Babylon 5 – Episode 1.18 “A Voice in the Wilderness (Part 1)”

Wie auch schon zu Beginn des letzten Blogposts weise ich hier darauf hin, dass ich mich bei der Besprechung von „Babylon 5“ an die von Serienschöpfer J. Michael Straczynski (JMS) vorgeschlagene Episodenreihenfolge halte. Deshalb ging es letztes Mal um Episode 1.16 und nun um 1.18. Die erwähnte Reihenfolge könnt ihr ganz am Ende dieses Blogposts einsehen.

Episode 1.18 „A Voice in the Wilderness (Part1)“ („Angriff der Aliens (Teil 1)“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 27.07.1994 (USA), 01.12.1995 (Deutschland)

Der „Babylon 5“-Pilotfilm wurde bereits kurz nach seiner Ausstrahlung im Fernsehen in vielen Regionen auch als Videokassette und/oder auf Laserdisc veröffentlicht. In den USA liefen die Verkäufe eher schleppend, aber in einigen anderen Ländern – darunter Japan, Deutschland und England – entpuppte sich der Pilotfilm als Verkaufs- und Verleihschlager. Deshalb wurde Straczynski von Warner Bros. darum gebeten, für die erste Staffel eine Doppelfolge zu produzieren, die man ebenfalls als Videokassette in den Handel bringen konnte. Das Ergebnis ist also „A Voice in the Wilderness“ (mit dem schrecklichen deutschen Titel „Angriff der Aliens“), eine sehr unterhaltsame Geschichte voller Abenteuergeist, Humor und vielen schönen Charaktermomenten. In diesem Blogpost wird es allerdings nur um Teil 1 dieser Doppelfolge gehen.

Die Episode enthält mehrere Handlungsstränge, die ich nacheinander der Reihe nach durchgehen werde. Der Haupthandlungsstrang um den Planeten Epsilon 3 wird eigentlich erst zum Ende der Episode richitg spannend. Denn zunächst besteht diese Handlung einfach darin, dass ein Team von Geologen unter der Leitung von Dr. Tasaki (Jim Ishida) den Planeten mehrmals anfliegt, ohne dabei aber konkret Neues zutage zu fördern. Nur dass irgendetwas dort unten sein muss, das ist klar und weckt sogleich den Abenteuergeist von Sinclair und Ivanova. Weil auf dem Planeten möglicherweise bisher unentdecktes intelligentes Leben existiert und somit die Möglichkeit des ersten Kontakts zu einer neuen Spezies besteht, fliegen die beiden selbst nach unten. Sie entdecken riesige technische Anlagen, die offenbar von einer unbekannten und sehr fortschrittlichen Spezies gebaut worden sein müssen – und ein Alien (Curt Lowens), das offenbar in einer Art Interface in Verbindung zu dieser riesigen Maschine steht. Das Wesen – das zuvor bereits Sinclair und Londo auf der Station erschienen ist – fleht um Hilfe, sodass Sinclair und Ivanova es befreien und mit dem Shuttle nach Babylon 5 bringen. Als sie auf dem Weg zurück zur Station sind, öffnet sich das Hyperraumsprungtor und ein großes Raumschiff erscheint, das wir jedoch noch nicht sehen. Stattdessen endet die Episode mit einem „What the hell…!?“ von Garibaldi und der Einblendung „to be continued“.

Jetzt wo ich die Quintessenz dieses Handlungsstrangs zusammengefasst habe, fällt mir auf, dass ich die anderen Handlungselemente der Folge eigentlich viel interessanter fand. Zugegeben, wenn man die Episode zum ersten Mal sieht, ist die Erkundungstour von Sinclair und Ivanova auf Epsilon 3 durchaus spannend. Aber bis zum Ende passiert hier genau genommen nicht viel und selbst dann wissen wir noch kaum etwas über den Planeten, seinen mysteriösen Bewohner und die großen Maschinen oder Computeranlagen dort. Besonders viel gibt es hier also noch gar nicht zu besprechen und auch all die momentan noch offenen Fragen werde ich in diesem Blogpost nicht noch einmal auflisten, da viele davon in der zweiten Hälfte der Geschichte beantwortet werden. Diesem Teil der Geschichte werde ich mich also im nächsten Blogpost ausführlicher widmen.

In einer Nebenhandlung wird wieder aufgegriffen, was in der letzten Folge erwähnt worden ist: die Unabhängigkeitsbewegung auf dem Mars ist inzwischen zu einer offenen Revolte ausgewachsen. ISN berichtet von gewalttätigen Aufständen, was nicht nur Sinclair und Ivanova Sorgen macht, sondern ganz besonders Garibaldi. Dieser hat nämlich, wie wir in dieser Folge erfahren, seine Freundin Lise Hampton auf dem Mars zurückgelassen, als er Sinlcairs Angebot angenommen hat, Sicherheitschef auf Babylon 5 zu werden. Weil nun aber sämtliche Kommunikationskanäle zum Mars unterbrochen sind, bittet er Talia Winters (Andrea Thompson) um Hilfe. Die soll über einen (eigentlich geheimen) Posten des PsiCorps auf dem Mars eine Verbindung zu Lise herstellen. Dies gelingt ihr zwar nicht, aber sie erfährt zweierlei: Zum einen, dass die gute Organisation und Bewaffnung der „Free Mars“-Bewegung viele überrascht hat und zum anderen, dass Lise nicht auf der Liste der Überlebenden des Aufstands steht. Das verstärkt Garibaldis Sorge natürlich nur noch, aber auch hier müssen wir die nächste Episode abwarten, um Gewissheit zu erlangen. Dieser Handlungsstrang verbindet jedenfalls geschickt das persönliche Schicksal einer der Hauptfiguren mit dem größeren Universum, in dem „Babylon 5“ spielt.

Zu einem dritten Handlungsstrang fasse ich nun die Geschehnisse um Delenn (Mira Furlan), ihren Besucher Draal (Louis Turenne) und Londo (Peter Jurasik) zusammen. Noch ziemlich zu Beginn der Episode gibt es eine Szene, in der Commander Sinclair als Mediator bei Verhandlungen zwischen Londo und Delenn fungiert. Nachdem man zu einer erfolgreichen Einigung gekommen ist, findet folgender Dialog statt, den ich hier komplett zitieren möchte:

Londo: „What a pleasure it is to deal with someone reasonable. Negotiations are so much more enjoyable when certain individuals are not here to interfere.“
Delenn: „I would suggest that there is a difference between being unreasonable and being angry. Ambassador G’Kar is angry much of the time, but even the greatest anger fades with time.“
Londo: „My dear Ambassador Delenn, I am sure that for you this is true. But for G’Kar and his people, they will do all that they can to destroy us, until the universe itself decays and collapses. If the Narns all stood together in one place and hated, all at the same time, that hatred could fly across dozens of light years and reduce Centauri Prime to a ball of ash. That’s how much they hate us.“
Sinclair: „You don’t have to respond in kind.“
Londo: „Of course we do. It is a natural law. Physics tell us that for every action there mus be an equal and opposite reaction. They hat us, we hate them, they hate us back… And so, here we are, victims of mathematics. (Er steht auf; zu Delenn) Ambassador.“ (Londo verlässt den Raum)
Sinclair (seufzt): „He never listens.“
Delenn: „He will. Sooner or later.“
Sinclair: „How can you be sure?“
Delenn: „Because the alternative is too terrible to consider. Without the hope that things will get better, that our inheritors will kow a world that is fuller and richer than our own, life is pointless and evolution is vastly overrated. Good day, Commander.“

Diese Szene stellt nicht nur eines von mehreren Beispielen für die typischen, bedeutungsschwangeren Mono- und Dialoge von JMS dar, sie erzählt uns auch so einiges über die Figuren – nicht nur über die drei anwesenden. Delenn bezeichnet G’Kar, der in dieser Folge gar nicht vorkommt, als wütend – eine Charakterisierung, der ich zustimmen würde. Der Zorn auf die Centauri wegen der Gräueltaten, die sie seinem Volk angetan haben, macht einen Großteil von G’Kars Charakter aus und bildet die zentrale Motivation für seine Taten in der ersten Staffel. Das wird sich ändern – so viel kann man verraten, ohne zu spoilern -, doch bis jetzt wird G’Kar noch als ziemlich eindimensionaler Bösewicht gezeichnet, der um jeden Preis Rache an den Centauri nehmen will. Erste Ausnahmen waren höchstens „Mind War“ und „By Any Means Necessary“, wo man überraschend eine weise, spirituelle Seite G’Kars zu sehen bekam.

Londo zeigt sich hier einmal mehr von einer äußerst starrköpfigen und uneinsichtigen Weise. Er ist nicht nur davon überzeugt, dass das gesamte Volk der Narn alle Centauri abgrundtief hasst, sondern auch davon, dass die einzige mögliche Reaktion darauf ebenso großer Hass von Seiten der Centauri sein kann. Seine Argumentation, dies sei ein „Naturgesetz“ und sie alle seien ganz einfach „Opfer der Mathematik“, scheint alles andere als einleuchtend zu sein und verstärkt nur noch den Eindruck, der Centauri-Botschafter wolle seine in einfache Gegensätze aufgeteilte Weltsicht gar nicht hinterfragen. Denn natürlich hat Sinclair recht, die Centauri sind keineswegs gezwungen, auf den Hass der Narn ebenso mit Hass zu antworten. Zwar erscheint Londo durch seine Aussage in dieser Szene ganz besonders dämlich, aber man muss bedenken, dass er – genau wie G’Kar – vor dem Hintergrund einer Jahrhunderte alten Geschichte des Hasses zwischen diesen beiden Völkern aufgewachsen ist. So etwas lässt sich nicht von heute auf morgen abschalten.

Delenn wiederum, die als Minbari nicht direkt an diesem Konflikt beteiligt ist, hat ein idealistisches – viele würden auch sagen: naives – Weltbild. Sinclair gegenüber äußert sie ihre Überzeugung, Londo werde früher oder später schon noch ein Einsehen haben und auf die Narn zugehen. Von Sinclair nach dem Grund für ihren Optimismus gefragt, erwidert sie die Alternative sei ganz einfach zu schrecklich. Ohne den Glauben daran, dass sich die Dinge zum Guten wenden und nachfolgende Generationen eine bessere  Welt erleben werden, sei das eigene Leben sinnlos. Damit hat sie meiner Meinung nach recht, allerdings vereinfacht ihre Sicht die Dinge fast ebenso sehr wie Londos. Dass es immer wieder Rückschläge gibt, dass viel zu viele Personen ganz anders denken, das zieht sie hier nicht in Betracht. Während Londo hier mit seinem blanken Hass für das eine und Delenn mit ihrem naiven Idealismus für das andere Extrem steht, scheint Sinclairs Rolle die des zweifelnden (und an der Realität verzweifelnden) Realisten zu sein. Es wird jedenfalls spannend sein, die Figuren und die von ihnen vertretenen Positionen weiter zu verfolgen.

Als Delenn zu ihrem Quartier zurückkehrt, erhält sie Besuch von ihrem alten Freund und Mentor Draal. Die Wiedersehensfreude ist groß, doch später berichtet Draal von Entwicklungen auf Minbar, die ihm große Sorgen bereiten: „There is a sense that we are lost, drifting. In the streets, in the temples, you can hear it in their voices, their manner. An anger just beneath the surface, a growing dissatisfaction, a self-involvement above the needs of others. It is not the same world in which I was born, Delenn. Not the same world at all.“ Zwar erwähnt er noch die zunehmende Entfremdung zwischen der Kriegerkaste und der religiösen Kaste, doch konkreter werden seine Befürchtungen nicht. Man sollte diese Worte aber im Hinterkopf behalten, auch wenn es zugegeben ein ganz schönes Stück dauern wird, bis sie in der Serie wieder aufgegriffen werden.

Als Delenn Draal nach dem Grund seines Besuchs fragt, wird er erneut ernst und kündigt an „I am going to the sea.“ Delenn ist entsetzt, während der Zuschauer hier nicht so recht weiß, was er mit diesen Worten anfagen soll – will Draal nun Seefahrer werden? Doch er fährt fort: „I hear the call of the stars, Delenn. I must answer.“ Er fügt hinzu, dass er und Delenn sich nicht wiedersehen werden. Was also bedeutet seine Aussage? JMS hat für „Babylon 5“ immer wieder Anleihen bei Tolkiens „Der Herr der Ringe“ genommen; in diesem Zusammenhang könnte man Draals Aussage, er wolle zur See fahren und werde Delenn nicht wiedersehen, hier als Ankündigung seines Todes interpretieren, so wie man auch die Reise der Elben mit Frodo am Ende von „Die Rückkehr des Königs“ als Reise ins Jenseits interpretieren kann.

Bevor es so weit ist, statten Draal und Delenn aber noch Londo einen Besuch ab, der inzwischen ganz andere Sorgen hat als den Kreislauf des Hasses zwischen Narn und Centauri. Während es in der letzten Folge Lennier war, der sich von einem bestimmten Aspekt der menschlichen Kultur fasziniert zeigte, erweist sich nun auch Londo als Hobby-Ethnologe. Seine Entrüstung darüber, dass ein altes menschliches Kinderlied keinen Sinn ergibt, ist köstlich und zeigt zweierlei: Zum einen, dass Londo hier die falsche Frage stellt und zwanghaft an der falschen Stelle nach Sinn sucht. Diesen wird er nämlich nicht im Text eines so simplen Liedes finden, sondern in der Funktion die das Lied innerhalb der Kultur erfüllt. Zum anderen wird hier deutlich, dass das Erzählen von Geschichten im Science Fiction-Genre ein hervorragendes Mittel darstellt, um das Eigene, Menschliche aus einer anderen Perspektive zu betrachen, so wie Londo es hier tut, für den menschliche Verhaltensweisen ebenso fremd wie faszinierend sind. Darauf angesprochen, wie er auf die Idee kam, Londo „Hokey Pokey“ analysieren zu lassen, antwortete JMS, er habe sich dazu ganz einfach selbst in die Situation eines Außerirdischen versetzt, der versucht, uns Meschen zu verstehen. Wenn man einen Schritt zurück trete, werde schnell klar, dass wir eine Menge seltsames Zeug tun. Was Londo über das Lied und dessen inhaltliche Bedeutung sage, treffe vollkommen zu.

Überhaupt ist es vielleicht Londo, über den wir in dieser Episode am meisten erfahren. Neben den beiden angesprochenen Szenen, in denen er sich von zwei höchst unterschiedlichen Seiten zeigt, heitert er auch noch den deprimierten Garibaldi an der Bar auf. Einmal mehr wird damit die Freundschaft zwischen den beiden etabliert. Insgesamt hat die Episode sowohl einige sehr ernste als auch sehr lustige Szenen zu bieten – und obendrein noch den spanneden Plot um Epsilon 3. Hier zeigt sich „Babylon 5“ als Space Opera im besten Sinne und JMS‘ Plan, einen unterhaltsamen Zweiteiler zu schreiben, der sowohl die Handlung der Serie voranbringt als auch für sich allein stehend genossen werden kann, scheint aufgegangen zu sein. Ein endgültiges Urteil darüber werde ich mir aber für die Besprechung des zweiten Teils aufheben.

Highlight der Episode: Londos Monolog über das „Hokey Pokey“-Kinderlied, das ihn so sehr beschäftigt:

„6000 years of recorded history. A history that includes remarkable composers, astonishing symphonies, but what is the one song that half of them sing to their children, generation after generation? (er singt) ‚You put your right hand in, you put your right hand out, you put your whole self in, and you turn yourself about. You do the hokey pokey, you give a little shout, that’s what it’s all about.‘ It doesn’t mean anything. I’ve been studying it for seven days. I had the computer analyze it. I swear to you, it does not mean a thing!“

Londo/G’Kar-Moment: Es ist beeindruckend, dass G’Kar in dieser Folge charakterisiert wird, obwohl er gar nicht zu sehen ist. Die oben erwähnte Szene, in der Delenn und Londo über ihn reden, dient dazu, die Beziehung zwischen Londo und G’Kar sowie zwischen ihren beiden Völkern weiter auszubauen.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Das PsiCorps scheint nicht nur einfach eine Organisation zur Ausbildung und Kontrolle von Telepathen zu sein, sondern so etwas wie ein eigener Geheimdienst. Jedenfalls unterhält es geheime Operationen wie die auf dem Mars, wo Aufklärungsarbeit betrieben wird.

Sonstige Fragen: Die Fragen, die sich nach dieser Episode stellen, werden zu einem großen Teil in der nächsten Folge beantwortet. Ich liste sie deshalb hier nicht alle auf.

