Fernsehen mal drei: „Designated Survivor“, „The Night Manager“ & „Wayward Pines“

Was macht man, wenn man sein Leben gerade nicht auf die Reihe kriegt und sich von Problemen ablenken lassen will? Genau, fernsehen! Das habe ich in den letzten Wochen auch wieder viel gemacht. Dabei bin ich unter anderem „Seinfeld“ verfallen – ich hatte bis vor etwa zwei Monaten tatsächlich noch keine einzige Folge der legendären Sitcom gesehen, obwohl ich schon seit Jahren ein großer Fan von Larry David bin. Auch mit „The Big Bang Theory“ habe ich endlich angefangen, nachdem ich mir schon seit Jahren anhören muss, dass ich einem gewissen Sheldon ziemlich ähnlich bin. 😉 Davon habe ich aber erst drei Folgen angeschaut. Und um diese Sitcoms soll es hier eigentlich gar nicht gehen, sondern um drei andere Serien.

Designated Survivor

In diesem Politdrama, das in den USA auf ABC und hierzulande auf Netflix zu sehen ist, wird der von Kiefer Sutherland gespielte Thomas Kirkman unerwartet zum US-Präsidenten. Er ist nämlich jener „designated survivor“, der sich, während der Präsident im Kapitol seine Rede zur Lage der Nation (State of the Union) hält, an einem geheimen Ort aufhält – nur für den Fall der Fälle, dass eben der Präsident und alle anderen Amtsträger, die für dessen Nachfolge in Frage kommen, ums Leben kommen sollten. Dieser Fall tritt hier in der ersten Episode tatsächlich ein, als ein Bombenanschlag auf das Kapitol verübt wird, dem nicht nur der US-Präsident, sein Stellvertreter und sämtliche versammelten Minister, sondern auch ein Großteil des Kongresses zum Opfer fallen.
So wird Kirkman, der bislang Minister für Wohnungsbau und Stadtplanung war (und dem der Präsident dieses Amt eigentlich wieder entziehen wollte) also Hals über Kopf vereidigt und steht fortan an der Spitze einer Regierung, in der viele den unerfahrenen Neuling sofort wieder absägen möchten. Dazu kommen chaotische Zustände, Intrigen und Verschwörungen wie sie eben nach einem das Land erschütternden Terroranschlag dazu gehören.
Ich muss zugeben, dass für mich das Spannendste an „Designated Survivor“ eigentlich die Ausgangssituation ist. Klar wäre es furchtbar, sollte dieser Fall jemals wirklich eintreffen. Aber ihn mal im Fersehen durchzuspielen, das hat schon seinen Reiz. Leider verfliegt dieser Reiz aber recht schnell wieder. Nach drei oder vier Folgen unterscheidet sich „Designated Survivor“ nur noch wenig von anderen Politthrillern. Folge für Folge muss die Serie mit immer neuen überraschenden Wendungen und schockierenden Entwicklungen aufwarten. Dadurch hat man gelegentlich das Gefühl, sich hier mehr in einer Polit-Soap zu befinden (und die Serie schreckt diesbezüglich tatsächlich nicht vor einigen sehr billigen Handlungselementen zurück – Stichwort: Sohn des Präsidenten). Insofern habe ich mich ein paar Mal an „Political Animals“ erinnert gefühlt, allerdings waren dort die schauspielerischen Leistungen deutlich besser und es handelte sich nur um eine Miniserie. Die erste Staffel von „Designated Survivor“ dagegen ist auf 22 Episoden angelegt, von denen ich bislang zehn gesehen habe. Wären bereits alle Folgen auf Netflix verfügbar, hätte ich wohl schon aufgegeben. Da hier aber ganz altmodisch jede Woche nur eine Folge veröffentlicht wird, könnte es sogar sein, dass ich dran bleibe. Und sei es nur, weil ich mich so freue, Natascha McElhone mal wieder zu sehen, die hier die First Lady spielt.
Fazit: „Designated Survivor“ ist eine Art Mischung aus „House of Cards“, „24“ und „Political Animals“. Spannende und kurzweilige Unterhaltung mit einem Kiefer Sutherland, der eben so spielt wie er es immer tut. Aber eben auch eine Serie wie viele andere.

The Night Manager

Weiter geht es von der amerikanischen Regierung zum britischen Geheimdienst. „The Night Manager“ ist in Deutschland momentan exklusiv bei Amazon Prime zu sehen. Nachdem mir mehrere Freunde von der achtteiligen Serie vorgeschwärmt hatten, habe ich mir vor kurzem selbst ein Bild gemacht – und wollte eigentlich schon nach der zweiten Episode wieder Schluss machen.
Ein Nachtmanager eines Hotels, der vom britischen Geheimdienst undercover ins Team eines weltweit operierenden Waffenhändlers eingeschleust wird? Vollkommen unglaubwürdig, dachte ich mir. Noch dazu ist die Inszenierung hier ziemlich altmodisch und behäbig, was ja nicht schlecht sein muss, aber bei mir mal wieder die Frage aufwirft, warum man denn heute gleich aus jedem Stoff eine TV-Serie machen muss. Letztes Jahr kam „Verräter wie wir“ ins Kino, genau wie „The Night Manager“ die Verfilmung eines Romans von John le Carré. Der Film war zwar kein Meisterwerk, aber spannend und gut gespielt und inszeniert (meine Kritik könnt ihr hier lesen). Aber auf acht Episoden breitgetreten hätte ich den Stoff nicht gebraucht. Auch „The Night Manager“ hat die Streckung des Stoffes meiner Meinung nach nicht gut getan. Man hätte doch auch einen flotten und spannenden Zweiteiler inszenieren können? Stattdessen müssen (oder dürfen) wir nun Tom Hiddleston (als Nachtmanager, der zum Spion wird) und Hugh Laurie (als auf großem Fuß lebenden Waffenhändler) acht Folgen lang dabei zusehen, wie sie sich misstrauisch anschauen.
Mir war das wie gesagt nach zwei Folgen schon zu langweilig; ich habe danach nur weiter zugeschaut, weil mir eine Freundin eingeredet hat, danach gehe es doch erst richtig los. Tut es aber nicht, sondern es geht einfach genauso weiter, wie es angefangen hat. Und das mit dem Hotelmanager, der zum Undercoveragenten wird, mag zwar realistischer sein, als ich zunächst dachte. John le Carré hat schließlich selbst eine Vergangenheit im Geheimdienst und wird schon wissen, wovon er schreibt. Trotzdem haben mich hier nicht einmal die guten Schauspieler überzeugen können. Weil es nur acht Folgen waren, habe ich mich halt irgendwie durchgequält, großen Spaß gemacht hat es mir allerdings nicht.

