Das war 2016 – Mein persönlicher Film- und Serien-Jahresrückblick

Zum letzten (und bisher einzigen) Mal habe ich hier im Blog 2013 einen Jahresrückblick geschrieben. 2016 habe ich es endlich mal wieder (auf den letzten Drücker) geschafft!
Wie auch schon 2013 werde ich hier zusammenfassen, welche besonders guten und schlechten Filme und TV-Serien ich dieses Jahr gesehen habe – ganz egal, ob es sich dabei um neue oder schon ältere Veröffentlichungen handelt.

Die besten neuen Filme

Beginnen wir mal mit den neuen, also in diesem Jahr veröffentlichten Filmen. Da fällt es mir leicht, meine „Top 3“ zusammen zu stellen (aber nicht leicht, sie in eine Reihenfolge zu bringen). „Room“ („Raum“) kam bereits im Frühjahr ins Kino und ich habe den Film seitdem nicht noch einmal gesehen, aber weil ich zwischenzeitlich das Hörbuch zu Emma Donoghues Romanvorlage gehört habe, sind mir die Geschichte und die Figuren immer noch sehr präsent. Lenny Abrahamsons Film um einen Jungen, der gemeinsam mit seiner Mutter jahrelang von einem Entführer gefangen gehalten wird und vollkommen von der Außenwelt abgeschottet aufwächst, ist ein kleines Wunderwerk. Denn trotz dieser düster und depressiv klingenden Ausgangssituation ist der Film das genaue Gegenteil von düster: „Room“ ist ein hoffnungsvoller Film, was nicht zuletzt an den hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller Brie Larson (die dafür einen Oscar gewann) und des siebenjährigen Jacob Tremblay liegt. Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch einmal anschauen. Aufgrund einer sehr persönlichen Beziehung, die ich zu der Geschichte habe, könnte er sogar zu einem meiner Lieblingsfilme werden!

Ein weiterer äußerst emotionaler Filmhöhepunkt war dieses Jahr ganz klar „Closet Monster“ von Stephen Dunn. Das Spielfilmdebüt des jungen kanadischen jungen kanadischen Regisseurs strotzt nur so vor kreativen Einfällen und ist in seiner Ausführung so gelungen, dass man gar nicht glauben mag, dass da jemand seinen ersten Kinofilm inszeniert hat! Und natürlich gibt es in keinem anderen Film einen Hamster, der von Isabella Rossellini gesprochen wird! 😉 (Hier könnt ihr meine Filmkritik auf filmszene.de lesen.)

Dass es wie bereits 2015 ein deutscher Film ganz weit nach oben in meiner Top-Ten-Liste schaffen würde, hätte ich nicht erwartet (schon allein, weil ich nicht besonders viele deutsche Filme anschaue). An „Toni Erdmann“ führte in diesem Jahr aber nicht nur kein Weg vorbei, sondern der Film wird seinem Ruf auch wirklich gerecht! Auf so eine Geschichte, in der ein von seiner Tochter entfremdeter Vater dieser über den Umweg einer erfundenen Persönlichkeit wieder näher zu kommen versucht, muss man erst einmal kommen. Aber selbst dann hätte noch eine Menge schiefgehen können, zum Beispiel wenn Regisseurin Maren Ade den Stoff als platte Komödie inszeniert und zur Vorlage für lauter dämliche Witze genommen hätte. Hat sie aber natürlich nicht. Das Endergebnis ist einfach nur großartig – ein Film wie kein anderer. Ein Bekannter von mir hat „Toni Erdmann“ allerdings mit „Borat“ verglichen und ich muss zugeben, dass er damit nicht ganz unrecht hat. Trotzdem handelt es sich um zwei sehr verschiedene Filme, vor allem wohl deshalb, weil Ade die Figuren und Situationen in ihrem Film nie um der bloßen Provokation willen oder für einen billigen Lacher eskalieren lässt. (Meine ausführliche Filmkritik könnt ihr hier lesen.)

Weitere Filmhighlights waren dieses Jahr für micht „Everybody Wants Some!!“ von Richard Linklater (nach dem Kinobesuch bin ich singend und tanzend durch die Straßen gelaufen) und „The Girl With All The Gifts“, ein schauspielerisch wie atmosphärisch extrem gut gemachter Zombiefilm, den ich auf dem Fantasy Filmfest gesehen habe (regulärer Kinostart wird im Februar sein). Auch „Arrival“ von Denis Villeneuve gehört ganz klar zu den besten neuen Filmen von 2016. Nicht nur Science-Fiction-Fans sollten hier definitv einen Blick riskieren.

Das waren die sechs besten, neuen Filme, die ich 2016 gesehen habe. Es gab aber natürlich noch eine Reihe weiterer guter bis sehr guter, die erwähnenswert sind. Da wäre zum Beispiel die Dokumentation „The Hunting Ground“ über sexuellen Missbrauch an US-Universitäten (verfügbar auf Netflix). Auch Jeff Nichols‘ Mystery-Drama „Midnight Special“ hat mir gut gefallen und ich muss ihn definitiv noch einmal anschauen.
Marvel hat dieses Jahr mit dem dritten „Captain America“-Film „Civil War“ einen Volltreffer hingelegt – ich habe mich blendend unterhalten gefühlt, aber einen Großteil des Films schon lange wieder vergessen.

