Kar-Moment (Da die „Babylon 5“-Saga zu einem erheblichen Teil die Geschichte von Londo und G’Kar ist und beide zu meinen Lieblingsfiguren gehören, habe ich beschlossen, diese Kategorie einzuführen.): In dieser ersten Episode ist der Londo/G’Kar-Moment ganz klar die Konfrontation der beiden im Zocalo – voller Hass und Wut giften sich die beiden an und müssen schließlich von Sicherheitskräften zurück gehalten werden. Es wird nicht die letzte Konfrontation zwischen ihnen bleiben…

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie – den großen „story arc“ – wichtig sind, erhalten wir in dieser ersten Episode (da dies die erste Episode ist, ist diese Liste ziemlich lang):

  • Der Krieg zwischen den Menschen und den Minbari und liegt zehn Jahre zurück. Sinclair hat im Krieg als Kampfpilot gekämpft und immer noch großen Respekt vor den Minbari.
  • Auf der Erde finden während dieser Episode Präsidentschaftswahlen statt; am Ende der Folge steht fest, dass Luis Santiago zum neuen Präsidenten der Erdallianz gewählt worden ist.
  • Zwischen den Narn und den Centauri herrscht eine Jahrhunderte alte Feindschaft, die sich darauf gründet, dass die Centauri den Heimatplaneten der Narn lange Zeit besetzt, die Narn versklavt und die ganze Welt verwüstet haben.
  • Als Repräsentanten dieser beiden Völker auf Babylon 5 dienen die Botschafter G’Kar und Londo Mollari, die sich hassen wie die Pest. Londo erzählt Commander Sinclair davon, dass er einen wiederkehrenden Traum hat, in dem er und G’Kar sich als alte Männer gegenseitig umbringen.
  • Menschliche Telepathen müssen entweder dem Psi Corps beitreten, wo sie unter anderem lernen, ihre Fähigkeiten unter Kontrolle zu halten, um nicht die Privatsphäre anderer Personen zu verletzen oder für den Rest ihres Lebens Medikamente einnehmen, die ihre Fähigkeiten unterdrücken. Wer sich für keine dieser Möglichkeiten entscheiden will, kommt ins Gefängnis.
  • Susan Ivanova ist neu auf der Station. Sie ist als Stellvertreterin Sinclairs die Nachfolgerin von Laurel Takashima, die wir im Pilotfilm gesehen haben. Susans Mutter war eine Telepathin, die sich weigerte, dem Psi Corps beizutreten. Die Medikamente, die sie deswegen zu nehmen gezwungen war, hatten starke Nebenwirkungen. Susans Mutter verfiel in Depressionen und brachte sich im Alter von 45 Jahren um.
  • Neben Ivanova werden in dieser Folge weitere neue Figuren des Stamm-Casts eingeführt: Vir Cotto ist der Assistent von Londo Mollari; Talia Winters tritt als auf der Station stationierte Telepathin die Nachfolge von Lyta Alexander an, die nach den Ereignissen im Pilotfilm zurück auf die Erde versetzt wurde (was allerdings in dieser Folge nicht erwähnt wird). Talia wird von Susan Ivanova anfangs schroff zurückgewiesen, doch ihre Beziehung wird sich im Lauf der Zeit wandeln…

Sonstige Fragen: Warum sitzt eigentlich Londos Assistent Vir in der Ratsszene zwischen den anderen Mitgliedern der der Liga blockfreien Welten? Die Centauri sind doch nicht Mitglied der Liga und haben ihren eigenen Sitz im Rat, vertreten durch Londo Mollari. Auch ein Narn ist auf den Liga-Plätzen zu sehen, für ihn gilt dasselbe.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten: Zwar handelt es sich hier um die erste Episode in der Handlung von „Babylon 5“, „Midnight On The Firing Line“ ist aber die vierte Episode, die gedreht wurde. Das Aussehen einiger Aliens wurde für die Serie überarbeitet. Die Masken von G’Kar und ganz besonders Delenn sahen im Pilotfilm noch anders aus. Delenns Gesicht wirkt nun viel weicher und femininer (auf den Grund für diese Umgestaltung kann ich noch nicht eingehen, ohne massiv zu spoilern).
Außerdem noch ein Fakt, der nichts mit dieser Folge an sich zu tun hat, den ich aber sehr interessant finde: Jane Killick schreibt in ihrem Episodenführer zur ersten Staffel („Babylon 5 – Signs and Portents“), dass „Babylon 5“ um ein Haar eine deutsche Koproduktion geworden wäre! Der NDR habe angeblich ernsthaftes Interesse am Konzept der Serie bekundet und einen Teil der Finanzierung übernehmen wollen. Letztendlich kam das aber doch nicht zustande und außer in dem erwähnten Buch habe ich davon auch noch nie gelesen, ich weiß also nicht ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht.

Zitate:
Ivanova über den Präsidentschaftskandidaten Luis Santiago: „I do not like Santiago. I’ve always thought that a leader should have a strong chin. He has no chin, and his vice president has several. This, to me, is not a good combination.“

Kosh: „They are alone. They are a dying people. We should let them pass.“
Sinclair: „Who? The Narn or the Centauri?“
Kosh: „Yes.“

Kommentare sind sehr willkommen!!

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.02 „Soul Hunter“

Buffy the Vampire Slayer – Season 1

Der folgende Beitrag enthält Spoiler für die erste Staffel!

