In letzter Zeit erscheinen auffällig viele neue „Babylon 5“-Podcasts, jedenfalls im englischen Sprachraum. Einige davon habe ich hier im Blog schon erwähnt, in diesem Blogpost möchte ich aber noch einmal alle B5-Podcasts, die ich momentan kenne, kurz vorstellen.
Beginnen wir mit meinem absoluten Lieblingspodcast:„The Babble On Project“. Matt und Gillian, zwei britische „Babylon 5“-Fans, die auch darüber hinaus über ein sehr breites und nerdiges Film-, Serien, Science Fiction-, Fantasy- und Comic-Wissen verfügen, diskutieren hier seit Februar 2011 in jeder Podcast-Folge zwei Episoden von „Babylon 5“. Dabei gehen sie äußerst gründlich zu Werke und lassen wirklich keine Szene und keinen Dialog aus, was einer der Gründe ist, warum ihre Podcasts meistens länger als drei Stunden dauern und auch gerne mal vier oder sogar fünf Stunden lang sind. Im „Babble On Project“ kommt auch auch der Humor nicht zu kurz, so gibt es zum Beispiel immer wieder eigens fürs B5-Universum umgedichtete Popsongs oder ähnliches zu hören. Manchen Hörern dürften die lustigen Elemente hier zwar zu viel sein und auch mir gehen sie manchmal auf die Nerven, aber man kann ja einfach ein bisschen vorspulen… Das Holiday Special, das Matt und Gillian zu Weihnachten 2013 veröffentlicht und in dem sie quasi ein „Best of“ ihrer bis dahin aufgenommenen Songs zusammen getragen haben, habe ich mir auch noch nicht angehört... Jedenfalls kenne ich noch keinen anderen Podcast, der die Serie so ausführlich und tiefgründig analysiert. Matt und Gillian haben wirklich Ahnung vom Thema und kennen sich auch mit der Produktionsgeschichte der Serie gut aus. Im Laufe des Podcasts haben sie mehrere Interview-Specials veröffentlicht; sowohl B5-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) als auch die Darsteller Peter Jurasik (Londo Mollari), Claudia Christian (Susan Ivanova) und Patrica Tallman (Lyta Alexander) haben sie bereits für interessante Interviews gewinnen können. Dieser Podcast ist auch für Neueinsteiger ins B5-Universum geeignet, da jede Folge ganz deutlich in einen spoilerfreien und einen äußerst spoilerhaltigen Bereich untergliedert ist (in der „enhanced version“ des Podcasts lässt sich der „Downbelow“-Bereich mit den Spoilern ganz einfach wie ein Kapitel in einem Hörbuch überspringen). Wer also „Babylon 5“ zum ersten Mal sieht, kann sich nach jeder Serienfolge die entsprechende Episode des „Babble On Project“ anhören und den Bereich, in dem Matt und Gillan die Relevanz der jeweiligen Folge für den großen Handlungsbogen diskutieren, einfach weg klicken.Momentan befinden sich die beiden mit ihrer Besprechung der Serie in der Mitte der fünften Staffel und werden nach dem Ende der regulären Serie auch noch über die TV-Filme podcasten.
Ein weiterer interessanter B5-Podcast ist„Downbelow: A Babylon 5 Introcast“, der erst vor relativ kurzer Zeit gestartet wurde. Dem „Introcast“-Konzept entsprechend bringt dieser Podcast alte Fans und neue Zuschauer der Serie zusammen. Will und Ian repräsentieren hier die B5-Kenner, während Heidi und Elizabeth die „Newbies“ sind, die die Serie zum ersten Mal anschauen und dabei die wildesten Theorien über den Fortgang der Geschichte entwickeln. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit diesem Podcast warm geworden bin, da mir die ersten Folgen noch etwas zäh und schwerfällig vorkamen. Die Vier haben einige Folgen lang gebraucht, um richtig in Fahrt zu kommen, inzwischen höre ich ihnen aber gerne zu. B5 wird hier zwar längst nicht so detailliert besprochen wie im „Babble On Project“, dafür sind die Episoden aber auch nicht so lang. In fast allen Folgen ist zudem ein Gast anwesend, der eine weitere Meinung repräsentiert – und wer weiß, vielleicht werde sogar ich selbst in einer der Folgen zur zweiten Staffel zu Gast sein. Auch dieser Podcast ist für Neueinsteiger geeignet, weil er natürlich zumindest in seinen regulären Episoden auf Spoiler verzichten muss, um den anwesenden Newbies die Spannung nicht zu nehmen. Hin und wieder gibt es aber auch Spoiler-Folgen, in denen Will und Ian ohne die beiden Neulinge besonders wichtige Folgen der Serie im Kontext des großen Handlungsbogens besprechen. Weiterhin gibt es auch immer wieder Folgen mit Audiokommentaren zu einzelnen B5-Episoden. Auf Facebook existieren zudem zwei Diskussionsgruppen zu diesem Podcast (eine ohne und eine mit Spoilern), in denen fleißig weiter diskutiert werden darf.
Ebenfalls sehr interessant finde ich den neuen Podcast„Braving Babylon 5“. Hier zeichnet Phil, der die Serie zum ersten Mal anschaut, stets nach dem Ansehen einer Episode seine Gedanken auf. Da Phil den Podcast alleine betreibt, entspinnt sich zwar kein Dialog, dafür sind seine Episdoen aber auch nicht besonders lang. Sie lohnen sich auf jeden Fall trotzdem, da auch hier jemand am Werk ist, der viel über Serien, Science-Fiction und Storytelling weiß und dieses Wissen in seine Besprechung miteinbringt. Der Podcast wurde erst vor kurzem gestartet; bislang hat Phil den Pilotfilm und die ersten sieben Folgen von Staffel 1 besprochen. Da er noch fast keine Ahnung hat, wie die Handlung weiter verläuft, ist natürlich auch dieser Podcast für Neueinsteiger geeignet.(Ich habe „fast keine Ahnung“ geschrieben, weil Phil über ein entscheidendes Handlungsdetail, das zu Beginn der zweiten Staffel relevant wird, schon bescheid zu wissen scheint und dies auch in einer Folge erwähnt. Da es aber sowieso sehr schwer ist, in dieser Hinsicht völlig spoilerfrei zu bleiben, können Neueinsteiger meiner Ansicht nach diesen Podcast trotzdem anhören.)
Ein weiterer noch relativ junger B5-Podcast ist„White Star Five“. Das Konzept dieses Podcasts überzeugt mich bislang allerdings nicht sonderlich. Hier sprechen zwei Fans über B5, die die Serie schon mehrmals gesehen haben – dementsprechend sind auch alle Folgen voller Spoiler, Neueinsteiger sollten diesen Podcast also meiden!Da es den beiden anscheinend zu aufwändig war, jede einzelne Episode der Serie zu besprechen, behandeln ihre Podcast-Folgen gleich mal eine halbe Staffel auf einmal und gehen dementsprechend wenig ins Detail (zumal sich die beiden oftmals auch noch schlecht an den Inhalt der einen oder anderen B5-Folge erinnern können). Interessanter ist da schon die Idee, zusätzlich Episoden zu besonderen Themen aufzunehmen, in denen dann etwa ein bestimmter Darsteller, die Spezialeffekte oder das PsiCorps im Vordergrund stehen.
Um einen noch ganz jungen Podcast handelt es sich bei„The Audio Guide to Babylon 5“. Erika, Chip und Shannon haben bis jetzt nur eine Einleitungs-Episode veröffentlicht, planen aber, jede einzelne B5-Folge künftig in ihrem Podcast zu besprechen. Zum Glück haben sie ebenfalls vor, den Podcast jeweils in zwei Sektionen aufzuteilen (eine mit und eine ohne Spoiler), so dass auch dieser „Audio Guide“ von Neueinsteigern ins B5-Universum genossen werden kann. Ich bin schon sehr gespannt auf weitere Folgen!
Um einen Videopodcast handelt es sich bei den„Katie watches Babylon 5“-Videos auf YouTube. Auch diese sind für Neueinsteiger geeignet, da Katie sich die Serie zum ersten Mal angesehen und jeweils nach dem Anschauen der Folgen ihre Eindrücke in die Kamera gesprochen hat – von der ersten bis zur letzten B5-Folge (den Pilotfilm hat sie nicht am Anfang angeschaut, sondern irgenwann mittendrin nachgeholt). Ihre emotionalen Reaktionen gerade zum Ende der Serie hin haben sogar JMS höchstpersönlich dazu veranlasst, diese Videos per Twitter weiter zu empfehlen.
Der Vollständigkeit halber möchte ich auch noch den „Klassiker“ unter den B5-Podcasts erwähnen, obwohl ich hier noch gar nicht reingehört habe: Im„The Babylon Podcast“ wurden – soweit ich das auf die Schnelle überblicken konnte – nicht nur sämtliche Serienfolgen und TV-Filme besprochen, sondern auch die B5-Romane und Comics. Zudem gibt es auch hier ein Interview mit JMS. Ich habe vor, mir auch diesen Podcast komplett von der ersten bis zur letzten Folge anzuhören, aber für so viele B5-Podcasts gleichzeitg reicht meine Zeit einfach nicht, deswegen werde ich mit dem „Babylon Podcast“ wohl erst beginnen, sobald das „Babble On Project“ seine letzte Folge gesendet hat. (Inwieweit dieser Podcast für Neulinge geeignet ist, kann ich natürlich noch nicht sagen.)
Das waren also alle mir derzeit bekannten B5-Podcasts. Abgesehen von Katies YouTube-Videos lassen sie sich alle kostenlos über iTunes abonnieren; auf diese Weise verpasst man keine neue Folge. Leider habe ich bis jetzt noch keinen deutschsprachigen B5-Podcast entdeckt – kennt vielleicht jemand einen? Oder gibt es noch andere englische B5-Podcasts, die mir noch unbekannt sind (und die ich dann auch noch anhören muss)? Ich bin mit meinem schriftlichen Rewatch hier im Blog jedenfalls genug ausgelastet, deswegen habe ich die Idee, einen eigenen B5-Podcast zu starten, schnell wieder verworfen. Auf jeden Fall finde ich es aber sehr spannend, dass gerade in den letzten Monaten so viele neue B5-Podcasts entstanden sind. Die Serie scheint wirklich gerade dabei zu sein, eine neue Generation von Fans zu begeistern, und genau das ist es ja auch, was „Babylon 5“ braucht, um weiterleben zu können – ganz im Sinne der von JMS ins Leben gerufenen „Free Babylon 5“-Bewegung.
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UPDATE 19.07.2014:
„Jumpgate – The Babylon 5 Rewatch Podcast“ist ein weiterer neuer B5-Podcast, der mittlerweile neben dem „Babble On Project“ und dem „Downbelow“-Introcast zu einem meiner Lieblings-B5-Podcasts geworden ist. Hier diskutieren die langjährigen B5-Fans Andy und Jinny gemeinsam mit ihrem Freund Nick ausführlich über jede Folge der Serie (momentan sind sie in der Mitte der ersten Staffel angekommen). Da Nick die Serie zum ersten Mal sieht, ist der Podcast frei von größeren Spoilern und somit überwiegend für Neueinsteiger geeignet. Kleinere Spoiler kommen aber immer wieder zu Sprache. Ich liebe diesen Podcast, weil die Drei über ein breites Nerd-Wissen aus den Bereichen TV, Science-Fiction, Fantasy, Film und Comic verfügen und dies immer wieder in ihre Diskussionen und Analysen einbringen (darüber hinaus gehört zu Nicks Interessengebieten auch noch Geschichte, so dass er immer wieder Vergleiche mit historischen Ereignissen und ähnliches einbringt). Sehr empfehlenswert!
Heute ist der 4. Mai, der schon seit einigen Jahren als inoffizieller „Star Wars-Feiertag“ gefeiert wird, allein aufgrund des lustigen Wortspiels „May the 4th be with you!“. Ich persönlich habe früher zumindest eigentlich immer den 25. Mai als „Star Wars-Tag“ empfunden, also den Tag, an dem „Star Wars“ 1977 in die US-Kinos kam. Aber gut, ich beuge mich der Mehrheit und will den heutigen Tag nicht verstreichen lassen, ohne zumindest irgendetwas über „Star Wars“ geschrieben zu haben. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in nächster Zeit mehrere verschiedene Blogpost über „Star Wars“ zu schreiben, die verschiedene Aspekte des Themas beleuchten. Aber da ich diesen Plan wahrscheinlich sowieso nicht einhalte, kann ich auch gleich etwas von all den Themen in diesen Post hier stecken (und ja trotzdem noch öfter über „Star Wars“ bloggen).
Die Bekanntgabe der Besetzung von Episode VII
Zur Feier des Tages zeigen viele Kinos auf der ganzen Welt dieses Wochenende die sechs Episoden endlich mal wieder auf der großen Leinwand. In München läuft die Saga leider nur in der deutschen Fassung, deswegen bin ich nicht im Kino. Die Original-Trilogie würde ich aber schon gerne mal wieder auf der großen Leinwand erleben, schließlich habe ich sie zum letzten Mal 1997 im Kino gesehen. Die wirklich große Nachricht der letzten Tage war aber natürlich die Ankündigung des Casts von Episode VII aufstarwars.com. Eigentlich haben alle erst heute, am 4. Mai, mit dieser Nachricht gerechnet, doch letztendlich hat Disney die Katze ein paar Tage früher aus dem Sack gelassen – wahrscheinlich weil man die Rückkehr von Mark Hamill, Carrie Fisher und Harrison Ford sowieso nicht mehr geheim halten konnte, nachdem alle drei schon mehrere Tage vor der Bekanntgabe in London gesichtet worden waren und immer mehr Gerüchte über eine erste Drehbuchlesung des gesamten Casts die Runde machten. Von dieser Lesung stammt dann auch das einzige offizielleFoto, auf dem man fast alle der angekündigten Schauspieler, sowie Regisseur/Drehbuchautor J.J. Abrams, die Produzenten Bryan Burk und Kathleen Kennedy und den Drehbuchautoren Lawrence Kasdan („The Empire Strikes Back“, „Raiders of the Lost Ark“) sehen kann. Ein bisschen sieht es aus, als säßen sie alle in einem noch nicht für die Eröffnung bereiten IKEA-Kaufhaus auf billigen Sofas herum. Genau wie Millionen anderer Fans werde auch ich dieses Foto in den kommenden Monaten wohl immer und immer wieder anstarren und mir dabei vorstellen, welche Rollen die neuen Darsteller spielen und welche Texte sie da lesen…
Luke, Han und Leia werden also in Episode VII wieder mit dabei sein, 30 bis 35 Jahre älter als bei ihrem letzten Auftritt in „Return of the Jedi“. Weitere alte Bekannte, die erneut mit von der Partie sind, sind Anthony Daniels als C-3PO, Kenny Baker als R2-D2 und Peter Mayhew als Chewbacca. Dass man Kenny Baker extra als offizielles Mitglied des Casts auflistet, finde ich irgendwie süß – schließlich wurde er bereits bei den Dreharbeiten der Prequel-Trilogie nur für eine Handvoll Szenen in R2s blecherne Eingeweide gesteckt und ist als Darsteller heute schlicht und einfach überflüssig. Zudem wird der Mann diesen Sommer 80 Jahre alt und würde sich die Tortur, für Dreharbeiten tagtäglich stundenlang in R2s Innerem zu stecken, sicherlich nicht mehr antun wollen. Aber wie gesagt ist es eine nette Geste, ihn auf die Liste der Darsteller zu setzen, auch wenn R2-D2 nur als ferngesteuertes Modell und in CGI-Form im Film auftauchen wird.
Ich will vor dem Kinostart von Episode VII am liebsten noch überhaupt nichts über die Story wissen, aber eine Vorhersage wage ich jetzt schon mal zu treffen: Han Solo wird sterben. Es ist bekannt, dass Harrison Ford bereits bei den Dreharbeiten zu „Return of the Jedi“ versucht hat, George Lucas davon zu überzeugen, seine Figur sterben zu lassen, da er Hans Entwicklung als abgeschlossen betrachtete und ihm einen Heldentod schenken wollte. Doch Lucas sträubte sich gegen diese Idee und ließ Han leben. Da die kommende Sequel-Trilogie zwar unsere alten Helden zurückbringt, aber auch eine neue Generation von Helden und Schurken vorstellen soll, die Han, Luke und Leia ablösen, scheint es eigentlich nur logisch zu sein, dass mindestens einer der „großen Drei“ dran glauben muss. Harrison Ford hat in Interviews immer wieder Desinteresse und Unlust bekundet, wenn es um das Thema „Star Wars“ ging, ich könnte mir also gut vorstellen, dass er nur unter der Bedingung zugesagt hat, dass es bei einem einzigen weiteren Film für ihn bleibt. Andererseits könnte es aber auch gut sein, dass Luke Skywalker in Episode VII das Zeitliche segnen wird, gerade wenn man sich zumindest Geroge Lucas‘ Vorliebe für Parallelen zwischen den Filmtrilogien anschaut: In den ersten beiden Filmen der bisherigen Trilogien stirbt jeweils der weise Jedi-Mentor (Qui-Gon Jinn bzw. Obi-Wan Kenobi) und diese Rolle wird nun wohl Luke ausfüllen. Dass mehr als einer der großen Drei pro Film stirbt, kann ich mir allerdings schlecht vorstellen (und es sei noch angemerkt, dass George Lucas zwar einen kurzen Handlungsabriss für Episode VII vorgelegt hat, ansonsten mit dem Drehbuch oder dem Film überhaupt außer einer „Beraterfunktion“ nicht viel zu tun hat).
Die neuen Schauspieler
Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher sehen auf dem Foto jedenfalls blendend aus, was vor allem bei den letzteren beiden wirklich erwähnenswert ist. Wenn man ihr jetztiges Erscheinungsbild mit Fotos von vor etwa einem Jahr vergleicht, sieht man, dass Hamill und Fisher sich für Episode VII ganz schön in Form gebracht haben. So soll es sein! Bevor ich zur Bedeutung von Peter Mayhews erneuter Mitwirkung komme, möchte ich noch kurz auf die neuen Darsteller eingehen: Da wäre zunächst die unbekannteste von allen, Daisy Ridley. Auf ihrerimdb-Seiteist kein Geburtsdatum angegeben, aber soweit ich weiß ist sie um die 20 Jahre alt und damit etwa so alt wie Carrie Fisher bei den Dreharbeiten zu „Star Wars“. Auf dem Foto hat sie meiner Meinung nach zudem eine wirklich erstaunliche Ähnlichkeit zu Natalie Portman und wäre damit ihrer Großmutter aus dem „Star Wars“-Universum, Padmé Amidala, wie aus dem Gesicht geschnitten. Schon klar, noch weiß niemand, welche Figur Ridley spielen wird, aber aufgrund dieser Ähnlichkeit zu Portman und auch zur jungen Carrie Fisher gehe ich einfach mal davon aus, dass sie die Tochter von Han und Leia sein wird. Schließlich sitzt sie auf dem Cast-Foto ja auch zwischen Harrison Ford und Carrie Fisher…
Mit dem Rücken zum Betrachter sitzt in der vorderen Bildmitte der 1983 geboreneDomhnall Gleeson, Sohn des bekannten irischen SchauspielersBrendan Gleeson. Vater und Sohn haben beide in mehreren „Harry Potter“-Filmen mitgespielt – der Vater als „MadEye“ Moody, der Sohn in den letzten beiden Filmen als Bill Weasley. Zudem ist Domhnall Gleeson in letzter Zeit positiv in Joe Wrights „Anna Karenina“ und in „About Time“ („Alles eine Frage der Zeit“) aufgefallen. Optisch könnte er gut als Sohn von Luke Skywalker durchgehen, aber in diesem Fall will ich mich da noch auf keinen Tipp festlegen. Links im Bild sitztAndy Serkis, einer der größten Filmschauspieler des Planeten, dessen Kunst aber leider viel zu wenig gewürdigt wird. Der 50-jährige ist nämlich vor allem für seine Darstellungen im performance capture-Verfahren bekannt, bei denen er in lächerlichen, über und über mit hellen Punkten oder Kugeln beklebten Strampelanzügen im Studio eine Figur spielt, die dann am Computer vervollständigt wird. Am bekanntesten ist sicher seine Gollum-Darstellung in den „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Filmen, aber Peter Jacksons „King Kong“ hat er auf diese Weise ebenso zum Leben erweckt wie Caesar, den Affen aus „Rise of the Planet of the Apes“ und dem kommenden „Dawn of the Planet of the Apes“. Des weiteren spielte er auch in Steven Spielbergs „Tintin“-Verfilmung als Captain Haddock mit. Als „normalen“ Schauspieler aus Fleisch und Blut kann man ihn unter anderem in „The Prestige“ oder in einer weiteren Rolle als Schiffskoch in „King Kong“ bewundern. Bei Serkis stellt sich natürlich die Frage, ob er in „Star Wars“ erneut eine performance capture-Darstellung abliefern oder eine ganz konventionelle Rolle spielen wird. Ich tippe mal auf ersteres. Es liegt doch nahe, dass eine der Hauptfiguren in Episode VII ein Alien (oder etwas ähnliches) sein wird, das am Computer erzeugt, aber von einem Menschen gespielt wird. Filme wie „Avatar“ oder „Der Hobbit“ haben bewiesen, dass dies technisch längst kein Problem mehr ist. Da Serkis der weltweit größte Experte auf diesem Gebiet der Schauspielerei sein dürfte, ist es nur logisch, wenn J.J. Abrams und Kathleen Kennedy (die mit Serkis schon bei „Tintin“ zusammengearbeitet hat) ihn an Bord holen. Auf diese Weise bekommen hoffentlich auch die „Star Wars“-Filme endlich eine computergenerierte Hauptfigur, die es was den emotionalen Ausdruck und die Interaktion mit den anderen Figuren betrifft mit ihren „menschlichen“ Kollegen aufnehmen kann.
