Die Tribute von Panem – Mockingjay, Teil 1

Heute habe ich den neuen „Hunger Games“-Film, der am Donnerstag ins Kino kommt, gesehen. In Deutschland trägt er den Titel „Die Tribute von Panem – Mockingjay, Teil 1“, was zum einen auf die Unsitte hinweist, hierzulande fremdsprachige Film(unter)titel scheinbar willkürlich und nur teilweise zu übersetzen (man denke nur an das Wirrwar bei den Titeln der „Fluch der Karibik“ / „Pirates of the Caribbean“-Fortsetzungen) und zum anderen auf die viel schlimmere Unsitte, aus dem letzten Teil einer Romanreihe zwei Filme zu machen, um die doppelte Kohle zu scheffeln (siehe „Harry Potter“ oder „Twilight“). Die Frage, ob die Buchvorlage das Auswalzen auf zwei Filme denn auch rechtfertigt, scheint sich dabei kaum jemand zu stellen.

Im Fall von „Mockingjay, Teil 1“ (die deutsche Übersetzung „Spotttölpel“ wäre als Filmtitel zugegeben auch etwas unglücklich gewählt) kann ich jedenfalls eindeutig sagen: nein, zwei mal zwei Stunden Film sind hier ganz einfach zu viel. Ich finde es sogar eine Frechheit, dass man den Preis einer vollen Kinokarte bezahlen muss, um eine halbe Geschichte zu erleben, für deren zweite Hälfte man dann nächstes Jahr erneut bezahlen soll. Klar, es gibt zahllose Franchises, die in regelmäßigen Abständen uninspirierte Fortsetzungen nachschieben und bei denen die Produzenten sich in dem freudigen Gewissen die Hände reiben, dass der bekannte und im besten Fall auch noch beim Publikum beliebte Titel allein schon einen Großteil der Marketingarbeit übernimmt. Aber selten habe ich einen so inhaltslosen Film gesehen wie heute, der dabei auch noch so sehr zum großen Must-see-Event aufgeblasen wird.

Dabei fand ich den ersten Teil der Reihe noch so gut, wirklich kreativ und erfrischend anders als viele anderen aktuellen Blockbuster, unter anderem natürlich aufgrund der weiblichen Hauptfigur. Teil zwei machte mehr oder weniger das Gleiche wie der erste Film. Das war zwar nicht mehr neu, aber immer noch ganz nett anzusehen, wenn auch schon erste Ermüdungserscheinungen bei mir auftraten. Mit Film Nummer drei hätte man die Reihe nun zu einem runden Ende bringen können, aber nein, die doch eigentlich in ihrer Struktur und Länge vorgegebene Geschichte muss natürlich so lange breit getreten werden, bis sie in zwei Filme passt. Auch wenn dann im ersten dieser beiden Filme wirklich fast nichts passiert.

Jennifer Lawrence trifft dabei keine Schuld. Die wenigen packenden Szenen sind stets die, in denen sie eindrucksvolle Beispiele für die große emotionale Bandbreite ihres Schauspielkönnens gibt. Viele Gelegenheiten dazu bekommt sie leider nicht, denn ihre Katniss Everdeen bleibt in diesem Teil der Geschichte größtenteils zögernd, passiv und zweifelnd. Ich kenne die Bücher nicht, bin mir aber ziemlich sicher, dass das dritte Buch noch den einen oder anderen großen Heldenmoment für Katniss bereit hält – wohl aber erst in seiner zweiten Hälfte. Eine sinnvoll in sich geschlossene und befriedigende Weiterentwicklung der Figur findet dementsprechend in „Mockingjay, Teil 1“ nicht statt, so wie sich hier überhaupt wenig weiter entwickelt. Den ganzen Film durch gibt es immer wieder einander stark ähnelnde Szenen, in denen Katniss und die sie umgebenden Rebellen ihr weiteres Vorgehen planen; dazwischen sieht man immer wieder Jennifer Lawrence durch die Ruinen zerstörter Städte klettern (was den Film auch noch visuell eintönig macht).

Die Actionsequenzen, die man kaum als solche bezeichnen kann, sind extrem dünn gesät, allesamt ziemlich unspektakulär und auch meist schnell wieder vorbei. Dass Katniss am finalen Showdown des Films (der diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient hat) dann nicht einmal selbst teilnimmt, sollte eigentlich jedem Drehbuchautor ein Warnsignal dafür sein, dass man an der Spannungsschraube der Geschichte noch eine Weile drehen müsste. Doch das stand hier wohl leider nicht zur Debatte. Wenn man die Handlung schon auf zwei Filme auswalzt, hätte man wohl auch ein paar drastische Abweichungen zur Vorlage einbauen müssen, um die zweigeteilte Verfilmung zu rechtfertigen. Aber das hat man sich anscheinend nicht getraut bzw. wollte die kreative Energie zu einer möglicherweise sogar sinnvollen Verlängerung der Geschichte nicht aufbringen. So wirkt dann auch der Cliffhanger am Ende des Films ein wenig verzweifelt.

Wie ich eingangs erwähnt habe, halte ich es für eine Unsitte, den letzten Teil erfolgreicher Romanreihen auf zwei Filme aufzuteilen. Fans der Bücher dürfte es zwar freuen, dass sie für den letzten Teil der Geschichte nun doppelt so viel Zeit im Kino verbringen und sich nächstes Jahr auf einen weiteren Film freuen dürfen. Als Mittelerde-Fan freue ich mich ja selbst darüber, dreimal statt nur einmal für den „Hobbit“ ins Kino gehen zu dürfen, auch wenn sich auch in diesem Fall die Handlung im ersten Film teilweise schon arg in die Länge zog. (Immerhin konnte sich Peter Jackson noch auf zusätzliches, von Tolkien selbst verfasstes Material stützen; außerdem liebe ich immer noch seine Actionsequenzen.) Generell finde ich allerdings, dass man gegen diese Unsitte einmal in bester Panem-Manier aufbegehren sollte. Man muss ja vielleicht nicht gleich eine Revolution anzetteln. Aber zumindest nicht mehr für jeden auf mehrere Event-Filme ausgeweiteten Roman ins Kino gehen. Es sei denn, man hat Spaß daran. Doch den hatte ich definitiv nicht.

 

Die Erde nach Prinzessin Diana („Diana“ & „After Earth“)

In den letzten Monaten habe ich nicht viele Filme gesehen, aber vorletzte Woche habe ich endlich mal wieder zwei Filme nachgeholt, die ich im Kino verpasst hatte. Naja, verpasst hatte ich sie eigentlich nicht wirklich, schließlich wollte ich sie gar nicht unbedingt sehen und frage mich nun im Nachhinein auch, warum ich sie angeschaut habe. Immerhin kann ich nun hier ein paar warnende Worte über sie verlieren. Die Rede ist von Oliver Hirschbiegels „Diana“ und M. Night Shyamalans „After Earth“.

„Diana“ erzählt aus den letzten zwei Jahren des Lebens von Prinzessin Diana (Naomi Watts), vor allem von ihrer Liebesaffäre mit dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan (Naveen Andrews, den man vor allem als Sayid aus „Lost“ kennt). Die ersten Szenen des Films zeigen Diana wenige Stunden vor ihrem Tod. Einsam steht sie in einem Hotelzimmer in Paris herum. Schließlich verlässt sie das Zimmer und steigt in einen Aufzug – in diesem Moment zeigt Hirschbiegel das Geschehen aus der im Aufzug installierten Kamera und stellt damit ein Bild nach, das nach Dianas Tod in allen Medien zu sehen war. Was das soll, erschließt sich nicht wirklich. Der Film wirkt dadurch jedenfalls nicht mehr oder weniger „echt“. Und dass das reale Vorbild der Hauptfigur tragisch ums Leben gekommen ist, dürfte den meisten Zuschauern noch in Erinnerung sein, die Bilder am Anfang sind also unnötig.

Das trifft auf den Rest des Films jedoch genauso zu. Nach der Aufzugszene springt der Film zwei Jahre zurück. Wir sehen Diana allein zuhause. Sie regt sich über ein Fernsehinterview ihres Noch-Ehemannes Prinz Charles auf. Dann wird sie beim Schminken vor dem Spiegel gezeigt. Schließlich blickt ihr die Kamera tatsächlich dabei über die Schulter, wie sie eine Ausgabe des Anatomie-Atlas „Gray’s Anatomy“ durchblättert und ausgerechnet die Seite mit dem Herzen offen liegen lässt – es soll längst nicht die letzte platte Metapher in diesem misslungenen Film bleiben. Später erzählt Diana von einem wiederkehrenden Traum, in dem sie ins Bodenlose fällt. „Will anyone catch me?“, fragt sie. Von ihrer Therapeutin bekommt sie den Rat „You’re so good at giving love. So you keep on giving. The hard part is receiving love.“ Aha. Nichts von alldem dient dazu, hinter die Oberfläche der öffentlichen Figur von Prinzessin Diana vorzudringen und ihre Motivationen, Gefühle und Sehnsüchte näher zu beleuchten. Dass sie sich einsam fühlte und viel Liebe zu geben hatte, weiß man bereits aus der Gala. Von einem Kinofilm darf man da schon ein bisschen mehr erwarten.

Statt dessen geht es im gleichen Stil weiter. Nachdem Diana den Arzt kennen gelernt hat, führt dieser sie auf ihren Wunsch durch sein Krankenhaus. Wie es denn möglich sei, bei einer acht oder neun Stunden dauernden Herzoperation durchweg hochkonzentriert zu bleiben, will Diana von ihm wissen. „You don’t perform the operation. The operation performs you.“, ist seine Antwort. Wer schreibt denn bitte solche Dialoge fürs Kino und meint das dann auch noch ernst? Darüber kann man doch einfach nur lachen! Der Film lässt wirklich kein Klischee aus. Natürlich kann Diana nicht kochen, wie sich herausstellt, als sie Hasnat erstmals zu sich nach Hause einlädt. Dann belehrt sie ihn nicht nur über die Gefahren des Rauchens, sondern fragt ihn ganz ernst „So hearts can’t actually be broken?“. Und natürlich guckt er gerne Fußball im Fernsehen, während sie davon keine Ahnung hat. Wirklich interessant ist von alledem nichts, dafür sind die Dialoge wie erwähnt mitunter unfreiwillig komisch.

Nicht nur mit dem Herz kennt Hasnat sich aus, sondern auch mit Jazz, für den er eine Vorliebe hat. Auch in Dianas streng geregeltem Leben sei doch Raum für Improvisationen, erklärt er ihr. „If you can improvise, you’re like jazz.“ Hatte ich die platten Metaphern schon erwähnt…? Hasnat nimmt Diana jedenfalls mit in einen Jazzclub. Um unerkannt dorthin gehen zu können, setzt sich Diana eine Perücke auf – und wird mit langen, glatten, braunen Haaren auf den Straßen Londons tatsächlich von niemandem erkannt. Das war für mich die einzige interessante Szene des Films, ganz einfach weil ich mir wünsche, dass diese Schilderung der Wahrheit entspricht.

Die beiden Hauptdarsteller können gegen die schrecklich platten und klischeehaften Dialoge und die ungeschickte Charakterzeichnung auch nichts ausrichten; sie trifft wohl die geringste Schuld am erschreckenden Gesamteindruck, den der Film macht. Naomi Watts wirkt immer wieder bemüht, die richtige Kopfhaltung und den richtigen Augenaufschlag zu treffen, um dem realen Vorbild möglichst nahe zu kommen. Interessantere Dinge bekommt sie ja leider nicht zu tun oder zu sagen! Warum genau diese Episode aus Prinzessin Dianas Leben erzählt werden musste, ist mir auch nach dem Filmende noch ein Rätsel. Weder habe ich nun das Gefühl, die Person Diana ein Stück weit kennen gelernt zu haben, noch hat mir der Film irgendwelche anderen wichtigen Informationen mitgeteilt, die ich vorher noch nicht hatte. Da wirkte ihr Leben in der Bunten oder Gala doch viel aufregender und unterhaltsamer – aber vielleicht ist genau das das Problem: Prinzessin Diana war eine der meist fotografierten Personen auf diesem Planeten und Woche für Woche ließen sich in den entsprechenden Blättern neue Fotos und Details aus ihrem Privatleben finden. Was soll ein Film da noch Neues erzählen? Solch ein schlechtes Drehbuch hat sie auf jeden Fall nicht verdient.

Wo ich gerade bei schlechten Drehbüchern bin: Ich hatta ja viel Schlimmes über „After Earth“ gelesen, aber dass der Film dann so unterirdisch sein würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Dass der Film von Gary Whitta (zusammen mit M. Night Shyamalan) geschrieben wurde, macht mir etwas Sorgen, schließlich schreibt Whitta auch das Drehbuch für das erste „Star Wars“-Spin-off, das im Dezember 2016 ins Kino kommen soll. Andererseits hat er imdb zufolge auch das „The Walking Dead“-Videospiel geschrieben, das besser sein soll als die Serie selbst. Aber das viel größere Sorgenkind ist hier ja sowieso Regisseur Shyamalan. Was haben wir uns von diesem Mann doch für eine Karriere erwartet! Der neue Hitchcock hieß es, könne er werden, oder der neue Spielberg. Angeblich hat er sogar mal an einem Drehbuch für den vierten „Indiana Jones“-Film gearbeitet, auf das dann aber doch nicht zurückgegriffen wurde. Wochenlang war das überraschende Ende von „The Sixth Sense“ Anfang 2000 Gesprächsthema (ich bin meiner Nachbarin noch heute dankbar, dass sie mir zwar erzählt hat, wie toll sie den Film fand, das Ende aber verschwiegen und mich so nicht gespoilert hat). Der Nachfolger „Unbreakable“ ist ein fantastischer, weil vollkommen untypischer Superheldenfilm. Mit „Signs“ war Shyamalan 2002 dann erneut recht erfolgreich, auch wenn die schon obligatorisch wirkende Plotwendung am Ende vielen zu gezwungen wirkte. Danach folgte „The Village“ – mein Lieblings-Shyamalan, aber für die meisten der Beginn des Abstiegs des Regisseurs. Es lohnt sich, diesen Film (wieder) zu entdecken! Die schauspielerischen Leistungen sind großartig, James Newton Howards Musik ist einer der besten Filmscores, den ich kenne und Shyamalans hatte zumindest damals noch ein untrügliches Gespür für Spannung und Atmosphäre. Eine, nein sogar zwei überraschende Wendungen hat der Film zwar auch, doch man sollte ihn als Ganzes betrachten und Kritik nicht vor allem daran festmachen.

Spätestens bei „Lady in the Water“ hatte Shyamalan dann fast alle Kritiker gegen sich (dass er im Film einen Filmkritiker sterben ließ, war da auch nicht gerade hilfreich). Die handwerklichen Stärken des Regisseurs waren aber trotz aller Schwächen des Drehbuchs nach wie vor offensichtlich, auch beim nachfolgenden „The Happening“. Bis dahin habe ich Shyamalan auch stets gegen Kritik verteidigt. Als dann aber der wirklich in jeder Hinsicht abgrundtief schlechte „Avatar: The Last Airbender“ folgte, war auch ich ratlos. Der Film hatte nicht nur platte Dialoge, sondern – für einen Shyamaln-Film vollkommen ungewohnt – auch unmotiviert wirkende Darsteller. Auch schien das Inszenieren von Action ganz und gar nicht zu Shyamalans Stärken zu gehören. Von da an konnte es doch nur besser werden, oder?

Denkste. Nun muss ich also doch noch etwas über den Film schreiben, um den ich mich nun zwei Absätze lang erfolgreich herum gedrückt habe: „After Earth“. Die Handlung basiert auf einer Idee von Will Smith, die Hauptrolle spielt sein Sohn Jaden (und außer den beiden Smiths tauchen kaum andere Schauspieler auf). Ich habe versucht, mich diesem Film unvoreingenommen zu nähern, aber meine Probleme mit ihm begannen schon in den ersten Sekunden: Da erklärt Jaden Smiths Figur in einem Voice Over die Ausgangssituation der Geschichte, doch ich konnte ihn gar nicht richtig verstehen! Sollte das ein seltsamer Akkzent sein? Hat Smith Junior noch nicht genügend Sprechtraining gehabt?? Nach zweieinhalb Minuten startete ich den Film noch einmal neu, dieses Mal mit Untertiteln. Und siehe da: Ich kapierte immer noch nichts! Irgendetwas mit Monstern und einer seit langem für Menschen unbewohnbaren Erde…

Von Anfang an waren mir die Charaktere unsympathisch, die Dialoge wirkten unglaubwürdig und enthielten seltsame, fremdartige Wörter, deren Bedeutung sich mir nicht erschloss. Architektur, Design und Kostüme des Films wirken gewollt fremd und futuristisch, aber leider auch meist hässlich, langweilig oder unglaubwürdig. Jede Szene bleibt vollkommen statisch, das Schauspiel wirkt gestelzt und künstlich. Man muss sich ernsthaft fragen, ob Smith & Sohn gezwungen worden sind, hier mitzuspielen, so monoton sagen beide ihre Zeilen auf! Der Film macht leider durchgehend den Eindruck, als habe Shyamalan sich gar nicht für ihn interessiert. Obwohl es in der Geschichte um Leben und Tod geht, wird zu keinem Zeitpunkt eine echte emotionale Beziehung zum Zuschauer aufgebaut – und die Beziehung zwischen Vater und Sohn im Film wirkt so distanziert und kühl, dass man gar nicht versteht, warum sich der Vater überhaupt um den Sohn sorgt. Jaden Smith schaut immer wieder  gequält (weil er es noch nicht anders kann?), sodass ich ihn einfach nur in den Arm nehmen und vor dem schlechten Drehbuch beschützen wollte. „After Earth“ wirkt wie ein Videospiel (Jugendlicher kämpft sich durch den Dschungel) mit schlechten Zwischensequenzen (das sind die Szenen, in denen der Junge mit seinem Vater kommuniziert und neue Informationen erhält).