Der neue Tim Burton-Film „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ („Die Insel der besonderen Kinder“) hat mir gut gefallen, auch wenn er wohl nicht zu den großen Meisterwerken des Regisseurs zählt. Als Beatles-Fan fand ich auch Ron Howard’s Dokumentation „Eight Days A Week“ sehr schön, aber man muss den Beatles natürlich schon grundsätzlich etwas abgewinnen können, um hier auf seine Kosten zu kommen (aber wer kann das bitteschön nicht?).

Zumindest von der Form her interessant fand ich „Der Nachtmahr“, allerdings liefen all die inszenierungstechnischen Tricksereien dabei irgendwie ins Leere, sodass der Film mehr versprach als er letztendlich einlösen konnte. Gegen Jahresende schließlich hat mich der neue Disney-Animationsfilm „Moana“ (in Deutschland „Vaiana“) gut amüsiert. Und auch das diesjähriger „Star Wars“-Abenteuer „Rogue One“ fand ich als großer Fan der Sternensaga trotz einiger Schwachstellen doch ziemlich gelungen.

Auch auf dem Filmfest München habe ich dieses Jahr wieder viele tolle (und auch ein paar nicht so tolle) Filme gesehen, über die ich größtenteils gebloggt habe. Ein paar davon habe ich hier schon genannt, hinzuzufügen wären aber zum Beispiel noch „Ein deutsches Leben“, „Oleg Y Las Raras Artes“ und „Die letzte Sau“.

Was ich sonst noch für tolle Filme angeschaut habe

Neben diesen Neustarts gab es jedoch auch ziemlich viele ältere Filme, die ich 2016 nachgeholt habe. M. Night Shyamalan hat 2015 mit „The Visit“ endlich mal wieder einen spannenden und gelungenen Film abgeliefert. Aber auch die Österreicher können Horror! Das haben vor zwei Jahren Severin Fiala und Veronika Franz mit der Genre-Perle „Ich seh ich seh“ bewiesen, die ich ebenfalls dieses Jahr gesehen habe und wirklich sehr empfehlen kann!

Noch besser fand ich „Nightcrawler“, in dem Jake Gyllenhaal vor zwei Jahren als ehrgeiziger TV-Journalist zu sehen war. Ein fantastisches Stück Kino, ein bitterböser Blick auf die harte Medien- und Journalismusbranche und ein grandioser Soundtrack! Auch „Love Steaks“ hat mich begeistert. Die deutsche Low Budget-Produktion hat vor einigen Jahren auf mehreren Festivals für Aufsehen gesorgt; nun habe ich sie auch endlich gesehen und war begeistert von der Unmittelbarkeit und Natürlichkeit dieser etwas anderen (oder vielleicht einfach nur kino-untypischen und realistischen?) Liebesgeschichte. Auch Wim Wenders Dokumentation „The Salt of the Earth“ über den Fotografen Sebastião Salgado fand ich sehr beeindruckend. Und wenn ich schon bei deutschen Filmen bin: Auch die Komödie „Wir sind die Neuen“ hat mich positiv überrascht, weil hier das Aufeinandertreffen der Generationen wirklich mit Witz behandelt wird und die Schauspieler sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

Als großer David Bowie-Fan war 2016 natürlich kein gutes Jahr für mich; „The Man Who Fell to Earth“ („Der Mann, der vom Himmel fiel“) habe ich erst nach Bowies Tod zum ersten Mal gesehen – und muss den Film auf jeden Fall irgendwann noch einmal anschauen. Weitere Kultfilme, die ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, waren „The Exorcist“ („Der Exorzist“), „Thelma & Louise“, „Interview with the Vampire“ („Interview mit einem Vampir“) und „Zoolander“ (Teil zwei habe ich einige Tage später angeschaut). Nachdem ich die „Godfather“-Trilogie zum Geburtstag bekommen hatte, habe ich außerdem mehrere Abende damit verbracht, mir mal wieder Francis Ford Coppolas Saga einer italo-amerikanischen Familie zu Gemüte zu führen. Würden Mario Puzos Romane heute verfilmt werden, dann würde man daraus wahrscheinlich eine TV-Serie machen, also habe ich mir die Filme häppchenweise in feierabendfreundlichen Blöcken von 60 bis 90 Minuten über mehrere Abende verteilt angeschaut. Auch die „Alien“-Filme habe ich mir dieses Jahr mal wieder alle angeschaut, und zwar gleich mehrfach: Teil 1 bis 3 habe ich sowohl in der Kinofassung als auch in den auf den Blu-rays enthaltenen längeren Schnittfassungen angeschaut. Bei „Alien: Resurrection“ habe ich es allerdings bei der Kinofassung belassen, da ich mir diesen Murks nicht noch einmal antun wollte.

