Die Michael Jackson Halloween-Compilation „Scream“

Es ist Herbst, die Tage werden deutlich kürzer, die Blätter bunt und Halloween nähert sich. Schon seit Jahren ist das auch hierzulande für viele ein Anlass, ihre Fenster und Vorgärten mit Kürbissen und allerlei schaurigem Dekomaterial auszustatten. Für Michael Jackson-Fans wie mich bedeutet es vor allem eines: Es ist wieder die Zeit, verstärkt Songs wie „Thriller“, „Ghosts“ und „Threatened“ zu hören und Jacksons visuelle Gothic-Meisterwerke „Thriller“ und „Ghosts“ anzuschauen – spätestens am Halloween-Abend. Tatsächlich heißt Halloween für viele Jackson-Fans schon lange nur noch „Thrillerween“ oder „Thriller Night“.

Michael Jackson hatte sein Leben lang eine Vorliebe fürs Gruselige. Mit dem „Thriller“-Video lebte er diese Vorliebe 1983 künstlerisch aus und schuf gleichzeitig einen Meilenstein im Genre des Musik-Kurzfilms. Im Lauf seiner Karriere kehrte er mit Songs wie „Ghosts“, „Is It Scary“ oder „Threatened“ immer wieder zur Grusel- und Gothic-Thematik zurück. Diese faszinierte ihn nicht nur deswegen, weil er Verkleidungen und Schauergeschichten liebte, sondern auch, weil er beim Zurückgreifen auf die Konventionen dieses Genres der Welt einen Spiegel vorhalten konnte. Ganz nach dem Motto „Ihr denkt, ich bin ein Monster? Seht hier, ihr seid selber welche!“ Eine dunkle Seite steckt in jedem von uns…

Für die Aufnahmen zu „Thriller“ holten Michael Jackson und Quincy Jones Horrorfilm-Legende Vincent Price ins Studio, der den nun berühmten gesprochenen Teil am Ende des Stücks aufnahm. Die Handlung des Kurzfilms „Ghosts“ entwarf Jackson in den Neunzigern gemeinsam mit dem Meister des Horros, Stephen King. Auch war er ein großer Bewunderer Edgar Allan Poes, den er sogar in einem Film spielen wollte. 2009, als er mit seiner Rückkehr auf die Konzertbühne ein großes Comeback feiern wollte, plante Jackson außerdem ein Halloween-Special im amerikanischen Fernsehen (wie dieses ausgesehen hätte, kann man hier lesen). Dazu kam es bekanntlich leider nicht mehr. Dennoch ist zumindest das Lied „Thriller“ aus der Halloween-Saison nicht mehr wegzudenken.

In Anbetracht von Jacksons Vorliebe für die Thematik liegt es also nahe, rechtzeitig zu Halloween ein paar Produkte herauszubringen, die die Grusel-Songs und -Filme des King of Pop in den Mittelpunkt rücken. Auf dem Internationalen Filmfestival von Venedig hat John Landis, Regisseur des „Thriller“-Videos, eine 3D-Version des Kurzfilms vorgestellt. Man kann nur hoffen, dass diese auch außerhalb des Festvials zu sehen sein wird und hoffentlich auch als 3D-Bluray erscheint (zusammen mit dem bislang nur auf VHS veröffentlichten, ebenfalls in Venedig gezeigten „Making of Thriller“). Im Oktober wird im US-Fernsehen zudem ein animiertes Halloween-Special ausgestrahlt. Darin soll es um zwei Figuren gehen, die sich in der Halloween-Nacht treffen und ein „magisches Abenteuer“ erleben, das in einer spektakulären Tanzszene mit einem „animierten Michael Jackson“ endet. Die Sprecher sind dabei zum Teil durchaus prominent (Alan Cumming, Christine Baranski, Lucy Liu), aber trotzdem ist mein Kommentar dazu nur: WTF!!?? So wie ich Sony Music und den Michael Jackson Estate einschätze, wird wohl eher dieses Special auf Bluray veröffentlicht als die 3D-Version von Thriller…

Kommen wir aber mal zum eigentlichen Gegenstand dieses Blogposts: Am Freitag erscheint nämlich auch eine neue Michael Jackson-Compilation namens „Scream“, die thematisch ebenfalls zur Halloween-Saison passen soll. Das ist prinzipiell eine gute Idee, schließlich hat Jackson mehrere dazu passende Lieder veröffentlich. Aber schauen wir uns das Album, von dem ein Rezensionsexemplar gerade vor mir auf dem Schreibtisch liegt, mal genauer an.
Optisch ist es auf jeden Fall sehr schön gestaltet. Die Illustration auf dem Cover ist wirklich gut gelungen und dürfte von nun an auf keiner Einladung für eine Jackson-Halloween-Party mehr fehlen. Das Booklet lässt sich zu einem Poster mit einer dann aber leider recht lieblos wirkenden Illustration auffalten. (Auf meinem Instagram-Account findet ihr mehrere Fotos des Albums.) Zusätzlich liegt dem Album ein kleiner Flyer bei. Hat man auf seinem Smartphone die „Shazam“-App installiert und scannt diesen damit, soll man in Verbindung mit dem Poster Zugang zu einer Augmented Reality-Erfahrung erhalten. Bei mir hat das allerdings noch nicht funktioniert, ich wurde nur auf eine Webseite weiter geleitet, auf der ich das Album vorbestellen kann.

Was den Inhalt des Albums betrifft, wirkt dieser zum Teil etwas willkürlich zusammen gewürfelt. Natürlich liegt das auch daran, dass Michael Jackson zwar durchaus eine Handvoll „Grusel-Songs“ veröffentlicht hat, aber eben nicht genug, um damit ein ganzes Album zu füllen. Unter den 14 Tracks finden sich neben dem obligatorischen „Thriller“ deshalb auch solche, die lediglich vom Titel oder der allgemeinen Atmosphäre her weitestgehend auf das Album passen. So haben „Blood On The Dance Floor“ und „Dangerous“ zwar die Worte „Blut“ und „gefährlich“ im Titel, behandeln aber unter anderem das ebenfalls bei Jackson beliebte Thema der „femme fatale“. Ähnliches gilt für „Scream“ und „Unbreakable“ – beides für Michael Jackson äußerst persönliche Lieder mit Botschaften, die ihm sehr wichtig waren. Diese Songs sollte man nicht auf rein „gruselige“ Lieder reduzieren! Etwas kurios wirkt es, dass sich auch „Somebody’s Watching Me“ auf das Album verirrt hat. Klar, der Titel klingt nach Horrorfilm und Grusel, aber eigentlich handelt es sich hier um ein bestenfalls mittelmäßiges Stück des Sohns von Motown-Gründer Berry Gordy, zu dem Michael Jackson lediglich den immer wieder aus denselben beiden Zeilen bestehenden Refrain beigetragen hat. Fast am schlimmsten finde ich jedoch, dass das Stück „Xscape“ hier nur in der 2014 veröffentlichten Remixversion vorliegt. Wie willkürlich die Aufnahme mancher Stücke in die Tracklist ist, zeigt auch, dass es durch aus noch andere Stücke gegeben hätte, die  zumindest vom Titel her auf das Album gepasst hätten, „State of Shock“ oder „Speed Demon“ zum Beispiel.

Die wirklich zur Thematik passenden Lieder sind neben „Thriller“ noch „Ghosts“ und „Threatened“. Auch „This Place Hotel“, das das Album eröffnet, lässt sich durchaus der Kategorie der Gothic-Grusel-Songs zuordnen. Das ursprünglich 1980 auf dem Jacksons-Album „Triumph“ erschienene Stück war eines der ersten Lieder, die Michael Jackson im Alleingang geschrieben, gesungen und produziert hat. (Eigentlich heißt der Song „Heartbreak Hotel“, wurde aber damals wegen angeblicher Verwechslungsgefahr mit dem gleichnamigen Elvis Presley-Titel nicht unter diesem Titel veröffentlicht. Inzwischen finde ich diese Umbenennung nur noch lächerlich, schließlich gibt es genug andere Songs, die genauso heißen.) Unerklärlicherweise fehlt mit „Is It Scary“ einer der besten und vielschichtigsten Jackson-Titel überhaupt. Den Abschluss des Albums bildet ein neuer Mashup aus mehreren der auf dem Album enthaltetenen Songs (hier ist dann auch „Is It Scary“ dabei), an dem das Bemerkenswerte ist, dass es sich hier um einen Michael Jackson-Halloween-Mashup handelt, der ganz ohne „Thriller“ auskommt! Dafür ist dieser Remix aber ziemlich hektisch und durcheinander geraten, also bezweifle ich, dass er ein Hit auf Halloween-Parties oder im Radio werden wird.

