Das war 2013 – Mein persönlicher Film- und Serienrückblick

Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr ist so gut wie vorbei, da wird es Zeit für einen Jahresrückblick. Das dachte ich mir jedenfalls vor ein paar Tagen, schließlich habe ich schon lange nichts mehr gepostet und zwar einige neue Blogposts in Arbeit, die aber aus verschiedenen Gründen (welche sich alle unter dem Überbegriff Prokrastination zusammenfassen lassen) alle noch nicht fertig sind. Also beuge auch ich mich dem momentanen Trend und schreibe meinen persönlichen Film- und Serienjahresrückblick 2013.

Die besten Filme des Jahres

Zum ersten Mal habe ich 2013 eine Liste über alle Filme geführt, die ich mir in diesem Jahr angeschaut habe, ganz egal ob im Kino oder zuhause, ganz egal ob brandneuer Blockbuster oder jahrzehnte alter Klassiker. Die Anzahl verrate ich nicht, aber es waren definitiv zu wenige. Noch weniger als in den letzten Jahren habe ich es 2013 geschafft, alle neuen Filme, die ich mir anzuschauen vorgenommen habe, auch zu sehen. Das lag vor allem daran, dass ich in den letzten Wochen kaum Zeit hatte, wie wild in die Videothek und ins Kino zu rennen, um auch wirklich alle wichtigen Filme des Jahres nachzuholen. Am produktivsten war ich in dieser Hinsicht wie in jedem Jahr während des „Filmfest München“ – 23 Filme habe ich dort innerhalb von acht Tagen gesehen (und hier darüber geschrieben). Darunter war mit „Blau ist eine warme Farbe“ („La vie d’Adèle“, seit Donnerstag deutschlandweit im Kino) einer der besten Filme des Jahres. Abdellatif Kechiches Beziehungsdrama mit Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux erzählt so direkt, ungekünstelt und ehrlich von den Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung und wartet mit zwei so guten und faszinierenden Hauptdarstellerinnen auf, dass ich auch nach knapp drei Stunden noch nicht genug davon kriegen konnte. Eine weitere Filmfestentdeckung war die Dokumentation „Jodorowsky’s Dune“, die vom letztendlich gescheiterten Versuch des chilenischen Kultregisseurs Alejandro Jodorowsky erzählt, Frank Herberts SciFi-Saga „Dune“ zu verfilmen. Für Fans des Buches, aber auch für Filminteressierte lohnt sich ein Blick auf diesen Film auf jeden Fall, denn die Version von „Dune“, die Jodorowsky vorschwebte, war eine in jeder Hinsicht große und in mancher Hinsicht vielleicht auch größenwahnsinnige. Hoffentlich findet dieser Film zumindest auf DVD auch seinen Weg nach Deutschland.

Wenn man unter einem perfekten Kinoerlebnis die Erfahrung versteht, für die Dauer eines Filmes die Realität um sich herum vollkommen zu vergessen und in eine andere Welt transportiert zu werden, dann ist Alfonso Cuaróns „Gravity“ für mich das perfekte Filmerlebnis schlechthin. Selten zuvor hat ein Filmemacher die handwerklichen Werkzeuge des Films – in diesem Fall unter anderem den 3D-Effekt – so geschickt und stimmig in den Dienst einer dazu passenden Geschichte gestellt. Die phänomenale Kamera- und Schnittarbeit des Films vermittelt dem auf dem Erdboden verhafteten Zuschauer auf die bestmögliche Weise den Eindruck, mit Sandra Bullock und George Clooney im Weltraum zu schweben. Das Erlebnis, das dieser Film bietet ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Als ich aus dem Kino kam, hatte ich noch minutenlang einen federnden, leichten Gang, weil ich tatsächlich zu einem gewissen Grad das Gefühl hatte, aus der Schwerelosigkeit zurück auf die Erde zu kommen. Praktisch den ganzen Film über ging mein Mund vor Staunen gar nicht mehr zu – „Gravity“ ist für mich ganz klar der beste Film des Jahres. Dieses Filmerlebnis hätte nur dann noch besser sein können, wenn Cuarón den Film in HFR, also mit mindestens 48 Bildern pro Sekunde gedreht hätte (so wie Peter Jackson seine beiden „Hobbit“-Filme). Dann wäre bei Kameraschwenks nämlich kein Verwischungs-Effekt aufgetreten und wirklich überhaupt nichts hätte mich noch daran erinnert, dass ich da „nur einen Film“ sehe.

Von ganz anderer Art und vollkommen dem Erdboden verhafet, ja wie mitten aus dem Leben gegriffen, sind die „Before…“-Filme von Richard Linklater, über die ich im April gebloggt habe. „Before Midnight“ war einer meiner meisterwarteten Filme des Jahres und hat mich nicht enttäuscht. Auf gewohnt hohem Niveau führen Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke fort, was sie 1995 begonnen haben. Konsequent wird die Geschichte von Jesse und Céline, die sich einst im Zug kennen gelernt haben, hier weitererzählt. Delpy und Hawke dabei zuzusehen, wie sie in scheinbarer Verschmelzung mit ihren Figuren die grandiosen Dialoge zum Leben erwecken, gehörte zu den Höhepunkten meines Filmjahres. Und dann wieder dieses Ende…!

Ganz klar ein weiterer Höhepunkt für mich war „Star Trek Into Darkness“. In meinem Fall ist J.J. Abrams Plan voll aufgegangen: Je weniger die Zuschauer vor dem Kinobesuch über einen Film wissen, umso mehr kann man sie überraschen. Da ich vollkommen ungespoilert in das neue Trek-Abenteuer ging, konnte mich die zentrale Enthüllung des Films auch tatsächlich überraschen und schockieren! Auch den Rest des Films habe ich ausnahmslos genossen; „Star Trek Into Darkness“ ist für mich ein fast perfektes SciFi-Abenteuer (jetzt werden wieder einige maulen, dass es in „Star Trek“ ja eigentlich um mehr gehen soll, als nur um Abenteuer, aber dazu habe ich ja bereits in meinem Post zum Film etwas geschrieben).

Wo ich gerade bei großen Abenteurn bin: Auch Peter Jacksons zweiter „Hobbit“-Film gehört für mich zu den besten des Jahres, auch wenn ich mir nach der zweiten Sichtung des Films nicht mehr ganz sicher bin, ob ich ihn wirklich in meine Top Ten einordnen würde. Mit der Szene, in der Bilbo und die Zwerge verfolgt von Orks und Elben in Fässern den Fluss hinuntertreiben, liefert er auf jeden Fall eine der kreativsten und unterhaltsamsten Actionszenen seit Jahren ab und wartet zudem mit einem Showdown auf, der mir ein breites Grinsen der Bewunderung und des Staunens ins Gesicht zauberte. Ich gebe ja zu, dass ich eine Schwäche für Jacksons Actionsszenen habe, die oft überlang und „over the top“ sind, aber mit den genannten zwei Sequenzen hat er sich tatsächlich noch einmal selbst übertroffen (was für all diejenigen, die den Film nicht mochten, natürlich als Argument gegen ihn angeführt werden kann). „The Desolation of Smaug“ hat definitiv seine Schwächen, aber zumindest beim ersten Mal hatte ich so viel Spaß im Kino, wie schon lange nicht mehr und habe sogar spontan applaudiert.

Ebenfalls zum Lachen und Staunen gebracht hat mich zu Beginn des Jahres Tim Burtons „Frankenweenie“. Endlich mal wieder ein Tim Burton-Film, bei dem der Regisseur ohne Rücksicht auf den Massengeschmack seine Vision auf die Leinwand bringen konnte! Hier konnte Burton seine Kreativität voll ausleben und hat nach dem von ihm erdachten „Nightmare Before Christmas“ und „Corpse Bride“ erneut einen Stop Motion-Animationsfilm voller herrlich verrückter, aber emotional authentischer Figuren geschaffen. Zusätzlich ist „Frankenweenie“ eine Hommage an alte Horrorstreifen und zitiert zahlreiche Klassiker des Genres, was das Vergnügen für Filmfans noch größer macht. Auch Steven Spielbergs „Lincoln“ kam in Deutschland zu Beginn des Jahres in die Kinos und zählt wahrscheinlich zu den besten Filmen des Regiegroßmeisters. Ich schreibe „wahrscheinlich“, weil ich den Film nur einmal gesehen habe und ihn mir noch einmal anschauen muss, um mir ein klareres Bild zu verschaffen. Das herrvoragende Drehbuch, das detaillierte und überzeugende Set- und Kostümdesign und in erster Linie Daniel Day Lewis‘ wirklich phänomenales Schauspiel machen diesen Film aber auf jeden Fall zu einem der besten des Kinojahres.

Quentin Tarantino nahm sich mit seinem „Django Unchained“ ebenfalls dem Thema Sklaverei in den USA an und gewann für das Drehbuch verdientermaßen einen Oscar. Ob man auch Christoph Waltz nach seiner Auszeichnung für „Inglorious Basterds“ erneut einen Goldjungen überreichen musste, darüber kann man streiten. Fest steht, dass es extrem unterhaltsam war, Waltz und auch dem hervorragend fiesen Leonardo DiCaprio hier zuzusehen. Der Film hatte hier und da ein paar Längen und komischerweise ist mir Jamie Foxx‘ Django viel weniger in Erinnerung geblieben als die Figuren von Waltz, DiCaprio, Samuel L. Jackson oder Don Johnson, aber insgesamt handelt es sich trotzdem um einen der besten Filme des Jahres.

Großartiges Schauspielkino der ganz anderen Art bot der dänische Film „Die Jagd“ von Thomas Vinterberg, der hier erstmals mit Mads Mikkelsen („Casino Royale“) zusammen arbeitete. Mikkelsen spielt einen Kinderpfleger, der eines Tages zu Unrecht verdächtigt wird, sich sexuell an einem kleinen Mädchen vergangen zu haben. Die ruhige Inszenierung, das intelligente Drehbuch und das sehr gute Schauspiel Mikkelsens und der Nebendarsteller (inklusive des kleinen Mädchens) machen diesen Film zu einem sehr sehenswerten Stück Kino, das zum Nachdenken anregt. Ähnliches gilt für „Flight“, Robert Zemeckis‘ lang erwartete Rückkehr zum Realfilm. Nach „Cast Away“ (2000) und „What Lies Beneath“ („Schatten der Wahrheit“, 2001) hatte es sich der Regisseur zur Aufgabe gemacht, die Motion Capture-Technologie zu erforschen. Seine Filme „Der Polarexpress“, „Die Legende von Beowulf“ und seine Version von Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“ waren allerdings weder besonders gut, noch konnten sie eine klare Antwort auf die Frage geben, warum man nun unbedingt Tom Hanks in einem Film fünf verschiedene Rollen spielen lassen muss, bloß weil es technisch möglich ist. (Sinnvoll eingesetzt und weiterentwickelt wurde Motion Capture schließlich von anderen, allen voran Peter Jackson mit Gollum im „Herrn der Ringe“, James Cameron bei „Avatar“ und auch Spielberg und Jackson bei „Tim & Struppi“). In Flight hat sich Zemeckis jedenfalls wieder auf seine alten Stärken zurück besonnen und ein Stück Kino abgeliefert, das zwar technisch und handwerklich brilliant ist, dies jedoch nicht zum Mittelpunkt und Selbstzweck macht. Auch Denzel Washingtons zu recht oscarnominiertes Schauspiel setzt eher auf Zurückhaltung statt Übertreibung und ist gerade deshalb so effektiv.

Was gab es sonst noch so für tolle, erwähnenswerte Filme? Da wäre Paul Thomas Andersons „The Master“, der sicherlich keine leicht zugängliche Kost darstellt, aber schon allein wegen der Schauspielleistungen seiner Hauptdarsteller sehenswert ist. Das gleiche kann man von „Prisoners“ behaupten, einem Film, dessen Düsternis meine Stimmung ganz schon in den Keller gezogen hat, in dem Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal aber voll überzeugen konnten. Äußerst begeistert war ich auch nach dem Anschauen von „Die fantastische Welt von Oz“, allerdings habe ich den starken Verdacht, dass sich das ändern würde, sollte ich den Film irgendwann ein zweites Mal sehen. Woody Allens „Blue Jasmine“ ist definitiv einer der stärkeren Filme des Regisseurs, wenn auch wie die meisten seiner Werke von zahlreichen Klischees durchzogen. Doch schon allein Cate Blanchetts Darstellung der titelgebenden Jasmine war den Kauf der Eintrittskarte wert und ich tippe mal darauf, dass sie für diese Rolle ihren zweiten Oscar erhalten wird. Tolles Schauspielkino gab es auch in „Saiten des Lebens“ („A Late Quartet“) zu sehen, in dem Christopher Walken, Philipp Seymour Hoffman, Catherine Keener und Mark Ivanir die Mitglieder eines Streichquartetts spielen, die sich unter anderem damit auseinandersetzen müssen, dass einer von ihnen an Parkinson erkrankt ist. Ach ja, und dann war doch noch „World War Z“, der von allen bisher genannten Filmen zwar der am wenigsten beeindruckende ist, den ich hier aber dennoch aufführen möchte, weil er ganz einfach so viel besser war als man erwartet hatte. Vielleicht steckte ja eine besondere Marketingstrategie des Studios dahinter – erst monatelang Informationshäppchen darüber in die Welt setzen, wie chaotisch die Dreharbeiten verlaufen und wie uneinig sich die Beteiligten über die Richtung sind, die der Film einschlagen soll, um dann am Ende mit einem zwar bei weitem nicht perfekten, aber eben doch ordentlichem und unterhaltsamen Zombie-Actionfilm zu überraschen.

Die bewegendste Schauspiellelistung des Jahres kam dieses Mal von Anne Hathaway in „Les Misérables“. Während ich den Film als ganzen nur mittelmäßig fand, hat mich ihre Darbietung von „I Dreamed A Dream“ selbst dann noch zu Tränen gerührt, wenn ich das Lied nur gehört habe. Ihre gesanglich nicht perfekte, aber gerade deswegen emotional so berührende Darbietung dieser Szene hat ihr vollkommen zu Recht den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle eingebracht. Und das schreibe ich nicht nur, weil ich Anne Hathaway neben Rebecca Hall für die schönste Schauspielerin der Welt halte und einen Anne Hathaway-Adventskalender an der Wand hängen habe! 😉

Weitere persönliche Filmhöhepunkte

Schließlich möchte ich noch ein paar Filme nennen, die zwar zum Teil schon älter sind, die ich aber 2013 zum ersten Mal gesehen habe und die ebenfalls zu meinen filmischen Höhepunkten zählten: Da wäre zunächst Hitchcocks „Psycho“, das ich tatsächlich erst dieses Jahr nachgeholt habe (als Vorbereitung auf „Hitchcock“, der von der Entstehung von „Psycho“ erzählt, aber leider eher durchwachsen ausgefallen ist). Auch „Der Zauberer von Oz“ habe ich erst 2013 zum ersten Mal gesehen (und zwar einige Tage nach dem Kinobesuch von „Die fantastische Welt von Oz“) und mich nicht nur sofort in den Film verliebt, sondern beim Anschauen auch endlich die zahlreichen Anspielungen auf den Film, die in vielen anderen Filmen und Liedern vorkommen, verstanden. Nach dem extrem enttäuschenden fünften „Stirb Langsam“-Film (siehe unten) habe ich auch endlich die mir noch fehlenden ersten beiden Teile der Reihe angeschaut und war überrascht davon, dass Teil 1 ja noch gar nicht so ein Actionfeuerwerk ablieferte, wie es vor allem die letzten beiden Filme taten. Die Stärken des Films liegen anderswo und gerade deswegen ist er so verdammt gut (Teil 2 dagegen konnte ich schon sehr viel weniger abgewinnen). Besser spät als nie habe ich 2013 auch endlich erkannt, was für ein erzählerisches Genie Joss Whedon ist. Mit seinem Werk war ich bisher kaum vertraut, nachdem ich aber den von Whedon geschriebenen und wirklich genialen „The Cabin In The Woods“ gesehen habe, verneige ich mich vor seiner Fähigkeit, uns mit der Dekonstruktion eines ganzen Genres zu unterhalten.

Auf dem Fantasy Filmfest habe ich in diesem Jahr drei Filme gesehen, von denen „The Philosophers“ der beste war. James D’Arcy spielt darin als Lehrer mit seiner Philosophieklasse ein Gedankenexperiment duch, das grausam endet. Nebenbei erfahren wir auch noch, auf welche weiterführende Schule Ginny Weasly aus den „Harry Potter“-Filmen nach ihrem Hogwarts-Besuch gegangen ist, deren Darstellerin Bonnie Wright spielt hier nämlich eine Schülerin. Ein Film, über den ich vorher so gut wie nichts wusste und der mich dann sehr beeindruckt hat, war Anton Corbijns Musikbiographie „Control“ (2007) über die Band Joy Divison und das tragisch kurze Leben ihres Leadsängers Ian Curtis. Sehr sehenswert! Auch einige Filme der Vorjahre habe ich 2013 noch nachgeholt: Darunter enttäuschende wie „Das Bourne Vermächtnis“, aber auch sehr gute wie „Ruby Sparks“, „Cloud Atlas“, „Chronicle“  oder Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ (2011). Letzterer hat mich emotional so sehr mit genommen, wie es nur ganz, ganz wenige Filme schaffen. Auf schonungslos offene Weise und ohne irgendetwas zu verbergen oder zu beschönigen erzählt Dresen darin die Geschichte einer deutschen Mittelstandsfamilie, deren Familienvater an einem Gehirntumor leidet. Von der Diagnose bis zum Tod begleitet Dresen diese Familie, und wenn das hier so klingt als handele es sich um einen Dokumentarfilm, dann deswegen, weil dieser Film fast so wirkt. So nah ist man dabei den Figuren, dass es wirklich fast schon körperlich weh tut. Ganz intimes, aber gleichzeitig ganz großes Kino und von seiner Intensität und emotionalen Wucht her einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

Die schlechtesten und enttäuschendsten Filme des Jahres

Ich habe es oben schon angedeutet: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ ist für mich die Filmgurke des Jahres. Ein über weite Strecken einfach nur peinlicher und höchstens unfreiwillig komischer Film. Warum, habe ich ja in meinem Post zum Film schon geschrieben. Auch „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ konnte ich fast nichts Positives abgewinnen. Kaum zündende Gags, eine wirklich schwache Inszenierung und teils lustlos wirkende Darsteller – mehr will ich dazu nicht mehr sagen. Warum ich mir „The Last Stand“ mit Arnold Schwarzenegger angeschaut habe, weiß ich selbst nicht so genau. Ich weiß nur, dass ich drei Abende dafür gebraucht habe, weil ich mir den Film einfach nicht an einem Stück antun konnte. Leider auch ziemlich daneben fand ich Sofia Coppolas „The Bling Ring“, der eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung der immer gleichen Szenen und Bilder bestand. Dass diese dann zum Teil recht ästhetisch anzuschauen waren, hat dem Ganzen auch wenig geholfen. Die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möche ich wegen „Man of Steel“. Dieses Superman-Reboot hat einen (optisch) wahnsinnig schönen Anfang, versucht aber leider, sich im weiteren Verlauf nur dadurch zu steigern, dass immer größere Häuser kaputt gemacht werden. Kann bitteschön mal irgendjemand Zack Snyder dazu zwingen, eine mit minimalem Budget ausgestattete Verfilmung eines Theaterstücks zu drehen, damit der Mann lernt, dass es auch im Kino auf interessante, emotional authentische Figuren und deren Beziehungen und Konflikte ankommt und nicht nur darauf, alles möglichst bunt und laut zu machen?

Dann waren da noch die beiden Filme über Terroristen, die das weiße Haus angreifen, von denen ich bis jetzt nur einen gesehen habe („Olympus Has Fallen“). Der war so belanglos und uninteressant, dass ich ihn größtenteils schon wieder vergessen habe. Baz Luhrmanns „Der große Gatsby“ dagegen war zwar nicht wirklich schlecht, kam aber auch nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Und von den großen Comicverfilmungen des Jahres habe ich zwar noch gar nicht alle gesehen, „Iron Man 3“ fand ich aber wesentlich weniger gut als die meisten anderen ihn fanden und „The Wolverine“ hatte zwar interessante Ansätze, scheiterte aber leider daran, diese auch zu einer interessanten und schlüssigen Geschichte zusammen zu packen.


Mein Serienjahr 2013

Alle Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe, habe ich wie erwähnt in einer Liste festgehalten. Bei den Serien habe ich das noch nicht gemacht, deswegen fällt es mir schwer, mich überhaupt noch an alle Serie zu erinnern, die ich in diesem Jahr gesehen habe. In den letzten zwei oder drei Monaten habe ich wenig Serien (und auch Filme) angeschaut, im Frühjahr und Sommer dagegen mehr. Eine Serie, mit der ich in diesem Jahr neu begonnen habe, war J.J. Abrams‘ „Alias“ (ich habe auch mehrmals darüber gebloggt, zuletzt hier). Die größten Pluspunkte der Serie sind ganz klar Jennifer Garners charismatische und energiegeladene Darstellung von Sidney Bristow und das hohe Erzähltempo, das den Zuschauer gar nicht zur Ruhe kommen lässt (und so auch den ein oder anderen Logikfehler verschleiert). Wirklich süchtig gemacht, so wie „Lost“, hat mich „Alias“ allerdins nicht, so dass ich nach der zweiten Staffel erst einmal abgebrochen habe. Ich möchte zwar irgendwann weiter schauen, aber es gibt halt noch viele andere tolle Serien. „True Blood“ gehört dazu nur bedingt. Während die erste Staffel aufgrund ihrer erfrischend ungekünstelten Darstellung des Fantastischen (das ist ein Euphemismus für „die Serie ist ziemlich erwachsen und brutal“ 😉 ) und der sozialkritischen Elemente überzeugen konnte, wanderten in den folgenden Staffeln leider die Soap-Elemente immer mehr in den Vordergrund, bis es irgendwann egal war, was in der Serie passierte, solange irgendetwas passierte. Die fünfte Staffel, die ich mir dieses Jahr angesehen habe, war zwar wieder besser als die vierte, aber ich bin und bleibe skeptisch. Die sechste und finale siebte Season werde ich mir wohl trotzdem noch ansehen.