Neben Serkis im Bild sitztOscar Isaac, geboren in Guatemala und 34 Jahre alt. Sein bislang größter Erfolg war die Hauptrolle im letztjährigen „Inside Llewyn Davis“ der Coen-Brüder, davor ist er unter anderem als herrlich fieser Prinz John in Ridley Scotts „Robin Hood“ positiv aufgefallen und wird demnächst in der Literaturverfilmung „Die zwei Gesichter des Januars“ zu sehen sein. Wen er in „Star Wars“ spielen wird? Ich habe keine Ahnung… Als nächster sitzt in der Runde der 22-jährigeJohn Boyega, der für seine Rolle in „Attack the Block“ viel Lob bekommen hat (ich habe den Film leider noch nicht gesehen, werde ihn aber – genau wie einige andere Filme der neuen „Star Wars“-Schauspieler – demnächst nachholen). Demnächst wird er außerdem in einigen Folgen der neueun Staffel von „24“ zu sehen sein. Allein die Tatsache, dass er schwarz ist, hat viele Leute dazu veranlasst, in ihm „Lando Calrissian Jr.“ zu sehen, doch daran glaube ich nicht bzw. ich hoffe es auch nicht. Ich möchte nicht, dass alle neuen Rollen die Söhne, Töchter oder Enkel von bekannten Charakteren sind, sondern hoffe, dass Abrams und Kasdan da etwas cleverer vorgehen und auch ein paar Figuren, die nicht mit den bekannten Helden verwandt sind, ins Spiel bringen. Zudem wäre es seltsam, Landos Sohn im Film zu haben, aber Lando Calrissian selbst nicht – dessen DarstellerBilly Dee Williamshat seine Bereitschaft zur Rückkehr in die weit, weit entfernte Galaxis in den letzten Monaten immer wieder bekundet, scheint aber nicht in Episode VII dabei zu sein. Es könnte sein, dass man seinen Auftritt im Film noch geheim halten will, es könnte aber ebenso gut sein, dass er – wie in der Original-Trilogie – erst im zweiten Film wieder mit dabei sein soll. Oder eben gar nicht, worüber ich jetzt auch nicht todunglücklich wäre.
Einen letzten neuen Darsteller im Bild haben wir noch:Adam Driver. Der 30-Jährige ist vor allem durch seine Hauptrolle in der HBO-Serie „Girls“ bekannt, in der er trotz seiner „Star Wars“-Verpflichtung auch weiterhin mitspielen wird. Weiterhin konnte man ihn in Nebenrollen in Steven Spielbergs „Lincoln“, in „Inside Llewyn Davis“ und in dem großartigen „Frances Ha“ sehen. Gerüchte um Drivers Mitwirkung an Episode VII waren schon Monate vor der offiziellen Ankündigung im Umlauf und stets hieß es dabei, er werde den neuen Bösewicht spielen. Optisch kann ich mir das jedenfalls ziemlich gut vorstellen, der Kerl hat ein sehr charismatisches Gesicht und kann bestimmt herrlich fies lachen (was sich als nützlich erweisen sollte, falls er einen dunklen Jedi oder eine ähnliche Figur spielen wird).
Nun wissen wir also, wer in Episode VII mitspielen wird. Was wir noch nicht wissen, ist wen die neuen Darsteller spielen und wie groß ihre jeweiligen Rollen ausfallen werden. In einer früheren Pressemiteilung von Lucasfilm war vor einigen Wochen die Rede von einem „neuen Trio von Hauptfiguren“, das wohl im Lauf der kommenden drei Filme die Nachfolge von Luke, Han und Leia antreten soll. Dabei dürfte es sich um Daisy Ridley, John Boyega und Domhnall Gleeson bzw. Oscar Isaac handeln. Nach der Bekanntgabe des Casts wurde zudem von vielen Seiten Kritik geäußert, der Cast sei zu weiß und zu männlich. Tatsächlich befindet sich unter den neuen Darstellern nur eine Frau (Ridley) und ein Schwarzer (Boyega), während Oscar Isaac lateinamerikanischen Ursprungs ist. Bevor man die Zusammensetzung des Casts kritisiert, sollte man sich aber bewusst machen, dass – wie gerade erwähnt – noch nicht bekannt ist, wie groß die Rollen der jeweiligen Schauspieler ausfallen werden. Wenn Ridley und Boyega Teil des neuen Helden-Trios sein sollten, dann hätten wir damit schon eine junge Frau und einen Schwarzen in Hauptrollen. Zudem gibt es immer noch Gerüchte um eine noch nicht besetzte bzw. noch nicht bekannt gegebene weitere Rolle im Film, bei der es sich um eine weibliche Rolle handeln soll, für die angeblichLupita Nyong’o im Gespräch ist – eine schwarze Darstellerin, die vor kurzem einen Oscar für ihre Rolle in „12 Years A Slave“ gewonnen hat. Darüber hinaus bin ich überzeugt davon, dass J.J. Abrams noch nicht alle Karten ausgespielt hat und es zumindest noch kleine Rollen im Film gibt, über die noch nichts bekannt gegeben worden ist und mit denen das Publkum im Dezember 2015 im Kino vielleicht überrascht werden soll.
Fast vergessen hätte ich jetztMax von Sydow, ganz einfach weil der 85-jährige nicht auf dem Cast-Foto zu sehen ist. Der schwedische Schauspieler ist natürlich eine Legende, man braucht nur seine Rolle in „Der Exorzist“ erwähnen. Ich kenne ihn aber auch aus Filmen wie „Minority Report“ oder Ridley Scotts „Robin Hood“. Seine Mitwirkung an Episode VII finde ich sehr interessant, weil man sich sofort fragt, welche Rolle er denn spielen wird? Den Kanzler der (Neuen) Republik? Einen aus der Versenkung aufgetauchten Sith-Lord? (Bitte nicht!) Einen Offizier der versprengten Überreste des Imperiums? Ein Schauspieler dieses Kalibers wird den Film auf jeden Fall nochmal um einiges aufwerten.
Werden „alte“ oder „neue“ Helden im Mittelpunkt stehen?
Eine Sache, die im Zusammenhang mit dem Cast noch ansprechen möchte, ist die Frage, ob denn nun eher die alten Helden – also Luke, Han und Leia – oder die neue Generation im Vordergrund von Episode VII stehen werden. Ich habe die Gerüchte um Episode VII seit der Ankündigung des Films Ende Oktober 2012 natürlich intensiv verfolgt. Die spannendste von all den Meldungen der vergangenen Monate war die Nachricht, dass das ursprüngliche, vonMichael Arndt(„Toy Story 3“, „Little Miss Sunshine“) geschriebene Drehbuch für Episode VII zugunsten einer neuen Drehbuchfassung von J.J. Abrams und Lawrence Kasdan verworfen worden sein soll. Wenn man diesen Gerüchten Glauben schenkt, dann hat Arndt in seinem Drehbuch den Fokus deutlich auf eine neue Generation von Helden gelegt, während Han, Luke und Leia nur kurze Auftritte darin hatten. J.J. Abrams wollte allerdings unsere bekannten Helden noch einmal zumindest für einen Film in den Mittelpunkt stellen, wewegen das nun vorliegende Drehbuch – für das Arndt nicht mehr als Autor genannt wird – erheblich von Arndts Fassung abweichen soll. Sollte dieses Gerücht stimmen – und ich hoffe, wir werden das eines Tages in einem „Makin of“-Buch erfahren – dann kann ich es Abrams jedenfalls nicht verübeln, dass er für Episode VII noch einmal einen richtig großen Auftritt der großen Drei herbei zaubern möchte (eventuell inklusive eines richtig großen Abgangs von mindestens einem der Drei).Neuesten Gerüchtenzufolge soll Episode VII ja ganz auf Harrison Ford zugeschnitten sein, was ich dann doch wieder ein wenig bedenklich fände. Es würde aber zu dem Bild passen, dass ich von Ford habe: dass er nur unter der Bedingung zusagt, eine große Hauptrolle zu spielen, die einen dramatischen Tod im letzten Drittel des Films beinhaltet, womit sich dann das Thema „Star Wars“ für ihn endgültig erledigt hätte. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher, wie viel wir von den neuen Cast-Mitgliedern sehen werden; vielleicht werden sie erst in den Episoden VIII und IX wirklich im Mittelpunkt stehen.
Ich freue mich jedenfalls nach wie vor riesig auf Episode VII. Ich liebe J.J. Abrams‘ „Star Trek“-Filme über alles und bin überzeugt davon, dass er der richtige Mann für den „Star Wars“-Regiestuhl ist. Zudem hat der Mann bei „Star Trek“ und anderen Projekten immer wieder bewiesen, was für ein gutes Gespür er fürs Casting hat und kann – im Gegensatz zu George Lucas – auch wirklich gut mit Schauspielern arbeiten. Und weil es hier gerade so schön passt, poste ich einfach mal einen kurzen Videogruß von Abrams und seinem Ko-Drehbuchautoren Lawrence Kasdan, die uns aus London einen fröhlichen „Star Wars-Day“ wünschen: Besonders interessant an dem Video ist übrigens die Tatsache, dass Abrams sagt „casting announcements continue“! Wer Lust hat, sich noch mehr Fan-Meinungen zur großen Carsting-Meldung anzuhören, dem empfehle ich die aktuelle Folge eines meiner Lieblingspodcasts, „The Incomparable“ (Episode 193 „Don’t Worry, We Got This“). Darin diskutieren einige „Star Wars“-Fans über eine Stunde lang darüber, was die angekündigte Besetzung des Films denn nun bedeutet und was sie sich von Episode VII erwarten.
Das Ende des „Expanded Universe“…?
So viel also zum Casting. Zwei andere Dinge wollte ich noch kurz ansprechen (eigentlich wollte ich ja wie gesagt mehrere Blogposts schreiben, aber sei’s drum, erledige ich halt alles auf einmal). Einige Tage vor der Bekanntgabe der Besetzung hat Lucasfilm nämlich eine Meldung herausgegeben, die das „Star Wars“-Fandom weit mehr erschüttert hat. Darin wurde endlich offiziell gemacht, was viele schon lange befürchtet hatten: Sämtliche Geschichten des „Expanded Universe“ (EU), also alle Romane, Comics, Videospiele usw. aus dem „Star Wars“-Universum, die in den letzten 37 Jahren erschienen sind, sind nun nicht mehr offizieller „Star Wars“-Kanon. Zwar hat man sich bislang stets darum bemüht, dass all die in verschiedenen Medien erzählten Geschichten zueinander passen und aufeinander aufbauen, doch für die kommenden Filme hätte es eine zu große kreative Einschränkung bedeutet, sich an all das halten zu müssen, was im EU erzählt worden ist. Die Geschichten von Han, Luke, Leia und ihren Kindern sind in den Comics und Romanen inzwischen bis ins Jahr 45 nach der Schlacht von Yavin (im ersten „Star Wars“-Film, der damit das Jahr 0 darstellt) erzählt worden, also bis zu einem Zeitpunkt, an dem Luke Skywalker etwa 64 Jahre (und Han Solo dementsprechend noch ein paar Jahre älter) ist. Man hätte also mit Episode VII theoretisch an diesem Punkt anknüpfen können, das Alter der Schauspieler würde ja ungefähr passen. Aber man hätte sich eben auch an all die Vorgaben aus dem EU halten müssen, unter anderem zum Beispiel daran, dass Chewbacce dort inzwischen gestorben ist (in Episode VII ist er ja nun wieder dabei), Han und Leia drei Kinder bekommen haben, von denen zwei schon wieder gestorben sind (eines, nachdem es zum Sith-Lord geworden ist) und Luke geheiratet, einen Sohn bekommen und seine Frau später ebenfalls verloren hat.
All diese Geschichten sind nun „Legenden“ – die Bücher sollen zwar weiterhin neu aufgelegt werden, aber mit einem „Legends“-Banner auf dem Cover, damit klar wird, dass es sich hierbei quasi um ein alternatives Universum handelt. Ich verstehe zwar, dass diese Entscheidung aus kreativer Sicht notwendig war, sie hinterlässt bei mir aber trotzdem einen bittersüßen Beigeschmack. In den letzten Jahren habe ich zwar nicht mehr so viele „Star Wars“-Bücher gelesen, aber früher habe ich sie gerade zu verschlungen. In meinem Kopf existiert also dieses Universum, in dem Luke Skywalker nach dem Tod von Darth Vader und dem Sieg über das Imperium einen neuen Jedi-Orden aufbaut, in dem eine der nächsten großen Bedrohungen für die neu gegründete Republik vom blauhäutigen Großadmiral Thrawn ausgeht, in dem Leia vorübergehend Staatschefin dieser Republik wird, in dem in einem ganz schrecklichen Buch ihre und Hans Kinder entführt werden, in dem eine extra-galaktische Spezies namens Yuuzhan Vong einen sich durch 19 Bücher ziehenden Vernichtungskrieg gegen unsere geliebte weit, weit entfernte Galaxis führt… All das soll nun nur noch „Legende“ sein? Ich versuche es positiv zu sehen: Es war schön, dass wir diese Abenteuer erleben durften. Gleichzeitg hat es mich angespornt, vor dem Kinostart von Episode VII noch möglichst viele der mir noch fehlenden Bücher zu lesen, die in der Zeit zwischen den Episode VI und VII spielen (wobei sie ja eigentlich nicht wirklich dort spielen, schon klar, sondern quasi auf verschiedenen Zeitstrahlen). Das wären in erster Linie die „Fate of the Jedi“-Reihe („Das Verhängnis der Jedi-Ritter“) sowie der im Anschluss daran spielenden Roman „Crucible“ („Feuerprobe“), der eben jene erwähnte 45-Jahres-Marke markiert.
Etwas weiteres positives hat die ganze Sache auch noch: Ab sofort sollen alle Geschichten aus dem „Star Wars“-Universum offiziell miteinander verbunden sein, es gehört also alles, was in Zukunft veröffentlich wird, zum Kanon. Dieser Kanon besteht bislang aus den sechs Filmen und den sechs Staffeln (sowie dem Kinofilm) der „The Clone Wars“-Animationsserie und wird durch die weiteren Filme, die kommende „Star Wars: Rebels“-Serie und eben alle in Zukunft erscheinenden Bücher, Spiele, Comics usw. ergänzt. In diesem Sinne wird es gar kein neues Expanded Universe geben, weil alle Geschichten auf der gleichen Stufe stehen werden; was in einem Roman steht, zählt dann genauso viel wie das, was in einem der Filme vorkommt. Bei Lucasfilm wurde eigens eine „story group“ eingerichtet, die darüber zu wachen hat, dass all diese Erzählungen zueinander passen und sich nichts widerspricht. Weiterhin werden Elemente des alten EU auch in den Geschichten des neuen „Star Wars“-Universums fortleben, denn all die Geschichtenerzähler, die sich mit Filmen, Serien, Büchern usw. in diesem Universum austoben, dürfen sich natürlich nach Lust und Laune an den bereits bestehenden Geschichten und Figuren bedienen. So könnte es also durchaus sein, dass Han und Leia in Episode VII eine Tochter haben werden, die Jaina heißt – genau wie im alten EU. (Wenn das so sein sollte und Jaina von Daisy Ridley gespielt werden sollte, dann wäre sie zumindest deutlich jünger als im EU und damit eindeutig nicht die gleiche Jaina.) Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Sache entwickeln wird und ob zum Beispiel die ganze „frei gewordene Zeit“ nach „Return of the Jedi“ allmählich mit ganz neuen Geschichten aufgefüllt werden wird. Für einen Neueinstieg in die Welt der „Star Wars“-Bücher ist der Zeitpunkt jetzt jedenfalls günstig. Es wurden bereits vier neue Romane angkündigt, die nicht mehr zum alten EU gehören, sondern Teil der neuen Kontinuität sein werden. Darunter ist mit „Heir to the Jedi“ ein Luke Skywalker-Abenteuer, das zwischen Episode IV und V spielt und mit „Lords of the Sith“ ein Buch, dass sich vor allem Darth Vader und dem Imperator widmen und in der Zeit zwischen Episode III und dem Beginn der neuen Animationsserie „Rebels“ spielen wird. Auch diese Bücher habe ich mir vorgenommen zu lesen und hoffe, dass sich das lohnen wird, schließlich sind ab jetzt alle Geschichten offiziell miteinander verbunden, so dass in den Romanen durchaus Informationen und Ereignisse eine Rolle spielen können, die im Hinblick auf Episode VII oder „Rebels“ relevant sind.
Hier noch das Video, das begleitend zur Pressemitteilung über das Ende des EU veröffentlicht wurde:
Star Wars: Rebels
Zum Schluss und der Vollständigkeit halber poste ich nun noch den heute veröffentlichten Trailer zur neuen Animations-Serie „Star Wars: Rebels“. Ich freue mich wirklich auf die Serie, da sie vom gleichen Team stammt, das uns „The Clone Wars“ gebracht hat – und diese Serie wurde bis zu ihrem leider zu frühen Schluss immer besser (die sechste Staffel habe ich noch gar nicht gesehen, bin aber auch darauf natürlich sehr gespannt). Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es eine Verbindung zwischen „Rebels“ und Episode VII geben wird, wahrscheinlich in Form einer Figur, die sowohl in der Serie als auch im Film auftauchen wird. Die erste „Rebels“-Folge soll in den USA im Herbst ausgestrahlt werden, beim Kinostart von Episode VII wird sich die Serie also bereits in ihrer zweiten Staffel befinden. Sie spielt fünf Jahre vor Episode IV, also zu einem ganz anderen Zeitpunkt als Episode VII, aber das muss ja gegen eine Verbindung sprechen. Ich bin gespannt und finde, dieser Trailer sieht schon ganz ordentlich aus. Letztendlich kommt es aber vor allem auf die Geschichten an, die Dave Filoni und sein Team in „Rebels“ erzählen werden.
