Filmfest München: „Die Habenichtse“

poster2016_jpg_dlGestern Abend ist das 34. Filmfest München feierlich eröffnet worden und passend dazu präsentiert sich das Wetter hier zumindest gestern und heute ebenfalls feierlich. Bei über 30 Grad und brennender Sonne flüchtet man sich doch gerne in den einen oder anderen kühlen Kinosaal. Das habe auch ich heute mehrmals getan und zwischendurch auch noch ein Panel beim Filmtonart-Event besucht. Ich muss gleich schon wieder ins Kino, will hier aber schnell meine Eindrücke vom Beginn des ersten Festivaltages schildern.

Mit dem Anblick von Baugerüsten und Holzverschlägen vor den City-Kinos, die als einer der zentralen Festspielorte dienen, ging der Tag wenig glamourös los. Im Kino angekommen hieß es dann wie jedes Jahr, mit anderen Akkreditierten Schlange zu stehen, um Tickets für den Sonntag zu ergattern. Weil es immer knapper und knapper wurde (der Beginn der Pressevorführung von „Die Habenichtse“ nahte), wurden die Anwesenden – mich eingeschlossen – immer nervöser. Ich hatte jedoch Glück und verpasste nur ein paar Minuten vom Anfang des Films. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich ihn auch ganz hätte verpassen können. Bei „Die Habenichtse“ (Regie: Florian Hoffmeister) handelt es sich um die Verfilmung eines Romans von Katharina Hacker, der eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des 11. September 2001 erzählt. Weil Jakobs alte Liebe Isabelle (Julia Jentsch) an diesem Tag in Berlin sein wird, bietet ihm sein Freund Hans an, ihn bei einem geschäftlichen Termin in New York zu vertreten. Als Hans dann bei den Anschlägen aufs World Trade Center ums Leben kommt, fühlt Jakob sich schuldig und auch die wieder aufflammende Beziehung mit Isabelle funktioniert nicht wirklich.
Gleiches kann man auch über den Film sagen. DieHabenichtse-05_700Die Schwarzweißoptik soll wohl den Ernst der Geschichte betonen, ist jedoch längst nicht die einzige fragwürdige Entscheidung, die bei der Entstehung von „Die Habenichtse“ gefällt wurde. Die Dialoge sind zum großen Teil furchtbar unglaubwürdig, das Schauspiel bisweilen lustlos oder zumindest nicht nachvollziehbar und die Handlung schlingert, nachdem die Ausgangssituation etabliert worden ist, einfach irgendwie dahin, ohne dass einen das Ganze besonders berührt. Möglicherweise wollten die Beteiligten hier davon erzählen, dass Menschen gerade in (Liebes-)Beziehungsdingen miteinander zu wenig über ihr emotionales Innenleben sprechen und sich daraus zahlreiche Probleme ergeben. Diesbezüglich ergeben sich auch immer wieder im Film interessante Stellen, was einen aber aufgrund der erwähnten Mängel schon bald nicht mehr interessiert. Durch die seltsame Kühle, die der Look des Films und das Schauspiel der Darsteller ausstrahlen, fühlt man sich als Zuschauer fortwährend auf seltsame Weise vom Geschehen distanziert. Vieles ist hier zu gestelzt und künstlich, um wirklich lebensecht wirken zu können.
Der Auftakt hat mich also enttäuscht, aber immerhin kann es von hier an hoffentlich nur noch besser werden (wurde es auch, aber noch nicht allzu viel – Stand: 24.06., 20:35). Falls sich trotzdem jemand für „Die Habenichtse“ interessiert, der Film wird morgen Abend in Anwesenheit der Darsteller seine Premiere feiern (Arri, 20:00) und danach noch zwei weitere Male gezeigt: am 26.6 um 22:00 (HFF Audimax) und am 2.7. um 14:30 (Arri).

Copyright Bilder: Filmfest München

Paul McCartney im Münchner Olympiastadion

20160610_210404_kleinEtwa um 19:45 konnte man am gestrigen Freitagabend im Münchner Olympiastadion eine Durchsage vernehmen, in der das Publikum aufgefordert wurde, seine Plätze einzunehmen, da das Konzert pünktlich um 20 Uhr beginnen werde. Einen Gongschlag wie in der Oper gab es zwar nicht, aber was die Verankerung seiner Werke im kulturellen Allgemeingut angeht kann es Paul McCartney sowieso schon lange mit Mozart, Rossini und dergleichen aufnehmen. Das Publikum war dementsprechend bunt gemischt – von Rentnerehepaaren über fünfköpfige Familien bis hin zu Vätern, die ihre kleinen Kinder auf dem Arm hielten, wollten alle dabei sein als Sir Paul – vielleicht ja zum letzten Mal – in München sein vor allem aus Beatles-Klassikern bestehendes Programm zum Besten gab. Auf die Minute genau um 20 Uhr betrat er mit seinen vier Bandkollegen die Bühne. Leider war ein Großteil des Publikums zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingetroffen; noch eine halbe Stunde nach Konzertbeginn sah man Menschen die Stadiontreppen auf der Suche nach ihren Plätzen hinunterlaufen. Viele hatten wohl nicht damit gerechnet, dass McCartney bereits um 20 Uhr auftreten würde. Aber wer so viele weltbekannte Hits im Repertoire hat und es sich leisten kann, die Show gleich mit „A Hard Day’s Night“ zu beginnen, der braucht natürlich keine Vorband, um seine Zuschauer in Stimmung zu bringen.

Trotzdem wirkte der Auftakt etwas zäh, was aber nicht an McCartney und seiner Band lag, sondern schlicht daran, dass es durch den frühen Beginn noch viel zu hell war, um eine ordentliche Rockkonzertstimmung aufkommen zu lassen. Zum Glück hatte der Regen aber extra für diesen Tag eine Pause eingelegt und McCartneys oft auf deutsch vorgetragene Songankündigungen hielten das Publikum bei Laune. Er begrüßte das Stadion mit einem „Servus“ und stellte ebenfalls auf deutsch fest „Endlich ist der Sommer da“. Als er sich später nach der Zusammensetzung des Publikums erkundigte, erwiesen sich die Münchner überraschenderweise als Minderheit. Der weitaus größere Teil der Zuschauer kam aus anderen deutschen Städten oder dem Ausland.

Die Setlist war die gleiche wie bei den meisten anderen Konzerten der aktuellen „One On One“-Tour. Für Spontanität war dementsprechend kaum Platz im Ablauf der Show. Das ist bei einer großen Stadionproduktion, bei der alle Abläufe inklusive der auf jedes Lied abgestimmten Videoprojektionen genau geplant sind, zwar verständlich. Trotzdem wäre es schön, wenn McCartney zwei oder drei Plätze in der Setlist bereithalten würde, um sie bei jedem Konzert spontan mit anderen Songs zu befüllen. Freilich war der Ablauf der Show aber auch nur für diejenigen Zuschauer vorhersehbar, die sich vorher im Internet schlau gemacht hatten. Wer vollkommen uninformiert ins Konzert ging, der wurde durchaus des Öfteren überrascht, zum Beispiel mit der Elektro-Nummer „Temporary Secretary“ aus dem 1980er Album „McCartney II“ oder mit „In Spite Of All The Danger“, dem ersten Lied, das die Beatles jemals zusammen aufgenommen haben.

Der wohl lustigste, da ungeplante und vollkommen spontane Moment kam gegen Ende, als ein paar Zuschauer auf die Bühne geholt wurden und von McCartney mit Umarmungen und Autogrammen bedacht wurden. Ein junger Mann aus Russland redete den Ex-Beatle da mit „Paul“ an, nur um sich sogleich zu verbessern und ein „Sir Paul“ hinterherzuschieben. „Paul is fine“, versicherte McCartney dem glückseligen Fan. Musikalische Höhepunkte hatte man zu diesem Zeitpunkt schon viele erleben dürfen, darunter das richtig rockende „Nineteen Hundred and Eighty Five“, da20160610_213045_kleins als Akustiknummer vorgetragene „You Won’t See Me“ oder das erst im letzten Jahr veröffentlichte „Four Five Seconds“, das dank des eingeblendeten Texts trotz seiner relativen Unbekanntheit das Stadion zum Mitsingen animierte. Beeindruckend war ebenfalls die Darbietung des „Sgt. Pepper“-Songs „Being For The Benefit of Mr. Kite“. Dank der modernen Technik ist es heute kein Problem mehr, was Ende der Sechziger noch unmöglich war: die komplexen Sound-Tüfteleien aus der Spätphase der Beatles live auf die Bühne zu bringen. Untermalt mit psychedelischen Videoanimationen kam damit die richtige Sixties-Stimmung auf.

Der Höhepunkt des Konzerts war schließlich erreicht, als McCartney am Flügel zuerst den James Bond-Titelsong „Live and Let Die“ zum Besten gab – untermalt von einer scheinbar nicht enden wollenden Abfolge aus bunten Lasern, aus der Bühne schießenden Flammen und den Nachthimmel erleuchtenden Feuerwerksraketen. Anschließend täuschte der 73-jährige mit Gesten vor, das sei ihm jetzt doch alles zu laut und zu viel gewesen, nur um die Zuschauer mit „Hey Jude“ sofort erneut in Euphorie zu versetzen. Vielleicht noch beeindruckender als all die Laser, Videos und bombastischen Rocknummern waren aber die Momente, in denen sich der Ex-Beatle nur mit einer Akustikgitarre ganz allein auf die Bühne stellte, um Klassiker wie „Blackbird“ oder „Yesterday“ zu singen. McCartneys Stimme mag inzwischen etwas brüchig klingen, die Kraft dieser zeitlosen Klassiker aber ist ungebrochen. Meckern kann man an diesem zweieinhalbstündigen Konzertabend, an dem Sir Paul McCartney Jung und Alt mit einem aus fünfeinhalb Jahrzehnten Musikgeschichte zusammengestellten Programm bestens unterhielt, also höchstens auf sehr hohem Niveau. Aber das wollen wir hier mal bleiben lassen, denn wie lautet eine alte Beatles-Weisheit, mit der man ganz zum Schluss belehrt wurde: „And in the end, the love you take is equal to the love you make“.

Buchrezension: „Making Michael“ von Mike Smallcombe

Während es zum Zeitpunkt von Michael Jacksons Tod 2009 kaum Bücher gab, die sich ernsthaft mit seinem Werk auseinandersetzten, erscheinen in den letzten Jahren regelmäßig Sachbücher, wissenschaftliche Aufsätze und Biografien, die die Karriere Jacksons oder einzelne Teile daraus einer ausführlichen Analyse unterziehen. Zwei davon habe ich bereits hier im Blog besprochen: „Man in the Music“ von Joseph Vogel und Susan Fasts Buch über das „Dangerous“-Album. Mit „Making Michael“ hat der britische Journalist Mike Smallcombe nun eine neue Jackson-Biographie geschrieben, die sich – wie der Titel schon andeutet – ganz dem Werk von Michael Jackson widmet. Es gibt ja bereits eine ganze Reihe von Biografien über Michael Jackson; neben der 1988 erschienenen Autobiographie „Moonwalk“ wäre da vor allem J. Randy Taraborellis „The Magic, The Madness, The Whole Story“ (deutsch als „Die ultimative Biografie“ erschienen) zu erwähnen. Das Buch von Taraborelli ist sicherlich die ausführlichste Jackson-Biografie auf dem Markt, aber wenn man konkrete Informationen zu den Liedern und Alben von Michael Jackson sucht, dann ist man mit anderen Büchern besser beraten. „Man in the Music“ kann dabei bereits als Standardwerk betrachtet werden, aber auch „Making Michael“ erweist sich für alle an Jacksons Musik interessierten Leser als ein Muss.

Mike Smallcombe bezieht in seine chronologische Schilderung der Entstehung von Jacksons Liedern und Alben nämlich nicht nur zahlreiche bereits veröffentlichte Quellen ein, sondern hat auch neue Interviews mit über 60 Personen geführt, die mit Michael Jackson zusammengearbeitet haben. Sein Ziel war es, den Leser in einem „fly on the wall“-Ansatz an den Studiosessions teilhaben lassen, was ihm wirklich hervorragend gelungen ist. Dabei konzentriert sich das Buch ganz auf die Solokarriere von Michael Jackson. Zwar wird in zwei kurzen Kapiteln zu Beginn die Karriere der Jackson 5 bzw. Jacksons nacherzählt, doch diese dienen eher der Einleitung und bieten für Kenner der Materie noch nichts Neues. Mit Beginn der Arbeiten an „Off The Wall“ zeigt das Buch dann seine Stärke. Smallcombe schildert die Zusammenarbeit Jacksons mit seinem Produzenten Quincy Jones und lässt auch die wichtigen Beiträge anderer Personen nicht unter den Tisch fallen. Dabei geht er auf die Entstehung jedes einzelnen Songs ein und erwähnt natürlich auch Lieder, die es letztendlich nicht aufs Album geschafft haben. Immer wieder fördert er dabei interessante Anekdoten zutage, die sich aber nie in Tabloid-Geschwätz erschöpfen, sondern stets Aspekte von Jacksons kreativer Arbeit betreffen. Vieles davon war auch für mich neu, wie zum Beispiel die Entstehung des Fotos für das Albumcover von „Off The Wall“.

Diese chronologische Erzählweise und die Betonung der Zusammenarbeit Jacksons mit Produzenten, Studiotechnikern, Musikern, Songschreibern und Managern behält Smallcombe im ganzen Buch bei. Immer wieder wird nicht nur Michael Jacksons Drang zur Perfektion geschildert (und dessen positive wie negative Folgen), sondern auch wie er seine Mitarbeiter stets zu Höchstleistungen antrieb. So werden beispielsweise mehrere von Jacksons Musikproduzenten zitiert, er habe von ihnen und ihren Teams verlangt, völlig neue Klänge zu entwickeln. Das konnte dann schon mal dazu führen, dass sie im Hinterhof des Studios auf Mülltonnen schlugen oder Autogeräusche aufnahmen, aus denen schließlich der Instrumentaltrack für einen Song wurde („She Drives Me Wild“). Dank der Originalinterviews kann das Buch mit einer Fülle an Informationen auftrumpfen, die selbst mir noch nicht bekannt waren.