Wayward Pines

Ganz anders verhält es sich mit „Wayward Pines“: Danach bin ich momentan regelrecht süchtig. Ich wollte vorgestern abends eigentlich nur die ersten zwei Folgen anschauen, daraus wurden dann fünf (und gestern noch einmal zwei). Die Mystery-Serie stand schon lange auf meiner „to watch“-Liste, weil sie von M. Night Shyamalan produziert wird, der auch bei der ersten Folge Regie geführt hat (auch die durch „Stranger Things“ bekannt gewordenen Duffer-Brüder sind als Produzenten und bei einigen Episoden auch als Drehbuchautoren beteiligt).
„Wayward Pines“ basiert auf einer Romantrilogie von Blake Crouch und wird oft mit „Twin Peaks“ verglichen. Der Vergleich ist allerdings trügerisch. Gemeinsam haben beide Serien, dass jeweils ein Geheimagent in eine US-Kleinstadt kommt, um dort ein Verbrechen aufzuklären. In beiden Serien trifft dieser Agent auf allerlei sonderbare und schräge Stadtbewohner. Aber viel weiter gehen die Ähnlichkeiten meiner Meinung nach nicht, da sich in „Wayward Pines“ die Handlung ab der Mitte der ersten Staffel in eine vollkommen andere Richtung entwickelt als bei „Twin Peaks“. Generell möchte ich über die Handlung nicht viel mehr verraten und kann jedem nur empfehlen, sich vorher möglichst nicht spoilern zu lassen. Wie der von Matt Dillon gespielte Ethan Burke hier in den ersten Folgen in eine durch und durch kafkaeske, alptraumhafte Situation gerät, ist nämlich hochspannend, sodass man am Ende jeder Folge gleich weiter schauen muss, um Antworten zu finden. Warum wollen die Bewohner von Wayward Pines scheinbar nicht, dass Ethan die Stadt wieder verlässt? Warum scheint es für sie verboten zu sein, über ihre Vergangenheit zu sprechen? Das sind nur zwei der zahlreichen Fragen, die am Anfang für Kopfkratzen sorgen.
Die Serie wartet mit ein paar überraschenden Wendungen auf, von denen zumindest eine ein richtig großer „WTF!?“-Moment ist. Den kann man dann doof finden oder eben richtig großartig (so wie ich). Auf jeden Fall hat mich die Serie nun äußerst neugierig auf die Romane von Blake Crouch gemacht (auf alle seine Bücher, nicht nur die Vorlagen zu „Wayward Pines“). Momentan exisitieren zwei Staffeln der TV-Serie mit jeweils zehn Folgen. Eine dritte Staffel scheint derzeit nicht in Planung zu sein, allerdings war auch schon die Pause zwischen den ersten beiden Staffeln ungewöhnlich lang (weswegen auch einige Darsteller für die zweite Staffel nicht mehr oder nicht im gewohnten Umfang zur Verfügung standen).
Es wundert mich, dass die Serie kein größerer Hit geworden ist, denn sie schlägt einige Themen an, die in den letzten Jahren eigentlich ziemlich angesagt sind (ich muss leider so vage bleiben, um Spoiler zu vermeiden). Die Darstellerriege ist mit Matt Dillon, Melissa Leo, Terrence Howard, Toby Jones, Juliette Lewis und Hope Davis äußerst beeindruckend. Vielleicht haben sich manche potentielle Zuschauer von Shyamalans Namen abschrecken lassen… Ich werde heute Abend auf jeden Fall die erste Staffel zu Ende anschauen. Mal sehen, ob meine Begeisterung danach noch genau so groß ist.
Die erste Staffel von „Wayward Pines“ ist in Deutschland auf DVD/Bluray sowie auf Amazon Prime verfügbar. Staffel 2 kann bei Amazon als Video-Download gekauft werden. (Zudem war/ist die Serie anscheinend in der Free-TV-Erstausstrahlung auf ZDFneo zu sehen.) Begleitend zur Serie gibt es die aus zehn dreiminütigen Kurzepisoden bestehende Serie „Gone“, die man auf YouTube finden kann. (Ich habe sie noch nicht angeschaut, bin aber schon gespannt, was mich dabei erwartet.)

Das war 2013 – Mein persönlicher Film- und Serienrückblick

Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr ist so gut wie vorbei, da wird es Zeit für einen Jahresrückblick. Das dachte ich mir jedenfalls vor ein paar Tagen, schließlich habe ich schon lange nichts mehr gepostet und zwar einige neue Blogposts in Arbeit, die aber aus verschiedenen Gründen (welche sich alle unter dem Überbegriff Prokrastination zusammenfassen lassen) alle noch nicht fertig sind. Also beuge auch ich mich dem momentanen Trend und schreibe meinen persönlichen Film- und Serienjahresrückblick 2013.