Mein „Babylon 5“-Rewatch macht mir Spaß, ich gucke gerne „Babylon 5“. Das ist zwar wahr, manchmal muss ich mir diese Worte allerdings wie ein Mantra immer wieder selbst vorsagen, um daran zu glauben. Zum Beispiel, wenn es um „Infection“ geht, die vierte Episode der ersten Staffel. Müsste ich eine Liste der schlechtesten Episoden der Serie erstellen, dann wäre diese Folge bestimmt unter den Flop 5, wahrscheinlich sogar unter den Flop 3 (oder sogar auf dem „Spitzenplatz“?). Aber alles Jammern hilft nichts, denn ich habe mir ja vorgenommen, hier über jede B5-Folge zu bloggen…
Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Richard Compton Erstausstrahlung: 18.02.1994 (USA), 27.08.1995 (Deutschland)
„Babylon 5“ ist zwar bekannt für seine alle Folgen durchziehende Handlung, doch wer diese Episode auslässt, der verpasst so gut wie nichts. Zu Beginn der Folge erfahren wir, dass es nun zwei Jahre her ist, seit die Raumstation ihren Betrieb aufgenommen hat. (ImPilotfilmwar die Station bereits etwa 18 Monate in Betrieb, „Infection“ spielt also ungefähr sechs Monate nach „The Gathering“.) Dr. Stephen Franklin, der in „Soul Hunter“ zur Crew gestoßen ist, hat hier erstmals eine zentrale Rolle in einer Episode. Er bekommt Besuch von einem alten Freund und Mentor, Dr. Vance Hendricks (David McCallum).
Hendricks‘ spaziert plötzlich ins Medlab hinein und teilt Franklin mit: „I’ve come to offer you an adventure, Stephen. Very possible the biggest adventure you’ve ever had.“ Diese Worte wirken vollkommen gestelzt und künstlich; sie sind alles andere als hilfreich dabei, Hendlicks zu einer interessanten Figur zu machen. Die Art und Weise von Hendricks‘ Auftritt passt besser auf eine Theaterbühne als ins Fernsehen – dort sind diese Zeilen einfach nur schlecht geschriebene Dialogzeilen. Von der organischen Technologie, die Hendricks und sein Handlanger Nelson Drake (Marshall Teague) mitbringen, ist Franklin anscheinend so begeistert, dass er zunächst alle Bedenken beiseite und sich sofort dazu überreden lässt, alles andere stehen und liegen zu lassen, um möglichst viel Zeit zur Erforschung der unbekannten Artefakte aufwenden zu können. Erst in einer späteren Szene, als Hendricks und Franklin schon seit 15 Stunden (laut Hendricks) am Forschen sind, spricht Stephen ein paar Bedenken aus: Was passiert eigentlich, falls er und Hendricks wirklich herausfinden sollten, wie diese Technologie funktioniert?
Auch die Firma, für die Hendricks inzwischen arbeitet – IPX (Interplanetary Expeditions) – ist Stephen nicht ganz geheuer. Er sagt deutlich, er habe etwas gegen Firmen, die fremde Welten nach Technologien absuchen, um diese dann zu stehlen und damit Profit zu machen und kritisiert auch Hendricks selbst, weil dieser nun anscheinend statt selbst zu forschen und neue Erkenntnisse anzustreben ebenfalls lieber nach bereits existierenden Technologien sucht. Franklin bezeichnet diese Vorgehensweise als Abkürzung; sie erscheint ihm nicht legitim. Hendricks jedoch sieht die Sache pragmatischer, schließlich können unabhängige Forschungseinrichtungen derart aufwändige Expeditionen wie die, von der er gerade zurück gekommen ist, gar nicht finanzieren. Er ist auf große Firmen wie IPX als Geldgeber angewiesen. Als Sinclair und Garibaldi später Hendricks befragen, gibt dieser zu, doch mehr über die Artefakte zu wissen, als er Franklin erzählt hat. Doch es ist längst zu spät und bereits die ganze Station in Gefahr, da sich Drakes / Tularrs Waffe mit jedem Schuss stärker wird. Schließlich ist es mal wieder Sinclair selbst, der die Bedrohung fast im Alleingang ausschaltet (was unglaubwürdig wäre, wenn es nicht am Ende der Folge thematisiert würde, als Garibaldi seinen Freund auf dessen Neigung, sich immer wieder in Gefahr zu begeben, anspricht). Die Hintergrundgeschichte hinter Drakes Verwandlung in die Kriegsmaschine ist interessant, leider wird ihr aber viel zu wenig Raum geschenkt und dem dämlich aussehenden, durch die Station stapfenden Monster dafür viel zu viel. Ikarra – der Planet von dem die Artefakte stammen – sah sich vor etwa tausend Jahren mehmals einer feindlichen Invasion ausgesetzt. Als Waffe gegen die Angreifer schufen die Ikarraner eine Reihe von Kriegsmaschinen, die darauf programmiert waren, alles Leben zu vernichten, das nicht den Parametern eines „puren Ikarraners“ entsprach. Da aber keiner der Bewohner des Planeten diese Kriterien erfüllte, vernichteten die eigentlich zur Verteidigung des Planeten gedachten Maschinen alles dort befindliche Leben.
JMS‘ Drehbuch ist leider der große Schwachpunkt dieser Episode. Was eine interessante Diskussion darüber hätte werden können, was es bedeutet, eine zu definierende Rasse von Lebewesen gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen, wurde stattdessen zu einer konturlosen Episode mit einem lächerlich wirkenden Gummimonster. Von den Ikarranern und ihrer Besessenheit von der genetischen Reinheit lassen sich natürlich viele Vergleiche ziehen; leider reitet das Drehbuch jedoch so oft auf dieser Thematik herum, dass dem Zuschauer jegliche Denkarbeit abgenommen wird – das Ziehen eigener Schlüsse scheint nicht erwünscht zu sein. „Your people, how pure were they?“, brüllt Sinclair Tularr an. „Pure!“, antwortet der, und Sinclair fragt erneut: „How pure?“. Den Nazi-Vergleich zieht Sinclair auch gleich selbst, hier werden einem die Metaphern also wirklich mit der Holzhammermethode eingeprügelt. Gute Science-Fiction sieht anders aus, aber zum Glück handelt es sich bei „Infection“ um einen der seltenen Ausrutscher von „Babylon 5“. Der einzige Moment an der ganzen Tularr-Geschichte, der mir gefallen hat, war der, als das Monster am Ende verzweifelt eingesehen hat, was aus Ikarra geworden ist.
Dass am Ende der Episode immerhin thematisiert wird, dass Sinclair erneut sein eigenes Leben riskiert hat, habe ich ja schon erwähnt. Das gibt seiner Figur ein wenig mehr Tiefe und zudem sagt Garibaldi im Gespräch mit Sinclair einen Satz, den man sich merken sollte, weil man ihn ganz ähnlich irgendwann noch einmal hören wird: „I think they’re looking for something worth dying for, because it’s easier than finding something worth living for.“ (Er bezieht sich auf Menschen wie Sinclair, die aus dem Krieg verändert hervor gegangen sind.) Die letzten Szenen sind überhaupt das Interessanteste an der ganzen Folge. Neben der erwähnten Sinclair-Garibaldi-Szene kommt auch noch der mäandernde B-Plot um die auf die Station gekommene Reporterin zu einem Ende und Sinclair darf einen schönen Schlussmonolog sprechen, in dem er begründet, warum die Menschheit stets danach strebt, ihre Grenzen zu überwinden und Neues zu suchen. Übrigens werden wir im Verlauf der B5-Handlung noch öfter Journalisten sehen, und Sinclair wird auch nicht die letzte Führungspersönlichkeit mit einer Abneigung gegen Reporter sein…
Highlight der Episode: Sinclairs Schlussmonolog (siehe Zitate). Darin erwähnt er Marilyn Monroe, Lao-Tzu, Albert Einstein, Buddy Holly, Aristophanes – und einen gewissen Morobuto, den einzigen Namen, den man keiner bedeutenden Persönlichkeit zuordnen kann, zumindest, wenn man sich nur in der Vergangenheit umsieht. JMS zufolge ist Morobuto nämlich ein afrikanischer Philosoph und Anführer, der mehrere verfeindete Staaten Afrikas vereinte, der „Ghandi seiner Zeit“. Er lebte (bzw. wird leben) von 2075 bis 2124.
Londo/G’Kar-Moment: Leider zum zweiten Mal in dieser Staffel gar keiner, da Londo und G’Kar hier nicht vorkommen, genauso übrigens wie Delenn.
Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode (da ich niemanden spoilern möchte, lasse ich alle Punkte unkommentiert stehen):
Dr. Franklin weigert sich, die organische Technologie an den Konzern IPX zu übergeben, der sie wahrscheinlich zu militärischen Zwecken weiter erforschen würde.
Außerdem erwähnt er am Ende der Folge eine „Pro-Erde-Bewegung“, die immer stärker wird und fragt sich, ob die Dinge, die sich auf B5 gerade abgespielt haben (eine auf genetische Reinheit programmierte Kampfmaschine versucht alles „unreine“ Leben auszurotten) nur ein Vorgeschmack dessen sind, was noch auf sie zukommen könnte.
Außerdem haben wir gelernt, dass Dr. Franklin sich so in seine Arbeit vertiefen kann, dass er gar nicht merkt, wie lange er schon arbeitet.
Ikarra wurde vor Tausend Jahren von uns unbekannten Feinden angegriffen.
Garibaldi wurde aus seinen fünf vorherigen Jobs gefeuert, jedesmal wegen „persönlicher Probleme“. Mit dem Posten als Sicherheitschef auf B5 hat ihm sein Freund Jeffrey Sinclair eine letzte Chance gegeben.
Dr. Hendricks zufolge verfügen die Vorlonen über organische Technologie, möglicherweise auch die Minbari.
Sonstige Fragen:
Warum verheimlicht Nelson Drake eigentlich den ersten „Blitzschlag“, den ihm die Artefakte verpasst haben? Hätte er zu diesem Zeitpunkt nicht noch Dr. Franklin oder Dr. Hendricks darüber in Kenntnis setzen und so möglicherweise Schlimmeres verhindern können? (Wohl nicht – wahrscheinlich befand er sich ab dem Punkt, an dem die Artefakte mit ihm Kontakt aufgenommen hatten, bereits unter deren Kontrolle.)
Warum hinterlässt Tularrs Angriff in Grau 13 zwei so lächerliche Umrisse an der Wand? (Sie sollen offenbar zwei Menschen mit zum Schutz erhobenen Armen zeigen.)
Wieso spricht Tularr eigentlich englisch? (Wahrscheintlich, weil er auf Nelsons Erinnerungen zugreifen kann.)
Warum befinden sich an einer Seite des Medlabs Panele, die aussehen wie Greenscreens? 😉
Wie kam es, dass Garibaldi und Sinclair einst zusammen mindestens 50 Meilen durch die Wüste wanderten? Eine Szene zwischen Garibaldi und Mrs. Kramer beginnt nämlich mit Garibaldis Worten „…and after walking 50 miles, we made it out of the desert.“ Da würde ich gerne mal die ganze Geschichte hören.
Weitere interessante Punkte:
In dieser Folge wird zum ersten Mal Interplanetary Expeditions (IPX) erwähnt, eine Firma, die noch mehrmals im Verlauf der Serienhandlung auftaucht. Interessant ist, dass es sich um eine relativ junge Firma zu handeln scheint; Franklin jedenfalls hat noch nie von ihr gehört, als Hendricks sie erwähnt. Ebenfalls interessant ist, dass es sich oberflächlich betrachtet zwar um ein Unternehmen handelt, das archäologische Missionen zu fremden Welten unternimmt, dies aber nur eine Tarnung darstellt. Tatsächlich handelt es sich um einen Biowaffen-Hersteller.
Hendricks sagt zu Franklin: „You once told me you wanted to go down in history, alongsideFleming, Salk, Jenner, Takahashi.“ Wie Ihr den Links entnehmen könnt, beziehen sich alle Namen auf reale Wissenschaftler.
Die Verhandlungen zwischen den Narn und den Centauri ausder letzten Folgescheinen noch nicht beendet zu sein. Garibaldi erwähnt nämlich dass „nächsten Dienstag“ erneut solche Verhandlungen anstehen. Natürlich kann es sich auch um andere Verhandlungen drehen, zwischen diesen beiden Völkern gibt es schließlich bestimmt eine ganze Menge zu verhandeln…
Sinclairs Ausspruch „How sharper than a serpent’s tooth“ stammt aus William Shakepeares „King Lear“: „How sharper than a serpent’s tooth it is to have a thankless child!“, heißt es dort in Akt 1, Szene 4.
Im Dialog dieser Episode kommt auffällig oft der Ausdruck „on the line“ vor. („I’m joining Mr. Garibaldi on the line.“, „since going on-line“, „…you’ve put yourself on the line.“) Dies war von JMS so beabsichtigt und sollte eine Verbindung zu Sinclairs Vorgeschichte herstellen, der ja „on the line“ – also im letzten Gefecht des Erd-Minbari-Kriegs – gekämpft hatte.
Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten:
„Infection“ ist sowohl die erste „Babylon 5“-Folge, die geschrieben wurde, als auch die erste, die gedreht wurde. Dies erklärt zum Teil das langweilige Drehbuch und das Fehlen von Londo, G’Kar und Delenn. JMS ist sich der Probleme dieser Episode durchaus bewusst und kann sie selbst nicht leiden. Er schreibt: „I’d just kinda prefer it if it kinda vanished in the night. I feel that way about only two episodes out of 22 [of season one], so that’s not too bad, I suppose.“ Weiterhin gibt er zu, beim Schreiben dieser ersten Folge sich noch schwer getan zu haben, die „Fingerabdrücke“ der Charaktere zu finden, nachdem seit dem Schreiben des Pilotfilms so viel Zeit vergangen war. Hätte er ein anderes Drehbuch gehabt, um diese Folge zu ersetzen, so hätte er das getan. Allerdings standen für die 22 Folgen der ersten Staffel nur 22 Drehbücher zur Verfügung, so dass man auf keines verzichten konnte.
Über seinen Versuch, aus der Geschichte eine Metapher zu machen, schreibt er: „I tried to use the Nelson/machine as a metaphor; it wasn’t supposed to be about the Nelson/machine, but about the kind of people who would create it […].“ (Die Zitate stammen aus dem vierten der fünf „Asked & Answered“-Bücher, in denen die Online-Kommunikation, die JMS vor, während und nach der Produktion von B5 mit den Fans führte, festgehalten ist. Soweit ich weiß kann man all seine Posts aber auch heute noch hiernachlesen – allerdings nicht so schön nach Themen und Episoden sortiert.)
Dr. Vance Hendricks wird von David McCallum gespielt, einem schottischen Schauspieler, der unter anderem durch seine Mitwirkung an der Serie „The Man from U.N.C.L.E.“ bekannt geworden ist.
Marshall Teague, der Dr. Hendricks Assistenten Nelson Drake spielt (und zum Monster wird), ist eine besondere Ehre zuteil geworden: Er durfte sowohl in der ersten, als auch in der letzten gedrehten, regulären Serienfolge von „Babylon 5“ mitspielen. (Es handelt sich wohlgemerkt um die erste bzw. letzte Episode nach Drehreihenfolge. Ausgestrahlt wurden die Folgen als vierte bzw. vorletzte.) Allerdings spielte er in beiden Folgen unterschiedliche Rollen.
Zitate: Sinclair: „The last time I gave an interview, they told me to just relax and say what I really felt. Ten minutes after the broadcast, I got transferred to an outpost so far off the starmaps you couldn’t find it with a hunting dog and a ouija board.“ Garibaldi: „[…] What’s the worst that could happen? They fire you, ship you off to the rim and I get promoted to Commander.“
Sinclair auf die Frage der Reporterin, ob Babylon 5 das Risiko wert sei oder ob die Menschheit sich nicht lieber zurückziehen und um ihre Probleme auf der Erde kümmern sollte: „Whether it happens in a hundred years, or a thousand years, or a million years – eventually, our sun will grow cold, and go out. When that happens, it won’t just take us, it’ll take Marilyn Monroe, and Lao-Tzu, and Einstein, and Morobuto, and Buddy Holly, and Aristophanes. And all of this… all of this was for nothing. Unless we go to the stars.“
Ivanova, als sie sich der Reporterin Mrs. Kramer in den Weg stellt: „Don’t. You’re too young to experience that much pain.“ (Was genau meint sie denn damit!?)
Es ist doch immer wieder schön zu merken, dass man nicht nur alleine vor sich hin bloggt, sondern dass es Leute gibt, die das Geschriebene gerne und regelmäßig lesen. Der Kreis meiner Leser ist noch recht überschaubar, was mich bislang allerdings nicht stört, zumal er langsam aber zuverlässig wächst. Maren vonneuesvomschreibtisch gehört zum kleinen Kreis meiner treuen, regelmäßigen Leser und hat mir vor ein paar Tagen ein Stöckchen zugeworfen – vielen Dank! Ich muss zugeben, dass ich erst einmal googeln musste, was es damit genau auf sich hat… Aha, dadurch sollen also Blogs untereinander besser vernetzt und miteinander bekannt gemacht werden? Na dann ist das ja genau das, was ich brauche! 🙂 Normalerweise finde ich solche Kettenbriefaktionen und ähnliches nicht so toll; auf Facebook mache ich bei so etwas jedenfalls fast nie mit. Aber in diesem Fall handelt es sich um eine wirklich sinnvolle Sache. Hier sind also die mir zugeteilten 11 Fragen und meine Antworten darauf:
1. Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? Gab es einen speziellen Auslöser? Einen speziellen Auslöser gab es eigentlich nicht, zumindest erinnere ich mich an keinen. Ich habe schon lange mit dem Gedanken an einen eigenen Blog gespielt, diesen Wunsch aber viel zu lange nicht umgesetzt. Warum? Weil es mir zu aufwändig, zu anstrengend erschien. Und weil ich geglaubt habe, niemand würde lesen wollen, was ich schreibe. (Inzwischen habe ich gelernt, dass einem letzteres erst einmal egal sein muss.) Ich habe mich bereits im Soziologiestudium mit Film und Fernsehserien auseinandergesetzt und eine Hausarbeit über Robert Altmans „Gosford Park“ sowie eine Diplomarbeit über „Liebeskommunikation in Desperate Housewives“ geschrieben. Auch Filmkritiken schreibe ich seit einigen Jahren so nebenbei. Dieses Schreiben über Filme und Serien macht mir im Großen und Ganzen doch recht viel Spaß (jedenfalls wenn ich nicht gerade an einem Text sitze – genau dann fühlt es sich oft wie harte Arbeit an). Zudem wollte ich mich selbst ein wenig dazu zwingen, mir über die vielen Filme und Serien, die ich so anschaue, Gedanken zu machen. Deshalb also dieser Blog. (Es heißt doch DER Blog, oder? Ich kann mir das nie merken… 😉 )
2. Schreibst du abgesehen von deinem Blog auch noch andere (fiktionale oder nicht-fiktionale) Texte? Ja. Gelegentlich erscheinen aufFilmszene.deRezensionen von mir zu aktuellen bzw. kommenden Kinofilmen. Eigentlich wollte ich heute eine Kritik zu einem im Juni in den Kinos startenden Film schreiben, den ich letzte Woche gesehen habe. Stattdessen schreibe ich nun diesen Blogpost und schiebe das Schreiben der Kritik mal wieder vor mir her… Andere Texte schreibe ich derzeit nicht, auch wenn ich gerne wieder im wissenschaftlichen Bereich über Film und Fernsehen schreiben würde.
3. Was bedeutet schreiben für dich? Hobby, Arbeit, Entspannung, Therapie…? Arbeit im Sinne einer sich anstrengend anfühlenden Tätigkeit, die man nicht immer gerne macht: ja. Arbeit, mit der ich Geld verdiene: noch nicht. Insgesamt fällt mir das Schreiben leider noch ziemlich schwer, was unter anderem wohl daran liegt, dass ich es zu selten tue. Ich habe aber immer wieder Phasen, in denen es trotz aller damit verbundenen Anstrengung wahnsinnig viel Spaß macht. In solchen Fällen finde ich dann sogar selbst, das sich das Geschriebene durchaus sehen (bzw. lesen) lassen kann. 😉 Auch entspannend kann das Schreiben in solchen Fällen sein – und ganz bestimmt auch Therapie, denn wenn man sich schriftlich mit einem Thema auseinandersetzt bespricht man man dieses ja gewissermaßen mir sich selbst. Schreiben kann also den Therapeuten ein Stück weit ersetzen.
