Babylon 5 – Episode 1.15 “Grail”

Langsam aber sicher schaue und schreibe ich mich durch die erste Staffel von „Babylon 5“ und bin nun bei der 14. Folge angekommen. Ja, richtig gelesen: Obwohl es sich bei „Grail“ auf den DVDs (und bei der TV-Ausstrahlung) um Episode 1.15 handelt, schaue ich die Serie wie beim letzten Mal erwähnt in der von Serienschöpfer J. Michael Straczynski (JMS) empfohlenen Reihenfolge an, die vor allem in der ersten Staffel eine deutlich andere ist. Die genaue Reihenfolge könnt ihr ganz am Ende meines letzten Blogposts nachlesen. Die nächste Folge, die ich im Blog besprechen werde, wird dann Episode 1.16 sein.

Bevor ich nun zur aktuellen Episode komme, habe ich aber noch einen äußerst erfreulichen Hinweis: Es gibt ihn endlich, den ersten deutschsprachigen „Babylon 5“-Podcast. Er heißt „Der graue Rat“ und wurde von den langjährigen B5-Fans Raphael und Sascha ins Leben gerufen. Eine Einführungsepisode ist bereits online und demnächst gibt’s die Besprechung des Pilotfilms. Es kann gut sein, dass ich auch mal als Gast im Podcast zu hören sein werde. (Eine Übersicht über englischsprachige Podcasts zur Serie findet ihr übrigens hier.) Und nun ab durchs Hyperraumsprungtor zur Besprechung der Episode…

Episode 1.15 „Grail“ („Der Gral“)

Drehbuch: Christy Marx, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 06.07.1994 (USA), 12.11.1995 (Deutschland)

Die Ausgangssituation dieser Episode ist im Grunde dieselbe wie bei der letzten Folge – ein Besucher kommt an Bord der Station, um die Botschafter der außerirdischen Regierungen zu befragen. Im Gegensatz zu „Signs and Portents“ ist „Grail“ aber in erster Linie eine in sich abgeschlossene Geschichte, die nur wenig Relevanz für den großen story arc aufweist, auch wenn sich natürlich ein paar Verweise und Anspielungen auf Vergangenes (und Zukünftiges) finden lassen.
Mit Aldous Gajic (David Warner) kommt ein „wahrer Suchender“ an Bord der Station, so drückt es jedenfalls Delenn aus. Garibaldi dagegen rollt mit den Augen, als Aldous unmittelbar nach seiner Ankunft mitteilt, er sei auf der Suche nach dem heiligen Gral. Gajic ist der letzte Anghörige eines Ordens, dessen Mitglieder seit tausenden von Jahren nach dem Gral suchen. Da dieser auf der Erde bislang nicht gefunden wurde, ist die Suche inzwischen auf andere Planeten ausgeweitet worden. Auch Sinclair ist zunächst skeptisch, sehr zur Überraschung von Delenn. Es spiele keine Rolle, ob der heilige Gral tatsächlich existiere, erklärt sie Sinclair. Allein die Tatsache, dass Aldous Gajic sein ganzes Leben der Suche nach dem Gral verschrieben habe, mache ihn zu einer Person, der man hohen Respekt erweisen müsse. Sein unerschütterlicher Glaube und seine fortwährende Suche seien äußerst bewundernswert (siehe Zitate). Sinclair erwidert, er wünsche Gajic Glück bei seiner Suche, schließlich sei er wahrscheinlich der einzige „wahre Suchende“ unter den Menschen. Delenn antwortet darauf kryptisch: „Then perhaps you do not know yourself as well as you think.“ Das sollte man im Hinterkopf behalten…
Aldous Gajic wird von dem britischen Charakterdarsteller David Warner gespielt, der vor allem für seine Darstellung von Bösewichten bekannt ist und in zahlreichen Filmen, Serien, Videospielen und Theaterstücken zu sehen und/oder hören war. Hier darf er als sanfter und in sich ruhender Suchender so etwas wie würdevolle Autorität ausstrahlen, aber besonders viel kommt davon bei mir nicht an. Der Rest der Episode macht das nicht besser: Die banale Handlung um Thomas „Jinxo“ Jordan (Tom Booker), der dem fiesen Deuce (William Sanderson) Geld schuldet, ist ziemlich uninteressant. Zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung mag das von Deuce eingesetzte Monster in seiner ganzen CGI-Pracht noch beeindruckt haben (siehe „Hinter den Kulissen“), heute sieht es einfach nur lächerlich aus.

Ihr merkt schon, ich habe keine Lust mehr, die Episode hier weiter nach zu erzählen (das würde sich wahrscheinlich sowieso nicht besonders spannend lesen). Ich konzentriere mich also auf ein paar Punkte, die mir erwähnenswert scheinen: Tom Booker leistet als Jinxo meiner Meinung nach schauspielerisch keine besonders gute Arbeit, dafür habe ich mich aber gefreut, William Sanderson hier zu sehen. Der Mann hatte schon damals eine lange Karriere in Film und Fernsehen; ich kenne ihn unter anderem aus „Blade Runner“ und „True Blood“.
Für alle, die den Pilotfilm verpasst haben, wiederholt Jinxo in dieser Folge noch einmal, was mit den ersten vier Babylon-Stationen passiert ist. Die ersten drei wurden durch Sabotageakte noch vor der Fertigstellung zersört, während Station Nummer vier kurz nach ihrer Inbetriebnahme einfach verschwand und seitdem nie wieder gesehen wurde. Auch das sollte man im Hinterkopf behalten…
Delenn versichert Aldous, sie werde Informationen über den Gral sofort an ihn weiterleiten. Auch Londo stattet der Suchende einen Besuch ab, doch der Centauri-Botschafter erweist sich als weniger entgegenkommend und sieht in Adlous‘ Gesuch vor allem eine Möglichkeit, Profit zu schlagen. Doch seinem Assistenten Vir ist Profitsucht fast vollkommen fremd; naiv und „effizient“, wie er es bezeichnet, händigt er Aldous alle Informationen aus, die er in den Datenbanken der Centauri zum Gral finden konnte. Die Darstller von Londo und Vir – Peter Jurasik und Stephen Furst – sind im Zusammenspiel wunderbar und zusammen mit der passenden Musik ergibt sich hier eine herrliche Comedy-Szene (allerdings sehen Virs Haare in dieser Episode schrecklich aus).
Auch wenn wie gesagt von der Würde und Autorität von Aldous Gajic bei mir nicht besonders viel ankommt, so ist diese Figur doch typisch für „Babylon 5“. Aldous ist nicht nur ein Suchender, sondern auch ein Idealist, der nicht aufgibt. Seine Suche nach dem Gral steht für die Suche nach dem Sinn im Leben auf der wir alle sind. Auch fast alle Charaktere in „Babylon 5“ sind auf dieser Suche. Londo beispielsweise glaubt, Erfüllung nur darin finden zu können, seiner Heimatwelt ihre alte Bedeutung wiederzugeben oder es zumindest zu versuchen. Sinclair dagegen scheint sich noch gar nicht bewusst zu sein, was seine Bestimmung ist und auf welchen Weg er sich begeben soll. Doch wie oben schon erwähnt hält Delenn auch ihn für einen wahren Suchenden, der nur noch nicht weiß, auf welcher Reise er sich befindet. In der Szene mit Delenn-Darstellerin Mira Furlan am Ende der Episode kann Michael O’Hare als nachdenklicher, zweifelnder und Hilfe suchender Sinclair jedenfalls voll und ganz überzeugen und es wird nachvollziehbar, warum gerade er als Sinclair gecastet wurde.

Highlight der Episode: Die Gerichtsverhandlung am Anfang, bei der ein Mensch ein Alien verklagt, weil dessen Großvater einst seinen Großvater entführt haben soll. Diese Szene wurde von JMS in die Folge eingefügt, da das Drehbuch von Christy Marx etwas zu kurz geraten war. JMS zufolge gewann übrigens der Mensch den Fall, aber die Entschädigung, die ihm zugesprochen wurde, war nur minimal.

Londo/G’Kar-Moment: G’Kar kommt in der Episode leider nicht vor, dafür spielt Garibaldi Londo aber einen bösen Streich und macht ihm Angst vor dem Na’ka’leen Feeder.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Aldous fragt Delenn, ob die zwei Seiten ihrer Kultur (gemeint sind die zwei Kasten, siehe „weitere interessante Punkte“) sich jemals auf eine Sache einigen können. „Yes“, antwortet Delenn. „And when they do, it is a terrible thing. A terrible power, as recent events have shown us.“ Damit spielt sie auf den Krieg zwischen den Minbari und den Menschen an, in dem die Minbari die Menschheit fast vernichtet hätten.
  • Sinclair informiert Kosh darüber über die Täuschung von Deuce. Als er Kosh sagt, einige Leute seien nervös, weil niemand genau wisse, wie Kosh aussehe, antwortet dieser einfach: „Gut.“

Sonstige Fragen:

  • Wir erleben die Reaktionen von Londo, Delenn und Sinclair auf Aldous Gajic und seine Mission, aber wie hätte G’Kar darauf reagiert? Hätte er in der Suche nach dem Gral einen noblen Akt oder lächerliche Zeitverschwendung gesehen?
  • Woher hatte Deuce eigentlich den täuschend echten Nachbau von Koshs Anzug? Kosh wird dafür ja wohl kaum Modell gestanden haben…

Weitere interessante Punkte:

  • Lennier erklärt Thomas und Aldous, dass es zwei Minbari-Kasten gibt. Tatsächlich erfahren wir später in der Serie, dass es drei Kasten gibt (religiöse, Krieger- und Arbeiterkaste). Warum spricht Lennier hier also nur von der religiösen und der Kriegerkaste? JMS hat sich wohl erst im Verlauf der Serie dazu entschlossen, die Kultur und Weltanschauung der Minbari um die Zahl Drei herum aufzubauen. Wir werden in den späteren Staffeln jedenfalls Angehörige aller drei Kasten zu sehen bekommen.
  • Als Thomas am Ende der Episode Aldous‘ Nachfolge als Suchender antritt, verlässt er die Station auf einem Raumschiff namens Mary Celeste. JMS bezeichnet diese Tatsache als ein Beispiel „wirklich perversen Humors“, denn bei der Mary Celeste handelt es sich um ein berühmtes Geisterschiff. Es wurde 1872 im Atlantik treibend aufgefunden, ohne Hinweise auf den Verbleib der Crew. Da kann man nur hoffen, dass die Mary Celeste mit „Jinxo“ an Bord heil an ihr Ziel kommen wird…
  • Zum ersten Mal haben wir hier einen Fall von „mind wiping“, also kompletter Gedächtnislöschung. Dr. Franklin berichtet, man werde der Frau, die Opfer des Feeders geworden ist, all ihre Fähigkeiten neu beibringen müssen wie einem kleinen Kind.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Aldous Gajic trägt denselben Nachnamen wie der Ehemann von Delenn-Darstellerin Mira Furlan, Goran Gajić.
  • Mr. Flinn, der in der Gerichtsszene das Alien verklagt (siehe „Highlight der Episode“), wird vom Kameramann der Serie gespielt, John C. Flinn III. Dieser war bereits früher immer wieder als Schauspieler tätig gewesen, war zu diesem Zeitpunkt jedoch lange nicht mehr vor der Kamera gestanden. Da JMS die Figur im Drehbuch jedoch Flinn genannt und bereits allen Crewmitgliedern mitgeteilt hatte, dass John Flinn die Rolle übernehemen werde, konnte er sich nicht mehr aus der Affäre ziehen und musste die kleine Rolle übernehmen.
  • „Grail“ ist die letzte Episode, bei der Richard Compton Regie geführt hat. Compton war als Regisseur für den Pilotfilm und insgesamt fünf Folgen der ersten Staffel verantwortlich.
  • Wenn auch der „Na’ka’leen Feeder“ wie gesagt heute einfach nur noch billig aussieht, so war eine solche computergenerierte Figur damals fürs Fernsehen geradezu revolutionär. Je nachdem, welcher Quelle man glaubt, brauchten die Computer von Foundation Imaging damals ein bis zwei Wochen, um die Kreatur zu rendern.
  • Am Anfang der Episode setzt Deuce Thomas ein Zeitlimit von „300 cycles“. Diese „Umdrehungen“ sollten anfangs als Zeiteinheit auf Babylon 5 verwendet werden, doch JMS entschied sich schnell wieder um, da die Zuschauer mit dieser Zeitangabe nicht viel anfangen können. In zukünftigen Episoden werden Umdrehungen der Station nicht mehr als Zeiteinheit verwendet.

Zitate:

Delenn: „Among my people, a true seeker is treated with the utmost reverence and respect. It doesn’t matter that this Grail may or may not exist. What matters is that he strives for the perfection of his soul and the salvation of his race. That he has never wavered or lost faith.“

Sinclair: „One person’s lunatic is another person’s true seeker.“
Garibaldi: „You’ve been hanging around with Delenn too much.“

Londo: „Fools to the left of me, feeders to the right. I need to find a real job!“

Ivanova: „No boom today. Boom tomorrow. There’s always a boom tomorrow.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.16 „Eyes“

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Babylon 5 – Episode 1.13 „Signs and Portents“

Nach einigen Monaten Pause geht mein Rewatch von „Babylon 5“ nun endlich weiter. Ich hatte die lange Pause nicht geplant, sie hat sich einfach so ergeben. Aber es eilt ja nicht.
Einen organisatorischen Hinweis habe ich an dieser Stelle noch: Ich werde die Serie im Verlauf des Rewatch nicht in der auf den DVDs vorgegebenen Reihenfolge anschauen, sondern in der von J. Michael Straczynski (JMS) empfohlenen Reihenfolge. Diese entspricht im Großen und Ganzen der hier aufgelisteten Episodenabfolge, allerdings mit dem Unterschied, dass ich einige der „Babylon 5“-Fernsehfilme erst nach dem Ende der Serie anschauen und besprechen werde, auch wenn sie chronologisch zum Teil während der Serienhandlung einzuordnen sind. So macht des dramaturgisch und spannungstechnisch mehr Sinn – zumindest wenn man die Serie zum ersten Mal anschaut (und ich werde mich bemühen, die Blogposts weiterhin frei von größeren Spoilern zu halten). Ganz besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass ich natürlich nicht mit dem Film „In The Beginning“ begonnen habe, wie es die Liste vorschlägt. Zwar ist der Film ein Prequel, spielt also vor der Serienhandlung, doch spoilert er entscheidende Elemente der Serie und sollte frühestens in der Mitte der vierten Staffel angeschaut werden.

Die Reihenfolge der Serienepisoden auf den DVDs (und bei der Fernsehausstrahlung) entspricht in einigen Fällen nicht der von den Serienmachern beabsichtigten Reihenfolge. Die meisten Veränderungen in der Reihenfolge finden sich in der zweiten Hälfte der ersten Staffel. Im nächsten Blogpost werde ich deshalb nicht Episode 1.14 beprechen, sondern 1.15 („Grail“ / „Der Gral“). Ganz am Ende dieses Blogposts findet ihr die Reihenfolge, in der ich die erste Staffel anschauen werde. Alle Änderungen gegenüber den DVDs sind dort hervorgehoben.
Jetzt aber genug der langen Vorrede und weiter mit der aktuellen Episode:

Episode 1.13 „Signs and Portents“ („Visionen des Schreckens“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 18.05.1994 (USA), 29.10.1995 (Deutschland)

„Signs and Portents“ ist eine der wichtigsten Episoden und eine meiner Lieblingsfolgen aus der ersten Staffel. Die zentrale Bedeutung der Episode für die Serienhandlung lässt sich schon daran ablesen, dass ihr Titel zugleich auch der Titel der gesamten ersten Staffel ist. (Im Deutschen hat man der Staffel den Titel „Zeichen und Wunder“ gegeben, was näher am Original und auch auf jeden Fall passender ist als „Visionen des Schreckens“. Bei den kommenden Staffeln hat man da leider nicht mehr mitgedacht, so dass die Staffeln 3 und (ganz besonders) 4 leider Titel tragen, die nicht zu den episodenübergreifenden Inhalten und Themen der Staffeln passen.)
Mit dem charismatischen, aber unheimlichen Mr. Morden (Ed Wasser) betritt in dieser Folge erstmals eine wichtige Figur die Station, die wir im Verlauf der Serie noch öfter sehen werden. Von Anfang an umgibt ihn eine Aura des Mysteriösen und Bedrohlichen. Als er bei der Passkontrolle gefragt wird, ob er bei seiner mehrere Jahre dauernden Forschungsreise am äußeren Rand der Galaxis etwas Interessantes gefunden habe, antwortet er schlicht mit „Ja“. Nicht nur Mordens Hintergrund, sondern auch der Zweck seines Aufenthaltes auf Babylon 5 sind dem Zuschauer auch nach dem Ende der Episode noch ein Rätsel: Nacheinander sucht er die Botschafter der außerirdischen Regierungen auf, um ihnen eine einfache, aber absurd wirkende Frage zu stellen: „What do you want?“
Narn-Botschafter G’Kar (Andreas Katsulas) ist der Erste, den Morden aufsucht. Nachdem er von Mordens sinnlos wirkender Frage zunächst genervt ist und antwortet, er wolle ganz einfach von ihm in Ruhe gelassen werden, öffnet er ihm sich schließlich doch und gibt eine ausführlichere und ehrliche Antwort: Er will Rache an den Centauri für die Verwüstung seiner Heimatwelt, er will es ihnen gleichtun und auch ihren Planeten verwüsten und sie komplett auslöschen. „And then what?“, fragt Morden. „I don’t know“, antwortet G’Kar. „As long as my homeworld’s safety is guaranteed, I don’t know that it matters.“ Damit hat Morden genug gehört und lässt G’Kar wieder allein. Dessen Antwort sagt eine Menge über ihn aus: G’Kar ist getrieben vom Gedanken der Rache an den Centauri. Zwar bekleidet er eine diplomatische Position auf Babylon 5, doch sein Handeln wird vor allem von Hass getrieben – dem Hass auf die Centauri. Um sich an ihnen zu rächen, ist ihm jedes Mittel recht. Darüber hinaus scheint er aber zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Ambitionen zu haben – und ohne zu viel zu verraten: genau das ist es wohl, was ihn für Morden letztlich nicht interessant macht.
Weitaus mysteriöser und rätselhafter für den Zuschauer gestaltet sich Mordens Termin bei der Minbari-Botschafterin Delenn (Mira Furlan). Während sie mit ihm spricht, arbeitet sie an einem seltsamen Gebilde, das aussieht, als sei es aus bunten Glasscheiben zusammengesteckt. Von Anfang an wirkt sie Morden gegenüber misstrauisch, wird dann plötzlich offen feindselig und wirft ihn energisch aus ihrem Quartier. Während auf einmal ein dunkler Schatten über Morden fällt, leuchtet auf Delenns Stirn ein dreieckiges Symbol auf, welches sie rasch mit ihrer Hand verdeckt. Nachdem Morden gegangen ist, murmelt sie entsetzt „They’re here.“ Doch wen meint sie damit und was bedeutet das alles?