Herr Shyamalan, ich verstehe ja, dass Sie nach all der Kritik, die Sie über die Jahre hinweg einstecken mussten, mal etwas ganz anderes machen wollten. Aber dass nur Schrott dabei herauskommt, weil offensichtlich nicht Ihr Herzblut drinsteckt und Ihre letzten beiden Filme auch nicht Ihre eigenen Stärken bedient haben, zeigt doch, was für eine Fehlentscheidung das war. Also bitte: Machen Sie nicht die Filme, von denen Sie denken, dass das Publikum, Hollywood oder sonst wer sie von Ihnen erwartet. Machen Sie weiterhin Filme über Geschichten, die Ihnen am Herzen liegen, egal was andere sagen! Und falls Sie dafür kaum Geld zusammen bekommen, dann drehen Sie diese Filme eben als Low-Budget-Produktionen und werden zu einem kommerziell unbedeutenden Underground-Filmemacher. Ihre Fans und Liebhaber werden diese Filme schon finden. Aber bitte, bitte verschonen Sie uns mit Schrott wie „After Earth“ und „The Last Airbender“.

„Star Wars Oxygen“ – Ein Podcast nur über John Williams‘ großartige Musik

In letzter Zeit höre ich immer mehr Podcasts, vor allem über „Star Wars“ und „Babylon 5“. Vor kurzem habe ich einen Podcast entdeckt, der sich allein der großartigen Filmmusik widmet, die John Williams für die „Star Wars“-Filme geschrieben hat. Bei „Star Wars Oxygen“ handelt es sich um ein Spin-off des „Rebel Force Radio“-Podcasts. Etwa alle vier Wochen erscheint eine neue Folge, in der David Collins und Jimmy Mac die Musik von John Williams analysieren.

Dabei machen sie auf viele Dinge aufmerksam, die man bisher nicht wusste oder nur unterbewusst wahrgenommen hat – zum Beispiel, dass in der berühmten „Binary Sunset“-Szene in „Star Wars“ (Episode IV) gar nicht Lukes Thema gespielt wird, sondern Ben Kenobis. Und nach Kenobis Tod ist nicht sein, sondern Leias Thema zu hören, was mir bislang tatsächlich nie bewusst aufgefallen ist. Auch die Gründe für diese Entscheidungen von George Lucas und John Williams werden im Podcast erläutert. Bislang sind neun Folgen von „Star Wars Oxygen“ erschienen, die gerade mal die Musik von zwei Filmen (Episode IV & V) abgedecken. Aber auch alle übrigen „Star Wars“-Filme sollen in künftigen Podcast-Folgen besprochen werden (und zusätzlich sogar der Soundtrack zu „Shadows of the Empire“).

Die beiden Hosts des Podcasts sprechen sämtliche Themen bzw. Leitmotive durch, die Williams komponiert hat. Dabei kommt so manche interessante Erkenntnis zustande; ich habe bislang zum Beispiel nicht bewusst wahrgenommen, dass C-3PO und R2-D2 in Episode V ein eigenes Thema haben und sogar Boba Fett ein kurzes musikalisches Motiv. Auch macht der Podcast immer wieder auf Filmszenen aufmerksam, die keine Musik enthalten, für die aber Musik geschrieben und sogar aufgenommen wurde. Die Soundtrack-CDs, die 1997 zu den Special Editions der Filme veröffentlicht wurden, enthalten überraschend viel solcher Musikstücke, die letztendlich doch nicht in den Filmen verwendet wurden. Bei der Besprechung von „Das Imperium schlägt zurück“ nimmt sich David Collins einige dieser Szenen vor und mischt die Musik wieder hinein, um zu verdeutlichen, wie sie sich angehört hätten, wenn die Filmemacher sich nicht gegen den Einsatz von Musik entschieden hätten.

In einer der ersten Episoden des Podcasts kommen Collins und sein Co-Host zudem auf die musikalischen Vorbilder zu sprechen, an denen John Williams sich auf Lucas‘ Wunsch hin orientierte. Dabei vergleichen sie ausgewählte Musikstücke aus dem Film mit den entsprechenden Vorlagen von Stravinski, Dvořák, Holst und anderen Komponisten – und das Ergebnis ist verblüffend. Auch das Darth Vader-Thema aus Episode IV – als der berühmte imperiale Marsch noch nicht existierte – nehmen sie unter die Lupe.

Da ich mich sehr für Musik interessiere, aber nicht über genug Fachwissen oder ein gut genug geschultes Gehör verfüge, um die „Star Wars“-Soundtracks selbst so ausführlich zu durchleuchten, finde ich den Podcast sehr interessant und kann nun, nachdem ich alle bereits veröffentlichten Folgen angehört habe, die Veröffentlichung weiterer Episoden kaum erwarten.

Vorfreude auf das Filmfest München 2014

Ab dem kommenden Samstag ist es wieder einmal soweit: Das Filmfest München beginnt und für ganze acht Tage werde ích die Sonne nur sehen, während ich von zuhause zur U-/S-Bahn und dann von dort in einen kühlen Kinosaal hetze. Als akkreditierter Journalist darf ich fast alle Vorstellungen des Festivals gratis besuchen (lediglich der größte Teil der Abendvorführungen zwischen 19 Uhr und 21:30 Uhr bleibt mir verwehrt – aber man kann auch nicht rund um die Uhr im Kino sitzen). Außerdem gibt es zahreiche, bereits ab 9:30 Uhr stattfindende Pressevorführungen, für die ich jedenfalls noch an den ersten Festivaltagen ausgeschlafen genug sein sollte. Erfahrungsgemäß nimmt einen so eine Filmfest-Woche, bei der man zum Teil bis spät in die Nach drei bis sechs Filme am Tag sieht, aber ganz schön mit, so dass es Tag für Tag schwerer wird, sich früh genug aus dem Bett zu quälen.

Zwar habe ich mir vorgenommen, mein perönliches Filmprogramm in diesem Jahr nicht ganz so voll zu stopfen, weil ich eben aus jahrelanger Erfahrung weiß, dass es gar nicht machbar ist, jeden Tag eine Spätvorstellung zu besuchen und am nächsten Morgen wieder topfit zu sein; trotzdem ist mein Programm wieder erstaunlich dicht gepackt – durchschnittlich 4,25 Filme am Tag habe ich mir vorgenommen und zusätzlich noch den Besuch dreier „Filmmakers Live“-Veranstaltungen mit Publikumsgesprächen mit einigen der Ehrengäste des Festivals sowie einen Besuch des TV-Serien-Panels am 30.06. eingeplant. Dass ich diesen Plan nicht werde durchhalten können, versteht sich von selbst; irgendwann im Verlauf der Woche macht man einfach schlapp, braucht eine Pause, muss ausschlafen. Oder man hat einfach irgendwann gar keine Lust mehr, nur wenige Minuten nach dem Verlassen eines Kinos schon in den nächsten Film zu rennen, sondern setzt sich sich stattdessen lieber in die Sonne, gönnt sich einen Kaffee und fachsimpelt mit anderen Festivalbesuchern über schon oder noch nicht gesehene Filme.

Früh aufstehen muss man als Journalist nicht nur, wenn man möglichst viele Pressevorführungen besuchen will, sondern auch, wenn man Tickets für die regulären Vorführungen ergattern will. Die kriegen wir Akkreditierten nämlich erst zwei Tage im Vorraus, was besonders bei begehrten Filmen wie Jonathan Glazers „Under The Skin“ mit Scarlett Johansson, dem der Senator Filmveleih in Deutschland einen regulären Kinostart verwehrt, dazu führt, dass man zwei Tage vor der gewünschten Vorstellung möglichst gleich morgens um 9 Uhr am Ticketschalter stehen sollte, um eine Chance auf die gewünschte Eintrittskarte zu haben. Klappt das mal nicht, weil man verschlafen hat oder andere einfach früher dran waren und das Kontingent an Karten ausgeschöpft ist, muss man sein geplantes Programm über den Haufen werfen und auf einen anderen, weniger begehrten Film ausweichen. Was manchmal gar nicht schlecht sein muss, schließlich entdeckt man auf diese Weise möglicherweise Filmperlen, die man sich sonst nie angeschaut hätte. Und „Under The Skin“ wird man zumindest auf Blu-ray und DVD auch hierzulande noch sehen können (trotzdem habe ich den Film in mein Festival-Programm eingeplant, während ich manche andere Filme, die garantiert regulär ins Kino kommen und/oder auf DVD erscheinen werden, bewusst ignoriert habe, obwohl ich sie definitiv sehen will).

Bei der Auswahl meiner Filme bin ich wie jedes Jahr nach meinen ganz persönlichen Interessen vorgegangen. Meine Programmplanung stellt eine Mischung aus großen Festivalhighlights, einigen obskuren, schwer im Vorfeld einschätzbaren Filmen sowie zwei oder drei pflichtschuldig eingestreuten deutschen Filmen dar (die ich meistens ignoriere, weil sie mich immer noch kaum interessieren; aber zwei deutsche Kino- und sogar einen Fernsehfilm habe ich zumindest eingeplant), Wie in jedem Jahr weiß ich auch jetzt schon, dass es mehrere Filme gibt, die ich sehr gerne sehen würde, aber einfach nicht mehr unterbringen konnte; das macht aber nichts, schließlich wird man manche davon auch noch später im Kino oder auf DVD sehen können und außerdem ist die Qualität vieler Werke im Vorfeld sowieso schwer eizuschätzen. So mancher Film mit großen Namen kann enttäuschen, während ein völlig unbekannter Streifen vom anderen Ende der Welt, auf den man eigentlich gar nicht so richtig Lust hatte, zum persönlichen Festival-Liebling werden kann. Genau diese Unvorhersehbarkeit ist ja das Spannende.

158 Filme aus 51 Ländern zeigt das Filmfest München in diesem Jahr. Den größten Teil meines persönlichen Programms machen Filme der „Spotlight“-Reihe aus, in der sich Werke von weltweit bekannten Regisseuren und Darstellern finden lassen. „Amélie“-Regisseur Jean-Pierre Jeunet steuert hier dieses Jahr mit „The Young and Prodigious T.S. Spivet“ („Die Karte meiner Träume“) den Eröffnugsfilm bei, welcher ebenso auf meinem Plan steht wie „Days and Nights“ mit Katie Holmes und William Hurt oder der dreistündige Science-Fiction-Film „Hard To Be A God“ von Aleksey German. Gerade in der Spotlight-Reihe, wo sich wie gesagt viele bekannte Namen finden lassen, gibt es einige Werke, die mir durch die Lappen gehen werden; aber gerade diese Filme sind es ja meist auch, die man später noch anderswo wird sehen können.

Den zweitgrößten Anteil meines Programms nehmen Filme aus der „Cinemasters“-Reihe ein, in der in diesem Jahr 13 Filme um den mit 50.000 Euro datierten Arri/Osram-Award konkurrieren. Darunter befindet sich unter anderem Jean-Luc Godards in Cannes uraufgeführter „Adieu Au Langage“, den ich leider nicht werde sehen können. Dafür stehe aber sieben andere der 13 Filme auf meinem Programm, unter anderem der schon erwähnte „Under The Skin“, „Leviathan“, „I’m Not Him“ oder „Joe“ mit Nicolas Cage.

Die „International Independents“-Reihe ist dieses Jahr mit nur fünf Filmen bei mir vertreten, obwohl sich ja gerade dort viele Werke finden, die man nur auf Festivals zu sehen bekommt. Das hat sich irgendwie so ergeben. Weitere vier Filme stammen aus der „Cinevision“-Reihe, in der Werke von Nachwuchsregisseuren prämiert werden („Run“, „Beneath The Harvest Sky“ oder „Young Ones“ mit dem immer phänomenal spielenden Michael Shannon). Dazu gesellen sich wie erwähnt voraussichtlich drei deutsche Filme sowie die erste Folge von Damon Lindelofs neuer TV-Serie „The Leftovers“, die im Rahmen des Serien-Specials gezeigt wird.

Die Star-/Ehrengäste finde ich in diesem Jahr leider nicht besonders spannend. Udo Kier, Arthur Cohn, Klaus Lemke, Willy Bogner – sie alle sprechen mich nicht besonders an, wenn auch Kier sicher eine interessante Persönlichkeit ist und in zahlreichen, extrem unterschiedlichen Filmen mitgespielt hat. Das Publikumsgespräch mit ihm werde ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen, einfach um mal einen Blick auf ihn zu werfen und ihn ein bisschen kennen zu lernen. Auch zu Walter Hill werde ich gehen, obwohl ich über ihn bislang eigentlich nichts wusste, als dass er einer der Drehbuchautoren von „Alien“ sowie Produzent aller weiteren Filme der Reihe ist. Seine anderen Werke kenne ich jedenfalls bislang fast alle nicht und werde sie mir auch auf dem Filmfest nicht anschauen, schließlich kann man das auch auf DVD tun. In den vergangenen Jahren waren unter anderem Charlotte Rampling, John Malkovich oder Richard Linklater auf dem Filmfest zu Gast, auf die ich mich wesentlich mehr gefreut habe als auf die diesjährigen Gäste. Auch Kim Ki-Duk oder Abbas Kiarostami, mit deren Filmen ich zuvor kaum vertraut gewesen war, habe ich auf dem Filmfest erlebt und beide haben mich mit ihren Filmen tief beeindruckt, so dass ich mir auch nach den jeweiligen Festivals noch mehrere ihrer Werke zuhause angeschaut habe. Wer weiß, vielleicht kommt es ja auch in diesem Jahr zu solchen neuen, inspirierenden Begegnungen. Immer wieder sind bei einzelnen Vorstellungen ja die entsprechenden Regisseure, Produzenten oder Darsteller anwesend, um nach dem Film Publikumsfragen zu beantworten.

Wie jedes Jahr gilt: All meine Angaben zu meinen geplanten Filmbesuchen sind ohne Gewähr! 😉 Es ist gut möglich, dass ich mir in der Mitte der Woche eine Auszeit nehme und mal einen ganzen Tag pausiere, um mich zu erholen. Eine Menge Filme werde ich in diesen acht Tagen aber auf jeden Fall sehen. 🙂
Mein ausführlicher Bericht über das Filmfest wird übrigens ein paar Tage nach Festivalende auf Filmszene.de zu lesen sein. Vielleicht – wenn es mein Terminplan zulässt – werde ich sogar während des Filmfests hier schon ein paar Eindrücke posten. (Ich glaube aber nicht, dass ich wirklich dazu komme. 😉 )

…und noch ein kleiner Nachtrag: schon gibt es den ersten Terminkonflikt in meinem persönlichen Programm. Ich habe nämlich gerade gesehen, dass nun auch ein Publikumsgespräch mit Jean-Pierre Jeunet angekündigt ist, zu dem ich schon allein deswegen gerne gehen würde, um zu hören, was der Regisseur rückblickend über seinen völlig verkorksten „Alien: Resurrection“ zu sagen hat. Leider überschneidet sich der Termin aber mit einem meiner geplanten Filmbesuche…da werde ich diesen dreistündigen Science-Fiction-Film wohl sausen lassen und stattdessen zu Jeunet sowie dem unmittelbar davor stattfindenden Gespräch mit Wim Wenders gehen…

Attack The Block

Seit die Besetzung nächsten „Star Wars“-Films bekannt gegeben worden ist, bin ich nicht nur wieder einmal voll im „Star Wars“-Fieber, sondern auch sehr gespannt darauf, die neuen Darsteller kennen zu lernen. Dass Harrison Ford, Mark Hamill, Carrie Fisher und andere alte Bekannte wieder mitspielen werden, ist ja wunderbar und auch richtig so; aber es sind doch gerade die neuen, überwiegend noch recht unbekannten Schauspieler, auf die man ganz besonders gespannt sein kann. „Star Wars“-Regisseur J.J. Abrams hat ja schon mehrmals bewiesen, was für ein glückliches Händchen er fürs Casting hat und kann auch wunderbar mit Schauspielern umgehen (vor allem in seinen „Star Trek“-Filmen finde ich die Auswahl der Darsteller sowas von perfekt – man vergisst beim Anschauen geradezu, dass Kirk, Pille usw. früher mal von anderen Personen gespielt worden sind).
Ich bin also überzeugt davon, dass Abrams für Episode VII einen hervorragenden Cast zusammengestellt hat, in dem sich die neuen, jungen Helden (und Schurken) erfolgreich an der Seite von Han, Luke und Leia werden behaupten können, bevor sie sie im Laufe der neuen „Star Wars“-Trilogie schließlich ganz ablösen werden. Weil ich die neuen Gesichter aber fast noch gar nicht aus anderen Filmen kenne, habe ich mir vorgenommen, mir einige ihrer bisherigen Werke anzuschauen. Newcomerin Daisy Ridley, die Gerüchten zufolge die Tochter von Han und Leia spielen wird, kann soweit ich weiß noch keinen einzigen Spielfilm vorweisen und hat bislang lediglich Kurzfilme und fürs britische Fernsehen gedreht. In diesem Fall wird mein Vorhaben also schwierig werden. Ein paar andere der neuen Darsteller habe ich aber in den letzten Tagen schon ausgecheckt, zum Beispiel habe ich mir Oscaar Isaac in „Die zwei Gesichter des Januars“ angesehen, der am 29. Mai in den deutschen Kinos startet. Ich glaube das war mein erster Film mit Isaac überhaupt, „Inside Llewyn Davis“ muss ich nämlich auch noch nachholen. Isaacs Schauspiel hat mich jedenfalls – im Gegensatz zum Film an sich – überzeugt und ich versuche schon seit Tagen, mir auszumalen, wie denn seine Rolle in „Star Wars“ aussehen wird.