4. An welchem anderen Ort auf dieser Welt würdest du gerne leben und warum? Ich habe leider noch nicht besonders viel von der Welt gesehen, jedenfalls längst nicht so viel wie ich gerne möchte. Es gibt so einige Orte, an denen ich mir vorstellen könnte, für längere Zeit zu leben (oder es zumindest auszuprobieren). Ich liebe große Städte und wähle deshalb London. Relativ nah an meiner jetzigen Heimat, ein Kulturleben von unendlicher Vielfalt, ich kann die Sprache bereits, alle Kinos spielen englischsprachige Filme in der Originalfassung und es ist die Stadt von„Sherlock“:-). Deswegen wäre es meine erste Wahl für einen längeren Auslandsaufenthalt.
5. Wenn du nur einen Film oder eine Serienbox auf eine einsame Insel mitnehmen dürftest: Welche(r) wäre das? Da muss ich nicht lange nachdenken: Das wäre die schöne „Keksdose“, die alle fünf Staffeln sowie die Fernsehfilme meiner Lieblingsserie„Babylon 5“enthält und die bei mir auf dem Schrank steht. „Babylon 5“ ist mich die beste Serie aller Zeiten; ich kann sie mir immer wieder anschauen und bei der letzten Folge kommen mir jedes Mal wieder die Tränen, ganz egal wie oft ich die Serie schon gesehen habe.
6. Bevorzugst du ganz allgemein Filme oder Serien? Was für eine gemeine Frage! Ich mag eigentlich wirklich beides gleich gern, bin sowohl leidenschaftlicher Kinogänger als auch jemand der ganze Serienstaffeln in wenigen Tagen/Wochen konsumiert. Ich habe aber folgendes Phänomen bei mir beobachtet: Oft befinde ich mich in der Situation, dass mehrere Filme bei mir zuhause herum liegen, die noch angeschaut werden wollen (ich leihe tatsächlich immer noch DVDs/Blu-rays per Postversand aus). Gleichzeitig habe ich aber natürlich fast immer auch mindestens eine Serie, die ich gerade anschaue. Und obwohl ich wie gesagt großer Filmfan bin, bleiben die Discs mit den Filmen bei mir in letzter Zeit oft wochenlang liegen, bis ich sie endlich eines Abends doch in den Blu-ray-Player schiebe. Das Anschauen von Serienfolgen ist einfach so viel leichter und verführerischer! (Wie die dunkle Seite der Macht. 😉 ) Wenn der Abend schon etwas weiter fortgeschritten ist, rede ich mir immer ein, dass für einen ganzen Film nun keine Zeit mehr ist. Also gucke ich stattdessen die Serie weiter, nach der ich aktuell süchtig bin (das ist momentan „Game of Thrones“) – allerdings bleibt es dann selten bei einer Folge, sondern es werden zwei oder drei. In dieser Zeit hätte ich dann natürlich auch einen Film anschauen können… Eigentlich will ich viel mehr Filme sehen, aber mein ausufernder TV-Serienkonsum hindert mich daran.
7. Was war die letzte Sendung, die du dir im TV angeschaut hast? Im regulären Fernsehen? Also da, wo man zu einer ganz bestimmten Zeit ein ganz bestimmtes Programm einschalten muss, um eine bestimmte Sendung zu sehen? Was für ein veraltetes Konzept! 😉 Die Antwort ist in diesem Fall: Die Tagesthemen von gestern Abend, von denen ich aber auch nur zweite Hälfte mitbekommen und nur nebenbei zugeschaut habe. Zuvor lief auf meinem Fernseher die siebte Folge der zweiten „Game of Thrones“-Staffel.
8. Bei welcher Serie würdest du gerne mal als Statist mitspielen (oder hättest gerne mitgespielt)? Hmm, schwierige Frage. Ich würde viel lieber große Rollen spielen! 😀 Wenn man Alter und Geschlecht mal außer Acht lässt, dann wäre ich zurzeit gerne Arya in „Game of Thrones“ – allerdings wahrscheinlich nur deshalb, weil die Darstellerin Maisie Williams in der Rolle so fantastisch gut ist. Also sollte ich ihr und den anderen Profis die Hauptrollen überlassen und wohl doch besser im Hintergrund bleiben. Zurzeit bin ich in meiner „Game of Thrones“-Phase, aber auch in „Babylon 5“, „Lost“ oder „Breaking Bad“ wäre ich gerne dabei gewesen. Nein, noch besser: Ich will in „Sherlock“ dabei sein! Ich könnte ein Mitglied von Sherlocks homeless network spielen und Benedict Cumberbatch wichtige Informationen mitteilen. Das wäre nur eine kleine Szene, sollte doch möglich sein. Vielleicht sollte ich wirklich nach London ziehen und mich dann in die Statistenkartei aufnehmen lassen. Oder Steven Moffat auf Twitter um eine Rolle anbetteln.
9. Welche Serie kannst du absolut nicht ausstehen und warum? Da fällt mir wirklich keine ein! Ich kenne so einige schlechte Filme, über die ich herziehen könnte, aber Serien? Die sind in den letzten Jahren fast alle so gut, dass ich nichts zu meckern habe. Was natürlich auch daran liegt, dass ich nur solche Serien anschaue, über die ich viel Gutes gelesen und gehört habe. Darunter waren zwar auch ein paar Serien, an denen ich dann etwas auszusetzen hatte, aber es gibt keine Serie, die ich nicht ausstehen kann. Vor einiger Zeit habe ich die erste Folge von Michael J. Fox‘ neuer Sitcom gesehen, die fand ich ziemlich schlecht (und die Serie wurde glaube ich inzwischen auch schon wieder eingestellt). „True Blood“ driftet so ab Staffel drei oder vier leider viel zu sehr in Soap Opera-Gefilde ab. Bei „Heroes“ hätten die Macher konsequent sein müssen und ihre Geschichte nach einer Staffel beenden sollen, dann wäre es some of the best television ever!! „Boardwalk Empire“ fand ich irgendwann einfach nur noch verwirrend (sehr gut ist die Serie aber trotzdem). Meckern kann ich also schon über manches, aber eine Serie, die ich absolut nicht ausstehen kann, gibt es nicht. Und falls doch, dann verdränge ich sie wohl gerade.
10. Wer ist dein liebster Film- oder Serien-Antiheld? Anakin Skywalker in „Star Wars: Episode I bis III“ – nein, natürlich nicht! 😉 Ganz klar: Walter White aus „Breaking Bad“. Antihelden im Fernsehen gibt es ja in letzter Zeit immer mehr: „Dexter“ fällt mir da ein oder auch „House of Cards“ (das ich noch nicht gesehen habe). Aber eine Figur wie Walter White wird es so schnell nicht wieder geben. So phänomenal gespielt, wahnsinnig gut geschrieben und inszeniert. Da hat das Fernsehen gegenüber dem Film ganz klar den Vorteil, Charaktere und Handlungsbögen über viele Stunden aufbauen zu können.
11. Welcher Film oder welche Serie wurde in letzter Zeit völlig zu Unrecht gehypt? Puh, schwierige Frage. Zu Unrecht gehypt? Heutzutage versucht man doch alles zu hypen, insofern geschieht das meistens zu Unrecht. Ich habe mir gerade die Liste der Filme, die ich dieses Jahr schon gesehen habe, angeschaut und feststellen müssen, wie erstaunlich kurz sie ist (ich gucke eben einfach zu viele Serien – und trotzdem nicht genug). „American Hustle“ hat mir nicht besonders gefallen (tolles Schauspiel, aber uninteressante Geschichte), noch deutlich weniger allerdings „The Wolf of Wall Street“. Beide haben verdientermaßen keine Oscars gewonnen und es wurde trotzdem meiner Meinung nach zu viel Tamtam um die Filme gemacht. Zu groß war der Hype vielleicht auch um die dritte Staffel von „Sherlock“, deren zweite Folge mich zumindest beim ersten Ansehen maßlos enttäuscht hat. „Sherlock“ ist immer noch verdammt gut, aber dem Hype, der sich in den zwei Jahren seit der zweiten Staffel aufgebaut hatte, konnte man einfach nicht gerecht werden.
So, das waren also meine Antworten auf die gestellten Fragen. Ich habe leider momentan keine Idee, an wen ich das Stöckchen weiter werfen soll, aber vielleicht fällt mir da ja irgendwann doch noch jemand ein. Wenn ich besser vernetzt bin. Heute Abend gehe ich übrigens ins Kino, komme also nicht darum herum, endlich mal wieder einen Film zu sehen („Her“). Aber wer weiß, vielleicht ist danach – vor dem Schlafengehen – ja doch noch Zeit für eine Folge von „Game of Thrones“. Nur eine einzige…
Wenn ich mit meinem „Babylon 5“-Rewatch in diesem Tempo weitermache, brauche ich dafür fünf Jahre, kann die Serie also quasi in Echtzeit anschauen und hier vorstellen. 😉 Nachdem es beim letzten Mal umEpisode 1.02ging, widme ich mich heute der dritten Folge, „Born to the Purple“. Wie aufmerksame Leser der vergangenen Blogposts schon gemerkt haben dürften, schaue ich die Serie – wie alles andere auch – in der Originalfassung an. Deshalb sind alle Zitate, die ich hier verwende, auf englisch.
Auch dazu, wie ich in den Blogposts zur Serie mit Spoilern umgehe, möchte ich noch kurz etwas schreiben: Ich nenne das ganze zwar einen „Re-Watch“, ganz einfach weil ich selbst die Serie schon mindestens ein halbes Dutzend Mal gesehen habe, möchte die B5-Posts hier im Blog aber auch Neulingen zugänglich machen, die die Serie zum ersten Mal anschauen und deshalb zwar gerne über eine bestimmte Folge lesen, aber nicht über den weiteren Verlauf der Serie gespoilert werden möchten. Deshalb halte ich meine Texte über B5 weitgehend frei von Spoilern; weil ich trotzdem viele Episoden auch in den Kontext des übergreifenden Handlungsbogens der Serie stellen möchte, werde ich aber nicht ganz darum herum kommen, ein paar Spoiler unterzubringen. Diese werden aber ganz klar als solche markiert (wie auch schon im Post zur letzten Folge), so dass niemand, der die Serie noch nicht komplett gesehen hat, versehentlich etwas liest, was er noch gar nicht wissen wollte/sollte.
Bevor ich zu nun zur aktuellen Episode selbst komme, gibt es wie immer zuerst…
Aktuelles aus dem “Babylon 5″-Universum
Hier habe ich ein neues, kurzes Interview mit „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski entdeckt, in dem er einige Fragen seiner Fans beantwortet. Unter anderem bestätigt er einmal mehr, dass wir wahrscheinlich niemals eine HD-Version von „Babylon 5“ zu Gesicht bekommen werden. Das ist wirklich schade – nicht nur, weil die bestehenden DVDs in ihrer Bildqualität bereits unterste Schublade sind, sondern auch, weil DVDs in Standardauflösung ja eigentlich schon längst von gestern sind und HD der neue Standard ist. Es besteht die Gefahr, dass die Serie langsam in Vergessenheit gerät, wenn sie nicht in einer zeitgemäßen Form – also als HD-Download und auf Bluray – erhältlich ist.
Dann habe ich noch einen Artikel über die besten weiblichen Figuren im Science Fiction-Film und -Fernsehen entdeckt. Susan Ivanova aus „Babylon 5“ darf auf dieser Liste natürlich nicht fehlen. Schließlich bin ich noch auf einen großartigen Podcast gestoßen: „The Incomparable“. Darin werden seit August 2010 im wöchentlichen Rhytmus alle möglichen Themen aus den Bereichen Film, Fernsehen, Bücher und Comics besprochen. Unter anderem gibt es Doppel-Episoden über alle „Star Wars“-Filme (außer Episode III, der Podcast dazu folgt noch), über die „Herr der Ringe“-Filme, über „Indiana Jones“, „Fringe“, „Game of Thrones“, „Zurück in die Zukunft“ und eben auch eine über zwei Stunden lange Folge, die sich mit „Babylon 5“ beschäftigt (und zu der euch der Link führt). Anhören sollten sie aber nur diejenigen, die die Serie schon komplett gesehen haben, da sich der „Incomparable“-Gastgeber Jason Snell und seine Gäste über die gesamte Handlung der Serie unterhalten! Auf die meisten dieser „Neuigkeiten“ werde ich übrigens über Facebook aufmerksam, wo in diversen B5-Gruppen und -Fanseiten immer wieder interessante Links gepostet werden. Kommen wir aber nun zur aktuellen B5-Folge.
Episode 1.03 “Born to the Purple” („Die Purpurdaten”)
Drehbuch: Larry DiTillio, Regie: Bruce Seth Green Erstausstrahlung: 09.02.1994 (USA), 20.08.1995 (Deutschland)
In dieser Episode ist Londo Mollari die zentrale Figur. Aus demPilotfilmund derersten Folge wissen wir bereits, dass die Centauri ein äußerst patriotisches Volk sind und Londo den alten Zeiten nachtrauert, in denen das Centauri-Imperium noch ein riesiges Reich war und die Centauri zu den wichtigsten Mächten der Galaxis gehörten. Die Centauri sind schon lange nicht mehr die Großmacht, von der sie zumindest behaupten, es einmal gewesen zu sein, aber wie Londo in dieser Folge selbst sagt, zählt für sein Volk vor allem der äußere Schein. Nach außen hin muss jeder Centauri, der es zu etwas bringen will, stets Stärke und Rücksichtslosigkeit zeigen und alle inneren Schwächen verbergen. Dementsprechend verhält sich auch Londo den Vertretern anderer Spezies gegenüber oft agressiv oder arrogant, auf jedenfall zeigt er sich stets sehr selbstbewusst. In „Born to the Purple“ erhaschen wir nun erstmals einen Blick auf seine verletzliche, romantische Seite. Londo liebt „Wein, Weib, Gesang“ (so lautet sein Passwort für die wichtigen Purpurdaten) und wie wir in der ersten Szene der Folge sehen können, ist er der schönen Tänzern Adira Tyree (Fabiana Udenio) vollkommen verfallen.
Seine Verliebtheit stellt eine Schwäche dar, die Adiras Besitzer Trakis (Clive Revill) ausnutzt. Dessen Plan ist es, Londos „Purpurdaten“ an sich zu bringen, also jene Dateien, in denen Londo Informationen über die Mitglieder aller mächtigen Centauri-Familien gespeichert hat – für den Fall, dass sie sich einmal als nützlich erweisen könnten, um zum Beispiel einen politischen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Die Story der Episode ist nicht besonders tiefgründig, fügt Londos Charakter aber wie gesagt eine weitere Seite hinzu, die wir noch nicht kannten. Londo ist zu Beginn der B5-Handlung eine Figur, über die man oft lachen kann; er ist aufbrausend, witzig und lebenslustig, wenn auch seine persönlichen Glanzzeiten schon eine Weile zurückliegen. Den Botschafterposten auf Babylon 5 hat er nur bekommen, weil dieser Job in seiner Heimat als nutzloser Posten gesehen wird und ihn ganz einfach kein anderer machen wollte. Londos Gegner auf Centauri Prime haben sich wahrscheinlich ins Fäustchen gelacht, als sie gehört haben, dass er auf diese seltsame Raumstation mitten im Nirgendwo abgeschoben werden sollte, wo er ihnen nicht mehr gefährlich werden kann. Ohne zuviel zu verraten lässt sich jetzt schon sagen, dass sich in all dem bereits eine weitere Schwäche Londos andeutet: sein Wunsch, sowohl sich selbst als auch sein Volk wieder zur alten Größe und Bedeutung zurück zu führen.
Die B-Story der Episode dreht sich darum, dass Garibaldi wiederholt eine unautorisierte Nutzung eines der „Goldkanäle“ beobachtet, also jener Kommunikationsfrequenzen, die nur für die offizielle Kommunikation hochrangiger Mitglieder des Stationspersonals mit der Erde vorgesehen sind und keinesfalls für private Gespräche. Die Szene, in der wir am Ende der Folge gemeinsam mit Garibaldi herausfinden, wer für diesen Regelbruch verantwortlich war, ist herzzerreißend. Susan Ivanova nutzt einen Goldkanal, um sich von ihrem sterbenden Vater zu verabschieden. Nicht nur ist die Szene von Claudia Christian und Robert Phalen, der ihren Vater Andrei spielt, hervorragend gespielt, sondern sie gibt uns auch einige neue Informationen über Ivanova. Aus der ersten Folge wissen wir bereits, dass sich ihre Mutter umbrachte, nachdem das PsiCorps sie gezwungen hatte, ihre telepathischen Fähigkeiten jahrelangn mit Medikamente zu unterdrücken. Hier erfahren wir nun, dass ihr Vater danach so sehr in seiner Trauer versank, dass ihm der enge Kontakt mit seinen Kindern anschließend schwerfiel. Infolge dessen hatte Ivanova zu ihrem Vater ein sehr kühles, distanziertes Verhältnis, welches nach dem Tod ihres Bruder noch schwieriger wurde.
Vielleicht liegt unter anderem darin ihr Umgang mit ihren eigenen Gefühlen begründet, die sie fast immer unter einer Maske aus Stärke und Entschlossenheit verborgen hält. Von den Sorgen, die sie sich um ihren sterbenden Vater gemacht haben muss, hat sie auch ihren engsten Freunden auf Babylon 5, Sinclair und Garibaldi, nichts erzählt. Ohne Zweifel hätte Sinclair es ihr erlaubt, einen der Goldkanäle zu nutzen, um mit ihrem Vater zu sprechen; er hätte ihr bestimmt sogar Urlaub gegeben, um zur Erde zu fliegen und ihren Vater noch ein letztes Mal von Angesicht zu Angesicht sehen zu können. Nur als Garibaldi sie am Ende fragt, ob sie mit ihm etwas trinken gehen (und über ihre unausgesprochenen Sogren reden) möchte, lässt sie in ihrem Blick für einen Moment ihre Trauer und Verletzlichkeit aufblitzen. Sie ist jedoch noch nicht bereit, Garibaldi oder Sinlcair näher an sich heran zu lassen.
Für Ivanovas Entwicklung hat dieses letzte Gespräch mit ihrem Vater auf jeden Fall eine sehr wichtige Bedeutung, denn ihr Vater entschuldigt sich darin bei ihr für sein Verhalten und ermöglicht ihr damit, sich mit ihrer schwierigen Familiengeschichte ein Stück weit zu versöhnen. Die Trauerarbeit ist damit aber natürlich noch längst nicht abgeschlossen und wird im weiteren Verlauf der Staffel noch ein Thema sein.
Highlight der Episode:Londo erteilt seinem Attaché Vir die Vollmacht, ihn bei den Verhandlungen mit den Narn zu vertreten. Als Vir sich gerade auf den Weg machen will, ruft Londo ihm hinterher: „And Vir, don’t give away the homeworld!“ G’Kar wird wütend, als er vom Fernbleiben Londos erfährt und beschließt, die Verhandlungen ebenfalls zu verlassen und sich von seiner neuen Assistentin Ko’Dath vertreten zu lassen. Und welchen Rat gibt er ihr? „Just don’t give away the homeworld.“ 😀
Londo/G’Kar-Moment: Am Anfang der Episode suchen Sinclair und G’Kar Londo im Dark Star Nightclub auf, um ihn dazu zu bewegen, an den Verhandlungen mit den Narn teilzunehmen. Zuerst kommt es zu einem herrlichen Wortwechsel zwischen G’Kar und Londo, bei dem das Drehbuch (und Peter Jurasik in seinem Schauspiel) das im network television verbotene Wort „ass“ wunderbar umgehen („Yes, and you can kiss my plump Centauri…aaahh, Gentlemen, this is what I’ve been waiting for.“). Als sich G’Kar und Sinclair anschließend zu Londo an den Tisch setzen, um mit ihm die Tänzerin Adira zu bewundern, fagt Londo: „Gentlemen, of all things in life, are females not the finest?“ G’Kar antwortet: „On that, Mollari, we can at least agree.“ Wenigstens in einer Sache sind sich die beiden Streithähne also einig….
Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:
Ivanovas Vater stirbt, doch Ivanova erzählt niemandem davon. Nicht einmal Sinclair und Garibaldi, die ihre engsten Freunde auf der Station sind, erfahren etwas darüber von ihr.
G’Kar wird eine neue Assistentin zur Seite gestellt: Ko’Dath.
Londo ist unsterblich in Adira verliebt – so sehr, dass er sie am Ende der Episode gehen lässt. Das nächste Treffen mit ihr sehnt er aber ganz bestimmt schon herbei…
Außerdem erhalten wir hier interessante Einblicke in die Kultur der Centauri, in der der Status und Titel einer Person einen extrem hohen Stellenwert haben. Um gesellschaftlich und politisch aufzusteigen, greifen die Centauri immer wieder zu harten Mitteln und sammeln auch schon mal Informationen über ihre politischen Konkurrenten, die sie im Bedarfsfall gegen diese einsetzen können.
Sonstige Fragen: Warum hat Adira als Sklavin eigentlich ein eigenes, sogar ziemlich geräumiges Quartier auf der Station? (Wahrscheinlich wurde es ihr von Trakis nur deswegen zur Verfügung gestellt, um seine Täuschung Londos überzeugend zu gestalten.) Worum geht es eigentlich in diesem „Euphrates-Vertrag“, um den sich die Verhandlungen zwischen Londo und G’Kar drehen? Hat Londo sich einen Vorhang aus seinem Quartier übergeworfen, als er und Sinclair in Verkleidung losziehen, um Adira zu suchen? Und was hat er mir seinen Haaren gemacht, die unter der Kapuze anscheinend flach am Kopf anliegen – nach hinten gegelt?
Weitere interessante Punkte: Vir (und später G’Kar!) spielen mit einer Art GameBoy, während sie auf Londos Eintreffen zu den Verhandlungen warten. Talia sehen wir beim Abendessen mit Sinclair erstmals nicht in ihrer PsiCorps-Uniform, sondern in Zivilkleidung. Als Adira auf dem Zocalo auf Trakis wartet beobachtet sie ein Pärchen: einen menschlichen Mann und eine anscheinend weibliche Angehörige einer seltsam aussehenden Alienrasse, die man nie wieder in B5 sieht, soweit ich mich erinnere. Dann ist da noch die „mind probe“, ein Gerät, mit dem sich anscheinend Gedanken lesen lassen. So etwas kommt im B5-Universum nie wieder vor und würde später auch manch andere Entwicklung überflüssig machen (ich denke da zum Beispiel an die Episode „Dust to Dust“ in der dritten Staffel).
Als Garibaldi in C&C (Command & Control, quasi die Brücke von Babylon 5) mit Ivanova über die Goldkanäle spricht, sagt er unter anderem, dass nur die Botschafter und die „senior officers“ von diesen Kanälen wissen. Wenn das so ist, warum plaudert er diese Information dann vor allen andern Anwesenden aus? Es gehören doch bestimmt nicht alle Mitglieder der Erdstreitkräfte, die dort arbeiten, dem Kommandostab an. Der Dialog dient der Exposition, soll also dem Zuschauer erklären, was die Goldkanäle sind; Garibaldi würde eine so vertrauliche Information aber in diesem Rahmen nicht ansprechen. Es handelt sich also um einen kleinen Fehler im Drehbuch.
In der Centauri-Republik ist Sklaverei anscheinend legal; wir erfahren unter anderem, dass Sklavenbesitzer für die Verbrechen ihrer Sklaven verantwortlich gemacht werden können. Ebenfalls interessant ist, dass der Besitzer des Nachtclubs Sinclair nicht zu erkennnen scheint. Das erscheint mir durchaus plausibel zu sein, schließlich interessieren sich bestimmt nicht alle der 250.000 Bewohner der Station dafür, wer gerade der Commander ist; nicht wenigen von ihnen dürfte das ziemlich egal sein. Sinclair dagegen weiß sehr gut auch über die zwielichtigen Bewohner seiner Station bescheid.
Nach Londo Mollari ist G’Kar nun der zweite Botschafter, dem ein Attaché zur Seite gesellt wird. Es ist jedoch kein großer Spoiler zu verraten, dass seine Assistentin KoDath (Mary Woronov) nach dieser Folge nie wieder zu sehen sein wird. Die Schauspielerin kam mit der Maske und den Kontaktlinsen, die die Rolle erforderte, überhaupt nicht zurecht und stieg schon nach einer Folge wieder aus, obwohl Ko’Dath eigentlich als dauerhafte Figure geplant war. G’Kar wird aber in einer der nächsten Folgen eine neue Assisten zur Seite gestellt werden. Von Ko’Dath war er sowieso anscheinend alles andere als begeistert, wie man seiner Reaktion beim ersten Treffen mit ihr entnehmen kann („I wasn’t expecting you for several years…ah days.“). Interessant fand ich, dass die Darstellerin versucht hat, der Figur durch ihre Mimik und das Fauchen, dass sie in einigen Szenen von sich gibt, etwas deutlich Reptilienartiges zu verleihen. Besonders sympathisch finde ich Ko’Dath aber auch nicht, insofern bin ich nicht traurig, dass sie nach nur einer Epiosde schon wieder verschwindet. Und schließlich noch zum Titel dieser Episode – ich zitiere mal aus dem deutschen Lurker’s Guide: „Der Titel dieser Episode geht auf eine Bezeichnung aus dem Römischen Reich zurück, die heute noch in Großbritannien gebräuchlich ist. Römische Senatoren trugen in den Zeiten der Republik Togas mit purpurfarbenem Rand als Zeichen der Zugehörigkeit zur kaiserlichen Familie, da purpurner Farbstoff sehr teuer war. Heute tragen Mitglieder des Oberhauses purpurne Roben zu offiziellen Anlässen. Wenn im Vereinigten Königreich jemand zum Peer gemacht wird, sagt man er wurde ‚zum Purpur erhoben‘. Peers, die ihren Titel geerbt haben, wurden ‚Purpur geboren‘ [also ‚Born to the purple‘, Anm.]. Vielleicht impliziert das, daß die Purpurdaten so genannt wurden, weil sie es sind, die Londos Familie in ihrer hohen Position gehalten haben.“ Spoiler: Wenn man die Serie zum wiederholten Male sieht, fällt einem zudem auf, dass Londo und G’Kar hier noch ganz am Anfang ihrer Charakterentwicklung stehen und ganz andere Persönlichkeiten sind, als am Ende der Serie. Während G’Kar hier noch jähzornig ist und schnell wütend wird, wirkt Londo noch deutlich unbeschwerter und hat noch Freunde, von denen er Gefallen einfordern kann.
Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: Regisseur dieser Folge ist Bruce Seth Green, der mir deswegen ein Begriff ist, weil er u.a. auch bei mehreren „Buffy“-Episoden Regie geführt hat (vor kurzem habe ich ja die zweite Staffel von „Buffy“ angeschaut). Er ist übrigens nicht verwandt mit Seth Green, den man als Oz aus „Buffy“ kennt. Drehbuchautor der Episode ist Larry DiTillio, was „Born to the Purple“ zu einer der 18 Episoden macht, bei denen J. Michael Straczynski nicht selbst das Drehbuch geschrieben hat. Tatsächlich stammen 92 der 110 B5-Folgen aus der Feder von JMS, doch während der ersten beiden Staffeln gab er noch einige Storys an Gastautoren ab, auf die er ab der dritten Staffel (mit Ausnahme einer einzigen Folge) verzichtete.
Trakis-Darsteller Clive Revill hat eine lange Karriere als Film- und Fernsehschauspieler sowie als Sprecher hinter sich. Unter anderem lieh er in der Originalfassung von „Das Imperium schlägt zurück“ dem Imperator seine Stimme. (Dargestellt wurde der Imperator in seiner einzigen Szene in diesem Film von einer Frau. Auf der 2004 erschienenen DVD und der 2011 erschienenen Bluray des Films wurde die Szene dann gegen eine neu gedrehte Szene mit Ian McDiarmid ersetzt, der Palpatine in den übrigen „Star Wars“-Filmen spielt.)
Zitate: Londo zu Adira: „We Centauri live our lives for appearances. Position, status, title – these are the things by which we define ourselves. But when I look beneath the mask I am forced to wear, I see only emptyness. And then I think of you, and I say ‚To hell with appearances‘.“
Londo: „And Sinclair, only you, my good and dear friend, can help me.“ Sinclair: „If I do, will you agree to my compromise on the Euphrates treaty?“ Londo: „I’ll even seal it with a kiss.“ Sinclair: „That should make G’Kar’s day.“
Londo zu Vir übers BabCom: „What do you want, you moon-faced assassin of joy?“
Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.04 „Infection“
Ich komme gerade aus dem Kino, wo ich im Rahmen der Münchner Fantasy Filmfest Nights, die gestern und heute stattfanden, zwei Filme gesehen habe: „Snowpiercer“ und „Enemy“. Beide waren sehr gut und ich möchte vor dem Schlafengehen noch ein paar Eindrücke hier festhalten.
Auf „Snowpiercer“ habe ich mich gefreut, seit ich vor ein paar Monaten eine sehr gute Kritik dazu im Internet gelesen habe. Der südkoreanische (auf englische gedrehte) Film basiert auf einer französischen Graphic Novel, die nun von Bong Joon-ho fürs Kino adaptiert wurde. Bongs letzter Film war der hervorragende „Mother“, den ich vor ein paar Jahren auf dem Filmfest München gesehen habe, besser bekannt ist er jedoch für „The Host“, den ich noch nicht kenne. „Snowpiercer“ ist ein Science Fiction-Film und ein sehr guter noch dazu, was ja selten genug ist. Die Handlung: In der nahen Zukunft beschließen zahlreiche Länder der Erde, eine Chemikalie in der Atmosphäre zu verteilen, die der globalen Erwärmung entgegen wirken soll. Das Mittel wirkt allerdings etwas zu gut, so dass schon kurze Zeit später der ganze Erdball von Eis und Schnee bedeckt ist. Fast alles Leben auf der Erde wird ausgerottet. Die letzten überlebenden Menschen befinden sich alle in einem riesigen Zug, jenem titelgebenden Snowpiercer. Der Zug ist nach einem klaren Klassensystem geordnet: Während in den vorderen Waggons die Reichen und Mächtigen wohnen, sind ganz hinten die Armen und Unterdrückten zuhause. Curtis (Chris Evans) ist einer von ihnen, will den gegenwärtigen Zustand aber nicht weiter hinnehmen. Er stiftet die anderen Bewohner des letzten Waggons zu einer Revolution an. Nach und nach kämpfen sich Curtis und seine Mitstreiter im Zug nach vorne, Waggon für Waggon.
Gute Science Fiction ist wie gesagt im Kino selten, was vor allem daran liegt, dass es abseits der großen Blockbuster eigentlich kaum Science Fiction-Filme gibt. Die Darstellung fremder oder zukünftiger Welten lässt die Budgets rasch in die Höhe schnellen, so dass „kleine“ Science Fiction-Filme selten sind. „Snowpiercer“ umgeht dieses Problem dadurch, dass die Handlung nur im Inneren des Zuges spielt. Zwar gibt es natürlich ein paar Außenaufnahmen, die den durch Schnee und Eis rasenden Zug zeigen, doch sie sind wohl dosiert eingesetzt. Große Schauwerte hat „Snowpiercer“ aber auch gar nicht nötig, denn die Geschichte, die er erzählt, ist kraftvoll genug und hält auch so einige Bilder bereit, die sich einem ins Gedächtnis brennen. Unter den Nebendarstellern sind so imposante Namen wie John Hurt („Alien“, „Contact“), Octavia Spencer („The Help“) oder auch Jamie Bell (da fällt mir nur Spielbergs „Tintin“ ein). Dass es sich beim Hauptdarsteller um Chris „Captain America“ Evans handelt, habe ich nicht nur deswegen den ganzen Film über nicht gemerkt, weil er hier Vollbart trägt, sondern auch, weil Evans ein meiner Meinung nach ziemlich ausdrucksloser Schauspieler ist. Dafür ist wie gesagt die zweite Reihe an Darstellern umso besser und eine unter ihnen stiehlt erwartungsgemäß allen die Show: Tilda Swinton, die hier mit Brille und falschen Zähnen kaum zu erkennen ist und eine herrlich fiese Untergebene der Machthaber des Zuges spielt.
Wie jede gute Science Fiction-Erzählung sagt auch „Snowpiercer“ etwas über unsere Gegenwart aus. Während die Bewohner der vorderen Zugteile ein Luxusleben führen, werden die „Hinteren“ von ihnen unterdrückt. Da muss man unweigerlich an die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich denken. Zu essen bekommen die Armen im Zug nur glibberige Proteinriegel, deren Herkunft unklar ist; zudem werden immer wieder ohne erkennbaren Grund Kinder aus dem hinteren Zugteil entführt oder es rückt ein Erschießungskommando an und dezimiert die Zahl der dort Lebenden. Selbstverständlich werden all diese Elemente im Verlauf des Films aufgeklärt, der überhaupt in sich sehr schlüssig ist. Denn auch die Fragen, woher die Zugzivilisation ihr Wasser und ihre Nahrung nimmt oder warum dieser klägliche Rest der Menschheit denn überhaupt in einem Zug unterwegs ist, werden im Verlauf der Handlung beantwortet. Die Spannung reißt dabei nie ab, weil man sich stets fragt, was die Aufständischen hinter der Tür zum nächsten Waggon erwartet. Darüber will ich allerdings nicht mehr verraten, weil das die Spannung zerstören würde. „Snowpiercer“ ist nicht nur spannend und äußerst kreativ inszeniert, sondern spricht auch eine ganze Reihe wichtiger Themen an, von der Frage des Umgangs mit der globalen Erwärmung bis hin zu den Mitteln, mit denen in Diktaturen das Volk kontrolliert wird.
Das bringt mich direkt zum zweiten Film. In „Enemy“ spielt nämlich Jake Gyllenhaal („Brokeback Mountain“, „Source Code“) einen Geschichtsdozenten namens Adam Bell, der seinen Studenten an einer Stelle des Films erklärt, wie Diktatoren die Kontrolle über ihr Volk behalten. Eines Tages empfiehlt ein Kollege Adam einen Film, den dieser sich ausleiht und abends ansieht. In diesem Film spielt ein Schauspieler mit, der haargenau aussieht wie Adam. Adam traut erst einmal seinen Augen nicht, nach einer kurzen Internetrecherche muss er jedoch feststellen, dass dieser Schauspieler tatsächlich existiert, auf den Namen Anthony St. Claire hört und zufälligerweise in derselben Stadt wie Adam wohnt.
Bei „Enemy“ handelt es sich wie auch schon bei „Prisoners“ um eine Zusammenarbeit zwischen Gyllenhaal und dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve (und obwohl „Prisoners“ bereits im letzten Jahr in den Kinos lief, wurde „Enemy“ als erster der beiden Filme gedreht). Der Film basiert auf einem Roman von José Saramango („Die Stadt der Blinden“) und bietet seinen Zuschauern genau wie „Prisoners“ langsam geschnittene, monochrom gehaltene Szenen, die zusammen mit dem Soundtrack eine bedrückende Stimmung schaffen. Während „Prisoners“ diese Mittel allerdings dazu nutzte, um einen harten Realismus herzustellen, werden sie in „Enemy“ eingesetzt, um eine traumähnliche Stimmung zu erzeugen. Gyllenhaal spielt hier eine Doppelrolle. Adam und Anthony begegnen sich im Lauf des Films und sind genau so ratlos wie der Zuschauer. Sind sie Zwillinge? Ist alles nur Zufall?
„Enemy“ hat ein paar Hitchcock-Elemente, ist aber kein klassischer Thriller, eher schon ein Mystery-Thriller. Mich hat der Film vor allem an David Lynch erinnert, denn genau wie in vielen von Lynchs Filmen wird hier eine verwirrende, teilweise surreale Atmosphäre erzeugt. Zudem gibt der Film keine Antworten, sondern lässt seine Zuschauer das Gesehene selbst interpretieren. In diesen Interpretationen dürften die vier Einstellungen, in denen im Verlauf des Films Spinnen zu sehen sind, eine besondere Rolle einnehmen (wer den Film schon gesehen hat, wird ohne Zweifel wissen, welche Szenen ich meine). Was bedeuten diese Szenen? Trennen sie lediglich bestimmte Abschnitte des Films voneinander? Bedeuten sie, dass man sich gerade in einem Traum befindet? Ganz so einfach ist die Sache bestimmt nicht. Ich habe bereits einen Artikel entdeckt, der den Film und seine (Spinnen-)Bilder interpretiert, ihn aber noch nicht gelesen. Weitere wichtige Fragen: Existieren Adam und Anthony nun wirklich beide oder ist nur einer von ihnen real und der andere lediglich seiner Fantasie entsprungen? Und warum heißt der Film eigentlich „Enemy“? Was bedeutet der Schlüssel? Was soll uns die allerletzte Szene sagen?
Der Film erinnert wie gesagt stark an Lynch, hat bei mir aber auch Assoziationen zu Philip K. Dick, Franz Kafka und Charlie Kaufman geweckt. Ich werde ihn mir auf jedenfall noch einmal ansehen, denn es ist wirklich selten, dass ich einen Film sehe, der so vage und voller Andeutungen bleibt, den ich aber trotzdem so interessant finde, dass ich ihn weiter entschlüsseln möchte (ich könnte damit beginnen, nachzulesen wofür Spinnen in der Traumdeutung stehen). „Enemy“ ist zwar ein ruhiger, aber zu keiner Sekunde langweiliger Film, was vor allem an Jake Gyllenhaal liegt, der die Frustration und Verzweiflung von Adam/Anthony hervorragend spielt. Auch die hypnotische Filmmusik trägt ihren Teil zur Spannung und traumähnlichen Atmosphäre bei.
Es ist schon spät, deswegen werde ich nun schlafen gehen und mein Unterbewusstsein weiter über die Fragen nachdenken lassen, die vor allem „Enemy“ aufwirft. Wahrscheinlich werde ich von riesigen Spinnen träumen, die sich auf Schienen durch das ewige Eis fräsen…
Beide Filme starten schon bald regulär in den deutschen Kinos, „Snowpiercer“ am 3. April und „Enemy“ am 22. Mai. Auch die Amerikaner werden „Snowpiecer“ nun übrigens doch in einer ungeschnittenen Fassung zu sehen bekommen. Ursprünglich wollte Harvey „Scissorhands“ Weinstein den Film nämlich um etwa 30 Minuten kürzen, weil er ihn für ein Massenpublikum als zu schwierig und intellektuell empfand.
Dieser Text enthält Spoiler für die gesamte zweite Staffel – aber nicht darüber hinaus.
Langsam, aber sicher arbeite ich mich weiter durch Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Wobei das Anschauen der Serie eigentlich alles andere als Arbeit ist, denn sie gefällt mir sehr gut (ich brauche nur so lange, weil auch noch so viele Filme angeschaut, einige Bücher gelesen werden und ein paar „Babylon 5“-Folgen gesehen werden wollen). „Buffy“ gucken fühlt sich also nicht wie Arbeit an (dann hätte ich auch schon längst damit aufgehört), ist aber auch alles andere als hirnlose Unterhaltung, die Dialoge sind voller Witz und all die Anspielungen auf das gesamte Spektrum an Popkultur versüßen einem das Vergnügen zusätzlich. So beginnt auch die zweite Staffel mit einer Szene, in der Xander (Nicholas Brendon) und Willow (Alyson Hannigan) zusammen „Filmzitate raten“ spielen. Gerade als die beiden sich fast küssen, platzt ein Vampir in die Szene – an dieser Stelle habe ich mich mal wieder gefragt, wann die beiden sich endlich kriegen.