Die besten Filme des Jahres

Zum ersten Mal habe ich 2013 eine Liste über alle Filme geführt, die ich mir in diesem Jahr angeschaut habe, ganz egal ob im Kino oder zuhause, ganz egal ob brandneuer Blockbuster oder jahrzehnte alter Klassiker. Die Anzahl verrate ich nicht, aber es waren definitiv zu wenige. Noch weniger als in den letzten Jahren habe ich es 2013 geschafft, alle neuen Filme, die ich mir anzuschauen vorgenommen habe, auch zu sehen. Das lag vor allem daran, dass ich in den letzten Wochen kaum Zeit hatte, wie wild in die Videothek und ins Kino zu rennen, um auch wirklich alle wichtigen Filme des Jahres nachzuholen. Am produktivsten war ich in dieser Hinsicht wie in jedem Jahr während des „Filmfest München“ – 23 Filme habe ich dort innerhalb von acht Tagen gesehen (und hier darüber geschrieben). Darunter war mit „Blau ist eine warme Farbe“ („La vie d’Adèle“, seit Donnerstag deutschlandweit im Kino) einer der besten Filme des Jahres. Abdellatif Kechiches Beziehungsdrama mit Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux erzählt so direkt, ungekünstelt und ehrlich von den Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung und wartet mit zwei so guten und faszinierenden Hauptdarstellerinnen auf, dass ich auch nach knapp drei Stunden noch nicht genug davon kriegen konnte. Eine weitere Filmfestentdeckung war die Dokumentation „Jodorowsky’s Dune“, die vom letztendlich gescheiterten Versuch des chilenischen Kultregisseurs Alejandro Jodorowsky erzählt, Frank Herberts SciFi-Saga „Dune“ zu verfilmen. Für Fans des Buches, aber auch für Filminteressierte lohnt sich ein Blick auf diesen Film auf jeden Fall, denn die Version von „Dune“, die Jodorowsky vorschwebte, war eine in jeder Hinsicht große und in mancher Hinsicht vielleicht auch größenwahnsinnige. Hoffentlich findet dieser Film zumindest auf DVD auch seinen Weg nach Deutschland.

Wenn man unter einem perfekten Kinoerlebnis die Erfahrung versteht, für die Dauer eines Filmes die Realität um sich herum vollkommen zu vergessen und in eine andere Welt transportiert zu werden, dann ist Alfonso Cuaróns „Gravity“ für mich das perfekte Filmerlebnis schlechthin. Selten zuvor hat ein Filmemacher die handwerklichen Werkzeuge des Films – in diesem Fall unter anderem den 3D-Effekt – so geschickt und stimmig in den Dienst einer dazu passenden Geschichte gestellt. Die phänomenale Kamera- und Schnittarbeit des Films vermittelt dem auf dem Erdboden verhafteten Zuschauer auf die bestmögliche Weise den Eindruck, mit Sandra Bullock und George Clooney im Weltraum zu schweben. Das Erlebnis, das dieser Film bietet ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Als ich aus dem Kino kam, hatte ich noch minutenlang einen federnden, leichten Gang, weil ich tatsächlich zu einem gewissen Grad das Gefühl hatte, aus der Schwerelosigkeit zurück auf die Erde zu kommen. Praktisch den ganzen Film über ging mein Mund vor Staunen gar nicht mehr zu – „Gravity“ ist für mich ganz klar der beste Film des Jahres. Dieses Filmerlebnis hätte nur dann noch besser sein können, wenn Cuarón den Film in HFR, also mit mindestens 48 Bildern pro Sekunde gedreht hätte (so wie Peter Jackson seine beiden „Hobbit“-Filme). Dann wäre bei Kameraschwenks nämlich kein Verwischungs-Effekt aufgetreten und wirklich überhaupt nichts hätte mich noch daran erinnert, dass ich da „nur einen Film“ sehe.

Von ganz anderer Art und vollkommen dem Erdboden verhafet, ja wie mitten aus dem Leben gegriffen, sind die „Before…“-Filme von Richard Linklater, über die ich im April gebloggt habe. „Before Midnight“ war einer meiner meisterwarteten Filme des Jahres und hat mich nicht enttäuscht. Auf gewohnt hohem Niveau führen Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke fort, was sie 1995 begonnen haben. Konsequent wird die Geschichte von Jesse und Céline, die sich einst im Zug kennen gelernt haben, hier weitererzählt. Delpy und Hawke dabei zuzusehen, wie sie in scheinbarer Verschmelzung mit ihren Figuren die grandiosen Dialoge zum Leben erwecken, gehörte zu den Höhepunkten meines Filmjahres. Und dann wieder dieses Ende…!

Ganz klar ein weiterer Höhepunkt für mich war „Star Trek Into Darkness“. In meinem Fall ist J.J. Abrams Plan voll aufgegangen: Je weniger die Zuschauer vor dem Kinobesuch über einen Film wissen, umso mehr kann man sie überraschen. Da ich vollkommen ungespoilert in das neue Trek-Abenteuer ging, konnte mich die zentrale Enthüllung des Films auch tatsächlich überraschen und schockieren! Auch den Rest des Films habe ich ausnahmslos genossen; „Star Trek Into Darkness“ ist für mich ein fast perfektes SciFi-Abenteuer (jetzt werden wieder einige maulen, dass es in „Star Trek“ ja eigentlich um mehr gehen soll, als nur um Abenteuer, aber dazu habe ich ja bereits in meinem Post zum Film etwas geschrieben).

Wo ich gerade bei großen Abenteurn bin: Auch Peter Jacksons zweiter „Hobbit“-Film gehört für mich zu den besten des Jahres, auch wenn ich mir nach der zweiten Sichtung des Films nicht mehr ganz sicher bin, ob ich ihn wirklich in meine Top Ten einordnen würde. Mit der Szene, in der Bilbo und die Zwerge verfolgt von Orks und Elben in Fässern den Fluss hinuntertreiben, liefert er auf jeden Fall eine der kreativsten und unterhaltsamsten Actionszenen seit Jahren ab und wartet zudem mit einem Showdown auf, der mir ein breites Grinsen der Bewunderung und des Staunens ins Gesicht zauberte. Ich gebe ja zu, dass ich eine Schwäche für Jacksons Actionsszenen habe, die oft überlang und „over the top“ sind, aber mit den genannten zwei Sequenzen hat er sich tatsächlich noch einmal selbst übertroffen (was für all diejenigen, die den Film nicht mochten, natürlich als Argument gegen ihn angeführt werden kann). „The Desolation of Smaug“ hat definitiv seine Schwächen, aber zumindest beim ersten Mal hatte ich so viel Spaß im Kino, wie schon lange nicht mehr und habe sogar spontan applaudiert.