Die schlechtesten Filme des Jahres

Wie jedes Jahr gab es auch 2016 ein paar Filme, über die ich mich richtig geärgert habe. Ganz oben auf der Liste steht „Independence Day: Resurgence“. Ganz ehrlich, ich hätte die zehn Euro, die ich hier für den Kinobesuch ausgegeben habe, lieber verbrennen und dann dabei zuschauen sollen. Das wäre unterhaltsamer gewesen als diese völlig uninspirierte, vor Klischees nur so strotzende Fortsetzung von Roland Emmerichs Science Fiction-Klassiker. Dicht dahinter folgt „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Es ist mir unbegreiflich, warum Zack Snyder immer noch riesige Budgets anvertraut werden, wo doch jedes Mal so ein Murks dabei herauskommt. (Halt, ich verstehe es doch: seine Filme spielen das Geld – und sogar noch mehr! – nämlich tatsächlich wieder ein. Unbegreiflich!) Auch die zweite Comicverfilmung aus dem DC-Universum, „Suicide Squad“, fand ich grottenschlecht. Ich kenne mich mit Comics zwar kaum aus, aber bei Marvel schaffen sie es immerhin, unterhaltsame Filme rauszuhauen!

Wobei es zumindest einen Marvel-Film gab, den ich dieses Jahr auch ziemlich schlecht fand: „X-Men: Apocalpyse“. Der gehört zwar nicht zum „Marvel Cinematic Universe“ von Disney, aber gerade weil die beiden vorherigen „X-Men“-Filme so großartig waren, hatte ich mir einen würdigen Abschluss dieser Trilogie gewünscht. Weitere Filmgurken aus 2016 waren „Die 5. Welle“ und „London Has Fallen“. Bei letzterem war mir das eigentlich schon vorher klar, schließlich war auch schon Teil 1 nur leidlich unterhaltsam. Ich schaue mir solche Filme wohl nur an, um sie dann am Jahresende auf meine Flop-Liste setzen zu können… 😉 Auch bei Duncan Jones Videospielverfilming „Warcraft: The Beginning“ habe ich nach etwa einer Viertelstunde geistig abgeschaltet und darauf gehofft, dass es bald vorbei ist. Schade, denn ich bin ein großer Fan seiner ersten beiden Filme „Moon“ und „Source Code“. Dass die neue „Ben Hur“-Verfilmung einfach nur überflüssig sein würde, war mir natürlich auch schon vorher klar. Angeschaut (und darüber geschrieben) habe ich den Film trotzdem.

…und noch mehr schlechte Filme

Als hätte 2016 nicht schon genug schlechte Filme hervorgebracht, habe ich mir zusätzlich auch noch einige ältere Filmgurken reingezogen. Das ging Anfang des Jahres los mit Cameron Crowes „Aloha“. Ich bin ja wirklich ein großer Fan von Crowe und zähle mit „Almost Famous“ und „Vanilla Sky“ zwei seiner Werke zu meinen Lieblingsfilmen, aber was er mit „Aloha“ abgeliefert hat, ist einfach so was von langweilig, uninspiriert und voller Klischees, dass man sich fragt, ob da wirklich noch derselbe Autor und Regisseur am Werk war. Schade! Josh Tranks „Fantastic Four“-Verfilmung von 2015 war auch nicht besser, konnte mich aber immerhin mit unfreiwilliger Komik unterhalten. Auch in diesem Fall kann man aber nur sagen: schade, dass nichts Besseres dabei herausgekommen ist. „Chronicle“ wird wohl Tranks bester Superheldenfilm bleiben…

Auch richtig schlecht fand ich Disneys Realversion von bzw. Parallelgeschichte zu „Dornröschen“, „Maleficent“. Schrecklich gelangweilt habe ich mich bei Angelina Jolies „By the Sea“ und „Kingsman“ fand ich extrem dämlich. Dass mich auch die „Hunger Games“ mit „Mockingjay: Teil 2“ nicht mehr begeistern konnten, hat mich nach dem extrem handlungsarmen dritten Film nicht mehr überrascht. Der bei weitem schlechteste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe, war jedoch der Weinachts-Grusel „Krampus“. So etwas kommt also dabei heraus, wenn sich die Amerikaner an für sie wohl total exotisch anmutenden mitteleuropäischen Schreckgestalten abarbeiten! Cultural appropriation mal anders…

Mein Serienjahr

Ich habe 2016 zwar knapp 200 neue, alte und teils auch altbekannte Filme angeschaut, aber es hätten noch wesentlich mehr sein können, wenn es nicht so viele gute TV-Serien gäbe. Dass „Hannibal“ ein vorzeitiges Ende gefunden hat, ist für mich eine mittelschwere Katastrophe. Bryan Fullers Neuverfilmung der Romane von Thomas Harris gehört für mich zu den besten Fernsehserien überhaupt und ich hoffe sehr, dass er es doch noch irgendwie schaffen wird, eine Fortsetzung in Form einer Miniserie für irgendeine Streamingplattform zu produzieren.