Auch bei „Dexter“ handelt es sich um eine Serie, die wahnsinnig toll angefangen hat und irgendwann zwar nicht schlecht, aber doch recht belanglos wurde. Für mich kam dieser Punkt zwar später als für viele andere Zuschauer, nachdem ich dieses Jahr die vorletzte siebte Staffel gesehen habe, muss ich aber definitiv sagen, dass es besser gewesen wäre, die Serie schon nach fünf oder sechs Staffeln zu beenden und einige Entwicklungen, die erst in den späteren Staffeln stattfinden, etwas vorzuziehen. Immer noch faszinierend finde ich „Downton Abbey“. Die meisten der vielen hochgelobten Serien der letzten Jahre haben sich ja einige entscheidende Merkmale des Genres der Soap Opera zu eigen gemacht, „Downton Abbey“ dagegen erhebt diese von der Kritik eigentlich verachtete Form zum Hauptprinzip und feiert trotzdem bei Publikum, Preisverleihungen und Kritikern große Erfolge. Das liegt zum einen daran, dass hier anders als in vielen Daily Soaps erstklassige Schauspieler am Werk sind und natürlich auch daran, dass von „Downton Abbey“ nur sieben oder acht Folgen im Jahr produziert werden. Nachdem ich dieses Jahr die dritte Staffel und das daran anschließende Christmas Special gesehen habe, finde ich es schade, dass so viele Charaktere aus der Serie herausgeschrieben werden mussten, weil deren Darsteller aussteigen wollten. Die große Anzahl an tragischen Toden von Hauptfiguren tut der Serie nicht gut, aber schon allein wegen der großen Maggie Smith, die in jeder Folge einen großartigen Onliner bekommt, lohnt es sich, die Serie weiter anzuschauen. Auch der TV-Mehrteiler „Political Animals“ über eine an die Clintons angelehnte US-Politikerfamilie entpuppte sich in seiner schnellen Folge von Ereignisse wie Drogenmissbrauch, Seitensprüngen und Selbstmordversuchen leider als ziemlich Soap-lastig; genau wie bei „Downton Abbey“ fand ich das aber nicht schlimm, weil auch hier die Schauspieler (Cirián Hinds, Sigourney Weaver) großartig sind und das Ganze eben nur sechs Folgen lang dauerte. Aaron Sorkins „The Newsroom“ hat ähnliche Schwächen, wenn sie auch nicht so stark ausgeprägt sind. Erwartungsgemäß punktet die Serie mit ihren bisweilen messerscharfen Dialogen, die die Darsteller immer wieder zu Höchstleistungen antreiben.

Zu Beginn des Jahres habe ich mir eine zeitlang die Science Fiction-Kultserie “V – Die außerirdischen Besucher kommen” angeschaut, aber nach etwa zwei Dritteln abgebrochen. Vom Remake der Serie, das vor vor drei Jahren unter dem Titel „V – Die Besucher Premiere feierte und es nur (oder immerhin, je nach Sichtweise) auf zwei Staffeln brachte, habe ich mir die erste Staffel besorgt und komplett angesehen. Unbedings weiter schauen muss ich hier aber auch nicht. Viel besser gefallen hat mir als großem „Star Wars“-Fan natürlich die vierte Staffel von „Star Wars: The Clone Wars“. Gerade dass die Serie über ein so breites Spektrum an Charakteren verfügt und die unterschiedlichsten Geschichten erzählen kann, macht den Reiz dieser Serie aus, die zwar insgesamt auf ein jüngeres Publikum zugschnitten ist, aber auch sehr erwachsene Elemente beinhaltet. Momentan schaue ich mir die fünfte Staffel an und werde vielleicht auch dazu etwas schreiben.

Eine Serie, die ich von der ersten bis zur letzten Folge gesehen habe, war „Fringe“. Das Konzept der Science Fiction-/Mystery-Serie stammt mal wieder aus der Feder von J.J. Abrams. Mit der fünften Staffel bekamen die Macher der Serie die Gelegenheit, den sich durch alle Folgen ziehenden Handlungsbogen abzuschließen und ihrer Serie ein würdiges Ende zu verpassen. „Fringe“ zählt zwar nicht zu meinen All Time-Favoriten, weist aber definitiv einige erinnerungswürdige Momente und mit dem im Verlauf der Serie eingeführten Paralleluniversum auch ein interessantes Erzählkonzept auf. Nicht zuletzt John Nobles Darstellung des leicht verrückten, aber liebenswerten Professors Walter Bishop wird mir immer in schöner Erinnerung bleiben.

Bestimmt zwei Monate habe ich gebraucht, um mich durch die dritte Staffel von „Boardwalk Empire“ zu quälen. Die Serie ist eigentlich alles andere als schlecht, aber mit ihrem großen Figurenensemble und der nicht immer geradlinigen Erzählweise auch alles andere als übersichtlich und leicht konsumierbar. Steve Buscemi und auch einige andere Darsteller sind natürlich fantastisch, trotzdem ist die Serie nicht so mein Fall, so dass ich mir die vierte Staffel wohl nicht mehr anschauen werde. Definitiv weiter schauen werde ich aber bei „Hannibal“. Ich habe ja in meinem Post im Oktober schon geschrieben, wie begeistert ich von dieser Neuinterpretation der Themen und Figuren aus Thomas Harris‘ Roman „Roter Drache“ bin und ich hoffe, dass die Serie auch weiterhin großen Erfolg haben wird, damit Showrunner Bryan Fuller seinen Plan umsetzten und in den folgenden Staffeln auch noch die anderen Hannibal Lecter-Romane von Thomas Harris ins Fernsehen bringen kann.

Da war doch noch was…? Ach ja, „Breaking Bad“ natürlich! Auch wenn ich nicht über alle der im vergangenen Sommer gesendeten letzten acht Folgen gebloggt habe, waren diese letzten Folgen natürlich das Serienhighlight des Jahres! Und was für ein Finale das war, das ja eigentlich schon mit der Konfrontation zwischen Walter White und seinem Schwager Hank losging und sich dann über acht Wochen erstreckte. Nie zuvor hat eine Fernsehserie meinen Puls so in die Höhe getrieben! Die Macher von „Breaking Bad“ haben über fünf Staffeln in allen Bereichen – Schauspiel, Regie, Kamera, usw. – herausragende Leistungen abgeliefert, die herausragendste Leistung dürfte es aber gewesen sein, diese Qualität die ganze Serie lang durchzuhalten und einen großen Handlungsbogen mit glaubhaften und nachvollziehbaren Charakterentwicklungen abzuliefern, der wirklich keinen Durchhänger hatte und schließlich zu einem zufrieden stellenden Ende kam. Ganz bestimmt werde ich mir „Breaking Bad“ irgendwann noch einmal komplett ansehen.

Mein nächstes großes Serienprojekt wird wahrscheinlich „Buffy – The Vampire Slayer“. Wie erwähnt hat mich „The Cabin In The Woods“ endgültig zum Joss Whedon-Fan gemacht, so dass ich mich nun seinem opus magnum nicht länger verschließen kann. Eigentlich hatte ich geplant, schon 2013 mit „Buffy“ anzufangen und habe deswegen auch die aktuellen Staffeln einiger Serien erst einmal aufgeschoben (z.B. „Mad Men“, „Dexter“, „Game of Thrones“, „Downton Abbey“). Auch meine Lieblingsserie „Babylon 5“ werde ich wieder einmal von der ersten bis zur letzten Folge anschauen und hier darüber bloggen. Trotzdem hoffe ich natürlich, zwischendurch auch noch ein paar andere Serien einschieben zu können. Neben den genannten Serien, die ich weiter anschauen will, möchte ich endlich auch in „House of Cards“ reinschauen, mir die zweite Staffel von „The Newsroom“ gönnen und die erste Staffel von „Bates Motel komplett ansehen (die erste Folge hat mir definitiv Lust auf mehr gemacht).

Weiter geht’s 2014!

Eigentlich hatte ich noch geplant, hier auch noch die musikalischen Höhepunkte meines Jahres aufzulisten, aber der Post ist auch so schon lang genug. [Bowie!!!!!!!!! McCartney!!! Die neuen Alben von Elton John, Sting und Justin Timberlake!! Und Britney war auch wieder da, wenn auch nicht sooo gut. Dafür kam das sehr gute zweite Album von Foy Vance, den ich vor einer Woche auf einem fantastischen Konzert erleben durfte. So, das muss reichen. 😉 ]
Mit welchen TV-Serien ich ins neue Jahr starten will, habe ich ja gerade schon geschrieben. Auf welche Filme ich mich besonders freue, fällt mir spontan gar nicht ein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es noch so viele Filme aus diesem Jahr gibt, die ich noch sehen will. Am meisten freue ich mich zurzeit auf jeden Fall auf die drei neuen Folgen von „Sherlock“, die ich schon vorbestellt habe und wirklich kaum noch erwarten kann, schließlich gehören die ersten beiden Staffeln zum Besten, was das Fernsehen je hervorgebracht hat.

Ich wünsche jedenfalls nicht nur mir, sondern auch euch ein tolles neues Jahr, gespickt mit zahlreichen Kino- und Fernsehhöhepunkten! 🙂

Babylon 5 – The Gathering (Die Zusammenkunft)

Hier ist er also, mein zweiter Blogpost zu „Babylon 5“. Ich habe für die Serie extra eine Unterkategorie (unter „TV-Serien“)  im Blog eingerichtet, da ich ja vorhabe, mich längerfristig hier mit ihr zu beschäftigen. Nachdem ich beim letzten Mal einiges über die Hintergründe und die Entstehung der Serie geschrieben habe, soll es dieses Mal um den Pilotfilm gehen.

Zunächst aber noch ein paar Worte zu den aktuellen Entwicklungen aus dem B5-Fandom: Die „Free Babylon 5“-Kampagne, die ich im letzten Post erwähnt hatte, hat ihren ersten großen Erfolg errungen und „Babylon 5“ wieder ins Fernsehen gebracht! Der britsche Sender WATCH strahlt die Serie seit dem 4. Novemeber wieder aus. In einem auf der Homepage des Senders veröffentlichtem Statement wird „Free Babylon 5“ sogar erwähnt, es gibt also keine Zweifel daran, dass es tatsächlich das Verdienst all der leidenschaftlichen B5-Fans ist, die sich im Internet für die Serie stark gemacht haben, dass „Babylon 5“ nun ins Fernsehen zurück gekehrt ist (einen weiteren kurzen Artikel dazu gibt es hier). Auch einen sehr schönen (und komplett spoilerfreien) Trailer hat der Sender aus diesem Anlass erstellt:

Leider nicht gelungen ist das Vorhaben, „Babylon 5“ bei den diesjährigen People’s Choice Awards in der Kategorie „Favorite TV Series We Miss The Most“ auf die Nominierungsliste zu setzen. Die Chance war allerdings auch nicht besonders groß, schließlich standen einige zum Teil eigentlich noch aktuelle Serien, deren Finale erst vor kurzem gesendet worden ist (z.B. „Dexter“) zur Auswahl und wer für „Babylon 5“ stimmen wollte, musste den Namen der Serie extra im „Sonstige“-Feld eintragen. Trotzdem habe ich teilweise mehrmals täglich fleißig mit abgestimmt.

Beim letzten Mal habe ich auf das „Babble On Project“ hingewiesen, einen hervorragenden englischen B5-Podcast. Im Gegenzug haben Gillian und Matt vom Babble On Project in ihrer letzten Episode mein Blog empfohlen (weil die beiden kein deutsch sprechen, mussten die Armen eine vom Google Translator übersetzte Fassung meines Blogposts lesen). Dieses Mal möchte ich die „Katie watches Babylon 5“-Videos vorstellen. Katie, offensichtlich Science-Fiction- und Fantasy-Fan, gibt darin ihre Eindrücke von „Babylon 5“ wieder, und zwar jeweils unmittelbar nachdem sie die jeweilige Folge zum ersten Mal gesehen hat (sie lässt allerdings den Pilotfilm aus und beginnt mit der ersten regulären Serienfolge). Als langjährigen Fan freut es mich immer wieder, wenn ich die Gelegenheit bekomme, die Serie durch die Augen von Neulingen in einem ganz anderen Licht zu sehen und mit zu erleben, wie jemand „Babylon 5“ nach und nach entdeckt. Ich selbst bin auf Katies Videos vor einigen Monaten aufmerksam geworden, inzwischen hat aber sogar B5-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) auf Twitter und Facebook kundgetan, dass er sich die Videos alle angesehen hat! Insofern ist das natürlich kein „Geheimtipp“ mehr, sehenswert sind die Videos aber allemal. Natürlich sollte man nur die Videos zu den B5-Episoden anschauen, die man selbst schon kennt.

Nun also zum Pilotfilm von „Babylon 5“, der den Namen „The Gathering“ (im Deutschen korrekt mit „Die Zusammenkunft“ übersetzt) trägt. Der 90minütige Film wurde 1993 im amerikanischen und 1995 im deutschen Fernsehen erstmals ausgestrahlt. Während es in Deutschland bereits wenige Tage später auf Pro Sieben mit der ersten Staffel der Serie weiterging, mussten die Amerikaner damals fast ein ganzes Jahr lang warten, bis die Serie nach dem Pilotfilm auch tatsächlich in Serie ging, denn leider dauerte es eine Weile, bis JMS und sein Team grünes Licht für die Produktion der ersten Staffel erhielten. JMS hat später erklärt, er hätte das Drehbuch des Pilotfilm ganz anders geschrieben, wenn er gewusst hätte, dass die erste reguläre Episode erst ein knappes Jahr nach der Ausstrahlung des Pilotfilms gezeigt werden würde. Unter der Annahme, dass auf den Pilotfilm schnell die Serie folgen würde, stopfte er das Drehbuch des Films nämlich mit haufenweise Hintergrundinfos voll, was auf Kosten der Charakterisierung seiner Figuren ging. Das wäre nicht schlimm gewesen, wenn es gleich eine Woche nach dem Pilotfilm mit der Ausstrahlung der Serie weitergegangen wäre. In den weiteren Episoden hätte man dann mit der feineren Figurenzeichnung beginnen können.

Das Resultat ist nun aber ein sehr expositionslastiger Pilotfilm, in dem die Charakterzeichnung hier und da etwas zu kurz kommt und der nicht – wie etwa die Pilotfilme zu „Star Trek: The Next Generation“ oder „Deep Space Nine“ – den Vorteil hat, auf ein bereits etabliertes und den meisten Zuschauern schon bekanntes Universum aufbauen zu können. Zu Beginn der „Babylon 5“-Saga muss alles erklärt werden – der Name „Babylon 5“, die Funktion der Station, die Beziehungen der verschiedenen Völker sowie der Personen auf der Station, ein Großteil der Technik, und und und. Im Unterschied zu den Pilotepisoden vieler anderer Serien ist „The Gathering“ aber ein wichtiger Teil der Serie. Der Film unterscheidet sich zwar optisch ein wenig vom Rest der Serie (das Makeup einiger Aliens sieht hier z.B. noch anders aus) und auch einige der Figuren wurden für die Serie ausgetauscht, doch der große Erzählbogen, den JMS mit „Babylon 5“ aufspannt, nimmt hier bereits seinen Anfang. „The Gathering“ legt tatsächlich den Grundstein für viele Storyelemente, die im Lauf der ersten Staffel, zum Teil aber auch erst viel später relevant werden. Dazu gehören zum Beispiel die fehlenden 24 Stunden in Sinclairs Gedächtnis oder die Tatsache, dass Babylon 4 unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Weiterhin wären der Erd-Minbari-Krieg und die plötzliche, unerklärliche Kapitulation der Minbari zu nennen, die einstige Größe des Centauri-Imperiums und Londos Sehnsucht nach dieser guten, alten Zeit, [Spoiler! Nur weiterlesen, wer bereits mindestens die ersten drei Staffeln gesehen hat!] sowie beispielsweise auch Kyles Gebrauch von Aufputschmitteln (Stims), der später auf Dr. Franklin übertragen wurde. [Spoiler Ende]

Eine Inhaltsangabe zu „The Gathering“ werde ich hier nicht liefern, da ich davon ausgehe, dass die Leser dieses Posts den Pilotfilm schon gesehen haben (falls nicht, dann hört jetzt auf zu lesen, schaut euch den Film an und lest danach weiter!). Außerdem habe ich keine Lust darauf, hier bei im Lauf meines B5-Rewatch jede Folge von „Babylon 5“ zusammen zu fassen. Stattdessen möchte jedes Mal einfach auf all die Dinge eingehen, die ich interessant, besonders gut oder schlecht oder sonst irgendwie erwähnenswert finde. Die interessanteste Tatsache in Bezug auf den Pilotfilm ist die, dass es davon zwei verschiedene Fassungen gibt: die Originalfassung von 1993 und eine Special Edition von 1998. Mit der ursprünglichen Fassung war JMS nie besonders zufrieden, so dass er für die Möglichkeit dankbar war, eine neu geschnittene und mit neuer Musik versehene Fassung herzustellen. Beide Fassungen haben eine Länge von etwa 90 Minuten, doch die Special Edition enthält 14 Minuten an neuem Material. Trotzdem sind für die Special Edition nur wenige Szenen der ersten Fassung ganz herausgeschnitten worden; der Platz für die neuen Szenen wurde vor allem dadurch geschafft, dass die bestehenden Szenen gestrafft wurden (was sich keineswegs negativ bemerkbar macht, da die Originalfassung sehr langsam geschnitten war). Die Special Edition wirkt dadurch deutlich flotter als die Originalfassung. Des Weiteren bekam der Film 1998 eine vollkommen neue Filmmusik spendiert. Für die Originalversion hatte noch Stewart Copeland (Schlagzeuger von The Police) die Musik geschrieben, für die Special Edition schrieb der spätere B5-Stammkomponist Christopher Franke einen völlig neuen Score. Jeder, der „Babylon 5“ kennt, weiß wie immens wichtig Frankes Musik für die Serie ist und der Austausch von Coplelands zwar nicht schlechtem, aber rückblickend ungewohnt rockigem und E-Gitarren-lastigem Score gegen Frankes epische, von den Berliner Symphonikern eingespielte Musik ist ein großer Gewinn für den Film.

Eine weitere erwähnenswerte Änderung: Tamlyn Tomita, die Darstellerin von Lt. Commander Laurel Takashima, hatte ihre Performance für die Originalversion komplett nachsynchronisiert, weil die Verantwortlichen bei Warner Bros. ihre Figur als „zu stark“ und unsympathisch empfanden. Für die Special Edition verwendete man dann wieder den bei den Dreharbeiten aufgenommenen Voice Track von Tomita. Mir ist der Unterschied ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen, aber JMS zufolge wirkt ihr Schauspiel in der Special Edition viel natürlicher.

Wie und wo kann man nun die beiden verschiedenen Fassungen von „The Gathering“ bekommen? In Deutschland ist nur die Originalfassung erhältlich, da die Special Edition nie synchronisiert wurde. Das heißt, sowohl alle hierzulande erhältlichen B5-Komplettboxen als auch die Einzel-DVD (deren Cover leider ein vollkommen falsches Motiv schmückt, das einem großen Spoiler gleichkommt….) sowie die „Movie-Box“, welche neben dem Pilotfilm noch die fünf anderen B5-Fernsehfilme enthält, enthalten die Originalfassung. Die Special Edition lässt sich aber leicht als UK-Import bestellen (und ist damit auch problemlos auf allen deutschen Playern abspielbar). Auch wenn es nicht explizit angegeben ist, bei dieser DVD handelt es sich um die Special Editon. Übrigens ist lediglich der Pilotfilm noch im alten 4:3-Format gefilmt worden, alle übrigen Episoden und Filme sind in 16:9 und füllen damit moderne Bildschirme voll aus (wenn auch die Bildqualität natürlich oft zu wünschen übrig lässt, aber das ist ein anderes Thema).

Als ich den Pilotfilm 1995 zum ersten Mal gesehen habe, war ich unter anderem von seiner Optik beeindruck. Dazu gehörten die vollständig am Computer generierten Spezialeffkte, die zwar heute veraltet wirken mögen, damals aber „state of the art“ waren und sogar mit einem Emmy ausgezeichnet wurden. Auch das Design der Station und der Raumschiffe – ganz besonders die riesigen, organisch wirkenden Vorlonenschiffe – beeindruckten mich damals. Das gleiche gilt für das Aussehen der Aliens: die reptilienartigen Narn oder die Minbari mit ihrem Knochenkamm am Hinterkopf sahen so ganz anders aus als alles, was ich vom Science-Fiction-Fernsehen gewohnt war (und das bedeutet: was ich aus „Star Trek“ kannte). Und dann erst Kosh, der Botschafter der Vorlonen, in seinem Schutzanzug. Bereits bei seinem ersten Auftauchen begann man zu rätseln, was für ein Wesen sich wohl darunter verbarg, und dieses Rätseln ging noch eine ganze Weile weiter. Fasziniert war ich weiterhin vom „Aliensektor“ der Station, einem Bereich, der den vielfältigen außerirdischen Lebensformen jeweils unterschiedliche Lebensbedingungen zur Verfügung stellt. Für die Special Edition wurde Sinclairs und Lytas Gang durch den Aliensektor übrigens fast komplett heraus geschnitten, da die Aliens dort doch arg nach dem aussehen, was sie letztendlich sind: Puppen. Auch in der späteren Serie spielter dieser Sektor nur noch ganz selten eine Rolle und non-humanoide Aliens kamen auch so gut wie gar nicht mehr vor. Das war aber nicht weiter schlimm, da sich sehr schnell herausstellte, dass „Babylon 5“ keineswegs nur auf optische Schauwerte setzte, sondern vor allem auf der Ebene der Handlung und der Charaktere punkten konnnte.

Beim Anschauen der beiden Fassungen des Films habe ich eine lange Liste an Unterschieden zwischen der Special Edition und der Originalfassung angelegt, von denen ich die Wichtigsten unten am Ende des Beitrags gepostet habe. Wie ich schon angesprochen habe, gibt es aber auch eine Reihe von Unterschieden zwischen dem Film und der nachfolgenden Serie, von denen ich hier einige nennen möchte. Den Wechsel einiger Darsteller habe ich schon kurz angesprochen. Tamlyn Tomita, die Commander Sinclairs Stellvertreterin Laurel Takashima spielt, und Johnny Sekka, Darsteller des Stationsarztes Dr. Benjamin Kyle, wurden nach dem Pilotfilm durch neue Darsteller ersetzt und ihre Figuren aus der Handlung heraus geschrieben. Eine gute und nachvollziehbare Entscheidung, wie ich finde, ganz besonders Hinblick darauf, wie fantastisch ihre jeweiligen Nachfolger waren. Als ich „The Gathering“ für den Rewatch angeschaut habe, habe ich mir gleich bei der Szene zwischen Takashima (Tomita) und G’Kar am Anfang gewünscht, Takshimas Nachfolgerin Susan Ivanova wäre schon an Bord gewesen. Deren Darstellerin Claudia Christian hätte die Dialogzeilen viel natürlicher, energiegeladener, charismatischer und humorvoller rübergebracht. Aus Tomitas Mund commend erzielt der Satz „I can send them a fruit basket, If you like.“ überhaupt keine emotionale Wirkung, während Christian in eine solche Äußerung einiges an Sarkasmus gelegt hätte. Johnny Sekka als Stationsarzt Dr. Benjamin Kyle wiederum spielt zwar nicht schlecht, aber irgendwie wirkt seine Figur unnahbar und weniger sympathisch als der nachfolgende Dr. Franklin. In Bezug auf Takashima ist noch interessant, dass in ihr schon vieles angelegt war, was später auf Ivanova übertragen wurde. So erzählt sie zum Beispiel Dr. Kyle, dass sie echten Kaffee auf der Station anpflanzen lässt; auch ihre Beziehung zu Sinclair, der für sie eine Art Mentor darstellt, wurde später auf Susan Ivanova übertragen.

