Babylon 5 – Episode 1.21 „The Quality of Mercy“

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Universum

Wirklich aktuelle Neuigkeiten über „Babylon 5“ gibt es zwar nicht, aber „Babylon 5“-Schöpfer JMS hat Creative Screenwriting ein interessantes Interview gegeben, dessen zwei Teile ihr hier und hier lesen könnt. Darin spricht er unter anderem über „Babylon 5“, „Sense8“, das Drehbuchschreiben und seine Arbeit als Comicautor. Die interessanteste Info ist meiner Meinung nach allerdings, dass JMS vor ein paar Jahren ein Filmdrehbuch für Steven Spielberg geschrieben hat, welches JMS zufolge entweder von Spielberg selbst oder von Martin Scorcese verfilmt werden wird. Ich kann nur hoffen, dass es wirklich dazu kommt und würde mich riesig freuen, wenn es auf diese Weise zur Zusammenarbeit zweier meiner Idole kommen würde (Spielberg & JMS, wobei natürlich auch die Kombination Scorcese & JMS eine große Ehre und einen großen Erfolg für JMS bedeuten würden).
Zudem wird JMS auch dieses Jahr wieder auf der San Diego Comic Con zu Gast sein. Sein Panel findet am 22.7. um 17:30 Uhr (Ortszeit) statt. Zusätzlich wird er auf der Con auch eine Autogrammstunde und einen Schreibworkshop abhalten. Sein Panel wird sich wohl vor allem um seine aktuelle Serie „Sense8“ drehen, allerdings wird er bestimmt auch auf andere Projekte eingehen, an denen er zurzeit arbeitet. Darunter befinden sich die Verfilmung seiner Comicserie „Rising Stars“ und die auf der „Red Mars“-Trilogie basierende Fernsehserie, an deren Entwicklung er beteiligt war. Ob es auch „Babylon 5“-Neuigkeiten geben wird, ist nicht bekannt. Die Beschreibung des Panels kündig aber vollmundig an: „[T]he announcements this time are especially big. Be there for news that’s going to blow up the Internet.“ Ob das bedeutet, dass wir endlich konkrete Neuigkeiten zu einem „Babylon 5“-Kinofilm erfahren werden, den JMS 2014 angekündigt hat, oder ob es sich doch um etwas ganz anderes dreht, kann man zum jetztigen Zeitpunkt unmöglich wissen. Ich erwarte mal lieber nicht zuviel. Zwar bin ich kein Comicfan, aber ich freue mich auf jeden Fall auf alle Film- und Fernsehprojekte, an denen JMS beteiligt ist.
Und nun weiter zur „Babylon 5“-Episode, die ich in diesem Blogpost bespreche:

Episode 1.21 „The Quality of Mercy“ („Die Heilerin“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Lorraine Senna Ferrara
Erstausstrahlung: 17.08.1994 (USA), 10.12.1995 (Deutschland)

Wie so oft in der ersten Staffel haben wir es hier mit einer Episode zu tun, die zwar eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, aber doch ein paar Dinge und Figuren in die Geschichte einführt, die später – zum Teil viel später – noch einmal eine Rolle in der Serie spielen werden. So einen Fall haben wir gleich in der ersten Szene, in der Londo mit einem Senator seiner Heimatwelt spricht. Bei diesem handelt es sich um Senator Virini (gespielt von Damian London; den Namen der Figur erfahren wir hier noch nicht), den wir später noch öfter sehen werden.
Und wo ich schon bei Londo bin, bleibe ich mal bei diesem Handlungsstrang, denn er hat mit Rest der Folge nichts zu tun. Londo, der von Virini ja den Auftrag bekommen hat, seine Beziehungen zu den anderen Völkern zu pflegen, verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen und tut das, was er sonst auch gerne tut: er besucht einen Nachtclub, nur eben dieses Mal mit Lennier. Dieser darf als Minbari, wie sich herausstellt, leider keinen Alkohol trinken und langweilt Londo mit Details seiner langen Ausbildung. Als er jedoch erwähnt, dass er sich u.a. intensiv mit Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigt hat, schleppt Londo ihn sofort an einen Pokertisch. Während Lennier feststellen muss, dass er auch beim Pokern noch viel praktisches Wissen zu erwerben hat, hat Londo dieses längst verinnerlicht und setzt sogar eines seiner Körperteile zum Schummeln ein. Wie wir später erfahren, handelt es sich dabei um einen der sechs Penisse, über die männliche Centauri verfügen (und die den Podcastern vom „Grauen Rat“ ihr Bewertungssystem beschert haben). Soweit ich weiß ist „Babylon 5“ damit die einzige Mainstream-Science-Fiction-Serie, in der jemals ein männliches Geschlechtsorgan gezeigt worden ist… Jedenfalls kommt es daraufhin zur einer Massenschlägerei im Club, aus der Londo und Lennier ganz schön lädiert hervorgehen. Anschließend sitzen sie wie zwei beschämte Schüler vor Sinclair, der nach einer Erklärung verlangt. Um Londos Gesicht zu wahren, nimmt Lennier die Schuld auf sich und behauptet, er habe ein Missverständnis verschuldet, das zum Streit und zur Schlägerei geführt habe. Zwar erwähnt er auch, dass Delenn aus Respekt nicht weiter nachfragen wird (schließlich wird sie ebenfalls Lenniers Gesicht wahren wollen), trotzdem würde ich zu gerne Delenns Gesichtsausdruck in dem Moment sehen, wo sie erfährt, dass ihr Attaché in eine Schlägerei verwickelt war, deren Auslöser Londos Penis gewesen war! 😉
Diese Nebenhandlung ist nicht besonders wichtig und manche werden sie aufgrund der Einführung (no pun intended!) von Londos Geschlechtsorganen für völlig blödsinnig halten. Trotzdem hat auch dieser Handlungsstrang seinen Wert. Zum einen bringt er mit Londo und Lennier zwei Figuren zusammen, die in der Serie bisher kaum interagiert haben. Zum anderen erfahren wir vor allem über Lennier eine ganze Menge Neues. Die Handlung um Londo und Lennier ist damit inhaltlich für zukünftige Ereignisse kaum relevant, dient aber dazu, Lenniers Charakter weiter auszubauen und uns ein wenig mehr über die Kultur der Minbari und Centauri zu vermitteln (s. unten).