Die Hauptperson der Episode ist zweifellos Londo Mollari (Peter Jurasik). Schon im Pilotfilm wurde etabliert, wie sehr der Centauri-Botschafter den glorreichen alten Zeiten der Republik nachtrauert. Nun ist es ihm gelungen, das „Auge“ in seinen Besitz zu bringen, einen lange verschollenen Kunstgegenstand, der sich bereits im Besitz des ersten Imperators befand. Das Auge soll dabei helfen, die Autorität des politisch geschwächten Imperators zu stärken und so der Centauri-Republik etwas von ihrer alten Stärke zurückzugeben.
Londo empfängt Lord Kiro (Gerrit Graham) und dessen Tante Lady Ladira (Fredi Olster) auf Babylon 5. Kiro soll das Auge zurück nach Centauri Prime bringen und dem Imperator übergeben. Gleich nach ihrer Ankunft auf der Station hat Lady Ladira, die über hellseherische Fähigkeiten verfügt, eine Vision von „Tod, Zerstörung und Feuer“. „Babylon will fall, this place will be destroyed“, teilt sie Londo und Kiro mit. Damit bezieht sie sich allerdings nicht auf den Angriff der Raiders auf die Station, der in dieser Folge stattfindet. Am Ende der Episode lässt sie Sinclair (Michael O’Hare) – und mit ihm den Zuschauer – durch eine telepathische Verbindung an ihrer Vision teilhaben: Wir sehen, wie Babylon 5 explodiert, während ein einzelnes Raumschiff die Station noch rechtzeitig verlässt. JMS wurde nach der Ausstrahlung der Episode gefragt, ob das hier gezeigte Ende der Raumstation nicht viel zu viel verrate. Doch JMS war der Ansicht, dass es eines der Hauptelemente jedes Dramas sei, dem Zuschauer (bzw. Leser) Informationen zu geben, über die die Figuren in der Geschichte noch nicht verfügen. Die Spannung ergebe sich dann daraus, dass man zwar wisse, was passieren wird, jedoch noch unklar sei, auf welche Weise dies geschehen würde (vgl. Asked & Answered Part 4, S. 1559). Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten (ich will ja nicht spoilern): Lady Ladiras Vision enthält tatsächlich viel Wahres. Gleichzeitig sollte man aber auch ihre Bemerkung, die Zunkunft verändere sich ständig, im Hinterkopf behalten. Denn dies lässt sich auch auf die Produktionsgeschichte von „Babylon 5“ beziehen. Verschiedene äußere Umstände zwangen JMS im Verlauf der Produktion nämlich dazu, die Handlung der Serie und damit auch ihr Ende mehrmals umzuschreiben und an die äußeren Umstände (z.B. den Ausstieg von Darstellern) anzupassen. Lady Ladiras Vision entsprach tatsächlich dem von JMS damals geplantem Ende für die Serie – ein einzelnes Shuttle, das die exlodierende Station verlässt. Die Spannung ergab sich daraus, dass man als Zuschauer natürlich nicht wusste, wodurch Babylon 5 zerstört wird und wer sich an Bord des Shuttles befindet. Das tatsächliche Ende der Serie entsprach 1998 dann nicht mehr ganz Lady Ladiras Vision… Aber mehr will ich hier nicht verraten.
Lord Kiro nimmt die Visionen seiner Tante jedenfalls nicht ernst, schließlich habe sie an seinem ersten Geburtstag vorhergesagt, er würde eines Tages von Schatten getötet werden. Genau wie Londo will er die Republik zu ihrer alten Größe zurückführen. Er verspricht Londo, das Auge sicher nach Centauri Prime zu bringen und der Versuchung zu widerstehen, es bloß zum eigenen Vorteil einzusetzen. Wie wir am Ende der Episode herausfinden, war das gelogen.
Als Londo sich auf den Weg macht, Lord Kiro das Auge zu übergeben und ihn zu verabschieden, wird er von Mr. Morden abgefangen. Dieser stellt ihm die gleiche Frage, die er auch schon G’Kar und Delenn gestellt hat: „What do you want?“ Zunächst ist auch Londo genervt von Mordens Fragerei, doch als dieser nicht locker lässt, gibt auch Londo ihm eine ehrliche und ziemlich ausführliche Antwort. Wie sich am Ende der Episode herausstellt, scheint es genau die Antowrt gewesen zu sein, nach der Morden gesucht hat, anders als die Reaktionen von G’Kar und Delenn. Der Grund dafür, liegt – ohne zuviel zu verraten – darin, dass Londos Antwort genau die richtige Mischung an „resentment, nostalgia, ambition, frustration and a sense of displaced destiny“ zum Ausdruck kommen lässt, wie JMS angemerkt hat (vgl. Asked & Answered Part 4, S. 1560).

Die B-Story der Episode dreht sich mal wieder um Angriffe der schon aus „Believers“ oder „Midnight on the Firing Line“ bekannten Raiders. Sinclair, Garibaldi und Ivanova sind ratlos, wie die Raiders immer wieder so schnell zuschlagen und sofort wieder verschwinden können, schließlich können ihre kleinen Schiffe keine eigenen Hyperraumsprungtore öffnen. Als erneut ein Transportschiff von den Raiders angegriffen wird und um Hilfe ruft, schickt Sinclair das Delta-Geschwader unter dem Kommando von Ivanova los. Er kommt jedoch darauf, dass dieser Angriff nur ein Ablenkungsmanöver ist und beordert Ivanova zurück zur Station. Auf Babylon 5 fängt Sinclair Londo, Lord Kira und Lady Ladira ab, die sich in der Gewalt der Raiders befinden. Lord Kiro wird jedoch als Geisel genommen und die Raiders können mit ihm – und dem Auge – an Bord von Kiros Schiffes von der Station fliehen.
Kurz darauf wird das Rätsel um die Raiders gelöst: Ein großes „Mutterschiff“ taucht vor der Station auf, das all die kleineren Jäger in sich aufnehmen und ein eigenes Sprungtor schaffen kann. Es kommt zum Feuergefecht zwischen Babylon 5 und den Raiders. Zwar werden die meisten Jäger der Raiders vernichtet, doch das Mutterschiff nimmt das gekaperte Centauri-Schiff auf und springt in den Hyperraum. Lord Kiro und das Auge befinden sich nun endgültig in den Händen der Raiders, so scheint es jedenfalls.
Wir erfahren in einer der nächsten Szenen jedoch, dass Lord Kiro von Anfang an mit den Raiders zusammen gearbeitet hat. Diese halten sich nun aber nicht mehr an die zuvor getroffene Abmachung und wollen von der Centauri-Regierung Lösegeld für Lord Kiro und das Auge erpressen. Plötzlich taucht neben dem Raiders-Mutterschiff ein großes, schwarzes Schiff (wenn es denn ein Schiff ist!) auf. Es zerschneidet das Raiders-Schiff geradezu mit einem hellen Strahl. Die Raiders, Lord Kiro und das Auge scheinen nun Geschichte zu sein.

Doch in einer weiteren Wendung der Geschichte taucht Mr. Morden plötzlich wieder bei Londo auf. Offenbar hat er sich zu einer „Zusammenarbeit“ mit Londo entschlossen, der sein Glück gar nicht fassen kann, als Morden ihm das verloren geglaubte Auge zurück bringt. Warum Morden ihm überhaupt diesen Gefallen tut und wie er das Auge in seinen Besitz bringen konnte, fragt sich Londo in seiner Euphorie erst einmal nicht. Beim Zuschauer bleibt allerdings der dringende Verdacht, dass Morden früher oder später eine Gegenleistung von Londo einfordern wird. Dementsprechend bedrohlich klingt auch das körperlose „We will find you, ambassador“, mit dem er sich von Londo verabschiedet.

In einem dritten Handlungsstrang wird Garibaldi von Sinclair beauftragt, mehr über die Lücke in Sinclairs Gedächtnis heraus zu finden. Diese 24 Stunden während der letzten Schlacht der Menschen im Krieg gegen die Minbari war zuletzt in „And the Sky Full of Stars“ ein wichtiges Thema. Sinclair ist sich zwar sicher, damals Delenns Gesicht vor sich gesehen zu haben, doch darüber hinaus kann er sich an nichts erinnern und vermutet, dass die Minbari die Erinnerung aus seinem Gedächtnis gelöscht haben. Aber die Erinnerung an was genau? Das erfahren wir hier auch nicht. Garibaldi findet immerhin heraus, dass Sinclair auf der Wunschliste der Kandidaten für den Kommandoposten von Babylon 5 ziemlich weit unten stand, den Posten bekanntlich aber trotzdem bekommen hat. Der Grund dafür: Die Minbari hatten alle anderen Kandidaten abgelehnt. Aber warum? Was haben sie mit Sinclair angestellt (oder über ihn herausgefunden), das der Grund dafür sein könnte?

„Signs and Portents“ ist eine Episode, die das „Babylon 5“-Universum ein ganzes Stück weit öffnet. Hier werden entscheidende Weichen für künftige Entwicklungen gestellt. Es liegt in der Natur einer solchen Folge, dass dabei mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden. Aber wir befinden uns ja auch erst in der Mitte der ersten Staffel. Schaut man die Episode zum ersten Mal an, bleiben ein paar große Fragen zurück (siehe unten) und man realisiert das Ausmaß der Entwicklungen, die hier ihren Anfang nehmen, noch gar nicht. Hat man jedoch bereits die ganze Serie gesehen, dann wird die Bedeutung dieser Episode sofort klar. Mr. Morden etwa wird noch eine wichtige Rolle spielen, um nur ein Beispiel zu nennen und nicht zuviel zu verraten. Seine Herkunft wird im weiteren Verlauf der Serie ebenso geklärt werden wie die des seltsamen, schwarzen Schiffs. Nach den meistens in sich abgeschlossenen Episoden, die die erste Staffel bisher zu bieten hatte, ist „Signs and Portents“ ein erstes Anzeichen des großen Handlungsbogens, der im Lauf der Serie immer deutlicher zutage tritt. Das Abenteuer hat gerade erst begonnen.

Highlight der Episode: Das Auftauchen des völlig unbekannten, spinnartigen, schwarzen Raumschiffs und all die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden: Zu wem gehört dieses Schiff? Handelt es sich hier um eine noch nicht bekannte Spezies? Warum zerstören sie das Raiders-Schiff? Und in welcher Beziehung steht dieses schwarze Schiff zu Mr. Morden?

Londo/G’Kar-Moment: Die herrliche Szene, in der sich die beiden streiten, während sie auf den Lift warten. Die Spielfreuede der beiden Darsteller ist hier deutlich spürbar und die Szene stellt ein frühes Beispiel für die vielen großartigen Momente zwischen den beiden Figuren dar. Es hat übrigens symbolhaften Charakter, dass hier ein Mensch gewissermaßen zwischen dem Narn und dem Centauri eingekeilt ist. Genau wie bei dem Bild der explodierenden Raumstation haben wir es auch hier mit „Foreshadowing“ zu tun, wenn auch auf etwas subtilerem Weg.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Mr. Morden und seine Frage „What do you want?“ werden eingeführt. Lady Ladira erwähnt mehrmals, die „Schatten“ seien gekommen, um Lord Kiro zu holen („The shadows have come for Lord Kiro“). Bei seinem Treffen mit Delenn fällt plötzlich ein Schatten über Mr. Morden. Was das alles genau bedeutet und wie es zusammenhängt, darf ich freilich noch nicht verraten.

Sonstige Fragen:

  • Warum hat Morden keinem Vertreter der Menschen seine Frage gestellt? Wen repräsentiert er überhaupt?
  • Warum stellt er Kosh seine Frage nicht? Zunächst scheint er Kosh bewusst aus dem Weg zu gehen. Als er später doch auf ihn trifft, warnt Kosh ihn: „Leave this place. They are not for you. Go. Leave! Now.“ Was meint Kosh damit?
  • Wodurch wurde Koshs Schutzanzug beschädigt? (Garibaldi erwähnt das am Ende der Folge im Gespräch mit Sinclair.) Hat das etwas mit seiner Begegnung mit Mr. Morden zu tun?
  • Was baut Delenn da in ihrem Quartier zusammen? Handelt es sich dabei um ein Geschicklichkeitsspiel, eine Meditationstechnik oder etwas völlig anderes?
  • Was bedeutet das Symbol auf Delenns Stirn und warum erscheint es, als ihr Morden gegenübertritt?

Weitere interessante Punkte: 

  • „What do you want?“ ist eine der zwei zentralen Fragen, um die die Serie aufgebaut ist. Die zweite Frage – und das an sich ist kein großer Spoiler – lautet „Who are you?“. JMS zufolge können die Antworten auf diese Fragen einen positiven oder zerstörerischen Einfluss auf einen haben, je nachdem in welcher Reihenfolge man die Fragen für sich beantwortet. Weiß man, wer man ist, bevor man gefragt wird, was man will, wird die Antwort wahrscheinlich eine konstruktive sein. Wenn man sich aber noch nicht so weit mit sich selbst auseinander gesetzt hat, dass man die „Who are you?“-Frage für sich beantwortet hat und dann aber gefragt wird „What do you want?“, kann einen die Antwort auf einen zerstörerischen Pfad führen. (Nach Jane Killick: Babylon 5 – Season by Season. Signs and Portents. S. 115.)
  • Am Ende der Episode sehen wir Sinclair und Garibaldi tatsächlich auf der Toilette. Ein nettes Detail, das dazu beiträgt, Babylon 5 zu einer glaubhaften Umgebung zu machen.
  • Das „Babylon 5“-Thema während des Abspanns wird hier erstmals in einer Moll-Tonart gespielt.
  • In der Szene mit Morden und Kosh erlischt plötzlich eine der Lampen. Mir ist das ehrlich gesagt gar nicht selbst aufgefallen, aber ist schon beabsichtigt und führt natürlich zu der Frage, wer oder was dafür verantwortlich ist…
  • G’Kar beleidigt Londo mit dem Ausdruck „And you can kiss my pouch“. Ich weiß nicht, ob ich das im Blog schon einmal erwähnt habe, aber diese Redewendung kommt natürlich daher, dass Narn ihren Nachwuchs wie Kängurus in Beuteln austragen.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Mordens Technik, einfach immer wieder so lange die gleiche Frage zu stellen, bis sein Gegenüber sich ihm öffnet und er eine befriedigende Antwort erhält, hat JMS sich von einer Praktik der Syanon-Selbsthilfeorganisation abgeschaut.
  • Folgende von JMS überlieferte Geschichte ist zu gut, um sie nicht auch hier wiederzugeben:
    Morden-Darsteller Ed Wasser wollte nach der ersten Ausstrahlung der Episode für einen kranken Freund Blumen kaufen. Im Geschäft fragte ihn der Florist „What do you want?“ und Wasser murmelte etwas von Blumen. Der Florist fragte erneut „What do you want?“ und Wasser, der die Anspielung immer noch nicht kapierte, antwortete er wolle einem kranken Freund ein nettes Geschenk machen. „Yes, but what do you want?“, fragte der Florist nochmals und Wasser verstand endlich, was vor sich ging. Er fühlte sich durch die Vorgehensweise des Floristen in die Enge getrieben – und genau das wollte JMS in „Babylon 5“ mit dieser Fragetechnik auch erreichen. (Der Florist fügte übrigens noch hinzu, dass er glaubte, die Szene in einer Folge von „Deep Space Nine“ gesehen zu haben…)

Zitate:

Ivaova (direkt nach dem Aufwachen zu sich selbst): „Why does my mouth always taste like old carpet in the morning?“
Computer: „Unknown. Checking medical logs.“

Londos Antwort auf Mordens Frage: „I want my people to reclaim their rightful place in the galaxy. I want to see the Centauri stretch forth their hand again and command the stars. I want a rebirth of glory, a renessaince of power. I want to stop running through my life like a man late for an appointment, afraid to look back or to look forward. I want us to be what we used to be. I want… I want it all back the way that it was.“

Lady Ladira: „The future is always changing. We create the future, with our words, our deeds, and with our beliefs. This is a possible future, Commander. And it is my hope that you may yet avoid it.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.15 „Grail“

 


Die Reihenfolge, in der ich die Episoden der ersten Staffel hier im Blog besprechen werde, entspricht wie oben erwähnt der von JMS empfohlenen Reihenfolge (Änderungen gegenüber der Reihenfolge auf den DVDs sind markiert; klickt die Titel an, um zum entsprechenden Blogpost zu gelangen):

1.01    Midnight on the Firing Line                                           
1.02    Soul Hunter
1.03    Born to the Purple
1.04    Infection
1.05    The Parliament of Dreams                                                 
1.06    Mind War
1.07    The War Prayer
1.08    And The Sky Full Of Stars
1.09    Deathwalker                                                                         
1.10    Believers
1.11    Survivors
1.12    By Any Means Necessary
1.13    Signs and Portents     
1.15    Grail
1.16    Eyes
1.18    A Voice in the Wilderness – Part 1
1.19    A Voice in the Wilderness – Part 2

1.20    Babylon Squared
1.21    The Quality of Mercy
1.14    TKO
1.17     Legacies                                                                              

1.22    Chrysalis                 

Babylon 5 – Episode 1.12 „By Any Means Necessary“

J. Michael Straczynskis neue Serie „Sense8“ ist inzwischen auf Netflix zu sehen und ich werde natürlich auch dazu einen Blogpost schreiben (es dauert allerdings noch eine Weile, bis ich dazu komme). Bei „Babylon 5“ bin ich nun bei der zwölften Folge der ersten Staffel angekommen. Bei der nächsten Episode handelt es sich dann um eine meiner Lieblingsfolgen und auch um die Folge, die der ganzen ersten Staffel ihren Titel gibt („Signs and Portents“). Danach werde ich von der Reihenfolge auf den DVDs abweichen und mich an die von J. Michael Straczynski vorgeschlagene Reihenfolge halten. Darauf werde ich aber im nächsten Blogpost noch einmal genauer hinweisen. Jetzt widme ich mich erst einmal der aktuellen Folge:

Episode 1.12 „By Any Means Necessary“ („Mit allen Mitteln…“)

Drehbuch: Kathryn M. Drennan, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 11.05.1994 (USA), 22.10.1995 (Deutschland)

Die Handlung dieser Episode dreht sich um eine Angelegenheit, die man 1994 nicht unbedingt in einer Science-Fiction-Serie erwartet hätte: Die Arbeitsbedingungen der Dockarbeiter auf Babylon 5 und den (illegalen) Streik, in den sie treten, nachdem einer von ihnen bei einem Unfall ums Leben gekommen ist und die Erdregierung danach  immer noch nicht zu Zugeständnissen bereits ist.
Die Folge beginnt mit dem ganz alltäglichen Chaos, mit dem sich Susan Ivanova (Claudia Christian) konfrontiert sieht. Zu ihren Aufgaben gehört es, ankommende Schiffe über Funk in die Andockbuchten zu lotsen. Als sich der Captain des Narn-Frachters Tal’Quith nicht an Ivanovas Anweisungen hält, kommt es zu einem tragischen Unfall, bei dem nicht nur ein Teil des Schiffes explodiert, sondern auch ein Dockarbeiter getötet wird. Dabei bekommen wir nicht nur Ivanova zu sehen, die den Schiffsverkehr aus der Kommandozentrale regelt, sondern werfen auch einen Blick in die Andockbuchten, wo unter den Arbeitern rege Geschäftigkeit und schließlich Chaos herrschen. Genau dies unterscheidet die Episode von zahlreichen anderen Science Fiction-Serien, in denen häufig nur Offiziere, Wissenschaftler und Diplomaten im Mittelpunkt stehen (und es wird in der fünften Staffel eine weitere Folge geben, die aus der Sicht zweier einfacher Arbeiter auf der Station erzählt wird).

Der getötete Arbeiter war der Bruder des leitenden Dockarbeiters Eduardo Delvientos (José Rey), entsprechend groß ist Delvientos‘ Wut. Neeoma Connally (Kate Boyer), die Sprecherin der Dockarbeiter, macht Sinclair klar, dass sich die Arbeitsbedingungen der Dockarbeiter ändern müssen. Zu lange schon arbeiten sie für geringen Lohn, machen zu viele Überstunden und sind zudem auch noch schlecht ausgerüstet. Alle bisherigen Versprechungen der Erdregierung, daran etwas zu ändern, sind ohne Konsequenzen geblieben. Sinclair ist sich dieser Probleme bewusst. Schon lange versucht er, den Senat von einer Erhöhung des Budgets für Babylon 5 zu überzeugen. Dass er dabei keinen Erfolg hatte, zeigt wieder einmal, dass die vor etwa eineinhalb Jahren unter so großen Hoffnungen in Betrieb genommene Raumstation auf der Erde längst nicht mehr wirklich wichtig genommen wird. Babylon 5 ist weit weg von der Erde, wo man zudem andere, viel wichtigere Probleme hat. In einem Gespräch mit Senator Hidoshi (Aki Aleong) macht Sinclair diesem die Dringlichkeit der Situation klar, muss jedoch erneut hören, dass der Senat das Budget für Babylon 5 vorerst nicht erhöhen wird.

Da es den Dockarbeitern vertraglich verboten ist, zu streiken, melden sich die meisten von ihnen krank. Sicherheitschef Michael Garibaldi konfrontiert Connally damit und sagt ihr ohne Umschweife, dass es sich dabei um einen illegalen Streik und eine seiner Meinung nach sehr dumme Idee handelt. Connally hatte sich von Garibaldi eigentlich mehr Verständnis erhofft, da sie in ihm einen „blue-collar worker“ sieht, also ebenfalls einen Angehörigen der Arbeiterklasse.
Auch Sinclair ist von der Entwicklung natürlich nicht begeistert. Falls die Dockarbeiter nicht zurück an die Arbeit gehen, droht die Durchsetzung des „Rush Act“, eines Gesetzes, das die Beendigung des Streiks mit allen Mitteln erlaubt. Connally hält dies für unwahrscheinlich, doch Sinclair warnt sie: „Don’t be so sure about this. Things are changing on Earth, and not all for the best.“ Was er ganau damit meint, darüber können wir nur spekulieren. (Wie so oft handelt es sich dabei um eine Entwicklung, die vor allem im Rückblick klar wird. Fürs erste sollte der „Babylon 5“-Zuschauer Sinclairs Worte einfach mal im Hinterkopf behalten.) Connally bleibt jedenfalls hart und fordert für ihre Arbeiter eine angemessene Bezahlung, bessere Ausrüstung und mehr Arbeitskräfte. Bevor diese Bedingungen erfüllt werden, kehren ihre Leute nicht an die Arbeit zurück.