Einen weiteren Dastellerwechsel gab es nach dem Pilotfilm bei der Rolle der auf B5 stationierten Telepathin. Weil Patricia Tallman als Lyta Alexander leider für die Serie nicht mehr zur Verfügung stand, schrieb man ihre Figur heraus. Stattdessen kam Andrea Thompson als Talia Winters an Bord. Die Abwesenheit von Lyta und Dr. Kyle wird später dadurch erklärt, dass beide auf die Erde zurückgerufen worden sind, nachdem bekannt geworden war, dass sie einen Blick auf Koshs wahre Gestalt geworfen hatten. Durchaus plausibel, wie ich finde.

Offensichtliche Unterschiede zwischen „The Gathering“ und der späteren Serie liegen wie schon erwähnt auch in der Gestaltung einiger Masken. G’Kars Gesicht sieht im Pilotfilm noch kantiger aus und die Maskenbildner wussten offensichtlich auch noch nicht so recht, wie sie mit Londos Haaren umgehen sollten. Am deutlichsten ist der Unterschied bei Delenn, [Spoiler! Bitte nur lesen und auch das Video nur anschauen, wer die Serie bis mindestens Episode 2.02 gesehen hat!!] der man einen gewollt androgynen Look verpasste. JMS‘ ursprünglicher Plan sah nämlich nicht nur vor, dass Delenn zu Beginn der zweiten Staffel halb menschlich werden sollte. Zusätzlich sollte sie auch noch das Geschlecht wechseln! Zwar sollte Delenn von Anfang an von der Schauspielerin Mira Furlan gespielt werden, im Pilotfilm und der ersten Staffel sollte die Figur jedoch männlich sein. Daher kommt das rückblickend seltsame Aussehen Delenns im Pilotfilm. Zusätzlich war geplant, Furlans Stimme elektronisch zu verzerren um sie tiefer und damit männlich wirken zu lassen. Dieses Vorhaben verwarf man allerdings wieder, da der Effekt nicht so wirkte, wie JMS sich das vorgestellt hatte (wobei es auch Gerüchte gibt, Mira Furlan habe etwas dagegen gehabt). In diesem vor der Ausstrahlung von „The Gathering“ im US-TV gesendeten Promovideo – das auch ein paar interessante Aussagen von JMS‘ über den realistischen Ansatz, den er mit seiner Zukunftsversion verfolgte, enthält – kann man bei 1:15 ganz kurz einen Eindruck davon gewinnen, wie Delenns „männliche“ Stimme vielleicht geklungen hätte:

[Spoiler Ende]

Im Folgenden möchte ich noch einige Details aufzählen, die mir beim erneuten Anschauen des Pilotfilms aufgefallen sind oder die ich erwähnenswert finde (nicht unbedingt in der Reihenfolge, in der sie im Film vorkommen):

  • Lyta fragt Sinclair danach, warum die Station „Babylon 5“ heißt, dabei müsste sie das eigentlich wissen. Dass die ersten drei Stationen durch Sabotageakte zerstört worden sind und Babylon 4 auf unerklärliche Weise verschwunden ist, sollte doch ein breites Medienecho gefunden haben und es ist ziemlich unglaubwürdig, dass Lyta von alldem nichts mitbekommen hat. Ihre Frage und Sinclairs Antwort sind ganz klar nur dazu da, dies auch dem Zuschauer zu erklären.
  • In der Szene im Steingarten bekommt man die erste von vielen Weisheiten zu hören, wie sie Delenn im Verlauf der Serie von sich gibt (Nicht wortwörtlich übersetzt sagt sie so etwas wie „Keines der tausend Bücher auf meinem Planeten bringt so klar zum Ausdruck, dass eine einzelne Person das Universum verändern kann, wie dieser Steingarten.“)
  • Die alten Röhrenbildschirme gehören zu den Dingen, die einem sofort auffallen, wenn man „Babylon 5“ im Jahr 2013 anschaut. Sie weisen die Serie ganz klar als Serie der 1990er Jahre aus. Auch die Vorstellung, dass auch kleine Datenmengen auf sogenannten Datenkristallen weitergegeben werden, statt sie einfach per Email oder sonstwie zu verschicken, wirkt bereits jetzt veraltet und erinnert mich an eine Zeit, an der man Dateien noch auf Disketten gespeichert und weitergegeben hat. In der Szene, wo Sinclair sich mit Takashima, Garibaldi und Kyle über Koshs bevorstehende Ankunft bespricht, hat Takashima außerdem einen extrem klobigen Laptop vor sich stehen, ganz genauso wie einer der beiden Geschäftsmänner, deren Gespräch Lyta überwacht. Auch hier ist die Technik von „Babylon 5“ längst von der Realität überholt worden. Auf Dr. Kyles Schreibtisch sieht man allerdings einen Touchscreen – so etwas Modernes kommt in der Serie später nie wieder vor! 😉
  • Was hat Londo denn eigentlich bei G’Kars Ankunft auf der Station abgezogen? Kam er zu spät? Oder gar nicht? Hat er gegen die Anwesenheit eines Narn-Botschafters demonstriert? Sinclair spricht nämlich davon, dass sich was immer Londo damals getan hat bei Koshs Ankunft nicht wiederholen soll. (Die Szene, um die es hier geht, ist glaube ich nur in der Originalversion des Films enthalten.)
  • Das Set, an dem Lyta das Gespräch zweier Geschätsleute überwacht, sieht man glaube ich nie wieder. Später im Film hat sie dort das berüchtigte Gespräch mit G’Kar (Stichwort „Erregungsschwelle“). Es handelt sich um einen runden Raum, durch dessen Fenster Pflanzen zu sehen sind und der wohl eine Art öffentliches Café darstellen soll.
  • Bei den Narn scheint es üblich zu sein, ganz direkt und unverblümt über Sex zu reden. So deute ich jedenfalls G’Kars unzweideutiges Angebot an Lyta, bei dem er sofort zur Sache kommt. Interessant ist auch, dass man dort erfährt, dass G’Kar eine feste Partnerin hat. Er erwähnt nämlich, dass diese nichts gegen seine Paarung mit Lyta hätte. Von dieser Partnerin ist später allerdings nie wieder die Rede.
  • Auch über Michael Garibaldis Hintergrund erfährt man schon ein paar Dinge, z.B. dass er einen ganz und gar nicht geradlinigen Lebenslauf vorzuweisen hat und Sinclair ihm mit dem Angebot der Stelle als Sicherheitschef so etwas wie eine zweite Chance gegeben hat.
  • [Spoiler! Nur lesen, wer die Serie schon mindestens bis Folge 1.13 gesehen hat!] Ed Wasser, der später Mr. Morden spielen wird, spielt hier ein Crewmitglied auf Babylon 5 und hat sogar eine Sprechrolle. Es handelt sich aber definitiv um eine andere Figur als um Mr. Morden… [Spoiler Ende]
  • Dass Kosh eine Hand ausstreckt, um Sinclair zu begrüßen, finde ich absolut widersprüchlich. Im Hinblick auf spätere Enthüllungen sowieso, aber auch hier wird ja schon klar gemacht, dass Kosh kein humanoides Wesen ist. Dass der Attentäter ihm also Gift über ein Hautpflaster verabreichen kann, ist ziemlich weit hergeholt.
  • Als G’Kar in Delenns Quartier zu Besuch ist, holt Delenn einen ihrer „magic rings of doom“ (wie sie im Podcast „The Babble On Project“ genannt werden) hervor, der ihr anscheinend Darth Vader-artige Kräfte verleiht. Diese Ringe werden hier zum ersten und letzten Mal erwähnt – und das ist auch gut so, schließlich passen derartig gewalttätige Mittel überhaupt nicht zu der friedfertigen Delenn.
  • Dass Sinclair auf die Heimatwelt der Vorlonen geschickt werden soll, scheint zunächst im Widerspruch zum Rest der Serie zu stehen. Schließlich wird immer wieder deutlich gemacht, dass niemand einfach so den Vorlonen einen Besuch abstattet. Andererseits wurde hier einer der ihren vergiftet und liegt im Sterben. Für eine Spezies, deren Mitglieder nahezu ewig leben ist ein solch außergewöhnliches Ereignis wohl Grund genug, einem Menschen auf ihrer Heimatwelt den Prozess zu machen. Zudem war ja nie die Rede davon, ob Sinclair auch wieder von dort zurückkehren würde…
  • Das „Changeling Net“, mit dem sich der Attentäter tarnt, ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Holo-Technologie in „Babylon 5“ vorkommt. Solche Technologie existiert also im 23. Jahrhundert, doch wie Sinclair sagt, ist sie aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf den menschlichen Körper verboten.
  • Nachdem der Attentäter aufgespürt wurde, sagt Sinclair „I’m taking care of this personally.“ und zieht nur mit Garibaldi, aber ohne weitere Verstärkung los. JMS rechtfertigt das damit, dass der Attentäter mithilfe des Changeling Nets jede beliebige Gestalt annehmen kann, was für einige Verwirrung sorgen könnte, falls Sinclair mit einer größere Gruppe an Sicherheitskräften auftaucht. Dann wäre es für den Attentäter viel leichter, unter diesen zu verschwinden.
  • Als sich zum Schluss herausstellt, dass es sich bei dem Attentäter um einen Minbari handelt, erkennt Delenn an den Markierungen in seinem Gesicht, dass er einer radikalen Splittergruppe der Kriegerkaste angehört. Derartige Markierungen kommen im weiteren Verlauf der Serie nie wieder vor. Den Satz „There is a hole in your mind.“ tut Delenn auf Sinclairs Nachfragen hin einfach als „an old Minbari insult“ ab. Doch bereits jetzt ist klar, dass mehr dahinter steckt und Delenn viel mehr weiß als sie zugibt.
  • Zwischen Delenn und Garibaldi findet offenbar ein reger kultureller Austausch statt. Hier zitiert sie Sinclair gegenüber ein Gedicht, das sie von Garibaldi gelernt hat („There once was a man from Nantucket.“), [Spoiler für Season 1] in einer der Folgen der ersten Staffel lädt Garibaldi sie dann in sein Quartier ein, um gemeinsam Caroons anzuschauen. [Spoiler Ende]
  • Interessant: Während des Abspanns der Originalversion des Films sieht man ein paar Konzeptzeichnugen.
  • G’Kars Gruß „Good eating to you, Lieutenant Commander.“, kommt auch nie wieder in der Serie vor.
  • Londo war tatsächlich im Krieg und aktiv an Kampfhandlungen beteiligt. In „The Gathering“ beginnt er, von der Eroberung des Beta-Systems zu erzählen.
  • Als der Minbari-Attentäter an Bord kommt (man sieht ihn nur verhüllt und von hinten) und seine Hand auf den Scanner legt, erscheint auf dem Bildschirm der Name „Laurel Takashima„. Da Takashima nach dem Pilotfilm aus der Serie herausgeschrieben wurde, ist es kein Spoiler, zu verraten, dass sie ein Verräter ist. Sie hat dem Attentäter Zugang zur Station verschafft und auch den Lift sabotiert, in dem Sinclair feststeckt. [Spoiler! Nur lesen, wer die Serie bis mindestens Episode 2.19 angeschaut hat!!] Allerdings weiß Takashima selber nicht, dass sie eine Verräterin ist, da das PsiCorps in ihr eine zweite Persönlichkeit „installiert“ hat, die ohne Takashimas Wissen quasi im Hintergrund beobachtet und nur gelegentlich in ihr Handeln eingreift. Wäre Takashima Teil der Serie geblieben, dann wäre dies irgendwann später relevant geworden und ihre Figur wohl in der zweiten oder dritten Staffel enttarnt worden. Als die Darstellerin der Telepathin Talia Winters, Andrea Thompson, am Ende der zweiten Staffel die Serie verlassen wollte, hat JMS stattdessen ihre Figur zu dieser Verräterin gemacht, um sie so aus der Serie heraus schreiben zu können. Laurel Takashim sieht man den ganzen Pilotfilm über übrigens nie in Gegenwart des Attentäters. Eine solche Begegnung hätte sonst Rückschlusse auf eine Zusammenarbeit der beiden ermöglicht. [Spoiler Ende]
  • Als im MedLab Koshs Anzug geöffnet wird, sind außer Dr. Kyle noch zwei weitere Ärzte zugegen. Wurden die eigentlichen auch auf die Erde zurück beordert? [Spoiler!  Nur weiterlesen, wer die Serie bis mindestens Episode 2.22 gesehen hat!] Und dass die Vorlonen unsere Atmosphäre nicht vertragen, wie es in „The Gathering“ heißt, stimmt offensichtlich nicht. Als Kosh sich am Ende der zweiten Staffel zu erkennen gibt, überlebt er die Atmosphäre auf Babylon 5 ja auch ohne seinen Schutzanzug. [Spoiler Ende]
  • Sinclair nennt Garibaldi im Lauf des Films mehrere Male „Mike“. Macht er das eigentlich später auch noch? Mir kam das so ungewohnt vor.

Bei diesen Punkten will ich es mal belassen. Tut mir leid, dass dieser Beitrag zum Ende hin etwas unstrukturiert geworden ist. Beim nächsten Mal wird es hoffentlich etwas besser; wenn ich meinen Rewatch fortführe, entwickle ich vielleicht mit der Zeit ein System, nach dem ich diese Beiträge aufbaue. Ich hatte mir noch viele weitere Stichpunkte gemacht (z.B. dass man an einer Stelle des Films durch Delenns Knochenkranz hindurchsehen kann, ich weiß aber leider nicht mehr, wo das war!), aber der Post ist ja auch so schon lang genug. Was die Spoiler betrifft, werde ich zukünftige Posts vielleicht ganz einfach in zwei Teile unterteilen – einen spoilerfreien für Leser, die „Babylon 5“ nur bis zur jeweiligen Folge angeschaut haben und einen spoilerhaltigen, in dem ich auf die Relevanz der jeweiligen Folgen innerhalb des ganzen fünfjährigen Handlungsbogens eingehe. Das ist allerdings leichter gesagt, als getan, deswegen bin ich noch nicht sicher, ob ich das hinkriege.
Nächstes Mal geht es dann jedenfalls mit Episode 1.01 „Midnight on the Firing Line“ (auf deutsch „Ragesh 3“) weiter.

Für alle, die es noch interessiert hier also noch eine Liste mit den wichtigsten Unterschieden zwischen der Originalfassung von „The Gathering“ (1993) und der Special Edition (1998):

  • Die Originalfassung enthält während der Eröffnungssequenz mehrere Einstellungen, in denen Aliens zu sehen sind, die sehr puppenhaft wirkten (ich nenne sie „muppet aliens“); in der Special Edition sind sie fast alle verschwunden, dafür sieht man unter anderem ein Minbari-Schiff in einer der Andockbuchten.
  • Während die erste Filmfassung für die Credits-Einblendungen am Anfang noch eine schlichte weiße Schriftart verwendet, hat man bei der Special Edition auf die aus der Serie gewohnten blauen Buchstaben in der typischen „Babyon 5“-Schriftart zurückgegriffen.
  • Auch die CGI-Effekte sind runderneuert worden; so sieht die Station in der Special Edition nicht nur etwas besser aus, sondern um sie herum wuselt es auch nur so von Raumschiffen.
  • Neben der neuen Musik, die gleich zu Beginn positiv auffällt, ist auch das einleitende, von Londo Mollari (Peter Jurasik) gesprochene Voice Over leicht abgeändert worden. [Spoiler! Bitte nur lesen, wer die Serie schon mindestens bis Episode 5.01 gesehen hat!] Dort ist nun nicht mehr die Rede vom „final commander“ der Raumstation, denn wie wir wissen, ist Jeffrey Sinclair keineswegs der letzte Commander von „Babylon 5“ (genaugenommen ja vielleicht schon, da Sheridan und Lochley den Rang eines Captain haben). Zwar wird dieser „final commander“ in der ursprünglichen Fassung nicht namentlich genannt, aber missverständlich war es schon. Also hat JMS es in der Special Edition entfernt. [Spoiler Ende]
  • Sinclair beschäftigt sich in der Special Edition in seiner allerersten Szene als interkultureller und lebensrettender Botschafter. Im Casino klärt er nämlich ein „tourist problem“, wie Takashima es nennt. Er weist einen (menschlichen) Mann darauf hin, dass die (außerirdische) Frau, die dieser gerade abschleppt, zu einer Spezies gehört, bei der das Weibchen nach dem Sex das Männchen auffrisst. „You know the rules. Stick to the list!“, warnt er anschließend die Frau. 😀
  • Ebenfalls neu ist die Szene mit dem Dust-Dealer, der mitten in das erste Gespräch zwischen Lyta Alexander und Sinclair platzt. Natürlich muss es Sinclair gleich wieder selbst übernehmen, die Sache zu klären – nicht zum letzten Mal in der Serie wagt er sich mitten ins Gefecht, obwohl er als Commander auch andere schicken könnte. Durch das Einfügen dieser Szene wird der doch ziemlich langatmige und mit allerlei Informationen vollgestopfte Beginn des Films etwas aufgelockert, und zusätzlich stellt sie die erste Erwähnung der Droge Dust dar.
  • Leider ist von Lytas und Sinclairs Gang durch den Aliensektor in der Special Edition kaum noch etwas übrig geblieben. Eigentlich hätte man die Szene auch ganz heraus schneiden können, denn außer dem Betreten und Verlassen des Sektors ist kaum noch etwas zu sehen. Klar, die dort lebenden Aliens wirkten eher wie in einem Zoo ausgestellte Kreaturen und zudem sehr puppenhaft, aber schade finde ich die Entscheidung trotzdem.
  • Der „privacy mode“, den G’Kar einschaltet, als er sein Gespräch mit Lyta führt, kommt nun nicht mehr vor. JMS hatte sich den Effekt ganz anders vorgestellt und war mit seiner Umsetzung durch den Regisseur nicht zufrieden. Auch wurde die Szene umgeschnitten; wenn ich mich richtig erinnere spricht in der Special Edition nur noch G’Kar und Lyta sagt (fast?) gar nichts, während sie in der Originalfassung ein paar Dialogzeilen hat. In Anbetracht der Tatsache, dass sie sich von G’Kars (in ihren Augen) unmoralischem Angebot ziemlich überrumpelt fühlt, ist das nachvollziehbar.
  • Die Szene mit Takashima und Kyle in Takashimas Quartier wurde verändert; sie hat in der Special Edition einen längeren Beginn. Zuerst sieht man Takashima Flöte spielen, dann bietet sie Kyle echten Kaffee an und erwähnt, dass sie dafür extra Kaffeepflanzen auf Babylon 5 anbauen lässt. Kyle wiederum erwähnt, dass er sich mithilfe von Stims (Aufputschmitteln) wach hält.
  • [Spoiler! Nur weiterlesen, wer die Serie bis mindestens Episode 3.17 gesehen hat!] In der Special Edition begrüßt Kosh Sinclair bzw. die Person, die er fälschlicherweise für Sinclair hält als „Entil’Zha Valen„. Zwar finde ich es seltsam, dass Kosh nicht erkennt, dass vor ihm gar nicht Sinclair steht, sondern nur jemand, der sich als Sinclair tarnt, aber es ist schon sehr cool, dass Kosh über Sinclairs Schicksal Bescheid weiß. Ist er eigentlich einer der Vorlonen, die neben Sinclair/Valen zu sehen sind, als dieser am Schluss von „War without end, part 2“ Babylon 4 den Minbari übergibt? Oder soll das ein ganz anderer Vorlone sein und man hat nur Koshs Anzug für die Szene verwendet? Die Hand, die Kosh „Sinclair“ entgegenstreckt, wurde für die Special Edition übrigens auch überarbeitet und sieht nun immerhin etwas „vorloniger“ aus (nicht mehr nach menschlicher Haut, sondern bläulich schimmernd). Seltsam finde ich diese Geste trotzdem. [Spoiler Ende]
  • Eine schöne neue Szene für alle Fans, die wissen, wie die Serie weitergeht ist das Gespräch zwischen Sinclairs Freundin Carolyn und Delenn in der Special Edition. Delenn sagt nämlich „I have my orders. On the matters of Commander Sinclair, I’m here strictly to observe“, woraufhin Carolyn fragt „Observe what?“. Delenn bleibt ihr natürlich eine Antwort schuldig.
  • Ein besonderer Gewinn ist die Verlängerung der Szene in Sinclairs Quartier, wo Sinclair Carolyn von seinen Erfahrungen aus dem Krieg gegen die Minbari berichtet. In der Special Edition beginnt die Szene bereits, bevor Carolyn hereinkommt. Sinclair blickt gedankenversunken auf die Medaille, dazu ertönt Christopher Frankes Gänsehaut erzeugende Musik. Schließlich schleudert Sinclair die Medaille wütend an die Wand neben der Tür, genau in dem Moment, in dem Carolyn hereinkommt. Er erzählt ihr von seinen Selbstzweifeln – ist er wirklich der richtige für den Commander-Posten? Eigentlich ist er es gewohnt, Schwierigkeiten selbst und direkt zu bekämpfen, aber in dem Dilemma, in dem er nun steckt, funktioniert das nicht, da er als Repräsentant der Erde agiert. Als Carolyn die Medaille aufhebt, wird ihr bei deren Anblick klar, dass Sinclair im Krieg „on the line“ – also an forderster Front im Kampf um die Erde – gekämpft hat (die ursprüngliche Szene beginnt erst in diesem Moment). Sinclairs folgende Erzählung von seinen Erlebnissen im Krieg erhält durch die neue Musik und durch die aus einer späteren Episode eingeblendeten Dialogfetzen eine richtig epische Breite (ich bin mir leider gerade nicht sicher, aus welcher Folge die verwendeten Zitate stammen, aber es ist die Episode aus der ersten Staffel, in der man Rückblenden zu Sinclairs Erlebnissem an der Front zu sehen bekommt).
  • Von Delenns Hilfe für Sinclair und Garabaldi während ihres Kampfes gegen den Attentäter ist in der Special Edition mehr zu sehen. Während sie in der Originalfassung einfach am Ende der Szene plötzlich da war, sieht man nun, wie sie schon früher am Ort des Kampfes eintrifft und bei der Rettung des verletzten Garibaldi hilft (sie wirft ihn sich einfach über die Schulter und trägt ihn fort 😀 )

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.01 „Midnight on the Firing Line“

Babylon 5 – Die Science-Fiction-Kultserie

Ich war dabei, als ein neues Zeitalter der Fernsehunterhaltung begann…"Weltraum-Uno des Jahres 2257"

Vor 18 Jahren, im Sommer 1995, durchblätterte ich als 13-Jähriger eine Ausgabe der Fernsehzeitschrift TV Today und stieß dort auf einen Artikel mit der Überschrift „Weltraum-Uno des Jahres 2257“. Auf einer ganzen Seite wurde dort eine neue Science-Fiction-Serie namens „Babylon 5“ vorgestellt, die ab August wöchentlich auf Pro Sieben zu sehen sein würde. Einige Monate zuvor hatte ich zum ersten Mal die klassische „Star Wars“-Trilogie gesehen, die mich sofort in ihren Bann gezogen hatte. Auch in das „Star Trek“-Universum hatte ich gerade begonnen einzutauchen. Kein Wunder also, dass ich von der Aussicht auf neue, wöchentliche Weltraumabenteuer begeistert war, zumal mich die in dem Artikel abgebildeten Fotos sofort in ihren Bann zogen. Das sah alles so neu, so frisch, so anders aus. Der Look der Aliens und der titelgebenden Raumstation war weder mit dem von „Star Trek“ noch dem von „Star Wars“ zu vergleichen.