Viel interessanter sind allerdings die beiden anderen Handlungsstränge, die auch den größten Teil der Episode einnehmen. In einem davon haben wir es mit einem brutalen, geistesgestörten Massenmörder zu tun, der zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hat. Im anderen geht es um eine Ärztin, die zahlreiche Menschen von zum Teil tödlichen Krankheiten geheilt hat. Dem Mörder wiederum sollen mit Hilfe von technischen Geräten all seine Erinnerungen genommen und seine Persönlichkeit komplett ausgelöscht werden. Auch die Heilerin verfügt über eine Maschine, mit der sie aber nichts auslöscht, sondern Lebewesen heilt (wobei das nicht die einzige Funktion der Maschine ist).
Der Handlungsstrang um den Massenmörder Karl Mueller (Mark Rolston) wirft viele wichtige Fragen auf: Wie soll man einen offenbar kranken Menschen bestrafen, der zahlreiche Menschen ermordert hat und es weiter tun würde, wenn man nicht einschreitet? Darf man so jemanden umbringen? Und falls nicht, ist die Auslöschung seiner Persönlichkeit nicht ebenfalls eine Art Todesstrafe? Schließlich bleibt danach außer seinem Körper nichts zurück, was diesen Menschen ausgemacht hat? Ist das nicht vielleicht sogar schlimmer als die Todesstrafe? Oder gibt es dem Täter tatsächlich die Gelegenheit, ganz von vorne anzufangen, der Gesellschaft zu dienen und so gewissermaßen Buße zu tun? (Man könnte dies sogar als eine Form der Wiedergeburt interpretieren.)
Auch auf Babylon 5 gibt es dazu natürlich verschiedene Ansichten. Sicherheitschef Michael Garibaldi würde Mueller am liebsten selbst aus der nächsten Luftschleuse schubsen. Seiner Meinung nach ist die Todesstrafe für Mörder nur gerecht (ein Charakterzug, den JMS von Garibaldi-Darsteller Jerry Doyle auf die Figur übertragen hat). Dr. Franklin wiederum hält dagegen nicht nur die Todesstrafe, sondern auch die Löschung der Persönlichkeit für moralisch bedenklich. Die Ansichten von Commander Sinclair erfahren wir nicht, da er in dieser Folge nur zwei Szenen hat. Als Commander wird er wahrscheinlich neutral bleiben wollen, solange die beteiligten Parteien auch ohne ihn eine Einigung erzielen können (was in „Believers“ nicht der Fall war). Auch der den Fall betreuende Richter Wellington (Jim Norton) muss natürlich objektiv urteilen. Die Person, deren Meinung man am besten nachvollziehen kann, ist Talia Winters. Die Telepathin hat die Aufgabe, Mueller vor der Vollstreckung des Urteils zu scannen und geht extrem verstört, wenn nicht sogar traumatisiert aus dieser Erfahrung hervor. Es bestätigen sich sowohl die Vermutung, dass Mueller noch wesentlich mehr Personen umgebracht hat, als bekannt ist, als auch seine offenkundige Geistesgestörtheit.

Eine ausführliche Zusammenfassung der Geschichte um Dr. Franklin, die scheinbare Scharlatanin Dr. Rosen und ihre Tochter, sowie Mueller – dessen Handlungsstrang mit dem um Dr. Rosen zusammengeführt wird – spare ich mir an dieser Stelle. Insgesamt ist „The Quality of Mercy“ eine solide, leicht überdurschnittliche Episode und sicherlich eine der besseren Folgen der ersten Staffel. Die Darsteller von Mutter und Tochter Rosen fand ich zwar nicht besonders beeindruckend, dafür hat mich Jim Norton als Richter begeistert, der leider aber viel weniger Szenen hatte. Auch Mark Rolston war als geistesgestörter und furchterregender Massenmörder überzeugend. Am Ende der Folge verabreden sich Dr. Franklin und Janice Rosen zwar zum Essen, doch wir werden weder Janice noch ihre Mutter jemals wieder sehen. Trotzdem beinhaltet die Folge wie gesagt einige Elemente, die man sich merken sollte. Dazu gehört zum einen die außerirdische Maschine, mit der sich Lebensenergie von einer Person auf eine andere übertragen lässt und die nun in Dr. Franklins Obhut verbleibt, aber auch das Konzept der Persönlichkeitslöschung (und die anschließende Etablierung einer völlig neuen Persönlichkeit mit neuen Erinnerungen im gleichen Gehirn). Weitere Dinge, die später in der Serie wieder angesprochen werden, findet ihr unten.
Was die Figuren betrifft, so erfahren wir zumindest ein bisschen mehr über Talia, die hier nicht zum ersten Mal einen Serienmörder scannt (in „Deathwalker“ wurde – wenn ich mich richtig erinnere – erwähnt, dass sie einmal auf dem Mars das Gehirn eines Serienmörders scannen musste). Auch Franklins Figur wird weiter ausgebaut, allerdings erscheint er mir etwas widersprüchlich. Einerseits interessiert er sich sehr für nichtmenschliche Biologie und Medizin, andererseits tut er die fremde Maschine sofort als wirkungslos oder sogar schädlich ab. Immerhin hat er aber zum Schluss der Episode akzeptiert, dass Dr. Rosen damit wirklich anderen Wesen helfen konnte.