Weitere interessante Punkte:

  • Wir erfahren mehr über Garibaldi. Dass er ein alles andere als leichtes Leben hatte, wurde schon mehrmals angedeutet. Hier erzählt er, dass er von vier verschiedenen Jobs gefeuert wurde, bevor er Arbeit auf dem Mars fand.
  • Der Gag, bei dem sich Talia zu Beginn der Episode beschwert, in jeder Transportröhre, in die sie steigen wolle, warte Garibaldi auf sie, wurde über mehrere Folgen hinweg vorbereitet. Unter anderem sieht man Garibaldi und Talia in „Mind War“ gemeinsam in einer Transportröhre fahren, als Talia Garibaldis Gedanken wahrnimmt und ihm vor dem Aussteigen ihren Ellbogen in die Rippen haut.
  • Ein weiteres Mal werden wir darauf hingewiesen, dass Garibaldi als trockener Alkoholiker stets Wasser trinkt, als Londo an der Bar Garibaldis Glas nimmt, an dessen Inhalt riecht und sagt: „Water. Fascinating. I never touch the stuff myself.“
  • Im Gespräch zwischen Delenn und Draal werden erneut die Krieger- und die religiöse Kaste der Minbari erwähnt. Die Arbeiterkaste wird – genau wie in „Grail“ – komplett ignoriert.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Diese erste Episode sollte ursprünglich übrigens enden, nachdem Sinclair und Ivanova von dem Alien in der Maschine mit den Worten „Help me! Or your people, all your people will die!“ gewarnt worden sind. Weil die Episode aber etwas zu kurz war, fügte man unter anderem noch die Szene am Ende hinzu, sodass wir nun mit Garbiladis „What the….!?“ beim Anblick eines riesigen Raumschiffs entlassen werden.

Zitate:

Ivanova: „This doesn’t worry you in the slightest?“
Dr. Tasaki: „On the contrary. It scares the hell out of me. But what better way to go out than in the cause of advancing scientific knowledge?“
Ivanova: „Is this a multiple choice question? Because I have some ideas.“

„On your trip back, I’d like you to take the time to learn the Babylon 5 mantra: Ivanova is always right. I will listen to Ivanova. I will not ignore Ivanova’s recommendations. Ivanova is God. And if this ever happens again, Ivanova will personally rip your lungs out.“ (Ivanova zu Dr. Takasaki)

„Now I go to spread happiness to the rest of the station. It’s a terrible responsibility, but I have learned to live with it.“ (Londo zu Garibaldi)

„It’s a Russian thing. When we’re about to to something stupid, we like to catalog the full extent of our stupidity for future reference.“ (Ivanova)

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.19 „A Voice in the Wilderness (Part 2)“

Babylon 5 – Episode 1.16 “Eyes”

Bevor ich beginne noch ein kleiner organisatorischer Hinweis: Die nächste Folge, die ich besprechen werde, wird Episode 1.18 „A Voice in the Wilderness – Part 1“ sein, weil ich mich an die von J. Michael Straczynski vorgeschlagene Reihenfolge halte, die ihr ganz am Ende dieses Blogposts einsehen könnt.

Episode 1.16 „Eyes“ („Die Untersuchung“)

Drehbuch: Larry DiTillio, Regie: Jim Johnston
Erstausstrahlung: 13.07.1994 (USA), 19.11.1995 (Deutschland)

Drehbuchautor Larry DiTillio erhielt den Auftrag für diese Episode von „Babylon 5“, nachdem ein weiteres Drehbuch, das von einem Freelancer geschrieben werden sollte, nicht zustande kam. DiTillios Vorgaben waren, nicht nur möglichst schnell ein neues Drehbuch abzuliefern, sondern dabei auch eine Episode zu schreiben, die mit möglichst wenigen visuellen Effekten und Masken auskam (was wohl der Grund sein dürfte, warum unter anderem Delenn, Londo und G’Kar nicht in der Folge vorkommen). Das Ergebnis ist also dieses Kammerspiel, das in wenigen Sets gefilmt wurde und im Grunde auch auf einer Theaterbühne aufgeführt werden könnte. (Quelle für die Information: Jane Killick: Babylon 5 – Signs and Portents, S. 133)

Der Originaltitel der Episode steht für „Internal Investigations“, was sich als II, also als „Eyes“ (englisch ausgesprochen) abkürzen lässt. Dementsprechend haben wir es hier auch mit einer „Untersuchung“ (wie uns der deutsche Titel wissen lässt) des Kommandostabs und insbesondere Sinclairs zu tun. Colonel Ari Ben Zayn (Gregory Martin) kommt zusammen mit dem Telepathen Harriman Gray (Jeffrey Combs) an Bord der Station. Ben Zayn erregt zunächst einfach deshalb Garibaldis Aufmerksamkeit, weil er ungewöhnlich viele Fragen stellt. Rasch stellt sich jedoch heraus, dass er im Angesicht der Unabhängigkeitsbewegungen auf mehreren Erdkolonien (u.a. auf dem Mars) nach Babylon 5 gesandt wurde, um die Loyalität des Kommandostabs zur Erdregierung zu untersuchen. Dazu will er Sinclair, Ivanova und Garibladi unter anderem telepathischen Scans unterziehen lassen – deshalb die Anwesenheit von Gray.

Die Episode mag nur in geschlossenen Räumen spielen und sich auf wenige Figuren konzentrieren, doch ihre Ereignisse weisen weit über ihre Grenzen hinaus. Falls sich jemand im Verlauf der bisherigen Folgen gefragt haben sollte, ob Sinclair nicht irgendwann einen Preis für seine teils umstrittenen Entscheidungen und die wiederholte Auslegung der Gesetze zu seinen Gunsten zahlen muss – Ben Zayn ist dieser Preis. Wie wir später in der Episode herausfinden, will er den Kommandoposten auf der Station an sich reißen und stellt deshalb sämtliche Entscheidungen Sinclairs in Frage. Sinclairs Umgang mit der Ragesh 3-Krise, seine Entscheidung in der Deathwalker-Angelegenheit, seine kreative Beilegung des Streiks der Dockarbeiter, der Sabotageversuch während des Besuchs des Präsidenten und die Ereignisse um Jason Ironheart, die zum Tod der Kollegin von Psi-Cop Alfred Bester geführt haben – all diese Dinge nimmt Ben Zayn nun zum Vorwand, um Sinclair vorwerfen zu können, er sei inkompetent und ungeeignet für seinen Posten. Durch die Erwähnung dieser Ereignisse und der Tatsache, dass Sinclair und seine Leute des öfteren (für die Erdregierung) unliebsame Entscheidungen getroffen haben, wird die Folge ein Stück weit zur Zusammenfassung des bisherigen Teils der Staffel. Auch neuen Zuschauern wird so schnell ein Überblick über die Lage verschafft, zumindest was die Entwicklung Sinclairs betrifft.

Und wo ich gerade von Sinclair spreche: Gerade diese kammerspielartige Folge lebt natürlich in besonderer Weise von den Leistungen der Schauspieler und in diesem Bereich hat mich Michael O’Hare als Sinclair hier am wenigsten überzeugt. Es ist inzwischen bekannt, dass er schwerwiegende psychische Probleme hatte, die ihm die Ausübung seines Berufs zunehmend erschwerten. Vielleicht interpretiere ich da zu viel hinein, aber ich finde, dass man das gerade in dieser Episode merkt. Jedes Mal, wenn O’Hare Wut, Ärger oder starke Betroffenheit zeigen soll, halten sich seine Gefühlsäußerungen stark in Grenzen, so als ob er so sehr damit beschäftigt sei, sich selbst unter Kontrolle zu halten, dass dies ein glaubwürdiges Schauspiel verhindert. Wenn er nachdenklich sein soll, so wie in der letzten Folge, dann überzeugt O’Hare. Über eine große schauspielerische Bandbreite verfügt er jedoch nicht. Sowohl Jerry Doyle (Garibaldi) und Claudia Christian (Ivanova), als auch die Gaststars Gregory Martin und Jeffrey Combs liefern jedenfalls glaubwürdigere, nuanciertere Darstellungen ab (wobei „nuanciert“ im Fall von Martin vielleicht doch eher nicht zutrifft).
Ari Ben Zayn wird an einer Stelle von Garibaldi als „Colonel Ben Hitler“ bezeichnet, in Anspielung auf die gnadenlose Härte, mit der Ben Zayn seine Ziele verfolgt. Sehr nuanciert ist die Figur tatsächlich nicht angelegt; an keiner Stelle der Episode bekommen wir Ben Zayns Sicht der Dinge zu hören (anders als bei Harriman Gray). Insofern macht Martin (der übrigens der Sohn des jüngst verstorbenen Beatles-Produzenten George Martin ist) das beste aus dieser Figur.

Ein zentrales Thema der Episode ist Susan Ivanovas Abneigung gegen Telepathen und das PsiCorps. Die Gründe dafür wurden erstmals in „Midnight on the Firing Line“ erläutert, hier erhalten wir weitere Einblicke. In einem Albtraum Ivanovas äußert sich ihre Furcht, so zu enden wie ihre Mutter, die gezwungen wurde, ihre telepathischen Fähigkeiten mit Injektionen zu unterdrücken, was sie schließlich in den Selbstmord trieb. Als Sinclair Ivanova fragt, warum sie eigentlich so große Angst davor habe, gescannt zu werden, erhalten wir allerdings keine wirklich befriedigende Antwort. Private und intime Erinnerungen, auf die jemand bei einem Scan stoßen könnte, hat schließlich nicht nur Ivanova. Sie ist jedoch fest entschlossen, einen Scan durch Gray unter keinen Umständen zuzulassen und ist sogar bereit, dazu ihren Posten niederzulegen und ihre Karriere aufzugeben. Im Gespräch mit Gray muss sie aber immerhin erkennen, dass nicht alle Mitglieder des PsiCorps gleich sind und sie ihn sogar ganz nett findet. Harriman Gray wird von Jeffrey Combs gespielt, der Science Fiction-Fans vor allem durch seine zahlreichen Rollen aus „Star Trek: Deep Space Nine“, „Star Trek: Voyager“ und „Enterprise“ bekannt sein dürfte (er spielte u.a. Weyoun in „Deep Space Nine“).

Am Ende spitzt sich die Lage zu: Ben Zayn enthebt Sinclair seines Postens und übernimmt selbst das Kommando auf Babylon 5. Wie Garibaldi herausgefunden hat, ist es genau das, was Ben Zayn von Anfang an wollte: er stand auf der Liste möglicher Kandidaten für den Kommandoposten auf der Station in den Top 10, während Sinclairs Name erst viel weiter unten auftauchte. Wie wir inzwischen (aus „Signs and Portents“) wissen, erhielt Sinclair den Posten auf ausdrücklichen Wunsch der Minbari. Ben Zayn bekommt nun endlich, was ihm seiner Meinung nach zusteht; gleichzeitig stellt er die Rache seines Freundes Alfred Besters für die Ereignisse in „Mind War“ dar. Es ist schließlich Grays Eingreifen zu verdanken, dass Sinclair und Garibaldi Ben Zayn überwältigen und so seine Machtübernahme auf der Station verhindern können. Ob das noch ein Nachspiel haben wird?

Definitiv kein Nachspiel haben wird der zweite Handlungsstrang der Episode, in dem Garibaldi von Lennier Unterstützung beim Bau eines „antiken“ Motorrads aus dem Jahr 1992 erhält. Das hat nicht nur mit dem Rest der Episode nichts zu tun, es wird auch nie wieder erwähnt werden. Wie kam Garibaldi eigentlich auf die Idee, ausgerechnet auf einer Raumstation ein Motorrad bauen zu wollen? (Die Antwort darauf findet ihr bei den „Hinter den Kulissen“Fakten.)

Insgesamt ist „Eyes“ eine solide, gut geschriebene und überwiegend gut gespielte Episode. Sie greift zahlreiche Ereignisse aus vergangenen Folgen auf und verstärkt so den (damals keineswegs selbstverständlichen) Eindruck, dass „Babylon 5“ eine Serie ist, die episodenübergreifend erzählt. Die Charaktere von Ivanova und Sinclair werden weiter ausgebaut und es wird eindringlich betont, dass sich Sinclair und sein Kommandostab einige Feinde auf der Erde gemacht haben, was durchaus noch relevant sein wird, um es einmal spoilerfrei auszudrücken.

Highlight der Episode: Wie Ivanova fast alle Casinobesucher verprügelt (leider sieht man davon recht wenig).

Londo/G’Kar-Moment: Leider kommen die beiden hier nicht vor, ebenso wenig wie Delenn, Talia Winters, Dr. Franklin, Vir und Na’Toth.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Ivanova bemerkt es sofort, als Gray sie scannt.
  • Auf dem Mars und in mehreren anderen Kolonien der Erde kommt es zu teilweise gewaltsamen Unabhängigkeitsbewegungen.

Sonstige Fragen: Wieso war der Gedanke an Talia Winters so laut in Ivanovas Kopf, dass ihn Gray auch ohne sie richtig zu scannen sofort wahrnehmen konnte?

Weitere interessante Punkte:

  • Garibaldis Passwort lautet „Peekaboo“ 😀
  • Das Internet scheint sich in der Zukunft entweder deutlich zurück entwickelt haben oder Babylon 5 hat ganz einfach eine extrem langsame Verbindung. Garibaldi führt jedenfalls eine Recherche im „Interweb“ durch und erhält erst viele Stunden später vom Computer die Ergebnisse.
  • Zwei weitere Beispiele dafür, dass „Babylon 5“ Ereignisse aus vergangenen Episoden nicht vergisst, sondern fortlaufend erzählt: Die Minbari-Dichterin Shaal Mayan („The War Prayer“) stattet der Station erneut einen Besuch ab; man sieht sie zwar nicht, aber sie wird von Lennier zweimal erwähnt. Außerdem wird erneut auf Garibaldis Alkoholproblem angespielt, als er zu Ben Zayn sagt „I don’t drink“. Bisher wurde es vor allem in „Survivors“ thematisiert.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Das Motorrad taucht nur deswegen auf, weil Kawasaki sich bereit erklärt hatte, die Serie zu sponsorn. Drehbuchautor DiTillio beschloss daraufhin, aus dem Motorrad einen „richtigen“ Handlungsstrang zu machen, statt es nur einfach so auftauchen zu lassen.
  • Regisseur Jim Johnston wollte Jerry Doyle für die abschließende Szene auf dem Motorrad eigentlich ein Marlon Brando-Outfit mit Lederjacke verpassen. Die Einstellung, in der Garibaldi und Sinclair den Hauptkorridor von Babylon 5 entlang rasen, wurde im Computer erzeugt, weil die Versicherung es nicht erlaubte, dass die beiden Schauspieler tatsächlich auf einem Motorrad durch die teuren Sets rasten.
  • In einer Szene, wo Lennier (Bill Mumy) in Garibaldis Quartier am Motorrad bastelt, singt er eine Art Meditationsmantra vor sich hin. Dabei handelt es sich um „Zabagabee“, den Titel eines Albums von Mumys Band Barnes & Barnes.

Zitate:

„Enough people have played with my head already this year!“ (Sinclair – eine Anspielung u.a. auf „And The Sky Full of Stars“)

„I think this is the biggest pile of horse hockey I ever saw. Who the hell is running Earth Force, Abbott and Costello?“ (Garibaldi zu Ben Zayn)

Gray: „Lieutenant Commander, I’m aware of your hostility towards the PsiCorps and the reason for it. And I sympathize.“
Ivanova: „You do? How nice. I should send you a card on your birthday.“

„Mr. Gray, I’m grateful the PsiCorps has given you a purpose in life. But when that purpose includes scanning my mind to prove my loyalty, it’s not only an invasion of my privacy, but my honour. As for fear: If you enter my mind for any reason, I will twist your head off and use it for a chamber pot.“ (Ivanova zu Gray)

„If I kill him, I will start a war…“ (Garibaldi zu sich selbst, als er von Lennier genervt ist.)

Garibaldi: „They’ll charge you with insubordination.“
Ivanova: „And I’ll be replaced and dishonorably discharged. It’s a very Russian ending. I should have expected it.“

Ivanova (nachdem sie einen Großteil der Casinobesucher verprügelt hat): „Are you gonna arrest me, Garibaldi?“
Garibaldi: „No way. I wanna live to see my future.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.18 „A Voice in the Wilderness (Part 1)“
(Die Reihenfolge, in der man die Episoden idealerweise anschauen sollte, weicht hier von der Reihenfolge auf den DVDs ab. Ganz am Ende dieses Blogposts könnt ihr die Reihenfolge einsehen, in der ich die erste Staffel bespreche.)

Buffy the Vampire Slayer – Season 5 (& Angel – Season 2)

Dieser Blogpost enthält Spoiler zur 5. Staffel von „Buffy“ und zur 2. Staffel von „Angel“!

Nachdem ich bereits die Staffeln 1, 2, 3 und 4 von „Buffy the Vampire Slayer“ hier im Blog besprochen habe, ist nun die fünfte Staffel an der Reihe. Parallel zu dieser Staffel habe ich die zweite Staffel von „Angel“ angeschaut (dabei habe ich mich an die hier vorgeschlagene Reihenfolge gehalten, damit alle Crossover-Elemente zwischen den beiden Serien Sinn ergeben). Ich muss schon einmal vorwegnehmen, dass mich die fünfte Staffel von „Buffy“ stark enttäuscht hat. Auch bei „Angel“ habe ich mich überwiegend gelangweilt. Statt nun im Folgenden die beiden Serien Episode für Episode durchzugehen, greife ich mir jeweils einige Elemente heraus, die mir erwähnenswert scheinen.