Positiv an dieser Zusammenstellung von Liedern ist, dass es viele unbekanntere Stücke auf das Album geschafft haben. Tatsächlich findet sich darauf nur ein Song aus dem sonst so ausgeschlachteten „Thriller“-Album, dafür aber mit „Unbreakable“ und „Threatened“ zwei Titel aus Jacksons „vergessenem“ Studioalbum „Invincible“. Zu beiden Liedern wollte Jackson übrigens spektakuläre Kurzfilme drehen; leider bekam er aufgrund der Streitigkeiten mit seiner Plattenfirma 2001/2002 nicht die Gelegenheit dazu. Die optische Gestaltung des Albums finde ich wie gesagt sehr gelungen. Im Oktober wird auch eine „glow in the dark“-Vinylausgabe erscheinen, deren Anschaffung sich wohl zumindest aus optischen Gesichtspunkten lohnt. Davon abgesehen ist „Scream“ aber mal wieder ein äußerst lieblos zusammen geschustertes Produkt des Michael Jackson Estates. Wie erwähnt hegte Michael Jackson eine lebenslange Vorliebe für alles Gruselige und Mysteriöse, für Horrorfilme und Verkleidungen. Was läge also näher, als darauf in ein paar Liner Notes im Booklet des Albums einzugehen und zu erklären, warum man sich zur Zusammenstellung dieser Compilation entschlossen hat? Auch Interpretationen und Analysen der einzelnen Songs könnte man dabei liefern. Der einzige Satz, den man dazu im Booklet findet, lautet aber „This album celebrates the King of Pop, Michael Jackson, and his love for the Halloween season.“ Äußerst schwach!

Braucht man also ein Album wie „Scream“? Sicherlich nicht, jedenfalls nicht in dieser From. Und ganz sicher hätte der Michael Jackson Estate auch an dieses Projekt mit mehr Detailliebe und Umsicht heran gehen können (und müssen!). Eine Compilation, die vielleicht einigen Jackson-Neulingen ein paar der nicht so bekannten Songs nahe bringt, ist ja prinzipiell eine gute Sache. Aber es gäbe so viele wichtigere und dringendere Veröffentlichungen, um die sich Sony und die Nachlassverwalter längst hätten kümmern müssen. Ganz bestimmt brauchen wir kein Halloween-Animationsspecial mit einem tanzenden CGI-Michael am Ende. Stattdessen sollte zum Beispiel endlich mal Jacksons Meisterwerk „Ghosts“ auf Bluray veröffentlich werden! (Der Film ist tatsächlich noch nicht einmal offiziell auf DVD erschienen.) Davon, dass man auch alle anderen Kurzfilme und Aufnahmen von Jacksons Konzerten endlich einmal ordentlich remastern und in hochaufllösender Fassung veröffentlichen sollte, will ich gar nicht erst anfangen…

Interessant fände ich es allerdings, wenn nach „Scream“ noch weitere Compilations veröffentlicht werden, die sich mit konkreten Themen beschäftigen. Einen „Love Songs“-Sampler bekommt sowieso fast jeder Künstler früher oder später spendiert. Eine „Dance“-Compilation bietet sich bei Michael Jackson natürlich auch an. Am wichtigsten wäre mir aber die Veröffentlichund eines Albums mit Liedern, in denen es um das große soziale und umweltpolitische Bewusstsein Jacksons geht. Man könnte ein solches Album schlicht „Earth“ oder „Planet Earth“ nennen. DAS wäre mal ein wirklich notwendiges Projekt, das man in Verbinung zu zahlreichen Umwelt- und Benefizaktionen stellen könnte. (Unten findet ihr Links zu Spotify-Playlisten – einmal die Tracks aus „Scream“, allerdings mit der Originalversion von „Xscape“ und eine Liste mit einigen potentiellen Kandidaten für ein „Earth“-Album.) Übrigens ist gerade Joseph Vogels hervorragendes Buch zur Entstehung von „Earth Song“ in einer neuen, erweiterten Auflage erschienen. Einen Auszug könnt ihr hier lesen. Die Anschaffung des Buches lohnt sich sehr!


Copyright Bild: Sony Music

Das war 2016 – Mein persönlicher Film- und Serien-Jahresrückblick

Zum letzten (und bisher einzigen) Mal habe ich hier im Blog 2013 einen Jahresrückblick geschrieben. 2016 habe ich es endlich mal wieder (auf den letzten Drücker) geschafft!
Wie auch schon 2013 werde ich hier zusammenfassen, welche besonders guten und schlechten Filme und TV-Serien ich dieses Jahr gesehen habe – ganz egal, ob es sich dabei um neue oder schon ältere Veröffentlichungen handelt.

Die besten neuen Filme

Beginnen wir mal mit den neuen, also in diesem Jahr veröffentlichten Filmen. Da fällt es mir leicht, meine „Top 3“ zusammen zu stellen (aber nicht leicht, sie in eine Reihenfolge zu bringen). „Room“ („Raum“) kam bereits im Frühjahr ins Kino und ich habe den Film seitdem nicht noch einmal gesehen, aber weil ich zwischenzeitlich das Hörbuch zu Emma Donoghues Romanvorlage gehört habe, sind mir die Geschichte und die Figuren immer noch sehr präsent. Lenny Abrahamsons Film um einen Jungen, der gemeinsam mit seiner Mutter jahrelang von einem Entführer gefangen gehalten wird und vollkommen von der Außenwelt abgeschottet aufwächst, ist ein kleines Wunderwerk. Denn trotz dieser düster und depressiv klingenden Ausgangssituation ist der Film das genaue Gegenteil von düster: „Room“ ist ein hoffnungsvoller Film, was nicht zuletzt an den hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller Brie Larson (die dafür einen Oscar gewann) und des siebenjährigen Jacob Tremblay liegt. Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch einmal anschauen. Aufgrund einer sehr persönlichen Beziehung, die ich zu der Geschichte habe, könnte er sogar zu einem meiner Lieblingsfilme werden!

Ein weiterer äußerst emotionaler Filmhöhepunkt war dieses Jahr ganz klar „Closet Monster“ von Stephen Dunn. Das Spielfilmdebüt des jungen kanadischen jungen kanadischen Regisseurs strotzt nur so vor kreativen Einfällen und ist in seiner Ausführung so gelungen, dass man gar nicht glauben mag, dass da jemand seinen ersten Kinofilm inszeniert hat! Und natürlich gibt es in keinem anderen Film einen Hamster, der von Isabella Rossellini gesprochen wird! 😉 (Hier könnt ihr meine Filmkritik auf filmszene.de lesen.)

Dass es wie bereits 2015 ein deutscher Film ganz weit nach oben in meiner Top-Ten-Liste schaffen würde, hätte ich nicht erwartet (schon allein, weil ich nicht besonders viele deutsche Filme anschaue). An „Toni Erdmann“ führte in diesem Jahr aber nicht nur kein Weg vorbei, sondern der Film wird seinem Ruf auch wirklich gerecht! Auf so eine Geschichte, in der ein von seiner Tochter entfremdeter Vater dieser über den Umweg einer erfundenen Persönlichkeit wieder näher zu kommen versucht, muss man erst einmal kommen. Aber selbst dann hätte noch eine Menge schiefgehen können, zum Beispiel wenn Regisseurin Maren Ade den Stoff als platte Komödie inszeniert und zur Vorlage für lauter dämliche Witze genommen hätte. Hat sie aber natürlich nicht. Das Endergebnis ist einfach nur großartig – ein Film wie kein anderer. Ein Bekannter von mir hat „Toni Erdmann“ allerdings mit „Borat“ verglichen und ich muss zugeben, dass er damit nicht ganz unrecht hat. Trotzdem handelt es sich um zwei sehr verschiedene Filme, vor allem wohl deshalb, weil Ade die Figuren und Situationen in ihrem Film nie um der bloßen Provokation willen oder für einen billigen Lacher eskalieren lässt. (Meine ausführliche Filmkritik könnt ihr hier lesen.)

Weitere Filmhighlights waren dieses Jahr für micht „Everybody Wants Some!!“ von Richard Linklater (nach dem Kinobesuch bin ich singend und tanzend durch die Straßen gelaufen) und „The Girl With All The Gifts“, ein schauspielerisch wie atmosphärisch extrem gut gemachter Zombiefilm, den ich auf dem Fantasy Filmfest gesehen habe (regulärer Kinostart wird im Februar sein). Auch „Arrival“ von Denis Villeneuve gehört ganz klar zu den besten neuen Filmen von 2016. Nicht nur Science-Fiction-Fans sollten hier definitv einen Blick riskieren.