Um eine Beendigung des Streiks zu erreichen, schickt der Senat einen Schlichter auf die Station. Orin Zento (John Snyder) scheint allerdings entweder ein sehr merkwürdiges Verständnis der Bezeichnung „Schlichter“ zu haben oder aber er wurde vom Senat nicht dazu bevollmächtigt, irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Er wiederholt im Gespräch mit den Arbeitern jedenfalls nur das ewige Mantra, die Zeiten seien schlecht und es müsse gespart werden. Dass das Militätbudget der Station erhöht worden ist, erklärt er damit, dass Babylon 5 nun mal eine militärische Einrichtung sei, die essentiell zur Verteidigung der Erde essentiell ist. Warum eine weit von der Erde entfernte Raumstation so wichtig für die Verteidigung der Erde sein soll, verrät er allerdings nicht.
Auch wie sich der Senat von Zento irgendeine Entschärfung der Situation erhofft hat, bleibt angesichts von dessen Verhalten ein Rätsel. Es tritt dann auch genau das Gegenteil ein: die Arbeiter treten nun offiziell in einen illegalen Streik. Als Zento auch danach zu keinerlei Zugeständnissen bereit ist, setzt der Senat den Rush Act durch – und falls es das war, was Zento und der Senat von Anfang an wollten, dann haben sie nicht mit Sinclairs Einfallsreichtum gerechnet. Der bekommt nämlich von Senator Hidoshi die klare Anweisung, nun so mit der Lage umzugehen, wie er es für richtig hält. Er überrascht alle Anwesenden, als er vor die Arbeiter tritt und eine Lösung für das Problem vorschlägt, die erst durch die ihm durch den Rush Act eingeräumten Vollmachten möglich geworden ist und die wohl niemand vorhergesehen hat. Er verwendet einfach 1,3 Millionen Credits des erhöhten Militärbudgets, um neue Ausrüstung anzuschaffen und neue Arbeitskräfte einzustellen. Zento ist fassungslos, Connally und ihre Arbeiter sind überglücklich. Von Zento darauf angesprochen, dass diese Handlung wirklich nicht im Sinne des Rush Acts sei, erwidert Sinclair: „You should never hand someone a gun unless you’re sure where they’ll point it. Your mistake.“ Doch Zento spricht seinerseits eine Warnung an Sinclair aus: „You know damn well you twisted the intent of that order and you won’t get away with it!“ Und selbst Hidoshi, der Sinclair zwar zu seinem Einfall gratuliert, stellt fest: „This time you’ve won.“ Doch was ist beim nächsten Mal? Sinclair habe Zento in Verlegenheit gebracht und sich damit auch dessen mächtige Freunde zu Feinden gemacht, sagt Hidoshi. „You are not the most popular person in government circles right now.“
Fürs erste hat Sinclair jedoch gewonnen und darf sich endlich über ein paar Stunden Schlaf freuen. Im Lauf der Episode wirkt er immer müder, macht sich irgendwann nicht einmal mehr die Mühe, die Jacke seiner Uniform zu schließen und ist auch erkennbar unrasiert. Schön, dass man auf solche Details geachtet hat. Überhaupt liefert Michael O’Hare als Sinclair hier eine seiner besseren Leistungen ab.

Nicht nur der Streik der Dockarbeiter beansprucht in dieser Folge Sinclairs Aufmerksamkeit. Als wäre das nicht genug, streiten sich auch noch G’Kar und Londo – um eine Blume. Wie wir im Laufe der Episode erfahren, ist G’Kar ein Anhänger G’Quans und muss als solcher einmal im Jahr ein bestimmtes Ritual durchführen, für das er eine G’Quan Eth – eine ganz besonders seltene Blume von seiner Heimatwelt – braucht. Bei der Beschädigung des Narn-Frachters zu Beginn der Episode wird die von ihm bestellte Blume leider vernichtet. G’Kars Bemühungen um einem Ersatz bringen schnell zutage, dass es auf Babylon 5 momentan noch eine weitere G’Quan Eth gibt – und die befindet sich im Besitz von Londo Mollari. G’Kar durchsucht persönlich (und erfolglos) Londos Quartier, sehr zu Londos Belustigung, der G’Kar weiter ärgert, indem er ihm mitteilt er wolle die Pflanze als Rauschmittel verwenden. Londo macht ihm allerdings auch ein Angebot: für 50.000 Credits ist er bereits, die Blume zu verkaufen. Wütend stürmt G’Kar aus Londos Quartier.
Als er sich kurz darauf doch entscheidet, die horrende Summe zu bezahlen, ist Londo plötzlich nicht mehr zu einem Verkauf bereit. „Consider this a small, a very tiny portion of revenge for what you did to our colony on Ragesh 3 and to my nephew“, sagt er zu G’Kar, auf die Ereignisse der ersten Folge anspielend.
G’Kar ist außer sich vor Wut. Als er sich wieder beruhigt hat, bittet er in seiner Verzweiflung Sinclair um Hilfe, der inmitten des Dockarbeiterstreiks eigentlich gar keine Zeit hat. Dennoch nimmt sich Sinclair der Sache an und appeliert in einem persönlichen Gespräch an Londo, dieser möge die Blume G’Kar überlassen. Doch Londo macht keinen Hehl aus seiner Verachtung und seinem Hass auf G’Kar und die Narn im Allgemeinen. Ihm geht es hier wirklich nur um Rache und darum, G’Kar zu schaden.

G’Kar wiederum beauftragt Na’Toth, eine wertvolle Gottesstatue aus dem Centauri-Kulturzentrum auf der Station zu stehlen. Als Londo und G’Kar, sich gegenseitig wüst beschimpfend, in die Kommandozentrale kommen, lässt Sinclair sie von Ivanova zusammen mit einer ebenfalls nervenden Reporterin (die wir bereits aus „Infection“ kennen) hinauswerfen. Letztendlich gibt Londo die Blume im Austausch gegen die Statue zwar her, aber für das Ritual ist es inzwischen zu spät. Doch genau wie mit seiner Auflösung des Streiks der Dockarbeiter überrascht Sinclair auch dieses Mal mit seinem Vorschlag. Das Licht des Sonnenaufgangs auf G’Kars Heimatwelt, bei dem das Ritual durchgeführt werden muss, erreicht Babylon 5 erst einige Zeit später. Der Zeitpunkt für das Ritual sei also noch nicht verstrichen. G’Kar zeigt sich von dieser Einsicht Sinclairs beeindruckt. „Commander, you are a far more spiriutal man than I gave you credit for“, sagt er zu ihm. Am Ende der Episode kann G’Kar die religiöse Zeremonie also doch noch durchführen.
Einmal mehr stellt „Babylon 5“ mit diesem Handlungsstrang das Thema Religion in den Vordergrund. In „The Parliament of Dreams“ hatten wir religiöse Zeremonien der Centauri und der Minbari erleben dürfen, hier wird nun der Glaube der Narn thematisiert. Dabei erfahren wir, dass die Narn keineswegs alle derselben Religion angehören. G’Kar ist ein Anhänger G’Quans und Na’Toth erwähnt, ihr Vater sei ein Anhänger G’Lans (während sie selbst nicht religiös sei). Wie fast immer behandelt „Babylon 5“ das Thema mit großem Respekt und genau wie in „Believers“ kommt es zum Schluss zu einer überraschenden Wendung, dieses Mal zum Positiven. Sinclairs Charakter wird durch beide Handlungsstränge dieser Episode erweitert. Es wird klar, dass er zu kreativen Lösungen fähig ist und sich von scheinbar ausweglosen Situationen nicht entmutigen lässt, sondern einen klaren Kopf behält. Dass ihm seine Bereitschaft, damit andere Leute zu verärgern, in Zukunft noch Ärger einbringen wird, wird in der Episode bereitis angedeutet. Auch G’Kar, der in den ersten Folgen der Serie noch als zweidimensionaler Bösewicht erschien, darf hier nach „Mind War“ einmal mehr auch eine andere, spirituelle Seite zeigen. Die Sympathie der Zuschauer im Konflikt zwischen Londo und G’Kar ist hier klar auf G’Kars Seite.

Bester Londo/G’Kar-Moment und zugleich Highlight der Episode: Londos Geste und sein „Huu huuu!“ in Richtung G’Kar hinter den sich gerade vor Londo schließenden Aufzugtüren, als G’Kar erfährt, dass Londo im Besitz einer G’Quan Eth ist.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig oder einfach nur interessant sind, erhalten wir in dieser ersten Episode:

  • Garibaldi entstammt einer Familie der Arbeiterklasse. Das können wir nicht nur den Aussagen von Ms. Connally entnehmen, sondern auch seiner Bemerkung, seine Großmutter sei Polizistin in Boston gewesen.
  • G’Kars Aussage, Sinclair sein ein viel spirituellerer Mensch, als er bisher gedacht habe, sollte man einfach mal im Hinterkopf behalten…
  • Ich habe es oben schon angesprochen: Sinclairs Entscheidung wird für ihn noch Konsequenzen haben. Ich verrate hier noch nicht welche, aber es sollte klar geworden sein, dass Sinclair zwar der Commander der Station, als solcher aber auf Babylon 5 nicht allmächtig ist. Er muss sich seinen Vorgesetzten und dem Senat gegenüber verantworten. Seine Entscheidung ist zwar legal, aber da sie nicht im Sinne des Rush Act war, dürfte er damit ein paar wichtige Leute auf der Erde verärgert haben.

Sonstige Fragen:

  • Welche Konsequenzen wird Sinclairs Handeln für ihn haben? Wer sind die mächtigen Freunde von Orin Zento und was können bzw. werden sie tun, um es Sinclair heimzuzahlen?
  • Es gibt ein Centauri-Kulturzentrum auf Babylon 5? Davon hört man in der Serie nie wieder, ebenso wenig von anderen Kulturzentren.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Kathryn M. Drennan, die das Drehbuch zu dieser Episode geschrieben hat, war damals mit J. Michael Straczynski verheiratet. Um den Vorwurf der Vetternwirtschaft gar nicht erst aufkommen zu lassen, wollte er sie zunächst überhaupt kein Drehbuch zur Serie beisteuern lassen. Schließlich ließ er sich doch dazu überreden, bestand aber darauf, dass er ihr keine Storyidee zuteilte, sondern sie ihre eigene Idee entwickeln musste und dass das Drehbuch zudem sämtliche prüfenden Stationen zu durchlaufen hatte, wie alle anderen Drehbücher auch. Hätte nur eine der Personen, die das Drehbuch dabei lasen (und nicht wussten, dass es von JMS‘ Frau stammte), einen Einwand dagegen gehabt, dann wäre das Drehbuch nicht in Produktion gegangen, schrieb JMS damals in dem Internetforum, in dem er sich mit seinen Fans austauschte.
  • Regisseur Jim Johnston hat einen Cameoauftritt in der Folge. Er ist derjenige unter den Dockarbeitern, der „I say we strike!“ brüllt. Auch zahlreiche weitere Crewmitglieder sind als Statisten unter den Dockarbeitern zu sehen.
  • John Snyder, der hier Orin Zento spielt, war bereits in „Soul Hunter“ als der zweite Seelenjäger zu sehen.
  • Der „Rush Act“ wurde nach Rush Limbaugh benannt, einem konservativen Talkshow-Gastgeber in den USA.

Zitate:

G’Kar: „What do you believe in?“
Na’Toth: „Myself, ambassador.“
G’Kar: „Too easy an answer. We all believe in something greater than ourselves. Even if it’s just the blind forces of chance.“
Na’Toth: „Chance favours the warrior.“

Londo: „This isn’t about money, Commander, or spiritual beliefs. G’Kar is only worried about losing face. The Narns, eh. The’re a barbaric people. They’re all pagans, still worshipping their sun. No, I would rather burn the plant than give it to him.“

Sinclair (zu Orin Zento): „You should never hand someone a gun unless you’re sure where they’ll point it.“

Sinclair (zu Londo und G’Kar): „Gentlemen, I’ve been up for almost two days with no sleep. This makes me a very cranky man.“
Londo: „Yes, we’ve noticed. Have you considered meditation?“

Neeoma Connally: „My dad used to say there are no happily ever afters, just new battles.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.13 „Signs and Portents“

Babylon 5 – Episode 1.11 “Survivors”

Es dauert nicht mehr lange, bis die erste Staffel von „Sense8“, der neuen Serie von „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) auf Netflix zu sehen sein wird. Inzwischen wurden mehrere Trailer zu „Sense8“ veröffentlicht, zum Beispiel dieser hier:

Nun aber hurtig weiter zur nächsten „Babylon 5“-Folge (mit der wir immerhin die Hälfte der ersten Staffel hinter uns haben):

Episode 1.11 “Survivors” (“Ein Wiedersehen mit Folgen”)

Drehbuch: Marc Scott Zicree, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 04.05.1994 (USA), 15.10.1995 (Deutschland)

„Survivors“ ist eine interessante Episode. Statt wie üblich eine Haupt- und eine oder mehrere Nebenhandlungen finden wie hier nur eine Haupthandlung vor. Im Mittelpunkt steht Sicherheitschef Michael Garibaldy (Jerry Doyle). Seine problematische Vergangenheit und sein alles andere als geradliniger Lebenslauf wurden in der Serie bereits mehrmals angedeutet. Seinen Posten auf Babylon 5 hat er allein seiner Freundschaft mit Sinclair zu verdanken, der weiß, dass er sich auf Garibaldi verlassen kann.
Aus einer Nachrichtensendung des Senders ISN (Interstellar News Network) erfahren wir, dass Luis Santiago, der Präsident der Erdallianz, zu einem offiziellen Besuch auf Babylon 5 erwartet wird. Selbstverständlich macht ein solcher Besuch hohe Sicherheitsvorkehrungen nötig. Lianna Kemmer (Elaine Thomas), die Chefin des Sicherheitsstabs des Präsidenten, trifft einige Zeit vor dem Präsidenten auf Babylon 5 ein, um die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Dass es kurz zuvor eine Explosion in einer der Cobrabuchten (der Startbuchten für die Star Furies) gegeben hat, bei der ein Arbeiter schwer verletzt wurde, ist für Kemmer Grund genug, eine gründliche Untersuchung durchzuführen. Doch schon bei ihrer ersten Begegnung mit Sinclair und Garibaldi wird klar, dass Kemmer keine besonders kompromissbereite Person ist. Sie fordert, die Untersuchung alleine zu leiten und will nicht mit Garibaldi zusammen arbeiten.
Zudem wird klar, dass Garibaldi und Kemmer sich bereits kennen. Garibaldi erzählt Sinclair, er habe vor 17 Jahren einen Job auf Europa (einem von Jupiters Monden) gehabt. Dort war unter seinen Kollegen Korruption an der Tagesordnung und er versuchte verzweifelt, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Weil ihm dies jedoch nicht gelang und er die sich verschlimmernden Zustände um ihn herum mit ansehen musste, griff er zur Flasche und begann stark zu trinken. Schließlich lernte er Frank Kemmer, Liannas Vater kennen und verbrachte viel Zeit mit dessen Familie, was einen guten Einfluss auf ihn hatte. „With all the madness, it kept me sane and sober for a while“, erzählt er. Als aber Frank Kemmer, für dessen Sicherheit Garibaldi verantwortlich war, bei einem Attentat ums Leben kam und Franks Familie Garbibaldi die Schuld daran gab, fing er wieder zu trinken an. All dies schildert er Sinclair bei einem Gespräch an der Bar, wo er jedoch nur Wasser bestellt.

Lianna Kemmer befragt den verletzten Arbeiter danach, wer die Bombe in der Cobrabucht gelegt hat. Dieser kann gerade noch „Garibaldi“ sagen, bevor er stirbt. Daraufhin verlangt Kemmer Garibaldis sofortige Suspendierung und übernimmt seinen Posten als Sicherheitschef. In typischer TV-Manier sind hier zwei Geschichten miteinander verbunden: Die Beschuldigung Garibaldis, der nun seine Unschuld beweisen muss und seine Beziehung zu Lianna, die den Anlass bietet, mehr über Garibaldi zu erfahren. Das wirkt klischeehaft – und ist es auch, weil man es so ähnlich schon Dutzende Male im Fernsehen gesehen hat – ist aber vor allem aufgrund Jerry Doyles Schauspiel trotzdem glaubwürdig und spannend.
Garibaldi versichert Kemmer, er habe damals auf Europa keineswegs nur sich selbst retten wollen und trage keine Schuld am Tod ihres Vaters. Doch Lianna wirft ihm vor „You just got drunk and ran, like you always do.“ Als schließlich in Garibaldis Quartier Indizien gefunden werden, die auf seine Beteiligung an der Explosion hindeuten, flüchtet er. Einmal mehr kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Kemmer und Sinclair, der auf Garibaldis Seite steht und sich nicht sagen lassen will, wie er seine Arbeit zu machen hat. „This is my station and it’s time you realise that“, schleudert er Kemmer entgegen. Um Kemmer die Arbeit zu erschweren und Garibaldi zu schützen, befiehlt Ivanova eine umfangreiche Überprüfung der Kommunikationskanäle, die dadurch für Stunden blockiert werden.

Weil in seinem Quartier eine beträchtliche Summe Centauri-Dukaten gefunden wurde, sucht Garibaldi als erstes Londo auf. Londo streitet jegliche Beteiligung ab und schiebt die Schuld natürlich G’Kar in die Schuhe. Er ist bereit, Garibaldi zu helfen und ausnahmsweise ist es hier einmal Garibaldi, der sich Geld von Londo leiht. Die bereits etablierte Freundschaft zwischen Garibaldi und Londo wird hier einmal mehr deutlich und Londo bringt es auf den Punkt, als er über die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen beiden spricht (s. Zitate).
Auch G’Kar, den Garibaldi als nächstes aufsucht, bestreitet seine Schuld. Er bietet ihm jedoch an, ihn ins von den Narn kontrollierte Gebiet in Sicherheit zu bringen. Doch Garibaldi lehnt es ab, als Spion für die Narn zu arbeiten und ist entsetzt, dass G’Kar von ihm verlangt, seine eigene Welt zu verraten. Sowohl im Casino bei Londo als auch in G’Kars Quartier bekommt Garibaldi weitere Gelegenheiten, einen Drink zu nehmen. Er bleibt jedoch standhaft und lehnt jedes Mal ab.

Nach einem kurzen Besuch bei N’Grath, der Garibaldi nicht helfen will, wird Garibaldi von einem Dieb, den er zu Beginn der Episode verwarnt hatte und zwei Drazi angegriffen. Sinclairs persönliches Eingreifen rettet ihn, doch als Sinclair ihm seine Hilfe anbietet, haut Garibaldi erneut ab. Er will seine Unschuld allein beweisen – aber warum? Sinclair ist sein engster Freund und Garibaldi sollte eigentlich wissen, dass er ihm vertrauen kann. Vielleicht liegt es in Garibaldis persönlichen Erfahrungen begründet, dass er glaubt, sich im schlimmsten Fall nur auf sich selbst verlassen zu können.
Leider führt ihn dies an den tiefsten Punkt der Episode. Er sucht eine herunter gekommene Bar auf, in der er schließlich doch wieder einen Drink nimmt. Natürlich bleibt es nicht nur bei einem einzigen Drink und schon bald ist Garibaldi sturzbetrunken. Nachdem ihn einer der anderen Gäste verraten hat, haben Kemmer und ihre Leute bei Garibaldis Festnahme leichtes Spiel. „Drunk again, Uncle Mike?“, fragt Lianna ihn verächtlich als sie ihn festnehmen lässt.

Das Raumschiff des Präsidenten hat unterdessen Babylon 5 erreicht. Kemmer verhört Garibaldi, um endlich zu erfahren, wer hinter der Explosion steckt und ob weitere Gefahr für den Präsidenten besteht. Da Garibaldi nichts damit zu tun hat, kommt Kemmer natürlich nicht weiter. Sinclair hat unterdessen Garibaldis Stellvertreter Lou Welch (David L. Crowley) beauftragt, das Quartier des bei der Explosion verletzten und inzwischen verstorbenen Arbeiters zu durchsuchen. Welch ist fündig geworden: Neben Materialien, die auf eine Verbindung zur Homeguard hindeuten, findet er auch einige Vibrationsdetonatoren. Einen davon hatte der Arbeiter wohl in der Cobrabucht angebracht. Statt erst bei der Ankunft des Präsidenten zu explodieren, war der Detonator jedoch schon früher losgegangen.
Garibaldi äußert den Verdacht , Kemmers Assistent Cutter (Tom Donaldson) habe ihm die falschen Beweise untergejubelt und kann Kemmer schließlich überzeugen, die Cobrabuchten einer letzten Überprüfung zu unterziehen, bevor der Präsident die Station betritt. In die Enge getrieben zeigt Cutter dort sein wahres Gesicht. Er betäubt Kemmer und prügelt sich mit Garibaldi, der im letzten Moment Kontakt zu Ivanova aufnehmen und so den Start des neuen Kampfgeschwaders verhindern kann, durch den eine Explosion ausgelöst worden wäre.
Nachdem die Krise überstanden und Garibaldis Unschuld bewiesen ist, gibt Sinclair ihm seine PPG (Phased Plasma Gun) und sein Comlink zurück. Zudem spricht Garibaldi ein letztes Mal mit Lianna, bevor sie die Station wieder verlässt. Die Dialoge der Episode finde ich überwiegend gelungen, doch Garibaldis Worte in dieser Szene stellen leider eine Ausnahme dar: „17 years ago we both died inside, but somehow we survived. For better or worse, that’s all we can do. Survive and maybe one day forget how much it can hurt to be human.“ Also wirklich, wer spricht denn bitte so?