Beginnen wir mal mit Dawn. Buffys kleine Schwester (Michelle Trachtenberg) ist in Staffel fünf der wichtigste Neuzugang im Cast von „Buffy“. Da ich davon bereits wusste, war ich zwar nicht überrascht als Dawn plötzlich auftauchte, allerdings war ich sehr gespannt, wie ihr Erscheinen erklärt werden würde.  Ich hatte erwartet, dass Dawn im typischen Soap-Modus als bislang unbekannte Halbschwester von Buffy oder dergleichen eingeführt wird, dass man sich also irgendeine banale Erklärung aus den Fingern saugt, um Dawns verspätetes Auftauchen in Buffys Leben und der Serie zu erklären. Eine solche Erklärung gibt es schließlich auch und sie ist eigentlich recht kreativ: Dawn ist der „Schlüssel“, den die böse Glory (zu ihr komme ich gleich) braucht, um…naja um ihren bösen Plan umzusetzen. Es wird also auch den Figuren in der Serie erklärt, dass und warum Dawn früher nicht da war. Das ist einerseits recht kreativ, führt aber nicht recht weit, da Glory und die übergreifende Staffelhandlung alles andere als einfallsreich sind. Ich hätte es wirklich gerne gesehen, wenn Dawns Erscheinen in der Serienwelt überhaupt nicht kommentiert oder erklärt worden wäre – das wäre doch mal ein mutiges erzählerisches Statement gewesen! Also Dawn einfach in die Serie hineinschreiben, ohne sich irgendeine Begründung für ihre Einführung abzuringen, ganz einfach weil sich dadurch eben neue Möglichkeiten und Dynamiken ergeben. Aber das hätte wohl zu viele Zuschauer verwirrt.

In den ersten Folgen war ich noch ein großer Fan von Dawn, doch meine Begeisterung hat sich schnell wieder gelegt, als die Staffelhandlung danach einfach nicht in die Gänge kam und weitere interessante Entwicklungen ausblieben. Glory (Clare Kramer), die als „big bad“ der Staffel herhalten muss, ist ein derartiger Griff ins Klo, dass ich den Eindruck habe, Joss Whedon habe keine Zeit gehabt, sich selbst um die Handlung dieser Staffel zu kümmern (abgesehen von den drei Folgen, die er selbst geschrieben und inszeniert hat). Glory ist eine Göttin, also zumindest theoretisch allmächtig, aber weil sie eine Menschengestalt angenommen hat, hat sie auf den Großteil ihrer Allmacht zurzeit sozusagen keinen Zugriff. Sie soll also bedrohlicher sein, als alle Gegner, mit denen Buffy es bisher aufnehmen musste – ist es aber dann doch nicht. Auch was sie mit ihrem großen Plan erreichen will, wird nie so ganz deutlich. Noch viel schlimmer ist, dass die Figur von einer wirklich unsympathischen und unbegabten Schauspielerin gespielt wird. Wäre ich nicht so ein Komplettheitsfanatiker, dann hätte ich die Szenen mit ihr wohl übersprungen.

Bevor ich mich weiter über Glory aufrege, springe ich also lieber gleich zur nächsten Figur: Spike (James Marsters). Besonders kreativ war seine in dieser Staffel aufflammende Obsession für Buffy zwar auch nicht, aber doch besser geschrieben und gespielt. Wie er am Ende der vierten Folge („Out of my Mind“) aus einem Traum hochschreckt, in dem er und Buffy sich leidenschaftlich küssen, das war einfach herrlich. In den kommenden Folgen verhält er sich dann wie ein verliebter Teenager, der seine Gefühle nur durch Beleidigungen ausdrücken kann. Ständig sucht er Buffys Nähe und immer wieder handelt er sich nichts als Ablehnung und Zurückweisung ein. Wenn Buffy ihm Worte wie „You’re beneath me“ (5.07) oder „You disgust me“ (5.12) an den Kopf wirft, kann er einem aber auch wirklich leid tun. Ihren Höhepunkt findet diese Dynamik in Episode 5.14 („Crush“), in der Spike Buffy seine Liebe beweisen will, indem er seine alte Flamme Drusilla tötet. Hier geht es nicht um den dämlichen Glory-Handlungsstrang, sondern um die Beziehungen von Charakteren, die wir nun schon seit mehreren Staffeln kennen und die uns etwas bedeuten. „Crush“ dürfte wohl eine der besten Folgen der ganzen Serie sein und hat unter anderem diesen herrlichen Dialog zu bieten:

Spike: „You can’t deny it. There’s something between us.“
Buffy: „Loathing. Disgust.“
Spike: „Heat. Desire.“

Aber Buffy (Sarah Michelle Gellar) muss sich in dieser Staffel nicht nur mit Spike herumschlagen, sie hat leider auch weit ernstere Probleme. Neben Glory ist da zunächst die Beziehung zu ihrem Mentor Giles (Anthony Stewart Head). Der fühlt sich zu Beginn der Staffel ziemlich überflüssig und will zurück nach England gehen, weil Buffy ihn seiner Meinung nicht mehr braucht. Doch sie schafft es, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Im Lauf der Staffel wird er wieder offiziell als ihr „Watcher“ eingesetzt und eröffnet ein Geschäft für aller magisches Zeug. Er hat also wieder eine Aufgabe und als später in der Staffel Buffys Mutter stirbt, wird er in seiner Rolle als Vaterfigur für Buffy noch wichtiger. Diesbezüglich war ich übrigens bereits gespoilert und nur darüber überrascht, dass sich das Ableben von Joyce so lange hingezogen hat (in der vierten Folge muss sie ins Krankenhaus, dann geht es ihr irgendwann wieder besser und am Ende von Episode 15 stirbt sie). Und so schlecht ich die Staffel insgesamt auch finde, muss ich doch zugeben, dass Episode 5.16 („The Body“, Drehbuch & Regie: Joss Whedon) nicht nur eine der besten Episoden der ganzen Serie ist, sondern eine Sternstunde des Fernsehens und ein absolutes Meisterwerk! Die Episode handelt von den Reaktionen der Hauptfiguren auf Joyces Tod und kommt – einmal mehr – ohne Glory und auch sonst fast ohne Dämonen und Übernatürliches aus. Nicht einmal Musik wird in der Folge verwendet, wenn ich mich richtig erinnere, und teilweise wird sogar ganz auf Ton verzichtet. Damit werden so einige Klischees umschifft und die Trauer der Figuren, die alle auf unterschiedliche Weise mit der schrecklichen Nachricht umgehen, für den Zuschauer noch unmittelbarer erlebbar gemacht.

Leider nimmt die Staffel erst nach Joyces Tod Fahrt auf, was den Kampf gegen Glory (der schließlich noch durch eine Gruppe von Rittern verkompliziert wird) aber auch nicht interessanter macht. Was war sonst noch los? Ach ja, Riley (Marc Blucas) wurde wieder aus der Serie herausgeschrieben, was kein allzu großer Verlust ist. Willow (Alyson Hannigan) übt sich anscheinend weiter fleißig in der Hexerei, bis ihre Freundin Tara (Amber Benson) am Ende der Staffel feststellen muss „It frightens me how powerful you’ve become“. Besonders viel hat man von dieser Veränderung Willows allerdings nicht mitbekommen. Und Xander (Nicholas Brendon)? Der outet sich in Episode 5.03 als „Babylon 5“-Fan, was vollkommen zu ihm passt. Später macht er seiner Freundin Anya (Emma Caulfield) einen Heiratsantrag. Buffy überlebt das Ende der Staffel übrigens nicht, aber da es noch zwei weitere Staffeln gibt, gehe ich mal davon aus, dass sie sehr bald wieder zum Leben erweckt wird.

Da es in der Überschrift steht, muss ich noch ein paar Worte zu „Angel“ verlieren. Das „Buffy“-Spin-off hat mich in seiner ersten Staffel nicht überzeugt und die zweite fand ich für eine ganze Weile sogar noch langweiliger. Der Handlungsstrang um Angels (David Boreanaz) wieder zum Leben erweckte frühere große Liebe Darla (Julie Benz) hat mich einfach gar nicht interessiert. Das ging mir alles viel zu lange hin und her und obendrein hatte es stets mit den schmierigen Anwälten von Wolfram & Hart zu tun, die ich ebenfalls nicht leiden kann (ganz besonders Christian Kane als Lindsey – noch so ein unsympathischer, unbegabter Schauspieler).

Erst als Darla und Lindsey (hoffentlich für immer!) endlich aus der Serie verschwinden, nimmt die Staffel fahrt auf. Zunächst kommt Spikes Ex-Freundin Harmony (Mercedes McNab) nach Los Angeles und wird von Cordelia (Charisma Carpenter) mit offenen Armen empfangen, weil sich nicht bis zu ihr herumgesprochen ist, dass Harmony inzwischen ein Vampir ist. Das führt zu ein paar sehr lustigen Szenen. Zwei Folgen später wird Cordelia in eine Paralleldimension versetzt, aus der sie Angel, Wesley, Gunn und der in dieser Staffel neu dazu gekommene Lorne (Andy Hallet) retten müssen. Auf diese Weise entspinnt sich eine sich über die letzten drei Folgen hinziehende Fantasygeschichte, die endlich einmal frischen Wind in die Serie bringt und richtig Spaß macht. Davon hätte ich in Zukunft gerne mehr und auch Lorne bleibt uns hoffentlich in der nächsten Staffel erhalten. Da ich die zweite Staffel aber abgesehen von diesen wenigen Episoden am Ende überwiegend ziemlich öde fand, bin ich leider noch kein Fan von „Angel“ geworden. Mal sehen, ob sich das mit der dritten Staffel ändern wird.

Meine Oscar-Tipps 2016

Update vom 29.02. ganz unten!

Heute Nacht werden in Hollywood zum 88. Mal die Academy Awards verliehen, besser bekannt als Oscars. Bei mir ist es schon seit vielen Jahren zur Tradition geworden, dass ich mir die Nacht um die Ohren schlage, um die Preisverleihung live im Fernsehen anschauen zu können. Ebenso ist es mittlerweile eine Tradition, dass ich hier im Blog vorher meine persönlichen Tipps abgebe. Wer wird die begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen dürfen? Gestützt auf eine umfassende Recherche wage ich hier meine Prognose. (Hier könnt ihr euch die Nominierungen anschauen.)

Bester Film
Acht Filme sind hier nominiert und keiner von ihnen ist ein glasklarer Favorit auf den Hauptpreis. Ein paar Tendenzen lassen sich aber natürlich dennoch erkennen. „Bridge of Spies“, „Brooklyn“ und „Room“ dürften ziemlich chancenlos sein. Ridley Scotts „The Martian“ war zwar bei Publikum und Kritikern ein Hit und dürfte auch in der Academy viele Fans haben, zum Oscar für den besten Film wird es aber vermutlich nicht reichen. Ähnlich verhält es sich bei „Mad Max: Fury Road“. Ich würde den Preis zwar am liebsten bei „Mad Max“ sehen, kann mir aber nicht vorstellen, dass die Academy hier einen Actionfilm auszeichnet.
„Spotlight“ wurde eine Weile als Favorit gehandelt, ebenso „The Big Short“. In den letzten Wochen sehen die meisten Experten jedoch „The Revenant“ vorne. Eigentlich wollte ich nicht auf „The Revenant“ tippen, weil „The Big Short“ sowohl bei den SAG-Awards als auch den Producers Guild Awards den Hauptpreis bekommen hat. Ich hatte hier ziemlich lange „The Big Short“ als Gewinner stehen, denn „The Revenant“ könnte ein Film sein, der die Academy aufgrund seiner Brutalität spaltet und so letztendlich nicht genug Stimmen sammeln kann, um auf Platz eins zu landen. Aber ich kam mir irgendwie blöd dabei vor, auf „The Big Short“ zu tippen. Also: „The Revenant“ (Arnon Milchan, Steve Golin, Alejandro G. Iñárritu, Mary Parent und Keith Redmon). (Wahrscheinlich gewinnt „Spotlight“ 😉 )
Gut möglich, dass ich diesen Blogpost vor der Oscar-Verleihung noch mal überarbeite und mich erneut umentscheide. Ich sollte einfach würfeln…

Bester Hauptdarsteller
Hier scheint das Rennen ziemlich klar zu sein: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Leonardo DiCaprio bei seiner sechsten Nominierung endlich ausgezeichnet werden wird. Auch Michael Fassbender hätte meiner Meinung nach endlich einen Oscar verdient (und seine Leistung in „Steve Jobs“ war auch preiswürdig), aber Leo ist hier der Favorit.

Beste Hauptdarstellerin
Auch hier sieht alles nach einem klaren Sieg aus. Genau wie DiCaprio wurde nämlich auch Brie Larson in dieser Preissaison bei den SAG-Awards, den Critics‘ Choice Awards und den BAFTAs ausgezeichnet. Für ihre Leistung in „Room“ hat sie Oscar auch vollkommen verdient. Cate Blanchett hat zudem schon zwei Oscars, Jennifer Lawrence hat auch schon einen und Charlotte Rampling hat sich leider mit ihrer missverständlichen Aussage zur #OscarsSoWhite-Debatte selbst aus dem Rennen geworfen.

Bester Nebendarsteller
Hier wird es wesentlich schwieriger als in den Hauptdarsteller-Kategorien. Mark Rylance wurde bei den BAFTAs ausgezeichnet, Sylvester Stallone bei den Critics‘ Choice Awards. Bei den SAG-Awards wiederum gewann der hier gar nicht nominierte Idris Elba für „Beasts of No Nation“. Wenn es nach mir ginge, würde der Oscar an Mark Ruffalo gehen, weil der in „Spotlight“ fantastisch war und eine Auszeichnung für ihn längst überfällig ist. Aber auch Mark Rylance hat mir in „Bridge of Spies“ sehr gut gefallen. Ich tippe dennoch auf Sylvester Stallone in „Creed“, bin mir aber hier alles andere als sicher.

Beste Nebendarstellerin
Nun wird es wieder einfacher. Alicia Vikander hat für ihre Rolle in „The Danish Girl“ sowohl bei den SAG-Awards also auch bei den Critics‘ Choice Awards gewonnen. Bei den BAFTAs wurde sie wohl nur deshalb nicht ausgezeichnet, weil sie dort nicht als Neben-, sondern als Hauptdarstellering nominiert war (und in diese Kategorie gehört ihre Rolle eigentlich auch). Ich bin zwar ein großer Fan von Rooney Mara („Carol“) und würde den Preis auch gerne bei Rachel McAdams („Spotlight“) sehen, aber ich tippe auf Alicia Vikander.

Beste Regie
Die größte Überraschung der diesjährigen Nominierungen war die Nichtbeachtung von Ridley Scott. Für „The Martian“ hatten ihm viele Kritiker sogar zugetraut, endlich den lange verdienten Oscar für die beste Regie zu bekommen, doch Scott wurde nicht einmal nominiert. Stattdessen findet sich Lenny Abrahamson („Room“) unter den fünf nominierten Regisseuren. Meiner Meinung nach hätte George Miller den Oscar für „Mad Max“ absolut verdient; die US-Filmkritiker sahen das genauso, denn
Miller wurde bei den Critics‘ Choice Awards ausgezeichnet. Bei den BAFTAs und bei der Preisverleihung des US-Regisseursgilde machte jedoch Alejandro G. Iñárritu das Rennen. Also tippe ich mal auf Iñárritu. Gegen ihn spricht höchstens, dass er bereits letztes Jahr gewonnen hat, was einige Mitglieder der Academy dazu bewegen könnte, eben nicht für ihn zu stimmen. Hm, schwierig, aber ich muss mich nun mal entscheiden.

Bester Animationsfilm
Nachdem Pixar mit „Inside Out“ („Alles steht Kopf“) zu alter Form aufgelaufen ist („Arlo & Spot“ wurde zurecht nicht nominiert), wird das Studio seiner beachtlichen Sammlung wohl einen weiteren Oscar hinzufügen können. Mir wäre es zwar lieber, wenn „Der Junge und die Welt“ den Preis erhielte, denn das würde diesen wirklich wunderbaren Animationsfilm mit einem Schlag mehr Bekanntheit verleihen, aber so wird es wohl leider nicht kommen. Also: „Inside Out“ (Pete Docter und Jonas Rivera)

Meine Tipps in den übrigen Kategorien:

Bester fremdsprachiger Film: „Son of Saul“ (László Nemes)
Bestes adaptiertes Drehbuch: Charles Randolph und Adam McKay für „The Big Short“
Bestes Originaldrehbuch: „Spotlight“ (Tom McCarthy und Josh Singer).
Beste Ausstattung (Production Design): „Mad Max: Fury Road“ (Colin Gibson und Lisa Thompson)
Beste Kamera (Cinematography): Emmanuel Lubezki für „The Revenant“ – Es wäre für Lubezki nach „Gravity“ und „Birdman“ die dritte Auszeichnung in Folge!
Bester Ton (Sound Mixing): „Mad Max: Fury Road“ (Chris Jenkins, Gregg Rudloff und Ben Osmo)

Bester Tonschnitt (Sound Editing): „The Revenant“ (Martin Hernández und Lon Bender) – Es ist vielleicht nicht klug, die beiden Tonkategorien auf zwei Filme zu verteilen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass „The Revenant“ in mindestens einer dieser Kategorien gewinnen wird. Pech für mich wäre es nur, wenn die Verteilung genau anders herum ausfällt und ich damit in keiner der beiden Kategorien richtig liege.
Beste Musik: So sehr ich es John Williams auch wünschen würde, bei seiner 50. (!) Nominierung ausgezeichnet zu werden – und das auch noch für einen „Star Wars“-Film – es wird wohl auf einen anderen Altmeister hinauslaufen: Ennio Morricone für „The Hateful Eight“.
Bestes Lied: Ich würde den Oscar Sam Smith und Jimmy Napes für „Writing’s On The Wall“ geben, der inzwischen mein Lieblings-Bond-Song ist. Aber Lady Gaga rührt für ihren Song zur Dokumentation „The Hunting Ground“ seit Wochen die Werbetrommel und außerdem würde ich mich auch freuen, wenn Diane Warren endlich einen Oscar bekommt. Ich tippe also auf den Song „Til It Happens to You“ aus „The Hunting Ground“ (Lady Gaga und Diane Warren). („The Hunting Ground“ ist übrigens sehr sehenswert und bei Netflix verfügbar.)
Beste Kostüme: „Mad Max: Fury Road“ (Jenny Beavan)
Beste Dokumentation: Asif Kapadia und James Gay-Rees für „Amy“
Beste Kurzdokumentation: „Body Team 12“
(David Darg und Bryn Mooser) – Hier habe ich natürlich keine Ahnung; viele Experten setzen auch auf „Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah“.