Auch die Zeitreise-Beziehungskomödie „Alles eine Frage der Zeit“ („About Time“) mit Domhnall Gleeson (dem künftigen Sohn von Luke Skywalker?) habe ich mir angeschaut. Der Film hat eine wirklich fantastisch gute erste Hälfe und fällt dann leider etwas ab, aber Gleesons natürliche und charismatische Darstellung war definitiv die größte Stärke des Films. Auch auf Gleesons Rolle in der weit, weit entfernten Galaxis bin ich schon sehr gespannt, habe nach seiner Performance in „Alles eine Frage der Zeit“ aber keine Zweifel, dass Abrams hier mal wieder einen sehr fähigen Jungdarsteller gecastet hat.

Nun aber endlich zum Hauptthema dieses Posts: „Attack The Block“ von Joe Cornish, in dem mit John Boyega ein weiterer der neuen „Star Wars“-Darsteller mitspielt. Es handelt sich dabei um einen relativ kleinen britischen Science-Fiction-Film, der vor ein paar Jahren in Deutschland auf dem Fantasy Filmfest lief und später auch einen regulären Kinostart spendiert bekam. Ein Riesenerfolg war ihm zwar nicht gegönnt, dafür ist „Attack The Block“ aber innerhalb kürzester Zeit unter Science-Fiction-/Fantasy-Fans zum Kultfilm geworden – zu Recht, wie ich finde.
Die Handlung von „Attack The Block“ ist simpel: Eine schwarze Jugendgang muss ihr Viertel – also ihren „Block“ – gegen Aliens verteidigen. Zunächst treffen sie nur auf eine einzige der merkwürdigen, aber äußerst aggressiven Kreaturen, die aussieht „als hätte ein Affe einen Fisch gefickt“. Später fallen jedoch immer mehr dieser Biester vom Himmel und machen den Bewohnern des Hochhausviertels das Leben schwer. Gemeinsam mit der Krankenschwester Sam (Jodie Whittaker) machen sich also Moses (Boyega) und seine Gang daran, den Aliens den Garaus zu machen.
Das hört sich erst einmal ziemlich albern an und ist es eigentlich auch; der Film bietet ohne Zweifel jede Menge zu lachen, nimmt aber zum Glück seine Ausgangssituation, seine Figuren sowie deren Motivationen von Beginn an vollkommen ernst. Bei Moses und seinen Freunden handelt es sich um absolut authentische und glaubwürdige Charaktere, weil hier eben ohne Rücksicht auf den Massengeschmack konsequent deren Welt gezeigt wird. Das schlägt sich vor allem in der Sprache dieser schwarzen, britischen Jugendlichen nieder, in die ich mich als ans amerikanische Englisch vieler Hollywood-Produktionen gewöhnter Filmzuschauer erst hinein finden musste. Der Soundtrack mit seinen treibenden Hiphop- und Elektrobeats unterstützt noch weiter den Eindruck, das Geschehen hier ganz aus der Welt von Moses und seinen Kumpels zu sehen. Und auch der Ernst der Lage ist hier von Beginn an klar: Der Block wird angegriffen, also muss er verteidigt werden. Schließlich handelt es sich dabei um das Revier und um die Lebenswelt von Moses‘ Gang, deren Existenz damit auf dem Spiel steht.
Von Beginn an rasant inszeniert hangelt sich der Film von einer Actionszene zur nächsten. Es entspinnt sich ein Kampf auf Leben und Tod, in dessen Verlauf es Schwerverletzte und Tote gibt. Die Lage ist und bleibt also äußerst ernst, der Film wird aber durch witzige Dialoge und zahlreiche popkulturelle Anspielungen aufgelockert („Es regnet Gollums!“, „Wir sollten besser die Ghostbusters rufen.“). Dass man die Monster – abgesehen von dem ersten, getöteten Exemplar – dabei nur als schwarze Silhouetten mit blitzend weißen Zähnen zu sehen bekommt, tut dem Spaß und der Spannung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil wirken sie dadurch wohl nur noch furchteinfößender.
Der Film lässt sich ein wenig als „‚Super 8′ auf Speed“ beschreiben, denn wo sich J.J. Abrams‘ „E.T.“-Hommage noch ausreichend Zeit nahm, die Gefühlswelt ihrer jugendlichen Protagonisten im Kampf gegen ein Alien auszuloten, geht es hier einfach Schlag auf Schlag weiter, von einem Kampf zum nächsten. Für groß angelegte Charakterzeichnung ist dabei nicht viel Platz, aber immerhin verfügt John Boyega in der zentralen Rolle als Moses über eine ausreichende Portion an Charisma, um seiner Figur die entsprechende, ja: Würde zu geben. (Übrigens kann er auch sehr gut fest entschlossen schauen, während er ein Schwert in der Hand hält – das könnte sich bei „Star Wars“ ebenfalls als nützlich erweisen.)
„Attack The Block“ macht also riesigen Spaß, gerade weil er sein Thema und seine Charaktere ernst nimmt. Zudem geht der Film zumindest ein wenig über die reine „wir killen Aliens“-Story hinaus und mischt noch eine kleine Portion Sozialkritik hinein. Als die Krankenschwester Sam, die die Jungs zunächst ausrauben, mit der sie sich später aber im Kampf verbünden müssen, ihnen erklärt, sie habe vor, wieder aus dem Hochhaus wegzuziehen, weil ihre die Gegend nicht gefalle, wird sie ganz entsetzt gefragt: „What do you mean, you don’t like the area? What’s wrong with the area?“ Dass sie als schwarze Ghetto-Kids nicht unbedingt zum bestangesehendsten Teil der britischen Gesellschaft gehören, ist den Jugendlichen durchaus bewusst. In einer zentralen Szene sinniert Moses über die Herkunft der Aliens:

“I reckon the feds sent them, anyway. Government probably bred those ceatures to kill black boys. First they sent drugs to the ends, then they sent guns. Now they sent monsters to get us. They don’t care, man. We ain’t killin’ each other fast enough, so they decided to speed up the process.”

Hier wird ein Bezug zu real existierenden Problemen hergestellt, zu Rassismus und zum Selbstverständnis dieser Jugendlichen, die sich nicht voll in die sie umgebende Gesellschaft inkludiert fühlen. Deswegen ist ihnen auch ihr Block so wichtig und deswegen nehmen sie, ohne die Angelegenheit groß zu hinterfragen, ziemlich schnell die Aufgabe auf sich, ihn zu verteidigen. („What kind of alien, out of all places in the whole wide world, would attack some shitty council estate in South London?“ fragt ein Mädchen an einer Stelle des Films und bekommt von einem anderen Bandenmitglied zur Antwort: „One that’s looking for a fight.”) Da sich der Angriff anscheinend tatsächlich allein auf diesen einen Block zu begrenzen scheint, stellt sich natürlich irgendwann die Frage, warum das so ist. Moses wird schließlich von den anderen beschuldigt, die Invasion über sie gebracht zu haben, weil er das erste vom Himmel gefallene Viech getötet hat (sein Kommentar: „Wish I’d just gone home and played FIFA.“) Aber wodurch die Biester genau angelockt werden, finden Moses und seine Freunde noch heraus – und entwickeln schließlich einen Plan, um die Invasion zurück zu schlagen.

Fazit: „Attack The Block“ ist ein kleiner, äußerst erfrischender Science-Fiction-Film, der durch seinen konsequenten Umgang mit dem Thema überzeugen kann. Den meisten seiner Figuren mangelt es zwar an Tiefe, dafür können die Darsteller alle rundum überzeugen und wirken vollkommen authentisch in ihren Rollen. Kein Wunder, dass sich J.J. Abrams für „Star Wars“ hier den stärksten der Jungschauspieler herausgesucht hat. Auch auf John Boyegas Rolle in Episode VII bin ich schon sehr gespannt. Und um mir die Wartezeit auf „Star Wars“ weiter zu verkürzen, werde ich mir demnächst wohl noch ein paar andere Filme mit den neuen „Star Wars“-Darstellern anschauen.

 

May the 4th be with you – Diskussion der „Star Wars“-Neuigkeiten der letzten Tage

Heute ist der 4. Mai, der schon seit einigen Jahren als inoffizieller „Star Wars-Feiertag“ gefeiert wird, allein aufgrund des lustigen Wortspiels „May the 4th be with you!“. Ich persönlich habe früher zumindest eigentlich immer den 25. Mai als „Star Wars-Tag“ empfunden, also den Tag, an dem „Star Wars“ 1977 in die US-Kinos kam. Aber gut, ich beuge mich der Mehrheit und will den heutigen Tag nicht verstreichen lassen, ohne zumindest irgendetwas über „Star Wars“ geschrieben zu haben. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in nächster Zeit mehrere verschiedene Blogpost über „Star Wars“ zu schreiben, die verschiedene Aspekte des Themas beleuchten. Aber da ich diesen Plan wahrscheinlich sowieso nicht einhalte, kann ich auch gleich etwas von all den Themen in diesen Post hier stecken (und ja trotzdem noch öfter über „Star Wars“ bloggen).

Die Bekanntgabe der Besetzung von Episode VII

Zur Feier des Tages zeigen viele Kinos auf der ganzen Welt dieses Wochenende die sechs Episoden endlich mal wieder auf der großen Leinwand. In München läuft die Saga leider nur in der deutschen Fassung, deswegen bin ich nicht im Kino. Die Original-Trilogie würde ich aber schon gerne mal wieder auf der großen Leinwand erleben, schließlich habe ich sie zum letzten Mal 1997 im Kino gesehen. Die wirklich große Nachricht der letzten Tage war aber natürlich die Ankündigung des Casts von Episode VII auf starwars.com. Eigentlich haben alle erst heute, am 4. Mai, mit dieser Nachricht gerechnet, doch letztendlich hat Disney die Katze ein paar Tage früher aus dem Sack gelassen – wahrscheinlich weil man die Rückkehr von Mark Hamill, Carrie Fisher und Harrison Ford sowieso nicht mehr geheim halten konnte, nachdem alle drei schon mehrere Tage vor der Bekanntgabe in London gesichtet worden waren und immer mehr Gerüchte über eine erste Drehbuchlesung des gesamten Casts die Runde machten. Von dieser Lesung stammt dann auch das einzige offizielle Foto, auf dem man fast alle der angekündigten Schauspieler, sowie Regisseur/Drehbuchautor J.J. Abrams, die Produzenten Bryan Burk und Kathleen Kennedy und den Drehbuchautoren Lawrence Kasdan („The Empire Strikes Back“, „Raiders of the Lost Ark“) sehen kann. Ein bisschen sieht es aus, als säßen sie alle in einem noch nicht für die Eröffnung bereiten IKEA-Kaufhaus auf billigen Sofas herum. Genau wie Millionen anderer Fans werde auch ich dieses Foto in den kommenden Monaten wohl immer und immer wieder anstarren und mir dabei vorstellen, welche Rollen die neuen Darsteller spielen und welche Texte sie da lesen…

Luke, Han und Leia werden also in Episode VII wieder mit dabei sein, 30 bis 35 Jahre älter als bei ihrem letzten Auftritt in „Return of the Jedi“. Weitere alte Bekannte, die erneut mit von der Partie sind, sind Anthony Daniels als C-3PO, Kenny Baker als R2-D2 und Peter Mayhew als Chewbacca. Dass man Kenny Baker extra als offizielles Mitglied des Casts auflistet, finde ich irgendwie süß – schließlich wurde er bereits bei den Dreharbeiten der Prequel-Trilogie nur für eine Handvoll Szenen in R2s blecherne Eingeweide gesteckt und ist als Darsteller heute schlicht und einfach überflüssig. Zudem wird der Mann diesen Sommer 80 Jahre alt und würde sich die Tortur, für Dreharbeiten tagtäglich stundenlang in R2s Innerem zu stecken, sicherlich nicht mehr antun wollen. Aber wie gesagt ist es eine nette Geste, ihn auf die Liste der Darsteller zu setzen, auch wenn R2-D2 nur als ferngesteuertes Modell und in CGI-Form im Film auftauchen wird.

Ich will vor dem Kinostart von Episode VII am liebsten noch überhaupt nichts über die Story wissen, aber eine Vorhersage wage ich jetzt schon mal zu treffen: Han Solo wird sterben. Es ist bekannt, dass Harrison Ford bereits bei den Dreharbeiten zu „Return of the Jedi“ versucht hat, George Lucas davon zu überzeugen, seine Figur sterben zu lassen, da er Hans Entwicklung als abgeschlossen betrachtete und ihm einen Heldentod schenken wollte. Doch Lucas sträubte sich gegen diese Idee und ließ Han leben. Da die kommende Sequel-Trilogie zwar unsere alten Helden zurückbringt, aber auch eine neue Generation von Helden und Schurken vorstellen soll, die Han, Luke und Leia ablösen, scheint es eigentlich nur logisch zu sein, dass mindestens einer der „großen Drei“ dran glauben muss. Harrison Ford hat in Interviews immer wieder Desinteresse und Unlust bekundet, wenn es um das Thema „Star Wars“ ging, ich könnte mir also gut vorstellen, dass er nur unter der Bedingung zugesagt hat, dass es bei einem einzigen weiteren Film für ihn bleibt. Andererseits könnte es aber auch gut sein, dass Luke Skywalker in Episode VII das Zeitliche segnen wird, gerade wenn man sich zumindest Geroge Lucas‘ Vorliebe für Parallelen zwischen den Filmtrilogien anschaut: In den ersten beiden Filmen der bisherigen Trilogien stirbt jeweils der weise Jedi-Mentor (Qui-Gon Jinn bzw. Obi-Wan Kenobi) und diese Rolle wird nun wohl Luke ausfüllen. Dass mehr als einer der großen Drei pro Film stirbt, kann ich mir allerdings schlecht vorstellen (und es sei noch angemerkt, dass George Lucas zwar einen kurzen Handlungsabriss für Episode VII vorgelegt hat, ansonsten mit dem Drehbuch oder dem Film überhaupt außer einer „Beraterfunktion“ nicht viel zu tun hat).

Die neuen Schauspieler

Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher sehen auf dem Foto jedenfalls blendend aus, was vor allem bei den letzteren beiden wirklich erwähnenswert ist. Wenn man ihr jetztiges Erscheinungsbild mit Fotos von vor etwa einem Jahr vergleicht, sieht man, dass Hamill und Fisher sich für Episode VII ganz schön in Form gebracht haben. So soll es sein! Bevor ich zur Bedeutung von Peter Mayhews erneuter Mitwirkung komme, möchte ich noch kurz auf die neuen Darsteller eingehen: Da wäre zunächst die unbekannteste von allen, Daisy Ridley. Auf ihrer imdb-Seite ist kein Geburtsdatum angegeben, aber soweit ich weiß ist sie um die 20 Jahre alt und damit etwa so alt wie Carrie Fisher bei den Dreharbeiten zu „Star Wars“. Auf dem Foto hat sie meiner Meinung nach zudem eine wirklich erstaunliche Ähnlichkeit zu Natalie Portman und wäre damit ihrer Großmutter aus dem „Star Wars“-Universum, Padmé Amidala, wie aus dem Gesicht geschnitten. Schon klar, noch weiß niemand, welche Figur Ridley spielen wird, aber aufgrund dieser Ähnlichkeit zu Portman und auch zur jungen Carrie Fisher gehe ich einfach mal davon aus, dass sie die Tochter von Han und Leia sein wird. Schließlich sitzt sie auf dem Cast-Foto ja auch zwischen Harrison Ford und Carrie Fisher…

Mit dem Rücken zum Betrachter sitzt in der vorderen Bildmitte der 1983 geborene Domhnall Gleeson, Sohn des bekannten irischen Schauspielers Brendan Gleeson. Vater und Sohn haben beide in mehreren „Harry Potter“-Filmen mitgespielt – der Vater als „MadEye“ Moody, der Sohn in den letzten beiden Filmen als Bill Weasley. Zudem ist Domhnall Gleeson in letzter Zeit positiv in Joe Wrights „Anna Karenina“ und in „About Time“ („Alles eine Frage der Zeit“) aufgefallen. Optisch könnte er gut als Sohn von Luke Skywalker durchgehen, aber in diesem Fall will ich mich da noch auf keinen Tipp festlegen. Links im Bild sitzt Andy Serkis, einer der größten Filmschauspieler des Planeten, dessen Kunst aber leider viel zu wenig gewürdigt wird. Der 50-jährige ist nämlich vor allem für seine Darstellungen im performance capture-Verfahren bekannt, bei denen er in lächerlichen, über und über mit hellen Punkten oder Kugeln beklebten Strampelanzügen im Studio eine Figur spielt, die dann am Computer vervollständigt wird. Am bekanntesten ist sicher seine Gollum-Darstellung in den „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Filmen, aber Peter Jacksons „King Kong“ hat er auf diese Weise ebenso zum Leben erweckt wie Caesar, den Affen aus „Rise of the Planet of the Apes“ und dem kommenden „Dawn of the Planet of the Apes“. Des weiteren spielte er auch in Steven Spielbergs „Tintin“-Verfilmung als Captain Haddock mit. Als „normalen“ Schauspieler aus Fleisch und Blut kann man ihn unter anderem in „The Prestige“ oder in einer weiteren Rolle als Schiffskoch in „King Kong“ bewundern. Bei Serkis stellt sich natürlich die Frage, ob er in „Star Wars“ erneut eine performance capture-Darstellung abliefern oder eine ganz konventionelle Rolle spielen wird. Ich tippe mal auf ersteres. Es liegt doch nahe, dass eine der Hauptfiguren in Episode VII ein Alien (oder etwas ähnliches) sein wird, das am Computer erzeugt, aber von einem Menschen gespielt wird. Filme wie „Avatar“ oder „Der Hobbit“ haben bewiesen, dass dies technisch längst kein Problem mehr ist. Da Serkis der weltweit größte Experte auf diesem Gebiet der Schauspielerei sein dürfte, ist es nur logisch, wenn J.J. Abrams und Kathleen Kennedy (die mit Serkis schon bei „Tintin“ zusammengearbeitet hat) ihn an Bord holen. Auf diese Weise bekommen hoffentlich auch die „Star Wars“-Filme endlich eine computergenerierte Hauptfigur, die es was den emotionalen Ausdruck und die Interaktion mit den anderen Figuren betrifft mit ihren „menschlichen“ Kollegen aufnehmen kann.