Die erste Folge, „When She Was Bad“, setzt noch den Handlungsstrang um den „Master“ aus der ersten Staffel fort. Buffy (Sarah Michelle Gellar) war während der Sommerferien nicht in Sunnydale, kehrt aber gerade rechtzeitig wieder zurück, um Xander und Willow vor besagtem Vampir zu retten. Das „Slayen“ geht ihr noch genau so gut von der Hand wie vor den Ferien, doch ihren Freunden und Angel (David Boreanaz) gegenüber verhält sie sich etwas merkwürdig. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter ist gestört. Es dauert eine Weile, bis Buffy wieder gelernt hat, dass sie auf die Hilfe ihrer Freunde und ihres Watchers Giles (Anthony Stewart Head) angewiesen ist und ihre Bestimmung als Vampire Slayer nicht alleine erfüllen kann. Bevor es so weit ist, will sie in der ersten Folge noch alleine sein und nicht auf ihre Freunde aufpassen müssen. Die Einsicht, dass sie sie braucht, kommt ihr erst nach einer Weile.
Als ihre Mutter (Kristine Sutherland) sie in der dritten Folge auf ihre schlechten schulischen Leistungen anspricht, sagt Buffy, sie stehe unter großem Druck. „Wait ‚til you have a job.“, antwortet ihre Mutter. „I have a job.“, sagt Buffy in das leere Zimmer hinein, als ihre Mutter wieder fort ist. Mit großer Macht kommt große Verantwortung, hieß es schon anderswo; und obwohl Buffy nicht über Superkräfte verfügt, lastet auf ihr als Slayer dennoch äußerst viel Verantwortung. Gleichzeitig steckt in diesem Dialog mit ihrer Mutter aber auch vieles, mit dem sich die Zuschauer – die ja alle mal Teenager waren oder es selbst noch sind – identifizieren können. Auch wer nicht neben der Schule noch die ganze Stadt frei von Dämonen halten musste, kennt solche Gespräche mit den Eltern. Das Leben als Teenager ist nicht leicht, auch nicht für Nicht-Slayer.
Nachdem Buffy erfolgreich die Wiederauferstehung des Meisters verhindert hat, kommt mit Spike (James Marsters) ein neuer Bösewicht in die Stadt, der den örtlichen Vampiren schnell klar macht, dass er nun das Sagen hat. Spike ist allerdings kein Fremder in Sunnydale, sondern hat früher bereits einmal dort gelebt, wie wir bei seinem ersten Auftritt in der dritten Folge („School Hard“) erfahrend. Dass Buffy immer noch am Leben ist und sich Sunnydales Vampire nicht schon längst ihrer entledigt haben, kann er gar nicht fassen. Eine seiner ersten Aktionen besteht demenstprechend darin, einen Angriff auf die parent-teacher-night der Sunnydale High School zu starten – nur um schmerzlich zu erfahren, dass Buffy ein ziemlich zäher Slayer ist. Interessant an der Szene, in der Spike und seine Gang die Schule überfallen, ist übrigens auch, dass alle dort versammelten Schüler, Eltern und Lehrer den Angriff und seine Abwehr durch Buffy und ihre Freunde (einschließlich Angel) mit erleben. Aber wie wurde es doch in der ersten Staffel erklärt: Die Leute erklären sich alle übernatürlichen Erlebnisse – wie den Anblick von Vampiren – im Nachhinein auf irgendeine rationale Weise. Buffys Mutter hat also auch nach diesem schrecklichen Erlebnis immer noch keinen blassen Schimmer von der Existenz von Vampiren oder davon, dass ihre Tochter den größten Teil ihrer Freizeit damit verbringt, diese zu jagen. Schon während der ersten Staffel habe ich mich immer wieder gefragt, wann Joyce endlich vom Doppelleben ihrer Tochter erfährt und im Verlauf der zweiten Staffel erschien es mir immer unglaubwürdiger, dass sie von Buffys nächtlichen Aktivitäten tatsächlich nichts mitbekommt. Immerhin wird am Ende von „School Hard“ klar, dass der Schuldirektor Snyder (Armin Shimerman) keineswegs so ahnungslos ist, wie man bis dahin dachte. Er weiß durchaus von den übernatürlichen Vorgängen in Sunnydale. Ist er vielleicht gerade deshalb immer so streng mit Buffy? Hat er Angst um sie und will sie eigentlich beschützen? Das Staffelfinale wirft in Bezug auf Snyders Rolle noch mehr Fragen auf, mal sehen ob dies in der dritten Staffel weiter verfolgt wird.
Mit der sechsten Episode bekommt „Buffy“ dann die unvermeidliche, in diesem Fall ja auch wirklich passende Halloween-Folge spendiert. Der Plot: Einige Einwohner Sunnydales verwandeln sich in genau die Figuren, als die sie sich verkleidet haben. Das Ergebnis erinnert ein wenig an die Spiegeluniversum-Episoden aus „Star Trek“, in denen die Schauspieler auch jeweils andere Versionen ihrer Figuren spielen durften. Willow, Xander und Buffy dürfen auf diese Weise in bester Karnevalstradition genau die Charakterzüge ausleben, die sie sich im Alltag selten zu zeigen trauen; allerdings haben sie sich dabei nicht unter Kontrolle. Als dem Spuk endlich ein Ende gemacht ist, verwandeln sich alle Betroffenen zwar wieder in ihr altes Selbst zurück. Doch bei mindestens einer Person haben die Erlebnisse bleibende Spuren hinterlassen: Willow ist am Ende von „Halloween“ als Charakter deutlich gewachsen. Sie ist selbstbewusster geworden und dem Rat gefolgt, den ihr Buffy zu Beginn der Episode gegeben hat: „You’re never gonna get noticed if you keep hiding. (…) Don’t underestimate yourself. You got it in you.“ Willow ist bislang eine meiner Lieblingsfiguren und ich mag ihren in dieser Staffel in Fahrt kommenden character arc sehr gerne. Generell kommt die Entwicklung der Figuren im Verlauf dieser Staffel, die ja auch deutlich länger als die erste ist, um ein gutes Stück voran. Buffys Hauptproblem in der ersten Staffelhälfte ist ihre Identitätssuche und die schwierige Auseinandersetzung damit, dass sie eben kein normaler Teenager ist, sondern gewisse darüber hinaus gehende Verpflichtungen hat. Für Dating und Liebesbeziehungen ist da kein Platz, so denkt Buffy jedenfalls selbst eine Weile.
Und wo ich gerade von Liebe spreche: Auch in dieser Hinsicht kommt in der zweiten Staffel ja so einiges ins Rollen. Xander und Willow? Fehlanzeige! Stattdessen finden Xander und Cordelia zusammen. Die Tatsache, dass man sich das in der ersten Staffel nie hätte vorstellen können, zeigt bereits, dass auch diese beiden nicht mehr dieselben sind wie zu Beginn der Serie. Vor allem Cordelia (Charisma Carpenter) hat eine deutliche Wandlung durchgemacht. Seit sie von Buffys Slayer-Identität weiß und mehr aus Versehen als aus eigenem Antrieb Mitglied der Scooby Gang um Buffy geworden ist, ist sie in deren Aktivtäten mit eingebunden und muss tatsächlich ab zu und Verantwortung übernehmen. Das bedeutet für sie, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern sich einzugestehen, dass es Menschen gibt, die ihr wichtig sind, auch wenn sie sie – jedenfalls zu Beginn der zweiten Staffel – vielleicht immer noch nicht offen als ihre Freunde bezeichnen würde. Am Ende der Staffel, als Cordelia bereits seit einigen Monaten mit Xander zusammen ist, gibt es eine schöne Szene, in der sie irrtümlich glaubt, Xander habe sich gerade in ein hässliches Fischwesen verwandelt. „I still care about you, no matter what you look like.“, sagt sie da zu dem vermeintlichen Xander und spätestens an dieser Stelle ist im Vergleich zur Cordelia der ersten Staffel klar, dass auch sie eine deutlich nachvollziehbare Entwicklung durchgemacht hat.
Bevor sie anfängt mit Xander zu knutschen und sich schließlich eingesteht, dass sie in ihn verliebt ist, hat Cordelia zu Beginn der Staffel jedoch noch ein Auge auf Angel geworfen. „When it comes to dating, I’m the Slayer.“, erklärt sie Buffy in „Halloween“ selbstbewusst. Xander dagegen hängt zu diesem Zeitpunkt immer noch der Traumvorstellung nach, mit Buffy zusammen zu kommen und hat noch nicht eingesehen, dass dies wohl nie passieren wird. Letztlich müssen sich also sowohl Cordelia als auch Xander von ihren Träumen verabschieden und in der Realität ankommen. Beziehungsweise erst einmal in der Abstellkammer der Schule, wo sie sich regelmäßig zum Knutschen verabschieden, weil Cordelia ihre Beziehung geheim halten will, was zu einigen herrlich komischen Szenen führt.
Auch Willow muss sich von ihrem Traum verabschieden und erkennen, dass sie Xander erst einmal nicht kriegen wird. Aber sie kriegt jemand besseren: Daniel Osbourne, genannt Oz (Seth Green). Der schüchterne Gitarrist und Computerfreak taucht in der vierten Folge der Staffel zum ersten Mal auf und bleibt ziemlich lange im Hintergrund; er ist immer wieder mal in einer Folge dabei, aber nie in einer prominenten, wirklich wichtigen Rolle – jedenfalls bis zur 15. Episode („Phases“), die sich ganz um die Liebesbeziehungen und -sehnsüchte der Figuren dreht. Willow ist besorgt, weil Oz sich nicht mehr traut als mit ihr Händchen zu halten; Xander merkt, dass er eifersüchtig auf Oz ist, obwohl er doch von Willow nichts wollte und inzwischen mit Cordelia zusammen ist; Buffys Beziehung zu Angel ist zerbrochen (dazu gleich mehr) und sie ist nun wieder alleine und auch entschlossen, es zu bleiben. In „Phases“ leiden die Bewohner Sunnydales unter den Angriffen eines Werwolfs („Das ist ein Klassiker!“, entfährt es dem enthusiastischen Giles). Die Episode führt den Zuschauer die meiste Zeit über auf eine falsche Fährte, indem sie zahlreiche Hinsweise dafür gibt, dass es sich bei dem Werwolf um Larry handelt, einen der Starathleten der Schule. Larrys Geheimnis ist allerdings „nur“ seine Homosexualität; bei dem Werwolf hingegen handelt es sich um Oz! Da sich daran nun mal nichts ändern lässt und Willow, wie sie selbst sagt, auch stets für ein paar Tage im Monat unausstehlich ist, bleiben die beiden ein Paar.
In der nächsten Folge (2.16, „Bewitched, Bothered and Bewildered“) geht es ein weiteres Mal fast nur um die komplizieren Verwicklungen, die sich aus den Liebesbeziehungen der Charaktere ergeben. Xander, der Buffy auf einem ihrer nächtlichen Ausflüge begleitet, gesteht ihr auf dem Friedhof seine Schwierigkeiten mit Cordelia, dem Dating und der Liebe allgemein. Mitten in das Gespräch platzt plötzlich ein Vampir hinein, mit dem Buffy kurzen Prozess macht – ein schönes Beispiel dafür, wie „Buffy“ immer wieder die Sorgen und Ängste ganz normaler Teenager mit dem Fantastischen und Übernatürlichen verbindet. Die Beziehung zwischen Cordelia und Xander ist inzwischen über den Rumpelkammer-Status hinaus gekommen und nicht mehr geheim, was Cordelia zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung machen lässt, wie es sich als Außenseiterin so lebt. Während sie bisher in ihrer Clique stets im Mittelpunkt stand und ihre Meinung Gewicht hatte, wollen ihre Freundinnen nun plötzlich nichts mehr mit ihr zu tun haben. Da für Cordelia die eigene Popularität über alles geht, gibt es für sie nur eine mögliche Schlussfolgerung: Sie muss mit Xander Schluss machen. (In meinen Notizen zur Folge finden sich an dieser Stelle die Worte „Die falsche Schlampe!!“) Xander fühlt sich davon natürlich tief getroffen und will Cordelia nun seinerseits verletzen, indem er sie zunächst mit einem Liebeszauber belegt, nur um sie dann ebenfalls fallen zu lassen. Sein Plan geht allerdings vollkommen nach hinten los, weil der Zauber nicht nur Cordelia, sondern alle Frauen in Sunnydale trifft, die am Ende der Episode wie eine Horde von Zombies hinter Xander her sind. Das Drehbuch ist großartig, die Darsteller haben sichtlich Spaß an der Sache und „Bewitched, Bothered and Bewildered“ ist bislang eine der lustigsten Episoden. Es handelt sich dabei zwar größtenteil um eine in sich abgeschlossene Episode, deren Handlung kaum etwas zum großen story arc beiträgt, aber genau wie bei „Babylon 5“ wird die übergreifende Handlung auch in solchen Folgen nicht ignoriert, sondern es existieren darin zumindest einige Elemente, die auf den story arc hinweisen (und nicht zuletzt lernt Cordelia in dieser Folge, dass es wichtiger ist, zu den Personen zu stehen, die man liebt als um jeden Preis beliebt sein zu wollen).
Wenn ich schon die ganze Zeit von Liebsbeziehungen in „Buffy“ schreibe, kann ich eine Beziehung natürlich nicht ignorieren: die zwischen Buffy und Angel. Ich muss allerdings zugeben, dass mich diese Beziehung gar nicht so sehr interessiert, weil ich Willow und Xander interessanter finde als Buffy. Damit will ich nicht sagen, dass es sich um interessantere oder besser geschreibene Figuren handelt; die Probleme von Willow und Xander kann ich ganz einfach besser nachvollziehen, weil sie sich mehr mit meinen eigenen Erfahrungen decken. Man muss ja zugeben, dass die Liebe zwischen Buffy und Angel von Anfang an unter keinem guten Stern stand: eine siebzehnjährige Vampirjägerin und ein um die 250 Jahre alter Vampir… Bereits in der siebten Folge der Staffel, „Lie to Me“, wird das Vertrauen zwischen Buffy und Angel erheblich gestört. Doch es ist natürlich Episode 2.14 („Innocence“), in der sich alles komplett ändert. Angel, der sich bislang ja dadurch ausgezeichnet hat, dass er im Gegensatz zu „normalen“ Vampiren seine menschliche Seele behalten hat, wird seine Seele wieder genommen. Von da an ist er ein Vampir wie alle anderen und kann sich an seine Liebe zu Buffy und die gemeinsam verbrachte Zeit nicht mehr erinnern. Gemeinsam mit Spike und dessen herrlich verspulter Gespielin Drusilla (Juliet Landau) schmiedet er für den Rest der Staffel Pläne für Buffys Tod. Und man hat wirklich den Eindruck, als würden die drei mehr Pläne schmieden als tatsächlich handeln. Aber Buffy darf natürlich nicht sterben, deswegen dürfen ihre Widersacher nicht allzu energisch zur Sache gehen, schon klar. (Übrigens: Was ist das denn für eine Botschaft, die „Innocence“ den weiblichen Teenagern unter den Zuschauern vermittelt: Schlaft nicht mit eurem Freund, sonst verwandelt er sich in einen seelenlosen Dämon?)
Spike, der zu diesem Zeitpunkt an einen Rollstuhl gefesselt und nicht im Besitz seiner vollen Kräfte zu sein scheint, regt sich in Episode 17 zu Recht darüber auf, dass Angel Buffy nicht einfach umbringt, sondern nur mit ihr spielt. Giles wiederum gibt Buffy in der gleichen Folge („Passion“) den Rat, sich nicht zur Sklavin ihrer Leidenschaften machen zu lassen und sich nicht auf Angels Spielchen einzulassen. Kurz darauf, als Angel Giles‘ Freundin Jenny (Robia LaMorte) umgebracht hat, kann Giles verständlicherweise selbst nicht mehr klar denken und macht sich von Rachegelüsten getrieben auf, um Angel zu vernichten. „Passion“ ist nicht nur einer der Höhepunkte der Staffel, sondern auch (endlich) eine Folge, in der eine wichtige Figur stirbt und in der die Entwicklung aller Charaktere einen entscheidenden Schritt macht. Während Buffy zu Beginn der Staffel zumindest immer wieder versucht hat, neben ihrem Slayer-Dasein ein halbwegs normales Teenagerleben zu führen, ist sie nun überzeugt, dass das nicht möglich ist und dass ihre Liebe zu Angel einer ihrer größten Schwachpunkte war. „I’m not seeing anyone. Ever. Again.“, antwortet sie in Episode 19 einem Mitschüler, der mit ihr auf einen Tanz gehen möchte.
Im Staffelfinale wird dann alles noch schlimmer: Buffy hat nicht nur der Liebe abgeschworen, sondern wird auch noch von ihrer Mutter aus dem Haus geworfen und verlässt Sunnydale. Wie schon erwähnt habe ich mich im Verlauf der Staffel immer wieder gewundert, warum Buffy ihre Slayer-Identität unbedingt vor ihrer Mutter geheim halten muss. In „Passion“ erinnert Giles sie zum Beispiel wieder einmal daran, dass sie ihrer Mutter auf keinen Fall sagen darf, dass sie nachts Vampire jagt. Warum das so ist, habe ich nie ganz verstanden und je länger die Serie ging, umso unglaubwürdiger wurde es auch. Kriegt Joyce tatsächlich nichts von den nächtlichen Aktivitäten ihrer Tochter mit? Findet sie es nicht verdächtig, dass Buffy so viel Zeit mit dem Schulbibliothekar verbringt? Zum Glück hat Joss Whedon in dieser Hinsicht im Staffelfinale („Becoming“) die Reißleine gezogen; endlich spricht Buffy ihrer Mutter gegenüber aus, was wir und ihre Freunde schon lange gewusst haben. Joyce reagiert darauf, als habe ihr ihre Tochter soeben eröffnet, dass sie lesbisch sei: „Honey, are you sure you’re a Vampire Slayer? I mean, have you tried not being a Slayer?“ Buffy hat sich die Staffel über immer wieder von Giles hat ermahnen lassen müssen, auch ja genug zu trainieren und ihre Pflichten als Slayer nicht zu vernachlässigen und in Episode 2.09 („What’s My Line, Part 1“) frustriert festgestellt hat, dass es für sie gar keinen Sinn macht, an einem Berufseignungstest teilzunehmen, weil das Schicksal ihr nun mal die Rolle als Vampire Slayer zugeteilt habe. Am Ende der Staffel hat sie die Aufgaben, Einschränkungen und Verpflichtungen, die das Slayer-Dasein mit sich bringt, endlich akzeptiert. Ihre Mutter hingegen kann die für sie noch neue Rolle ihrer Tochter überhaupt nicht akzeptieren, sie versteht sie noch nicht einmal. Immer wieder hat sie ihre Tochter im Verlauf der Staffel für ihre vermeintliche Verantwortungslosigkeit getadelt. In Episode 12 („Bad Eggs“) fragt sie Buffy beispielsweise, ob sie nichts anderen im Kopf habe als Jungs und Klamotten. „Saving the world from vampires.“, antwortet Buffy, was ihre Mutter natürlich nicht ernst und nur als ein weiteres Indiz für die Verantwortungslosigkeit ihrer Tochter nimmt. Dabei lastet auf Buffy eine größere Verantwortung als auf den meisten anderen Menschen. Staffel drei wird also hoffentlich unter anderem erzählen, wie auch Buffys Mutter das erkennt und ihre Tochter wieder in die Arme schließt. Wieder einmal verbindet die Serie hier Fantasy-Elemente mit ganz normalen, realistischen Teenager-Problemen. Denn der Prozess der Ablösung von der Mutter und der Wunsch ein selbstbestimmtes Leben zu führen sind ja Dinge, die alle 17-jährigen Mädchen beschäftigen.