Bester Schnitt: „Mad Max: Fury Road“ (Margaret Sixel)
Beste Maske (Makeup & Hairstyling): „Mad Max: Fury Road“ (Lesley Vanderwalt, Elka Wardega und Damian Martin)
Bester animierter Kurzfilm: Viele Experten setzen hier auf „Bear Story“. Aber da „Sanjay’s Super Team“ ein Pixar-Film ist, tippe ich auf ihn (Nicole Paradis Grindle und Sanjay Patel). Auf den setzen auch noch mehr Experten. 😉
Bester Kurzfilm: Auch hier gilt: Ich habe keine Ahnung. Nehmen wir also „Ave Maria“ (Eric Dupont und Basil Khalil).
Beste visuelle Effekte: Ich kann nicht anders, ich muss einfach in wenigstens einer Kategorie auf „Star Wars“ tippen. Und da das hier die Kategorie zu sein scheint, in der „Das Erwachen der Macht“ die besten Chancen hat, tippe ich also auf „Star Wars: The Force Awakens“ (Chris Corbould, Roger Guyett, Paul Kavanagh und Neal Scanlan), auch wenn die Chancen für „Mad Max“ vielleicht sogar noch besser sind.


Meiner Prognose zufolge würden also sowohl „The Revenant“ als auch „Mad Max“ jeweils fünf Oscars bekommen.


 

Update am 29.02.2016:

So, nachdem ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen und anschließend den ganzen Vormittag geschlafen habe, bin ich nun wieder ausgeruht. Insgesamt habe ich dieses Jahr in 16 von 24 Kategorien richtig getippt und damit die gleiche Trefferquote erzielt wie 2015 (hier könnt ihr die Gewinner nachlesen). Hätte ich mich mal nicht dazu verleiten lassen, auf „The Revenant“ und auf Sylvester Stallone zu setzen! „Star Wars“ hat leider gar keinen Oscar bekommen; aber wenn ich bei den Effekten nicht auf „Star Wars“ getippt hätte, wäre ich trotzdem falsch gelegen (ich hätte dann nämlich auf „Mad Max“ gesetzt, gewonnen hat aber „Ex Machina“).
„Mad Max: Fury Road“ hat mit sechs Oscars die meisten Preise abgeräumt, „The Revenant“ folgt mit drei (DiCaprio/Hauptrolle, Iñárritu/Regie, Lubezki/Kamera). Bester Film ist „Spotlight“, der daneben nur noch den Preis für das beste Originaldrehbuch gewinnen konnte. Neben „Star Wars“ gingen auch „Der Marsianer“, „Carol“ und „Brooklyn“ leer aus.


Die Oscar-Show war ganz nett und Chris Rocks Moderation sicher besser als die öde Show, die Neil Patrick Harris im letzten Jahr abgeliefert hat. Dass die #OscarsSoWhite-Debatte eine Rolle spielen würde, war zu erwarten gewesen. Dass sie aber fast die ganze Show durchzogen hat, dürfte manche Zuschauer etwas genervt haben. Trotzdem finde ich es richtig. Und es war ja nicht die einzige politische Botschaft, die eine große Rolle spielte. In den Reden mehrerer Presenter und Gewinner fanden sich Seitenhiebe gegen Donald Trump, ein paar Mal wurde  offen davor gewarnt, ihn zu wählen (allerdings ohne dass sein Name auch nur einmal genannt wurde). Leonardo DiCaprio richtete den eindringlichen Appel an die Zuschauer, sich durch ihr Handeln aktiv für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen.
Doch in ihrer emotionalen Wirkung verblassten all diese Appelle und Warnungen geradezu gegenüber dem Auftritt von Lady Gaga, die „Til It Happens to You“ sang und dabei anfangs sichtbar gegen die Tränen kämpfte. Schnell verwandelte sie diese Schwäche aber in eine unglaubliche Stärke und als dann zum Ende des Liedes hin eine Gruppe von weiteren Opfern sexuellen Missbrauchs auf die Bühne kam, auf deren Unterarme positive Ausdrücke wie „survivor“ oder „not your fault“ geschrieben standen, trieb das auch einigen der anwesenden Filmstars die Tränen in die Augen. Von der emotionalen Wucht und politischen Bedeutung her erinnerte das an die Performance des Songs aus „Selma“ im letzten Jahr, allerdings mit dem Unterschied, dass „Til It Happens to You“ anschließend nicht als bester Song ausgezeichnet wurde. Dieser Preis ging an den Bond-Song „Writing’s on the Wall“, aber auch ohne Auszeichnung hat Lady Gaga in dieser Show einen starken und bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

„Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ & „Scream“

Nachdem ich vor kurzem Staffel 5 von „Buffy“ und Staffel 2 von „Angel“ fertig angeschaut hatte (ein Blogpost dazu folgt), brauchte ich neuen Serienstoff. Nach etwas Wühlen in den noch nicht angeschauten DVDs und Blu-rays, die sich im Schrank unter meinem Fernseher stapelten, fand ich die erste Staffel von „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ wieder, die ich vor ein paar Monaten gekauft hatte. Damals hatte ich mehrere „Terminator“-Filme angeschaut und Lust auf die Serie bekommen – die hatte ich inzwischen zwar nicht mehr wirklich, aber nachdem die Blu-rays schon mal da waren, fing ich an, die Staffel anzuschauen.

Terminator: The Sarah Connor Chronicles – Season 1

Die „Terminator“-Serie spielt nach den Ereignissen von „Terminator 2“ und ignoriert die Handlung aller nachfolgenden Filme vollständig. Sie beginnt im Jahr 1999, als John Connor (Thomas Dekker) 15 Jahre alt ist. Die höchste Priorität seiner Mutter Sarah (Lena Headey, bekannt als Cersei Lannister aus „Game of Thrones“) ist es immer noch, das Leben ihres Sohnes zu schützen, der in der Zukunft zum Anführer des menschlichen Widerstands gegen die Herrschaft der Maschinen werden wird. Unterstützung erhält sie dabei von einem umprogrammierten Terminator (Summer Clau), der das Aussehen eines weiblichen Teenagers hat und sich so als Johns Schwester Cameron ausgeben kann. Am Ende der Pilotfolge reisen die drei ins Jahr 2007, also in das Jahr, in dem die Serie produziert wurde. Damit muss schon mal kein Geld mehr dafür ausgegeben werden, die Serie nach 1999 aussehen zu lassen.

Die Serie hat es nur auf zwei Staffeln gebracht und die erste davon hat auch nur neun Folgen. Trotzdem habe ich nach sechs Episoden aufgehört, weil ich so gelangweilt war. Im Grunde ist die „Terminator“-Serie eine Sparversion der Filme. Auch hier versucht man sich immer wieder an der Brachial-Action, die man aus den Filmen kennt, doch aufgrund des TV-Budgets sieht das nie besonders beeindruckend aus. Dieses Manko hättem man wettmachen können, wenn man bei den Drehbüchern etwas kreativer gewesen wäre. Aber leider scheinen die „Sarah Connor Chronicles“ immer nur das aus den Filmen bekannte Handlungsmuster nachzuahmen (mit dem ja auch die neueren Filmen nicht mehr überzeugen konnten): Immer wieder müssen sich Sarah, John und Cameron gegen einen neuen, aus der Zukunft geschickten Terminator zur Wehr setzen – und immer wieder besiegen sie den jeweiligen Terminator irgendwie. Da fragt man sich irgendwann schon, wie die Maschinen eigentlich die Herrschaft über die Menschheit aufrechterhalten können, wenn die Terminator-Modelle alle so ineffektiv sind.

Mit diesem sich wiederholenden Muster führt einem die Serie auf primitive Weise die Grundstruktur einer jeden TV-Serie vor Augen: Es muss immer weiter gehen, also müssen die Figuren auf immer neue Probleme treffen. Aber doch nicht immer auf die gleichen! Sarah fasst das Prinzip der Serie jedenfalls schon in der ersten Folge treffend mit „No one is ever safe“ zusammen. Auch die Tatsache, dass nach den Ereignissen der beiden Filme der Judgement Day und die Herrschaft der Maschinen doch hätte verhindert sein müssen, wird angesprochen. „You changed the future, you just didn’t change it enough“, belehrt John nämlich seine Mutter. Da kommt man sich als Zuschauer schon etwas für dumm verkauft vor. Gleichzeitig ist das „Terminator“-Universum damit ein äußerst pessimistisches; denn wenn der Judgement Day auf jeden Fall früher oder später eintritt, ganz egal was Sarah und John unternehmen, lohnt es sich dann überhaupt noch, gegen die Maschinen zu kämpfen? Oder dürfen John und Sarah gerade deswegen nicht aufgeben?

Wie auch immer, „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ macht nicht nur nichts anders oder gar besser als die letzten „Terminator“-Filme, sondern auch noch den Fehler, die sich längst totgelaufene immer gleiche Grundhandlung der Filme auch hier immer wieder gleich zu erzählen. Der größte Lichtblick der Serie ist dabei noch Lena Headey, die eine wesentlich überzeugendere Sarah Connor abgibt als ihre „Game of Thrones“-Kollegin Emilia Clarke in „Terminator: Genisys“. Mag sein, dass die Serie in der zweiten Staffel besser wird, mich hatte sie nach sechs Episoden allerdings immer noch nicht richtig gepackt. Erneut auf der Suche nach gutem Serienstoff, habe ich mich auf Netflix nach einer nicht allzu anspruchsvollen Serie für zwischendurch umgeschaut und bin mit „Scream“ fündig geworden.

Scream – Season 1

„Scream“ ist eine MTV-Produktion, die man in Deutschland bei Netflix gucken kann. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Film-Franchise von Regisseur Wes Craven und Autor Kevin Williamson, das vier Filme (1996-2011) hervorgebracht hat. (Craven und Willamson sind an der Serie nicht beteiligt und Wes Craven ist leider 2015 verstorben.) Genau wie „The Sarah Connor Chronicles“ erzählt die „Scream“-Serie im Großen und Ganzen dasselbe wie die als Vorbild dienenden Filme. In Fall von „Scream“ ist das allerdings weniger schlimm und auch deutlich unterhaltsamer.

Ich spare mir mal eine genaue Zusammenfassung der Handlung. Natürlich spielt „Scream“ in einer amerikanischen Kleinstadt, natürlich steht im Mittelpunkt der Handlung eine Gruppe von Teenagern und natürlich wird die Stadt von einem Serienmörder heimgesucht. Dessen Morde stehen in Verbindung zu einer weiteren, bereits über 20 Jahre alten Mordserie. Leider sind damit aber nicht die Morde aus den ersten „Scream“-Filmen gemeint, denn die Serie baut nicht auf ihnen auf und führt völlig neue Figuren ein. Vor allem zu Beginn der zehn Folgen umfassenden Staffel erinnert die Serie immer wieder an aktuelle Teenie-Schocker wie „Unknown User“, die moderne Kommunikationsmedien und Mordserien verbinden. YouTube, Smartphones und Social Networks spielen dementsprechend eine große Rolle und statt einer Fernsehreporterin – wie in den Filmen – ist eine der Figuren nun eine Crime-Podcasterin. (Ganz ähnlich hat man in „Hannibal“ ja aus dem Zeitungsreporter des Romans für die Serie eine Bloggerin gemacht.)

Einige der Figuren mochte ich, andere wiederum waren mir unsympathisch und die eine oder andere weibliche Figure mochte ich nur deswegen, weil sie – wie fast alle Charaktere – wahnsinnig jung und gutaussehend ist. Letzteres ist bei einer Serie, die mit den Regeln des Slasher-Films spielen will, ja erlaubt. Eine moderne, feministische Serie ist „Scream“ allerdings noch lange nicht; auch wenn sei genau wie die Filme versucht, mit den Regeln des Genres zu spielen und immer wieder ganz schön meta sein will, ist „Scream“ im Grunde doch nur ein auf etwa 420 Minuten ausgedehnter Slasher-Film, bei dem sich hübsche, junge Menschen manchmal wahnsinnig dumm verhalten und so dem Mörder in die Falle gehen – allerdings nicht nur die weiblichen Figuren.

Das mit der Meta-Ebene, durch die sich die Filme auszeichneten, klappt in der Serie also nicht immer. In der ersten Folge unterhalten sich die Teenager mit ihrem Lehrer zwar noch darüber, ob ein Slasher-Film überhaupt als Serie funktionieren kann. Die späteren Episoden verlieren derartige Fragen jedoch etwas aus dem Blick, auch wenn immer noch eine Menge popkultureller Anspielungen vorkommen. Kann also ein Film wie „Scream“ auch als Serie funktionieren? Die Antwort lautet: ja, aber die Serie bleibt dabei doch eher in den Regeln des Genres gefangen. Es gelingt ihr kaum, sie zu unterlaufen wie das noch vor allem die ersten beiden Filme mehrmals taten.

Weil hier wie gesagt die Hauptfiguren im Teenager-Alter sind und Twitter, WhatsApp und dergleichen für sie so selbstverständlich ist wie Atmen, kam ich mir beim Anschauen der Serie schnell ganz schön alt vor. Dass selbst der Lehrer gerade mal fünf Minuten älter aussieht als seine Schüler, machte es nicht besser. Die einzige Möglichlichkeit, um sich wieder jung, relevant und auf der Höhe der Zeit zu fühlen, scheint der Serie zufolge im Konsum zu liegen. Denn dazu habe ich mich beim Anschauen immer wieder aufgefordert gefühlt, wenn die Figuren Bemerkungen darüber fallen lassen, dass iPods doch schon längst überholt sind und Facebook nur noch etwas für Leute von gestern ist. Wie hat es Alan Grant in „Jurassic Park“ – einem uralten Film von 1993 – doch formuliert: „Die Welt ändert sich so schnell, dass wir laufen müssen, um nicht zurück zu bleiben.“ „Scream“ hat mir die Wahrheit, die in diesem Satz steckt, wieder einmal vor Augen geführt.

Für Schauspieler stelle ich mir die Arbeit an einer solchen Serie als nicht besonders herausfordernd dar. Weil die Handlung nach jedem neuen Schrecken und jedem neuen Mord stets schnell weitergehen muss, dürfen die Figuren gar nicht realistisch trauern. Da erfährt zum Beispiel eine Person vom Tod eines Familienmitglieds, hält daraufhin aber nur kurz inne, um dann ganz normal weiterzumachen. Die Handlung muss schließlich weitergehen und schielt immer schon auf den nächsten Mord, statt sich ernsthaft mit den Konsequenzen der vergangenen Morde für die Überlebenden zu beschäftigen. Aber das habe ich natürlich von einer Teenie-Slasher-Serie auch nicht wirklich erwartet.

Die Geschichte verläuft also in etwa so, wie man das erwartet. Ich hatte zwar bis zum Schluss keine Ahnung, welche der Figuren der Mörder ist (das Rätselraten darum gehörte ja schon immer zur „Scream“-Reihe), aber ich bin bei solchen Vorhersagen generell wahnsinnig schlecht. Die letzten Folgen haben mich erfolgreich auf mehrere falsche Fährten geführt, wodurch es auch zum Schluss noch spannend blieb. Bahnbrechende Unterhaltung ist „Scream“ also sicher nicht, aber doch gut gemacht und mit kaum Längen. In die zweite Staffel werde ich sicher auch mal reinschauen.

Die Neuauflage von Michael Jacksons „Off The Wall“

Off The Wall - CoverMichael Jacksons Album „Off The Wall“ feiert dieses Jahr zwar kein rundes Jubiläum (es wurde 1979 veröffentlicht), Sony Music und der Michael Jackson Estate bringen die Platte aber trotzdem in einer Neuauflage heraus. Am 26.02. erscheint „Off The Wall“ als CD/DVD- bzw. CD/Blu-ray-Package. Nebem dem Originalalbum ist ein neuer Dokumentarfilm von Spike Lee enthalten, der die Entstehung und den Einfluss des wegweisenden Albums in den Blick nimmt.