Es ist mitten in der Nacht, die Sunnydale High School liegt dunkel und verlassen da. Zwei Teenager, ein Junge und ein Mädchen, zerbrechen eine Fensterscheibe und verschaffen sich Zugang zum Gebäude. „Are you sure this is a goog idea?“ fragt das Mädchen, während es sich ängstlich umschaut. „It’s a great idea. Now come on!“, erwidert der Junge.
In einem der leeren, düsteren Gänge beginnen die beiden sich zu küssen, doch das Mädchen hält inne und dreht sich erschrocken um. „I heard a noise.“, sagt sie ängstlich, doch der Junge versucht sie zu beruhigen: „It’s nothing.“ Um ihr zu beweisen, dass sie vollkommen allein in der Schule sind, ruft er ein „Hello!“ in den leeren Gang hinein. „There’s nobody here.“, erklärt er, als sich daraufhin nichts gerührt hat.
„Are you sure?“, fragt das Mädchen, immer noch ängstlich und verunsichert. „Yes, I’m sure.“, beschwichtigt er sie nochmals, woraufhin sie sich etwas zu entspannen scheint. „Okay.“, sagt sie – und mit einem Schlag verwandelt sich ihr Gesicht in die grotesk verzerrte Fratze eines Vampirs. Voller Genuss und alles andere als verängstigt schlägt sie ihre Zähne in den Hals des Jungen.

Bereits mit dieser, den opening credits der ersten Folge vorausgehenden Szene unterläuft „Buffy the Vampire Slayer“ die Erwartungen der Zuschauer und setzt sich erfolgreich über sie hinweg. Einer Szene, wie man sie in ähnlicher Weise schon Dutzende Male in Film und Fernsehen gesehen hat, wird hier ein Twist verpasst, den man nicht kommen sieht, eben weil man denkt, schon zu wissen wie es weitergeht. Doch diese Einstiegsszene, in der das Klischee vom ängstlichen, wehrlosen Mädchen und seinem furchtlosen, starken männlichen Begleiter gekonnt unterwandert wird, ist nur der Auftakt zu einer Fernsehserie, die ihre Zuschauer immer wieder überrascht, sich gängigen Klischees widersetzt und neue Wege geht. In „Buffy the Vampire Slayer“ (1997-2003) ist die vom Schicksal auserwählte Heldenfigur mal kein Junge bzw. junger Mann, sondern eine ganz normale High School-Schülerin mit alltäglichen Sorgen und Schwächen, aber auch vielen, ihr selbst anfangs größtenteils noch unbekannten Stärken. Die männlichen Figuren dürfen hier tiefe Gefühle und große Unsicherheiten zeigen, während unter den weiteren weiblichen Charakteren gleich zwei Computerexpertinnen sind (bei einer davon handelt es sich übrigens um eine „Technoschamanin“, was mich natürlich sofort an die Technomagier aus „Babylon 5“ erinnerte). Und das ist sicher nur der Anfang.

Schon sehr lange stand „Buffy“ auf meiner Liste der Fernsehserien, die ich irgendwann noch anschauen will. Doch erst nachdem ich letztes Jahr den von „Buffy“-Schöpfer Joss Whedon zusammen mit seinem Freund Drew Goddard geschriebenen Horrorfilm „The Cabin in the Woods“ gesehen habe, hat es in meinem Kopf klick gemacht und mir war plötzlich klar, was für ein Genie Whedon ist. „The Cabin in the Woods“ ist ein zugleich sehr intelligenter und unterhalsamer Horrorfilm, der die Tatsache berücksichtigt, dass seine Zuschauer schon zahlreiche Horrorfilme gesehen haben und mit deren Konventionen vertraut sind und der dies wiederum zum Thema, ja sogar zum Inhalt seiner Handlung macht. Zu verraten, wie er dies tut, käme einem großen Spoiler gleich; ich hatte beim Anschauen jedenfalls gleich mehrere Wow-Erlebnisse – eines davon bezog sich wie erwähnt auf die Erkenntnis, dass dieser Joss Whedon ein verdammtes Genie sein muss. Von da an war mir klar: Ich muss endlich ein Versprechen einlösen, das ich meiner besten Freundin vor etwa zwölf Jahren gegeben habe und ihre Lieblingsserie „Buffy the Vampire Slayer“ anschauen.

Die erste, nur zwölf Episoden lange Staffel der Serie habe ich inzwischen geschafft. In der ersten Folge ist die sechzehnjährige Buffy Summers (Sarah Michelle Gellar) gerade mit ihrer Mutter in das schöne kalifornische Städchen Sunnydale gezogen. Am ersten Schultag auf der neuen High School wird sie vom Schuldirektor in sein Büro gebeten. Wir erfahren, dass Buffy auf ihrer alten Schule so einigen Mist gebaut hat, was letztendlich der Grund für ihren Umzug und den Schulwechsel war. Sogar die Turnhalle der Schule hat sie niedergebrannt, wie der Direktor zu seinem Entsetzen lesen muss. Buffy versucht sich zu rechtfertigen, sieht aber ein, dass ihre Begründung („It was full of vampires!“) die Sache auch nicht besser macht. Neben dem strengen Schuldirektor, der auf den so gar nicht zu ihm passen wollenden Namen Mr. Flutie hört, lernt Buffy auch neue Freunde (und Feinde) kennen. Die arrogante und oberflächliche Cordelia (Charisma Carpenter) möchte Buffy sofort in ihre Clique aufnehmen, erklärt aber ganz selbstverständlich „We do have to test your coolness factor“. Dass Buffy nichts mit ihr und ihren Freunden zu tun haben will, sondern sich lieber mit Losern abgibt, kann Cordelia nicht fassen. Diese „Loser“ sind Xander und Willow. Der stets etwas unsichere, angestrengt um Coolness bemühte Xander (Nicholas Brendon) ist vom ersten Treffen an von Buffy hingerissen und wird sie die ganze Staffel über anbeten. Willow (Alyson Hannigan) ist wiederum das komplette Gegenteil von Cordelia; während Cordelia viel zu sehr von sich selbst überzeugt ist, ist es Willow überhaupt nicht. Sie ist schon lange in Xander verliebt, aber viel zu schüchtern, um ihm das zu sagen. Die Kleidung wird ihr noch von ihrer Mutter rausgesucht und am wohlsten fühlt sich Willow vor dem Bildschirm eines Computers, denn damit kennt sie sich aus.