Aber in der finalen Doppelfolge geht es längst nicht nur um Buffys Beziehung zu ihrer Mutter, sondern natürlich noch um viel mehr. Hier steht alles auf dem Spiel: Buffy wird nicht nur von Joyce aus dem Haus, sondern auch von Prinicpal Snyder von der Schule geschmissen. Alle Figuren befinden sich in großer Gefahr, ganz besonders Willow und Giles, um deren Leben wir bangen. Ach ja, und dann geht natürlich auch noch beinahe die Welt unter, was Buffy im letzten Moment verhindern kann. Weiterhin erhalten wir einige interessante Einblicke in Angels Vergangenheit und verstehen dadurch besser, wie er mit Buffy verbunden ist. Und dann dieses tragische Ende… Buffy und Angel liefern sich einen Schwertkampf auf Leben und Tod. Willow gelingt es unterdessen endlich, Angel seine Seele zurückzugeben, so dass er plötzlich mitten im Kampf gegen Buffy wieder ganz der Alte ist, ohne jegliche Erinnerung an die letzten Monate. Mir kam es ziemlich unglaubwürdig vor, dass die sonst so vorsichtige Buffy ihm so schnell wieder vertraut und ihm in die Arme sinkt. Aber gerade als ich akzeptiert hatte, dass sie ihm wieder vertraut, rammte sie ihm plötzlich das Schwert in den Bauch! Ja was denn nun? Anscheinend hatte ich da etwas falsch verstanden. Ich dachte, sie hätte Angel getötet, weil sie nicht noch einmal enttäuscht werden wollte, weil sie ihm eben doch nicht wieder ganz vertraute, weil es zu schön schien, um wahr zu sein, dass der „nette“ Angel auf einmal wieder da war. Lieber alleine bleiben, als ein weiteres Mal verletzt werden… Auf Facebook hat mich allerdings jemand darauf hingewiesen, dass Buffy ihn nur getötet hat, weil das zu diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit war, den Weltuntergang noch zu verhindern. Dabei hätte Angel dafür doch bloß das Schwert wieder in diesen Stein-Dämon stoßen müssen – dachte ich jedenfalls. Wie auch immer, das Ende war ein hoch dramatisches und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die dritte Staffel. Nicht zuletzt muss natürlich Angel zurück geholt werden, der ja nicht wirklich gestorben ist, sondern nur in eine andere Dimension gesaugt wurde oder so etwas.
Die zweite Staffel von „Buffy“ hat mir sehr gut gefallen und die Serie hat deutlich Fahrt aufgenommen. Zwar gibt es noch viele Episoden, die nach dem „monster of the week“-Schema verfahren, aber wie schon erwähnt wird die continuity auch in diesen Folgen nicht ignoriert und es gibt dennoch einen großen Handlungsbogen, der besonders in Folgen wie „Passion“, „Innocence“ oder dem Staffelfinale behandelt wird. Die erste Staffel hat die Charaktere vorgestellt, die zweite Staffel hat sie alle konsequent weiter entwickelt. Die dritte Staffel muss daher eigentlich noch besser werden; ich erwarte, dass es darin weniger in sich abgeschlossene Folgen gibt und die sich durch die Episoden ziehende Handlung noch besser sichtbar wird. Was mir sonst noch gut gefallen hat: Der Dialogwitz und die vielen popkulturellen Anspielungen. Die Tatsache, dass Willow immer wieder von den anderen dazu beauftragt wird, im Internet nach irgendetwas zu suchen – dass das Netz damals nur eine Angelegenheit für Spezialisten war, zeigt dann doch, wie alt die Serie schon ist, die sich ansonsten sehr gut gehalten hat. Herrlich fand ich die Szene im Finale, in der Spike zusammen mit Buffys Mutter im Wohnzimmer sitzt. Ein weitererHöhepunkt war die Szene, in der in „Passion“ tatsächlich zwei Schüler in die Schulbibliothek kommen, um Bücher auszuleihen. Man fragt sich ja die ganze Zeit über, warum Giles so viel Zeit für Buffy, Xander und Willow hat und warum sie in der Bibliothek stets vollkommen ungestört über Dämonen, Vampire und den Untergang der Welt sprechen können. Xander will die beiden Jungs sofort wieder heraus schmeißen, aber Giles merkt an (als würde es ihm selbst gerade erst wieder einfallen): „This IS a school library…“
Endlich geht es weiter mit meinem „Babylon 5“-Rewatch! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, hier im Blog alle zwei Wochen eine neue Episode zu besprechen, aber das wird wahrscheinlich nicht machbar sein; jedenfalls dann nicht, wenn ich regelmäßig auch über andere Dinge bloggen will. Hoffentlich dauert es aber bis zur nächsten Folge nicht wieder fast einen Monat. Bevor ich mich „Soul Hunter“ widme, komme ich zunächst wieder zu meiner beliebten Rubrik…
Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Universum
Wirkliche Neuigkeiten gibt es zwar nicht, dafür habe ich aber wieder etwas Schönes im Internet gefunden: Für das „Archive of American Television“ werden Personen interviewt, die einen wichtigen Beitrag zum US-Fernsehen geleistet haben. Darunter ist natürlich auch „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS), mit dem ein fastdreieinhalbstündiges Gesprächgeführt wurde. Darin spricht er über seine gesamte Karriere, also auch alles, was er vor und nach „Babylon 5“ in den Bereichen Fernsehen, Comics und Film gemacht hat (er war z.B. einige Zeit Drehbuchautor für „Mord ist ihr Hobby“ oder hat das Drehbuch für „Der fremde Sohn“ („Changeling“) geschrieben, das von Clint Eastwood mit Angelina Jolie in der Hauptrolle verfilmt wurde). Über „Babylon 5“ beginnt er im zweiten der vier Videos zu sprechen (bei 6:47). Anschauen sollten sich das natürlich nur diejenigen, die „Babylon 5“ schon komplett gesehen haben, da er über den gesamten Handlungsbogen der Serie spricht. Im letzten Video spricht er dann über seine künftigen Projekte – die Serie „Sense 8“, die er mit Andy und Lana Wachowski geschrieben hat und dieses Jahr drehen wird und den Leni Riefenstahl-Film, den er in Berlin drehen und bei dem er auch Regie führen wird. Hierkann man zudem einige Highlights des Interviews gezielt anklicken undhier Interviews mit einigen weiteren an „Babylon 5“ beteiligten Personen ansehen (z.B. mit den Schauspielern Walter Koenig und Bill Mumy). Kommen wir nun aber zur heutigen Episode… 🙂
Episode 1.02 „Soul Hunter“ („Der Seelenjäger“)
Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Jim Johnston Erstausstrahlung: 02.02.1994 (USA), 13.08.1995 (Deutschland)
„Soul Hunter“ ist – wie die meisten Episoden der ersten Staffel – eine für sich allein stehende Folge mit abgeschlossener Handlung – jedenfalls auf den ersten Blick. Wer die Serie schon komplett gesehen hat, dem werden in dieser Folge allerdings einige Dinge auffallen, die auf spätere Ereignisse und Enthüllungen verweisen. Dies zeigt, dass JMS tatsächlich von Anfang an an einem großen story arc schrieb und schon in den ersten Folgen der Serie den Grundstein dafür legte. Diese Folge enthält also ein paar für diesen story arc wichtige Elemente, ist ansonsten aber leider ziemlich langweilig, und das obwohl die ihr zurgunde liegende Idee und die damit verbundenen Fragestellungen eigentlich äußerst faszinierend sind. Zu Beginn der Folge nutzt Sinclair nicht zum letzten Mal die Gelegenheit, selbst ins Cockpit eines Starfury zu steigen, um das auf die Station zu treibende unbekannte Schiff zu bergen. Der einzige Passagier wird ins Medlab gebracht, wo Delenn ihn als einen „Seelenjäger“ erkennt und sofort zu Garibaldis Waffe greift, um ihn zu erschießen. Zum Glück kann Sinclai das verhindern. Delenn entschuldigt sich später bei ihm für dieses so gar nicht für sie typische Verhalten und erklärt Sinclair, Seelenjäger seien Wesen, die sich vom Tod anderer Wesen angezogen fühlen und deren Seele nach dem Tod gefangen nähmen. „They have always taken a particular interest in certain classes of Minbari.“, sagt sie mit Bezug darauf, dass Seelenjäger es häufig auf in einer Gesellschaft besonders angesehene Personen, wie zum Beispiel Führungspersönlichkeiten, abgesehen haben.Während die Menschen noch nie von den Seelenjägern gehört haben, scheinen sie bei vielen anderen Spezies gefürchtet zu sein. Garibaldi erwähnt, der Aliensektor der Station sei wie ausgestorben und Ivanova fällt auf, dass plötzlich alle Aliens die Station verlassen wollen.
Dr. Stephen Franklin, der neue Stationsarzt, glaubt als Naturwissenschaftler nicht an Seelen oder Seelenjäger. Für ihn ist die Vorstellung, eine Seele gefangen zu nehmen, lächerlich. Auch Sinclair glaubt zunächst nicht daran, will den Seelenjäger aber trotzdem so schnell wie möglich wieder loswerden, weil er den Frieden auf Babylon 5 gefährdet. Die spirituelle Delenn dagegen ist überzeugt davon, dass seine Anwesenheit eine Gefahr bedeutet und will nicht nur verhindern, dass er weitere Seelen einfängt, sondern auch diejenigen wieder frei lassen, die er bereits gefangen hat und in seiner „Sammlung“ mit sich führt. Sie ist sich sicher, dass sich darunter auch Minbari-Seelen befinden, die – solange sie fest gehalten werden – nicht wieder geboren werden können und damit quasi „fehlen“. „Remove those souls, and the whole suffers. We are diminished. Each generation becomes less than before.“, sagt sie, was der Seelenjäger jedoch als Spinnerei abtut. Er sieht sich als Retter der Seelen, die er aufnimmt und die angeblich nur dann überhaupt weiter leben können, wenn sie nach dem Tod der Person eingesammelt werden. Der Seelenjäger wird von W. Morgan Sheppard gespielt, einem britischen Schauspieler, der auch in mehreren „Star Trek“-Episoden und Filmen mitgewirkt hat (auch in J.J. Abrams erstem „Star Trek“-Film hatte er einen kleinen Auftritt). Zudem ist er in einer späteren „Babylon 5“-Folge noch einmal dabei, dort spielt er einen Narn. Vor kurzem war er in einer Folge von „Mad Men“ als Vater des von Jared Harris gespielten Lane Pryce zu sehen. Den Seelenjäger spielt er von Beginn der Episode an etwas entrückt, als würde er die um sich stehenden Personen zwar wahrnehmen, aber hätte Schwierigkeiten, sich auf sie zu konzentrieren. Später in der Folge trifft ein zweiter Seelenjäger auf Babylon 5 ein und erklärt Sinclair, sein Bruder sei verstört, weil er in der Vergangenheit häufig zu spät eingetroffen ist, um die Seelen sterbender Personen zu retten. Deshalb warte er nun nicht mehr, bis eine Person stirbt, sondern suche sich besonders prestigeträchtige Persönlichkeiten heraus und führe deren Tod selbst herbei. Das erklärt zumindest ein wenig das seltsame Verhalten des ersten Seelenjägers, trotzdem wirkt Sheppards Schauspiel immer noch etwas hölzern. In Delenn erkennt der (erste) Seelenjäger ein Mitglied des Grauen Rates, jener Gruppe aus Minbari, die deren gesamtes Volk regieren. Als solches wäre ihre Seele natürlich ein besonders wertvolles Objekt für seine Sammlung. Also versucht er, sich ihre Seele anzueignen, doch zum Glück trifft Sinclair rechtzeig ein und kann die, äh, „Seelenabsaugmaschine“ umdrehen und auf den Seelenjäger selbst richten. Zum Schluss sehen wir Delenn, die die in der Sammlung des Seelenjägers gefangenen Seelen eine nach der anderen wieder befreit.
Highlight der Episode: Eigentlich gar nichts, da die Episode keine großen Höhepunkte hat. Aber es ist die erste Folge mit Dr. Franklin (Richard Biggs)! Zu Beginn wird er von Sinclair und Ivanova auf der Station empfangen und grüßt sie von seinem Vorgänger Dr. Kyle, dem er zufällig auf dem „transfer point on Io“ (der in der Serie nicht zum letzten Mal erwähnt wird) begegnet ist. Sinclair erwähnt, dass Kyle – der im Pilotfilm zu sehen war – inwischen für den Präsidenten arbeitet.
Londo/G’Kar-Moment: Leider gar keiner, da die beiden in dieser Folge nicht vorkommen.
Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie – den großen „story arc“ – wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode (Ich habe das meiste mal so kryptisch gehalten, dass keine Spoiler vorkommen und all diejenigen, die die komplette Serie kennen, trotzdem verstehen, worauf ich mich beziehe. An einer Stelle muss ich allerdings auf einen großen Spoiler eingehen – markieren und lesen der entsprechenden Stelle daher auf eigene Gefahr! 😉 ):
Der Seelenjäger erzählt, wie er und seine Brüder beim Tod von Dukhat, dem Anführer der Minbari, zur Stelle waren, aber von den Minbari daran gehindert wurden, dessen Seele aufzunehmen. (Das ist zwar für die Serie an sich nicht so wichtig, aber es stellt die erste Erwähnung von Dukhat dar.)
Der Seelenjäger erkennt Delenn als eine „Satai“, ein Mitglied des Grauen Rates und eine der Anführerinnen der Minbari. Mit Recht stellt er die Frage, warum sie auf Babylon 5 „Botschafterin spielt“. Das fragt sich am Ende der Folge auch Sinclair, nachdem er die Bedeutung des Wortes „Satai“ heraus gefunden hat. Im späteren Verlauf der Serie wird dies klar.
Delenns Worte darüber, dass Seelen nach dem Tod in andere Personen übergehen und solche Seelen, die gefangen genommen werden, der Gesamtpopulation fehlen, stehen natürlich in Verbindung zu den Dingen, die wir über Seelen später in der Serie noch erfahren werden… Wie viele scheinbar für sich allein stehende Episoden der ersten Staffel führt auch diese Folge einige Handlungselemente ein, die später sehr wichtig werden. Dazu gehört auch der Tod Dukhats als Auslöser des Erd-Minbari-Krieges.
Als der Seelenjäger zu Sinclair sagt „They are using you“, bezieht er sich natürlich darauf, dass die Minbari Sinclair manipulieren, um ihn in die Position zu bringen, in der er später sein Schicksal erfüllen wird… [Großer Spoiler:]Ich frage mich allerdings, was dieser Satz in JMS‘ ursprünglichem story arc bedeutet hätte. Im Nachinein interpretiert man ihn ja so, dass die Minbari Sinclair manipulieren, damit er schließlich seine Rolle als Valen einnimmt. Wenn aber Sinclair wie in JMS‘ ursprünglichem Konzept vorgesehen die ganze Serie über auf Babylon 5 geblieben wäre, wofür hätten die Minbari ihn dann benutzt? Hätten sie ihn dann in seine Rolle im Krieg gegen die Schatten gedrängt?
Sonstige Fragen: Einige Fragen habe ich ja schon gestellt, bleibt also noch die größte: Gibt es nun Seelen oder nicht? Nehmen die Seelenjäger tatsächlich die Seelen von Verstorbenen auf und retten diese? JMS hat dazu folgendes geschrieben: „We leave that question open. Is he actually taking souls, or simply encoding the personality matrix and, in essence, creating an artificial version of the individual’s personality?“ Die Frage bleibt also offen, was auch gut so ist. Wie schon gesagt, die Episode mag etwas öde sein, die ihr zugrunde liegenden Themen und Fragen sind es aber ganz und gar nicht. JMS versucht hier wie so oft, seine Zuschauer zum Denken anzuregen, ihnen etwas zum Grübeln und Diskutieren zu geben, aber keine einfachen Antworten zu liefern. „Who’s right – the Soul Hunter or Delenn?“, hat ihn ein Fan im Internet gefragt. Seine Antwort: „Yes.“
Weitere interessante Punkte: In dieser Folge sehen wir, wie auf Babylon 5 mit Verstorbenen verfahren wird, wenn sich die Hinterbliebenen auf der Erde eine Überführung der Leiche nicht leisten können. In diesem Fall wird die Leiche in einer Kapsel in den nahe gelegenen Stern geschossen. Sehr interessant fand ich auch die beiden Aliens, die als Türsteher vor N’Graths Quartier stehen; ich bin mir nicht sicher, ob man diese Spezies je wieder sehen wird. Ach ja: der insektoide N’Grath tritt hier zum ersten Mal auf! JMS hatte den Fans im Internet damals versprochen, sie würden nicht-humanoide Aliens zu sehen bekommen und N’Grath war wohl die Einlösung dieses Versprechens. In den Nahaufnahmen wirkt er faszinierend, in der Halbtotalen sieht man aber leider, dass auch er von einem Menschen gespielt wird und auf zwei Beinen geht. Am Ende der Folge erteilt Sinclair den Seelenjägern quasi Hausverbot auf der Station – so weit ich weiß wird das im Verlauf der Serie keiner anderen Gruppe erteilt. Und noch ein Detail, dass ich als großen Spoiler markieren muss:Franklin warnt Sinclair am Ende, nicht an Seelen zu glauben bzw. dies nicht laut zu äußern, weil man ihn sonst in einen sehr langen Urlaub schicken würde. („I’d be careful if I were you. That sort of talk will get you sent off on a very long vacation.“) Vor dem Hintergrund von Sinclairs Schicksal nach der ersten Staffel wirkt das fast schon prophetisch…
Zitate: „We are drawn to the moment. The moment of surrender, the instant of loss, between despair and ecstasy, when the flesh fails and all that remains behind – the soul – we save. Not all, only the special ones. Leaders, thinkers, poets, dreamers, blessed lunatics.“ (erster Seelenjäger)
Franklin: „It’s all so brief, isn’t it? [The] typical human life span is almost a hundred years. But it’s barely a second compared to what’s out there. [It] wouldn’t be so bad, if life didn’t take so long to figure out. [It] seems you just start to get it right and then…it’s over.“ Ivanova: „Doesn’t matter. If we lived two hundred years, we’d still be human. We’d still make the same mistakes.“ Franklin: „You’re a pessimist.“ Ivanova: „I’m Russian, doctor. We understand these things.“
Zu „The Empty Hearse“ und „The Sign of Three“, den ersten beiden der drei neuen „Sherlock“-Folgen, habe ich schon etwas geschrieben. Es fehlt also noch Episode Nummer drei, „His Last Vow“. (Selbstverständlich enthält auch dieser Blogpost Spoiler!) Nach der konfusen zweiten Folge der Staffel konnte die finale Folge ja eigentlich nur besser werden – und das wurde sie dann auch. Der Titel „His Last Vow“ bezieht sich auf das Versprechen, das Sherlock (Benedict Cumberbatch) in der vorherigen Episode seinem besten Freund John Watson (Martin Freeman) und dessen Frau Mary (Amanda Abbington) gegeben hat: immer für sie da zu sein und sie zu beschützen. Während der Episodentitel ganz klar eine Abwandlung von „His Last Bow“ darstellt, basiert die Folge inhaltlich größtenteils jedoch auf einer anderen Sherlock Holmes-Kurzgeschichte, „The Adventure of Charles Augustus Milverton“.