Das beste Fernsehen scheint inzwischen ja sowieso auf Netflix & Co. stattzufinden. „Jessica Jones“ war für mich der bislang beste Beitrag zum filmischen Marveluniversum und auch die beiden „Daredevil“-Staffeln fand ich toll. Sehr gut unterhalten hat mich dieses Jahr auf Netflix auch die zweite Staffel von „Grace and Frankie“. Darin geht es zwar um Figuren, die mehr als doppelt so alt sind wie ich, aber wenn sie von so grandiosen Schauspielern wie Jane Fonda oder Martin Sheen gespielt werden, dann macht das auch dann riesigen Spaß, wenn man sich nicht mit allen Problemen der Figuren identifizieren kann.

Mit „Downton Abbey“ fand dieses Jahr eine meiner Lieblingsserien ihr Ende. Auch hier sind es vor allem die erstklassigen Darsteller, die das meist doch recht banale Soap-Geschehen sehenswert machen. Bei „Stranger Things“ wiederum stimmte das Gesamtpaket aus Schauspielern, Mystery-Handlung und gekonnt reproduzierter Achtziger-Jahre-Atmosphäre. Ich bin schon gespannt auf Staffel zwei! Eine weitere Staffel von „Heroes Reborn“ wird es dagegen nicht geben, was aber kein großer Verlust ist. Tim Krings Superhelden-Ensemblesoap „Heroes“ war in ihrer ersten Staffel 2006 noch revolutionär und verdammt gut, danach ging es aber leider immer weiter bergab. Der Neuaufguss „Heroes Reborn“ hätte toll werden können, aber leider hat man dabei die Schwächen der späteren „Heroes“-Staffeln nicht ausgemerzt, sondern sie nur noch verstärkt.

Richtig, richtig gut dagegen ist „Bates Motel“. Man hätte es von einem „Psycho“-Prequel nicht unbedingt erwartet, aber der auf fünf Staffeln angelegten Serie ist es tatsächlich gelungen, die Hintergründe von Norman Bates und seiner Mutter interessant und plausibel zu beleuchten. Die Staffeln drei und vier habe ich dieses Jahr hier im Blog besprochen. Weniger begeistert war ich von Woody Allens erster „Fernsehserie“ „Crisis in Six Scenes“. Ich habe „Fernsehserie“ hier bewusst in Anführungszeichen geschrieben, denn eigentlich handelt es sich dabei nur um einen in sechs Teile aufgespaltenen Film. Die jeweils 22 Minuten langen, auf Amazon Video verfügbaren Folgen bieten typischen, größtenteils recht altbackenen Woody Allen-Humor. Darunter sind zwar hin und wieder wirklich gelungene, lustige Momente, doch zu Allens besseren Werken gehört dieser „Serienfilm“ bestimmt nicht. (Außerdem verdient sich „Crisis in Six Scenes“ den Preis für den unkreativsten Titel des Jahres. Hat da jemand aus Versehen den Arbeitstitel der Serie stehen lassen!?)

Im Herbst habe ich mir die letzten Folgen von „Mad Men“ angeschaut und wurde nicht enttäuscht. Die Serie hat ihr durchgehend hohes Niveau halten können und ein nicht spektakuläres, aber angemessenes und passendes Ende gefunden. Neu angefangen habe ich dagegen mit „Scream“. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Slasherfilmreihe und es gelingt ihr recht erfolgreich, die aus den Filmen bekannte Metaeben (z.B. in Form von Diskussionen über die Regeln des Slasher-Genres) ins Fernsehen zu übertragen. Natürlich handelt es sich dabei um Unterhaltung mit nicht allzu viel Tiefgang, aber für zwischendurch eignet sich die Serie allemal. Staffel zwei habe ich auch schon angeschaut.

Eines meiner Serienlangzeitprojekte ist Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Vor ein paar Jahren habe ich mit der ersten Staffel angefangen und lasse mir zwischen den Staffeln immer ziemlich viel Zeit. Mittlerweile habe ich sechs Staffeln geschafft (und drei Staffeln von „Angel“, das ich parallel anschaue), aber erst bis zur fünften Staffel gebloggt. Ich werde demnächst mit dem Anschauen der letzten Staffel anfangen und hoffentlich auch noch einen Blogpost über Staffel sechs schreiben, aber so begeistert wie zu Beginn bin ich von der Serie nicht mehr.

Nach wie vor begeistert bin ich aber natürlich von meiner Lieblingsserie „Babylon 5“. Seit ich vor ein paar Jahren einen einführenden Überblick über J. Michael Straczynskis revolutionäre Science Fiction-Saga geschrieben habe, blogge ich in unregelmäßigen Abständen über jede einzelne Folge. Immerhin bis zur vorletzten Episode der ersten Staffel habe ich es 2016 geschafft; weitere Blogposts werden definitiv folgen, ich hatte nur in den letzten Monaten zu wenig Zeit dazu. Ebenfalls noch nicht gebloggt habe ich über Straczynskis neue Serie „Sense8“, die er zusammen mit den Wachowski-Schwestern realisiert hat. Die 2015 gestartete Netflix-Serie wurde vor einer Woche endlich mit einem Christmas Special fortgesetzt und soll im Mai eine zweite Staffel spendiert bekommen. Ich bin schon sehr gespannt, da ich „Sense8“ für eine der wichtigsten gegenwärtigen Serien halte!