Das waren die sechs besten, neuen Filme, die ich 2016 gesehen habe. Es gab aber natürlich noch eine Reihe weiterer guter bis sehr guter, die erwähnenswert sind. Da wäre zum Beispiel die Dokumentation „The Hunting Ground“ über sexuellen Missbrauch an US-Universitäten (verfügbar auf Netflix). Auch Jeff Nichols‘ Mystery-Drama „Midnight Special“ hat mir gut gefallen und ich muss ihn definitiv noch einmal anschauen.
Marvel hat dieses Jahr mit dem dritten „Captain America“-Film „Civil War“ einen Volltreffer hingelegt – ich habe mich blendend unterhalten gefühlt, aber einen Großteil des Films schon lange wieder vergessen.

Der neue Tim Burton-Film „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ („Die Insel der besonderen Kinder“) hat mir gut gefallen, auch wenn er wohl nicht zu den großen Meisterwerken des Regisseurs zählt. Als Beatles-Fan fand ich auch Ron Howard’s Dokumentation „Eight Days A Week“ sehr schön, aber man muss den Beatles natürlich schon grundsätzlich etwas abgewinnen können, um hier auf seine Kosten zu kommen (aber wer kann das bitteschön nicht?).

Zumindest von der Form her interessant fand ich „Der Nachtmahr“, allerdings liefen all die inszenierungstechnischen Tricksereien dabei irgendwie ins Leere, sodass der Film mehr versprach als er letztendlich einlösen konnte. Gegen Jahresende schließlich hat mich der neue Disney-Animationsfilm „Moana“ (in Deutschland „Vaiana“) gut amüsiert. Und auch das diesjähriger „Star Wars“-Abenteuer „Rogue One“ fand ich als großer Fan der Sternensaga trotz einiger Schwachstellen doch ziemlich gelungen.

Auch auf dem Filmfest München habe ich dieses Jahr wieder viele tolle (und auch ein paar nicht so tolle) Filme gesehen, über die ich größtenteils gebloggt habe. Ein paar davon habe ich hier schon genannt, hinzuzufügen wären aber zum Beispiel noch „Ein deutsches Leben“, „Oleg Y Las Raras Artes“ und „Die letzte Sau“.

Was ich sonst noch für tolle Filme angeschaut habe

Neben diesen Neustarts gab es jedoch auch ziemlich viele ältere Filme, die ich 2016 nachgeholt habe. M. Night Shyamalan hat 2015 mit „The Visit“ endlich mal wieder einen spannenden und gelungenen Film abgeliefert. Aber auch die Österreicher können Horror! Das haben vor zwei Jahren Severin Fiala und Veronika Franz mit der Genre-Perle „Ich seh ich seh“ bewiesen, die ich ebenfalls dieses Jahr gesehen habe und wirklich sehr empfehlen kann!

Noch besser fand ich „Nightcrawler“, in dem Jake Gyllenhaal vor zwei Jahren als ehrgeiziger TV-Journalist zu sehen war. Ein fantastisches Stück Kino, ein bitterböser Blick auf die harte Medien- und Journalismusbranche und ein grandioser Soundtrack! Auch „Love Steaks“ hat mich begeistert. Die deutsche Low Budget-Produktion hat vor einigen Jahren auf mehreren Festivals für Aufsehen gesorgt; nun habe ich sie auch endlich gesehen und war begeistert von der Unmittelbarkeit und Natürlichkeit dieser etwas anderen (oder vielleicht einfach nur kino-untypischen und realistischen?) Liebesgeschichte. Auch Wim Wenders Dokumentation „The Salt of the Earth“ über den Fotografen Sebastião Salgado fand ich sehr beeindruckend. Und wenn ich schon bei deutschen Filmen bin: Auch die Komödie „Wir sind die Neuen“ hat mich positiv überrascht, weil hier das Aufeinandertreffen der Generationen wirklich mit Witz behandelt wird und die Schauspieler sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

Als großer David Bowie-Fan war 2016 natürlich kein gutes Jahr für mich; „The Man Who Fell to Earth“ („Der Mann, der vom Himmel fiel“) habe ich erst nach Bowies Tod zum ersten Mal gesehen – und muss den Film auf jeden Fall irgendwann noch einmal anschauen. Weitere Kultfilme, die ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, waren „The Exorcist“ („Der Exorzist“), „Thelma & Louise“, „Interview with the Vampire“ („Interview mit einem Vampir“) und „Zoolander“ (Teil zwei habe ich einige Tage später angeschaut). Nachdem ich die „Godfather“-Trilogie zum Geburtstag bekommen hatte, habe ich außerdem mehrere Abende damit verbracht, mir mal wieder Francis Ford Coppolas Saga einer italo-amerikanischen Familie zu Gemüte zu führen. Würden Mario Puzos Romane heute verfilmt werden, dann würde man daraus wahrscheinlich eine TV-Serie machen, also habe ich mir die Filme häppchenweise in feierabendfreundlichen Blöcken von 60 bis 90 Minuten über mehrere Abende verteilt angeschaut. Auch die „Alien“-Filme habe ich mir dieses Jahr mal wieder alle angeschaut, und zwar gleich mehrfach: Teil 1 bis 3 habe ich sowohl in der Kinofassung als auch in den auf den Blu-rays enthaltenen längeren Schnittfassungen angeschaut. Bei „Alien: Resurrection“ habe ich es allerdings bei der Kinofassung belassen, da ich mir diesen Murks nicht noch einmal antun wollte.

Die schlechtesten Filme des Jahres

Wie jedes Jahr gab es auch 2016 ein paar Filme, über die ich mich richtig geärgert habe. Ganz oben auf der Liste steht „Independence Day: Resurgence“. Ganz ehrlich, ich hätte die zehn Euro, die ich hier für den Kinobesuch ausgegeben habe, lieber verbrennen und dann dabei zuschauen sollen. Das wäre unterhaltsamer gewesen als diese völlig uninspirierte, vor Klischees nur so strotzende Fortsetzung von Roland Emmerichs Science Fiction-Klassiker. Dicht dahinter folgt „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Es ist mir unbegreiflich, warum Zack Snyder immer noch riesige Budgets anvertraut werden, wo doch jedes Mal so ein Murks dabei herauskommt. (Halt, ich verstehe es doch: seine Filme spielen das Geld – und sogar noch mehr! – nämlich tatsächlich wieder ein. Unbegreiflich!) Auch die zweite Comicverfilmung aus dem DC-Universum, „Suicide Squad“, fand ich grottenschlecht. Ich kenne mich mit Comics zwar kaum aus, aber bei Marvel schaffen sie es immerhin, unterhaltsame Filme rauszuhauen!

Wobei es zumindest einen Marvel-Film gab, den ich dieses Jahr auch ziemlich schlecht fand: „X-Men: Apocalpyse“. Der gehört zwar nicht zum „Marvel Cinematic Universe“ von Disney, aber gerade weil die beiden vorherigen „X-Men“-Filme so großartig waren, hatte ich mir einen würdigen Abschluss dieser Trilogie gewünscht. Weitere Filmgurken aus 2016 waren „Die 5. Welle“ und „London Has Fallen“. Bei letzterem war mir das eigentlich schon vorher klar, schließlich war auch schon Teil 1 nur leidlich unterhaltsam. Ich schaue mir solche Filme wohl nur an, um sie dann am Jahresende auf meine Flop-Liste setzen zu können… 😉 Auch bei Duncan Jones Videospielverfilming „Warcraft: The Beginning“ habe ich nach etwa einer Viertelstunde geistig abgeschaltet und darauf gehofft, dass es bald vorbei ist. Schade, denn ich bin ein großer Fan seiner ersten beiden Filme „Moon“ und „Source Code“. Dass die neue „Ben Hur“-Verfilmung einfach nur überflüssig sein würde, war mir natürlich auch schon vorher klar. Angeschaut (und darüber geschrieben) habe ich den Film trotzdem.