Neben Serkis im Bild sitzt Oscar Isaac, geboren in Guatemala und 34 Jahre alt. Sein bislang größter Erfolg war die Hauptrolle im letztjährigen „Inside Llewyn Davis“ der Coen-Brüder, davor ist er unter anderem als herrlich fieser Prinz John in Ridley Scotts „Robin Hood“ positiv aufgefallen und wird demnächst in der Literaturverfilmung „Die zwei Gesichter des Januars“ zu sehen sein. Wen er in „Star Wars“ spielen wird? Ich habe keine Ahnung… Als nächster sitzt in der Runde der 22-jährige John Boyega, der für seine Rolle in „Attack the Block“ viel Lob bekommen hat (ich habe den Film leider noch nicht gesehen, werde ihn aber – genau wie einige andere Filme der neuen „Star Wars“-Schauspieler – demnächst nachholen). Demnächst wird er außerdem in einigen Folgen der neueun Staffel von „24“ zu sehen sein. Allein die Tatsache, dass er schwarz ist, hat viele Leute dazu veranlasst, in ihm „Lando Calrissian Jr.“ zu sehen, doch daran glaube ich nicht bzw. ich hoffe es auch nicht. Ich möchte nicht, dass alle neuen Rollen die Söhne, Töchter oder Enkel von bekannten Charakteren sind, sondern hoffe, dass Abrams und Kasdan da etwas cleverer vorgehen und auch ein paar Figuren, die nicht mit den bekannten Helden verwandt sind, ins Spiel bringen. Zudem wäre es seltsam, Landos Sohn im Film zu haben, aber Lando Calrissian selbst nicht – dessen Darsteller Billy Dee Williams hat seine Bereitschaft zur Rückkehr in die weit, weit entfernte Galaxis in den letzten Monaten immer wieder bekundet, scheint aber nicht in Episode VII dabei zu sein. Es könnte sein, dass man seinen Auftritt im Film noch geheim halten will, es könnte aber ebenso gut sein, dass er – wie in der Original-Trilogie – erst im zweiten Film wieder mit dabei sein soll. Oder eben gar nicht, worüber ich jetzt auch nicht todunglücklich wäre.

Einen letzten neuen Darsteller im Bild haben wir noch: Adam Driver. Der 30-Jährige ist vor allem durch seine Hauptrolle in der HBO-Serie „Girls“ bekannt, in der er trotz seiner „Star Wars“-Verpflichtung auch weiterhin mitspielen wird. Weiterhin konnte man ihn in Nebenrollen in Steven Spielbergs „Lincoln“, in „Inside Llewyn Davis“ und in dem großartigen „Frances Ha“ sehen. Gerüchte um Drivers Mitwirkung an Episode VII waren schon Monate vor der offiziellen Ankündigung im Umlauf und stets hieß es dabei, er werde den neuen Bösewicht spielen. Optisch kann ich mir das jedenfalls ziemlich gut vorstellen, der Kerl hat ein sehr charismatisches Gesicht und kann bestimmt herrlich fies lachen (was sich als nützlich erweisen sollte, falls er einen dunklen Jedi oder eine ähnliche Figur spielen wird).

Nun wissen wir also, wer in Episode VII mitspielen wird. Was wir noch nicht wissen, ist wen die neuen Darsteller spielen und wie groß ihre jeweiligen Rollen ausfallen werden. In einer früheren Pressemiteilung von Lucasfilm war vor einigen Wochen die Rede von einem „neuen Trio von Hauptfiguren“, das wohl im Lauf der kommenden drei Filme die Nachfolge von Luke, Han und Leia antreten soll. Dabei dürfte es sich um Daisy Ridley, John Boyega und Domhnall Gleeson bzw. Oscar Isaac handeln. Nach der Bekanntgabe des Casts wurde zudem von vielen Seiten Kritik geäußert, der Cast sei zu weiß und zu männlich. Tatsächlich befindet sich unter den neuen Darstellern nur eine Frau (Ridley) und ein Schwarzer (Boyega), während Oscar Isaac lateinamerikanischen Ursprungs ist. Bevor man die Zusammensetzung des Casts kritisiert, sollte man sich aber bewusst machen, dass – wie gerade erwähnt – noch nicht bekannt ist, wie groß die Rollen der jeweiligen Schauspieler ausfallen werden. Wenn Ridley und Boyega Teil des neuen Helden-Trios sein sollten, dann hätten wir damit schon eine junge Frau und einen Schwarzen in Hauptrollen. Zudem gibt es immer noch Gerüchte um eine noch nicht besetzte bzw. noch nicht bekannt gegebene weitere Rolle im Film, bei der es sich um eine weibliche Rolle handeln soll, für die angeblich Lupita Nyong’o im Gespräch ist – eine schwarze Darstellerin, die vor kurzem einen Oscar für ihre Rolle in „12 Years A Slave“ gewonnen hat. Darüber hinaus bin ich überzeugt davon, dass J.J. Abrams noch nicht alle Karten ausgespielt hat und es zumindest noch kleine Rollen im Film gibt, über die noch nichts bekannt gegeben worden ist und mit denen das Publkum im Dezember 2015 im Kino vielleicht überrascht werden soll.

Fast vergessen hätte ich jetzt Max von Sydow, ganz einfach weil der 85-jährige nicht auf dem Cast-Foto zu sehen ist. Der schwedische Schauspieler ist natürlich eine Legende, man braucht nur seine Rolle in „Der Exorzist“ erwähnen. Ich kenne ihn aber auch aus Filmen wie „Minority Report“ oder Ridley Scotts „Robin Hood“. Seine Mitwirkung an Episode VII finde ich sehr interessant, weil man sich sofort fragt, welche Rolle er denn spielen wird? Den Kanzler der (Neuen) Republik? Einen aus der Versenkung aufgetauchten Sith-Lord? (Bitte nicht!) Einen Offizier der versprengten Überreste des Imperiums? Ein Schauspieler dieses Kalibers wird den Film auf jeden Fall nochmal um einiges aufwerten.

Werden „alte“ oder „neue“ Helden im Mittelpunkt stehen?

Eine Sache, die im Zusammenhang mit dem Cast noch ansprechen möchte, ist die Frage, ob denn nun eher die alten Helden – also Luke, Han und Leia – oder die neue Generation im Vordergrund von Episode VII stehen werden. Ich habe die Gerüchte um Episode VII seit der Ankündigung des Films Ende Oktober 2012 natürlich intensiv verfolgt. Die spannendste von all den Meldungen der vergangenen Monate war die Nachricht, dass das ursprüngliche, von Michael Arndt („Toy Story 3“, „Little Miss Sunshine“) geschriebene Drehbuch für Episode VII zugunsten einer neuen Drehbuchfassung von J.J. Abrams und Lawrence Kasdan verworfen worden sein soll. Wenn man diesen Gerüchten Glauben schenkt, dann hat Arndt in seinem Drehbuch den Fokus deutlich auf eine neue Generation von Helden gelegt, während Han, Luke und Leia nur kurze Auftritte darin hatten. J.J. Abrams wollte allerdings unsere bekannten Helden noch einmal zumindest für einen Film in den Mittelpunkt stellen, wewegen das nun vorliegende Drehbuch – für das Arndt nicht mehr als Autor genannt wird – erheblich von Arndts Fassung abweichen soll. Sollte dieses Gerücht stimmen – und ich hoffe, wir werden das eines Tages in einem „Makin of“-Buch erfahren – dann kann ich es Abrams jedenfalls nicht verübeln, dass er für Episode VII noch einmal einen richtig großen Auftritt der großen Drei herbei zaubern möchte (eventuell inklusive eines richtig großen Abgangs von mindestens einem der Drei). Neuesten Gerüchten zufolge soll Episode VII ja ganz auf Harrison Ford zugeschnitten sein, was ich dann doch wieder ein wenig bedenklich fände. Es würde aber zu dem Bild passen, dass ich von Ford habe: dass er nur unter der Bedingung zusagt, eine große Hauptrolle zu spielen, die einen dramatischen Tod im letzten Drittel des Films beinhaltet, womit sich dann das Thema „Star Wars“ für ihn endgültig erledigt hätte. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher, wie viel wir von den neuen Cast-Mitgliedern sehen werden; vielleicht werden sie erst in den Episoden VIII und IX wirklich im Mittelpunkt stehen.

Ich freue mich jedenfalls nach wie vor riesig auf Episode VII. Ich liebe J.J. Abrams‘ „Star Trek“-Filme über alles und bin überzeugt davon, dass er der richtige Mann für den „Star Wars“-Regiestuhl ist. Zudem hat der Mann bei „Star Trek“ und anderen Projekten immer wieder bewiesen, was für ein gutes Gespür er fürs Casting hat und kann – im Gegensatz zu George Lucas – auch wirklich gut mit Schauspielern arbeiten. Und weil es hier gerade so schön passt, poste ich einfach mal einen kurzen Videogruß von Abrams und seinem Ko-Drehbuchautoren Lawrence Kasdan, die uns aus London einen fröhlichen „Star Wars-Day“ wünschen:
Besonders interessant an dem Video ist übrigens die Tatsache, dass Abrams sagt „casting announcements continue“! Wer Lust hat, sich noch mehr Fan-Meinungen zur großen Carsting-Meldung anzuhören, dem empfehle ich die aktuelle Folge eines meiner Lieblingspodcasts, „The Incomparable“ (Episode 193 „Don’t Worry, We Got This“). Darin diskutieren einige „Star Wars“-Fans über eine Stunde lang darüber, was die angekündigte Besetzung des Films denn nun bedeutet und was sie sich von Episode VII erwarten.

Das Ende des „Expanded Universe“…?

So viel also zum Casting. Zwei andere Dinge wollte ich noch kurz ansprechen (eigentlich wollte ich ja wie gesagt mehrere Blogposts schreiben, aber sei’s drum, erledige ich halt alles auf einmal). Einige Tage vor der Bekanntgabe der Besetzung hat Lucasfilm nämlich eine Meldung herausgegeben, die das „Star Wars“-Fandom weit mehr erschüttert hat. Darin wurde endlich offiziell gemacht, was viele schon lange befürchtet hatten: Sämtliche Geschichten des „Expanded Universe“ (EU), also alle Romane, Comics, Videospiele usw. aus dem „Star Wars“-Universum, die in den letzten 37 Jahren erschienen sind, sind nun nicht mehr offizieller „Star Wars“-Kanon. Zwar hat man sich bislang stets darum bemüht, dass all die in verschiedenen Medien erzählten Geschichten zueinander passen und aufeinander aufbauen, doch für die kommenden Filme hätte es eine zu große kreative Einschränkung bedeutet, sich an all das halten zu müssen, was im EU erzählt worden ist. Die Geschichten von Han, Luke, Leia und ihren Kindern sind in den Comics und Romanen inzwischen bis ins Jahr 45 nach der Schlacht von Yavin (im ersten „Star Wars“-Film, der damit das Jahr 0 darstellt) erzählt worden, also bis zu einem Zeitpunkt, an dem Luke Skywalker etwa 64 Jahre (und Han Solo dementsprechend noch ein paar Jahre älter) ist. Man hätte also mit Episode VII theoretisch an diesem Punkt anknüpfen können, das Alter der Schauspieler würde ja ungefähr passen. Aber man hätte sich eben auch an all die Vorgaben aus dem EU halten müssen, unter anderem zum Beispiel daran, dass Chewbacce dort inzwischen gestorben ist (in Episode VII ist er ja nun wieder dabei), Han und Leia drei Kinder bekommen haben, von denen zwei schon wieder gestorben sind (eines, nachdem es zum Sith-Lord geworden ist) und Luke geheiratet, einen Sohn bekommen und seine Frau später ebenfalls verloren hat.

All diese Geschichten sind nun „Legenden“ – die Bücher sollen zwar weiterhin neu aufgelegt werden, aber mit einem „Legends“-Banner auf dem Cover, damit klar wird, dass es sich hierbei quasi um ein alternatives Universum handelt. Ich verstehe zwar, dass diese Entscheidung aus kreativer Sicht notwendig war, sie hinterlässt bei mir aber trotzdem einen bittersüßen Beigeschmack. In den letzten Jahren habe ich zwar nicht mehr so viele „Star Wars“-Bücher gelesen, aber früher habe ich sie gerade zu verschlungen. In meinem Kopf existiert also dieses Universum, in dem Luke Skywalker nach dem Tod von Darth Vader und dem Sieg über das Imperium einen neuen Jedi-Orden aufbaut, in dem eine der nächsten großen Bedrohungen für die neu gegründete Republik vom blauhäutigen Großadmiral Thrawn ausgeht, in dem Leia vorübergehend Staatschefin dieser Republik wird, in dem in einem ganz schrecklichen Buch ihre und Hans Kinder entführt werden, in dem eine extra-galaktische Spezies namens Yuuzhan Vong einen sich durch 19 Bücher ziehenden Vernichtungskrieg gegen unsere geliebte weit, weit entfernte Galaxis führt… All das soll nun nur noch „Legende“ sein? Ich versuche es positiv zu sehen: Es war schön, dass wir diese Abenteuer erleben durften. Gleichzeitg hat es mich angespornt, vor dem Kinostart von Episode VII noch möglichst viele der mir noch fehlenden Bücher zu lesen, die in der Zeit zwischen den Episode VI und VII spielen (wobei sie ja eigentlich nicht wirklich dort spielen, schon klar, sondern quasi auf verschiedenen Zeitstrahlen). Das wären in erster Linie die „Fate of the Jedi“-Reihe („Das Verhängnis der Jedi-Ritter“) sowie der im Anschluss daran spielenden Roman „Crucible“ („Feuerprobe“), der eben jene erwähnte 45-Jahres-Marke markiert.

Etwas weiteres positives hat die ganze Sache auch noch: Ab sofort sollen alle Geschichten aus dem „Star Wars“-Universum offiziell miteinander verbunden sein, es gehört also alles, was in Zukunft veröffentlich wird, zum Kanon. Dieser Kanon besteht bislang aus den sechs Filmen und den sechs Staffeln (sowie dem Kinofilm) der „The Clone Wars“-Animationsserie und wird durch die weiteren Filme, die kommende „Star Wars: Rebels“-Serie und eben alle in Zukunft erscheinenden Bücher, Spiele, Comics usw. ergänzt. In diesem Sinne wird es gar kein neues Expanded Universe geben, weil alle Geschichten auf der gleichen Stufe stehen werden; was in einem Roman steht, zählt dann genauso viel wie das, was in einem der Filme vorkommt. Bei Lucasfilm wurde eigens eine „story group“ eingerichtet, die darüber zu wachen hat, dass all diese Erzählungen zueinander passen und sich nichts widerspricht. Weiterhin werden Elemente des alten EU auch in den Geschichten des neuen „Star Wars“-Universums fortleben, denn all die Geschichtenerzähler, die sich mit Filmen, Serien, Büchern usw. in diesem Universum austoben, dürfen sich natürlich nach Lust und Laune an den bereits bestehenden Geschichten und Figuren bedienen. So könnte es also durchaus sein, dass Han und Leia in Episode VII eine Tochter haben werden, die Jaina heißt – genau wie im alten EU. (Wenn das so sein sollte und Jaina von Daisy Ridley gespielt werden sollte, dann wäre sie zumindest deutlich jünger als im EU und damit eindeutig nicht die gleiche Jaina.) Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Sache entwickeln wird und ob zum Beispiel die ganze „frei gewordene Zeit“ nach „Return of the Jedi“ allmählich mit ganz neuen Geschichten aufgefüllt werden wird. Für einen Neueinstieg in die Welt der „Star Wars“-Bücher ist der Zeitpunkt jetzt jedenfalls günstig. Es wurden bereits vier neue Romane angkündigt, die nicht mehr zum alten EU gehören, sondern Teil der neuen Kontinuität sein werden. Darunter ist mit „Heir to the Jedi“ ein Luke Skywalker-Abenteuer, das zwischen Episode IV und V spielt und mit „Lords of the Sith“ ein Buch, dass sich vor allem Darth Vader und dem Imperator widmen und in der Zeit zwischen Episode III und dem Beginn der neuen Animationsserie „Rebels“ spielen wird. Auch diese Bücher habe ich mir vorgenommen zu lesen und hoffe, dass sich das lohnen wird, schließlich sind ab jetzt alle Geschichten offiziell miteinander verbunden, so dass in den Romanen durchaus Informationen und Ereignisse eine Rolle spielen können, die im Hinblick auf Episode VII oder „Rebels“ relevant sind.