Ich setzte mich also am 3. August 1995, einem Donnerstag, um 20:15 Uhr vor den Fernseher, um mir den Pilotfilm von „Babylon 5“ anzuschauen und war von den ersten Minuten an von der Serie fasziniert. In den folgenden Jahren versuchte ich, keine einzige Folge zu verpassen, nahm schließlich die komplette Serie auf VHS-Kassetten auf und kaufte mir die ab 2002 erscheinenden DVD-Boxen. Meine Leidenschaft für „Babylon 5“ ist seit der Ausstrahlung des Pilotfilms nie abgerissen, sondern im Gegenteil sogar gewachsen. Die letzte Folge der Serie wurde hierzulande 1999 ausgestrahlt, aber ein großer Fan bin ich trotzdem über all die Jahre geblieben. Den TV Today-Artikel (und zahlreiche andere Zeitschriftenausschnitte) habe ich bis heute aufgehoben.

Vor etwa drei Monaten habe ich einen (englischen) Podcast entdeckt, der sich ganz und gar „Babylon 5“ widmet. Im „Babble On Project“ besprechen die „Babylon 5“-Fans Matt Dillon und Gillian Coyle seit Februar 2011 in jeder ihrer Episoden zwei Folgen von „Babylon 5“. Dabei sind die beiden Geeks mit viel Freude und Leidenschaft, aber auch mit viel Hintergrundwissen bei der Sache, so dass es für Fans der Serie sowohl extrem unterhaltsam als auch sehr lehrreich ist, ihnen zuzuhören (übrigens können auch Serienneulinge, die „Babylon 5“ zum ersten Mal anschauen, den Podcast anhören, da jede Folge in einen spoilerfreien und einen spoilerhaltigen Bereich aufgeteilt ist). Zudem haben die beiden es geschafft, den Serienschöpfer J. Michael Straczysnki sowie die Darstellerinnen Claudia Christian und Patricia Tallman für Interviews zu gewinnen. Derzeit erscheint alle drei Wochen eine neue Folge des Podcasts und die zwei nähern sich inzwischen dem Ende der vierten „Babylon 5“-Staffel. In den letzten Monaten hat mich beim Durchhören aller Episoden des Babble On Projects das „Babylon 5“-Fieber erneut gepackt. Schon seit Längerem spiele ich daher mit dem Gedanken, die Serie hier im Blog zum Thema zu machen.

Für alle, die „Babylon 5“ noch gar nicht kennen, zitiere ich hier einmal aus der TV Today von 1995: „Im Mittelpunkt der TV-Saga steht die Raumstation Babylon 5. Hier leben im Jahr 2257 Vertreter aller Völker, die im All existieren [Anmerkung: Das stimmt so nicht gaaanz]. Ihre gemeinsame Aufgabe ist die Erhaltung des Friedens im Universum. Ein schwieriges Unterfangen, denn die verschiedenen Rassen sind teilweise seit Jahrhunderten bis aufs Blut verfeindet. Chef der Zukunfts-Uno: Commander Sinclair, von der Erde entsandt, um Babylon 5 zu führen.“ Im Zentrum von „Babylon 5“ steht also die gleichnamige Raumstation, doch zugleich ist „Babylon 5“ viel mehr als nur die Geschichte dieser Raumstation und ihrer Bewohner.

Joe Michael Straczynski hatte die erste Idee zu seiner Serie bereits Mitte der 1980er Jahre. Genau genommen hatte er zunächst Ideen für zwei große Fernsehserien: die eine sollte auf einer Raumstation spielen, während die andere eine epische Saga erzählen sollte. Irgendwann wurde Straczynski schließlich klar, dass er die beiden Ideen kombinieren musste, um sie zu einer Serie zu machen, die zwar hauptsächlich auf einer Raumstation spielt, aber in ihren Storylines eben auch eine epische Handlung über einen große Krieg erzählt, den wir durch die Augen der Charaktere miterleben. So erfahren die Zuschauer zusammen mit den Protagonisten der Serie die ganz persönlichen Konsequenzen, die große galaktische Zusammenhänge für einzelne Individuen haben. Die Auswirkungen galaxisweiter Krisen werden auf der persönlichen Ebene nachvollziehbar.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass „Babylon 5“ als „Roman fürs Fernsehen“ konzipiert worden ist. Das heißt, die einzelnen Staffeln und Episoden stehen hier für einzelne, aber zusammenhängende (Unter-)Kapitel, die eine große, zusammenhängende Geschichte erzählen. Die fünf Staffeln erzählen jeweils ein Jahr der Serienhandlung, tragen eigene Titel und bilden so jeweils ein eigenes Kapitel der „Babylon 5“-Saga. Auch wenn es während der ersten Staffel noch nicht den Anschein danach hat, wird hier doch von den ersten Minuten an eine Geschichte epischen Ausmaßes erzählt, in der alle Elemente aufeinander aufbauen und wo bereits im Pilotfilm Dinge vorkommen oder angesprochen werden, die erst mehrere Staffeln später relevant werden. Genau wie ein Roman hat „Babylon 5“ einen Anfang, an dem die Figuren, die Örtlichkeiten und Gegebenheiten vorgestellt werden, eine Mitte, in der die Geschichte so richtig Fahrt aufnimmt und einen Schluss, an dem…nun ja, an dem die Geschichte eben endet. „Babylon 5“ war einer der Wegbereiter für episodenübergreifendes Erzählen, wie es heute in vielen Serien selbstverständlich ist. So selbstverständlich sogar, dass man sich Serien wie „The Sopranos“, „Lost“, „Mad Men“ oder „Game of Thrones“ gar nicht mit in sich geschlossenen Folgen vorstellen kann, die mit Beginn jeder neuen Episode quasi den Reset-Knopf drücken und damit die Entwicklungen der vorhergehenden Folge wieder rückgängig machen und die Beziehungen der Charaktere wieder zurücksetzen. Im Unterschied zu manchen der modernen Serien hatte Straczynski aber für „Babylon 5“ von Anfang an einen „Fünfjahresplan“ und damit eine genaue Vorstellung davon, wie er seine Geschichte über fünf Staffeln hinweg erzählen wollte. Dabei kamen ihm zwar immer wieder äußere Umstände (wie z.B. der Ausstieg von Darstellern) in die Quere, so dass er sich gezwungen sah, diesen großen story arc an mehreren Stellen etwas anzupassen, doch im Großen und Ganzen hat er es geschafft, seinen Plan umzusetzen und fünf Staffeln von „Babylon 5“ ins Fernsehen zu bringen.

Das episodenübergreifende Erzählen ist jedoch nicht der einzige Punkt, in dem „Babylon 5“ Neuland betreten hat. Ein weiterer (und nicht der letzte) Aspekt ist die Art und Weise, in der Straczynski schon lange bevor der Pilotfilm produziert wurde, mit Science-Fiction-Fans im Internet kommunizierte. Bereits 1991 richtete sich Straczynski in diversen Online-Foren – die es damals tatsächlich schon gab, obwohl sie natürlich noch in ihren Kinderschuhen, ach was, in ihren Strampelanzügen steckten – offizielle Accounts ein, von denen aus er die interessierte Öffentlichkeit (also die Science Fiction-Community) über seine Vision und ihre schrittweise Realitätswerdung informierte. Diese Onlinepräsenz behielt er auch während der gesamten Produktionszeit von „Babylon 5“ bei und stand so in einem ständigen und ausführlichen Dialog mit den Fans der Serie, der auch weit über die gelegentliche Twitter-Korrespondenz hinausging, wie sie einige der führenden Kreativköpfe der Film- und Fernsehbranche heute pflegen. Zudem war Straczynskis Onlinepräsenz keineswegs nur eine Marketingstrategie (1991 hätten das im Internet ohnehin nur sehr wenige mitbekommen), sondern es ging ihm darum, den Prozess der Herstellung seiner Serie von den ersten getippten Zeilen bis hin zur im Fernsehen ausgestrahlten Episode für sein Publikum nachvollziehbar zu machen und natürlich auch darum, sich Feedback zu holen und die zahlreichen Fragen der Fans zu beantworten. Hier kann man alle von Straczynski verfassten Posts von 1991 bis in die Gegenwart nachlesen; vor ein paar Jahren wurden seine gesammelten Forumposts aus der Produktionszeit von „Babylon 5“ sogar in Buchform veröffentlicht (5 Bände, 2000 Seiten!). Im Vorwort des ersten Bandes schreibt JMS über den regen Online-Kontakt, in dem er schon Anfang der 1990er mit seinen Fans stand:
„I wanted to talk about the making of the show, on the theory that (as a fan myself) we cannot get what we want until we understand the process enough to concisely elucidate exactly what it is that we want. Until, in short, viewers understand the process of making television, and why things are done the way they’re done.“

Das einem Roman-/Saga-Modell folgende episodenübergreifende Erzählen der Serie hat natürlich zur Folge, dass man an „Babylon 5“ dann die meiste Freude hat, wenn man vorher noch nichts über den Handlungsverlauf weiß. Allen, die die Serie noch nicht kennen, empfehle ich also: besorgt euch die DVDs, beginnt mit dem Pilotfilm („Die Zusammenkunft“ / „The Gathering“) und geht dann zu den fünf regulären Staffeln über, ohne euch irgendwo spoilern zu lassen. Ich empfehle diese wirklich unschlagbar günstige Komplettbox, in der der Pilotfilm, alle fünf Staffeln und alle weiteren TV-Filme enthalten sind (die Box dürft ihr natürlich auch gerne bei einem anderen Händler kaufen als bei dem, auf den ich hier gewohnheitsmäßig verlinkt habe). Auf Blu-ray wird „Babylon 5“ übrigens wahrscheinlich leider nie erscheinen; das hat technische Gründe, aber eine genaue Erklärung würde hier zu weit führen (und ich verstehe die Gründe sowieso nicht genug 😉 ). Und noch eine Anmerkung: Nur im Deutschen trägt die Serie bereits seit 1995 in den TV-Zeitschriften und auch heute noch auf vielen DVD-Boxen den dämlichen Zusatz „Spacecenter“ vor ihrem Namen. Anscheinend hat man sich damals vor der deutschen Erstausstrahlung gedacht, den Fernsehzuschauern auf diese Weise klar machen zu müssen, dass es sich hier um eine Serie handelt, die auf einer Raumstation spielt.

Leider fristet „Babylon 5“ trotz des Kultstatus immer noch ein Nischendasein. Die Serie ist längst nicht so bekannt, wie sie es meiner Meinung nach verdient hätte. Einerseits war sie zwar wie erwähnt Wegbereiter für viele andere episodenübergreifend erzählende Serien und hat prominente Fans wie beispielsweise den „Doctor Who“-Showrunner und „Sherlock“-Schöpfer Steven Moffat (und anscheinend auch jemanden im Autorenteam von „Breaking Bad“), andererseits wird sie aber in den USA seit etwa zehn Jahren nicht mehr im Fernsehen wiederholt und lässt sich auch nicht auf Netflix und ähnlichen Diensten finden (nur auf iTunes ist sie soweit ich weiß verfügbar). Das hat dazu geführt, dass es zwar nach wie vor einen sehr treuen Kern „alter“ B5-Fans gibt, aber kaum neue Fans nachwachsen. Auch die Chancen auf weitere „Babylon 5“-Abenteuer – sei es in Form einer neuen Serie, eines Kinofilms oder was auch immer – sind aus diesem Grund nicht besonders hoch. Und obwohl sich die DVDs sehr, sehr gut verkauft haben, haben die Verantwortlichen bei Warner Bros. anscheinend keinen blassen Schimmer, auf welchem Schatz sie da sitzen und welch ein großes Publikum für die Serie (in Form von alten und potentiellen neuen Fans) noch immer da ist. Straczysnki hat dies in Interviews immer wieder betont. Anfang September – nachdem „Babylon 5“ in einer Folge von „Breaking Bad“ erwähnt wurde – rief er über Twitter und Facebook die B5-Fangemeinde dazu auf, sich unter dem Hashtag #FreeBabylon5 dafür einzusetzen, die Serie wieder ins US-Fernsehen zu bringen, wo sie seit vielen Jahren nicht mehr wiederholt wird:

Ausführlicher wurde Straczynski einen Tag später auf seiner Facebook-Seite:
To the online backinh and forthing…some hard facts. Because Babylon 5 isn’t on the air in the US anywhere, it’s impossible for the show to add new viewers except one at a time, friend to friend, or if you’ve heard about it enough to want to shell out the money for the DVDs. Casual viewers can’t stumble across it while channel surfing. (As we all know, after Trek was canceled for poor ratings, it found its audience in syndication.) So in answer to the photo below, either WB has to be convinced to release the show somewhere, or a network like Syfy or Chiller or another along those lines has to be prompted to pick it up. If not, quite honestly, and without any way to add new viewers, the show will eventually slide into obscurity. This ain’t something I can do, or even directly participate in. It’s up to the fans now.

Ob hinter dem Zeitpunkt seines Aufrufs mehr steckt, als nur eine Reaktion auf die Erwähnung in „Breaking Bad“, darüber kann man nur spekulieren. Es würde mich aber nicht wundern, wenn Straczynski wieder einmal kurz vor dem Abschluss eines wichtigen Deals für einen B5-Film oder eine neue B5-Serie stand, so wie das in den letzten Jahren schon mehrmals der Fall war (leider kam es zu den entsprechenden Projekten nie). „Babylon 5“ zurück ins Fernsehen, in die Streaming-Dienste wie Netflix und damit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, ist aber auf jeden Fall eine gute Idee. Die „Free Babylon 5“-Kampagne hat auch eine eigene Facebook-Seite, hier gibt es außerdem einen weiteren Artikel über Straczynskis Aufforderung an die Fans. Ein paar kleine Wellen hat die Aktion also schon geschlagen.

Falls Ihr jetzt Lust bekommen habt, die Serie (wieder einmal) anzuschauen, dann freut mich das und ich wünsche Euch viel Spaß. Wann ich mich mit einem weiteren Blogpost über „Babylon 5“ zurückmelde, steht noch in den Sternen. Motiviert durch die vielen Folgen des „Babble On Project“-Podcasts hatte ich zunächst vor, selbst einen B5-Rewatch zu starten und hier in regelmäßigen Abständen die Serie Folge für Folge zu besprechen. Inzwischen zweifle ich allerdings stark daran, ob ich ein solches Projekt lange durchhalten würde. Aber vielleicht finde ich einen Kompromiss, man muss ja nicht unbedingt jede einzelne Episode ausführlich besprechen. Die Idee, „Babylon 5“ wieder bekannter zu machen, finde ich jedenfalls sehr gut. Denn ganz egal, ob es nun irgendwann neue B5-Abenteuer im Fernsehen oder sogar einen Kinofilm geben wird oder ob nie wieder auch nur eine einzige neue Szene gefilmt wird: Ich halte „Babylon 5“ für eine der besten und wichtigsten Fernsehserien, die je produziert worden sind. J. Michael Straczynski steht als Geschichtenerzähler für mich auf einer Ebene mit Tolkien oder George Lucas. „Babylon 5“ ist ein episches Drama, ein moderner Mythos und behandelt zeitlose Themen, die heute mindestens ebenso relevant sind, wie vor zwanzig Jahren und die es auch in Zukunft bleiben werden. Und vielleicht melde ich mich ja doch bald mit einem Post zum B5-Pilotfilm und den ersten Folgen der ersten Staffel zurück…

Hannibal – Season 1

Hannibal Lecter war schon immer eine faszinierende Figur. Gebildeter Akademiker, begabter Koch, Genussmensch – und gleichzeitig brutaler Serienmörder und Kannibale. Gerade diese Kombination macht den von Thomas Harris für seinen Roman „Roter Drache“ erdachten Charakter für viele Leser so interessant. In Michael Manns „Blutmond“ („Manhunter“), der ersten Verfilmung dieses Romans, war Lecter 1986 zum ersten Mal im Kino zu sehen, damals noch gespielt von Brian Cox. Aber erst die Verkörperung Lecters durch Anthony Hopkins fünf Jahre später in Jonathan Demmes Verfilmung des zweiten Lecter-Buches „Das Schweigen der Lämmer“ machte den Namen Hannibal Lecter zum weltweit bekannten Synonym für das Böse schlechthin und Hannibal Lecter zu einem der bekanntesten Filmbösewichte überhaupt.

1999 veröffentlichte Harris mit „Hannibal“ sein drittes Lecter-Buch. Kurz bevor Ridley Scotts Verfilmung des Romans zwei Jahre später in die Kinos kam, tauchte auch ich erstmals in die Welt von Hannibal Lecter ein; ich las die Romane, sah mir danach die beiden Filme an und war damals vor allem ein großer Fan von „Hannibal“. Die Special Limited Edition des Films mit den beiden blutroten (!) DVDs ist ein tolles Sammlerstück, das ich nie wieder hergeben möchte. 2002 kam schließlich die zweite Verfilmung von „Roter Drache“ ins Kino, die angesichts der Tatsache, dass Brett Ratner als Regisseur dahinter stand, überraschend gut war. Damit war die Kino-Trilogie mit Anthony Hopkins als Lecter komplett.

2006 folgte schließlich mit „Hannibal Rising“ noch ein weiterer Roman von Thomas Harris, in dem er Lecters Vorgeschichte erzählte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings das Interesse am Lecterversum wieder verloren, sicherlich auch deshalb, weil die dazugehörige Verfilmung von Lecters Jugendjahren von der Kritik zerrissen wurde (ich habe den Film bis heute noch nicht gesehen und auch das Buch nicht gelesen).

Als ich dann aber irgendwann im letzten Jahr davon las, dass es eine Hannibal-Fernsehserie mit Mads Mikkelsen in der Titelrolle geben würde, erwachte mein Interesse für die Figur und das Thema wieder. Hannibal Lecter ist zwar einerseits scheinbar untrennbar mit der Darstellung, Präsenz und Stimme von Anthony Hopkins verbunden, andererseits aber machte für mich die Nachricht, dass Mads Mikkelsen nun Hannibal Lecter spielen würde, irgendwie sofort Sinn. Das schien eine perfekte Castingentscheidung zu sein – und war es auch, wie ich nun bestätigen kann.

In den letzten Wochen habe ich mir alle 13 Episoden der ersten Staffel von „Hannibal“ angeschaut. Die Serie heißt zwar „Hannibal“, basiert aber (bislang) auf dem Buch „Roter Drache“. Die Handlung dieser ersten 13 Folgen hat allerdings noch nichts mit dem Roman zu tun, es wurden lediglich die Charaktere des Buches übernommen und eine größtenteils neue Geschichte erzählt. Auch wenn es dem Titel nach um Hannibal geht, steht er hier keineswegs allein im Vordergrund. Die eigentliche Hauptfigur ist der junge FBI-Profiler Will Graham (Hugh Dancy), der sich im Lauf dieser ersten Staffel mit Dr. Lecter anfreundet.

Bewusst zeigen die Autoren Hannibal Lecter nicht schon zu Beginn als das, von dem wir alle wissen, dass er es ist: als Serienmörder. Seine Identität als grausamer Killer wird lange nur angedeutet und auch später nur ganz kurz gezeigt. Da die Figur Lecters eine so bekannte ist, wird seinem Gegenüber Will Graham zunächst viel mehr Aufmerksamkeit zuteil, denn schließlich ist diese Figur dem Publikum längst nicht so gut bekannt wie Lecter. Lecter ist auch in der Serie ein wahnsinnig charmanter, intelligenter und eleganter Mann, von dem man sich gerne bekochen lassen würde und mit dem man anregende Gespräche führen möchte. Diese fast schon aristokratische Seite an Lecter vermittelt Mikkelsen sehr gut; gleichzeitig gibt er ihm aber auch von Beginn an den Schatten des Dunklen und Mysteriösen – oder sind das nur die Erwartungen, die der Zuschauer automatisch auf die Figur projiziert? Wie auch immer, Mikkelsen erweist sich jedenfalls als ideale Besetzung.

Will Graham ist jedoch wie erwähnt die Figur, die zunächst stärker ausgearbeitet wird. Der junge FBI-Agent verfügt über eine Begabung, die zugleich sein Fluch sein wird. Dank seiner hoch ausgeprägten empathischen Fähigkeiten fällt es ihm extrem leicht, sich in die Täter hineinzuversetzen, die all die schrecklichen Morde begangen haben, bei deren Aufklärung er dem Team von Jack Crawford (Laurence Fishburne) behilflich sein soll. Genau dies wird über die 13 Folgen hinweg aber immer mehr zum Problem. „There’s nothing he can’t understand and that terrifies him“, fasst Lecter an einer Stelle Wills zentrales Problem zusammen. Will kann sich tatsächlich in jeden Mörder hineinversetzen, jeden Tathergang nachvollziehen und bis in die Details hinein nicht nur rekonstruieren, sondern nacherleben. Auf diese Weise schafft er es, vollkommen die Perspektive des Mörders einzunehmen, ja er wird dabei gewissermaßen jeweils zu dem Täter, dessen Tat er aufzuklären helfen soll. Will erlebt die Morde so intensiv, als wäre er selbst dabei gewesen, als hätte er sie selbst begangen. Das führt dazu, dass ihn die Bilder dieser Taten immer mehr verfolgen und er sich immer weniger von den Morden distanzieren kann. Schließlich kommt er an einen Punkt, an dem er sich nicht mehr sicher ist, ob er nicht selbst zum Mörder geworden ist. An dieser Stelle scheint der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ein sehr schmaler zu sein.