„Survivors“ ist eine solide Episode, die besser ist als ich sie in Erinnerung hatte. Wie die meisten Episoden der ersten Staffel dient sie vor allem dazu, die Charaktere – in diesem Fall in erster Linie Garibaldi – zu etablieren und erzählt eine in sich abgeschlossene Handlung. Dennoch wird hier auch vieles etabliert, das für die zukünftige Handlung der Serie von Bedeutung ist. Neben Garibaldis Alkoholismus ist dies vor allem die Tatsache, dass der amtierende Päsident der Erdallianz den Zielen von Babylon 5 wohl gesonnen ist. Santiago ruft in seiner Ansprache auf der Station alle außerirdischen Regierungen dazu auf, eng mit der Erde zusammen zu arbeiten und kündigt liberalere Einwanderungsgesetze und Handelsbestimmungen an (was wir aus den ISN-Berichten am Anfang und am Ende der Episode erfahren). Diese Position sorgt jedoch für Kontroversen auf der Erde, da zahlreiche Gruppen nicht einer Meinung mit Santiago sind, darunter die militante und fremdenfeindliche Homeguard, der die Attentäter angehören. Santiago hat also Feinde, die nicht vor einem Attentat auf ihn zurück schrecken – auch das ist eine Tatsache, die man sich merken sollte.

Highlight der Episode: Ivanovas Umgang mit Major Kemmer (s. Zitate).

Weitere interessante Punkte: 

  • Am Anfang und am Ender der Folge erhaschen wir jeweils einen kurzen Blick auf die Earth Force One, das Schiff des Präsidenten.
  • Zu Beginn der Episode sieht man Garibaldi und Ivanova durch einen der Bereiche der Station gehen, in dem eine geringere Schwerkraft herrscht. Da die Schwerkraft auf Babylon 5 durch Rotation erzeugt wird, muss es sich dabei um einen Bereich nahe der zentralen Achse der Station handeln. Den Durchsagen zufolge soll man sich dort stets an den entlang der Wege aufgestellten Geländer festhalten.
  • Im Gespräch zwischen Londo und Garibaldi wird wieder einmal Ragesh 3 erwähnt, jene Kolonie, um die sich die Centauri und Narn schon lange streiten.
  • Als Garibaldi das Casino aufsucht, um Londo zu treffen, sehen wir auf einem Tisch zwei holografische Ritter gegeneinander kämpfen – wieder eines der recht seltenen Beispiele für Holo-Technologie in Babylon 5.
  • Babylon 5 erhält in dieser Episode ein weiteres Geschwader an Kampfjägern („Star Furies“). Zusätzlich zu den Alpha-, Delta- und Gamma-Staffeln verfügt die Station damit auch über eine Zeta-Staffel.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Der ursprüngliche Titel des Drehbuchs von Marc Scott Zicree lautete „Knife in the Shadows“.
  • JMS war beim Erscheinen der Episode sehr stolz auf die damals für TV-Verhältnisse revolutionären CGI-Effekte. Zu Beginn der Episode sehen wir einen composite shot, als Garibaldi und Ivanova in dem Shuttle stehen, das die zentrale Achse der Station entlang fährt. Die Aussicht durch das Fenster des Shuttles ist komplett computergeneriert. In der Szene, in der Lianna am Ende der Folge in ihr Schiff steigt, ist bis auf die Schauspielerin und einen Teil der Leiter das gesamte Bild am Computer erzeugt.
  • JMS ist mit Alkoholismus gut vertraut: „I come from a family with alcoholism going back at least four generations […]. I am, in fact, the first male Straczynski in my branch of this particular stunted tree NOT to have this problem. I have had far, far, far more experience with this area than I care to recite…and from that perspective, I have no problem with Garibaldi’s portrayal.“ (zitiert aus  „Asked & Answered Part 4“, S. 1552f)
  • Jerry Doyle, der Michael Garibaldi spielt, hat eine wichtige Gemeinsamkeit mit seiner Figur: Sein Lebenslauf ist ebenso wie der Garibaldis alles andere als geradlinig. Bevor er Schauspieler wurde, arbeitete er unter anderem als Jetpilot und später an der Wall Street. Um zum Vorsprechen für eine Rolle bei „Babylon 5“ eingeladen zu werden, schrieb er einen größtenteils fiktiven Lebenslauf. Obwohl er dabei aufflog – oder vielleicht gerade deswegen – gab JMS ihm die Rolle als Garibaldi.
  • General Netter wurde nach dem ausführenden Produzenten der Serie, Douglas Netter benannt.

Zitate:

Kemmer: „I demand you open a channel to Earth at once.“
Ivanova:
„I’m a Lieutenant Commander in Earth Force, Major. I do not take demands. If you have a request, I’ll consider it.“
Kemmer:
„Very well, then. I request that you open a channel to Earthdome.“
Ivanova:
„Request denied. Have a nice day.“

Londo (über die Göttin Ilaros): „Goddess of luck, patron of gamblers. She and I have had a long and rather dubious relationship.“

Londo zu Garibaldi: „We are alike, you and I. We are both, as you say, the odd man out. I have been in your place. I can feel how you are pinned. And it would give me some small pleasure to know that things can work out, even for us.“

G’Kar zu Garibaldi: „The universe is run by the complex interweaving of three elements: Energy, matter, and enlightened self-interest. Unless you comprehend that fact and soon, you will be cornered and caged. They will destroy you.“

G’Kar: „You have made many enemies.“
Garibaldi: „Call it a lifestyle.“

Garibaldi: „I blew it, Jeff. Just like I did on Europa, on Mars Colony, Orion 4, just like I always do. When things get too rough, I crawl right back into the damn bottle. What really scares me is how much I’ve enjoyed it.“
Sinclair: „But you crawled back out again and did the job. That’s what’s counts.“
Garibaldi: „Yeah. I got lucky. But what happens next time?“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.12 „By Any Means Necessary“

DOK.fest 2015: Tag 2 & 3

Inzwischen hat sich bei mir richtiges Festivalfeeling eingestellt. Eigentlich wollte ich nämlich schon gestern einen neuen Blogpost verfassen, habe dann aber zu lang geschlafen, weil ich am Freitag zu spät ins Bett gekommen bin. So ist das halt auf Filmfestivals – es ist zu wenig Zeit, um wirklich alle tollen Filme zusehen und erst recht, um auch noch andere Dinge zu tun (zum Beipspiel komme ich auch kaum dazu, die Bücher und Zeitungen zu lesen, die ich mit mir von Kino zu Kino  schleppe). Hier ist nun also mein Bericht über die Filme, die ich gestern und vorgestern gesehen habe.

„El Hogar Al Revés“ erzählt von einer Clique Jugedlicher im mexikanischen Tijuana. Wobei der Film genau genommen gar nicht wirklich „erzählt“; was mir nämlich an „Man On Wire“ noch sehr stark aufgefallen ist – dass dort eine in ihrem dramaturgischen Aufbau fast schon fiktional wirkende Geschichte erzählt wird (was sich in diesem Fall auch anbietet) – das ist hier überhaupt nicht der Fall. Itzel Martínez del Cañizo begleitete die Jugendlichen für ihren Film über ein Jahr mit der Kamera und lässt den Zuschauer an deren Alltag teilhaben. Dabei vermittelt sie aber gerade, dass es hier nichts Außergewöhnliches zu erzählen gibt. Die Teenager tanzen auf der Straße, unterhalten sich über Videospiele und Popkultur, sprühen Graffiti auf eine Mauer und haben Sorgen in Liebesdingen. Ganz normale Jugendliche eben.

El Hogar Al Revés

Copyright: DOK.fest München / El Hogar Al Revés

Es fällt allerdings auf, dass den ganzen Film über kaum Erwachsene zu sehen sind. Bei der Siedlung, in der die Teenager leben, handelt es sich um eine am Reißbrett geplante Reihenhaussiedlung, die mich an die Vorstadthäuser aus Tim Burton-Filmen wie „Edward Scissorhands“ erinnert hat. Dutzende gleich aussehender Häuser reihen sich hier aneinander, und die Abwesenheit der Erwachsenen hat den einfachen Grund, dass diese die meiste Zeit über arbeiten, um die Kredite für die teuren Häuser abzubezahlen. So wachsen die Kinder fast nur unter sich auf und im Film wird dabei nicht der Eindruck erweckt, es ginge ihnen deswegen in irgendeiner Weise schlecht. Natürlich haben sie Sorgen und Probleme. Einer von ihnen, der in den USA geboren wurde, möchte dorthin zurück kehren. Ein anderer hat seine Freundin geschwängert. Weil die Eltern nie da sind, müssen die Teenager für einander da sein, um über all diese Dinge zu sprechen. Die Clique wird zur Ersatzfamilie. Einer der Jungen bringt es auf den Punkt als er sagt, seinen Freunden könne er alles erzählen, aber wenn er seiner Mutter berichte, was er den Tag über gemacht habe, dann höre die gar nicht richtig zu.

Ce Qu'il Reste De La Folie

Copyright: DOK.fest München / Ce Qu’il Reste De La Folie

Ähnlich beobachtend und ohne eine Wertung abzugeben ging es bei „Ce Qu’il Reste De La Folie“ weiter. Der Film von Joris Lachaise bringt dem Zuschauer den Alltag einer psychiatrischen Klinik im Senegal näher. Die Kamera blickt auf das Geschehen – Patienten, die die Pfleger anflehen, weil sie nicht in eine Einzelzelle gesperrt werden wollen oder auch solche, die die Welt um sich herum gar nicht richtig wahr zu nehmen scheinen. Dazwischen immer wieder die Schriftstellerin Khady Sylla, die selbst eine lange Geschichte psychischer Leiden hinter sich hat und nun von den Ärzten Antworten verlangt. Der Film zeigt aber nicht nur die westlich-moderne Herangehensweise an psyichische Krankheiten, wie sie in der Klinik praktiziert wird, sondern auch traditionelle und religiöse Heilungsmethoden. So wird man Zeuge von Ritualen, in die lebende Tiere eingebunden sind (hier habe ich mich an ähnliche Schilderungen aus Andrew Solomons großartiger Depressions-Studie „The Noonday Demon“ erinnert gefühlt, die auf deutsch als „Saturns Schatten“ erschienen ist). All das wird aber nicht kommentiert. „Ce Qu’il Reste De La Folie“ ist kein Film, der Antworten liefern will, sondern einer, der den Zuschauer zum Nachdenken anregt. Und das ist beim Thema „psychische Krankheiten“, über das noch immer viel zu viel geschwiegen wird, auf jeden Fall gut.

Gestern Nachmittag ließ ich mich in meinem ersten Film des Tages in die weiten Wüsten der USA entführen. Für jemanden wie mich, der von den Vereinigten Staaten bislang relativ wenig gesehen hat, sind die Größe und Vielfalt dieses Landes immer wieder faszinierend. Bei den USA denke ich als erstes an New York, Kalifornien und große Metropolen. Doch mitten in diesem Land gibt es weite Landstriche, in denen kaum ein Mensch lebt. „Desert Haze“ bringt dem Zuschauer einige davon nahe. Der Regisseurin Sofie Benoot gelingen dabei wunderschöne, fast schon meditative Bilder. In langen Einstellungen nimmt sie die wunderbaren, teils bizarren Landschaften in den Blick.

Desert Haze

Copyright: DOK.fest München / Desert Haze

Mit Leben gefüllt wird der Film durch die Menschen, die Benoot zusätzlich zu den Landschaften portraitiert. Da ist zum Beispiel der japanische Countrymusik-Liebhaber, der seit Jahrzehnten dort wohnt und vor der Kamera ein Ständchen gibt. Oder die Wissenschaftlerin, die in der Wüste den Aufenthalt auf dem Mars zu simulieren versucht. (Nur ganz nebenbei: Sie erzählt dabei unter anderem von den Vorteilen japanischer Steingärten, die sich schließlich auch dort anlegen lassen, wo die unwirtlichen Bedingungen kaum Vegetation zulassen. Solche Gärten könnten ihrer Meinung nach den ersten Menschen auf dem Mars als Orte der Entspannung und Beruhigung dienen. Dies zeigt mir einmal mehr, wie sehr die Zukunftsvision, die J. Michael Straczynski für „Babylon 5“ entworfen hat, in sich schlüssig und gut durchdacht ist – dort gibt es nämlich aus demselben Grund ebenfalls einen japanischen Steingarten auf der Raumstation.)

Mit seinen imposanten Bildern, den teils skurrilen Gestalten und den Geschichten, die sie zu erzählen haben, ist „Desert Haze“ ein zwar äußerst ruhiger und langsamer Film, der mich zumindest aber nie gelangweilt, sondern beruhigend auf mich gewirkt und Ehrfurcht vor der Natur in mir geweckt hat (auffallend viele andere Zuschauer haben allerdings während der Vorführung das Kino verlassen). Zusätzlich habe ich noch den einen oder anderen interessanten Fakt gelernt, zum Beispiel über die Atomwaffentests in der Wüste von Nevada (über die ich bislang nur aus „Indiana Jones“ bescheid wusste).

Drone

Copyright: DOK.fest München / Drone

Ganz und gar nicht ruhig und meditativ ging es anschließend mit „Drone“ weiter. Der Film nimmt die Praxis der USA unter die Lupe, mit Hilfe von unbemannten Drohnen vermeintliche Terroristen auszuschalten. Es kommen unter anderem ehemalige Drohnenpiloten zu Wort, die die Fluggeräte sicher vom Boden aus gesteuert und dabei zahlreiche Menschenleben ausgelöscht haben. Der Film klagt an, wirft Fragen auf und weist auf diejenigen Menschen hin, die unschuldig unter den Drohnenangriffen zu leiden haben: die überlebenden Angehörigen der Opfer, aber auch diejenigen, die den Angriffen als Unschuldige zum Opfer fallen. Wie kann so etwas überhaupt passieren? Und sind nicht alle Opfer der Drohnenangriffe zivile Opfer, da die USA ja niemals Beweise für deren terroristische Aktivitäten vorgelegt haben? Ganz besonders verstörend ist die am Schluss des Films aufgeworfene Frage, was eigentlich geschehen würde, wenn viel mehr Länder so verfahren würden wie die USA. Und kurios, aber nicht überraschend ist der Fakt, dass die Drohnentechnologie ursprünglich zur Beobachtung von Tunfischschwärmen entwickelt worden war. Kein einziges Exemplar sei an Fischer verkauft worden, erklärt einer der Entwickler im Film. Aber mit dem Krieg lässt sich ein Milliardengeschäft machen.

Nicht weniger verstörend, aber mit einem ganz anderen Thema beschäftigte sich mein letzter Film des Tages. „Nicht alles schlucken“ ist eine weitere Dokumentation, die sich mit einem der Schwerpunktthemen des diesjährigen DOK.fest beschäftig: Psyche und psychische Krankheiten. Wie der Titel schon andeutet, geht es hier vor allem um Psychopharmaka. Die Regisseure Jana Kalms, Piet Stolz und Sebastian Winkels haben dabei eine ebenso simple wie effektive Herangehensweise gewählt: Eine Reihe von Menschen, die zu dem Thema etwas zu sagen haben, sitzen im Stuhlkreis und berichten von ihren Erfahrungen. Unter ihnen sind Betroffene, Angehörige und einige Pfleger und Ärzte. Der Film vermittelt dem Zuschauer erfolgreich das Gefühl, mittendrin zu sein. Von der Mitte des Kreises aus gefilmt, fängt er die Sprechenden stets auf Augenhöhe ein, sodass man nie das Gefühl hat, zu ihnen herauf oder hinab schauen zu müssen. Kein Voice Over, keine Einblendungen und keine Musik lenken vom Geschehen ab. So konfrontiert der Film einen direkt mit den teils sehr harten Schicksalen, die in den Erlebnisberichten zum Ausdruck kommen.

Nicht alles schlucken

Copyright: DOK.fest München / Nicht alles schlucken

Dabei konzentriert sich „Nicht alles schlucken“ von Anfang an ganz auf die Praxis, psychisch kranke Patienten in Kliniken mit Medikamenten ruhig zu stellen und sie damit zwar vielleicht von ihren Symptomen zu befreien, ihnen aber auch einen Großteil ihrer Lebensqualität zu nehmen. Abhängigkeit und Nebenwirkungen bestimmen fortan das Leben vieler Betroffener, doch das Absetzen der Medikamente stellt häufig die schlimmere Alternative dar. Der Film ist wie gesagt in seiner Machart äußerst effektiv, inhaltlich war er mir allerdings viel zu einseitig. Dass Psychopharmaka durchaus vielen Menschen helfen, ohne ihr Leben zur Hölle zu machen, kommt hier nicht zur Sprache; ebenso fehlen Ausblicke auf mögliche Lösungsmöglichkeiten für das geschilderte Problem, was ich besonders schade finde. Gerade ein Film über dieses ernste, so viele Menschen betreffende Thema sollte meiner Meinung nach auch ein wenig Mut machen und Hoffnung verbreiten. Statt dessen könnte „Nicht alles schlucken“ im schlimmsten Fall sogar Zuschauer davon überzeugen, sich nie in eine psychiatrische Klinik zu begeben oder auf keinen Fall zu Psychopharmaka zu greifen, obwohl beides durchaus sinnvoll sein kann und längst nicht immer solch schwerwiegende Konsequenzen haben muss, wie sie hier geschildert werden.

Alle Filme werden im Lauf der nächsten Tage noch mehrmals auf dem DOK.fest München gezeigt. Weitere Infos und Trailer gibt es auf der Website des DOK.fest.

Babylon 5 – Episode 1.10 “Believers”

Eigentlich ist heute Star Wars Day („May the 4th“), aber einen „Star Wars“-Post gab es hier erst vor kurzem. Dafür habe ich es endlich mal wieder geschafft, eine „Babylon 5“-Folge zu besprechen. Das würde ich gerne öfter machen, aber es kostet jedes Mal ziemlich viel Zeit. Ich werde mit meinem „Babylon 5“-Rewatch aber nicht aufhören, selbst wenn ich nur eine Folge im Monat schaffe…
Ich warte immer noch gespannt auf „Sense8“, die neue Serie von J. Michael Strazynski, die er zusammen mit den Wachowski-Geschwistern geschrieben und produziert hat. Ab dem 5. Juni wird die erste Staffel auf Netflix zu sehen sein. Aus dem „Babylon 5“-Universum selbst gibt es nichts Neues. Es würde mich allerdings sehr interessieren, ob Straczynski zurzeit tatsächlich ein Drehbuch für einen B5-Kinofilm schreibt – so hatte er es ja letztes Jahr angekündigt. Vor kurzem habe ich diese Seite entdeckt, auf der es ein paar schöne Video-Reviews zu einigen B5-Folgen gibt. Die sind aber voller Spoiler; wer die Serie noch nicht komplett gesehen hat, sollte also lieber die Finger davon lassen und stattdessen einen der „Babylon 5“-Podcasts anhören, die ich in einem Blogpost zusammen getragen habe (nicht alle davon sind spoilerfrei, aber das habe ich jeweils dazu geschrieben – und für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung 🙂 ). Nun aber zu einer weiteren Folge von „Babylon 5″…

Episode 1.10 “Believers” (“Die Gläubigen”)

Drehbuch: David Gerrold, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 27.04.1994 (USA), 08.10.1995 (Deutschland)

„Am I going to die?“ lauten die ersten Worte, die in dieser Folge gesprochen werden. Die Frage kommt aus dem Mund von Shon (Jonathan Charles Kaplan), einem Jungen, der einer außerirdischen Spezies angehört, die wir noch nie zuvor gesehen haben (im Lurker’s Guide wird der Name der Spezies als „The Children of Time“ angegeben). Bei der Beantwortung dieser Frage durch den Stationsarzt Dr. Franklin und durch Shons Eltern prallen sofort zwei gegensätzliche Ansichten aufeinander: Franklin ist ein Mann der Wissenschaft, der nicht nur optimistisch ist, für jedes medizinische Problem auch eine medizinische, wissenschaftliche Lösung finden zu können, sondern dessen ganzes Weltbild um diese Überzeugung herum aufgebaut ist. Für Shons Eltern allerdings stellt die zur Rettung ihres Sohnes nötige Operation einen unzulässigen Eingriff dar, den ihnen ihre religiösen Überzeugungen nicht erlauben. Obwohl Shon durch eine relativ einfache Operation das Leben gerettet werden könnte, gestatten seine Eltern Dr. Franklin nicht, diese durchzuführen. „Food animals are cut open. They don’t have a soul, so it’s all right. But the chosen of God may not be punctured.“, erklärt Shons Mutter (Tricia O’Neil).