Ebenfalls zum Lachen und Staunen gebracht hat mich zu Beginn des Jahres Tim Burtons „Frankenweenie“. Endlich mal wieder ein Tim Burton-Film, bei dem der Regisseur ohne Rücksicht auf den Massengeschmack seine Vision auf die Leinwand bringen konnte! Hier konnte Burton seine Kreativität voll ausleben und hat nach dem von ihm erdachten „Nightmare Before Christmas“ und „Corpse Bride“ erneut einen Stop Motion-Animationsfilm voller herrlich verrückter, aber emotional authentischer Figuren geschaffen. Zusätzlich ist „Frankenweenie“ eine Hommage an alte Horrorstreifen und zitiert zahlreiche Klassiker des Genres, was das Vergnügen für Filmfans noch größer macht. Auch Steven Spielbergs „Lincoln“ kam in Deutschland zu Beginn des Jahres in die Kinos und zählt wahrscheinlich zu den besten Filmen des Regiegroßmeisters. Ich schreibe „wahrscheinlich“, weil ich den Film nur einmal gesehen habe und ihn mir noch einmal anschauen muss, um mir ein klareres Bild zu verschaffen. Das herrvoragende Drehbuch, das detaillierte und überzeugende Set- und Kostümdesign und in erster Linie Daniel Day Lewis‘ wirklich phänomenales Schauspiel machen diesen Film aber auf jeden Fall zu einem der besten des Kinojahres.

Quentin Tarantino nahm sich mit seinem „Django Unchained“ ebenfalls dem Thema Sklaverei in den USA an und gewann für das Drehbuch verdientermaßen einen Oscar. Ob man auch Christoph Waltz nach seiner Auszeichnung für „Inglorious Basterds“ erneut einen Goldjungen überreichen musste, darüber kann man streiten. Fest steht, dass es extrem unterhaltsam war, Waltz und auch dem hervorragend fiesen Leonardo DiCaprio hier zuzusehen. Der Film hatte hier und da ein paar Längen und komischerweise ist mir Jamie Foxx‘ Django viel weniger in Erinnerung geblieben als die Figuren von Waltz, DiCaprio, Samuel L. Jackson oder Don Johnson, aber insgesamt handelt es sich trotzdem um einen der besten Filme des Jahres.

Großartiges Schauspielkino der ganz anderen Art bot der dänische Film „Die Jagd“ von Thomas Vinterberg, der hier erstmals mit Mads Mikkelsen („Casino Royale“) zusammen arbeitete. Mikkelsen spielt einen Kinderpfleger, der eines Tages zu Unrecht verdächtigt wird, sich sexuell an einem kleinen Mädchen vergangen zu haben. Die ruhige Inszenierung, das intelligente Drehbuch und das sehr gute Schauspiel Mikkelsens und der Nebendarsteller (inklusive des kleinen Mädchens) machen diesen Film zu einem sehr sehenswerten Stück Kino, das zum Nachdenken anregt. Ähnliches gilt für „Flight“, Robert Zemeckis‘ lang erwartete Rückkehr zum Realfilm. Nach „Cast Away“ (2000) und „What Lies Beneath“ („Schatten der Wahrheit“, 2001) hatte es sich der Regisseur zur Aufgabe gemacht, die Motion Capture-Technologie zu erforschen. Seine Filme „Der Polarexpress“, „Die Legende von Beowulf“ und seine Version von Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“ waren allerdings weder besonders gut, noch konnten sie eine klare Antwort auf die Frage geben, warum man nun unbedingt Tom Hanks in einem Film fünf verschiedene Rollen spielen lassen muss, bloß weil es technisch möglich ist. (Sinnvoll eingesetzt und weiterentwickelt wurde Motion Capture schließlich von anderen, allen voran Peter Jackson mit Gollum im „Herrn der Ringe“, James Cameron bei „Avatar“ und auch Spielberg und Jackson bei „Tim & Struppi“). In Flight hat sich Zemeckis jedenfalls wieder auf seine alten Stärken zurück besonnen und ein Stück Kino abgeliefert, das zwar technisch und handwerklich brilliant ist, dies jedoch nicht zum Mittelpunkt und Selbstzweck macht. Auch Denzel Washingtons zu recht oscarnominiertes Schauspiel setzt eher auf Zurückhaltung statt Übertreibung und ist gerade deshalb so effektiv.

Was gab es sonst noch so für tolle, erwähnenswerte Filme? Da wäre Paul Thomas Andersons „The Master“, der sicherlich keine leicht zugängliche Kost darstellt, aber schon allein wegen der Schauspielleistungen seiner Hauptdarsteller sehenswert ist. Das gleiche kann man von „Prisoners“ behaupten, einem Film, dessen Düsternis meine Stimmung ganz schon in den Keller gezogen hat, in dem Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal aber voll überzeugen konnten. Äußerst begeistert war ich auch nach dem Anschauen von „Die fantastische Welt von Oz“, allerdings habe ich den starken Verdacht, dass sich das ändern würde, sollte ich den Film irgendwann ein zweites Mal sehen. Woody Allens „Blue Jasmine“ ist definitiv einer der stärkeren Filme des Regisseurs, wenn auch wie die meisten seiner Werke von zahlreichen Klischees durchzogen. Doch schon allein Cate Blanchetts Darstellung der titelgebenden Jasmine war den Kauf der Eintrittskarte wert und ich tippe mal darauf, dass sie für diese Rolle ihren zweiten Oscar erhalten wird. Tolles Schauspielkino gab es auch in „Saiten des Lebens“ („A Late Quartet“) zu sehen, in dem Christopher Walken, Philipp Seymour Hoffman, Catherine Keener und Mark Ivanir die Mitglieder eines Streichquartetts spielen, die sich unter anderem damit auseinandersetzen müssen, dass einer von ihnen an Parkinson erkrankt ist. Ach ja, und dann war doch noch „World War Z“, der von allen bisher genannten Filmen zwar der am wenigsten beeindruckende ist, den ich hier aber dennoch aufführen möchte, weil er ganz einfach so viel besser war als man erwartet hatte. Vielleicht steckte ja eine besondere Marketingstrategie des Studios dahinter – erst monatelang Informationshäppchen darüber in die Welt setzen, wie chaotisch die Dreharbeiten verlaufen und wie uneinig sich die Beteiligten über die Richtung sind, die der Film einschlagen soll, um dann am Ende mit einem zwar bei weitem nicht perfekten, aber eben doch ordentlichem und unterhaltsamen Zombie-Actionfilm zu überraschen.