Hugh Dancy spielt dieses graduelle Verrücktwerden Grahams wirklich fantastisch. Ist er anfangs lediglich verwirrt und unsicher, schlägt diese Verwirrtheit schließlich immer mehr in Angst und Verzweiflung um bis Will sich schließlich nicht mehr sicher sein kann, was noch Realität ist und was nicht. All das bringt Dancy in seinem nuancierten Schauspiel wirklich sehr gut zum Ausdruck, als Zuschauer leidet man zeitweise förmlich mit ihm.

Die dritte, aber kleinste Hauptrolle in diesem fantastischen Cast hat Laurence Fishburne als Direktor der Behavioral Analysis Unit des FBI. Fishburne hat es anscheinend akzeptiert, dass er hier nicht im Vordergrund steht und einmal mehr den Mentor-Typen à la Morpheus („Matrix“) spielt. Das macht er aber erwartungsgemäß routiniert und überzeugend. Crawford ist es auch, der Lecter und Graham miteinander bekannt macht: Er holt Dr. Lecter ins Team, um Will Graham zu helfen, besser mit den schrecklichen Morden zurecht zu kommen. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen wird – nicht nur deswegen, weil Lecter einer der Serienmörder ist, nach denen das FBI sucht (auch wenn Lecters zweite Identität natürlich noch niemandem bekannt ist). Neben Lecter, Graham und Crawford tauchen noch weitere aus dem Buch bekannte Charaktere in der Serie auf: Dr. Chilton, der Direktor des Baltimore State Hospitals for the Criminally Insane (wo in „Das Schweigen der Lämmer“ die erste Begegnung zwischen Clarice Starling und Lecter stattfindet) wird hier von Raúl Esparza gespielt, der zwar überhaupt keine Ähnlichkeit mit Anthony Heald hat, dem Darsteller der Figur in „Das Schweigen der Lämmer“ und „Roter Drache“, sie aber dennoch genauso schmierig und unsympathisch anlegt. Schade, dass er bis jetzt nur in drei Folgen vorkam! Aus dem Klatschreporter Freddy Lounds wurde für die Serie eine Frau, Fredricka „Freddie“ Lounds (Lara Jean Chorostecki). Und wie es sich heute gehört, schreibt sie auch nicht für ein lokales Käseblatt, sondern für eine Klatschwebsite, die über spektakuläre Kriminalfälle berichtet. Es ist schon lange her, seit ich „Roter Drache“ gelesen habe, aber ich habe das Gefühl, dass Will Graham hier die Figur ist, die am stärksten ausgebaut wurde (Bryan Fuller hat allerdings in einem Interview erzählt, dass diese Komplexität Wills bereits in den Büchern vorhanden war und lediglich nicht in die bisherigen Verfilmungen übernommen wurde).

Sehr gut gefallen hat mir Hannibal Lecters Psychotherapeutin, Dr. Bedelia Du Maurier. Richtig gelesen, der Psychoanalytiker Dr. Lecter sucht in der Serie selbst reglemäßig eine Therapeutin auf. Sie wird gespielt von der großartigen Gillian Anderson (ich bin ein Fan von ihr, obwohl ich in meinem ganzen Leben bislang nur etwa 1,5 Folgen von „Akte X“ gesehen habe; ich mag ihre Ausstrahlung einfach unglaublich gerne). Interessant an Lecters Beziehung zu Dr. Du Maurier ist vor allem die Frage, wie viel sie über ihren Patienten und seine mörderischen und kannibalischen Neigungen weiß. In dieser Richtung hat die Serie bislang lediglich ein paar Andeutungen gemacht.

— Spoilerwarnung: Die folgenden drei Absätze enthalten Spoiler zum Ende der ersten Staffel. Ich bleibe zwar vage und verrate keine Details, aber wer sich die Spannung nicht nehmen lassen möchte, sollte die kommenden drei Absätze lieber überspringen! —

Der Kern der Serie ist bislang eindeutig die Beziehung zwischen Will Graham und Dr. Hannibal Lecter. Lecter erkennt sich selbst in dem jungen, begabten FBI-Agenten wieder und ich glaube, er sorgt sich wirklich um ihn und möchte ihm helfen. Gleichzeitig möchte Lecter natürlich seine „Nebentätigkeit“ als Serienmörder geheim halten und genau dieser Drang ist der entscheidende Punkt, an dem seine Freundschaft und Fürsorge zu Will schließlich endet. Als er nämlich die Möglichkeit sieht, Wills Zustand auszunutzen, um ihm jene Morde anzuhängen, die er selbst begangen hat, nutzt er sie sofort. Er fördert Wills Krankheit ja sogar noch, anstatt sie zu heilen und an diesem Punkt ist er dann leider doch kein Freund für Will mehr, sondern sein böses Spiegelbild. Dass Lecter hier der eigentliche Feind ist, hat außer Will am Ende der Staffel noch niemand begriffen und auch Will kommt leider zu spät hinter Lecters Geheimnis. Die letzten Folgen der Staffel sind von der Frage geprägt, ob Hannibal Lecter enttarnt wird und wie er das dann verhindert, ist wirklich toll geschrieben und wurde schon die ganze Staffel über angelegt.

Dass das Ganze dann in einer Spiegelung der klassichen Situation aus „Das Schweigen der Lämmer“ und „Roter Drache“ endet, gefällt mir sehr gut. Viele werden das sicher dämlich finden, ich aber finde es vor allem interessant, dass nach „Star Trek Into Darkness“ hier nun ein weiteres Mal im popkulturellen Bewusstsein fest verankerte Charaktere und Situationen einem Update unterzogen werden, indem das bekannte Szenario einfach „umgedreht“ wird. Die grundlegenden Eigenschaften der Figuren bleiben in beiden Fällen die gleichen, aber die Positionen der Figuren in der Erzählung werden vertauscht.

Das Ende ist dann in diesem Fall ein äußerst tragisches: natürlich für Will, aber auch für Jack Crawford (der diese Tragik nur noch nicht sehen kann). Crawford hat ja Lecter in Wills Leben gebracht, aus genau dem Grund, um Wills psychische Gesundheit zu erhalten. Stattdessen hat Lecter Will einfach benutzt und das genaue Gegenteil erzielt. Crawford bleibt dabei bis zum Schluss vollkommen ahnungslos. Lecter hat fast alle hinters Licht geführt.

— Spoiler Ende —

Neben der Tatsache, dass „Hannibal“ in allen Bereichen erstklassige Unterhaltung bietet, finde ich an der Serie vor allem interessant, dass man sie in eine Reihe mit einigen anderen aktuellen Serien stellen kann, die ihr in der Ausgangssituation ähnlich sind. Hannibal Lecter ist ein Serienmörder, was aber zu Beginn der Serie keiner der anderen Protagonisten weiß. Allein daraus entsteht ja schon ein Spannungsverhältnis, denn wenn die Figuren hier eine Entwicklung durchmachen sollen, muss Lecters Geheimnis früher oder später ans Licht kommen. Wann und wie also werden Crawford, Graham und die anderen herausfinden, dass Lecter ein Mörder und Kannibale ist? Wird Lecter einen Fehler machen und sich unabsichtlich selbst verraten? Erzählerisch bewegen sich die Autoren hier auf einem schmalen Grat: Denn einerseits möchte man als Zuschauer ja, dass die anderen Lecter auf die Schliche kommen, andererseits möchte man aber auch, dass er möglichst lange ungeschoren davonkommt. Eine ähnliche Konstellation findet man in „Dexter“ – auch dort ist die Hauptfigur ein Serienmörder, auch dort weiß zu Beginn der Serie noch niemand etwas davon. Und auch dort sympathisiert man mit der Hauptfigur, fragt sich aber gleichzeitig ständig, wie die Serie weitergehen würde und sich die Beziehung Dexters zu den anderen Protagonisten verändern würde, wenn einer oder mehrere von ihnen hinter sein Geheimnis kämen. Ähnliches gilt auch für „Breaking Bad“; Walter White begibt sich hier im Lauf der Serie auf einen Pfad, der ihn vom Status eines rechtschaffenen Bürgers in immer tiefere kriminelle und moralische Abgründe führt. Die Gründe für seine Verbrechen sind zwar andere als bei Hannibal oder Dexter, doch auch hier fiebert man mit der Hauptfigur mit und möchte manchmal geradezu applaudieren, wenn Walter White in seiner Heisenberg-Identität Erfolge feiert indem er zum Beispiel skrupellos seine Gegner und Konkurrenten ausschaltet. Gleichzeitg steht lange Zeit ständig die Frage im Raum, ob Walts Schwager Hank, der bei der Drogenfahndung arbeitet, jemals hinter Walts Geheimnis kommen und ihn verhaften wird.

Weiterhin scheint der Trend in Fernsehserien in den letzten Jahren zu „gestörten, aber sympathischen“ Hauptfiguren zu gehen. Will Graham in „Hannibal“ ist dem FBI dank seiner stark ausgeprägten empathischen Fähigkeiten eine große Hilfe, gleichzeitig zerbricht er aber an den Konsequenzen, die diese Fähigkeiten in ihm auslösen. Auch Sherlock Holmes in „Sherlock“ verfügt über für seine Mitmenschen nicht nachvollziehbare geistige Fähigkeiten, dank derer er zu unglaublichen Denkleistungen in der Lage ist, zugleich hat er aber Defizite im sozialen Umgang mit seinen Mitmenschen. Und auch Dexter ist in seinem Job ein für die Polizei wertvoller Experte, gleichzeitig aber „gestört“ und schleppt einen „dark passenger“, wie er es nennt, mit sich herum, der ihn dazu zwingt, Morde zu begehen.

„Hannibal“ ist eine äußerst faszinierende Serie, die in allen Bereichen – Darsteller, Drehbücher und Storyentwicklung, Setdesign – sehr gute Fernsehunterhaltung bietet. Im nächsten Jahr wird es eine zweite Staffel geben und wenn es nach Bryan Fuller geht, sollen es insgesamt sogar sieben werden. Wie er in dem bereits erwähnten Interview erläutert hat, sollen die ersten drei Staffeln neue Geschichten erzählen, während die Staffeln vier bis sechs auf den Büchern „Roter Drache“, „Das Schweigen der Lämmer“ und „Hannibal“ basieren sollen. Das würde natürlich auch bedeuten, dass bekannte Charaktere wie Clarice Starling, Francis Dolarhyde oder Jame Gumb doch noch in der Serie vorkommen. Die zweite Staffel wird bereits gedreht, die weitere Zukunft der Serie ist aber noch nicht sicher, zumal Fuller sich bisher nur die Rechte an „Roter Drache“ gesichert hat. Ich bin von Fullers Plan wirklich begeistert und wünsche ihm dabei alles Gute (und immer wieder grünes Licht für eine weitere Staffel!). Ganz besonders seine Idee, in der letzten und siebten Staffel schließlich zu erzählen, wie die Geschichte von Hannibal Lecter und Clarice Starling nach dem Ende des Romans „Hannibal“ (das ein anderes ist als das des Films) weitergeht, finde ich reizvoll. Generell finde ich ja, dass man mehr Romane in Serienform verfilmen sollte (hoffentlich macht das irgendwann einmal jemand mit den „Harry Potter“-Büchern!). „Hannibal“ ist jedenfall eine weitere Serie, die nun für mich zur Pflicht geworden ist und die ich in ihrer Gänze anschauen möchte. Ich freue mich schon auf die zweite Staffel.

Breaking Bad – Episoden 5.09 & 5.10

Spoilerwarnung: Ich bespreche hier die Episoden 5.09 und 5.10. Weiter lesen sollte nur, wer diese Folgen schon gesehen hat!!

Seit „Lost“ vor über drei Jahren zu Ende ging, wurde wohl keine andere letzte Staffel einer Fernsehserie von der Fangemeinde so sehr erwartet, wie nun die letzten acht Folgen von „Breaking Bad“. Mir geht es jedenfalls so und auch die aktuelle Berichterstattung über die Serie im Internet erweckt diesen Eindruck. Auf Spiegel Online wird das Finale Folge für Folge in einem eigenen Blog kommentiert, genau wie damals bei Lost. Die Social Networks spielen nach der Ausstrahlung jeder Episode verrückt. Und beim „Betting Bad Game“ konnte jeder Fan der Serie vor der Ausstrahlung der ersten Folge dieses finalen acht-Folgen-Blocks auf den Ausgang der Serie wetten. Wer stirbt wann? Wer ermordet wen? Wer wird zum Verräter? Wer kommt ins Zeugenschutzprogramm? Auf diese und viele weitere Details konnte man im Vorfeld der Ausstrahlung dort Wetten abgeben und so Punkte gewinnen. (Ich bin momentan auf dem 3885. Platz, aber das kann sich ja noch ändern.)

Die erste Folge dieser letzten acht Folgen (5.09) endete mit der Konfrontation zwischen Walt und Hank in Hanks Garage. Schauspielerisch und dramaturgisch ist diese Szene eine Meisterleistung. Wer hätte vorher schon geglaubt, dass es bereits so früh zu dieser Konfrontation kommt? Als Walt den Peilsender aus der Tasche holte und Hank danach befragte und Hank ersteinmal wortlos das Garagentor herunter fahren ließ, wusste ich nicht, ob ich nun meine Hände vor Spannung in die Couch krallen oder jubeln und applaudieren sollte. Schließlich habe ich wie alle Zuschauer genau dieses Aufeinandertreffen fast von der ersten Folge an sowohl gefürchtet als auch herbei gesehnt. Walt tritt hier seinem Schwager erstmals nicht als Walter White gegenüber, sondern als Heisenberg. Zwar gibt er natürlich nichts zu und seine Drohung am Schluss ist subtil, aber doch deutlich. Nun wird es ernst, aber so richtig!

Diesen Eindruck unterstreicht der Beginn der nächsten Folge nach, der nahtlos an Walts Drohung anschließt und Walt und Hank in Western-Manier als zwei zum Duell gegenüberstehende Männer inszeniert. Zumindest das direkt darauf folgende Duell verliert Walt: Beide Männer greifen zum Telefon, um Skyler anzurufen, doch Hank kommt als erster durch und so kann Walt seine Frau nicht warnen.  Hank bietet Skyler Schutz an, um im Gegenzug eine umfangreiche Zeugenaussage von ihr zu bekommen. Er ahnt noch nicht, dass sie schon lange vom Doppelleben ihres Mannes weiß und inzwischen selbst in seine kriminellen Aktivitäten verstrickt ist. Hank sieht in Skyer zu diesem Zeitpunkt noch ein Opfer und glaubt, mit ihrer Hilfe die Puzzleteile zusammensetzen zu können. Auf solche Hilfe ist er nun angewiesen, denn es wird schnell klar, dass Hank noch keine Beweise für seine Anschuldigungen in der Hand hat. Er ist sich ziemlich sicher, dass Walt Heisenberg ist, aber was hat er tatsächlich gegen ihn in der Hand? Eine Heisenberg-Zeichnung, auf der er nun Walts Gesichtszüge zu erkennen glaubt. Ein Video von einer Überwachungskamera, auf dem schemenhafte Gestalten zu sehen sind, von denen eine Walt sein könnte. Handfeste Beweise fehlen ihm noch. „It’s in your best interest to get out there and show the world that you’ve got nothing to hide.“, sagt er zu Skyler, nichts ahnend, dass sie ihrem Mann erfolgreich bei der Geldwäsche hilft. Erst als sie darauf besteht, nur in Gegenwart eines Anwalts mit ihm zu sprechen und schließlich fluchtartig das Cafe verlässt, dämmert ihm, dass Skyler längst nicht nur Walts unschuldiges Opfer ist.

Also versucht er über seine Frau Marie, Skylers Schwester, an sie heran zu kommen. Die Szene, in der die beiden Frauen auf dem Bett sitzen ist einer der sehr vielen schauspielerischen Glanzleistungen dieser Serie. Während Marie (Betsy Brandt) auf ihre Schwester einredet, sagt Skyler (Anna Gunn) kein einziges Wort, dafür können wir ihre immer stärker werdende Verzweiflung an ihrem Gesicht und ihrer Körpersprache ablesen. Und während Skyler zwar nichts sagt und keinen Ausweg weiß, wird Marie aus Skylers wortlosen Reaktionen allmählich klar, dass ihre Schwester schon lange von Walts Aktivitäten wusste und selbst mit drinsteckt. „I’m sorry“, ist der einzige Satz, den Skyler schließlich herausbringt, aber Marie ist außer sich vor Wut, weil Skyler nicht aussagen will und offensichtlich hofft, dass Walt doch noch irgendwie davon kommt.

Humor und Tragik lagen in „Breaking Bad“ schon immer sehr nah beieinander. Als Walt seinem schmierigen Anwalt Saul Goodman (Bob Odenkirk) die Lage schildert fragt dieser: „Have you given it any thought of sending him [Hank] on a trip to Belize?“ Als Walt mit ungläubigem Gesichtsausdruck verneint und antwortet, er könne seinen Schwager nicht umbringen, erwidert Saul: „It’s an option that’s worked very well for you in the recent past.“ So formuliert ist das natürlich Comedy pur, erinnert den Zuschauer aber zugleich daran, zu welchen Mitteln Walt bisher gegriffen hat, um seine Heisenberg-Identität geheim zu halten und selbst am Leben zu bleiben. Das kaltblütige und geplante Ermorden konkurrierender Drogenbosse und anderer Mitwisser gehörte dazu, aber nun geht es um Hank, der nicht nur zur Familie gehört, sondern auch einmal sein bester Freund war.

Als Saul seine beiden Helfer Kuby und Huell damit beauftragt, Walts Geld aus dem Lagerhaus fort zu schaffen, gibt dies noch einmal die Gelegenheit für einen herrlich komischen Moment, als die beiden es einfach nicht lassen können, sich zuerst einmal in Dagobert Duck-Art genüsslich auf den riesigen Berg aus Dollarscheinen zu legen. Doch mit jeglicher Komik ist es schnell vorbei, als Walt das in Tonnen gefüllte Geld raus in die Wüste fährt, um es dort zu vergraben. Was man hier sieht, ist kein Heisenberg, kein erfolgreicher Meth-Koch und kein rücksichtsloser und zu allem bereiter Verbrecher. Hier sieht man lediglich einen 51-jährigen, vom Krebs und der Chemotherapoe gezeichneten Mann, der all seine körperliche Kraft aufbringen muss, um ein paar Fässer mit Geld zu vergraben. Unweigerlich fragt man sich in diesem Moment noch einmal, wie es nur soweit kommen konnte? Der Ausgangspunkt von Walts Entwicklung zu Heisenberg bis hin zu jener tragischen Szene in der Wüste war Walts Sorge um seine Familie, die er nach seinem Tod finanziell abgesichert sehen wollte. Doch nun scheint alles noch viel schlimmer zu sein, als zu Beginn der Serie. Nicht nur ist der Krebs zurück gekehrt, sondern Walts und Skylers kriminelle Aktivitäten sind aufgeflogen und all die Millionen, die Walt gemacht hat, können ihm nicht helfen.

Walt hält die Koordinaten für die Stelle, an der er das Geld vergraben hat, fest, indem er die Zahlen im Lotto tippt und den Schein an den Kühlschrank heftet. Ganz bestimmt wird dieser Lottoschein noch eine Rolle spielen. Ich bin gespannt, wem der Zettel schließlich in die Hände fällt und ob derjenige seine Bedeutung entschlüsseln wird. Als Walt vollkommen verdreckt und geschwächt nach Hause kommt und im Bad zusammenbricht, kümmert sich Skyler ihn. Hofft sie immer noch, er möge endlich sterben? Von der Rückkehr seiner Krebserkrankung weiß sie noch gar nicht, aber nachdem sie nun aufgeflogen sind, ist es verständlich, dass sie wieder die Nähe ihres Mannes sucht. Als Walt schließlich auf dem Badezimmerboden aufwacht, ist es fast schon rührend, wie er ihr anbietet, sich der Polizei zu stellen, wenn sie nur das Geld behält und an die Kinder weitergibt. Doch Skyler, die ja – anders als Walt wohl glaubt – gar keinen Deal mit Hank gemacht hat, widerspricht ihm entschieden. Da Hank nur wenige Fakten kennt und keine Beweise hat, hält sie es für das Beste, sich ruhig zu verhalten. Während sie ihm vor kurzem noch den Tod gewünscht hat, steht sie ihrem Mann nun wieder zur Seite.

Ein weiteres Mal zögern die Autoren damit die weitere Entwicklung der Handlung hinaus. Ich will damit keine Kritk an der Serie üben, denn „Breaking Bad“ hat schon von Anfang an vorgemacht, wie man langsam, aber dennoch schlüssig, spannend und glaubwürdig erzählt. Im Gegensatz zu vielen anderen Serien haben es Vince Gilligan und die anderen Drehbuchautoren nie für nötig befunden, die Handlung durch unglaubwürdige Elemente wie völlig aus dem Nichts zu kommen scheinende Hindernisse und Probleme oder das immer wieder erfolgende Rückgängigmachen von abgeschlossenen Plotentwicklungen voranzutreiben. Nein, „Breaking Bad“ erzählt statt dessen einen von der ersten bis zur letzten Episode konsequent durchgehaltenen Handlungsbogen und lässt sich dabei oft Zeit. Das macht die Serie aber keineswegs langweilig, sondern verleiht ihr eine Intensität und Spannung, wie sie nur wenige Serien auszeichnet.

Dann ist da noch Lydia (Laura Fraser), die in Episode 5.09 erfolglos versucht hat, Walt zur Rückkehr ins Meth-Geschäft zu bewegen, weil einfach niemand so reines Meth kocht, wie Heisenberg. In 5.10 sucht sie das Meth-Labor ihrer Operation auf, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie versucht Declan, den Meth-Dealer, von dem sie eine größere Menge Meth kaufen will, um es nach Tschechien weiter zu verkaufen, davon zu überzeugen, seinen anscheinend unfähigen Meth-Koch durch Todd zu ersetzen, der ja noch bei Heidenberg persönlich gelernt hat. Declan weigert sich und lässt sie ihn und seine ganze Bande nieder schießen. Als sie anschließend aus dem unteriridischen Meth-Labor zurück zum Auto muss, hält sie sich jedoch die Augen zu, um keinen Blick auf die Leichen werfen zu müssen. Auch hier hat man wieder einmal das Gefühl, dass da jemand etwas auf sich genommen hat, das eigentlich zu groß für ihn ist. Lydia mag im Moment noch das Gefühl haben, die Lage unter Kontrolle zu haben, doch wenn man aus „Breaking Bad“ eines gelernt hat, dann dass sich dieses Gefühl schnell als Illusion herausstellen kann.