Highlight der Episode – und zugleich der beste Londo-Moment: Na was wohl? Natürlich die Szene, in der Londo beim Poker schummelt. Ich zitiere hierzu mal seinen Darsteller Peter Jurasik: „To actually have you genitalia as part of the script is really a wonderful thing.“ (Aus Jane Killicks Episodenführer zur ersten Staffel.) Ich meine mich auch zu erinnern, dass JMS mal ganz stolz davon berichtet hat, dass er hier tatsächlich Geschlechtsorgane in einer Folge zeigen konnte, ohne dass es die Verantwortlichen beim Sender und der Produktionsfirma besonders zur Kenntnis nahmen.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Wir erfahren eine Menge über Lennier, der hier eine große Rolle hat. Seit seiner Geburt wurde er auf Minbar in einem Tempel großgezogen und in der Lebensweise und den Ansichten der religiösen Kaste unterrichtet. Von dort kam er vor sechs Monaten (in „The Parliament of Dreams“) direkt nach Babylon 5. Er ist also zwar äußerst gebildet, verfügt aber über wenig praktische Lebenserfahrung, ganz besonders im Umgang mit anderen Kulturen. Allerdings scheint seine Ausbildung auch Kampffähigkeiten enthalten zu haben, denn wie wir sehen weiß er sich körperlich durchaus erfolgreich zur Wehr zu setzen.
  • Dr. Franklin betreibt auf der untersten Ebene eine nicht angemeldete Praxis, in der er mittellose Patienten umsonst behandelt.
  • In der Kultur der Minbari ist es eine große Ehre, jemand anderem zu helfen, das Gesicht zu wahren. Dazu ist es sogar erlaubt, zu lügen. Das tun die Minbari sonst nämlich nicht. Meistens jedenfalls. 😉
  • Männliche Centauri verfügen über sechs Penistentakel. Wer mehr darüber wissen will, wie diese Penisse funktionieren und wie die komplementären weiblichen Geschlechtsorgane aussehen, male sich das bitte selbst aus (oder durchsuche das Internet nach entsprechender Fan Fiction, die es bestimmt gibt). Ich habe diesen Fakt hier unter „für den weiteren Verlauf der Serie noch wichtige Informationen aufgenommen“, weil darauf tatsächlich später noch einmal eingegangen wird. Aber keine Angst: Besonders wichtig ist dieses Detail für die Handlung nicht. Und wir werden auch keine expliziten Centauri-Sexszenen sehen. Wenn euch die Vorstellung von sechs Centauri-Penissen trotzdem verstört, könnt ihr es ja wie Lennier machen, der am Ende der Folge gelobt, darüber zu schweigen. Allen anderen kann ich noch folgende Beschreibung einer Badewanne im Zimmer eines Centauri-Hotels anbieten, die ich vor ein paar Tagen im „Babylon 5“-Roman „The Shadow Within“ von Jeanne Cavelos entdeckt habe: „The bathroom had some odd appliances, for the styling of the male Centauri’s hair […] and a huge golden bathtub that seemed to be in the shape of a six-tentacled octopus-type creature.“
  • Die Funktionsweise der Heilmaschine hat JMS online genauer erklärt: „[I]t’s not so much alien HEALING device as an alien LIFE TRANSFERRAL device. If someone is actually dying, or close to it, the only way to save that person is to take the life from someone else.“ Je nachdem, wie schwer krank oder verletzt eine Person ist, ist also auch mehr Lebensenergie nötig, um diese Person zu heilen. Das kann dazu führen, dass jemand seine gesamte Lebensenergie geben muss, um eine andere Person zu retten…

Sonstige Fragen:

  • Warum ist eigentlich ein telepathischer Scan bei einer Person vorgeschrieben, bei der eine Löschung der Persönlichkeit vorgenommen werden soll?

Weitere interessante Punkte:

  • Nachdem Londo in der ersten Szene das Gespräch mit Virini beendet hat, äfft er ihn nach: „I’ll be in touch. Touch this!“ Dabei zeigt er mit seinen Händen scheinbar auf seinen Bauch. Erst im Nachhinein realisiert man, auf welche seiner Körperteile er tatsächlich gezeigt hat…
  • Minbari vertragen keinen Alkohol. Selbst kleine Mengen davon lösen bei ihnen psychotische Impulse und einen brutalen Mordrausch aus. (Bin ich der Einzige, der das gerne mal in einer Folge gesehen hätte?)
  • „Spacing“, also der Tod durch das Hinausstoßen ins Vakuum des Weltalls, ist im Jahr 2258 nach Erdrecht eine Form der Todesstrafe. Wie Richter Wellington erwähnt, kann es bei Meuterei und Verrat angewendet werden.
  • Ivanova gibt Franklin gegenüber zu, dass sie sich die Vorschriften auch selbst hin und wieder ein wenig zurechtbiegt. Ein Beispiel dafür ist der Kaffee, den sie auf der Station für sich anbaut (siehe „The War Prayer“).
  • Wenn Londo (in der Originalfassung) Lenniers Namen ausspricht, klingt das in dieser Folge oft wie „Lannier“? Liegt das an Londos Akzent? Ist das noch jemandem aufgefallen?
  • Mehrmals wird in dieser Folge wieder erwähnt, dass der Raumstation nur ein äußerst knappes Budget zur Verfügung steht. Das kommt zunächst im Gespräch zwischen Franklin und Ivanova zur Sprache, als Ivanova sagt, sie könnten es sich nicht leisten, kostenlose Medikamente und medizinische Leistungen an Stationsbewohner zu verteilen. Später wird der Personalmangel auf Babylon 5 als Grund dafür genannt, warum Mueller nicht auf der Station inhaftiert werden kann. Zudem scheint die Station auf der Prioritätenliste der Erdregierung ziemlich weit unten zu stehen; es wird erwähnt, dass die Erde kein Geld ausgeben will, um Mueller zu transportieren.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • JMS schrieb das Drehbuch zu dieser Folge, als er unter einer schweren Grippe litt. Wenn er unter diesem Zustand schreibe, so zitiert ihn Jane Killick in ihrem Episodenführer zur ersten Staffel, dann könne er sich später nicht mehr daran erinnern, was er geschrieben habe. Zudem würden seine Drehbücher dann stets besonders seltsam – so rechtfertigt er den Centauri-Penis in dieser Folge.
  • Mueller-Darsteller Mark Rolston hat eine lange Liste an Auftritten in Filmen und Fernsehserien, nicht selten im Science Fiction-Bereich. Sein zumindest für mich aber beeindruckendster IMDB-Credit ist seine Rolle als Private Drake in James Camerons „Aliens“.
  • Jim Norton hat in „Babylon 5“ nicht nur die Rolle von Richter Wellington gespielt (wir kennen ihn bereits aus „Grail“). Im weiteren Verlauf der Serie werden wir ihn auch in anderen Rollen sehen. Norton hat eine lange Karriere auf der Bühne, im Fernsehen und in Filmen hinter sich; Science Fiction-Fans kennen ihn unter anderem als Albert Einstein aus „Star Trek: The Next Generation“.
  • Der Name des Dark Star Nachtclubs, den wir bereits aus „Born to the Purple“ kennen, ist natürlich eine Anspielung auf den Film „Dark Star“ (1974).
  • Beim Originaltitel der Episode handelt es sich um ein Zitat aus Shakespears „Der Kaufmann von Venedig“.
  • June Lockhart, die Dr. Rosen spielt, war in der Serie „Lost in Space“ (1965-1968) als Dr. Maureen Robinson zu sehen. Lennier-Darsteller Bill Mumy spielte damals ihren Sohn, Will Robinson. Obwohl Mumy JMS darum bat, doch eine gemeinsame Szene für ihn und Lockhart ins Drehbuch zu schreiben, widerstand JMS dieser Versuchung, weil die Handlungsstränge von Lennier und Dr. Rosen nichts miteinander zu tun hatten und eine solche Szene keinerlei Funktion für die Handlung gehabt hätte.