Weiterhin habe ich dieses Jahr die zweite Staffel von „True Detective“ angeschaut (nicht so mein Fall) und mir endlich die Miniserie „Top of the Lake“ angesehen (schon viel eher mein Fall – und wenn mir jemand gesagt hätte, diese düstere und deprimierende Serie sei die dritte Staffel von „True Detective“, hätte ich das sofort geglaubt). Neben der zweiten Staffel von „The Newsroom“ (ich liebe Aaron Sorkins Dialoge!) habe ich mir auch die erste Staffel von „The Extant“ angeschaut (interessant, leider gibt es ja nur eine weitere Staffel).

Mit der Science Fiction-Anthologieserie „Black Mirror“ habe ich zumindest schon angefangen und bin davon sehr angetan. Auch „Devious Maids“ von „Desperate Housewives“-Schöpfer Marc Cherry habe ich begonnen zu gucken und war zumindest ein paar Tage lang süchtig danach, das hat sich also schnell wieder gelegt. Ich weiß also nicht, ob ich das weiter anschauen werde. Ach ja, bevor ich’s vergesse: ich habe dieses Jahr auch wieder ein bisschen „Star Trek“ geguckt, genauer gesagt die zweite Staffel von „Enterprise“. Ich freue mich schon auf die neue „Star Trek“-Serie, die im Mai starten wird!

Schließlich gab es dieses Jahr natürlich auch ein paar Serien, die ich anzuschauen begonnen habe, die aber nicht so ganz meinen Geschmack getroffen haben. Darunter waren „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“, „Penny Dreadful“ und „Ascension“. Auch von „The Expanse“ habe ich bislang nur zwei Folgen gesehen, die mich vor allem verwirrt haben. Bei „Luke Cage“ bin ich noch nicht über Episode 1 hinaus gekommen, die ich eigentlich nicht so toll fand. Da mir aber die anderen Marvel-Serien bei Netflix so gut gefallen haben, werde ich vielleicht doch irgendwann weitersehen. „Masters of Sex“ wollte ich schon lange sehen und habe 2016 endlich damit begonnen. Eigentlich ist die Serie ziemlich gut, aber der Funke wollte dann doch nicht überspringen. Manchmal wäre es vielleicht doch besser, nicht aus jedem Thema gleich eine Serie zu machen. Ein „Masters of Sex“-Film wäre jedenfalls sehr viel schneller zu konsumieren gewesen.

Was alle an „Mr. Robot“ so toll finden, habe ich noch nicht verstanden und hier auch nach drei oder vier Folgen erstmal Schluss gemacht. Die Serie ist zwar gut gemacht, bietet aber meiner Meinung nach nicht viel Neues. Es geht mal wieder um einen unsicheren männlichen Protagonisten, der seine Gefühle schlecht ausdrücken kann und sich im Umgang mit anderen Menschen schwertut. Das kennen wir inzwischen schon zu Genüge aus anderen Serien (Sherlock, „Dexter“).

Falls Ihr diesen Text tatsächlich bis hierhin gelesen haben solltet, wünsche ich euch an dieser Stelle ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2017! Möge es uns viele tolle neue Filme und Serien bringen. 🙂

Rettung per Apple Watch: Heroes Reborn

Dieser Text enthält einige wenige Spoiler, aber keine wirklich großen. 🙂

Erinnert ihr euch noch an „Heroes“? Das war eine tolle Science Fiction/Mystery-Serie, die vor zehn Jahren erschien und quasi so etwas wie „X-Men“ fürs Fernsehen war (und tatsächlich auch viele Comic-Elemente ins Fernsehen übertrug). Es ging um Menschen mit Superkräften (Selbstheilung, Gedankenlesen, Fliegen,…), eine geheime Organisation, die Jagd auf sie machte und nicht zuletzt um die Rettung der Welt. Schon von Anfang an war das Ganze mehr eine Soap als eine ernste Dramaserie, aber dank der interessanten Mischung aus unterschiedlichen Figuren und der frischen, so noch nicht gesehen Weise, in der diese Geschichte erzählt wurde, konnte die erste Staffel voll und ganz begeistern. Sie gehört zu den besten Beispielen für den Boom an Qualitäts-Serien der Nullerjahre. Leider hat es Serienschöpfer Tim Kring aber nicht bei dieser einen Staffel belassen, sondern noch drei weitere dranghängt, bevor „Heroes“ schließlich abgesetzt wurde. In den Staffeln zwei bis vier wurde die Serie immer wirrer und beliebiger; die Soap-Elemente nahmen überhand und die Handlung konnte nicht mehr fesseln. Neben einer fantastischen ersten Staffeln bliebt von „Heroes“ also vor allem in Erinnerung, dass Zachary Quinto – der später der neue Mr. Spock in „Star Trek“ wurde – und Hayden Panettiere dort ihren großen Durchbruch feierten. Und der Spruch „Save the cheerleader, save the world“, der zumindest vorübergehend zum Bestandteil des popkulturelle Bewusstseins wurde.