Äußerst interessant fand ich beispielsweise auch die Schilderung der genauen Zusammenarbeit mit Produzenten und Songschreibern. Neben den Liedern, die Jackson (fast) alleine schrieb („Heal The World“, „Speechless“) und solchen, die von anderen geschrieben wurden („Rock With You“, „Human Nature“, „Man In The Mirror“) wurden nämlich auch zahlreiche seiner Songs in enger Zusammenarbeit mit Produzententeams komponiert. Diese entwickelten häufig eine Reihe von Instrumental-Demoversionen, aus denen Jackson dann seine Lieblingsstücke auswählte und dazu selbst eine Melodie und einen Text verfasste. Auf diese Weise entstanden zum Beispiel „Blood On The Dance Floor“, „Jam“, „Scream“ oder „You Rock My World“.

„Making Michael“ kann also als ein Making of-Buch zu den Alben von Michael Jackson betrachtet werden. Besonders im Fall der späteren Alben (von „Dangerous“ bis „Invincible“) ist dies von großem Wert, da über diese Alben noch recht wenig geschrieben wurde und sie natürlich auch in „Moonwalk“ noch nicht erwähnt wurden. Das Buch geht jedoch immer wieder über die Arbeit an den Alben hinaus. So schildert Smallcombe zum Beispiel die Pläne, die Jackson jenseits der Musikindustrie verfolgte. Sein Leben lang hegte der Star den Wunsch, ins Filmgeschäft einzusteigen und als Filmproduzent, Regisseur und Schauspieler tätig zu sein. Obwohl er mit seinen teils revolutionären Musikvideos wohl in einem Maße filmisch tätig war wie kaum ein anderer Popstar und Musiker, blieb ihm dieser Traum leider verwehrt. Es ist hochinteressant zu lesen, wie Jackson diesbezüglich mehrmals vor einem großen Durchbruch stand, der aber jedes Mal durch äußere Umstände zunichte gemacht wurde. So hatte er beispielsweise Ende der Neunzigerjahre die Idee, Marvel zu kaufen, weil er überzeugt davon war, dass sich mit Superheldenfilmen eine Menge Geld verdienen ließ – zu Recht, wie wir heute wissen. Daraus wurde schließlich ebenso wenig etwas wie aus Jacksons Plan, selbst die Rolle des SpiderMan zu übernehmen. Sein Interesse am Filmgeschäft war jedenfalls so groß, dass er sich dem Buch zufolge in seiner zweiten Lebenshälfte – nach der Veröffentlichung von „Invincible“ vor allem darauf konzentrieren wollte.

Im Zusammenhang mit Jacksons letztem Studioalbum „Invincible“ fand ich übrigens Smallcombs neutrale Schilderung des Konflikts zwischen Jackson und seiner Plattenfirma Sony sehr interessant. Während Jackson selbst stets die unter Fans beliebte Therie verbreitet hat, Sony habe sein Album absichtlich sabotiert, lässt Smallcombe auch die andere Seite zu Wort kommen. Auf diese Weise erfährt man, dass die Dinge nicht so einfach lagen und auch Jackson damals einige Fehler begangen hat. Dass er sich stur weigerte, Promotion-Auftritte zu absolvieren oder auf Tour zu gehen, weil Sony ihm keine astronomisch hohen Budgets für Musikvideos mehr genehmigen wollte und dergleichen, lässt jedenfalls darauf schließen, dass in diesem Konflikt beide Seiten nicht unschuldig waren.

Die Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs werden natürlich nicht unter den Tisch fallen gelassen, allerdings sind sie in „Making Michael“ vor allem wegen ihrer Konsequenzen für Jacksons Arbeit relevant. So wird etwa der Gerichtsprozess von 2005 nicht ausführlich thematisiert, wohl aber die Jahre danach, in denen Jackson in verschiedenen Teilen der Welt lebte und mit unterschiedlichen Leuten neue Pläne schmiedete und Songs aufnahm. Auch wie es dazu kam, dass Jackson sich schließlich doch dazu entschloss, wieder Konzerte zu geben, schildert Smallcombe. Natürlich spielten finanzielle Überlegungen dabei eine große Rolle, dem Deal mit dem Konzertveranstalter AEG Live stimmte Jackson aber nur deswegen zu, weil AEG ihm das Geld für einige Filmproduktionen zur Verfügung stellen wollte, denen er sich nach den „This Is It“-Konzerten widmen wollte.

„Making Michael“ konzentriert sich wie gesagt ganz auf die kreative Arbeit an Michael Jacksons Liedern und Alben, mit einer Ausnahme: Die letzten Monate und Wochen in Jacksons Leben werden hier detailliert geschildert, ohne dass dabei viel auf die Arbeit den geplanten Konzerten eingegangen wird. Stattdessen stützt sich Smallcombe hier vor allem auf die in den Prozessen gegen Jacksons Arzt und den Konzertveranstalter ans Licht gekommenen Informationen, um aufzuzeigen, wie es schließlich zu Michael Jacksons Tod kommen konnte. Das unterscheidet dieses letzte Kapitel zwar deutlich vom Rest des Buches, aber weil es natürlich direkt mit dem Scheitern von „This Is It“ zu tun hat und weil diese Informationen bisher noch in keinem Buch zusammengefasst worden sind, ist es es trotzdem lesenswert. Natürlich ist auch einiges Erschreckendes dabei, aber wer sich nur für die Entstehung der Musik interessiert, kann diesen Abschnitt ja überspringen. (In den letzten Wochen seines Lebens könnte Michael Jackson ein weiteres Mal Neuland betreten haben, in diesem Fall aber nicht als Künstler: Einem Schlafexperten zufolge, der in einem der Prozesse ausgesagt hat, könnte Jackson nämlich der bislang einzige Mensch gewesen sein, der dank der nächtlichen Propofol-Inujektionen mehrere Wochen lang ohne REM-Schlaf ausgekommen ist.)

Fazit: „Making Michael“ bietet selbst für langjährige Jackson-Fans viele neue Informationen, gerade was die späteren Alben betrifft. Dabei betreibt Smallcombe keine kritiklose Heldenverehrung, sondern lässt mitunter auch kritische Stimmen zu Wort kommen (wenn sich diese zugegeben auch in starken Grenzen halten). Wer sich für das Werk Michael Jacksons und dessen Entstehung interessiert, der wird hier haufenweise interessante Informationen und Geschichten finden. Allerdings konzentriert sich das Buch dabei auf die Musik und lässt die Musikvideos und Konzerte meist außen vor (mit den Regisseuren der Videos hat Smallcombe auch keine Interviews geführt, wenn ich mich richtig erinnere). Auch die posthum veröffentlichten Alben werden nicht berücksichtigt; allerdings hat Damien Shields ja mit „Xscape Origins“ bereits ein hervorragendes Buch vorgelegt, das sich ganz dem „Xscape“-Album widmet.
„Making Michael“ kann ich also jedem Jackson-Fan und allen anderen an Michael Jacksons Musik und seiner Arbeitsweise interessierten Lesern ans Herz legen. Neben Joseph Vogels „Man In The Music“, das sich mehr der kulturellen und zeithistorischen Einordnung der Alben und Songs widmet, kann dieses Buch bereits jetzt als eines der Standardwerke zu Jacksons Werk betrachtet werden, an dem sich zukünftige Bücher messen lassen müssen. Eine deutsche Übersetzung ist bislang nicht angekündigt.

Wer Näheres zur Entstehung des Buches erfahren möchte, sollte sich dieses Interview anhören, das Mike Smallcombe dem MJCast gegeben hat.

Maleficent

Es ist schon wieder Zeit für eine Kurzkritik gleich nach dem Filmende. Gerade eben habe ich nämlich „Maleficent“ angeschaut, die Disney-Realverfilmung von „Dornröschen“, die ein bisschen auf dem Märchen basiert und ein bisschen auf dem Zeichentrickklassiker. Was für ein grauenhaft schlechter Film! „Maleficent“ ist so schlecht, dass er stellenweise schon wieder lustig ist und bietet kaum überzeugende Qualitäten, außer dass er sich vielleicht für Trinkspiele eignet. (Zum Beispiel könnte man immer ein Stamperl leeren, wenn Angelina Jolies Wangenknochen prominent ins Bild gerückt werden.)

Falls jetzt jemand denkt, dass ich einfach keine Märchenfilme mag oder mit Disney-Magie nichts anfangen kann – das stimmt nicht. Ich bin nicht nur mit Disneytrickfilmen groß geworden (auch wenn „Dornröschen“ etwas vor meiner Zeit war), sondern fand zum Beispiel gerade die Realverfilmung von „Cinderella“ im letzten Jahr äußerst gelungen. (Meine Kritik dazu könnt ihr hier nachlesen.) Aber „Cinderella“ hatte auch das, was bei „Maleficent“ eindeutig fehlt: einen fähigen Regisseur (Kenneth Branagh), der im Umgang mit Schauspielern erfahren ist. Robert Stromberg hat dagegen bei „Maleficent“ zum ersten Mal Regie geführt. Zuvor hat er zwar schon zwei Oscars für die Ausstattung von „Alice im Wunderland“ und „Avatar“ gewonnen und im Effektebereich gearbeitet, aber all das merkt man „Maleficent“ leider an. Der Film sieht technisch perfekt aus (wenn das auch alles meist reichlich künstlich wirkt), aber die Darsteller scheinen alle in ihren jeweils eigenen Filmen zu spielen. Eine führende Hand, die die Schauspieler lenkt, fehlt hier klar.

Einmal stand mir sogar regelrecht der Mund offen: als der König (Sharlto Copley) Maleficent anfleht, seine Tochter zu verschonen, ist davon nämlich überhaupt nichts zu erkennen. Witzigerweise sagt er sogar, dass er sie anfleht; zu spüren ist das aber nicht, sondern es wirkt vielmehr vollkommen gleichgültig, emotionslos und unüberzeugend. So ein schlechtes Schauspiel habe ich schon lange nicht mehr gesehen! Selbst Elle Fanning, an der ich stets die Natürlichkeit bewundert habe, die sie in all ihre anderen Rollen legt, wirkt in „Maleficent“ meistens künstlich oder übertrieben. Und Angelina Jolie scheint wohl irgendetwas davon abgehalten zu haben, die böse Fee auch tatsächlich wie einen klassischen Disney-Bösewicht zu spielen. Wirklich böse oder bedrohlich wirkte sie zu keinem Zeitpunkt und auch die emotionale Tiefe, um die der Film sich so angestrengt bemüht hat, war bei ihr so gut wie nicht vorhanden. Tiefe habe ich höchstens in Jolies Gesicht entdeckt, bei dem die schon erwähnten Wangenknochen hier durch Makeup (und CGI?) besonders hervorgehoben wurden und die in der 3D-Fassung des Films bestimmt besonders bestechen. 😉 

Die Geschichte des Films wirkt ziemlich konstruiert und damit genauso künstlich wie die CGI-Optik. Drehbuchautorin Linda Woolverton (die u.a. auch die beiden „Alice“-Filme geschrieben und an „Der König der Löwen“ mitgewirkt hat) bemüht sich, die bekannte Dornröschen-Geschichte quasi von der anderen Seite zu zeigen und die böse Fee zur Sympathieträgerin zu machen. Das gelingt zumindest ansatzweise, wird aber durch die verloren durch den Film stapfenden Schauspieler und zum Ende hin auch noch durch einen seltsam überhasteten Spannungsbogen zunichte gemacht. Spätestens da wird dann auch klar, dass man sich die Geschichte lieber noch einmal genau durch den Kopf hätte gehen lassen sollen; irgendwie ergibt das zum Schluss nämlich dramaturgisch kaum mehr Sinn und das Ausgangsmaterial wird so sehr verändert, dass man auch gleich eine komplett neue Geschichte um die Maleficent-Figur hätte erfinden können.

Alles in allem bin ich also wirklich schockiert darüber, wie schlecht „Maleficent“ ist. Leider ist der Film zum erfolgreichsten in Angelina Jolies Karriere geworden und es wird natürlich schon an einer Fortsetzung gearbeitet. Mit „Die Schöne und das Biest“ erwartet uns 2017 aber zunächst die Realverfilmung eines anderen Disney-Klassikers. Da dort mit Bill Condon ein erfahrener Regisseur hinter der Kamera steht, der zudem mit zwei „Twilight“-Filmen bereits Fantasy-Erfahrung gesammelt hat, darf man hoffentlich auf ein weit besseres Ergebnis hoffen als bei „Maleficent“.

Babylon 5 – Episode 1.20 “Babylon Squared“

Aktuelles aus dem „Babylon 5“-Universum

Auf Den of Geek wurde kürzlich eine Liste der besten „Babylon 5“-Episoden veröffentlicht. Natürlich ist so eine Auflistung rein subjektiv; mir persönlich fehlt die eine oder andere großartige Episode, aber im Großen und Ganzen wurden die Höhepunkte der Serie dort ganz gut getroffen. Natürlich beinhaltet der Artikel zahlreiche große Spoiler für die gesamte Serie!
Außerdem möchte ich noch einmal auf den besten, größten und einzigen deutschsprachigen „Babylon 5“-Podcast aufmerksam machen. „Der graue Rat“ geht seit einigen Monaten die Serie Folge für Folge durch und hat vor kurzem auch ein Special veröffentlicht, bei dem Michael Erdmann zu Gast war, der für die deutsche Synchronisation der Serie verantwortlich war. Herr Erdmann erweist sich als äußerst sympathischer Gesprächspartner. Er hat selbst eine Vorliebe für Science Fiction und erinnert sich noch recht gut an „Babylon 5“ und seine Arbeit an der Serie, so dass er ein paar Anekdoten zum Besten geben kann. Ein tolles Interview, das wie alle Episoden von „Der graue Rat“ für B5-Fans sehr hörenswert ist!
Und noch etwas habe ich entdeckt: Die Website von Babylon 5 Books wurde neu gestaltet (und demnächst wird es die Waren aus dem Shop dort wohl auch bei Amazon zu kaufen geben). Teil der Umgestaltung ist eine neue Kolumne, die regelmäßig erscheinen soll und sich in ihrer ersten Ausgabe mit den Schwerkraft-Ringen von Delenn beschäftigt, die wir im Pilotfilm zu sehen bekamen, danach aber nie wieder.