In der Bücherei der Schule trifft Buffy erstmals auf ihren neuen Mentor, den Bibliothekar Rupert Giles (Anthony Stewart Head). Genau wie sie ist er neu in der Stadt (vorher arbeitete er an irgendeinem britischen Museum oder vielleicht auch an DEM „British Museum“, wie es in der Serie heißt). Giles‘ Leidenschaften sind Geschichte und Bücher – ganz besonders wenn es Bücher über Dämonen, Vampire, Hexen oder ähnliches sind. Während Buffy ein „Slayer“ ist, also diejenige, die mit vollem Körpereinsatz gegen all die Bösen Dinge vorgeht, über die Giles aus seinen Büchern so gut bescheid weiß, ist Giles ein „Watcher“ und wacht als solcher über Buffy, bereitet sie auf kommende Herausforderungen vor und hat auch sonst immer ein offenes Ohr und einen guten Rat für sie. Ich habe mich im Verlauf der zwölf Folgen allerdings öfter gefragt, warum die Schulbibliothek stets so leer ist, dass Giles, Buffy, Xander und Willow dort in fast jeder Folge ungestört reden können. Kommt denn dort nie mal jemand ein Buch ausleihen? Und hat Giles dort wirklich einen Job? Er scheint jedenfalls ständig Zeit für Buffy zu haben und dafür, sich nächtelang Wissen über Dämonen anzulesen.

Buffy ist zwar erst 16 Jahre alt, will ihr Slayer-Dasein aber nach den desaströsen Ereignissen auf ihrer alten Schule schon wieder an den Nagel hängen. Sie will ein normales Leben führen, ein normaler Teenager sein und sich um andere Dinge sorgen müssen als um Vampire und sonstige Dämonen. „I didn’t think there’d be vampires [in Sunnydale] and I don’t care!“, erklärt sie Giles trotzig. „I’m retired.“, fügt sie hinzu, um das auch ganz klarzustellen. Doch die Auserwählte entkommt ihrem Schicksal natürlich nicht und muss sich diese ganze erste Staffel über mit allen möglichen Kreaturen der Untewelt auseinander setzen – neben Vampiren auch mit Hexen und sogar einem Dämon, der per Buch-Scanner in den Computer eingelesen wurde. (Google scannt zwar in Kooperation mit mehreren großen Bibliotheken Bücher ein, aber da das Firmenmotto „Do no evil“ lautet, muss man sich in dieser Richtung ja hoffentlich keine Sorgen machen. 😉 )
„Life is short. Seize the moment, cause tomorrow you might be dead.“, fasst Buffy am Ende der ersten Folge ihre Lebenseinstellung zusammen. Doch da ist ihr bereits klar, dass sie sich ihrem Slayer-Schicksal wohl doch nicht entziehen kann.

In der zweiten Folge gibt es eine Szene, in der der Schuldirektor Buffy daran hindern möchte, das Schulgelände zu verlassen. Hier fielen mir die Parallelen zu „Alias“ auf – in beiden Serien geht es um eine junge Frau, die ein Doppelleben führt. Buffy ist einerseits Vampirjägerin, andereseits aber auch ein ganz normaler Teenager; Sidney Bristow in „Alias“ ist Geheimagentin, die auf der ganzen Welt gefährliche Aufträge ausführt und so die Welt vor dem Bösen beschützt, genau wie Buffy. Zugleich ist sie aber auch Studentin und führt ein scheinbar ganz normales Leben (auch wenn man davon relativ wenig mitbekommt und sich überhaupt fragt, wie sie es schafft diese beiden Leben unter einen Hut zu bringen).
„If you don’t go out, it’ll be the end of the world. Everything is life and death if you’re a sixteen year old girl.“, stellt Buffys Mutter fest, als es wieder mal darum geht, ob ihre Tochter noch abends fortgehen darf. Das Schöne ist ja, dass dieser Satz hier in doppelter Weise wahr ist. Da Buffy nicht einfach nur Party machen will, sondern tatsächlich noch nachts Dämonen jagen muss, geht es wirklich um Leben und Tod (was sie ihrer Mutter aber nicht sagen kann – warum eigentlich nicht?). Gleichzeitig spiegelt dieser Satz die Probleme einer jeden Mutter-Tochter-Beziehung wieder. Buffy will sich vor allem selbst finden und eine eigenständige Person sein, in Unabhängigkeit von ihrer Mutter, die es gerne sähe, wenn Buffy an den gleichen Dingen Spaß haben würde, wie sie selbst als Teenager. Trotz ihres Status als auserwählter Slayer dient Buffy also problemlos als Identifikationsfigur, da sie auch ganz weltliche, alltägliche Sorgen hat.
Überhaupt finden sich in „Buffy“ so viele Wahrheiten über das Leben als Teenager und die Schulzeit. Allein aus der Szene, in der ein zutiefst verunsicherter und nervöser Xander Buffy in der letzten Folge der Staffel fragt, ob sie sein Date auf dem Abschlussball sein möchte, hätte ich so viel lernen können, wenn ich die Serie bereits als Teenager gesehen hätte…

Die erste Staffel verfährt meistens noch nach dem „monster of the week“-Muster mit in sich abgeschlossenen Episoden. Dass es sich dabei aber nicht immer um Vampire handelt, bringt Abwechslung in die Serie. Es gibt zwar auch einen durchgehenden Handlungsbogen, der aber nicht in allen Folgen thematisiert wird und bereits am Ende dieser kurzen Staffel seine Auflösung erfährt (was ganz einfach den praktischen Grund hat, dass es damals nicht klar war, ob es eine zweite Staffel geben würde). Die Struktur der oft in sich abgeschlossenen Episoden mag manchmal etwas altmodisch erscheinen, es gibt jedoch immer wieder Ereignisse, mit denen die Autoren von „Buffy“ den Mut zum konsequenten Erzählen schon in dieser ersten Staffel unter Beweis stellen, wie z.B. das frühe und überarraschende Ableben von Mr. Flutie in der sechsten Folge. Auch inhaltlich merkt man der Serie ihr Alter zwar gelegentlich an – zum Beispiel als Willow erklärt, sie habe ihren neuen Freund „online“ kennen gelernt und Buffy sie verwirrt anschaut – aber das fällt überhaupt nicht negativ ins Gewicht, weil die Figuren und ihre Konflikte zeitlos sind.

