Larry David und die ungeschriebenen Gesetze der Gesellschaft

Zurzeit schaue ich mich zum zweiten Mal durch alle Folgen von „Curb Your Enthusiasm“. Die Serie von, mit und über „Seinfeld“-Erfinder Larry David ist eine meiner Lieblingsserien (ich würde sie sogar in meine Serien Top 3 einordnen).

Larry David spielt darin eine fiktive Version seiner selbst und schafft es in fast jeder Folge, gegen ungeschriebene soziale Gesetze zu verstoßen und seine Mitmenschen zu kränken oder beleidigen. Noch schlimmer wird das Ganze oft, weil Larry einen unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn hat und es einfach nicht lassen kann, andere Leute zu korrigieren und zu belehren, wenn sie seiner Meinung nach etwas falsch gemacht haben.

Irgendwann werde ich einmal einen größeren Artikel oder Blogpost über die Serie schreiben. Hier will ich nun einfach ein Zitat aus der Serie festhalten (auch damit ich es mir selber merke und zur Hand habe, wenn ich diesen Blogpost schreibe). Es stammt aus Epiosde 6.03, in der Larry zu Beginn in einer Eisdiele darauf wartet, bedient zu werden. Allerdings missbraucht die Kundin vor ihm seiner Ansicht nach ihr „sampling privilege“ und lässt sich von einer Eissorte nach der anderen Gratisproben geben, nur um schließlich eine einfache Kugel Vanilleeis zu bestellen. Der ungeduldig wartende und genervte Larry kann natürlich nicht anders, als das Geschehen kritisch und ironisch zu kommentieren. Als er nach Hause zu seiner Frau kommt, stellt sich dummerweise heraus, dass die Frau aus der Eisdiele die Leiterin einer Privatschule ist, auf die Larrys Freund und Manager Jeff seine Tochter schicken will. Auch Larry hat einen Gesprächstermin bei ihr, da er und seine Frau zurzeit eine Familie von obdachlosen Hurrikanopfern bei sich aufgenommen haben, deren Tochter ebenfalls auf die Schule gehen soll. Mit seinem Verhalten in der Eisdiele hat Larry nun mal wieder alles verbockt. Als seine Frau Cheryl ihm deswegen Vorwürfe macht, versucht er sein Verhalten zu rechtfertigen:

Larry: „She was breaking the rules. She wasn’t following the rules of society.“

Cheryl: „What rules?“

Larry: „The unwritten rules that we have as we go about our day.“

Cheryl: „Like what?“

Larry: „Like at night, you tiptoe. That’s an unwritten rule. You tiptoe, so you don’t wake people up. You tiptoe. There’s no sign ‚tiptoe‘, you just have to be smart enough and considerate enough to do it.“

Babylon 5 – Episode 1.12 „By Any Means Necessary“

J. Michael Straczynskis neue Serie „Sense8“ ist inzwischen auf Netflix zu sehen und ich werde natürlich auch dazu einen Blogpost schreiben (es dauert allerdings noch eine Weile, bis ich dazu komme). Bei „Babylon 5“ bin ich nun bei der zwölften Folge der ersten Staffel angekommen. Bei der nächsten Episode handelt es sich dann um eine meiner Lieblingsfolgen und auch um die Folge, die der ganzen ersten Staffel ihren Titel gibt („Signs and Portents“). Danach werde ich von der Reihenfolge auf den DVDs abweichen und mich an die von J. Michael Straczynski vorgeschlagene Reihenfolge halten. Darauf werde ich aber im nächsten Blogpost noch einmal genauer hinweisen. Jetzt widme ich mich erst einmal der aktuellen Folge:

Episode 1.12 „By Any Means Necessary“ („Mit allen Mitteln…“)

Drehbuch: Kathryn M. Drennan, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 11.05.1994 (USA), 22.10.1995 (Deutschland)

Die Handlung dieser Episode dreht sich um eine Angelegenheit, die man 1994 nicht unbedingt in einer Science-Fiction-Serie erwartet hätte: Die Arbeitsbedingungen der Dockarbeiter auf Babylon 5 und den (illegalen) Streik, in den sie treten, nachdem einer von ihnen bei einem Unfall ums Leben gekommen ist und die Erdregierung danach  immer noch nicht zu Zugeständnissen bereits ist.
Die Folge beginnt mit dem ganz alltäglichen Chaos, mit dem sich Susan Ivanova (Claudia Christian) konfrontiert sieht. Zu ihren Aufgaben gehört es, ankommende Schiffe über Funk in die Andockbuchten zu lotsen. Als sich der Captain des Narn-Frachters Tal’Quith nicht an Ivanovas Anweisungen hält, kommt es zu einem tragischen Unfall, bei dem nicht nur ein Teil des Schiffes explodiert, sondern auch ein Dockarbeiter getötet wird. Dabei bekommen wir nicht nur Ivanova zu sehen, die den Schiffsverkehr aus der Kommandozentrale regelt, sondern werfen auch einen Blick in die Andockbuchten, wo unter den Arbeitern rege Geschäftigkeit und schließlich Chaos herrschen. Genau dies unterscheidet die Episode von zahlreichen anderen Science Fiction-Serien, in denen häufig nur Offiziere, Wissenschaftler und Diplomaten im Mittelpunkt stehen (und es wird in der fünften Staffel eine weitere Folge geben, die aus der Sicht zweier einfacher Arbeiter auf der Station erzählt wird).

Der getötete Arbeiter war der Bruder des leitenden Dockarbeiters Eduardo Delvientos (José Rey), entsprechend groß ist Delvientos‘ Wut. Neeoma Connally (Kate Boyer), die Sprecherin der Dockarbeiter, macht Sinclair klar, dass sich die Arbeitsbedingungen der Dockarbeiter ändern müssen. Zu lange schon arbeiten sie für geringen Lohn, machen zu viele Überstunden und sind zudem auch noch schlecht ausgerüstet. Alle bisherigen Versprechungen der Erdregierung, daran etwas zu ändern, sind ohne Konsequenzen geblieben. Sinclair ist sich dieser Probleme bewusst. Schon lange versucht er, den Senat von einer Erhöhung des Budgets für Babylon 5 zu überzeugen. Dass er dabei keinen Erfolg hatte, zeigt wieder einmal, dass die vor etwa eineinhalb Jahren unter so großen Hoffnungen in Betrieb genommene Raumstation auf der Erde längst nicht mehr wirklich wichtig genommen wird. Babylon 5 ist weit weg von der Erde, wo man zudem andere, viel wichtigere Probleme hat. In einem Gespräch mit Senator Hidoshi (Aki Aleong) macht Sinclair diesem die Dringlichkeit der Situation klar, muss jedoch erneut hören, dass der Senat das Budget für Babylon 5 vorerst nicht erhöhen wird.

Da es den Dockarbeitern vertraglich verboten ist, zu streiken, melden sich die meisten von ihnen krank. Sicherheitschef Michael Garibaldi konfrontiert Connally damit und sagt ihr ohne Umschweife, dass es sich dabei um einen illegalen Streik und eine seiner Meinung nach sehr dumme Idee handelt. Connally hatte sich von Garibaldi eigentlich mehr Verständnis erhofft, da sie in ihm einen „blue-collar worker“ sieht, also ebenfalls einen Angehörigen der Arbeiterklasse.
Auch Sinclair ist von der Entwicklung natürlich nicht begeistert. Falls die Dockarbeiter nicht zurück an die Arbeit gehen, droht die Durchsetzung des „Rush Act“, eines Gesetzes, das die Beendigung des Streiks mit allen Mitteln erlaubt. Connally hält dies für unwahrscheinlich, doch Sinclair warnt sie: „Don’t be so sure about this. Things are changing on Earth, and not all for the best.“ Was er ganau damit meint, darüber können wir nur spekulieren. (Wie so oft handelt es sich dabei um eine Entwicklung, die vor allem im Rückblick klar wird. Fürs erste sollte der „Babylon 5“-Zuschauer Sinclairs Worte einfach mal im Hinterkopf behalten.) Connally bleibt jedenfalls hart und fordert für ihre Arbeiter eine angemessene Bezahlung, bessere Ausrüstung und mehr Arbeitskräfte. Bevor diese Bedingungen erfüllt werden, kehren ihre Leute nicht an die Arbeit zurück.

Um eine Beendigung des Streiks zu erreichen, schickt der Senat einen Schlichter auf die Station. Orin Zento (John Snyder) scheint allerdings entweder ein sehr merkwürdiges Verständnis der Bezeichnung „Schlichter“ zu haben oder aber er wurde vom Senat nicht dazu bevollmächtigt, irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Er wiederholt im Gespräch mit den Arbeitern jedenfalls nur das ewige Mantra, die Zeiten seien schlecht und es müsse gespart werden. Dass das Militätbudget der Station erhöht worden ist, erklärt er damit, dass Babylon 5 nun mal eine militärische Einrichtung sei, die essentiell zur Verteidigung der Erde essentiell ist. Warum eine weit von der Erde entfernte Raumstation so wichtig für die Verteidigung der Erde sein soll, verrät er allerdings nicht.
Auch wie sich der Senat von Zento irgendeine Entschärfung der Situation erhofft hat, bleibt angesichts von dessen Verhalten ein Rätsel. Es tritt dann auch genau das Gegenteil ein: die Arbeiter treten nun offiziell in einen illegalen Streik. Als Zento auch danach zu keinerlei Zugeständnissen bereit ist, setzt der Senat den Rush Act durch – und falls es das war, was Zento und der Senat von Anfang an wollten, dann haben sie nicht mit Sinclairs Einfallsreichtum gerechnet. Der bekommt nämlich von Senator Hidoshi die klare Anweisung, nun so mit der Lage umzugehen, wie er es für richtig hält. Er überrascht alle Anwesenden, als er vor die Arbeiter tritt und eine Lösung für das Problem vorschlägt, die erst durch die ihm durch den Rush Act eingeräumten Vollmachten möglich geworden ist und die wohl niemand vorhergesehen hat. Er verwendet einfach 1,3 Millionen Credits des erhöhten Militärbudgets, um neue Ausrüstung anzuschaffen und neue Arbeitskräfte einzustellen. Zento ist fassungslos, Connally und ihre Arbeiter sind überglücklich. Von Zento darauf angesprochen, dass diese Handlung wirklich nicht im Sinne des Rush Acts sei, erwidert Sinclair: „You should never hand someone a gun unless you’re sure where they’ll point it. Your mistake.“ Doch Zento spricht seinerseits eine Warnung an Sinclair aus: „You know damn well you twisted the intent of that order and you won’t get away with it!“ Und selbst Hidoshi, der Sinclair zwar zu seinem Einfall gratuliert, stellt fest: „This time you’ve won.“ Doch was ist beim nächsten Mal? Sinclair habe Zento in Verlegenheit gebracht und sich damit auch dessen mächtige Freunde zu Feinden gemacht, sagt Hidoshi. „You are not the most popular person in government circles right now.“
Fürs erste hat Sinclair jedoch gewonnen und darf sich endlich über ein paar Stunden Schlaf freuen. Im Lauf der Episode wirkt er immer müder, macht sich irgendwann nicht einmal mehr die Mühe, die Jacke seiner Uniform zu schließen und ist auch erkennbar unrasiert. Schön, dass man auf solche Details geachtet hat. Überhaupt liefert Michael O’Hare als Sinclair hier eine seiner besseren Leistungen ab.

Nicht nur der Streik der Dockarbeiter beansprucht in dieser Folge Sinclairs Aufmerksamkeit. Als wäre das nicht genug, streiten sich auch noch G’Kar und Londo – um eine Blume. Wie wir im Laufe der Episode erfahren, ist G’Kar ein Anhänger G’Quans und muss als solcher einmal im Jahr ein bestimmtes Ritual durchführen, für das er eine G’Quan Eth – eine ganz besonders seltene Blume von seiner Heimatwelt – braucht. Bei der Beschädigung des Narn-Frachters zu Beginn der Episode wird die von ihm bestellte Blume leider vernichtet. G’Kars Bemühungen um einem Ersatz bringen schnell zutage, dass es auf Babylon 5 momentan noch eine weitere G’Quan Eth gibt – und die befindet sich im Besitz von Londo Mollari. G’Kar durchsucht persönlich (und erfolglos) Londos Quartier, sehr zu Londos Belustigung, der G’Kar weiter ärgert, indem er ihm mitteilt er wolle die Pflanze als Rauschmittel verwenden. Londo macht ihm allerdings auch ein Angebot: für 50.000 Credits ist er bereits, die Blume zu verkaufen. Wütend stürmt G’Kar aus Londos Quartier.
Als er sich kurz darauf doch entscheidet, die horrende Summe zu bezahlen, ist Londo plötzlich nicht mehr zu einem Verkauf bereit. „Consider this a small, a very tiny portion of revenge for what you did to our colony on Ragesh 3 and to my nephew“, sagt er zu G’Kar, auf die Ereignisse der ersten Folge anspielend.
G’Kar ist außer sich vor Wut. Als er sich wieder beruhigt hat, bittet er in seiner Verzweiflung Sinclair um Hilfe, der inmitten des Dockarbeiterstreiks eigentlich gar keine Zeit hat. Dennoch nimmt sich Sinclair der Sache an und appeliert in einem persönlichen Gespräch an Londo, dieser möge die Blume G’Kar überlassen. Doch Londo macht keinen Hehl aus seiner Verachtung und seinem Hass auf G’Kar und die Narn im Allgemeinen. Ihm geht es hier wirklich nur um Rache und darum, G’Kar zu schaden.

G’Kar wiederum beauftragt Na’Toth, eine wertvolle Gottesstatue aus dem Centauri-Kulturzentrum auf der Station zu stehlen. Als Londo und G’Kar, sich gegenseitig wüst beschimpfend, in die Kommandozentrale kommen, lässt Sinclair sie von Ivanova zusammen mit einer ebenfalls nervenden Reporterin (die wir bereits aus „Infection“ kennen) hinauswerfen. Letztendlich gibt Londo die Blume im Austausch gegen die Statue zwar her, aber für das Ritual ist es inzwischen zu spät. Doch genau wie mit seiner Auflösung des Streiks der Dockarbeiter überrascht Sinclair auch dieses Mal mit seinem Vorschlag. Das Licht des Sonnenaufgangs auf G’Kars Heimatwelt, bei dem das Ritual durchgeführt werden muss, erreicht Babylon 5 erst einige Zeit später. Der Zeitpunkt für das Ritual sei also noch nicht verstrichen. G’Kar zeigt sich von dieser Einsicht Sinclairs beeindruckt. „Commander, you are a far more spiriutal man than I gave you credit for“, sagt er zu ihm. Am Ende der Episode kann G’Kar die religiöse Zeremonie also doch noch durchführen.
Einmal mehr stellt „Babylon 5“ mit diesem Handlungsstrang das Thema Religion in den Vordergrund. In „The Parliament of Dreams“ hatten wir religiöse Zeremonien der Centauri und der Minbari erleben dürfen, hier wird nun der Glaube der Narn thematisiert. Dabei erfahren wir, dass die Narn keineswegs alle derselben Religion angehören. G’Kar ist ein Anhänger G’Quans und Na’Toth erwähnt, ihr Vater sei ein Anhänger G’Lans (während sie selbst nicht religiös sei). Wie fast immer behandelt „Babylon 5“ das Thema mit großem Respekt und genau wie in „Believers“ kommt es zum Schluss zu einer überraschenden Wendung, dieses Mal zum Positiven. Sinclairs Charakter wird durch beide Handlungsstränge dieser Episode erweitert. Es wird klar, dass er zu kreativen Lösungen fähig ist und sich von scheinbar ausweglosen Situationen nicht entmutigen lässt, sondern einen klaren Kopf behält. Dass ihm seine Bereitschaft, damit andere Leute zu verärgern, in Zukunft noch Ärger einbringen wird, wird in der Episode bereitis angedeutet. Auch G’Kar, der in den ersten Folgen der Serie noch als zweidimensionaler Bösewicht erschien, darf hier nach „Mind War“ einmal mehr auch eine andere, spirituelle Seite zeigen. Die Sympathie der Zuschauer im Konflikt zwischen Londo und G’Kar ist hier klar auf G’Kars Seite.

Bester Londo/G’Kar-Moment und zugleich Highlight der Episode: Londos Geste und sein „Huu huuu!“ in Richtung G’Kar hinter den sich gerade vor Londo schließenden Aufzugtüren, als G’Kar erfährt, dass Londo im Besitz einer G’Quan Eth ist.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig oder einfach nur interessant sind, erhalten wir in dieser ersten Episode:

  • Garibaldi entstammt einer Familie der Arbeiterklasse. Das können wir nicht nur den Aussagen von Ms. Connally entnehmen, sondern auch seiner Bemerkung, seine Großmutter sei Polizistin in Boston gewesen.
  • G’Kars Aussage, Sinclair sein ein viel spirituellerer Mensch, als er bisher gedacht habe, sollte man einfach mal im Hinterkopf behalten…
  • Ich habe es oben schon angesprochen: Sinclairs Entscheidung wird für ihn noch Konsequenzen haben. Ich verrate hier noch nicht welche, aber es sollte klar geworden sein, dass Sinclair zwar der Commander der Station, als solcher aber auf Babylon 5 nicht allmächtig ist. Er muss sich seinen Vorgesetzten und dem Senat gegenüber verantworten. Seine Entscheidung ist zwar legal, aber da sie nicht im Sinne des Rush Act war, dürfte er damit ein paar wichtige Leute auf der Erde verärgert haben.

Sonstige Fragen:

  • Welche Konsequenzen wird Sinclairs Handeln für ihn haben? Wer sind die mächtigen Freunde von Orin Zento und was können bzw. werden sie tun, um es Sinclair heimzuzahlen?
  • Es gibt ein Centauri-Kulturzentrum auf Babylon 5? Davon hört man in der Serie nie wieder, ebenso wenig von anderen Kulturzentren.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Kathryn M. Drennan, die das Drehbuch zu dieser Episode geschrieben hat, war damals mit J. Michael Straczynski verheiratet. Um den Vorwurf der Vetternwirtschaft gar nicht erst aufkommen zu lassen, wollte er sie zunächst überhaupt kein Drehbuch zur Serie beisteuern lassen. Schließlich ließ er sich doch dazu überreden, bestand aber darauf, dass er ihr keine Storyidee zuteilte, sondern sie ihre eigene Idee entwickeln musste und dass das Drehbuch zudem sämtliche prüfenden Stationen zu durchlaufen hatte, wie alle anderen Drehbücher auch. Hätte nur eine der Personen, die das Drehbuch dabei lasen (und nicht wussten, dass es von JMS‘ Frau stammte), einen Einwand dagegen gehabt, dann wäre das Drehbuch nicht in Produktion gegangen, schrieb JMS damals in dem Internetforum, in dem er sich mit seinen Fans austauschte.
  • Regisseur Jim Johnston hat einen Cameoauftritt in der Folge. Er ist derjenige unter den Dockarbeitern, der „I say we strike!“ brüllt. Auch zahlreiche weitere Crewmitglieder sind als Statisten unter den Dockarbeitern zu sehen.
  • John Snyder, der hier Orin Zento spielt, war bereits in „Soul Hunter“ als der zweite Seelenjäger zu sehen.
  • Der „Rush Act“ wurde nach Rush Limbaugh benannt, einem konservativen Talkshow-Gastgeber in den USA.