Auch in dieser zweiten Episode des „Breaking Bad“-Endspurts verschweigt Hank seinen Verdacht noch vor seinen Kollegen von der DEA. Da seine Karriere sowieso zu Ende ist, sobald bekannt wird, dass der große Heisenberg, den Hank monatelang gejagt hat, in Wahrheit sein eigener Schwager ist, behält er diese Information weiter für sich und will Walt wenigstens persönlich verhaften können. Die Episode endet schließlich kurz vor einer weiteren Konfrontation, auf die wir lange gewartet haben. Hank trifft auf Jesse, aber leider setzt kurz vor dieser Konfrontation der Abspann ein. Ich kann die nächste Folge kaum erwarten.

Alias – Season 2 (Episode 1-7)

— Der folgende Text enthält Spoiler! Ich bespreche hier die ersten sieben Folgen der zweiten Staffel von Alias. Weiterlesen sollte nur, wer die Serie schon mindestens bis zu diesem Punkt angeschaut hat. Außerdem habe ich noch einen Spoiler zu „Dexter“ unterbringen müssen. Wer diese großartige Serie allerdings mindestens bis zum Ende ihrer sechsten Staffal gesehen hat, hat nichts zu befürchten. —

Seit ein paar Wochen ist es richtig heiß draußen. Und nicht nur dort, sondern auch in meiner Wohnung. Wirklich Lust dazu, mich vor den Fernseher zu setzen, um Filme und Serien anzuschauen habe ich daher zurzeit nicht. Draußen ist es eh viel schöner und abends wird es da ja eigentlich erst erträglich. Der Turm aus DVDs und Blu-rays, die noch angesehen werden wollen, wird deshalb nur sehr langsam kleiner. Nachdem ich mich durch die fünfte (und letzte) Staffel von Fringe gearbeitet habe (schön war’s), habe ich mir anschließend die fünfte Staffel von „True Blood“ vorgenommen (aber mir dabei überhaupt keine Notizen gemacht, deswegen kann ich nix dazu schreiben; vielleicht kommt nächstes Jahr ein Blogpost zu „True Blood“, wenn ich die sechste Staffel gesehen habe – Staffel Nr. 5 war jedenfalls wieder deutlich besser als Nr. 4). Inzwischen bin ich wieder bei „Alias“. Die erste Staffel der Serie mit Jennifer Garner habe ich vor ein paar Monaten gesehen und zweimal darüber gebloggt. Süchtig gemacht hat mich die Serie zwar nicht gerade, aber ich will doch wissen, wie es weitergeht und was sich J.J. Abrams & Co. noch so alles an Storywendungen ausgedacht haben. Wie gesagt tue ich mich mit dem regelmäßigen Serienkonsum derzeit etwas schwer, gucke also nicht gleich zehn oder mehr Folgen pro Woche, aber bis zur siebten Episode der Staffel habe ich es schon mal geschafft. Hier also meine Eindrücke soweit.

Gleich zu Beginn der Staffel hat mich schon mal die Mitwirkung von Lena Olin begeistert. Die schwedische Schauspielerin, die ich bisher nur aus Hollywood-Filmen wie „Chocolat“ oder „Mr. Jones“ kannte, spielt hier die KGB-Agentin Irina Derevko, Sidney Bristows Mutter. Unter Vortäuschung einer falschen Identität hatte sie einst die Bekanntschaft von Sidneys Vater Jack (Victor Garber) gemacht, der jahrelang keine Ahnung hatte, dass die Frau, die er unter dem Namen Laura kannte, nicht die war, die sie zu sein vorgab.
Die erste Folge beginnt mit einer hilfreichen Zusammenfassung der Ereignisse der ersten Staffel und insbesondere deren letzter Folge. Während Sidney ihrer Therapeutin bei der CIA die Ereignisse schildert, sehen wir teils Wiederholungen von bereits bekannten Szenen und teils neue Szenen. So werden wir auf den aktuellen Stand der Ereignisse gebracht. Selbst wenn man die erste Staffel gesehen hat, ist das keine schlechte Sache, schließlich erzählt „Alias“ in einem derart hohen Tempo, dass man schon mal einiges durcheinander bringen oder vergessen kann, besonders wenn mehrere Monate zwischen dem Anschauen von zwei Staffeln liegen.

Nach gut einer Viertelstunde ist es dann aber vorbei mit dem „Was bisher geschah“ und die Episode geht direkt zum Briefing für Sidneys nächste Mission über. Sid macht sich auf nach Frankreich und wenn man zu diesem Zeitpunkt schon wieder vergessen haben sollte, was sie dort eigentlich zu tun hat, dann ist das nicht weiter schlimm. Erstens, weil in „Alias“ die Durchführung der Mission das eigentlich Spannende und Unterhalsame ist und zweitens, weil man meistens noch in derselben, spätestens aber zu Beginn der nächsten Episode die Ergebnisse der Mission (und die gewonnenen Erkenntnisse sowie daraus resultierenden Konsequenzen) sowieso noch einmal zusammengefasst bekommt. In dieser Hinsicht ist „Alias“ eine Soap Opera: Die Missionen, auf die Sidney geschickt wird, führen immer zu weiteren Missionen. Jedes gelöste Problem bringt mindestens ein weiteres Problem, eine neue offene Frage mit sich, die nur durch einen weiteren gefährlichen Einsatz von Sidney beantwortet werden kann.
Gleich von der ersten Folge an legt auch die zweite Staffel ein hohes Tempo vor. Nach dem etwa 15minütigen Rückblick folgt wie gesagt Sidneys nächste Mission (die Befreiung Michael Vaughns), dann das Mission Briefing für den nächsten Einsatz und schließlich auch noch die Beerdigung von Arvin Sloans am Ende der ersten Staffel gestorbenen Frau.

Sehr gut gefallen hat mir die Entscheidung der Autoren, zumindest einen von Sidneys engen Freunden bereits nach der ersten Staffel von Sidneys Doppelleben als Agentin und normale Studentin erfahren zu lassen. Eine ähnliche Konstellation wie hier zwischen Sidney und ihrem besten Freund Will (Bradley Cooper) herrscht ja in „Dexter“; die Hauptfigur, also Dexter Morgan (Michael C. Hall), führt ein Doppelleben und muss seine Serienmörder-Identität vor seinen Kollegen und seiner Schwester Debra verbergen. Dass ihm das aber über sechs Staffeln hinweg gelingt, erscheint mit der Zeit immer unglaubwürdiger und seine Enttarnung durch Debra am Ende der sechsten Staffel ist damit überfällig. In „Alias“ hat man die Situation schlauer gelöst: Während Will nun Sidneys Geheimnis kennt, hat Francie (Merrin Dungey) immer noch keine Ahnung vom Agentendasein ihrer besten Freundin. Für die Beziehung zwischen Sidney und Will ergeben sich so neue Entwicklungsmöglichkeiten, während bei Francie das Rätselraten weitergeht, ob und wie sie Sidney jemals auf die Schliche kommen wird.
Unglaubwürdig finde ich allerdings, dass Will überhaupt überlebt hat. SD6 wurde bisher stets äußerst konsequent im Umgang mit Feinden und Mitwissern gezeigt. In der allerersten Folge hat Sloan Sidneys Verlobten umbringen lassen, der über wesentlich weniger Wissen verfügte als Will. Mit der „Zwangstarnung“ Wills als Heroinsüchtigem, der all seine Enthüllungen angeblich unter Drogeneinfluss erfunden hat, wurde dieses Dilemma zwar ganz gut gelöst, wenn man ehrlich ist, hätte Sloan Will aber einfach umbringen lassen müssen. Für die Serie allerdings ist es gut, dass Will weiterlebt (was natürlich auch die Autoren erkannt haben), schließlich ergeben sich dadurch wie erwähnt einige neue Erzählmöglichkeiten.
Als Will in der vierten Folge eine Selbsthifegruppe besucht, hat er mir schon fast leid getan. Der Arme muss den ehemaligen Heroinsüchtigen spielen, obwohl er mit dem Zeug vermutlich nie in Berührung gekommen ist. Als man ihn dort im Kreis all der „echten“ Süchtigen sitzen sieht, bekommt man allerdings den Eindruck, die Gruppe könnte ihm dennoch ganz gut tun. Schließlich hat er nach all den Erfahrungen mit Sidney und Jack und seinen Berührungen mit der Welt der Geheimdienste bestimmt einigen Redebarf (wenn er auch natürlich nicht wirklich offen über all das reden kann). Als er dann auf eine Verschwörungstheoretikerin trifft, die mit ihm in der Selbsthilfegruppe sitzt und davon überzeugt ist, dass die Dinge, die er über SD6 geschrieben hat, der Wahrheit entsprechen und er nur zum Schweigen verdonnert wurde, dachte ich ein paar Minuten, jetzt würde alles wieder von vorne losgehen. Das gleiche Schema wie in der ersten Staffel, aber mit anderer Rollenverteilung: während nun jene Verschwörungstheoretikerin die Rolle einnimmt, die Will früher innehatte, ist er nun derjenige, der (wie früher Sidney) darauf aufpassen muss, dass sie nicht zuviel herausfindet – um ihrer beider Leben willen. Zum Glück war das ganze jedoch nur von SD6 inszeniert und sollte Will testen. Da er weiter darauf beharrt, sich den Inhalt seiner Artikel nur ausgedacht zu haben, hat er den Test bestanden und dieses Handlungselement ist nach nur einer Episode abgehakt. Später bekommt er von Michael Vaughn einen neuen Rechercheauftrag, womit wieder neue Möglichkeiten für Will geschaffen werden, sich die Finger zu verbrennen…

Dann ist da natürlich noch Irina Derevko, die in Hannibal Lecter-Manier von der CIA gefangen gehalten wird. Die von ihr gelieferten Informationen haben zu einigen Erfolgen geführt, so dass Sidney sich nun nicht mehr sicher ist, ob ihre Mutter wirklich ihr Feind ist. Doch Sidneys Vater ist sich ganz sicher, dass Derevko nur ihre eigenen Motive verfolgt und nur deswegen versucht, eine emotionale Beziehung zu ihrer Tochter aufzubauen, um sie besser manipulieren zu können. „She’s someone you’ve idolized for twenty years“, sagt er zu Sidney. Und: „You wanted a mother and here she is“. „I’m not that naive.“, entgegnet ihm Sidney und erklärt: „The difference between you and me is that I am willing to squeeze her for everything she’s got.“ Während Jack also um keinen Preis jemals wieder irgendeine Form der Kooperation mit der Frau eingehen will, die ihn so lange ge- und schließlich maßlos enttäuscht hat, denkt Sidney pragmatischer und möchte das von Derevko zur Verfügung gestellte Wissen nutzen. Doch ist die Situation wirklich so einfach? Kann Sidney ihre Emotionen unter Kontrolle und die Beziehung zu ihrer Mutter trotz all der Manipulationsversuche Derevkos auf einer rein sachlichen Ebene halten? Natürlich nicht…
Als ihm klar wird, dass er Sid nicht davon überzeugen kann, sich von ihrer Mutter fern zu halten, greift Jack zu extremen Mitteln. Er lässt ein Haus auf Madagascar, in dem Sidney auf Derevkos Hinweis hin wichtige Informationen beschaffen soll, mit Sprengstoff ausstatten. Kurz bevor Sidney das Haus betritt, „entdeckt“ Jack den Sprengstoff; das Haus explodiert, aber Sidney kommt gerade noch einmal davon. Da es nun so wirkt, als habe Derevko absichtlich die Existenz des Sprengstoffs verschwiegen (von dem sie gar nichts wusste), hat sie das Vertrauen der CIA verloren. „You were right about her.“, sagt Assistant Director Kendall (Terry O’Quinn) zu Sidney. Diese wiederum entschuldigt sich bei ihrem Vater: „Everything you said was right. I’m sorry that I doubted you.“ Nach diesen Worten liegt Sidney wieder in den Armen ihres Vaters, der damit erreicht hat, was er wollte und sich nun mindestens genauso manipulativ gezeigt hat, wie er es von Derevko behauptet hat. Worum es hier eigentlich zu gehen scheint, ist der Kampf eines geschiedenen Paares um die Zuneigung der gemeinsamen Tochter. Scheidungsfamilien gehören ja zum Standardrepertoire in Spielberg-Filmen und so erscheint es nur passend, dass mit J.J. Abrams auch der Spielberg der nächsten Generation dieses Thema aufgreift (wie zum Beispiel auch in „Super 8“).
Es dauert natürlich nicht lange, bis Sidney erfährt, dass ihr Vater sie getäuscht hat und dass er sie sogar von Kindebeinen an zur Geheimagentin hat ausbilden lassen, was Jack wiederum vor Derevko geheim halten wollte. Nun kommt es wieder zum Bruch zwischen ihm und Sidney; auch das ist ein typisches Element vieler Fernsehserien (ganz besonders, aber nicht nur von Soap Operas): kaum herrscht in einer Beziehung endlich wieder so etwas wie Harmonie, schon tut sich der nächste Abgrund auf und stört die Ruhe. Und Sidney rennt von Jacks Armen direkt in die Arme von Michael Vaughn, dem Mann der nichts so gut beherrscht wie einen sorgenvollen Gesichtsausdruck.

Vaughn (Michael Vartan) wiederum hat, wie sich in der siebten Folge herausstellt, doch noch eine Freundin, die gerade dann auftaucht, als Sid kurz davor ist, ihr Leben für Vaughn zu riskieren. Die ganze Episode dreht sich hauptsächlich um die Beziehung zwsichen Sidney und Vaughn und darum, was die beiden für einander empfinden und bereit zu tun sind. Sidney handelt schließlich gegen ihre Befehle, um Vaughn zu retten und verspricht, SD6-Direktor Arvin Sloan (Ron Rifkin) an Julian Sark auszuliefern. Ganz sicher scheint sie sich ihrer Sache dabei nicht zu sein, obwohl sie Sloan natürlich abgrundtief hasst.
Die Information über das rettende Gegengift hat Derevko jedenfalls nur deswegen zur Verfügung gestellt, weil sie weiß, dass Sidney sehr, sehr viel an Vaughn liegt. Derevko formuliert es am Ende der Folge selbst sehr schön: Letztendlich dreht es sich hier nur um die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau (Sidney & Michael Vaughn). Und wie Vaughn so schön sagt, ist seine Beziehung zu Sidney längst nicht mehr nur die eines „Betreuers“ zu einer Doppelagentin. Aber welcher Art ihre Beziehung denn dann ist und was er nun genau für sie fühlt, das spricht er noch nicht aus. Am Ende fasst er doch den Entschluss, es zu tun und rennt ihr hinterher – doch sie ist verschwunden. Auch die Geschichte von Sidney und Michael geht also in der nächsten Folge weiter.

Arvin Sloan wiederum macht seine Frau Emily zu schaffen, die er eigentlich für tot hielt. Schließlich hat er sie gerade erst begraben, doch nun mehren sich die Zeichen dafür, dass Emily entweder noch am Leben ist oder jemand anderes ein perfides Spiel mit Sloan treibt. Die anderen Mitglieder der „Alliance“ sähen es natürlich gar nicht gerne, wenn Emily noch am Leben wäre, schließlich war sie hinter das Geheimnis ihres Mannes gekommen und hatte von dessen Position als Direktor von SD6 erfahren. Zudem konnte SD6 in letzter Zeit immer weniger Erfolge verbuchen, was sicherlich auch auf Sidney und Jack zurückzuführen sein dürfte, die im Auftrag der CIA bei den meisten Missionen dazwischen funken. „I need a victory“, sagt der niedergeschlagene Sloan zu Jack.
Dann folgt der Paukenschlag: Sidney liefert Sloan tatsächlich an Sark aus. Sloan ist also tot! Oder? Ich hätte es dieser Serie jedenfalls zugetraut, so etwas durchzuziehen. Allerdings war die Geschichte um Sloans Frau gerade so schön vorbereitet worden und würde vollkommen nutzlos im Sand verlaufen, wenn Sloan plötzlich sterben würde. Aber Sloan ist doch noch am Leben, da Sark ihm ein unerwartetes, aber nicht unlogisches Angebot macht. Die beiden arbeiten fortan in einer „strategischen Allianz“ zusammen, als Feinde mit gemeinsamen Zielen. Sidneys Gesichtsausdruck, als sie dem totgeglaubten Sloan im Büro plötzlich gegenübersteht, ist herrlich und vielleicht der bisherige Höhepunkt der Serie!

So weit also zu den ersten sieben Folgen der zweiten „Alias“-Staffel. Ich finde die Serie unterhaltsam. Die Schauspieler sind sehr gut, die verschiedenen Missionen äußerst kreativ umgesetzt und bei dem hohen Tempo der Serie wird es eigentlich nie wirklich langweilig. Vollkommen begeistert bin ich von „Alias“ zwar nicht, werde die Serie aber weiter anschauen. Ein schönes Detail übrigens: Auf Marshalls Labortisch liegt in einer Folge ein Eisbär – da musste ich natürlich sofort an „Lost“ denken, zumal hier keine Erklärung für das Dasein des Eisbären abgegeben wird. Fast schon zum Running Gag entwickelt sich außerdem der Satz „I’ll buy time for you/us with Sloan.“, den Jack so oder ähnlich jedesmal äußert, wenn Sidney sich mal wieder auf eine CIA-Mission begibt und Jack ihre Abwesenheit bei SD6 irgendwie erklären muss. Sidney Bristows Tage müssen ja sowieso 36 Stunden haben, schließlich arbeitet sie als Geheimagentin für zwei Organisationen und studiert nebenbei auch noch (wovon man in der zweiten Staffel bislang allerdings nichts mitbekommen hat).
Ich freue mich jedenfalls auf Sidneys nächste Missionen. Die laufen zwar immer nach dem gleichen Schema ab – unerkannt eindringen, enttarnt werden, kämpfen und/oder flüchten – doch wie ich schon angemerkt habe, sind sie trotzdem sehr unterhaltsam und es geht zudem ja darum, dass das Ergebnis einer jeden Mission wieder der Grund dafür ist, Sidney auf einen weiteren Einsatz zu schicken. Klingt fast so, als wäre „Alias“ ein erzählerisches perpetuum mobile. Da man aber von anderen Serien weiß, dass sich so etwas trotzdem früher oder später tot läuft, bin ich gespannt, was für Tricks Abrams & Co. für die kommenden Folgen und Staffeln noch auf Lager haben.

FRINGE – Season 5

Achtung! Weiterlesen sollte nur, wer „Fringe“ bereits komplett (Staffel 1-5) gesehen hat. Erstens, weil ich im Text nicht viel erkläre und dieses Wissen also voraussetze, vor allem aber, weil Ihr sonst gnadenlos gespoilert werdet. Und das soll doch nicht sein, oder? —

Vor ein paar Wochen habe ich die fünfte (und letzte) Staffel von „Fringe“ angeschaut. Mit der Serie habe ich vor ein paar Jahren eigentlich nur deswegen angefangen, weil der kreative Kopf hinter ihrem Konzept J.J. Abrams heißt und weil es mich außerdem neugierig gemacht hat, dass John Noble (den ich zuvor als Denethor im dritten „Herr der Ringe“-Film kannte) eine der Hauptrollen spielt. Im Gegensatz zu den ersten vier Staffeln besteht die fünfte Season nur aus 13 Folgen (bei Staffel 1-4 waren es jeweils zwischen 20 und 23). Doch immerhin hat man hier den Autoren und Darstellern die Chance gegeben, ihre Geschichte zu einem abgeschlossenen Ende zu bringen, statt nach der vierten Staffel einfach den Stecker zu ziehen.

Wenn man sich alle Staffeln von „Fringe“ anschaut, fällt besonders auf, wie sehr sich die Serie mit jeder Staffel weiter entwickelt und ihr Erzähluniversum konsequent erweitert hat. Die erste Staffel bestand zum großen Teil aus (scheinbar) für sich allein stehenden Episoden, die meist nach dem Schema „monster of the week“ abliefen: FBI-Agentin Olivia Dunham (Anna Torv), ihr Berater Peter Bishop (Joshua Jackson) und dessen Vater, der extra aus der Psychiatrie zurück geholte Professor Walter Bishop (John Noble) wurden jede Woche mit seltsamen, unerklärlichen Phänomenen konfrontiert, die sie erforschen, begründen und immer wieder auch bekämpfen mussten. Dass dabei auch episodenübergreifend erzählt wurde, war am Anfang noch nicht ganz klar. Nach und nach schälten sich aber einige zentrale Themen heraus und es wurde klar, dass viele der von Dunham und den beiden Bishops untersuchten Phänomene in Verbindung stehen. Mit dem Paralleluniversum, den „Observern“ (da ich die Serie im englischen Originalton anschaue, werde ich die „Beobachter“ hier weiter so nennen) und dem Sprung ins Jahr 2036 schälten sich ab dem Ende der ersten Staffel aber immer mehr Erzälstränge heraus, die episodenübergreifend behandelt wurden. Für sich allein stehende Episoden ließ „Fringe“ nach der ersten Staffel schnell hinter sich und es wurde klar, dass die Autoren von Anfang an einen großen story arc geplant hatten, die Zuschauer aber nicht schon zu Beginn mit einer zu komplexen Story überfordern oder abschrecken wollten. Im Gegensatz zu „Lost“ habe ich zudem den Eindruck, dass das Ende, auf das hier hin erzählt wurde, schon von der ersten Folge an feststand, während die Autoren von „Lost“ ja im Lauf der Serie mal die eine, mal die andere Richtung einschlugen, zahlreiche neue Elemente in die Serie einbrachten, von denen nicht wenige ins Nichts führten und erst mit Beginn der vierten Staffel auf ein vorausgeplantes Ende hin erzählten. Insofern erinnert mich „Fringe“ ein wenig an meine Lieblingsserie „Babylon 5“, die ebenfalls einen über fünf Staffeln hinweg geplanten story arc erzählte, ihre erste Staffel aber vor allem dazu benutzte, in meist für sich allein stehenden Folgen die Charaktere auszuarbeiten und das Fundament für die späteren Entwicklungen zu legen.