Kommen wir nun aber zur nächsten Episode von „Babylon 5“ – und die hat es dieses Mal in sich.

Episode 1.20 „Babylon Squared“ („Verloren in der Zeit“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 10.08.1994 (USA), 03.12.1995 (Deutschland)

Die Folge beginnt damit, dass Sinclair und Garibaldi ihrer müden Kollegin Susan Ivanova beim Frühstück einen Streich spielen. Die beiden haben es anscheinend faustdick hinter den Ohren und müssen diesen Streich vorher geplant haben. Oder wozu hatten sie sonst auf den Stühlen neben sich leere Teller versteckt? Bevor Ivanova einnickt, erfahren wir im Gespräch zwischen den dreien noch die wichtigsten Fakten zur Ausgangslage der Handlung: Nicht allzu weit entfernt von Babylon 5 wurden im Weltraum erhöhte Tachyon-Emissionen gemessen und Ivanova hat einen einzelnen Piloten losgeschickt, um mehr herauszufinden. Bevor die Serie zur Titelsequenz übergeht, sehen wir diesen Piloten in seinem Starfury am Ziel ankommen. Er kann gerade noch „Noooo!“ schreien und die Arme vors Gesicht reißen, als ihn ein Blitz aus Tachyon-Emissionen trifft und die Serie zur Titelsequenz übergeht.

Nach der Titelsequenz erfahren wir etwas mehr. Der Pilot ist nach Babylon 5 zurückgekehrt, allerdings nur weil es ihm gelang, rechtzeitig den Autopiloten einzuschalten. Er ist nämlich unerklärlicherweise an Altersschwäche gestorben und konnte gerade noch die Zeichen „B4“ in seinen Anschnallgurt ritzen, woraus Sinclair, Garibaldi und Ivanova messerscharf auf Babylon 4 schließen. Wir erinnern uns (und werden in dieser Folge auch extra daran erinnert): Nachdem die ersten drei Babylon-Stationen noch während ihrer Konstruktion Sabotageakten zum Opfer fielen, verschwand Babylon 4 spurlos nur kurz nachdem die Station im Jahr 2254 ihren Betrieb aufnahm. Niemand kennt den Grund dafür oder weiß, wohin die Station verschwunden ist. Ein (sehr kleiner) Teil dieses Rätsels wird in dieser Folge gelöst, denn wie sich herausstellt taucht Babylon 4 nun im Jahr 2258 wieder auf. Sinclair beantwortet den Notruf von Major Krantz (Kent Broadhurst) und macht sich zusammen mit Garibaldi und ein paar Shuttles sogleich auf den Weg, um möglichst viele der Personen auf Babylon 4 zu evakuieren. Die Station ist nämlich äußerst instabil und droht, jeden Moment wieder zu verschwinden – „verloren in der Zeit“, wie es der deutsche Episodentitel so schön sagt.
Auf dem Flug nach Babylon 4 kommt sich auch Garibaldi ziemlich verloren in der Zeit vor – sprich: er langweilt sich. Also stellt er Sinclair die „fasten / zip“-Frage (also ob er seine Hose zuerst zuknöpft oder zuerst den Reisverschluss zumacht). Im Deutschen wurde daraus die Frage, ob Sinclair seinen Reißverschluss mit der linken oder rechten Hand zumacht. (Diese Frage ergibt nicht so viel Sinn, schließlich dürfte der Fall bei Rechts- und Linkshändern jeweils ziemlich klar sein.)

Nach der Ankunft auf Babylon 4 zeigt sich wieder einmal, dass „Babyon 5“ oft mit geringen finanziellen Mitteln, aber viel Kreativität eine große Wirkung erzielte. Die Sets, auf denen die Szenen auf Babylon 4 gedreht wurde, sind nämlich natürlich dieselben, die sonst als Babylon 5 herhalten musste. Dank ein paar grüner Panele an den Wänden, bunter Scheinwerfer und vieler herumstehender Kisten wirkt die Umgebung aber tatsächlich anders und noch viel unfertiger als auf Babylon 5. Etwas unfertig und verkrampft wirkt hier auch das Schauspiel von Kent Broadhurst als Major Krantz, aber die Reaktion auf die Mitteilung, man sei soeben vier Jahre in die Zukunft gereist ist zugegeben wohl auch nicht leicht zu spielen.
Kurz nach dem Zusammentreffen mit Major Krantz kommt es zum ersten Flash, der für Sinclair ein Flashforward ist. Er sieht sich für kurze Zeit in eine unbestimmte Zukunft versetzt, in der Babylon 5 kurz davor steht, von unbekannten Angreifern überrannt zu werden. Ein heldenhafter Garibaldi schickt Sinclair fort und will sich opfern, um möglichst vielen Leuten die Flucht zu ermöglichen (Garibaldi erwähnt, dass er den Fusionsreaktor der Station manipuliert hat, so dass sie kurz vor der Explosion steht). Dabei soll wohl der Eindruck vermittelt werden, als werde Sinclair zum Schluss von der Masse an Flüchtenden mitgerissen; tatsächlich drängen ihn aber nur eine handvoll Statisten vor sich her und das Ergebnis sieht etwas lächerlich und unglaubwürdig aus.
Major Krantz klärt Sinclair und Garibaldi anschließend über die Zeitsprünge auf: Sie traten 24 Stunden nach der Inbetriebnahme der Station zum ersten Mal auf. Weiterhin erfahren wir, dass jede Person während dieser Zeitsprünge etwas anderes wahrnimmt. Da Garibaldi aber in Sinclairs Vision vorkam, gehe ich davon aus, dass es auch seine (mögliche?) Zukunft ist, die wir hier gesehen haben.

Als nächstes wird der Zuschauer zusammen mit Sinclair und Garibaldi von Major Krantz zu einem ungebetenen Besucher geführt: Zathras. Woher er kommt, warum er hier ist oder welcher Rasse er angehört, kann auch Krantz nicht sagen. Er weiß nur, dass Zathras plötzlich auf der Station erschienen ist. Und was für eine tolle Figur das ist! Zathras ist wieder einmal einer dieser Glücksfälle, bei denen ein Schauspieler einer Figur Leben einhaucht, wie wirklich nur er es kann. Vom Makeup her sieht Zathras gar nicht besonders außerirdisch aus, aber Tim Choate – der leider 2004 viel zu früh verstorben ist – verleiht ihm mit seiner Sprechweise und einigen kleinen Ticks (wie den seltsamen Klicklauten) vom ersten Auftreten an eine Charaktertiefe, die ihn viel fremder und seltsamer wirken lässt, als es die Maske je könnte.
Aus Zathras‘ Erklärungen werden Krantz, Sinclair und Garibaldi allerdings kaum schlau. Sie können sich immerhin zusammenreimen, dass Zathras einer Gruppe von Personen angehört, die Babylon 4 durch die Zeit schicken wollen, um die Raumstation als Operationsbasis in einem großen Krieg zu verwenden, der „große Dunkelheit“ und „das Ende aller Dinge“ über die Galaxis bringen kann. Aber welcher Krieg ist damit gemeint? Wohin in der Zeit wird Babylon 4 geschickt? Und mit wem arbeitet Zathras eigentlich zusammen? Zumindest die letzte Frage wird am Ende der Episode ansatzweise beantwortet, als wir einen sichtlich älteren Sinclair zu sehen bekommen. So lässt sich wohl auch erklären, dass Zathras Sinclair sofort zu erkennen scheint, als dieser ihm mit Garibaldi und Krantz gegenübertritt. Aber was will Zathras uns damit sagen, dass Sinclair „nicht der Eine“ („not The One“) sei? Auch das kann man sich nach dem Ende dieser Episode zusammenreimen, schließlich taucht kurze Zeit später eine mysteriöse Person in einem Raumanzug auf. Dabei handelt es sich Zathras zufolge um „den Einen“ und die Person wird schließlich als der gealterte Sinclair enthüllt (der sich mit einer nicht im Bild zu sehenden Delenn unterhält). Dank eines Zeitstabilisators, der ihm von Zathras überreicht wird, scheint dessen unkontrolliertes Treiben durch die Zeit aufgehalten werden zu können.

Plötzlich kommt es wieder zu einem Flash; dieses Mal sehen wir, was Garibaldi dabei erlebt. Er wird in der Zeit zurück versetzt und muss noch einmal den Streit mit seiner damaligen Freundin Lise (Denise Gentile) durchleben, als er ihr mitteilt, dass er die Stelle als Sicherheitschef auf Babylon 5 angenommen hat. Lise ist davon alles andere als begeistert und will nicht mit ihm nach Babylon 5 gehen. Dank ihres Auftritts in der letzten Folge wissen wir bereits, dass sie Garibaldi bald nach diesem Gespräch durch einen gewissen Franz ersetzen wird…

Sinclair und Garibaldi machen sich anschließend mit Krantz und Zathras auf den Weg, um die Station zu verlassen. Dabei wird Zathras unter einem umstürzenden Pfeiler eingezwängt. Sinclair versucht ihn zu befreien, doch Zathras sieht ihm ernst in die Augen und fleht ihn an, lieber sich selbst zu retten, da er (Sinclair) ein anderes Schicksal habe, als hier auf Babylon 4 zu sterben. Also lässt Sinclair Zathras zurück und rennt Garibaldi durch die immer instabiler werdende Station hinterher – durch eine Menge weißen Nebel, herunter fallende Alufolienschnipsel und mit perfektem Timing von eifrigen Mitgliedern der Filmcrew an unseren Helden vorbeigworfenen Kisten. 😉
Als sie fort sind, taucht „der Eine“ neben Zathras auf, nimmt seinen Helm ab und wir bekommen den gealterten Sinclair zu sehen. Neben ihm – obwohl sie nicht im Bild zu sehen ist – steht Delenn, die im kurzen Gespräch mit Sinclair an ihrer Stimme zu erkennen ist (zumindest in der Originalversion – ich weiß nicht ob im Deutschen auch hier Delenns Synchronstimme verwendet wurde).
Nachdem Sinclair, Garibaldi und die meisten anderen Personen, die sich an Bord der Station befunden haben, entkommen konnten, verschwindet Babylon 4 schließlich ganz. Wohin (bzw. „wannhin“), das erfahren wir hier nicht. So viel sei aber an dieser Stelle verraten: wir werden Babylon 4 wiedersehen. Das hofft am Ende der Episode auch Ivanova, die sich darüber ärgert, auf Babylon 5 zurückgeblieben zu sein und alles verpasst zu haben. Für den Fall, dass Babylon 4 wieder auftaucht, lässt sie Sinclair schon mal wissen: „Dann will ich mitkommen und Garibaldi bleibt hier.“
Ob Babylon 4 aber tatsächlich mit dem Fliegenden Holländer vergleichbar ist, wie in der letzten Szene anklingt, darüber können wir nur spekulieren. Treibt die Raumstation ziellos durch Raum und Zeit oder befindet sie sich auf einer zielgerichteten Reise? Wir werden es erfahren, aber bis dahin dauert es noch eine ganze Weile.

Kommen wir zum zweiten Handlungsstrang der Episode, den man bei all den Fragen, die die Babylon 4-Handlung aufwirft, leicht vergessen kann. Doch auch dieser Teil der Folge hat es in sich, denn hier wird Delenn nichts Geringeres angeboten als die Anführerin ihres Volkes zu werden!
Aber von vorne: Delenn verlässt Babylon 5 und fliegt allein los, weil sie vom Grauen Rat gerufen wurde. Dessen Sitz befindet sich interessanterweise nicht auf Minbar, sondern auf einem Raumschiff. Darin kann man ein Symbol für die Entfremdung der herrschenden Klasse vom gemeinen Volk der Minbari sehen. Delenns Mitgliedschaft im Grauen Rat wurde bereits in „Soul Hunter“ und „The Parliament of Dreams“ thematisiert. Als sie vor den Rat tritt, erwähnt sie Valen, den legendären spirituellen Anführer der Minbari, der den Grauen Rat vor etwa 1000 Jahren gegründet hat. (Ich bin mir nicht sicher, aber das hier könnte das erste Mal in der Serie sein, dass Valens Name fällt. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege – was sehr gut möglich ist.)
Während der Sitzung des Grauen Rates – die eigentlich gar keine solche ist, schließlich bleiben seine Mitglieder dabei stehen – erfahren wir, dass die Minbari seit dem Tod ihres Anführers Dukhat vor zehn Jahren keinen Nachfolger gewählt haben. (Wir erinnern uns: In „Soul Hunter“ haben wir erfahren, dass Dukhats Tod den Erd-Minbari-Krieg ausgelöst hat.) Nun sei die Zeit des Trauern vorbei und ein neuer Anführer müsse bestimmt werden, teilen die anderen Ratsmitglieder Delenn mit. Ohne Delenn mit einzubeziehen, haben sie sie für diese ehrenvolle Position ausgewählt. Weil sie von allen Ratsmitgliedern am weitesten gereist sei und die größte Erfahrung im Umgang mit fremden Spezies habe, sei sie die geeignetste Kandidation für den Posten. Delenn fühlt sich zwar geehrt, ist aber vor allem sehr überrascht und will den Posten nicht übernehmen. „My calling is to serve, not to lead“, erklärt sie. Als die anderen Ratsmitglieder sie auf eine Prophezeihung ansprechen, erwidert sie, die werde sich auch so erfüllen.