Zitate:

G’Kar: „What do you believe in?“
Na’Toth: „Myself, ambassador.“
G’Kar: „Too easy an answer. We all believe in something greater than ourselves. Even if it’s just the blind forces of chance.“
Na’Toth: „Chance favours the warrior.“

Londo: „This isn’t about money, Commander, or spiritual beliefs. G’Kar is only worried about losing face. The Narns, eh. The’re a barbaric people. They’re all pagans, still worshipping their sun. No, I would rather burn the plant than give it to him.“

Sinclair (zu Orin Zento): „You should never hand someone a gun unless you’re sure where they’ll point it.“

Sinclair (zu Londo und G’Kar): „Gentlemen, I’ve been up for almost two days with no sleep. This makes me a very cranky man.“
Londo: „Yes, we’ve noticed. Have you considered meditation?“

Neeoma Connally: „My dad used to say there are no happily ever afters, just new battles.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.13 „Signs and Portents“

Babylon 5 – Episode 1.11 “Survivors”

Es dauert nicht mehr lange, bis die erste Staffel von „Sense8“, der neuen Serie von „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) auf Netflix zu sehen sein wird. Inzwischen wurden mehrere Trailer zu „Sense8“ veröffentlicht, zum Beispiel dieser hier:

Nun aber hurtig weiter zur nächsten „Babylon 5“-Folge (mit der wir immerhin die Hälfte der ersten Staffel hinter uns haben):

Episode 1.11 “Survivors” (“Ein Wiedersehen mit Folgen”)

Drehbuch: Marc Scott Zicree, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 04.05.1994 (USA), 15.10.1995 (Deutschland)

„Survivors“ ist eine interessante Episode. Statt wie üblich eine Haupt- und eine oder mehrere Nebenhandlungen finden wie hier nur eine Haupthandlung vor. Im Mittelpunkt steht Sicherheitschef Michael Garibaldy (Jerry Doyle). Seine problematische Vergangenheit und sein alles andere als geradliniger Lebenslauf wurden in der Serie bereits mehrmals angedeutet. Seinen Posten auf Babylon 5 hat er allein seiner Freundschaft mit Sinclair zu verdanken, der weiß, dass er sich auf Garibaldi verlassen kann.
Aus einer Nachrichtensendung des Senders ISN (Interstellar News Network) erfahren wir, dass Luis Santiago, der Präsident der Erdallianz, zu einem offiziellen Besuch auf Babylon 5 erwartet wird. Selbstverständlich macht ein solcher Besuch hohe Sicherheitsvorkehrungen nötig. Lianna Kemmer (Elaine Thomas), die Chefin des Sicherheitsstabs des Präsidenten, trifft einige Zeit vor dem Präsidenten auf Babylon 5 ein, um die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Dass es kurz zuvor eine Explosion in einer der Cobrabuchten (der Startbuchten für die Star Furies) gegeben hat, bei der ein Arbeiter schwer verletzt wurde, ist für Kemmer Grund genug, eine gründliche Untersuchung durchzuführen. Doch schon bei ihrer ersten Begegnung mit Sinclair und Garibaldi wird klar, dass Kemmer keine besonders kompromissbereite Person ist. Sie fordert, die Untersuchung alleine zu leiten und will nicht mit Garibaldi zusammen arbeiten.
Zudem wird klar, dass Garibaldi und Kemmer sich bereits kennen. Garibaldi erzählt Sinclair, er habe vor 17 Jahren einen Job auf Europa (einem von Jupiters Monden) gehabt. Dort war unter seinen Kollegen Korruption an der Tagesordnung und er versuchte verzweifelt, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Weil ihm dies jedoch nicht gelang und er die sich verschlimmernden Zustände um ihn herum mit ansehen musste, griff er zur Flasche und begann stark zu trinken. Schließlich lernte er Frank Kemmer, Liannas Vater kennen und verbrachte viel Zeit mit dessen Familie, was einen guten Einfluss auf ihn hatte. „With all the madness, it kept me sane and sober for a while“, erzählt er. Als aber Frank Kemmer, für dessen Sicherheit Garibaldi verantwortlich war, bei einem Attentat ums Leben kam und Franks Familie Garbibaldi die Schuld daran gab, fing er wieder zu trinken an. All dies schildert er Sinclair bei einem Gespräch an der Bar, wo er jedoch nur Wasser bestellt.

Lianna Kemmer befragt den verletzten Arbeiter danach, wer die Bombe in der Cobrabucht gelegt hat. Dieser kann gerade noch „Garibaldi“ sagen, bevor er stirbt. Daraufhin verlangt Kemmer Garibaldis sofortige Suspendierung und übernimmt seinen Posten als Sicherheitschef. In typischer TV-Manier sind hier zwei Geschichten miteinander verbunden: Die Beschuldigung Garibaldis, der nun seine Unschuld beweisen muss und seine Beziehung zu Lianna, die den Anlass bietet, mehr über Garibaldi zu erfahren. Das wirkt klischeehaft – und ist es auch, weil man es so ähnlich schon Dutzende Male im Fernsehen gesehen hat – ist aber vor allem aufgrund Jerry Doyles Schauspiel trotzdem glaubwürdig und spannend.
Garibaldi versichert Kemmer, er habe damals auf Europa keineswegs nur sich selbst retten wollen und trage keine Schuld am Tod ihres Vaters. Doch Lianna wirft ihm vor „You just got drunk and ran, like you always do.“ Als schließlich in Garibaldis Quartier Indizien gefunden werden, die auf seine Beteiligung an der Explosion hindeuten, flüchtet er. Einmal mehr kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Kemmer und Sinclair, der auf Garibaldis Seite steht und sich nicht sagen lassen will, wie er seine Arbeit zu machen hat. „This is my station and it’s time you realise that“, schleudert er Kemmer entgegen. Um Kemmer die Arbeit zu erschweren und Garibaldi zu schützen, befiehlt Ivanova eine umfangreiche Überprüfung der Kommunikationskanäle, die dadurch für Stunden blockiert werden.

Weil in seinem Quartier eine beträchtliche Summe Centauri-Dukaten gefunden wurde, sucht Garibaldi als erstes Londo auf. Londo streitet jegliche Beteiligung ab und schiebt die Schuld natürlich G’Kar in die Schuhe. Er ist bereit, Garibaldi zu helfen und ausnahmsweise ist es hier einmal Garibaldi, der sich Geld von Londo leiht. Die bereits etablierte Freundschaft zwischen Garibaldi und Londo wird hier einmal mehr deutlich und Londo bringt es auf den Punkt, als er über die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen beiden spricht (s. Zitate).
Auch G’Kar, den Garibaldi als nächstes aufsucht, bestreitet seine Schuld. Er bietet ihm jedoch an, ihn ins von den Narn kontrollierte Gebiet in Sicherheit zu bringen. Doch Garibaldi lehnt es ab, als Spion für die Narn zu arbeiten und ist entsetzt, dass G’Kar von ihm verlangt, seine eigene Welt zu verraten. Sowohl im Casino bei Londo als auch in G’Kars Quartier bekommt Garibaldi weitere Gelegenheiten, einen Drink zu nehmen. Er bleibt jedoch standhaft und lehnt jedes Mal ab.

Nach einem kurzen Besuch bei N’Grath, der Garibaldi nicht helfen will, wird Garibaldi von einem Dieb, den er zu Beginn der Episode verwarnt hatte und zwei Drazi angegriffen. Sinclairs persönliches Eingreifen rettet ihn, doch als Sinclair ihm seine Hilfe anbietet, haut Garibaldi erneut ab. Er will seine Unschuld allein beweisen – aber warum? Sinclair ist sein engster Freund und Garibaldi sollte eigentlich wissen, dass er ihm vertrauen kann. Vielleicht liegt es in Garibaldis persönlichen Erfahrungen begründet, dass er glaubt, sich im schlimmsten Fall nur auf sich selbst verlassen zu können.
Leider führt ihn dies an den tiefsten Punkt der Episode. Er sucht eine herunter gekommene Bar auf, in der er schließlich doch wieder einen Drink nimmt. Natürlich bleibt es nicht nur bei einem einzigen Drink und schon bald ist Garibaldi sturzbetrunken. Nachdem ihn einer der anderen Gäste verraten hat, haben Kemmer und ihre Leute bei Garibaldis Festnahme leichtes Spiel. „Drunk again, Uncle Mike?“, fragt Lianna ihn verächtlich als sie ihn festnehmen lässt.

Das Raumschiff des Präsidenten hat unterdessen Babylon 5 erreicht. Kemmer verhört Garibaldi, um endlich zu erfahren, wer hinter der Explosion steckt und ob weitere Gefahr für den Präsidenten besteht. Da Garibaldi nichts damit zu tun hat, kommt Kemmer natürlich nicht weiter. Sinclair hat unterdessen Garibaldis Stellvertreter Lou Welch (David L. Crowley) beauftragt, das Quartier des bei der Explosion verletzten und inzwischen verstorbenen Arbeiters zu durchsuchen. Welch ist fündig geworden: Neben Materialien, die auf eine Verbindung zur Homeguard hindeuten, findet er auch einige Vibrationsdetonatoren. Einen davon hatte der Arbeiter wohl in der Cobrabucht angebracht. Statt erst bei der Ankunft des Präsidenten zu explodieren, war der Detonator jedoch schon früher losgegangen.
Garibaldi äußert den Verdacht , Kemmers Assistent Cutter (Tom Donaldson) habe ihm die falschen Beweise untergejubelt und kann Kemmer schließlich überzeugen, die Cobrabuchten einer letzten Überprüfung zu unterziehen, bevor der Präsident die Station betritt. In die Enge getrieben zeigt Cutter dort sein wahres Gesicht. Er betäubt Kemmer und prügelt sich mit Garibaldi, der im letzten Moment Kontakt zu Ivanova aufnehmen und so den Start des neuen Kampfgeschwaders verhindern kann, durch den eine Explosion ausgelöst worden wäre.
Nachdem die Krise überstanden und Garibaldis Unschuld bewiesen ist, gibt Sinclair ihm seine PPG (Phased Plasma Gun) und sein Comlink zurück. Zudem spricht Garibaldi ein letztes Mal mit Lianna, bevor sie die Station wieder verlässt. Die Dialoge der Episode finde ich überwiegend gelungen, doch Garibaldis Worte in dieser Szene stellen leider eine Ausnahme dar: „17 years ago we both died inside, but somehow we survived. For better or worse, that’s all we can do. Survive and maybe one day forget how much it can hurt to be human.“ Also wirklich, wer spricht denn bitte so?

„Survivors“ ist eine solide Episode, die besser ist als ich sie in Erinnerung hatte. Wie die meisten Episoden der ersten Staffel dient sie vor allem dazu, die Charaktere – in diesem Fall in erster Linie Garibaldi – zu etablieren und erzählt eine in sich abgeschlossene Handlung. Dennoch wird hier auch vieles etabliert, das für die zukünftige Handlung der Serie von Bedeutung ist. Neben Garibaldis Alkoholismus ist dies vor allem die Tatsache, dass der amtierende Päsident der Erdallianz den Zielen von Babylon 5 wohl gesonnen ist. Santiago ruft in seiner Ansprache auf der Station alle außerirdischen Regierungen dazu auf, eng mit der Erde zusammen zu arbeiten und kündigt liberalere Einwanderungsgesetze und Handelsbestimmungen an (was wir aus den ISN-Berichten am Anfang und am Ende der Episode erfahren). Diese Position sorgt jedoch für Kontroversen auf der Erde, da zahlreiche Gruppen nicht einer Meinung mit Santiago sind, darunter die militante und fremdenfeindliche Homeguard, der die Attentäter angehören. Santiago hat also Feinde, die nicht vor einem Attentat auf ihn zurück schrecken – auch das ist eine Tatsache, die man sich merken sollte.

Highlight der Episode: Ivanovas Umgang mit Major Kemmer (s. Zitate).

Weitere interessante Punkte: 

  • Am Anfang und am Ender der Folge erhaschen wir jeweils einen kurzen Blick auf die Earth Force One, das Schiff des Präsidenten.
  • Zu Beginn der Episode sieht man Garibaldi und Ivanova durch einen der Bereiche der Station gehen, in dem eine geringere Schwerkraft herrscht. Da die Schwerkraft auf Babylon 5 durch Rotation erzeugt wird, muss es sich dabei um einen Bereich nahe der zentralen Achse der Station handeln. Den Durchsagen zufolge soll man sich dort stets an den entlang der Wege aufgestellten Geländer festhalten.
  • Im Gespräch zwischen Londo und Garibaldi wird wieder einmal Ragesh 3 erwähnt, jene Kolonie, um die sich die Centauri und Narn schon lange streiten.
  • Als Garibaldi das Casino aufsucht, um Londo zu treffen, sehen wir auf einem Tisch zwei holografische Ritter gegeneinander kämpfen – wieder eines der recht seltenen Beispiele für Holo-Technologie in Babylon 5.
  • Babylon 5 erhält in dieser Episode ein weiteres Geschwader an Kampfjägern („Star Furies“). Zusätzlich zu den Alpha-, Delta- und Gamma-Staffeln verfügt die Station damit auch über eine Zeta-Staffel.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Der ursprüngliche Titel des Drehbuchs von Marc Scott Zicree lautete „Knife in the Shadows“.
  • JMS war beim Erscheinen der Episode sehr stolz auf die damals für TV-Verhältnisse revolutionären CGI-Effekte. Zu Beginn der Episode sehen wir einen composite shot, als Garibaldi und Ivanova in dem Shuttle stehen, das die zentrale Achse der Station entlang fährt. Die Aussicht durch das Fenster des Shuttles ist komplett computergeneriert. In der Szene, in der Lianna am Ende der Folge in ihr Schiff steigt, ist bis auf die Schauspielerin und einen Teil der Leiter das gesamte Bild am Computer erzeugt.
  • JMS ist mit Alkoholismus gut vertraut: „I come from a family with alcoholism going back at least four generations […]. I am, in fact, the first male Straczynski in my branch of this particular stunted tree NOT to have this problem. I have had far, far, far more experience with this area than I care to recite…and from that perspective, I have no problem with Garibaldi’s portrayal.“ (zitiert aus  „Asked & Answered Part 4“, S. 1552f)
  • Jerry Doyle, der Michael Garibaldi spielt, hat eine wichtige Gemeinsamkeit mit seiner Figur: Sein Lebenslauf ist ebenso wie der Garibaldis alles andere als geradlinig. Bevor er Schauspieler wurde, arbeitete er unter anderem als Jetpilot und später an der Wall Street. Um zum Vorsprechen für eine Rolle bei „Babylon 5“ eingeladen zu werden, schrieb er einen größtenteils fiktiven Lebenslauf. Obwohl er dabei aufflog – oder vielleicht gerade deswegen – gab JMS ihm die Rolle als Garibaldi.
  • General Netter wurde nach dem ausführenden Produzenten der Serie, Douglas Netter benannt.

Zitate:

Kemmer: „I demand you open a channel to Earth at once.“
Ivanova:
„I’m a Lieutenant Commander in Earth Force, Major. I do not take demands. If you have a request, I’ll consider it.“
Kemmer:
„Very well, then. I request that you open a channel to Earthdome.“
Ivanova:
„Request denied. Have a nice day.“

Londo (über die Göttin Ilaros): „Goddess of luck, patron of gamblers. She and I have had a long and rather dubious relationship.“

Londo zu Garibaldi: „We are alike, you and I. We are both, as you say, the odd man out. I have been in your place. I can feel how you are pinned. And it would give me some small pleasure to know that things can work out, even for us.“

G’Kar zu Garibaldi: „The universe is run by the complex interweaving of three elements: Energy, matter, and enlightened self-interest. Unless you comprehend that fact and soon, you will be cornered and caged. They will destroy you.“

G’Kar: „You have made many enemies.“
Garibaldi: „Call it a lifestyle.“

Garibaldi: „I blew it, Jeff. Just like I did on Europa, on Mars Colony, Orion 4, just like I always do. When things get too rough, I crawl right back into the damn bottle. What really scares me is how much I’ve enjoyed it.“
Sinclair: „But you crawled back out again and did the job. That’s what’s counts.“
Garibaldi: „Yeah. I got lucky. But what happens next time?“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.12 „By Any Means Necessary“

Babylon 5 – Episode 1.10 “Believers”

Eigentlich ist heute Star Wars Day („May the 4th“), aber einen „Star Wars“-Post gab es hier erst vor kurzem. Dafür habe ich es endlich mal wieder geschafft, eine „Babylon 5“-Folge zu besprechen. Das würde ich gerne öfter machen, aber es kostet jedes Mal ziemlich viel Zeit. Ich werde mit meinem „Babylon 5“-Rewatch aber nicht aufhören, selbst wenn ich nur eine Folge im Monat schaffe…
Ich warte immer noch gespannt auf „Sense8“, die neue Serie von J. Michael Strazynski, die er zusammen mit den Wachowski-Geschwistern geschrieben und produziert hat. Ab dem 5. Juni wird die erste Staffel auf Netflix zu sehen sein. Aus dem „Babylon 5“-Universum selbst gibt es nichts Neues. Es würde mich allerdings sehr interessieren, ob Straczynski zurzeit tatsächlich ein Drehbuch für einen B5-Kinofilm schreibt – so hatte er es ja letztes Jahr angekündigt. Vor kurzem habe ich diese Seite entdeckt, auf der es ein paar schöne Video-Reviews zu einigen B5-Folgen gibt. Die sind aber voller Spoiler; wer die Serie noch nicht komplett gesehen hat, sollte also lieber die Finger davon lassen und stattdessen einen der „Babylon 5“-Podcasts anhören, die ich in einem Blogpost zusammen getragen habe (nicht alle davon sind spoilerfrei, aber das habe ich jeweils dazu geschrieben – und für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung 🙂 ). Nun aber zu einer weiteren Folge von „Babylon 5″…

Episode 1.10 “Believers” (“Die Gläubigen”)

Drehbuch: David Gerrold, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 27.04.1994 (USA), 08.10.1995 (Deutschland)

„Am I going to die?“ lauten die ersten Worte, die in dieser Folge gesprochen werden. Die Frage kommt aus dem Mund von Shon (Jonathan Charles Kaplan), einem Jungen, der einer außerirdischen Spezies angehört, die wir noch nie zuvor gesehen haben (im Lurker’s Guide wird der Name der Spezies als „The Children of Time“ angegeben). Bei der Beantwortung dieser Frage durch den Stationsarzt Dr. Franklin und durch Shons Eltern prallen sofort zwei gegensätzliche Ansichten aufeinander: Franklin ist ein Mann der Wissenschaft, der nicht nur optimistisch ist, für jedes medizinische Problem auch eine medizinische, wissenschaftliche Lösung finden zu können, sondern dessen ganzes Weltbild um diese Überzeugung herum aufgebaut ist. Für Shons Eltern allerdings stellt die zur Rettung ihres Sohnes nötige Operation einen unzulässigen Eingriff dar, den ihnen ihre religiösen Überzeugungen nicht erlauben. Obwohl Shon durch eine relativ einfache Operation das Leben gerettet werden könnte, gestatten seine Eltern Dr. Franklin nicht, diese durchzuführen. „Food animals are cut open. They don’t have a soul, so it’s all right. But the chosen of God may not be punctured.“, erklärt Shons Mutter (Tricia O’Neil).

Als Franklin klar wird, dass die Eltern Shon lieber sterben lassen, als ihn einer Operation zu unterziehen, versucht er auf Zeit zu spielen. Er behauptet, es gebe noch einen anderen, schwierigeren und unsichereren Weg, Shon zu heilen und hofft, dass die Eltern ihre Meinung doch noch ändern werden, wenn sie ihren Sohn nur lange genug leiden sehen und ihre Verzweiflung noch weiter wächst. Seiner Kollegin Dr. Hernandez legt Franklin seine Sicht der Dinge dar: „Sometimes you have to heal the family before you can heal the patient.“ Seiner Meinung nach ist also die Einstellung der Eltern falsch und bedarf der Korrektur. Dass es möglicherweise seine Sicht auf die Dinge es, die falsch ist oder dass zumindest daneben noch andere, gleichberechtigte Sichtweisen existieren, kommt ihm gar nicht in den Sinn.

Auch ich kann die Einstellung von Shons Eltern nicht nachvollziehen. Aber genau darum geht es in dieser Episode – um unversöhnbar einander gegenüberstehende Standpunkte, von denen keiner falsch ist bzw. die beide jeweils aus der Sicht des anderen falsch sind. Als Franklin dem Jungen ein leuchtendes Plastikei in die Hand gibt und ihn bittet, gut auf dieses „Gloppitei“ aufzupassen, weil darin ein Lebewesen heran wachse, kritisiert ihn Hernandez. Die Überzeugungen anderer tue er als Aberglaube ab, sagt sie, doch seine eigenen Überzeugungen seien stets die richtigen. Shons Eltern beten das „große Ei“ an, Franklin den „Gott Medizin“. Wo liegt der Unterschied?
Franklin gibt jedoch keinen Millimeter nach und bekräftigt noch einmal, dass er den Eltern mit seiner Hinhaltetaktik nur die Zeit geben will, um zur richtigen Einsicht zu gelangen. Er hat längst den Entschluss gefasst, Shon auf jeden Fall zu operieren, wie er Hernandez erklärt. Franklin ist so sehr von sich und von der Wissenschaft überzeugt, dass er sich gar nicht vorstellen kann, dass sein Plan – warum auch immer – nicht funktioniert. Ebenso wenig passen in diesem Fall Personen in sein Weltbild, die die Lage anderes sehen als er und die seinen „Glauben“ an die Wissenschaft ablehnen.

Als Franklin sich an Sinclair wendet, zögert dieser, ihm den Befehl zu erteilen, sich über den Wunsch der Eltern hinweg zu setzen. Sinclair möchte keinen Präzedenzfall schaffen, doch Franklin argumentiert, das habe er schon längst getan, als er Franklins Vorgänger Dr. Kyle gegen die Anweisung der Vorlonenregierung die Untersuchung von Botschafter Kosh erlaubte. Sinclair beharrt jedoch darauf, gerade als Commander von Babylon 5 neutral bleiben zu müssen. Auch Franklin lässt sich aber nicht beirren und ist weiterhin überzeugt, dass er etwas tun muss.
Bei Shons Eltern wächst inzwischen die Verzweiflung. Ihrem Sohn geht es immer schlechter, so dass sie sich fragen, ob es richtig war, ihn in Franlkins Obhut zu lassen statt sich auf die Suche nach anderen Möglichkeiten der Heilung zu machen. „Because we trusted you our son will die“, wirft die Mutter Franklin vor, doch der erwidert „No. He will die because you won’t trust me.“ Weil sich Shons Eltern aus Franklins Sicht so stur und uneinsichtig verhalten, will er sie durch Sinclair entmündigen lassen, um sich über ihre Wünsche hinweg setzen zu können. Sinclair verspricht, innerhalb von 24 Stunden eine endgültige Entscheidung zu treffen. Shons Vater, der bis dahin relativ ruhig und gefasst gewirkt hat, spricht plötzlich einen Satz aus, den der Zuschauer und auch Sinclair als Drohung interpretieren: „If he [Franklin] harms my child, if he touches Shon, I will kill him.“ Erst wenn man die Episode zum zweiten Mal sieht, fällt einem auf, dass sich das „him“ am Ende des Satzes wahrscheinlich gar nicht auf Franklin bezieht.