Hier noch das Video, das begleitend zur Pressemitteilung über das Ende des EU veröffentlicht wurde:

Star Wars: Rebels

Zum Schluss und der Vollständigkeit halber poste ich nun noch den heute veröffentlichten Trailer zur neuen Animations-Serie „Star Wars: Rebels“. Ich freue mich wirklich auf die Serie, da sie vom gleichen Team stammt, das uns „The Clone Wars“ gebracht hat – und diese Serie wurde bis zu ihrem leider zu frühen Schluss immer besser (die sechste Staffel habe ich noch gar nicht gesehen, bin aber auch darauf natürlich sehr gespannt). Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es eine Verbindung zwischen „Rebels“ und Episode VII geben wird, wahrscheinlich in Form einer Figur, die sowohl in der Serie als auch im Film auftauchen wird. Die erste „Rebels“-Folge soll in den USA im Herbst ausgestrahlt werden, beim Kinostart von Episode VII wird sich die Serie also bereits in ihrer zweiten Staffel befinden. Sie spielt fünf Jahre vor Episode IV, also zu einem ganz anderen Zeitpunkt als Episode VII, aber das muss ja gegen eine Verbindung sprechen. Ich bin gespannt und finde, dieser Trailer sieht schon ganz ordentlich aus. Letztendlich kommt es aber vor allem auf die Geschichten an, die Dave Filoni und sein Team in „Rebels“ erzählen werden.

Möge die Macht mit Euch sein!

Spinnen im Schnee („Snowpiercer“ & „Enemy“)

Ich komme gerade aus dem Kino, wo ich im Rahmen der Münchner Fantasy Filmfest Nights, die gestern und heute stattfanden, zwei Filme gesehen habe: „Snowpiercer“ und „Enemy“. Beide waren sehr gut und ich möchte vor dem Schlafengehen noch ein paar Eindrücke hier festhalten.

Auf „Snowpiercer“ habe ich mich gefreut, seit ich vor ein paar Monaten eine sehr gute Kritik dazu im Internet gelesen habe. Der südkoreanische (auf englische gedrehte) Film basiert auf einer französischen Graphic Novel, die nun von Bong Joon-ho fürs Kino adaptiert wurde. Bongs letzter Film war der hervorragende „Mother“, den ich vor ein paar Jahren auf dem Filmfest München gesehen habe, besser bekannt ist er jedoch für „The Host“, den ich noch nicht kenne. „Snowpiercer“ ist ein Science Fiction-Film und ein sehr guter noch dazu, was ja selten genug ist. Die Handlung: In der nahen Zukunft beschließen zahlreiche Länder der Erde, eine Chemikalie in der Atmosphäre zu verteilen, die der globalen Erwärmung entgegen wirken soll. Das Mittel wirkt allerdings etwas zu gut, so dass schon kurze Zeit später der ganze Erdball von Eis und Schnee bedeckt ist. Fast alles Leben auf der Erde wird ausgerottet. Die letzten überlebenden Menschen befinden sich alle in einem riesigen Zug, jenem titelgebenden Snowpiercer. Der Zug ist nach einem klaren Klassensystem geordnet: Während in den vorderen Waggons die Reichen und Mächtigen wohnen, sind ganz hinten die Armen und Unterdrückten zuhause. Curtis (Chris Evans) ist einer von ihnen, will den gegenwärtigen Zustand aber nicht weiter hinnehmen. Er stiftet die anderen Bewohner des letzten Waggons zu einer Revolution an. Nach und nach kämpfen sich Curtis und seine Mitstreiter im Zug nach vorne, Waggon für Waggon.

Gute Science Fiction ist wie gesagt im Kino selten, was vor allem daran liegt, dass es abseits der großen Blockbuster eigentlich kaum Science Fiction-Filme gibt. Die Darstellung fremder oder zukünftiger Welten lässt die Budgets rasch in die Höhe schnellen, so dass „kleine“ Science Fiction-Filme selten sind. „Snowpiercer“ umgeht dieses Problem dadurch, dass die Handlung nur im Inneren des Zuges spielt. Zwar gibt es natürlich ein paar Außenaufnahmen, die den durch Schnee und Eis rasenden Zug zeigen, doch sie sind wohl dosiert eingesetzt. Große Schauwerte hat „Snowpiercer“ aber auch gar nicht nötig, denn die Geschichte, die er erzählt, ist kraftvoll genug und hält auch so einige Bilder bereit, die sich einem ins Gedächtnis brennen.  Unter den Nebendarstellern sind so imposante Namen wie John Hurt („Alien“, „Contact“), Octavia Spencer („The Help“) oder auch Jamie Bell (da fällt mir nur Spielbergs „Tintin“ ein). Dass es sich beim Hauptdarsteller um Chris „Captain America“ Evans handelt, habe ich nicht nur deswegen den ganzen Film über nicht gemerkt, weil er hier Vollbart trägt, sondern auch, weil Evans ein meiner Meinung nach ziemlich ausdrucksloser Schauspieler ist. Dafür ist wie gesagt die zweite Reihe an Darstellern umso besser und eine unter ihnen stiehlt erwartungsgemäß allen die Show: Tilda Swinton, die hier mit Brille und falschen Zähnen kaum zu erkennen ist und eine herrlich fiese Untergebene der Machthaber des Zuges spielt.

Wie jede gute Science Fiction-Erzählung sagt auch „Snowpiercer“ etwas über unsere Gegenwart aus. Während die Bewohner der vorderen Zugteile ein Luxusleben führen, werden die „Hinteren“ von ihnen unterdrückt. Da muss man unweigerlich an die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich denken. Zu essen bekommen die Armen im Zug nur glibberige Proteinriegel, deren Herkunft unklar ist; zudem werden immer wieder ohne erkennbaren Grund Kinder aus dem hinteren Zugteil entführt oder es rückt ein Erschießungskommando an und dezimiert die Zahl der dort Lebenden. Selbstverständlich werden all diese Elemente im Verlauf des Films aufgeklärt, der überhaupt in sich sehr schlüssig ist. Denn auch die Fragen, woher die Zugzivilisation ihr Wasser und ihre Nahrung nimmt oder warum dieser klägliche Rest der Menschheit denn überhaupt in einem Zug unterwegs ist, werden im Verlauf der Handlung beantwortet. Die Spannung reißt dabei nie ab, weil man sich stets fragt, was die Aufständischen hinter der Tür zum nächsten Waggon erwartet. Darüber will ich allerdings nicht mehr verraten, weil das die Spannung zerstören würde. „Snowpiercer“ ist nicht nur spannend und äußerst kreativ inszeniert, sondern spricht auch eine ganze Reihe wichtiger Themen an, von der Frage des Umgangs mit der globalen Erwärmung bis hin zu den Mitteln, mit denen in Diktaturen das Volk kontrolliert wird.

Das bringt mich direkt zum zweiten Film. In „Enemy“ spielt nämlich Jake Gyllenhaal („Brokeback Mountain“, „Source Code“) einen Geschichtsdozenten namens Adam Bell, der seinen Studenten an einer Stelle des Films erklärt, wie Diktatoren die Kontrolle über ihr Volk behalten. Eines Tages empfiehlt ein Kollege Adam einen Film, den dieser sich ausleiht und abends ansieht. In diesem Film spielt ein Schauspieler mit, der haargenau aussieht wie Adam. Adam traut erst einmal seinen Augen nicht, nach einer kurzen Internetrecherche muss er jedoch feststellen, dass dieser Schauspieler tatsächlich existiert, auf den Namen Anthony St. Claire hört und zufälligerweise in derselben Stadt wie Adam wohnt.

Bei „Enemy“ handelt es sich wie auch schon bei „Prisoners“ um eine Zusammenarbeit zwischen Gyllenhaal und dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve (und obwohl „Prisoners“ bereits im letzten Jahr in den Kinos lief, wurde „Enemy“ als erster der beiden Filme gedreht). Der Film basiert auf einem Roman von José Saramango („Die Stadt der Blinden“) und bietet seinen Zuschauern genau wie „Prisoners“ langsam geschnittene, monochrom gehaltene Szenen, die zusammen mit dem Soundtrack eine bedrückende Stimmung schaffen. Während „Prisoners“ diese Mittel allerdings dazu nutzte, um einen harten Realismus herzustellen, werden sie in „Enemy“ eingesetzt, um eine traumähnliche Stimmung zu erzeugen. Gyllenhaal spielt hier eine Doppelrolle. Adam und Anthony begegnen sich im Lauf des Films und sind genau so ratlos wie der Zuschauer. Sind sie Zwillinge? Ist alles nur Zufall?

„Enemy“ hat ein paar Hitchcock-Elemente, ist aber kein klassischer Thriller, eher schon ein Mystery-Thriller. Mich hat der Film vor allem an David Lynch erinnert, denn genau wie in vielen von Lynchs Filmen wird hier eine verwirrende, teilweise surreale Atmosphäre erzeugt. Zudem gibt der Film keine Antworten, sondern lässt seine Zuschauer das Gesehene selbst interpretieren. In diesen Interpretationen dürften die vier Einstellungen, in denen im Verlauf des Films Spinnen zu sehen sind, eine besondere Rolle einnehmen (wer den Film schon gesehen hat, wird ohne Zweifel wissen, welche Szenen ich meine). Was bedeuten diese Szenen? Trennen sie lediglich bestimmte Abschnitte des Films voneinander? Bedeuten sie, dass man sich gerade in einem Traum befindet? Ganz so einfach ist die Sache bestimmt nicht. Ich habe bereits einen Artikel entdeckt, der den Film und seine (Spinnen-)Bilder interpretiert, ihn aber noch nicht gelesen. Weitere wichtige Fragen: Existieren Adam und Anthony nun wirklich beide oder ist nur einer von ihnen real und der andere lediglich seiner Fantasie entsprungen? Und warum heißt der Film eigentlich „Enemy“? Was bedeutet der Schlüssel? Was soll uns die allerletzte Szene sagen?

Der Film erinnert wie gesagt stark an Lynch, hat bei mir aber auch Assoziationen zu Philip K. Dick, Franz Kafka und Charlie Kaufman geweckt. Ich werde ihn mir auf jedenfall noch einmal ansehen, denn es ist wirklich selten, dass ich einen Film sehe, der so vage und voller Andeutungen bleibt, den ich aber trotzdem so interessant finde, dass ich ihn weiter entschlüsseln möchte (ich könnte damit beginnen, nachzulesen wofür Spinnen in der Traumdeutung stehen). „Enemy“ ist zwar ein ruhiger, aber zu keiner Sekunde langweiliger Film, was vor allem an Jake Gyllenhaal liegt, der die Frustration und Verzweiflung von Adam/Anthony hervorragend spielt. Auch die hypnotische Filmmusik trägt ihren Teil zur Spannung und traumähnlichen Atmosphäre bei.

Es ist schon spät, deswegen werde ich nun schlafen gehen und mein Unterbewusstsein weiter über die Fragen nachdenken lassen, die vor allem „Enemy“ aufwirft. Wahrscheinlich werde ich von riesigen Spinnen träumen, die sich auf Schienen durch das ewige Eis fräsen…

Beide Filme starten schon bald regulär in den deutschen Kinos, „Snowpiercer“ am 3. April und „Enemy“ am 22. Mai. Auch die Amerikaner werden „Snowpiecer“ nun übrigens doch in einer ungeschnittenen Fassung zu sehen bekommen. Ursprünglich wollte Harvey „Scissorhands“ Weinstein den Film nämlich um etwa 30 Minuten kürzen, weil er ihn für ein Massenpublikum als zu schwierig und intellektuell empfand.

Meine Oscar-Tipps

Heute Nacht ist es wieder so weit: in Los Angeles werden die Preise der Academy of Motion Picture Arts and Sciences – besser bekannt als Oscars – verliehen. Wie bereits im letzten Jahr wage ich mich hier wieder an eine Vorhersage der Preisträger (hier kann man die Nominierungen nachlesen). Leider habe ich dieses Jahr relativ wenige der nominierten Filme gesehen, was mich aber natürlich nicht davon abgehalten hat, trotzdem fleißig zu recherchieren, wie sich die Nominierten denn in den vorausgegangenen Preisverleihungen, wie zum Beisiel den Golden Globes, so geschlagen haben. Auf der Grundlage dieser Fakten wage ich es also, folgende Prognosen zu treffen:

Bester Film
Neun Filme sind dieses Jahr für den „besten Film“ nominiert, doch das Feld lässt sich leicht auf drei Kandidaten einschränken, wenn man sich anschaut, welche Filme bei den anderen Preisverleihungen dieser Saison hier gewonnen haben. Bei den Golden Globes, wo jedes Jahr eine „beste Komödie“ und ein „bestes Drama“ ausgezeichnet werden, haben „American Hustle“ und „12 Years a Slave“ gewonnen. Bei den BAFTAs – den „britischen Oscars“ – wurde „12 Years a Slave“ ausgezeichnet (während „Gravity“ zum besten britischen Film gewählt wurde). Und bei den Preisen der amerikanischen Filmproduzentengilde kam es zu einem überraschenden Gleichstand zwischen „Gravity“ und „12 Years a Slave“. Hmmm…
Damit dürfte jedenfalls feststehen, dass die sechs weiteren Nominierten („Dallas Buyers Club“, „Her“, „Nebraska“, „Philomena“, „Captain Phillips“ und „The Wolf of Wall Street“) in der Königskategorie keine Chance haben. Aber welcher Film wird nun das Rennen machen? „American Hustle“ ist klassisches Schauspielerkino mit großartigen Leistungen aller Darsteller. „Gravity“ ist ein Film, der die Grenzen des im Kino Mach- und Zeigbaren ein Stück verschoben hat und allein deswegen preiswürdig wäre; allerdings könnte er der Academy auch zu nah am Mainstream liegen (er hat das höchste Einspielergebnis aller Nominierten). Und obwohl es sich bei „Gravity“ streng genommen nicht um einen Science-Fiction-Film handelt, könnte die Tatsache, dass es eben trotzdem ein Weltraumfilm mit Action-Elementen ist, einige Mitglieder der Academy vielleicht abschrecken. „12 Years a Slave“ wiederum ist ein sehr ernster Film über ein ernstes Thema (und zudem über einen Teil der amerikanischen Geschichte), brilliant gespielt, aber eben auch ziemlich schwere Kost.
Ich tippe mal darauf, dass „Gravity“ in den technischen Kategorien abräumen wird, aber nicht zum besten Film gekürt wird. Auch „American Hustle“ sehe ich nicht vorne, also lautet mein Tipp „12 Years a Slave“. Das wäre meiner Meinung nach auch vollkommen verdient, da es sich dabei um einen der besten Filme handelt, die ich in den letzten Jahren (!) gesehen habe. Und obwohl ich auch ein sehr großer Fan von „Gravity“ bin, bin ich zufrieden, wenn er für Kamera, Effekte usw. ausgezeichnet wird.

Bester Hauptdarsteller
Leonardo DiCaprio ist in diesem Jahr zum vierten Mal als Schauspieler nominiert, insofern wird es langsam mal Zeit für eine Auszeichnung, zumal inzwischen auch wirklich jeder kapiert haben dürfte, dass der frühere Teenie-Schwarm schon seit langem ein großer Schauspieler ist. Übrigens ist er dieses Jahr als einer der Produzenten von „The Wolf of Wall Street“ auch für den besten Film nominiert. Er wird aber wohl in beiden Kategorien leer ausgehen, denn mit Matthew McConaughey ist die Konkurrenz einfach zu stark. Nachdem McConaughey viele Jahre vor allem für Liebeskomödien bekannt war, hat er es in den letzten zwei Jahren geschafft, seiner Karriere eine völlig neue Richtung zu geben und eindrucksvolle Leistungen in tollen Filmen abgeliefert („Magic Mike“, „Killer Joe“, „Mud“). Für „Dallas Buyers Club“ hat er sich fast bis auf die Knochen herunter gehungert, was ihm bei den Oscars Bonuspunkte einbringen dürfte. Ich fand zwar die Leistung von Chiwetel Ejiofor in „12 Years a Slave“ viel beeindruckender (für die er auch einen BAFTA gewonnen hat), aber es wird wohl auf McConaughey hinaus laufen. Den Golden Globe und einen Screen Actors Guild Award hat er für seine Rolle schon bekommen, ab morgen wird er sich wahrscheinlich dann den Oscar auch noch in den Schrank stellen können.

Beste Hauptdarstellerin
Auch Amy Adams hat in diesem Jahr für „American Hustle“ bereits ihre fünfte Oscarnominierung erhalten und so gut, wie sie eigentlich fast immer ist, hätte sie einen Oscar für irgendetwas auf jeden Fall längst verdient. Aber auch hier scheint die Konkurrenz noch stärker zu sein: Cate Blanchett spielt in Woody Allens „Blue Jasmine“ einfach hervorragend und hat auch alle anderen wichtigen Preise bekommen. Ein zweiter Oscar für sie scheint die logische Folge zu sein. „Gravity“ wird sich wie gesagt wohl mit Auszeichnungen in technischen Kategorien begnügen müssen, weswegen Sandra Bullock leer ausgehen wird. Meryl Streep ist zum 18. Mal als Schauspielerin nominiert (Rekord!), hat aber bereits drei Oscars. Genau wie Streep ist auch Judi Dench in eigentlich allen Rollen phantastisch – gegen Cate Blanchett haben sie in diesem Jahr aber alle keine Chance.