Ein paar Worte dazu, wie der Graue Rat hier zum Leben erweckt wurde: Hier wird wieder einmal aus den begrenzten Mitteln das Maximum herausgeholt. Die Graue Rat tagt nicht nur fernab von Minbar, sondern auch in einem vollkommen leeren, dunklen Raum (auch das unterstreicht die Entfremdung des Rats von der Lebenswirklichkeit der Minbari). Die einzelnen Ratsmitglieder werden durch helle Spots erleuchtet und der Effekt, wie sie jeweils ihre Gesichter enthüllen, bevor sie zu sprechen beginnen, ist äußerst wirkungsvoll.
In der nächsten Szene erfahren wir, dass Delenn ihre Position als Botschafterin auf Babylon 5 sofort aufgeben müsste, falls sie sich entschließen sollte, Anführerin ihres Volkes zu werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, würde sie in diesem Fall das Raumschiff, auf dem sie sich nun befindet, nie wieder verlassen dürfen – eine äußerst seltsame Regelung für die Anführerin eines Volkes und schon wieder ein Beispiel dafür, dass die herrschenden Köpfe der Minbari vollkommen den Kontakt zum Volk verloren haben. Da Delenn wie erwähnt ihrem Volk dienen will, statt es von oben zu führen, hört sie schließlich auf ihr Herz und widersetzt sich der Entscheidung des Rats. Als sie erneut vor den Rat tritt, spricht sie wieder die Prophezeihung an. Ihr zufolge käme den Menschen ein besonderes Schicksal zu, weswegen Delenn ihre Aufgabe, die Menschen zu studieren und die Korrektheit der Prophezeihung zu überprüfen, fortführen wolle. Im Gegensatz zu den anderen Ratsmitgliedern sieht Delenn in den Menschen kein primitives Volk; statt Schwächen wie Streit, Kampf und die Leitung durch Ängste und Leidenschaften spricht Delenn den Menschen vor allem Stärken zu, die in ihrer Beharrlichkeit und ihrer Vielfalt lägen.
Dies legt Delenn dem Grauen Rat in einem eindrucksvollen Monolog dar (s. das lange Zitat unten), der ein gutes Beispiel für das Weltbild von „Babylon 5“-Schöpfer J. Michael Straczynski ist: Wir Menschen seien besser als wir denken und edler als wir wissen. Zwar hätten wir Schwächen, seien aber zu großen Taten fähig und hätten noch eine große Zukunft vor uns. Ja, wir sind sogar die Zukunft, wie Delenn dem Grauen Rat mitteilt. Kein Wunder, dass ein Regierungsgremium, das sich wohl die meiste Zeit über auf einem fernab der Heimat durchs All fliegenden Raumschiff aufhält, nicht nur den Kontakt zu den Bedürfnissen und Nöten des eigenen Volkes verloren hat, sondern sich auch gegenüber fremden Einflussen äußerst kritisch und abschottend zeigt. Hier ist es die weltoffene, weit gereiste Delenn, die mit der Tradition bricht und die Einstellungen der anderen Ratsmitglieder hinterfragt – nicht zum letzten Mal in der Serie. Dass ihre Entscheidung den Verlust ihrer Mitgliedschaft im Rat mit sich bringt, nimmt sie in Kauf. In einer schnellen Abstimmung (bei der wieder die Lichter effektvoll eingesetzt werden) sprechen sich die übrigen Ratsmitglieder dafür aus, Delenns Entscheidung zu akzeptieren und einen anderen Anführer zu bestimmen.

Bei ihrem Abschied wird Delenn von einem der Ratsmitglieder ein Gegenstand überreicht, der als Triluminarium (triluminary) identifiziert wird (es wird auch erwähnt, dass davon noch zwei weitere Exemplare existieren). Nebenbei erfahren wir auch, dass Delenn wohl doch nicht die Einzige im Grauen Rat ist (bzw. war), die das Nahen großer Veränderungen spürt. Der Minbari, der sie verabschiedet gibt zu, dass auch er große gesellschaftliche Umwürfe kommen sieht (s. letztes Zitat ganz unten). Leider ist die Gesellschaft der Minbari im allgemeinen und der Graue Rat im besonderen aber wohl zu festgefahren in alten Denkweisen und Traditionen, um sich der Veränderung zu öffnen.

„Babylon Squared“ ist eine großartige Folge – eine der besten und ganz sicher eine der wichtigsten der ersten Staffel. Alle Neulinge kann ich übrigens beruhigen: So gut wie alle hier aufgeworfenen Fragen werden von der Serie früher oder später beantwortet. Zwar konnte JMS die Geschichte aufgrund äußerer Umstände, auf die er keinen Einfluss hatte, nicht genau so weitererzählen, wie er es ursprünglich geplant hatte. Aber er war sehr gut darin, die Handlung an die sich ändernden Umstände anzupassen.

Highlight der Episode: Zathras. Aus den bereits genannten Gründen, aber auch weil seine Antwort auf die Frage, aus welchem Jahr er denn komme, so herrlich nichtssagend und frustrierend ist: „By my world time, it is year 4993.“

Londo/G’Kar-Moment: Die beiden kommen in dieser Folge leider nicht vor.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

Ich fasse noch einmal kurz die wichtigsten Dinge zusammen, die wir zu diesem Zeitpunkt über Babylon 4 wissen: Die Station verschwand spurlos, kurz nachdem sie ihren Betrieb aufgenommen hatte. Vier Jahre später taucht sie im Jahr 2258 wieder auf. Sinclair und Garibaldi fliegen hin und können den größten Teil der Besatzung evakuieren. Von Zathras erfahren wird, dass Babylon 4 auf eine Zeitreise geschickt wird, um als Operationsbasis in einem großen Krieg zu dienen, der den Frieden in der Galaxis sichern soll. Zathras gibt an „dem Einen“ zu dienen. Dabei handelt es sich möglicherweise um einen älteren Sinclair, der anscheinden etwas mit dem Verschwinden von Babylon 4 zu tun hat, ebenso wie Delenn.
Im anderen Handlungsstrang der Folge lehnt Delenn das Angebot ab, zur Anführerin der Minbari ernannt zu werden. Ihre Entscheidung hat etwas mit einer alten Prophezeihung zu tun, derzufolge den Menschen ein besonderes Schicksal zukommt.

Sonstige Fragen:

  • Vielleicht habe ich nicht richtig aufgepasst, aber sagte Garibaldi nicht, es sei im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit nur möglich, etwa 250 Personen von Babylon 4 zu evakuieren? Major Krantz spricht glaube ich später davon, dass sich etwa 1300 Personen auf der Station befinden und zum Schluss heißt es, dass fast alle gerettet worden sind. Wie war das denn möglich? Stand doch mehr Zeit zur Verfügung als man zunächst gedacht hatte, so dass die Shuttles öfter zwischen B5 und B4 hin- und herfliegen konnten?
  • Wo ich gerade bei der Evakuierung bin: Aus dem Schicksal der evakuierten Personen könnte man eine eigene Fernsehserie machen! Die haben im Jahr 2254 auf Babylon 4 zu arbeiten begonnen, nur um sich plötzlich vier Jahre in der Zukunft wiederzufinden, ohne eine Möglichkeit der Rückkehr in „ihre“ Zeit. Darauf wird in der Serie mit keinem Wort eingegangen, aber ich kann mir vorstellen, dass das für so einige Komplikationen sorgen wird. (Auf die Personen, die sich noch auf der Station befinden, will ich gar nicht eingehen. Wohin in der Zeit sie reisen, wissen wir ja noch nicht. Soviel sei aber bereits verraten: Auch daraus könnte man eine eigene Serie machen.)
  • Was bedeutet der kurze Dialog zwischen dem gealterten Sinclair und Delenn? (Sinclair: „I tried to warn them. But it all happened, just the way I remembered.“ – Delenn: „I know. It’s time. We have to go. They’re waiting for us.“) Zum jetztigen Zeitpunkt haben wir keinerlei Anhaltspunkte dafür, worauf sich die beiden hier beziehen. Wovor wollte Sinclair sein jüngeres Ich und Garibaldi warnen? Von wem werden er und Delenn erwartet? Und warum ist Delenn eigentlich nicht zu sehen?
  • Von wem wird Babylon 5 (in Sinclairs Flashforward) angegriffen? Wird diese Zukunftsvision überhaupt so auch eintreffen?
  • Was ist Sinclairs Schicksal, von dem Zathras spricht? Steht es in Verbindung zu dem besonderen Schicksal der Menschen, von dem Delenn spricht? (In der letzten Folge hatte ja auch Delenn erwähnt, dass Sinclair ein bestimmtes Schicksal habe.)
  • Von welcher Prophezeihung spricht Delenn und welche Rolle kommt darin den Menschen zu? Kam die Prophezeihung direkt von Valen? Was genau ist das besondere Schicksal, das den Menschen (bzw. einigen von ihnen – s. Zitat von Delenn unten) zukommt? Und wieso wurde aufgrund der Prophezeihung der so gut wie gewonnene Krieg gegen die Menschen gestoppt? (Diese wichtige Information wird in der Episode nebenbei fallengelassen.)
  • Was wäre eigentlich passiert, wenn sich der Rat nicht dafür ausgesprochen hätte, Delenns Entscheidung zu akzeptieren?
  • Was ist das Triluminarium und wozu dient es? Hat es eine Bedeutung, dass noch zwei weitere Exemplare existieren?
  • Es gibt bestimmt noch eine Reihe weiterer Fragen zu dieser Episode. Manche davon würden hier spoilern, aber da die Geschichte um Babylon 4 später in der Serie wieder aufgegriffen und zu Ende erzählt wird, werde ich sowieso noch einmal darauf eingehen.

Weitere interessante Punkte:

  • Lise erwähnt im Gespräch mit Garibaldi, dass dieser Sinclair bisher nur zweimal getroffen habe. Dabei kann es sich natürlich um eine Untertreibung handeln, trotzdem hat mich dieser Satz überrascht. Ich war immer davon ausgegangen, dass Sinclair und Garibaldi schon lange vor ihrem gemeinsamen Dienst auf Babylon 5 alte Freunde waren.
  • Babylon 4 verfügte noch nicht über eine permanente Kommandocrew. Major Krantz war an Bord, um die letzte Phase der Konstruktion zu überwachen, doch ein kommandierender Offizier für die Station war noch gar nicht ausgewählt worden, als sie verschwand.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • JMS hat erklärt, dass es zum Schreiben dieser Episode nötig war, gleich zwei Drehbücher zumindest grob zu konzipieren. Schließlich wusste er bereits, dass er die Babylon 4-Geschichte in einer späteren Episode fortführen wollte.
  • Der Raumanzug, den der gealterte Sinclair trägt, wurde bereits in „2010“ verwendet, der Fortsetzung des Stanley Kubrick-Klassikers „2001“.
  • Mark Hendrickson, der hier ein Mitglied des Grauen Rates spielt, war in der gleichen Rolle auch schon in „And The Sky Full of Stars“ zu sehen. (Dort sah man den Grauen Rat ja in Rückblenden.)

Zitate:

Zathras: „Zathras die. But Zathras die for cause. Maybe stop Great War. Maybe Zathras great hero. Maybe build statues to Zathras, and others come remember Zathras.“
Krantz: „What if we take you with us, put you on trial?“
Zathras: „Zathras not of this time. You take, Zathras die. You leave, Zathras die. Either way, it is bad for Zathras.“

„You have a destiny.“ (Zathras zu Sinclair)

„The station [Babylon 4] was built to create peace. Maybe now it’ll do so in a way nobody ever expected.“ (Sinclair)

„This council stopped the war against the humans because of prophecy. Because Valen said that the humans, some among them, had a destiny which we could not interfere with.“ (Delenn zum Grauen Rat)

„They do not seek conformity. They do not surrender. Out of their differences comes symmetry, their unique capacity to fight against impossible odds. Hurt them, they only come back stronger. The passions we deplore have taken them to their place in the stars and will propel them to a great destiny. Their only weakness is that they do not recognize their own greatness. They forget that they have come to this place through two million years of evolution, struggle, and blood. They are better than they think, and nobler than they know. They carry within them the capacity to walk among the stars like giants. They are the future, and we have much to learn from them.“ (Delenn zum Grauen Rat über die Menschen)

„These are curious times, Delenn. I feel a great change in my bones. A new beginning, an end, I cannot say. We are surrounded by signs and portents and I feel a darkness pressing at our backs.“ (Mitglied des Grauen Rates zu Delenn) (Hier wird übrigens der Titel der ersten Staffel wörtlich zitiert.)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.21 „The Quality of Mercy“ (folgt demnächst)

Kurzkritik: Boy 7

Eben habe ich „Boy 7“ angeschaut, der letzten Sommer im Kino lief. Ich habe mich schon lange nicht mehr direkt nach dem Anschauen eines Films an den Laptop gesetzt und gebloggt. Weil mir der Film noch im Kopf herumspukt, ist jetzt aber ein guter Zeitpunkt, um das mal wieder zu tun.

„Boy 7“ ist so etwas wie die deutsche Antwort auf all die Teenie-Dystopien wie „Die Tribute von Panem“ oder „Maze Runner“, die uns in den letzten Jahren aus Hollywood erreichen. Wenn ich das eben bei meiner kurzen Recherche richtig herausbekommen habe, dann handelt es sich um die Verfilmung eines niederländischen Romans, der etwa zeitgleich auch in den Niederlanden verfilmt wurde. (Verzeiht mir, falls die Infos nicht völlig korrekt sind – ich will die Kurzkritik ja möglichst schnell schreiben. 😉 )

Ein Teenager (David Kross) kommt in einer U-Bahnstation zu sich, ohne sich an seinen Namen erinnern zu können oder daran, wie er dort hingekommen ist. Er stellt schnell fest, dass er polizeilich gesucht wird, kann sich aber der Festnahme entziehen und beginnt anhand der Gegenstände, die er bei sich trägt, seinen Weg zurück zu verfolgen und seine Erinnerung wieder zu erlangen. Mehr will ich hier gar nicht verraten, da ein Großteil der Spannung des Films daher kommt, dass man als Zuschauer genau wie der Hauptcharakter mitten ins Geschehen geworfen wird. Nach und nach setzt sich die von da an zum Großteil in Rückblenden erzählte Geschichte wie ein Puzzle zusammen und meine Vergleiche oben deuten ja bereits an, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Der Film spielt allerdings im Gegensatz zur Romanvorlage nicht in der Zukunft.

Die Erzählweise des Films ist seine größte Stärke, denn durch das Erzählen auf zwei Zeitebenen wird nicht nur immer wieder Spannung aufgebaut, sondern es gibt auch den einen oder anderen interessanten Aha-Moment. Überhaupt ist der Film gut geschrieben und einge der fiesen Nebenfiguren sind wirklich hassenswert. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Jens Harzer als Isaak, der seiner Figur eine zusätzliche skurille Note verleiht, indem er ständig einen Kamm bei sich trägt, um sich damit immer wieder die Haare zu seiner strengen Bösewichtsfrisur nach hinten zu kämmen. Okay, der Kamm wurde – wie einige andere Gegenstände und Ideen auch – zwar aus einem bestimmten Grund ins Drehbuch geschrieben, funktioniert aber zum Glück gleichzeitig auch als Charaktermoment und war für mich der größte Lacher des Films (zugegeben: der einzige, aber der Film will auch gar nicht lusitg sein). Auch Emilia Schüle kann in ihrer Rolle als Mitstreiterin der Hauptfigur überzeugen.