Da Sinclair ihnen nicht helfen will und sie keinen eigenen Botschafter auf der Station haben, wenden sich die Eltern in ihrer Verzweiflung an die anderen Botschafter. G’Kar und Londo weisen ihr Gesuch aus ähnlichen Gründen zurück: Die Eltern sind zu arm und ihre Heimatwelt zu unbedeutend; sie können sich keine Gerechtigkeit leisten. Immerhin schaffen sie es aber, ein paar Worte mit Kosh wechseln, was ja an sich schon keine leichte Aufgabe ist. Nicht ahnend, dass sie genau ins Schwarze trifft, appelliert die Mutter an Kosh: „If it were your child or even yourself, how would you feel if the doctor of Babylon 5 wanted to perform an unwelcome procedure on you?“ Vielleicht sind es ja gerade diese Worte, die Kosh dazu bewegen nicht einzuschreiten. Schließlich wurde er durch einen solchen nicht erwünschten medizinischen Eingriff auf Babylon 5 gerettet. Wahrscheinlich hätte er sich aber sowieso aus der Sache heraus gehalten – wie die Vorlonen das eben meistens tun (die Geschehnisse der letzten Folge stellen eine der wenigen Ausnahmen dar). Kosh redet sich jedenfalls mit einigen mal wieder ziemlich kryptischen Sätzen heraus (s. Zitate).
Delenn zeigt zwar mehr Mitgefühl und Verständnis als die anderen Botschafter, doch der Glaube und die Überzeugungen der Minbari verbieten es ihr, hier ein zu greifen. Darauf bezug nehmend, dass sowohl die Eltern als auch Dr. Franklin Shons Leben retten wollen, sagt sie: „Whose belief is correct? And how do we prove it?“

Um zu einer Entscheidung zu kommen (oder damit ihm die Entscheidung abgenommen wird), fragt Sinclair die Erdregierung um Rat. Doch auch die will sich aus der Sache heraus halten und schiebt die Verantwortung zu Sinclair zurück. Also beschließt er, endlich einmal das zu tun, was bisher noch niemand getan hat: Shon selbst zu fragen. Der Junge erklärt, er wolle auf jeden Fall weiter leben, allerdings glaubt er genau wie seine Eltern, dass er durch eine Operation seine Seele verlieren würde. Sinclair nimmt sich die Zeit, sich von Shon von dessen Sicht und seinen Überzeugungen, seiner Weltanschauung und seiner Religion berichten zu lassen.
Als Sinclair anschließend wieder mit Franklin spricht, kann dieser es nicht fassen, dass Sinclair immer noch auf die Wünsche der Eltern Rücksicht nehmen will. „What makes a religion false?“, fragt Sinclair Franklin, als dieser ihn zu überzeugen versucht, dass Shons Eltern vollkommen irrational und unverantwortlich handeln. Als Sinclair schließlich zu einer Entscheidung kommt und es Franklin verbietet, gegen den Wunsch der Eltern zu operieren, ist Franklin fassungslos. Doch Sinclair kann sich nicht einfach über den Glauben und die Überzeugungen anderer hinweg setzen, nur weil sie seinen eigenen widersprechen.

Aber Franklin bleibt stur, seine Entscheidung ist längst gefällt. Er will sich von niemandem stoppen lassen – auch nicht von „those poor, deluted parents“, wie er Shons Eltern bezeichnet. Er operiert Shon also und rettet ihm so das Leben. In den meisten anderen Fernsehserien wäre die Episode damit wohl zu einem Happy End gekommen. Shons Eltern hätten sich über die Genesung ihres Sohnes gefreut, Franklin verziehen und sich für ihre Sturheit entschuldigt. Auch Sinclair hätte gesagt, „Schwamm drüber“ und damit wäre die Sache zur Zufriedenheit aller Beteiligten beendet gewesen. Nicht so in dieser „Babylon 5“-Episode. Als ein gesunder und fröhlicher Shon seine Eltern begrüßt, reagieren die ganz und gar nicht so, wie Franklin sich das vorgestellt hat. Shon ist für sie nun nur noch eine seelenlose Hülle, mit der sie nichts mehr zu tun haben wollen. Auch Sinclair ist wütend, dass Franklin sich seinem Befehl widersetzt hat.
Anschließend geschieht etwas, das mich selbst wütend macht: Erst jetzt, nachdem er seinen eigenen Willen durchgesetzt hat, setzt sich Franklin näher mit der Kultur der Children of Time auseinander. Hätte ein guter Arzt das nicht schon längst getan? Statt unbeirrbar auf dem eigenen Standpunkt zu verharren, müsste ein Arzt – und noch dazu ein Xenobiologe wie Franklin, der sich täglich mit fremden Kulturen auseinander setzen muss – doch versuchen, den Standpunkt seiner Patienten (und in diesem Fall auch von deren Angehörigen) ein zu beziehen. Man sollte meinen, dass es in einem schwierigen Fall wie hier zu seinen ersten Handlungen gehört, sich zumindest ein wenig in die Kultur der fremden Spezies einzulesen. Aber daran scheint Franklin nicht einmal gedacht zu haben. Es war Dr. Hernandez, die auf den Gedanken kam, dies zu tun. Leider bekommt Franklin die Daten aber erst zu sehen, als er Shon schon operiert hat. Doch da ist es längst zu spät und Franklins Fehler nicht mehr rückgängig zu machen. Die Eltern haben die aus ihrer Sicht einzige mögliche Konsequenz gezogen und ihren Sohn getötet.

Franklin sieht am Ende ein, dass er falsch gehandelt hat. Er war arrogant, hat stur auf seinem Standpunkt beharrt und damit jenes verantwortungsvolle Handeln vermissen lassen, dass ein Mediziner doch an den Tag legen sollte. Sinclair behauptet, Franklin habe unmöglich wissen können, dass die Eltern ihren Sohn umbringen würden. Doch das stimmt nicht! Wäre Franklin nicht von Anfang an so stur gewesen und hätte nicht sofort seine Sicht auf die Dinge zur einzig richtigen erklärt, dann wäre er vielleicht einmal auf den Gedanken gekommen, sich mit der „Gegenseite“ zu beschäftigen. Zwar stand die Datei mit den Daten über Shons Volk erst nach der Operation zur Einsicht bereit, doch Franklin hätte mit der Entscheidung ganz einfach noch ein paar Stunden warten können.

„Believers“ ist jedenfalls eine höchst interessante Folge, die sich mit einem brisanten Thema beschäftigt und sich nicht damit begnügt, einfache Antworten zu geben. Die kann es hier auch gar nicht geben, weswegen man als Zuschauer gezwungen ist, sich selbst mit der Thematik auseinander zu setzen. Unter „Babylon 5“-Fans ist die Episode trotzdem umstritten und hat bei vielen Fans keinen guten Ruf. Ich finde sie jedoch sehr gut. Klar, so richitg zu Hochform ist die Serie in ihrer zehnten Folge noch nicht aufgelaufen und „Believers“ erzählt eben – wie die meisten Folgen der ersten Staffel – eine in sich abgeschlossene Geschichte. Aber diese funktioniert als solche sehr gut, und dass in der B5-Saga die Geschichte Folge für Folge weiter erzählt wird (statt jedes Mal danach den Reset-Knopf zu drücken, wie das in den Neunzigern noch meist der Fall war), merkt man hier daran, dass mehrmals auf Ereignisse aus dem Pilotfilm Bezug genommen wird.

Da war doch noch was? Ach richtig, die Folge hat ja auch noch einen B-Plot! Wenn „Believers“ einen großen Schwachpunkt hat, dann ist es dieser äußerst knappe Handlungsstrang um Susan Ivanova, die mit einem Geschwader Starfurys der Asimov zu Hilfe kommt. Dass sie dabei von Raider-Schiffen angegriffen werden, bekommen wir nicht einmal zu sehen (statt dessen erfahren wir es bloß aus dem Gespräch zwischen Ivanova und Garibaldi am Ende der Episode). Mehr dazu bei den „Hinter den Kulissen-Fakten“.

Highlight der Episode: Das Ende. Mit der Entscheidung, die Folge mit dem Tod des Jungen enden zu lassen, verstieß die Serie 1994 gegen die gängigen Konventionen und unterlief die Erwartungen des Publikums. Nicht nur in den „Star Trek“-Serien, sondern ganz allgemein ging es in Fernsehserien damals meist darum, den Zuschauern zu Beginn einer Episode ein Problem zu präsentieren, das am Ende dann gelöst wurde. Nicht so in dieser Folge von „Babylon 5“. „Believers“ versetzt dem Zuschauer hier nicht nur einen Schlag in die Magengrube, sondern zwingt ihn auch zum Nachdenken. Ich kann mich noch erinnern, wie sehr mich diese Folge mit dem Ausgang der Geschichte damals beeindruckt hat und dass ich noch lange darüber nachgedacht habe.

Weitere interessante Punkte: 

  • Die Spezies, der Shon und seine Eltern angehören, leben anscheinend in einer matriarchisch organisierten Gesellschaft. Dies lässt sich zum einen aus der Tatsache schließen, dass es hier meistens die Mutter ist, die die Argumente vorträgt und einmal im Gespräch mit Franklin auch explizit sagt, ihr Mann (der neben ihr steht) habe sie gebeten, ihm etwas auszurichten. Zum anderen erwidert sie auf Sinclairs Anmerkung, dass ihr Volk leider keinen Botschafter auf der Station hat ganz selbstverständlich „She would tell you the same thing“.
  • Steaks gehören zu den Lebensmitteln, die nur mit großem Aufwand nach Babylon 5 importiert werden können. Das erfahren wir aus einem Gespräch zwischen Franklin und seiner Kollegin, Dr. Hernandez. (Kurz darauf fragt Sinclair Franklin, warum er ein Steak importieren wolle. Franklins Antwort: zu Forschungszwecken. Tatsächlich hat er mit Hernandez um ein Steak gewettet.)
  • Franklin hat als Arzt offenbar eine Karte, mit der er sich Zutritt zu allen Quartieren verschaffen kann.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Das Drehbuch für diese Folge war einer der Gründe, warum Richard Biggs die Rolle des Dr. Franklin angenommen hat. Es war bereits geschrieben, bevor die Serie in Produktion ging und gefiel Biggs so gut, dass er die Rolle unbedingt übernehmen wollte. (Quelle: „Babylon 5: Signs and Portents“ von Jane Killick, S. 96)
  • Drehbuchautor David Gerrold hat unter anderem auch die berühmte Episode „The Trouble with Tribbles“ aus der Original-„Star Trek“-Serie geschrieben. Er wurde von Straczynski ausgesucht, das Drehbuch zu „Believers“ nach einer Idee von Straczynski zu schreiben, weil Gerrold damals kurz zuvor einen Sohn adoptiert hatte und sich so sehr gut in das Dilemma der Episode hinein versetzen konnte. Den Namen Shon wählte Gerrold in Anlehnung an den Namen seines eigenen Sohnes, Sean.
  • Die B-Handlung um Susan Ivanova und die Raiders wurde dem Drehbuch nachträglich von J. Michael Straczynski hinzugefügt, weil die Geschichte sonst zu kurz gewesen wäre. Ich persönlich finde ja, man hätte lieber die Haupthandlung an einigen Stellen noch etwas ausführlicher gestalten sollen, statt einen verstümmelten B-Plot hinzu zu fügen, der so inhaltsleer ist, dass ich jedes Mal aufs Neue von ihm überrascht bin, wenn ich die Episode anschaue.
  • Eine von Straczynskis Regeln beim Schreiben von Geschichten für „Babylon 5“, die er von Beginn an immer wieder in Online-Diskussionen mit den Fans wiederholte, war „no kids or cute robots“. Dementsprechend kommen Roboter in „Babylon 5“ überhaupt nicht und Kinder nur höchst selten vor. Nur wenn es für die Handlung auch wirklich Sinn machte – so wie hier – machte JMS eine Ausnahme von dieser Regel.

Zitate:

Sinclair: „Why do you wanna import a steak?“
Franklin:
„Research.“

Kosh: „The avalanche has already started. It is too late for the pebbles to vote.“

Sinclair: „[W]hat makes us human is that we care. And because we care, we never stop trying.“
Franklin: „No. What makes us human is that we have so many different ways to hurt.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.11 „Survivors“

Better Call Saul – Season 1

Dieser Text enthält kleinere Spoiler zur 1. Staffel von „Better Call Saul“ und verrät außerdem, welches Schicksal Saul Goodman am Ende von „Breaking Bad“ erwartet!

Wer hätte das gedacht? Dass „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan und Peter Gould – einer der Drehbuchautoren von „Breaking Bad“, der die Figur des Saul Goodman erfunden hat – großartige Geschichten und Charaktere schreiben können, war nach fünf Staffeln „Breaking Bad“ zwar klar. Aber mal ehrlich, die Vorstellung einer Prequel-Serie um die „Breaking Bad“-Nebenfigur Saul Goodman hat nicht gerade Euphorie ausgelöst. Die ersten Beschreibungen der Serie und auch die ersten Ausschnitte, die man zu sehen bekamen, sorgten eher für Irritation. Was sollte das werden? Eine Anwaltssitcom?
Aber schon mit der Ausstrahlung der ersten Folge wurden die meisten Bedenken zerstreut. Inzwischen sind alle zehn Episoden der ersten Staffel in den USA gesendet worden und in Deutschland bei Netflix zu sehen. Und eines steht fest: „Better Call Saul“ ist Fernsehen, wie man es besser zurzeit kaum findet. Ob es sogar besser wird als „Breaking Bad“, wird die Zeit (und die Veröffentlichung zukünftiger Staffeln) zeigen, aber die Chancen dafür stehen bislang tatsächlich nicht schlecht.

„Better Call Saul“ beginnt mit zwei Szenen, die nach dem „Breaking Bad“-Finale spielen: Saul Goodman (Bob Odenkirk) hat eine neue Identität angenommen und arbeitet als Verkäufer in einer Cinnabon-Filiale. Mit Brille und Schnauzbart getarnt, lebt er dennoch in ständiger Angst davor, dass ihn die Vergangenheit einholt. Nach Dienstschluss sehen wir ihn in seiner Wohnung. Einsam schenkt er sich einen Drink ein und kramt eine alte VHS-Kassette hervor, die er in den Videorekorder schiebt. Die Bilder, die anschließend über seinen Fernseher flimmern, sind die alten Werbespots seiner Anwaltskanzlei, wie man sie ähnlich auch schon aus „Breaking Bad“ kennt und die alle mit dem Slogan „Better Call Saul“ werben.

Anschließend springt die Serie in die Vergangenheit, aber nicht in die Zeit von „Breaking Bad“, sondern noch einige Jahre weiter zurück. Saul Goodman hieß damals noch James „Jimmy“ McGill und die Geschichte, die die erste Staffel nun zu erzählen beginnt, handelt davon, wie er zu Saul Goodman und damit der Person wird, die wir aus „Breaking Bad“ kennen. Sie muss uns also erzählen, was schief gelaufen ist in Sauls bzw. Jimmys Leben. Insofern ist „Better Call Saul“ eine Tragödie. Allerdings ist die Serie immer wieder auch wahnsinnig komisch, es handelt sich also um eine Tragikomödie.
So ganz rund läuft es auch zu Beginn der Serie nicht für Jimmy, aber er hat zumindest den festen Willen, sich nach oben zu arbeiten. Ein eigenes Büro fehlt ihm bislang, weswegen er sich mit Klienten meistens im Café trifft. Das Hinterzimmer eines Schönheitssalons dient ihm als Schlafplatz („Wohnung“ wäre eine zu großzügige Bezeichnung); Telefonate führt er unterwegs oder abends aus dem Salon, wenn dieser geschlossen hat. Bei dem ersten Fall, den die Serie uns zeigt, verteidigt Jimmy drei 19-jährige Jungs, die Sex mit dem abgetrennten Kopf einer Leiche hatten. Jimmy hält sich gerade so über Wasser. Beim Verlassen des Parkplatzes vor dem Gerichtsgebäude versucht er jedes Mal mit dem Parkplatzwächter Mike (Jonathan Banks) zu feilschen. Doch der bleibt hart und öffnet die Schranke für Jimmy immer erst, sobald dieser ein gültiges Parkticket vorweisen kann.

In der ersten Folge lernen wir auch Jimmys älteren Bruder Chales (Michael McKean), genannt Chuck, kennen. Der ist eigentlich einer der Partner der erfolgreichen Anwaltskanzlei Hamlin Hamlin & McGill (HHM), hat inzwischen aber seit etwa einem Jahr sein eigenes Haus nicht mehr verlassen. Er ist überzeugt davon, an einer Überempfindlichkeit gegen elektromagnetische Strahlung zu leiden, weswegen er nicht nur sämtliche elektronischen Geräte aus dem Haus verbannt hat, sondern auch jeder Besucher sein Handy, seine Armbanduhr und ähnliches draußen lassen muss. Tag für Tag bekommt Chuck Besuch von Jimmy, der ihn mit Lebensmitteln und der Tageszeitung versorgt. Im Lauf der ersten Episoden wird klar, dass Chucks wahres Problem psychischer Natur ist. Tatsächlich ist er depressiv und bildet sich seine körperliche Erkrankung nur ein.
Die Beziehung zwischen Jimmy und Chuck ist einer der Haupthandlungsstränge der ersten Staffel. Wie alle anderen wird auch dieser äußerst behutsam und unüberstürzt erzählt. Nach und nach enthüllt sich so, dass Jimmy sein Leben lang versucht hat, sich den Respekt seines großen Bruders zu erwerben. Als er schließlich erfährt, dass der ihn nicht mal für einen richtigen Anwalt und auch sonst nicht besonders viel von ihm hält, ist dies einer der Gründe für die Entscheidung, die Jimmy am Ende der Staffel trifft – eine Entscheidung, mit der er seiner Saul-Werdung einen großen Schritt näher gekommen ist.

Prequels jeder Art haben meistens das Problem, dass der Zuschauer schon weiß, wohin sich die Geschichte und die Figuren entwickeln werden. „Better Call Saul“ schafft es – zumindest in dieser ersten Season – aber tatsächlich, so starke Charaktere aufzubauen und sich so weit von „Breaking Bad“ zu emanzipieren, dass dieses Problem fast nicht existent ist. Die Serie verlässt sich zum Glück nicht auf Verbindungen zu und Anspielungen auf „Breaking Bad“. Zwar ist Jimmys/Sauls aus „Breaking Bad“ bekannter Handlanger Mike die zweite Hauptfigur der Serie, doch auch seine Geschichte entfaltet sich mit einer bemerkenswerten Langsamkeit. In den ersten beiden Episoden beschränkt sich sein Auftauchen auf kurze Interaktionen zwischen ihm und Jimmy an der Parkplatzausfahrt; erst in Folge drei erfahren wir ein wenig mehr über ihn. Die sechste Folge widmet sich dann fast ganz seiner Figur und erzählt in Rückblenden, wie es dazu kam, dass er vom Cop in Philadelphia zum Parkplatzwächter in Albuquerque wurde. Wie es dazu kommt, dass er für Jimmy/Saul und für Gus Fring arbeitet, werden wir wahrscheinlich in den kommenden Staffeln sehen.
Auch einige (wenige) Nebenfiguren aus „Breaking Bad“ tauchen auf, doch auch ihr Erscheinen wirkt nicht forciert oder  allein wegen der Anspielung auf die andere Serie hinein geschrieben. Überhaupt verlässt sich „Better Call Saul“ glücklicherweise so gut wie gar nicht darauf, dass der Zuschauer „Breaking Bad“ gesehen hat. Die Serie funktioniert also auch ohne Kenntnis des Vorgängers (bzw. Nachfolgers).
Zudem sind die Drehbücher und die Schauspielleistungen der Serie so stark, dass hier von der ersten Folge an eigene, komplexe Figuren entstehen, bei denen nur ganz selten die Frage im Raum steht, wie sie denn zu den Personen werden, die wir aus „Breaking Bad“ kennen. Viel zu interessant sind die Verwicklungen und Probleme, in denen sie sich jetzt gerade befinden. Das einzige Problem, dass in Bezug auf das bekannte Schicksal der Hauptfiguren in Zukunft auftauchen könnte, ist ein zu schnelles Schließen der erzählerischen Lücke zwischen den Serien. Einen Teil der Entwicklung hin zu ihren späteren Persönlichkeiten haben Jimmy/Saul und Mike in der ersten Staffel durchgemacht. Es gibt dem durchaus noch etwas hinzu zu fügen, doch es stellt sich die Frage, auf wie viele Staffeln sich diese Entwicklung noch strecken lässt. Mal sehen, wie es in der zweiten Staffel weiter geht. Vielleicht warten ja unerwartete Rückschläge und Umwege auf die Figuren.