„Michael Jackson’s Journey from Motown to Off The Wall“ – so der Titel des Films – folgt demselben Schema wie schon Lees erste Jackson-Dokumentation „Bad 25“. Anhand von Archivmaterial, Ausschnitten aus Musikvideos und Auftritten sowie neuen Interviews zeichnet Lee die Entstehung des Albums nach. Der Film beginnt mit Aufnahmen verschiedener Auftritte der Jackson 5 und schildert die Trennung der Gruppe von Motown Mitte der Siebziger Jahre, nach der die Jacksons (die den Namen Jackson 5 fortan nicht mehr verwenden durften) bei Epic Records unterkamen. Dort sollte Michael Jackson schließlich mit „Off The Wall“ das erste Soloalbum veröffentlichen, auf dessen Entstehung er maßgeblichen Einfluss hatte. Als er für die Dreharbeiten zum Musicalfilm „The Wiz“ für einige Zeit nach New York ging, lernte Jackson den Musiker, Komponisten und Musikproduzenten Quincy Jones kennen, den er schließlich als Produzent für sein Album verpflichtete.

Jackson-Fans und all diejenigen, die schon einmal eine Michael Jackson-Biografie gelesen haben, kennen diese Geschichte natürlich bereits. Der Film liefert keine neuen Einsichten und bringt fast keine bisher unbekannten Fakten zutage; das war aber wohl auch nicht die Absicht von Spike Lee. Stattdessen möchte er einfach einen Meilenstein in Jacksons Karriere feiern und den großen Einfluss des Albums auf die moderne Popmusik würdigen. Leider verheddert sich Lee dabei jedoch in zu vielen Beiträgen zu vieler Interviewpartner. Dass Familienmitglieder und Weggefährten des späteren King of Pop befragt werden, ist ja durchaus nachvollziebbar und sinnvoll. Der Informationsgehalt der Beiträge von Künstlern wie The Weeknd oder ?uestlove (das sind beides keine Schreibfehler!), die nie mit Jackson zusammengearbeitet haben, hält sich jedoch in Grenzen. Sie können halt nicht viel mehr erzählen, als dass sie Michael Jackson super und das Album wahnsinnig toll finden. Das ist zwar schön und  freut den Jackson-Fan, der Erkenntnisgewinn hält sich dabei allerdings doch stark in Grenzen.

Erhellender sind natürlich die Beiträge von Quincy Jones, mit dem aber für den Film leider kein neues Interview geführt worden ist. Spike Lee musste also auf Archivmaterial zurückgreifen. Auch die Szene, in der Stevie Wonder davon berichtet, wie es dazu kam, dass der von ihm geschriebene Song „I Can’t Help It“ auf dem Album landete, ist interessant. Leider hat man es offenbar nicht geschafft, für den Film auch Paul McCartney vor die Kamera zu kriegen, der mit „Girlfriend“ ebenfalls einen der zehn Titel auf „Off The Wall“ geschrieben hat. Erfreulich wiederum war es, den Jackson-Experten Joseph Vogel zu sehen und zu hören; der hat zwar Michael Jackson nie persönlich kennen gelernt, sich aber intensiv mit dessen Werk auseinander gesetzt und kann etwa die Bedeutung eines Songs oder Albums für Jacksons Karriere klar auf den Punkt bringen. Ausschnitte aus Interviews mit Michael Jackson selbst dürfen natürlich auch nicht fehlen, allerdings verwendet Lee im Film keinerlei Aufnahmen von ihm, die nach der „Off The Wall“-Äre entstanden sind. Das ist insofern schade, als es durchaus auch spätere interessante Interviews mit Michael Jackson gibt sowie Live-Performances einiger Songs aus dem Album von späteren Konzert-Tourneen.

Gerade die Konzertausschnitte sind es natürlich auch, die im Film am meisten begeirstern können. Wie Michael Jackson da um 1980 herum – damals noch mit seinen Brüdern – auf der Bühne alles gibt, das ist immer wieder sehens- und hörenswert. Mir wäre eine Blu-ray-Veröffentlichung eines kompletten Konzerts der Triumph-Tour viel lieber gewesen als ein Dokumentarfilm, bei dem man immer nur kurze Ausschnitte aus diversen Auftritten zu sehen bekommt.

Michael JacksonIn der zweiten Hälfte des Films arbeitet Lee das Album Song für Song ab. Leider wird dabei der Eindruck erweckt, als seien ihm manche Lieder wesentlich wichtiger als andere. „Girlfriend“ beispielsweise wird kaum eine Minute gewidmet (wohl auch, weil man Paul McCartney nicht als Interviewpartner gewinnen konnte/wollte – ich hoffe, das wird bei einer möglichen „Thriller“-Doku anders sein). Bei der Besprechung der drei von Rod Temperton geschriebenen Stücke fällt dann negativ auf, dass Temperton im Film leider gar nicht zu Wort kommt. Natürlich gibt es nur zu fünf der zehn Lieder Musikvideos und/oder Konzertauftritte zu zeigen, trotzdem hätte ich mir auch zu den anderen Songs ein wenig mehr Analyse und Hintergrund gewünscht.

Meine Lieblingsstelle im Film ist die, wo es um Jacksons Zeit in New York geht. Als er für die Dreharbeiten zu „The Wiz“ mit seiner Schwester LaToya dort wohnte, war Jackson ein regelmäßiger Besucher des legendären Studio 54. In einer Szene des Films wird der 19-jährige Jackson von einer Reporterin gefragt, ob es dort nicht auch mal ziemlich verrückt und wild zugehe. Er verneint, nur um dann nachzuschieben, dass er gerne die Besucher im Studio 54 beobachte, weil man da alles mögliche zu sehen bekomme: „Neulich war zum Beispiel Darth Vader da.“
Michael Jacksons kurze New York-Phase finde ich überhaupt sehr interessant. Diese Zeit muss ihn sehr geprägt haben. Rückblickend ist es kaum vorstellbar, dass es tatsächlich ein paar wenige Jahre gab, in denen der erwachsene Michael Jackson noch in Diskotheken gehen und dort Spaß haben konnte.

„Michael Jackson’s Journey from Motown to Off The Wall“ ist also genau der Film geworden, den man nach „Bad 25“ von Spike Lee erwarten konnte. Viele Jackson-Fans und all diejenigen, die erst wenig über Michael Jackson wissen, werden daran sicher ihre Freude haben. Wer sich aber für eine detallierte Schilderung der Entstehungsgeschichte des Albums oder für Analysen der Lieder interessiert, der muss auf andere Quellen zurück greifen (wie z.B. Joseph Vogels hervorragendes Buch). Spike Lee hat übrigens sein Interesse daran bekundet, nach „Bad“ und „Off The Wall“ auch noch „Thriller“ einen Film zu widmen und so die Trilogie an Dokumentationen zu den drei Alben, die Michael Jackson mit Quincy Jones aufgenommen hat, zu komplettieren. Das kann ich zwar nur begrüßen, würde mir aber sehr wünschen, wenn man es nicht bei diesen drei Alben beließe. „Dangerous“, „HIStory“ und „Invincible“ haben meiner Meinung nach ebenso sehr Dokumentarfilme verdient wie Jacksons frühere Alben (und zudem wurde zu ihnen noch längst nicht so viel gesagt).

OTW kleinWie erwähnt gibt es den Film nur zusammen mit dem Album zu kaufen. Das ist zwar für all diejenigen von Vorteil, die das Album noch nicht besitzen; alle anderen werden damit aber leider ein weiteres Mal zum Kauf des Albums gezwungen, auch wenn sie nur den Film haben möchten. Abgesehen von der beigelegten DVD bzw- Blu-ray und einer neuen Verpackung ist an dieser Version von „Off The Wall“ übrigens nichts neu! Es ist wirklich schade, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, eine mit Bonustracks ausgestattete Version herauszubringen, für die man als Fan gerne auch dann Geld ausgegeben hätte, wenn man das Album schon fünfmal im Schrank stehen hat. Bei „Bad 25“ hat das 2012 im Großen und Ganzen doch auch geklappt, warum dann nicht auch bei „Off The Wall“? Als Bonusmaterial hätte man unter anderem die bereits veröffentlichten Demoversionen einiger Songs, ein paar Live-Aufnahmen sowie den einen odere anderen Song aus den „Off The Wall“-Sessions verwenden können, der es nicht aufs Album geschafft hat (wie z.B. „Sunset Driver“, aber vielleicht gibt es auch noch ein paar bisher gänzlich unveröffentlichte Titel).

Eine Bonus-CD gibt es also bei dieser Neuauflage des Albums leider nicht, dafür aber etwas anderes: Kreide. Ja, richtig gelesen. Irgendjemand bei Sony Music muss sich gedacht haben, es sei doch eine ganz tolle Idee, dem Album ein Stück weiße Kreide beizulegen, schließlich scheint der Titelschriftzug auf dem Cover auch wie mit Kreide auf eine Mauer geschrieben. Mit der Kreide kann man die Innenseite des aufklappbaren CD-Pappschubers bemalen, die ebenfalls im Mauer-Design gehalten ist. Verbunden wurde das Ganze mit der Aufforderung an die Fans, die so entstandenen Kreationen zu fotografieren und im Internet zu posten. Das habe ich auch gleich getan und eben meine Forderung nach „Bonustracks statt Kreide“ auf diese Weise festgehalten:

Copyright Bilder: Sony Music

Hannibal – Die dritte Staffel

Achtung! Dieser Text enthält Spoiler zur dritten Staffel von „Hannibal“!

„Hannibal“ ist eine Serie voller Gegensätze. Jede Episode ist voller grausamer Bilder, die aber doch so kunstvoll und ästhetisch in Szene gesetzt sind, dass man nicht wegschauen kann. Die Serie hat zahlreiche Fans auf der ganzen Welt („Fannibals“), wurde aber nach der dritten Staffel wegen schlechter Quoten abgesetzt. In den Haupt- und Nebenrollen sind namhafte Stars aus Film und Fernsehen zu sehen, deren Schauspiel hier aber oft so entrückt und fremdartig wirkt, dass es mit ihren anderen Arbeiten kaum zu vergleichen ist.

Hannibal - Blu-raySchon von den ersten Episoden an war ich ein Fan von „Hannibal“. (Die erste Staffel habe ich im Blog besprochen, bei der zweiten habe ich es leider versäumt.) Ich habe die Romane von Thomas Harris gelesen und alle früheren Verfilmungen des Stoffes gesehen. Ridley Scotts „Hannibal“ hatte es mir für eine Weile besonders angetan. Als ich von Bryan Fullers Plan erfuhr, in der Serie nacheinander die drei Romane „Roter Drache“, „Das Schweigen der Lämmer“ und „Hannibal“ fürs Fernsehen zu adaptieren, war ich begeistert. Und wer hätte sich vor ein paar Jahren vorstellen können, dass Mads Mikkelsen sich die Rolle des Hannibal Lecter so sehr zu eigen machen würde – eine Rolle, die zuvor untrennbar mit der Darstellung durch Sir Anthony Hopkins verbunden schien.

Dr Hannibal LecterBasierend auf Figuren aus „Roter Drache“ – allen voran Will Graham (Hugh Dancy), Dr. Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) und Jack Crawford (Laurence Fishburne) – erzählten die ersten beiden Staffeln der Serie weitgehend neue Geschichten. Erst in der dritten Staffel beginnen Fuller und die anderen Drehbuchautoren nun konkret damit, Handlungsstränge aus den Romanen zu adaptieren. In der ersten Hälfte der Staffel hält man sich dabei an den Roman „Hannibal“, während die zweite Hälfte sich an „Roter Drache“ orientiert. Dass die beiden Bücher eigentlich in umgekehrter Reihenfolge spielen (und mit einem Abstand von mehreren Jahrzehnten) spielt dabei keine Rolle. Denn die Serie war von Beginn an keine strenge Adaption der Romane – was sowieso langweilig gewesen wäre – sondern eher so eine Art Remix der aus den Büchern und bisherigen Verfilmungen bekannten Figuren und Handlungselemente. (Übrigens haben die Serienmacher sich zwar die Rechte an den Romanen „Roter Drache“, „Hannibal“ und der Lecter-Vorgeschichte „Hannibal Rising“ sichern können, jedoch noch nicht an „Das Schweigen der Lämmer“. Dies ist der Grund dafür, warum in der Serie bisher keine Figuren und Elemente aus diesem Buch aufgetaucht sind, u.a. natürlich auch nicht Clarice Starling.)

Jack CrawfordFans des Hannibal Lecter-Universums bekommen mit „Hannibal“ sowohl viele altbekannte Elemente vorgesetzt, die man bei einer Adaption des Stoffes erwartet, als auch Neues und Überraschendes. Ein Beispiel ist die Balkon-Szene in Florenz, die man aus dem Roman „Hannibal“ und dessen Verfilmung kennt und die eine meiner Lieblingsszenen des Films ist. Sie läuft in der Serie zunächst genau so ab, wie man es voller Spannung und Vorfreude erwartet: Hannibal Lector karrt den gefesselten Inspektor Pazzi (Fortunato Cerlino) auf einen Balkon des Palazzo Vecchio, um ihm dort den Bauch aufzuschlitzen. Genau wie im Roman erhält Pazzi einen Anruf und genau wie man es erwartet, geht Lecter ans Telefon. Hier ist es aber (aus den erwähnten Gründen) nicht Clarice Starling, die anruft um Pazzi vor Lecter zu warnen, sondern die FBI-Psychologin und ehemalige Lecter-Geliebte Alana Bloom (Caroline Dhavernas). Und als Lecter Pazzi schließlich vom Balkon stürzt und dort baumeln lässt, wird die Szene durch die Ankunft von Jack Crawford erweitert, der Lecter sodann in einem Kampf auf Leben und Tod verwundet. Aber Lecter entkommt.

Als Lecter in der nächsten Folge Will Graham und Crawford in seine Gewalt bringen kann, bringt uns das zu einer Abwandlung der berühmten „Gehirnszene“ aus „Hannibal“. Hier ist es nun Will, dessen Schädel Lecter aufschneiden will. Leider kommt es nicht dazu – dafür habe ich mich hier aber bei meinem eigenen Voyeurismus ertappt, weil ich richtig enttäuscht war, dass nun doch kein Schädel aufgeschnitten und kein Gehirn verfüttert wurde. Immerhin waren die Blutspritzer, als Lecter seine Säge an Wills Kopf ansetzte, sehr schön – selten zuvor sahen Gewalt und Tod so kunstvoll und ästhetisch aus wie in „Hannibal“.

Hannibal Lecter & Bedelia Du MaurierLeichte Unterhaltung ist „Hannibal“ sicher nicht, und das nicht nur wegen des hohen Gewaltanteils. Die Serie macht es ihren Zuschauern auch nicht leicht. Die Handlung wird zu einem großen Teil über Bilder vermittelt und nicht immer chronologisch erzählt. Zeitsprünge sind ebenso an der Tagesordnung wie minutenlange Szenen gänzlich ohne Dialoge, untermalt nur von der eigenwilligen, aber äußerst passenden und effektiven Musik von Brian Reitzell. Es ist schon eine Weile her, dass ich die zweite Staffel angeschaut habe, aber ich hatte nun bei der dritten Staffel den Eindruck, als sei die Serie noch einmal ein ganzes Stück sonderbarer geworden. Die teils surrealen Bilder und die nicht traditionelle Erzählweise gehörten ja schon immer zum Stil der Serie, aber in der dritten Staffel wird die Schraube diesbezüglich noch einmal ein ganzes Stück angezogen. Wer schon die ersten beiden Staffeln geliebt hat, wird das mögen. Aber neue Zuschauer kann man so sicher keine gewinnen und auch diejenigen, die „Hannibal“ bisher als crime drama zu schätzen wussten, werden zumindest in der ersten Hälfte der Staffel enttäuscht. Das aus den ersten zwei Staffeln bekannte Schema, wo Will und Hannibal stets mit vereinten Kräften einem Mörder auf die Spur kommen mussten, wird hier fallen gelassen. Einfach mal eben eine Folge anschauen und sich davon gut unterhalten lassen, ist sowieso nicht möglich. Man muss schon ganz genau bescheid wissen und kann nicht einfach mittendrin einsteigen. Dafür wird hier viel zu episodenübergreifend erzählt; die Handlung bricht meist am Episodenenede einfach ab und wird in der nächsten Folge wieder aufgenommen. Zudem geht die Handlung manchmal ziemlich langsam voran. Oder wirkt das nur aufgrund des Stils und des Schauspiels so? Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass die von den Regisseuren am meisten gegebene Regieanweisung „Noch langsamer!“ gewesen sein muss. Das soll kein Kritikpunkt sein, das Langsame, Traumartige ist ganz einfach Teil des „Hannibal“-Stils. Es schlägt sich auch im Schauspiel nieder. Ganz besonders Gillian Anderson spricht ihre Dialoge so, als sei sie die ganze Zeit auf Drogen (zugegeben: das ist ihre Figur vielleicht wirklich). Noch besser fand ich in dieser Staffel nur Richard „Thorin“ Armitage als von Zweifeln und Selbsthass geplagten Serienmörder Francis Dolarhyde. In seiner ersten Folge hatte er glaube ich keine einzige Dialogzeile! Teilweise wirkt das, als würde man ihm bei einer Schauspielübung zusehen, weil man derartige Darstellungen aus Film und Fernsehen einfach kaum gewohnt ist. In welcher anderen Serie bekommen Schauspieler schon die Gelegenheit, so körperbetont und fast wie in einem Stummfilm zu spielen?