Als Franklin klar wird, dass die Eltern Shon lieber sterben lassen, als ihn einer Operation zu unterziehen, versucht er auf Zeit zu spielen. Er behauptet, es gebe noch einen anderen, schwierigeren und unsichereren Weg, Shon zu heilen und hofft, dass die Eltern ihre Meinung doch noch ändern werden, wenn sie ihren Sohn nur lange genug leiden sehen und ihre Verzweiflung noch weiter wächst. Seiner Kollegin Dr. Hernandez legt Franklin seine Sicht der Dinge dar: „Sometimes you have to heal the family before you can heal the patient.“ Seiner Meinung nach ist also die Einstellung der Eltern falsch und bedarf der Korrektur. Dass es möglicherweise seine Sicht auf die Dinge es, die falsch ist oder dass zumindest daneben noch andere, gleichberechtigte Sichtweisen existieren, kommt ihm gar nicht in den Sinn.

Auch ich kann die Einstellung von Shons Eltern nicht nachvollziehen. Aber genau darum geht es in dieser Episode – um unversöhnbar einander gegenüberstehende Standpunkte, von denen keiner falsch ist bzw. die beide jeweils aus der Sicht des anderen falsch sind. Als Franklin dem Jungen ein leuchtendes Plastikei in die Hand gibt und ihn bittet, gut auf dieses „Gloppitei“ aufzupassen, weil darin ein Lebewesen heran wachse, kritisiert ihn Hernandez. Die Überzeugungen anderer tue er als Aberglaube ab, sagt sie, doch seine eigenen Überzeugungen seien stets die richtigen. Shons Eltern beten das „große Ei“ an, Franklin den „Gott Medizin“. Wo liegt der Unterschied?
Franklin gibt jedoch keinen Millimeter nach und bekräftigt noch einmal, dass er den Eltern mit seiner Hinhaltetaktik nur die Zeit geben will, um zur richtigen Einsicht zu gelangen. Er hat längst den Entschluss gefasst, Shon auf jeden Fall zu operieren, wie er Hernandez erklärt. Franklin ist so sehr von sich und von der Wissenschaft überzeugt, dass er sich gar nicht vorstellen kann, dass sein Plan – warum auch immer – nicht funktioniert. Ebenso wenig passen in diesem Fall Personen in sein Weltbild, die die Lage anderes sehen als er und die seinen „Glauben“ an die Wissenschaft ablehnen.

Als Franklin sich an Sinclair wendet, zögert dieser, ihm den Befehl zu erteilen, sich über den Wunsch der Eltern hinweg zu setzen. Sinclair möchte keinen Präzedenzfall schaffen, doch Franklin argumentiert, das habe er schon längst getan, als er Franklins Vorgänger Dr. Kyle gegen die Anweisung der Vorlonenregierung die Untersuchung von Botschafter Kosh erlaubte. Sinclair beharrt jedoch darauf, gerade als Commander von Babylon 5 neutral bleiben zu müssen. Auch Franklin lässt sich aber nicht beirren und ist weiterhin überzeugt, dass er etwas tun muss.
Bei Shons Eltern wächst inzwischen die Verzweiflung. Ihrem Sohn geht es immer schlechter, so dass sie sich fragen, ob es richtig war, ihn in Franlkins Obhut zu lassen statt sich auf die Suche nach anderen Möglichkeiten der Heilung zu machen. „Because we trusted you our son will die“, wirft die Mutter Franklin vor, doch der erwidert „No. He will die because you won’t trust me.“ Weil sich Shons Eltern aus Franklins Sicht so stur und uneinsichtig verhalten, will er sie durch Sinclair entmündigen lassen, um sich über ihre Wünsche hinweg setzen zu können. Sinclair verspricht, innerhalb von 24 Stunden eine endgültige Entscheidung zu treffen. Shons Vater, der bis dahin relativ ruhig und gefasst gewirkt hat, spricht plötzlich einen Satz aus, den der Zuschauer und auch Sinclair als Drohung interpretieren: „If he [Franklin] harms my child, if he touches Shon, I will kill him.“ Erst wenn man die Episode zum zweiten Mal sieht, fällt einem auf, dass sich das „him“ am Ende des Satzes wahrscheinlich gar nicht auf Franklin bezieht.

Da Sinclair ihnen nicht helfen will und sie keinen eigenen Botschafter auf der Station haben, wenden sich die Eltern in ihrer Verzweiflung an die anderen Botschafter. G’Kar und Londo weisen ihr Gesuch aus ähnlichen Gründen zurück: Die Eltern sind zu arm und ihre Heimatwelt zu unbedeutend; sie können sich keine Gerechtigkeit leisten. Immerhin schaffen sie es aber, ein paar Worte mit Kosh wechseln, was ja an sich schon keine leichte Aufgabe ist. Nicht ahnend, dass sie genau ins Schwarze trifft, appelliert die Mutter an Kosh: „If it were your child or even yourself, how would you feel if the doctor of Babylon 5 wanted to perform an unwelcome procedure on you?“ Vielleicht sind es ja gerade diese Worte, die Kosh dazu bewegen nicht einzuschreiten. Schließlich wurde er durch einen solchen nicht erwünschten medizinischen Eingriff auf Babylon 5 gerettet. Wahrscheinlich hätte er sich aber sowieso aus der Sache heraus gehalten – wie die Vorlonen das eben meistens tun (die Geschehnisse der letzten Folge stellen eine der wenigen Ausnahmen dar). Kosh redet sich jedenfalls mit einigen mal wieder ziemlich kryptischen Sätzen heraus (s. Zitate).
Delenn zeigt zwar mehr Mitgefühl und Verständnis als die anderen Botschafter, doch der Glaube und die Überzeugungen der Minbari verbieten es ihr, hier ein zu greifen. Darauf bezug nehmend, dass sowohl die Eltern als auch Dr. Franklin Shons Leben retten wollen, sagt sie: „Whose belief is correct? And how do we prove it?“

Um zu einer Entscheidung zu kommen (oder damit ihm die Entscheidung abgenommen wird), fragt Sinclair die Erdregierung um Rat. Doch auch die will sich aus der Sache heraus halten und schiebt die Verantwortung zu Sinclair zurück. Also beschließt er, endlich einmal das zu tun, was bisher noch niemand getan hat: Shon selbst zu fragen. Der Junge erklärt, er wolle auf jeden Fall weiter leben, allerdings glaubt er genau wie seine Eltern, dass er durch eine Operation seine Seele verlieren würde. Sinclair nimmt sich die Zeit, sich von Shon von dessen Sicht und seinen Überzeugungen, seiner Weltanschauung und seiner Religion berichten zu lassen.
Als Sinclair anschließend wieder mit Franklin spricht, kann dieser es nicht fassen, dass Sinclair immer noch auf die Wünsche der Eltern Rücksicht nehmen will. „What makes a religion false?“, fragt Sinclair Franklin, als dieser ihn zu überzeugen versucht, dass Shons Eltern vollkommen irrational und unverantwortlich handeln. Als Sinclair schließlich zu einer Entscheidung kommt und es Franklin verbietet, gegen den Wunsch der Eltern zu operieren, ist Franklin fassungslos. Doch Sinclair kann sich nicht einfach über den Glauben und die Überzeugungen anderer hinweg setzen, nur weil sie seinen eigenen widersprechen.

Aber Franklin bleibt stur, seine Entscheidung ist längst gefällt. Er will sich von niemandem stoppen lassen – auch nicht von „those poor, deluted parents“, wie er Shons Eltern bezeichnet. Er operiert Shon also und rettet ihm so das Leben. In den meisten anderen Fernsehserien wäre die Episode damit wohl zu einem Happy End gekommen. Shons Eltern hätten sich über die Genesung ihres Sohnes gefreut, Franklin verziehen und sich für ihre Sturheit entschuldigt. Auch Sinclair hätte gesagt, „Schwamm drüber“ und damit wäre die Sache zur Zufriedenheit aller Beteiligten beendet gewesen. Nicht so in dieser „Babylon 5“-Episode. Als ein gesunder und fröhlicher Shon seine Eltern begrüßt, reagieren die ganz und gar nicht so, wie Franklin sich das vorgestellt hat. Shon ist für sie nun nur noch eine seelenlose Hülle, mit der sie nichts mehr zu tun haben wollen. Auch Sinclair ist wütend, dass Franklin sich seinem Befehl widersetzt hat.
Anschließend geschieht etwas, das mich selbst wütend macht: Erst jetzt, nachdem er seinen eigenen Willen durchgesetzt hat, setzt sich Franklin näher mit der Kultur der Children of Time auseinander. Hätte ein guter Arzt das nicht schon längst getan? Statt unbeirrbar auf dem eigenen Standpunkt zu verharren, müsste ein Arzt – und noch dazu ein Xenobiologe wie Franklin, der sich täglich mit fremden Kulturen auseinander setzen muss – doch versuchen, den Standpunkt seiner Patienten (und in diesem Fall auch von deren Angehörigen) ein zu beziehen. Man sollte meinen, dass es in einem schwierigen Fall wie hier zu seinen ersten Handlungen gehört, sich zumindest ein wenig in die Kultur der fremden Spezies einzulesen. Aber daran scheint Franklin nicht einmal gedacht zu haben. Es war Dr. Hernandez, die auf den Gedanken kam, dies zu tun. Leider bekommt Franklin die Daten aber erst zu sehen, als er Shon schon operiert hat. Doch da ist es längst zu spät und Franklins Fehler nicht mehr rückgängig zu machen. Die Eltern haben die aus ihrer Sicht einzige mögliche Konsequenz gezogen und ihren Sohn getötet.

Franklin sieht am Ende ein, dass er falsch gehandelt hat. Er war arrogant, hat stur auf seinem Standpunkt beharrt und damit jenes verantwortungsvolle Handeln vermissen lassen, dass ein Mediziner doch an den Tag legen sollte. Sinclair behauptet, Franklin habe unmöglich wissen können, dass die Eltern ihren Sohn umbringen würden. Doch das stimmt nicht! Wäre Franklin nicht von Anfang an so stur gewesen und hätte nicht sofort seine Sicht auf die Dinge zur einzig richtigen erklärt, dann wäre er vielleicht einmal auf den Gedanken gekommen, sich mit der „Gegenseite“ zu beschäftigen. Zwar stand die Datei mit den Daten über Shons Volk erst nach der Operation zur Einsicht bereit, doch Franklin hätte mit der Entscheidung ganz einfach noch ein paar Stunden warten können.

„Believers“ ist jedenfalls eine höchst interessante Folge, die sich mit einem brisanten Thema beschäftigt und sich nicht damit begnügt, einfache Antworten zu geben. Die kann es hier auch gar nicht geben, weswegen man als Zuschauer gezwungen ist, sich selbst mit der Thematik auseinander zu setzen. Unter „Babylon 5“-Fans ist die Episode trotzdem umstritten und hat bei vielen Fans keinen guten Ruf. Ich finde sie jedoch sehr gut. Klar, so richitg zu Hochform ist die Serie in ihrer zehnten Folge noch nicht aufgelaufen und „Believers“ erzählt eben – wie die meisten Folgen der ersten Staffel – eine in sich abgeschlossene Geschichte. Aber diese funktioniert als solche sehr gut, und dass in der B5-Saga die Geschichte Folge für Folge weiter erzählt wird (statt jedes Mal danach den Reset-Knopf zu drücken, wie das in den Neunzigern noch meist der Fall war), merkt man hier daran, dass mehrmals auf Ereignisse aus dem Pilotfilm Bezug genommen wird.

Da war doch noch was? Ach richtig, die Folge hat ja auch noch einen B-Plot! Wenn „Believers“ einen großen Schwachpunkt hat, dann ist es dieser äußerst knappe Handlungsstrang um Susan Ivanova, die mit einem Geschwader Starfurys der Asimov zu Hilfe kommt. Dass sie dabei von Raider-Schiffen angegriffen werden, bekommen wir nicht einmal zu sehen (statt dessen erfahren wir es bloß aus dem Gespräch zwischen Ivanova und Garibaldi am Ende der Episode). Mehr dazu bei den „Hinter den Kulissen-Fakten“.

Highlight der Episode: Das Ende. Mit der Entscheidung, die Folge mit dem Tod des Jungen enden zu lassen, verstieß die Serie 1994 gegen die gängigen Konventionen und unterlief die Erwartungen des Publikums. Nicht nur in den „Star Trek“-Serien, sondern ganz allgemein ging es in Fernsehserien damals meist darum, den Zuschauern zu Beginn einer Episode ein Problem zu präsentieren, das am Ende dann gelöst wurde. Nicht so in dieser Folge von „Babylon 5“. „Believers“ versetzt dem Zuschauer hier nicht nur einen Schlag in die Magengrube, sondern zwingt ihn auch zum Nachdenken. Ich kann mich noch erinnern, wie sehr mich diese Folge mit dem Ausgang der Geschichte damals beeindruckt hat und dass ich noch lange darüber nachgedacht habe.

Weitere interessante Punkte: 

  • Die Spezies, der Shon und seine Eltern angehören, leben anscheinend in einer matriarchisch organisierten Gesellschaft. Dies lässt sich zum einen aus der Tatsache schließen, dass es hier meistens die Mutter ist, die die Argumente vorträgt und einmal im Gespräch mit Franklin auch explizit sagt, ihr Mann (der neben ihr steht) habe sie gebeten, ihm etwas auszurichten. Zum anderen erwidert sie auf Sinclairs Anmerkung, dass ihr Volk leider keinen Botschafter auf der Station hat ganz selbstverständlich „She would tell you the same thing“.
  • Steaks gehören zu den Lebensmitteln, die nur mit großem Aufwand nach Babylon 5 importiert werden können. Das erfahren wir aus einem Gespräch zwischen Franklin und seiner Kollegin, Dr. Hernandez. (Kurz darauf fragt Sinclair Franklin, warum er ein Steak importieren wolle. Franklins Antwort: zu Forschungszwecken. Tatsächlich hat er mit Hernandez um ein Steak gewettet.)
  • Franklin hat als Arzt offenbar eine Karte, mit der er sich Zutritt zu allen Quartieren verschaffen kann.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Das Drehbuch für diese Folge war einer der Gründe, warum Richard Biggs die Rolle des Dr. Franklin angenommen hat. Es war bereits geschrieben, bevor die Serie in Produktion ging und gefiel Biggs so gut, dass er die Rolle unbedingt übernehmen wollte. (Quelle: „Babylon 5: Signs and Portents“ von Jane Killick, S. 96)
  • Drehbuchautor David Gerrold hat unter anderem auch die berühmte Episode „The Trouble with Tribbles“ aus der Original-„Star Trek“-Serie geschrieben. Er wurde von Straczynski ausgesucht, das Drehbuch zu „Believers“ nach einer Idee von Straczynski zu schreiben, weil Gerrold damals kurz zuvor einen Sohn adoptiert hatte und sich so sehr gut in das Dilemma der Episode hinein versetzen konnte. Den Namen Shon wählte Gerrold in Anlehnung an den Namen seines eigenen Sohnes, Sean.
  • Die B-Handlung um Susan Ivanova und die Raiders wurde dem Drehbuch nachträglich von J. Michael Straczynski hinzugefügt, weil die Geschichte sonst zu kurz gewesen wäre. Ich persönlich finde ja, man hätte lieber die Haupthandlung an einigen Stellen noch etwas ausführlicher gestalten sollen, statt einen verstümmelten B-Plot hinzu zu fügen, der so inhaltsleer ist, dass ich jedes Mal aufs Neue von ihm überrascht bin, wenn ich die Episode anschaue.
  • Eine von Straczynskis Regeln beim Schreiben von Geschichten für „Babylon 5“, die er von Beginn an immer wieder in Online-Diskussionen mit den Fans wiederholte, war „no kids or cute robots“. Dementsprechend kommen Roboter in „Babylon 5“ überhaupt nicht und Kinder nur höchst selten vor. Nur wenn es für die Handlung auch wirklich Sinn machte – so wie hier – machte JMS eine Ausnahme von dieser Regel.

Zitate:

Sinclair: „Why do you wanna import a steak?“
Franklin:
„Research.“

Kosh: „The avalanche has already started. It is too late for the pebbles to vote.“

Sinclair: „[W]hat makes us human is that we care. And because we care, we never stop trying.“
Franklin: „No. What makes us human is that we have so many different ways to hurt.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.11 „Survivors“

Babylon 5 – Episode 1.09 „Deathwalker“

Bevor es zur Besprechung der nächsten „Babylon 5“-Episode geht, will ich noch schnell eine Neuigkeit loswerden, über die ich mich sehr freue: Die neue Serie von B5-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS), „Sense8“, wird ab dem 5. Juni bei Netflix zu sehen sein. „Sense8“ wurde von JMS gemeinsam mit den Wachowski-Geschwistern („The Matrix“, „Cloud Atlas“) entwickelt und geschrieben und mit einem internationalen Cast an über den ganzen Globus verteilten Drehorten gedreht. Die erste Staffel besteht aus zehn Folgen; momentan weiß ich aber leider noch nicht, ob am 5. Juni schon alle zehn Episoden abrufbar sein werden oder ob im wöchentlichen Rhythmus eine Folge hinzugefügt wird. Ich tippe aber mal auf ersteres, bin schon sehr gespannt und werde auf jeden Fall über „Sense8“ bloggen. Nun aber zur nächsten B5-Episode…

Episode 1.09 “Deathwalker” (“Die Todesbringerin”)

Drehbuch: Larry DiTillio, Regie: Bruce Seth Green
Erstausstrahlung: 20.04.1994 (USA), 01.10.1995 (Deutschland)

Die Folge beginnt damit, dass Na’Toth zufällig Zeugin der Ankunft einer außerirdischen Frau (Sarah Douglas) auf der Station wird – und daraufhin scheinbar vollkommen durchdreht. Sie stürmt auf die Frau zu, schreit „Deathwalker“ und beginnt auf sie ein zu prügeln. Wie wir kurz darauf erfahren, glaubt Na’Toth in der Frau die Kriegsverbrecherin Jha’dur erkannt zu haben, die dem Volk der Dilgar angehört und für den Tod von Millionen von Lebewesen verantwortlich ist, unter ihnen Na’Toths Großvater. Na’Toth hat deshalb einen Chon’Kar – einen Blutschwur – geschworen, der erst dann erfüllt ist, wenn sie Jha’dur umgebracht hat. Doch G’Kar überzeugt seine Assistentin, sich zunächst zurück zu halten. Er eröffnet ihr, dass Jha’dur eine wichtige Entdeckung gemacht hat und zu Verhandlungen mit den Narn nach Babylon 5 gekommen ist.
Commander Sinclair, Doktor Franklin und Sicherheitschef Garibaldi sind allerdings skeptisch: Bei der Frau kann es sich ihrer Meinung nach unmöglich um Jha’dur handeln, die doch inzwischen tot oder eine sehr alte Frau sein müsste. Doch alle Indizien sowie die von Franklin durchgeführten Tests bestätigen ihre Identität – es handelt sich tatsächlich um die als Deathwalker (Todesbringerin) bekannte Verbrecherin. Wie sich herausstellt, hat sie seit dem Ende des Dilgar-Kriegs die meiste Zeit über unter dem Namen Gyla Lobos bei den Minbari gelebt, wo ihr von den wind swords (Schwertern des Windes), einer extremistischen und gewalttätigen Abspaltung der Kriegerkaste, Unterschlupf gewährt wurde.