Ab 12.05. erhältlich: Das Bluray-Set von "Heroes Reborn"

Ab 12.05. erhältlich: Das Bluray-Set von „Heroes Reborn“

Schon während der Produktion von „Heroes“ war ein Spin-off namens „Heroes: Origins“ geplant gewesen, das dann aber doch nicht verwirklicht wurde. Dafür bekam Tim Kring 2015, fünf Jahre nach dem Ende der Originalserie, doch noch die Gelegenheit, seine Heldensaga weiter zu erzählen. „Heroes Reborn“ ist für Kring allerdings kein Spin-off, sondern eher die zehnte Staffel von „Heroes“, wie er im offiziellen „Making of“ erklärt – nur dass wir die Staffeln fünf bis neun halt nie zu Gesicht bekommen haben. Dementsprechend spielt die Handlung von „Heroes Reborn“ auch ein ganzes Stück nach dem Ende von „Heroes“. Zur Erinnerung: Am Ende der vierten Staffel von „Heroes“ hatte Claire Bennet die Existenz von Menschen mit Superkräften an die Öffentlichkeit gebracht. „Heroes Reborn“ spielt nun in einer Welt, in der diese Menschen, die „Evos“ genannt werden, Gegenstand hitziger gesellschaftlicher Debatten sind. Die Einen halten sie für die Rettung der Menschheit, Andere wiederum glauben, die Evos wollen die Macht über die ganze Erde an sich reißen. Überall auf der Welt sehen sich Evos zahlreichen Formen der Diskriminierung ausgesetzt. So müssen sie sich in den USA etwa registrieren und überwachen lassen, während in Paris vor dem Eiffelturm nach Evos gescannt wird, die den Turm nicht betreten dürfen. Die Handlung der Serie setzt ein Jahr nach einem großen Terroranschlag in Odessa ein, für den einige führende Evos und deren Unterstützer verantwortlich gemacht werden und bei dem auch die eigentlich für unzerstörbar gehaltene Claire Bennet ums Leben kam. (Ein Teil dieser Hintergrundgeschichte wird übrigens in sechs Mini-Episoden erzählt, die man vor der eigentlichen Serie anschauen sollte, die aber leider im Bonusmaterial auf Disc 3 des Bluray-Sets versteckt sind.)

Heroes Reborn - Season 1Dass Claire nicht mehr am Leben ist, hat wohl vor allem den Grund, dass man Hayden Panettiere nicht zu einer Rückkehr ins „Heroes“-Universum überzeugen konnte. Auch Zachary Quinto hatte keine Lust mehr, in die Rolle des Sylar zu schlüpfen und so finden sich nur wenige Mitglieder des ursprünglichen Ensembles im Cast von „Heroes Reborn“ wieder. Zumindest zu Beginn ist die Hauptfigur Claires Vater Noah Bennet (Jack Coleman) – von den Fans stets HRG („horn-rimmed glasses“) genannt. Er arbeitet inzwischen unter einem anderen Namen als Autohändler, wird aber wieder in den Konflikt um die Evos hineingezogen, als ihn der Verschwörungstheoretiker Quentin (Henry Zebrowski) ausfindig macht. Schnell muss Noah feststellen, dass er seine Erinnerungen an die Ereignisse um den Anschlag in Odessa aus seinem Gedächtnis löschen ließ – aber warum? Gemeinsam mit Quentin macht er sich auf, die Wahrheit herauszufinden.

Noah und Quentin sind aber bei weitem nicht die einzigen Hauptfiguren in „Heroes Reborn“. Die Serie wartet mit einem unüberschaubar großen Ensemble auf. Da ist zum Beispiel der Teenager Tommy (Robbie Kay), der über Superkräfte verfügt und in den 13 Episoden seine eigene Heldenreise antritt, bei der er auch die Wahrheit über seine Herkunft und sein Schicksal erfährt. Da ist ein Ehepaar, welches die Evos für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht und fortan einen mörderischen Rachefeldzug gegen alle Evos führt; dumm nur, dass der Mann bald selbst Superkräfte zu entwickeln beginnt. Da ist Miko (Kiki Sukezane), ein Mädchen in Japan, welches sich mit Hilfe eines geheimnisvollen Schwerts direkt in ein Videospiel namens „Evernow“ teleportieren kann. Da ist ein Typ irgendwo in Los Angeles, der nach dem Tod seines Bruders feststellt, dass dieser über Superkräfte verfügte und diese im Kampf für das Gute als klassischer maskierter Superheld einsetzte; nun legt er selbst das Kostüm an, um den Kampf im Geist seines Bruders fortzuführen. Da ist Erica Kravid (Rya Kihlstedt), die Leiterin eines globalen Tech-Konzerns namens Renautas, die große Pläne für die Zukunft der Menschheit hat, bei denen die Evos eine besondere Rolle spielen. Und da ist ein irgendein blondes Mädchen, das mit einer Freundin anscheinend zu Fuß von Alaska nach Süden unterwegs ist – warum, das weiß man für mehrere Episoden nicht.