Selbiges kann man von David Kross allerdings nicht behaupten, der mich hier wieder einmal enttäuscht hat. In allen Filmen, in denen ich ihn gesehen habe, wirkt sein Schauspiel oberflächlich, hölzern und flach. Es stellt damit in „Boy 7“ den größten Schwachpunkt dar. Mit einem fähigeren Hauptdarsteller hätte man diesen guten Film sicher noch packender machen können. Mein zweiter großer Kritikpunkt sind die auffallend vielen schiefen Kameraeinstellungen. Ich weiß nicht, warum sich Regisseur Özgür Yildirim dazu entschieden hat, das Geschehen immer wieder aus der Schräge und seine Figuren aus seltsamen Winkeln zu filmen. Vielleicht wollte er seinen Film dadurch hip und cool wirken lassen und/oder glaubt, auf diese Weise ein jugendliches Publikum besser anzusprechen. Die oben genannten amerikanischen Filme kommen allerdings ohne solche Kamer-Mätzchen aus und auch „Boy 7“ hätte sie gar nicht nötig. Ganz im Gegenteil, immer wieder haben mich die schiefen Bilder aus dem Geschehen herausgerissen, was wirklich schade ist, denn „Boy 7“ ist ein im Großen und Ganzen sehr gut gemachter und spannend erzählter Film. Er beweist, dass auch in Deutschland Genrekino möglich ist.

Jetzt ist aber Schluss, schließlich soll das hier nur eine Kurzkritik sein. 😉
(Und ich muss jetzt schauen, ob ich irgendwo die Verfilmung aus den Niederlanden auftreiben kann. Die interessiert mich nun nämlich auch.)

Star Trek: Enterprise – Season 2

Nachdem ich letztes Jahr die erste Staffel von „Enterprise“ angeschaut und hier im Blog besprochen habe, ist nun Staffel zwei an der Reihe. Ich habe die ganze Serie bereits vor etwa zehn Jahren gesehen und wusste also, worauf ich mich einlasse. 😉 Wobei ich zugeben muss, dass mir die Serie – auch die viel gescholtenen ersten beiden Staffeln – beim ersten Mal ziemlich gut gefallen hat. Aber damals war ich nun mal jünger und unkritischer… Beim zweiten Durchgang habe ich nur wenig Positives an dieser Staffel entdecken können.

Die erste Staffel hatte den Zuschauer mit einem Cliffhanger zurückgelassen: Die Enterprise war für eine Katastrophe verantwortlich gemacht und Captain Archer (Scott Bakula) im 31. Jahrhundert zurückgelassen worden, scheinbar ohne Aussicht auf eine Rückkehr ins 22. Jahrhundert. „Shockwave, Part II“, der Auftakt von Staffel zwei, führt diesen Handlungsstrang fort und – welch Überraschung! – am Ende der Folge sind Archer und seine Crew nicht nur von sämtlichen Anschuldigungen befreit, sondern auch Archer wieder heil zurück in seiner Zeit und auf seinem Schiff. Der vulkanische Botschafter Soval (Gary Graham) will Archer zwar weiter daran hindern, mit der Enterprise den Weltraum zu erkunden, doch Archer ist fest davon überzeugt, dass die Menschheit reif für diese Aufgabe ist und versichert, aus seinen Fehlern zu lernen. Diese erste Episode ist zumindest ein ganz ordentlicher Auftakt. Der „temporale kalte Krieg“ und der geheimnisvolle Befehlsgeber aus der Zukunft, unter dessen Auftrag die Suliban handeln, spielen im Rest der Staffel kaum eine Rolle. Angesichts der Tatsache, das das Konzept dieses Krieges stets schwammig bleibt (mehr dazu in meinem Blogpost zur ersten Staffel), ist das aber nicht weiter tragisch. In „Future Tense“ (2.16) fasst Archer zwar den Entschluss, mehr über den temporalen kalten Krieg herauszufinden und eine aktivere Rolle darin zu übernehmen, doch auch diese Folge sorgt vor allem für neue Fragen, von denen – wenn ich mich richtig erinnere – ein Großteil nie in der Serie beantwortet wird.

Gleich die zweite Folge ist einer der Höhepunkte der Staffel: In „Carbon Creek“ erzählt die Vulkanierin T’Pol (Jolene Blalock) die (vielleicht) wahre Geschichte vom ersten Kontakt zwischen Menschen und Vulkaniern. Die Urgroßmutter T’Pols (ebenfalls gespielt von Blalock) stürzt während einer Forschungsmission mit zwei Kollegen auf der Erde ab. Fortan müssen sich die drei Vulkanier in den USA der 1950er Jahre zurechtfinden, ohne Aussicht auf Rettung oder die Möglichkeit, ihren Heimatplaneten zu kontaktieren. Dabei sind sich die drei uneins darüber, ob sie sich möglichst von den Menschen distanzieren sollen oder aber diese einmalige Chance nutzen, um im Zusammenleben mit den Menschen mehr über sie zu erfahren. Als studierter Soziologe finde ich solche Geschichten immer interessant; hier kommen drei Personen in eine ihnen völlig fremde Kultur, die sie durch ihre Distanz aus einem ganz eigenen Blickwinkel betrachten können (Georg Simmel würde sagen, ihre Fremdheit verleiht den Vulkaniern eine gewisse Objektivität). Im Lauf der Episode wirft T’Pols Urgroßmutter einem ihrer Kollegen vor, sich zu sehr mit den Menschen einzulassen und damit zu sehr in die menschliche Gesellschaft einzugreifen (quasi ein going native). Am Ende der Episode ist es jedoch ausgerechnet sie, die hier für den größten Eingriff in die Entwicklung der Menschheit verantwortlich ist. Und so bringt uns „Carbon Creek“ neben guter Unterhaltung, interessanten Figuren und guten Schauspielleistungen auch noch die Erkenntnis, dass das Klettband nicht von Menschen erfunden, sondern von Vulkaniern auf die Erde gebracht wurde. 🙂

Ich bleibe gleich mal bei den guten Folgen, es sind ja eh nicht viele. In „Singularity“ (2.09) gerät die Crew unter den Einfluss der Strahlung eines trinären Sternensystems. Dies äußert sich darin, dass alle Crewmitglieder – abgesehen von T’Pol, die als Vulkanierin immun zu sein scheint – Zwangsstörungen zu entwickeln beginnen und wie besessen jeweils an einem einzigen Problem arbeiten. Das ist spannend in Szene gesetzt und abermals toll gespielt. Nebenbei erfahren wir dabei auch, wie der aus den anderen „Star Trek“-Serien bekannte rote Alarm entwickelt wurde – und dass er ursprünglich nicht „Red Alert“, sondern nach seinem Erfinder „Reed Alert“ hieß.
In „Stigma“ (2.14) sagt bereits der Episodentitel, worum es geht. Hier steht mal wieder T’Pol im Mittelpunkt, die sich mit den Folgen einer vulkanischen Gedankenverschmelzung in der ersten Staffel auseinandersetzen muss. Dabei hat sie sich nämlich eine Krankheit zugezogen, über die die Vulkanier nicht gerne sprechen. Das ist ganz klar als eine HIV-Metapher gemeint und ein gutes Beispiel dafür, dass „Star Trek“ oft dann am besten ist, wenn es aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreift, um sie im Science Fiction-Gewand zu erzählen. Die zweite Handlung der Episode finde ich wieder aus soziologischer Perspektive interessant. Hier muss sich Trip (Connor Trinneer) mit den aufdringlichen Annäherungsversuchen von einer von Dr. Phlox‘ Frauen auseinandersetzen und dabei lernen, dass Partnerwahl und Liebesleben bei Außerirdischen nicht denselben Regeln folgen wie bei Menschen: „You’re too concerned with human moralities“, rät Dr. Phlox (John Billingsley) dem verwirrten Trip.
Auch die folgende Episode „Cease Fire“ (2.15) weiß gut zu unterhalten, was daran liegt, dass es hier einmal mehr um die Andorianer geht. Denn das bedeutet, dass Jeffrey Combs als Shran wieder mit von der Partie ist, der es wie nur wenige andere Schauspieler versteht, seiner Figur auch durch das Alien-Makeup hindurch Ausdruck zu verleihen. (Combs erläutert übrigens im Bonusmaterial auf den Blurays, dass ihm dabei seine Schauspielausbildung eine große Hilfe war, bei der er viel mit Masken gearbeitet hat.) Die Episode ist spannend, hat Witz und bietet sowohl Action als auch tolle Dialoge. Durch seine erfolgreiche Vermittlung im Konflikt zwischen Andorianern und Vulkaniern steigt Captain Archer zudem ein wenig im Ansehen Sovals.

Bei „Cogenitor“ (2.22) haben wir es erneut mit einer Folge zu tun, die zeigt, dass bei außerirdischen Völkern manche Dinge etwas anders laufen als bei Menschen. Die Enterprise trifft hier auf eine Spezies, die aus drei biologischen Geschlechtern besteht. Trip findet das äußerst faszinierend, ist aber empört darüber, dass den Angehörigen des „dritten Geschlechts“ – die sogenannten „Cogenitors“ – über ihre Aufgabe als Reproduktionshilfen hinaus keinerlei gesellschaftliche Rechte zugestanden werden. Sie dürfen kaum am gesellschaftlichen Zusammenleben teilnehmen und bekommen nicht einmal eigene Namen. Als von den Rechten auf Freiheit und Selbstverwirklichung überzeugter Amerikaner greift Trip natürlich ein und bringt einem Cogenitor nicht nur das Lesen bei, sondern sondern überzeugt ihn auch davon, seine (ihre?) Rechte auf Bildung und freier Wahl des eigenen Lebensweges einzufordern. Im Gegensatz zu vielen anderen Fällen des utopischen „Star Trek“-Universums gibt es hier aber kein Happy End. Zuerst muss sich Trip von Archer aufgrund seines Eingreifens in eine fremde Kultur eine Standpauke anhören; kurz darauf muss er erfahren, dass sich der Cogenitor umgebracht hat. Das ist für „Star Trek“ ungewöhnlich pessimistisch und erinnert mich in seiner Radikalität an die „Babylon 5“-Folge „Believers“, die ein ähnliches Thema behandelt, ebenfalls mit düsterem Ende. (Und es gibt eine weitere Verbindung von „Cogenitor“ zu „Babylon 5“: G’Kar-Darsteller Andreas Katsulas spielt nämlich hier in einer Nebenhandlung mit.)
„Cogenitor“ ist keine herausragende, aber sicherlich sehr interessante Folge mit auch heute noch relevanter Thematik, schließlich lässt sich der für Spannungen und Unsicherheiten sorgende Umgang mit dem dritten Geschlecht als Metapher auf Transsexualität lesen. Von der nächstes Jahr startenden neuen „Star Trek“-Serie wünsche ich mir, dass derartige Thematiken vermehrt angesprochen werden.
Noch eine letzte wirklich gute Episode muss ich erwähnen. Es wirkt zunächst verzweifelt, wenn die „Enterprise“-Autoren auf der Suche nach guten Geschichten (und guten Einschaltquoten) plötzlich die Borg in der Serie auftauchen lassen. Schließlich haben die hier eigentlich noch gar nichts verloren. Aber „Regeneration“ (2.23) ist eine erstaunlich gute, wirklich spannende und unterhaltsame Folge. Das Auftauchen der Borg wird nicht nur vollkommen schlüssig erklärt, sondern die Folge stellt noch dazu gleichzeitig ein Sequel zu den im 21. Jahrhundert spielenden Ereignissen des achten „Star Trek“-Films „First Contact“ und ein Prequel „The Next Generation“ dar.

Das waren nun also die sechs meiner Meinung nach guten Folgen der Staffel (man könnte noch das Finale dazuzählen, dazu weiter unten mehr). Es bleiben noch 20 weitere, von denen viele Mittelmaß, einige aber auch wirklich einfach schlecht sind. Ich bin bereits in meinem Blogpost zur ersten Staffel darauf eingegangen, wie die ursprüngliche Idee zu „Enterprise“ durch den Einfluss des Networks verwässert wurde, sodass das Endergebnis eine „Star Trek“-Serie war, die einerseits Neuland betreten wollte, andererseits aber viel zu sehr auf sicheren Pfaden wandelte und dabei häufig nur wiederkäute, was man bereits mehrfach in den anderen Serien gesehen hatte. In der zweiten Staffel wird dieses Problem noch deutlicher als in der ersten. Viele Episoden sind hier das, was ich in meinen Notizen als „Austauschfolgen“ bezeichnet habe; damit meine ich Episoden, die auch in jeder anderen „Star Trek“-Serie spielen könnten und weder die Charaktere noch die Zeit, in der die Serie spielt, in besonderer Weise berücksichtigen. „Marauders“ (2.06) ist ein perfektes Beispiel. Die Crew der Enterprise trifft darin auf die Bewohner einer Minenkolonie, die von den Klingonen erpresst und ausgebeutet werden. Archer und seine Leute trainieren daraufhin die Kolonisten im Kampf gegen die Klingonen und helfen ihnen so, sich von der Ausbeutung durch sie zu befreien. Weil man ähnliche Folgen im „Trek“-Universum schon gefühlte hundertmal gesehen hat und weil die Folge wirklich vollkommen überraschungsfrei ist, ist das alles einfach nur zum Gähnen. Man könnte Archer, Trip, T’Pol usw. hier ohne Weiteres gegen Picard, Riker und Data oder auch gegen Janeway, Chakotay und Torres austauschen und die Geschichte könnte trotzdem haargenau gleich ablaufen. Ähnliches gilt für eine Reihe weiterer Folgen der zweiten Staffel, die ich hier nicht alle aufzählen möchte. Sie wirken meist wie nach Baukasten-Prinzip zusammengestellte Episoden, die die Charaktere einfach in irgendwelche Problemsituationen werfen.
Wie auch schon in den Interviews zur ersten Staffel nehmen die Macher der Serie auch im Bonusmaterial der Blurays zu Staffel zwei kein Blatt vor den Mund und geben zu, dass sie hier viel Mist gebaut haben. Phlox-Darsteller John Billingsley erzählt, dass von den beiden Showrunnern Rick Berman und Brannon Braga nach dem Ende von „Voyager“ erwartet wurde, sofort die nächste „Star Trek“-Serie abzuliefern. Dabei wurde ihnen zum einen nicht genug Zeit gegeben, um ein neues und interessantes Konzept entwickeln (oder ihre Ideen wurden abgelehnt; siehe mein Post zur ersten Staffel), zum anderen waren sie selbst nicht bereit, aus dem Schema auszubrechen, dass sich seit dem Start von „The Next Generation“ entwickelt und bewährt hatte. Dass zusätzlich ein Großteil der Autoren nach dem Ende der ersten Staffel gefeuert und durch neue Autoren ersetzt wurde, die zum Teil Neulinge im „Star Trek“-Universum waren, erschwerte die Sache zusätzlich. Das Ergebnis war zum Beispiel „Precious Cargo“ (2.11), eine von einem dieser Neulinge geschriebene Folge, die Braga als „eine der schlechtesten ‚Star Trek‘-Episoden überhaupt“ bezeichnet (wobei ich ihm zustimme). Braga hielt bereits damals das Konzept der in sich abgeschlossenen Folgen für problematisch und wollte zu einer moderneren Erzählweise mit einer sich durch die Episoden ziehenden Handlung übergehen (so wurde es ja bei „Deep Space Nine“ gemacht, an dem Braga nicht beteiligt war). Doch das Network bestand leider auf solchen für sich allein stehenden Episoden. Rick Berman erzählt weiterhin, dass er selbst damals zu sehr an Gene Roddenberrys ursprünglicher Vision für „Star Trek“ festhalten wollte (auch damit hatte „Deep Space Nine“ gebrochen). Das erwies sich als problematisch, weil diese Vision zu dem Zeitpunkt bereits fast vierzig Jahre alt war und die Utopie von einer Menschheit, die innerhalb weniger Generationen Probleme wie Kriege oder Hunger komplett gelöst hat, zwar in die optimistische Aufbruchsstimmung der Sechziger Jahre passte, aber zu Beginn des 21. Jahrhunderts überholt schien und noch dazu vom erzählerischen Standpunkt aus problematisch ist.