Mr. Fluties Nachfolger Principal Snyder, der drei Folgen später auftritt, wird von Armin Shimerman gespielt, der damals anscheinend die Zeit hatte, neben seiner Rolle als Quark in „Star Trek: Deep Space Nine“ auch noch ab und zu in Sunnydale vorbei zu schauen. Gleich in seiner ersten Szene macht Snyder klar, dass von nun an andere Regeln an der Schule gelten: „My predecessor, Mr. Flutie, may have gone in for all that touchy-feely relating nonsense. But he was eaten. You’re in my world now. And Sunnydale has touched and felt for the last time.”
Kurz darauf lässt er die schlimmsten Ängste von Buffy, Xander und Willow wahr werden als er sie dazu zwingt, an der Talentshow der Schule teilzunehmen. Den dreien steht der Schock richtig ins Gesicht geschrieben. Sich vor dem Rest der Schule auf der Bühne blamieren? Dann doch lieber gegen Dämonen kämpfen… Als einige Folgen später (mal wieder) ein Schüler tot aufgefunden wird, zeigt der neue Direktor, dass er die harte Realität wohl doch lieber verdrängen würde, er sagt nämlich einen weiteren herrlichen Satz: „Dead? Of course not! There’s no dead students here.“
Zum Ende der Staffel hin kommt es schließlich sogar zu einer ersten Annäherung zwischen Buffy und Cordelia. Man erhascht einen Blick hinter Cordelias Fassade auf ihre Einsamkeit und Verletzlichkeit und es wird klar, dass sie keineswegs nur die eindemsionale, dumme und hassenswerte Figur ist, als die sie bis dahin dargestellt wurde. Die folgenden Staffeln (und „Angel“) werden bestimmt noch einiges an Charakterentwicklung für Cordelia – und auch alle anderen Hauptfiguren – bereithalten.

Eingangs habe ich bereits geschrieben, dass „Buffy“ sich immer wieder erfolgreich den gängigen Klischees und Erwartungen entzieht. Zusätzlich thematisiert sich die Serie immer wieder sogar selbst. Giles, der üblicherweise in jeder Folge einen ausführlicheren Expositionsmonolog herunterleiern muss, bemerkt zum Beispiel, wie nett es doch ist, wenn ihm diese Aufgabe einmal von einer sprechenden Puppe abgenommen wird. Oder Buffy erklärt Giles „My spider sense is tingling“ und als der die Anspielung nicht versteht, erklärt sie ihm, sie (und mit ihr die Serie) habe gerade eine „pop culture reference“ gemacht. In der gleichen Folge beweisen die Macher der Serie ihren Sinn für Ironie: In der Auseinandersetzung zwischen der technikaffinen Technoschamanin Jenny Calendar und dem etwas fortschrittsfeindlichen Giles, für den Bücher über alles gehen, fällt nämlich der Satz „The idiot box is TV!“
„Buffy the Vampire Slayer“ ist also alles andere als die dümmliche Serie, die der Titel im ersten Moment vermuten lässt (was ich aber auch nicht erwartet habe). Die Charaktere sind tiefgründig, die Dialoge voller Witz und die Serie lässt mit ihrer Ironie und den zahlreichen Anspielungen immer wieder eine Metaebene aufblitzen, die das Zuschauen für den in der Popkultur bewanderten Zuschauer zu einer wahren Freude macht. Kein Wunder, dass sich in den cultural studies schon längst eine eigene Unterdisziplin – die „Buffy Studies“ bzw. „Whedon Studies“ – etabliert hat. Zweimal jährlich erscheint sogar ein wissenschaftliches Magazin der Whedon Studies Association („Slayage“) und alle zwei Jahre findet eine „Slayage Conference“ statt, die sich neben „Buffy“ auch noch mit allen anderen Serien, Filmen, Comics usw. des „Whedonverse“ beschäftigt (darunter „Firefly“, „Dollhouse“ und „The Avengers“). Wenn ich an „Buffy“ also auch weiterhin großen Gefallen finden werde – und davon gehe ich aus – dann kann ich mich anschließend in zahlreiche Artikel, Zeitschriften und Bücher zum Thema vertiefen (und auch selbst einen Beitrag verfassen).

Am Ende der Staffel geht es – wie soll es zum Höhepunkt auch anders sein – um alles oder nichts, Leben und Tod. „Giles, I’m 16 years old. I don’t wanna die.“, sagt Buffy zu ihrem Mentor, nachdem ihr gerade ihr eigener Tod prophezeit wurde. Wieder einmal ist sie kurz davor, einfach alles hinzuschmeißen, um ein ganz normales Teenagerleben führen zu können. Sie will das Leben, das sie noch vor sich hat, genießen. Sie will andere Sorgen haben als Vampire, Dämonen oder den Untergang der Welt. Zum Beispiel, dass sie immer noch kein Date für den Abschlussball hat. Aber sie ist nun mal ein Slayer und irgendjemand muss den Job ja machen…

Kein kulturwissenschaftliches Buch, aber dennoch sehr zu empfehlen: „Bite me! The Unofficial Guide to Buffy the Vampire Slayer“ von Nikki Stafford. Darin wird u.a. jede einzelne Episode von „Buffy“ besprochen (allerdings nicht völlig spoilerfrei). Nikki hat außerdem ähnliche Bücher über „Lost“ und „Alias“ geschrieben und auch häufig über „Buffy“ und anderes von Joss Whedon gebloggt.
Und wenn ich schon bei Empfehlungen bin: Giles-Darsteller Anthony Stewart Head hat 2002 zusammen mit George Sarah das hervorragende Album „Music For Elevators“ veröffentlicht, auf dem auch einige weitere Buffy-Castmitglieder zu hören sind.