Will GrahamDas Ergebnis dieser eigenwilligen Mixtur hat leider wohl viele Zuschauer befremdet. Die zweite Hälfte der Staffel ist zwar weniger experimentell als die erste, doch zu diesem Zeitpunkt dürfte schon ein Teil des Publikums verloren gewesen sein, was ich sehr, sehr schade finde. Ich hätte so gerne noch gesehen, wie Bryan Fuller „Das Schweigen der Lämmer“ (sofern er die Rechte bekommen hätte) und weitere Elemente der anderen Romane adaptiert. Das Ende der Staffel fand ich jedenfalls sehr gekonnt geschrieben und inszeniert. Ich hatte mich schon gefragt, ob Hannibal Lecter für den Rest der Serie in Gefangenschaft bleiben soll. Doch seine Flucht, bei der Dolarhyde nachgeholfen hat, war tatsächlich glaubwürdig, der anschließende Kampf Wills und Hannibals gegen Dolarhye nerven- und das Ende herzzerreißend. Hannibal Lecter stürzt sich mit Will Graham von der Klippe – Dr Lecter liebt eben nicht nur Menschenleber und guten Wein, sondern auch das große Drama.

Falls das also wirklich das Ende sein sollte und „Hannibal“ keine Fortsetzung bei einem Streamingdienst oder in Form eines Kinofilms vergönnt ist, dann bleibt neben einer großartig inszenierten Serie mit grandiosen Schauspielleistungen auf jeden Fall eines der tragischsten Liebespaare der Fernsehgeschichte: Will Graham und Dr Hannibal Lecter. Zur Verdeutlichung hier ein paar Zitate: „I’ve never known myself as well as I know myself when I’m with him“, sagt Will über Hannibal. Und als sie sich ein paar Folgen später gegenüber stehen: „You and I have begun to blur. (…) We’re conjoined. I’m curious whether either of us can survive separation.“ Die vorletzte Episode enthält dann schließlich die Abwandlung eines meiner Lieblingszitate aus „Hannibal“ (dem Buch und Film). Will fragt Bedelia Du Maurier (Gillian Anderson): „Is Hannibal in love with me?“, und sie antwortet: „Could he daily feel a stab of hunger for you and find nourishment at the very sight of you? Yes. But do you ache for him?“

Mit „Hannibal“ ist es den Autoren und Schauspielern gelungen, dem Mythos um Hannibal Lecter eine weitere Facette hinzu zu fügen. Fanden wir den intelektuellen Kannibalen auch bisher aufgrund seiner Widersprüche schon faszinierend, so haben wir hier auch seine menschliche, weiche und emotionale Seite kennen gelernt. Noch mehr als früher wünschen wir Hannibal, dass er ungeschoren davon kommt, nicht geschnappt wird und in Freiheit leben und speisen darf bis an sein Lebensende – nur eben nun zusammen mit seiner großen Liebe Will Graham.

Die dritte Staffel von „Hannibal“ ist auf DVD und Blu-ray erhältilch. Als Bonusmaterial sind nicht nur zahlreiche interessante Audiokommentare enhalten, sondern auch eine zweistündige und damit sehr umfangreiche Making of-Dokumentation.

Copyright Bilder: Studiocanal

Babylon 5 – Episode 1.15 “Grail”

Langsam aber sicher schaue und schreibe ich mich durch die erste Staffel von „Babylon 5“ und bin nun bei der 14. Folge angekommen. Ja, richtig gelesen: Obwohl es sich bei „Grail“ auf den DVDs (und bei der TV-Ausstrahlung) um Episode 1.15 handelt, schaue ich die Serie wie beim letzten Mal erwähnt in der von Serienschöpfer J. Michael Straczynski (JMS) empfohlenen Reihenfolge an, die vor allem in der ersten Staffel eine deutlich andere ist. Die genaue Reihenfolge könnt ihr ganz am Ende meines letzten Blogposts nachlesen. Die nächste Folge, die ich im Blog besprechen werde, wird dann Episode 1.16 sein.

Bevor ich nun zur aktuellen Episode komme, habe ich aber noch einen äußerst erfreulichen Hinweis: Es gibt ihn endlich, den ersten deutschsprachigen „Babylon 5“-Podcast. Er heißt „Der graue Rat“ und wurde von den langjährigen B5-Fans Raphael und Sascha ins Leben gerufen. Eine Einführungsepisode ist bereits online und demnächst gibt’s die Besprechung des Pilotfilms. Es kann gut sein, dass ich auch mal als Gast im Podcast zu hören sein werde. (Eine Übersicht über englischsprachige Podcasts zur Serie findet ihr übrigens hier.) Und nun ab durchs Hyperraumsprungtor zur Besprechung der Episode…

Episode 1.15 „Grail“ („Der Gral“)

Drehbuch: Christy Marx, Regie: Richard Compton
Erstausstrahlung: 06.07.1994 (USA), 12.11.1995 (Deutschland)

Die Ausgangssituation dieser Episode ist im Grunde dieselbe wie bei der letzten Folge – ein Besucher kommt an Bord der Station, um die Botschafter der außerirdischen Regierungen zu befragen. Im Gegensatz zu „Signs and Portents“ ist „Grail“ aber in erster Linie eine in sich abgeschlossene Geschichte, die nur wenig Relevanz für den großen story arc aufweist, auch wenn sich natürlich ein paar Verweise und Anspielungen auf Vergangenes (und Zukünftiges) finden lassen.
Mit Aldous Gajic (David Warner) kommt ein „wahrer Suchender“ an Bord der Station, so drückt es jedenfalls Delenn aus. Garibaldi dagegen rollt mit den Augen, als Aldous unmittelbar nach seiner Ankunft mitteilt, er sei auf der Suche nach dem heiligen Gral. Gajic ist der letzte Anghörige eines Ordens, dessen Mitglieder seit tausenden von Jahren nach dem Gral suchen. Da dieser auf der Erde bislang nicht gefunden wurde, ist die Suche inzwischen auf andere Planeten ausgeweitet worden. Auch Sinclair ist zunächst skeptisch, sehr zur Überraschung von Delenn. Es spiele keine Rolle, ob der heilige Gral tatsächlich existiere, erklärt sie Sinclair. Allein die Tatsache, dass Aldous Gajic sein ganzes Leben der Suche nach dem Gral verschrieben habe, mache ihn zu einer Person, der man hohen Respekt erweisen müsse. Sein unerschütterlicher Glaube und seine fortwährende Suche seien äußerst bewundernswert (siehe Zitate). Sinclair erwidert, er wünsche Gajic Glück bei seiner Suche, schließlich sei er wahrscheinlich der einzige „wahre Suchende“ unter den Menschen. Delenn antwortet darauf kryptisch: „Then perhaps you do not know yourself as well as you think.“ Das sollte man im Hinterkopf behalten…
Aldous Gajic wird von dem britischen Charakterdarsteller David Warner gespielt, der vor allem für seine Darstellung von Bösewichten bekannt ist und in zahlreichen Filmen, Serien, Videospielen und Theaterstücken zu sehen und/oder hören war. Hier darf er als sanfter und in sich ruhender Suchender so etwas wie würdevolle Autorität ausstrahlen, aber besonders viel kommt davon bei mir nicht an. Der Rest der Episode macht das nicht besser: Die banale Handlung um Thomas „Jinxo“ Jordan (Tom Booker), der dem fiesen Deuce (William Sanderson) Geld schuldet, ist ziemlich uninteressant. Zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung mag das von Deuce eingesetzte Monster in seiner ganzen CGI-Pracht noch beeindruckt haben (siehe „Hinter den Kulissen“), heute sieht es einfach nur lächerlich aus.

Ihr merkt schon, ich habe keine Lust mehr, die Episode hier weiter nach zu erzählen (das würde sich wahrscheinlich sowieso nicht besonders spannend lesen). Ich konzentriere mich also auf ein paar Punkte, die mir erwähnenswert scheinen: Tom Booker leistet als Jinxo meiner Meinung nach schauspielerisch keine besonders gute Arbeit, dafür habe ich mich aber gefreut, William Sanderson hier zu sehen. Der Mann hatte schon damals eine lange Karriere in Film und Fernsehen; ich kenne ihn unter anderem aus „Blade Runner“ und „True Blood“.
Für alle, die den Pilotfilm verpasst haben, wiederholt Jinxo in dieser Folge noch einmal, was mit den ersten vier Babylon-Stationen passiert ist. Die ersten drei wurden durch Sabotageakte noch vor der Fertigstellung zersört, während Station Nummer vier kurz nach ihrer Inbetriebnahme einfach verschwand und seitdem nie wieder gesehen wurde. Auch das sollte man im Hinterkopf behalten…
Delenn versichert Aldous, sie werde Informationen über den Gral sofort an ihn weiterleiten. Auch Londo stattet der Suchende einen Besuch ab, doch der Centauri-Botschafter erweist sich als weniger entgegenkommend und sieht in Adlous‘ Gesuch vor allem eine Möglichkeit, Profit zu schlagen. Doch seinem Assistenten Vir ist Profitsucht fast vollkommen fremd; naiv und „effizient“, wie er es bezeichnet, händigt er Aldous alle Informationen aus, die er in den Datenbanken der Centauri zum Gral finden konnte. Die Darstller von Londo und Vir – Peter Jurasik und Stephen Furst – sind im Zusammenspiel wunderbar und zusammen mit der passenden Musik ergibt sich hier eine herrliche Comedy-Szene (allerdings sehen Virs Haare in dieser Episode schrecklich aus).
Auch wenn wie gesagt von der Würde und Autorität von Aldous Gajic bei mir nicht besonders viel ankommt, so ist diese Figur doch typisch für „Babylon 5“. Aldous ist nicht nur ein Suchender, sondern auch ein Idealist, der nicht aufgibt. Seine Suche nach dem Gral steht für die Suche nach dem Sinn im Leben auf der wir alle sind. Auch fast alle Charaktere in „Babylon 5“ sind auf dieser Suche. Londo beispielsweise glaubt, Erfüllung nur darin finden zu können, seiner Heimatwelt ihre alte Bedeutung wiederzugeben oder es zumindest zu versuchen. Sinclair dagegen scheint sich noch gar nicht bewusst zu sein, was seine Bestimmung ist und auf welchen Weg er sich begeben soll. Doch wie oben schon erwähnt hält Delenn auch ihn für einen wahren Suchenden, der nur noch nicht weiß, auf welcher Reise er sich befindet. In der Szene mit Delenn-Darstellerin Mira Furlan am Ende der Episode kann Michael O’Hare als nachdenklicher, zweifelnder und Hilfe suchender Sinclair jedenfalls voll und ganz überzeugen und es wird nachvollziehbar, warum gerade er als Sinclair gecastet wurde.

Highlight der Episode: Die Gerichtsverhandlung am Anfang, bei der ein Mensch ein Alien verklagt, weil dessen Großvater einst seinen Großvater entführt haben soll. Diese Szene wurde von JMS in die Folge eingefügt, da das Drehbuch von Christy Marx etwas zu kurz geraten war. JMS zufolge gewann übrigens der Mensch den Fall, aber die Entschädigung, die ihm zugesprochen wurde, war nur minimal.

Londo/G’Kar-Moment: G’Kar kommt in der Episode leider nicht vor, dafür spielt Garibaldi Londo aber einen bösen Streich und macht ihm Angst vor dem Na’ka’leen Feeder.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Aldous fragt Delenn, ob die zwei Seiten ihrer Kultur (gemeint sind die zwei Kasten, siehe „weitere interessante Punkte“) sich jemals auf eine Sache einigen können. „Yes“, antwortet Delenn. „And when they do, it is a terrible thing. A terrible power, as recent events have shown us.“ Damit spielt sie auf den Krieg zwischen den Minbari und den Menschen an, in dem die Minbari die Menschheit fast vernichtet hätten.
  • Sinclair informiert Kosh darüber über die Täuschung von Deuce. Als er Kosh sagt, einige Leute seien nervös, weil niemand genau wisse, wie Kosh aussehe, antwortet dieser einfach: „Gut.“

Sonstige Fragen:

  • Wir erleben die Reaktionen von Londo, Delenn und Sinclair auf Aldous Gajic und seine Mission, aber wie hätte G’Kar darauf reagiert? Hätte er in der Suche nach dem Gral einen noblen Akt oder lächerliche Zeitverschwendung gesehen?
  • Woher hatte Deuce eigentlich den täuschend echten Nachbau von Koshs Anzug? Kosh wird dafür ja wohl kaum Modell gestanden haben…

Weitere interessante Punkte:

  • Lennier erklärt Thomas und Aldous, dass es zwei Minbari-Kasten gibt. Tatsächlich erfahren wir später in der Serie, dass es drei Kasten gibt (religiöse, Krieger- und Arbeiterkaste). Warum spricht Lennier hier also nur von der religiösen und der Kriegerkaste? JMS hat sich wohl erst im Verlauf der Serie dazu entschlossen, die Kultur und Weltanschauung der Minbari um die Zahl Drei herum aufzubauen. Wir werden in den späteren Staffeln jedenfalls Angehörige aller drei Kasten zu sehen bekommen.
  • Als Thomas am Ende der Episode Aldous‘ Nachfolge als Suchender antritt, verlässt er die Station auf einem Raumschiff namens Mary Celeste. JMS bezeichnet diese Tatsache als ein Beispiel „wirklich perversen Humors“, denn bei der Mary Celeste handelt es sich um ein berühmtes Geisterschiff. Es wurde 1872 im Atlantik treibend aufgefunden, ohne Hinweise auf den Verbleib der Crew. Da kann man nur hoffen, dass die Mary Celeste mit „Jinxo“ an Bord heil an ihr Ziel kommen wird…
  • Zum ersten Mal haben wir hier einen Fall von „mind wiping“, also kompletter Gedächtnislöschung. Dr. Franklin berichtet, man werde der Frau, die Opfer des Feeders geworden ist, all ihre Fähigkeiten neu beibringen müssen wie einem kleinen Kind.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Aldous Gajic trägt denselben Nachnamen wie der Ehemann von Delenn-Darstellerin Mira Furlan, Goran Gajić.
  • Mr. Flinn, der in der Gerichtsszene das Alien verklagt (siehe „Highlight der Episode“), wird vom Kameramann der Serie gespielt, John C. Flinn III. Dieser war bereits früher immer wieder als Schauspieler tätig gewesen, war zu diesem Zeitpunkt jedoch lange nicht mehr vor der Kamera gestanden. Da JMS die Figur im Drehbuch jedoch Flinn genannt und bereits allen Crewmitgliedern mitgeteilt hatte, dass John Flinn die Rolle übernehemen werde, konnte er sich nicht mehr aus der Affäre ziehen und musste die kleine Rolle übernehmen.
  • „Grail“ ist die letzte Episode, bei der Richard Compton Regie geführt hat. Compton war als Regisseur für den Pilotfilm und insgesamt fünf Folgen der ersten Staffel verantwortlich.
  • Wenn auch der „Na’ka’leen Feeder“ wie gesagt heute einfach nur noch billig aussieht, so war eine solche computergenerierte Figur damals fürs Fernsehen geradezu revolutionär. Je nachdem, welcher Quelle man glaubt, brauchten die Computer von Foundation Imaging damals ein bis zwei Wochen, um die Kreatur zu rendern.
  • Am Anfang der Episode setzt Deuce Thomas ein Zeitlimit von „300 cycles“. Diese „Umdrehungen“ sollten anfangs als Zeiteinheit auf Babylon 5 verwendet werden, doch JMS entschied sich schnell wieder um, da die Zuschauer mit dieser Zeitangabe nicht viel anfangen können. In zukünftigen Episoden werden Umdrehungen der Station nicht mehr als Zeiteinheit verwendet.