Holmes‘ Anatagonist in dieser Folge ist Charles Augustus Magnusson (wahrscheinlich wurde der Name geändert, weil der Darsteller Lars Mikkelsen hörbar Däne ist). Nach der verführerischen Irene Adler und dem manisch-verrückten James Moriarty haben wir es dieses Mal mit einem kühlen, rationalen Bösewicht zu tun. Magnusson ist gerade deswegen so gefährlich für Sherlock, weil er ihm so ähnlich ist. Dass Magnusson über ähnlich brillante geistige Fähigkeiten verfügt wie Sherlock, ist eine der Überraschungen der Episode. Zu Beginn der Folge wird gezielt der Eindruck erweckt, Magnussons Brille sei eine Art Google Glass und füttere ihn jederzeit mit allen möglichen nützlichen Informationen. In dem Moment, als er während der Anhörung die Brille aufsetzt, sehen wir die ihm gegenüber sitzende Lady Smallwood (Lindsay Duncan) aus seiner Perspektive, während zahlreiche Informationen über sie eingeblendet werden (wie wir es aus der Serie sonst nur aus Sherlocks Sicht gewohnt sind). Die gewählte Courier-Schriftart und der Zeitpunkt der Einblendung suggerieren, dass die Informationen Mikkelsen über seine Brille erreichen – eine Täuschung, die die Episode lange aufrecht erhält. Als Mikkelsen in dieser Szene Lady Smallwoods Schwachpunkte abruft, teilt er ihr jedoch mit, er habe ein hervorragendes Gedächtnis, was bereits ein Hinweis darauf ist, dass er eben nicht auf Technik angewiesen ist, sondern genau wie Sherlock über einen mind palace verfügt, in dem er Informationen sammeln und wieder abrufen kann. Auch die Szene, in der wir ihn in seinem Haus eine Wendeltreppe hinuntergehen und in sein Archiv hinabsteigen sehen, in dem er Daten über alle Personen, die ihm gefährlich werden könnten, gespeichert hat, ist natürlich eine falsche Fährte, denn tatsächlich handelt es sich dabei ja um diesen mind palace.
„His Last Vow“ ist eine sehr, sehr gute „Sherlock“-Folge, qualitativ auf demselben Niveau wie einige der Episoden der ersten beiden Staffeln (besser als „Baskerville“, aber natürlich nicht so gut wie der wohl unerreichbare Höhepunkt „A Scandal in Belgravia“). Erneut ist das Erzähltempo sehr hoch und die Geschichte wartet mit immer neuen Wendungen und Überraschungen auf. Ist Sherlock drogenabhängig!? Warum steht Magnusson unter Mycrofts Schutz!? Sherlock hat plötzlich eine Freundin!!??? Sherlock erschießt Magnusson!!! Moriarty ist wieder da??? Besser als in den beiden vorhergehenden Folgen gelingt es dieses Mal, Drama, Spannung und Humor zu verbinden. Die lustigen Szenen nehmen nicht Überhand, wie in der vorherigen Folge und stehen klar in Zusammenhang mit dem großen Handlungsbogen; dadurch wirken sie nicht so aufgesetzt. Kritisieren könnte man sicherlich die Sequenz, die sich in Sherlocks Kopf abspielt, nachdem er angeschossen wurde. Manche mögen sie als unnötig und überzogen ansehen, für mich hat sie aber funktioniert und die Spannung erhöht, zumal danach ja auch wirklich Schluss ist und nicht zu einem gefühlten Dutzend weiterer Rückblenden oder mind palace-Szenen übergegangen wird, wie in der letzten Folge.
Filmisch hat die Episde ein paar tolle Effekte zu bieten. Vor allem die Szene, in der Sherlock John erklärt, wie sie gleich in Magnussons Büro einbrechen werden, hat mir in dieser Hinsicht gefallen. Bei genauerem Hinsehen lassen sich zudem ein paar Verbindungen zu den anderen beiden Folgen der Staffel finden. So versteht man rückblickend zum Beispiel, warum Sherlock auf Johns und Marys Hochzeit so freundlich zu Marys Brautjungfer Janine war. Und am Ende der Episode erkennt man, dass Magnusson für Sherlock nicht einfach nur ein weiterer Fall ist, sondern dass Sherlock dabei auch ein persönliches Motiv hat – eben jenes Verprechen, John und Mary zu beschützen.
„His Last Vow“ ist definitiv die beste Folge der Staffel. Mit Magnusson trifft Sherlock auf einen Gegner, der ihn mit seinen eigenen Waffen schlägt und bis zum Schluss die Oberhand behält. Die Schauspieler sind wie gewohnt fantastisch (auch Neuzugang Lars Mikkelsen), während Steven Moffats Drehbuch die Spannung konstant hoch und dabei immer neue Wendungen bereit hält. Und wo ich gerade bei Wendungen bin: Da ist ja noch der Cliffhanger zum Schluss… Den kann man dämlich finden oder großartig. Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit, ganz einfach weil ich Vertrauen in die Autoren habe. Klar, mit „The Sign of Three“ haben sie zwar die schlechteste Folge der Serie geschrieben, aber selbst die hatte noch hervorragende Momente. Da Steven Moffat in einem Interview gesagt hat, Moriartys nun angekündigte Rückkehr sei schon lange – seit seinem ersten Auftritt in der Serie – geplant gewesen, glaube ich ihm das einfach mal und hoffe, dass wir Anfang 2016 in der vierten Staffel eine ebenso vernünftige wie erstaunliche Erklärung dafür bekommen, wie und warum Moriarty nun zurück ist. In einem anderen Interview hat Moffat gesagt, dass nicht auch noch Moriarty (wie Sherlock) seinen Selbstmord nur vorgetäuscht hat. Er ist also am Ende der zweiten Staffel gestorben. Also haben wir den wahren Moriarty vielleicht wirklich noch gar nicht kennen gelernt? Was aber, wenn die Serien-Macher unbedingt dessen Darsteller Andrew Scott zurück bringen wollen? Ein Moriarty-Klon? Ein Zwillingsbruder? Ein „virtueller“ Moriarty, der Sherlock per Videobotschaft und Cyberangriff quasi aus der Vergangenheit terrorisiert? Die einfachste Erklärung wäre sicher, dass ein neuer Anatagonist einfach Moriartys Bild nutzt, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Aber so einfach wird es hoffentlich dann doch nicht sein. Wie die Auflösung dieser Geschichte aussieht, erfahren wir in ca. zwei Jahren, bis dahin heißt es nun wieder: Warten.
Heute Nacht ist es wieder so weit: in Los Angeles werden die Preise der Academy of Motion Picture Arts and Sciences – besser bekannt als Oscars – verliehen. Wie bereits im letzten Jahr wage ich mich hier wieder an eine Vorhersage der Preisträger (hier kann man die Nominierungen nachlesen). Leider habe ich dieses Jahr relativ wenige der nominierten Filme gesehen, was mich aber natürlich nicht davon abgehalten hat, trotzdem fleißig zu recherchieren, wie sich die Nominierten denn in den vorausgegangenen Preisverleihungen, wie zum Beisiel den Golden Globes, so geschlagen haben. Auf der Grundlage dieser Fakten wage ich es also, folgende Prognosen zu treffen:
Bester Film Neun Filme sind dieses Jahr für den „besten Film“ nominiert, doch das Feld lässt sich leicht auf drei Kandidaten einschränken, wenn man sich anschaut, welche Filme bei den anderen Preisverleihungen dieser Saison hier gewonnen haben. Bei den Golden Globes, wo jedes Jahr eine „beste Komödie“ und ein „bestes Drama“ ausgezeichnet werden, haben „American Hustle“ und „12 Years a Slave“ gewonnen. Bei den BAFTAs – den „britischen Oscars“ – wurde „12 Years a Slave“ ausgezeichnet (während „Gravity“ zum besten britischen Film gewählt wurde). Und bei den Preisen der amerikanischen Filmproduzentengilde kam es zu einem überraschenden Gleichstand zwischen „Gravity“ und „12 Years a Slave“. Hmmm… Damit dürfte jedenfalls feststehen, dass die sechs weiteren Nominierten („Dallas Buyers Club“, „Her“, „Nebraska“, „Philomena“, „Captain Phillips“ und „The Wolf of Wall Street“) in der Königskategorie keine Chance haben. Aber welcher Film wird nun das Rennen machen? „American Hustle“ ist klassisches Schauspielerkino mit großartigen Leistungen aller Darsteller. „Gravity“ ist ein Film, der die Grenzen des im Kino Mach- und Zeigbaren ein Stück verschoben hat und allein deswegen preiswürdig wäre; allerdings könnte er der Academy auch zu nah am Mainstream liegen (er hat das höchste Einspielergebnis aller Nominierten). Und obwohl es sich bei „Gravity“ streng genommen nicht um einen Science-Fiction-Film handelt, könnte die Tatsache, dass es eben trotzdem ein Weltraumfilm mit Action-Elementen ist, einige Mitglieder der Academy vielleicht abschrecken. „12 Years a Slave“ wiederum ist ein sehr ernster Film über ein ernstes Thema (und zudem über einen Teil der amerikanischen Geschichte), brilliant gespielt, aber eben auch ziemlich schwere Kost. Ich tippe mal darauf, dass „Gravity“ in den technischen Kategorien abräumen wird, aber nicht zum besten Film gekürt wird. Auch „American Hustle“ sehe ich nicht vorne, also lautet mein Tipp „12 Years a Slave“. Das wäre meiner Meinung nach auch vollkommen verdient, da es sich dabei um einen der besten Filme handelt, die ich in den letzten Jahren (!) gesehen habe. Und obwohl ich auch ein sehr großer Fan von „Gravity“ bin, bin ich zufrieden, wenn er für Kamera, Effekte usw. ausgezeichnet wird.
Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio ist in diesem Jahr zum vierten Mal als Schauspieler nominiert, insofern wird es langsam mal Zeit für eine Auszeichnung, zumal inzwischen auch wirklich jeder kapiert haben dürfte, dass der frühere Teenie-Schwarm schon seit langem ein großer Schauspieler ist. Übrigens ist er dieses Jahr als einer der Produzenten von „The Wolf of Wall Street“ auch für den besten Film nominiert. Er wird aber wohl in beiden Kategorien leer ausgehen, denn mit Matthew McConaughey ist die Konkurrenz einfach zu stark. Nachdem McConaughey viele Jahre vor allem für Liebeskomödien bekannt war, hat er es in den letzten zwei Jahren geschafft, seiner Karriere eine völlig neue Richtung zu geben und eindrucksvolle Leistungen in tollen Filmen abgeliefert („Magic Mike“, „Killer Joe“, „Mud“). Für „Dallas Buyers Club“ hat er sich fast bis auf die Knochen herunter gehungert, was ihm bei den Oscars Bonuspunkte einbringen dürfte. Ich fand zwar die Leistung von Chiwetel Ejiofor in „12 Years a Slave“ viel beeindruckender (für die er auch einen BAFTA gewonnen hat), aber es wird wohl auf McConaughey hinaus laufen. Den Golden Globe und einen Screen Actors Guild Award hat er für seine Rolle schon bekommen, ab morgen wird er sich wahrscheinlich dann den Oscar auch noch in den Schrank stellen können.
Beste Hauptdarstellerin Auch Amy Adams hat in diesem Jahr für „American Hustle“ bereits ihre fünfte Oscarnominierung erhalten und so gut, wie sie eigentlich fast immer ist, hätte sie einen Oscar für irgendetwas auf jeden Fall längst verdient. Aber auch hier scheint die Konkurrenz noch stärker zu sein: Cate Blanchett spielt in Woody Allens „Blue Jasmine“ einfach hervorragend und hat auch alle anderen wichtigen Preise bekommen. Ein zweiter Oscar für sie scheint die logische Folge zu sein. „Gravity“ wird sich wie gesagt wohl mit Auszeichnungen in technischen Kategorien begnügen müssen, weswegen Sandra Bullock leer ausgehen wird. Meryl Streep ist zum 18. Mal als Schauspielerin nominiert (Rekord!), hat aber bereits drei Oscars. Genau wie Streep ist auch Judi Dench in eigentlich allen Rollen phantastisch – gegen Cate Blanchett haben sie in diesem Jahr aber alle keine Chance.
Bester Nebendarsteller Der 28jährige Barkhad Abdi ist als Pirat in „Captain Phillips“ in seiner allerersten Kinorolle zu sehen – und wurde dafür gleich für den Oscar nominiert. Obwohl er bereits einen BAFTA gewonnen hat, wird er heute Nacht wohl leer ausgehen, denn auch in dieser Kategorie gibt es einen ziemlich eindeutigen Favoriten: Jared Leto, 90er-Jahre-Teenieidol, Frontmann der Rockband Thirty Seconds to Mars und schon lange auch ernstzunehmender Schauspieler („Fight Club“, „Requiem For a Dream“). Für seine Darstellung der HIV-positiven transsexuellen Rayon in „Dallas Buyers Club“ wurde er bereits mit einem Golden Globe und einem Screen Actors Guild Award ausgezeichnet. Mit auch schon 42 Jahren ist Leto übrigens der älteste der fünf in dieser Kategorie Nominierten. Mein Favorit ist allerdings ein anderer: Ich würde gerne Michael Fassbender für seine Rolle als sadistischer Sklavenbesitzer in „12 Years a Slave“ geehrt sehen, zumal eine Auszeichnung für Fassbender für irgendetwas auch allmählich fällig ist.
Beste Nebendarstellerin Hier ist das Rennen etwas offener. Die 84jährige June Squibb ist für ihre Rolle in Alexander Paynes „Nebraska“ nominiert, Sally Hawkins für ihre Rolle als Cate Blanchetts ungleiche Schwester in „Blue Jasmine“ und Julia Roberts hat sich mit „August Osage County“ nach einiger Zeit Leinwandabstinezn eindrucksvoll zurück gemeldet und wurde ebenfalls mit einer Nominierung bedacht. Die beiden Favoriten aber sind „Jennifer Lawrence“ („The Hunger Games“) für ihre Rolle in „American Hustle“ und Lupita Nyong’o für ihre erste Spielfilmrolle in „12 Years a Slave“. Lawrence hat den Golden Globe und den BAFTA gewonnen, Nyong’o dagegen den Screen Actors Guild Award. Gegen Lawrence spricht vor allem die Tatsache, dass sie erst letztes Jahr für „Silver Linings Playbook“ ausgezeichnet worden und zudem erst 23 Jahre alt ist – für weitere Oscars bleibt da noch genug Zeit. Ihre Performance in „American Hustle“ war zweifellos sehr, sehr gut, wenn man über die Tatsache hinwegsehen konnte, dass sie für ihre Rolle dort mindestens zehn Jahre zu jung ist. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass die Academy sie in diesem Jahr erneut auszeichnet, tippe aber mal auf Lupita Nyong’o. Sie wäre auch meine eigene Wahl.
Beste Regie Hier gibt es einen klaren Favoriten: Alfonso Cuarón hat mit Gravity Bilder auf die Leinwand gezaubert, wie wir sie zuvor noch nicht gesehen haben. Jahrelang musste der mexikanische Regisseur (der mit „Der Gefangene von Askaban“ den einzigen wirklich guten „Harry Potter“-Film gedreht hat) warten, bis die Technik überhaupt so weit war, um die Bilder, die ihm vorschwebten, auch genau so auf die Leinwand bringen zu können. Den Regie-Oscar bekäme er völlig verdient. Zwar wäre auch für David O. Russell („Silver Linings Playbook“, „The Fighter“) langsam mal einer fällig, aber Cuarón hat alle anderen wichtigen Preise abgeräumt – warum sollte es bei den Oscars anders sein? Dass Martin Scorcese für seinen außer Kontrolle geratenen „The Wolf of Wall Street“ nominiert worden ist, darüber kann man sicherlich streiten. Echte Siegchancen dürfte er jedenfalls ebenso wenig haben wie Russell, Steve McQueen („12 Years a Slave“) oder Alexander Payne („Nebraska“). Wenn ich richtig liege, dann gehen die Preise für die beste Regie und den besten Film an unterschiedliche Filme, was nur sehr selten der Fall ist (aber im letzten Jahr ja auch vorkam, wo „Argo“, der als bester Film gewann, nicht einaml für die Regie nominiert war).
Bester Animationsfilm Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass diese Kategorie 2001 gerade dann erst eingeführt wurde, als es mit der Zeit der großen Disney-Trickfilme vorbei war. Allerdings waren seitem fast alle Pixar-Filme in dieser Kategorie nominiert – und Pixar gehört ja auch längst zu Disney. Die einzige Ausnahme war bislang „Cars 2“ – bis in diesem Jahr das aktuelle Pixar-Werk („Die Monster Uni“ / „Monsters University“) ebenfalls ohne Nominierung blieb. Dafür sind nun aber die Disney Animation Studios selbst wieder zum Zug gekommen: Mit „Frozen“ („Die Eiskönigin“) ist ihre Version des Hans Christian Andersen-Märchens nominiert worden und auch klarar Favorit. Die anderen Nominierten – darunter Hayao Miyazaki für „The Wind Rises“ – werden wohl das Nachsehen haben.
Meine Tipps in den übrigen Kategorien:
Bester Fremdsprachiger Film:„La Grande Bellezza“ („Die große Schönheit“) von Paolo Sorrentino (Italien) Bestes adaptiertes Drehbuch: „12 Years a Slave“ von John Ridley – Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der hier lieber Richard Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke für „Before Midnight“ ausgezeichnet sehen würde. Die drei„Before…“-Filmesind so wunderbar geschrieben, dass eine Auszeichnung eigentlich mal fällig wäre. Bestes Originaldrehbuch: „Her“ von Spike Jonze – Es könnte auch „American Hustle“ werden, aber da „Her“ bei den Golden Globes, den Critics Choice Awards und den Writers Guild Awards gewonnen hat, sehe ich den Film auch hier vorne. Außerdem ist die Drehbuchkategorie traditionell die Kategorie, in der Filme ausgezeichnet werden, die eigentlich auch Preise in den ganz großen Kategorien verdient hätten, aber dann doch irgendwie zu speziell dafür sind. Das trifft auf Spike Jonzes Liebesgeschichte zwischen einem Mann (Joaquin Phoenix) und der Computerstimme seines Handys (Scarlett Johansson) definitiv zu. Beste Ausstattung (Production Design): „12 Years a Slave“ (Adam Stockhausen & Alice Baker) – es könnte aber auch „The Great Gatsby“ werden… Beste Kamera (Cinematography): Ganz klar Emmanuel Lubezki für „Gravity“ Bester Ton (Sound Mixing): „Gravity“ (Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro) Bester Tonschnitt (Sound Editing): „Gravity“ (Glenn Freemantle) Beste Musik: „Gravity“ (Steven Price) – natürlich würde ich es als großer John Williams-Fan gerne sehen, wenn der Altmeister für „The Book Thief“ noch einmal ausgezeinet würde, aber seine Chancen stehen leider nicht gut. (Und ich kenne den Film und seine Musik auch noch gar nicht.) Bestes Lied: „Let It Go“ aus „Frozen“, komponiert und geschrieben von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez. Da bei den Golden Globes allerdings „Ordinary Love“ aus „Mandela: Long Walk to Freedom“ ausgezeichnet wurde und die Academy ja immer wieder gerade so scheinbar offensichtliche Sieger wie „Let It Go“ nicht ausgezeichnet hat, könnte auch hier „Ordinary Love“ die Nase vorn haben. Beste Kostüme: „The Great Gatsby“ (Catherine Martin). Oder doch „12 Years a Slave“…? Beste Dokumentation: „The Square“ von Jehane Noujaim und Karim Amer Beste Kurzdokumentation: „The Lady in Number 6: Music Saved My Life“ von Malcolm Clarke und Nicholas Reed – Bei den Doku-Kategorien schieße ich übrigens ziemlich ins Blaue hinein. Ich habe leider keinen der nominierten Filme gesehen und die „Experten“ auf die ich mich in solchen Fällen verlasse sind sich auch nicht einig. Bester Schnitt: Ich tippe auch in dieser technischen Kategorie mal auf „Gravity“ (Alfonso Cuarón und Mark Sanger). Fast immer gewann bisher übrigens der „beste Film“ auch den Preis für den besten Schnitt. Aber kann ja dieses Jahr mal anders sein. Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Dallas Buyers Club“ (Adruitha Lee und Robin Mathews) Bester animierter Kurzfilm: „Mr. Hublot“ von Laurent Witz und Alexandre Espigares Bester Kurzfilm: „The Voorman Problem“ von Mark Gill und Baldwin Li (und mit Martin Freeman und Tom Hollander) Beste visuelle Effekte: „Gravity“ (Tim Webber, Chris Lawrence, David Shirk und Neil Corbould)