Die Anwesenheit Jha’durs, die sich inzwischen in Gefangenschaft befindet, spricht sich schnell auf der Station herum. Kurz nachdem Sinclair den Befehl erhält, sie unverzüglich zu Erde zu schicken, wird der Grund für das große Interesse an ihrer Person klar: Jha’dur hat ein Unsterblichkeitsserum entwickelt, das sie nun auf der Erde weiter entwickeln soll. Damit sehen sich alle Beteiligten einem moralischen Dilemma gegenüber, das Ivanova treffend mit den Worten „Justice or immortality“ zusammenfasst: Soll Jha’dur wegen ihrer Verbrechen der Prozess gemacht und sie einer gerechten Strafe unterzogen werden oder soll man über ihre immensen Verbrechen hinweg sehen, weil sie der Galaxis mit ihrem Serum nun einen großen Dienst erweisen könnte? Wiegen die Wohltaten, die in der Entwicklung des Serums liegen, die von Jha’dur in der Vergangenheit begangenen Gräueltaten auf? Larry DiTillios Drehbuch reißt diese Fragen kurz an und lässt unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen, doch ein Fazit muss der Zuschauer (zunächst) selbst ziehen.
Während Garibaldi fassungslos darüber ist, dass Jha’dur auf der Erde mit offenen Armen empfangen werden soll, gelangt Sinclair schließlich zu dem Entschluss, seinen Befehlen zu gehorchen. „She can save more lives than she took“, rechtfertigt er seine Entscheidung. „And she can make the deaths she caused have meaning.“

Jha’dur selbst zeigt keinerlei Anzeichen von Reue. Die Galaxis soll ihr ausgelöschtes Volk nicht als Kriegstreiber in Erinnerung behalten, sondern allein für die Wohltat, die ihr Serum bringen wird: „Those who cursed us will have to thank us for the rest of time.“ Doch als Sinclair sie zum Shuttle begleiten will, das sie zur Erde fliegen soll, stellen sich ihnen Botschafterin Kalika (Robin Curtis) und die anderen Botschafter der Liga der blockfreien Welten in den Weg. Sie verlangen die Durchführung einer Anhörung auf Babylon 5, in der darüber abgestimmt wird, ob Jha’dur der Prozess gemacht werden soll. Sinclair, der mit seiner Entscheidung, Jha’dur sofort zur Erde zu schicken, sowieso gehadert hat, stimmt zu.
Unerwartet fällt das Ergebnis der Abstimmung jedoch gegen einen Prozess aus. Wenig später erscheinen Schiffe mehrer Mitgliedervölker der Liga vor der Station und verlangen die Auslieferung Jha’durs. Sinclair schlägt daraufhin einen Kompromiss vor: Jha’dur soll auf der Erde einem Team aus von der Liga ausgesuchten Wissenschaftlern dabei helfen, ihr Serum weiter zu entwickeln, um anschließend der Liga für einen Prozess übergeben zu werden. Botschafterin Kalika und die anderen Mitglieder der Liga willigen ein und die Schiffe ziehen wieder ab.

Bevor Jha’dur zur Erde geschickt wird, sucht Sinclair sie noch ein letztes Mal auf und wird von ihr über die schreckliche Wahrheit aufgeklärt: Ihr Serum setzt sich unter anderem aus Komponenten zusammen, die lebenden Körpern entstammen, die derselben Spezies angehören müssen wie der jeweilige Empfänger des Serums. Um einer Person Unsterblichkeit zu verleihen, muss eine andere sterben. Obwohl die anderen Völker mit Verachtung auf die Gräueltaten der Dilgar herab blicken, werden sie ohne zu zögern ebensolche Taten begehen. „You will become us. That’s my monument, Commander.“, zischt sie Sinclair hasserfüllt entgegen.
Das von Drehbuchautor DiTillio entworfene Szenario ist in der Tat ein schreckliches, aber auch ein höchst interessantes. Sehr gerne würde ich einen Science-Fiction-Film sehen oder einen Roman lesen, der sich genau jenes Szenario zum Ausgangspunkt nimmt – eine Galaxis voll unsterblich gewordener Lebewesen, die sich ihre Unsterblichkeit aber nur dadurch erkaufen können, dass sie Teile ihrer eigenen Völker umbringen und damit Genozid begehen. Vielleicht ist es genau die Ahnung, dass genau dies geschehen wird, die die Vorlonen am Ende der Episode dazu bringt, das Schiff mit Jha’dur und dem Serum an Bord zu zerstören. „You are not ready for immortality.“, antwortet Kosh auf Sinclairs Frage nach dem Grund dafür. Sehenswert ist die Episode auch wegen Sarah Douglas‘ Schauspiel.

Weniger dramatisch, aber auch weniger sinnvoll geht es im zweiten Handlungsstrang der Episode zu: Talia Winters wird von Botschafter Kosh darum gebeten, bei einer Reihe von Gesprächen zugegen zu sein, die er mit einem Mann namens Abbut (Cosie Costa) führt. Als sie Abbut einem telepathischen Scan zu unterziehen versucht, erkennt sie jedoch – nichts. Abbut scheint keinerlei Gedanken und einen völlig leeren Geist zu haben. Noch dazu reden er und Kosh in ihren Gesprächen nur unverständlichen Kauderwelsch. Als bei Talia schließlich während dieser Gespräche höchst schmerzhafte Erinnerungen an einen früheren Auftrag wieder hoch kommen, beschließt sie, den Auftrag abzubrechen.
Von Garibaldi erfährt sie schließlich, dass diese Erinnerungen wahrscheinlich bewusst proviziert wurden. Bei Abbut handelt es sich um einen sogenannten Vicker, einen Cyborg, der unter anderem Gedanken aufzeichnen kann. Kosh befindet sich nun im Besitz wichtiger Daten aus Talias Kopf, doch was genau befindet sich in diesen Aufzeichnungen? Und warum hat Kosh sie anfertigen lassen? Die Antworten auf diese Fragen würden hier zu sehr spoilern, aber zu gegebener Zeit werde ich im Blog noch einmal darauf zurück kommen. Bis dahin müssen wir uns mit Koshs Antwort auf Talias Frage nach dem Inhalt des Datenkristalls, den Kosh von Abbut erhält, begnügen: „Reflection, surprise, terror. For the future.“

Highlight der Episode: Na’Toths Angriff auf Jha’dur am Anfang der Episode und ihr heraus geschrieenes „Deathwalkeeeeer!!“ (Okay, das finde ich wohl nur deswegen so kultig, weil ich treuer Zuhörer des „Babble On Project“ bin. Ansonsten mag ich Koshs Art, einen Termin auszumachen – the hour of scampering?? (s. Zitate)

Londo/G’Kar-Moment: Da die beiden in dieser Folge keine gemeinsame Szene haben (abgesehen von der Ratsversammlung) und auch sonst nicht im Zentrum dieser Geschichte stehen, lasse ich diese Rubrik wieder einmal leer.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Es ist zwar keine wirklich neue Information und liefert auch keine Antwort, aber Jha’dur erinnert uns noch einmal daran, dass Sinclair eine Lücke in seinem Gedächtnis hat, als sie von ihrer Zeit bei den wind swords erzählt: „They speak of you often, Sinclair. They say you have a hole in your mind.“

Sonstige Fragen:

  • Um was für Zeitangaben handelt es sich bei „the hour of scampering“ und „the hour of longing“?
  • Wo ist Delenn? Sie ist die ganze Folge über nicht auf Babylon 5, weswegen sie Lennier bei der Abstimmung vertreten muss.
  • Wurden das von Jha’dur entwickelte Serum und alle Aufzeichnungen darüber tatsächlich restlos zerstört?

Weitere interessante Punkte: 

  • Erstmals wird hier der Chon’kar erwähnt, der Blurschwur der Narn.
  • Auch der Dilgar-Krieg wird zum ersten Mal erwähnt. Wie wir erfahren, starteten die Dilgar im Jahr 2230 unter der Führung Jha’durs eine Invasion in mehrere andere Raumsektoren. Die Erdstreitkräfte kamen den betroffenen Völkern damals zu Hilfe; so konnte die Invasion gestoppt werden. Garibaldi erwähnt in der Episode, dass die Narn und die Centauri auf der Seite der Dilgar gekämpft haben. Auch Sinclairs Vater kämpfte in diesem Krieg, der die Dilgar nahezu ausrottete. Irgendwann nach dem Krieg explodierte die Sonne des Dilgar-Systems (wie wir von Franklin erfahren) und venichtete damit auch deren Heimatplaneten.
  • Erstmals spielt die Liga der blockfreien Welten (League of Non-Aligned Worlds) eine größere Rolle. Die Sprecherin der Liga auf Babylon 5, Botschafterin Kalika, gehört der Rasse der Abbai an.
  • Als Abbut sagt „I’m a 23 myself“, nachdem Talia ihre Psi-Einstufung (P5) nennt, macht er nur einen Scherz, wie JMS versichert hat.
  • Der Minbari-Attentäter aus dem Pilotfilm gehörte den wind swords an, jener extremistischen Gruppierung, die Jha’dur Zuflucht gewährt hat.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Jha’dur wurde von Sarah Douglas gespielt, die vor allem als Ursa in „Superman“ und „Superman II“ bekannt ist. Unter der Maske von Botschafterin Kalika verbirgt sich die Schauspielerin Robin Curtis, die man vor allem als Vulkanierin Saavik aus dem dritten und vierten „Star Trek“-Film kennt (in „Star Trek II“ wurde die Rolle noch von Kirstie Alley gespielt).
  • Die Rolle des Abbut war von Larry DiTillio ursprünglich für Gilbert Gottfried geschrieben worden, der sie aber aus Termingründen nicht übernehmen konnte.
  • In einer früheren Version des Drehbuchs wurde Na’Toth nicht von G’Kar daran gehindert, ihren Chon’Kar zu erfüllen: Als G’Kar erkennt, dass die Narn keine Chance mehr haben, an das Unsterblichkeitsserum zu gelangen, lässt er Na’Toth auf Jha’dur los. Es kommt zum Kampf zwischen den beiden, doch Na’Toth ist klar unterlegen. Gerade als Jha’dur sie töten will, erscheint Sinclair und rettet Na’Toth das Leben. Die entsprechenden Szenen wurden jedoch aus Zeitgründen gestrichen. (Quelle: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 90)
  • JMS war mit dem Handlungsstrang um Talia in dieser Episode unzufrieden. Das Konzept des „Vickers“, der unter anderem Gedankenmuster und Persönlichkeitsstrukturen aufzeichnen kann, gefiel ihm nicht, weswegen es auch nach dieser Folge nie wieder im „Babylon 5“-Universum auftauchte. (Quelle: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 91f)
  • Die Bezeichnung „Vicker“ kommt – wie Garibaldi erläutert – von der Abkürzung VCR, die für video cassette recorder steht.

Zitate:

Kosh zu Talia: „We will meet in Red 3 at the hour of scampering“

Kosh: „Understanding is a three-edged sword.“

Kosh: „You seek meaning?“
Talia: „Yes.“
Kosh: „Then listen to the music, not the song.“

Talia: „I think I may be having a problem with ambassador Kosh.“
Garibaldi: „Join the club.“

Sinclair: „They say God works in mysterious ways.“
Garibaldi: „Maybe so. But he’s a con man compared to the Vorlon.

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.10 „Believers“

Babylon 5 – Episode 1.08 „And The Sky Full of Stars“

Mein „Babylon 5“-Rewatch ist bei der achten Folge der ersten Staffel angekommen. Übrigens habe ich vor ein paar Tagen mal wieder einen interessanten Artikel über „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) entdeckt.

Episode 1.08 “And the Sky Full of Stars” (“Gefangen im Cybernetz”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 16.03.1994 (USA), 24.09.1995 (Deutschland)

Früh in der Episode erfahren wir einiges Neues über Stephen Franklin (siehe „Folgende weitere wichtige Informationen…“), der Großteil der Folge konzentriert sich jedoch ganz auf Commander Sinclair. Zwei Männer, deren Namen wir nie erfahren und die in den Credits nur als „Knight One“ und „Knight Two“ aufgeführt werden, sind fest entschlossen, hinter ein Geheimnis Sinclairs zu kommen, das dieser selbst gerne kennen würde: Was geschah wirklich in den 24 Stunden, in denen sein Kampfjäger während der letzten Schlacht des Erd-Minbari-Krieges von allen Radarschirmen verschwand und an die Sinclair so gut wie keine Erinnerung hat. (So gut wie keine Erinnerung hatte auch an diese Episode. Ich wusste zwar noch grob, wovon sie handelt, doch die Details und Charaktere hatte ich wohl verdrängt.)

„You didn’t just black out. Your ship disappeared.”, stellt Knight Two (Christopher Neame) fest. Wie sich herausstellt, sind er und sein Mitstreiter davon überzeugt, dass die Minbari sich nur deshalb kurz vor ihrem Sieg über die Menschen ergaben, weil sie den Plan gefasst hatten, die Menschheit lieber im Geheimen von innen heraus zu unterwandern. Deshalb halten Knight One und Knight Two Sinclair für einen Spion der Minbari, auch wenn er selbst sich dieser Tatsache möglicherweise gar nicht bewusst ist, weil er einer Gehirnwäsche unterzogen wurde – so jedenfalls die Theorie. „Why risk their life in a frontal attack when they could attack us from within?“, legt Knight Two Sinclair seine Gedanken dar. “But they needed a fifth column. People like you. Look at Earth, commander. Alien civilization. Alien migration. Aliens buying up real estate by the square mile. Alien funding of Babylon 5. What they couldn’t take by force, they’re corrupting, inch by inch.“ In diesen Worten wird wieder der schon in der letzten Episode thematisierte Fremdenhass und die Furcht vor zu großem außerirdischen Einfluss deutlich, die sich auf der Erde immer mehr ausbreiten.
Sinclair soll nicht nur ein Geständnis abgerungen werden, mit Hilfe des „Cybernetzes“ dringen sowohl er als auch Knight Two in sein Unterbewusstsein vor und fördern Erinnerungen zutage, die zuvor im Verborgenen lagen. Dabei spielt auch die Schuld eine Rolle, die Sinclair als Überlebender der Schlacht um die Erde empfindet. Der Beginn seines Aufenthalt im „Cybernetz“, als der Commander mit wachsender Verwirrung durch die vollkommen verlassene Station läuft, erinnert zumindest mich an die Ausgangssituation einiger „Star Trek“-Folgen. Doch anders als in den frühen „Star Trek“-Serien entspinnt sich aus dieser Situation keine Geschichte, die am Ende der Episode völlig abgeschlossen wird, sondern die Mission von Knight One und Knight Two nimmt auf sich durch die ganze Staffel ziehende Fragen und Handlungselemente Bezug, die zum Teil bereits im Pilotfilm eingeführt worden sind (der kurze Flashback zu dem Minbari, der zu Sinclair sagt „There is a hole in your mind.“, stammt daher).
Im Lauf der Befragung Sinclairs und der Untersuchung seiner Erinnerungen erfahren wir – und Sinclair selbst – ein paar Dinge, die wir bis dahin nicht wussten: So wurde Sinclair in dem Zeitabschnitt, an dem ihm die Erinnerung fehlt, anscheinend von den Minbari gefangen genommen und befragt. Insgesamt liefert die Episode aber mehr neue Fragen als Antworten (siehe unten).

Wie bereits erwähnt hatte ich vor dem erneuten Anschauen so gut wie keine Erinnerung an diese Folge, was wohl damit zu tun hat, dass ich sie nicht besonders gelungen finde. Das beginnt schon bei der Idee des „virtual reality cybernet“, an der mich zugegeben vielleicht einfach nur die Bezeichnung stört, die geradezu „Neunziger Jahre“ schreit. Abgesehen von Sinclair, Delenn und Franklin bleiben alle anderen Hauptfiguren in dieser Folge entweder bloße Stichwortgeber oder kommen gar nicht vor. Das ist an sich nicht weiter schlimm, da bei einem so großen Figurenensemble wie in „Babylon 5“ nicht in jeder Episode Platz für alle Charaktere sein kann, schon gar nicht in der ersten Staffel, die uns die Hauptfiguren erst einmal nacheinander näher vorstellen muss. An sich finde ich die Idee, sich einmal ganz auf Sinclair und die Lücke in seinem Gedächtnis zu konzentrieren auch gut. Nur in der Ausführung finde ich sie nicht besonders gelungen.
Daran sind unter anderem die Schauspieler schuld. Christopher Neame als Knight Two betreibt stellenweise ein wahnsinnig nerviges, theatralisches Overacting wie es in einer Fernsehserie einfach fehl am Platz ist. JMS hat seine Darstellung zwar in den höchsten Tönen gelobt, mich hat sie aber an einigen Stellen aus der Geschichte heraus gerissen, statt mich weiter hinein zu ziehen. Auch Michael O’Hares Schauspiel als Sinclair hat mich nicht überzeugt. Es ist inzwischen bekannt, dass er während seiner Zeit bei „Babylon 5“ ernsthafte psychische Probleme hatte und die Dreharbeiten für ihn sicher nicht einfach waren (mehr bei den „Hinter den Kulissen“-Fakten). Das mag einer der Gründe dafür gewesen sein, warum seine Darstellung hier stets sehr angestrengt und wenig nuanciert wirkt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Figur des Mitchell. Plötzlich sollen wir uns für einen Charakter interessieren, der angeblich eine wichtige Rolle in Sinclairs Vergangenheit gespielt hat, von dem wir aber nie zuvor gehört haben. Das funktioniert leider nicht. Zuletzt sind noch die Effekte zu nennen. Zwar stören mich die heute häufig veraltet wirkenden CGI-Effekte in „Babylon 5“ sehr selten und man muss immer wieder betonen, dass gerade diese Effekte Mitte der Neunziger Jahre im Fernsehen revolutionär waren. Doch in dieser Episode wirken die Szenen aus der Schlacht um die Erde heute äußerst statisch und lassen das Tempo der CGI-Kampfszenen aus späteren Staffeln vermissen. Für damalige Verhältnisse muss „And the Sky Full of Stars“ allerdings durchaus beeindruckend gewesen sein, wie JMS in mehreren seiner Forumposts hervorhub. So erwähnte er beispielsweise, die Episode hätte mehr CGI-Effekte als der gesamte 90-minütige Pilotfilm und wurde auch sonst nicht müde zu betonen, dass er diese Folge für die beste bis dahin produzierte hielt – nicht nur der CGI-Effekte wegen, sondern auch aufgrund des Schauspiels und der für eine TV-Serie ungewöhnlichen Inszenierung durch Regisseurin Janet Greek, die hier erstmals für „Babylon 5“ arbeitete und später bei einigen wirklich hervorragenden Episoden Regie führen sollte.

Insgesamt handelt es sich bei „And the Sky Full of Stars“ also um eine ambitionierte Episode, die ihren hohen Anforderungen aber längst nicht in jeder Hinsicht gerecht wird (wobei angemerkt werden muss, dass diese Kritik zum Teil darauf beruht, dass die Folge ganz einfach schlecht gealtert ist). Sie vermittelt wichtige und interessante Informationen über die Hauptfigur der Serie, beantwortet dabei einige teils bereits im Pilotfilm gestellte Fragen und wirft zahlreiche neue auf. Was mir missfällt, ist vor allem wie die Episode dies tut; ich hätte mir eine andere Rahmenhandlung als die Befragung mithilfe einer virtuellen Realität gewünscht. So bleibt es leider bei einer unterdurchschnittlichen Episode, die mich zwiegespalten zurücklässt: einerseits ist der hier vermittelte Inhalt für den weiteren Verlauf der Serie sehr wichtig, andererseits kann ich mit der Art und Weise, in der dieser Inhalt vermittelt wird, wenig anfangen.

Highlight der Episode: Ich habe die Episode für diesen Blogpost einmal angeschaut, aber dabei war keine Szene und kein Aspekt der Folge ein eindeutiger positiver Höhepunkt für mich. Ich möchte die Folge nicht extra noch einmal anschauen, dehalb lasse ich diese Rubrik dieses Mal leer.

Londo/G’Kar-Moment: Leider kommen die beiden in dieser Episode nicht vor. 😦

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Wie bereits erwähnt erhalten wir einiges an Hintergrundinformationen über Franklin (auch über Delenn erfahren wir Neues, doch das führt nur zu neuen Fragen – siehe unten): In seiner Jugend ist er quasi als Anhalter durch die Galaxis gereist, um möglichst viele verschiedene Orte kennen zu lernen. Er interessiert sich sehr für die Physiologie von nichtmenschlichen Rassen. Gleichzeitig nimmt er den Eid, den er als Arzt geschworen hat, sehr ernst – alles Leben ist ihm heilig, ganz gleich ob menschliches oder außerirdisches. Als man ihn während des Krieges gegen die Minbari aufgefordert hat, seine Forschungen über die Minbari auszuhändigen, hat er die Aufzeichungen lieber vernichtet als zuzulassen, dass sie zur Entwicklung biologischer Waffen verwendet werden.
Neben den neuen Erkenntnissen über Sinclair, die alle zu weiteren Fragen führen, erfahren wir auch ein paar handfeste Fakten über ihn: Er wurde am 3. Mai 2218 auf dem Mars geboren und ist 39 Jahre alt. 2237 ist er den Erdstreitkräften beigetreten, 2240 wurde er zum Kampfpiloten befördert und weniger als ein Jahr später zum Geschwaderführer. Genau wie sein Vater, Großvater und Urgroßvater ist Sinclair ein Karriereoffizier, wie es Knight Two ausdrückt.