…und noch mehr schlechte Filme

Als hätte 2016 nicht schon genug schlechte Filme hervorgebracht, habe ich mir zusätzlich auch noch einige ältere Filmgurken reingezogen. Das ging Anfang des Jahres los mit Cameron Crowes „Aloha“. Ich bin ja wirklich ein großer Fan von Crowe und zähle mit „Almost Famous“ und „Vanilla Sky“ zwei seiner Werke zu meinen Lieblingsfilmen, aber was er mit „Aloha“ abgeliefert hat, ist einfach so was von langweilig, uninspiriert und voller Klischees, dass man sich fragt, ob da wirklich noch derselbe Autor und Regisseur am Werk war. Schade! Josh Tranks „Fantastic Four“-Verfilmung von 2015 war auch nicht besser, konnte mich aber immerhin mit unfreiwilliger Komik unterhalten. Auch in diesem Fall kann man aber nur sagen: schade, dass nichts Besseres dabei herausgekommen ist. „Chronicle“ wird wohl Tranks bester Superheldenfilm bleiben…

Auch richtig schlecht fand ich Disneys Realversion von bzw. Parallelgeschichte zu „Dornröschen“, „Maleficent“. Schrecklich gelangweilt habe ich mich bei Angelina Jolies „By the Sea“ und „Kingsman“ fand ich extrem dämlich. Dass mich auch die „Hunger Games“ mit „Mockingjay: Teil 2“ nicht mehr begeistern konnten, hat mich nach dem extrem handlungsarmen dritten Film nicht mehr überrascht. Der bei weitem schlechteste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe, war jedoch der Weinachts-Grusel „Krampus“. So etwas kommt also dabei heraus, wenn sich die Amerikaner an für sie wohl total exotisch anmutenden mitteleuropäischen Schreckgestalten abarbeiten! Cultural appropriation mal anders…

Mein Serienjahr

Ich habe 2016 zwar knapp 200 neue, alte und teils auch altbekannte Filme angeschaut, aber es hätten noch wesentlich mehr sein können, wenn es nicht so viele gute TV-Serien gäbe. Dass „Hannibal“ ein vorzeitiges Ende gefunden hat, ist für mich eine mittelschwere Katastrophe. Bryan Fullers Neuverfilmung der Romane von Thomas Harris gehört für mich zu den besten Fernsehserien überhaupt und ich hoffe sehr, dass er es doch noch irgendwie schaffen wird, eine Fortsetzung in Form einer Miniserie für irgendeine Streamingplattform zu produzieren.

Das beste Fernsehen scheint inzwischen ja sowieso auf Netflix & Co. stattzufinden. „Jessica Jones“ war für mich der bislang beste Beitrag zum filmischen Marveluniversum und auch die beiden „Daredevil“-Staffeln fand ich toll. Sehr gut unterhalten hat mich dieses Jahr auf Netflix auch die zweite Staffel von „Grace and Frankie“. Darin geht es zwar um Figuren, die mehr als doppelt so alt sind wie ich, aber wenn sie von so grandiosen Schauspielern wie Jane Fonda oder Martin Sheen gespielt werden, dann macht das auch dann riesigen Spaß, wenn man sich nicht mit allen Problemen der Figuren identifizieren kann.

Mit „Downton Abbey“ fand dieses Jahr eine meiner Lieblingsserien ihr Ende. Auch hier sind es vor allem die erstklassigen Darsteller, die das meist doch recht banale Soap-Geschehen sehenswert machen. Bei „Stranger Things“ wiederum stimmte das Gesamtpaket aus Schauspielern, Mystery-Handlung und gekonnt reproduzierter Achtziger-Jahre-Atmosphäre. Ich bin schon gespannt auf Staffel zwei! Eine weitere Staffel von „Heroes Reborn“ wird es dagegen nicht geben, was aber kein großer Verlust ist. Tim Krings Superhelden-Ensemblesoap „Heroes“ war in ihrer ersten Staffel 2006 noch revolutionär und verdammt gut, danach ging es aber leider immer weiter bergab. Der Neuaufguss „Heroes Reborn“ hätte toll werden können, aber leider hat man dabei die Schwächen der späteren „Heroes“-Staffeln nicht ausgemerzt, sondern sie nur noch verstärkt.

Richtig, richtig gut dagegen ist „Bates Motel“. Man hätte es von einem „Psycho“-Prequel nicht unbedingt erwartet, aber der auf fünf Staffeln angelegten Serie ist es tatsächlich gelungen, die Hintergründe von Norman Bates und seiner Mutter interessant und plausibel zu beleuchten. Die Staffeln drei und vier habe ich dieses Jahr hier im Blog besprochen. Weniger begeistert war ich von Woody Allens erster „Fernsehserie“ „Crisis in Six Scenes“. Ich habe „Fernsehserie“ hier bewusst in Anführungszeichen geschrieben, denn eigentlich handelt es sich dabei nur um einen in sechs Teile aufgespaltenen Film. Die jeweils 22 Minuten langen, auf Amazon Video verfügbaren Folgen bieten typischen, größtenteils recht altbackenen Woody Allen-Humor. Darunter sind zwar hin und wieder wirklich gelungene, lustige Momente, doch zu Allens besseren Werken gehört dieser „Serienfilm“ bestimmt nicht. (Außerdem verdient sich „Crisis in Six Scenes“ den Preis für den unkreativsten Titel des Jahres. Hat da jemand aus Versehen den Arbeitstitel der Serie stehen lassen!?)

Im Herbst habe ich mir die letzten Folgen von „Mad Men“ angeschaut und wurde nicht enttäuscht. Die Serie hat ihr durchgehend hohes Niveau halten können und ein nicht spektakuläres, aber angemessenes und passendes Ende gefunden. Neu angefangen habe ich dagegen mit „Scream“. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Slasherfilmreihe und es gelingt ihr recht erfolgreich, die aus den Filmen bekannte Metaeben (z.B. in Form von Diskussionen über die Regeln des Slasher-Genres) ins Fernsehen zu übertragen. Natürlich handelt es sich dabei um Unterhaltung mit nicht allzu viel Tiefgang, aber für zwischendurch eignet sich die Serie allemal. Staffel zwei habe ich auch schon angeschaut.

Eines meiner Serienlangzeitprojekte ist Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“. Vor ein paar Jahren habe ich mit der ersten Staffel angefangen und lasse mir zwischen den Staffeln immer ziemlich viel Zeit. Mittlerweile habe ich sechs Staffeln geschafft (und drei Staffeln von „Angel“, das ich parallel anschaue), aber erst bis zur fünften Staffel gebloggt. Ich werde demnächst mit dem Anschauen der letzten Staffel anfangen und hoffentlich auch noch einen Blogpost über Staffel sechs schreiben, aber so begeistert wie zu Beginn bin ich von der Serie nicht mehr.

Nach wie vor begeistert bin ich aber natürlich von meiner Lieblingsserie „Babylon 5“. Seit ich vor ein paar Jahren einen einführenden Überblick über J. Michael Straczynskis revolutionäre Science Fiction-Saga geschrieben habe, blogge ich in unregelmäßigen Abständen über jede einzelne Folge. Immerhin bis zur vorletzten Episode der ersten Staffel habe ich es 2016 geschafft; weitere Blogposts werden definitiv folgen, ich hatte nur in den letzten Monaten zu wenig Zeit dazu. Ebenfalls noch nicht gebloggt habe ich über Straczynskis neue Serie „Sense8“, die er zusammen mit den Wachowski-Schwestern realisiert hat. Die 2015 gestartete Netflix-Serie wurde vor einer Woche endlich mit einem Christmas Special fortgesetzt und soll im Mai eine zweite Staffel spendiert bekommen. Ich bin schon sehr gespannt, da ich „Sense8“ für eine der wichtigsten gegenwärtigen Serien halte!

Weiterhin habe ich dieses Jahr die zweite Staffel von „True Detective“ angeschaut (nicht so mein Fall) und mir endlich die Miniserie „Top of the Lake“ angesehen (schon viel eher mein Fall – und wenn mir jemand gesagt hätte, diese düstere und deprimierende Serie sei die dritte Staffel von „True Detective“, hätte ich das sofort geglaubt). Neben der zweiten Staffel von „The Newsroom“ (ich liebe Aaron Sorkins Dialoge!) habe ich mir auch die erste Staffel von „The Extant“ angeschaut (interessant, leider gibt es ja nur eine weitere Staffel).

Mit der Science Fiction-Anthologieserie „Black Mirror“ habe ich zumindest schon angefangen und bin davon sehr angetan. Auch „Devious Maids“ von „Desperate Housewives“-Schöpfer Marc Cherry habe ich begonnen zu gucken und war zumindest ein paar Tage lang süchtig danach, das hat sich also schnell wieder gelegt. Ich weiß also nicht, ob ich das weiter anschauen werde. Ach ja, bevor ich’s vergesse: ich habe dieses Jahr auch wieder ein bisschen „Star Trek“ geguckt, genauer gesagt die zweite Staffel von „Enterprise“. Ich freue mich schon auf die neue „Star Trek“-Serie, die im Mai starten wird!