Ich könnte noch weiter die Handlung der Staffel nach erzählen, doch das interessiert wahrscheinlich kaum jemanden (steht außerdem alles bei Wikipedia). Statt dessen möchte ich noch einmal hervorheben, wie herrlich komisch diese Serie in einigen Momenten ist. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal bei einer Fernsehserie so sehr lachen musste, wie hier bei der zweiten Folge. Wie Jimmy in der Wüste mit Tuco über das Schicksal zweier Jungs verhandelt, die es ihm zu verdanken haben, dass sie sich nun in Gewalt eines Gangsters befinden, der sie umnieten möchte – das ist in Schauspiel und Drehbuchkunst eine komödiantische Meisterleistung. („We could sprain their ankles.“ – „I’m cutting their legs off!“) Auch die völlig absurden Gespräche, die Jimmy nach seiner erfolgreichen Selbstvermarktung mit möglichen Klienten zu Beginn der fünften Folge führt, sind herrlich komisch – aber gleichzeitig erfüllen sie auch eine wichtige erzählerische Funktion und helfen dabei, Jimmy als tragische Figur zu zeichnen.
Meine Lieblingsszene der Staffel aber ist eine Szene mit Mike aus der vorletzten Episode, die fast wie aus einem Tarantino-Film wirkt (dann wäre sie aber wohl etwas dialoglastiger). Wie Mike hier gemeinsam mit zwei anderen Anwärtern auf den Auftraggeber eines Security-Jobs wartet, das ist genau wie viele andere Szenen eben nicht nur wahnsinnig unterhaltsam und fantastisch gespielt, sondern baut dabei auch noch Mikes Figur weiter aus.

Viele der komischen Szenen von „Better Call Saul“ sind vielleicht gerade deshalb so komisch, weil ihnen eine große Portion Tragik innewohnt. Man lacht, weil man ganz genau weiß, dass man nicht in Jimmys Schuhen stecken möchte. So auch in der letzten Folge, als Jimmy als Bingo-Conferencier im Altenheim einen Monolog hält (Stichwort „Chicago sunroof“), der inhaltlich wieder eine lachthaft absurde Situation schildert, mit dem Jimmy aber tatsächlich seine ganze Frustration über den Lauf seines Lebens in den letzten Jahren zum Ausdruck bringt.
Spätestens hier fragt man sich dann auch, warum Bob Odenkirk eigentlich nicht längst ein Star ist. Sein komödiantisches Timing ist hervorragend, aber auch alle anderen Facetten des Schauspiels sitzen bei ihm so perfekt, dass eine Emmy-Nominierung da nur noch Formsache sein sollte. Selten hat es so großen Spaß gemacht, einer Figur beim Scheitern zu zu sehen, wie bei „Better Call Saul.“

Star Trek: Enterprise – Season 1

Wie an einigen meiner früheren Blogposts unschwer zu erkennen ist, hängt mein Herz an „Star Wars“ und „Babylon 5“. Doch ich mag auch das „Star Trek“-Universum sehr gerne, wenn ich mich auch nicht als großen Fan bezeichnen würde. Aber ich kenne den Großteil der Episoden aller TV-Serien (die Original-Serie hole ich zurzeit nach) sowie alle Kinofilme. In den Neunzigern habe ich als Teenager jeden Freitagabend auf Sat 1 „Star Trek: Voyager“ geguckt und auch die jüngste Serie „Enterprise“ (2001-2005) habe ich von der ersten bis zur letzten Folge gespannt mitverfolgt.
Vielleicht lag es daran, dass es nun schon seit zehn Jahren keine neuen „Star Trek“-Abenteur mehr im Fernsehen gab, dass ich in den letzten Monaten verstärkt Lust auf „Star Trek“ bekommen habe. Jedenfalls habe ich mir die erste Staffel von „Enterprise“ zugelegt, denn das ist ja die neueste, modernste, interessanteste der „Star Trek“-Serien – so jedenfalls muss ich sie in Erinnerung gehabt haben, als ich mich dazu entschied meinen großen „Star Trek“-Rewatch aller Serien gerade mit „Enterprise“ zu beginnen. Tja, was soll ich sagen, die Erinnerung spielt einem manchmal böse Streiche. Ich habe in den letzten zwei oder drei Monaten zwar die gesamte erste Staffel noch einmal angesehen, doch es war über weite Strecken eine ziemliche Qual.

„Star Trek: Enterprise“ hieß beim Serienstart 2001 einfach nur „Enterprise“, weil die Macher wohl der Meinung waren, das Wort Enterprise sei selbsterklärend und der „Star Trek“-Zusatz würde höchstens abschreckend wirken. Diese Titeländerung (die ab der dritten Staffel wieder rückgängig gemacht wurde) und der umstrittene Titelsong (den ich sehr gerne mag!) sind allerdings auch schon die zwei mutigsten Entscheidungen bei der Konzeption dieser Serie, die über 100 Jahre vor den Abenteuern der Originalserie um Captain Kirk spielt. Wenn man sich das Bonusmaterial auf den „Enterprise“-Blu-rays anschaut, dann bekommt man einen recht guten Eindruck davon, dass diese Serie so wie sie letztlich zu sehen war, eigentlich von niemandem gewollt war. Nachdem in den Neunzigern „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Voyager“ teilweise gleichzeitig und größtenteils auch äußerst erfolgreich im Fernsehen liefen, wollte Paramount, das hinter dem „Star Trek“-Universum stehende Studio, nach dem Ende von „Voyager“ 2001 unbedingt eine weitere Serie. Brannon Braga, einer der kreativen Köpfe und Produzenten hinter „The Next Generation“ und „Voyager“, schlug eine Prequel-Serie vor, die die ersten Schritte der Menschheit bei der Erforschung des Alls zeigen sollte. Die Serie sollte die Lücke schließen zwischen dem im Film „First Contact“ gezeigten ersten Kontakt der Menschen mit den Vulkaniern im Jahr 2063 und der im 23. Jahrhundert spielenden Original-Serie, in der bereits die Vereinte Föderation der Planeten existiert und die Menscheit die Tiefen des Weltraums erforscht. Bragas Konzept beinhaltete unter anderem, die erste Staffel der Serie noch ganz auf der Erde spielen zu lassen und den Bau des ersten Raumschiffs Enterprise sowie die Konflikte und Kontroversen, aber auch die Aufbruchstimmung im Vorfeld der geplanten Mission zu zeigen. Das Studio jedoch hatte eine andere Serie im Sinn und wollte nicht in der Zeit zurück gehen, sondern noch weiter in die Zukunft. Weil Braga unabhängig von seinen Plänen für „Star Trek“ die Idee zu einer Zeitreise-Geschichte hatte, wurden diese schließlich in das Prequel-Konzept eingebaut, um so zu einem Kompromiss zu kommen. Es entstand also eine Prequel-Serie, die aber von Anfang an auf einem Raumschiff spielte und in einem Nebenhandlungsstrang einen „temporalen kalten Krieg“ behandelte, in dem mehrere aus der fernen Zukunft agierende Akteure den Lauf der Geschichte zu ändern versuchen.
Wie das bei Kompromissen häufig der Fall ist, wurde letztlich keine dieser beiden Ideen wirklich konsequent umgesetzt. Der temporale kalte Krieg spielt nur in wenigen Episoden der ersten Staffel eine Rolle und wird – wenn ich mich richtig erinnere – im späteren Verlauf der Serie einfach fallen gelassen, ohne dass seine Hintergründe ausreichend erklärt werden. Auch die Idee einer Serie, die zu einer Zeit spielt als die Erforschung des tiefen Weltraums und die aus den anderen „Star Trek“-Serien bekannte Technik zum Teil noch nicht alltäglich sind, wurde reichlich verwässert. So wurde zum Beispiel die ursprüngliche Idee, eine Zeit zu zeigen, in der die Transporter-Technologie noch nicht erfunden ist, auf Drängen des Studios fallen gelassen (bei Paramount hatte man Angst, eine „Star Trek“-Serie, in der nicht „gebeamt“ wird, sei eben kein richtiges „Star Trek“). Also kommt das Beamen doch vor, wird jedoch wie einige andere Technologien – wie z.B. die Phaser –  als noch nicht ausgereifte Neuerung präsentiert, vor der die Figuren noch Respekt haben. Das Problem dabei (und die Macher waren sich dessen bewusst, wie aus den Interviews auf den Blu-rays hervorgeht): Sobald jeweils der erste Einsatz einer dieser Technologien erfolgte – was schon ab dem Pilotfilm geschah – stellte deren Verwendung keine Neuerung mehr dar und der Gag, dass eben das Beamen den Charakteren nicht ganz geheuer ist, geht somit verloren. Kurzzeitg wurde auch in Erwägung gezogen, ein vollkommen anderes Raumschiff zu designen, bevor man dann doch wieder auf die aus den anderen Serien bekannte Untertasse mit den zwei Warpgondeln zurückgriff.
Obwohl ich „Enterprise“ damals sehr genossen habe, finde ich es aus heutiger Sicht geradezu erschreckend, wie wenig Mut die Macher hier bewiesen haben und wie sehr sie es sich auf bereits ausgetretenen Pfaden bequem gemacht haben, statt dem „Star Trek“-Motto treu zu bleiben: to boldly go where no man has gone before. Braga gibt in einem der Interviews auf den Blu-rays zu, dass er und die anderen Autoren schnell in die Falle getappt sind, einfach Geschichten zu erzählen, die man auch im Rahmen jeder anderen „Star Trek“-Serie hätte erzählen können. Er macht dafür zum einen den Zeitdruck verantwortlich (es mussten 26 Folgen pro Staffel geschrieben werden), zum anderen die Tatsache, dass die meisten der von ihm für die Serie ausgesuchten Drehbuchautoren Neulinge im „Star Trek“-Universum waren. Das hätte wohl für frischen Wind sorgen sollen, führte schließlich aber vor allem dazu, dass Braga deren unausgereifte Drehbücher fast alle stark überarbeiten musste. Immerhin gibt Braga die mangelhafte Qualität vieler Drehbücher zu und nimmt die Verantwortung dafür auf sich. Er gibt auch ganz offen zu, dass er zahlreiche Episoden der ersten Staffel für alles andere als gelungen hält („fucking terrible“, „I hated it“ oder „a fucking bore“ sind einige der Beschreibungen, die er für einzelne Folgen benutzt).
Viel zu oft hat man dann auch sehr früh in der Serie auf bereits bekannte Elemente zurück gegriffen, sich also narrativ rückwärts orientiert, statt vorwärts zu gehen und Neues zu wagen. Das beginnt schon bei der alles andere als kreativen Idee, dass es nun schon wieder eine Serie über ein Raumschiff geben muss. Ganz besonders dreist aber waren die Erfinder der Serie mit ihrer „Idee“, die legendäre Dynamik des Trios aus Kirk, Spock und McCoy in „Enterprise“ wieder aufleben zu lassen, indem sie versuchten, die Figuren schlicht zu kopieren. Captain Archer (Scott Bakula) als Kirk, die Vulkanierin T’Pol (Jolene Blalock) als Spock und der Ingenieur Charles „Trip“ Tucker (Connor Trinneer) als McCoy. Letzterer hat sogar einen Spitznamen, genau wie sein „Vorbild“ und spricht genau wie dieser gerne in Metaphern. Dass die Beziehung zwischen den Dreien nie die Tiefe und den Witz des Vorbildes erreicht, liegt zum einen an der miserablen Qualität vieler Drehbücher, denen keine komplexe Charakterisierung der Figuren gelingt. Zum anderen finde ich aber rückblickend auch Blalocks Schauspielentscheidungen höchst seltsam. Sie scheint sich so sehr anzustrengen, die rationale und emotionslose Seite der Vulkanier darzustellen, dass sie meistens vollkommen vergisst, dass zum Vulkanierdasein von Leonard Nimoys Spock ja durchaus eine humorvolle, verschmitzte Seite gehörte. Manchmal hat man bei ihm geradezu den Eindruck, er spiele mit den Erwartungen, die seine menschlichen Kollegen an ihn haben, um sie dann gezielt zu unterlaufen. Bei T’Pol dagegen kommen derartige menschliche Regungen extrem selten vor. (Das könnte man nun „in universe“ damit erklären, dass Spock schließlich nur Halbvulkanier ist. Trotzdem will der Zuschauer das Innenleben der Figuren nachvollziehen können und das geht nicht, wenn sich ein Schauspieler fast vollkommen auf die Darstellung einer einzigen Charaktereigenschaft konzentriert.) Das Resultat ist, dass T’Pol oft nicht vulkanisch-rational wirkt, sondern ganz einfach nur kühl und schlecht gelaunt. Es gibt wie gesagt einige wenige Ausnahmen, beispielsweise ihr Interesse für eine Gruppe höchst untypischer Vulkanier, auf die die Enterprise in der gelungenen Episode „Fusion“ (1.17) trifft. Diese wollen T’Pol dazu ermutigen, ihre Emotionen zuzulassen und zu zeigen, doch nach der für sie erschreckenden Erfahrung einer vulanischen Gedankenverschmelzung entscheidet sich T’Pol gegen diesen Weg.

Bei all der Kritik, die ich hier an der Serie übe, frage ich mich allmählich selbst, warum ich die gesamte erste Staffel noch einmal angeschaut habe. Trotzdem bin ich mit dem Kritisieren noch nicht fertig. Noch gar nicht erwähnt habe ich die berüchtigte „Dekontaminierungskammer“ (oder wie immer man das Ding auch nennt), einer der wenigen wirklich neuen Einfälle, die die Macher hier hatten, aber auch einer der schlimmsten. Im Pilotfilm sitzen Trip und T’Pol nach einer Außenmission gemeinsam in Unterwäsche in dieser Kammer und müssen sich (zum Teil gegenseitig) mit Desinfektionsgel einschmieren. Nicht nur macht dieser Vorgang wenig Sinn (warum müssen z.B. die noch von Kleidung bedeckten Hautpartien anscheinend nicht eingeschmiert werden?), er stellt auch eines von mehreren Beispielen für die unnötig sexualisierte Darstellung von Frauen in der Serie dar, die ganz und gar nicht so fortschrittlich wirkt, wie das „Star Trek“-Universum sich ja gerne gibt.
Ein weiteres besonders großes Ärgernis findet sich in Episode 1.09 („Civilization“). Dabei handelt es sich um eine jener „Star Trek“-Folgen, in der die Crew des Schiffs „undercover“ auf einem Planten forscht, der von einer weniger fortschrittlichen Zivilisation bewohnt wird. Ich persönlich finde ja bereits diese Ausgangssituation zum Gähnen; gefühlte hundertmal hat man so etwas in „Star Trek“ bereits gesehen. Dass die Außerirdischen auf diesem Planeten fast genau wie Menschen aussehen, stört mich nicht einmal. Schließlich werden sie von Menschen gespielt und selbst bei „Star Trek“ reichen Zeit und Geld wohl nicht aus, um für jede Folge aufwändige, den ganzen Kopf bedeckende Masken zu kreieren. Aber dass sich diese Zivilisation dann auch in ihren Gebräuchen und ihrem Umgang untereinander gar nicht von uns Menschen unterscheidet, empfinde ich als extrem unglaubwürdig. Warum tragen auch hier die Frauen lange Haare und Kleider? Warum finden sich Archer und seine Crew sofort auf dem Planeten zurecht und fallen (dank ihrer Verkleidung) nicht auf? Sie müssen sich zwar physisch verkleiden, doch da sie mit den Sitten und Umgangsformen auf diesem Planeten noch überhaupt nicht vertraut sind, müssten sie doch trotz des Simultanübersetzers – noch so eine Technik, auf die man in der Serie anfangs anscheinend verzichten wollte, auf die man sich dann aber doch recht schnell verließ – sofort als Fremde auffallen. Als Archer seine Idee vorträgt, getarnt auf dem Planeten zu ermitteln, weist T’Pol ihn darauf hin, er würde sofort erkannt werden. Seine Antwort: „Not if we look like them.“ Schade, dass die Serie hier den Zuschauer für dumm verkauft. Natürlich lässt sich ein fremdes Volk, das bis auf sein Aussehen den Menschen gleicht, in einer 45-minütigen Episode einfacher darstellen als eine auch sozial völlig andere Zivilisation. Dafür bräuchte es schon mehrere Episoden, aber das wäre auch eine Chance gewesen: einmal nicht in jeder Folge einen neuen Planeten, ein neues fremdes Volk oder Ähnliches einbauen, sondern für mehrere Episoden auf ein und demselben Planeten verharren und dafür der Geschichte sowie den Haupt- und Nebenfiguren Zeit geben, sich zu entwickeln. Statt dessen liefert die erste Staffel hauptsächlich in sich abgeschlossene Episoden und wirkt damit zumindest in ihrer Erzählweise bereits heute veraltet. Erst in der dritten Staffel, mit der die Serie einen deutlichen Qualitätssprung macht, wagen die Autoren endlich etwas Neues und gehen auch den Weg hin zu einer durchgehend episodenübergreifenden Erzählweise.

Bevor ich zu den wenigen Dingen komme, die mir an der ersten Staffel gefallen haben, bleibe ich noch einen Moment bei den (besonders) schlechten Episoden. In „Unexpected“ (1.05) kommt es zu einer männlichen Schwangerschaft: Nach einer kurzen, eigentlich ganz unschuldigen Beziehung zu einer außerirdischen Frau wird Trip plötzlich zum Träger eines Embryos. Eine Ausgangssituation, die Stoff für eine interessante Geschichte bietet, sollte man meinen. Leider ignoriert die Folge diese Möglichkeiten jedoch und der Embryo wird schließlich einfach auf einen anderen Wirt übertragen – ohne die damit verbundenen ethischen Fragen auch nur ansatzweise zu thematisieren. Besonders langweilige Episoden sind auch „Fortunate Son“ (1.10), wo nicht zum letzten Mal der Versuch, dem Steuermann Travis Mayweather (Anthony Montgomery) charakterliche Tiefe zu verleihen, fehlschlägt und „Rogue Planet“ (1.18), eine jeder Episoden, die wirkt wie aus der Schublade für „jederzeit einsatzbereite Trek-Folgen“ gezogen worden zu sein. Wirklich alles darin hätte auch in jeder anderen „Star Trek“-Serie mit irgendwelchen anderen Figuren passieren können; dementsprechend gleichgültig ist einem das Geschehen auch. Noch dazu findet sich hier eines jener ärgerlichen Beispiele für die allzu positive Zukunft, in der die Menschen im „Star Trek“-Universum leben. Ich habe wirklich nichts gegen Optimismus, Idealismus und Aufbruchsstimmung. Aber dass die Menschheit ihre größten Probleme innerhalb weniger Jahrhunderte komplett bewältigt, erscheint mir einfach unrealistisch. Im Pilotfilm wird klar gestellt „War, disease, hunger, [we] pretty much wiped them out in less than two generations.“. In „Rogue Planet“ trifft die Crew der Enterprise auf einem fremden Planeten auf eine Gruppe von Jägern – und was ist das erste, das Archer zu ihnen sagt, als er erfährt, dass sie das Jagen als Sport verstehen? „Hunting went out of style on Earth more than a hundred years ago.“ Aus dem Mund eines Captains, der Kontakt zu fremdem Zivilisationen herstellen soll, klingt das nicht nur wie eine höchst unerfahrene und undiplomatische Aussage, sondern zeugt auch von einer menschlichen Arroganz, die sich die Menschen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht leisten können.

Nun aber mal zu ein paar positiven Aspekten. Wirklich gefallen hat mir die Beziehung zwischen den Menschen und den Vulkaniern, die schon im Pilotfilm sehr schön etabliert wurde. Während die Menschen endlich auch ohne Aufsicht und fremde Hilfe die Weiten des Alls erforschen wollen, halten die Vulkanier uns dafür immer noch nicht für reif genug. Daraus ergeben sich immer wieder Reibungen zwischen dem vulkanischen Botschafter auf der Erde, Soval (Gary Graham) und T’Pol auf der einen Seite, sowie Captain Archer und Admiral Forrest (Vaughn Armstrong) auf der anderen. Davon hätte ich gerne mehr gesehen und wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Element der Geschichte um eines der Überbleibsel der ursprünglichen Idee Brannon Bragas für die Serie. Recht faszinierend finde ich an sich auch die Idee des temporalen kalten Krieges, der von einer mysteriösen Figur aus der fernen Zukunft gesteuert wird. Leider wussten die Autoren aber anscheinend nicht genau, was sie mit dieser Idee anfangen sollten. Sie wird jedenfalls nur in wenigen Folgen aufgegriffen und weiter gesponnen. Ganz besonders gut gefällt mir der Look der Serie – die Effekte, die Sets und das allgemeine Design. Beim Design der Innenräume des Schiffs hat man sich von U-Booten inspirieren lassen und lässt alles etwas enger und metallischer wirken als in den früheren Serien. Darüber, dass vieles keinen Sinn macht, kann ich hinwegsehen. Zum Beispiel wirken die „Klapp-Kommunikatoren“ heute vollkommen veraltet, aber weil sie eben in der Originalserie etabliert worden sind, kann man in „Enterprise“ keine moderner wirkende Technik zeigen.
Es ist ja generell ein Problem von Prequels, dass man nichts zeigen darf, was den bekannten, späteren Ereignissen und Elementen widerspricht. So dürfen etwa auch die Taten und Entdeckungen Archers und seiner Crew nicht größer oder bedeutender sein als die von Kirk, Spock und Co, weil diese sonst nachträglich entwertet würden. Auch diesem Problem ließe sich aus dem Weg gehen, indem man ganz einfach völlig andere Geschichten erzählt, so wie es dann in der dritten Staffel geschieht.
Zu den Episoden, die mir gut gefallen haben, gehört „The Andorian Incident“ (1.07), wo wir auf die aus der Originalserie bekannten Andorianer treffen. Deren Anführer wird von „Star Trek“-Veteran Jeffrey Combs gespielt, dem es vielleicht als einzigem Schauspieler in dieser Staffel gelingt, seine Figur mit der richtigen Mischung aus Ernst und Ironie anzulegen. Auch „Shadows of P’Jem“ (1.15), das diesen Handlungsstrang fortführt, weiß gut zu unterhalten. „Shuttlepod One“ (1.16) fand ich damals beim ersten Anschauen wahnsinnig faszinierend. Dieses Mal hat mich die Folge, in der Trip und Lieutenant Reed (Dominic Keating) in einem einsam im Weltraum treibenden Shuttle dem Tod ins Auge sehen, zwar nicht mehr so sehr fasziniert, aber schauspielerisch fand ich sie dennoch beeindruckend. „Fusion“ habe ich schon erwähnt, in „Detained“ (1.21) geraten Archer und Mayweather in ein kafkaesk anmutendes Gefangenenlager der Tendaraner; gleichzeitig erweitert die Episode den Handlungsstrang um die in den temporalen kalten Krieg verwickelten Suliban sinnvoll. Auch „Fallen Hero“ (1.23) weiß zu gefallen. Die Enterprise nimmt darin eine vulkanische Botschafterin vorübergehend als Gast auf, die sich als ganz und gar nicht typische Vertreterin ihrer Spezies entpuppt. Das Finale „Shockwave (Part 1)“ wartet schließlich mit einem nicht ganz taufrischen Cliffhanger auf, aber immerhin ist man gespannt, wie die Geschichte weiter geht.