Heroes Reborn - Season 1Dass ich einige der Figuren nicht beim Namen genannt habe, liegt ganz einfach daran, dass ich mir ihre Namen auch nach 13 Episoden immer noch nicht gemerkt habe. „Heroes Reborn“ bietet nämlich von Anfang an ein so großes Figurenensemble und legt ein solch hohes Erzähltempo vor, dass man kaum Zeit hat, sich mit den einzelnen Charakteren vertraut zu machen. Ich kann auch jetzt noch nicht den Handlungsbogen dieses als maskierter vigilante kämpfenden Typen nacherzählen, weil er in den 13 Episoden ganz einfach komplett untergegangen ist und für die Handlung überflüssig war. (Die Figur bietet durchaus eine Menge an Potential, ist aber ganz einfach verdammt schlecht geschrieben und in die Serie integriert.) Tim Kring hat in diese 13 Episoden so viele Figuren, Ideen und Handlungsansätze gestopft, dass es locker für drei Staffeln reichen würde. Vielleicht hat er das getan, weil er schon befürchtet hatte, nur eine einzige Staffel zur Verfügung zu haben; hätte er sich jedoch auf weniger Handlungsstränge konzentriert und sich einiges für spätere Staffeln aufgehoben, dann wäre diese erste Staffel vermutlich wesentlich besser geworden (und die Chancen auf eine Verlängerung der Serie höher). Nur sehr wenige der Charaktere können wirklich ein eigenes Profil entwickeln und vieles geht im großen Wirrwarr der Handlungsstränge einfach unter. „Jessica Jones“ hat gezeigt, dass man eine Serie nicht mit über Superkräfte verfügenden Menschen vollstopfen muss, um eine Geschichte über eben diese Menschen zu erzählen. So gibt es auch in „Heroes Reborn“ mehrere Figuren, die für sich allein schon die Grundlage einer Fernsehserie bilden könnten, beispielsweise das erwähnte Ehepaar auf Terror-Feldzug.

Die Serie will einfach viel zu vieles gleichzeitig sein: Teenie-Melodrama, Mysterydrama, Superheldengeschichte und noch vieles mehr. Der hier gemachte Versuch, all das in einer großen Ensembleserie mit sich überschneidenden Handlungssträngen unterzubringen, geht letztlich komplett in die Hose, wenn es auch ein paar interessante Elemente und sogar zwei gute Episoden darin gibt (dazu gleich mehr). Schauspielerisch ist das Ganze übrigens auch äußerst durchwachsen. Jack Coleman schlägt sich als Noah Bennet wacker, ebenso der junge Robbie Kay, der sich schnell zur zentralen Figur der Serie mausert. Einige der anderen Schauspieler stolpern jedoch ziemlich verloren durch das Geschehen, was man ihnen aber nicht verübeln kann, schließlich ist das alles so konfus geschrieben, dass von realistischer Charakterentwicklung hier oft keine Rede sein kann.

Heroes Reborn - Season 1Genau wie in der ersten Staffel von „Heroes“ geht es auch hier wieder darum, den Weltuntergang abzuwenden. Tim Kring scheint immer noch nicht gelernt zu haben, dass man sich so etwas für spätere Staffeln aufheben sollte und erst einmal seine Figuren etablieren sollte. Schließlich war eines der zahlreichen Probleme der späteren „Heroes“-Staffeln, dass es ganz einfach keine spannende, glaubwürdige Geschichte mehr zu erzählen gab, nachdem es bereits in der ersten Staffelm um Alles ging. Lässt man einmal einige der vielen Nebenfiguren beiseite, dann erzählt „Heroes Reborn“ im Grunde von einer klassischen Heldenreise, bei der ein Auserwählter nach anfänglichem Sträuben gegen sein Schicksal die Welt retten muss. Ein Großteil der Geschichte wird dabei in einer zentralen Doppelfolge in der Mitte der Staffel klar (1.07/08), in der Noah Bennet mit Hilfe von Hiro Nakamura (Masi Oka) in der Zeit zurückreist zu den Ereignissen um den Terroranschlag in Odessa. Weil sich diese beiden Episoden auf weniger Figuren und Handlungsstränge konzentrieren als der Rest der Serie, wissen sie auch wesentlich besser zu unterhalten und halten tatsächlich ein paar Aha-Erlebnisse und clevere Twists bereit. Neben Hiro tauchen im Verlauf der Serie übrigens noch ein paar andere Charaktere aus „Heroes“ in Gastrollen auf, doch Hiros Gastrolle ist am überzeugendsten, weil sie für die Handlung am meisten Sinn macht. Andere Darsteller wiederum scheinen nur deswegen dabei zu sein, weil halt gerade sie zu einem Auftritt überredet werden konnten.