Die Macher von „Enterprise“ waren sich also durchaus bewusst, dass sie mit den ersten beiden Staffeln der Serie alles andere als „Star Trek“ vom Feinsten abgeliefert hatten. Umso erleichterter dürften sie gewesen sein, als sie gegen Ende der zweiten Staffel doch endlich die Erlaubnis bekamen, mit dem bewährten, aber längst todlangweiligen Schema zu brechen. Die letzte Folge „The Expanse“ (2.26) bereitet dementsprechend den sich durch die ganze dritte Staffel ziehenden „Xindi“-Handlungsbogen vor. Ich habe die dritte Staffel von „Enterprise“ als die beste in Erinnerung, was vor allem an dieser episodenübergreifenden Handlung lag. Das Konzept, die Enterprise quasi nach einem Terroranschlag auf die Erde vom Forschungs- zum Kriegsschiff werden zu lassen, war zwar sicher nicht im Sinne Roddenberrys, führte aber zu einer spannenden Staffel voller kreativer Episoden und war nicht zuletzt auch ein Produkt seiner Zeit. Schließlich lassen sich im Angriff auf die Erde und Archers folgender Mission im „Delphic Expanse“ deutliche Parallelen zum 11. September und den Kriegen in Afghanistan und im Irak sehen – aber dazu dann mehr in meinem Blogpost zur dritten Staffel.

Ein paar Punkte zu Staffel zwei möchte ich noch erwähnen. Ein Teil der Charaktere wurde sträflich vernachlässigt. Statt auf diese Crew zugeschnittene Geschichten zu erzählen, die eben nur mit diesen konkreten Figuren erzählt werden können, haben die Autoren wie erwähnt zu oft austauschbare Folgen geschrieben, in denen sich die Figuren nicht weiterentwickelt haben. Dementsprechend wirken Hoshi, Reed und Travis immer noch ziemlich blass, aber immerhin haben T’Pol und Phlox in mehreren Episoden Gelegenheit bekommen, mehr von sich zu zeigen. Dr. Phlox ist sowieso die bei weitem beste Figur der Serie. Das liegt nicht nur daran, dass er mehrere interessante Episoden bekommt, sondern natürlich auch an John Billingsleys großartigem Schauspiel. Am anderen Ende des Spektrums – sowohl schauspielerisch als auch dramaturgisch – muss mal wohl Travis Mayweather anordnen. „Seine“ Folge in dieser Staffel, „Horizon“ (2.20), ist einfach nur einschläfernd.
In „Vanishing Point“ (2.10) steht
zwar die ebenfalls sträflich vernachlässigte Hoshi (Linda Park) im Mittelpunkt, doch leider wird auch diese Gelegenheit nicht genutzt, ihre Figur sinnvoll weiter zu entwickeln. Stattdessen verharren die Autoren auch hier ein weiteres Mal in festgefahrenen Wegen und definieren einmal mehr eine weibliche Figur allein über ihre Unsicherheiten und ihr geringes Selbstbewusstsein. Auch T’Pol wird häufig als kalt und unnahbar charakterisiert, bekommt aber als eine der drei Hauptfiguren wenigstens mehrmals die Gelegenheit, auch andere Seiten von sich zu zeigen und vor allem ihre Beziehung zu Archer wird im Verlauf der Staffel plausibel weiterentwickelt.

In „Judgment“ (2.19) wird wieder einmal auf bereits Bekanntes zurückgegriffen und Archer vor einem klingonischen Gericht zu lebenslanger Arbeit in den Minen von Rura Penthe verurteilet (genau so ergeht es Kirk im sechsten Kinofilm). Die Folge leidet unter anderem darunter, dass in den letzten Minuten noch eine unglaubwürdige Rettung Archers erfolgt, damit er am Ende wieder zurück auf der Enterprise ist und die Dinge wieder ins Lot gebracht worden sind. Unterhaltsam ist sie allein aufgrund des Schauspiels zweier Gastdarsteller: J. G. Hertzler, den man als Martok aus „Deep Space Nine“ kennt, darf hier Archers klingonischen Anwalt spielen, während John Vickery dessen Gegner verkörpert. Vickery hat einige andere Rollen im „Star Trek“-Universum gespielt, mir ist er aber vor allem aus „Babylon 5“ bekannt, wo er den Minbari-Krieger Neroon verkörpert (und auch dort spielt er noch eine weitere Figur).

Den größten Kritikpunkt habe ich mir extra zum Schluss aufgehoben… 😉 In Enterprise sollte bekanntlich einiges anders sein. Da die Serie zeitlich vor all den anderen „Star Trek“-Serien spielt, ist das Beamen gerade erst erfunden worden, es gibt noch keine Holodecks und auch keine Replikatoren, die zum Beispiel in Sekundenschnelle jedes beliebige Gericht herbeizaubern können. Dementsprechend ist auf der Enterprise unter Captain Archer ein Koch an Bord, der Tag für Tag für die gesamte Crew kocht. Das wird immer wieder erwähnt und in einer Folge bekommt man sogar die Küche zu sehen. Vom Koch jedoch fehlt jede Spur… Ich habe mir sagen lassen, dass das als Running Gag gedacht war; alle reden über den Koch, aber man kriegt ihn nie zu sehen (außer in einer Folge, wo er zwar kurz auftaucht, aber man seinen Kopf nicht sieht!).
Vielleicht bin ich ja der Einzige, der so denkt, aber ich sehe darin eine riesige, verpasste Chance! Wie wir alle wissen, sind Küchen ein Ort sozialer Begegnungen. (Gibt es dazu eigentlich soziologische Forschung? Bestimmt! Das muss ich mal recherchieren.) Essen bringt Menschen (und Außerirdische) zusammen; Menschen interessieren sich dafür, was es zu essen gibt! Hätte ich die Serie geplant, dann hätte ich den Koch zu einer regelmäßig auftretenden Nebenfigur gemacht, der ähnlich einem Barkeeper mit allen Crewmitgliedern in Kontakt kommt und stets über alles bescheid weiß, das auf dem Schiff vor sich geht. Ich hätte vom Captain bis zum Fähnrich regelmäßig Figuren die Küche betreten lassen – nicht nur aus Neugier darauf, was es denn heute Abend zu essen gibt, sondern auch weil sie den neuesten Klatsch hören wollen oder weil sie sich vom Koch Ratschläge holen wollen. Zugegeben, der Schiffsarzt Dr. Phlox erfüllt in der Serie eine ähnliche soziale Funktion. Aber ich bleibe dabei: Ich will einen Schiffskoch in einer „Star Trek“-Serie sehen. Schließlich sollte man immer jemanden an Bord haben, der die Crew bekochen kann, falls die Replikatoren mal kaputtgehen!
Ganz ernst gemeint ist dieser Kritikpunkt natürlich nicht. „Enterprise“ hat gewiss größere Schwachstellen als das Fehlen eines Koches. Ich freue mich aber darauf, Staffel drei wieder einmal anzuschauen. Meinen Blogpost dazu gibt’s voraussichtlich irgendwann 2017. 🙂

Babylon 5 – Episode 1.19 “A Voice in the Wilderness (Part 2)”

Bevor ich zur Episodenbesprechung komme, will ich noch kurz das neueste Produkt aus dem Shop von „Babylon 5 Books“ besprechen. Dabei handelt es sich dieses Mal nicht um ein Buch, sondern um ein DVD-Set: „CNN Documents Babylon 5“. Auf drei DVDs findet sich Material, das CNN während der Produktion der Serie hinter den Kulissen gefilmt hat. Die erste Disc enthält sieben relativ kurze Interviews mit Darstellern. Auf Disc 2 sind Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen zu sehen, die bei den Dreharbeiten zu vier verschiedenen Episoden angefertigt worden sind. Sie werden im Shop als „unzensiert“ beschrieben, man könnte aber auch sagen: ziemlich langweilig. Etwas interessanter wird es immerhin, wenn man den Audiokommentar zuschaltet, bei dem jemand aus dem B5 Books-Team erklärt, was man gerade sieht. Auf Disc 3 kann man schließlich den Darstellern Claudia Christian (Ivanova) und Jerry Doyle (Garibaldi) dabei zuschauen, wie sie sich das Material von Disc 2 anschauen und ihre Kommentare dazu abgeben – wer’s braucht… Eine eigene DVD ist das Material auf Disc 3 eigentlich nicht wert, denn es hätte auch gereicht, die Kommentare von Christian und Doyle als Audiokommentare auf Disc 2 zu packen.
Insgesamt ist das DVD-Set wirklich nur für solche Fans interessant, die wirklich jeden Interview-Schnipsel und jede Hinter-den-Kulissen-Aufnahme haben müssen. Das Material würde sich wunderbar als Bonusmaterial für eine zukünftige Neuveröffentlichung der Serie auf DVD eignen. 79 (!) Dollar plus Versandkosten ist es aber auf keinen Fall wert (ich habe früh genug bestellt und das Set noch zu einem günstigeren Preis bekommen).
Nun aber weiter zur aktuellen Episode, dem Abschluss des Zweiteilers „A Voice in the Wilderness“:

Episode 1.19 „A Voice in the Wilderness (Part2)“ („Angriff der Aliens (Teil 2)“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 03.08.1994 (USA), 01.12.1995 (Deutschland)

Die meisten Folgen der ersten Staffel von „Babylon 5“ bieten eine in sich abgeschlossene Handlung. Zwar bilden die Episoden inhaltlich den Grundstein für die folgenden Staffeln, doch so richtig episodenübergreifend erzählt wird hier noch nicht. Insofern ist der Zweiteiler „A Voice in the Wilderness“ eine Ausnahme – und eine sehr gelungene noch dazu. Im letzten Blogpost habe ich mich dem ersten Teil gewidmet, nun folgt Teil zwei.

Bereits in den ersten Minuten der Episode ist positiv zu erkennen, dass es sich hier um die Fortsetzung einer bereits begonnenen Geschichte handelt. Die Folge steigt direkt dort ein, wo in der Vorwoche aufgehört wurde (in Deutschland wurden die beiden Folgen an einem Abend ausgestrahlt) und legt von Anfang an ein hohes Tempo vor. Lange Erklärungen der Lage und Einführungen neuer Charaktere bleiben dem Zuschauer größtenteils erspart und weil diese Doppelfolge als spannender, abendfüllender Film konzipiert wurde, kommt man in dieser zweiten Hälfte voll auf seine Kosten und wird bestens unterhalten.
Mit der Ankunft der Hyperion unter dem Kommando von Captain Pierce (Ron Canada) und später dem Raumschiff der unbekannten Aliens melden plötzlich zwei weitere Parteien Ansprüche auf die Technologie an, die sich auf Epsilon 3 verbirgt. Sinclair ist alles andere als begeistert, dass die Erde (genauer: das Office of Planetary Security) ihm dazwischenfunkt, schließlich hatte ihm Präsident Santiago persönlich versichert, er habe als Kommandant von Babylon 5 die oberste Autorität über diesen Weltraumsektor. Sinclairs Wutausbruch gegenüber Pierce ist ein erster Höhepunkt der Folge und auch eine für den von Problemen geplagten Michael O’Hare ungewöhnlich gute schauspielerische Leistung. Als Senator Hidoshi später Sinclair erklärt, dass das Kommando der Erdstreitkräfte seit dem Krieg gegen die Minbari davon besessen ist, neue Technologien in seine Hände zu bekommen, musste ich an die „Alien“-Filme denken. Auch dort ist es ja die ständige Gier des Weyland/Yutani-Konzerns nach neuen Technologien, die sich militärisch einsetzen lassen, die die Helden der Filme in Bedrängnis bringt. (Im „Babylon 5“-Universum ist die Suche der Erde nach außerirdischen Waffentechnologien ebenfalls nicht neu; sie wurde bereits am Ende von „Infection“ angedeutet.) Dass die Erdregierung sofort ein Schiff vorbeischickt, sobald sie von dem Fund auf Epsilon 3 erfährt, widerspricht zudem völlig den Zielen und Prinzipien des Babylon-Projekts. Von friedlichem Miteinander und diplomatischen Lösungen ist auf einmal keine Rede mehr, sobald die Aussicht darauf besteht, sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen. Schade.