Zitate:

Franklin (im Behandlungsraum, nicht von seinem Tablet hochschauend): „You can start by removing your clothes…“
Ivanova: „Not without dinner and flowers.“

Londo (zu Lennier, mit Blick auf die Stripperin im Dark Star): „Here you will see the heart and soul of Babylon 5. Also its spleen, its kidneys, a veritable parade of internal organs.“

Londo (zu Lennier): „Right now, I want to introduce you to the ultimate means of interstellar understanding. The Earthers call it ‚poker‘.“

„I did the necessary thing. That is not always the same as the right thing.“ (Laura Rosen)

Sinclair: „I’m still waiting for an explanation, gentlemen.“
Londo (sichtlich lädiert nach der Schlägerei im Dark Star): „Yes, and I am prepared to give you one, Commander. As soon as the room stops spinning.“
Sinclair: „This station creates gravity by rotation, it never stops spinning.“
Londo: „Well, I begin to see my problem.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.14 „TKO“
(Die Reihenfolge, in der man die Episoden idealerweise anschauen sollte, weicht hier von der Reihenfolge auf den DVDs ab. Ganz am Ende dieses Blogposts könnt ihr die Reihenfolge einsehen, in der ich die erste Staffel bespreche.)

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Babylon 5 – Episode 1.16 “Eyes”

Bevor ich beginne noch ein kleiner organisatorischer Hinweis: Die nächste Folge, die ich besprechen werde, wird Episode 1.18 „A Voice in the Wilderness – Part 1“ sein, weil ich mich an die von J. Michael Straczynski vorgeschlagene Reihenfolge halte, die ihr ganz am Ende dieses Blogposts einsehen könnt.

Episode 1.16 „Eyes“ („Die Untersuchung“)

Drehbuch: Larry DiTillio, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 13.07.1994 (USA), 19.11.1995 (Deutschland)

Drehbuchautor Larry DiTillio erhielt den Auftrag für diese Episode von „Babylon 5“, nachdem ein weiteres Drehbuch, das von einem Freelancer geschrieben werden sollte, nicht zustande kam. DiTillios Vorgaben waren, nicht nur möglichst schnell ein neues Drehbuch abzuliefern, sondern dabei auch eine Episode zu schreiben, die mit möglichst wenigen visuellen Effekten und Masken auskam (was wohl der Grund sein dürfte, warum unter anderem Delenn, Londo und G’Kar nicht in der Folge vorkommen). Das Ergebnis ist also dieses Kammerspiel, das in wenigen Sets gefilmt wurde und im Grunde auch auf einer Theaterbühne aufgeführt werden könnte. (Quelle für die Information: Jane Killick: Babylon 5 – Signs and Portents, S. 133)

Der Originaltitel der Episode steht für „Internal Investigations“, was sich als II, also als „Eyes“ (englisch ausgesprochen) abkürzen lässt. Dementsprechend haben wir es hier auch mit einer „Untersuchung“ (wie uns der deutsche Titel wissen lässt) des Kommandostabs und insbesondere Sinclairs zu tun. Colonel Ari Ben Zayn (Gregory Martin) kommt zusammen mit dem Telepathen Harriman Gray (Jeffrey Combs) an Bord der Station. Ben Zayn erregt zunächst einfach deshalb Garibaldis Aufmerksamkeit, weil er ungewöhnlich viele Fragen stellt. Rasch stellt sich jedoch heraus, dass er im Angesicht der Unabhängigkeitsbewegungen auf mehreren Erdkolonien (u.a. auf dem Mars) nach Babylon 5 gesandt wurde, um die Loyalität des Kommandostabs zur Erdregierung zu untersuchen. Dazu will er Sinclair, Ivanova und Garibladi unter anderem telepathischen Scans unterziehen lassen – deshalb die Anwesenheit von Gray.

Die Episode mag nur in geschlossenen Räumen spielen und sich auf wenige Figuren konzentrieren, doch ihre Ereignisse weisen weit über ihre Grenzen hinaus. Falls sich jemand im Verlauf der bisherigen Folgen gefragt haben sollte, ob Sinclair nicht irgendwann einen Preis für seine teils umstrittenen Entscheidungen und die wiederholte Auslegung der Gesetze zu seinen Gunsten zahlen muss – Ben Zayn ist dieser Preis. Wie wir später in der Episode herausfinden, will er den Kommandoposten auf der Station an sich reißen und stellt deshalb sämtliche Entscheidungen Sinclairs in Frage. Sinclairs Umgang mit der Ragesh 3-Krise, seine Entscheidung in der Deathwalker-Angelegenheit, seine kreative Beilegung des Streiks der Dockarbeiter, der Sabotageversuch während des Besuchs des Präsidenten und die Ereignisse um Jason Ironheart, die zum Tod der Kollegin von Psi-Cop Alfred Bester geführt haben – all diese Dinge nimmt Ben Zayn nun zum Vorwand, um Sinclair vorwerfen zu können, er sei inkompetent und ungeeignet für seinen Posten. Durch die Erwähnung dieser Ereignisse und der Tatsache, dass Sinclair und seine Leute des öfteren (für die Erdregierung) unliebsame Entscheidungen getroffen haben, wird die Folge ein Stück weit zur Zusammenfassung des bisherigen Teils der Staffel. Auch neuen Zuschauern wird so schnell ein Überblick über die Lage verschafft, zumindest was die Entwicklung Sinclairs betrifft.

Und wo ich gerade von Sinclair spreche: Gerade diese kammerspielartige Folge lebt natürlich in besonderer Weise von den Leistungen der Schauspieler und in diesem Bereich hat mich Michael O’Hare als Sinclair hier am wenigsten überzeugt. Es ist inzwischen bekannt, dass er schwerwiegende psychische Probleme hatte, die ihm die Ausübung seines Berufs zunehmend erschwerten. Vielleicht interpretiere ich da zu viel hinein, aber ich finde, dass man das gerade in dieser Episode merkt. Jedes Mal, wenn O’Hare Wut, Ärger oder starke Betroffenheit zeigen soll, halten sich seine Gefühlsäußerungen stark in Grenzen, so als ob er so sehr damit beschäftigt sei, sich selbst unter Kontrolle zu halten, dass dies ein glaubwürdiges Schauspiel verhindert. Wenn er nachdenklich sein soll, so wie in der letzten Folge, dann überzeugt O’Hare. Über eine große schauspielerische Bandbreite verfügt er jedoch nicht. Sowohl Jerry Doyle (Garibaldi) und Claudia Christian (Ivanova), als auch die Gaststars Gregory Martin und Jeffrey Combs liefern jedenfalls glaubwürdigere, nuanciertere Darstellungen ab (wobei „nuanciert“ im Fall von Martin vielleicht doch eher nicht zutrifft).
Ari Ben Zayn wird an einer Stelle von Garibaldi als „Colonel Ben Hitler“ bezeichnet, in Anspielung auf die gnadenlose Härte, mit der Ben Zayn seine Ziele verfolgt. Sehr nuanciert ist die Figur tatsächlich nicht angelegt; an keiner Stelle der Episode bekommen wir Ben Zayns Sicht der Dinge zu hören (anders als bei Harriman Gray). Insofern macht Martin (der übrigens der Sohn des jüngst verstorbenen Beatles-Produzenten George Martin ist) das beste aus dieser Figur.