Sonstige Fragen:

  • Was war Delenns Rolle im Erd-Minbari-Krieg? Warum möchte sie dazu (noch) keine Auskunft geben? („A topic for another time.“, erwidert sie auf Franklins Frage danach.)
  • Sind Knight One und Knight Two Telepathen? Diese Frage hat JMS selbst mit nein beantwortet.
  • Worum handelt es sich bei dem „auflechtenden Dreieck“, das einer der Minbari vor Sinclair hält? Was bedeutet es?
  • Warum war Delenn bei Sinclairs Befragung/Untersuchung durch die Minbari anwesend? (Sofern seine Erinnerung daran korrekt ist.) Handelte es sich bei der Gruppe von Minbari, die Sinclair befragten, um den die Minbari anführenden Grauen Rat, wie Sinclair vermutet? Falls ja, ist bzw. war Delenn dann dort Mitglied? Und warum hält sie dies geheim?
  • Laut Garibaldi sind Knight One und Knight Two Teil einer Organisation, die eine Kollaboration zwischen bestimmten Fraktionen auf der Erde und den Minbari beweisen will. Gerüchten zufolge handelt es sich dabei um eine regierungsinterne Organisation, doch wer genau steckt dahinter? „If I fail, more will come after me until this job is finished.“, sagt Knight Two zu Sinclair. Das deutet ja an, dass sie keine Einzeltäter, sondern Mitglieder einer Organisation sind.
  • Wer hat Bensons Leiche nach draußen befördert? (Diese Frage wird nie explizit beantwortet werden, doch nach dem Ende der Staffel wird man sich die Antwort zusammenreimen können.)
  • Was meint Knight Two, als er in seiner letzten Szene sagt „Maybe we’re both still inside“? Wahrscheinlich ist diese Aussage nur auf seine Verwirrung zurück zu führen, denn ich glaube nicht, dass damit angedeutet werden soll, dass sich die Geschehnisse immer noch im Cybernetz abspielen.
  • Wer ist der Minbari, den wir am Ende der Episode bei Delenn sehen? Warum sagt er, Sinclair müsse getötet werden, wenn er jemals die Wahrheit erfahren sollte?
  • Ist an den Anschuldigungen, Sinclair sei ein Spion der Minbari, vielleicht doch etwas dran? Da Sinclair immer noch nicht genau weiß, was in den fraglichen 24 Stunden mit ihm geschehen ist, kann er sich auch nicht sicher sein, dass die Minbari ihm nicht z.B. einer Gehirnwäsche unterzogen haben und er seitdem unbewusst als Spion für sie arbeitet.
  • Sinclair fasst die wichtigsten Fragen der Episode am Schluss selbst zusammen: „What is it they don’t want me to remember?“

Weitere interessante Punkte: 

  • Der Titel der Episode spielt auf eine Dialogzeile Sinclairs im Pilotfilm aus einer Szene an, in der er von der letzten Schlacht im Erd-Minbari-Krieg erzählt: „We never had a chance. The sky was full of stars, and every star an exploding ship. One of ours.“
  • Zu Beginn der Episode sehen wir eines der wenigen Beispiele für Holo-Technologie in „Babylon 5“, als Knight Ond und Knight Two sich ein holografisches Abbild Sinclairs ansehen.
  • Ivanva erwähnt, dass es eine Erd-Basis im Tigris-Sektor gibt.
  • Interessant fand ich Sinclairs Aussage, dass es zu dem Vorfall (dem Verschwinden seines Schiffes) damals eine Anhörung gegeben hat, in der die Angelegenheit geklärt wurde. Das scheinbare Verschwinden seines Schiffes war dabei auf einen technischen Defekt zurückgeführt worden.
  • In einer Szene sehen wir Garibaldi beim Zeitunglesen über die Schulter. Zwar sind die einzelnen Artikel der Ausgabe von „Universe Today“ nicht lesbar (wie schön wäre B5 auf Blu-ray!), die Überschriften aber durchaus. Einige von ihnen nehmen auf Ereignisse bezug, die in den bisherigen Folgen angesprochen worden sind, andere bieten vage Hinweise auf zukünftige Handlungselemente der Serie (und mit der einen oder anderen Schlagzeile hat sich JMS auch nur einen Witz erlaubt):
    • Psi-Corps in Election Tangle – Did Psi-Corps Violate Its Charter by Endorsing Vice President?
    • Homeguard Leader Convicted. Jacob Lester Found Guilty In Attack On Minbari Embassy
    • Narns Settle Ragesh 3 Controversy
    • Special Section: Pros & Cons of Inter-Species Mating
    • San Diego Still Considered Too Radioactive For Occupancy
    • Copyright Trial Continues In Bookzap Flap
    • EA President Promises Balanced Budget by 2260

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Rolle von Knight Two sollte ursprünglich von Walter Koenig gespielt werden. Dieser musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen absagen. Danach wollte man Patrick McGoohan („The Prisoner“) für die Rolle verpflichten, doch ihn hinderten andere schauspielerische Verpflichtungen an der Zusage. So bekam Christopher Neame die Rolle. Walter Koenig spielte schließlich den Psi-Cop Alfred Bester in der Episode „Mind War“ (die zwar vor „And the Sky Full of Stars“ ausgestrahlt, aber später gedreht wurde). JMS fand Neames Darstellung von Knight Two so beeindruckend, dass er mit dem Gedanken spielte, die Figur irgendwann zurück zu bringen.
  • Für Michael O’Hare müssen die Dreharbeiten zu dieser Folge in ganz besonderer Weise belastend gewesen sein. Wie JMS nach O’Hares Tod bekannt gab, litt dieser während der Dreharbeiten zur ersten Staffel an ernsthaften psychischen Problemen (krankhafte Paranoia verbunden mit Wahnvorstellungen). O’Hares Krankheit war zu seinen Lebzeiten nicht öffentlich bekannt, doch folgendes Zitat von ihm, in dem er über die Dreharbeiten zu dieser Episode spricht, macht deutlich, dass ihm das Spielen einer Figur, deren Realitätswahrnehmung gestört ist, durchaus nahe gegangen sein muss: „As far as the underpinning of the scenes was concerned, I understood them very well from things in my private life. I understodd what the experience was of losing everything, having everything taken away from me.“ (Zitiert nach: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 83)

Zitate:

„Everyone lies, Michael. The innocent lie because they don’t want to be blamed for something they didn’t do. The guilty lie because they don’t have any other choice.“ (Sinclair)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.09 „Deathwalker“

Babylon 5 – Episode 1.07 „The War Prayer“

Endlich geht mein größtenteils spoilerfreier „Babylon 5“-Rewatch in eine weitere Runde. Mal sehen, wie lange ich bis zum nächsten Blogpost brauche, die Arbeit an diesem hier hat jedenfalls ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen. Aber das braucht euch nicht zu kümmern, denn nun ist meine Episodenbesprechung ja fertig:

Episode 1.07 “The War Prayer” (“Angriff auf die Außerirdischen”)

Drehbuch: D.C. Fontana, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 09.03.1994 (USA), 17.09.1995 (Deutschland)

„The War Prayer“ folgt drei verschiedenen Handlungssträngen, die sich im Verlauf der Episode überschneiden. In der ersten Szene lernen wir die Minbari-Dichterin Shaal Mayan (Nancy Lee Grahn) kennen, eine alte Freundin von Delenn. Im Gespräch der beiden erleben wir Delenn herzlicher und gefühlvoller als in den bisherigen Episoden, wo sie zumeist als unnahbare oder mysteriöse Person in Erscheinung getreten ist. Mit der Herzlichkeit ist es aber schon nach dieser ersten Szene vorbei, als Mayan auf dem Weg zu ihrem Quartier von unbekannten Angreifern attackiert und ihre Stirn mit einem Brandmal versehen wird. Das Symbol und die Aussage der Angreifer, „Stay away from Earth, freak!“, lassen keine Zweifel daran, dass es sich um die Tat einer menschlichen Extremistengruppe namens Homeguard handelt, die möglichst jeden außerirdischen Einfluss von der Erde fern halten will.
Delenn bringt Sinclair gegenüber ihre Wut über den Angriff und die ihrer Meinung nach unzureichende Aufklärungsarbeit der Sicherheitskräfte auf der Station zum Ausdruck. Auch G’Kar droht mit Konsequenzen, falls Narn zum Opfer der Homeguard werden sollten. Nachdem wir den Narn-Botschafter in der letzten Folge von einer bis dahin nicht gekannten nachdenklichen, ja fast schon philosophischen Seite erlebt haben, agiert er hier erneut in der Rolle des Aggressors. Shaal Mayan dagegen reagiert auf die Attacke unerwartet besonnen und beschließt sogar, das Brandzeichen auf ihrer Stirn nicht entfernen zu lassen, sondern es als Mahnung und Erinnerung zu behalten.

Londo hat inzwischen Probleme ganz anderer Art. Kiron und Aria, zwei junge, frisch verliebte Centauri, sind nach Babylon 5 gekommen und erhoffen sich vom Botschafter ihres Volkes Hilfe. Die beiden sollen gemäß der Tradition der Centauri in arrangierten Ehen mit Partnern verheiratet werden, die sie nicht lieben, die ihnen und ihren Familien aber ein großes Maß an Ansehen und Einfluss sichern. Londo kann ihren Wunsch nach einer Hochzeit aus Liebe zunächst gar nicht nachvollziehen. „What does love have to do with marriage!?“, fragt er sie und zeigt ihnen Fotos seiner drei Ehefrauen, für die er alles andere als Liebe empfindet, die sich aber auch weit fort auf der Centauri-Heimatwelt befinden. Dass er sich selbst vor kurzem noch im Liebestaumel befand, als er eine kurze, aber glückliche Zeit mit der Tänzerin Adira verlebte, scheint er entweder vergessen zu haben oder bewusst verdrängen zu wollen (oder es handelt sich hier schlicht um eine Unachtsamkeit der Autoren).
Kurz darauf werden Kiron und Aria Opfer eines weiteren Angriffs der Homeguard, den Kiron nur schwer verletzt überlebt. Dies – und ein Gespräch mit Shaal Mayan – ist wohl der Grund dafür, warum sich Londo letztlich doch erweichen lässt. Zwar beharrt er weiterhin darauf, dass Kiron und Aria sich an die Traditionen ihres Volkes halten müssen, doch er findet eine Lösung, die sowohl diese Traditionen berücksichtigt, als auch den Wünschen der jungen Verliebten nachkommt. Wenn er schon selbst vergessen zu haben scheint, „wie man tanzt“, dann will er wenigstens dem jungen Paar, in dem er sich selbst ein Stück weit wieder erkennt, die Möglichkeit zu einer glücklichen und erfüllten Zukunft geben.

Susan Ivanova bekommt unterdessen überraschenden Besuch von ihrem Ex-Freund Malcolm Biggs (Tristan Rogers), den sie vor acht Jahren verlassen hatte, um sich ganz ihrer Karriere widmen zu können. Die beiden verbringen einen netten Abend zusammen, doch leider stellt sich kurz danach heraus, dass Biggs ein Mitglied der Homeguard ist. Er ist auf die Station gekommen, um einen Angriff auf die außerirdischen Botschafter zu koordinieren und hofft außerdem, neue Mitglieder anwerben zu können.
Commander Sinclair befürchtet, dass nach den beiden Angriffen die Gewalt auf der Station eskaliert und die Homeguard auf diese Weise genau jene Ziele untergräbt, für die Babylon 5 steht: Völkerverständigung und ein friedliches Miteinander. Er scheint mit dieser Befürchtung Recht zu behalten, als G’Kar die Außerirdischen auf der Station dazu auffordert, sich die Angriffe der Menschen nicht gefallen zu lassen und zurück zu schlagen. Sinclair gibt daraufhin vor, mit den Zielen der Homeguard zu sympathisieren und wird zusammen mit Ivanova zu einem Treffen mit Biggs eingeladen. Dort erfahren sie von seinen Plänen und können ihn und einige seiner Mitstreiter mit Hilfe von Garibaldi und seinen Sicherheitskräften schließlich überwältigen und gefangen nehmen.
Dieser Handlungsstrang legt einen wichtigen Grundstein in der episodenübergreifenden Handlung der Serie. Der zunehmende Fremdenhass auf der Erde und der Versuch bestimmter Gruppierungen, sich gegen die Anwesenheit und den Einfluss Außerirdischer zur Wehr zu setzen, wird später in der Serie noch ausführlich thematisiert werden. Innerhalb dieser Episode kann die Erzählung jedenfalls nur teilweise als geglückt betrachtet werden; es erscheint jedenfalls ziemlich unglaubwürdig, dass Malcolm Biggs nach nur wenigen Äußerungen Sinclairs diesem mit einem Mal vertrauen zu scheint und ihm geheime Informationen über die Homeguard anvertraut. Hätte man diesen Handlungsstrang auf mehrere Folgen verteilt, so wäre eine langsamere und damit glaubwürdigere Annäherung möglich gewesen. Auch Michael O’Hares Schauspiel muss man hier leider zu den Kritikpunkten zählen. Sein in vielen Szenen immer gleicher, statischer Gesichtsausdruck mit zusammen gezogenen Augebrauen, die wohl so etwas wie intensive Ernsthaftigkeit zum Ausdruck bringen sollen, lässt Sinclair lediglich unnahbar wirken, so dass man zumindest in dieser Episode nicht wirklich hinter die Fassada dieser Figur dringt. Lediglich in der Szene, in der Sinclair sich in seinem Quartier mit Biggs und Ivanova unterhält, fällt O’Hares Schauspiel positiv auf. Interessanterweise spielt Sinclair in dieser Szene Biggs ja selbst etwas vor – vielleicht fiel O’Hare dieses doppelbödige Schauspiel leichter? (Dass Michael O’Hare während der Produktion der ersten Staffel ernste psychische Probleme hatte, ist inzwischen bekannt. Trotzdem erlaube ich es mir hin und wieder, sein Schauspiel zu kritisieren – oder auch zu loben, insgesamt finde ich an seiner Darstellung von Sinclair nämlich mehr positive als negative Aspekte.)

Auch Susan Ivanova kommen wir in dieser Episode nicht wirklich nah. Mit Malcolm Biggs lernen wir zwar eine Person aus ihrer privaten Vergangenheit kennen und erleben Susan zumindest kurzzeitg so offen und gelöst wie das bisher kaum der Fall war. Wir erhalten ein paar neue Informationen über sie, doch all das verstärkt nur das Bild der kühlen, sich ihren Mitmenschen nur langsam und widerwillig öffnenden Frau, das die Serie seit der ersten Folge von ihr zeichnet. Ivanovas Darstellerin, Claudia Christian, hat auf Conventions mehrmals erzählt, dass sie Joe Straczynski nach der ersten Staffel gebeten hat, Ivanovas Persönlichkeit mehr ihrer eigenen anzugleichen und die Figur weniger steif und dafür offener und humorvoller zu gestalten. Dies wurde ab der zweiten Staffel auch berücksichtigt und Ivanovas Verschlossenheit während der ersten Staffel von Christian damit gerechtfertigt, dass sie neu auf der Station war und ganz einfach eine Zeit lang brauchte, bis sie sich ihren Kollegen öffnen konnte.

Und wenn ich schon beim Stichwort „unnahbar“ bin: In dieser Folge hat auch Kosh wieder einen denkwürdigen Auftritt. Als er von Sinclair um Hilfe bei der Deeskalation der Situation gebeten wird, gibt er lediglich zur Antwort, dass die Vorlonen sich nicht für die Angelegenheiten anderer interessieren. (Mehr zu Kosh unter „Sonstige Fragen“)

Highlight der Episode: Keine bestimmte, einzelne Szene. Aber als ich mir die Folge für diesen Blogpost nach langer Zeit wieder einmal angeschaut habe, war ich erstaunt über die Aktualität der geschilderten Ereignisse. Fremdenhass und die Angst vor dem „Anderen“, das anhand scheinbar willkürlicher Kriterien wie „Rasse“, Aussehen oder Religion fest gemacht wird, gehören im „Babylon 5“-Universum im Jahr 2258 leider noch genauso zum Alltag wie im Jahr 2015 (oder im Jahr 1994, als diese Folge erstmals gesendet wurde). Im Rahmen der Pegida-Bewegung gehen in Deutschland Menschen derzeit auf die Straße, um gegen eine vermeintliche Isalmisierung unserer Gesellschaft und gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu demonstrieren. Genau wie die Attentäter, die heute in die Redaktionsräume der französischen Satirezeitung Charlie Hebdo eingedrungen sind und in unfassbarer Grausamkeit zwölf Menschen getötet haben, stehen sie einem friedlichen Miteinander im Weg und schaffen neue Probleme, statt gemeinsam mit Andersdenkenden an der Lösung bestehender Probleme zu arbeiten.
Die folgenden Zitate aus der Episode erinnern stark die Parallelen zwischen dem aktuellen Zeitgeschehen und den fiktiven Ereignissen der Serie:
„If you ask me they got the right idea. It’s about time we human beings stood up for our rights. Damn aliens ruin everything for us.“ (Der von Garibaldi verhörte Tatverdächtige, als er auf die Homeguard angesprochen wird.)
„Alien ambassadors setting policy for humans. Alien workers taking jobs from human beings. Inhuman criminals preying on decent people. […] We want to put a stop to that.“ (Malcolm Biggs)

Londo/G’Kar-Moment: Die beiden haben keine gemeinsame Szene, aber Londos kurzer Monolog, in dem er Kiron und Aria von seinen drei Frauen erzählt, ist wirklich köstlich (s. Zitat unten).

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Wie ich schon angesprochen habe, lernen wir die von alten Traditionen geprägte Kultur der Centauri hier besser kennen. Londo erwähnt, dass arrangierte Ehen auf seiner Welt bereits seit Tausend Jahren alltäglich sind. Nach Liebe wird bei diesen Hochzeiten selten gefragt, die beteiligten Familien streben vor allem danach, sich möglichst viel Macht, Einfluss und finanzielle Vorteile zu schaffen.
Auch die Ereignisse des Pilotfilms werden hier noch einmal angesprochen und von Sinclair praktisch zusammen gefasst. Das zeigt, dass „Babylon 5“ nichts vergisst (okay, es gibt Ausnahmen – wie beispielsweise Delenns Ringe aus dem Pilotfilm). Kurz nach der Inbetriebnahme der Station war damals ein Anschlag auf Botschafter Kosh verübt worden. Die Telepathin Lyta Alexander und der Stationsarzt Dr. Benjamin Kyle, die Kosh danach gescannt bzw. untersucht haben, wurden kurz darauf zurück zur Erde beordert. Der Täter war, wie sich später heraus stellte, ein Minbari, der einer extremistischen Splittergruppe angehörte. Sinclair stellt hier auch die – ebenfalls von vielen Fans der Serie gestellte – Frage, wie Kosh denn mit Hilfe eines Hautpflasters vergiftet werden konnte, obwohl er einen Schutzanzug trägt. Ivanova äußert darauf hin die Vermutung, dass dieser Anzug womöglich allein dazu dient, Koshs wahres Aussehen zu verbergen.
Auch der wachsende Fremdenhass auf der Erde wird, wie ich oben schon erwähnt habe, noch sehr wichtig für die Serienhandlung werden.

Sonstige Fragen:

  • Was genau studiert/lernt Kosh mit Hilfe des Bildschirms in seinem Quartier? Seine Antworten auf Sinclairs Fragen sind wie gewöhnlich wenig hilfreich, aber es scheint, als interessiere er sich sehr für die Menschheit und ihre Geschichte.
  • Wieso hat die Dichterin Shaal Mayan einen Vor- und einen Nachnamen? Alle anderen Minbari, die wir bislang kennen gelernt haben, tragen lediglich einen Namen (Delenn, Lennier). Womöglich handelt es sich bei einem der beiden Namen um einen Künstlernamen oder einen Titel (Danke an @TanjaKinkel auf Twitter!).
  • Glaubt Londo wirklich nicht (mehr) an die Liebe? In „Born To The Purple“ hat er sich doch selbst noch wie ein verliebter Teenager verhalten – und hier weigert er sich zunächst standhaft, dem Anliegen der beiden jungen Verliebten Gehör zu schenken. Hat er nach seiner kurzen, aber leidenschaftlichen Beziehung mit Adira beschlossen, seine Gefühle tief in sich zu vergraben, weil ihn die Erinnerung daran so sehr schmerzt? Seine Entscheidung am Ende der Episode zeigt ja zumindest, dass er nachempfinden kann, was Kiron und Aria fühlen. Aus irgendeinem Grund scheint er aber gleichzeitig zu glauben, dass es für ihn zu spät sei, um seinem Herzen zu folgen (vgl. die beiden letzten Zitate ganz unten).
  • Woher hat Malcolm Biggs nur diesen schrecklichen Pullover, den er in einer seiner Szenen trägt?