Sinclair gelingt es mit einem Bluff, Pierce zunächst davon abzuhalten, ein Shuttle nach Epsilon 3 zu schicken. Allerdings hat die Ankunft des Erdkreuzers zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Situation gelenkt und so will nun auch Londo Mollari wissen, was genau vor sich geht und erhebt im Namen seiner Regierung schon mal Anspruch auf was immer auf dem Planeten gefunden werden wird. Dass der Planet unterdessen bald zu explodieren droht, verleiht dem zweiten Teil der Episode zusätzlich Spannung, ebenso wie die schon erwähnte Ankunft der Aliens.
Der aufmerksame Zuschauer kann sich allerdings recht schnell zusammenreimen, dass die Maschine auf Epsilon 3 eine neue Person benötigt, um sie zu steuern und kontrollieren. Ebenso wird relativ schnell klar, dass es sich dabei natürlich nicht um eine der Hauptfiguren der Serie handelt, sondern um eine in dieser Doppelfolge eingeführte Nebenfigur: Draal. Abgesehen davon, dass er am Ende in die Maschine steigen darf, bekommt Draal in dieser Folge allerdings nicht mehr besonders viel zu tun; das ist aber nicht so schlimm, schließlich ist hier einfach eine ganze Menge los. „A Voice in the Wilderness“ steigert sich in dieser zweiten Hälfte zu einem spaßigen Abenteuer, wie man es in „Babylon 5“ bis dahin noch gar nicht gesehen hatte. Die Doppelfolge gehört zwar nicht zu den besten Episoden  der Serie, aber gerade diese zweite Folge stellt ein erstes Beispiel für das dar, was in den kommenden Staffeln folgen wird: Episoden, die direkt dort weitermachen, wo die letzte Folge aufgehört hat und die große, dramatische Weltraum-Action bieten, in denen aber auch die Charaktere nicht zu kurz kommen.

Zu ein paar Charakteren möchte ich dementsprechend auch noch ein paar Wörter verlieren: Sinclair erweist sich hier als kompetente Führungspersönlichkeit und wird seiner Verantwortung als Stationskommandant gerecht. Das demonstriert er zunächst im bereits erwähnten Gespräch mit Captain Pierce und später, als er Garibaldi aufsucht. Als Freund wie als Vorgesetzter sorgt er sich um seinen Sicherheitschef und möchte sicherstellen, dass er sich in dieser Krisensituation auf Garibaldi verlassen kann. Sinclair behält also die Lage im Blick, verteidigt seinen Führungsanspruch und sorgt sich um sein Personal. Garibaldi wiederum sorgt sich aufgrund der angespannten Lage auf dem Mars um seine frührere Freundin Lise (Denise Gentile). Ich schreibe bewusst nicht „Ex-Freundin“, denn obwohl er mit Lise nicht mehr zusammen ist, haben sie die Beziehung nie offiziell beendet. Wie wir hier erfahren, ist Garibaldi einfach nach Babylon 5 abgehauen, als er von Sinclair den Posten als Sicherheitschef angeboten bekommen hat. Lise wollte ihm nicht folgen, aber geklärt hat Garibaldi die Dinge mit ihr auch nie. Obwohl er nun schon schon über zwei Jahre auf der Raumstation ist, hat er in dieser Zeit nie mehr mit Lise gesprochen – aus Angst davor, das zu hören, was er eigentlich schon weiß: dass es aus ist zwischen ihnen beiden. Insofern ist sein Gespräch mit Lise am Ende der Folge ein wichtiger Schritt für Garibaldi, weil er diese bittere Wahrheit nun endlich einsehen und verarbeiten muss. Lise ist nun endgültig zur Ex-Freundin geworden.
Wesentlich heiterer präsentiert sich in dieser Folge Londo: Er fühlt sich bei den waghalsigen Manövern, mit denen er das Shuttle zum Planeten steuert, an seine Jugend erinnert. Damals kämpfte er als junger Centauri für seine geliebte Republik, heute sieht er sich zum Auslaufmodell degradiert und auf eine unbedeutende Raumstation abgeschoben. In dieser Episode bekommt er endlich einmal wieder die Chance, einen sinnvollen Beitrag zu leisten und etwas zu tun, ihn mit Bedeutung erfüllt. Delenn formuliert es so: „I think he enjoyed it. He discovered something inside him that he thought was buried long ago.“

Besonders wenn man beide Folgen am Stück anschaut, macht „A Voice in the Wilderness“ also richtig viel Spaß. Die Doppelfolge kann als in sich abgeschlossene Geschichte bestens unterhalten, etabliert jedoch Elemente, die für in Zukunft von großer Bedeutung sind – so viel kann ich hier schon verraten.

Highlight der Episode: Ivanovas Antowort auf Londos hartnäckiges Nachfragen, was auf Epsilon 3 vor sich geht: „Boom. Boom, boom, boom…..“ (vgl. ihre ähnliche Aussage in „Grail“)

Londo/G’Kar-Moment: Londos Spaß beim Fliegen des Shuttles zum Planeten. Es ist kein allzu großer Spoiler, wenn ich verrate, dass wir einen solchen gelösten Londo in Zukunft kaum noch sehen werden.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Die „große Maschine“ auf Epsilon 3 wird eingeführt und Draal als ihr neuer Wächter etabliert. Davon abgesehen sorgt die Maschine aber erst einmal vor allem für große Fragen (s. unten).

Sonstige Fragen:

  • Was meint Delenn, als sie sagt, Sinclairs Schicksal sei ein anderes (als als Wächter der großen Maschine zu dienen)?
  • Die wohl größte offene Frage lautet: Was ist der Zweck der großen Maschine auf dem Planeten? Draal macht am Ende der Episode unmissverständlich klar, dass der Planet und seine Geheimnisse vorerst gewahrt bleiben müssen und niemandem in die Hände fallen dürfen (genau wie für die Unsterblichkeit scheinen die meisten Spezies der Galaxis noch nicht reif dafür zu sein). Aber was genau meint er mit „…until the time is right“? (siehe auch „Hinter den Kulissen“)
  • Am Ende der Folge schuldet Delenn Londo einen Gefallen. Wann und warum wird Londo deshalb auf sie zukommen, um diesen Gefallen einzulösen?

Weitere interessante Punkte:

  • Von Londo erfahren wir, dass die Centauri eine beträchtliche Geldsumme zum Bau von Babylon 5 beigetragen haben.
  • Aus dem kurz zu sehenden Nachrichtenbeitrag auf ISN erfahren wir, dass Präsident Santiago sich dem Druck des Senats gebeugt hat, dem Mars-Aufstand mit stärkerer Gewalt zu begegnen.
  • Garibaldi isst in seinem Quartier eine Pizza, als Sinclair ihn besucht. Auf der Pizzaschachtel steht „Three Z Pizzza“ (ja, mit drei Z – darunter steht noch mehr, das ich aber nicht erkennen konnte). Lustigerweise bietet er Sinclair die gekaufte, fast aufgegessene Pizza mit den Worten „I made some dinner“ an.
  • Beim Abtippen des Zitats von Londo (s. ganz unten) bin ich gerade ins Grübeln gekommen. Londo spricht davon, dass er sich als junger Mann geschworen hat, einst zu sterben, indem er etwas edles, mutiges und sinnloses tut. Wie wir aber nun aus „Midnight on the Firing Line“ wissen, weiß Londo inzwischen aus einem prophetischen Traum, wie er sterben wird. Obwohl er die genauen Umstände nicht kennt, sieht es nicht danach aus, als ob sein Tod durch G’Kars Hand besonders edel oder mutig sein wird. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass dieses Wissen einen erheblichen Einfluss auf Londo hat. Wenn man weiß, wie das eigene Leben enden wird, führt das dann dazu, dass man das Gefühl bekommt, dem Schicksal hilflos ausgeliefert zu sein? Daraus lassen sich hochinteressante philosophische Fragen spinnen. Londo sagt in „Midnight…“, dass solche Träume unter den Centauri weit verbreitet sind, es müsste also vielen von ihnen so gehen. Vielleicht ist Londos draufgängerisches Verhalten hier tatsächlich der Versuch, seinem Schicksal zu entkommen – vielleicht legt er es darauf an, zu sterben und damit zwar wesentlich früher abzutreten, aber immerhin selbstbestimmt und auf seine Weise. Das sind zwar nur Spekulationen, aber sehr interessante, wie ich finde.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Dass die große Maschine auf Epsilon 3 später in der Serie noch eine wichtige Rolle spielen wird, ist kein Geheimnis. Zu diesem Zweck ist sie schließlich hier eingeführt worden. Allerdings ist sie auch wirklich nur zu einem konkreten Zweck eingeführt worden, der eben klar wird, wenn die Zeit gekommen ist (um mal die kryptischen Worte Draals zu verwenden). Davon abgesehen spielt sie nur selten eine Rolle. Der Grund dafür, dass die mächtige Maschine hier mit viel Trara eingeführt wird, nur um am Ende der Episode dann von Draal zur verbotenen Zone erklärt zu werden, ist ein ganz einfacher: Straczynski war sich bewusst, dass eine quasi allmächtige Maschine für die Helden der Serie ein Ausweg aus vielen Problemsituationen gewesen wäre. Die Maschine wäre buchstäblich zum „deus ex machina“ geworden, mit dem Sinclair jeden Feind hätte besiegen können. Das wäre dramaturgisch auf Dauer äußerst langweilig, was der Grund dafür ist, dass die Maschine in Zukunft nur äußerst sparsam eingesetzt wird.

Zitate:

„So if we go down there, it blows. If we don’t, it blows anyway, just a little later. It’s a good thing I’m Russian. We’re used to hopeless situations.“ (Ivanova)

„As a young and foolish Centauri, I swore that I would die on my feet, doing something noble and brave and futile. Perhaps it was not so wild a dream as I thought. Or as foolish. It is better than waiting for the inevitable.“ (Londo)

„He’s looking for a purpose. But his destiny lies elsewhere“ (Delenn über Sinclair)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.20 „Babylon Squared“

Rettung per Apple Watch: Heroes Reborn

Dieser Text enthält einige wenige Spoiler, aber keine wirklich großen. 🙂

Erinnert ihr euch noch an „Heroes“? Das war eine tolle Science Fiction/Mystery-Serie, die vor zehn Jahren erschien und quasi so etwas wie „X-Men“ fürs Fernsehen war (und tatsächlich auch viele Comic-Elemente ins Fernsehen übertrug). Es ging um Menschen mit Superkräften (Selbstheilung, Gedankenlesen, Fliegen,…), eine geheime Organisation, die Jagd auf sie machte und nicht zuletzt um die Rettung der Welt. Schon von Anfang an war das Ganze mehr eine Soap als eine ernste Dramaserie, aber dank der interessanten Mischung aus unterschiedlichen Figuren und der frischen, so noch nicht gesehen Weise, in der diese Geschichte erzählt wurde, konnte die erste Staffel voll und ganz begeistern. Sie gehört zu den besten Beispielen für den Boom an Qualitäts-Serien der Nullerjahre. Leider hat es Serienschöpfer Tim Kring aber nicht bei dieser einen Staffel belassen, sondern noch drei weitere dranghängt, bevor „Heroes“ schließlich abgesetzt wurde. In den Staffeln zwei bis vier wurde die Serie immer wirrer und beliebiger; die Soap-Elemente nahmen überhand und die Handlung konnte nicht mehr fesseln. Neben einer fantastischen ersten Staffeln bliebt von „Heroes“ also vor allem in Erinnerung, dass Zachary Quinto – der später der neue Mr. Spock in „Star Trek“ wurde – und Hayden Panettiere dort ihren großen Durchbruch feierten. Und der Spruch „Save the cheerleader, save the world“, der zumindest vorübergehend zum Bestandteil des popkulturelle Bewusstseins wurde.

Ab 12.05. erhältlich: Das Bluray-Set von "Heroes Reborn"

Ab 12.05. erhältlich: Das Bluray-Set von „Heroes Reborn“

Schon während der Produktion von „Heroes“ war ein Spin-off namens „Heroes: Origins“ geplant gewesen, das dann aber doch nicht verwirklicht wurde. Dafür bekam Tim Kring 2015, fünf Jahre nach dem Ende der Originalserie, doch noch die Gelegenheit, seine Heldensaga weiter zu erzählen. „Heroes Reborn“ ist für Kring allerdings kein Spin-off, sondern eher die zehnte Staffel von „Heroes“, wie er im offiziellen „Making of“ erklärt – nur dass wir die Staffeln fünf bis neun halt nie zu Gesicht bekommen haben. Dementsprechend spielt die Handlung von „Heroes Reborn“ auch ein ganzes Stück nach dem Ende von „Heroes“. Zur Erinnerung: Am Ende der vierten Staffel von „Heroes“ hatte Claire Bennet die Existenz von Menschen mit Superkräften an die Öffentlichkeit gebracht. „Heroes Reborn“ spielt nun in einer Welt, in der diese Menschen, die „Evos“ genannt werden, Gegenstand hitziger gesellschaftlicher Debatten sind. Die Einen halten sie für die Rettung der Menschheit, Andere wiederum glauben, die Evos wollen die Macht über die ganze Erde an sich reißen. Überall auf der Welt sehen sich Evos zahlreichen Formen der Diskriminierung ausgesetzt. So müssen sie sich in den USA etwa registrieren und überwachen lassen, während in Paris vor dem Eiffelturm nach Evos gescannt wird, die den Turm nicht betreten dürfen. Die Handlung der Serie setzt ein Jahr nach einem großen Terroranschlag in Odessa ein, für den einige führende Evos und deren Unterstützer verantwortlich gemacht werden und bei dem auch die eigentlich für unzerstörbar gehaltene Claire Bennet ums Leben kam. (Ein Teil dieser Hintergrundgeschichte wird übrigens in sechs Mini-Episoden erzählt, die man vor der eigentlichen Serie anschauen sollte, die aber leider im Bonusmaterial auf Disc 3 des Bluray-Sets versteckt sind.)