Star Wars: The Clone Wars – Season 5

„Star Wars“ gehört ja bekanntlich seit etwa 14 Monatan zum Disney-Konzern. Dort arbeitet man bereits fleißig an der siebten großen Episode des Sternenkriegs, an mehreren Ablegerfilmen, an der neuen Animationsserie „Star Wars: Rebels“ und vielleicht sogar an einer Realserie fürs Fernsehen. Die fünfte Staffel von „The Clone Wars“ (hier mein Blogpost zur vierten Staffel), die von September 2012 bis März 2013 in den USA gesendet wurde, wurde größtenteils noch vor der Übernahme Lucasfilms durch Disney produziert. Obwohl Regisseur Dave Filoni und sein Team bereits mitten in der Produktion einer sechsten Staffel standen, wurde 2013 das plötzliche Ende der Serie bekannt gegeben. Die bereits fertig gestellten Episoden der sechsten Staffel sollen irgendwann in diesem Jahr als „Bonusfolgen“ verfügbar sein – wann und wie genau, wurde noch nicht bekannt gegeben. Im Fernsehen werden sie aber wohl nicht mehr gesendet.

Dass die Serie so plötzlich abgesetzt wurde ist schade, denn sowohl die optische als auch die Qualität ihrer Geschichten konnte sich seit den ersten Folgen von 2008 kontinuierlich steigern und „The Clone Wars“ hätte wirklich ein großes Finale verdient gehabt. Als hätte Filoni es geahnt, hat er das Ende der fünften Staffel jedoch bereits mit einem Schlusspunkt versehen, der für die wichtigste Figur der Serie gleichzeitig Schlussstrich und Neuanfang darstellt (mehr dazu weiter unten, wo ich dann gnadenlos spoilern werde – keine Angst, es folgt noch einmal eine Warnung).

Bevor ich zum Inhalt der fünften Staffel komme, muss ich leider noch ein paar Worte über die Blur-ay-Discs verlieren. Ich hatte mir die fünfte Staffel auf Blu-ray aus Großbritannien vorbestellt, weil ich etwas Geld sparen wollte und keinen Wert auf eine deutsche Tonspur lege. Leider waren die Discs aber in keinem meiner beiden Blu-ray-Player abspielbar. Zum Glück nahm Amazon die Discs zurück und ich bestellte mir als nächstes doch die deutsche Version der Staffelbox. Doch ich stieß erneut auf das gleiche Problem – die Disc drehte sich im Player, aber wollte einfach nicht laden. Nach etwas Recherche im Internet stieß ich in einer Amazon-Kundenrezension auf einen Hinweis: Man müsse im Menü des Blu-ray-Players die Menüsprache für Blu-rays und DVDs auf deutsch stellen, dann würden die Discs der fünften Staffel abgespielt werden. Obwohl ich skeptisch war, probierte ich es aus und siehe da, es funktionierte! Leider sehe ich auf diese Weise im Menü nur die deutschen Episodentitel, aber immerhin kann ich die Episoden anschauen. Auf die Lösung des Problems wäre ich von alleine aber nicht gekommen.
Noch ärgerlicher ist allerdings, dass die Blu-rays noch einen weiteren Fehler haben. Der Ton läuft nämlich bei allen Folgen leicht asynchron zum Bild ab. Es handelt sich nur um Sekundenbruchteile, doch es fällt auf und es stört. Ich finde, eine Rückgabemöglichkeit und ein kostenloser Umtausch der Discs in fehlerfreie Exemplare wäre hier wirklich angebracht.

Nun aber zur fünften Staffel selbst. Gleich von der ersten Folge an fällt einem die erneut gesteigerte optische Qualität auf. Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln sind die Hintergründe noch schöner, es gibt mehr Details zu sehen, die Gesichter der Figuren sind besser animiert und es gibt eine größere Anzahl unterschiedlicher Figuren zu sehen, wodurch die Schauplätze der Serie belebter wirken. Auch sind imposante Kamerafahrten und ähnliche Spielereien nun keine Seltenheit mehr; zum Teil erlangt die Serie richtige Kinoqualität, was auch an den gut choreographierten Actionszenen und der sehr guten Musik liegt.

— Da ich nun den Inhalt der 5. Staffel bespreche, enthalten die folgenden Absätze ein paar kleinere Spoiler. Bevor ich das Ende der Staffel verrate, erfolgt aber nochmals eine Spoilerwarnung. —

Die fünfte Staffel besteht aus 20 Episoden und damit aus zwei weniger als jeweils die ersten vier Staffeln. Die Staffel ist in fünf story arcs unterteilt, die aus jeweils vier Folgen bestehen. Wenn man Lust hat, kann man also vier Folgen am Stück wie einen etwa 90minütigen Film anschauen. Der erste dieser fünf Handlungsbögen dreht sich um den Planeten Onderon, dessen Regierung sich auf die Seite der Separatisten geschlagen hat. Eine Gruppe von Rebellen ist damit nicht einverstanden und versucht, die Regierung zu stürzen. Ausgerechnet Anakin Skywalker, der spätere Darth Vader, hat nun die Idee, diese Rebellengruppe zu unterstützen. Gemeinsam mit seinem Padawan Ahsoka Tano reist er nach Onderon, wo die beiden die Rebellen auf den Kampf vorbereiten. Mit der Hilfe von Anakin und Ahsoka schaffen es die Rebellen schließlich, eine von den Separatisten besetzte Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bringen und den rechtmäßigen König von Onderon aus dem Gefängnis zu befreien. Das wird zuweilen recht düster und wirkt überhaupt nicht mehr wie die Kinderserie, als die „The Clone Wars“ häufig bezeichnet wird. Ein paar Kampfdroiden-Witze kommen zwar auch wieder vor, aber es sind die ersten seit langem.
Nicht nur darf Anakin hier eine Rebellengruppe unterstützen, er muss auch noch Ahsoka ermahnen, sich nicht durch ihre Emotionen von ihrer Mission ablenken zu lassen. Als Unterstützder der Rebellen ist nämlich auch Ahsokas Freund Lux Bonterri auf Onderon, für den die junge Jedi mehr als nur freundschaftliche Gefühle hegt. Welch Ironie, dass ausgerechnet Anakin seinem Padawan derartige Ratschläger erteilen muss…
Der Onderon-Plot gipfelt in einer großen Schlacht der Rebellen gegen die Droiden und Kampfschiffe der Separatisten. Da Yoda und Mace Windu aber verzweifelt versuchen, die Jedi – die ja eigentlich keine Krieger sind! – nicht in noch mehr Kampfhandlungen zu verwickeln, können sich die Jedi nicht offiziell an den Kämpfen beteiligen. „I’ll do all I can to protect you. But I can’t fight this war for you.“, erklärt Ahsoka den Rebellen (und wählt damit fast die gleichen Worte, die Qui-Gon Jinn einst zu Königin Amidala sagte). Angesichts der Tatsache, dass die Jedi-Ritter während der Klonkriege als Kommandaten einer ganzen Armee dienen und natürlich längst tief in diesen Krieg verstrickt sind, muss man die Bemühungen des Jedi-Rats wohl für gescheitert erklären. Wie die Klonkriege für die Jedi schließlich enden werden, wissen wir ja.