Zitate:

Delenn: „Among my people, a true seeker is treated with the utmost reverence and respect. It doesn’t matter that this Grail may or may not exist. What matters is that he strives for the perfection of his soul and the salvation of his race. That he has never wavered or lost faith.“

Sinclair: „One person’s lunatic is another person’s true seeker.“
Garibaldi: „You’ve been hanging around with Delenn too much.“

Londo: „Fools to the left of me, feeders to the right. I need to find a real job!“

Ivanova: „No boom today. Boom tomorrow. There’s always a boom tomorrow.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.16 „Eyes“

„The Visit“ von M. Night Shyamalan

M. Night ShyamalanDer Name M. Night Shyamalan auf einem Filmplakat löst bei Filmfans unterschiedliche Reaktionen aus. Diese reichen von freudiger Erwartung bis hin zu empörter Abwendung. Zugegeben, mehr und mehr frühere Fans neigen in den letzten Jahren eher zu letzterer Reaktion, hat der nach „The Sixth Sense“ (1999) als neues Regie-Wunder gefeierte Shyamalan doch spätestens mit „Die Legende von Aang“ („The Last Airbender“, 2010) und „After Earth“ (2013) zwei Filme abgeliefert, die sich selbst eingefleischte Fans nicht mehr schönreden konnten. Ich persönlich habe den Regisseur zumindest bis „The Happening“ (2008) immer gegen die meiner Meinung nach zu scharfe Kritik an seinen Filmen verteidigt. „Unbreakable“ (2000) halte ich für ein kleines Meisterwerk und zähle „The Village“ (2004) zu meinen Lieblingsfilmen. Dass ich „Lady in the Water“ („Das Mädchen aus dem Wasser“, 2006) und „The Happening“ aber jeweils nur einmal gesehen habe und seitdem nicht mehr zu ihnen zurückgekehrt bin, zeigt vielleicht schon, dass auch ich Angst habe, diese Filme könnten bei einer zweiten Sichtung in einem ganz anderen Licht erscheinen und viel von der Faszination verlieren, die sie auf mich ausgeübt haben. „After Earth“ war schließlich einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe – das muss ich einfach so sagen und diesen Film will ich auch ganz bestimmt kein zweites Mal sehen.
Trotzdem bin ich auf jeden neuen Film von Shyamalan gespannt. Der Mann hat schließlich schon mal bewiesen, was er draufhat und es könnte ja sein, dass ihm eines Tages wieder ein so meisterhaft inszenierter, atmosphärisch dichter und hervorragend gespielter Film gelingt, wie es in der Schaffensphase von „The Sixth Sense“ bis „The Village“ der Fall war. Nun, sein neuester Film „The Visit“, der am 4. Februar auf DVD und Blu-ray erscheint, ist kein solcher Film – und ist dennoch keine Enttäuschung.
The Visit - Blu-rayNachdem anscheinend niemand mehr in Hollywood bereit ist, Shyamlan größere Geldsummen für einen Film zur Verfügung zu stellen, hat dieser aus der Not eine Tugend gemacht und „The Visit“ als Found Footage-Film gedreht, was bedeutet: Es darf hier nicht nur billig und amateurhaft aussehen, sondern das ist sogar gewollt. Der Film erzählt die Geschichte der 15-jährigen Rebecca (Olivia DeJonge) und ihres 13-jährigen Bruders Tyler (Ed Oxenbould). Die beiden besuchen für eine Woche ihre Großeltern, die sie nie zuvor getroffen haben, da Rebeccas und Tylers Mutter (Kathryn Hahn) als 19-Jährige den Kontakt zu ihnen abgebrochen hat. Den genauen Grund dafür verschweigt sie ihren Kindern, will ihnen aber den Wunsch nicht verwehren, die Großeltern endlich kennen zu lernen. Da sie und ihr Lebensgefährte eine Kreuzfahrt machen, kommt es ihr sowieso gerade recht, dass sie die Kinder für eine Woche dort unterbringen kann. Sie setzt Rebecca und Tyler also in den Zug und die beiden machen sich auf zu Oma und Opa (Peter McRobbie und Deanna Dunagan). Die Hobbyfilmerin Rebecca will die Chance nutzen und eine Dokumentation über das Zusammentreffen mit ihren Großeltern drehen. Insgeheim hofft sie dabei, den Grund für das plötzliche Ausreißen ihrer Mutter aus dem Elternhaus und den folgenden Kontaktabbruch herauszufinden.
Doch erst einmal machen sie und ihr Bruder ganz andere Entdeckungen. Die zunächst so sympathisch wirkenden Großeltern lassen nach und nach immer mehr seltsame, erschreckende und verstörende Seiten erkennen. Die Oma kotzt nachts in den Hausflur, rennt wie wahnsinnig durchs Haus und kratzt nackt an der Tür; der Opa wiederum werkelt tagsüber in einem Schuppen, zu dem er niemand anderem Zutritt gewährt und hat gelegentliche Anfälle von Verwolgungswahn. Rebecca und Tyler bekommen es allmählich mit der Angst zu tun und fragen sich, was mit ihren Großeltern los ist.

The Visit 2Bei „The Visit“ hat Shyamalan nicht nur kein zweistelliges Millionenbudget mehr zur Verfügung, auch sonst ist der Film in vielfacher Hinsicht sehr reduziert gehalten. Es gibt nur wenige Darsteller und der Großteil der Handlung spielt sich im bzw. um das Farmhaus der Großeltern ab. Gefilmt ist das alles wie gesagt im Found Footage-Stil, da der Film die Illusion vermitteln will, gänzlich aus dem von Rebecca gefilmten Material zusammen geschnitten worden zu sein. (Ob es sich tatsächlich um Found Footage handelt, sprich: ob jemand anderes das Material gefunden und geschnitten hat oder aber ob Rebecca die Arbeit an ihrem Film selbst beendet hat, kann man natürlich nicht verraten, ohne zu spoilern.) Diese Illusion wird auch recht überzeugend aufrecht erhalten und so fängt die Kamera hier das Geschehen schon mal auf einem Geländer oder auf der Arbeitsplatte in der Küche liegend ein. Viel unglaubwürdiger als das Found Footage-Konzept ist an dem Film sowieso die Tatsache, dass zwei Teenager sich voller Vorfreude auf die Fahrt zu ihren Großeltern machen, die sich noch nie gesehen haben und bei denen sie eine ganze Woche bleiben sollen…
Doch abgesehen von dieser Ausgangssituation sind die Charaktere glaubwürdig und der Film ziemlich unterhaltsam. Wie Tyler seiner Oma spontan seine Rap-Künste demonstriert und sich die Kinder darüber aufregen, dass es kein WiFi im Haus gibt, das wirkt lebensnah. Die Beiden scheinen anfangs gut mit ihren Großeltern auszukommen. Auch die ersten Anzeichen seltsamen Verhaltens bei den Großeltern werden auf Nachfragen der beiden Kinder von den Großeltern plausibel mit körperlichen und psychischen Krankheiten begründet. Die Großmutter habe einfach einen kurzen, aber schweren Magen-Darm-Infekt gehabt, erklärt der Opa zum Beispiel nach der ersten Nacht im Haus.

The Visit 4Horrorfilme thematisieren häufig auf die eine oder andere Weise das Verhältnis des Menschen zu seinem eigenen Körper. Zombies, Werwölfe oder die allmähliche Verwandlung eines Menschen in ein Insekt stehen als Metaphern für die Angst vor dem Verfall des Körpers und das Unbehagen, das oft mit körperlichen Veränderungen einhergeht – ganz besonders mit solchen, die den Körper schwach und gebrechlich machen. Bei „The Visit“ braucht man nicht viel herum deuten, um auf eine solche Lesart zu kommen, denn sie ist in den Film bereits eingebaut. Tyler und Rebecca versuchen sich nach ihrer ersten Panik zu beruhigen, indem sie das Verhalten der Großeltern schlicht als normales Verhalten alter Menschen (also: von Menschen mit alten Körpern) interpretieren. Im Alter leiden Menschen nun einmal häufiger unter Schlafstörungen, Inkontinenz oder Gedächtnislücken und sie entwickeln Verhaltensweisen und Vorstellungen, die anderen, jüngeren Menschen seltsam vorkommen können. All dies kommt auch in „The Visit“ vor, nur scheinen die Alten hier tatsächlich einfach nur alt zu sein und das Grauen nicht von der Verwandlung des Körpers in einen Werwolf zu kommen, sondern einfach von den natürlichen Begleiterscheinungen des Alterns. Auch in dieser Hinsicht ist „The Visit“ ein aufs Wesentliche reduzierter Horrorfilm: Wer braucht schon Zombies, wenn die realen Begleiterscheinungen des Alters genauso grauenvoll sein können?
(Und was mir außerdem aufgefallen ist: Jedesmal, wenn die Oma den Kindern eine plausible Erklärung für das seltsame Verhalten des Opas liefert, lenkt sie danach vom Thema ab, indem sie vom Essen spricht – was ja wieder in direktem Bezug zum Körper steht.)

Ihr merkt schon, der Film hat mich zum Nachdenken gebracht, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Aber ich hatte auch Spaß. „The Visit“ ist definitiv kein Film, der sich selbst zu ernst nimmt, sondern sich der Tatsache bewusst ist, dass er Themen und Motive aufgreift, die im Horrorgenre ein alter Hut sind. Zwar bin ich mir nicht sicher, ob die Komik des Films nicht manchmal eine unfreiwillige ist, insgesamt ist es aber ein gutes Zeichen, dass Shyamalan inzwischen fähig zu sein scheint, so etwas wie Selbstironie in seine Filme einzubauen und nicht mehr alles so bierernst zu nehmen. Nur so ist es auch möglich, tatsächlich eine Szene im Film zu haben, in der die Großmutter ihre Enkelin bittet, in den Ofen zu kriechen, um ihn zu putzen. Das ist gruselig, gerade weil man weiß worauf hier Bezug genommen wird und genau deswegen darf man auch lachen (und kann sich trotzdem gleichzeitig noch gruseln).
The Visit 3Man darf also aufatmen: Shyamalans neuester Film ist kein erneuter Griff ins Klo. „The Visit“ hält durchgehend eine bedrohliche Atmosphäre aufrecht, hat einige kreative Einfälle zu bieten und punktet mit überzeugenden Schauspielleistungen (ganz besonders Deanna Dunagan merkt man an, wie viel Spaß es ihr macht, hier eine verrückte, alte Großmutter zu spielen und dabei einige Klischees des Horrorfilms durchzuexerzieren). Das Ende mag zwar nicht jeden Zuschauer befriedigen und ist ganz bestimmt nicht so verblüffend wie einst bei „The Sixth Sense“ oder „Unbreakable“,
muss es aber auch gar nicht sein. Eine künstlerische Weiterentwicklung stellt der Film für Shyamalan zwar nicht dar, aber nach den schrecklichen letzten Filmen ist sein back to basics-Ansatz – ob nun gewollt oder aus Sparzwang resultierend – trotzdem eine gute Entscheidung gewesen. Mit „The Visit“ erfindet er das Rad nicht neu, aber Shyamalan erinnert uns endlich wieder an seine Stärken als Filmemacher. Zugegeben, ich finde den Film vielleicht zum Teil deswegen gut, weil er eben auf (mindestens) zwei wirklich schlechte Filme folgt; aber trotzdem: wenn Shyamalan sich bei seinem nächsten Film auf dieselben Stärken besinnt, erneut die Fähigkeit zur Selbstironie zeigt und ein paar mehr kreative Risiken eingeht, dann könnte das Ergebnis ein noch besseres sein. Und irgendwann könnte es dann so weit sein, dass man sich auf einen neuen Shyamalan-Film wieder uneingeschränkt freuen kann. Das ist momentan noch schwer vorstellbar, doch mit „The Visit“ ist der Regisseur schon mal auf dem richtigen Weg.

Bilder: Copyright Universal Pictures

Babylon 5 – Episode 1.13 „Signs and Portents“

Nach einigen Monaten Pause geht mein Rewatch von „Babylon 5“ nun endlich weiter. Ich hatte die lange Pause nicht geplant, sie hat sich einfach so ergeben. Aber es eilt ja nicht.
Einen organisatorischen Hinweis habe ich an dieser Stelle noch: Ich werde die Serie im Verlauf des Rewatch nicht in der auf den DVDs vorgegebenen Reihenfolge anschauen, sondern in der von J. Michael Straczynski (JMS) empfohlenen Reihenfolge. Diese entspricht im Großen und Ganzen der hier aufgelisteten Episodenabfolge, allerdings mit dem Unterschied, dass ich einige der „Babylon 5“-Fernsehfilme erst nach dem Ende der Serie anschauen und besprechen werde, auch wenn sie chronologisch zum Teil während der Serienhandlung einzuordnen sind. So macht des dramaturgisch und spannungstechnisch mehr Sinn – zumindest wenn man die Serie zum ersten Mal anschaut (und ich werde mich bemühen, die Blogposts weiterhin frei von größeren Spoilern zu halten). Ganz besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass ich natürlich nicht mit dem Film „In The Beginning“ begonnen habe, wie es die Liste vorschlägt. Zwar ist der Film ein Prequel, spielt also vor der Serienhandlung, doch spoilert er entscheidende Elemente der Serie und sollte frühestens in der Mitte der vierten Staffel angeschaut werden.

Die Reihenfolge der Serienepisoden auf den DVDs (und bei der Fernsehausstrahlung) entspricht in einigen Fällen nicht der von den Serienmachern beabsichtigten Reihenfolge. Die meisten Veränderungen in der Reihenfolge finden sich in der zweiten Hälfte der ersten Staffel. Im nächsten Blogpost werde ich deshalb nicht Episode 1.14 beprechen, sondern 1.15 („Grail“ / „Der Gral“). Ganz am Ende dieses Blogposts findet ihr die Reihenfolge, in der ich die erste Staffel anschauen werde. Alle Änderungen gegenüber den DVDs sind dort hervorgehoben.
Jetzt aber genug der langen Vorrede und weiter mit der aktuellen Episode:

Episode 1.13 „Signs and Portents“ („Visionen des Schreckens“)

Drehbuch: J. Michael Straczynski, Regie: Janet Greek
Erstausstrahlung: 18.05.1994 (USA), 29.10.1995 (Deutschland)

„Signs and Portents“ ist eine der wichtigsten Episoden und eine meiner Lieblingsfolgen aus der ersten Staffel. Die zentrale Bedeutung der Episode für die Serienhandlung lässt sich schon daran ablesen, dass ihr Titel zugleich auch der Titel der gesamten ersten Staffel ist. (Im Deutschen hat man der Staffel den Titel „Zeichen und Wunder“ gegeben, was näher am Original und auch auf jeden Fall passender ist als „Visionen des Schreckens“. Bei den kommenden Staffeln hat man da leider nicht mehr mitgedacht, so dass die Staffeln 3 und (ganz besonders) 4 leider Titel tragen, die nicht zu den episodenübergreifenden Inhalten und Themen der Staffeln passen.)
Mit dem charismatischen, aber unheimlichen Mr. Morden (Ed Wasser) betritt in dieser Folge erstmals eine wichtige Figur die Station, die wir im Verlauf der Serie noch öfter sehen werden. Von Anfang an umgibt ihn eine Aura des Mysteriösen und Bedrohlichen. Als er bei der Passkontrolle gefragt wird, ob er bei seiner mehrere Jahre dauernden Forschungsreise am äußeren Rand der Galaxis etwas Interessantes gefunden habe, antwortet er schlicht mit „Ja“. Nicht nur Mordens Hintergrund, sondern auch der Zweck seines Aufenthaltes auf Babylon 5 sind dem Zuschauer auch nach dem Ende der Episode noch ein Rätsel: Nacheinander sucht er die Botschafter der außerirdischen Regierungen auf, um ihnen eine einfache, aber absurd wirkende Frage zu stellen: „What do you want?“
Narn-Botschafter G’Kar (Andreas Katsulas) ist der Erste, den Morden aufsucht. Nachdem er von Mordens sinnlos wirkender Frage zunächst genervt ist und antwortet, er wolle ganz einfach von ihm in Ruhe gelassen werden, öffnet er ihm sich schließlich doch und gibt eine ausführlichere und ehrliche Antwort: Er will Rache an den Centauri für die Verwüstung seiner Heimatwelt, er will es ihnen gleichtun und auch ihren Planeten verwüsten und sie komplett auslöschen. „And then what?“, fragt Morden. „I don’t know“, antwortet G’Kar. „As long as my homeworld’s safety is guaranteed, I don’t know that it matters.“ Damit hat Morden genug gehört und lässt G’Kar wieder allein. Dessen Antwort sagt eine Menge über ihn aus: G’Kar ist getrieben vom Gedanken der Rache an den Centauri. Zwar bekleidet er eine diplomatische Position auf Babylon 5, doch sein Handeln wird vor allem von Hass getrieben – dem Hass auf die Centauri. Um sich an ihnen zu rächen, ist ihm jedes Mittel recht. Darüber hinaus scheint er aber zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Ambitionen zu haben – und ohne zu viel zu verraten: genau das ist es wohl, was ihn für Morden letztlich nicht interessant macht.
Weitaus mysteriöser und rätselhafter für den Zuschauer gestaltet sich Mordens Termin bei der Minbari-Botschafterin Delenn (Mira Furlan). Während sie mit ihm spricht, arbeitet sie an einem seltsamen Gebilde, das aussieht, als sei es aus bunten Glasscheiben zusammengesteckt. Von Anfang an wirkt sie Morden gegenüber misstrauisch, wird dann plötzlich offen feindselig und wirft ihn energisch aus ihrem Quartier. Während auf einmal ein dunkler Schatten über Morden fällt, leuchtet auf Delenns Stirn ein dreieckiges Symbol auf, welches sie rasch mit ihrer Hand verdeckt. Nachdem Morden gegangen ist, murmelt sie entsetzt „They’re here.“ Doch wen meint sie damit und was bedeutet das alles?