Die bewegendste Schauspiellelistung des Jahres kam dieses Mal von Anne Hathaway in „Les Misérables“. Während ich den Film als ganzen nur mittelmäßig fand, hat mich ihre Darbietung von „I Dreamed A Dream“ selbst dann noch zu Tränen gerührt, wenn ich das Lied nur gehört habe. Ihre gesanglich nicht perfekte, aber gerade deswegen emotional so berührende Darbietung dieser Szene hat ihr vollkommen zu Recht den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle eingebracht. Und das schreibe ich nicht nur, weil ich Anne Hathaway neben Rebecca Hall für die schönste Schauspielerin der Welt halte und einen Anne Hathaway-Adventskalender an der Wand hängen habe! 😉

Weitere persönliche Filmhöhepunkte

Schließlich möchte ich noch ein paar Filme nennen, die zwar zum Teil schon älter sind, die ich aber 2013 zum ersten Mal gesehen habe und die ebenfalls zu meinen filmischen Höhepunkten zählten: Da wäre zunächst Hitchcocks „Psycho“, das ich tatsächlich erst dieses Jahr nachgeholt habe (als Vorbereitung auf „Hitchcock“, der von der Entstehung von „Psycho“ erzählt, aber leider eher durchwachsen ausgefallen ist). Auch „Der Zauberer von Oz“ habe ich erst 2013 zum ersten Mal gesehen (und zwar einige Tage nach dem Kinobesuch von „Die fantastische Welt von Oz“) und mich nicht nur sofort in den Film verliebt, sondern beim Anschauen auch endlich die zahlreichen Anspielungen auf den Film, die in vielen anderen Filmen und Liedern vorkommen, verstanden. Nach dem extrem enttäuschenden fünften „Stirb Langsam“-Film (siehe unten) habe ich auch endlich die mir noch fehlenden ersten beiden Teile der Reihe angeschaut und war überrascht davon, dass Teil 1 ja noch gar nicht so ein Actionfeuerwerk ablieferte, wie es vor allem die letzten beiden Filme taten. Die Stärken des Films liegen anderswo und gerade deswegen ist er so verdammt gut (Teil 2 dagegen konnte ich schon sehr viel weniger abgewinnen). Besser spät als nie habe ich 2013 auch endlich erkannt, was für ein erzählerisches Genie Joss Whedon ist. Mit seinem Werk war ich bisher kaum vertraut, nachdem ich aber den von Whedon geschriebenen und wirklich genialen „The Cabin In The Woods“ gesehen habe, verneige ich mich vor seiner Fähigkeit, uns mit der Dekonstruktion eines ganzen Genres zu unterhalten.

Auf dem Fantasy Filmfest habe ich in diesem Jahr drei Filme gesehen, von denen „The Philosophers“ der beste war. James D’Arcy spielt darin als Lehrer mit seiner Philosophieklasse ein Gedankenexperiment duch, das grausam endet. Nebenbei erfahren wir auch noch, auf welche weiterführende Schule Ginny Weasly aus den „Harry Potter“-Filmen nach ihrem Hogwarts-Besuch gegangen ist, deren Darstellerin Bonnie Wright spielt hier nämlich eine Schülerin. Ein Film, über den ich vorher so gut wie nichts wusste und der mich dann sehr beeindruckt hat, war Anton Corbijns Musikbiographie „Control“ (2007) über die Band Joy Divison und das tragisch kurze Leben ihres Leadsängers Ian Curtis. Sehr sehenswert! Auch einige Filme der Vorjahre habe ich 2013 noch nachgeholt: Darunter enttäuschende wie „Das Bourne Vermächtnis“, aber auch sehr gute wie „Ruby Sparks“, „Cloud Atlas“, „Chronicle“  oder Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ (2011). Letzterer hat mich emotional so sehr mit genommen, wie es nur ganz, ganz wenige Filme schaffen. Auf schonungslos offene Weise und ohne irgendetwas zu verbergen oder zu beschönigen erzählt Dresen darin die Geschichte einer deutschen Mittelstandsfamilie, deren Familienvater an einem Gehirntumor leidet. Von der Diagnose bis zum Tod begleitet Dresen diese Familie, und wenn das hier so klingt als handele es sich um einen Dokumentarfilm, dann deswegen, weil dieser Film fast so wirkt. So nah ist man dabei den Figuren, dass es wirklich fast schon körperlich weh tut. Ganz intimes, aber gleichzeitig ganz großes Kino und von seiner Intensität und emotionalen Wucht her einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

Die schlechtesten und enttäuschendsten Filme des Jahres

Ich habe es oben schon angedeutet: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ ist für mich die Filmgurke des Jahres. Ein über weite Strecken einfach nur peinlicher und höchstens unfreiwillig komischer Film. Warum, habe ich ja in meinem Post zum Film schon geschrieben. Auch „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ konnte ich fast nichts Positives abgewinnen. Kaum zündende Gags, eine wirklich schwache Inszenierung und teils lustlos wirkende Darsteller – mehr will ich dazu nicht mehr sagen. Warum ich mir „The Last Stand“ mit Arnold Schwarzenegger angeschaut habe, weiß ich selbst nicht so genau. Ich weiß nur, dass ich drei Abende dafür gebraucht habe, weil ich mir den Film einfach nicht an einem Stück antun konnte. Leider auch ziemlich daneben fand ich Sofia Coppolas „The Bling Ring“, der eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung der immer gleichen Szenen und Bilder bestand. Dass diese dann zum Teil recht ästhetisch anzuschauen waren, hat dem Ganzen auch wenig geholfen. Die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möche ich wegen „Man of Steel“. Dieses Superman-Reboot hat einen (optisch) wahnsinnig schönen Anfang, versucht aber leider, sich im weiteren Verlauf nur dadurch zu steigern, dass immer größere Häuser kaputt gemacht werden. Kann bitteschön mal irgendjemand Zack Snyder dazu zwingen, eine mit minimalem Budget ausgestattete Verfilmung eines Theaterstücks zu drehen, damit der Mann lernt, dass es auch im Kino auf interessante, emotional authentische Figuren und deren Beziehungen und Konflikte ankommt und nicht nur darauf, alles möglichst bunt und laut zu machen?