Bester Nebendarsteller
Der 28jährige Barkhad Abdi ist als Pirat in „Captain Phillips“ in seiner allerersten Kinorolle zu sehen – und wurde dafür gleich für den Oscar nominiert. Obwohl er bereits einen BAFTA gewonnen hat, wird er heute Nacht wohl leer ausgehen, denn auch in dieser Kategorie gibt es einen ziemlich eindeutigen Favoriten: Jared Leto, 90er-Jahre-Teenieidol, Frontmann der Rockband Thirty Seconds to Mars und schon lange auch ernstzunehmender Schauspieler („Fight Club“, „Requiem For a Dream“). Für seine Darstellung der HIV-positiven transsexuellen Rayon in „Dallas Buyers Club“ wurde er bereits mit einem Golden Globe und einem Screen Actors Guild Award ausgezeichnet. Mit auch schon 42 Jahren ist Leto übrigens der älteste der fünf in dieser Kategorie Nominierten. Mein Favorit ist allerdings ein anderer: Ich würde gerne Michael Fassbender für seine Rolle als sadistischer Sklavenbesitzer in „12 Years a Slave“ geehrt sehen, zumal eine Auszeichnung für Fassbender für irgendetwas auch allmählich fällig ist.

Beste Nebendarstellerin
Hier ist das Rennen etwas offener. Die 84jährige June Squibb ist für ihre Rolle in Alexander Paynes „Nebraska“ nominiert, Sally Hawkins für ihre Rolle als Cate Blanchetts ungleiche Schwester in „Blue Jasmine“ und Julia Roberts hat sich mit „August Osage County“ nach einiger Zeit Leinwandabstinezn eindrucksvoll zurück gemeldet und wurde ebenfalls mit einer Nominierung bedacht. Die beiden Favoriten aber sind „Jennifer Lawrence“ („The Hunger Games“) für ihre Rolle in „American Hustle“ und Lupita Nyong’o für ihre erste Spielfilmrolle in „12 Years a Slave“. Lawrence hat den Golden Globe und den BAFTA gewonnen, Nyong’o dagegen den Screen Actors Guild Award. Gegen Lawrence spricht vor allem die Tatsache, dass sie erst letztes Jahr für „Silver Linings Playbook“ ausgezeichnet worden und zudem erst 23 Jahre alt ist – für weitere Oscars bleibt da noch genug Zeit. Ihre Performance in „American Hustle“ war zweifellos sehr, sehr gut, wenn man über die Tatsache hinwegsehen konnte, dass sie für ihre Rolle dort mindestens zehn Jahre zu jung ist. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass die Academy sie in diesem Jahr erneut auszeichnet, tippe aber mal auf Lupita Nyong’o. Sie wäre auch meine eigene Wahl.

Beste Regie
Hier gibt es einen klaren Favoriten: Alfonso Cuarón hat mit Gravity Bilder auf die Leinwand gezaubert, wie wir sie zuvor noch nicht gesehen haben. Jahrelang musste der mexikanische Regisseur (der mit „Der Gefangene von Askaban“ den einzigen wirklich guten „Harry Potter“-Film gedreht hat) warten, bis die Technik überhaupt so weit war, um die Bilder, die ihm vorschwebten, auch genau so auf die Leinwand bringen zu können. Den Regie-Oscar bekäme er völlig verdient. Zwar wäre auch für David O. Russell („Silver Linings Playbook“, „The Fighter“) langsam mal einer fällig, aber Cuarón hat alle anderen wichtigen Preise abgeräumt – warum sollte es bei den Oscars anders sein? Dass Martin Scorcese für seinen außer Kontrolle geratenen „The Wolf of Wall Street“ nominiert worden ist, darüber kann man sicherlich streiten. Echte Siegchancen dürfte er jedenfalls ebenso wenig haben wie Russell, Steve McQueen („12 Years a Slave“) oder Alexander Payne („Nebraska“). Wenn ich richtig liege, dann gehen die Preise für die beste Regie und den besten Film an unterschiedliche Filme, was nur sehr selten der Fall ist (aber im letzten Jahr ja auch vorkam, wo „Argo“, der als bester Film gewann, nicht einaml für die Regie nominiert war).

Bester Animationsfilm
Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass diese Kategorie 2001 gerade dann erst eingeführt wurde, als es mit der Zeit der großen Disney-Trickfilme vorbei war. Allerdings waren seitem fast alle Pixar-Filme in dieser Kategorie nominiert – und Pixar gehört ja auch längst zu Disney. Die einzige Ausnahme war bislang „Cars 2“ – bis in diesem Jahr das aktuelle Pixar-Werk („Die Monster Uni“ / „Monsters University“) ebenfalls ohne Nominierung blieb. Dafür sind nun aber die Disney Animation Studios selbst wieder zum Zug gekommen: Mit „Frozen“ („Die Eiskönigin“) ist ihre Version des Hans Christian Andersen-Märchens nominiert worden und auch klarar Favorit. Die anderen Nominierten – darunter Hayao Miyazaki für „The Wind Rises“ – werden wohl das Nachsehen haben.

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bester Fremdsprachiger Film: „La Grande Bellezza“ („Die große Schönheit“) von Paolo Sorrentino (Italien)
Bestes adaptiertes Drehbuch: „12 Years a Slave“ von John Ridley – Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der hier lieber Richard Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke für „Before Midnight“ ausgezeichnet sehen würde. Die drei „Before…“-Filme sind so wunderbar geschrieben, dass eine Auszeichnung eigentlich mal fällig wäre.
Bestes Originaldrehbuch: „Her“ von Spike Jonze – Es könnte auch „American Hustle“ werden, aber da „Her“ bei den Golden Globes, den Critics Choice Awards und den Writers Guild Awards gewonnen hat, sehe ich den Film auch hier vorne. Außerdem ist die Drehbuchkategorie traditionell die Kategorie, in der Filme ausgezeichnet werden, die eigentlich auch Preise in den ganz großen Kategorien verdient hätten, aber dann doch irgendwie zu speziell dafür sind. Das trifft auf Spike Jonzes Liebesgeschichte zwischen einem Mann (Joaquin Phoenix) und der Computerstimme seines Handys (Scarlett Johansson) definitiv zu.
Beste Ausstattung (Production Design): „12 Years a Slave“ (Adam Stockhausen & Alice Baker) – es könnte aber auch „The Great Gatsby“ werden…
Beste Kamera (Cinematography): Ganz klar Emmanuel Lubezki für „Gravity“
Bester Ton (Sound Mixing): „Gravity“ (Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro)
Bester Tonschnitt (Sound Editing): „Gravity“ (Glenn Freemantle)
Beste Musik: „Gravity“ (Steven Price) – natürlich würde ich es als großer John Williams-Fan gerne sehen, wenn der Altmeister für „The Book Thief“ noch einmal ausgezeinet würde, aber seine Chancen stehen leider nicht gut. (Und ich kenne den Film und seine Musik auch noch gar nicht.)
Bestes Lied: „Let It Go“ aus „Frozen“, komponiert und geschrieben von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez. Da bei den Golden Globes allerdings „Ordinary Love“ aus „Mandela: Long Walk to Freedom“ ausgezeichnet wurde und die Academy ja immer wieder gerade so scheinbar offensichtliche Sieger wie „Let It Go“ nicht ausgezeichnet hat, könnte auch hier „Ordinary Love“ die Nase vorn haben.
Beste Kostüme: „The Great Gatsby“ (Catherine Martin). Oder doch „12 Years a Slave“…?
Beste Dokumentation: „The Square“ von Jehane Noujaim und Karim Amer
Beste Kurzdokumentation: „The Lady in Number 6: Music Saved My Life“ von Malcolm Clarke und Nicholas Reed – Bei den Doku-Kategorien schieße ich übrigens ziemlich ins Blaue hinein. Ich habe leider keinen der nominierten Filme gesehen und die „Experten“ auf die ich mich in solchen Fällen verlasse sind sich auch nicht einig.
Bester Schnitt: Ich tippe auch in dieser technischen Kategorie mal auf „Gravity“ (Alfonso Cuarón und Mark Sanger). Fast immer gewann bisher übrigens der „beste Film“ auch den Preis für den besten Schnitt. Aber kann ja dieses Jahr mal anders sein.
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Dallas Buyers Club“ (Adruitha Lee und Robin Mathews)
Bester animierter Kurzfilm: „Mr. Hublot“ von Laurent Witz und Alexandre Espigares
Bester Kurzfilm: „The Voorman Problem“ von Mark Gill und Baldwin Li (und mit Martin Freeman und Tom Hollander)
Beste visuelle Effekte: „Gravity“ (Tim Webber, Chris Lawrence, David Shirk und Neil Corbould)

Das war 2013 – Mein persönlicher Film- und Serienrückblick

Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr ist so gut wie vorbei, da wird es Zeit für einen Jahresrückblick. Das dachte ich mir jedenfalls vor ein paar Tagen, schließlich habe ich schon lange nichts mehr gepostet und zwar einige neue Blogposts in Arbeit, die aber aus verschiedenen Gründen (welche sich alle unter dem Überbegriff Prokrastination zusammenfassen lassen) alle noch nicht fertig sind. Also beuge auch ich mich dem momentanen Trend und schreibe meinen persönlichen Film- und Serienjahresrückblick 2013.

Die besten Filme des Jahres

Zum ersten Mal habe ich 2013 eine Liste über alle Filme geführt, die ich mir in diesem Jahr angeschaut habe, ganz egal ob im Kino oder zuhause, ganz egal ob brandneuer Blockbuster oder jahrzehnte alter Klassiker. Die Anzahl verrate ich nicht, aber es waren definitiv zu wenige. Noch weniger als in den letzten Jahren habe ich es 2013 geschafft, alle neuen Filme, die ich mir anzuschauen vorgenommen habe, auch zu sehen. Das lag vor allem daran, dass ich in den letzten Wochen kaum Zeit hatte, wie wild in die Videothek und ins Kino zu rennen, um auch wirklich alle wichtigen Filme des Jahres nachzuholen. Am produktivsten war ich in dieser Hinsicht wie in jedem Jahr während des „Filmfest München“ – 23 Filme habe ich dort innerhalb von acht Tagen gesehen (und hier darüber geschrieben). Darunter war mit „Blau ist eine warme Farbe“ („La vie d’Adèle“, seit Donnerstag deutschlandweit im Kino) einer der besten Filme des Jahres. Abdellatif Kechiches Beziehungsdrama mit Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux erzählt so direkt, ungekünstelt und ehrlich von den Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung und wartet mit zwei so guten und faszinierenden Hauptdarstellerinnen auf, dass ich auch nach knapp drei Stunden noch nicht genug davon kriegen konnte. Eine weitere Filmfestentdeckung war die Dokumentation „Jodorowsky’s Dune“, die vom letztendlich gescheiterten Versuch des chilenischen Kultregisseurs Alejandro Jodorowsky erzählt, Frank Herberts SciFi-Saga „Dune“ zu verfilmen. Für Fans des Buches, aber auch für Filminteressierte lohnt sich ein Blick auf diesen Film auf jeden Fall, denn die Version von „Dune“, die Jodorowsky vorschwebte, war eine in jeder Hinsicht große und in mancher Hinsicht vielleicht auch größenwahnsinnige. Hoffentlich findet dieser Film zumindest auf DVD auch seinen Weg nach Deutschland.

Wenn man unter einem perfekten Kinoerlebnis die Erfahrung versteht, für die Dauer eines Filmes die Realität um sich herum vollkommen zu vergessen und in eine andere Welt transportiert zu werden, dann ist Alfonso Cuaróns „Gravity“ für mich das perfekte Filmerlebnis schlechthin. Selten zuvor hat ein Filmemacher die handwerklichen Werkzeuge des Films – in diesem Fall unter anderem den 3D-Effekt – so geschickt und stimmig in den Dienst einer dazu passenden Geschichte gestellt. Die phänomenale Kamera- und Schnittarbeit des Films vermittelt dem auf dem Erdboden verhafteten Zuschauer auf die bestmögliche Weise den Eindruck, mit Sandra Bullock und George Clooney im Weltraum zu schweben. Das Erlebnis, das dieser Film bietet ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Als ich aus dem Kino kam, hatte ich noch minutenlang einen federnden, leichten Gang, weil ich tatsächlich zu einem gewissen Grad das Gefühl hatte, aus der Schwerelosigkeit zurück auf die Erde zu kommen. Praktisch den ganzen Film über ging mein Mund vor Staunen gar nicht mehr zu – „Gravity“ ist für mich ganz klar der beste Film des Jahres. Dieses Filmerlebnis hätte nur dann noch besser sein können, wenn Cuarón den Film in HFR, also mit mindestens 48 Bildern pro Sekunde gedreht hätte (so wie Peter Jackson seine beiden „Hobbit“-Filme). Dann wäre bei Kameraschwenks nämlich kein Verwischungs-Effekt aufgetreten und wirklich überhaupt nichts hätte mich noch daran erinnert, dass ich da „nur einen Film“ sehe.

Von ganz anderer Art und vollkommen dem Erdboden verhafet, ja wie mitten aus dem Leben gegriffen, sind die „Before…“-Filme von Richard Linklater, über die ich im April gebloggt habe. „Before Midnight“ war einer meiner meisterwarteten Filme des Jahres und hat mich nicht enttäuscht. Auf gewohnt hohem Niveau führen Linklater, Julie Delpy und Ethan Hawke fort, was sie 1995 begonnen haben. Konsequent wird die Geschichte von Jesse und Céline, die sich einst im Zug kennen gelernt haben, hier weitererzählt. Delpy und Hawke dabei zuzusehen, wie sie in scheinbarer Verschmelzung mit ihren Figuren die grandiosen Dialoge zum Leben erwecken, gehörte zu den Höhepunkten meines Filmjahres. Und dann wieder dieses Ende…!

Ganz klar ein weiterer Höhepunkt für mich war „Star Trek Into Darkness“. In meinem Fall ist J.J. Abrams Plan voll aufgegangen: Je weniger die Zuschauer vor dem Kinobesuch über einen Film wissen, umso mehr kann man sie überraschen. Da ich vollkommen ungespoilert in das neue Trek-Abenteuer ging, konnte mich die zentrale Enthüllung des Films auch tatsächlich überraschen und schockieren! Auch den Rest des Films habe ich ausnahmslos genossen; „Star Trek Into Darkness“ ist für mich ein fast perfektes SciFi-Abenteuer (jetzt werden wieder einige maulen, dass es in „Star Trek“ ja eigentlich um mehr gehen soll, als nur um Abenteuer, aber dazu habe ich ja bereits in meinem Post zum Film etwas geschrieben).

Wo ich gerade bei großen Abenteurn bin: Auch Peter Jacksons zweiter „Hobbit“-Film gehört für mich zu den besten des Jahres, auch wenn ich mir nach der zweiten Sichtung des Films nicht mehr ganz sicher bin, ob ich ihn wirklich in meine Top Ten einordnen würde. Mit der Szene, in der Bilbo und die Zwerge verfolgt von Orks und Elben in Fässern den Fluss hinuntertreiben, liefert er auf jeden Fall eine der kreativsten und unterhaltsamsten Actionszenen seit Jahren ab und wartet zudem mit einem Showdown auf, der mir ein breites Grinsen der Bewunderung und des Staunens ins Gesicht zauberte. Ich gebe ja zu, dass ich eine Schwäche für Jacksons Actionsszenen habe, die oft überlang und „over the top“ sind, aber mit den genannten zwei Sequenzen hat er sich tatsächlich noch einmal selbst übertroffen (was für all diejenigen, die den Film nicht mochten, natürlich als Argument gegen ihn angeführt werden kann). „The Desolation of Smaug“ hat definitiv seine Schwächen, aber zumindest beim ersten Mal hatte ich so viel Spaß im Kino, wie schon lange nicht mehr und habe sogar spontan applaudiert.

Ebenfalls zum Lachen und Staunen gebracht hat mich zu Beginn des Jahres Tim Burtons „Frankenweenie“. Endlich mal wieder ein Tim Burton-Film, bei dem der Regisseur ohne Rücksicht auf den Massengeschmack seine Vision auf die Leinwand bringen konnte! Hier konnte Burton seine Kreativität voll ausleben und hat nach dem von ihm erdachten „Nightmare Before Christmas“ und „Corpse Bride“ erneut einen Stop Motion-Animationsfilm voller herrlich verrückter, aber emotional authentischer Figuren geschaffen. Zusätzlich ist „Frankenweenie“ eine Hommage an alte Horrorstreifen und zitiert zahlreiche Klassiker des Genres, was das Vergnügen für Filmfans noch größer macht. Auch Steven Spielbergs „Lincoln“ kam in Deutschland zu Beginn des Jahres in die Kinos und zählt wahrscheinlich zu den besten Filmen des Regiegroßmeisters. Ich schreibe „wahrscheinlich“, weil ich den Film nur einmal gesehen habe und ihn mir noch einmal anschauen muss, um mir ein klareres Bild zu verschaffen. Das herrvoragende Drehbuch, das detaillierte und überzeugende Set- und Kostümdesign und in erster Linie Daniel Day Lewis‘ wirklich phänomenales Schauspiel machen diesen Film aber auf jeden Fall zu einem der besten des Kinojahres.

Quentin Tarantino nahm sich mit seinem „Django Unchained“ ebenfalls dem Thema Sklaverei in den USA an und gewann für das Drehbuch verdientermaßen einen Oscar. Ob man auch Christoph Waltz nach seiner Auszeichnung für „Inglorious Basterds“ erneut einen Goldjungen überreichen musste, darüber kann man streiten. Fest steht, dass es extrem unterhaltsam war, Waltz und auch dem hervorragend fiesen Leonardo DiCaprio hier zuzusehen. Der Film hatte hier und da ein paar Längen und komischerweise ist mir Jamie Foxx‘ Django viel weniger in Erinnerung geblieben als die Figuren von Waltz, DiCaprio, Samuel L. Jackson oder Don Johnson, aber insgesamt handelt es sich trotzdem um einen der besten Filme des Jahres.