Schließlich gab es dieses Jahr natürlich auch ein paar Serien, die ich anzuschauen begonnen habe, die aber nicht so ganz meinen Geschmack getroffen haben. Darunter waren „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“, „Penny Dreadful“ und „Ascension“. Auch von „The Expanse“ habe ich bislang nur zwei Folgen gesehen, die mich vor allem verwirrt haben. Bei „Luke Cage“ bin ich noch nicht über Episode 1 hinaus gekommen, die ich eigentlich nicht so toll fand. Da mir aber die anderen Marvel-Serien bei Netflix so gut gefallen haben, werde ich vielleicht doch irgendwann weitersehen. „Masters of Sex“ wollte ich schon lange sehen und habe 2016 endlich damit begonnen. Eigentlich ist die Serie ziemlich gut, aber der Funke wollte dann doch nicht überspringen. Manchmal wäre es vielleicht doch besser, nicht aus jedem Thema gleich eine Serie zu machen. Ein „Masters of Sex“-Film wäre jedenfalls sehr viel schneller zu konsumieren gewesen.

Was alle an „Mr. Robot“ so toll finden, habe ich noch nicht verstanden und hier auch nach drei oder vier Folgen erstmal Schluss gemacht. Die Serie ist zwar gut gemacht, bietet aber meiner Meinung nach nicht viel Neues. Es geht mal wieder um einen unsicheren männlichen Protagonisten, der seine Gefühle schlecht ausdrücken kann und sich im Umgang mit anderen Menschen schwertut. Das kennen wir inzwischen schon zu Genüge aus anderen Serien (Sherlock, „Dexter“).

Falls Ihr diesen Text tatsächlich bis hierhin gelesen haben solltet, wünsche ich euch an dieser Stelle ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2017! Möge es uns viele tolle neue Filme und Serien bringen. 🙂

„Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ & „Scream“

Nachdem ich vor kurzem Staffel 5 von „Buffy“ und Staffel 2 von „Angel“ fertig angeschaut hatte (ein Blogpost dazu folgt), brauchte ich neuen Serienstoff. Nach etwas Wühlen in den noch nicht angeschauten DVDs und Blu-rays, die sich im Schrank unter meinem Fernseher stapelten, fand ich die erste Staffel von „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ wieder, die ich vor ein paar Monaten gekauft hatte. Damals hatte ich mehrere „Terminator“-Filme angeschaut und Lust auf die Serie bekommen – die hatte ich inzwischen zwar nicht mehr wirklich, aber nachdem die Blu-rays schon mal da waren, fing ich an, die Staffel anzuschauen.

Terminator: The Sarah Connor Chronicles – Season 1

Die „Terminator“-Serie spielt nach den Ereignissen von „Terminator 2“ und ignoriert die Handlung aller nachfolgenden Filme vollständig. Sie beginnt im Jahr 1999, als John Connor (Thomas Dekker) 15 Jahre alt ist. Die höchste Priorität seiner Mutter Sarah (Lena Headey, bekannt als Cersei Lannister aus „Game of Thrones“) ist es immer noch, das Leben ihres Sohnes zu schützen, der in der Zukunft zum Anführer des menschlichen Widerstands gegen die Herrschaft der Maschinen werden wird. Unterstützung erhält sie dabei von einem umprogrammierten Terminator (Summer Clau), der das Aussehen eines weiblichen Teenagers hat und sich so als Johns Schwester Cameron ausgeben kann. Am Ende der Pilotfolge reisen die drei ins Jahr 2007, also in das Jahr, in dem die Serie produziert wurde. Damit muss schon mal kein Geld mehr dafür ausgegeben werden, die Serie nach 1999 aussehen zu lassen.

Die Serie hat es nur auf zwei Staffeln gebracht und die erste davon hat auch nur neun Folgen. Trotzdem habe ich nach sechs Episoden aufgehört, weil ich so gelangweilt war. Im Grunde ist die „Terminator“-Serie eine Sparversion der Filme. Auch hier versucht man sich immer wieder an der Brachial-Action, die man aus den Filmen kennt, doch aufgrund des TV-Budgets sieht das nie besonders beeindruckend aus. Dieses Manko hättem man wettmachen können, wenn man bei den Drehbüchern etwas kreativer gewesen wäre. Aber leider scheinen die „Sarah Connor Chronicles“ immer nur das aus den Filmen bekannte Handlungsmuster nachzuahmen (mit dem ja auch die neueren Filmen nicht mehr überzeugen konnten): Immer wieder müssen sich Sarah, John und Cameron gegen einen neuen, aus der Zukunft geschickten Terminator zur Wehr setzen – und immer wieder besiegen sie den jeweiligen Terminator irgendwie. Da fragt man sich irgendwann schon, wie die Maschinen eigentlich die Herrschaft über die Menschheit aufrechterhalten können, wenn die Terminator-Modelle alle so ineffektiv sind.

Mit diesem sich wiederholenden Muster führt einem die Serie auf primitive Weise die Grundstruktur einer jeden TV-Serie vor Augen: Es muss immer weiter gehen, also müssen die Figuren auf immer neue Probleme treffen. Aber doch nicht immer auf die gleichen! Sarah fasst das Prinzip der Serie jedenfalls schon in der ersten Folge treffend mit „No one is ever safe“ zusammen. Auch die Tatsache, dass nach den Ereignissen der beiden Filme der Judgement Day und die Herrschaft der Maschinen doch hätte verhindert sein müssen, wird angesprochen. „You changed the future, you just didn’t change it enough“, belehrt John nämlich seine Mutter. Da kommt man sich als Zuschauer schon etwas für dumm verkauft vor. Gleichzeitig ist das „Terminator“-Universum damit ein äußerst pessimistisches; denn wenn der Judgement Day auf jeden Fall früher oder später eintritt, ganz egal was Sarah und John unternehmen, lohnt es sich dann überhaupt noch, gegen die Maschinen zu kämpfen? Oder dürfen John und Sarah gerade deswegen nicht aufgeben?

Wie auch immer, „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ macht nicht nur nichts anders oder gar besser als die letzten „Terminator“-Filme, sondern auch noch den Fehler, die sich längst totgelaufene immer gleiche Grundhandlung der Filme auch hier immer wieder gleich zu erzählen. Der größte Lichtblick der Serie ist dabei noch Lena Headey, die eine wesentlich überzeugendere Sarah Connor abgibt als ihre „Game of Thrones“-Kollegin Emilia Clarke in „Terminator: Genisys“. Mag sein, dass die Serie in der zweiten Staffel besser wird, mich hatte sie nach sechs Episoden allerdings immer noch nicht richtig gepackt. Erneut auf der Suche nach gutem Serienstoff, habe ich mich auf Netflix nach einer nicht allzu anspruchsvollen Serie für zwischendurch umgeschaut und bin mit „Scream“ fündig geworden.

Scream – Season 1

„Scream“ ist eine MTV-Produktion, die man in Deutschland bei Netflix gucken kann. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Film-Franchise von Regisseur Wes Craven und Autor Kevin Williamson, das vier Filme (1996-2011) hervorgebracht hat. (Craven und Willamson sind an der Serie nicht beteiligt und Wes Craven ist leider 2015 verstorben.) Genau wie „The Sarah Connor Chronicles“ erzählt die „Scream“-Serie im Großen und Ganzen dasselbe wie die als Vorbild dienenden Filme. In Fall von „Scream“ ist das allerdings weniger schlimm und auch deutlich unterhaltsamer.

Ich spare mir mal eine genaue Zusammenfassung der Handlung. Natürlich spielt „Scream“ in einer amerikanischen Kleinstadt, natürlich steht im Mittelpunkt der Handlung eine Gruppe von Teenagern und natürlich wird die Stadt von einem Serienmörder heimgesucht. Dessen Morde stehen in Verbindung zu einer weiteren, bereits über 20 Jahre alten Mordserie. Leider sind damit aber nicht die Morde aus den ersten „Scream“-Filmen gemeint, denn die Serie baut nicht auf ihnen auf und führt völlig neue Figuren ein. Vor allem zu Beginn der zehn Folgen umfassenden Staffel erinnert die Serie immer wieder an aktuelle Teenie-Schocker wie „Unknown User“, die moderne Kommunikationsmedien und Mordserien verbinden. YouTube, Smartphones und Social Networks spielen dementsprechend eine große Rolle und statt einer Fernsehreporterin – wie in den Filmen – ist eine der Figuren nun eine Crime-Podcasterin. (Ganz ähnlich hat man in „Hannibal“ ja aus dem Zeitungsreporter des Romans für die Serie eine Bloggerin gemacht.)

Einige der Figuren mochte ich, andere wiederum waren mir unsympathisch und die eine oder andere weibliche Figure mochte ich nur deswegen, weil sie – wie fast alle Charaktere – wahnsinnig jung und gutaussehend ist. Letzteres ist bei einer Serie, die mit den Regeln des Slasher-Films spielen will, ja erlaubt. Eine moderne, feministische Serie ist „Scream“ allerdings noch lange nicht; auch wenn sei genau wie die Filme versucht, mit den Regeln des Genres zu spielen und immer wieder ganz schön meta sein will, ist „Scream“ im Grunde doch nur ein auf etwa 420 Minuten ausgedehnter Slasher-Film, bei dem sich hübsche, junge Menschen manchmal wahnsinnig dumm verhalten und so dem Mörder in die Falle gehen – allerdings nicht nur die weiblichen Figuren.