Dann waren da noch die beiden Filme über Terroristen, die das weiße Haus angreifen, von denen ich bis jetzt nur einen gesehen habe („Olympus Has Fallen“). Der war so belanglos und uninteressant, dass ich ihn größtenteils schon wieder vergessen habe. Baz Luhrmanns „Der große Gatsby“ dagegen war zwar nicht wirklich schlecht, kam aber auch nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Und von den großen Comicverfilmungen des Jahres habe ich zwar noch gar nicht alle gesehen, „Iron Man 3“ fand ich aber wesentlich weniger gut als die meisten anderen ihn fanden und „The Wolverine“ hatte zwar interessante Ansätze, scheiterte aber leider daran, diese auch zu einer interessanten und schlüssigen Geschichte zusammen zu packen.


Mein Serienjahr 2013

Alle Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe, habe ich wie erwähnt in einer Liste festgehalten. Bei den Serien habe ich das noch nicht gemacht, deswegen fällt es mir schwer, mich überhaupt noch an alle Serie zu erinnern, die ich in diesem Jahr gesehen habe. In den letzten zwei oder drei Monaten habe ich wenig Serien (und auch Filme) angeschaut, im Frühjahr und Sommer dagegen mehr. Eine Serie, mit der ich in diesem Jahr neu begonnen habe, war J.J. Abrams‘ „Alias“ (ich habe auch mehrmals darüber gebloggt, zuletzt hier). Die größten Pluspunkte der Serie sind ganz klar Jennifer Garners charismatische und energiegeladene Darstellung von Sidney Bristow und das hohe Erzähltempo, das den Zuschauer gar nicht zur Ruhe kommen lässt (und so auch den ein oder anderen Logikfehler verschleiert). Wirklich süchtig gemacht, so wie „Lost“, hat mich „Alias“ allerdins nicht, so dass ich nach der zweiten Staffel erst einmal abgebrochen habe. Ich möchte zwar irgendwann weiter schauen, aber es gibt halt noch viele andere tolle Serien. „True Blood“ gehört dazu nur bedingt. Während die erste Staffel aufgrund ihrer erfrischend ungekünstelten Darstellung des Fantastischen (das ist ein Euphemismus für „die Serie ist ziemlich erwachsen und brutal“ 😉 ) und der sozialkritischen Elemente überzeugen konnte, wanderten in den folgenden Staffeln leider die Soap-Elemente immer mehr in den Vordergrund, bis es irgendwann egal war, was in der Serie passierte, solange irgendetwas passierte. Die fünfte Staffel, die ich mir dieses Jahr angesehen habe, war zwar wieder besser als die vierte, aber ich bin und bleibe skeptisch. Die sechste und finale siebte Season werde ich mir wohl trotzdem noch ansehen.

Auch bei „Dexter“ handelt es sich um eine Serie, die wahnsinnig toll angefangen hat und irgendwann zwar nicht schlecht, aber doch recht belanglos wurde. Für mich kam dieser Punkt zwar später als für viele andere Zuschauer, nachdem ich dieses Jahr die vorletzte siebte Staffel gesehen habe, muss ich aber definitiv sagen, dass es besser gewesen wäre, die Serie schon nach fünf oder sechs Staffeln zu beenden und einige Entwicklungen, die erst in den späteren Staffeln stattfinden, etwas vorzuziehen. Immer noch faszinierend finde ich „Downton Abbey“. Die meisten der vielen hochgelobten Serien der letzten Jahre haben sich ja einige entscheidende Merkmale des Genres der Soap Opera zu eigen gemacht, „Downton Abbey“ dagegen erhebt diese von der Kritik eigentlich verachtete Form zum Hauptprinzip und feiert trotzdem bei Publikum, Preisverleihungen und Kritikern große Erfolge. Das liegt zum einen daran, dass hier anders als in vielen Daily Soaps erstklassige Schauspieler am Werk sind und natürlich auch daran, dass von „Downton Abbey“ nur sieben oder acht Folgen im Jahr produziert werden. Nachdem ich dieses Jahr die dritte Staffel und das daran anschließende Christmas Special gesehen habe, finde ich es schade, dass so viele Charaktere aus der Serie herausgeschrieben werden mussten, weil deren Darsteller aussteigen wollten. Die große Anzahl an tragischen Toden von Hauptfiguren tut der Serie nicht gut, aber schon allein wegen der großen Maggie Smith, die in jeder Folge einen großartigen Onliner bekommt, lohnt es sich, die Serie weiter anzuschauen. Auch der TV-Mehrteiler „Political Animals“ über eine an die Clintons angelehnte US-Politikerfamilie entpuppte sich in seiner schnellen Folge von Ereignisse wie Drogenmissbrauch, Seitensprüngen und Selbstmordversuchen leider als ziemlich Soap-lastig; genau wie bei „Downton Abbey“ fand ich das aber nicht schlimm, weil auch hier die Schauspieler (Cirián Hinds, Sigourney Weaver) großartig sind und das Ganze eben nur sechs Folgen lang dauerte. Aaron Sorkins „The Newsroom“ hat ähnliche Schwächen, wenn sie auch nicht so stark ausgeprägt sind. Erwartungsgemäß punktet die Serie mit ihren bisweilen messerscharfen Dialogen, die die Darsteller immer wieder zu Höchstleistungen antreiben.