Auch hinsichtlich der Figuren und Themen hat sich Fringe ganz schön weiterentwickelt. Zu Beginn der Serie wirkte Anna Torvs FBI-Agentin eher blass und langweilig, John Nobles Figur einfach wie ein trottliger, verrückter Professor und was Joshua Jacksons Figur bezwecken sollte, wusste man noch gar nicht genau. Doch alle drei Hauptfiguren machen im Lauf der Serie eine glaubhafte und nachvollziehbare Entwicklung durch, ihre Beziehungen zueinander verändern sich. Natürlich wird dabei auch ein wenig mit den Mitteln der Science Fiction geschummelt, wenn Peter am Ende der dritten Staffel aus der Zeitlinie „gelöscht“ wird und sich in der vierten Staffel dann seine Beziehung zu Olivia ganz neu aufbauen muss. Aber im Kontext dieser Serie ist das vollkommen in Ordnung. Beeindruckender ist außerdem, wie sich auch die in „Fringe“ behandelten Themen wandeln bzw. erweitern. War die Serie am Anfang nur eine Serie über mysteriöse Phänomene wie sich in Monster verwandelnde Menschen oder plötzlich verflüssigte Gehirne, so sind derartige Phänomene zwar auch in späteren Staffeln noch an der Tagesordung, besonders in der fünften Staffel ist aber klar, dass hier nicht von Monstern usw. erzählt wird, sondern zentrale menschliche Werte und Moralvorstellungen im Fokus stehen. Dies wird ganz besonders an der sich verändernden Titelsequenz deutlich (eine weitere Gemeinsamkeit mit „Babylon 5“).

Die Handlung der fünften Staffel, in der Walter, Peter und Olivia (und natürlich Astrid) versuchen, die Observer unter Anleitung von Walters im Jahr 2015 auf Videokassetten festgehaltenen Plan zu besiegen, wirkt natürlich arg konstruiert. Dass Walter sich an seinen eigenen Plan nicht mehr erinnern kann, ist noch nachvollziehbar. Dass er ihn aber auf verschiedenen Videos festgehalten hat, die erst nach und nach im Lauf der Staffel aus dem Bernstein heraus geschnitten werden können, das erinnert doch stark an Videospiele, die ihre Spielzeit in die Länge ziehen, indem sie Missionen wie „Finde die sechs Kristalle, um das Tor zum nächsten Abschnitt zu öffnen“ einbauen. (Mir gefällt allerdings sehr, dass Walter seine Filme ausgerechnet auf alten Betamax-Kassetten festhält. Dass „Fringe“ immer wieder „alte“ Technik wie Videokassetten oder Schallplatten in sein Hi-Tech-Universum mischt, finde ich sehr sympathisch und es hilft dabei, das „Fringe“-Universum in der Realität zu verankern.) Auch an „Lost“ fühle ich mich durch die Videos erinnert; dort fanden die Figuren schließlich auch immer wieder mal Filme, die ihnen und den Zuschauern stückchenweise Informationen vermittelten.

Und wo ich gerade wieder bei einem „Lost“-Vergleich bin, hier noch einige andere Punkte, in denen die fünfte „Fringe“-Staffel Ähnlichkeiten zu „Lost“ und anderen Filmen/Serien aufweist: In der achten Folge („The Human Kind“)  gibt es einen Dialog zwischen Olivia und einer Frau namens Simone (Jill Scott), dessen Thematik stark an „Lost“ erinnert. Simone erzählt Olivia von ihrer Gabe, in die Zukunft sehen zu können, was Olivia einfach als „Anomalie“ abtut, hinter der nichts Göttliches stehe. Olivia fährt fort, sie habe so viele seltsame Phänomene gesehen, dass derartiges für sie nichts Mysteriöses mehr habe. Letztendlich lasse sich all das auf Mathematik – also auf Wissenschaft – zurückführen. Der Krieg, den die Menschen gegen die Observer führen, wird nach Olivias Sicht also mit den Mitteln der Wissenschaft geführt. Während Olivia hier auf der Seite der Wissenschaft und der Rationalität steht, steht Simone auf der Seite der Spiritualität, der Emotionen und des Glaubens. Dieser Gegensatz zwischen Glaube und Wissenschaft war eines der zentralen Themen in „Lost“, verkörpert durch die Figuren von Jack Shephard und John Locke. Interessant ist übrigens, dass die von mir hier paraphrasierten Sätze Olivias an Ruttger Hauers berühmten Monolog aus Blade Runner erinnern („I’ve seen things you people wouldn’t believe…“), aber in beiden Fällen ganz andere Überzeugungen dahinter stehen. Während der Replikan Roy Batty in „Blade Runner“ kurz vor seinem Tod die Wunder des Universums preist, die im Lauf seines Lebens sehen durfte, erwähnt Olivia in „Fringe“ all die Phänomene, die sie gesehen hat, nur, um zu verdeutlichen, dass diese Erfahrungen sie zu einer rationaleren Person gemacht haben, die eben nicht an Wunder glaubt. Eine kleine Referenz an „Blade Runner“ findet sich auch in Folge 5, als Peter einen gefesselten Observer befragt und dazu ein Gerät benutzt, das eine Nahaufnahme von dessen Auge auf einem Bildschirm darstellt und so die emotionalen Reaktionen deutlich machen soll.

Als kleinen Wink an „Lost“ kann man vielleicht auch den Satz „Ich dachte ich sei im Fegefeuer“ verstehen, mit dem ein in einem pocket universe gefangener Mann in der sechsten Episode seine Erfahrung beschreibt. Die fast alles sehnden Observer, die auftauchen können wo immer sie wollen und sich zum Teil unbewaffnete Kämpfe mit Peter liefern, erinnern natürlich an die Agenten aus „Matrix“, ebenso wie der Observer-Junge Michael, der eine „Anomalie“ darstellt, aber gleichzeitig auch den Auserwählten, der die Welt retten soll. In ihren grauen Anzügen und Hüten erinnern die Observer zudem an die grauen Herren aus „Momo“ oder die Agenten aus der Philip K. Dick-Verfilmung „The Adjustment Bureau“ („Der Plan“). Die Handlung der fünften Staffel, in der die Helden gegen ein die gesamte Menschheit unterdrückendes Regime kämpfen, erinnert zu dem etwas an die Serie „V“, die sich um den Besuch außerirdischer Wesen auf der Erde dreht. Und zum Schluss noch eine weitere Paralelle zu „Lost“: Nachdem Peter sich ein Observer-Implantat eingesetzt hat und danach zwar ungeahnte Fähigkeiten erlangt, aber auch immer rationaler, rücksichts- und emotionsloser zu werden droht, ist es allein die Kraft der Liebe, die ihn überzeugt, seine Entscheidung gerade noch rechtzeitig wieder rückgängig zu machen. Auch in „Lost“ siegt immer wieder die Kraft der Liebe über alles andere.

Der schon erwähnte Gegensatz zwischen Glaube und Emotionen auf der einen und Rationalität und Wissenschaft auf der anderen Seite zieht sich durch die ganze fünfte Staffel von „Fringe“. An Peters Entscheidung, sich das Implantat einzusetzen und daraufhin zum gefühllosen Observer zu mutieren ist interessant, dass die Ursache dafür ja gerade ein Gefühl ist – der Hass auf Windmark, den Anführer der Observer und der Wunsch nach Rache für Peters getötete Tochter. Man muss allerdings zugeben, dass er die möglichen negativen Konsequnzen seiner Handlung wahrscheinlich nicht im Blick gehabt hat. Auch Walter Bishop kämpft in dieser Season einen Kampf zwischen den Polen Rationalität und Emotionalität; in seinen Körper wurde ebenfalls etwas eingesetzt, nämlich der Teil seines Gehirns, den Walter extra hatte entfernen lassen, aus Angst vor den schrecklichen Taten, zu denen er sonst fähig sein würde. Auch hier zeigen sich besorgniserregende Tendenzen; zwar ist der geistig verwirrte Walter weitgehend verschwunden, dafür wird aber auch er immer rationaler und rücksichtsloser. Ihm sind die möglichen Konsequenzen daraus sofort klar und er würde es in Kauf nehmen, nicht mehr im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten zu sein, um diese negativen Eigenschaften wieder loszuwerden.

Gerade darin besteht ja der Unterschied zwischen den Menschen und den Observern, wie Nina in Episode 10 Windmark erklärt: die Menschen sind den Observern insofern überlegen, als sie zu Liebe, Bindungen und Träumen fähig sind, während die Observer all diese Fähigkeiten und Emotionen mit wissenschaftlichen Mitteln ganz bewusst immer mehr aus ihren Gehirnen verdrängt haben, um Platz zu machen für größere intellektuelle, rationale Fähigkeiten. Gefühle wurden für Intelligenz geopfert, was noch erschreckender ist, weil es sich bei den Observern ja um die Menschen der Zukunft handelt. Wie jede gute Science-Fiction-Geschichte stellt „Fringe“ damit Fragen, die nicht nur in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt von Relevanz sind. Würden wir jemals so weit gehen? Dass wir jetzt schon von „Observern“ umgeben sind, die jederzeit Zugriff auf unsere privaten Gedanken haben, dürfte ja spätestens seit der Enttarnung von Prism klar sein. Der Plan, mit dem in „Fringe“ die Observer besiegt werden sollen, gefällt mir übrigens sehr gut: die Menschheit der Zukunft soll davon überzeugt werden, dass es sich nicht lohnt, die Fähigkeit des menschlichen Gehirns zu komplexen Emotionen für immer größere Intelligenz zu opfern. Damit wird es in der noch späteren Zukunft niemals eine Notwendigkeit für die Observer geben, in der Zeit zurück zu reisen und im Jahr 2015 die Weltherrschaft zu übernehmen. Die Menschheit wird sich nämlich gar nicht zu „Observern“ entwickeln, sondern weiterhin sowohl ihre emotionale wie auch ihre rationale Seite kultivieren. Übrigens würde ich sehr gerne noch sehen, wie Walter und Michael im Jahr 2036 aufgenommen werden und die Menschheit davon überzeugen, einen anderen Weg einzuschlagen. Ein bisschen idealistisch gedacht ist das ja schon, dass Wissenschaftler einmal etwas nicht tun, nur weil es vielleicht böse Folgen haben könnte….

Die fünfte Staffel von „Fringe“ hat mir insgesamt gut gefallen. Vor allem war es schön, dass die Serie überhaupt zu einem Abschluss gebracht wurde, nachdem gegen Ende der vierten Staffel bereits ein Ausblick ins Jahr 2036 gegeben wurde. Es wäre schade gewesen, wenn das einfach offen geblieben wäre. Allerdings wirkte zumindest auf mich die in der fünften Staffel bekämpfte Bedrohung kleiner als das Schicksal, das der Welt am Ende der vierten Staffel drohte (dort wollte William Bell ein vollkommen neues Universum schaffen und es mit eigens gezüchteten Kreaturen bevölkern). Die letzte Staffel wirkt zudem ein wenig wie „nachträglich angeklebt“, was daran liegen mag, dass die Autoren zumindest einen Teil der Handlungsstränge schon im vierten Jahr beendet haben, aus Unsicherheit, ob es eine fünfte Staffel geben würde (ob das zutrifft, weiß ich aber nicht). Ganz am Ende ist jedenfalls wieder alles gut, die Invasion wurde verhindert und damit eine neue Zeitlinie bzw. ein neues Paralleluniversum eröffnet (ist das im Endeffekt nicht dasselbe…?). Ganz ähnlich hatten das Jack, Sawyer usw. am Ende der vierten Staffel von „Lost“ geplant, wo mit der Zündung der Bombe der Reset-Knopf gedrückt werden sollte. Da hat es aber nicht  funktioniert.

Ein paar Fragen hätte ich zum Schluss noch: Warum ist Walter am Ende eigentlich „gelöscht“ worden? Das wurde erklärt, aber ich hab’s anscheinend vergessen. Wieso können die Observer zwar Gedanken lesen, aber anscheinend keine Handygespräche mithören – hätten sie das in der letzten Folge getan, dann wüssten sie nämlich, was Olivia und Philip Broyles besprechen und könnten eingreifen. Wieso ist Michael aus dem Zug ausgestiegen und dann den Observern in die Hände gefallen? Falls das ein Missverständnis zwischen ihm und Olivia sein sollte, dann sah es nicht so aus. Seine Gefangennahme musste wohl irgendwie passieren, damit die Autoren Olivia einen Grund geben konnten, noch einmal im Paralleluniverum vorbeizuschauen. Trotzdem wirkte das alles andere als elegant. Warum sind die Observer überhaupt in der Zeit zurück gereist und haben eine Invasion gestartet? Ist die Erde in der Zukunft unbewohnbar geworden? Ich glaube, das wurde in der vierten Staffel erwähnt, aber daran erinnere ich mich auch nicht mehr genau. Ach ja: Und warum sind die Observer eigentlich alle männlich? Dass sich die Menschen der Zukunft nur noch durch Klonen fortpflanzen, hat Donald ja erklärt (nach Ausschaltung sämtlicher Emotionen besteht auch kein Drang mehr nach Sex, so dass andere Reproduktionsmethoden nötig geworden sind). Aber warum sind anscheinend alle Klone männlich? Gibt es in der Zukunft keine Frauen mehr? Warum? Was mich noch ein bisschen genervt hat: Das Harvard-Gelände ist im Jahr 2036 Sperrgebiet, aber Walter, Peter, Olivia und Astrid gehen trotzdem in Walters altem Labor ein und aus und arbeiten dort. Klar, sie haben einen geheimen Zugang gefunden, aber trotzdem müsste das doch mal jemand bemerken…

Breaking Bad – Season 5 (Episode 1-8)

— Im folgenden Text sind zahlreiche Spoiler für die fünfte Staffel (Episode 1-8) zu finden. Weiterlesen sollten also nur diejenigen, die diese Episoden schon gesehen haben! —

An „Breaking Bad“ liebe ich eigentlich fast alles, aber besonders den immer wieder in der Serie angewandten Kniff, auf bereits vorweg genommene oder zumindest angedeutete Situationen hin zu erzählen. Zu Beginn der zweiten Staffel sahen wir einen pinkfarbenen Teddybear in Walter Whites Pool schwimmen, ohne zu wissen, was dieses Bild bedeutet. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde diese Szene im Verlauf der Staffel mehrmals aufgegriffen, bis man sie schließlich einfach zur Kenntnis nahm, ohne weiter groß darüber nachzudenken und schließlich schon fast wieder vergessen hatte, als dann ganz am Ende – zum Schluss der letzten Episode – die tragische Relevanz dieses rosa Teddybären mit einem Schlag klar wurde.

Nach dem gleichen Muster, zu Beginn eine für sich allein stehende und so gut wie nichts sagende, ja im Kontext der Serie zunächst fehl am Platz scheinende Szene zu platzieren, verfahren „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan und die anderen Autoren immer wieder – sowohl staffelübergreifend, als auch innerhalb einzelner Episoden. „Dead Freight“, die fünfte Episode der fünften Staffel, beginnt damit, dass ein 14jähriger Junge, den wir zuvor noch nie gesehen haben, auf seinem Fahrrad in New Mexiko durch die Wüste fährt. Er entdeckt eine Tarantel, die er über seine Hände krabbeln lässt und schließlich in einem Glas gefangen nimmt, welches er in die Innentasche seiner Jacke steckt, bevor er weiter fährt. Nach dieser aufgrund der Spinne schon für sich allein auf viele Zuschauer verstörend wirkenden Eingangsszene geht die Episode zur bekannten Titelsequenz über und erzählt anschließend die Geschichte um ihre Hauptfiguren da weiter, wo sie in der vorhergehenden Folge endete. Den Jungen auf dem Fahrrad hat man schon wieder vergessen, als einem die letzte Szene der Episode, in der er wieder auftaucht, einen Schlag in die Magengrube versetzt.

Zahlreiche weitere Episoden nutzen dieses Schema ebenfalls, bei dem dem Zuschauer zu Beginn eine Figur oder eine Situation einfach ohne Erklärung hin geworfen wird und erst allmählich im Laufe der Episode die Bedeutung der Eingangszene deutlich wird, oftmals erst mit der entsprechenden Komplementärszene ganz am Ende. Auch die fünfte Staffel beginnt mit einem solchen Flashforward, der zwar genug Erklärung mitliefert, um das Gezeigte an sich zu verstehen und auf den im Lauf der ersten Hälfte der Staffel kurz Bezug genommen wird; wir können diese Szene aber noch nicht in den Gesamtkontext der Serie einordnen, da wir noch nicht wissen, wie es zu dieser Situation kommen wird: Walter White (Bryan Cranston) feiert seinen 52. Geburtstag alleine in einem Restaurant. Er hat offensichtlich eine falsche Identität angenommen, sich wieder Haare und einen Bart wachsen lassen und sich eine neue Brille zugelegt. Auf der Toilette bekommt er den Schlüssel für ein Auto ausgehändigt, in dessen Kofferraum sich Waffen und Munition befinden. Schnitt zur Titelsequenz.

Es folgt die reguläre Handlung der fünften Staffel, in deren Verlauf Walter seinen 51. Geburtstag feiert. Die fünfte Staffel ist mit insgesamt 16 Episoden länger als alle vorhergehenden Staffeln, wird aber in zwei Blöcken von jeweils acht Folgen gesendet, die man eigentlich als eigenständige Serienstaffeln betrachten kann (und so werden sie in Deutschland wohl auch vermarktet werden – die DVDs und Blurays mit den ersten acht Folgen tragen jedenfalls schlicht die Aufschrift „Die fünfte Season“, man kann also davon ausgehen, dass die letzten acht Episoden hierzulande als „sechste Season“ verkauft werden). Der Cliffhanger, mit dem diese erste Staffelhälfte endet, ist ein ziemlich gemeiner, den man schon fast die ganze Serie lang sowohl herbei gesehnt als auch gefürchtet hat: Walters Schwager Hank (Dean Norris), der inzwischen das örtliche Büro der Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) leitet, scheint Walt endlich auf die Schliche zu kommen. Ein auf der Toilette liegen gelassenes Buch erweist sich als grober Leichsinnsfehler von Walt, doch genau in dem Moment, als sich auf Hanks Gesicht ein Ausdruck der plötzlichen Erkenntnis zeigt, setzt der Abspann ein.

Bis die letzten acht Folgen gezeigt werden, können wir also nur darüber spekulieren, was es mit der Szene zu Beginn der Staffel auf sich hatte. Befindet sich Walt auf der Flucht vor Hank und den Agenten der DEA? Will er Hank umbringen, um seine Heisenberg-Identität weiterhin geheim zu halten? Oder hat er sich wieder einmal noch weitere Feinde gemacht, gegen die er sich nun zur Wehr setzen muss? Und zu welchem Zeitpunkt in der Serie wird sich diese Szene überhaupt ereignen? Spätestens nach dem Erscheinen der allerletzten Folge werden wir bescheid wissen.

Die erste Hälfte dieser letzten Staffel habe ich jedenfalls genossen, auch wenn vieles von dem, was darin erzählt wurde, mir doch etwas redundant erschien. Walter White kämpft an verschiedenen Fronten die gleichen Kämpfe, wie auch schon in den ersten vier Staffeln. Die Einsätze sind zwar höher, die Risiken noch größer und Walts Skrupellosigkeit und Härte scheint nun fast gar keine Grenzen mehr zu kennen, doch erzählerisch haben wir das meiste schon einmal gesehen. Einige der Aktionen von Walt und Jesse nehmen inzwischen wirklich absurde Züge an und wirken trotz des realistischen Tons, dem sich die Serie nach wie vor verpflichtet fühlt, mindestens ein bisschen unglaubwürdig (Stichworte: Magnet, Zug!). Sehr unterhaltsam ist das alles nach wie vor und auch die Fähigkeit der Autoren und Darsteller, komische Momente und tiefste menschliche Abgründe einander gegenüber zu stellen, ist nach wie vor bemerkenswert.

Walts Entwicklung zum eiskalten Verbrecher schien ja bereits am Ende der vierten Staffel an ihrem Tiefpunkt angekommen zu sein und so überrascht es auch nicht mehr, dass ihm inzwischen wirklich jedes Mittel recht ist, um seine Karriere im Drogenmilieu geheim zu halten und weiter auszubauen. Seine Frau Skyler (Anna Gunn), die nach dem ersten Schock über Walts Verbrecherleben eigentlich recht rational reagiert hatte und danach für die Geldwäsche zuständig war, kommt mit ihrer Rolle nun immer weniger klar und möchte ihre Kinder vor Walts Einfluss beschützen. Walts Partner Jesse (Aaron Paul) lässt sich zwar zunächst dazu überreden, erneut mit ins Meth-Business einzusteigen. Nach dem Tod des oben erwähnten 14jährigen Jungen kann aber sogar Jesse nicht mehr fassen, wie emotions- und skrupellos Walt mit der Situation umgeht. Während Walt immer mehr den Realitätsbezug zu verlieren und nur noch den Profit des Drogengeschäfts im Kopf zu haben scheint, macht Jesse interessanterweise eine umgekehrte Entwicklung durch. War es zu Beginn der Serie er, der es kaum erwarten konnte, immer mehr Meth zu kochen, um Millionen zu verdienen, während Walt ihn zur Vorsicht mahnte, so ist es nun Walt, der größenwahnsinnige und gefährliche Pläne schmiedet. Nach dem Mord an Gus Fring stellt er sich nun auf eine Stufe mit diesem und hat sichtlich Spaß an der Macht, die er nun genießt („Say my name!!“).

Eigentlich kann die Serie nun, wo Walt zum einflussreichen Drogenkönig aufgestiegen ist, nur noch mit seinem Tod enden. Schließlich wird ihm früher oder später jemand diese Position streitig machen wollen und gegen ihn vorgehen, so wie er gegen Fring vorgegangen ist. Vielleicht wird auch schlicht und einfach seine Krebserkrankung zurückkehren, so wie es sich seine Frau inzwischen sogar erhofft. Walts Liste an Verbündeten wird jedenfalls immer kürzer, trotzdem glaubt er immer noch, alles unter Kontrolle zu haben. Doch wie sich am Ende zeigt, ist es ein dummer, kleiner Leichtsinnsfehler, der Hank auf seine Spur bringt. Genau wie in der siebten Staffel von „Dexter“ wird es hier für die Hauptfigur – in beiden Fällen ein scheinbar rechtschaffener Bürger, der aber ein Doppelleben als Schwerverbrecher führt – allmählich eng, weil ihm sein Umfeld auf die Schliche zu kommen droht. Doch während „Dexter“ zwar immer noch gut unterhält, seine Handlung aber über sieben Staffeln etwas zu sehr in die Länge gezogen hat, könnte „Breaking Bad“ durchaus noch die Kurve zu einem glaubwürdigen Ende kriegen. Aber wie könnte dieses aussehen? Sowohl bei „Dexter“ als auch bei „Breaking Bad“ identifiziert man sich mit der Hauptfigur und fühlt mit ihr mit. So gesehen möchte ich, dass Walter White ungeschoren davon kommt. Ich traue es Vince Gilligan aber zu, den harten, realistischeren Weg zu gehen und Walt schließlich durch seinen Schwager Hank zur Strecke bringen zu lassen. Das wäre ganz bestimmt kein Feelgood-Ende, aber um so etwas hat sich diese Serie sowieso noch nie geschert. Und das ist auch gut so.