Auch während des nächsten Handlungsbogens hatte ich das böse Ende, das der Krieg für die Jedi nimmt, immer wieder vor Augen. Er erzählt von einer Gruppe von „Jedi younglings“, die sich unter Aufsicht von Ahsoka und Meister Yoda auf dem Planeten Ilum einem ganz besonderen Ritual unterziehen müssen. Die sechs Kinder – die alle unterschiedlichen Spezies angehören – müssen in den Höhlen des Planeten nach geeigneten Kristallen suchen, die den Kern ihrer Lichtschwerter bilden werden. (Die Bezeichnung dieser Kristalle – „Kyber crystals“ – geht übrigens auf den 1978 erschienenen Roman „Splinter of the Mind’s Eye“ [„Skywalkers Rückkehr“] von Alan Dean Foster zurück, in dem sich Luke und Leia kurz nach den Ereignissen von Episode IV auf die Suche nach dem geheimnisvollen „Kaiburr Kristall“ machen. Ein ähnlicher Kristall wiederum war Teil einer frühen Drehbuchfassung für „Star Wars“ von George Lucas.)
Zumindest zu Beginn dieses Handlungsbogens bewegt sich die Serie von den Klonkriegen und vielen der bekannten Charaktere fort, um die sechs Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn man sich damit erstmal angefreundet hat, sind jedoch auch die „Younglings“-Folgen ziemlich gut und führen einem wieder einmal vor Augen, wie erstaunlich viel man in jeweils 22 Minunten erzählen kann. Zudem geht es in diesen Episoden um Themen, die schon seit „A New Hope“ zum Grundinventar von „Star Wars“ gehören: über sich selbst hinaus zu wachsen, seine Ungeduld zügeln, Mut finden, sich nicht der Verzweiflung hingeben, sowie für andere da zu sein und nicht nur an sich selbst zu denken. Jedes der sechs Kinder muss sich auf der Suche nach seinem Lichtschwertkristall nämlich mit seiner persönlichen Charakterschwäche auseinander setzen und diese überwinden, um Erfolg zu haben. Zum Ende dieses Handlungsbogens werden die Kinder dann doch noch mitten in den Krieg hineingezogen, sodass die Klonkriegs-Action auch hier nicht zu kurz kommt. Als Gaststar ist in diesen vier Episoden übrigens David Tennant dabei, der einem weisen Droiden seine Stimme leiht, der schon seit über Tausend Jahren bei der Ausbilung der Jedi-Jünglinge hilft. Einen faden Beigeschmack hatten diese Folgen für mich trotz ihrer Qualität: Ich musste immer wieder daran denken, dass diese sechs Kinder, die so gespannt darauf sind, sich ihre Lichtschwerter zu bauen und Jedi-Ritter zu werden, in ein oder zwei Jahren wahrscheinlich alle tot sein werden…

Wer sich schon bei den „Jedi younglings“ gefragt hat, was das eigentlich soll und was diese Geschichte in einer Serie über die Klonkriege verloren hat, der wird vielleicht den darauf folgenden Handlungsbogen ganz überspringen wollen. Einerseits steht dieser „Droiden-Handlungsbogen“, wie ich ihn nenne, zwar von Anfang an wieder ganz im Zeichen der Klonkriege, andererseits werden hier aber erneut die eigentlichen Hauptcharaktere über weite Strecken ignoriert. Stattdessen werden R2-D2 und einige weitere Droiden unter dem Kommando eines etwa 30 Zentimeter großen Colonels auf eine Mission geschickt, bei der sie ein Entschlüsselungsmodul der Separatisten stehlen sollen. Logisch durchdacht ist das natürlich totaler Quatsch, aber immerhin gibt die Geschichte Anlass zu einigen tollen Kampfszenen und Verfolgungsjagden an den unterschiedlichsten Schauplätzen.
Besonders umstritten dürfte die zweite Folge dieses Handlungsbogens sein: In „A Sunny Day in the Void“ müssen der Colonel und die Droiden auf einem Planten notlanden, auf dem scheinbar nichts existiert außer einer sich bis an den Horizon erstreckenden, flachen Einöde, auf der nicht einmal Fußspuren zurückbleiben. Langsam aber sicher scheinen alle Beteiligten verrückt zu werden… Dazu kommt es dann doch nicht und sie entdecken schließlich doch noch Leben und Zivilisation auf dem Planeten, aber ich habe mich beim Anschauen dieser Folge schon gefragt, ob man nicht etwas Wichtigeres und Interessanteres hätte zeigen können, statt eine ganze Episode für so etwas zu verschwenden. Immerhin haben Dave Filoni und George Lucas – wessen Idee diese Folge genau war, weiß ich nicht – hier versucht, mal etwas ganz anderes zu zeigen. Solche erzählerischen Experimente waren ja schon mehrmals Teil von „The Clone Wars“ und man muss auch zugeben, dass sie meistens funktionieren. Nur in diesem Fall halt leider nicht.