Das mit der Meta-Ebene, durch die sich die Filme auszeichneten, klappt in der Serie also nicht immer. In der ersten Folge unterhalten sich die Teenager mit ihrem Lehrer zwar noch darüber, ob ein Slasher-Film überhaupt als Serie funktionieren kann. Die späteren Episoden verlieren derartige Fragen jedoch etwas aus dem Blick, auch wenn immer noch eine Menge popkultureller Anspielungen vorkommen. Kann also ein Film wie „Scream“ auch als Serie funktionieren? Die Antwort lautet: ja, aber die Serie bleibt dabei doch eher in den Regeln des Genres gefangen. Es gelingt ihr kaum, sie zu unterlaufen wie das noch vor allem die ersten beiden Filme mehrmals taten.

Weil hier wie gesagt die Hauptfiguren im Teenager-Alter sind und Twitter, WhatsApp und dergleichen für sie so selbstverständlich ist wie Atmen, kam ich mir beim Anschauen der Serie schnell ganz schön alt vor. Dass selbst der Lehrer gerade mal fünf Minuten älter aussieht als seine Schüler, machte es nicht besser. Die einzige Möglichlichkeit, um sich wieder jung, relevant und auf der Höhe der Zeit zu fühlen, scheint der Serie zufolge im Konsum zu liegen. Denn dazu habe ich mich beim Anschauen immer wieder aufgefordert gefühlt, wenn die Figuren Bemerkungen darüber fallen lassen, dass iPods doch schon längst überholt sind und Facebook nur noch etwas für Leute von gestern ist. Wie hat es Alan Grant in „Jurassic Park“ – einem uralten Film von 1993 – doch formuliert: „Die Welt ändert sich so schnell, dass wir laufen müssen, um nicht zurück zu bleiben.“ „Scream“ hat mir die Wahrheit, die in diesem Satz steckt, wieder einmal vor Augen geführt.

Für Schauspieler stelle ich mir die Arbeit an einer solchen Serie als nicht besonders herausfordernd dar. Weil die Handlung nach jedem neuen Schrecken und jedem neuen Mord stets schnell weitergehen muss, dürfen die Figuren gar nicht realistisch trauern. Da erfährt zum Beispiel eine Person vom Tod eines Familienmitglieds, hält daraufhin aber nur kurz inne, um dann ganz normal weiterzumachen. Die Handlung muss schließlich weitergehen und schielt immer schon auf den nächsten Mord, statt sich ernsthaft mit den Konsequenzen der vergangenen Morde für die Überlebenden zu beschäftigen. Aber das habe ich natürlich von einer Teenie-Slasher-Serie auch nicht wirklich erwartet.

Die Geschichte verläuft also in etwa so, wie man das erwartet. Ich hatte zwar bis zum Schluss keine Ahnung, welche der Figuren der Mörder ist (das Rätselraten darum gehörte ja schon immer zur „Scream“-Reihe), aber ich bin bei solchen Vorhersagen generell wahnsinnig schlecht. Die letzten Folgen haben mich erfolgreich auf mehrere falsche Fährten geführt, wodurch es auch zum Schluss noch spannend blieb. Bahnbrechende Unterhaltung ist „Scream“ also sicher nicht, aber doch gut gemacht und mit kaum Längen. In die zweite Staffel werde ich sicher auch mal reinschauen.

20 Jahre „HIStory“

Der deutschen Wikipedia-Seite zufolge erschien Michael Jacksons „HIStory“-Album heute vor 20 Jahren, am 14. Juni 1995. Da ich das Erscheinen dieses Albums als den Beginn meines Fanseins markiere, bin ich also bereits seit 20 Jahren Michael Jackson-Fan! Lasst mich noch ein bisschen weiter in der Zeit zurück gehen. Ich wurde im November 1981 geboren. Bereits einige Zeit vor der Veröffentlichung von „HIStory“, als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war, begann ich meine Leidenschaft für Michael Jackson zu entdecken. Meine Eltern hatten zu dieser Zeit zwei seiner Alben als CDs im Regal stehen: „Thriller“, das man einfach haben musste und das mein Vater wohl gekauft hatte, sobald ein CD-Player bei uns in der Wohnung stand, und das 1991 veröffentlichte „Dangerous“, das er wohl deshalb gekauft hatte, weil es bei seinem Erscheinen – wie die meisten MJ-Alben – aufwändig beworben wurde. Ich erinnere mich, dass meine Eltern mir einmal erzählten, sie hätten die Premiere eines Musikvideos von Michael Jackson im Fernsehen gesehen; vielleicht handelte es sich dabei um „Black Or White“, die erste Singleauskopplung aus „Dangerous“ und vielleicht war das der Auslöser, der zum Kauf des Albums geführt hatte. Musikvideos, gerade die von Michael Jackson, waren damals ja noch eine große Sache. Für uns umso mehr, wir hatten nämlich bis zu unserem Umzug 1996 kein Kabelfernsehen, was bedeutete, dass wir MTV und VIVA nicht empfangen und damit auch fast keine Musikvideos sehen konnten. Ich erinnere mich auch daran, dass mein Vater einmal nach Hause kam und vollkommen beeindruckt davon erzählte, er habe bei einem Freund das Video zu Meat Loafs „I’d Do Anything For Love“ (Regie: Michael Bay!) gesehen. Natürlich hatte er danach gleich das dazugehörige Album gekauft (das ich wie die beiden Jackson-Alben irgendwann quasi beschlagnahmte und in meinen eigenen CD-Ständer stellte – ich habe die drei CDs noch heute). Jedenfalls überspielte ich mir „Thriller“ und „Dangerous“ auf Kassette, um die Alben mit meinem Walkman hören zu können, den ich glaube ich zum zwölften Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Dabei handelte es sich nicht um einen „echten“ Walkman, also nicht um ein Sony-Gerät, aber man konnte mit ihm auch Radio hören, was zumindest in dieser Kombination etwas Besonderes war. Ich kann mich nicht erinnern, die beiden Alben schon damals besonders häufig gehört zu haben oder bereits eine bewusste Vorliebe für Michael Jackson entwickelt zu haben, aber sie müssen sich irgendwie in mein Unterbewusstsein eingebrannt haben.

Im Juni 1995 erschien also Michael Jacksons neues Album „HIStory“. Über Michael Jackson wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht besonders viel. Ich war 13 Jahre alt, interessierte mich erst seit etwa einem Jahr aktiv für Musik und konnte wie erwähnt zuhause kein MTV gucken. An einem Samstag im Juni schlug mein Vater vor, zum TV Markt 2000 zu fahren, um Michael Jacksons neues Album zu kaufen. Der TV Markt 2000 war ein großer Elektronikmarkt in einer der umliegenden Gemeinden und genau wie Media Markt oder Saturn (damals noch Saturn Hansa) in unserer Familie ein beliebtes Wochenendausflugsziel. In meiner Erinnerung handelte es sich bei diesem Samstag um den Erscheinungstag von „HIStory“, vielleicht war das Album aber auch bereits einige Tage auf dem Markt (der 14.06.1995 war jedenfalls ein Mittwoch). Mein Vater und ich fuhren also in den Elektronikmarkt, kauften dort die Doppel-CD und füllten im Geschäft auch noch jeder eine Teilnahmekarte für ein Gewinnspiel aus. Als wir wieder zuhause waren, klingelte das Telefon und es meldete sich ein Mitarbeiter des Marktes. Mein Vater und ich hatten bei dem Gewinnspiel den ersten und zweiten Preis gewonnen: er eine Stereoanlage, ich einen Videorekorder! Wir konnten die Gewinne sofort abholen, mussten uns aber beeilen, da damals die Geschäfte an Samstagen noch um 13 oder 14 Uhr schlossen. Doch wir kamen noch rechtzeitig, um unsere Gewinne in Empfang zu nehmen, düsten wieder zurück nach Hause und tauschten dort unsere Gewinne: Da ich mir sowieso eine Stereoanlage gewünscht hatte, bekam ich die Anlage und mein Vater den Videorekorder. Tja, und der Rest ist HIStory… Ich hatte die Stereoanlage über neun Jahre lang in meinem Besitz und hörte dort vor allem sämtliche Jackson-Alben rauf und runter. Mit „HIStory“ nahm meine Jackson-Leidenschaft so richtig Fahrt auf. Ein paar Wochen später kaufte ich mir „Off The Wall“ und „Bad“ und hatte damit erst einmal die wichtigsten, damals erschienen MJ-Alben beisammen.

die deutsche

Die deutsche „Earth Song“ Maxi-CD.