Weitere interessante Punkte: 

  • Londo bezeichnet seine drei Frauen als „Pestilence, famine and death“ und zählt damit drei der vier apokalyptischen Reiter auf. Dies lässt die Interpretation zu, dass der nicht von Londo erwähnte, den Krieg symbolisierende Reiter, ihn selbst bezeichnet.
  • Von Garibaldi erfahren wir, dass Ivanova in den Gartenanalagen von Babylon 5 Kaffee anbaut, was den Stationsvorschriften zufolge nicht erlaubt ist. Diese Charactereigenschaft Ivanovas wurde von ihrer Vorgängerin Laurel Takashima übernommen, die im Pilotfilm ebenfalls erwähnt, dass sie sich den Luxus leistet, echten Kaffee anzubauen.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Szene, in der Sinclair und Ivanova über die Ereignisse aus dem Pilotfilm sprechen, war eigentlich für „The Parliament of Dreams“ gefilmt worden. Weil diese Episode aber drei Minuten zu lang und „The War Prayer“ drei Minuten zu kurz war, verschob man die Szene hierher.
  • Der Originaltitel der Folge ist ein Verweis auf das gleichnamige Gedicht von Mark Twain, das Straczynski zufolge jeder gelesen haben sollte.
  • Die Drehbuchautorin dieser Episode, D.C. Fontana, ist vor allem für ihre Drehbücher der ersten „Star Trek“-Serie bekannt. Das Drehbuch zu „The War Prayer“ schrieb sie auf der Grundlage eines kurzen Treatments von JMS.
  • In einer Episode von „Star Trek: Deep Space Nine“ wird ebenfalls ein Außerirdischer (soweit ich weiß ein Ferengi) angegriffen und auf der Stirn mit einem Zeichen gebranntmarkt. Die entsprechende Episode wurde laut JMS ausgestrahlt, nachdem D.C. Fontana ihr Drehbuch für „The War Prayer“ eingereicht hatte. JMS hat weiterhin betont, dass es aufgrund des zeitlichen Rahmens ausgeschlossen ist, dass hier eine der beiden Parteien durch die andere beeinflusst worden ist. Da die „Deep Space Nine“-Folge aber nun einmal vor der B5-Folge gesendet worden war, erwog er zumindest vorübergehend, das Brandzeichen komplett aus der Episode heraus retuschieren zu lassen, weil die Ähnlichkeit zur DS9-Folge so auffällig war. Da das aber zu aufwändig gewesen wäre und das Zeichen auf Shaal Mayans Stirn eine relativ wichtige Funktion in der Handlung einnimmt, entschied er sich schließlich dagegen. [Anmerkung: Ich weiß leider nicht genau, um welche Folge von DS9 es sich handelt. Im Gegensatz zu B5 habe ich DS9 nur einmal gesehen und konnte die entsprechende Episode zumindest bei einer kurzen Wikipedia-Recherche nicht ermitteln. Da JMS den Post, in dem er von der Handlungsparallele berichtet, am 2.10.1993 geschrieben hat, kann es sich jedenfalls nur um eine Folge aus der ersten Staffel oder um die erste Folge der zweiten Staffel handeln. Alle anderen Folgen wurden später gesendet. Falls jemand unter euch Lesern weiß, welche Episode gemeint ist, dann schreibt es doch bitte in einen Kommentar, damit ich den Blogpost abändern kann!]

Zitate:

Ivanova zu Garibaldi: „You’re a vicious man.“
Garibaldi: „I’m head of security. It’s in the job description.“

Londo (als Sinclair das junge Centauri-Paar in seine Obhut übergibt): „What am I supposed to do with them?“
Sinclair: „You’re always saying the Centauri are an advanced race. You figure it out.“

Londo (entrüstet): „Love!? What does love have to do with marriage!??“

Londo: „These are my three wives – pestilence, famine, and death. Do you think I married them for their personalities? Their personalities could shatter entire planets. […] Knowing that they were waiting at home for me keeps me here. 75 light years away.“

Londo (seinen Vater zitierend): „My shoes are too tight. But it doesn’t matter, because I have forgotten how to dance.“

Shaal Mayan: „Ambassador, I have travelled far and seen much. And what I have seen tells me that all sentient beings are best defined by their capacity and their need for love.“
Londo: „And she [Aria] will learn to live without it.“
Shaal Mayan: „As you did?“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.08 „And the Sky Full of Stars“

Babylon 5 – Episode 1.06 „Mind War“

Nach einer viel zu langen, nicht beabsichtigten Sommerpause melde ich mich hier endlich mit einer weiteren „Babylon 5“-Episodenbesprechung zurück. Zunächst möchte ich jedoch wieder auf einige Neuigkeiten aus dem B5-Universum zu sprechen kommen:

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Univerum

Die erste erfreuliche Nachricht: „Babylon 5“ ist ins deutsche Fernsehen zurückgekehrt! Die komplette Serie wird zurzeit auf Tele 5 wiederholt (hier gibt es die genauen Ausstrahlungstermine – jede Folge wird sogar zweimal gezeigt!). Inzwischen ist Tele 5 schon bei den letzten Folgen der dritten Staffel angekommen. Ob die Wiederaufnahme der Serie ins deutsche TV-Programm direkt auf die „Free Babylon 5“-Bewegung zurück zu führen ist, weiß ich nicht, eine positive Nachricht ist es aber allemal. Hoffentlich wird die Serie dadurch einige neue Fans gewinnen!
Die zweite gute Nachricht: „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynskis (JMS) hat im Sommer auf der San Diego Comic Con einen „Babylon 5“-Kinofilm angekündigt! Noch sind keine genauen Details bekannt, aber JMS plant anscheinend, nächstes Jahr das Drehbuch zu schreiben, so dass der Film 2016 gedreht werden kann. Falls Warner Bros. den Film nicht produzieren möchte, wird JMS dies unter dem Banner seines selbst gegründeten Studio JMS tun. Da Warner Bros. zwar die Fernseh- und DVD-Rechte an „Babylon 5“ besitzt, die Filmrechte aber bei JMS liegen, ist ein Kinofilm für ihn die einzige Möglichkeit, notfalls auch ohne Zustimmung von Warner Bros. neue B5-Abenteuer zu drehen (zudem hat er in der Vergangenheit mehrmals gesagt, wenn es jemals neue B5-Geschichten geben sollte, dann auf keinen Fall wieder mit sichtbar kleinem Budget gedrehte direct-to-DVD-Episoden wie „The Lost Tales“/“Vergessene Legenden“, sondern am liebsten einen richtig großen Kinofilm). Noch ist nicht bekannt, worum es in dem Film genau gehen wird oder welche Charaktere und Schauspieler wir sehen werden. JMS hat allerdings angekündigt, dass es sich um ein Reboot handeln wird. Der Film wird also wahrscheinlich nicht die Handlung der TV-Serie aufgreifen oder fortführen, sondern die Tür zu einem ganz neuen B5-Universum aufstoßen. Falls aus der Serie bekannte Schauspieler darin mitspielen werden, dann JMS zufolge in anderen als den gewohnten Rollen. Auf der Comic Con hat JMS auch noch einen weiteren Film angekündigt: Er wird ein Drehbuch auf der Grundlage seines eigenen Comics „Titans“ schreiben, das dann verfilmt werden soll.
Als wären Comics und Filmdrehbücher nicht genug, arbeitet JMS aktuell zusammen mit den Wachowski-Geschwistern („The Matrix“, „Cloud Atlas“) auch noch an „Sense8“, einer neuen Fernsehserie, die 2015 auf Netflix zu sehen sein wird.  Die Dreharbeiten dürften inzwischen fast beendet sein und mit Max Riemelt ist sogar ein deutscher Schauspieler Mitglied des internationalen Casts (weitere Infos zur Serie gibt es in diesem Artikel.) In einem Facebook-Post hat JMS vor kurzem die tollkühne Behauptung aufgestellt, „Sense8“ werde das Fernsehen grundlegend revolutionieren. Ob das stimmt, werden wir nächstes Jahr sehen, ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Serie.
Übrigens habe ich meinen Blogpost über die B5-Podcasts aktualisiert und einen weiteren Podcast hinzugefügt. Das war’s auch schon an aktuellen Neuigkeiten, jetzt geht’s rasch weiter mit…

Episode 1.06 “Mind War” (“Die Macht des Geistes”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Bruce Seth Green
Erstausstrahlung: 02.03.1994 (USA), 10.09.1995 (Deutschland)

Die Haupthandlung dieser Episode dreht sich um Talia Winters und ihren Ex-Geliebten Jason Ironheart. Wir erhalten zahlreiche neue Informationen über Telepathen und das Psi-Corps, doch die meisten davon führen nur zu neuen Fragen. Gleich zu Beginn, als der Psi-Cop Alfred Bester (Walter Koenig) und seine Kollegin Sinclairs Büro betreten, werden die Spannungen deutlich, die zwischen Telepathen und Nicht-Telepathen existieren. Besters Versuch, mit Sinclair ohne Worte auf telepathischem Weg zu kommunizieren, wird von Sinclair wütend abgeschmettert. Als Sinclair anschließend anmerkt, es gebe doch eigentlich Regeln, die bestimmen, was Telepathen erlaubt ist und was nicht, erwidert Besters Kollegin Kelsey nur trocken: „There are rules, and there are rules, Commander.“ – ein erster Hinweis darauf, dass sich viele Personen in den Führungsetagen des Psi-Corps nicht um Regeln und Gesetze zu kümmern scheinen.
Walter Koenig, den die meisten Science Fiction-Fans zuvor vor allem als Pavel Chekov aus der zweiten und dritten Staffel der ersten „Star Trek“-Serie (und den Kinofilmen) gekannt haben dürften, spielt hier eine ganz anders gelagerte Rolle. Sein Alfred Bester tritt vom ersten Moment an arrogant, fies und herablassend auf. Das ist herrlich anzusehen, treibt aber die anderen Charaktere wie Sinclair und Ivanova zur Weißglut. Die Szene, in der Bester und Kelsey gemeinsam Talia Winters einem gründlichen Scan unterziehen, ist erschreckend; die Prozedur scheint einer geistigen Vergewaltigung gleich zu kommen, bis Sinclair schließlich einschreitet und den Scan abbricht. Bemerkenswert ist auch Susan Ivanovas Reaktion: Sie reicht Talia anschließend mitfühlend ein Glas Wasser, obwohl sie bislang keine Sympathie für die Telepathin gezeigt hat. Doch Susan weiß aus eigener Erfahrung, welches Leid das Corps einem Menschen antun kann – ihre Mutter wurde vom Psi-Corps in den Selbstmord getrieben, wie wir aus der ersten Folge wissen.
Von Jason Ironheart erfahren wir, dass das Corps Experimente durchführt, um stärkere Telepathen sowie Telekinetiker zu erzeugen. Ironheart zufolge verfolgt das Corps dabei böse Absichten. Es plant angeblich, Telekinetiker wie ihn einzusetzen, um im Weg stehende Personen zu ermorden, ohne Spuren zu hinterlassen. Aber kann man Ironhearts Aussagen trauen? Auf jeden Fall zeigen sich in der Fassade des Psi-Corps deutliche Risse; es handelt sich dabei wohl nicht um die vorbildhafte Institution zum Schutz und der Förderung von Telepathen, die es nach außen darzustellen versucht.
Talias Monolog, in dem sie Sinclair ungefragt erläutert, wie es sich anfühlt, wenn zwei Telepathen miteinander schlafen, soll wohl weitere Sympathien für Talia wecken. Leider wirkt die Szene aber etwas seltsam; es fühlt sich einfach nicht glaubwürdig an, dass Talia Sinclair – den sie noch nicht sehr gut kennt – solche intimen Informationen mitteilt. Insgesamt dient diese Szene aber wie viele andere in dieser Folge dazu, dem Zuschauer zahlreiche neue Informationen über das Psi-Corp, über Telepathen an sich und über Talia Winters zu liefern, die einen Grundstein für die weitere erzählerische Entwicklung von „Babylon 5“ darstellen.

G’Kar schien bislang ein recht eindimensionaler und vorhersehbarer Charakter zu sein. Er war stets der böse Gegenspieler von Londo Mollari und einigen anderen Figuren, der vor allem von seinem Hass auf die Centauri getrieben zu sein schien. Auch diese Episode scheint zunächst genau dieses Bild zu bestätigen – bei seinem ersten Auftreten steht G’Kar mit bösem Blick hinter Catherine Sakai, die mit ihm über die Erlaubnis, den Planeten Sigma 957 zu erforschen, verhandeln muss. Auch sein Verhalten in den folgenden Szenen scheint dem bislang von ihm gezeichneten Bild zu entsprechen. Er wird als Gegenspieler von Sakai aufgebaut, der sie scheinbar aufgrund eigener Interessen daran hindern will, nach Sigma 957 zu fliegen. Sein Satz „Then I fear the Commander will miss you greatly, when you fail to return from Sigma 957“ wirkt wie eine Drohung. Doch er sagt auch einen anderen, sehr wichtigen Satz: „No one here is exactly what he appears.“ Damit weist er darauf hin, dass keine der Figuren in der Welt von „Babylon 5“ genau das sind, was sie zunächst zu sein scheinen.
Alle Charaktere wandeln sich im Lauf der Serie, und diese Wandlungen sind ganz unterschiedlicher Natur. Das Bild, das man in dieser frühen Phase der Serie von den Figuren hat, wird sich definitiv verändern. Genauso wenig wie Londo einfach nur eine fröhliche, oberflächliche Person ist, die gerne trinkt und feiert, ist G’Kar auch nicht einfach nur ein klassischer Bösewicht. Sein Zorn und seine Wut gehören zu diesem frühen Zeitpunkt in der Serie definitiv zu seinem Charakter, doch auch G’Kar wird einige Veränderungen durchmachen und ist zudem bereits jetzt mehr als nur der von seiner Wut getriebene Bösewicht. Die Szene, in der er ein bewaffnetes Raumschiff anfordert, das nach Sigma 957 fliegen soll, spielt noch mit den Erwartungen des Zuschauers. Will G’Kar Catherine Sakais Schiff zerstören lassen, um irgendein Geheimnis zu bewahren? Dass dem nicht so ist, zeigt sich, als das von ihm angeforderte Schiff zu Sakais Rettung kommt. Was also sind eigentlich G’Kars Motive und Ziele?
Die Nebenhandlung um Catherine Sakais Expedition ist nicht besonders komplex oder gehaltvoll, doch auch dieser Teil der Episode dient dazu, dem Zuschauer einige Informationen über die Figuren und das Universum von „Babylon 5“ zu liefern, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sein werden. Zum einen wird G’Kars Charakter eine neue, bisher unbekannte Facette hinzugefügt, zum anderen erfahren wir auch, dass da draußen im Universum noch andere Lebewesen zu existieren scheinen, die um viele Milliarden Jahre älter sind als alle bekannten Rassen – ein erster Blick auf die großen Wunder des Universums. Nicht zuletzt erhalten wir auch Einblick in Catherine Sakais Beruf, auch wenn der Handlungsstrang, der sich daraus hätte ergeben sollen, im weiteren Verlauf der Serie abgeändert werden musste (mehr dazu, wenn es so weit ist).

Highlight der Episode: G’Kars Worte am Schluss: „There are things in the universe, billions of years older than either of our races. They are vast, timeless, and if they are aware of us at all, it is as little more than ants. And we have as much chance of communicating with them as an ant has with us. We know. We’ve tried. And we’ve learned that we can either stay out from underfoot or be stepped on. They are a mystery. And I am both terrified and reassured to know that there are still wonders in the universe, that we have not yet explained everything.
Diese Zeilen stellen frühes Beispiel für einen jener typischen JMS-Monologe dar, wie sie in der Serie noch öfter vorkommen werden. Auf die Frage, was er an der Episode selbst am liebsen möge, antwortete JMS: „It’s that when all is said and done, *nobody knows anything*. […] [T]he closest I can come to is to compare it to writing a mystery novel, without revealing the killer, but *without* frustrating anyone in the process, because there’s *closure*. In so much of TV SF, *everything* has to be explained, often explained to death. I just love that in the B5 universe, it’s okay for there to be mysteries and wonders and the unexplained.“

Londo/G’Kar-Moment: Londo kommt in der Episode leider nicht vor und die beste G’Kar-Szene habe ich schon als „Highlight der Episode“ beschrieben.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Von Talia erhalten wir neue Informationen über Telepathen – zum Beispiel, dass sie starke Emotionen anderer Menschen oft gar nicht blocken können. So wie man in einem Hotelzimmer Geräusche aus dem Nebenzimmer vernimmt, so nehmen Telepathen im Alltag das Gewirr aus sie umgebenden, von starken Emotionen gefärbten Gedanken war. Sie müssen lernen, diese Eindrücke so gut es geht aktiv abzublocken oder zu ignorieren.
Der Psi-Cop Alfred Bester (Walter Koenig) hat in dieser Folge seinen ersten Auftritt – es wird nicht der letzte sein. Wie wir von seiner Kollegin Kelsey erfahren, gehört es zu den Aufgaben von Psi-Cops, abtrünnige Telepathen einzufangen bzw. wieder zum Corps zurück zu führen, wie sie es wohl formulieren würde. Zum Psi-Cop befähigt sind nur Telepathen mit Fähigkeiten der höchsten Stufe P-12. Auch Susan Ivanovas Abneigung gegen das Psi-Corps und die ihm angehörigen Telepathen wird in dieser Folge wieder einmal deutlich.

Sonstige Fragen:

  • Was hat Catherine Sakai bei Sigma 957 gesehen? Was ist da draußen im Universum?
  • Was meint Jason Ironheart, als er am Ende zu Sinclair sagt: „I will see you again, in a million years.“? (JMS beantwortete nach der Erstaustrahlung der Folge die Frage, ob wir Ironheart wiedersehen würden, mit „Yes and no.“ Wer die Serie schon komplett gesehen hat, dürfte wissen, wie diese Antwort gemeint ist…)
  • Was wird aus Talia und ihrer neuen Gabe? Wird sie sie weiter entwickeln und erneut einsetzen?
  • Jason Ironheart zufolge strebt das Psi-Corps nach „Kontrolle“, doch welche Ziele verfolgt es genau?
  • Warum existiert bei dem abgelegenen und noch unerforschten Planeten Sigma 957 eigentlich ein Hyperraumsprungtor? (Diese Frage hat JMS bereits beantwortet: Demnach werden Sprungtore von großen Forschungsschiffen in solchen Regionen des Weltraums abgesetzt, die es sich weiter zu erforschen lohnt. Auf diese Weise können anschließend auch kleinere Schiffe wie das von Catherine Skai in diese Regionen vordringen und die weitere Forschungsarbeit leisten.)

Weitere interessante Punkte: 

  • Wir lernen nicht nur das Psi-Corps besser kennen und erfahren mehr über Telepathen, sondern wir erfahren auch, dass das Corps mit Telepathen experimentiert und versucht, Telekinetiker zu erzeugen, um sie zu militärischen und geheimdienstlichen Zwecken einzusetzen. Unter natürlichen Bedingungen gibt es unter tausend Menschen etwa einen Telepathen und unter zehntausend Telepathen einen Telekinetiker (von denen wiederum die Häflte geisteskrank sind)
  • Ironheart zitiert ein Gebet der Ojibwe-Indianer, bevor er gegen Kelsey ankämpft. Es soll Schutz vor Feinden bieten.
  • Besters Geste, als er sich von Sinclair verabschiedet und sein Satz „Be seeing you, Commander“ sind als direkte Referenz an die britische Serie „The Prisoner“ zu verstehen (die ich leider noch nicht kenne).

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Episode wurde als zehnte der ersten Staffel gefilmt, aber das Studio war JMS zufolge so davon beeindruckt, dass beschlossen wurde, sie als sechste Folge zu senden. In der ersten Staffel, die noch überwiegend aus in sich abgeschlossenen Episoden bestand, war ein solches „Herumschieben“ von Episoden noch möglich und kam auch öfter vor.
  • Catherine Sakai erwähnt die Substanz Quantium 40, die auf der Erde nicht vorkommt, aber essentiell beim Bau von Hyperraumsprungtoren ist. Sie hofft, auf Sigma 957 große Mengen davon zu finden.
  • Alfred Bester wurde nach dem gleichnamigen amerikanischen Science-Fiction-Autor (1913-1987) benannt.
  • Walter Koenig sollte ursprünglich nicht Bester spielen, sondern eine Figur in der Folge „And The Sky Full of Stars“, die vor „Mind War“ gefilmt worden war. Weil sein Zeitplan dies aber nicht erlaubte, spielte er also den fiesen Psi-Cop in „Mind War“. JMS wollte Koenig bewusst gegen sein Image als Pavel Chekov aus „Star Trek“ besetzen.
  • Bei der Erstausstrahlung der Folge konnte man in der Einstellung, als Jason Ironhearts Schiff den Stern verdeckt, den Stern durch das Schiff hindurch leuchten sehen – ein Fehler, der bei der Produktion nicht aufgefallen war. Nach der Erstausstrahlung wurde die fehlerhafte Einstellung ausgetauscht.

Zitate:

„No one here is exactly what he appears. Not Mollari, not Delenn, not Sinclair, and not me.“ (G’Kar – ein weiteres schönes Zitat von ihm gibt es beim „Highlight der Episode“)

Bester zu Garibaldi: „Anatomically impossible, Mr. Garibaldi. But you’re welcome to try. Anytime, anywhere.“

Ivanonva zu Bester und Kelsey: „Good old Psi Corps. You guys never cease to amaze me. All the moral fiber of Jack the Ripper. What do you do in your spare time, juggle babies over a fire pit? ‚Oops, there goes another calculated risk.'“
Kelsey: „You are not helping the situation.“
Ivanova: „Lady, you are the situation.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.07 „The War Prayer“