Die letzten beiden story arcs der Staffel sind eindeutig die besten: Zuerst wird endlich die Geschichte um Darth Maul und seinen Bruder Savage Opress fortgesetzt. Während der Fernsehausstrahlung der fünften Staffel wurde die erste dieser vier Episoden als Staffelauftakt gesendet – wahrscheinlich, weil man die Zuschauer nicht so lange auf die Folter spannen wollte, wie denn die am Ende der vierten Staffel begonnene Handlung um den wieder auferstandenen Darth Maul weiter geht. Darth Maul sieht sich nun als Sith-Meister seines Bruders Savage und Count Dooku alias Darth Tyranus ist für ihn nur ein „Sith Pretender“ (das wäre doch ein guter Name für eine Band, „The Sith Pretenders“). Er zitiert den bekannten Ausspruch „Always two there are – a master and an apprentice“. Wer weiß, vielleicht gibt es ja noch Dutzende weitere Sith-Paare in der Galaxis, die alle denken, sie seien die einzigen bzw. einzig wahren Sith… 😉
Die Wiederauferstehung Darth Mauls schien ja zunächst völliger Blödsinn zu sein, aber ich habe ja schon darüber geschrieben, wie verdammt cool sie in Szene gesetzt worden ist. Darth Maul ist von George Lucas in Episode I leider ziemlich verschwendet worden – er hatte kaum Dialog und starb viel zu früh. Insofern macht es durchaus Sinn, ihn zurück zu bringen, um diesen Fehler zu korrigieren. Der „neue“, mit künstlichen Beinen ausgestattete Darth Maul ist eine interessante Figur, die ja in bester „Star Wars“-Tradition anderer Cyborgs wie Darth Vader oder General Grievous steht. Er redet zwar etwas seltsam und wirkt irgendwie, als stünde er unter Drogen oder sei nicht mehr dieselbe Person wie zuvor, aber das ist wohl nur verständlich, wenn man so gut wie tot war und nun in die Welt der Lebenden zurückgekehrt ist (gesprochen wird Darth Maul in der Originalfassung von „The Clone Wars“ übrigens von Samuel Witwer, der auch Starkiller, dem Hauptprotagonisten der beiden „The Force Unleashed“-Spiele, seine Stimme geliehen hat).
Obi-Wan Kenobi macht sich zusammen mit Adi Gallia auf die Jagd nach Darth Maul, schließlich hat er mit ihm noch eine Rechnung offen. Yoda ist zutiefst besorgt und fürchtet, Obi-Wan folge seinen Rachegelüsten – nicht der Weg der Jedi dies ist! Darth Maul und Savage Oppress verbünden sich schließlich mit Deathwatch, der Verbrecherorganisation auf dem Planeten Mandalore (deren Anführer Pre Vizsla übrigens von „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau gesprochen wird). Dessen Herrscherin ist Obi-Wans alte Freundin Satine, für die der Jedi-Ritter sogar mehr als nur freundschaftliche Gefühle hat. Das macht die Sache noch komplizierter, ebenso wie die Tatsache, dass Darth Maul neben Deatwatch noch einige weitere große Verbrechersyndikate für seine Sache gewinnen kann, darunter Black Sun (bekannt u.a. aus „Schatten des Imperiums“) und die Hutts. Das Ergebnis ist eine actiongeladene Episode, bei der es in 22 Minuten quer durch die Galaxis geht. In der abschließenden vierten Folge kommt es schließlich sogar zu einem Lichtschwertduell zwischen Darth Sidious und Darth Maul/Savage Oppress – einer der Höhepunkte der Serie! Diese vier „Darth Maul“-Folgen gehören zum düstersten und „erwachensten“, was man in „The Clone Wars“ zu sehen bekommen hat. Dementsprechend sterben in ihrem Verlauf auch mehrere wichtige Figuren der Serie…

Den letzten der fünf Handlungsbögen könnte man auch als den „Hitchcock“-Arc bezeichnen. Die vier Episoden heißen nämlich – in Ahnlehnung an berühmte Hitchcock-Filme – „Sabotage“, „The Jedi Who Knew Too Much“, „To Catch A Jedi“ und „The Wrong Jedi“. Wie man diesen Titeln entnehmen kann, stehen in diesen Folgen wieder die Jedi im Mittelpunkt. Sie müssen sich damit auseinandersetzen, dass ihre Beliebtheit bei der Bevölkerung der Galaxis schwindet. Immer größere Teile der Bevölkerung sind unzufrieden mit der Rolle, die die Jedi im Krieg einnehmen. Die Jedi, die ja eigentlich Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit sind, sind längst zu Kriegern geworden und tief in die Kampfhandlungen verstrickt, was natürlich ganz im Sinne Palpatines ist. Ich persönlich fände es sehr interessant, mal eine Serie über die Jedi zu sehen, die lange vor den Klonkriegen spielt, zu einer Zeit, in der noch Frieden in der Galaxis herrscht. Schließlich kennt man die Jedi aus den Filmen und aus „The Clone Wars“ fast nur als Kämpfer und Krieger; lediglich Qui-Gon Jinns und Obi-Wan Kenobis vorschnell gescheiterte Mission als neutrale Vermittler auf Naboo zu Beginn von Episode I vermittelt einen kleinen Eindruck von den Aufgaben, die die Jedi vor den Klonkriegen erfüllt haben. Ob eine Serie über die Jedi in Friedenszeiten überhaupt interessant und erzählenswert wäre, ist allerdings eine berechtigte Frage, schließlich leben TV-Serien wie alle anderen Erzählformen auch vom Konflikt – und es heißt nicht umsonst „Star Wars“ (allerdings muss „Konflikt“ ja nicht immer gleich Kampf oder Krieg bedeuten). Auch der von Luke Skywalker gegründetete neue Jediorden befindet sich fast immer in irgendeinem kleineren oder größerem Krieg und sieht sich immer wieder neuen Bedrohungen ausgesetzt, gegen die er sich zur Wehr setzen muss. Die Idee von den Jedi als reinen Friedenshütern und Streitschlichtern ist also vielleicht etwas zu utopisch.