Die erste Staffel von „Enterprise“ hat also durchaus ihre Lichtblicke. Das soll jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Autoren hier oft schlicht und einfach faul waren oder nicht wussten, was sie taten. Wer verzweifelt nach neuen „Star Trek“-Abenteuern sucht, der wird auch damit gut bedient, aber den eigenen Horizont erweitert man mit diesen Variationen altbekannter Geschichten nicht (wer nach Gründen sucht, sich „Enterprise“ mal wieder anzusehen, findet sie hier). Zuschauer, die bislang noch kaum mit dem „Star Trek“-Universum in Berührung gekommen sind, werden vielleicht weniger Schwierigkeiten mit dieser ersten Staffel haben und tatsächlich stellt sie mit ihrem modernen Look und den immer noch gut aussehnden Effekten einen guten Einstiegspunkt ins „Star Trek“-Universum dar. Aber ob man dabei auch vielschichtige Figuren kennen lernt, die einem mit der Zeit ans Herz wachsen, wage ich zu bezweifeln.
Ich kann jedenfalls inzwischen auch nicht mehr nachvollziehen, warum ich ausgerechnet die erste Staffel von „Enterprise“ noch einmal angeschaut habe. Wahrscheintlich, weil ich stets auf Korrektheit und Komplettheit bedacht bin; dementsprechend werde ich in ein paar Monaten wohl auch die zweite Staffel wieder einmal anschauen, bevor ich dann zu den richtig guten Seasons 3 & 4 komme. Momentan schaue ich mich wie oben erwähnt erstmals durch die zweite Staffel der Originalserie, die trotz der lächerlich wirkenden Sets und Kostüme unglaublich unterhaltsam ist. Mehr dazu irgendwann hier im Blog.

Buffy the Vampire Slayer – Season 4 (& Angel – Season 1)

Nachdem ich im letzten Jahr begonnen habe, eine große popkulturelle Bildungslücke zu schließen und mir die erste, zweite und dritte Staffel von Joss Whedons „Buffy the Vampire Slayer“ angeschaut habe, bin ich in den letzten Wochen nach Sunnydale zurückgekehrt und habe mir die vierte Staffel angesehen. Dafür habe ich etwas länger gebraucht als für die früheren Staffeln, denn wenn man die volle Buffyverse-Erfahrung haben will, muss man nun ja zwei Serien gleichzeitig gucken: Nachdem Buffy (Sarah Michelle Gellar) und Angel (David Boreanaz) am Ende der dritten Staffel eingesehen haben, dass sie sich zwar immer lieben, aber auch immer unglücklich machen werden, hat Angel Sunnydale verlassen und lebt nun in Los Angeles. Dorthin hat es nach der High School auch Cordelia (Charisma Carpenter) verschlagen, die von der großen Schauspielkarriere träumt, aber tatsächlich in Angels Detektivbüro arbeitet. Aber damit bin ich ja schon bei der Spinoff-Serie „Angel“, obwohl ich zunächst eigentlich über „Buffy“ schreiben wollte. Da ich das volle Buffyverse-Erlebnis haben wollte, konnte ich „Angel“ natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen und habe mich an die hier vorgeschlagene Reihenfolge gehalten, um vor allem bei den jeweiligen Crossover-Episoden der beiden Serien keine bösen Überraschungen zu erleben (z.B. dass in einer Serie wichtige Ereignisse erwähnt werden, die einen Spoiler für die andere Serie darstellen, weil man die entsprechende Folge noch nicht gesehen hat).

Ich beginne also mit „Buffy“. Die größte Herausforderung unserer Titelheldin scheint in der ersten Episode der Staffel nicht ein Dämon zu sein (das „Slayen“ ist ja mittlerweile Routine für sie), sondern das Erstellen ihres Stundenplans fürs College. Ich kann zwar auch nach 22 Folgen immer noch nicht sagen, was genau Buffy eigentlich studiert, aber mit dem Übergang von der High School zur Uni verändert sich für sie so einiges. Anders als in ihrem letzten Schuljahr muss sie ihre Identität als Slayer am College wieder geheim halten und erlebt gleich am ersten Tag auf dem Campus, wie chaotisch das Unileben sein kann. Doch sie und ihre beste Freundin Willow (Alyson Hannigan) machen auch neue Bekanntschaften. Da wäre zum einen Riley (Marc Blucas), der im Lauf der Staffel mit Buffy zusammen kommt (auch wenn ihre erste Begegnung nicht besonders glücklich verläuft und er Buffy zunächst nur als „Willow’s friend“ im Gedächtnis behält). Dann wäre da Kathy (Dagney Kerr), die mit Buffy ein Zimmer im Wohnheim teilt. Es stellt sich allerdings sehr schnell heraus, dass die beiden überhaupt nicht zueinander passen: Als Kathy mit den Worten „I just know that this whole year is gonna be super fun!“ ein Céline Dion-Poster neben ihr Bett hängt, charakterisiert das nicht nur ohne viele Worte ihre Figur, sondern sorgt auch noch für einen der besten Gags der ganzen Serie. In der zweiten Folge treibt Kathy Buffy mit ihren Marotten fast in den Wahnsinn. Nachdem sie sich schließlich als Dämon entpuppt hat und nach etwas Arbeit von Giles und Buffy wieder aus dieser Welt verschwunden ist, zieht Willow zu Buffy ins Zimmer – warum eigentlich nicht gleich? Und dann ist da noch Professor Walsh (Lindsay Crouse) oder „the evil bitch monster of death“, wie die Psychologie-Professorin eigener Aussage zufolge unter ihren Studenten bekannt ist. Mehr zu ihr später.

Als Willow und Buffy gemeinsam das College-Gelände erkunden, ist Willow von der riesigen Universitätsbibliothek begeistert, merkt aber auch an, wie schade es ist, dass Giles (Anthony Stewart Head) nicht dort arbeitet. Tatsächlich ist Buffys ehemaliger Watcher kein so wichtiger Teil ihres Lebens mehr wie früher. Er ist zwar im Lauf der Staffel immer wieder tief in die Aktionen der Scoobies zur Bekämpfung des Bösen mit eingebunden, aber Buffy ist eben inzwischen erwachsen und hat es nicht mehr nötig, ständig von einer Vaterfigur geführt zu werden. Fühlt sie sich in der ersten Episode noch von Giles allein gelassen, so ist es im späteren Verlauf der Staffel vor allem Giles, der sich allein und nicht mehr gebraucht fühlt. Er durchlebt in der vierten Staffel eine midlife crisis. Er fängt an zu joggen, abonniert plötzlich Auto-Magazine, schaut in Buffys Stammclub, dem Bronze, vorbei und hat ein Geheimnis, das Buffy, Willow und Xander schließlich lüften: Er tritt als Sänger in einer Bar auf – und ist dabei ziemlich gut, wie Buffy feststellen muss. Giles bleibt zwar auch die ganze vierte Staffel über Teil der Serie und kommt in allen 22 Folgen vor, doch ich hatte das Gefühl, dass er eigentlich nicht mehr viel in der Serie zu suchen hat. Soweit ich weiß, wird er irgendwann in den noch verbleibenden drei Staffeln vom Haupt- zum Nebencharakter herabgestuft, persönlich bin ich allerdings der Meinung, dass man ihn  hätte sterben lassen sollen. Giles nimmt in der Serie die klassische Mentor-Position ein und müsste als solcher – nach den u.a. von Joseph Campbell dargelegten Regeln der mythologischen Heldenreise – früher oder später sterben. Vielleicht habe ich ja unrecht und er stirbt tatsächlich noch. (Glaube ich aber nicht, denn ich bin leider schon ein wenig gespoilert und weiß, dass eine andere für Buffy sehr wichtige Person in der fünften Staffel sterben wird.)

Bevor Buffy im Lauf der Staffel mit Riley zusammen kommt, verliebt sie sich erst einmal in Parker (Adam Kaufman), einen anderen Kommilitonen. Die beiden schlafen zusammen und Buffy fühlt sich für ein paar Tage wie im siebten Himmel, bis sie feststellen muss, dass Parker sie nur als spaßiges Abenteuer gesehen hat und sich nun nicht mehr für sie interessiert. „Does this always happen? Sleep with a guy and he goes all evil?“, fragt Buffy Willow, auf ihre Erfahrungen mit Angel anspielend. Etwas andere Beziehungsprobleme hat dagegen Xander (Nicholas Brendon). In der dritten Folge taucht Anya (Emma Caulfield), die menschlich gewordene Rachedämonin aus der dritten Staffel wieder auf und erklärt Xander, sie könne nicht mehr auffhören, an ihn zu denken und müsse nun unbedingt mit ihm schlafen, um ihn hinter sich lassen zu können. Xander lässt sich nicht lange bitten und hinterher kündigt Anya an „So, Im over you now.“ Dem ist natürlich doch nicht so; Xander und Anya werden ein Paar, auch wenn man als Zuschauer lange nicht so genau weiß, warum die beiden eigentlich zusammen sind. Liebe kann jedenfalls nicht der Grund sein. Anya ist aus irgendeinem Grund verrückt nach Xander, während der nicht wirklich verliebt scheint, sondern Anyas Verrücktheit nach ihm lediglich ausnutzt. Genau das – dass Xander sie nur ausnutzt – wirft Anya ihm in der Mitte der Staffel vor (mein Gedanke dazu: selbst schuld, so wie sie sich an ihn geschmissen hat). Dass es zwischen den beiden nichts zu geben scheint als Sex, wird jedenfalls immer mehr zum Problem, bis sie sich schließlich wieder trennen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich mit Anya und ihrer Rolle in der Serie anfreunden konnte. Am Anfang der Staffel fand ich die Art, in der sie als Ex-Dämonin, die das Menschsein erst wieder lernen muss, ständig unüberlegte Kommentare von sich gab, noch irritierend. Im Lauf der Staffel habe ich ihren Meta-Humor jedoch schätzen gelernt und mich bisweilen an Seven of Nine aus „Star Trek: Voyager“ erinnert gefühlt, die ja auch vom Mensch zum Nichtmensch und dann wieder zum Mensch wurde und ebenso mit menschlichen Umgangsformen fremdelte wie Anya.

Aber ob mit oder ohne Anya, Xander hat in dieser Staffel auch noch andere Probleme. Als einziger der Scoobies hat er es nämlich nicht aufs College geschafft. Schule und Lernen waren noch nie seine Stärken. Und so schlägt er sich die ganze Staffel über mit verschiedenen Jobs herum (u.a. verkauft er Fitnessriegel und Eis), aber der richtige scheint noch nicht dabei gewesen zu sein. Er wohnt zuhause bei seinen Eltern (die man nie zu Gesicht bekommt) im Keller. Als Anya in der vierten Folge zu ihm sagt, er habe doch mit Buffy, Willow und Oz, die nun alle aufs College gehen, nicht mehr viel gemeinsam, will er das zwar nicht hören, doch Anya hat einen wunden Punkt getroffen. Denn Xander versucht im Lauf der Staffel immer wieder zu beweisen, dass er eben doch noch dazu gehört, auch wenn er vom Leben auf dem Campus und von Psychologievorlesungen keine Ahnung hat. Am Ende der Staffel (Folge 4.21) fühlt er sich antriebslos und hinsichtlich seines Status in der Gruppe unsicher. Zum Glück spielt er anschließend aber doch eine wichtige Rolle beim Kampf gegen das Böse.

Auch die Beziehung des – nach der Trennung von Buffy und Angel – verbliebenen Traumpaares der Serie steht unter keinem guten Stern. Willow und Oz (Seth Green) schienen beide bemerkenswert gut damit zurecht zu kommen, dass Oz ein Werwolf ist. Jeden Monat wir Oz einfach bei Vollmond nachts eingesperrt und bewacht, damit er nach seiner Verwandlung niemanden verletzen kann. Nun zeigt sich jedoch, dass die Sache nicht so einfach ist. Oz lernt Veruca (Paige Moss) kennen, eine Kommilitonin und Sängerin, die ebenfalls eine Werwölfin ist. Sie kann nicht verstehen, dass Oz sich bei Vollmond wegsperren lässt und seine animalische Seite nicht akzeptieren will. „You’re the wolf all the time, and this human face is just your disguise.“, versucht sie ihn in der sechsten Episode („Wild at Heart“) zu überzeugen. Oz fühlt sich eindeutig zu Veruca hingezogen und ist von ihr und ihrer Lebenseinstellung fasziniert, liebt aber weiterhin Willow und will sie nicht verletzen. Als Willow aber entdeckt, dass Oz und Veruca (in Werwolfform) die Nacht zusammen in Oz‘ Käfig verbracht haben, ist sie am Boden zerstört. Schließlich kommt es zum Kampf der beiden Werwölfe. Dabei tötet Oz Veruca und beschließt daraufhin, aus Sunnydale fort zu gehen. „Veruca was right. The wold is inside me all the time. And I don’t know where that line is anymore, between me and it.“, erklärt er Willow und verlässt die Stadt, um sich auf die Suche nach sich selbst zu machen.

In Episode 4.19 („New Moon Rising“) kehrt er, um viele Erfahrungen reicher zurück. Mit seiner animalischen Seite hat er inzwischen seinen Frieden gemacht und sie sogar so weit unter Kontrolle, dass er sich bei Vollmond nicht mehr verwandelt, was er Willow in einer schauspielstarken Szene stolz demonstriert. Natürlich will er wieder mit ihr zusammen sein – doch es gibt ein Problem. Willow hat sich im Lauf der Staffel nämlich langsam, aber sicher neu verliebt – in ihre Kommilitonin Tara (Amber Benson). Die beiden lernen sich in Episode 4.10 („Hush“) kennen, als sie an einer Sitzung der „Wicca group“ des Colleges teilnehmen. Außer Willow und Tara scheinen die übrigen Teilnehmer die Hexerei jedoch nicht besonders ernst zu nehmen und so verlieren beide schnell wieder das Interesse an der Gruppe, entdecken dafür aber ihr Interesse aneinander. Die Annäherung zwischen den beiden geschieht den Rest der Staffel über ganz allmählich. Willow verschweigt Buffy und den anderen jedoch lange ihre Freundschaft (anfangs ist es ja nichts weiter) zu Tara, weil sie sich selbst nicht sicher ist, was für eine Beziehung sie beide verbindet. In Episode 4.13 („The I in Team“) verbringt Willow erstmals die Nacht bei Tara. Willow und Tara waren eines der ersten offen lesbischen Paare im Fernsehen, um so angenehmer ist es, dass die Serie daraus überhaupt keine große Sache macht. Die beiden sind irgendwann eben einfach zusammen. Kompliziert wird die Sache erst, als Oz zurück kehrt und sich Willow mit ihren Gefühlen auseinander setzen muss. Sie will ihn nicht verletzen und hegt noch tiefe Gefühle für ihn, liebt inzwischen aber ganz klar Tara, für die sie sich dann auch entscheidet. Oz verlässt Sunnydale erneut, Willow und Tara sind nun ganz offen ein Paar.

Die Charaktere haben sich also in dieser Staffel alle ein ganzes Stück weiter entwickelt. Sie sind – in den meisten Fällen – erwachsen geworden und haben sich neuen Herausforderungen stellen müssen. Einige sind jedoch auch frustriert und deprimiert darüber, dass das Leben nicht so spielt, wie sie es sich vorstellen. Giles muss sich damit abfinden, dass er nicht mehr so sehr gebraucht wird wie früher. Xander ist noch auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung, mit der er Geld verdienen kann und die ihm Spaß macht. Und Spike, der die dritte Staffel über größtenteils mit Abwesenheit glänzte, bekommt es mit einem ganz besonderen Problem zu tun: Ihm wird ein Chip ins Gehirn eingesetzt (dazu gleich mehr), der es ihm unmöglich macht, Menschen zu verletzen. Es hat sich für ihn also erst einmal ausgesaugt! Nachdem er eine Weile verzweifelt durch Sunnydale gelaufen ist, sucht er in seiner Not Giles‘ Wohnung auf, wo er von Buffy und Co. erst mal an einen Stuhl gefesselt wird, weil sie ihm nicht glauben, dass er keine Gefahr mehr darstellt (4.08, „Pangs“). Für eine kurze Zeit hat Giles anschließend Spike als Mitbewohner, bevor dieser dann an Xander weiter gereicht wird und bei ihm einzieht (4.10). Kurz darauf ist er von so verzweifelt, dass er Selbsmord begehen und sich selber pfählen will, findet aber heraus, dass er zwar weiterhin keine Menschen, dafür aber andere Dämonen und Vampire verletzen kann. Das gibt ihm nicht nur die Gelegenheit, all die angestauten Aggressionen heraus zu lassen, sondern lässt ihn plötzlich auch ganz wild darauf werden, an der Seite der Scoobies das Böse zu bekämpfen (4.11, „Doomed“). Und so wird Spike wohl allmählich zum Ersatz für Angel (ein Vampir, der keine Menschen verletzt und auf der Seite der Guten kämpft). Spike überlegt es sich zwar in der zweiten Staffelhälfte wieder anders, schlägt sich wieder auf die Seite des Bösen und versucht die Scooby Gang unter anderem mit psychologischer Kriegsführung auseinander zu bringen und so verletztlich zu machen (4.20, „The Yoko Factor“). Doch ich gehe davon aus, dass er und Buffy sich schon noch zusammen raufen werden…

Noch einmal zurück zu dem Chip in Spikes Kopf: Dieser wurde ihm von einer Organisation implantiert, die sich die „Initiative“ nennt. Dabei handelt es sich, wie sich in der ersten Hälfte der Staffel allmählich heraus stellt, um eine geheime Regierungsoperation, die mit militärischen und wissenschaftlichen Mitteln das Böse erforschen und bekämpfen soll. Leider handelt es sich dabei auch um den größten Schwachpunkt der vierten Staffel, die insgesamt nicht so gut ist wie die beiden vorhergehenden. Dass ein 16-jähriges Mädchen unter der Aufsicht eines Schulbibliothekars ganz allein Dämonen bekämpft, macht zwar wenn man genau darüber nachdenkt, nicht besonders viel Sinn. Doch da es sich dabei um eine Variation der klassischen mythologischen Heldenreise handelt, die mit dem für „Buffy“ tpyischen Humor und Wortwitz angereichert ist, kann man sich trotzdem mit Buffy identifizieren und von ihren Abenteuern unterhalten lassen. Der Handlungsstrang um die Initiative wirkt dagegen einfach nur absurd und unglaubwürdig. Eine „Verwissenschaftlichung“ des Übernatürlichen passt nicht ins „Buffy“-Universum. Zudem ist es schon etwas seltsam, dass die Initiative angeblich schon seit Jahren existiert hat, sich ihre und die Wege von Buffy und Giles aber noch nie zuvor gekreuzt haben. Dass die Ziele der Initiative am Ende der Staffel von der Regierung für gescheitert erklärt werden und ihr unterirdisches Hauptquartiert mit Beton ausgegossen wird (4.21, „Primeval“), kann ich jedenfalls nur begrüßen. Hoffentlich wartet die fünfte Staffel mit einer interessanteren Rahmenhandlung und vielschichtigeren Gegenspielern für Buffy auf. Dass sowohl Riley als auch Professor Walsh Mitglieder der Initiative sind, habe ich noch gar nicht erwähnt. Am Ende der Staffel ist das aber sowieso nicht mehr relevant; mit der Initiative hat es sich erledigt, die Professorin ist tot und Riley und Buffy führen nach einem turbulenten Jahr endlich eine harmonische Beziehung.