Zu Beginn des Jahres habe ich mir eine zeitlang die Science Fiction-Kultserie “V – Die außerirdischen Besucher kommen” angeschaut, aber nach etwa zwei Dritteln abgebrochen. Vom Remake der Serie, das vor vor drei Jahren unter dem Titel „V – Die Besucher Premiere feierte und es nur (oder immerhin, je nach Sichtweise) auf zwei Staffeln brachte, habe ich mir die erste Staffel besorgt und komplett angesehen. Unbedings weiter schauen muss ich hier aber auch nicht. Viel besser gefallen hat mir als großem „Star Wars“-Fan natürlich die vierte Staffel von „Star Wars: The Clone Wars“. Gerade dass die Serie über ein so breites Spektrum an Charakteren verfügt und die unterschiedlichsten Geschichten erzählen kann, macht den Reiz dieser Serie aus, die zwar insgesamt auf ein jüngeres Publikum zugschnitten ist, aber auch sehr erwachsene Elemente beinhaltet. Momentan schaue ich mir die fünfte Staffel an und werde vielleicht auch dazu etwas schreiben.

Eine Serie, die ich von der ersten bis zur letzten Folge gesehen habe, war „Fringe“. Das Konzept der Science Fiction-/Mystery-Serie stammt mal wieder aus der Feder von J.J. Abrams. Mit der fünften Staffel bekamen die Macher der Serie die Gelegenheit, den sich durch alle Folgen ziehenden Handlungsbogen abzuschließen und ihrer Serie ein würdiges Ende zu verpassen. „Fringe“ zählt zwar nicht zu meinen All Time-Favoriten, weist aber definitiv einige erinnerungswürdige Momente und mit dem im Verlauf der Serie eingeführten Paralleluniversum auch ein interessantes Erzählkonzept auf. Nicht zuletzt John Nobles Darstellung des leicht verrückten, aber liebenswerten Professors Walter Bishop wird mir immer in schöner Erinnerung bleiben.

Bestimmt zwei Monate habe ich gebraucht, um mich durch die dritte Staffel von „Boardwalk Empire“ zu quälen. Die Serie ist eigentlich alles andere als schlecht, aber mit ihrem großen Figurenensemble und der nicht immer geradlinigen Erzählweise auch alles andere als übersichtlich und leicht konsumierbar. Steve Buscemi und auch einige andere Darsteller sind natürlich fantastisch, trotzdem ist die Serie nicht so mein Fall, so dass ich mir die vierte Staffel wohl nicht mehr anschauen werde. Definitiv weiter schauen werde ich aber bei „Hannibal“. Ich habe ja in meinem Post im Oktober schon geschrieben, wie begeistert ich von dieser Neuinterpretation der Themen und Figuren aus Thomas Harris‘ Roman „Roter Drache“ bin und ich hoffe, dass die Serie auch weiterhin großen Erfolg haben wird, damit Showrunner Bryan Fuller seinen Plan umsetzten und in den folgenden Staffeln auch noch die anderen Hannibal Lecter-Romane von Thomas Harris ins Fernsehen bringen kann.

Da war doch noch was…? Ach ja, „Breaking Bad“ natürlich! Auch wenn ich nicht über alle der im vergangenen Sommer gesendeten letzten acht Folgen gebloggt habe, waren diese letzten Folgen natürlich das Serienhighlight des Jahres! Und was für ein Finale das war, das ja eigentlich schon mit der Konfrontation zwischen Walter White und seinem Schwager Hank losging und sich dann über acht Wochen erstreckte. Nie zuvor hat eine Fernsehserie meinen Puls so in die Höhe getrieben! Die Macher von „Breaking Bad“ haben über fünf Staffeln in allen Bereichen – Schauspiel, Regie, Kamera, usw. – herausragende Leistungen abgeliefert, die herausragendste Leistung dürfte es aber gewesen sein, diese Qualität die ganze Serie lang durchzuhalten und einen großen Handlungsbogen mit glaubhaften und nachvollziehbaren Charakterentwicklungen abzuliefern, der wirklich keinen Durchhänger hatte und schließlich zu einem zufrieden stellenden Ende kam. Ganz bestimmt werde ich mir „Breaking Bad“ irgendwann noch einmal komplett ansehen.

Mein nächstes großes Serienprojekt wird wahrscheinlich „Buffy – The Vampire Slayer“. Wie erwähnt hat mich „The Cabin In The Woods“ endgültig zum Joss Whedon-Fan gemacht, so dass ich mich nun seinem opus magnum nicht länger verschließen kann. Eigentlich hatte ich geplant, schon 2013 mit „Buffy“ anzufangen und habe deswegen auch die aktuellen Staffeln einiger Serien erst einmal aufgeschoben (z.B. „Mad Men“, „Dexter“, „Game of Thrones“, „Downton Abbey“). Auch meine Lieblingsserie „Babylon 5“ werde ich wieder einmal von der ersten bis zur letzten Folge anschauen und hier darüber bloggen. Trotzdem hoffe ich natürlich, zwischendurch auch noch ein paar andere Serien einschieben zu können. Neben den genannten Serien, die ich weiter anschauen will, möchte ich endlich auch in „House of Cards“ reinschauen, mir die zweite Staffel von „The Newsroom“ gönnen und die erste Staffel von „Bates Motel komplett ansehen (die erste Folge hat mir definitiv Lust auf mehr gemacht).

Weiter geht’s 2014!

Eigentlich hatte ich noch geplant, hier auch noch die musikalischen Höhepunkte meines Jahres aufzulisten, aber der Post ist auch so schon lang genug. [Bowie!!!!!!!!! McCartney!!! Die neuen Alben von Elton John, Sting und Justin Timberlake!! Und Britney war auch wieder da, wenn auch nicht sooo gut. Dafür kam das sehr gute zweite Album von Foy Vance, den ich vor einer Woche auf einem fantastischen Konzert erleben durfte. So, das muss reichen. 😉 ]
Mit welchen TV-Serien ich ins neue Jahr starten will, habe ich ja gerade schon geschrieben. Auf welche Filme ich mich besonders freue, fällt mir spontan gar nicht ein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es noch so viele Filme aus diesem Jahr gibt, die ich noch sehen will. Am meisten freue ich mich zurzeit auf jeden Fall auf die drei neuen Folgen von „Sherlock“, die ich schon vorbestellt habe und wirklich kaum noch erwarten kann, schließlich gehören die ersten beiden Staffeln zum Besten, was das Fernsehen je hervorgebracht hat.