Seitdem sind 20 Jahre vergangen. Michael Jackson hat nach „HIStory“ mit „Invincible“ noch ein weiteres volles Studioalbum veröffentlicht, aus dem wegen seiner Streitigkeiten mit Sony Musik jedoch kaum Musikvideos, Hitsingles und Performances hervorgegangen sind. Ich bin froh, 1995 zum Fan geworden zu sein und so wenigstens noch ein paar Jahre lang miterlebt zu haben, wie aufregend es war, auf eine neue Single oder ein neues Musikvideo zu warten bzw. diese ganz unvorbereitet zu entdecken. Denn damals – das Internet war bei mir noch nicht richtig angekommen – wusste ich oft gar nicht, dass etwa eine neue Single bevorstand. Ich weiß noch, wie ich einige Tage vor MJ’s Auftritt bei „Wetten dass…?“ die „Earth Song“-Maxi-CD zufällig im Geschäft entdeckte. Auf der Hülle prangte ein Aufkleber mit dem Hinweis „Der Song aus Wetten, dass…?“, allerdings lag der Auftritt in Thomas Gottschalks Sendung noch einige Tage in der Zukunft. Erst durch diese Entdeckung erfuhr ich überhaupt von der Singleauskopplung. Auch dass es von manchen Maxi-CDs verschiedene Versionen gab, entdeckte man oft nur durch das geduldige Durchsuchen der CD-Abteilungen in den Geschäften. Als ich 1998 im Frankreich-Urlaub in einem Laden, der gebrauchte CDs verkaufte, französische, in Pappschubern steckende Versionen von „You Are Not Alone“, „Earth Song“ und „They Don’t Care About Us“ ergatterte, war ich überrascht und überglücklich.

drei französische Singles

Drei französische Singles.

Gestern jährte sich Michael Jacksons Freispruch von den falschen Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs zum zehten Mal. Der australische MJ-Podcast „The MJCast“ hat dazu ein zweistündiges Interview mit Jacksons Anwalt Tom Mesereau geführt, das – wie alle Episoden des Podcasts – sehr hörenswert und informativ ist. Die 15 neuen Lieder auf der zweiten Disc von „HIStory“ beschäftigen sich bekanntlich zu einem großen Teil mit den Anschuldigungen von 1993, als Michael Jackson zum ersten Mal dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs ausgesetzt wurde. In „Scream“ setzen sich Michael und seine Schwester Janet gegen die Schmutzkampagnen der Medien zur Wehr, in „D.S.“ geht Michael persönlich mit Bezirkstaatsanwalt Tom Sneddon ins Gericht (dem Booklet zufolge steht „D.S.“ für „Dom Sheldon“, Michael singt aber hörbar „Tom Sneddon“) und in „Tabloid Junkie“ beklagt er sich über den Teufelkreis aus falschen Sensationsmeldungen und der Jagd nach immer höheren Auflagen und Einschaltquoten und fordert die Medienkonsumten auf, sich diesem Kreislauf schlicht zu verweigern: „To buy it is to feed it.“ (Lange Zeit dachte ich als Jugendlicher, der Song handele von MJ’s Tablettensucht, weil ich das in einer Zeitschrift gelesen hatte. Der Redakteur hatte das Lied wohl nicht genau angehört und nicht gewusst, dass „tabloid“ eine Bezeichnung für die Boulevardpresse ist.) Bei all den Aggressionen, die in vielen Liedern spürbar sind, finde ich es bezeichnend, dass Jackson das Album mit einer positiven Note enden ließ: mit seiner Version eines seiner Lieblingslieder, Charlie Chaplins „Smile“. „He starts the record with a scream, but ends it with a smile“, schreibt Brad Sundberg, der lange im Studio mit Jackson zusammen gearbeitet hat.

Der volle Titel des Albums lautet „HIStory – Past, Present and Future, Book I“. Ein „Book II“ ist nie erschienen, obwohl Michael nach den Jahren 2003 bis 2005 wohl Grund genug gehabt hätte, ein weiteres, sehr persönliches Album aufzunehmen. Während des Prozesses 2005 schrieb er zwar Songs, in denen er sich mit den Erfahrungen dieser Zeit auseinandersetzte, aber bekanntlich wurde zu seinen Lebzeiten keines der Lieder, an denen er nach „Invincible“ arbeitete, vollendet und veröffentlicht. „HIStory“ wurde 1995 beworben, als handele es sich um einen Kinoblockbuster. Michael drehte einen Kurzfilm, mit dem auf die Album-Veröffentlichung aufmerksam gemacht werden sollte und der soweit ich weiß auch im Kino zu sehen war (wer sich für die Interpretation dieses als „HIStory Teaser“ bekannten Werks interessiert, dem empfehle ich die drei sehr ausführlichen Blogposts auf dem „Dancing With The Elephant“-Blog). In mehreren europäischen Großstädten ließ Sony Music Statuen die vom Albumcover bekannten Michael Jackson aufstellen, unter anderem in London, wo eine davon auf der Themse schwamm. Michael Jackson gab zur Albumveröffentlichung eines seiner seltenen Interviews. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau Lisa Marie Presley stellte er sich live im Fernsehen den Fragen von Diane Sawyer, die sich natürlich wie die meisten Journalisten kaum für die neue Musik interessierte, sondern Fragen stellte wie die, ob Michael und Lisa wirklich Sex miteinander hätten… (Auch zu diesem Interview gibt es eine sehr interessante Analyse.) Im September legte Michael einen spektakulären, 15-minütigen Auftritt bei den MTV Video Music Awards hin, der zu seinen besten Auftritten zählt: Wenn ich schon bei spektakulären Auftritten bin, darf ich natürlich auch Michaels Performance bei „Wetten, dass…?“ nicht vergessen, wo er die Halle zunächst mit „Dangerous“ und dann mit „Earth Song“ zum Beben brachte. Dieser Auftritt brachte ihm auch endlich seine erste Nummer 1-Single in Deutschland ein – „Earth Song“ blieb sechs Wochen auf dem Spitzenplatz. Auch die nächste Singleauskopplung „They Don’t Care About Us“ schaffte es hierzulande ganz nach oben in die Charts. Rückblickend hätte ich mir gerne noch weitere Singleauskopplungen aus „HIStory“ gewünscht. Insgesamt wurden sechs Titel als Singles ausgekoppelt (wenn man von den nicht käuflich erwerbbaren Promo-Singles einmal absieht), einer davon („HIStory“) jedoch nur als Remixversion und ohne richtig neues Musikvideo. Bemerkenswert ist die (für damalige Verhältnisse nicht ungewöhnliche) lange Lebensdauer des Albums. Durch die erst im September 1996 gestartete und über ein Jahr dauernde HIStory Tour und die zwischenzeitliche Veröffentlichung des Remixalbums „Blood On The Dance Floor – HIStory in the Mix“ wurde das Album über zwei Jahre lang aktiv beworben. Mit „Smile“ war zumindest eine weitere Singleauskopplung 1997 noch geplant gewesen, die jedoch wieder zurück gezogen wurde. Die wenigen bereits produzierten Promo-CDs sind heute ein begehrtes Sammlerstück (ich besitze leider keine). Besonders schade finde ich es, dass „2 Bad“ nicht als Single veröffentlicht wurde. Es ist eines der drei Lieder, die im knapp 40-minütigen Film „Ghosts“ vorkommen, der ursprünglich sogar als Musikvideo ganz allein für diesen Song geplant war. Es handelt sich dabei übrigens nicht um eine Fortsetzung von „Bad“, auch wenn das Wortspiel im Titel dies andeutet. Stattdessen setzt sich Michael hier ein weiteres Mal gegen all die Anschuldigungen zur Wehr, denen er ausgesetzt war.

Vor kurzem habe ich mir „HIStory“ wieder einmal angehört. Ich höre eigentlich so gut wie jeden Tag Musik von Michael Jackson, aber eben meistens auf dem iPod oder dem Laptop und in zufälliger Reihenfolge. Schon lange habe ich kein ganzes Album mehr am Stück gehört, so wie ich das früher oft getan habe. Genau das habe ich aber neulich getan: Die CD in den Player geschoben, mir gute Kopfhörer aufgesetzt und das Album vom ersten bis zum letzten Song durchgehört. In gewisser Weise war es, als hörte ich das Album zum ersten Mal. So viele Details gehen beim Anhören von mp3s auf dem Laptop oder mit kleinen iPod-Ohrstöpseln verloren und gerade Michael Jacksons Musik ist ja bekannt dafür, dass sie in teils jahrelanger Studioarbeit mit viel Liebe zum Detail aufgenommen und produziert worden ist. Ich habe so viele Dinge in den Liedern entdeckt, die ich schon lange nicht mehr – oder manchmal sogar noch nie – gehört habe.

die deutsche Erstveröffentlichung des

Die deutsche Erstveröffentlichung des „HIStory“-Albums (für eine größere Ansicht auf das Bild klicken).