Ein zentrales Thema der Episode ist Susan Ivanovas Abneigung gegen Telepathen und das PsiCorps. Die Gründe dafür wurden erstmals in „Midnight on the Firing Line“ erläutert, hier erhalten wir weitere Einblicke. In einem Albtraum Ivanovas äußert sich ihre Furcht, so zu enden wie ihre Mutter, die gezwungen wurde, ihre telepathischen Fähigkeiten mit Injektionen zu unterdrücken, was sie schließlich in den Selbstmord trieb. Als Sinclair Ivanova fragt, warum sie eigentlich so große Angst davor habe, gescannt zu werden, erhalten wir allerdings keine wirklich befriedigende Antwort. Private und intime Erinnerungen, auf die jemand bei einem Scan stoßen könnte, hat schließlich nicht nur Ivanova. Sie ist jedoch fest entschlossen, einen Scan durch Gray unter keinen Umständen zuzulassen und ist sogar bereit, dazu ihren Posten niederzulegen und ihre Karriere aufzugeben. Im Gespräch mit Gray muss sie aber immerhin erkennen, dass nicht alle Mitglieder des PsiCorps gleich sind und sie ihn sogar ganz nett findet. Harriman Gray wird von Jeffrey Combs gespielt, der Science Fiction-Fans vor allem durch seine zahlreichen Rollen aus „Star Trek: Deep Space Nine“, „Star Trek: Voyager“ und „Enterprise“ bekannt sein dürfte (er spielte u.a. Weyoun in „Deep Space Nine“).

Am Ende spitzt sich die Lage zu: Ben Zayn enthebt Sinclair seines Postens und übernimmt selbst das Kommando auf Babylon 5. Wie Garibaldi herausgefunden hat, ist es genau das, was Ben Zayn von Anfang an wollte: er stand auf der Liste möglicher Kandidaten für den Kommandoposten auf der Station in den Top 10, während Sinclairs Name erst viel weiter unten auftauchte. Wie wir inzwischen (aus „Signs and Portents“) wissen, erhielt Sinclair den Posten auf ausdrücklichen Wunsch der Minbari. Ben Zayn bekommt nun endlich, was ihm seiner Meinung nach zusteht; gleichzeitig stellt er die Rache seines Freundes Alfred Besters für die Ereignisse in „Mind War“ dar. Es ist schließlich Grays Eingreifen zu verdanken, dass Sinclair und Garibaldi Ben Zayn überwältigen und so seine Machtübernahme auf der Station verhindern können. Ob das noch ein Nachspiel haben wird?

Definitiv kein Nachspiel haben wird der zweite Handlungsstrang der Episode, in dem Garibaldi von Lennier Unterstützung beim Bau eines „antiken“ Motorrads aus dem Jahr 1992 erhält. Das hat nicht nur mit dem Rest der Episode nichts zu tun, es wird auch nie wieder erwähnt werden. Wie kam Garibaldi eigentlich auf die Idee, ausgerechnet auf einer Raumstation ein Motorrad bauen zu wollen? (Die Antwort darauf findet ihr bei den „Hinter den Kulissen“Fakten.)

Insgesamt ist „Eyes“ eine solide, gut geschriebene und überwiegend gut gespielte Episode. Sie greift zahlreiche Ereignisse aus vergangenen Folgen auf und verstärkt so den (damals keineswegs selbstverständlichen) Eindruck, dass „Babylon 5“ eine Serie ist, die episodenübergreifend erzählt. Die Charaktere von Ivanova und Sinclair werden weiter ausgebaut und es wird eindringlich betont, dass sich Sinclair und sein Kommandostab einige Feinde auf der Erde gemacht haben, was durchaus noch relevant sein wird, um es einmal spoilerfrei auszudrücken.

Highlight der Episode: Wie Ivanova fast alle Casinobesucher verprügelt (leider sieht man davon recht wenig).

Londo/G’Kar-Moment: Leider kommen die beiden hier nicht vor, ebenso wenig wie Delenn, Talia Winters, Dr. Franklin, Vir und Na’Toth.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Ivanova bemerkt es sofort, als Gray sie scannt.
  • Auf dem Mars und in mehreren anderen Kolonien der Erde kommt es zu teilweise gewaltsamen Unabhängigkeitsbewegungen.

Sonstige Fragen: Wieso war der Gedanke an Talia Winters so laut in Ivanovas Kopf, dass ihn Gray auch ohne sie richtig zu scannen sofort wahrnehmen konnte?

Weitere interessante Punkte:

  • Garibaldis Passwort lautet „Peekaboo“ 😀
  • Das Internet scheint sich in der Zukunft entweder deutlich zurück entwickelt haben oder Babylon 5 hat ganz einfach eine extrem langsame Verbindung. Garibaldi führt jedenfalls eine Recherche im „Interweb“ durch und erhält erst viele Stunden später vom Computer die Ergebnisse.
  • Zwei weitere Beispiele dafür, dass „Babylon 5“ Ereignisse aus vergangenen Episoden nicht vergisst, sondern fortlaufend erzählt: Die Minbari-Dichterin Shaal Mayan („The War Prayer“) stattet der Station erneut einen Besuch ab; man sieht sie zwar nicht, aber sie wird von Lennier zweimal erwähnt. Außerdem wird erneut auf Garibaldis Alkoholproblem angespielt, als er zu Ben Zayn sagt „I don’t drink“. Bisher wurde es vor allem in „Survivors“ thematisiert.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Das Motorrad taucht nur deswegen auf, weil Kawasaki sich bereit erklärt hatte, die Serie zu sponsorn. Drehbuchautor DiTillio beschloss daraufhin, aus dem Motorrad einen „richtigen“ Handlungsstrang zu machen, statt es nur einfach so auftauchen zu lassen.
  • Regisseur Jim Johnston wollte Jerry Doyle für die abschließende Szene auf dem Motorrad eigentlich ein Marlon Brando-Outfit mit Lederjacke verpassen. Die Einstellung, in der Garibaldi und Sinclair den Hauptkorridor von Babylon 5 entlang rasen, wurde im Computer erzeugt, weil die Versicherung es nicht erlaubte, dass die beiden Schauspieler tatsächlich auf einem Motorrad durch die teuren Sets rasten.
  • In einer Szene, wo Lennier (Bill Mumy) in Garibaldis Quartier am Motorrad bastelt, singt er eine Art Meditationsmantra vor sich hin. Dabei handelt es sich um „Zabagabee“, den Titel eines Albums von Mumys Band Barnes & Barnes.