Beim Staffelende bin ich nun bei einer der besten „Buffy“-Folgen angelangt, vielleicht der besten bisher überhaupt: „Restless“ (4.22). Ich hatte mich schon gewundert, dass bereits in der vorletzten Folge der Staffel die Initiative endgültig besiegt und alle wichtigen Handlungsstränge zu einem (vorläufigen) Abschluss gebracht worden waren. Was sollte also in der letzten Episode noch kommen? Würde ein ganz neuer Handlungsstrang bereits die fünfte Staffel einleiten und den Zuschauer mit einem mörderischen Cliffhanger entlassen? Nein, denn Joss Whedon hat sich für diese Episode etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Restless“ spielt größtenteils in den Träumen von Willlow, Xander, Giles  und Buffy und bricht mit vielen der über die letzten vier Jahre etablierten Erzählkonventionen der Serie. Inhaltlich und formal erzeugt die Episode beim Zuschauer das Gefühl, sich tatsächlich in einem Traum wieder zu finden. Am Anfang verursacht das erst einmal nur ratloses Kopfkratzen, weil das, was hier geschieht überhaupt keinen Sinn zu machen scheint. Doch wenn sich im Lauf der Handlung herausstellt, dass es zwischen den vier Träumen eine Gemeinsamkeit gibt (und damit meine ich nicht den stets auftretenden „Käsemann“), dann beginnt die Folge allmählich Sinn zu machen. Dass Whedon die Staffel statt mit einem Paukenschlag mit dieser Coda abschließt, zeigt wie selbstbewusst er als Showrunner der Serie inzwischen geworden war und das Ergebnis ist eine der bislang besten Episoden von „Buffy“, vielleicht sogar die beste überhaupt (und die bislang einizige, die ich mir direkt nach dem Ende sofort ein zweites Mal angeschaut habe).

Die zweite wirklich herausragende Episode der Staffel ist „Hush“ (4.10) – wie „Restless“ ebenfalls von Whedon selbst geschrieben und inszeniert. Auch hier steht eine auf den ersten Blick vollkommen absurde Idee im Mittelpunkt: Wie wäre es mit einer „Buffy“-Folge, die zum Großteil ohne Dialoge auskommt? Das klingt verrückt und kaum durchführbar, doch was Whedon daraus macht ist eine Sternstunde des Fernsehens – und beschert der Serie wie nebenbei auch noch die bislang unheimlichsten Bösewichter. Dabei handelt es sich um schwebende, mit einem dämonischen Dauergrinsen versehende Gestalten namens „The Gentlemen“, die allen Bewohnern von Sunnydale die Stimme rauben. (Einer von ihnen wird von Doug Jones gespielt, der vor allem durch seine mehrfache Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro bekannt ist; u.a. spielt er in „Pans Labyrinth“ sowohl den Faun als auch den „pale man“, der seine Augen in den Handflächen trägt.) „Hush“ beinhaltet einige herrlich komische Szenen, die sich aus der wortlosen Kommunikation der Figuren ergeben, ist aber auch eine der ganz wenigen „Buffy“-Folgen, die einen wirklich ängstigen. Die Gentlemen sind gerade in ihrer Reduziertheit (sie bewegen sich fort, ohne sich zu bewegen; sie sprechen nicht) erschreckender und furchteinflößender als alles andere, was man bis dahin in „Buffy“ gesehen hat.

Weitere sehr gute Episoden der vierten Staffel sind das bereits erwähnte „Wild at Heart“ und „Who Are You“ (4.16), in dem die aus dem Koma erwachte Faith (Eliza Dushku) einen Körpertausch mit Buffy vollzogen hat. Sarah Michelle Gellar und Eliza Dushku dabei zuzusehen, wie sie jeweils die andere spielen, macht großen Spaß. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten und so hat die vierte Staffel von „Buffy“ nicht nur ein paar der bislang besten Episoden zu bieten, sondern auch mit „Beer Bad“ (4.05) eine einfach nur peinliche Folge, nach der ich mich gefragt habe, wie Joss Whedon ein solch bodenlos schlechtes Drehbuch zur Produktion freigeben konnte. Es gab noch ein paar weitere bestenfalls durchschnittliche Folgen; gerade die Episoden, in denen die Handlung um die Initiative im Mittelpunkt stand, waren oft die weniger kreativen und mitreißenden. Wie schon erwähnt fand ich die Staffel insgesamt weniger gut als die vorhergehenden Seasons, aber eine schlechte „Buffy“-Staffel ist natürlich trotzdem noch verdammt gutes Fernsehen.

Jetzt habe ich schon so viel geschrieben und noch kaum ein Wort über „Angel“ verloren. Wie eingangs erwähnt habe ich mich vor dem Anschauen der beiden Staffeln darüber schlau gemacht, in welcher Reihenfolge man die Episoden anschauen muss, um vor allem bei den Crossover-Folgen das bestmögliche Buffyverse-Erlebnis zu haben. Insgesamnt hat mich „Angel“ bis jetzt noch nicht überzeugt und ich habe mir die Serie eigentlich nur dewegen angeschaut, weil sie eben zum Buffyverse gehört. Soweit ich weiß, wird sie sich qualitativ noch enorm steigern, in dieser ersten Staffel fand ich viele Episoden jedoch zum Gähnen. Die Crossover-Folgen zwischen „Buffy“ und „Angel“ wurden bewusst eingebaut, um möglichst viele „Buffy“-Zuschauer auch für „Angel“ gewinnen zu können. Und so darf Buffy im Lauf dieser Staffel ein paar mal bei Angel und Cordelia in Los Angeles vorbeischauen und Angel ein paar Mal nach Sunnydale zurückkehren. Am Ende von Episode 1.19 sagt Angel zu Buffy „Go home“ und signalisiert damit wohl, dass es nun mit Buffys Besuchen bei ihm vorbei ist. Das ist auch gut so, denn schließlich beginnt „Angel“ zwar als Spinoff von „Buffy“, muss letztendlich aber eigene Wege gehen, um eine wirklich gute und interessante Serie zu werden. Die Weichen dafür sind am Ende der Staffel jedenfalls gestellt, so dass ich tatsächlich gespannt bin, wie die Geschichte weiter geht.

Ein Höhepunkt waren die Episoden 1.18 und 1.19 („Five by Five“, „Sanctuary“), die den in der vierten Staffel von Buffy wieder aufgenommenen Handlungsstrang um Faith beenden. Faith war nicht gerade meine Lieblingsfigur in „Buffy“, umso überraschter war ich dann aber, als sich gerade die „Angel“-Episode „Sanctuary“ als die beste Faith-Folge im Buffyverse entpuppte und die Figur überzeugend weiter entwickelte. Glaubwürdig und detaillliert wird hier (und in den drei voraus gegangenen Folgen aus „Buffy“ und „Angel“, in denen dieser Handlungsstrang thematisiert wird) geschildert, dass Faith ihre in der dritten Staffel von „Buffy“ begangenen Taten inzwischen bereut. Bis sie an den Punkt kommt, an dem sie sich Angel öffnen kann, ist es ein schmerzhafter Weg. Er führt zu einer wunderbar geschriebenen und gespielten Szene zwischen David Boreanaz und Eliza Dushku, in der es darum geht, wie Faith sich jemals für all ihre Taten wird entschuldigen können. Diese beiden Crossover-Episoden waren für mich die beiden besten der Staffel. Ich hoffe, dass „Angel“ in der zweiten Staffel auf eigenen Beinen stehen und eine spannende, durchgehende Handlung entwickeln wird. Die Hauptcharaktere, ihre Gegenspieler und das allgemeinse Szenario sind in der ersten Staffel etabliert worden; jetzt geht es darum, daraus etwas zu machen. Wenn die Serie in Zukunft einen deutlichen Qualitätssprung nach oben macht, dann widme ich ihr vielleicht einen eigenen Blogpost. 🙂

Babylon 5 – Episode 1.09 „Deathwalker“

Bevor es zur Besprechung der nächsten „Babylon 5“-Episode geht, will ich noch schnell eine Neuigkeit loswerden, über die ich mich sehr freue: Die neue Serie von B5-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS), „Sense8“, wird ab dem 5. Juni bei Netflix zu sehen sein. „Sense8“ wurde von JMS gemeinsam mit den Wachowski-Geschwistern („The Matrix“, „Cloud Atlas“) entwickelt und geschrieben und mit einem internationalen Cast an über den ganzen Globus verteilten Drehorten gedreht. Die erste Staffel besteht aus zehn Folgen; momentan weiß ich aber leider noch nicht, ob am 5. Juni schon alle zehn Episoden abrufbar sein werden oder ob im wöchentlichen Rhythmus eine Folge hinzugefügt wird. Ich tippe aber mal auf ersteres, bin schon sehr gespannt und werde auf jeden Fall über „Sense8“ bloggen. Nun aber zur nächsten B5-Episode…

Episode 1.09 “Deathwalker” (“Die Todesbringerin”)

Drehbuch: Larry DiTillio, Regie: Bruce Seth Green
Erstausstrahlung: 20.04.1994 (USA), 01.10.1995 (Deutschland)

Die Folge beginnt damit, dass Na’Toth zufällig Zeugin der Ankunft einer außerirdischen Frau (Sarah Douglas) auf der Station wird – und daraufhin scheinbar vollkommen durchdreht. Sie stürmt auf die Frau zu, schreit „Deathwalker“ und beginnt auf sie ein zu prügeln. Wie wir kurz darauf erfahren, glaubt Na’Toth in der Frau die Kriegsverbrecherin Jha’dur erkannt zu haben, die dem Volk der Dilgar angehört und für den Tod von Millionen von Lebewesen verantwortlich ist, unter ihnen Na’Toths Großvater. Na’Toth hat deshalb einen Chon’Kar – einen Blutschwur – geschworen, der erst dann erfüllt ist, wenn sie Jha’dur umgebracht hat. Doch G’Kar überzeugt seine Assistentin, sich zunächst zurück zu halten. Er eröffnet ihr, dass Jha’dur eine wichtige Entdeckung gemacht hat und zu Verhandlungen mit den Narn nach Babylon 5 gekommen ist.
Commander Sinclair, Doktor Franklin und Sicherheitschef Garibaldi sind allerdings skeptisch: Bei der Frau kann es sich ihrer Meinung nach unmöglich um Jha’dur handeln, die doch inzwischen tot oder eine sehr alte Frau sein müsste. Doch alle Indizien sowie die von Franklin durchgeführten Tests bestätigen ihre Identität – es handelt sich tatsächlich um die als Deathwalker (Todesbringerin) bekannte Verbrecherin. Wie sich herausstellt, hat sie seit dem Ende des Dilgar-Kriegs die meiste Zeit über unter dem Namen Gyla Lobos bei den Minbari gelebt, wo ihr von den wind swords (Schwertern des Windes), einer extremistischen und gewalttätigen Abspaltung der Kriegerkaste, Unterschlupf gewährt wurde.

Die Anwesenheit Jha’durs, die sich inzwischen in Gefangenschaft befindet, spricht sich schnell auf der Station herum. Kurz nachdem Sinclair den Befehl erhält, sie unverzüglich zu Erde zu schicken, wird der Grund für das große Interesse an ihrer Person klar: Jha’dur hat ein Unsterblichkeitsserum entwickelt, das sie nun auf der Erde weiter entwickeln soll. Damit sehen sich alle Beteiligten einem moralischen Dilemma gegenüber, das Ivanova treffend mit den Worten „Justice or immortality“ zusammenfasst: Soll Jha’dur wegen ihrer Verbrechen der Prozess gemacht und sie einer gerechten Strafe unterzogen werden oder soll man über ihre immensen Verbrechen hinweg sehen, weil sie der Galaxis mit ihrem Serum nun einen großen Dienst erweisen könnte? Wiegen die Wohltaten, die in der Entwicklung des Serums liegen, die von Jha’dur in der Vergangenheit begangenen Gräueltaten auf? Larry DiTillios Drehbuch reißt diese Fragen kurz an und lässt unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen, doch ein Fazit muss der Zuschauer (zunächst) selbst ziehen.
Während Garibaldi fassungslos darüber ist, dass Jha’dur auf der Erde mit offenen Armen empfangen werden soll, gelangt Sinclair schließlich zu dem Entschluss, seinen Befehlen zu gehorchen. „She can save more lives than she took“, rechtfertigt er seine Entscheidung. „And she can make the deaths she caused have meaning.“

Jha’dur selbst zeigt keinerlei Anzeichen von Reue. Die Galaxis soll ihr ausgelöschtes Volk nicht als Kriegstreiber in Erinnerung behalten, sondern allein für die Wohltat, die ihr Serum bringen wird: „Those who cursed us will have to thank us for the rest of time.“ Doch als Sinclair sie zum Shuttle begleiten will, das sie zur Erde fliegen soll, stellen sich ihnen Botschafterin Kalika (Robin Curtis) und die anderen Botschafter der Liga der blockfreien Welten in den Weg. Sie verlangen die Durchführung einer Anhörung auf Babylon 5, in der darüber abgestimmt wird, ob Jha’dur der Prozess gemacht werden soll. Sinclair, der mit seiner Entscheidung, Jha’dur sofort zur Erde zu schicken, sowieso gehadert hat, stimmt zu.
Unerwartet fällt das Ergebnis der Abstimmung jedoch gegen einen Prozess aus. Wenig später erscheinen Schiffe mehrer Mitgliedervölker der Liga vor der Station und verlangen die Auslieferung Jha’durs. Sinclair schlägt daraufhin einen Kompromiss vor: Jha’dur soll auf der Erde einem Team aus von der Liga ausgesuchten Wissenschaftlern dabei helfen, ihr Serum weiter zu entwickeln, um anschließend der Liga für einen Prozess übergeben zu werden. Botschafterin Kalika und die anderen Mitglieder der Liga willigen ein und die Schiffe ziehen wieder ab.

Bevor Jha’dur zur Erde geschickt wird, sucht Sinclair sie noch ein letztes Mal auf und wird von ihr über die schreckliche Wahrheit aufgeklärt: Ihr Serum setzt sich unter anderem aus Komponenten zusammen, die lebenden Körpern entstammen, die derselben Spezies angehören müssen wie der jeweilige Empfänger des Serums. Um einer Person Unsterblichkeit zu verleihen, muss eine andere sterben. Obwohl die anderen Völker mit Verachtung auf die Gräueltaten der Dilgar herab blicken, werden sie ohne zu zögern ebensolche Taten begehen. „You will become us. That’s my monument, Commander.“, zischt sie Sinclair hasserfüllt entgegen.
Das von Drehbuchautor DiTillio entworfene Szenario ist in der Tat ein schreckliches, aber auch ein höchst interessantes. Sehr gerne würde ich einen Science-Fiction-Film sehen oder einen Roman lesen, der sich genau jenes Szenario zum Ausgangspunkt nimmt – eine Galaxis voll unsterblich gewordener Lebewesen, die sich ihre Unsterblichkeit aber nur dadurch erkaufen können, dass sie Teile ihrer eigenen Völker umbringen und damit Genozid begehen. Vielleicht ist es genau die Ahnung, dass genau dies geschehen wird, die die Vorlonen am Ende der Episode dazu bringt, das Schiff mit Jha’dur und dem Serum an Bord zu zerstören. „You are not ready for immortality.“, antwortet Kosh auf Sinclairs Frage nach dem Grund dafür. Sehenswert ist die Episode auch wegen Sarah Douglas‘ Schauspiel.

Weniger dramatisch, aber auch weniger sinnvoll geht es im zweiten Handlungsstrang der Episode zu: Talia Winters wird von Botschafter Kosh darum gebeten, bei einer Reihe von Gesprächen zugegen zu sein, die er mit einem Mann namens Abbut (Cosie Costa) führt. Als sie Abbut einem telepathischen Scan zu unterziehen versucht, erkennt sie jedoch – nichts. Abbut scheint keinerlei Gedanken und einen völlig leeren Geist zu haben. Noch dazu reden er und Kosh in ihren Gesprächen nur unverständlichen Kauderwelsch. Als bei Talia schließlich während dieser Gespräche höchst schmerzhafte Erinnerungen an einen früheren Auftrag wieder hoch kommen, beschließt sie, den Auftrag abzubrechen.
Von Garibaldi erfährt sie schließlich, dass diese Erinnerungen wahrscheinlich bewusst proviziert wurden. Bei Abbut handelt es sich um einen sogenannten Vicker, einen Cyborg, der unter anderem Gedanken aufzeichnen kann. Kosh befindet sich nun im Besitz wichtiger Daten aus Talias Kopf, doch was genau befindet sich in diesen Aufzeichnungen? Und warum hat Kosh sie anfertigen lassen? Die Antworten auf diese Fragen würden hier zu sehr spoilern, aber zu gegebener Zeit werde ich im Blog noch einmal darauf zurück kommen. Bis dahin müssen wir uns mit Koshs Antwort auf Talias Frage nach dem Inhalt des Datenkristalls, den Kosh von Abbut erhält, begnügen: „Reflection, surprise, terror. For the future.“

Highlight der Episode: Na’Toths Angriff auf Jha’dur am Anfang der Episode und ihr heraus geschrieenes „Deathwalkeeeeer!!“ (Okay, das finde ich wohl nur deswegen so kultig, weil ich treuer Zuhörer des „Babble On Project“ bin. Ansonsten mag ich Koshs Art, einen Termin auszumachen – the hour of scampering?? (s. Zitate)

Londo/G’Kar-Moment: Da die beiden in dieser Folge keine gemeinsame Szene haben (abgesehen von der Ratsversammlung) und auch sonst nicht im Zentrum dieser Geschichte stehen, lasse ich diese Rubrik wieder einmal leer.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Es ist zwar keine wirklich neue Information und liefert auch keine Antwort, aber Jha’dur erinnert uns noch einmal daran, dass Sinclair eine Lücke in seinem Gedächtnis hat, als sie von ihrer Zeit bei den wind swords erzählt: „They speak of you often, Sinclair. They say you have a hole in your mind.“

Sonstige Fragen:

  • Um was für Zeitangaben handelt es sich bei „the hour of scampering“ und „the hour of longing“?
  • Wo ist Delenn? Sie ist die ganze Folge über nicht auf Babylon 5, weswegen sie Lennier bei der Abstimmung vertreten muss.
  • Wurden das von Jha’dur entwickelte Serum und alle Aufzeichnungen darüber tatsächlich restlos zerstört?

Weitere interessante Punkte: 

  • Erstmals wird hier der Chon’kar erwähnt, der Blurschwur der Narn.
  • Auch der Dilgar-Krieg wird zum ersten Mal erwähnt. Wie wir erfahren, starteten die Dilgar im Jahr 2230 unter der Führung Jha’durs eine Invasion in mehrere andere Raumsektoren. Die Erdstreitkräfte kamen den betroffenen Völkern damals zu Hilfe; so konnte die Invasion gestoppt werden. Garibaldi erwähnt in der Episode, dass die Narn und die Centauri auf der Seite der Dilgar gekämpft haben. Auch Sinclairs Vater kämpfte in diesem Krieg, der die Dilgar nahezu ausrottete. Irgendwann nach dem Krieg explodierte die Sonne des Dilgar-Systems (wie wir von Franklin erfahren) und venichtete damit auch deren Heimatplaneten.
  • Erstmals spielt die Liga der blockfreien Welten (League of Non-Aligned Worlds) eine größere Rolle. Die Sprecherin der Liga auf Babylon 5, Botschafterin Kalika, gehört der Rasse der Abbai an.
  • Als Abbut sagt „I’m a 23 myself“, nachdem Talia ihre Psi-Einstufung (P5) nennt, macht er nur einen Scherz, wie JMS versichert hat.
  • Der Minbari-Attentäter aus dem Pilotfilm gehörte den wind swords an, jener extremistischen Gruppierung, die Jha’dur Zuflucht gewährt hat.

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Jha’dur wurde von Sarah Douglas gespielt, die vor allem als Ursa in „Superman“ und „Superman II“ bekannt ist. Unter der Maske von Botschafterin Kalika verbirgt sich die Schauspielerin Robin Curtis, die man vor allem als Vulkanierin Saavik aus dem dritten und vierten „Star Trek“-Film kennt (in „Star Trek II“ wurde die Rolle noch von Kirstie Alley gespielt).
  • Die Rolle des Abbut war von Larry DiTillio ursprünglich für Gilbert Gottfried geschrieben worden, der sie aber aus Termingründen nicht übernehmen konnte.
  • In einer früheren Version des Drehbuchs wurde Na’Toth nicht von G’Kar daran gehindert, ihren Chon’Kar zu erfüllen: Als G’Kar erkennt, dass die Narn keine Chance mehr haben, an das Unsterblichkeitsserum zu gelangen, lässt er Na’Toth auf Jha’dur los. Es kommt zum Kampf zwischen den beiden, doch Na’Toth ist klar unterlegen. Gerade als Jha’dur sie töten will, erscheint Sinclair und rettet Na’Toth das Leben. Die entsprechenden Szenen wurden jedoch aus Zeitgründen gestrichen. (Quelle: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 90)
  • JMS war mit dem Handlungsstrang um Talia in dieser Episode unzufrieden. Das Konzept des „Vickers“, der unter anderem Gedankenmuster und Persönlichkeitsstrukturen aufzeichnen kann, gefiel ihm nicht, weswegen es auch nach dieser Folge nie wieder im „Babylon 5“-Universum auftauchte. (Quelle: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 91f)
  • Die Bezeichnung „Vicker“ kommt – wie Garibaldi erläutert – von der Abkürzung VCR, die für video cassette recorder steht.

Zitate:

Kosh zu Talia: „We will meet in Red 3 at the hour of scampering“

Kosh: „Understanding is a three-edged sword.“

Kosh: „You seek meaning?“
Talia: „Yes.“
Kosh: „Then listen to the music, not the song.“

Talia: „I think I may be having a problem with ambassador Kosh.“
Garibaldi: „Join the club.“

Sinclair: „They say God works in mysterious ways.“
Garibaldi: „Maybe so. But he’s a con man compared to the Vorlon.