Heroes Reborn - Season 1Dass Claire nicht mehr am Leben ist, hat wohl vor allem den Grund, dass man Hayden Panettiere nicht zu einer Rückkehr ins „Heroes“-Universum überzeugen konnte. Auch Zachary Quinto hatte keine Lust mehr, in die Rolle des Sylar zu schlüpfen und so finden sich nur wenige Mitglieder des ursprünglichen Ensembles im Cast von „Heroes Reborn“ wieder. Zumindest zu Beginn ist die Hauptfigur Claires Vater Noah Bennet (Jack Coleman) – von den Fans stets HRG („horn-rimmed glasses“) genannt. Er arbeitet inzwischen unter einem anderen Namen als Autohändler, wird aber wieder in den Konflikt um die Evos hineingezogen, als ihn der Verschwörungstheoretiker Quentin (Henry Zebrowski) ausfindig macht. Schnell muss Noah feststellen, dass er seine Erinnerungen an die Ereignisse um den Anschlag in Odessa aus seinem Gedächtnis löschen ließ – aber warum? Gemeinsam mit Quentin macht er sich auf, die Wahrheit herauszufinden.

Noah und Quentin sind aber bei weitem nicht die einzigen Hauptfiguren in „Heroes Reborn“. Die Serie wartet mit einem unüberschaubar großen Ensemble auf. Da ist zum Beispiel der Teenager Tommy (Robbie Kay), der über Superkräfte verfügt und in den 13 Episoden seine eigene Heldenreise antritt, bei der er auch die Wahrheit über seine Herkunft und sein Schicksal erfährt. Da ist ein Ehepaar, welches die Evos für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht und fortan einen mörderischen Rachefeldzug gegen alle Evos führt; dumm nur, dass der Mann bald selbst Superkräfte zu entwickeln beginnt. Da ist Miko (Kiki Sukezane), ein Mädchen in Japan, welches sich mit Hilfe eines geheimnisvollen Schwerts direkt in ein Videospiel namens „Evernow“ teleportieren kann. Da ist ein Typ irgendwo in Los Angeles, der nach dem Tod seines Bruders feststellt, dass dieser über Superkräfte verfügte und diese im Kampf für das Gute als klassischer maskierter Superheld einsetzte; nun legt er selbst das Kostüm an, um den Kampf im Geist seines Bruders fortzuführen. Da ist Erica Kravid (Rya Kihlstedt), die Leiterin eines globalen Tech-Konzerns namens Renautas, die große Pläne für die Zukunft der Menschheit hat, bei denen die Evos eine besondere Rolle spielen. Und da ist ein irgendein blondes Mädchen, das mit einer Freundin anscheinend zu Fuß von Alaska nach Süden unterwegs ist – warum, das weiß man für mehrere Episoden nicht.

Heroes Reborn - Season 1Dass ich einige der Figuren nicht beim Namen genannt habe, liegt ganz einfach daran, dass ich mir ihre Namen auch nach 13 Episoden immer noch nicht gemerkt habe. „Heroes Reborn“ bietet nämlich von Anfang an ein so großes Figurenensemble und legt ein solch hohes Erzähltempo vor, dass man kaum Zeit hat, sich mit den einzelnen Charakteren vertraut zu machen. Ich kann auch jetzt noch nicht den Handlungsbogen dieses als maskierter vigilante kämpfenden Typen nacherzählen, weil er in den 13 Episoden ganz einfach komplett untergegangen ist und für die Handlung überflüssig war. (Die Figur bietet durchaus eine Menge an Potential, ist aber ganz einfach verdammt schlecht geschrieben und in die Serie integriert.) Tim Kring hat in diese 13 Episoden so viele Figuren, Ideen und Handlungsansätze gestopft, dass es locker für drei Staffeln reichen würde. Vielleicht hat er das getan, weil er schon befürchtet hatte, nur eine einzige Staffel zur Verfügung zu haben; hätte er sich jedoch auf weniger Handlungsstränge konzentriert und sich einiges für spätere Staffeln aufgehoben, dann wäre diese erste Staffel vermutlich wesentlich besser geworden (und die Chancen auf eine Verlängerung der Serie höher). Nur sehr wenige der Charaktere können wirklich ein eigenes Profil entwickeln und vieles geht im großen Wirrwarr der Handlungsstränge einfach unter. „Jessica Jones“ hat gezeigt, dass man eine Serie nicht mit über Superkräfte verfügenden Menschen vollstopfen muss, um eine Geschichte über eben diese Menschen zu erzählen. So gibt es auch in „Heroes Reborn“ mehrere Figuren, die für sich allein schon die Grundlage einer Fernsehserie bilden könnten, beispielsweise das erwähnte Ehepaar auf Terror-Feldzug.

Die Serie will einfach viel zu vieles gleichzeitig sein: Teenie-Melodrama, Mysterydrama, Superheldengeschichte und noch vieles mehr. Der hier gemachte Versuch, all das in einer großen Ensembleserie mit sich überschneidenden Handlungssträngen unterzubringen, geht letztlich komplett in die Hose, wenn es auch ein paar interessante Elemente und sogar zwei gute Episoden darin gibt (dazu gleich mehr). Schauspielerisch ist das Ganze übrigens auch äußerst durchwachsen. Jack Coleman schlägt sich als Noah Bennet wacker, ebenso der junge Robbie Kay, der sich schnell zur zentralen Figur der Serie mausert. Einige der anderen Schauspieler stolpern jedoch ziemlich verloren durch das Geschehen, was man ihnen aber nicht verübeln kann, schließlich ist das alles so konfus geschrieben, dass von realistischer Charakterentwicklung hier oft keine Rede sein kann.

Heroes Reborn - Season 1Genau wie in der ersten Staffel von „Heroes“ geht es auch hier wieder darum, den Weltuntergang abzuwenden. Tim Kring scheint immer noch nicht gelernt zu haben, dass man sich so etwas für spätere Staffeln aufheben sollte und erst einmal seine Figuren etablieren sollte. Schließlich war eines der zahlreichen Probleme der späteren „Heroes“-Staffeln, dass es ganz einfach keine spannende, glaubwürdige Geschichte mehr zu erzählen gab, nachdem es bereits in der ersten Staffelm um Alles ging. Lässt man einmal einige der vielen Nebenfiguren beiseite, dann erzählt „Heroes Reborn“ im Grunde von einer klassischen Heldenreise, bei der ein Auserwählter nach anfänglichem Sträuben gegen sein Schicksal die Welt retten muss. Ein Großteil der Geschichte wird dabei in einer zentralen Doppelfolge in der Mitte der Staffel klar (1.07/08), in der Noah Bennet mit Hilfe von Hiro Nakamura (Masi Oka) in der Zeit zurückreist zu den Ereignissen um den Terroranschlag in Odessa. Weil sich diese beiden Episoden auf weniger Figuren und Handlungsstränge konzentrieren als der Rest der Serie, wissen sie auch wesentlich besser zu unterhalten und halten tatsächlich ein paar Aha-Erlebnisse und clevere Twists bereit. Neben Hiro tauchen im Verlauf der Serie übrigens noch ein paar andere Charaktere aus „Heroes“ in Gastrollen auf, doch Hiros Gastrolle ist am überzeugendsten, weil sie für die Handlung am meisten Sinn macht. Andere Darsteller wiederum scheinen nur deswegen dabei zu sein, weil halt gerade sie zu einem Auftritt überredet werden konnten.

Weitere positiv hervorzuhebende Elemente sind die typische „Heroes“-Musik und das die einzelnen Episoden einleitende Voice-over, die zusammen sofort wieder für die typische Atmosphäre sorgen (auch wenn sich dahinter aufgrund der genannten Schwächen meist nicht viel Interessantes verbirgt und die Atmosphäre damit oft ungenutzt verpufft). Von all den neu eingeführten Figuren war es ausgerechnet eine Nebenfigur, die ich als „Penny-Mann“ bezeichne, die mich am meisten fasziniert hat: dieser Mann, der auf den Namen Caspar Abraham hört, verfügt über die Fähigkeit, anderen Personen bestimmte Erinnerungen zu nehmen, indem er ihnen einen Penny überreicht, den diese wiederum annehmen müssen, damit seine Gabe ihre Wirkung erzielt. Gerade weil es sich dabei um eine solche beschränkte, nur zu einem einzigen Zweck einsetzbare Fähigkeit handelt, finde ich diese Figur so spannend. Leider ist die Rolle des „Penny-Manns“ äußerst klein und wir erfahren auch nie, wie er nun genau in das Geschehen verstrickt ist. Aber immerhin ist dies das einzige Beispiel in der Serie dafür, dass weniger eben oft mehr sein kann.

Heroes Reborn - Season 1Ein wichtiger Teil der Handlung ist der bereits erwähnte Renautas-Konzern, der – es ist kein großer Spoiler – natürlich mit Primatech in Verbindung steht, jener Firma, in deren Auftrag Noah Bennet in „Heroes“ noch Jagd auf die Evos machte. Auch Renautas führt nichts Gutes im Schilde und macht ebenfalls Jagd auf Evos, um sich deren Fähigkeiten zunutze zu machen – zum Beispiel für eine Datenbrille, mit deren Hilfe Evos auf den ersten Blick erkannt werden können. Gegen Ende der Staffel stellt sich dann heraus, dass die Pläne der Konzerninhaberin Erica Kravid noch viel finsterer sind als bisher gedacht. Sie will nämlich die Zerstörung der Menschheit in Kauf nehmen und nur eine kleine, ausgewählte Gruppe von ihnen retten. Die glücklichen Auserwählten bekommen eine weiße Armbanduhr verpasst, die ihr Weg in die Zukunft sein soll – in diesem Fall wortwörtlich, denn sie sollen über 1500 Jahre in die Zukunft transportiert werden, wo die Menschheit auf einer postapokalyptischen Erde in einer „Gateway“ genannten Kolonie neu gegründet werden soll. Die Metaphern kommen in „Heroes Reborn“ immer wieder mit dem Holzhammer daher, von der „Google Glass“-artigen Datenbrille über die von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen als Terroristen gebrandmarkten Evos (manchmal könnte man „Evos“ direkt durch „Muslime“ ersetzen) bis hin zur wie eine Apple Watch aussehenden Armbanduhr, die das am heißesten begehrte Gadget auf dem ganzen Planeten darstellt. Die Serie spricht zudem zahlreiche große Fragen und Themen an – Schicksal, freier Wille, die großen Konsequenzen vermeintlich kleiner Handlungen und den wichtigen Unterschied, den schon ein einzelnes Individuum machen kann. Letztendlich geht all das aber im unübersichtlichen Ensemble der teilweise sträflich langweiligen Figuren und Handlungsstränge unter.

Am Ende der 13 Episoden ist die Welt natürlich erst einmal gerettet, die Verwandschaftsverhältnisse zwischen einigen Figuren sind geklärt und die Staffelübergabe an eine neue Generation von Helden wird vollendet. Weitererzählt wird „Heroes Reborn“ jedoch erst einmal nicht, was wahrscheinlich auch gut so ist. Im „Making of“ des Bluray-Sets überbieten sich die Schauspieler übrigens gegenseitig mit Lob und Superlativen über die Serie und wirken dabei sogar noch unglaubwürdiger als zum Teil in ihren Rollen. Tim Kring zufolge geht es in der Serie darum, wie Menschen aus der ganzen Welt zusammen kommen, um die Welt zu retten. Eine sehr ähnliche Thematik hat eine andere Serie im letzten Jahr allerdings viel besser umgesetzt: Sense8. Auch dort geht es um Menschen mit einer besonderen Fähigkeit, die lernen müssen zusammen zu arbeiten. Aber wo „Heroes Reborn“ sich in zu vielen Handlungselementen verliert und ein solches Erzähltempo vorlegt, dass für Figurenentwicklung fast keine Zeit bleibt, geht Sense8 fast den umgekehrten Weg (mehr dazu gibt es hier irgendwann in einem eigenen Blogpost – spätestens dann, wenn Sense8 auf Bluray erscheint).

Noch eine Anmerkung zu den deutschen Blurays von „Heroes Reborn“: Genau wie bei „Heroes“ wird hier ein Teil der Handlung in Untertiteln erzählt (vor allem in den Szenen, in denen Figuren miteinander japanisch sprechen), zudem gibt es noch weitere Texteinblendungen wie etwa Ortsnamen, Episodentitel oder der Text von Computerchats und SMS. Für die deutschen Blurays wurden all diese Texte leider als nicht veränderbare Teile des Bildes eingedeutscht. Schaut man sich die Serie also auf englisch an, bleiben diese deutschen Texteinblendungen im Bild und es erscheinen zusätzliche englische Untertitel! Das hätte eigentlich wirklich nicht sein dürfen und spricht für all diejenigen, die sich die Serie kaufen wollen, um sie im Original anzuschauen, dafür, zu einer Importversion etwa aus Großbritannien zu greifen.

Bilder: Copyright Universal Pictures

Mehr als sieben Songs, Teil 11: The Rolling Stones – Already Over Me

Beim letzten Mal gab’s hier eine Aerosmith-Ballade, nun geht’s zu den britischen Kollegen: Auch die Rolling Stones haben im Lauf der Jahrzehnte viele große Balladen veröffentlicht, von „Wild Horses“ und „You Can’t Always Get What You Want“ bis hin zu „Out Of Tears“ und „Streets of Love“. Die finde ich auch alle klasse, weil ich Mick Jaggers Stimme am liebsten mag, wenn er Balladen singt.

Meine Lieblings-Ballade von den Stones ist aber „Already Over Me“ aus dem 1997er Album „Bridges to Babylon“. Das ist einer der Songs, die ich manchmal im Alltag plötzlich vor mich hin zu summen beginne, selbst wenn ich ihn schon wochenlang nicht mehr gehört habe. Es ist eines der vielen Lieder, die mir mein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf gehen werden. Worum es in dem Lied geht? Keine Ahnung. Ich singe zwar oft mit, aber ich habe noch nie genau darauf geachtet, was der Text eigentlich bedeuten soll. An einer Stelle singt Mick Jagger „You say poverty is picturesque, as you dragged your nails across my chest“; das sind – warum auch immer – stets die ersten zwei Zeilen, die mir aus dem Lied einfallen.

Hier gibt’s den Song bei YouTube zum Anhören (klanglich nicht so toll, deswegen habe ich direkt darunter auch den Spotify-Link gepostet):

https://youtu.be/u7WyTpYpoHo?t=12m30s