„Alias“ – Season 1: weitere Eindrücke

Nachdem ich vor kurzem bereits meine allerersten Eindrücke zu J.J. Abrams „Alias“ hier gepostet hatte, gibt es nun den zweiten Teil. Inzwischen habe ich 17 (von 22) Folgen der ersten Staffel gesehen und würde mich zwar noch nicht als Fan der Serie bezeichnen, bin aber durchaus gespannt, wo all die Handlungsfäden hinführen und wie es dann in der zweiten Season weitergeht.

Was mir an der Serie gut gefällt, ist der abwechslungsreiche Aufbau der einzelnen Episoden. Eigentlich laufen die meisten Folgen nach dem gleichen Schema ab – Sydney bekommt einen Auftrag und muss in Verkleidung in feindliches Territorium vordringen, um dann Informationen, Daten oder Gegenstände zu beschaffen – aber die Macher der Serie haben es geschafft, dieses meiste gleiche Schema durch sehr unterschiedliche Schauplätze und Nebenfiguren doch jedes Mal aufs Neue interessant zu gestalten. Jedes Mal ist man aufs neue gespannt, welcher Tarnung und Verkleidung Sydney sich bedienen wird, welche technischen Spielereien sie dieses Mal dabei hat und in welchen Teil der Erde es sie verschlägt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen wurde die gesamte Serie in und um Los Angeles gedreht, die Location Scouts dürften also viel Arbeit dabei gehabt haben, um Drehorte für ein Vatikan-Archiv, einen orientalischen Bazar und all die anderen Orte zu finden, an denen Sydney Aufräge ausführen muss. Allerdings findet ein Großteil der Überzeugungsarbeit im Kopf des Zuschauers statt: Jedes Mal, wenn Sydney irgendwo hinfliegt, wird der Name der entsprechenden Stadt eingeblendet und man sieht ein oder zwei Panoramaaufnahmen, um die Örtlichkeit zu etablieren. Sydneys Einsätz finden dann überwiegend in Innenräumen statt; das Budget einer solchen Serie erlaubt es natürlich nicht, für jede Folge in eine andere Ecke der Erde zu reisen, so dass für Außenaufnahmen, die in Brasilien, Russland oder Deutschland spielen, entsprechende Gebäude oder Landstriche im Raum Los Angeles gefunden werden mussten, die als Double herhalten mussten. Das funktioniert meist ganz gut, da das Tempo der Serie sowieso sehr hoch ist und Sydneys Auslandseinsätze oft nur ein paar Minuten Bildschirmzeit beanspruchen.

Die Aufgaben, die Sydney bei ihren Einsätzen zu erfüllen hat, wirken dabei manchmal wie Teile eines Videospiels. Sydney erhält beispielsweise den Auftrag, möglichst viele Seiten einer mittelalterlichen Schrift abzufotografieren oder muss an drei verschiedenen Stellen innerhalb eines Gebäudes Sprengstoff deaktivieren. Selten hat sich eine Fernsehserie so sehr für eine Videospielumsetzung geeignet wie „Alias“ (wahrscheinlich gab es dazu auch ein Spiel, ich kenne es aber jedenfalls nicht).

Sehr willkommene Überraschungen, die noch zusätzlich Abwechslung in die Serie gebracht haben, waren die Auftritte bekannter Gaststars, die bislang in der Staffel vorkamen: Quentin Tarantino mit einer coolen Rolle in einer Doppelfolge, Roger Moore als einer der Köpfe des organisierten Verbrechens, Terry O’Quinn (wobei der ja erst nach „Alias“ mit seiner Rolle als John Locke in „Lost“ bekannt wurde) und vielleicht noch ein paar andere, die ich übersehen habe, weil sie mir nicht bekannt waren. Es spricht wahrscheinlich sehr für die Serie, dass sie bereits in ihrer ersten Staffel Gaststars eines solchen Kalibers anlocken kann (oder für die Überzeugungskraft und die Kontakte von J.J. Abrams und der anderen Serien-Macher).

In meinem ersten Beitrag über „Alias“ habe ich geschrieben, dass das, was hier als Wahrheit gilt, im Laufe der Serie sicherlich noch mehrmals erweitert und neu definiert werden wird. Dazu passend stellt in Episode 1.15 Sydneys Vorgesetzter Arvin Sloane (Ron Rifkin) fest: „There are some truths that Sydney must never learn.“ Natürlich spricht er damit zugleich das Versprechen aus, dass diese Wahrheiten früher oder später trotzdem ans Licht kommen und Sydneys Leben verändern werden – und damit auch das Er-Leben der Serie durch die Zuschauer.

Auch wenn es sich bei „Alias“ um eine bereits seit mehreren Jahren abgeschlossene Serie handelt, möchte ich hier keine Spoiler verraten, deshalb werde ich nicht ausführlich auf die Handlung der ersten Staffel eingehen. Der Mystery-Handlungsbogen um einen italienischen Gelehrten aus dem 15. Jahrhundert wurde im Lauf der Staffel immer weiter getrieben, so dass nun noch mehr offene Fragen existieren, aber immer noch keine Antworten. Wie konnte dieser Rambaldi bereits vor Jahrhunderten so exakte Vorhersagen für die ferne Zukunft treffen? Und was genau haben diese Vorhersagen mit dem Leben der Serienfiguren zu tun? Wie dies alles zufriedenstellend erklärt werden soll, kann ich mir immer noch nicht vorstellen und ich habe meine Zweifel, ob es überhaupt vollständig aufgelöst und erklärt werden wird. Mit der inzwischen ins Spiel gebrachten Prophezeihung Rambaldis, die für die Handlung der Serie von großer Bedeutung ist, nimmt „Alias“ nun wirklich  „Lost“-ähnliche Züge an.
Ich persönlich würde diesen Handlungsstrang zu Ende bringen, indem ich spätestens nach zwei oder drei Staffeln einiges von Rambaldis eigener Hintergrundgeschichte klären würde. Dazu könnte man mehrere Folgen zu dessen Lebzeiten spielen lassen, um so seine Verbindungen zu unserer Gegenwart zu erklären. Vielleicht IST ja sogar einer der bereits bekannten Hauptcharaktere genau jener Rambaldi und wird all die Vorhersagen treffen, nachdem er in der Zeit zurück gereist ist…? Zugegeben, Zeitreisen scheinen noch nicht so ganz in das Konzept der Serie zu passen, aber wie sonst will man eine Jahrhunderte alte Prophezeihung und all die anderen Verbindungen Rambaldis zum Seriengeschehen erklären? Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn sich die Serie immer mehr in die Mystery-Richtung bewegt. Dieser Aspekt der Handlung interessiert mich eigentlich jetzt schon mehr als all die „normale“ Agentenarbeit und die angestrebte Zerschlagung der Verbrecherorganisation SD6.

Noch kurz zu Episode 1.17, der bislang letzten, die ich gesehen habe: Diese Folge bestand hauptsächlich darin, dass die augrund ihres Auftauchens in jener Prophezeihung in Verdacht geratenen Sydney ausführlich zu ihrerm Agentendasein befragt wurde. Im Kern bestand die Episode damit aus dem Zusammenfassen der vorherigen 16 Folgen und aus ziemlich vielen Rückblenden. Aber warum nur? Waren die Quoten zu diesem Zeitpunkt im Keller? Gab es Personen beim Fernsehsender, die Bedenken hatten, dass die Handlung für die Zuschauer zu komplex werden würde und die die Notwenidgkeit sahen, alles noch einmal zusammen zu fassen, um neue Zuschauer zu gewinnen? Die Episode (schlicht „Q & A“ betitelt) wirkte wie ein Lückenfüller, wenn auch am Ende eine neue Erkenntnis stand.
Allerdings wurde hier noch einmal verstärkt das Thema herausgearbeitet, das wohl eines der zentralen Themen der Serie (und im Werk von J.J. Abrams überhaupt) ist: Die Frage nach dem Schicksal – haben wir den Gang unseres Lebens selbst in der Hand oder folgt es einem bereits feststehenden Schema? In „Lost“ wurde die Bearbeitung dieser Frage fast bis zur Redundanz durchexerziert. Je mehr Folgen von „Alias“ ich sehe, um so mehr nimmt die Serie für mich die Gestalt eines typischen Abrams-Werkes an, zum einen wegen dieser Thematik, zum anderen durch die Mystery-Elemente.

Ich bin gespannt, wo all das noch hin führt.

„V – Die Besucher“ (Season 1)

Man kann sich ja in den letzten Jahren vor lauter sensationell guter Fernsehserien gar nicht mehr retten: „Mad Men“, „Breaking Bad“, „Game of Thrones“, „Downton Abbey“, „Boardwalk Empire“, „Deadwood“, „Die Sopranos“,… Ich jedenfalls komme mit dem Anschauen schon lange nicht mehr hinterher. Und als wären all diese qualitativ hochwertigen Serien nicht genug, habe ich nun auch noch eine Serie dazwischen geschoben, von der ich vorher bereits ahnte, dass sie weniger innovativ, weniger gut geschrieben und längst nicht so fesselnd sein würde wie die oben genannten: „V – Die Besucher“.

Auf die Serie aufmerksam geworden bin ich, weil Elizabeth Mitchell, meine Lieblingsblondine aus „Lost“ (sie hat in Staffel 3 bis 5 Juliet Burke gespielt), darin die Hauptrolle spielt. Das war Grund genug für mich, zumindest mal in die Serie reinzuschauen. Weil ich aber gelesen hatte, dass „V – Die Besucher“ ein Remake der angeblich ziemlich kultigen 80er Jahre-Serie „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ ist, wollte ich die Originalserie unbedingt zuvor anschauen. Also besorgte ich mir vor ein paar Monaten eine DVD-Komplettbox des Originals, das aus einem TV-Zweiteiler, einem anschließenden Dreiteieler und einer sich wiederum daran anschließenden Serie mit 19 45minütigen Folgen besteht (ohne Wikipedia hätte ich gar nicht gewusst, in welcher Reihenfolge man das alles anschauen muss…).

Die Ausgangssituation sowohl des Originals als auch des Remakes ist folgende: In der Gegenwart (1983 bzw. 2009) tauchen plötzlich riesige außerirdische Raumschiffe über mehreren großen Städten der Erde auf. Es stellt sich heraus, dass die außeridischen Besucher genauso aussehen wie wir Menschen und auch unsere Sprachen sprechen. Sie verkünden, in Frieden gekommen zu sein und nur die besten Absichten für die Menschheit zu haben. Zwar wollen sie auch ein paar kleine Gegenleistungen, zeigen sich aber insgesamt äußerst großzügig und beschenken die Erde mit neuen Technologien, laden die Menschen ein, ihre riesigen Mutterschiffe zu besichtigen und rufen Programme ins Leben, die das nähere Kennenlernen von Menschen und Besuchern, wie sie in den Serien genannt werden, ermöglichen sollen. So soll es zumindest erscheinen. In Wahrheit verfolgen die Besucher natürlich ganz andere Pläne, die ich hier nicht verraten möchte, die aber nichts Gutes für die Menschheit bedeuten. Auch ist das äußere Erscheinungsbild der Außerirdischen dem unseren keineswegs so ähnlich, wie es den Anschein hat. Unter einer künstlich gezüchteten menschlichen Haut verbergen sich nämlich Reptilienwesen mit gelben Augen, Krallen und scharfen Zähnen.

Das von Kenneth Johnson erdachte Original hat zu Beginn, während des ursprünglichen Zweiteilers und des anschließenden Dreiteilers, durchaus seinen Reiz. Schließlich kommt man recht schnell darauf, dass hier nicht nur von Menschen und Außerirdischen erzählt wird, sondern vor allem davon, wie sich eine ganze Gesellschaft durch Propagandamechanismen und schöne, aber leere Versprechungen hinters Licht führen lässt. Beispielsweise ziehen die Besucher durch ein der Hitlerjugend ähnliches Programm einen Großteil der Jugendlichen auf ihre Seite, die nur zu gerne in den aufregenden Dienst der Außerirdischen treten und ihre schicken Uniformen tragen. Dass sie dafür ihre Freunde und Nachbarn ausspionieren sollen und verdächtige, gegen die Besucher gerichtete Aktivitäten melden sollen, nehmen sie nur zu gerne in Kauf, schließlich geschieht all dies ja angeblich im Namen des Weltfriedens. Auf der anderen Seite existiert jedoch auch ein weltweit operierendes Netzwerk aus Widerstandskämpfern, die die Herrschaft der Besucher beenden und vor allem dem Rest der Menschheit deren wahre Natur und ihre Pläne vor Augen führen wollen. Das erinnert natürlich ganz gewollt an die Resistance-Bewegung während des 3. Reichs. Durch die Einbeziehung eines Holocaust-Überlebenden in die Handlung der ersten Folgen werden die geschichtlichen Parallelen dabei noch deutlicher.

Nach den fünf 90minütigen Filmen wandte ich mich der daran anschließenden 19teiligen Serie zu, während der ich dann das Interesse an der Serie verlor (nach etwa 12 Episoden habe ich nicht mehr weiter geschaut). Schienen die Macher zuvor noch ein Konzept für einen übergreifenden Handlungsbogen zu haben, bei dem sie auf ein bestimmtes Ziel hin erzählten, verkommt die Serie nun nämlich ziemlich schnell zu einer ziemlichen Lachnummer. Folge für Folge schleichen sich die im Zentrum der Handlung stehenden Widerstandskämpfer in irgendeine Zentrale oder ein Raumschiff der Besucher ein, um einen Sabotageakt zu verüben oder einen gefangenen Kameraden zu befreien. Dabei entkommen sie fast immer wie durch ein Wunder alle unversehrt – und wenn doch nicht, dann wird eben in der nächsten Episode eine erneute Befreiungsaktion gestartet. Durch diesen erzählerischen Stillstand nutzte sich die Serie für mich dann recht schnell ab, auch die kultigen Uniformen, die herrlich-schrecklichen 80er-Jahre-Frisuren und die Machtkämpfen der beiden an der Spitze der Besucher stehenden „Kommando-Bitches“, wie ich sie mal nennen möchte, konnten daran nichts mehr ändern.

Also wandte ich mich nach einigen Wochen Pause dem 2009er-Remake mit Elizabeth Mitchell zu. Das wirkt natürlich wesentlich moderner, die Raumschiffe sind verchromt und stromlinienförmig, aber eines ist beim Alten geblieben: Die Besucher sind immer noch Echsen in menschlicher Hülle. Damit habe ich bei beiden Serien die ganze Zeit über ein Problem gehabt, denn mal ehrlich: das ist schon verdammt unglaubwürdig! Klar, man muss diese Ausgangssituation nun mal so hinnehmen und sie dient ja wie gesagt nur dazu, von ganz anderen Dingen zu erzählen, trotzdem habe ich mindestens einmal pro Folge gedacht: Wie soll das bitte funktionieren – Außerirdische in menschlicher Hülle? Wie praktisch, dass die Aliens so dünn sind, dass sie da reinpassen… 😉  Auch mit modernen Effekten und Makeup-Techniken sehen übrigens die Szenen, in denen man ein wenig hinter die Maskerade der Besucher blicken (meistens, weil sie verletzt werden), lächerlich aus. Wenn man den Gedanken der „verkleideten Aliens“ auf diese Weise ernst nimmt, kommt einfach nichts Glaubwürdiges dabei heraus. Andererseits geht es ja darum gar nicht, obwohl man die wahre Gestalt der Aliens natürlich unbeding sehen will (die kultigen Szenen, in denen die Besucher lebende Vögel und andere Kleintiere am Stück verspeisen, fehlen im Remake übrigens).

Die neue Serie geht handlungstechnisch genauso los, wie die alte. Ich hatte zwar das Gefühl, dass hier alles ein wenig schneller geht und weniger Tamtam um die Ankunft der Besucher gemacht wurde, davon abgesehen ist es aber das Gleiche: Raumschiffe tauchen auf, Besucher behaupten in Frieden zu kommen usw. Im Zentrum der Hauptfiguren steht im Remake mit der von Mitchell gespielten Erica Evans eine FBI-Agentin, dazu kommen auf der Seite des Widerstandes noch ein Priester, ein Ex-Söldner und ein Besucher, der die Seiten gewechselt hat (diese Figur gab es auch im Original). Das ständige Reinschleichen und Befreien von Kameraden entfällt dieses Mal zum Glück, sonst hätte ich wohl nicht alle zwölf Folgen der ersten Staffel überstanden. Während das V in der Original-Serie übrigens noch für „Victory“ und damit für den erfolgreichen Widerstand gegen und den erhofften Sieg über die Besucher stand, steht es in der 2009er Fassung zunächst einfach für „Visitors“ und wird erst am Ende der ersten Staffel zu „Victory“ umgedeutet.

Ich hatte erwartet, dass das allmähliche Unterwandern der menschlichen Gesellschaft durch die Besucher noch stärker herausgearbeitet wird, als im Original, wurde in dieser Hinsicht aber enttäuscht. Allerdings stellen sich die Menschen dieses Mal auch so dumm an, dass es da von Seiten der Besucher nicht viel Täuschung und Raffinesse braucht, um die Menschheit für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen. (Zahllose Menschen geben sich für irgendwelche medizinischen Untersuchungen her oder fliegen einfach so mit auf eines der riesigen Schiffe der Besucher, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Im Original kam mir die Menschheit weniger blöd und naiv vor.)

Insgesamt fand ich das Remake auf jeden Fall schwächer als das Original. Das lag zum einen an den nicht besonders kreativen Drehbüchern (ich habe das Gefühl, dass die Autoren sich am Ende der ersten Staffel immer noch überlegen, auf welches Ziel sie denn eigentlich hin erzählen wollen), sondern auch daran, dass die meisten Darsteller mich nicht überzeugen konnten. Wobei die Figuren auch nicht besonders gut ausgearbeitet sind, also ist es vielleicht doch eher ein Problem auf Autorenseite. Jedenfalls hatte ich zu keinem Zeitpunkt wirklich den Eindruck, es handele sich bei der kleinen Gruppe von Widerstandskämpfern tatsächlich um eine durch äußere Umstände zusammengeschweißte Truppe, die sich nach außen verteidigen muss. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl kam da nie auf, es wirkte eher alles wie zufällig. Elizabeth Mitchell hat in „Lost“ wesentlich nuancierter und facettenreicher gespielt und wirkt in „V“ über weite Strecken lust- und ideenlos; auch das liegt vielleicht wieder daran, dass ihre Figur erst gegen Ende der Staffel endlich etwas Tiefe erlangt.

Die interessanteste Figur ist für mich Chad Decker, ein Journalist und Fernsehreporter, der von Anna, der Anführerin der Besucher, immer wieder die Gelegenheit für Exklusivinterviews und spektakuläre Ankündigungen erhält, im Gegenzug aber auch für die Propaganda der Besucher herhalten muss, denn Anna kontrolliert natürlich genau, was Chad zu sehen und zu hören bekommt. Allerdings stellt Decker durchaus kritische Fragen und lässt sich und seine Sendung nicht so schnell von der Propagandamaschinerie der Besucher vereinnahmen, wie dies bei der Reporterin in der Originalserie geschah. Für lange Zeit weiß man nicht, auf wessen Seite sich Decker schlagen wird, ja er weiß es wahrscheinlich selbst nicht und ist hin und her gerissen zwischen den beruflichen Perspektiven, die sich durch eine Kooperation mit den Besuchern ergeben und dem Drang, moralisch richtig zu handeln. Er ist sich durchaus bewusst, dass er für die Besucher nicht unersetzlich ist und sie ihn jederzeit ausschalten können und bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat. Leider spielen die Medien davon abgesehen keine große Rolle in der Serie; es wäre durchaus interessant gewesen, wie verschiedene Journalisten mit diesem Dilemma umgehen und unterschiedliche Meinungen präsentiert zu bekommen. Dennoch bleibt Decker die interessanteste, weil konsequent ambivalent gezeichnete Figur.

Die übrigen Charaktere wirken dagegen meistens sehr schablonenhaft. Da gibt es etwa den ehrenhaften Priester, der natürlich Gewissensbisse bekommt, wenn einer der anderen Widerstandskämpfer einen Gefangenen foltern muss, um wichtige Informationen zu erhalten. Die Hauptfigur, FBI-Agentin Erica Evans, wird als besorgte Mutter gezeichnet, die sich um ihren der Faszination der Besucher erlegenen Sohn sorgt, bleibt jedoch lange Zeit trotzdem ziemlich blass. Erst gegen Ende der Staffel findet ein großartiges Aufeinandertreffen von Erica und Anna statt, das eine der sehr wenigen erinnerungswürdigen Szenen dieser Staffel darstellt und Erica etwas gefährlicher, risikobereiter und damit interessanter werden lässt.

Interessant ist auch die in den letzten Folgen eingeführte Idee, dass die emotionslosen Besucher allmählich menschliche Gefühle in sich entdecken und so mit Schrecken feststellen müssen, dass sie uns allmählich ähnlicher werden und menschliche Schwächen entwickeln. Ebenso setzt sich Erica am Ende über einige der Prinzipien hinweg, die für sie bislang unverrückbar gegolten haben und handelt damit genauso rücksichtslos und gefühlskalt wie Anna. Sie lässt ihre eigene Menschlichkeit also ein Stück weit hinter sich. Wohin diese Erzählfäden führen werden, wird sich in der zweiten Staffel zeigen, die ich mir irgendwann anschauen werde (in nächster Zeit bin ich aber erst mal mit „Alias“ und anderen Serien beschäftigt). Da „V – Die Besucher“ allerdings nach der zweiten Staffel eingestellt worden ist, gehe ich mal davon aus, dass da nicht mehr allzu viel Gutes auf mich zu kommt.

Übrigens kann man die 2009er Serie auch auf eine weitere Weise politisch lesen: Von Anna, der obersten Kommandantin der Besucher (die im Jahr 2009 auch in den USA landen), erwarten die Menschen die plötzliche Lösung zahlreicher Probleme, sie wollen „Change“ und haben „Hope“. Zudem verspricht Anna der Menschheit doch tatsächlich „universal health care“! Wer da noch widerstehen kann und behaupten will, die Besucher hätten nichts Weniger als das Beste für die Menschheit im Sinn, der muss doch ganz einfach falsch liegen. Oder?