Die Hauptperson der Episode ist zweifellos Londo Mollari (Peter Jurasik). Schon im Pilotfilm wurde etabliert, wie sehr der Centauri-Botschafter den glorreichen alten Zeiten der Republik nachtrauert. Nun ist es ihm gelungen, das „Auge“ in seinen Besitz zu bringen, einen lange verschollenen Kunstgegenstand, der sich bereits im Besitz des ersten Imperators befand. Das Auge soll dabei helfen, die Autorität des politisch geschwächten Imperators zu stärken und so der Centauri-Republik etwas von ihrer alten Stärke zurückzugeben.
Londo empfängt Lord Kiro (Gerrit Graham) und dessen Tante Lady Ladira (Fredi Olster) auf Babylon 5. Kiro soll das Auge zurück nach Centauri Prime bringen und dem Imperator übergeben. Gleich nach ihrer Ankunft auf der Station hat Lady Ladira, die über hellseherische Fähigkeiten verfügt, eine Vision von „Tod, Zerstörung und Feuer“. „Babylon will fall, this place will be destroyed“, teilt sie Londo und Kiro mit. Damit bezieht sie sich allerdings nicht auf den Angriff der Raiders auf die Station, der in dieser Folge stattfindet. Am Ende der Episode lässt sie Sinclair (Michael O’Hare) – und mit ihm den Zuschauer – durch eine telepathische Verbindung an ihrer Vision teilhaben: Wir sehen, wie Babylon 5 explodiert, während ein einzelnes Raumschiff die Station noch rechtzeitig verlässt. JMS wurde nach der Ausstrahlung der Episode gefragt, ob das hier gezeigte Ende der Raumstation nicht viel zu viel verrate. Doch JMS war der Ansicht, dass es eines der Hauptelemente jedes Dramas sei, dem Zuschauer (bzw. Leser) Informationen zu geben, über die die Figuren in der Geschichte noch nicht verfügen. Die Spannung ergebe sich dann daraus, dass man zwar wisse, was passieren wird, jedoch noch unklar sei, auf welche Weise dies geschehen würde (vgl. Asked & Answered Part 4, S. 1559). Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten (ich will ja nicht spoilern): Lady Ladiras Vision enthält tatsächlich viel Wahres. Gleichzeitig sollte man aber auch ihre Bemerkung, die Zunkunft verändere sich ständig, im Hinterkopf behalten. Denn dies lässt sich auch auf die Produktionsgeschichte von „Babylon 5“ beziehen. Verschiedene äußere Umstände zwangen JMS im Verlauf der Produktion nämlich dazu, die Handlung der Serie und damit auch ihr Ende mehrmals umzuschreiben und an die äußeren Umstände (z.B. den Ausstieg von Darstellern) anzupassen. Lady Ladiras Vision entsprach tatsächlich dem von JMS damals geplantem Ende für die Serie – ein einzelnes Shuttle, das die exlodierende Station verlässt. Die Spannung ergab sich daraus, dass man als Zuschauer natürlich nicht wusste, wodurch Babylon 5 zerstört wird und wer sich an Bord des Shuttles befindet. Das tatsächliche Ende der Serie entsprach 1998 dann nicht mehr ganz Lady Ladiras Vision… Aber mehr will ich hier nicht verraten.
Lord Kiro nimmt die Visionen seiner Tante jedenfalls nicht ernst, schließlich habe sie an seinem ersten Geburtstag vorhergesagt, er würde eines Tages von Schatten getötet werden. Genau wie Londo will er die Republik zu ihrer alten Größe zurückführen. Er verspricht Londo, das Auge sicher nach Centauri Prime zu bringen und der Versuchung zu widerstehen, es bloß zum eigenen Vorteil einzusetzen. Wie wir am Ende der Episode herausfinden, war das gelogen.
Als Londo sich auf den Weg macht, Lord Kiro das Auge zu übergeben und ihn zu verabschieden, wird er von Mr. Morden abgefangen. Dieser stellt ihm die gleiche Frage, die er auch schon G’Kar und Delenn gestellt hat: „What do you want?“ Zunächst ist auch Londo genervt von Mordens Fragerei, doch als dieser nicht locker lässt, gibt auch Londo ihm eine ehrliche und ziemlich ausführliche Antwort. Wie sich am Ende der Episode herausstellt, scheint es genau die Antowrt gewesen zu sein, nach der Morden gesucht hat, anders als die Reaktionen von G’Kar und Delenn. Der Grund dafür, liegt – ohne zuviel zu verraten – darin, dass Londos Antwort genau die richtige Mischung an „resentment, nostalgia, ambition, frustration and a sense of displaced destiny“ zum Ausdruck kommen lässt, wie JMS angemerkt hat (vgl. Asked & Answered Part 4, S. 1560).

Die B-Story der Episode dreht sich mal wieder um Angriffe der schon aus „Believers“ oder „Midnight on the Firing Line“ bekannten Raiders. Sinclair, Garibaldi und Ivanova sind ratlos, wie die Raiders immer wieder so schnell zuschlagen und sofort wieder verschwinden können, schließlich können ihre kleinen Schiffe keine eigenen Hyperraumsprungtore öffnen. Als erneut ein Transportschiff von den Raiders angegriffen wird und um Hilfe ruft, schickt Sinclair das Delta-Geschwader unter dem Kommando von Ivanova los. Er kommt jedoch darauf, dass dieser Angriff nur ein Ablenkungsmanöver ist und beordert Ivanova zurück zur Station. Auf Babylon 5 fängt Sinclair Londo, Lord Kira und Lady Ladira ab, die sich in der Gewalt der Raiders befinden. Lord Kiro wird jedoch als Geisel genommen und die Raiders können mit ihm – und dem Auge – an Bord von Kiros Schiffes von der Station fliehen.
Kurz darauf wird das Rätsel um die Raiders gelöst: Ein großes „Mutterschiff“ taucht vor der Station auf, das all die kleineren Jäger in sich aufnehmen und ein eigenes Sprungtor schaffen kann. Es kommt zum Feuergefecht zwischen Babylon 5 und den Raiders. Zwar werden die meisten Jäger der Raiders vernichtet, doch das Mutterschiff nimmt das gekaperte Centauri-Schiff auf und springt in den Hyperraum. Lord Kiro und das Auge befinden sich nun endgültig in den Händen der Raiders, so scheint es jedenfalls.
Wir erfahren in einer der nächsten Szenen jedoch, dass Lord Kiro von Anfang an mit den Raiders zusammen gearbeitet hat. Diese halten sich nun aber nicht mehr an die zuvor getroffene Abmachung und wollen von der Centauri-Regierung Lösegeld für Lord Kiro und das Auge erpressen. Plötzlich taucht neben dem Raiders-Mutterschiff ein großes, schwarzes Schiff (wenn es denn ein Schiff ist!) auf. Es zerschneidet das Raiders-Schiff geradezu mit einem hellen Strahl. Die Raiders, Lord Kiro und das Auge scheinen nun Geschichte zu sein.

Doch in einer weiteren Wendung der Geschichte taucht Mr. Morden plötzlich wieder bei Londo auf. Offenbar hat er sich zu einer „Zusammenarbeit“ mit Londo entschlossen, der sein Glück gar nicht fassen kann, als Morden ihm das verloren geglaubte Auge zurück bringt. Warum Morden ihm überhaupt diesen Gefallen tut und wie er das Auge in seinen Besitz bringen konnte, fragt sich Londo in seiner Euphorie erst einmal nicht. Beim Zuschauer bleibt allerdings der dringende Verdacht, dass Morden früher oder später eine Gegenleistung von Londo einfordern wird. Dementsprechend bedrohlich klingt auch das körperlose „We will find you, ambassador“, mit dem er sich von Londo verabschiedet.

In einem dritten Handlungsstrang wird Garibaldi von Sinclair beauftragt, mehr über die Lücke in Sinclairs Gedächtnis heraus zu finden. Diese 24 Stunden während der letzten Schlacht der Menschen im Krieg gegen die Minbari war zuletzt in „And the Sky Full of Stars“ ein wichtiges Thema. Sinclair ist sich zwar sicher, damals Delenns Gesicht vor sich gesehen zu haben, doch darüber hinaus kann er sich an nichts erinnern und vermutet, dass die Minbari die Erinnerung aus seinem Gedächtnis gelöscht haben. Aber die Erinnerung an was genau? Das erfahren wir hier auch nicht. Garibaldi findet immerhin heraus, dass Sinclair auf der Wunschliste der Kandidaten für den Kommandoposten von Babylon 5 ziemlich weit unten stand, den Posten bekanntlich aber trotzdem bekommen hat. Der Grund dafür: Die Minbari hatten alle anderen Kandidaten abgelehnt. Aber warum? Was haben sie mit Sinclair angestellt (oder über ihn herausgefunden), das der Grund dafür sein könnte?

„Signs and Portents“ ist eine Episode, die das „Babylon 5“-Universum ein ganzes Stück weit öffnet. Hier werden entscheidende Weichen für künftige Entwicklungen gestellt. Es liegt in der Natur einer solchen Folge, dass dabei mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden. Aber wir befinden uns ja auch erst in der Mitte der ersten Staffel. Schaut man die Episode zum ersten Mal an, bleiben ein paar große Fragen zurück (siehe unten) und man realisiert das Ausmaß der Entwicklungen, die hier ihren Anfang nehmen, noch gar nicht. Hat man jedoch bereits die ganze Serie gesehen, dann wird die Bedeutung dieser Episode sofort klar. Mr. Morden etwa wird noch eine wichtige Rolle spielen, um nur ein Beispiel zu nennen und nicht zuviel zu verraten. Seine Herkunft wird im weiteren Verlauf der Serie ebenso geklärt werden wie die des seltsamen, schwarzen Schiffs. Nach den meistens in sich abgeschlossenen Episoden, die die erste Staffel bisher zu bieten hatte, ist „Signs and Portents“ ein erstes Anzeichen des großen Handlungsbogens, der im Lauf der Serie immer deutlicher zutage tritt. Das Abenteuer hat gerade erst begonnen.

Highlight der Episode: Das Auftauchen des völlig unbekannten, spinnartigen, schwarzen Raumschiffs und all die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden: Zu wem gehört dieses Schiff? Handelt es sich hier um eine noch nicht bekannte Spezies? Warum zerstören sie das Raiders-Schiff? Und in welcher Beziehung steht dieses schwarze Schiff zu Mr. Morden?

Londo/G’Kar-Moment: Die herrliche Szene, in der sich die beiden streiten, während sie auf den Lift warten. Die Spielfreuede der beiden Darsteller ist hier deutlich spürbar und die Szene stellt ein frühes Beispiel für die vielen großartigen Momente zwischen den beiden Figuren dar. Es hat übrigens symbolhaften Charakter, dass hier ein Mensch gewissermaßen zwischen dem Narn und dem Centauri eingekeilt ist. Genau wie bei dem Bild der explodierenden Raumstation haben wir es auch hier mit „Foreshadowing“ zu tun, wenn auch auf etwas subtilerem Weg.

Folgende (weitere) wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, erhalten wir in dieser Episode:

  • Mr. Morden und seine Frage „What do you want?“ werden eingeführt. Lady Ladira erwähnt mehrmals, die „Schatten“ seien gekommen, um Lord Kiro zu holen („The shadows have come for Lord Kiro“). Bei seinem Treffen mit Delenn fällt plötzlich ein Schatten über Mr. Morden. Was das alles genau bedeutet und wie es zusammenhängt, darf ich freilich noch nicht verraten.

Sonstige Fragen:

  • Warum hat Morden keinem Vertreter der Menschen seine Frage gestellt? Wen repräsentiert er überhaupt?
  • Warum stellt er Kosh seine Frage nicht? Zunächst scheint er Kosh bewusst aus dem Weg zu gehen. Als er später doch auf ihn trifft, warnt Kosh ihn: „Leave this place. They are not for you. Go. Leave! Now.“ Was meint Kosh damit?
  • Wodurch wurde Koshs Schutzanzug beschädigt? (Garibaldi erwähnt das am Ende der Folge im Gespräch mit Sinclair.) Hat das etwas mit seiner Begegnung mit Mr. Morden zu tun?
  • Was baut Delenn da in ihrem Quartier zusammen? Handelt es sich dabei um ein Geschicklichkeitsspiel, eine Meditationstechnik oder etwas völlig anderes?
  • Was bedeutet das Symbol auf Delenns Stirn und warum erscheint es, als ihr Morden gegenübertritt?

Weitere interessante Punkte: 

  • „What do you want?“ ist eine der zwei zentralen Fragen, um die die Serie aufgebaut ist. Die zweite Frage – und das an sich ist kein großer Spoiler – lautet „Who are you?“. JMS zufolge können die Antworten auf diese Fragen einen positiven oder zerstörerischen Einfluss auf einen haben, je nachdem in welcher Reihenfolge man die Fragen für sich beantwortet. Weiß man, wer man ist, bevor man gefragt wird, was man will, wird die Antwort wahrscheinlich eine konstruktive sein. Wenn man sich aber noch nicht so weit mit sich selbst auseinander gesetzt hat, dass man die „Who are you?“-Frage für sich beantwortet hat und dann aber gefragt wird „What do you want?“, kann einen die Antwort auf einen zerstörerischen Pfad führen. (Nach Jane Killick: Babylon 5 – Season by Season. Signs and Portents. S. 115.)
  • Am Ende der Episode sehen wir Sinclair und Garibaldi tatsächlich auf der Toilette. Ein nettes Detail, das dazu beiträgt, Babylon 5 zu einer glaubhaften Umgebung zu machen.
  • Das „Babylon 5“-Thema während des Abspanns wird hier erstmals in einer Moll-Tonart gespielt.
  • In der Szene mit Morden und Kosh erlischt plötzlich eine der Lampen. Mir ist das ehrlich gesagt gar nicht selbst aufgefallen, aber ist schon beabsichtigt und führt natürlich zu der Frage, wer oder was dafür verantwortlich ist…
  • G’Kar beleidigt Londo mit dem Ausdruck „And you can kiss my pouch“. Ich weiß nicht, ob ich das im Blog schon einmal erwähnt habe, aber diese Redewendung kommt natürlich daher, dass Narn ihren Nachwuchs wie Kängurus in Beuteln austragen.

Interessante „Hinter den Kulissen“-Fakten:

  • Mordens Technik, einfach immer wieder so lange die gleiche Frage zu stellen, bis sein Gegenüber sich ihm öffnet und er eine befriedigende Antwort erhält, hat JMS sich von einer Praktik der Syanon-Selbsthilfeorganisation abgeschaut.
  • Folgende von JMS überlieferte Geschichte ist zu gut, um sie nicht auch hier wiederzugeben:
    Morden-Darsteller Ed Wasser wollte nach der ersten Ausstrahlung der Episode für einen kranken Freund Blumen kaufen. Im Geschäft fragte ihn der Florist „What do you want?“ und Wasser murmelte etwas von Blumen. Der Florist fragte erneut „What do you want?“ und Wasser, der die Anspielung immer noch nicht kapierte, antwortete er wolle einem kranken Freund ein nettes Geschenk machen. „Yes, but what do you want?“, fragte der Florist nochmals und Wasser verstand endlich, was vor sich ging. Er fühlte sich durch die Vorgehensweise des Floristen in die Enge getrieben – und genau das wollte JMS in „Babylon 5“ mit dieser Fragetechnik auch erreichen. (Der Florist fügte übrigens noch hinzu, dass er glaubte, die Szene in einer Folge von „Deep Space Nine“ gesehen zu haben…)

Zitate:

Ivaova (direkt nach dem Aufwachen zu sich selbst): „Why does my mouth always taste like old carpet in the morning?“
Computer: „Unknown. Checking medical logs.“

Londos Antwort auf Mordens Frage: „I want my people to reclaim their rightful place in the galaxy. I want to see the Centauri stretch forth their hand again and command the stars. I want a rebirth of glory, a renessaince of power. I want to stop running through my life like a man late for an appointment, afraid to look back or to look forward. I want us to be what we used to be. I want… I want it all back the way that it was.“

Lady Ladira: „The future is always changing. We create the future, with our words, our deeds, and with our beliefs. This is a possible future, Commander. And it is my hope that you may yet avoid it.“

 

Die nächste Folge in meinem „Babylon 5“ Rewatch:
1.15 „Grail“

 


Die Reihenfolge, in der ich die Episoden der ersten Staffel hier im Blog besprechen werde, entspricht wie oben erwähnt der von JMS empfohlenen Reihenfolge (Änderungen gegenüber der Reihenfolge auf den DVDs sind markiert; klickt die Titel an, um zum entsprechenden Blogpost zu gelangen):

1.01    Midnight on the Firing Line                                           
1.02    Soul Hunter
1.03    Born to the Purple
1.04    Infection
1.05    The Parliament of Dreams                                                 
1.06    Mind War
1.07    The War Prayer
1.08    And The Sky Full Of Stars
1.09    Deathwalker                                                                         
1.10    Believers
1.11    Survivors
1.12    By Any Means Necessary
1.13    Signs and Portents     
1.15    Grail
1.16    Eyes
1.18    A Voice in the Wilderness – Part 1
1.19    A Voice in the Wilderness – Part 2

1.20    Babylon Squared
1.21    The Quality of Mercy
1.14    TKO
1.17     Legacies                                                                              

1.22    Chrysalis