Zitate:

„Enough people have played with my head already this year!“ (Sinclair – eine Anspielung u.a. auf „And The Sky Full of Stars“)

„I think this is the biggest pile of horse hockey I ever saw. Who the hell is running Earth Force, Abbott and Costello?“ (Garibaldi zu Ben Zayn)

Gray: „Lieutenant Commander, I’m aware of your hostility towards the PsiCorps and the reason for it. And I sympathize.“
Ivanova: „You do? How nice. I should send you a card on your birthday.“

„Mr. Gray, I’m grateful the PsiCorps has given you a purpose in life. But when that purpose includes scanning my mind to prove my loyalty, it’s not only an invasion of my privacy, but my honour. As for fear: If you enter my mind for any reason, I will twist your head off and use it for a chamber pot.“ (Ivanova zu Gray)

„If I kill him, I will start a war…“ (Garibaldi zu sich selbst, als er von Lennier genervt ist.)

Garibaldi: „They’ll charge you with insubordination.“
Ivanova: „And I’ll be replaced and dishonorably discharged. It’s a very Russian ending. I should have expected it.“

Ivanova (nachdem sie einen Großteil der Casinobesucher verprügelt hat): „Are you gonna arrest me, Garibaldi?“
Garibaldi: „No way. I wanna live to see my future.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.18 „A Voice in the Wilderness (Part 1)“
(Die Reihenfolge, in der man die Episoden idealerweise anschauen sollte, weicht hier von der Reihenfolge auf den DVDs ab. Ganz am Ende dieses Blogposts könnt ihr die Reihenfolge einsehen, in der ich die erste Staffel bespreche.)

Babylon 5 – Episode 1.05 „The Parliament of Dreams“

Meine kommentierte Liste mit den mir bekannten B5-Podcasts habe ich aufgrund ihrer Länge in einen eigenen Blogpost ausgelagert, deswegen komme ich ohne weitere Einleitung gleich zur heutigen Episode:

Episode 1.05 “The Parliament of Dreams” (“Angriff auf G’Kar”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 23.02.1994 (USA), 03.09.1995 (Deutschland)

„The Parliament of Dreams“ ist eine von vielen B5-Episoden, in denen der erklärte Atheist J. Michael Straczynski (JMS) sich dem Thema Religion widmet. Im Teaser der Episode erfahren wir über die Exposition, die er Garibaldi in den Mund gelegt hat, dass auf Babylon 5 ein einwöchiges Festival stattfindet, in dessem Rahmen jede auf der Station vertretene Spezies ihre dominante Glaubensrichtung demonstrieren soll. Dies soll dem interplanetaren Frieden und der besseren Verständigung der verschiedenen Völker dienen, steht also ganz im Zeichen der Aufgabe von Babylon 5.
Von den Veranstaltungen, die die zahlreichen fremden Völker anbieten, bekommen wir in der Episode zwei zu sehen: Eine ausschweifende Feier des Lebens bei den Centauri und eine bedächtige Wiedergeburtszeremonie der Minbari. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Nicht nur die besonnene Delenn hat auf der ausgelassenen Centauri-Zeremonie Mühe, sich ganz dem Genuss hinzugeben, wie Londo es dort von seinen Gästen verlangt. Interessant an dieser Feier des Lebens ist vor allem, dass sie ihren Ursprung in der Ausrottung einer ganzen Spezies hat. Die Xon haben sich einst parallel zu den Centauri auf deren Heimatwelt entwickelt, wurden jedoch von den Centauri komplett vernichtet, was diese seitdem zum Anlass für eine alljährliche Feier des (Über-)Lebens nehmen. Der Ablauf der Zeremonie erinnert dabei ebenso an antike römische Gelage wie das große Pantheon der Centauri-Götter, von denen Londo einige vorstellt (man beachte die tentakelartigen „Attribute“ von Li, der Göttin der Leidenschaft). In Bezug auf die früheren, harten Zeiten, in denen die Centauri und die Xon um die Vorherrschaft auf dem Planeten kämpfen, sagt er: „In a world, where every day is a struggle for survival, you need all the gods you can get.“ Peter Jurasik ist großartig in dieser Szene!
Ganz anders geht es auf der Zeremonie der Minbari zu. Hier wird nicht gegessen, getrunken und ausgelassen gefeiert, sondern in bedächtiger Konzentration ein Ritual vollführt, welches die Wiedergeburt symbolisiert. Lediglich eine kleine, rote Frucht nehmen die Teilnehmer dabei zu sich und Delenn blickt Sinclair dabei auffällig tief und intensiv in die Augen. „Taste of it.“, fordert sie ihn und die anderen Anwesenden auf, während sie ihren Blick nicht von ihm lässt und sich selbst eine der Früchte in den Mund schiebt. Sie schließt mit den Worten „And so it begins“, die wir im weiteren Verlauf der Serienhandlung noch öfter hören werden. Als Sinclair am Ende der Folge darauf hingewiesen wird, dass die Wiedergeburtszeremonie auch als Hochzeit gedeutet werden kann, öffnet dies Spielraum für ganz neue Interpretationen. Wurden Delenn und Sinclair im Verlauf dieser Zeremonie miteinander verheiratet, ohne dass Sinclair es wusste?
Nachdem wir diesen beiden fremden Zeremonien beiwohnen durften, werden wir am Ende der Episode Zeuge der Glaubensdemonstration, die Sinclair sich repräsentativ für die Erde überlegt hat. Doch was ist die dominante Glaubensrichtung der Erde? Statt sich hier auf eine einzige Religion zu stützen, wählt er (und damit JMS) einen ganz anderen Ansatz: Er stellt die Vielfalt der auf der Erde vorhandenen Glaubenssysteme dar und zeigt damit, dass es dort keinen Glauben gibt, der wichtiger oder besser ist als alle anderen, sondern dass gerade diese Vielfalt und unsere Toleranz gegenüber Andersgläubigen die Stärken der Menschheit sind. Ein kleinen Schocker konnte sich JMS dann allerdings doch nicht verkneifen und platzierte den Atheisten an erster Stelle in der Reihe. Erst nachdem Sinclair ihn vorgestellt hat, zoomt die Kamera heraus und wir sehen die lange Schlange mit Angehörigen verschiedener Religionen.