Ich wünsche jedenfalls nicht nur mir, sondern auch euch ein tolles neues Jahr, gespickt mit zahlreichen Kino- und Fernsehhöhepunkten! 🙂

„Political Animals“

In meinem letzten Post ging es unter anderem um Soap Operas, und nachdem ich in den letzten Tagen die ersten fünf (von insgesamt sechs) Episoden der TV-Miniserie „Political Animals“ angeschaut habe, kann ich gleich bei dem Thema bleiben. In „Political Animals“ von Greg Berlanti spielt Sigourney „Ripley“ Weaver die US-Außenministerin Elaine Barrish. Vergleiche mit Hillary Clinton liegen nahe, zumal Barrish in der Serie genau wie Clinton in der Realität in den Präsidentschafts-Vorwahlen dem jetzigen Präsidenten unterlegen ist und bereits Pläne schmiedet, sich erneut um die Präsidentschaft zu bewerben. Darüber hinaus war Barrish mit dem früheren US-Präsidenten Donald „Bud“ Hammond (Cirián Hinds) verheiratet, einem notorischen Fremdgänger, der auch während seiner Amtszeit als Präsident zahlreiche Affären hatte.

Ich hatte mir von „Political Animals“ einige ernste und tiefgründige Einblicke in die politische Welt von Washington erwartet und gehofft, da würde jemand, der entsprechende Kontakte zu und Erfahrungen mit diesem Politikbetrieb hat, den Vorhang ein Stück weit lüften, um all die Verflechtungen zwischen Politikern und Journalisten (die nämlich auch eine Rolle in der Serie spielen) beleuchten. Tja, was soll ich sagen: Darum geht es in „Political Animals“ zwar, aber dient all das nur als Hintergrund, vor dem die Familiensaga der Elaine Barrish erzählt wird. Nach der ersten Folge war ich mir über die von der Serie eingeschlagene Richtung noch nicht ganz klar und dachte, all die persönlichen Dramen dienen vielleicht nur dazu, die Charaktere zu Beginn des Erzählbogens zu etablieren, doch mit zunehmendem Verlauf der Serie werden dann die politischen Elemente immer mehr zur Seite gerückt und der Fokus eindeutig auf die zwischenmenschlichen Krisen gelegt, wie sie eigentlich nicht nur in der „First Familiy“, sondern in jeder Familie auftreten können.

Und was für große und kleine Krisen und Probleme das sind! Drogenvergangenheiten und -gegenwarten, ein Selbstmordversuch, Bulimie, eine von zahlreichen Seitensprüngen belastete Ehe, die nach vielen Jahren schließlich doch geschieden wird, die Beziehung einer Journalistin zu ihrem Chefredakteur,… Ich könnte noch mehr aufzählen, aber es wird wohl auch so schon deutlich, dass hier vor lauter Erzählsträngen, die sich auf einer doch recht banalen, zwischenmenschlichen Ebene abspielen, nicht mehr allzuviel Platz ist, um dem großen politischen Rahmen noch viel Bedeutung zu schenken.

Wer weiß, vielleicht geht es in Washingtons mächtigsten Familien ja wirklich so zu? Gerade die Ehe der Clintons dürfte ja nicht allzuweit von der in der Serie gezeigten Beziehung zwischen Barrish und Hammond entfernt sein (mit dem Unterschied, dass die Clintons immer noch miteinander verheiratet sind). Mir hat es auch drei oder vier Episoden lang richtig Spaß gemacht, den Charakteren beim Intrigieren, Herumbrüllen, Fremdgehen und Verzweifeln zuzuschauen, zumal die Schauspieler wirklich die größte Stärke der Serie sind. Sigourney Weaver spielt Barrish erwartungsgemäß selbstbewusst und durchsetzungsfähig, Cirián Hinds (der mich bereits als Julius Cäsar in der HBO-Serie „Rome“ begeistert hat) nimmt man den notorischen Fremdgänger sofort ab und Ellen Burstyn sorgt als Barrishs Mutter immer wieder für Lacher. Nur von Adrian Pasdar war ich nicht ganz überzeugt; für einen US-Präsidenten wirkt er etwas zu jung (außerdem habe ich dank seiner „Heroes“-Vergangenheit bei ihm immer das Gefühl, er würde gleich aus dem Stand heraus losfliegen 😉 ).

Die Darsteller schaffen es also wirklich, einen ins Geschehen hineinzuziehen (was man von den weit von „West Wing“-Niveau entfernten Dialogen nicht immer behaupten kann). Als es dann aber in der fünften Episode, die ich gestern angeschaut habe, zu einer Prügelattacke im Oval Office kam und später Barrishs frisch verlobter Sohn im Flugzeug gemeinsam mit einer Journalistin eine Flasche Rotwein leerte, um dann vollkommen vorhersehbar mit dieser zu schlafen (der Journalistin, nicht der Flasche – das wäre wenigstens überraschend gewesen!), während seine Verlobte zuhause mit Barrishs Mutter Marihuana rauchte (welches die beiden wiederum im geheimen Drogenversteck von Barrishs anderem Sohn entdeckt hatten, der zur selben Zeit nach einer Überdosis im Krankenhaus vor sich hin dämmerte) – da wurde mir das Ganze dann doch etwas zuviel. Würde man die politischen Elemente herauskürzen, die zu diesem Zeitpunkt sowieso nur noch deshalb in der Handlung vorkommen, weil sich die Serie nun mal irgendwie um Washington und eine mächtige Politikerfamilie dreht, dann könnte man die Serie als bügelfreundliches Soap-Programm im Nachmittagsfernsehen senden. Wobei es sich – das muss ich nochmals betonen, weil es die Serie dennoch sehenswert macht – um eine Soap Opera auf schauspielerisch recht hohem Niveau handelt (was „Political Animals“ mit „Downton Abbey“ gemeinsam hat).

Wenn man also akzeptieren kann, dass es sich hier nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Politikbetrieb in Wahsington handelt, dann ist „Political Animals“ als Unterhaltungsfernsehen vollkommen in Ordnung. Um inhaltlich hochwertiges Qualitätsfernsehen wie „The West Wing“ handelt es sich dabei aber nicht.