Weitere positiv hervorzuhebende Elemente sind die typische „Heroes“-Musik und das die einzelnen Episoden einleitende Voice-over, die zusammen sofort wieder für die typische Atmosphäre sorgen (auch wenn sich dahinter aufgrund der genannten Schwächen meist nicht viel Interessantes verbirgt und die Atmosphäre damit oft ungenutzt verpufft). Von all den neu eingeführten Figuren war es ausgerechnet eine Nebenfigur, die ich als „Penny-Mann“ bezeichne, die mich am meisten fasziniert hat: dieser Mann, der auf den Namen Caspar Abraham hört, verfügt über die Fähigkeit, anderen Personen bestimmte Erinnerungen zu nehmen, indem er ihnen einen Penny überreicht, den diese wiederum annehmen müssen, damit seine Gabe ihre Wirkung erzielt. Gerade weil es sich dabei um eine solche beschränkte, nur zu einem einzigen Zweck einsetzbare Fähigkeit handelt, finde ich diese Figur so spannend. Leider ist die Rolle des „Penny-Manns“ äußerst klein und wir erfahren auch nie, wie er nun genau in das Geschehen verstrickt ist. Aber immerhin ist dies das einzige Beispiel in der Serie dafür, dass weniger eben oft mehr sein kann.

Heroes Reborn - Season 1Ein wichtiger Teil der Handlung ist der bereits erwähnte Renautas-Konzern, der – es ist kein großer Spoiler – natürlich mit Primatech in Verbindung steht, jener Firma, in deren Auftrag Noah Bennet in „Heroes“ noch Jagd auf die Evos machte. Auch Renautas führt nichts Gutes im Schilde und macht ebenfalls Jagd auf Evos, um sich deren Fähigkeiten zunutze zu machen – zum Beispiel für eine Datenbrille, mit deren Hilfe Evos auf den ersten Blick erkannt werden können. Gegen Ende der Staffel stellt sich dann heraus, dass die Pläne der Konzerninhaberin Erica Kravid noch viel finsterer sind als bisher gedacht. Sie will nämlich die Zerstörung der Menschheit in Kauf nehmen und nur eine kleine, ausgewählte Gruppe von ihnen retten. Die glücklichen Auserwählten bekommen eine weiße Armbanduhr verpasst, die ihr Weg in die Zukunft sein soll – in diesem Fall wortwörtlich, denn sie sollen über 1500 Jahre in die Zukunft transportiert werden, wo die Menschheit auf einer postapokalyptischen Erde in einer „Gateway“ genannten Kolonie neu gegründet werden soll. Die Metaphern kommen in „Heroes Reborn“ immer wieder mit dem Holzhammer daher, von der „Google Glass“-artigen Datenbrille über die von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen als Terroristen gebrandmarkten Evos (manchmal könnte man „Evos“ direkt durch „Muslime“ ersetzen) bis hin zur wie eine Apple Watch aussehenden Armbanduhr, die das am heißesten begehrte Gadget auf dem ganzen Planeten darstellt. Die Serie spricht zudem zahlreiche große Fragen und Themen an – Schicksal, freier Wille, die großen Konsequenzen vermeintlich kleiner Handlungen und den wichtigen Unterschied, den schon ein einzelnes Individuum machen kann. Letztendlich geht all das aber im unübersichtlichen Ensemble der teilweise sträflich langweiligen Figuren und Handlungsstränge unter.

Am Ende der 13 Episoden ist die Welt natürlich erst einmal gerettet, die Verwandschaftsverhältnisse zwischen einigen Figuren sind geklärt und die Staffelübergabe an eine neue Generation von Helden wird vollendet. Weitererzählt wird „Heroes Reborn“ jedoch erst einmal nicht, was wahrscheinlich auch gut so ist. Im „Making of“ des Bluray-Sets überbieten sich die Schauspieler übrigens gegenseitig mit Lob und Superlativen über die Serie und wirken dabei sogar noch unglaubwürdiger als zum Teil in ihren Rollen. Tim Kring zufolge geht es in der Serie darum, wie Menschen aus der ganzen Welt zusammen kommen, um die Welt zu retten. Eine sehr ähnliche Thematik hat eine andere Serie im letzten Jahr allerdings viel besser umgesetzt: Sense8. Auch dort geht es um Menschen mit einer besonderen Fähigkeit, die lernen müssen zusammen zu arbeiten. Aber wo „Heroes Reborn“ sich in zu vielen Handlungselementen verliert und ein solches Erzähltempo vorlegt, dass für Figurenentwicklung fast keine Zeit bleibt, geht Sense8 fast den umgekehrten Weg (mehr dazu gibt es hier irgendwann in einem eigenen Blogpost – spätestens dann, wenn Sense8 auf Bluray erscheint).

Noch eine Anmerkung zu den deutschen Blurays von „Heroes Reborn“: Genau wie bei „Heroes“ wird hier ein Teil der Handlung in Untertiteln erzählt (vor allem in den Szenen, in denen Figuren miteinander japanisch sprechen), zudem gibt es noch weitere Texteinblendungen wie etwa Ortsnamen, Episodentitel oder der Text von Computerchats und SMS. Für die deutschen Blurays wurden all diese Texte leider als nicht veränderbare Teile des Bildes eingedeutscht. Schaut man sich die Serie also auf englisch an, bleiben diese deutschen Texteinblendungen im Bild und es erscheinen zusätzliche englische Untertitel! Das hätte eigentlich wirklich nicht sein dürfen und spricht für all diejenigen, die sich die Serie kaufen wollen, um sie im Original anzuschauen, dafür, zu einer Importversion etwa aus Großbritannien zu greifen.

Bilder: Copyright Universal Pictures