Die eigentliche Haupthandlung der Episode dreht sich um einen Attentatsversuch auf G’Kar, der zu Beginn eine Drohung seines alten Feindes Du’Rog erhält. Er habe einen Attentäter auf ihn angesetzt, teilt dieser G’Kar mit. Innerhalb von 48 Stunden werde G’Kar tot sein, ohne vorher zu erfahren, wer es ist, der ihn umbringen soll. Als kurz darauf G’Kars neue Assistentin Na’Toth (Julie Caitlin Brown) eintrifft, ist G’Kar verständlicherweise misstrauisch. Schließlich war seine vorherige Assistentin Ko’Dath („Born To The Purple“) überraschend durch einen „Luftschleusenunfall“ ums Leben gekommen (mehr dazu bei den „Hinter den Kulissen“-Fakten).
Zwar soll bei den Zuschauern wohl der Eindruck erweckt werden, Na’Toth sei tatsächlich die Attentäterin, doch der Handlungsstrang verläuft leider ziemlich vorhersehbar und wirklich misstrauisch gegenüber Na’Toth wird man zu keinem Zeitpunkt. Es ist aber auf jeden Fall schön, G’Kar als Hauptcharakter einer Episode zu sehen und so mehr über ihn zu erfahren – zum Beispiel, dass er auf menschliche Frauen steht oder gerne kocht und singt.

In einem dritten Handlungsstrang lernen wir Catherine Sakai (Julia Nickson) kennen, eine Exfreundin Sinclairs. Die beiden laufen sich alle paar Jahre wieder über den Weg, nur um ihre Liebesbeziehung jedes Mal wieder zu reaktivieren und es dann zu bereuen. Sinclair erfährt von seinem Freund Michael Garibaldi, dass sich Catherine auf Babylon 5 befindet und möchte ihr zunächst aus dem Weg gehen, sucht sie dann aber doch auf. Catherine, die mit ihrem Raumschiff unbekannte Planeten nach Rohstoffen absucht, ist geschäftlich auf der Station und wusste vor ihrem Eintreffen gar nicht, dass Sinclair deren Commander ist. Im Gespräch fragt sie ihn nach Carolyn (Sinclairs Freundin im Pilotfilm) und Sinclair erzählt, er sei seit etwa einem Jahr nicht mehr mit ihr zusammen (das widerspricht allerdings den zeitlichen Angaben, die ich im Post zur letzten Episode gemacht habe – aber nehmen wir es mal nicht so genau).
Sinclair lädt Catherine zum Essen ein, was zu einer Szene mit teilweise sehr kitschigen, sich teilweise aber auch sehr echt anfühlenden Dialogen führt. Catherine und Sinclair sind sich der Tatsache bewusst, dass sie nicht dauerhaft zusammen passen und dass sie wohl auch dieses Mal nach ein paar Tagen wieder getrennte Wege gehen werden. Doch später ändert Catherine ihre Meinung: „Don’t send me away. Don’t make me feel like a fool.“, bittet sie Sinclair. Sie hat erkannt, dass sie einfach nicht länger allein bleiben will, sondern Sinclair gerne an ihrer Seite haben würde. So abgestanden und klischeehaft die Dialoge in diesen Szenen auf dem Papier auch wirken mögen, finde ich jedoch, dass Julia Nickson wirklich etwas aus ihnen macht und echte, glaubhafte Gefühle vermittelt. Ich mag ihr Schauspiel jedenfalls. (Wobei die Zeile „Don’t touch me unless you mean it“ dann vielleicht doch etwas zu weit geht…) Am Ende der Episode muss Catherine schließlich weiterreisen. Doch sie verspricht, zurück zu kommen; sie und Sinclair haben beschlossen, doch noch einmal zu versuchen, eine richtige Beziehung zu führen, auch wenn sie dieses Mal natürlich immer noch nicht wissen, ob es funktionieren wird.

Nicht unerwähnt lassen will ich, dass nach Londo und G’Kar in dieser Episode auch Delenn einen eigenen Assistenten zur Seite gestellt bekommt. Lennier (Bill Mumy, der bereits als Kind eine Hauptrolle in der Science Fiction Serie „Lost In Space“ hatte) hat eine lange religiöse Ausbildung auf Minbar hinter sich und muss nun für seine neue Aufgabe erstmals für längere Zeit seine Heimat verlassen. Voller Ehrfurcht steht er Delenn gegenüber und traut sich nicht einmal, den Blick zu heben und ihr in die Augen zu schauen. Da die Assistenten der Botschafter nur zur zweiten Reihe an Charakteren gehören und in der ersten Staffel noch nicht besonders oft vorkommen, dauert es etwas länger, bis man mit ihnen vertraut ist. Doch Lennier und ganz besonders Vir werden im Verlauf der Serie als Figuren noch weiter ausgebaut werden.

„The Parliament of Dreams“ ist eine der besseren Episoden der ersten Staffel. Wie erwähnt finde ich die Handlung um das Attentat auf G’Kar zwar nicht besonders spannend, dafür wird die Charakterentwicklung mehrerer Figuren (G’Kar, Sinclair) hier aber vorangetrieben, es werden neue (Neben-)Figuren eingeführt (Lennier, Na’Toth, Catherine Sakai), wir erfahren mehr über die Kulturen und Religionen der Centauri, Narn und Minbari und ich finde, dass die oben beschriebene Botschaft/Moral der Episode eine wirklich wichtige und optimistische ist.