Großartiges Schauspielkino der ganz anderen Art bot der dänische Film „Die Jagd“ von Thomas Vinterberg, der hier erstmals mit Mads Mikkelsen („Casino Royale“) zusammen arbeitete. Mikkelsen spielt einen Kinderpfleger, der eines Tages zu Unrecht verdächtigt wird, sich sexuell an einem kleinen Mädchen vergangen zu haben. Die ruhige Inszenierung, das intelligente Drehbuch und das sehr gute Schauspiel Mikkelsens und der Nebendarsteller (inklusive des kleinen Mädchens) machen diesen Film zu einem sehr sehenswerten Stück Kino, das zum Nachdenken anregt. Ähnliches gilt für „Flight“, Robert Zemeckis‘ lang erwartete Rückkehr zum Realfilm. Nach „Cast Away“ (2000) und „What Lies Beneath“ („Schatten der Wahrheit“, 2001) hatte es sich der Regisseur zur Aufgabe gemacht, die Motion Capture-Technologie zu erforschen. Seine Filme „Der Polarexpress“, „Die Legende von Beowulf“ und seine Version von Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“ waren allerdings weder besonders gut, noch konnten sie eine klare Antwort auf die Frage geben, warum man nun unbedingt Tom Hanks in einem Film fünf verschiedene Rollen spielen lassen muss, bloß weil es technisch möglich ist. (Sinnvoll eingesetzt und weiterentwickelt wurde Motion Capture schließlich von anderen, allen voran Peter Jackson mit Gollum im „Herrn der Ringe“, James Cameron bei „Avatar“ und auch Spielberg und Jackson bei „Tim & Struppi“). In Flight hat sich Zemeckis jedenfalls wieder auf seine alten Stärken zurück besonnen und ein Stück Kino abgeliefert, das zwar technisch und handwerklich brilliant ist, dies jedoch nicht zum Mittelpunkt und Selbstzweck macht. Auch Denzel Washingtons zu recht oscarnominiertes Schauspiel setzt eher auf Zurückhaltung statt Übertreibung und ist gerade deshalb so effektiv.

Was gab es sonst noch so für tolle, erwähnenswerte Filme? Da wäre Paul Thomas Andersons „The Master“, der sicherlich keine leicht zugängliche Kost darstellt, aber schon allein wegen der Schauspielleistungen seiner Hauptdarsteller sehenswert ist. Das gleiche kann man von „Prisoners“ behaupten, einem Film, dessen Düsternis meine Stimmung ganz schon in den Keller gezogen hat, in dem Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal aber voll überzeugen konnten. Äußerst begeistert war ich auch nach dem Anschauen von „Die fantastische Welt von Oz“, allerdings habe ich den starken Verdacht, dass sich das ändern würde, sollte ich den Film irgendwann ein zweites Mal sehen. Woody Allens „Blue Jasmine“ ist definitiv einer der stärkeren Filme des Regisseurs, wenn auch wie die meisten seiner Werke von zahlreichen Klischees durchzogen. Doch schon allein Cate Blanchetts Darstellung der titelgebenden Jasmine war den Kauf der Eintrittskarte wert und ich tippe mal darauf, dass sie für diese Rolle ihren zweiten Oscar erhalten wird. Tolles Schauspielkino gab es auch in „Saiten des Lebens“ („A Late Quartet“) zu sehen, in dem Christopher Walken, Philipp Seymour Hoffman, Catherine Keener und Mark Ivanir die Mitglieder eines Streichquartetts spielen, die sich unter anderem damit auseinandersetzen müssen, dass einer von ihnen an Parkinson erkrankt ist. Ach ja, und dann war doch noch „World War Z“, der von allen bisher genannten Filmen zwar der am wenigsten beeindruckende ist, den ich hier aber dennoch aufführen möchte, weil er ganz einfach so viel besser war als man erwartet hatte. Vielleicht steckte ja eine besondere Marketingstrategie des Studios dahinter – erst monatelang Informationshäppchen darüber in die Welt setzen, wie chaotisch die Dreharbeiten verlaufen und wie uneinig sich die Beteiligten über die Richtung sind, die der Film einschlagen soll, um dann am Ende mit einem zwar bei weitem nicht perfekten, aber eben doch ordentlichem und unterhaltsamen Zombie-Actionfilm zu überraschen.

Die bewegendste Schauspiellelistung des Jahres kam dieses Mal von Anne Hathaway in „Les Misérables“. Während ich den Film als ganzen nur mittelmäßig fand, hat mich ihre Darbietung von „I Dreamed A Dream“ selbst dann noch zu Tränen gerührt, wenn ich das Lied nur gehört habe. Ihre gesanglich nicht perfekte, aber gerade deswegen emotional so berührende Darbietung dieser Szene hat ihr vollkommen zu Recht den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle eingebracht. Und das schreibe ich nicht nur, weil ich Anne Hathaway neben Rebecca Hall für die schönste Schauspielerin der Welt halte und einen Anne Hathaway-Adventskalender an der Wand hängen habe! 😉

Weitere persönliche Filmhöhepunkte

Schließlich möchte ich noch ein paar Filme nennen, die zwar zum Teil schon älter sind, die ich aber 2013 zum ersten Mal gesehen habe und die ebenfalls zu meinen filmischen Höhepunkten zählten: Da wäre zunächst Hitchcocks „Psycho“, das ich tatsächlich erst dieses Jahr nachgeholt habe (als Vorbereitung auf „Hitchcock“, der von der Entstehung von „Psycho“ erzählt, aber leider eher durchwachsen ausgefallen ist). Auch „Der Zauberer von Oz“ habe ich erst 2013 zum ersten Mal gesehen (und zwar einige Tage nach dem Kinobesuch von „Die fantastische Welt von Oz“) und mich nicht nur sofort in den Film verliebt, sondern beim Anschauen auch endlich die zahlreichen Anspielungen auf den Film, die in vielen anderen Filmen und Liedern vorkommen, verstanden. Nach dem extrem enttäuschenden fünften „Stirb Langsam“-Film (siehe unten) habe ich auch endlich die mir noch fehlenden ersten beiden Teile der Reihe angeschaut und war überrascht davon, dass Teil 1 ja noch gar nicht so ein Actionfeuerwerk ablieferte, wie es vor allem die letzten beiden Filme taten. Die Stärken des Films liegen anderswo und gerade deswegen ist er so verdammt gut (Teil 2 dagegen konnte ich schon sehr viel weniger abgewinnen). Besser spät als nie habe ich 2013 auch endlich erkannt, was für ein erzählerisches Genie Joss Whedon ist. Mit seinem Werk war ich bisher kaum vertraut, nachdem ich aber den von Whedon geschriebenen und wirklich genialen „The Cabin In The Woods“ gesehen habe, verneige ich mich vor seiner Fähigkeit, uns mit der Dekonstruktion eines ganzen Genres zu unterhalten.

Auf dem Fantasy Filmfest habe ich in diesem Jahr drei Filme gesehen, von denen „The Philosophers“ der beste war. James D’Arcy spielt darin als Lehrer mit seiner Philosophieklasse ein Gedankenexperiment duch, das grausam endet. Nebenbei erfahren wir auch noch, auf welche weiterführende Schule Ginny Weasly aus den „Harry Potter“-Filmen nach ihrem Hogwarts-Besuch gegangen ist, deren Darstellerin Bonnie Wright spielt hier nämlich eine Schülerin. Ein Film, über den ich vorher so gut wie nichts wusste und der mich dann sehr beeindruckt hat, war Anton Corbijns Musikbiographie „Control“ (2007) über die Band Joy Divison und das tragisch kurze Leben ihres Leadsängers Ian Curtis. Sehr sehenswert! Auch einige Filme der Vorjahre habe ich 2013 noch nachgeholt: Darunter enttäuschende wie „Das Bourne Vermächtnis“, aber auch sehr gute wie „Ruby Sparks“, „Cloud Atlas“, „Chronicle“  oder Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ (2011). Letzterer hat mich emotional so sehr mit genommen, wie es nur ganz, ganz wenige Filme schaffen. Auf schonungslos offene Weise und ohne irgendetwas zu verbergen oder zu beschönigen erzählt Dresen darin die Geschichte einer deutschen Mittelstandsfamilie, deren Familienvater an einem Gehirntumor leidet. Von der Diagnose bis zum Tod begleitet Dresen diese Familie, und wenn das hier so klingt als handele es sich um einen Dokumentarfilm, dann deswegen, weil dieser Film fast so wirkt. So nah ist man dabei den Figuren, dass es wirklich fast schon körperlich weh tut. Ganz intimes, aber gleichzeitig ganz großes Kino und von seiner Intensität und emotionalen Wucht her einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

Die schlechtesten und enttäuschendsten Filme des Jahres

Ich habe es oben schon angedeutet: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ ist für mich die Filmgurke des Jahres. Ein über weite Strecken einfach nur peinlicher und höchstens unfreiwillig komischer Film. Warum, habe ich ja in meinem Post zum Film schon geschrieben. Auch „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ konnte ich fast nichts Positives abgewinnen. Kaum zündende Gags, eine wirklich schwache Inszenierung und teils lustlos wirkende Darsteller – mehr will ich dazu nicht mehr sagen. Warum ich mir „The Last Stand“ mit Arnold Schwarzenegger angeschaut habe, weiß ich selbst nicht so genau. Ich weiß nur, dass ich drei Abende dafür gebraucht habe, weil ich mir den Film einfach nicht an einem Stück antun konnte. Leider auch ziemlich daneben fand ich Sofia Coppolas „The Bling Ring“, der eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung der immer gleichen Szenen und Bilder bestand. Dass diese dann zum Teil recht ästhetisch anzuschauen waren, hat dem Ganzen auch wenig geholfen. Die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möche ich wegen „Man of Steel“. Dieses Superman-Reboot hat einen (optisch) wahnsinnig schönen Anfang, versucht aber leider, sich im weiteren Verlauf nur dadurch zu steigern, dass immer größere Häuser kaputt gemacht werden. Kann bitteschön mal irgendjemand Zack Snyder dazu zwingen, eine mit minimalem Budget ausgestattete Verfilmung eines Theaterstücks zu drehen, damit der Mann lernt, dass es auch im Kino auf interessante, emotional authentische Figuren und deren Beziehungen und Konflikte ankommt und nicht nur darauf, alles möglichst bunt und laut zu machen?

Dann waren da noch die beiden Filme über Terroristen, die das weiße Haus angreifen, von denen ich bis jetzt nur einen gesehen habe („Olympus Has Fallen“). Der war so belanglos und uninteressant, dass ich ihn größtenteils schon wieder vergessen habe. Baz Luhrmanns „Der große Gatsby“ dagegen war zwar nicht wirklich schlecht, kam aber auch nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Und von den großen Comicverfilmungen des Jahres habe ich zwar noch gar nicht alle gesehen, „Iron Man 3“ fand ich aber wesentlich weniger gut als die meisten anderen ihn fanden und „The Wolverine“ hatte zwar interessante Ansätze, scheiterte aber leider daran, diese auch zu einer interessanten und schlüssigen Geschichte zusammen zu packen.


Mein Serienjahr 2013

Alle Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe, habe ich wie erwähnt in einer Liste festgehalten. Bei den Serien habe ich das noch nicht gemacht, deswegen fällt es mir schwer, mich überhaupt noch an alle Serie zu erinnern, die ich in diesem Jahr gesehen habe. In den letzten zwei oder drei Monaten habe ich wenig Serien (und auch Filme) angeschaut, im Frühjahr und Sommer dagegen mehr. Eine Serie, mit der ich in diesem Jahr neu begonnen habe, war J.J. Abrams‘ „Alias“ (ich habe auch mehrmals darüber gebloggt, zuletzt hier). Die größten Pluspunkte der Serie sind ganz klar Jennifer Garners charismatische und energiegeladene Darstellung von Sidney Bristow und das hohe Erzähltempo, das den Zuschauer gar nicht zur Ruhe kommen lässt (und so auch den ein oder anderen Logikfehler verschleiert). Wirklich süchtig gemacht, so wie „Lost“, hat mich „Alias“ allerdins nicht, so dass ich nach der zweiten Staffel erst einmal abgebrochen habe. Ich möchte zwar irgendwann weiter schauen, aber es gibt halt noch viele andere tolle Serien. „True Blood“ gehört dazu nur bedingt. Während die erste Staffel aufgrund ihrer erfrischend ungekünstelten Darstellung des Fantastischen (das ist ein Euphemismus für „die Serie ist ziemlich erwachsen und brutal“ 😉 ) und der sozialkritischen Elemente überzeugen konnte, wanderten in den folgenden Staffeln leider die Soap-Elemente immer mehr in den Vordergrund, bis es irgendwann egal war, was in der Serie passierte, solange irgendetwas passierte. Die fünfte Staffel, die ich mir dieses Jahr angesehen habe, war zwar wieder besser als die vierte, aber ich bin und bleibe skeptisch. Die sechste und finale siebte Season werde ich mir wohl trotzdem noch ansehen.

Auch bei „Dexter“ handelt es sich um eine Serie, die wahnsinnig toll angefangen hat und irgendwann zwar nicht schlecht, aber doch recht belanglos wurde. Für mich kam dieser Punkt zwar später als für viele andere Zuschauer, nachdem ich dieses Jahr die vorletzte siebte Staffel gesehen habe, muss ich aber definitiv sagen, dass es besser gewesen wäre, die Serie schon nach fünf oder sechs Staffeln zu beenden und einige Entwicklungen, die erst in den späteren Staffeln stattfinden, etwas vorzuziehen. Immer noch faszinierend finde ich „Downton Abbey“. Die meisten der vielen hochgelobten Serien der letzten Jahre haben sich ja einige entscheidende Merkmale des Genres der Soap Opera zu eigen gemacht, „Downton Abbey“ dagegen erhebt diese von der Kritik eigentlich verachtete Form zum Hauptprinzip und feiert trotzdem bei Publikum, Preisverleihungen und Kritikern große Erfolge. Das liegt zum einen daran, dass hier anders als in vielen Daily Soaps erstklassige Schauspieler am Werk sind und natürlich auch daran, dass von „Downton Abbey“ nur sieben oder acht Folgen im Jahr produziert werden. Nachdem ich dieses Jahr die dritte Staffel und das daran anschließende Christmas Special gesehen habe, finde ich es schade, dass so viele Charaktere aus der Serie herausgeschrieben werden mussten, weil deren Darsteller aussteigen wollten. Die große Anzahl an tragischen Toden von Hauptfiguren tut der Serie nicht gut, aber schon allein wegen der großen Maggie Smith, die in jeder Folge einen großartigen Onliner bekommt, lohnt es sich, die Serie weiter anzuschauen. Auch der TV-Mehrteiler „Political Animals“ über eine an die Clintons angelehnte US-Politikerfamilie entpuppte sich in seiner schnellen Folge von Ereignisse wie Drogenmissbrauch, Seitensprüngen und Selbstmordversuchen leider als ziemlich Soap-lastig; genau wie bei „Downton Abbey“ fand ich das aber nicht schlimm, weil auch hier die Schauspieler (Cirián Hinds, Sigourney Weaver) großartig sind und das Ganze eben nur sechs Folgen lang dauerte. Aaron Sorkins „The Newsroom“ hat ähnliche Schwächen, wenn sie auch nicht so stark ausgeprägt sind. Erwartungsgemäß punktet die Serie mit ihren bisweilen messerscharfen Dialogen, die die Darsteller immer wieder zu Höchstleistungen antreiben.

Zu Beginn des Jahres habe ich mir eine zeitlang die Science Fiction-Kultserie “V – Die außerirdischen Besucher kommen” angeschaut, aber nach etwa zwei Dritteln abgebrochen. Vom Remake der Serie, das vor vor drei Jahren unter dem Titel „V – Die Besucher Premiere feierte und es nur (oder immerhin, je nach Sichtweise) auf zwei Staffeln brachte, habe ich mir die erste Staffel besorgt und komplett angesehen. Unbedings weiter schauen muss ich hier aber auch nicht. Viel besser gefallen hat mir als großem „Star Wars“-Fan natürlich die vierte Staffel von „Star Wars: The Clone Wars“. Gerade dass die Serie über ein so breites Spektrum an Charakteren verfügt und die unterschiedlichsten Geschichten erzählen kann, macht den Reiz dieser Serie aus, die zwar insgesamt auf ein jüngeres Publikum zugschnitten ist, aber auch sehr erwachsene Elemente beinhaltet. Momentan schaue ich mir die fünfte Staffel an und werde vielleicht auch dazu etwas schreiben.

Eine Serie, die ich von der ersten bis zur letzten Folge gesehen habe, war „Fringe“. Das Konzept der Science Fiction-/Mystery-Serie stammt mal wieder aus der Feder von J.J. Abrams. Mit der fünften Staffel bekamen die Macher der Serie die Gelegenheit, den sich durch alle Folgen ziehenden Handlungsbogen abzuschließen und ihrer Serie ein würdiges Ende zu verpassen. „Fringe“ zählt zwar nicht zu meinen All Time-Favoriten, weist aber definitiv einige erinnerungswürdige Momente und mit dem im Verlauf der Serie eingeführten Paralleluniversum auch ein interessantes Erzählkonzept auf. Nicht zuletzt John Nobles Darstellung des leicht verrückten, aber liebenswerten Professors Walter Bishop wird mir immer in schöner Erinnerung bleiben.