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.10 „Believers“

„Nobody has to know everything“: Downton Abbey – Series 5

Downton Abbey ist eine dieser Fernsehserien, die man nicht anschaut, weil man so darauf gespannt ist, was als nächstes passieren wird, sondern einfach nur, weil man zu lieb gewonnenen Figuren zurück kehren möchte. Irgendetwas passiert sowieso immer, es ist völlig egal was.
In der fünften – aus acht Folgen und einem 90-minütigem „Christmas Special“ bestehenden – Staffel sind wir inzwischen im Jahr 1924 angekommen, auch wenn die Charaktere kaum älter aussehen als noch in der ersten Folge, die 1912 spielte. Ein großes Thema in Staffel vier war die Vergewaltigung von Anna (Joanne Froggatt) und der spätere Tod ihres Peinigers Mr. Green, der – man weiß es nicht genau – möglicherweise durch Annas Ehemann Mr. Bates (Brendan Coyle) herbei geführt worden ist. Im Verlauf der fünften Staffel kommt es nun zu polizeilichen Ermittlungen; die ganze Staffel über schaut immer wieder ein Polizist auf dem Anwesen vorbei, um Anna, ihren Mann und weitere Zeugen zu befragen. Diese sich über fast alle Folgen und somit mehrere Monate hin ziehende Prozedur wirkt arg in die Länge gezogen, aber so ist das nun mal in einer Soap Opera. Auf diese Weise werden beim Zuschauer Zweifel geschürt, ob Mr. Bates nicht vielleicht doch einen Mord begangen hat. In der dritten Folge fragt Anna ihn, ob er sich vorstellen könnte, irgendwo anders hin zu ziehen und ein neues Leben zu beginnen. Das scheint in ihrer Situation ein verständlicher Wunsch zu sein, doch als Zuschauer weiß man: wenn das Ehepaar Bates dies tatsächlich täte, dann würde dies entweder sein Ausscheiden aus der Serie bedeuten oder aber das Unglück würde sie verfolgen. Denn nichts ist langweiliger als Leben in Glückseligkeit, jedenfalls vom narrativen Standpunkt einer Soap aus betrachtet. Nachdem in der achten Folge – Überraschung! – Anna verhaftet wird, weil ein Zeuge sie kurz vor Mr. Greens Tod in dessen Nähe gesehen haben will, kommt es zu einer Szene zwischen Mrs. Hughes (Phyllis Logan) und Mr. Carson (Jim Carter), die fast so wirkt, als gäben die beiden einen Kommentar dazu ab, dass sie alle sich in einer Soap Opera befinden: „Sorrow seems to shadow them both. And in their wake, it shadows us.“, fasst nämlich Mrs. Hughes die Situation des Ehepaar Bates und deren Auswirkungen auf alle anderen Bewohner des Anwesens zusammen. Im Gegensatz zu Glück und Freude sind Sorgen und Probleme für die Charaktere in einer Soap ein Dauerzustand.

„Nobody has to know everything.“

Ebenfalls zu den Grundzutaten des Genres gehören Geheimnisse. In dieser Staffel ist da vor allem das Geheimnis zu nennen, das Lady Edith (Laura Carmichael) mit sich herum schleppt: Ihre mit Mr. Gregson gezeugte Tochter Marigold, von der die Familie nichts weiß und die nun von einem Bauernehepaar am Ort groß gezogen wird. Irgendwann gelingt es Edith, das Kind zu sich nach Downton Abbey zu holen und ihrer Familie weis zu machen, sie habe die Kleine ganz einfach lieb gewonnen und wolle sie in einer Art Patentantenfunktion groß ziehen. Doch nach und nach durchschauen alle dieses Spiel. Als im Edith im Christmas Special ihrer Tochter „Come to Mama!“ zu rufen will, kann sie sich gerade noch rechtzeitig stoppen und der Satz wird zu einem resignierten „Come to … me.“ Als Ediths Vater (Hugh Bonneville) seine Frau (Elizabeth McGovern) fragt, ob er Edith nicht endlich darauf ansprechen soll, erwidert sie „It’s not our secret to tell“. Aber irgendwann wird ihm das Spiel dann doch zu blöd und er eröffnet seiner Tochter, dass er um die Identität ihres Kindes bescheid weiß. Ediths Schwager Tom (Allen Leech) tut es ihm gleich und nimmt Edith damit ebenfalls die Aufgabe ab, das Geheimnis selbst zu lüften. Alle anderen Bewohner des Anwesens dürften zu diesem Zeitpunkt auch schon bescheid wissen und wie das meistens bei solchen Handlungselementen der Fall ist fragt man sich hinterher, warum denn um dieses Geheimnis so viel Wirbel gemacht worden ist. Wie die meisten Probleme in Soap Operas wäre auch dieses gar keines, wenn die Beteiligten von Anfang an offen miteinander geredet hätten (was umso bemerkenswerter ist, weil die Figuren in einer Soap ja eigentlich nichts anderes tun als reden). Aber wie sagt Mr. Carson doch zu Mrs. Hughes: „Nobody has to know everything.“

Ein Beispiel dafür, wie hier künstlich zwischenmenschliche Probleme geschaffen werden, weil Leute eben nicht miteinander reden und Dinge geheim halten, ist eine Szene aus der achten Folge. Die Köchin Mrs. Patmore (Lesley Nicol) sitzt weinend in der Küche, weil sie traurig darüber ist, dass Daisy (Sophie McShera) beschlossen hat, Downton Abbey zu verlassen und sich einen neuen Beruf zu suchen. Mrs. Hughes kommt herein, bemerkt die weinende Mrs. Patmore und fragt: „Has something happened?“ „No, not yet.“, antwortet Daisy. Es folgt ein ein besorgter Blick von Mrs. Hughes, aber niemand sagt noch etwas. Die Szene ist damit zu Ende. Im realen Leben würde man doch nach so einer kryptischen Antwort fragen, was damit gemeint ist. In einer Soap Opera dagegen folgt eben nur ein viel sagender Blick und die Auflösung des Problems wird auf eine spätere Szene ausgelagert (in der es dann wahrscheinlich auch noch nicht aus der Welt geschafft wird, schließlich soll ja jedes Problem möglichst lange für Konflikt- und Erzählstoff sorgen).

Im Christmas Special gibt es einen weiteren Fall, bei dem ein Geheimnis unnötig gestreckt wird, um Spannung zu erzeugen: Cora spricht zu Beginn der Folge ihren Mann darauf an, dass er vor kurzem in York war und sie gerne den Grund dafür erfahren würde. Doch Robert gibt nur eine ausweichende Antwort. Im Lauf der Episode stellt Cora ihm noch mehrmals die gleiche Frage und im Kopf des Zuschauers spielen sich inzwischen eine ganze Reihe von Szenarien ab: Hat Robert eine heimliche Geliebte? Ist er in krumme Geschäfte verwickelt? Wird er epresst? Zugegeben, für keine dieser Annahmen gibt es – abgesehen von Roberts unerklärter Abwesenheit – einen Grund. Aber darum geht es ja nicht, sondern darum, Zweifel zu säen. Als man dann erfährt, dass der Grund für Roberts Fahrt nach York ein Arztbesuch war, ist das weit weniger spannend, als die Szenarien, die man sich ausgemalt hat. (Doch gleichzeitig sorgt man sich um ihn: Ist er wirklich so gesund, wie er zu sein behauptet?)

Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele für solche Geheimnisse in der fünften Staffel, darunter die Vergangenheit von Coras Kammerzofe Baxter oder auch die von Lady Mary (Michelle Dockery) und Lord Gillingham (Tom Cullen) gemeinsam verbrachten Tage in London. Offiziell halten sich die beiden wegen einer Konferenz in London auf, tatsächlich bewohnen sie aber zwei miteinander verbundene Hotelzimmer, lassen es sich gut gehen und verbringen als Paar einen Kurzurlaub in London, um einander besser kennen zu lernen (was hier quasi als Euphemismus für „Sex vor der Ehe haben“ steht, auch wenn das in der Serie niemals jemand so aussprechen würde). Da Lord Gillingham Mary immer noch heiraten möchte, entscheidet sie ganz pragmatisch, dass ein solches Kennenlernen nötig sei, um bezüglich der Hochzeit eine Entscheidung treffen zu können. Nachdem Marys Großmutter (Maggie Smith) davon erfährt, kommentiert sie es mit den Worten: „Don’t let us hide behind the changing times. This is shocking to most people in 1924.“ Schließlich hatte Sex damals nur in der Ehe statt zu finden. Letztendlich entscheidet sich Mary übrigens dafür, Gillingham nicht zu heiraten – und auch nicht Charles Blake, der ja auch noch hinter ihr her ist. Mir war auch dieses ewige Überlegen und Zögern Marys und das damit verbundene Hin und Her zwischen ihren beiden Verehrern zu sehr in die Länge gezogen. Damit sollten einfach nur Probleme geschaffen werden, wo eigentlich gar keine so großen Probleme sind. Aber genau darum geht es ja in Soap Operas. Im Christmas Special lernt Mary dann einen neuen Mann kennen, man darf sich also auf weiteres Zögern und Zweifeln in der sechsten Staffel freuen.

„Without them, we would be like the wild men of Borneo.“

In meiner Besprechung der vierten Staffel habe ich bereits die gesellschaftlichen Veränderungen angesprochen, die sich in Downton Abbey immer mehr abzeichnen. Die starre englische Klassengesellschaft beginnt zumindest ein wenig aufzubrechen. In der ersten Folge erfahren wir, dass das Land nun eine neue Regierung hat und erstmals die Labour Party an der Macht ist. Zudem ist der neue Premierminister Ramsay MacDonald kein Adeliger. Dem sich um den Status Quo sorgenden Mr. Carson macht dies zu schaffen, wie der folgende Dialog zwischen ihm und Mrs. Hughes zum Ausdruck bringt:

Carson: „I feel a shaking of the ground I stand on, that everything I believe in will be tested and held up for ridicule over the next few years.“
Hughes: „Mr. Carson, they’ve been testing the system since the Romans left.“
Carson: „The nature of life is not permanence, but flux.“
Hughes: „Just so, even if it does sound faintly disgusting.“

Mr. Carson bringt hier seine Unsicherheit angesichts der sich ändernden Verhältnisse zum Ausdruck und seine Feststellung „The nature of life is not permanence, but flux.“ klingt aus seinem Mund tatsächlich „faintly disgusting“, wie Mrs. Hughes sagt.

Als Lord Gillingham nach Downton Abbey kommt, bedeutet das für die Dienerschat unerwartete zusätzliche Arbeit, denn er bringt keinen eigenen Diener mit, was noch höchst ungewöhnlich für einen Mann seines Standes ist. Unter der Dienerschaft wiederum sind einige Personen, die sich mit ihrem Status als Menschen zweiter Klasse nicht mehr abfinden wollen. Vor allem Daisy entdeckt plötzlich, dass auch ihr als einfaches Küchenmädchen trotzdem der Zugang zu Bildung offen steht. Wissenshungrig verschlingt sie die ganze Staffel über Bücher und nimmt Mathematikunterricht, bis sie schließlich die Entscheidung trifft, ihre Stellung aufzugeben und sich in London einen anderen Job zu suchen. Dieser Handlungsstrang macht besonders deutlich, dass die strikte Klassentrennung nur eine künstlich gezogene Grenze ist. Angehörige der Arbeiterklasse sind selbstverständlich nicht dümmer als andere Menschen; ihnen fehlt nur meist die Möglichkeit, ihr Potential zu entdecken und auszuschöpfen. Doch sobald ihnen – wie hier Daisy – diese Möglichkeit gegeben wird, zeigt sich, dass sie sich mit den sozial gesetzten Grenzen nicht zufrieden geben wollen.

Das Brechen mit Traditionen und das Verändern von seit Generationen bewährten Verhaltensmustern wird in dieser Staffel immer wieder thematisiert. Als Mr. Carson der Vorsitz des örtlichen Veteranenvereins angeboten wird, bemerkt Robert, der eigentlich damit gerechnet hatte, diese Position zu übernehmen, dass es zu Zeiten seines Großvaters undenkbar gewesen wäre, den Vorsitz dem Butler anzubieten. Auch der konservative Mr. Carson fühlt sich unwohl: „Traditionally, it should have been you“, sagt er zu seinem Herrn. Robert erwidert zwar, „Maybe this will start a new tradition“, doch recht ist ihm die Situation deshalb noch lange nicht. (Carson lehnt den Vorsitz schließlich ab.)

Auch an anderen Dingen zeigt sich Roberts Zögern, wenn es um die Akkzeptanz von Neuerungen geht: Ihm kommt kein Radio ins Haus, macht er in der zweiten Folge klar. „I find the whole idea a kind of thief of life“, führt er seine Bedenken aus. „That people should waste hours huddled around a wooden box listening to someone talking at them, burbling inanities from somewhere else.“ Hier zeigt sich ganz klar, dass er Verändernungen so lange wie möglich ignorieren möchte, in der Hoffnung, ihnen auf diese Weise vielleicht doch nicht ausgesetzt zu werden. „It’s a fad, it won’t last“, bringt er seine Verdrängungsstrategie auf den Punkt. Rose (Lily James) dagegen, die einer jungen, aufgeschlossenen Generation angehört, ist von der Vorstellung, ein Radio im Haus zu haben, ganz begeistert und bearbeitet Robert so lange, bis dieser schließlich nachgibt und eines anschafft. Für Rose spielen auch Klassen- und Religionsunterschiede eine viel geringere Rolle als für die Vertreter der älteren Generation. Dies zeigte sich schon bei ihrer kurzen Affäre mit einem schwarzen Jazzmusiker in Staffel vier und wird auch in dieser Staffel wieder deutlich, als sie auf die Neuigkeit, dass ihr Auserwählter Atticus (Matt Barber) Jude ist, mit der Bemerkung reagiert, das sei doch egal, schließlich sei er ja englisch – wie sie und ihre Familie auch. (Auch unter den jüngeren Leuten gibt es allerdings traditionelle, konservative Hardliner, wie etwa den Sohn von Lord Merton, der seiner Verachtung über die bevorstehende Ehe seines Vaters mit der bürgerlichen Isobel Crawley mit harten Worten Ausdruck verleiht.)

Als eines Abends beim Essen wieder einmal Diskussionen über gesellschaftliche Sitten und Gebräuche und deren Veränderung geführt werden, bringen sowohl Robert als auch Violet ihre Standpunkte zum Ausdruck:

Robert: „I accecpt change, but I want to navigate it gently. I don’t want to dig into it and put everyone’s back up.“
Tom: „But why do the rituals, the clothes, and the costumes matter so much?“
Violet: „Because without them, we would be like the wild men of Borneo.“

Dass es Tom ist, der hier die Frage stellt, warum Rituale und Kleidung eine so große Rolle spielen, ist natürlich kein Zufall. Schließlich ist er zwar inzwischen Teil der upstairs-Gesellschaft und der Familie Crawley, doch seine Herkunft spielt trotzdem noch eine Rolle. Im Christmas Special merkt Mrs. Hughes im Gespräch mit Mr. Carson an, dass sie Tom, der eins als Chauffeur für die Familie gearbeitet hat und so Teil der Dienerschaft war, immer noch als Brücke zwischen diesen beiden Welten empfindet. In der Tat wird Tom im Lauf der fünften Staffel klar, dass er tatsächlich zwischen den Welten steht; so sehr die Familienmitglieder ihm auch immer wieder beteuern, ihn als einen der ihren akzeptiert zu haben, so sind es vielleicht gerade derartige Aussagen, die ihm deutlich machen, dass er eben doch nicht richtig dazugehört – denn dann wäre es ja nicht nötig, dies immer wieder zu betonen. Dementsprechend fühlt sich Tom in seiner Position mehr und mehr unwohl. „He’s turning back into who he really is“, bemerkt Lady Mary in der zweiten Episode und Daisy appeliert einige Folgen später an Tom: „You’re not Crawley, you belong with us. We’re the future, they’re the past.“ Für Unterhaltung sorgt Toms Sonderstellung noch einmal im Christmas Special am Ende der Staffel, als die Familie auf dem Anwesen von Roses Schwiegereltern zu Gast ist. Der dortige Butler Mr. Stowell (Alun Armstrong) – der nicht nur so konservativ und auf die korrekte Einhaltung von Traditionen und Gebräuchen bedacht ist wie Mr. Carson, sondern zusätzlich auch noch unhöflich und ständig schlecht gelaunt – weigert sich, den ehemaligen Chauffeur Tom zu bedienen und ignoriert ihn zunächst vollständig. (Auf den Wunsch Lady Marys hin spinnt Thomas Barrow schließlich eine kleine Intrige gegen Stowell und zwingt ihn dazu, sein Verhalten zu ändern.) Im Lauf der Staffel reift in Tom der Entschluss, England zu verlassen und mit seiner kleinen Tochter nach Boston zu gehen.

Erheblichen Einfluss auf Toms Entscheidung dürfte seine Bekanntschaft mit der Lehrerin Mrs. Bunting (Daisy Lewis) haben. Während sie downstairs Daisy Mathematikunterricht erteilt, ist sie upstairs auf Downton Abbey gar nicht gerne gesehen. Dies liegt vor allem daran, dass sie dort immer wieder ihre politischen Ansichten kund tut, die denen des Hausherren und der meisten Familienmitglieder widersprechen. In der ersten Folge der Staffel ist sie zum ersten Mal als Gast der Familie geladen; Robert ermutigt nämlich seine Töchter und Rose, zur Feier von seinem und Coras Hochzeitstag auch ein paar junge Leute einzuladen. Ihre bloße Anwesenheit sorgt bereits für Irritationen, doch als sie sich schließlich für die Politik des neuen Premierministers und gegen des geplante Kriegsdenkmal am Ort ausspricht, macht Robert ihr ganz deutlich, dass ihre Meinung hier nicht erwünscht ist. (Als die liberalere Isobel anmerkt, sie finde es gut, wenn junge Leute Prinzipien haben, veranlasst dies Violet zu der Bemerkung „Principles are like prayers – noble, of course, but awkward at a party.“)

Als es in der nächsten Folge darum geht, Mrs. Bunting erneut einzuladen, spricht sich Robert vehement dagegen aus, doch seine Frau stellt fest „She’s the first friend Tom has made that has nothing to do with us and we must respect that.“ Mrs. Bunting lehnt die Einladung dieses Mal dankend ab, nicht ohne jedoch Tom darauf hinzuweisen, dass er durchaus eine Zukunft habe, aber eben nicht hier, als Teil der Familie Crawley.  („What a relief!“, entfährt es Robert, als er erfährt, dass Mrs. Bunting die Einladung abgelehnt hat.) Im Lauf der Staffel schafft sie es noch mehrmals, wirklich jedesmal wenn sie zu Gast ist, ihre Gastgeber zu beleidigen. Dabei sagt sie nichts anderes als ihre Meinung, zum Beispiel als sie Robert offen darauf hinweist, dass er es wohl am liebsten hätte, wenn alles bliebe wie es ist und Angehörigen der Dienerschaft nie die Möglichkeit gegeben würde, sich hoch zu arbeiten. Damit ist für Robert das Fass endgültig voll und er schreit ihr ins Gesicht, dass er sie nie wieder in seinem Haus sehen möchte.

In der nächsten Folge entscheidet sich Tom schließlich überraschend dafür, den Kontakt zu Mrs. Bunting abzubrechen. Die Familie Crawley ist ihm wichtiger und er will sein gutes Verhältnis zu Robert und den anderen nicht aufs Spiel setzen. Gleichzeitig teilt er Robert aber mit, dass er sich bei Mrs. Bunting wohler fühlt als auf Downton Abbey und ihre politischen Ansichten teilt. Kein Wunder, dass er sich später dazu entschließt, die Familie zu verlassen.

„You’re never safe till the ring is on your finger.“

Soap-Charaktere haben es nicht leicht. Sie träumen von einem besseren Leben, von der großen Liebe – auf jeden Fall immer von irgendetwas, denn langfristig glücklich sein dürfen sie nicht. Während Liebesfilme oft mit Hochzeiten enden und damit alles gut ist, können Soap Operas nach der Heirat zweier Figuren nicht einfach zum „happily ever after“ übergehen. Das hat man in „Downton Abbey“ nun schon mehrmals gesehen, es hält die Figuren aber trotzdem nicht davon ab, trotzdem von der großen Liebe und einer auf ewig glücklichen Ehe zu träumen. Rose, die in der achten Folge ihren Verlobten Atticus heiratet, bekommt kurz vor der Hochzeit einige Fotos zugeschickt, die diesen in scheinbar eindeutigen Posen mit einer anderen Frau zeigen. Zwar vermutet sie eine Intrige und hält Atticus für unschuldig, doch sie zweifelt zumindest an seiner Treue. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden, die von drei Angehörigen der Dienerschaft – Daisy, Mr. Molesley und Mrs. Baxter – beobachtet wird. „You’re never safe till the ring is on your finger“, kommentiert Mrs. Baxter (Raquel Cassidy). (Dabei gehen doch wie gesagt nach der Hochzeit die Probleme erst so richtig los.)

Dieses ständige Zweifeln – in Verbindung mit den bereits erwähnten Geheimnissen – gehört zu den Grundzutaten von Soaps (und führt oft zu einem weiteren essentiellen Element, dem Streit). In der fünften Staffel zweifelt wie erwähnt Tom lange, ob er denn wirklich zur Familie gehört und bei ihr bleiben soll. Mary hat weiterhin Zweifel, ob sie nicht vielleicht doch Lord Gillingham (oder vielleicht doch Charles Blake) heiraten soll. Und am Ende der Staffel zweifelt Daisy schon wieder an ihrer Entscheidung, ihre Position als Küchenmädchen aufzugeben.