A propos Details, von „HIStory“ existieren – wie von allen Jackson-Alben – verschiedene Versionen, die sich nicht nur äußerlich unterscheiden, sondern zum Teil auch inhaltlich. Wer das Album 1995 in Deutschland gekauft hat, der wird vielleicht genau wie ich eine Version der auf 500.000 Exemplare limitierten Erstauflage besitzen, die mit einem Aufkleber versehen war (siehe Foto). Die „persönliche Botschaft“ an seine deutschen Fans befindet sich als 16. Track auf der ersten CD. Neben Deutschland bekamen auch Frankreich und Holland eine eigene Botschaft von Michael. Außer dem Booklet lag der Erstauflage noch ein Flyer bei, mit dem man T-Shirts und anderes offizielles Merchandise bestellen konnte. (Übrigens besitze ich das Album, das mein Vater damals 1995 gekauft hat, schon seit einigen Jahren nicht mehr. Durch den jahrelangen fast täglichen Gebrauch ist irgendwann die Hülle kaputt gegangen, sodass ich das Album irgendwann leider weggeschmissen und mir bei Ebay ein anderes Exemplar der Erstauflage besorgt habe.) Neben diesen äußeren Besonderheiten bietet die Erstauflage des Albums auch ein paar inhaltliche: „They Don’t Care About Us“ liegt hier noch in der usprünglichen Version, bei der die Worte „jew“ und „kike“ noch nicht durch Geräusche unhörbar gemacht worden waren. (Für die Singleversion des Songs wurde zusätzlich der erste Refrain des Songs verändert. In der Albumversion singt Michael ihn alleine, in der Singleversion zusammen mit dem Chor, genau wie auch im späteren Verlauf des Songs.) Ein weiterer Unterschied betrifft den Titelsong des Albums: Auf der ursprünglichen Fassung beginnt das Lied mit einem Auszug der Orchesterfassung von Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, der später durch ein anderes, ähnlich klingendes Stück ersetzt wurde (den Grund dafür kenne ich nicht). „Come Together“ liegt auf „HIStory“ leider nur in einer gekürzten Version vor (dabei hätten doch noch zwei Minuten mehr auf die CD gepasst). Die ursprüngliche, fast fünfeinhalb Minuten lange Fassung des Liedes wurde 1992 auf der Maxi-CD zu „Remember The Time“ veröffentlicht. Dass Michael den Song 1995 auf das Album packte, obwohl er ihn zuvor bereits veröffentlicht hatte, finde ich sehr interessant. Auch „You Are Not Alone“ ist auf „HIStory“ nicht in voller Länge zu hören, zumindest ist die 2004 auf der „Ultimate Collection“ veröffentlichte Fassung des Songs tatsächlich um etwa 15 Sekunden länger (es wird später ausgeblendet).

die beiden Discs des

Die beiden Discs des „HIStory“-Albums als Einzel-CD-Ausgaben.

„HIStory“ ist fast überall nur als Doppelalbum erschienen. Zwar wurde 2001 die erste CD des Albums als separates Greatest Hits-Album unter dem Titel „Greatest Hits – HIStory Volume I“ in den Handel gebracht, die zweite Disc – also das eigentlich neue Album – erschien jedoch nie als einzelne CD. Das dachte ich zumindest bis vor ein paar Jahren, als ich im Internet auf eine spezielle, in Italien veröffentlichte „HIStory“-Version stieß. Dabei handelt es sich um eine Einzel-CD, die nur aus der zweiten Disc besteht – diese ist allerdings nicht gold, wie die ursprünglichen „HIStory“-CDs, sondern in normalem „CD-Silber“ gehalten. Ich bin ja eigentlich niemand, der jede einzelne mal irgendwo auf der Welt veröffentlichte Fassung eines Albums sammelt, aber diese Version musste ich mir dann doch kaufen.

die italienische Single-Disc-Version von

Die italienische Single-Disc-Version von „HIStory“ mit silberner CD.

Mit „HIStory“ bin ich also zum Michael Jackson-Fan geworden. Mein Lieblingsalbum ist „Dangerous“, aber jetzt – nachdem ich mir „HIStory“ wieder einmal ganz angehört habe – ist mir erneut bewusst geworden, was für ein Meisterwerk auch dieses Album ist. Als es 1995 erschien, taten die Medien das Album fast ausnahmslos als Musik eines paranoiden und größenwahnsinnigen Spinners ab, der seine besten Zeiten hinter sich hatte. Dass Michael Jackson sich durchaus künstlerisch weiter entwickelt hatte und auf „HIStory“ einige seiner besten Lieder („Earth Song“, „Stranger In Moscow“) veröffentlichte, wollten oder konnten damals die Wenigsten sehen. Neben der geradezu unverstellbar detailverliebten Produktion der Songs ist auch die Zusammenstellung der Lieder bemerkenswert. Wütende Aufschreie gegen die Medien („Scream“, „Tabloid Junkie“) stehen neben einem Protestsong, der sich für die Rechte der Armen und Benachteiligten einsetzt („They Don’t Care About Us“). Ein intimer Blick in Jacksons manchmal so einsame Seele („Stranger In Moscow“), eine sämtliche Konventionen der Popmusik sprengende Hymne für den Planeten („Earth Song“) und sogar eine klassisch instrumentierte Ballade über Kindesmisshandlung (!) („Little Susie“) finden sich ebenfalls auf dem Album. Dann gibt es noch einen Sprechgesang gegen Gier und Korruption („Money“), einen simplen und aggressiven Rocksong, in dem Michael seine Wut über Tom Sneddon herausschreit („D.S.“), ein funkiges R&B-Stück, mit dem Michael Tom Sneddon, Evan Chandler & Co. quasi die Zunge raustreckt („This Time Around“), eine ganz konventionelle Liebesballade („You Are Not Alone“), eine sehr gelungene Beatles-Coverversion („Come Together“), einen weiteren intimen Blick in Michaels Seelenleben und sein wohl persönlichstes Lied („Childhood“), eine aggressive Funk/R&B-Tanznummer („2 Bad“) und ein mit Zitaten angereichertes, in den Strophen zackig-trotziges und im Refrain euphorisch-hymnisches Stück, das sich wie der Albumtitel sowohl auf Michael Jackson persönlich als auch auf den Zustand der Welt im Allgemeinen beziehen lässt („HIStory“). Zum versöhnlichen Abschluss dann Michaels grandiose Version von „Smile“.

„HIStory“ ist sicherlich Michael Jacksons vielseitigstes Album. Er wechselt darauf zwischen so vielen Genres und Stilen hin und her, dass der Begriff „Popalbum“ fast schon nicht mehr auszureichen scheint. Wenn man dem Album eines vorwerfen kann, dann dass es uneinheitlich ist. Im Gegensatz zu „Dangerous“, das sich trotz auch dort vorhandener Genrewechsel wie aus einem Guss anhört, ist „HIStory“ eine Zusammenstellung höchst unterschiedlicher Stücke, die auf den ersten Blick nicht immer zusammenpassen wollen. Michael hätte sich dafür entscheiden können, erst einmal nur ein Album voller aggressiver, funkiger Songs herauszubringen. Doch er dachte jenseits von Genregrenzen, Musik war für ihn Musik und ein guter Song ein guter Song. Zudem waren ihm viele Lieder auf „HIStory“ sicherlich wegen ihrer Botschaft sehr wichtig. Der fehlende musikalische rote Faden ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass er hier noch mehr als bei „Dangerous“ mit mehreren unterschiedlichen Produzenten arbeitete. Erstmals produzierte er allerdings auch einige Titel ganz alleine (z.B. „Stranger In Moscow“, „Little Susie“, „They Don’t Care About Us“). „HIStory“ ist wahrlich ein monumentales Album, ein in seinem Umfang extrem ehrgeiziges Werk, aber auch eines, das Michael Jackson auf dem Höhepunkt seines musikalischen Schaffens zeigt und intime Blicke in seine Sicht auf die Welt – nicht nur auf seine Welt – ermöglicht. Leider hat der Michael Jackson Estate das Jubiläum des Albums vollkommen ignoriert. Wir warten also erst einmal auf den 25. Jahrestag des Albums – vielleicht erwartet uns ja dann die Jubiläumsedition mit Demoversionen, unveröffentlichten Stücken und Hintergrundmaterial (allerdings bezweifliche ich das). Bis dahin höre ich einfach das Original-Album wieder und wieder an – es gibt darin noch so vieles zu entdecken.