Bestimmt zwei Monate habe ich gebraucht, um mich durch die dritte Staffel von „Boardwalk Empire“ zu quälen. Die Serie ist eigentlich alles andere als schlecht, aber mit ihrem großen Figurenensemble und der nicht immer geradlinigen Erzählweise auch alles andere als übersichtlich und leicht konsumierbar. Steve Buscemi und auch einige andere Darsteller sind natürlich fantastisch, trotzdem ist die Serie nicht so mein Fall, so dass ich mir die vierte Staffel wohl nicht mehr anschauen werde. Definitiv weiter schauen werde ich aber bei „Hannibal“. Ich habe ja in meinem Post im Oktober schon geschrieben, wie begeistert ich von dieser Neuinterpretation der Themen und Figuren aus Thomas Harris‘ Roman „Roter Drache“ bin und ich hoffe, dass die Serie auch weiterhin großen Erfolg haben wird, damit Showrunner Bryan Fuller seinen Plan umsetzten und in den folgenden Staffeln auch noch die anderen Hannibal Lecter-Romane von Thomas Harris ins Fernsehen bringen kann.

Da war doch noch was…? Ach ja, „Breaking Bad“ natürlich! Auch wenn ich nicht über alle der im vergangenen Sommer gesendeten letzten acht Folgen gebloggt habe, waren diese letzten Folgen natürlich das Serienhighlight des Jahres! Und was für ein Finale das war, das ja eigentlich schon mit der Konfrontation zwischen Walter White und seinem Schwager Hank losging und sich dann über acht Wochen erstreckte. Nie zuvor hat eine Fernsehserie meinen Puls so in die Höhe getrieben! Die Macher von „Breaking Bad“ haben über fünf Staffeln in allen Bereichen – Schauspiel, Regie, Kamera, usw. – herausragende Leistungen abgeliefert, die herausragendste Leistung dürfte es aber gewesen sein, diese Qualität die ganze Serie lang durchzuhalten und einen großen Handlungsbogen mit glaubhaften und nachvollziehbaren Charakterentwicklungen abzuliefern, der wirklich keinen Durchhänger hatte und schließlich zu einem zufrieden stellenden Ende kam. Ganz bestimmt werde ich mir „Breaking Bad“ irgendwann noch einmal komplett ansehen.

Mein nächstes großes Serienprojekt wird wahrscheinlich „Buffy – The Vampire Slayer“. Wie erwähnt hat mich „The Cabin In The Woods“ endgültig zum Joss Whedon-Fan gemacht, so dass ich mich nun seinem opus magnum nicht länger verschließen kann. Eigentlich hatte ich geplant, schon 2013 mit „Buffy“ anzufangen und habe deswegen auch die aktuellen Staffeln einiger Serien erst einmal aufgeschoben (z.B. „Mad Men“, „Dexter“, „Game of Thrones“, „Downton Abbey“). Auch meine Lieblingsserie „Babylon 5“ werde ich wieder einmal von der ersten bis zur letzten Folge anschauen und hier darüber bloggen. Trotzdem hoffe ich natürlich, zwischendurch auch noch ein paar andere Serien einschieben zu können. Neben den genannten Serien, die ich weiter anschauen will, möchte ich endlich auch in „House of Cards“ reinschauen, mir die zweite Staffel von „The Newsroom“ gönnen und die erste Staffel von „Bates Motel komplett ansehen (die erste Folge hat mir definitiv Lust auf mehr gemacht).

Weiter geht’s 2014!

Eigentlich hatte ich noch geplant, hier auch noch die musikalischen Höhepunkte meines Jahres aufzulisten, aber der Post ist auch so schon lang genug. [Bowie!!!!!!!!! McCartney!!! Die neuen Alben von Elton John, Sting und Justin Timberlake!! Und Britney war auch wieder da, wenn auch nicht sooo gut. Dafür kam das sehr gute zweite Album von Foy Vance, den ich vor einer Woche auf einem fantastischen Konzert erleben durfte. So, das muss reichen. 😉 ]
Mit welchen TV-Serien ich ins neue Jahr starten will, habe ich ja gerade schon geschrieben. Auf welche Filme ich mich besonders freue, fällt mir spontan gar nicht ein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es noch so viele Filme aus diesem Jahr gibt, die ich noch sehen will. Am meisten freue ich mich zurzeit auf jeden Fall auf die drei neuen Folgen von „Sherlock“, die ich schon vorbestellt habe und wirklich kaum noch erwarten kann, schließlich gehören die ersten beiden Staffeln zum Besten, was das Fernsehen je hervorgebracht hat.

Ich wünsche jedenfalls nicht nur mir, sondern auch euch ein tolles neues Jahr, gespickt mit zahlreichen Kino- und Fernsehhöhepunkten! 🙂

Ruby Sparks

Spoilerwarnung: In diesem Text gehe ich auf die gesamte Handlung des Films, einschließlich seines Endes ein!

Vor etwa zwei Wochen habe ich endlich einen Film des Kinojahres 2012 nachgeholt, den ich schon lange sehen wollte: „Ruby Sparks“, vom Regieduo Jonathan Dayton und Valerie Faris, die uns auch schon den herrlichen „Little Miss Sunshine“ geschenkt haben. Das Drehbuch zu „Ruby Sparks“ hat die Schauspielerin Zoe Kazan geschrieben, die sich wohl aus Frust, einfach keine guten Rollenangebote zu bekommen, einfach eine Traumrolle auf den Leib geschrieben hat. Sie spielt nämlich hier nämlich jene Ruby, die dem Film seinen Namen gibt.

„Ruby Sparks“ ist einer jener Filme, die man schon allein deswegen sehen muss, weil sich ihre zentrale Storyidee so genial anhört – zumindest ging es mir so. „Ein junger Autor schreibt über seine Traumfrau, bis diese erfundene Figur eines Tages Wirklichkeit wird“, so etwa könnte man „Ruby Sparks“ in einem Satz zusammenfassen. Paul Dano spielt diesen Autor, der auf den Namen Calvin Weir-Fields hört. Calvin ist Ende zwanzig, vielleicht gerade dreißig und hat vor zehn Jahren einen Roman geschrieben, der zum Bestseller geworden ist. Der Film beginnt damit, dass ein befreundeter Autor, Langdon Tharp (Steve Coogan), vor einer Lesung Calvins eine kurze Rede hält und allein in dieser Rede erfahren wir schon eine ganze Menge über den Autoren Calvin Weir-Fields. So erwähnt Tharp beispielsweise, dass gerade eine „10th anniversary edition“ von Calvins gefeiertem Romandebüt erschienen ist. Oder dass er wie alle anderen auch die Kurzgeschichten, die Calvin in den letzten Jahren veröffentlicht hat, sehr genossen hat. Oberflächlich betrachtet lobt er Calvin und sein Buch mit seinen Worten, doch durch die Blume sagt er damit nichts anderes als „Wir warten immer noch auf deinen zweiten Roman!!!“.

Calvin wohnt alleine in einem Haus, von dem andere in seinem Alter nur träumen können. Sein Buch scheint ihm also immer noch genügend Geld einzubringen. Den Leuten vom Verlag und allen anderen Menschen, die ihm mit den Fragen nach einem zweiten Roman in den Ohren liegen, versichert er immer wieder, fleißig an einem weiteren Buch zu schreiben. Tatsächlich steckt er aber in einer Schreibblockade. Auch mit dem anderen Geschlecht läuft es nicht so, wie Calvin es sich vorstellt. Seine einzige Beziehung ist schon ein paar Jahre her und er selbst stört sich daran, dass er meist nur von Mädchen angehimmelt wird, die sein Buch in der Highschool gelesen haben und nicht wirklich an ihm selbst interessiert sind.

All diese Probleme redet er sich regelmäßig bei seinem Therapeuten Dr. Rosenthal (Elliott Gould) von der Seele. Dieser stellt ihm am Ende einer Sitzung die Aufgabe, eine Seite über eine junge Frau zu schreiben, die Calvins Hund Scotty mag (was ein wichtiges Kriterium für Calvin zu sein scheint). Es bleibt jedoch nicht bei einer Seite. Ruby Sparks, wie er jenes fiktive Mädchen nennt, verhilft ihm endlich zu jener Inspiration, an der es ihm so lange gemangelt hat. Und so beginnt sich aus der einen Seite bald ein Manuskript zu einem neuen Roman zu entwickeln. So weit, so gut. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Ruby leibhaftig in Calvins Haus auftaucht.

Noch bevor das geschieht, gibt Calvin seinem Bruder Harry (Chris Messina) die ersten Seiten seines Manuskripts zu lesen. Dieser kann Calvins Beschreibung von Ruby jedoch wenig Gutes abgewinnen und behauptet, Calvin würde sich nicht mit Frauen auskennen. „Women are different up close“, lautet einer seiner gut gemeinten Ratschläge. Doch das Entscheidende an Calvins Text ist ja gerade, dass er sich darin um die Realität überhaupt nicht kümmert. Seine Ruby entspringt einem Traumbild und als solches formuliert er sie auch weiter aus. Sie behauptet, gar nicht auf Typen wie ihn zu stehen, ist aber natürlich trotzdem vollkommen in ihn verliebt. Sie ist fröhlich, wagemutig, ein wenig verrückt und bringt damit in ihm genau die Seiten seiner Persönlichkeit hervor, die er bislang kaum ausgelebt hat.

Paul Dano spielt Calvins Verwirrung und Verstörung unmittelbar nach dem Auftauchen Rubys wirklich wunderbar. Nachdem er den ersten Schock überwunden hat, testet er schließlich noch aus, ob auch andere Menschen Ruby sehen können und als sich dies bestätigt, hat er immerhin die Gewissheit, dass er nicht verrückt geworden ist. Etwa nach 30 Minuten des Films kam mir der Gedanke, dass Ruby vielleicht gar nicht plötzlich aufgetaucht ist, sondern schon immer da war. Was also, wenn nicht das plötzliche Erscheinen Rubys „irreal“ wäre, sondern im Gegenteil die Zeit davor, als sie nicht da war? Dann würde der Film davon erzählen, wie sich Calvin aus einer schweren psychischen Krise heraus geschrieben hat und endlich wieder die Realität sehen konnte. Die Tatsache, dass Harry von Rubys Erscheinen genauso überrascht ist wie Calvin, hat diese Theorie aber schnell wieder zunichte gemacht. Ruby ist also tatsächlich Calvins Vorstellung ent-sprungen, im wahrsten Sinne des Wortes. „She’s out of his mind“, wie es in der englischen Tagline des Films heißt.

Nachdem auch Calvins Bruder Ruby kennen gelernt hat und von der unglaublichen Tatsache überzeugt worden ist, dass alles, was Calvin über sie schreibt, sofort Realität wird, erscheint ihm diese Vorstellung geradezu paradiesisch. Lange Beine und große Brüste sind die ersten Stichworte, die ihm dazu einfallen – Calvin könne seine neue Freundin nun genau so schreiben, wie sie ihm gefällt! Der nachdenklichere Calvin teilt den Enthusiasmus seines Bruders jedoch nicht vollkommen und scheint zu ahnen, dass die Möglichkeit, Ruby nach Belieben umzuschreiben auch Gefahren birgt. Er beschließt, keine einzige Zeile mehr über Ruby zu schreiben.

Nachdem Calvin und Ruby ein Wochenende bei Calvins Mutter (phantastisch: Annette Bening) und deren Lebensgefährten (dito: Antonio Banderas) verbracht haben, zeigt die bis dahin so harmonische Beziehung zwischen den beiden jedoch erste Risse. Ruby möchte plötzlich mehr Freiraum haben und nicht mehr ständig mit Calvin zusammen wohnen. Auf einmal ist sie nicht mehr die von Calvin erdachte Traumfrau und die Beziehung der beiden wirkt wie eine ganz normale Beziehung mit ihren Höhen und Tiefen. Calvin, der all das nicht akzeptieren will, holt schließlich doch das Manuskript wieder aus der Schublade und beginnt, wieder über Ruby zu schreiben.

Er schreibt also erst einmal, dass es Ruby schlecht geht, sobald sie nicht in seiner Nähe ist. Danach möchte sie zwar keinen Abstand mehr von ihm gewinnen, dafür ist aber das Gegenteil der Fall: Sie klebt förmlich an ihm und beginnt schon zu weinen, wenn er nur mal schnell aufs Klo geht. Calvin setzt sich also erneut an seine Schreibmaschine und schreibt, dass Ruby fröhlich ist. Das führt dann dazu, dass sie mit einem Dauergrinsen durch die Welt läuft und einfach alles und jeden wahnsinnig toll findet, ganz egal was man zu ihr sagt. Egal also was Calvin über Ruby schreibt, sie fühlt und tut und sagt ganz genau das, was er schreibt. Wie also kann Calvin überhaupt wissen, ob Rubys Gefühle für ihn tatsächlich von Herzen kommen, wie man so schön sagt? An dieser Stelle macht der Film ein Problem jeder romantischen Paarliebe deutlich: Die Notwendigkeit, dem Partner die Aufrichtigkeit der eigenen Liebe, der eigenen Gefühle zu vermitteln. Wenn romantische Liebe, wie es der Soziologe Niklas Luhmann beschreibt, eine „Passion“ ist, also ein Seelenzustand, der von einem Besitz ergreift und unter dessen Einfluss man eben nicht anders kann, als sich nach einer anderen Person schrecklich zu sehnen, sie zu lieben, dann muss diese Passion glaubwürdig und aufrichtig zum Ausdruck gebracht werden. Denn der Partner kennt dieses Bild von der „Liebe als Passion“ ebenfall und erwartet dementsprechend, dass man die eigene Liebe in Übereinstimmung mit diesem Bild zum Ausdruck bringt – ganz genauso, wie man das wiederum selbst tun muss, um den Partner zu überzeugen. Liebe muss also aus einem selbst kommen, darf keinen anderen Grund haben als sich selbst, sonst wirkt sie nicht glaubwürdig.

Genau da liegt in „Ruby Sparks“ das Problem: Rubys Liebe zu Calvin entspringt eben nicht Rubys Herzen, sondern Calvins Schreibmaschine! „How do I know it’s real?“, fragt Calvin seinen Bruder, nachdem er Ruby mehrmals „umgeschrieben“ hat. Er hat inzwischen selbst gemerkt, dass er sich überhaupt nicht sicher sein kann, ob Rubys Gefühle für ihn – sei es Zuneigung oder Abscheu – „real“ sind. Für Calvins Bruder ist die Sache klar: „It’s not.“, beantwortet er die Frage, doch Calvin entgegnet, dass das nicht stimmt. Denn für ihn ist Ruby ja real. Er kann mit ihr reden, er kann sie berühren, er lebt seinen Alltag mit ihr zusammen. Doch nun, als sie ständig fröhlich ist, wird ihm klar, dass sie zugleich eben nicht real ist, weil sie zwar aus Fleisch und Blut vor ihm steht, ihr inneres Wesen und ihre Gefühle jedoch von ihm diktiert werden können. Ihre Liebe zu ihm kommt nicht aus ihr selbst, beruht auf keiner Passion. Ganz egal was Ruby sagt oder tut, die Aufrichtigkeit ihrer Liebe kann sie Calvin nicht vermitteln.

Calvin versucht also, sich wieder aus diesem Schlamassel heraus zu schreiben und schreibt, dass Ruby sich eben so fühlt, wie sie sich gerade fühlt. Also weder durchgehend fröhlich, noch in ständiger Sehnsucht nach ihm. Das Ergebnis sind extreme Stimmungsschwankungen Rubys, die ihm natürlich auch nicht passen. Kurz darauf trifft Calvin auf einer Party auf seine Ex-Freundin Lila (gespielt von Deborah Ann Woll, bekannt als Jessica aus „True Blood“), die zu ihm den schönen Satz sagt „The only person you wanted to be in a relationship with was you“. Genau das hat er ja mit Ruby nun erreicht, denn wie schon erwähnt: „She’s out of his mind.“

Nach der Party kommt es zu einem heftigen Streit zwischen Calvin und Ruby. „You don’t get to decide what I do!“, schreit Ruby Calvin an. „Wanna bet?“, entgegnet Calvin kühl und ich habe mir an dieser Stelle gedacht: Was für ein Arschloch! Denn was nun folgt, kann man sich denken… Ein anderer Gedanke kam mir übrigens auch noch: Wie unheimlich wäre diese Geschichte gewesen, wenn man sie nicht aus Calvins Perspektive erlebt hätte, sondern aus Rubys? Wenn der Film also von einer Person erzählt hätte, die allmählich dahinter kommt, dass mit ihrem Leben etwas nicht stimmt und schließlich heraus findet, dass sie die Realität gewordene Kreation eines Schriftstellers ist? Auf jeden Fall wäre es eine ganz andere Art von Film geworden.

Erneute Spoilerwarnung: Nun gehe ich auf das Ende des Films ein!!

„Ruby Sparks“ hat mir sehr gut gefallen. Großartige Schauspieler in allen Rollen und ein hervorragendes Drehbuch mit wunderbaren Dialogen – was will man mehr? Man kann den Film interpretieren als die Geschichte eines jungen Mannes, der eine psychische Krankheit überwindet. Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, war die letzte Szene, in der Calvin – nachdem Ruby wieder verschwunden ist – ein reales Mädchen trifft, das haargenau wie Ruby aussieht. Das war mir ein bisschen zu märchenhaft. Es kann allerdings auch bedeuten, dass er immer noch verrückt ist und seine Krankheit noch nicht überwunden hat. Ich hätte den Film jedenfalls zwar ebenfalls mit dieser Szene enden lassen, das Mädchen aber von einer anderen Schauspielerin spielen lassen. Denn dass er wirklich seine Traumfrau trifft, das ist mir wie gesagt zu märchenhaft. Immerhin beschert uns der Film in dieser letzten Szene eine weitere wunderschöne Dialogzeile:

„Maybe we knew each other from another life. Or maybe we just go to the same coffee shop.“