Beim Anschauen dieser Staffel ist mir aber auch wieder einmal deutlich geworden, wie viel Soap Operas ihren Zuschauern abverlangen. „Downton Abbey“ verfügt über ein so großes Figurenensemble und so viele gleichzeitig ablaufende Handlungsstränge, dass man ununterbrochen aufpassen muss. Man muss nicht nur die Namen und Funktionen aller Figuren im Kopf haben, sondern auch den Status ihrer Beziehungen. Nicht ohne Grund habe ich mir vor dem Anschauen der fünften Staffel noch einmal eine Zusammenfassung aller Folgen der vorhergehenden Staffel durchgelesen. Es stimmt zwar, dass man der Handlung von Downton Abbey wie bei den meisten Soap Operas auch folgen könnte, ohne ständig zuzuschauen. Man kann also nur zuhören, muss das dann aber ganz genau tun, da Julian Fellowes‘ Drehbücher sehr dicht geschrieben und die meisten Dialoge voll von für das Verständnis der Handlung wichtigen Informationen sind. Ohne Umschweife oder Zusammenfassungen der bisherigen Ereignisse erfolgt in jeder Episode sofort der Einstieg in die laufende Handlung und auch beim Wechsel zwischen den Szenen gibt es kaum Verschnaufpausen. Bei der großen Zahl an Figuren und abzuarbeitenden Handlungssträngen können sich die Drehbücher lange Ein- und Überleitungen auch gar nicht leisten. Ein gutes Beispiel sind oft die Essensszenen, in denen eine große Zahl von Charakteren am Tisch sitzt. Während man zunächst Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Personen über eine Angelegenheit wird, wechselt die Szene nach einigen Sätzen meist zu einem anderen Gespräch, das sich um eine andere Angelegenheit dreht. Dabei erfolgt keine Erklärung, worum es jeweils geht; man muss die Vorgeschichten und die Beziehungen der Figuren im Kopf haben, um der Handlung folgen zu können.

Es gäbe noch zahlreiche weitere Entwicklungen, Handlungsstränge, Figurenkonstellationen und Zitate aus der fünften Staffel zu erwähnen. Um diesen Post aber nicht noch wesentlich länger zu machen, will ich mich abschließend auf folgende Beobachtungen beschränken: Zum ersten Mal fand ich Thomas Barrow in der achten Folge nicht unsympathisch, weil er hier tatsächlich jemandem hilft, ohne eine Gegenleistung zu erwarten oder eigene Ziele zu verfolgen. Maggie Smiths Handlungstrang in dieser Staffel hat mir gut gefallen; man konnte ja trotz der herrlichen Sprüche, die ihr die Drehbücher immer wieder in den Mund legen, mitunter vergessen, was für eine fantastische Schauspielerin sie ist, weil sie immer wieder ähnliche Szenen zu spielen bekam. Dies hat sich in dieser Staffel geändert, weil ihre Begegnung mit dem russischen Prinzen Kuragin eine bis dahin kaum beleuchtete, gefühlvolle Seite ihre Figur gezeigt hat. Mr. Molesley bleibt weiterhin eine meiner Lieblingsfiguren, weil Kevin Doyle ihn so fantastisch spielt, dass manchmal ein Gesichtsausdruck von ihm genügt, um mich laut lachen zu lassen. Und die wohl einzige Beziehung der Serie, die nicht den Gesetzen einer Soap Opera gehorcht, weil sie einfach unglaublich langsam voranschreitet (dafür aber sehr glaubwürdig), ist auch endlich einen entscheidenden Schritt weiter gekommen: Mr. Carson hat Mrs. Hughes einen Heiratsantrag gemacht. „I thought you’d never ask“, antwortet sie (nennt ihn aber weiterhin „Mr. Carson“). Schließlich zeigt die Tatsache, dass für die fünfte Staffel unter anderem in der Londoner National Gallery (!) und an der Peter Pan-Statue in den Kensington Gardens gedreht wurde, was für einen Status sich diese Serie inwzischen erarbeitet hat. „Downton Abbey“ mag inhaltlich nichts weiter als eine Soap Opera sein, doch produktionstechnisch wird für die Serie ein Aufwand betrieben, der für Soap Operas – die ja normalerweise möglichst billig in den immer gleichen Kulissen gedreht werden – alles andere als charakteristisch ist.

Ich habe mich jedenfalls an der Serie noch nicht satt gesehen und freue mich schon darauf, in einer weiteren Staffel zu den lieb gewonnenen Figuren zurück zu kehren.

Babylon 5 – Episode 1.08 „And The Sky Full of Stars“

Mein „Babylon 5“-Rewatch ist bei der achten Folge der ersten Staffel angekommen. Übrigens habe ich vor ein paar Tagen mal wieder einen interessanten Artikel über „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski (JMS) entdeckt.

Episode 1.08 “And the Sky Full of Stars” (“Gefangen im Cybernetz”)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 16.03.1994 (USA), 24.09.1995 (Deutschland)

Früh in der Episode erfahren wir einiges Neues über Stephen Franklin (siehe „Folgende weitere wichtige Informationen…“), der Großteil der Folge konzentriert sich jedoch ganz auf Commander Sinclair. Zwei Männer, deren Namen wir nie erfahren und die in den Credits nur als „Knight One“ und „Knight Two“ aufgeführt werden, sind fest entschlossen, hinter ein Geheimnis Sinclairs zu kommen, das dieser selbst gerne kennen würde: Was geschah wirklich in den 24 Stunden, in denen sein Kampfjäger während der letzten Schlacht des Erd-Minbari-Krieges von allen Radarschirmen verschwand und an die Sinclair so gut wie keine Erinnerung hat. (So gut wie keine Erinnerung hatte auch an diese Episode. Ich wusste zwar noch grob, wovon sie handelt, doch die Details und Charaktere hatte ich wohl verdrängt.)

„You didn’t just black out. Your ship disappeared.”, stellt Knight Two (Christopher Neame) fest. Wie sich herausstellt, sind er und sein Mitstreiter davon überzeugt, dass die Minbari sich nur deshalb kurz vor ihrem Sieg über die Menschen ergaben, weil sie den Plan gefasst hatten, die Menschheit lieber im Geheimen von innen heraus zu unterwandern. Deshalb halten Knight One und Knight Two Sinclair für einen Spion der Minbari, auch wenn er selbst sich dieser Tatsache möglicherweise gar nicht bewusst ist, weil er einer Gehirnwäsche unterzogen wurde – so jedenfalls die Theorie. „Why risk their life in a frontal attack when they could attack us from within?“, legt Knight Two Sinclair seine Gedanken dar. “But they needed a fifth column. People like you. Look at Earth, commander. Alien civilization. Alien migration. Aliens buying up real estate by the square mile. Alien funding of Babylon 5. What they couldn’t take by force, they’re corrupting, inch by inch.“ In diesen Worten wird wieder der schon in der letzten Episode thematisierte Fremdenhass und die Furcht vor zu großem außerirdischen Einfluss deutlich, die sich auf der Erde immer mehr ausbreiten.
Sinclair soll nicht nur ein Geständnis abgerungen werden, mit Hilfe des „Cybernetzes“ dringen sowohl er als auch Knight Two in sein Unterbewusstsein vor und fördern Erinnerungen zutage, die zuvor im Verborgenen lagen. Dabei spielt auch die Schuld eine Rolle, die Sinclair als Überlebender der Schlacht um die Erde empfindet. Der Beginn seines Aufenthalt im „Cybernetz“, als der Commander mit wachsender Verwirrung durch die vollkommen verlassene Station läuft, erinnert zumindest mich an die Ausgangssituation einiger „Star Trek“-Folgen. Doch anders als in den frühen „Star Trek“-Serien entspinnt sich aus dieser Situation keine Geschichte, die am Ende der Episode völlig abgeschlossen wird, sondern die Mission von Knight One und Knight Two nimmt auf sich durch die ganze Staffel ziehende Fragen und Handlungselemente Bezug, die zum Teil bereits im Pilotfilm eingeführt worden sind (der kurze Flashback zu dem Minbari, der zu Sinclair sagt „There is a hole in your mind.“, stammt daher).
Im Lauf der Befragung Sinclairs und der Untersuchung seiner Erinnerungen erfahren wir – und Sinclair selbst – ein paar Dinge, die wir bis dahin nicht wussten: So wurde Sinclair in dem Zeitabschnitt, an dem ihm die Erinnerung fehlt, anscheinend von den Minbari gefangen genommen und befragt. Insgesamt liefert die Episode aber mehr neue Fragen als Antworten (siehe unten).

Wie bereits erwähnt hatte ich vor dem erneuten Anschauen so gut wie keine Erinnerung an diese Folge, was wohl damit zu tun hat, dass ich sie nicht besonders gelungen finde. Das beginnt schon bei der Idee des „virtual reality cybernet“, an der mich zugegeben vielleicht einfach nur die Bezeichnung stört, die geradezu „Neunziger Jahre“ schreit. Abgesehen von Sinclair, Delenn und Franklin bleiben alle anderen Hauptfiguren in dieser Folge entweder bloße Stichwortgeber oder kommen gar nicht vor. Das ist an sich nicht weiter schlimm, da bei einem so großen Figurenensemble wie in „Babylon 5“ nicht in jeder Episode Platz für alle Charaktere sein kann, schon gar nicht in der ersten Staffel, die uns die Hauptfiguren erst einmal nacheinander näher vorstellen muss. An sich finde ich die Idee, sich einmal ganz auf Sinclair und die Lücke in seinem Gedächtnis zu konzentrieren auch gut. Nur in der Ausführung finde ich sie nicht besonders gelungen.
Daran sind unter anderem die Schauspieler schuld. Christopher Neame als Knight Two betreibt stellenweise ein wahnsinnig nerviges, theatralisches Overacting wie es in einer Fernsehserie einfach fehl am Platz ist. JMS hat seine Darstellung zwar in den höchsten Tönen gelobt, mich hat sie aber an einigen Stellen aus der Geschichte heraus gerissen, statt mich weiter hinein zu ziehen. Auch Michael O’Hares Schauspiel als Sinclair hat mich nicht überzeugt. Es ist inzwischen bekannt, dass er während seiner Zeit bei „Babylon 5“ ernsthafte psychische Probleme hatte und die Dreharbeiten für ihn sicher nicht einfach waren (mehr bei den „Hinter den Kulissen“-Fakten). Das mag einer der Gründe dafür gewesen sein, warum seine Darstellung hier stets sehr angestrengt und wenig nuanciert wirkt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Figur des Mitchell. Plötzlich sollen wir uns für einen Charakter interessieren, der angeblich eine wichtige Rolle in Sinclairs Vergangenheit gespielt hat, von dem wir aber nie zuvor gehört haben. Das funktioniert leider nicht. Zuletzt sind noch die Effekte zu nennen. Zwar stören mich die heute häufig veraltet wirkenden CGI-Effekte in „Babylon 5“ sehr selten und man muss immer wieder betonen, dass gerade diese Effekte Mitte der Neunziger Jahre im Fernsehen revolutionär waren. Doch in dieser Episode wirken die Szenen aus der Schlacht um die Erde heute äußerst statisch und lassen das Tempo der CGI-Kampfszenen aus späteren Staffeln vermissen. Für damalige Verhältnisse muss „And the Sky Full of Stars“ allerdings durchaus beeindruckend gewesen sein, wie JMS in mehreren seiner Forumposts hervorhub. So erwähnte er beispielsweise, die Episode hätte mehr CGI-Effekte als der gesamte 90-minütige Pilotfilm und wurde auch sonst nicht müde zu betonen, dass er diese Folge für die beste bis dahin produzierte hielt – nicht nur der CGI-Effekte wegen, sondern auch aufgrund des Schauspiels und der für eine TV-Serie ungewöhnlichen Inszenierung durch Regisseurin Janet Greek, die hier erstmals für „Babylon 5“ arbeitete und später bei einigen wirklich hervorragenden Episoden Regie führen sollte.

Insgesamt handelt es sich bei „And the Sky Full of Stars“ also um eine ambitionierte Episode, die ihren hohen Anforderungen aber längst nicht in jeder Hinsicht gerecht wird (wobei angemerkt werden muss, dass diese Kritik zum Teil darauf beruht, dass die Folge ganz einfach schlecht gealtert ist). Sie vermittelt wichtige und interessante Informationen über die Hauptfigur der Serie, beantwortet dabei einige teils bereits im Pilotfilm gestellte Fragen und wirft zahlreiche neue auf. Was mir missfällt, ist vor allem wie die Episode dies tut; ich hätte mir eine andere Rahmenhandlung als die Befragung mithilfe einer virtuellen Realität gewünscht. So bleibt es leider bei einer unterdurchschnittlichen Episode, die mich zwiegespalten zurücklässt: einerseits ist der hier vermittelte Inhalt für den weiteren Verlauf der Serie sehr wichtig, andererseits kann ich mit der Art und Weise, in der dieser Inhalt vermittelt wird, wenig anfangen.

Highlight der Episode: Ich habe die Episode für diesen Blogpost einmal angeschaut, aber dabei war keine Szene und kein Aspekt der Folge ein eindeutiger positiver Höhepunkt für mich. Ich möchte die Folge nicht extra noch einmal anschauen, dehalb lasse ich diese Rubrik dieses Mal leer.

Londo/G’Kar-Moment: Leider kommen die beiden in dieser Episode nicht vor. 😦

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode: Wie bereits erwähnt erhalten wir einiges an Hintergrundinformationen über Franklin (auch über Delenn erfahren wir Neues, doch das führt nur zu neuen Fragen – siehe unten): In seiner Jugend ist er quasi als Anhalter durch die Galaxis gereist, um möglichst viele verschiedene Orte kennen zu lernen. Er interessiert sich sehr für die Physiologie von nichtmenschlichen Rassen. Gleichzeitig nimmt er den Eid, den er als Arzt geschworen hat, sehr ernst – alles Leben ist ihm heilig, ganz gleich ob menschliches oder außerirdisches. Als man ihn während des Krieges gegen die Minbari aufgefordert hat, seine Forschungen über die Minbari auszuhändigen, hat er die Aufzeichungen lieber vernichtet als zuzulassen, dass sie zur Entwicklung biologischer Waffen verwendet werden.
Neben den neuen Erkenntnissen über Sinclair, die alle zu weiteren Fragen führen, erfahren wir auch ein paar handfeste Fakten über ihn: Er wurde am 3. Mai 2218 auf dem Mars geboren und ist 39 Jahre alt. 2237 ist er den Erdstreitkräften beigetreten, 2240 wurde er zum Kampfpiloten befördert und weniger als ein Jahr später zum Geschwaderführer. Genau wie sein Vater, Großvater und Urgroßvater ist Sinclair ein Karriereoffizier, wie es Knight Two ausdrückt.

Sonstige Fragen:

  • Was war Delenns Rolle im Erd-Minbari-Krieg? Warum möchte sie dazu (noch) keine Auskunft geben? („A topic for another time.“, erwidert sie auf Franklins Frage danach.)
  • Sind Knight One und Knight Two Telepathen? Diese Frage hat JMS selbst mit nein beantwortet.
  • Worum handelt es sich bei dem „auflechtenden Dreieck“, das einer der Minbari vor Sinclair hält? Was bedeutet es?
  • Warum war Delenn bei Sinclairs Befragung/Untersuchung durch die Minbari anwesend? (Sofern seine Erinnerung daran korrekt ist.) Handelte es sich bei der Gruppe von Minbari, die Sinclair befragten, um den die Minbari anführenden Grauen Rat, wie Sinclair vermutet? Falls ja, ist bzw. war Delenn dann dort Mitglied? Und warum hält sie dies geheim?
  • Laut Garibaldi sind Knight One und Knight Two Teil einer Organisation, die eine Kollaboration zwischen bestimmten Fraktionen auf der Erde und den Minbari beweisen will. Gerüchten zufolge handelt es sich dabei um eine regierungsinterne Organisation, doch wer genau steckt dahinter? „If I fail, more will come after me until this job is finished.“, sagt Knight Two zu Sinclair. Das deutet ja an, dass sie keine Einzeltäter, sondern Mitglieder einer Organisation sind.
  • Wer hat Bensons Leiche nach draußen befördert? (Diese Frage wird nie explizit beantwortet werden, doch nach dem Ende der Staffel wird man sich die Antwort zusammenreimen können.)
  • Was meint Knight Two, als er in seiner letzten Szene sagt „Maybe we’re both still inside“? Wahrscheinlich ist diese Aussage nur auf seine Verwirrung zurück zu führen, denn ich glaube nicht, dass damit angedeutet werden soll, dass sich die Geschehnisse immer noch im Cybernetz abspielen.
  • Wer ist der Minbari, den wir am Ende der Episode bei Delenn sehen? Warum sagt er, Sinclair müsse getötet werden, wenn er jemals die Wahrheit erfahren sollte?
  • Ist an den Anschuldigungen, Sinclair sei ein Spion der Minbari, vielleicht doch etwas dran? Da Sinclair immer noch nicht genau weiß, was in den fraglichen 24 Stunden mit ihm geschehen ist, kann er sich auch nicht sicher sein, dass die Minbari ihm nicht z.B. einer Gehirnwäsche unterzogen haben und er seitdem unbewusst als Spion für sie arbeitet.
  • Sinclair fasst die wichtigsten Fragen der Episode am Schluss selbst zusammen: „What is it they don’t want me to remember?“

Weitere interessante Punkte: 

  • Der Titel der Episode spielt auf eine Dialogzeile Sinclairs im Pilotfilm aus einer Szene an, in der er von der letzten Schlacht im Erd-Minbari-Krieg erzählt: „We never had a chance. The sky was full of stars, and every star an exploding ship. One of ours.“
  • Zu Beginn der Episode sehen wir eines der wenigen Beispiele für Holo-Technologie in „Babylon 5“, als Knight Ond und Knight Two sich ein holografisches Abbild Sinclairs ansehen.
  • Ivanva erwähnt, dass es eine Erd-Basis im Tigris-Sektor gibt.
  • Interessant fand ich Sinclairs Aussage, dass es zu dem Vorfall (dem Verschwinden seines Schiffes) damals eine Anhörung gegeben hat, in der die Angelegenheit geklärt wurde. Das scheinbare Verschwinden seines Schiffes war dabei auf einen technischen Defekt zurückgeführt worden.
  • In einer Szene sehen wir Garibaldi beim Zeitunglesen über die Schulter. Zwar sind die einzelnen Artikel der Ausgabe von „Universe Today“ nicht lesbar (wie schön wäre B5 auf Blu-ray!), die Überschriften aber durchaus. Einige von ihnen nehmen auf Ereignisse bezug, die in den bisherigen Folgen angesprochen worden sind, andere bieten vage Hinweise auf zukünftige Handlungselemente der Serie (und mit der einen oder anderen Schlagzeile hat sich JMS auch nur einen Witz erlaubt):
    • Psi-Corps in Election Tangle – Did Psi-Corps Violate Its Charter by Endorsing Vice President?
    • Homeguard Leader Convicted. Jacob Lester Found Guilty In Attack On Minbari Embassy
    • Narns Settle Ragesh 3 Controversy
    • Special Section: Pros & Cons of Inter-Species Mating
    • San Diego Still Considered Too Radioactive For Occupancy
    • Copyright Trial Continues In Bookzap Flap
    • EA President Promises Balanced Budget by 2260

Interessante “Hinter den Kulissen”-Fakten: 

  • Die Rolle von Knight Two sollte ursprünglich von Walter Koenig gespielt werden. Dieser musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen absagen. Danach wollte man Patrick McGoohan („The Prisoner“) für die Rolle verpflichten, doch ihn hinderten andere schauspielerische Verpflichtungen an der Zusage. So bekam Christopher Neame die Rolle. Walter Koenig spielte schließlich den Psi-Cop Alfred Bester in der Episode „Mind War“ (die zwar vor „And the Sky Full of Stars“ ausgestrahlt, aber später gedreht wurde). JMS fand Neames Darstellung von Knight Two so beeindruckend, dass er mit dem Gedanken spielte, die Figur irgendwann zurück zu bringen.
  • Für Michael O’Hare müssen die Dreharbeiten zu dieser Folge in ganz besonderer Weise belastend gewesen sein. Wie JMS nach O’Hares Tod bekannt gab, litt dieser während der Dreharbeiten zur ersten Staffel an ernsthaften psychischen Problemen (krankhafte Paranoia verbunden mit Wahnvorstellungen). O’Hares Krankheit war zu seinen Lebzeiten nicht öffentlich bekannt, doch folgendes Zitat von ihm, in dem er über die Dreharbeiten zu dieser Episode spricht, macht deutlich, dass ihm das Spielen einer Figur, deren Realitätswahrnehmung gestört ist, durchaus nahe gegangen sein muss: „As far as the underpinning of the scenes was concerned, I understood them very well from things in my private life. I understodd what the experience was of losing everything, having everything taken away from me.“ (Zitiert nach: Jane Killick: Babylon 5. Season by Season – Signs and Portents. S. 83)

Zitate:

„Everyone lies, Michael. The innocent lie because they don’t want to be blamed for something they didn’t do. The guilty lie because they don’t have any other choice.“ (Sinclair)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.09 „Deathwalker“