Highlight der Episode: Londo während der Centauri-Zeremonie. Nur Londo-Darsteller Peter Jurasik, Regisseur Jim Johnston und der Kameramann wussten vor dem Dreh der Szene darüber bescheid, dass Jurasik auf den Tisch steigen und auf diesem vor den anderen Darstellern entlang kriechen würde. Dementsprechend sind die Reaktionen von Mira Furlan und den anderen Schauspielern wohl auch nur teilweise gespielt. (Mehr unter „Zitate“)

Londo/G’Kar-Moment: Eine gemeinsame Szene, in der die beiden zusammen großartig sind, gibt es in dieser Episode zwar nicht, dafür aber das schon erwähnte Londo-Highlight und die Szene am Beginn der Episode, in der wir G’Kar kochend und singend in seinem Quartier sehen („So many fishes, left in the sea / So many fishes, but no one for me“). Das Lied wurde extra von Serien-Komponist Christopher Franke auf JMS‘ Wunsch für diese Szene geschrieben.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Die meisten Punkte habe ich schon erwähnt: Es werden neue Figuren eingefüht, wir hören erstmals den Satz „And so it begins“ und erfahren mehr über die verschiedenen Völker. Weiterhin ist die Tatsache interessant, dass Delenn anscheinend ihre Mitgliedschaft im „Grauen Rat“ geheimhalten will. Sie verbietet Lennier, sie mit ihrem Titel „Satai“ anzusprechen oder auch nur in Anwesenheit anderer Personen zu erwähnen, dass sie Mitglied des Rates ist, der das oberste Regierungsorgan der Minbari darstellt. Bereits in „Soul Hunter“ hat der Seelenjäger Delenn als Satai erkannt und sich gefragt, warum ein so hochrangiges Mitglied der Minbari-Gesellschaft sich dazu herablässt, auf Babylon 5 die Botschafterin zu spielen…
Der folgende Absatz ist voller Spoiler und sollte nur von Personen gelesen werden, die „Babylon 5“ schon in seiner Gänze gesehen haben: Die Wiedergeburtszeremonie, die Delenn durchführt, hat zwar keine direkten Auswirkungen auf die weitere Handlung. Man kann sie aber als in Verbindung mit Delenns späterer Transformation stehend sehen. Vielleicht dient sie als Vorbereitung auf ihre Verwandlung. Auch die Tatsache, dass Delenn sich im Verlauf der Zeremonie quasi mit Sinclair verheiratet, ist interessant. Hätte JMS nämlich seinen ursprünglichen Plan umsetzen können, dann wären wir Sheridan nie begegnet, sondern Sinclair wäre die ganzen fünf Jahre über die Hauptfigur geblieben und hätte dementsprechend Delenn später wirklich geheiratet. Insofern handelt es sich bei der leicht erotisch aufgeladenen Szene, in der Delenn sich die rote Frucht in den Mund steckt, während sie Sinclair intensiv in die Augen blickt, um eine Andeutung dessen, was später hätte kommen sollen, aber dann aufgrund des Herausschreibens von Sinclair aus der Handlung doch nicht umgesetzt werden konnte.

Sonstige Fragen:

  • Wie ist es Sinclair eigentlich gelungen, all die Vertreter unterschiedlicher Erdreligionen so schnell aufzutreiben?

Weitere interessante Punkte: 

  • Garibaldi findet eine Unterhose in G’Kars Quartier und fragt G’Kar, ob sie ihm gehöre… 😀
  • G’Kar erwähnt, dass die Botschafterquartiere auf Babylon 5 als fremdes Territorium betrachtet werden (so steht es in den Verträgen, die die Station mit den Botschaftern bzw. deren Regierungen geschlossen hat) und dass er deswegen unter diplomatischer Immunität steht.
  • Sinclair hat eine Vorliebe für die Werke des britischen Dichters Alfred Tennyson.
  • Mein Lieblingsdetail in dieser Folge: Nachdem die Teilnehmer der Minbari-Zeremonie alle ihre roten Früchte erhalten haben, ist in einer Einstellung im Hintergrund zu sehen, wie G’Kar seine Frucht mit der von Ivanova neben ihm vertauscht! Er hat anscheinend Angst, der Attentäter könne ihn vergiften wollen, doch dass stattdessen Ivanova sterben könnte, scheint ihn nicht zu kümmern.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Nachdem Mary Woronov, die in „Born To The Purple“ als G’Kars Assistentin Ko’Dath eingeführt wurde, bereits nach einer Folge wieder aus der Serie ausstieg, weil sie mit der Maske und den Kontaktlinsen nicht zurecht kam, stellte JMS G’Kar mit Na’Toth eine neue Assistentin zur Seite und ließ Ko’Dath sterben. Hoffentlich wird Na’Toth uns etwas länger erhalten bleiben… Während übrigens auf den DVDs Na’Toth bereits seit der ersten Folge in den Credits aufgeführt ist, scheint dies bei der Erstausstrahlung der Serie noch nicht so gewesen zu sein. Damals muss in den ersten Episoden noch Ko’Dath aufgeführt gewesen zu sein und wurde wohl erst in dieser Folge durch Na’Toth ersetzt.
  • In der Szene, in der G’Kar die schwarze Rose neben sich im Bett findet, sehen wir das eigens an Andreas Katsulas angepasse Narn-Brustteil, das für die (seltenen) Szenen angefertigt wurde, in denen seine Figur mit offenem Hemd zu sehen sein würde.
  • Über die Wahl des ungewöhnlichen Episdoentitels „The Parliament of Dreams“ schreibt JMS: „A parliament is a gathering of officials, of representatives, which matches the story in terms of representatives of different places, and beliefs. The dreams are the belief systems.“ (zitiert aus „Asked & Answered Part 4“, S. 1518)

Zitate:
Tu’Pari: „Are you ambassador G’Kar?“
G’Kar:
„This is ambassador G’Kar’s quarters, this is ambassador G’Kar’s table, this is ambassador G’Kar’s dinner. Which part of this progression escapes you?“

Londo: „Do you know what the last of the Xon said, just before he died? ‚AAAHHHHH!!'“

Garibaldi zu G’Kar, nachdem er in dessen Quartier eine Uterhose gefunden hat: „Just let me say, from the bottom of my heart, hot pink is definetely your colour.“

Delenn während der Minbari-Wiedergeburtszeremonie: „From birth, through death and renewal. You must put aside old things, old fears, old lives. This is your death. The death of flesh, the death of pain. The death of yesterday.“

Londo während der Centauri-Zeremonie auf dem Tisch zu Delenn: „Have I ever told you that you are very cute for a Minbari? [zu Garibaldi] Oh, and you are cute, too, in an annoying sort of way. Everybody’s cute. Everybody’s cute. Even me. But in purple, I’m stunning.“
Er bricht auf dem Tisch zusammen, daraufhin Vir: „Ah, he has become one with his inner self!“
Garibaldi: „He’s passed out.“
Vir: „That too.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.06 „Mind War“