— Spoilerwarnung: In den folgenden Absätzen wird das Ende der fünften Staffel verraten!! (Spoilerende siehe unten.) —

Die Handlung dieser vier letzten Folgen dreht sich um Ahsoka, die nach einem Bombenattentat auf den Jedi-Tempel zu Unrecht verdächtigt wird, den Hauptverdächtigen ermordet zu haben und mit für das Attentat verantwortlich zu sein. Auf der Flucht vor den Jedi und der Polizei muss Ahsoka ihre Unschluld beweisen. Dabei geht sie sogar einen Pakt mit Asajj Ventress ein, der ehemaligen Handlangerin von Count Dooku und eigentlich Todfeindin der Jedi. Ventress ist für mich eine der interssantesten Figuren der Serie, ganz einfach weil ihr Schicksal – genau wie das von Ahsoka – nicht schon von vornherein bekannt ist. Dass Anakin, Obi-Wan, Grievous, Yoda, Palpatine usw. die Serie überleben werden, da sie in Episode III alle noch leben, ist klar. Ebenso dürfen sie keine gravierenden Charakterentwicklungen durchmachen. Bei den eigens für die Serie geschaffenen Figuren ist dies anders, ebenso bei einigen Charakteren, die in den Filmen nur kurze Auftritte haben, aber in „The Clone Wars“ mehr Raum einnehmen. Zum Start von „The Clone Wars“ mussten die Serienschöpfer viel Kritik einstecken, weil Anakin plötzlich ein Padawan zur Seite gestellt wurde, der in den Kinofilmen nicht mal erwähnt wurde. Im Nachhinein kann ich diese Entscheidung vollkommen nachvollziehen, schließlich braucht so eine Serie Figuren, die sich weiter entwickeln oder sterben dürfen, um nicht zu vorhersehbar zu bleiben. Figuren, deren Zukunft nicht schon fest geschrieben ist, ermöglichen einen viel größeren Erzählspielraum.
Ahsoka stirbt zwar nicht, wird aber in einem Gerichtsverfahren aus dem Jedi-Orden ausgeschlossen. Als kurz darauf ihre Unschuld bewiesen wird, wird dieses Urteil zwar wieder rückgängig gemacht, doch Ahsoka kann nicht mehr guten Gewissens in den Orden zurückkehren. Die Serie endet also – wenn man von den noch kommenden „Bonusfolgen“ absieht – damit, dass Ahsoka den Jediorden verlässt. Viele, die die Serie über die Jahre verfolgt haben, hatten vermutet, Ahsoka würde sterben. Schließlich ist sie in Episode III nicht mehr an Anakins Seite. Derzeit gibt es Gerüchte, Ahsoka sei eine der Hauptfiguren der kommenden Serie „Star Wars: Rebels“. Es wurde bereits bestätigt, dass die Serie zwei weibliche Hauptfiguren haben werde und auch ich hoffe, dass Ahsoka eine davon sein wird. Da sie am Ende von „The Clone Wars“ keine Jedi mehr ist, stehen die Chancen gut, dass die sie Palpatines Order 66 überlebt und sich ähnlich wie Yoda und Obi-Wan irgendwo vor dem Imperium versteckt hält. „Rebels“ spielt irgendwann zwischen den Episode III und IV; Ahsoka könnte dann gemeinsam mit der sich allmählich organisierenden Rebellenallianz gegen die Schergen von Palpatine und Vader kämpfen. Warum wir in den Episoden IV-VI und den danach spielenden Büchern usw. nichts mehr von ihr hören, dafür müssen sich Dave Filoni und seine Autoren dann etwas Neues ausdenken. Vielleicht kommt es im Verlauf von „Rebels“ ja zu einem letzten Aufeinandertreffen zwischen Ahsoka und ihrem früheren Meister, der nun zu Darth Vader geworden ist und seine ehemalige Schülerin tötet…

— Spoiler Ende! —

Fazit: Die fünfte Staffel von „The Clone Wars“ ist technisch die beste und erzählerisch zumindest in den letzten beiden Story Arcs wirklich kinotauglich. Ich hoffe, dass auch die Bonusfolgen auf DVD und Bluray erscheinen werden und nicht nur über einen Onlinedienst zu beziehen sein werden, wie es in einem Gerücht dazu hieß. Auch auf „Rebels“ freue ich mich sehr – diese Serie wird übrigens das erste Mal sein, dass George Lucas nicht mehr direkt an einer fürs Kino oder Fernsehen produzierten „Star Wars“-Erzählung beteiligt sein wird. Mit „Rebels“ und der im Dezember 2015 kommenden Episode VII wird „Star Wars“ also endgültig einer neuen Generation von Filmemachern übergeben.

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Für alle, die bis hierher gelesen haben, gibt’s zur Belohnung noch eine kurze Vorschau über die Blogposts, die ich für die kommenden Wochen in Planung habe:

  • Es wird einen weiteren Blogpost zu „Star Wars“ geben, der sich dieses Mal mit einigen Hörspielen und Hörbüchern beschäftigt.
  • Möglicherweise wird es auch einen Post zur dritten Staffel von „Sherlock“ geben.
  • Der „Babylon 5“-Rewatch geht weiter bzw. legt erst so richtig los, wenn mein Post zur ersten Folge der ersten Staffel kommt.
  • Außerdem wird es vielleicht einen Post über „Buffy“ geben, weil ich demnächst anfangen werde, die Serie zum ersten Mal anzuschauen.
  • Dann werde ich auch noch einen Text über ein tolles Buch namens „Everything Bad Is Good For You“ schreiben, das thematisch in engem Zusammenhang mit den Themen dieses Blogs steht. Bis ich dazu komme, kann es allerdings noch eine Weile dauern.